IM INTERNET

Сomentários

Transcrição

IM INTERNET
easy LINUX!
COMMUNITY-EDITION
Titel: SICHER IM INTERNET
DVD: Mint 18.0, Kubuntu 16.04
easy LINUX!
Frei kopieren und beliebig weiter verteilen !
einfach – klar – benutzerfreundlich
Linux Mint 18
Kubuntu 16.04
Long Term Support (LTS)
Long Term Support (LTS)
–64-Bit-Version
– basiert auf Ubuntu 16.04
– Desktop: Cinnamon 3.0
– Linux-Kernel 4.4.0
– LibreOffice 5.1.2
– Firefox 47.0
– mit Sicherheitsupdates
bis 2021
–64-Bit-Version
– KDE Plasma 5.5.5
Beide Linux-Versionen mit
Installationsanleitung ab S. 106
Service Kit 03/2016
Updates für (K)Ubuntu 16.04
und OpenSuse 42.1 (je 64 Bit)
SICHER
IM INTERNET
Angreifer haben keine Chance:
So meiden Sie Sicherheitsrisiken
S. 30
Mit OpenVPN ein Virtual Private Network
aufsetzen und von unterwegs auf das
heimische Netz zugreifen S. 34
Hard- & Software-Test
Grundlagen
DVB-T2 mit dem PCTV tripleStick 292e
FreeOffice: Gratispaket von SoftMaker
Superhot: Action und Geschicklichkeit
Linux und OS X: zwei Unix-Systeme S. 91
„grep“ für PDF- und LibreOffice-Dateien S. 112
S. 104
S. 96
S. 100
Gimp
Shell
S. 78
S. 88
LibreOffice S. 74
Ubuntu/Mint S. 81
Kurztests/DVD-Inhalt
Hugin 2016 (12), Geary 0.11 (14), Rescatux 0.40b6
(15), gImageReader 3.1.91 (16), VeraCrypt 1.17 (18),
MediathekView 11 (19), DocFetcher 1.1.17 (20) u. v. m.
€ 9,80
03
KDE S. 64
Gnome S. 70
Gimp: 10 Seiten Einsteiger-Workshop S. 44
Schlanke Alternativen: Office, Browser & Co. S. 54
Linux und Freie Software an der Uni S. 59
Österreich € 10,80
Schweiz sfr 19,60
BeNeLux € 11,25
Italien € 12,75
Spanien € 12,75
4 196177 309803
24 Seiten Tipps & Tricks
Workshop
easy LINUX!
EDITORIAL
Hans-Georg Eßer
Chefredakteur
Vom Brexit und
proprietärer Software
Liebe Leserinnen und Leser,
Ende Juni haben sich die Briten knapp für
den Brexit (den British Exit, also das Ausscheiden aus der Europäischen Union)
entschieden. Im Kern ging es um die
Frage: „Schaffen wir die Aufgaben besser
allein oder gemeinsam?“
Auch die Software-Industrie kennt
diese Unterscheidung zwischen dem Alleingang und dem gemeinsamen Weg:
Die Brexit-Variante entspricht dabei pro­
prietärer Software; die EU-freundliche
Version gehört im Bild zu Freier und
Open Source Software. Bei den kooperativen Entwicklungsmodellen geht es um
Gemeinsamkeit, Teilhabe, gegenseitiges
Geben und Nehmen. Wer in dieser Welt
ein neues Programm entwickelt, muss
nicht bei null anfangen, sondern kann auf
einen großen Fundus an bestehendem
Quellcode aufbauen oder direkt einen
Fork eines vorhandenen Programms erstellen und damit weiter arbeiten. Wie im
Schengen-Raum mit seinen offenen Grenzen zwischen den Mitgliedsländern gibt
es hier keine Beschränkungen: Entwickler
dürfen den Programmcode anderer Entwickler kostenlos verwenden, anpassen,
in eigene Programme integrieren. Mit den
Rechten kommen auch Pflichten: Die auf
Basis von fremdem Code entwickelte
Software muss meist auch wieder unter
eine freie Lizenz und ebenfalls im Quell-
EasyLinux 03/2016
code verfügbar gemacht werden, damit
andere Entwickler von den Verbesserungen und Ergänzungen profitieren können.
Auch hier passt wieder die Parallele zur
aktuellen Politik (etwa: kein BinnenraumZugang ohne Gewähr der Freizügigkeit).
Die Analysen des Brexit-Referendums
zeigten, wie sich die Stimmen für Bleiben
und Gehen auf verschiedene Bevölkerungsschichten verteilten [1]: Alt, kleinstädtisch,
ungebildet – hier gab es Mehrheiten für
den Austritt, während die Jungen, die
Großstädter und die Bürger mit höherer
Bildung mehrheitlich für die EU waren.
Experten empfehlen Kooperation
Die Experten hatten den Briten einheitlich
zum Verbleib in der EU geraten, weil der
kooperative Ansatz der Gemeinschaft für
die Bewältigung der heutigen Probleme
einfach besser geeignet ist. Das gilt auch
für die Entwicklung von Software: Wer
(auch als großes Unternehmen) Software
nach dem alten proprietären Modell entwickelt, verzichtet auf die Mithilfe der
Gemeinschaft:
lEr muss ständig das Rad neu erfinden, also Funktionalität neu entwickeln, die es an anderer Stelle bereits
gibt – oder alternativ für teures Geld
Code von anderen proprietären Anbietern lizenzieren.
www.easylinux.de
Es gibt keine Unterstützung von interessierten Programmierern außerhalb
des Unternehmens.
lMan kann beim Analysieren der
Software (wenn es etwa um angreifbare Schwachstellen geht) nur auf die
eigenen Mitarbeiter zurückgreifen; in
der Welt der Freien und Open Source
Software schauen auch andere auf
den Code.
Proprietäre Modelle sind auch unflexibel,
wenn es darum geht, sich auf geänderte
Situationen einzustellen; das sieht man
u. a. an den langen Veröffentlichungszyklen: Es dauert bei größeren Programmen
oft Jahre, bis eine neue Version erscheint,
während in der kooperativen Softwarewelt ständig neue Versionen mit behobenen Fehlern und zusätzlichen Features
entstehen.
Damit gilt auch für Anwender: Wer aktuelle Entwicklungen nicht verschlafen
möchte, sollte auf Freie und Open Source
Software setzen – hier tauchen neue
Ideen zuerst auf, und die angebotene
Software wird von der Entwicklergemeinschaft auf Fehler und Sicherheitslücken
untersucht. Ja zur Gemeinschaft!
l
[1]
http://​­www.​­faz.​­net/​­aktuell/​­politik/​­brexit/​
­wahl‑analyse‑die‑alten‑waehlten‑den‑br
exit‑14301861.​­html (http://​­ezlx.​­de/​­g3r1)
3
ÜBERBLICK
RUBRIK
30
Schlagwort
54
Linux-Anwender sind im
Internet auch Gefahren
ausgesetzt. Wir erklären,
worauf Sie achten sollten.
AKTUELL
WORKSHOP
Editorial...........................................................................................3
DVD-Inhalt......................................................................................6
Nachrichten....................................................................................7
Neue Software.............................................................................12
Angetestet: Hugin 2016.0.0, Geary 0.11, Rescatux 0.40b6,
gImageReader 3.1.91, VeraCrypt 1.17, MediathekView 11,
DocFetcher 1.1.17, QEMU 2.60, Stellarium 0.14.3, Pixelitor
4.0.2 und SportsTracker 7.2.0
Webseiten.....................................................................................29
Einstieg in Gimp...........................................................................44
Wer Fotos bearbeiten möchte, kommt unter Linux an Gimp nicht
vorbei – das Programm ist aber komplex, weil es zahlreiche
Profifunktionen unterstützt. Mit diesem Workshop gelingt der
Einstieg in die Bildbearbeitung.
Schlanke Software......................................................................54
Der Rechner ist nicht mehr der jüngste, und LibreOffice arbeitet
unter KDE nur schleppend? Mit kleineren Alternativprogrammen
können Sie auch auf älterer Hardware gut arbeiten.
Linux an der Uni...........................................................................59
SICHER IM NETZ
Verschlusssachen.......................................................................30
Angreifer wollen Ihren Rechner in ein Botnetz integrieren,
während Onlinehändler und andere Webseiten Ihr Such- und
Kaufverhalten ausspähen möchten. Sicherheit und Privacy
sind wichtige Themen – wie gut Sie als Linux-Nutzer geschützt sind, verrät dieser Ar tikel.
Abhörschutz mit OpenVPN.........................................................34
Ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) ermöglicht den sicheren
und verschlüsselten Zugriff von unterwegs auf Ressourcen in
Ihrem Heimnetz. Mit der freien OpenVPN-Lösung machen Sie
Ihre Mobilgeräte zu Clients im VPN-Netz. Die Software ist leicht
einzurichten und gehört zu den Standardpaketen der großen
Distributionen.
WORKSHOP
Webbrowser Vivaldi 1.2.............................................................40
Eine Truppe Softwareentwickler aus dem hohen Norden ließ
einen verloren geglaubten Webbrowser wieder auferstehen. Wer
einst Opera liebte, findet jetzt in Vivaldi einen flotten Begleiter
fürs Netz. Wir schauen nach, ob der kostenlose Browser schon
mit den „Großen“ im Orchester mitspielen kann.
4
Eine Nummer kleiner:
Wenn der PC zu langsam ist, alternative
Programme nutzen.
Die Studenten holen Bücher und Fachartikel aus Uni-Bibliothe­
ken, brüten im Lesesaal über den Texten und machen sich Notizen in Karteikarten – das ist ein Bild aus der Vergangenheit;
PCs und das Internet haben den Alltag im Studium verändert.
Der moderne Student ist mit einem Linux-Rechner gut bedient.
TIPPS & TRICKS
Besser arbeiten mit KDE.............................................................64
Gnome-Tipps................................................................................70
LibreOffice....................................................................................74
Effizienter arbeiten mit Gimp.....................................................78
Tipps und Tricks zu (K)Ubuntu und Mint..................................81
Linux-Tipps...................................................................................84
Know-how für die Kommandozeile..........................................88
104
HDTV über Antenne? Mit dem
kommenden
Standard DVBT2 geht das.
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
59
91
Beim Studium an
Uni und FH helfen
Linux und Freie
Software.
BASICS
Linux und Apples OS X
sind Unix-Systeme. Wir
zeigen, was sie verbindet und was sie trennt.
HEFT-DVD
Linux und OS X.............................................................................91
Kubuntu 16.04 LTS...........................................108
OS X ist das Betriebssystem der Apple-Computer: Die bilden
neben Linux- und Windows-PCs einen weiteren separaten Computerkosmos. Als Unix-basiertes System ist OS X aber Linux
recht ähnlich. Dieser Grundlagenartikel stellt Gemeinsamkeiten
und Unterschiede vor.
TEST
Im April ist Ubuntu 16.04 (Xenial Xerus) erschienen – und zeitgleich auch die KDE-Variante
Kubuntu, deren 64-Bit-Version Sie auf unserer
Heft-DVD finden. Hier erklären wir die Installation der LTS-Ausgabe.
Linux Mint 18.0 Cinnamon........................................................110
SoftMaker FreeOffice 2016........................................................96
FreeOffice ist die abgespeckte Gratisvariante von SoftMaker Office: Das Paket besteht aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und einem Präsentations-Programm. Wir haben die jüngste
Linux-Version getestet.
Action- und Geschicklichkeitsspiel Superhot.....................100
Ein kleines polnisches Team
hatte eine einfache, aber brillante Idee: In seinem Actionspiel
läuft die Zeit nur dann weiter,
wenn man sich selbst bewegt.
Wer in der sterilen weißen Welt
vorankommen möchte, benötigt daher neben etwas Geschick
auch ein helles Köpfchen.
DVB-T2 mit dem PCTV tripleStick 292e.................................104
Endlich erwachsen: Linux Mint hat Versionsnummer 18 erreicht. Der Übergang in die Volljährigkeit ist aber unspektakulär,
denn Mint war schon in früheren Versionen eine gut ausgestattete, einsteigerfreundliche Distribution.
GURU-TRAINING
Suche mit grep und pdfgrep.....................................................112
Im Ordner „Bank“ liegen die
Kontoauszüge der letzten drei
Jahre, und Sie fragen sich, wann
Sie im örtlichen Elektronikmarkt
den neuen Monitor gekauft haben. Das an „grep“ angelehnte
Kommandozeilentool „pdfgrep“ gibt Ihnen die Antwort sofort.
Einmal dabei, bietet es sich auch an, LibreOffice-Dokumente
zu durchsuchen; wir entwickeln „uvgrep“ (universal grep).
Die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 hat begonnen: Spätes­
tens 2019 wird der letzte Sender nur noch den neuen Standard
unterstützen. Unter Linux empfangen Sie mit dem tripleStick
292e von PCTV Systems Antennenfernsehen in HD-Qualität.
HEFT-DVD
SERVICE
Linux User Groups............................................................... 117
Aktuell auf DVD..........................................................................106
Impressum............................................................................ 120
Auf den Heft-DVDs finden Sie mit Kubuntu 16.04 LTS und Linux
Mint 18.0 Cinnamon zwei aktuelle Systeme, die Sie ausprobieren und – bei Gefallen – dauerhaft nutzen können.
Hardware- u. Bücherservice............................................. 121
EasyLinux 03/2016
Vorschau............................................................................... 122
www.easylinux.de
5
RUBRIK
Schlagwort
Krita 3.0
HEFT-DVD
Außerordentlich funktionsreiches Mal- und
Zeichenprogramm mit Grafik-Tablett-Unterstützung – jetzt auch für animierte Bilder.
Stellarium 0.14.3
Rescatux 0.40b6
Dieses Programm bietet Hobby-Astronomen ein Planetarium für die eigenen vier
Wände und richtet auch Teleskope aus.
Wenn das System seinen Dienst
verweigert, weil der Bootloader
Ärger macht, dann hilft das LiveSystem Rescatux aus der
Klemme. Das zentrale Programm
Rescapp repariert sogar viele
Bootprobleme automatisch.
VeraCrypt 1.17
Das für alle gängigen Plattformen verfügbare Tool erzeugt unter anderem verschlüsselte Container und gilt als sicher.
Yabs 1.2
Franz 0.3.10
Das Java-Programm bietet speziell für kleinere Unternehmen ein Warenwirtschaftssystem, das kaum Wünsche offen lässt.
Kürzlich veröffentlichte Facebook eine
Messenger-App – nicht aber für Linux.
Diese Lücke füllt Franz.
Pixelitor 4.0.2
gImageReader 3.1.91
Wem Gimp zu mächtig und kompliziert
ist, dem bietet dieses Tool die wichtigsten Grafikbearbeitungs-Werkzeuge.
Dank Tesseract erübrigt sich das Abtippen von Papiertexten; gImageReader liefert dafür eine praktische Oberfläche.
AUSSERDEM AUF DVD:
Hugin 2016.0.0
Hervorragendes Spezialwerkzeug, um aus
mehreren Aufnahmen ein Panoramabild
zusammenzustellen.
SERVICE KIT
6
• DocFetcher
1.1.17: por table Desktop-Suchmaschine
Geary 0.11: schlanker E-Mail-Client im WhatsApp-Design
• SportsTracker 7.2.0: analysier t Pulsaufzeichnungen
• Vivaldi 1.12: funktionsreicher Webbrowser
•
KUBUNTU 16.04 LTS
Das Service Kit enthält alle relevanten Sicherheits- und Programm-Aktualisierungen für OpenSuse Leap 42.1 und Kubuntu 16.04 (jeweils 64 Bit) seit dem Erscheinungstag der Distributionen. Ein Upgrade älterer Versionen (beispielsweise
von OpenSuse 13.2 auf OpenSuse Leap
42.1) ermöglicht das Service Kit nicht.
Canonicals neuester Wurf Kubuntu
16.04 bietet in dieser Version wieder
eine Langzeitunterstützung für fünf Jahre.
Wie bei diesen Releases üblich, legt der
Distributor besonderen Wert auf ausgereifte und stabile Software, verzichtet im
Gegenzug aber auf das Implementieren
unfertiger Neuentwicklungen.
