Larry Goldings, Peter Bernstein und Bill Stewart Info 2016

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Larry Goldings, Peter Bernstein und Bill Stewart Info 2016
LARRY GOLDINGS, PETER BERNSTEIN
UND BILL STEWART
Das Schöne hat viele Schichten
Drei mit ganz feinen Ohren: Larry Goldings, Peter Bernstein und Bill Stewart.
Sie machen lustvoll groovende und höchst feinsinnige Musik in der traditionsreichen Besetzung
Orgel, Gitarre, Schlagzeug. Und so hintersinnig wie der Titel dieser CD ist auch die Musik auf
Ramshackle Serenade.
Eine Musik, in die man sich mit Lust hineinfallen lassen kann. Sie fängt einen auf mit einem ungemein
warmen Klangbett. Und darin liegend, kann man dann ganz viele feine Details genießen: Details, die aus
einer jetzt schon 25 Jahre währenden Zusammenarbeit dieser drei Musiker resultieren – aber auch
daraus, dass sie an ihren Instrumenten einfach zu den besten gehören. Hammond-Organist (und sonst
auch Pianist) Larry Goldings, Gitarrist Peter Bernstein und Schlagzeuger Bill Stewart: ein
außergewöhnliches Gespann. Alles, was die traditionelle Besetzung „Organ Trio“ – Orgel, Gitarre,
Schlagzeug – an groovenden Reizen und süffig-satter Klangpracht hergibt, findet man hier. Aber darüber
hinaus ist die Musik auf dieser Pirouet-CD von einer selten zu findenden, fein getönten Intimität. Musik,
der man in jedem Augenblick die Lust und den Spaß an einer besonders wendigen InstrumentenBesetzung mit ganz großen dynamischen Möglichkeiten anmerkt – und die zugleich eine Tiefgründigkeit
hat, die aus dem Spiel-Vergnügen ein Statement zum Leben macht. Klänge, die schillern wie der Titel
der CD: Ramshackle Serenade.
„Ramshackle“ bedeutet „baufällig, marode, wackelig“. Als ramshackle bezeichnete der Schriftsteller
Mark Twain die schiefe, verfallene Hütte am Ufer des Mississippi, in der das reale Vorbild für seine
Abenteurer-Figur Huckleberry Finn lebte. Larry Goldings, der das für die ganze CD namensgebende Stück
Ramshackle Serenade komponierte, sagt: „Als ich nach einem Titel für den Song suchte, dachte ich an
Mark Twain – ich weiß nicht genau, warum. Vielleicht kam mir aus dem Stück ein Flair von Americana
entgegen. Als ich mich mit Twain beschäftigte, stieß ich auf das Wort 'ramshackle', das mir zum Geist
des Stücks zu passen schien. Da gibt es im A-Teil diese melodischen Gegenbewegungen, die nach und
nach abzublättern scheinen, und das Stück hat etwas Zerbrechliches. Aber es ist auch lyrisch, da schien
es ganz angebracht, ein Wort wie ‚Serenade‘ dagegenzusetzen. Wir alle mochten das als Titel für die
Platte. Ich denke, dass wir als Band manchmal Stärke und Schönheit auf ein Gefühl von Verfall und
Chaos treffen lassen. Es macht Spaß, etwas Schönes zu nehmen und es harmonisch und rhythmisch so
zu wenden, dass sich einige dunklere Schatten hineinmischen. Spannung ist entscheidend, wenn man
gute Musik machen will.“
So lebendig und bilderreich wie diese Schilderung ist auch die Musik des Trios – und eben auch so
nuancenreich. Diese Musik ist das Gegenteil von eindimensional. Vielleicht ist das ohnehin ein
erwartbarer Effekt, wenn drei so starke musikalische Charaktere zusammenwirken. Obwohl Larry
Goldings das Titelstück komponiert hat, weist er ausdrücklich darauf hin, dass dieses Trio drei Leader
hat. Von „collaborative leadership“ spricht er. „Wir haben auf ganz natürliche Art einen Gruppensound
entwickelt statt eines Klangs, der von der Orgel dominiert ist. Das passierte einfach, vielleicht aufgrund
des Respekts, den wir voreinander haben, als Musiker mit starken, identifizierbaren Persönlichkeiten.“
Als musikalische Persönlichkeiten gehören die Mitglieder dieses Trios zu den stärksten ihrer Generation.
