Tierschutz

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Tierschutz
der absolut-hund
report
Ausgabe 1 / 2011
Wissenswertes
für Hundefreunde
Tierschutz
Sinn und
Unsinn
von Tierimporten
Tierschutzskandal
Zarenhof –
6 Thesen
Animal
Hoarding
Kritisch gesehen
Probleme der
Mehrhundehaltung
Rasseporträt
Kangal
Internetauftritt langweilig?
Nicht mehr modern?
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Programmierung und ein Content Management
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Inhalt
Neues von Absolut-Hund
Prüfung in Dianas Hundeschule . . . . . . . . . . . . 4
Qualitätssiegel von Absolut Hund . . . . . . . . . . 5
Rasseporträt
Der Kangal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Termine bei Absolut-Hund
Ausbildung für Hundetrainer . . . . . . . . . . . . . . . 6
Seminare für Hundehalter . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Kritisch gesehen
Hunde-KiTa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Probleme der Mehrhundehaltung . . . . . . . . 10
Die richtige Hundeschule . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Vermenschlichung von Hunden . . . . . . . . . . . 14
Trickdog-Serie: Würfeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Buch-Tipp: „Sind das alles Ihre?“ . . . . . . . . . . 13
Vermischtes
Offener Brief zur
Aggressivität von Hunden . . . . . . . . . . . . . . . . 49
Rechtssprechung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Offener Brief zur Zuchtpraxis mit
erbrkanken Hunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
Krankheiten
Idiopathische
Aggression . . . . . . . . . . . . . . . 54
Vergiftungen
bei Hund u. Katze . . . . . . . . 57
Allergien beim Hund . . . . . 58
Tierschutz
Sinn und Unsinn von Tierimporten . . . . . . . . 16
Porträt: BESCHÜTZERinstinkte e.V. . . . . . . . . 20
Tierschutzskandal Zarenhof – 6 Thesen . . . . 22
Animal Hoarding . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Kastrationsprojekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Leid der Vermehrerhunde – Serie
Felix – ein Labrador nutzt seine
letzte Chance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Vermischtes
Newsletter 01/2011 des Förderverein für
wissenschaftliche Hundeforschung . . . . . . . . 65
Impressum
Titelfotos: Fotolia, iStockphoto
Herausgeber: Absolut-Hund GbR
An der Sang 46
57271 Hilchenbach
Autoren dieser Ausgabe:
Heike Beuse
Karin Burger
Janna Funk
I. Gorski-Grobe
Antje Henze
Christioph Jung
Claudia Landgrafe
Cathrin Laurenz
1. Ausgabe Januar 2011
Redaktion: Antje Henze
Chefredakteurin: Heike Beuse
Tierarztpraxis am Schlagbaum
Uwe Peter Willemsen
Design und Satz:
seichter & steffens grafikdesign,
Dortmund, www.seichter-steffens.de
Jedwede Kopie/Vervielfältigung
bedarf der Genehmigung der
Autoren
1 / 2011 • der absolut-hund report
3
Neues von Absolut-Hund
Erfolgreiche Prüfung in Dianas Hundeschule, Nordhorn
Menschen und Vierbeiner zeigten herausragende Leistungen
Mit ausgezeichneten Ergebnissen absolvierten am 27.11.2010 zehn Hundehalter mit ihren Vierbeinern die Erste
Hundehalterprüfung mit Fachkundenachweis. Die Prüfung, bestehend aus
einem theoretischen und einem prak-
mit Labrador-Hündin„Emma“ zu 98%,
Moni mit Schäferhündin„Franka“ zu
97,5%, Ulla mit Setter-Mix„Nicky“ zu
94,5%, Alex mit Berner-Sennen-Rüden
„Alonso“ zu 94%, Barbara mit Labrador-Mix„Lucky“ zu 92,5% und Laura
Hundehalter die Möglichkeit, die angehende Hundeverhaltenstherapeutin
Diana Rohmann um Rat„Rund um den
Hund“ zu fragen. Nach Möglichkeit sollte ein Termin vereinbart werden, um
Wartezeiten zu vermeiden.
Alle Vierbeiner und ihre Halter bewiesen als Prüflinge starke Nerven.
Links: Labradorrüde Max, rechts: Beagle-Dame Luna
tischen Teil, fand unter der Leitung von
Hundehaltertrainerin Diana Rohmann
statt. Bei der praktischen Prüfung, die
zum einen auf dem Trainingsgelände,
zum anderen unter realen Bedingungen auf der Straße absolviert werden
musste, bewiesen sowohl Mensch als
auch Hund starke Nerven. Die Hundehalter zeigten herausragende Leistungen im Umgang mit ihrem Hund und
meisterten souverän die einzelnen
Prüfungssequenzen.