Die auf dem Service Kit enthaltenen Pakete stammen aus den Original-Downloadquellen von Novell und Canonical.
Damit ist die Aktualisierung über die
Service-Kit-DVD identisch mit einem Onlineupdate. Durch die zeitliche Differenz
zwischen dem Fertigstellen des Datenträgers und dem Erscheinen des Heftes
können jedoch neue Updates auf den
Servern der Distributoren bereitstehen.
Als Desktop kommt KDE Plasma 5.5.5
zum Einsatz, den Unterbau stellt der Kernel 4.4 zusammen mit dem X-Server X.Org
1.18.3. Als Desktopprogramme bietet die
Distribution u. a. die Officesuite
LibreOffice 5.1.2, den Webbrowser Firefox 45.0.2 und
das komfortable Brennprogramm K3b 2.0.3.
www.easylinux.de
LINUX MINT 18
Die DVD enthält die Variante mit der
Desktopumgebung Cinnamon. Dabei
handelt es sich um einen Fork der
Gnome-Shell, der die modernen Konzepte von Gnome 3 mit der traditionellen Bedienung von Gnome 2 verbindet.
Linux Mint selbst basiert auf Ubuntu
16.04 LTS und bietet damit den gleichen 5-Jahres-Support bis 2021.
Dabei sind erstmals auch die so genannten X-Apps, also geforkte Anwendungen aus dem Gnome-Desktopumfeld. Dazu zählen unter anderem der
Pluma-basierte Texteditor
Xed, der Bildbetrachter
Xviewer auf Basis von Eye
und der Mediaplayer, basierend auf Totem. (Thomas
n
Leichtenstern/tle)
EasyLinux 03/2016
“Lis
AKTUELL
Neue Software
NEUE SOFTWARE
Peter Kreußel
Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme
in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden
Pakete und Installationshinweise.
Hugin 2016.0.0 – professionelles Panorama-Tool
Hugin ist ein hervorragendes Spezialtool, das
Panoramateile zusammensetzen und Architekturfotos entzerren kann. Der Standardmodus sorgt für einsteigertaugliche Bedienung; der Expertenmodus legt viele von Fotoprofis geschätzte Funktionen frei.
★★★★★
und vertikale Linien. Auf deren Basis
richtet das Programm das Haus in einem
Mausklick gerade aus (unten).
Aus der Hüfte
In der Analogfotografie war ein Stativ Voraussetzung für Panoramafotos: Nur mit
ihm lässt sich die Kamera drehen, ohne den
Bildausschnitt in der Höhe zu verändern.
Hugin fügt jedoch auch Fotos nahtlos aneinander, deren Bildausschnitte sich vertikal
verschoben haben. Selbst, wenn Sie die Kamera bei manchen Aufnahmen schräg halten, gleicht die Software das aus.
Für die Panoramaerzeugung stellt
Hugin seit Version 2013.0.0 einen simp-
Die meisten Bitmap-Editoren wie Gimp
oder Darktable verändern Belichtung und
Farbe eines Bildes. Hugin (Abbildung 1)
[1] dagegen formt das Bild im direkten
Wortsinn: Eines seiner Anwendungsgebiete ist die Korrektur „stürzender“ Linien in der Architekturfotografie. Das
zweite ist das Verschmelzen von Einzelbildern zu bruchlosen Panoramen.
Im oberen Teil der Abbildung sehen
Sie mit der Maus markierte horizontale
DIE REDAKTION MEINT
Die Panorama-Tools [2], die für Hugin im
Hintergrund die eigentliche Rechenarbeit übernehmen, hat ein MathematikProfessor entwickelt. Dementsprechend
ist auch der Leistungsumfang von Hugin
eher auf Profis zugeschnitten, eventuell
sogar auf Architekten, die maßgenaue
Abbildungen benötigen. Die Einstellung
Benutzeroberfläche / Standard verdeckt
diese Komplexität jedoch und macht die
Software einsteigertauglich.
Auf jeden Fall liefert Hugin hervorragende Ergebnisse, die weit über das
Verzerren-Werkzeug in Gimp hinausgehen: Dort korrigieren Sie stürzende Linien frei nach Augenmaß statt mathematisch genau wie in Hugin.
12
Abb. 1: Nach dem Markieren vertikaler und horizontaler Linien (oben) richtet Hugin dieses schräg von vorne aufgenommene Foto eines Hauses gerade aus (unten).
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
Neue Software
Abb. 2: In drei einfachen Schritten (unten) verbindet Hugin die aus der Hüfte geschossenen, unterschiedlich belichteten Kacheln (oben) zu einem Panorama (Mitte).
AKTUELL
Abb. 3: Wer die Vorgabe der Automatik
nicht mag, wählt im Expertenmodus
auf dem Reiter „Projektion“ manuell
das Projektionsverfahren aus.
Licht und Schatten
len Wizard mit drei Schritten zur Verfügung (Reiter Assistent, Abbildung 2).
Das Hugin-Hauptprogramm heißt übrigens Hugins Panorama Editor; die beiden anderen mitgelieferten Anwendungen sind Hilfsprogramme zum reihenweisen Bearbeiten vieler Fotos und zum
Kalibrieren von Objektiven.
Laden Sie mit 1. Bilder laden die Einzelteile des Panoramas von links nach
rechts.
Über 2. Ausrichten durchsuchen Sie
die Bilder nach markanten Punkten
und richten die Kacheln daran aus. Dabei
verschiebt Hugin die Bilder nicht nur vertikal, sondern errechnet aus der Lage der
sich entsprechenden Punkte eine Deformationsmatrix, die auch Ungenauigkeiten
der Kameraoptik ausgleicht.
Schließlich erzeugt 3. Erstellen des Panoramas das fertige Panorama. Diese
drei einfachen Schritte, die Hobbyfotografen vollauf genügen dürften, verdecken
1
2
3
die Leistungsfähigkeit des Programms: Es
bietet noch weit mehr.
Die Tiefe des Raums
Auf dem Reiter Projektion legen Sie fest,
wie Hugin das Bild in die Bildschirmebene presst: Die Kamera fährt ja für die
Aufnahmen nicht auf einer Schiene von
links nach rechts. Vielmehr nimmt sie
durch die Drehung ein gebogenes Gesamtbild auf. Hugin muss sie in die
Ebene projizieren – das ist ein uraltes
Problem, das schon von der Abbildung
der Erdoberfläche auf Landkarten her
bekannt ist.
Eine solche Projektion bleibt ein Kompromiss: Entweder verzerrt sie die Größenverhältnisse, oder sie verbiegt in der
Natur gerade Linien (Abbildung 3,
oben: zylindrisch, Mitte: geradlinig). Dazwischen sind verschiedene Abstufungen möglich (Abbildung 3, unten: Panini-Projektion).
Bereits in Abbildung 2 war zu sehen, wie
Hugin die unterschiedliche Belichtung der
Kacheln angleicht. Dabei sind die in den
dunklen Aufnahmen deutlich sichtbaren
Wolken verschwunden.
Um dies zu verhindern, beherrscht Hugin die von HDR-Aufnahmen (HDR: high
dynamic range, großer Wertebereich) bekannte Technik der Mehrfachbelichtung:
Nehmen Sie dafür einfach jeden Panoramaauschnitt mehrfach mit unterschiedlicher Belichtung auf. Für HDR-Einzelaufnahmen funktioniert das ebenfalls.
n
INFOS
[1]Hugin: http://​­hugin.​­sourceforge.​­net/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c1)
[2]Panorama-Tools:
http://​­www.​­panoramatools.​­com/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c2)
SOFTWARE AUF DVD:
Hugin 2016.0.0
NEWS, BLOGS & JOBS
PEN SOURCE
LINUX UND Ose
rem Newsletter
topaktuell mit un
http://www.linux-magazin.de/newsletter
AKTUELL
Neue Software
Geary 0.11 – Mailprogramm für kleine Bildschirme
Alle verbreiteten Mailprogramme gleichen
sich in den Grundzügen. Geary versucht
dagegen, die gute alte E-Mail ins Zeitalter
von WhatsApp & Co. zu beamen.
★★★★★
Im letzten Heft haben wir mit Sylpheed [1]
ein Mailprogramm vorgestellt, das wenig
Ressourcen benötigt. Im Gegensatz dazu
knausert das noch junge Geary (Abbildung 4) [2] mit der Anzeigefläche am
Bildschirm: Wie WhatsApp fasst es MailThreads zu „Konversationen“ zusammen.
Das Programm zeigt Mails und Antworten einer Konversation in der rechten
Spalte in Karteikartenoptik an. Bei langen
Threads kürzt es gelesene Mails und
klappt sie erst per Mausklick aus. Dabei
stört allerdings, dass Geary eigene Mails
nicht optisch hervorhebt. Passend zur beschränkten Bandbreite mobiler Computer
lädt die Software zunächst nur die am
Bildschirm sichtbaren Konversationen herunter, weitere erst beim Scrollen.
Die dreispaltige Ansicht, in der das Programm startet, ist optimal für 16:9-Bildschirme. Alternativ beherrscht es auch
eine zweispaltige Darstellung, bei der es
die Konversationen unterhalb der Mailkonten platziert. In der Grundeinstellung
zeigt Geary bereits in dieser Konversationsübersicht eine Vorschau aus zwei
Textzeilen der ersten Mail. In der zweispaltigen Ansicht ist dafür wenig Platz; darum lässt sich diese Vorschau abschalten.
Minimalist
Gearys Oberfläche ziert keine Fensterleiste: Die Schließen-, Minimieren- und
Maximieren-Buttons sind wie bei manchen neueren Gnome-Programmen in die
obere Werkzeugleiste integriert. Auch
eine Menüleiste fehlt; alle Funktionen sind
über die Button-Leiste und Tastatur-Shortcuts erreichbar: Antworten ([R]), Allen
Antworten ([Umschalt-R], schließt Teilnehmer auf CC ein) und Weiterleiten. Außerdem können Sie Mails als gelesen und
als wichtig markieren (Sternmarkierung
zuweisen), verschieben und archivieren.
Der Button für neue Mails liegt ganz links;
mit [N] gibt es auch dafür einen Hotkey.
Beim Schreiben neuer Mails öffnet sich
kein Dialogfenster; stattdessen legt Geary
im rechten Unterfenster eine beschreibbare
Karteikarte an. Wenn Sie auf eine Mail antworten, zeigt das Programm die Antwort
schon beim Schreiben direkt darunter an.
Auf Wunsch lässt sich die Karteikarte für
die neue Mail aus dem Fenster lösen.
Genug ist genug
Geary gibt sich also minimalistisch, doch
an den elementaren Grundfunktionen
fehlt es nicht: Das Programm bettet Anhänge wie die „großen“ Mailprogramme
als Symbol ein. Auch nicht standardkonforme (bei Microsoft-Outlook-Benutzern
aber beliebte) Mails mit HTML-Formatierungen zeigt Geary fehlerfrei an.
Dabei blendet es externe Grafiken wie
es sich gehört erst nach Rückfrage ein: Ihr
Nachladen verrät dem Absender unter
Umständen, wann Sie die Mail gelesen haben und mit welcher IP-Adresse Sie im
Netz unterwegs sind. Ein BCC-Adressfeld,
über das Sie eine Mail für die anderen
Empfänger unsichtbar an weitere Adressaten senden könnten, gibt es nicht. Sie können die Mail aber stattdessen in einem zusätzlichen Arbeitsschritt weiterleiten. n
INFOS
[1]Sylpheed: http://​­sylpheed.​­sraoss.​­jp/​­en/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c3)
[2]Geary: https://​­wiki.​­gnome.​­org/​­Apps/​
G
­ eary (http://​­ezlx.​­de/​­g3c4)
SOFTWARE AUF DVD:
Geary 0.11
DIE REDAKTION MEINT
Geary verbraucht wenig Bildschirmplatz
für die Benutzeroberfläche; auch auf
kleinen Displays bleibt viel Raum für
den eigentlichen Mailtext.
Das Programm orientiert sich am von
Google initiierten „Material Design“,
das Bedienelemente wie ein Blatt Papier mit einem leichten Schlagschatten
hervorhebt. Das wirkt schlicht, aber
dennoch adrett. Ob man sich mit der
nicht abschaltbaren Thread-Gruppierung der Mails anfreunden kann oder
die Baumansicht konventioneller Programme bevorzugt (Abbildung 4), ist
Geschmackssache.
Abb. 4: Mail à la WhatsApp: Geary (links) zeigt im Gegensatz zu KMail (rechts) nicht nur den Text einer einzelnen Mail in der Detailansicht an. Vielmehr scrollt das rechte Unterfenster durch die Texte aller Nachrichten im Thread.
14
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
Neue Software
AKTUELL
Rescatux 0.40b6 – Live-CD für die Systemreparatur
Wenn die Nerven blank liegen, weil das
dringend gebrauchte Arbeitssystem nicht
mehr startet, ist ein virtueller Rettungsring
wie das Rescatux-Live-System gefragt: Es
repariert viele Bootprobleme automatisch
– allerdings nur für BIOS-, (noch) nicht
für UEFI-Computer.
★★★★★
Viele Linux-Anwender kennen das: Sie
haben Windows nach Linux installiert,
und nun ist Linux „verschwunden“.
Zwar löscht Windows Linux-Installationen nicht ungefragt von der Festplatte,
aber es überschreibt stets deren Bootloader. Linux lässt sich dann nicht mehr
starten.
Im Prinzip kann man den Linux-Bootloader Grub mit der Live-DVD eines beliebigen Linux-Systems reparieren, das
selbst Grub einsetzt. Bei den normalen
Ubuntu- und OpenSuse-Installationsmedien ist dabei allerdings Handarbeit auf
der Konsole gefragt [1]. Die Live-CD
Rescatux (Abbildung 5) [2] nimmt Ihnen diese ab.
BIOS only
Im Test hat Rescatux allerdings nur auf
Rechnern funktioniert, die mit der älteren
Firmware-Variante BIOS arbeiten. Alle
Rechner mit vorinstalliertem Windows 8
oder 10 setzen dagegen auf das modernere UEFI. Rechner mit UEFI haben zwar
meist einen BIOS-Kompatibilitätsmodus,
unter dem aber die Windows-In­stallation
nicht starten kann. Die Rescatux-Entwickler arbeiten an der UEFI-Unterstützung,
doch trotz Zusicherung in den Release
Notes [3] konnten wir Rescatux im UEFIModus nicht einmal booten.
Um eine Rescatux-Live-CD zu erstellen, brennen Sie einfach das ISO-Image
auf einen Rohling. Für die Installation
auf einem USB-Stick empfiehlt EasyLinux das als OpenSuse-Paket verfügbare
Programm ImageWriter, unter Ubuntu
USB-ImageWriter.
Wenn Windows Grub überschreibt,
bleibt die Grub-Konfiguration innerhalb
des Linux-Systems intakt, doch der zugehörige Bootsektor-Eintrag am Anfang der
Festplatte, den der Rechner beim Booten
aufruft, ist verschwunden. Dies korrigiert
der Button Restore Grub: Das vor der
Windows-Installation angezeigte GrubStartmenü kehrt unverändert zurück.
Ein Klick auf einen Button startet in
Rescatux nie die eigentliche Funktion,
sondern ruft zunächst eine Hilfeseite auf.
Erst ein Klick auf Run startet dann die
Reparatur.
Umfassende Hilfe
Falls nach der Installation eines weiteren
Linux-Systems zwar noch ein Grub-Bootmenü erscheint, dort aber ein installiertes
Linux-System fehlt, hilft der Menüpunkt
Update Grub Menues, der das System
nach installierten Linux-Installationen
durchkämmt.
Außerdem kann Rescatux die Passwörter aller Linux-Systeme zurücksetzen.
Auch für Windows-Systeme bis Windows
7 funktioniert das. Wer unter Ubuntu die
Einstellungen zu sudo in der Datei /etc/​sudoers verändert, versperrt sich sich unter
Umständen den Root-Zugriff, da UbuntuSysteme keine direkte Anmeldung als Administrator root gestatten. Die Option Regenerate sudoers file (Sudoers-Datei wiederherstellen) ermöglicht es Ihnen, wieder
mit sudo Root-Rechte zu erlangen.