Larry Goldings, 1968 in Boston geboren, hat mit Partnern wie Maceo Parker, John Scofield und Jack
DeJohnette sowohl Musik mit sattem Funky-Groove und bluesiger Expressivität gemacht als auch freiere
Erkundungen der Jazz-Möglichkeiten versucht. Bill Stewart, geboren 1966 in Des Moines, hat früh mit
Musikern wie Joe Lovano und Dave Holland gespielt, arbeitete wie Goldings mit Maceo Parker
zusammen, tritt ebenfalls immer wieder mit Gitarrist John Scofield auf (allerdings in einer anderen
Kombination als Goldings) und hat mit seinem Trio unter eigenem Namen – mit Larry Goldings und
Pianist Kevin Hays – bei Pirouet die in der Presse vielgelobte CD Incandescence veröffentlicht. Peter
Bernstein schließlich, geboren 1967 in New York City, hat mit so unterschiedlichen Musikern wie Diana
Krall, Lee Konitz, Roy Hargrove, Brad Mehldau gespielt, gehört zu den vielseitigsten und begehrtesten
Gitarristen der weltweiten Szene. Ursprünglich lernte er Klavier und stieg erst mit 13 auf die Gitarre um;
sein präzises und melodisch feinfühliges Spiel wurde nicht zuletzt von dem großen Gitarristen Jim Hall
hervorgehoben, der Bernstein nach gemeinsamen Konzerten in den 90ern „den beeindruckendsten
Gitarristen“ nannte, den er je gehört habe.
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Wenn man dieses Trio hört, spürt man schnell, dass die Musiker eine ganz hohe Wertschätzung
füreinander haben. Bill Stewart etwa sagt über die anderen, „Pete ist einer der Improvisatoren, die
wirklich zum Punkt kommen; seine Soli sind voller großartiger Melodien“, und „Larry hat unglaublich
schnelle Ohren und ist für alles, was in der Musik passiert, empfänglich“. Goldings wiederum nennt
Stewart „einen der großen Schlagzeuger im Jazz“ und findet, dass seine Orgel-Bank „einer der besten
Plätze im Haus“ ist, wenn er mit diesen Partnern spielt. Völlig organisch, höchst natürlich gehen diese
drei Partner ihre musikalischen Wege und deren Verästelungen miteinander.
Zugleich hat die Musik dieses Trios den besonderen Vorzug, dass nirgends der Eindruck von Wettstreit
entsteht. Hier will keiner beeindrucken, sondern den beiden anderen möglichst aufmerksam zuhören
und dann ein stimmiges Ganzes schaffen. Und genau das hört und spürt man in jedem Moment. Gerade
etwa bei Stücken wie Horace Silvers großes Statement Peace: Wie leuchtend und mit welch klar
artikulierten Tönen Peter Bernstein hier etwa das Thema spielt, hat etwas von musikalischen
Sonnenstrahlen, die plötzlich durch imaginäre Wolken dringen; damit wird die Komposition nicht einfach
nur als eine schöne Ballade wiedergegeben, sondern das humanitäre Statement ist auf ganz leise und
feine Art ebenfalls präsent.
Die Stücke auf dieser CD sind stets ein bisschen mehr als „nur“ das großartige Zusammenspiel dreier
großartiger Musiker. Es weht viel Geist mit, „Witz“ im Sinne von tiefgründiger Intelligenz. Dies ist ein Trio
von zugleich lustvoller und äußerst subtiler Musikalität. Da gibt es auch Stücke wie das lakonischkuriose Mr. Meagles, das dem „Hund eines bekannten Schauspielers“ gewidmet ist, „den wir unlängst im
Village Vanguard trafen“, so Larry Goldings. „Hund und Schauspieler waren beide sehr anmutig.“ Die
Freude an der Beobachtung, die in diesem Satz mitschwingt – die hört man gut heraus aus einem Stück,
das wie ein in Töne gesetztes Augenzwinkern klingt.
Lust an der Bildhaftigkeit, am Erzählen von Geschichten durch Andeutungen hindurch, am Schaffen von
Assoziationsflächen für den Hörer: Das alles durchzieht die Stücke dieser CD – die Überschriften tragen
wie „Useless Metaphor“ oder diejenige des Titelstücks, Überschriften, die spannende Fährten für das Ohr
legen. Daneben gibt es hier auch wunderschöne musikalische Verbeugungen: eine ungemein kraftvollsoulige für den Schlagzeuger Max Roach, die eindringlich schöne vor Pianist und Komponist Horace
Silver und seinem bereits erwähnten Stück Peace– und eine vor dem Bossa-nova-Poeten und
- Komponisten Antonio Carlos Jobim mit einer instrumentalen Interpretation von dessen musikalisch
und textlich vielschichtigem Song Luiza, einer Interpretation, die wie ein feiner, hintergründiger Fluss
inniger Stimmungen anmutet.
Die vielen Schichten des Schönen: Mit diesem Trio kann man sie entdecken und genießen. Und dies
umso mehr, als dieses Schöne und das, was dahinter steht, ganz bescheiden daherkommen. Drei
Musiker, die nirgends Wind machen – und dabei dennoch eine äußerst mitreißende Kraft erzeugen, weil
sie ihre Töne und deren Untertöne so besonders fein im Griff haben.
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