Prüferin Heike Beuse von Absolut-Hund
und die angehende Hundeverhaltenstherapeutin Diana Rohmann gratulieren Anja mit dem Golden Retriever
„Boomer“ zu 100 %, Marie mit BeagleDame„Luna“ zu 89%, Ingo mit Rottweiler„Nero“ zu 98%, Hartmut mit Labrador-Rüde„Asco“ zu 95,5%, Johanne
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der absolut-hund report • 1 / 2011
mit dem Labrador-Rüden„Othello“
zu 99%.
Drei Teilnehmer absolvierten die theoretische Fachkunde für die Prüfung im
Frühjahr 2011: Stephan und Ines mit
Labrador„Max“ erreichten in der Theorie jeweils 99%, Kerstin mit SchäferhundMix„Inka“ 100%.
Aufgrund der steigenden Nachfrage
bietet Diana Rohmann fortlaufend
Seminare über Leinenführigkeit und
„Wie verhalte ich mich bei Artgenossen- Kontakt“ in ihrer Hundeschule an.
Da die Seminare nur über eine begrenzte Teilnehmerzahl verfügt, sollten sich
interessierte Hundehalter rechtzeitig
anmelden. In der wöchentlichen Mittwochssprechstunde von 9 bis 12 Uhr
haben Hundehalter und zukünftige
Setter-Mix „Nicky“ (oben) und Diana
mit Labrador-Mix „Lucky“ (unten) auf
dem Trainingsgelände
Weitere Informationen finden sie unter
www.dianas-hundeschule.de oder
persönlich bei Diana Rohmann unter
05921/ 3082016 oder 0173 / 8648855.
Neues von Absolut-Hund
Qualitätssiegel von Absolut-Hund
Absolut-Hund GbR stellt die Möglichkeit einer qualitativen Zertifizierung zur Verfügung
Ob Tierschutz, Hundeschulen, Vereine,
Zucht und Co: es existieren Massen auf
dem Markt und nicht alle verfügen über
ausreichende und fundierte Kenntnisse,
geschweige denn Qualität. AbsolutHund möchte das ändern und ein wenig Licht in den Dschungel des Angebotes bringen.
Der Gedanke und nun die Durchführung eines Qualitätssiegels soll Hilfesuchenden und interessierten Menschen die Möglichkeit bieten, einem
roten Faden der qualitativen Angebote zu folgen und somit mehr Sicherheit
zu erlangen. Neben dem Qualitätsstandard ergibt sich so eine positive Lobby
für die Hunde.
Das Qualitätssiegel steht für gesichtete und geprüfte Qualität nach dem
deutschen Tierschutzgesetz.
Die Vorgaben zum Erhalt eines Qualitätssiegels beinhalten nicht nur einen
tierschutzrechtlichen, sondern insbe-
sondere auch einen hundgerechten
Umgang und auf das Wohlergehen der
Hunde fokussierten Inhalt.
Interessenten können sich bei der Absolut-Hund GbR für das Qualitätssiegel
bewerben und die entsprechenden
Vorgaben anfordern.
Nun stellt Absolut-Hund die einzelnen
Qualitätssiegel vor. Weitere Bereiche
werden folgen:
absolut-Hund
absolut-Hund
GEPRÜFT
GEPRÜFT
Hundehalter-
Hundeverhaltens-
absolut-Hund
absolut-Hund
GEPRÜFT
GEPRÜFT
Hundeschule
Hundezucht
2011
2011
Therapeut/in
Trainer/in
2011
2011
absolut-Hund
absolut-Hund
GEPRÜFT
GEPRÜFT
GEPRÜFT
Hundepension
Hundgerechte-
2011
Hundepflege
2011
absolut-Hund
2011
Vermittlung
1 / 2011 • der absolut-hund report
5
Termine bei Absolut-Hund
Termine Ausbildung 2011 – Für Hundetrainer und -schulen
Februar 2011
Februar 2011
März 2011
April 2011
Juli 2011
Juli 2011
Juli 2011
Juli 2011
August 2011
Ausbildung HVT
Hundeverhaltenstherapeut
Ausbildung HHT
Hundehaltertrainer
Ausbildung HVT
Hundeverhaltenstherapeut
Ausbildung zum MTT
Mantrailing Trainer
Ausbildung zum MTT
Mantrailing Trainer
Ausbildung HHT
Hundehaltertrainer
Ausbildung HVT
Hundeverhaltenstherapeut
Ausbildung HHT
Hundehaltertrainer
Ausbildung HVT
Hundeverhaltenstherapeut
September
2011
Ausbildung zum MTT
Dezember
2011
Ausbildung HHT
6
Mantrailing Trainer
Hundehaltertrainer
der absolut-hund report • 1 / 2011
Beginn 12.02.