In der Rubrik Expert Tools ist das praktische grafische Partitionswerkzeug GParted
[4] zu finden. TestDisk [5] und PhotoRec
[6] sind nicht ganz einfach zu bedienen,
bieten aber eine letzte Chance, von jenseits der Reparierbarkeit zerstörten Dateisystemen noch einzelne Dateien zu retten.
Nebenbei bringt Rescatux auch ein
Chatprogramm und einen Browser mit.
Für die Netzverbindung sorgt der von
KDE und Gnome bekannte NetworkManager; das Anmelden im heimischen
WLAN ist also kein Problem.
n
INFOS
[1]Grub von Hand reparieren: https://​­wiki.​
u
­ buntuusers.​­de/​­GRUB_2/​­Reparatur/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c5)
[2]Rescatux: http://​­www.​­supergrubdisk.​
­org/​­rescatux/ (http://​­ezlx.​­de/​­g3c6)
[3]Release Notes: http://​­www.​
­open‑source‑feed.​­com/​­2016/​­03/​
r­ escatux‑040‑beta‑6‑released.​­html
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c7)
[4]GParted: http://​­gparted.​­org
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c8)
[5]TestDisk: http://​­www.​­cgsecurity.​­org/​­wiki/​
T
­ estDisk_DE (http://​­ezlx.​­de/​­g3c9)
[6]PhotoRec: http://​­www.​­cgsecurity.​­org/​
w
­ iki/​­PhotoRec (http://​­ezlx.​­de/​­g3c10)
SOFTWARE AUF DVD:
Rescatux 0.40b6
DIE REDAKTION MEINT
Abb. 5: Rescatux findet auf der Festplatte installierte Linux-Systeme und repariert deren Bootloader vollautomatisch.
EasyLinux 03/2016
www.easylinux.de
Rescatux war 2012 schon einmal
Thema in den Software-News. Dann war
lange nichts mehr von dem für Einsteiger praktischen Rettungssystem zu hören. Leider scheint es auch jetzt noch
nicht in der Gegenwart angekommen zu
sein, in der das Booten per UEFI das
gute alte BIOS verdrängt hat. Für BIOSSysteme oder solche, die im BIOS-Kompatibilitätsmodus starten, ist Rescatux
aber nach wie vor praktisch.
15
AKTUELL
Neue Software
gImageReader 3.1.91 – handliche Scan- und OCR-Software
Texte von Papiervorlagen einzutippen, kann
man sich mit der maschinellen Zeichenerkennungssoftware Tesseract sparen. gImageReader spendiert dem Kommandozeilenprogramm eine grafische Benutzeroberfläche,
die auch gleich den Scanner steuert.
★★★★★
Schon seit etlichen Jahren gibt es das Linux-OCR-Programm Tesseract [1] (OCR
= optical character recognition, optische
Zeichenerkennung), das eingescannte
Texte in Textdateien verwandelt. Seine
Qualität reicht zwar nicht an kommerzielle Alternativen heran, doch bei kontrastreichen Vorlagen bleibt es oft bei ein
oder zwei Erkennungsfehlern pro Seite.
Tesseract ist allerdings ein Kommandozeilenprogramm. Ihm Seite für Seite per
Shell-Aufruf eingescannte Bilddateien zu
übergeben, ist denkbar unbequem. Viel
leichter geht es mit dem grafischen Programm gImageReader [2], das den Tesseract-Aufruf im Hintergrund erledigt.
In Form bringen
Außerdem teilt gImageReader die Seite in
Textblöcke ein. Die Seitenbereiche legen
Sie entweder mit der Maus fest, oder Sie
nutzen die Funktion Layout automatisch
erkennen. Die Reihenfolge der Blöcke verändern Sie wenn nötig per Rechtsklick.
Im Reiter Dateien öffnen Sie bereits
eingescannte Grafikdateien. Die Bild-
schirmfoto-Funktion ist nützlich, wenn
sich von einem Programm angezeigter
Text nicht in die Zwischenablage kopieren lässt, was z. B. bei PDF-Dokumenten
mit aktivierter Kopier- oder Drucksperre
vorkommt.
Am praktischsten ist es, den Scanner
direkt von gImageReader aus zu steuern.
Die Bezeichnung Erwerben des zugehörigen Reiters übersetzt das englische Wort
„acquire“ etwas holprig, doch das ist nur
ein Schönheitsfehler. Wählen Sie unter
Gerät Ihren Scanner aus. Wenn Sie ihn
erst nach dem Start von gImageReader
eingeschaltet haben, hilft der Aktualisieren-Button rechts neben der Geräteliste.
Für Scans mit normalgroßem Magazinoder Zeitungstext wählen Sie eine Auflösung von 200 dpi oder 300 dpi.
Lesekompetenz
Der Button Alles erkennen in der Mitte
oben startet die Texterkennung. Haben
Sie im Reiter Dateien mehrere Seiten ausgewählt, verarbeitet die Software diese in
einem Rutsch. Das ist bei Vorlagen mit
vielen Seiten praktisch, denn der Erkennungsvorgang kann über zehn Sekunden
pro Seite dauern.
Der kleine Pfeil neben dem Button Alles erkennen öffnet das Menü für die
Spracheinstellung. Die dort angezeigten
Sprachen entsprechen den für Tesseract
installierten Sprachpaketen. Das Programmpaket für Deutsch heißt unter
OpenSuse tesseract-traineddata-german,
unter Ubuntu tesseract-ocr-deu. Tesseract
selbst müssen Sie ebenfalls installieren.
Nach der Umwandlung blendet das
Programm rechts ein Unterfenster mit
dem erkannten Text ein, den Sie entweder in eine Textdatei speichern (Diskettensymbol) oder in die Zwischenablage
kopieren. Ein Ärgernis bei der maschinellen Texterkennung sind Silbentrennungen: Tesseract übernimmt Trennstriche
und Zeilenumbrüche. Zum Glück gibt es
in gImageReader die Funktion Zeilenumbrüche entfernen, die beides aus dem Text
im Unterfenster löscht, Absatzumbrüche
(doppelte Zeilenumbrüche) aber erhält.
Leider hat Tesseract im gedruckten
EasyLinux-Artikel aus Abbildung 6
viele Bindestriche als längere Gedankenstriche erkannt und deshalb nicht
entfernt. Das liegt aber wohl an der EasyLinux-Schriftart und sollte nicht bei
allen Texten auftreten.
Leckere Sandwiches
Statt einfachen Textdateien erzeugt
gImageReader auf Wunsch auch Sandwich-PDFs (Abbildung 6). Diese Dateien
sind für das Archivieren von Dokumenten
praktisch, denn dabei legt die Software
den erkannten Text unsichtbar über die
als Pixelgrafik eingebaute Originalseite. So
konserviert die PDF-Datei die Originaloptik und lässt sich trotzdem nach Schlagworten durchsuchen. Auch die in KDE
fest eingebaute Desktop-Suchmaschine
oder das in diesen Software-News vorgestellte Programm DocFetcher verschlagworten den unsichtbaren Text.
n
INFOS
[1]Tesseract: https://​­github.​­com/​
t­ esseract‑ocr/​­tesseract/​­wiki
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c11)
[2]gImageReader: https://​­github.​­com/​
­manisandro/​­gImageReader
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c12)
SOFTWARE AUF DVD:
gImageReader 3.1.91
DIE REDAKTION MEINT
Abb. 6: Ein unsichtbar über dem Scan liegender Text macht Sandwich-PDFs trotz originalgetreu wiedergegebener Optik durchsuchbar.
16
www.easylinux.de
gImageReader gibt sich handlich und
übersichtlich. Besonders nützlich ist die
Funktion zum Entfernen von Zeilenumbrüchen und Trennstrichen.
EasyLinux 03/2016
AKTUELL
Neue Software
VeraCrypt 1.17 – einsteigertaugliche Verschlüsselung-Software
Warum sollte man sich die zusätzliche Sicherheit einer Datenverschlüsselung nicht
gönnen, wenn sie wenig Aufwand bedeutet? Mit dem aus der Windows-Welt stammenden VeraCrypt richten Sie verschlüsselte
Container mit wenigen Mausklicks ein.
★★★★★
Gründe für Festplatten-Verschlüsselung,
zumal auf mobilen Geräten, gibt es genug. Die Entscheidung Apples, alle neuen
iPhones verschlüsselt auszuliefern, war
darum goldrichtig. OpenSuse und Ubuntu
gehen bei der Installation nicht so weit:
Eine vollständige Systemverschlüsselung
kostet dort zwar nur wenige Klicks, sie ist
aber nicht vorausgewählt.
Haben Sie bei der Installation nicht an
eine Verschlüsselung gedacht, oder
möchten Sie nur bestimmte Dateien verbergen, gelingt das am leichtesten mit VeraCrypt (Abbildung 7) [1]: Die LinuxBordmittel richten die Installer zwar automatisch ein, von Hand auf der Shell sind
sie aber viel schwieriger zu handhaben.
Einsteigertauglich
VeraCrypt stellt eine hilfsbereiten Assistenten zur Verfügung. Zum Anlegen eines
Verschlüsselungs-Containers müssen Sie
lediglich den Speicherort des Containers,
ein Passwort und seine Größe angeben
und können ansonsten die sinnvoll gewählten Standardwerte übernehmen.
VeraCrypt-Container dürfen beliebige
Dateiendungen tragen, zum Beispiel um
sie als MP4-Videodatei zu tarnen. Richtig
sicher ist das Verstecken mithilfe eines
unauffälligen Dateinamens aber nicht,
DIE REDAKTION MEINT
VeraCrypt ist ein Fork von TrueCrypt. Die
plötzliche Aufgabe seines anonymen
Entwicklers hat zu einer kontroversen
Diskussion um die Sicherheit der Software geführt. Daraufhin wurde das ursprünglich auf Windows beheimatete
TrueCrypt zweimal auf Herz und Nieren
geprüft. VeraCrypt hat alle dort zutage
getretenen Schwächen ausgebügelt [3].
Die Software besticht durch ihre einfach
zu bedienende grafische Oberfläche.
Das Verfahren für plausible Abstreibarkeit der Existenz verschlüsselter Dateien ist ein Alleinstellungsmerkmal.
18
denn Experten
können Verschlüsselungs-Container
immer von anderen Dateien unterscheiden: Sie sehen bei der Betrachtung des Inhalts wie zufällige
Byte-Abfolgen
ohne jede RegelAbb. 7: Anders als die in Linux integrierte Verschlüsselung mit
„dmcrypt“ erzeugt VeraCrypt verschlüsselte Container mit eimäßigkeit aus; dadurch sind keine
nem auch für Laien leicht bedienbaren Wizard.
Rückschlüsse auf
Nach der Einrichtung bedeuten versteckte
den Inhalt möglich. Normale Video-,
Text- oder Bilddateien weisen dagegen
Container also keinen Mehraufwand. Ein
immer mit geeigneten Algorithmen ergemischter Modus, der nach beiden Passkennbare Regelmäßigkeiten auf.
wörtern fragt, verhindert das ÜberschreiGroßbritannische Staatsangehörige
ben der Daten im inneren Container.
sind gesetzlich verpflichtet, gegenüber Er- Doch in der Praxis öffnet man den äußeren Alibi-Container ohnehin selten. Ledigmittlern Verschlüsselungs-Passwörter helich wenn Sie die Existenz der eigentlirauszurücken [2]. Auch wenn dies für
chen verschlüsselten Dateien abstreiten
Deutschland nicht gilt, wirkt es vielleicht
doch beruhigend, im Zweifelsfall die Exis- wollen, benutzen Sie das Passwort für
den äußeren Container. Sichtbar werden
tenz verschlüsselter Dateien einfach abunwichtige Dateien und freier, mit Zustreiten zu können. Diese so genannte
„plausible deniability“ (plausible Abfallsrauschen formatierter Plattenplatz.
streibarkeit) garantiert VeraCrypt mit
Wenn Sie „das ist alles“ sagen, kann nieHilfe eines Tricks.
mand ohne Kenntnis des inneren Passworts das Gegenteil beweisen.
Tarnen und Täuschen
Das OpenSuse-Paket für VeraCrypt ist,
wie es sich für sicherheitskritische SoftWie erwähnt, bleibt der Inhalt eines verschlüsselten Containers ohne Kenntnis
ware gehört, digital signiert. Um es ohne
des Passworts im Dunklen. Das gilt auch,
Warnungen installieren zu können, imwenn darin ein weiterer Container liegt.
portieren Sie vorher mit
VeraCrypt sieht daher ein Verfahren vor,
sudo rpm ‑‑import http://download.opensuseU
in einen äußeren Container mit unwichti.org/repositories/home:/magist3r:/bootdiskU
gen Alibi-Dateien einen weiteren einzu‑next/openSUSE_Leap_42.1/repodata/repomd.xU
betten, der die wirklich zu schützenden
ml.key
Dateien verbirgt.
Weder bei entsperrtem noch bei unentauf der Konsole die zugehörige Repository-Signatur.
n
sperrtem äußerem Container lässt sich der
eingebettete innere Container von freiem
Speicherplatz unterscheiden: VeraCrypt
INFOS
hat den freien Platz bei der Einrichtung
[1]VeraCrypt: https://​­veracrypt.​­codeplex.​
mit Zufallswerten vorbelegt. Das Verfah­com/ (http://​­ezlx.​­de/​­g3c13)
ren hat nur einen Nachteil: Entsperren Sie
[2]Zwang zur Passwortherausgabe in UK:
den äußeren Container und kopieren weihttp://​­www.​­legislation.​­gov.​­uk/​­ukpga/​
tere Dateien hinein, überschreiben Sie un­2000/​­23/​­part/​­III/​­crossheading/​­power‑to‑
ter Umständen den inneren – auch das
require‑disclosure
Programm selbst kann ohne das korrekte
(http://​­ezlx.​­de/​­g3c14)
Passwort für den inneren Container nicht
[3]VeraCrypt-Sicherheit: https://​­veracrypt.​
erkennen, dass es ihn gibt.
c­ odeplex.​­com/​­discussions/​­569777
Beiden Containern werden darum un(http://​­ezlx.​­de/​­g3c15)
terschiedliche Passwörter zugewiesen. Allein die Eingabe des Passworts entscheiSOFTWARE AUF DVD:
det, welchen der beiden Sie entsperren.
VeraCrypt 1.17
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
Webseiten
AKTUELL
Yu
,
12 3
RF
Angeklickt
g
en
©F
Im Internet gibt es mehrere Milliarden Webseiten – auch Suchmaschinen helfen
nur bedingt, die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden. EasyLinux stellt in jeder Ausgabe eine Sammlung besonders interessanter Websites vor. Sollten Sie
auch eine dieser Perlen kennen, schicken Sie uns eine Mail an [email protected] mit dem Betreff „Angeklickt“ und einer kurzen Beschreibung der Seite.
Bei Veröffentlichung Ihres Vorschlags erhalten Sie kostenlos ein Mini-Abo eines
Magazins aus unserem Verlag. (Thomas Leichtenstern/tle)
� Open365
� Saubere Shell-Skripte
� Dokumente archivieren
Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Sicherheitsdebatten schrecken viele Nutzer
davor zurück, ihre Dokumente bei Microsoft Office Online oder Google Docs zu
bearbeiten und zu speichern.
Das Projekt Open365 bietet jetzt eine
Alternative an, die in ihrer Funktionalität kaum hinter den genannten zurücksteht. Neben den auf LibreOffice basierenden Officemodulen Writer, Calc und
Impress enthält die Suite noch einen
Mailclient und eine Dokumentenverwaltung, die 20 GByte Speicher bereitstellt.
Optional bietet der Dienst auch an, Dokumente in verschlüsselten Verzeichnissen aufzubewahren.
Um den Dateibestand on- und offline
stets synchron zu halten, steht ein
Clientprogramm für alle wichtigen Systeme zum Download bereit.
Sein volles Potential entfaltet Linux
erst, wenn Sie beispielsweise sich wiederholende Arbeitsabläufe automatisieren. Das geschieht in der Regel mit einem Shell-Skript. Aber bei praktisch allen Programmier- und Skriptsprachen
steckt der Teufel oft im Detail: Ein
Komma zu viel, ein Semikolon zu wenig, und das Programm verweigert den
Dienst.