10 Wochenenden (Sa. + So.) in Essen
Theorie und Praxis
2.999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 14.02.
Intensivausbildung “am Stück” Fulda
in Theorie und Praxis
1.200,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 05.03.
10 Wochenenden (Sa. + So.) in Hannover
Theorie und Praxis
2.999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 02.04.
5 Wochenenden (Sa. + So.)
Intensivausbildung in Theorie
und Praxis
Schiphorst
999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 02.07.
5 Wochenenden (Sa. + So.)
Intensivausbildung in Theorie
und Praxis
Herzogenaurach
999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 04.07.
Intensivausbildung„am Stück“ Gummersbach
in Theorie und Praxis
1.200,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 23.07.
10 Wochenenden (Sa. + So.) in Stuttgart
Theorie und Praxis
2.999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 25.07.
Intensivausbildung„am
Stück” in Theorie und Praxis
Essen
1.200,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 13.08.
10 Wochenenden (Sa. + So.) in Berlin
Theorie und Praxis
2.999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Beginn 17.09.
5 Wochenenden (Sa. + So.)
Intensivausbildung in Theorie
und Praxis
999,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Gummersbach
Beginn 05.12.
Intensivausbildung “am Stück” Aurich
in Theorie und Praxis
1.200,00 Euro
Ratenzahlung möglich
[email protected]
Termine bei Absolut-Hund
Termine Seminare 2011 – Für Hundehalter
80,00 Euro
[email protected]
Februar 2011
Obedience-Seminar Anfänger
12.02.
Februar 2011
Info-Seminar Kommunikation
Mensch/Hund
26.02.
März 2011
Trickdog-Seminar
12.03.
Nordhorn
80,00 Euro
[email protected]
März 2011
Anti-Jagd-Training
19. + 20.03.
Hann. Münden
160,00 Euro
[email protected]
April 2011
Obedience-Seminar Anfänger
09. + 10.04
Fulda
160,00 Euro
[email protected]
April 2011
Info-Seminar Kommunikation
Mensch/Hund
16.04.
Eichenzell
20,00 Euro
[email protected]
April 2011
Info-Seminar Aggression Hund
23.04.
Hann. Münden
20,00 Euro
[email protected]
Mai 2011
Seminar Welpenaufbau
07. + 08.05.
Eichenzell
160,00 Euro
[email protected]
Mai 2011
Obedience-Seminar
Fortgeschrittene
21. + 22.05.
Fulda
160,00 Euro
[email protected]
Mai 2011
Mantrailing Schnupperseminar
28.05.
SchleswigHolstein
80,00 Euro
[email protected]
Juni 2011
Obedience-Seminar
Fortgeschrittene
04.06.
Nordhorn
80,00 Euro
[email protected]
Juni 2011
Seminar für Verhaltensauffällige
Hunde
25.06.
Essen
80,00 Euro
[email protected]
Juli 2011
Agility Anfänger
09.07.
Nordhorn
80,00 Euro
[email protected]
Juli 2011
Problem-„Hunde“-Seminar
16.07.
Hannover
80,00 Euro
[email protected]
August 2011
Mantrailing Anfängerseminar
20. + 21.08.
Hann. Münden
160,00 Euro
[email protected]
August 2011
Mantrailing Schnupperseminar
27.08.
Herzogenaurach
80,00 Euro
[email protected]
September
2011
Trickdog-Seminar
03. + 04.09.
Stuttgart
160,00 Euro
[email protected]
September
2011
Seminar Aggression gegen Hunde
24. + 25.09.
Eichenzell
160,00 Euro
[email protected]
Oktober 2011
Trickdog-Seminar
15. + 16.10.
Berlin
160,00 Euro
[email protected]
Oktober 2011
Trickdog-Seminar
22.10. + 23.10. Fulda
160,00 Euro
[email protected]
November
2011
Mantrailing Schnupperseminar
12.11.
Gummersbach
80,00 Euro
[email protected]
November
2011
Seminar 1. Hilfe am Hund
19.11.