Hier hilft Ihnen die Webseite Shellcheck weiter. Es genügt, das Skript in
das Editorfenster zu kopieren, worauf
der Onlinedienst sofort mit der Überprüfung beginnt. Dort sehen Sie links neben den bemängelten Stellen per Fly-out
entsprechende Anmerkungen, darunter
im Shell-Fenster die komplette Analyse.
Änderungen am Skript setzt der
Checker sofort um und entfernt Warnhinweise nach der Korrektur.
Generell gelten PDF-Dokumente zwar als
handlich und praktisch, aber auch als
langweilig. Da helfen HTML5-Reader, die
den Dokumenten das Look & Feel echten
Papiers zurückgeben, gleichzeitig aber
nicht auf die Vorzüge elektronischer Dokumente verzichten.
Einen solchen Service bietet die Seite
FlipHTML5 an: Sie konvertiert hochgeladene PDF-Dokumente in charmante
E-Books. Nach kostenloser Anmeldung
erlaubt sie auch das Speichern in verschiedenen Kategorien und die Veröffentlichung nach eigenen Vorgaben. Zusätzlich bietet der Dienst kostenpflichtige Accounts an, die es unter anderem gestatten, die E-Books auch zum Kauf anzubieten. Die nach HTML5 konvertierten EBooks lassen sich jederzeit wieder als
PDF-Datei herunterladen.
EasyLinux meint:
Wer Google, Apple und Microsoft mit ihren Online-Office-Suiten nicht über den
Weg traut, findet in Open365 eine
brauchbare und kostenfreie Alternative.n
EasyLinux meint:
Dieser Spell Checker erleichtert Ihnen die
Suche nach Syntaxfehlern in Shell-Skripten ungemein.
n
INFOS
INFOS
Website:https://​­cloud.​­open365.​­io/
Website:https://​­www.​­shellcheck.​­net/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3d1)
INFOS
Website: http://​­fliphtml5.​­com/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3d2)
Sprache: Deutsch
Sprache: Englisch
Thema: Online-Office
Thema: Shell-Skripte optimieren
EasyLinux 03/2016
EasyLinux meint:
Wer seine PDF-Dateien stets in gut lesbarer Form griffbereit haben möchte, findet
hier den passenden Dienst dafür.
n
www.easylinux.de
(http://​­ezlx.​­de/​­g3d3)
Sprache:Englisch
Thema:Dokumente konvertieren
und veröffentlichen
29
WORKSHOP
Vivaldi
Ouvertüre
Im Vivaldi-Downloadbereich [2] finden
Sie Debian- und RPM-Pakete (jeweils 32
und 64 Bit), die Sie unter Kubuntu 16.04,
OpenSuse 13.2 und Leap 42.1 wie folgt
installieren können:
Laden Sie das zu Ihrer Distribution
und Architektur passende Paket herunter; Kubuntu-Anwender benötigen das
Paket hinter dem Link Vivaldi 1.2 64bit
DEB, OpenSuse-Benutzer das Paket
Vivaldi 1.2 64bit RPM.
Öffnen Sie über [Alt-F2] und Eingabe
von konsole ein Terminalfenster. Navigieren Sie dort ins Verzeichnis, wo die
heruntergeladene Datei liegt; in der Regel
ist das der Ordner Downloads im eigenen
Home-Verzeichnis (cd ~/Downloads).
Unter OpenSuse geben Sie nun das
folgende Kommando ein und authentifizieren sich anschließend mit dem
Root-Passwort:
1
2
3
Virtuos im Web mit Vivaldi 1.2
Vorhang auf!
Eine Truppe Softwareentwickler aus dem hohen Norden ließ einen verloren geglaubten Webbrowser wieder auferstehen. Wer einst Opera
liebte, findet jetzt in Vivaldi einen flotten Begleiter fürs Netz. Wir
schauen nach, ob der kostenlose Browser schon mit den „Großen“ im
Orchester mitspielen kann.
Michaela Finnie, Heike Jurzik
A
ls die Firma Opera 2013 zuerst
den Funktionsumfang ihres beliebten Browsers drastisch reduzierte und dann kurz darauf den Webdienst My Opera abschaltete, ließ sie
nicht nur viele enttäuschte Benutzer zurück. Mitgründer und Chief Executive Officer Jon Stephenson von Tetzchner hatte
bereits Anfang 2010 die Segel gestrichen.
Der Isländer gründete lieber seine eigene
Online-Community und wenig später die
Firma Vivaldi Technologies AS. Einige
ehemalige Opera-Entwickler sind ihm gefolgt, um gemeinsam an einem „Browser
40
für unsere Freunde“ (so die Werbung auf
der Startseite [1]) zu arbeiten.
Das Ergebnis der Mühen ist der kostenlose Browser Vivaldi. Nach einigen Technical Previews und einer ersten Betaversion im November letzten Jahres vermeldeten die Entwickler im April 2016 die
Ausgabe 1.0. Schon drei Wochen später
veröffentlichten sie Version 1.1, und Anfang Juni ist Vivaldi 1.2 erschienen. Wir
haben den neuen Browser unter OpenSuse 13.2 und Leap 42.1 sowie Kubuntu
16.04 getestet – dieser Workshop zeigt,
wie Sie das Programm installieren und
einrichten. Außerdem stellen wir praktische und schicke Features des neuen Mitspielers vor.
www.easylinux.de
sudo rpm ‑i vivaldi‑stable‑1.2.490.39‑1x86U
_64.rpm
Unter Kubuntu lautet das Kommando
stattdessen:
sudo dpkg ‑i vivaldi‑stable_1.2.490.39‑1_aU
md64.deb
Hier geben Sie auf Aufforderung Ihr eigenes Kennwort ein.
Das Terminalfenster können Sie danach mit [Strg-D] schließen. Vivaldi finden Sie im Startmenü in der Abteilung
Anwendungen / Internet / Web-Browser
(Vivaldi). Beim ersten Aufruf begrüßt Sie
ein Einrichtungsassistent, der nach Ihren
Vorlieben fragt (Abbildung 1). Entscheiden Sie sich zuerst für eines der sechs
Farb-Themes und klicken Sie dann auf
Weiter: Platzierung der Tableiste. Hier stehen vier Varianten zur Auswahl (oben,
unten, linker oder rechter Rand). Als
Letztes suchen Sie ein Hintergrundbild
für die Startseite aus – fertig.
Auftakt
Wenn Sie zum ersten Mal mit Vivaldi surfen, bietet der Browser Ihnen auf der Startseite per Schnellwahl Zugriff auf die beliebtesten und meistbesuchten Webseiten.
Welche Kacheln hier in welcher Reihenfolge erscheinen, können Sie selbst beeinflussen. Fahren Sie mit der Maus über einen Eintrag und klicken Sie auf das kleine
Kreuz oben rechts, um ihn zu löschen; mit
gedrückt gehaltener Maustaste ziehen Sie
eine Kachel an eine neue Stelle.
EasyLinux 03/2016
Vivaldi
Abb. 1: In drei Schritten richten Sie das Aussehen ein. Alle Entscheidungen können Sie später rückgängig machen.
Die Kachel ganz am Ende der Liste mit
dem großen Pluszeichen fügt neue Objekte zur Schnellwahl hinzu. Geben Sie
ins aufklappende Feld einfach die Adresse
ein und bestätigen Sie alles über Hinzufügen. Auch eine bereits geöffnete Website
können Sie in die Sammlung aufnehmen,
indem Sie in der Adressleiste rechts auf
das kleine Lesezeichen-Symbol klicken
und dann im Drop-down-Menü Schnellwahl auswählen (Abbildung 2).
Insgesamt fällt das unaufdringliche Design des Browsers auf. Wichtige Funktionen erreichen Sie über die Statusleiste am
unteren Rand und müssen dafür nicht ins
Menü oder in die Programmeinstellungen
wechseln. Dazu gehört z. B. die Zoomfunktion unten rechts. Über den Schiebe-
Abb. 2: Über das Lesezeichen-Symbol fügen Sie Einträge zur Schnellwahl hinzu.
EasyLinux 03/2016
WORKSHOP
Abb. 3: Über die „Webseiten-Aktionen“ aktivieren Sie nützliche
und verspielte Optionen, welche die Darstellung beeinflussen.
regler vergrößern und verkleinern Sie die
Ansicht; alternativ drücken Sie [Strg- -]
oder [Strg-+]. Über Zurücksetzen bzw.
[Strg-0] wechseln Sie zur Vorgabe zurück.
Raffiniert komponiert
Ebenfalls in der Statusleiste angesiedelt ist
ein Icon, welches das Paneel (die linke Seitenleiste) ein- und ausschaltet. Es handelt
sich um das Symbol ganz links unter der
Leiste. Mit nur einem Klick können Sie darüber hinaus die Farbe und Schrift der Benutzeroberfläche verändern. Das Symbol
mit den beiden spitzen Klammern öffnet
den Dialog Webseiten-Aktionen, über den
Sie Schwarz-Weiß- oder Sepia-Filter, einen
3-D-Effekt, eine nichtproportionale
Schriftart (Fonts Monospace), eine inverse
Darstellung der Farben und vieles mehr
aktivieren (Abbildung 3). Über das Symbol links neben den Webseiten-Aktionen
stellen Sie ein, ob Sie alle Bilder, nur die
bereits geladenen oder keine sehen.
Prima gelöst ist auch die Anordnung
der Navigationselemente oben links neben der Adressleiste: Neben Vor- und Zurück-Buttons gibt es hier zwei weitere
Knöpfe, die nicht seitenweise blättern,
sondern nach besuchten Domains. Haben
Sie also beispielsweise erst bei Google
nach unserer Zeitschrift gesucht und
dann auf der Website http://​­www.​
­easylinux.​­de/ zahlreiche Unterseiten geöffnet, Artikel gelesen, sich über die Mailinglisten informiert usw., dann bringt Sie
ein Klick auf den Rücklauf-Knopf direkt
zur vorher angeschauten Domain (also
Google) – ohne alle Zwischenschritte.
Sie bedienen Ihren Desktop und die
Programme lieber mit der Tastatur als mit
www.easylinux.de
der Maus? Dann nutzen Sie doch einfach
die Vivaldi-Kurzbefehle. Drücken Sie dazu
[F2] und äußern Sie Ihre Wünsche. Der
Browser vervollständigt das Kommando,
sobald es eindeutig ist. Tippen Sie beispielsweise neu, schlägt der Browser
Neues Fenster, Neues privates Fenster,
Neuer Tab und Seite neu laden vor. Neben
Befehlen bietet Vivaldi hier auch Tabs, Lesezeichen oder Seiten aus dem Verlauf an.
Sauber gestimmt
Viele Eigenschaften von Vivaldi konfigurieren Sie, indem Sie auf das Zahnradsymbol unten links in der Seitenleiste klicken
und an den Stellschräubchen im Einrichtungsdialog drehen. Der Hintergrund der
Schnellstartseite gefällt Ihnen nicht? Kein
Problem – wechseln Sie zu Schnellwahl
Tab, scrollen Sie bis zu Hintergrundbild
und wählen Sie eine Alternative. Über die
Schaltfläche Eigenes suchen Sie einen eigenen Schnappschuss aus.
Ganz pfiffig finden wir, dass sich Vivaldi an den Look der aktuell geöffneten
Website anpassen kann. Dazu suchen
Sie im Einstellungsdialog die Kategorie
Tabs auf, blättern bis zu den Tab-Farben
und aktivieren die Checkbox Farbschema
der Seite verwenden. Öffnen Sie die
GLOSSAR
Nichtproportionale Schriftart: Ein solcher
Monospace oder Fixed Font (so die englische Bezeichnung) besitzt im Gegensatz
zu proportionalen Schriften eine feste
Breite für alle Zeichen. Andere Begriffe
sind Festschrittschrift, Festbreitenschrift
oder auch dicktengleiche Schrift [3].
41
WORKSHOP
Vivaldi
3
Eine andere Möglichkeit, Tabs zu
gruppieren, bietet die Maus. Bewegen
Sie einen Reiter mit gedrückt gehaltener
linker Maustaste über einen zweiten Tab,
bis dieser die Hintergrundfarbe wechselt;
dann lassen Sie los.
4
Abb. 4: Arbeiten Sie mit einem großen Bildschirm? Dann ordnen Sie zwei Webseiten als
Kacheln nebeneinander an.
können Sie nun auch eiGoogle-Suche, erscheint
gene Mausgesten defidiese in Orange, Yahoo
nieren und die vorhanin Lila, EasyLinux in Rot
denen verändern.
usw. Über Darstellung /
Farbschema legen Sie
Sitzordnung
fest, ob Vivaldi den Tab
oder den Tableisten-HinWährend Sie für das Paneel lediglich entscheiden
tergrund in den Farbeikönnen, ob es sich am
mer tauchen soll.
Einen Blick sind auch
rechten oder linken Rand
aufhält, zeigt sich der
die Tastenkürzel (AbteiAbb. 5: Ein Bild sagt mehr
Browser für die Tabs äuals viele Worte – fügen Sie
lung Tastatur) und die
ßerst flexibel. Hätten Sie
Mausgesten (Maus)
Ihren Notizen Screenshots
diese gerne oben, rechts,
wert. Vivaldi orientiert
von der Website als Gesich bei den Shortcuts
links oder unten? Im Kondächtnisstütze hinzu.
an anderen Browsern
figurationsdialog unter
und erfindet das Rad nicht neu. So öffTabs / Platzierung der Tableiste stellen
Sie die Position ein. Vivaldi ermöglicht es
net [Strg-N] ein neues Fenster, [Strg-T]
darüber hinaus, die Tabs zu stapeln und
einen neuen Tab usw. Möchten Sie eine
als Kacheln anzuordnen:
eigene Tastenkombination definieren,
klicken Sie einfach ins entsprechende
Als Erstes fassen Sie zwei oder mehr
Feld und drücken die Tasten – Vivaldi
Tabs zu einer Gruppe zusammen.
warnt Sie, wenn ein Shortcut schon verDazu halten Sie die Umschalttaste gedrückt und klicken dann den ersten und
geben ist.
den letzten Reiter einer Sammlung an. ViDas Programm unterstützt Mausgesten für alle wichtigen Funktionen. In
valdi zeigt die ausgewählten Tabs blau
der Voreinstellung dient dazu die rechte
umrandet an.
Taste. Nutzen Sie ein Trackpad oder ein
anderes Eingabegerät, aktivieren Sie in
den Einstellungen die Option Gesten mit
ALT-Taste durchführen. Welche BeweAuf diesen selektierten Bereich köngungen der Browser kennt, demonstrienen Sie nun mit der rechten Mausren die Programmeinstellungen antaste klicken und sich für Erstelle neue
schaulich mit einer animierten Vorschau. Seit der aktuellen Version 1.2
Tabgruppe aus Auswahl entscheiden.
1
2
42
www.easylinux.de
Als Nächstes können Sie gruppierte
Tabs in mehreren Spalten anordnen.
Entweder klicken Sie auf das Symbol Kacheldarstellung in der Statusleiste am unteren Rand, oder Sie wählen aus dem
Kontextmenü der rechten Maustaste den
Eintrag Tabgruppe kacheln.
Ob Sie die Spalten neben- oder untereinander anordnen, bleibt Ihnen überlassen
– das hängt auch von den Lesevorlieben
und der Größe Ihres Bildschirms ab (Abbildung 4). Mit einem rechten Mausklick
auf eine Tabgruppe können Sie diese
(und damit auch die gekachelte Darstellung) jederzeit wieder auflösen.
Tipps: Geöffnete Tabs, Tabgruppen
und sogar gekachelte Tabgruppen können
Sie über das Datei-Menü als Sitzung speichern und beim nächsten Browserstart
über Datei / Gespeicherte Sitzung öffnen
wiederherstellen.
Randnotizen
Die Seitenleiste am linken Rand nimmt
Lesezeichen, Downloads, Notizen sowie
eigene Einträge zu oft besuchten Webseiten, so genannte Web-Paneele auf. Alle in
der Leiste verankerten Objekte blenden
Sie per Mausklick ein oder aus, während
das Hauptfenster geöffnet bleibt. Lesezeichen können Sie als Ergänzung zu den
Schnellwahl-Seiten in weiteren Ordnern
speichern. Für einen flotten Zugriff auf die
Bookmarks weisen Sie ihnen Schlagwörter
oder einfache Abkürzungen zu, die Sie
später per Kurzbefehl aufrufen können
(siehe Abschnitt Raffiniert komponiert):
Um eine geöffnete Webseite bei den
Lesezeichen abzulegen, klicken Sie
auf das kleine Label-Symbol oben rechts
neben der Adressleiste.
Ein kleiner Dialog klappt nach unten
auf. Klicken Sie auf das Drop-downMenü, um das Lesezeichen in einen vorhandenen Ordner einzusortieren, z. B. bei
Technologie, News oder Sport.
Optional geben Sie eine kurze Beschreibung zur Website ein. Dazu klicken Sie ins gleichnamige Feld und tippen
1
2
3
EasyLinux 03/2016
Vivaldi
los. Reicht der Platz nicht, können Sie
den Bereich über den Anfasser unten
rechts größer ziehen.
Vergeben Sie unter Kurzname ein
Schlagwort oder ein einfaches Tastenkürzel, z. B. easy oder auch el für
http://​­www.​­easylinux.​­de/.
Wenn Sie nun [F2] drücken, öffnet sich
das praktische Suchfenster. Tippen Sie
den gewählten Kurznamen ein, schlägt Vivaldi prompt das Lesezeichen vor.
Wenn Sie nach einer Möglichkeit suchen, die Lesezeichen zu bearbeiten, sie
in neue Ordner einzusortieren oder gar zu
löschen, klicken Sie auf das BookmarkIcon links im Paneel. Praktisch: Was Sie
hier entfernen, landet zunächst im Trash
(Mülleimer) und lässt sich bis zum endgültigen Löschen wiederherstellen.
Neben dem Downloadmanager, der
Ihre heruntergeladenen Dateien organisiert, Downloads pausiert und wieder aufnimmt, haben die Vivaldi-Entwickler in
der Leiste eine praktische kleine Notizfunktion untergebracht. Ihre Anmerkungen erhalten automatisch einen Zeitstempel. Zusätzlich können Sie über das Pluszeichen einen Screenshot von der Seite erstellen (Kamera-Icon) oder einen Anhang
von der Platte aussuchen (Büroklammer)
– ganz wie Sie wünschen (Abbildung 5).
WORKSHOP
4
5
Zukunftsmusik
Für zukünftige Versionen plant Vivaldi
Technologies, einen E-Mail-Client in den
Browser einzubauen. Was derzeit ebenfalls noch fehlt, ist eine Sync-Funktion.
Diese wollen die Programmierer bald einführen und es damit den Nutzern ermöglichen, ihre Lesezeichen, den Verlauf,
Passwörter und Einstellungen über verschiedene Computer und Betriebssysteme
hinweg zu synchronisieren. Schon jetzt
Abb. 6: Derzeit führt das Menü „Werkzeuge“ / „Erweiterungen“ noch zum Chrome
Web Store. Per Mausklick aktivieren Sie Add-ons wie z. B. Werbeblocker.
ist Vivaldi nicht nur für Linux, sondern
auch für Microsoft Windows 7 (und
neuer) sowie OS X ab Version 10.9 verfügbar. Sicherlich werden auch mobile
Apps für Android und iOS folgen.
Geplant ist auch eine eigene Plattform
für Add-ons. Bis diese an den Start geht,
können Sie sich im Chrome Web Store
umsehen (Hauptmenü hinter dem VivaldiLogo oben links / Werkzeuge / Erweiterungen). Hier finden Sie viele sinnvolle Erweiterungen wie Werbeblocker (Abbildung
6), Übersetzungshilfen, RSS-Reader usw.
Vivaldi macht Spaß: Der Browser hebt
sich vom Einerlei der „Großen“ ab und
bringt alles mit, was der Surfer von heute
braucht. Während viele Browser immer
weiter Funktionen abspecken, hat das
Nordlicht trotz des schlanken Aussehens
ein umfangreiches Repertoire zu bieten.
Besonders gut gefallen haben uns das Kacheln und Gruppieren der Tabs sowie die
Kurzbefehle – Vielsurfer dürften sich mit
dem außergewöhnlichen Konzept sicher
schnell anfreunden. (hej)
n
INFOS
[1]Vivaldi: https://​­vivaldi.​­com/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3e1)
[2]Vivaldi-Download: https://​­vivaldi.​­com/​
­download/ (http://​­ezlx.​­de/​­g3e2)
[3]Wikipedia-Artikel zu „nichtproportionale
Schriftart“: https://​­de.​­wikipedia.​­org/​­wiki/​
N
­ ichtproportionale_Schriftart
(http://​­ezlx.​­de/​­g3e3)
SOFTWARE AUF DVD:
Vivaldi 1.2
TIPPS & TRICKS
KDE-Tipps
KDE-Tipps
Besser arbeiten mit KDE
Karin Mühlenberg
In den KDE-Tipps finden Sie diesmal nützliche Hinweise zum Dateimanager Dolphin und
zur Kontrollleiste. Außerdem erklären wir die Handhabung von Dateien und Ordnern im
Packprogramm Ark und zeigen verborgene Wege zum Entfernen von Miniprogrammen.
01
Schnelle BrotkrumenNavigation in Dolphin
Als ein übersichtlicher Ort zum Aufrufen
und Verschieben aller Dateien und Ordner
sowie zur Vorschau von Bild-, Text- und
PDF-Dateien ist bei den aktuellen KDEVersionen der Dateimanager Dolphin standardmäßig installiert. Er wartet mit mehreren Funktionsleisten an definierten Posi
tionen sowie mit Symbolen und Tabs zum
Navigieren und Anzeigen auf. Diese sind
anfangs noch nicht alle zu sehen und werden je nach Bedarf einfach hinzugefügt.
Auch das Breadcrumb-Konzept
(deutsch: Brotkrumen) ist integriert, das
man von manchen Content-ManagementWebseiten kennt: Dabei wird in einer Navigationszeile oberhalb der Ordneransicht
der Ordner einer aufgerufenen Datei innerhalb der hierarchischen Ordnerstruktur als Pfad bis zum Home-Verzeichnis
angezeigt. Dadurch kann man schnell in
einen Oberordner wechseln.
Die Brotkrumen-Navigation ist in Dolphin insofern eine hilfreiche Abkürzung zum raschen Navigieren. Die
64
Ordner erscheinen in der Adressleiste des
Dateimanagers mit ihren Bezeichnungen
als Schaltflächen: Über einen einfachen
Mausklick springen Sie ins jeweilige Verzeichnis. Eine nach rechts gerichtete Pfeilspitze weist in dieser Leiste auf die
nächste Schaltfläche, die gleichzeitig der
Unterordner des linken Ordners ist. Die jeweils aktuell geöffnete Datei (Abbildung
1) befindet sich in dem Ordner, der in dieser Linie ganz rechts außen erscheint.
Wollen Sie eine Datei an einen anderen
Ort verschieben, schneiden Sie diese mit
der Tastenkombination [Strg-X] aus, klicken danach entweder auf eine dieser
Schaltflächen oder auf eine der Pfeilspitzen dazwischen: Unterhalb des Pfeils öffnet sich eine Liste mit allen Unterordnern,
die sich im links angezeigten Ordner befinden. Sie können den gewünschten Ordner
sofort bequem aufrufen und die Datei anschließend mit [Strg-V] einfügen.
Liegen mehrere Dateien in einem Ordner, und Sie können die
www.easylinux.de
gesuchte nicht auf Anhieb erkennen, nutzen Sie einfach den Schieberegler am unteren Fensterrand: Damit vergrößern (oder
verkleinern) Sie die Thumbnail-Inhalte zur
besseren Ansicht stufenlos.
02
Dolphin: Geteilte
Ansichten nutzen
Zum Vergleichen, Kopieren oder Verschieben von Dateien und Ordnern ist das Nebeneinanderlegen von zwei Fenstern eine
hilfreiche Option. In Dolphin steht dafür
der Menüpunkt Ansicht / Teilen zur Verfügung. Noch schneller teilen Sie das Fenster
mit [F3]. Ein erneutes Drücken von [F3]
schließt das aktive Fenster wieder. Möchten Sie eines der Fenster jedoch über die
Menüleiste schließen, sehen Sie unter Ansicht in einer winzigen Abbildung ein geteiltes Fenster vor dem Punkt Schließen.
Auf einer dieser Seiten ist ein graues Minuszeichen zu erkennen – es markiert das
aktive Fenster und dient somit der Kontrolle, damit Sie nicht das falsche Fenster
EasyLinux 03/2016
KDE-Tipps
TIPPS & TRICKS
zeugleiste bereitliegt, öffnet sich das
Fenster nach einem Klick gleich am unteren Fensterrand. Sollte es recht schmal
geraten sein, lässt es sich mit dem Mauszeiger nach oben vergrößern, wenn dieser an den Rand gehalten wird und sein
Aussehen zu zwei entgegen gerichteten
Pfeilen verändert (Abbildung 3).
Alternativen zum Aufrufen des Terminals sind der Menüpunkt Extras / Terminal öffnen und die Tastenkombination
[Umschalt-F4]. Hierbei öffnet sich jeweils
ein eigenes Fenster.
06
Abb. 1: Das Dolphin-Fenster zeigt die Seitenleisten und die Breadcrumb-Navigation.
schließen. In der Werkzeugleiste zeigt ein
– diesmal rotes – Minuszeichen ebenfalls
das aktive Fenster an.
03
Dolphin: Menüleiste
einblenden
Im Dolphin-Fenster fehlt nach der Neuinstallation von OpenSuse Leap oder Kubuntu am oberen Seitenrand vermutlich
die Menüleiste, in der Sie Aktionen unter
Menüpunkten wie Datei, Bearbeiten, Extra oder Einstellungen auswählen können. Nicht jede Funktion wird im Kontextmenü nach dem Klick mit der rechten
Maustaste angeboten. Um dauerhaft an
die Menüleiste zu gelangen, drücken Sie
[Strg-M]. Sollten Sie diese Leiste nicht
mehr benötigen, können Sie zum Entfernen erneut [Strg-M] drücken.
04
Dolphin: Neue Funktionen
für die Werkzeugleiste
Dolphin blendet am oberen Fensterrand
die Werkzeugleiste mit Symbolen ein. Darin sehen Sie nur eine kleine Auswahl aller vorhandenen Menüpunkte für einen
schnellen Zugriff. Um zum optimalen Arbeiten auch an weitere Funktionen zu gelangen, können Sie die noch fehlenden
hinzufügen. Das gelingt über den Navigationspunkt Werkzeugleisten einrichten,
den Sie entweder in der oberen Menüleiste unter Einstellungen oder per Rechtsklick auf eine freie Stelle in der Werkzeugleiste aufrufen.
EasyLinux 03/2016
In der rechten Spalte des sich öffnenden Übersichtsfensters sehen Sie die aktuellen Einträge in der Werkzeugleiste; in
der linken Spalte dieses Fensters finden
Sie die lange Reihe an weiteren Optionen,
deren verborgene Punkte Sie über den
seitlichen Schieberegler im Ansichtsfenster einblenden. Markieren Sie einen dieser Punkte und klicken Sie danach auf
den nach rechts weisenden Pfeil, wandert
er ins rechte Fenster und damit in die
Werkzeugleisten-Ansicht.
Wollen Sie die Anzeigen-Reihenfolge
in der Werkzeugleiste ändern, wählen Sie
dafür zunächst einen Eintrag aus und klicken anschließend auf die nach oben oder
unten zeigenden Pfeilspitze (Abbildung
2). Wenn Sie die Anzeige der Symbole
dahingehend verändern
wollen, dass Sie nur deren
Textbezeichnung sehen,
hilft ein Rechtsklick in die
Werkzeugleiste. Im Kontextmenü wählen Sie dann
Textposition / Nur Text.
05
Archivdateien in Dolphin
entpacken
In Dolphin lassen sich auch Archivdateien
erstaunlich schnell entpacken. Ziehen Sie
dafür beispielsweise eine tar.bz2-Datei einfach in einen ausgewählten Dolphin-Ordner. Sobald Sie die Datei loslassen, erscheint ein Dialogfenster, das den
Menüeintrag Hierher entpacken zeigt. Auf
den brauchen Sie nun nur noch zu klicken.
07
Ark: Auswahlkriterien
für Archivdateien
Für einige Vorhaben empfiehlt es sich,
Dateien und Ordner in einem komprimierten Archiv zusammenzufassen. Sie
werden dadurch handlicher zum Weitergeben und sparen Platz beim Mailversand
sowie auf der Platte. Mit dem Archivprogramm Ark können Sie Archive betrachten, entpacken, neu erstellen oder auch
verändern. Ark ist bei den neueren KDEVersionen für diese Aufgaben zum Standard geworden, da es mit den aktuellen
Framework- und Bibliotheks-Softwarekomponenten zusammenarbeitet.
Diese Arbeiten können Sie auf mehreren
Wegen erledigen: in Ark selbst, in Dol-
Dolphin: Terminalfenster öffnen
Wer zum Arbeiten Kommandos ins Terminalfenster eingeben möchte, kann
dies auch gleich in Dolphin erledigen. Wenn das
entsprechende Symbol
schon in der Werk-
www.easylinux.de
Abb. 2: In diesem Fenster wählen Sie die Einträge für
die Werkzeugleiste und die Positionen dieser Einträge
durch Klicks auf die Pfeilsymbole.
65
TIPPS & TRICKS
KDE-Tipps
l
entsteht die Dateiendung .tar.bz2.
rar: Das Kompressionsprogramm
erzeugt in einem Rutsch komprimierte
Archive (ähnlich wie Zip) und bietet
Passwortverschlüsselung sowie eine
Recovery-Funktion (Reparaturmodus).
08
Archivieren im
tar.bz2-Format
Sie wollen Ihre Dateien in ein tar.bz2-Archiv packen, doch die Filterauswahl zeigt
diese Dateiendung nicht an? Das ändert
sich, wenn Sie tar-Archiv (bzip-komprimiert) auswählen. Die im Ark-Fenster unterhalb des Filters stehende Anzeige Dateierweiterung automatisch auswählen
(.tar.bz2) zeigt dann an, dass Sie die richtige Einstellung gefunden haben (Abbildung 4). Nun geben Sie noch den Namen
ein und klicken auf Speichern.
Abb. 3: Das Terminalfenster, das bei Dolphin angedockt ist, können Sie mit dem sich
verändernden Mauszeiger in die Höhe (oder nach unten) ziehen.
09
Einzelne Dateien aus
Archivdatei entpacken
phin, über das Kontextmenü der rechten
Tastenkombinationen sind auch in Ark
men mit Kompressionsprogrammen
Maustatste oder im Terminalfenster.
nützliche Helfer. Mit [Strg-E] wird der Entzum Einsatz.
lgzip: Komprimiert Dateien im GzipArk unterstützt neben den Linux-typipackungsdialog zum weiteren Bearbeiten
geöffnet. Dort können Sie auch einzelne
Format und hängt die Endung .gz an.
schen Archivdateiformaten .tar, .gz (gzip),
Wird es zusammen mit tar eingesetzt,
Inhalte statt des gesamten Archivs aus.bz2 (bzip2) auch die unter Windows verentsteht die Dateiendung .tar.gz.
breiteten Formate .rar, .zip und .7z (7-Zip)
wählen. Dafür wählen Sie mit gedrückter
lbzip2: Ist ähnlich wie gzip, liefert
und weitere Dateitypen (Abbildung 4).