Eichenzell
80,00 Euro
[email protected]
November
2011
Seminar für Verhaltensauffällige
Hunde
26.11.
Stuttgart
80,00 Euro
[email protected]
Dezember
2011
Seminar für Verhaltensauffällige
Hunde
17.12.
Berlin
80,00 Euro
[email protected]
Nordhorn
Hann. Münden
20,00 Euro
[email protected]
1 / 2011 • der absolut-hund report
7
Kritisch gesehen
Hunde-KiTa – sinnvoll oder
problematisch?
Sandra S. hat ein schlechtes Gewissen: Seit sie sich von ihrem Freund getrennt hat,
muss Mops Rudi täglich acht Stunden alleine sein, denn Sandra ist in Vollzeit
berufstätig. Da kommt die Annonce in der Zeitung wie gerufen.„Erster Hundekindergarten in »Musterstadt«, wir betreuen Ihren kleinen Liebling liebevoll, während Sie arbeiten.“
Sandra fährt zusammen mit Rudi dorthin und wird freundlich empfangen –
von Frau X. und einer Horde wild gemischter Rassen und Mischlinge in
allen Größen, die bunt durcheinander laufen.„Hier geht immer alles friedlich zu, die Hunde spielen den ganzen
Tag miteinander und merken gar nicht,
dass ihr Besitzer weg ist. Manche wollen mittags oder abends gar nicht wieder nach Hause“, erzählt Frau X. lächelnd.
Alles scheint wunderbar und Sandra
vereinbart, dass Mops Rudi ab dem
kommenden Montag in den Hundekindergarten gehen darf.
Nehmen wir einen solchen„Hundekindergarten“ doch mal genauer unter die
Lupe. Natürlich ist es – aus menschlicher
Sicht heraus – schön zu wissen, dass
der eigene Hund nicht so lange alleine
sein muss, liebevoll betreut wird und
mit anderen Hunden spielen darf. Doch
genau genommen tun Sie folgendes:
Sie bringen Ihren Hund in eine Meute
von fremden Hunden, die sich sofort
gegenseitig abchecken.
Vier Wochen später weiß Sandra nicht
mehr weiter. Rudi verbellt plötzlich jeden Hund, dem sie auf dem Spaziergang begegnen und ignoriert ihr Rufen immer mehr. Seit zwei Tagen will
sich der sonst so verschmuste Hund
im Nacken auch nicht mehr anfassen
lassen. Ein Besuch beim Tierarzt belegt
– Rudi wurde wahrscheinlich fest in den
Nacken gebissen und hat offenbar einige Blutergüsse davon getragen. Und
das, obwohl Frau X. doch behauptet
hatte, alle Hunde würden immer friedlich miteinander spielen. Ein Einzelfall?
Leider nein.
Wer bist du?
(stark oder schwach, dominant oder
ängstlich)
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Was bist du?
(Rüde oder Hündin, Welpe oder erwachsen)
Was tun wir jetzt?
(ernsthaft kämpfen bei Antipathie oder
„spielerisches“ Kämpfen bei Sympathie)
Und entsprechend ihrem jeweiligen
Charakter werden die stärkeren Hunde
die schwächeren sofort zu dominieren
versuchen und sie schlimmstenfalls
massiv mobben, während die schwächeren ihr Heil oft in der Flucht suchen.
Doch der Platz zum Ausweichen im
Hundekindergarten ist begrenzt. Sind
Ein Neuzugang in der Hundepension
wird sofort abgecheckt: bist du Rüde
oder Hündin, stark oder schwach?
hier nicht permanent ein oder mehrere Betreuer vor Ort, die sofort jegliches
Mobbing unterbinden oder gar nicht
erst aufkommen lassen (was bei größeren Gruppen kaum machbar ist),
kommt es unweigerlich zu Problemen,
die der Besitzer des jeweiligen Hundes
später ausbaden muss. Schlimmstenfalls kommt es zu ernsthaften Verletzungen einzelner Hunde. Natürlich gibt
es auch Hunde, die generell problem-
Kritisch gesehen
los mit Artgenossen zusammen gelassen werden können, ohne sich gegenseitig an den Hals zu gehen. Doch das
ist nun einmal nicht die Regel. Und auch
diese Hunde verändern sich durch ihren regelmäßigen Besuch im„Kindergarten“, indem sie eigenständiger werden.
Jetzt könnte man sagen, dass soziales
Spiel mit Artgenossen für Hunde sehr
wichtig ist und Hunde sowieso Rudeltiere sind. Das ist soweit auch richtig.