Strg-Taste die gewünschten Dateien und
Welches Format man wählt, hängt zum
Ordner und drücken anschließend erneut
aber eine bessere Kompression, was
einen vom Umfang der eigenen Dateien
[Strg-E] oder klicken auf den Menüpunkt
jedoch mehr Hauptspeicher und Zeit
ab, aber auch von der Entpackungs-SoftEntpacken am oberen Fensterrand. Im
für die Kompression benötigt. Das
neuen Fenster können Sie sich in der rechProgramm bietet einen Reparaturware des Empfängers. In Abbildung 4
modus. Das Zusammenspiel mit tar
sind bei Filter zugleich die Aufgaben der
ten Spalte am unteren Bereich im Feld Entjeweiligen Archivprogramme
packen bei Bedarf auch noch
(Archiv packen oder komprifür die Option Alle Dateien umentscheiden.
mieren) zu sehen. Dateiendungen wie etwa .tar.bz2 zeigen,
Kontrollleiste zum
dass diese beide Aufgaben für
raschen Arbeiten
ein komprimiertes Archiv erleIn der Kontrollleiste können
digt wurden – und zwar nachSie Miniprogramme (auch
einander. Das erledigt Ark auPlasmoide genannt) zusätzlich
tomatisch nach Auswahl des
zu den bereits vorhandenen
gewünschten Filters.
für einen Schnellzugriff dauerDie Formateigenschaften
der Programme sind:
haft ablegen. Die Leiste kann
ltar: Der Name tar ist die
Inhalte wie ein Container aufnehmen. Die Symbole von akAbkürzung von „tape
tuell geöffneten Fenstern liearchiver“. Das Archivgen dort ebenfalls, allerdings
programm trägt diesen
nur temporär, bis sie wieder
Namen, weil es zunächst
für die Archivierung auf
geschlossen werden.
Datenbändern (Streamern)
In dieser Leiste sind verzuständig war. Es fasst
schiedene Bereiche für unterDateien und Ordner als Arschiedliche Aufgaben vorgesehen, die Sie allerdings auch
chiv zusammen, ohne sie
verschieben können. So befinzu komprimieren. Deshalb
Abb. 4: Die Archiv- und Komprimierungs-Formate zeigt Ark im
kommt es meist zusamden sich standardmäßig am
„Öffnen“-Dialog an, wenn Sie auf „Filter“ klicken.
10
66
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
KDE-Tipps
TIPPS & TRICKS
Abb. 5: Beim Sortieren der Symbole sind auch Abstandhalter sinnvoll.
Abb. 6: In der Einstellfläche der Kontrollleiste können Sie u. a. Miniprogramme und Abstandhalter einfügen und löschen.
Abb. 7: Wenn Sie die Kontrollleiste vergrößern, verschwinden evtl. die Symbole am rechten Rand.
rechten Ende die Systemelemente mit Anzeigen für Netzwerkverbindungen, Updates usw. sowie die Uhr mit Kalendarium
und vor allem ganz rechts außen das Symbol zum Aufrufen der Kontrollleisten-Einstellungen: das Hamburger-Menü.
Auch für die Aktivitäten, die wir in der
letzten EasyLinux-Ausgabe vorgestellt haben, können Sie dort ein Miniprogramm
ablegen, über das Sie dann die Aktivitä-
ten aufrufen. Die Leiste befindet sich
standardmäßig am unteren Bildschirmrand, lässt sich allerdings auch an alle anderen Seitenränder verschieben.
11
Größe und Position der
Kontrollleiste ändern
Für eine bessere Übersicht bei einer großen Anzahl an Miniprogrammen sowie
zum Vergrößern von Symbolen können
Sie die Leistenhöhe anpassen. Voraussetzung dafür ist, dass die Miniprogramme
entsperrt sind. Falls sie es noch nicht sind,
gelingt das mit der rechten Maustaste oder
mit [Alt-A], [L]. Ein weiteres Drücken dieser Kombination sperrt sie wieder.
Auch die Position und die Ausrichtung
der Kontrollleiste können Sie zum komfortablen Arbeiten anpassen. Da die Miniprogramme direkt nebeneinander liegen, ggf.
TIPPS & TRICKS
KDE-Tipps
Abb. 8: Das eingefügte Dolphin-Plasmoid wird in der verkürzten Kontrollleiste durch Mousover angezeigt.
Abb. 9: Die Desktopabbildung mit verkürzter Kontrollleiste zeigt mit der schmalen Laufleiste im Miniprogramm-Fenster an, dass noch
mehr Programme vorhanden sind.
Doppelte Tastenaber besser voneinander unterscheidbar
che Höhe, halten die Maustaste gedrückt
kombinationen
und ziehen dann die Leiste nach oben
sein sollen, können Sie dazwischen auch
oder unten. Die Symbole vergrößern sich
in der Breite konfigurierbare AbstandhalManche Funktionen werden nicht nur
und sind dann am rechten Leistenrand
über einfache Tastenkombinationen, wie
ter einfügen und bei Platzmangel auch
eventuell nicht mehr sichtbar (Abbiletwa [Alt-Leertaste] für das Suchfeld von
wieder löschen (Abbildung 5).
KRunner, aufgerufen. Bei anderen FunkSie können die Kontrollleiste über diedung 7). Um diesen Einstellmodus zu
beenden, klicken Sie einfach auf eine
tionen sind mehrfache Tastenkombinatiosen Weg sogar schmaler ziehen, so dass
freie Desktopstelle oder auf den roten
nen erforderlich, welche die KDE-Dokuam unteren rechten Bildschirmrand der
Knopf rechts außen.
mentation in den Schreibweisen Alt+D A
Desktop zum Vorschein kommt. Für
diese Konfigurationen klicken
oder Alt+D Alt+L darstellt.
Sie das Hamburger-Menü
Das bedeutet, dass Sie diese
(das Symbol mit drei übereinnacheinander drücken müssen.
l [Alt+D, A] entspricht z. B.
anderliegenden Linien) am
in EasyLinux-Notation [Altrechten Ende der Kontrollleiste an. Zum Verkürzen der
D] und [A]. (Damit rufen
Kontrollleiste verschieben Sie
Sie am linken Bildschirmdie unscheinbaren weißen
rand die Miniprogrammschmalen Pfeile im grauen
leiste auf, aus der Sie mit
Feld über der Kontrollleiste
einem Doppelklick das
(Abbildung 6).
gewünschte Programm zur
Doch Achtung – das HamKontrollleiste hinzufügen.)
l burger-Menü, das als einziges
[Alt+D, Alt+L] steht
seine Randposition nicht veranalog für [Alt-D], [Alt-L]
ändert, könnte dabei eine der
(hierbei können Sie die
Schaltflächen in der KontrollAlt-Taste gedrückt halten).
Der Shortcut öffnet die
leiste überdecken. Um die
Aktivitätenleiste am linken
Höhe der Leiste zu verändern,
Abb. 10: Nach dem Rechtsklick kann Dolphin in die Kontrollleiste
Bildschirmrand.
klicken Sie auf die Schaltfläoder an andere Stellen integriert werden.
12
68
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
13
Aktivitäten aus der
Kontrollleiste aufrufen
Arbeiten Sie mit mehreren Aktivitäten,
brauchen Sie diese nicht über das Hamburger-Menü aufzurufen, sondern können
sie direkt aus der Kontrollleiste mit einem
Klick starten. Damit sie dort überhaupt erscheinen, rufen Sie mit einem Rechtsklick
auf die Kontrollleiste Kontrollleisten-Optionen / Miniprogramme hinzufügen / Aktivitätsleiste auf. Sämtliche Aktivitäten liegen nun einsatzbereit vor und sind an ihren Bezeichnungen zu erkennen – Sie
müssen sie nicht einzeln hinzufügen.
Alternativ können Sie z. B. auch die
Aktivitätenübersicht mit dem Doppelklick
hinzufügen. Dann erscheinen kleine
Schaltflächen, wie sie am linken Ende der
Kontrollleiste auch für die Arbeitsflächen
angezeigt werden, die weiter konfigurierbar sind (Abbildung 6).
14
Windows-Taste auch
unter Linux nutzen
Bei Beschreibungen von Tastenkombinationen wird zuweilen auch die Meta-Taste
erwähnt: So heißt und Linux die Windows-Taste. Sie kommt bei der Aktivitätenleiste zum Einsatz, um von einer Aktivität zur nächsten zu wechseln. In der
Kontrollleiste ist die aktuell aufgerufene
Aktivität bei einem eingefügten Miniprogramm durch den blau unterlegten Balken gut zu erkennen (Abbildung 6).
Zum Vorwärtsspringen drücken Sie
[Windows-Tab], zurück geht es mit [Windows-Umschalt-Tab]. Es verändert sich
nicht nur das von Ihnen zuvor gewählte
Erscheinungsbild der Desktopoberfläche,
auch der blaue Balken unterhalb der Aktivität wandert im Kontrollleisten-Miniprogramm weiter.
15
Einfügen eines
Plasmoids
Sie können häufig genutzte Miniprogramme, wie z. B. Dolphin, dauerhaft in
die Kontrollleiste einfügen (Abbildung
8), die nach dem Klick auf Miniprogramm
hinzufügen nicht in der MiniprogrammAuswahlleiste erscheinen. Auch hier stehen übrigens weit mehr Programme zur
Verfügung, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Der schmale Laufbalken am
rechten Rand der Miniprogramm-Liste
deutet darauf hin (Abbildung 9).
Das Einfügen gelingt über einen kleinen Umweg: Öffnen Sie den Anwendungsstarter und navigieren Sie dort zum
EasyLinux 03/2016
gewünschten Miniprogramm in einer der
Kategorien – am Beispiel Dolphin zu System. Ein Rechtsklick auf den Programmnamen öffnet das Kontextmenü, in dem
Zur Kontrollleiste hinzufügen eine der Optionen ist (Abbildung 10).
16
Entfernen eines
Miniprogramms
Wenn Sie ein Miniprogramm wieder aus
der Kontrollleiste entfernen wollen, weil
Sie es versehentlich doppelt eingefügt haben oder schlicht nicht mehr benötigen,
werden Sie diese Option nicht auf den ersten Blick finden. Nach einem Rechtsklick
an einer freien Stelle der Kontrollleiste
wählen Sie Kontrollleiste-Optionen / Einstellungen für Kontrollleiste und anschließend nach einem weiteren Rechtsklick auf
das Miniprogramm Entfernen aus.
Noch schneller geht es, wenn Sie statt
des letzten Rechtsklicks nach dem Mausover im angezeigten Infofenster des Miniprogramms auf das weiße Kreuz im roten
Kreis zum Schließen linksklicken oder
gleich das Hamburger-Menü aufrufen und
dann zum Miniprogramm navigieren, um
hier auf den roten Schaltknopf zu klicken
(Abbildung 6).
Auch von der Desktopoberfläche können Sie Miniprogramme wieder entfernen, was ebenfalls nicht auf den ersten
Blick erkennbar ist. Erst nachdem Sie die
linke Maustaste ein paar Sekunden lang
auf dem Symbol des Miniprogramms gedrückt halten, öffnet sich neben dem
rechten Symbolrand eine schmale Hochkantleiste. An deren unteren Ende ruft
das weiße X im roten Kreis zum Löschen
dieses Plasmoids auf.
Sie können über die anderen Schaltflächen auch Einstellungen vornehmen –
nach dem Berühren dieser Symbole mit
dem Mauszeiger werden die Funktionen
angezeigt (Abbildung 11). (hge)
n
Abb. 11: Plasmoide wie Notizzettel
löschen Sie vom Desktop, indem Sie die
linke Maustaste ein paar Sekunden
darauf gedrückt halten und dann auf den
Löschknopf klicken.
www.easylinux.de
Linux und OS X
BASICS
Linux und OS X: ähnlich und doch verschieden
neben Linux- und Windows-PCs einen weiteren separaten
23RF
in, 1
hug
Pic
y_
itr
Dm
OS X ist das Betriebssystem der Apple-Computer: Die bilden
©
Geschwister
Computerkosmos. Als Unix-basiertes System ist OS X aber Linux ähnlich: Wir zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Hans-Georg Eßer
W
er schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, sich ein
MacBook oder einen iMac von
Apple zu kaufen, wird sich auch fragen,
was er damit anfangen kann. Die Hardware von Apple ist schick, doch mit
OS X läuft darauf ein Betriebssystem,
das weder Windows- noch Linux-Programme ausführt – sondern eigene, für
OS X entwickelte Anwendungen. OS X
läuft aber auf einem Unix-Kern, und dadurch ist viel Software aus der LinuxWelt auch dort (teilweise mit Einschränkungen) verfügbar.
Wir gehen in diesem Artikel nicht auf
die Möglichkeit ein, Linux auf einem Mac
zu installieren. Das funktioniert zwar,
aber die meisten Anwender, die einen
Mac kaufen, nutzen auch das darauf vorinstallierte OS X (das früher Mac OS hieß
und ab der kommenden Version in
macOS umbenannt wird). Stattdessen betrachten wir OS X und vergleichen es mit
Linux – an der (grafischen) Oberfläche,
auf der Shell und unter der Haube (also
etwas technischer).
Oberflächliches
Während Linux eine Vielzahl an Desktops
(KDE, Gnome, Unity, Xfce, LXDE usw.)
zur Wahl anbietet (Abbildung 1), gibt es
bei OS X eine einzige feste Oberfläche, die
sich nicht austauschen lässt (Abbildung
2). Von einer Version zur nächsten ändert
sich die Optik des OS-X-Desktops zwar
geringfügig, die Bedienung bleibt aber im
Wesentlichen gleich. Durch die Einheitlichkeit finden sich OS-X-Anwender auch
auf fremden Macs schnell zurecht. Eine
Besonderheit bei Macs ist, dass alle OS-X-
Abb. 1: KDE ist nur einer von vielen Desktops für Linux-Systeme. Das klassische Layout
mit Taskleiste und Startmenü lässt sich recht frei anpassen.
EasyLinux 03/2016
www.easylinux.de
Programme ihre Menüleiste am oberen
Bildschirmrand anzeigen. Das spart Platz,
kann bei großen Bildschirmen aber lange
Mauswege verursachen.
In beiden Welten sind moderne Features wie etwa mehrere virtuelle Arbeitsflächen zur besseren Aufteilung vieler
Programmfenster schon lange etabliert
(während Windows diese Funktion erst
mit Version 10 eingeführt hat). Das Umschalten auf eine andere Arbeitsfläche gelingt unter OS X und Linux über Tastenkombinationen, und Fenster lassen sich
auf einen anderen Desktop verschieben.
Auch bieten beide Systeme die Möglichkeit, einen Überblick aller geöffneten
Fenster auf sämtlichen Desktops zu erhalten und per Klick ein Fenster (und damit
den zugehörigen Desktop) zu aktivieren.
Neuere OS-X-Versionen sind in der Anordnung der Desktops weniger flexibel als
Linux: Sie können nur noch in Reihe (alle
nebeneinander) gestellt werden, während
es auf Linux-Desktops üblich ist, sie in einem Zeilen- und Spaltenraster anzuordnen. Das prinzipielle Handling von Fenstern (Verschieben, Schließen, Größenänderung) läuft sowieso bei allen modernen
Betriebssystemen gleich ab.
Auch die Dateimanager von OS X und
Linux (KDE) sind sich sehr ähnlich; beide
bieten schnellen Zugriff auf alle klassischen Dateioperationen und können z. B.
über Kontextmenü-Einträge Archive entpacken oder Ordner in ein Archiv komprimieren (Abbildungen 3, 4); in der linken
Spalte lassen sich häufig benutzte Verzeichnisse für den Schnellzugriff ablegen.
91
BASICS
Linux und OS X
Während Linux mit KDE ein Startmenü
für die Programmauswahl bietet, starten
OS-X-Anwender Programme über den
Programme-Eintrag im Dock, hier sind die
meisten Einträge nicht hierarchisch, sondern direkt auf der obersten Ebene, so
dass OS X sehr viele Programme auf einen Blick anzeigt. Häufig verwendete Anwendungen lassen sich auch direkt als separates Icon im Dock ablegen.
Dateien
Auch am Dateisystem erkennen Sie die
Verwandtschaft von Linux und OS X:
Beide nutzen ein Unix-Dateisystem mit
dessen klassischen Berechtigungen (Lesen, Schreiben und Ausführen für Dateibesitzer, Gruppenmitglieder und sonstige
Anwender); es gibt symbolische Links
und Gerätedateien. Wer sich auf einem
der beiden Betriebssysteme mit Dateiverwaltung auskennt, muss auf dem anderen
wenig dazu lernen.
Unterschiede gibt es beim konkret eingesetzten Dateisystem und bei den Gerätedateien, über die Sie Festplatten, USBSticks, Partitionen und sonstige Laufwerke ansprechen:
GLOSSAR
FUSE: Filesystem in Userspace (FUSE)
ist unter Linux eine Methode, mit der
Treiber für ein Dateisystem als normale
Programme (und nicht als Kernel-Module)
laufen. Ein generisches FUSE-Kernel-Modul lässt FUSE-kompatible Programme
die Treiberfunktionalität umsetzen.
Abb. 2: OS X verwendet eine zentrale Menüleiste (oben). Unten enthält das Dock Programmstarter und ausklappbare Menüs zu Dokumenten, Programmen und Downloads.
l
Linux bietet die größere Auswahl bei
den Dateisystemen. Aktuell sind hier
Ext4 und Btrfs, aber ein Blick in
/proc/​filesystems und in den Ordner
/lib/​modules/​$(uname ‑r)/​kernel/​
fs zeigt, dass Linux viele weitere
Systeme kennt (darunter noch mehr
Unix-artige Systeme aber auch VFAT
und NTFS aus der Windows-Welt).
Support für die neuste FAT-Variante
exFAT gibt es bei Linux nur über
ein FUSE-Modul [1]. OS X setzt auf
HFS+, das einige spezielle Eigenschaften hat, die früher für die
Kompatibilität mit Mac OS 9 und älter
interessant waren; davon abgesehen
ist es ein klassisches Unix-Dateisystem. Hier gibt es Support für FAT
inkl. exFAT, aber NTFS-Medien kann
OS X nur lesen und nicht schreiben.
Übrigens gibt es auch für OS X eine
portierte FUSE-Version (MacFUSE
bzw. dessen Weiterentwicklung FUSE
for OS X [2]).
lDie Gerätedateien sind anders benannt, aber grundsätzlich können Sie
damit dieselben Dinge tun (nämlich
direkt auf die Datenträger zugreifen –
unter Umgehung des Dateisystems).
Bei Linux sind die Plattenbezeichnungen /dev/​sda, /dev/​sdb usw., und
Partitionen werden durch Anhängen
einer Zahl benannt (z. B. /dev/​sda1);
bei OS X heißen die Platten /dev/​
disk0, /dev/​disk1 usw., und Partitionen haben zusätzlich ein kleines s
und die Partitionsnummer im Namen
(z. B. /dev/​disk0s1).
lBei den Partitionstabellen unterstützt
Linux die alten MBR-Tabellen und
das neue GPT-Format, während
OS X schon immer nur GPT nutzt,
also keine primären, erweiterten und
logischen Partitionen kennt. Macs
booten wie moderne PCs mit EFI.
Home-Verzeichnisse
Abb. 3: Der Finder ist der (einzige vorinstallierte) Dateimanager von OS X.
92
www.easylinux.de
Linux und OS X legen fast identische Hierarchien für die privaten Dateien der Benutzer an: Beide teilen das (Unix-weit
gültige) Konzept des Home-Verzeichnisses, die Standard-Home-Verzeichnisse der
Benutzer tragen den Namen des Benutzers und liegen unterhalb von /home (Linux) bzw. /Users (OS X).
Davon abgesehen gibt es winzige Unterschiede, z. B. bei der Lokalisierung
klassischer Unterordner: Dokumente,
Bilder und Musik landen auf einer
EasyLinux 03/2016
Linux und OS X
BASICS
deutschsprachigen Linux-Installation in
den gleichnamigen Ordnern im HomeVerzeichnis; die Ordner haben also deutsche Dateinamen. Bei OS X heißen die
entsprechenden Ordner Documents, Pic‑
tures und Music, werden im grafischen
Dateimanager (dem Finder) aber eingedeutscht angezeigt.
Software-Installation
Alle Linux-Distributionen setzen auf eine
integrierte Paketverwaltung, meist auf Basis von RPM- oder Debian-Paketen. Dabei
ist ein größeres Programm oft auf mehrere
Pakete aufgeteilt, die dann z. B. die ausführbaren Programmdateien, zugehörige
Bibliotheken, die Dokumentation und andere Elemente der Software getrennt enthalten. In vielen Fällen benötigen mehrere
Programme dieselben Bibliotheken; diese
muss man dann nur einmal einspielen.
Das führt wiederum zu Abhängigkeiten
zwischen verschiedenen Paketen (Paket A
ist nur installierbar, wenn man auch Pakete B und C mitinstalliert.), und das Auflösen dieser Abhängigkeiten erledigen die
Repository-basierten Paketmanager (z. B.
APT oder Zypper).
OS X wählt für die Softwareverwaltung
einen anderen Ansatz: Programmpakete
sind dort im Grunde Zip-Archive, die
beim Entpacken einen Ordner unterhalb
von /Applications erzeugen (Abbildung
5). Diesen Ordner zeigt der Finder aber
nicht als Verzeichnis; der Eintrag erscheint im Dateimanager als Symbol eines ausführbaren Anwendung. Im Ordner
liegen gesammelt alle Dateien, die das
Programm zum Laufen braucht, darunter
neben der ausführbaren Datei auch die
Abb. 4: Dolphin ist der Standard-Dateimanager von KDE (Linux).
Bibliotheken. Damit kann es aber passieren, dass identische Bibliotheken mehrfach auf der Platte landen. (Um unter einen solchen Anwendungsordner im Finder einen Blick zu werfen, gibt es die
Kontextmenü-Option Paketinhalt zeigen.)
OS X erkennt solche Anwendungsordner
an der Dateiendung .app.
Seit 2011 gibt es bei OS X den App
Store (Abbildung 6), der die Installation
von Software vereinfachen und vereinheitlichen soll; er kümmert sich zudem
auch um Updates von Programmen, die
über ihn eingespielt wurden. Aus Benutzerperspektive ähnelt das stark der unter
Linux üblichen Vorgehensweise zum Aktualisieren der installierten Programme;
noch ähnlicher ist aber die Funktions-
weise der Smartphone-Tools von Apple
(App Store) und Google (Play Store). Der
OS X App Store ähnelt auch Ubuntus
neuer Softwareverwaltung Ubuntu Software (Abbildung 7): Beide bieten nur Zugriff auf größere Programmpakete, für die
Installation von Shell-Programmen und
Serverdiensten ist in beiden Fällen ein anderer Weg nötig. Ganz anders arbeitet
etwa OpenSuses Paketverwaltung in
YaST, die alle Pakete (darunter auch Bibliotheken) anzeigt (Abbildung 8).
Die Shell
Auf der Kommandozeile verhalten sich
beide Systeme im Wesentlichen gleich;
die Standard-Shell ist die Bash, und unsere Shell-Tipps oder die Artikel aus der
Abb. 5: Programme im Finder: Hinter einem Programmeintrag verbirgt sich ein Unterordner mit vielen Dateien.
EasyLinux 03/2016
www.easylinux.de
93
BASICS
Linux und OS X
Rubrik „Guru-Training“ sind für OS-XAnwender meist genauso passend wie für
Linux-Benutzer.
Um Administratorrechte zu erlangen,
setzt man auf beiden Systemen das Kommando sudo ein, und auch die übrigen
Standard-Shell-Tools heißen gleich.
In gemischten Umgebungen (also dort,
wo es Macs und Linux-PCs im selben
Netzwerk gibt) führt die Ähnlichkeit dazu,
dass man sich bequem via ssh auf anderen Rechnern einloggen und dann auf der
entfernten Maschine Kommandos ausführen kann (Abbildung 9) – egal, in welche
Richtung (vom Mac aus auf einem LinuxRechner einloggen oder umgekehrt).
Klassische Unix-Anwendungen
Abb. 6: Über den App Store von OS X können Mac-Benutzer zentral Software installieren und aktualisieren. Viele Programme sind kostenpflichtig.
Beliebte Tools für die Kommandozeile
wie der Dateimanager Midnight Commander (mc), das Mailprogramm mutt oder
der Browser w3m sind für beide Systeme
verfügbar, und mit dem (separat nachzuinstallierenden) Programm Homebrew
(brew) steht für OS X eine Softwareverwaltung bereit, die wie apt oder zypper
funktioniert und auf ein Software-Repository zugreift [3]. Die enthaltenen Programme stammen alle aus der Unix-/​Linux-Welt und wurden auf OS X portiert.
Das Kommando brew install xyz richtet
dann auf dem Mac genau wie apt install
xyz auf einem Ubuntu-Rechner ein Programmpaket xyz ein.
Die klassischen Shell-Programme bringen auch meist eine Manpage mit, die
sich (wie unter Linux) mit man pro‑
gramm anzeigen lässt. Die OS-X-Manpages liegen allerdings nur auf Englisch vor,
während es bei Linux üblich ist, deutsche
Übersetzungen mitzuliefern.
Programme verwenden teilweise unterschiedliche Optionen, so ist zum farbigen
Hervorheben der ls-Ausgabe z. B. unter
OS X die Option ‑G nötig, während das Linux-ls die Option ‑‑color versteht.
Grafische Anwendungen
Abb. 7: Ubuntu Software ist die neuste Softwareverwaltung in Ubuntu; sie zeigt nur
eine Auswahl der verfügbaren Programme an.
94
www.easylinux.de
Die grafische Oberfläche, die OS X verwendet, basiert nicht auf dem X Window
System, das ansonsten für alle Unix-Systeme der Standard ist. Unter OS X lässt
sich aber ein X-Server nachinstallieren.
Ältere OS-X-Versionen haben ihn noch
mitgeliefert, Apple hat die Entwicklung
aber eingestellt. Für aktuelle OS-X-Versionen bietet das XQuartz-Projekt [4] Ersatz.
Ist ein X-Server installiert, steht auch
der Nutzung klassischer grafischer Unix-
EasyLinux 03/2016
Linux und OS X
BASICS
Beim Festplattenzugriff lag OS X vorne, in
anderen Kategorien Linux. Für den täglichen Einsatz auf dem Desktop sind die
Leistungsunterschiede eher unwichtig.
Fazit
Der Blick auf die beiden Betriebssysteme
zeigt, dass die Ähnlichkeiten überwiegen:
Während Anwender beim häufigen
Wechsel zwischen Windows und Linux
oft über größere Unterschiede stolpern
und unterschiedliche Vorgehensweisen
beherrschen müssen, fällt es leichter,
OS X und Linux parallel einzusetzen, weil
die Bedienkonzepte ähnlicher sind und
sich vor allem Freunde der Shell mit der
Bash und den Standard-Shell-Tools sofort
auf dem jeweils anderen System zurechtfinden, wenn sie Vorkenntnisse aus einer
der beiden Welten mitbringen. (hge) n
Abb. 8: Die Paketverwaltung in YaST (OpenSuse) zeigt alle verfügbaren Pakete an, auch
Bibliotheken oder Dokumentation.
INFOS
[1]FUSE: https://​­github.​­com/​­libfuse/​­libfuse
Anwendungen nichts im Weg. Deren
Fenster sehen aber anders als OS-X-Programmfenster aus, was einen uneinheitlichen Look verursacht.
Der umgekehrte Weg ist nicht möglich:
Anwendungen, die direkt für OS X programmiert wurden, lassen sich nicht
durch Neukompilieren zu Linux-Programmen machen.
Kernel, Lizenz, Performance
Der Linux-Kernel [5] ist monolithisch und
damit einfach strukturiert. Vereinfacht gesagt heißt das, dass alle Teile des Kernels
alle übrigen Teile sehen und nutzen können; auch im laufenden Betrieb nachgeladene Kernel-Module integrieren sich in
den Kernel. Linux stammt nicht von einer
der klassischen Unix-Linien (BSD und
AT&T Unix) ab, sondern ist eine unabhängige Neuentwicklung auf Basis der
Grundkonzepte von Unix.
Die Architektur von OS X ist deutlich
komplexer, das System verwendet den
Hybridkernel (eine Kombination aus monolithischem und Microkernel) XNU, der
Komponenten zweier Betriebssystem-Kernel (Mach [6] und FreeBSD [7]) integriert.
Neben all diesen Namen taucht auch noch
Darwin auf: Das ist ein Betriebssystem auf
XNU-Basis, das OS X noch um die grafische Oberfläche Aqua erweitert.
Der Linux-Kern steht unter der freien
Lizenz GPL, und XNU (der OS-X-Kernel)
unter der ebenfalls freien Apple Public
Source License. Auch Darwin ist noch
EasyLinux 03/2016
freie Software, das Gesamtsystem OS X
aber nicht. Linux-Systeme sind frei auf
beliebiger Hardware installierbar, während die Lizenz von OS X den Besitz eines
Macs (also Hardware von Apple) verlangt
– zwar ist es technisch mit Einschränkungen möglich, OS X auf normalen PCs und
Notebooks zu installieren (hier gibt es
wegen fehlender Treiber aber viele
schlecht oder gar nicht unterstützte Komponenten), der Betrieb solcher Hackintosh-Rechner [8] ist aber nicht erlaubt,
und die Konfiguration eines solchen Systems ist schwierig.
In direkten Leistungsvergleichen auf
identischer Hardware schlägt sich Linux
meist etwas besser als OS X. Ein Vergleich,
den Phoronix 2015 zwischen OS X 10.11
und der Linux-Distribution Fedora 23
durchführte [9], sah keinen klaren Sieger:
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u1)
[2]FUSE for OS X: https://​­osxfuse.​­github.​­io/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u2)
[3]Homebrew: http://​­brew.​­sh/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u3)
[4]XQuartz: https://​­www.​­xquartz.​­org/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u4)
[5]Linux (Kernel): https://​­kernel.​­org/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u5)
[6]Mach: https://​­www.​­cs.​­cmu.​­edu/​­afs/​­cs/​
p
­ roject/​­mach/​­public/​­www/​­mach.​­html
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u6)
[7]FreeBSD: https://​­www.​­freebsd.​­org/
(http://​­ezlx.​­de/​­g3u7)
[8]OSx86/​Hackintosh: https://​­en.​­wikipedia.​
o
­ rg/​­wiki/​­OSx86 (http://​­ezlx.​­de/​­g3u8)
[9]Benchmarktest: OS X 10.11 gegen
Fedora 23: https://​­www.​­phoronix.​­com/​
s­ can.​­php?​­page=article&​­item=osx‑
capitan‑fedora23 (http://​­ezlx.​­de/​­g3u9)
Abb. 9: Bash ist Bash; im oberen Teilfenster läuft sie auf dem lokalen Linux-PC, unten
auf einem OS-X-Rechner im lokalen Netz.
www.easylinux.de
95
HEFT-DVD
Heft-DVDs EasyLinux 03/2016
Auf dieser DVD:
Aktuell auf DVD
Auf den Heft-DVDs finden Sie mit Kubuntu 16.04 LTS und Linux Mint
18.0 Cinnamon zwei aktuelle Systeme, die Sie ausprobieren und – bei
Gefallen – dauerhaft nutzen können.
Hans-Georg Eßer
D
ieser EasyLinux-Ausgabe liegen
zwei Datenträger bei: eine einseitige DVD (mit dem Service Kit
und zahlreichen Programmen) sowie eine
zweiseitige DVD (mit Kubuntu 16.04 LTS
auf Seite A und Linux Mint 18.0 Cinnamon auf Seite B). Hinweise zur Installation finden Sie auf den folgenden Seiten.
Kubuntu 16.04
Kubuntu ist die KDE-Variante von Ubuntu;
die beiden Flavours unterscheiden sich im
Wesentlichen nur durch die Vorauswahl
des Desktops. Ubuntu setzt auf die Eigenentwicklung Unity, in Form von diversen
Flavours [1] stehen die Desktops KDE,
Gnome, Mate, LXDE und Xfce als Alternativen bereit. Die aktuelle Kubuntu-Version
16.04 [2] bringt KDE Frameworks 5.18
(also Plasma 5), KDE Applications 15.12,
LibreOffice 5.1 und Firefox 45 mit.
Mit Linux-Kernel 4.4.0 und X.Org 7.7
ist die bereits im April veröffentlichte Kubuntu-Version noch ausreichend aktuell –
zudem handelt es sich um eine LTS-Version (Long Term Release): Anders als bei
den regulären Versionen (wie zuletzt
etwa 15.10) bietet das Kubuntu-Team
drei Jahre Support, versorgt diese Version
also weiter mit Updates und Fehlerkorrekturen. Wie Sie Kubuntu einrichten, lesen Sie auf der nächsten Doppelseite.