Aber wer ist denn„das Rudel“? Sie als
Mensch oder Familie, die mit dem Hund
zusammen leben, niemand sonst! Treffen zwei Rudel wildlebender Wölfe aufeinander, kommt es zum Kampf, wenn
die Eindringlinge nicht vorher fliehen.
Natürlich sind Hunde keine wilden Wölfe mehr, dennoch ist es aus Hundesicht
nicht normal, dass sie sich mit jedem
Artgenossen gleich super verstehen
sollen. Selbst der friedlichste Hund kann
auf einen Artgenossen treffen, den er
im wahrsten Sinne des Wortes„nicht
riechen“ kann. Dann bleiben auch nur
Flucht oder Kampf übrig.
Wenn man betrachtet, wie der menschliche Kindergarten kleine Kinder verändert, kann man sagen, dass diese Kin-
Gerangel um den besten Platz zum Abkühlen: in der Hunde-KiTa muss immer ein
Betreuer in der Nähe sein, um ernsthafte Auseinandersetzungen zu verhindern
der dort im Zusammenspiel (das auch
nicht immer so friedlich und harmonisch verläuft) lernen, eigenständig
und selbstverantwortlich zu werden.
Betreuer/innen sorgen dafür, dass die
Kinder nicht unkontrolliert streiten
oder sich gegenseitig verletzen. Und
was für einen kleinen Menschen zur
Entwicklung richtig und notwendig ist,
erschafft bei Hunden größte Probleme.
Aus Hundesicht lassen Sie ihn allein mit
dem Problem, sich gegen eine ganze
Meute fremder Hunde behaupten und
durchsetzen zu müssen. Und das, obwohl Sie sein Anführer sind, ihm Schutz
und Sicherheit in einer solchen Situation gewähren sollten. Also lernt Ihr
Hund, eigenständig ohne den Menschen zu handeln und selbst das Problem zu regeln. Und das wird er weiterhin tun, auch wenn Sie dabei sind.
Denn Sie haben ja klar bewiesen, dass
Sie als Anführer nicht taugen, Sie ließen ihn im Stich, als es brenzlig wurde.
Wieso sollte er denn jetzt sein Leben
(und darum kann es blitzschnell in einer
fremden Meute gehen) wieder in Ihre
Hände legen wollen?
Was also tun, wenn Sie Ihren Hund aufgrund ihrer Arbeitssituation oder im
Urlaub zeitweise in fremde Hände geben müssen oder wollen? Schauen Sie
sich den Hundesitter oder die Tages-
Signal-Hund
Hundeausbildung und Therapie von
Problemverhalten
Inhaber Claudia und Tobias Landgrafe
51645 Gummersbach
E-Mail: signalhund(at)aol.com
Tel.: 02261 / 302174
Mobil: 0151 / 240 639 74
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1 / 2011 • der absolut-hund report
9
Kritisch gesehen
stätte sehr genau an. Es sollte gewährleistet sein, dass Ihr Hund tatsächlich
betreut und nicht sich selbst inmitten
anderer Hunde überlassen wird. Vermeiden Sie die Unterbringung in größeren Gruppen, sprich nicht mehr als
drei bis vier Hunde. Diese Hunde sollten charakterlich zueinander passen,
also keine starken„Mobber“ zu ängstlichen Hunden. Selbst diese wenigen
Hunde sind von einer einzelnen Person
bereits schwer zu kontrollieren. Der Betreuer sollte sich mit den spezifischen
Eigenarten verschiedener Rassen und
deren Verhalten auskennen und in der
Lage sein, das aktuelle Verhalten seiner Schützlinge richtig einzuschätzen.
Er sollte die Hunde gut beobachten,
gefährliche Situationen schon in der
Entstehung erkennen und ausräumen
(durch Splitten/Trennen der Hunde),
bzw. gar nicht erst entstehen lassen
(keine einzelnen Futterbrocken oder
Spielzeuge, um die gekämpft werden
könnte). Es sollte genügend Platz vorhanden sein, um die Hunde bei Bedarf
räumlich voneinander trennen zu können. Die Hunde sollten gezielt beschäftigt werden, beispielsweise durch Suchspiele, Spaziergänge oder spielerische
Gehorsamsübungen (ich spreche nicht
von Drill oder stationärer Ausbildung).
Wenn Sie eine solche Tagesstätte gefunden haben, würden wir uns freuen,
wenn Sie uns davon berichten würden!
Bericht & Fotos : Claudia Landgrafe
www.signal-hund.de
Die Probleme der Mehrhundehaltung
Schwierigkeiten, die bei der Haltung
von mehreren Hunden entstehen,
werden oft unterschätzt. Viele Menschen sind der Meinung, zwei Hunde
erziehen sich gegenseitig und regeln
Betrachten wir die Sache mal neutral
anhand eines Fallbeispiels aus meinem
Berufsalltag: Familie XY (kinderlos) hat
ein Haus mit großem Grundstück und
hält seit drei Jahren ein Border Collie
Mädchen. Über Bekannte
wird die Familie auf ein
Hundeschicksal aufmerksam gemacht und kurz
entschlossen nehmen sie
einen zweiten Hund beisich auf, der ansonsten im
Tierheim gelandet wäre.
Dieser Hund (SchäferhundMix) ist sieben Jahre alt
und kommt aus einer fraglichen Haltung. Er zeigt
bereits ein Kontrollverhalten, aber aufgrund ihrer
Foto: seichter & steffens grafikdesign
Hundeerfahrung ist die
Streitereien um ein Spielzeug (Beute): bei Konflikten
Familie der Meinung, diedieser Art sollte man als Hundehalter in jedem Fall
se Probleme in den Griff
einschreiten
zu bekommen. Der Erstkontakt der Hunde findet im häusliihre Streitigkeiten unter sich. Das tun
chen Garten statt. Alles wirkt für die
sie, wenn der Mensch sich tatsächlich
Familie auf den ersten Blick recht viel
raus hält auch notgedrungen, nur leiversprechend, denn die Hunde„spieder sehr selten im Interesse des Hunde- len“ und scheinen sich gut zu verstehalters.
hen. Die Entscheidung ist gefallen, sie
10
der absolut-hund report • 1 / 2011
nehmen den Rüden bei sich auf. Sicher
kein Einzelfall und diese oder ähnliche
Entscheidungen werden in Deutschland tagtäglich irgendwo getroffen.
Was aber bedeutet dies für
die Hunde?
Die Border Collie Hündin lebt vom Welpenalter an in der Familie. Sie hat sich
ihre kleinen Privilegien (z.B. Liegen auf
dem Sofa, ihr Hundespielzeug – ihre
Beute – im Haus, ihren Liegeplatz usw.)
in den drei Jahren erarbeitet. Nun
kommt ein fremder Artgenosse ins Haus.
Er ist sowohl körperlich überlegen als
auch aufgrund des Alters erfahrener.
Sie fordert ihn beim Erstkontakt in
ihrem Territorium immer wieder zum
„Spiel“ auf, um seine Stärken und Schwächen abzutasten und auszuloten. Seine
Bereitschaft hält sich in Grenzen und
hin und wieder maßregelt er sie, was
für die Familie den Anschein erweckt,
das er sich auf das vermeintliche Spiel
einlässt.
Natürlich kümmert sich die Familie in
den nächsten Tagen eher um den Neu-
Kritisch gesehen
ankömmling und vermittelt dem Hund
aus Hundesicht, wie wichtig er ist. Die
Menschen versuchen jedoch gleichzeitig die Hündin nicht zu kurz kommen
zu lassen und sind den ganzen Tag damit beschäftigt, das „Gleichberechtigung“ herrscht. Genau dieser Versuch
aber heizt den Konflikt, den die Hunde
haben noch an.
CAT4DOGS Hundeerziehung • Inhaberin Cathrin Laurenz
Problemhundetherapeutin, Gebrauchshundeausbilderin
33605 Bielefeld • Mobil: 0176 / 297 289 14 • E-Mail: [email protected]
www.cat4dogs.de
und bekommen ein Pflegekind (fünf
Jahre alt) dazu. Beide spielen im Sandkasten in Ihrem Garten mit der Schaufel Ihres Sohnes im Sand. Erst friedlich,
aber nach kurzer Zeit geraten sie über
die Schaufel in Streitigkeiten. Was tun
Sie? Richtig, Sie schreiten ein! Diese Situation ist durchaus vergleichbar. Sie
entscheiden was in Ihrem Haus geht
und was nicht geht. Übersehen Sie
bitte nicht, dass ein rudelfremder Artgenosse für Ihren Hund in erster Linie
ein Konkurrent ist. Hunde verteidigen
Dass es Ihr Haus ist. Dass Sie alle wichtigen Entscheidungen treffen und
nicht die Hunde. Dass Sie jedem Tier
den Platz zuweisen.