KDE-Edition, die zum Redaktionsschluss
aber noch nicht verfügbar war; sie sollte
laut den Entwicklern ca. einen Monat
zeitversetzt erscheinen.
Das auf Ubuntu basierende System
will benutzerfreundlicher und aktueller
als Ubuntu sein – damit konnte die Distribution viele Anhänger gewinnen, und
so steht sie seit vielen Monaten auf Platz
1 der DistroWatch-Charts. Im Mai 2014
entschieden sich die Entwickler, als Vorlage stets die aktuelle Ubuntu-LTS-Codebasis zu verwenden. Die Long-TermSupport-Ausgaben erhalten fünf Jahre
lang aktuelle Softwareversionen – so
müssen Sie nicht jedes Update auf eine
neue Version mitmachen.
Im Artikel ab Seite 110 beschreiben
wir nicht die Installation (die ähnlich
wie bei Kubuntu abläuft), sondern gehen
auf Besonderheiten des Cinnamon-Desktops (Abbildung 1) ein.
keten zu den Artikeln und Updates für
OpenSuse Leap 42.1 und Ubuntu/​Kubuntu 16.04 für Sie bereit.
Einen längeren Artikel aus Ausgabe
01/​2016, der allgemeine Hinweise zur Linux-Installation gibt, finden Sie auf der
Heft-DVD im Ordner programme/​andere/​
linux-installation als PDF-Datei. Bei Problemen mit den Heft-DVDs oder defekten
Datenträgern schreiben Sie eine Mail an
[email protected] (hge)
n
Service Kit
SOFTWARE AUF DVD:
Schließlich hält die einseitige Heft-DVD
das übliche Service Kit mit Programmpa-
Kubuntu 16.04, Linux Mint 18.0,
INFOS
[1]Ubuntu Flavours: http://​­www.​­ubuntu.​
c­ om/​­about/​­about‑ubuntu/​­flavours
(http://​­ezlx.​­de/​­g3s1)
[2]Kubuntu 16.04 Release: https://​­kubuntu.​
o
­ rg/​­news/​­kubuntu‑16‑04‑lts‑release‑
anouncement/ (http://​­ezlx.​­de/​­g3s2)
[3]Linux Mint 18 Cinnamon Release:
http://​­blog.​­linuxmint.​­com/​­?​­p=3051
(http://​­ezlx.​­de/​­g3s3)
Installationsanleitung (PDF)
Linux Mint 18.0 Cinnamon
Seite B der zweiseitigen Heft-DVD enthält
die brandneue (Ende Juni erschienene)
Cinnamon-Edition von Linux Mint 18.0
[3]. Normal präsentieren wir Ihnen die
106
Abb. 1: Linux Mint 18.0 verwendet die Mint-Eigenentwicklung Cinnamon in Version 3.0.
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
©sumaetho, 123RF
Kubuntu 16.04 LTS, Linux Mint 18.0 Cinnamon
SERVICE
Impressum, Autoren-/Inserentenverzeichnis
Autoren Ein Unternehmen der Marquard Media International AG
Verleger Jürg Marquard
Redaktion / VerlagRedaktionsanschrift:
Redaktion EasyLinux
Putzbrunner Straße 71, 81739 München
Telefon: 0911 2872-110
Telefax: 0911 2872-399
E-Mail: [email protected]
www.easylinux.de
Geschäftsführer V
erlagsanschrift:
Computec Media GmbH
Dr.-Mack-Str. 83, 90762 Fürth
Telefon: 0911 2872-100
Telefax: 0911 2872-200
Rainer Rosenbusch, Hans Ippisch
Chefredakteur
Dr. Hans-Georg Eßer (v. i. S. d. P.) (hge), [email protected]
Redaktion
Thomas Leichtenstern (tle), [email protected] (auch Heft-DVDs)
Heike Jurzik (hej), [email protected] (auch Schlussredaktion)
Feste freie Mitarbeiter Claudia Meindl, Martin Loschwitz
Kristina Fleischer
Layout
Titel
Kristina Fleischer, Ausgangsmaterial für Titelillustration: aurielaki, 123RF
Box "Kubuntu": "Next" Theme, (c) KDE Visual Design Group / Uri Herrera und
andere (LGPL-3+)
ProduktionJörg Gleichmar (Ltg.) [email protected]
Vertrieb, Abonnement Werner Spachmüller (Ltg) [email protected]
Webbrowser Vivaldi (40), Tipps: Gnome (70),
Tipps: Kubuntu und Mint (81), Tipps: Linux (84), Tipps: Shell (88)
Karin Mühlenberg
Tipps: KDE (64)
Kristian Kißling
Heft-DVD: Kubuntu 16.04 (108)
Martin Loschwitz
Abhörschutz mit OpenVPN (34), DVB-T2 (104),
Test: SoftMaker FreeOffice (96)
Michaela Finnie
Webbrowser Vivaldi (40)
Peter Kreußel
Neue Software (12)
Sabine Drasnin
Tipps: LibreOffice (74)
Thomas Leichtenstern
Webseiten (29)
Tim Schürmann
Nachrichten (7), Test: Superhot (100)
Ulrich Bantle
Nachrichten (7)
InserentenWeb-Seite
Seiten
Computec IT-Academy
http://www.computec-academy.de
11, 87, 121
Computec Media
http://www.computec.de
21, 99, 124
EasyLinux
http://www.easylinux.de
17, 35, 43
Gimp-Magazin
http://www.gimp-magazin.de
77, 107
Linux-Community
http://www.linux-community.de
67, 119
LinuxUser
http://www.linuxuser.de
39, 69, 103
Raspberry Pi Geek
http://www.raspberry-pi-geek.de
25, 73
Rheinwerk
http://www.rheinwerk-verlag.de27
Tuxedo Computers
http://www.linux-onlineshop.de
2
http://www.widescreen-online.de123
DVD-Probleme
Marquard Media
Deutschsprachige Titel:
SFT, WIDESCREEN, PC GAMES, PC GAMES MMORE, PC GAMES HARDWARE, BUFFED, X3, PLAY 4, GAMES & MORE, N-ZONE, GAMES
AKTUELL, XBG GAMES, MAKING GAMES, LINUX-MAGAZIN, LINUXUSER, EASYLINUX, RASPBERRY PI GEEK
120
Heike Jurzik
Sollte es bei der Nutzung der Heft-DVDs zu Problemen kommen, die auf einen defekten Daten­
träger schließen lassen, schicken Sie bitte eine E-Mail mit Fehlerbeschreibung an
[email protected]
DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH
Düsternstr. 1–3
20355 Hamburg
http://www.dpv.de
Quad/Graphics Europe, Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen
Internationale Zeitschriften:
Editorial (3), Nachrichten (7), Verschlusssachen (30),
Schlanke Alternativen (54), Linux an der Uni (59),
OS X und Linux (91), Heft-DVD: Intro (106),
Heft-DVD: Kubuntu 16.04 LTS (108),
Heft-DVD: Linux Mint 18.0 Cinnamon (110),
Schöner finden: grep und pdfgrep (112)
Widescreen
http://www.easylinux.de
http://www.easylinux.de/Mailinglisten
http://www.linux-community.de
[email protected] (Feedback),
[email protected] (Fragen und Ersatzbestellungen DVDs)
[email protected]
POLEN: COSMOPOLITAN, JOY, SHAPE, HOT, PLAYBOY, CKM, VOYAGE, HARPER’S BAZAAR
UNGARN: JOY, SHAPE, ÉVA, IN STYLE, PLAYBOY, CKM, MEN’S HEALTH
Hans-Georg Eßer
Verionhttp://www.verion.de 124
ISSN: 1613-1444
Abo:
Die Abwicklung (Rechnungsstellung, Zahlungsabwicklung und Versand) erfolgt über unser Partnerunternehmen DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH
PostadresseLeserservice Computec
20080 Hamburg
Deutschland
Ansprechpartner für Reklamationen ist Ihr Computec-Team unter:
Deutschland:
E-Mail: [email protected]
Tel: 0911 993 990-98
Fax: 01805 861 8002*
Support: Montag 07:00–20:00 Uhr, Dienstag–Freitag 07:30–20:00 Uhr,
Samstag 09:00–14:00 Uhr
(* 14 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max.42 Cent/Min. aus dem dt. Mobilfunknetz)
Österreich, Schweiz und weitere Länder:
E-Mail: [email protected]
Tel: +49 911 993 990-98
Fax: +49 1805 861 8002
Support: Montag 07:00–20:00 Uhr, Dienstag–Freitag 07:30–20:00 Uhr,
Samstag 09:00–14:00 Uhr
Abo-Infoseite
http://shop.computec.de
Abo-Bestellung
http://shop.easylinux.de/
Pressevertrieb
Druck
Einführung in Gimp (44), Tipps: Gimp (78)
Linuxhotelhttp://www.linuxhotel.de 9
Anzeigen
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Judith Gratias-Klamt
Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 01.01.2015.
Mediaberatung D, A, CH Judith Gratias-Klamt, [email protected]
Tel.: +49 911 2872-252
Mediaberatung USA Ann Jesse, [email protected], Tel. +1 785 841 8834
und weitere Länder Eric Henry, [email protected], Tel. +1 785 917 0990
Internet
Mailinglisten
News und Archiv
E-Mail Leserbriefe
E-Mail Heft-DVDs
E-Mail Sonstiges
Artikel (Seiten)
Claudia Meindl
Abonnement
Mini-Abo (1 Ausgabe testen)
EasyLinux
Deutschland
8,00 E
Österreich
8,00 E
Ausland
8,00 E
Jahres-Abo (4 Ausgaben)
Deutschland
Österreich
Ausland
EasyLinux
33,30 E
36,70 E
40,10 E
6,70 E
6,70 E
Jahres-DVD zum Abo1
Preise Digital
Deutschland
Österreich
6,70 E
Ausland
Heft-PDF Einzelausgaben Digital
9,80 E
9,80 E
9,80 E
Digital-Abo (4 Ausgaben)
29,95 E
29,95 E
29,95 E
Kombi Digital + Print (4 Ausgaben)
37,30 E
37,30 E
37,30 E
1
Nur erhältlich in Verbindung mit einem Jahresabonnement der Print-Ausgabe von EasyLinux
Schüler- und Studentenermäßigung: 20 Prozent gegen Vorlage eines Schülerausweises oder einer aktuellen Immatrikulationsbescheinigung. Der aktuelle Nachweis ist bei Verlängerung neu zu erbringen. Andere Abo-Formen,
Ermäßigungen im Ausland etc. auf Anfrage Adressänderungen bitte umgehend beim Kundenservice mitteilen, da
Nachsendeaufträge bei der Post nicht für Zeitschriften gelten.
COMPUTEC MEDIA ist nicht verantwortlich für die inhaltliche Richtigkeit der Anzeigen und übernimmt
keinerlei Verantwortung für in Anzeigen dargestellte Produkte und Dienstleistungen. Die Veröffentlichung von Anzeigen setzt nicht die Billigung der angebotenen Produkte und Service-Leistungen durch
COMPUTEC MEDIA voraus. Sollten Sie Beschwerden zu einem unserer Anzeigenkunden, seinen Produkten oder Dienstleistungen haben, möchten wir Sie bitten, uns dies schriftlich mitzuteilen. Schreiben
Sie unter Angabe des Magazins, in dem die Anzeige erschienen ist, inklusive der Ausgabe und der
Seitennummer an: CMS Media Services, Annett Heinze, Anschrift s. o.
Linux ist ein eingetragenes Warenzeichen von Linus Torvalds und wird von uns mit seiner freundlichen
Genehmigung verwendet. »Unix« wird als Sammelbegriff für die Gruppe der Unix-ähnlichen Betriebssysteme (wie etwa HP/UX, FreeBSD, Solaris) verwendet; nicht als Bezeichnung für das Trademark
(»UNIX«) von X/Open. Der Linux-Pinguin wurde von Larry Ewing mit dem Grafikprogramm »The GIMP«
erstellt.
Eine Haftung für die Richtigkeit von Veröffentlichungen kann trotz sorgfältiger Prüfung durch die Redaktion vom Verlag nicht übernommen werden.
Mit der Einsendung von Manuskripten gibt der Verfasser seine Einwilligung zur Veröffent­lichung in
einer Publikation der COMPUTEC MEDIA. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung
übernommen. Autoreninformationen: http://www.easylinux.de/Autoren. Die Redaktion behält sich
vor, Einsendungen zu kürzen und zu überarbeiten. Das exklusive Verwertungsrecht für angenommene
Manus­kripte liegt beim Verlag. Es darf kein Teil des Inhalts ohne schriftliche Genehmigung des Verlags
in irgendeiner Form vervielfältigt oder verbreitet werden.
www.easylinux.de
EasyLinux 03/2016
EasyLinux 04/2016
erscheint am 20.10.2016
VORSCHAU
Perfekte Texte mit LaTeX
Programme installieren
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: An Linux-PCs können Sie auch
Drucker und Scanner sowie Kombigeräte anschließen. Doch die Hersteller liefern meist nur Treiber für Windows und OS X aus, so dass die Einrichtung nicht in jedem Fall
klappt. Wie es unter Linux
geht und wie Sie die ganze
Leistungsfähigkeit der Geräte ausnutzen können,
zeigen wir anhand von
grafischen Programmen
und Kommandozeilentools.
Einer der großen Vorteile der Linux-Welt ist die einheitliche Verwaltung der Software: Während Windows-Anwender für jedes Programm einen passenden Installer finden, herunterladen, auf Virenfreiheit
überprüfen und dann
ausführen müssen,
nutzen Linux-Anwender einfach die Paketverwaltung. Wir stellen die grafischen Programme und die ShellTools vor.
Vorschau
Linux als Multimedia-Talent
auf 08/2016
Das Thema Multimedia ist längst nicht mehr nur proprietären Plattformen vorbehalten. In der kommenden Ausgabe
stellen wir mit Tracktion eine professionelle digitale AudioWorkstation zum Abmischen von Musik vor, zeigen, wie
Sie mit Corel AfterShot Pro Fotos den letzten Schliff verleihen, und nehmen mit dem Asustor AS-304T ein multimedia-fähiges 4-Bay-NAS für den Einsatz zu Hause und im
kleinen Büro unter die Lupe.
LU 05/2016 erscheint am 21. Juli 2016.
Sicher navigieren
Mit den Daten von OpenStreetMap ­navigieren Sie bei Bedarf sicher durch Stadt und Gelände. Aber direkt von der
Website heruntergeladen sind diese so nicht zu gebrauchen. Wir zeigen, wie Sie das Format so umwandeln, dass
es mit gängigen Geräten kompatibel ist.
Scannen mit MFP-Geräten
Die Nischen-Software VueScan verspricht einen reibungslosen Betrieb ­aktueller Scanner unter Linux. Wir nehmen
die proprietäre Software im Test unter die Lupe und zeigen
die Unterschiede zwischen den verfügbaren Versionen.
Änderungen der Themen vorbehalten
EasyLinux 03/2016
©zelfit, 123RF
©Reinhard Eisele
Software im Container
Ubuntu hat gerade das SnapPaketformat für andere
Linux-Distributionen
nutzbar gemacht. Programme, die in diesem
Format vorliegen, laufen in einem so genannten Container und sind damit vom Rest des
Linux-Systems weitgehend abgeschottet. Das erlaubt einfachere Software-Installationen. Wir zeigen, inwieweit das Thema auch für Desktopanwender relevant ist, und erklären die Grundlagen.
Drucker und Scanner
© pkdinkar, 123RF
©Brother
Ob für die Schule, die Uni oder einfach als Hobby: Wer größere Texte
(wie Bücher oder Seminar- und Abschlussarbeiten) schreiben möchte,
kann das mit einer Textverarbeitung wie LibreOffice Writer erledigen –
die besseren und schöneren Ergebnisse liefert aber das Profiprogramm
LaTeX (gesprochen: „La-Tech“).
Für den Einstieg
und auch für den
professionellen
Einsatz liefert Ihnen die kommende Ausgabe
passende Workshops.

Documentos relacionados