Nimmt man als Halter den Hunden alle wichtigen Entscheidungen ab und bestimmt über die Ressourcenverteilung, kann es ein entspanntes Miteinander geben
Mein dringender Appell an alle, die
mit dem Gedanken spielen sich ein
zweites Tier ins Haus zu holen: „Überdenken Sie diese Entscheidung gut!“
Drei Wochen später gab es einen schlimmen Beißvorfall und der Zweithund
landete leider doch im Tierheim!
Wie kann man sich davor
schützen?
Es ist enorm wichtig, das die betroffenen Hundehalter ganz klare Regeln für
die Hunde aufstellen, möglichst alle
Hundespielzeuge aus der Wohnung
Das bedeutet nicht, dass die Hunde
von nun an nichts mehr dürfen. Es bedeutet lediglich, dass Sie den Weg vorgeben um Streit zu vermeiden. Es gibt
unzählige Beißvorfälle in der Mehrhundehaltung und ich werde in meinem
Alltag sehr oft zu solchen Problemfällen gerufen. Zwei Hunde sind immer
mehr Arbeit als ein Hund. Es erfordert
weit mehr als die doppelte Aufmerksamkeit vom Hundehalter. Damit sage
ich nicht, dass etwas passieren muss.
Was ich sagen will ist, dass etwas passieren kann. Bitte setzen Sie als Hundehalter, bei solchen Entscheidungen die
rosarote Brille ab und überlegen Sie sich
sehr genau, ob Sie bereit sind, das zu
leisten. Es existieren so viele Fälle, wo
Menschen etwas Gutes tun wollten,
einen Zweithund ins Haus holten und
nach einem bösen Beißvorfall diesen
Hund wieder abgegeben haben, dass
ich sie kaum noch zählen kann.
Foto: Antje Henze
entfernen und immer dazwischen gehen, sobald die Hunde untereinander
in Konflikt geraten.
Zum Verständnis: Stellen Sie sich vor,
Sie haben einen vier Jahre alten Sohn
ihre Ressourcen, wenn nötig auch unter Aggression!
Was Sie den Hunden vermitteln müssen ist, dass Sie als Halter über die
Ressourcenverteilung bestimmen.
Autor: Cathrin Laurenz
www.cat4dogs.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
11
Kritisch gesehen
Die Suche nach der richtigen Hundeschule
•
Egal ob Sie sich einen Welpen ins Haus
holen oder einen erwachsenen Hund,
ob Sie Ersthundehalter sind oder
schon jahrelange Erfahrungen haben
– es kommt einmal der Zeitpunkt, an
dem so mancher Hundehalter Hilfe
benötigt oder einfach nur Fragen hat,
die er sich selbst nicht beantworten
kann.
Da sollte eine gute Hundeschule oder
ein Hundetrainer der richtige Ansprechpartner sein. Doch – wie und wo findet
man denn einen guten„Trainer“, dem
man vertrauen kann? Auf folgende Kriterien sollten Sie bei der Suche achten:
der Trainer ist im Erstkontakt
freundlich und beantwortet Ihre
Fragen. Sollten Sie ihn gerade zu
einem zeitlich ungünstigen Zeitpunkt erwischen, sollte er Ihnen
•
er kann alle Anweisungen, die er
Ihnen im Umgang mit dem Hund
gibt, gut und verständlich erklären, auch die Frage nach dem
„Warum soll ich das tun?“
er sollte in einem ersten Gespräch
bei Ihnen zuhause Sie und Ihren
Hund kennenlernen wollen und
mit Ihnen gemeinsam entscheiden, was für ein harmonisches
Zusammenleben zwischen Ihnen
und Ihrem Hund nötig ist
•
er sollte Ihnen auch das (für Sie
vielleicht unverständliche) Verhalten Ihres Hundes erklären können
– was tut er da und warum?
•
er sollte sich mit den unterschiedlichen Rassedispositionen (Verhaltensanlagen) auskennen und Ihren
Hund entsprechend motivieren /
trainieren. Er sollte Ihnen auch
klar machen, was Sie von Ihrem
Hund im Training erwarten können und was nicht.
•
Sie sollten einen Trainingsplan von
ihm erhalten, sozusagen „Hausaufgaben“, die Sie und Ihr Hund
bis zur nächsten Stunde üben
sollen
•
im Gruppentraining sollte er in
der Lage sein, die Hunde und ihre
Halter einzuschätzen, um Überforderung einzelner Hunde und
•
er sollte entscheiden können, ob
Gruppentraining für Sie infrage
kommt oder zunächst besser ein
Einzel-Intensivtraining nötig ist
•
er arbeitet ruhig mit Ihrem Hund,
möglichst über positive Bestärkung durch Futter, Spielzeug oder
liebevolle Zuwendung
•
•
ein persönliches Gespräch zu einem besseren Zeitpunkt anbieten
und Sie bitten, sich Ihre Fragen zu
notieren, damit Sie gemeinsam
alles erörtern können
er arbeitet in jedem Fall ohne
Schreien, körperliche Gewalt (Alphawurf, Nackenschütteln, zu
Boden drücken) oder Starkzwangmittel wie Stachel- und Würgehalsband
Ein Netzwerk für
Hundeschulen,Tierschutzvereine,
Züchter, Hundefreunde,Therapeuten
www.absolut-hund.de
12
der absolut-hund report • 1 / 2011
Buch-Tipp
Frust der Halter beim Umsetzen
der Übungen sowie Zwischenfälle
durch Unachtsamkeit zweier Halter zu vermeiden
•
•
er ist in der Lage, auch Sie als Halter zu motivieren und zu loben,
wenn es gut klappt. Ebenso sollte
er Ihnen ehrlich sagen, was aus seiner Sicht heraus nicht so gut läuft.
Umgekehrt sollte der Trainer kritikfähig sein, wenn aus Ihrer Sicht
Dinge geklärt werden müssen,
die Ihnen nicht gefallen
•
er sollte ehrlich zu Ihnen sein,
wenn das Training oder die Therapie aus bestimmten Gründen
keinen Sinn macht und Ihnen
auch erklären, warum das so ist
•
idealer Weise kennt sich der Trainer auch in Gesundheits- und Ernährungsfragen aus und kann
Sie entsprechend beraten
•
und letztendlich – Sympathie
sollte auch vorhanden sein. Wenn
Sie den Trainer nicht mögen, werden Sie seine Anweisungen nicht
Buch-Tipp
Gespickt mit Ironie und Wortwitz und
einer gehörigen Portion augenzwinkernder Selbstkritik sind ihre besten
Kolumnen nun endlich als Buch erschienen.
Fragen Sie auf der Suche nach„Ihrem
Trainer“ ruhig andere Hundehalter, die
sichtlich Spaß mit ihrem Hund haben.
Oftmals findet man über Mundpropaganda wirklich die richtige Hundeschule.
Autor: Claudia Landgrafe
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Das Buch kann direkt über
die Autorin unter
www.mensch-mit hund.de/
Viele Menschen haben einen Hund. Einige haben zwei. Franziska Feldsieper
und ihre Lebensgefährtin haben sechs.
Und was für welche! Entweder alt oder
geistig beziehungsweise körperlich eingeschränkt – oder alles zusammen. Das
liefert Stoff für jede Menge Erlebnisse
von „a“ wie „abgefahren“ bis „z“ wie
„ziemlich skuril“. Und so erlebt Franziska
Feldsieper mit ihrem„Hunde-Sixpack“
jeden Tag Situationen, die man sich
selbst mit viel Fantasie kaum ausdenken kann.
Langeweile unmöglich, Lachen vorprogrammiert, Anecken in Kauf genommen. Denn so humorvoll und gradheraus, wie sie im täglichen Leben und in
ihrer„Mensch-mit-Hund-Schule“ ist, so
schreibt sie auch.
mit Spaß und gutem Gefühl ausführen können und das Training
wird zur Tortour
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werden, über den Buchhandel, über Amazon (dauert noch etwas) oder über
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Für 10,95 Euronen viel Lesevergnügen und das ganze
auch noch portofrei (innerhalb Deutschlands, ins Ausland kommt ein kleiner
Portoanteil dazu) an Ihre
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„Sind das alles Ihre?!“
Franziska Feldsieper
136 Seiten, Paperback
10,95 Euro
ISBN 978-3-9811202-57
Barbara Bertram Eigenverlag
Von jedem verkauften Buch geht übrigens ein Euro hälftig an den Verein
„Hunde brauchen Hilfe“ und den„Gnadenhof für alte und in Not geratene
Hunde e.V.“
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1 / 2011 • der absolut-hund report
13
Kritisch gesehen
Vermenschlichung von Hunden
Eines der größten Probleme in der
modernen Hundehaltung ist die Vermenschlichung. Immer wieder führt
diese zu Kommunikationsproblemen
und zu Missverständnissen zwischen
lelen zu kindlichem Verhalten. Ein
Hund ist aber kein Kinderersatz. Er hat
ganz andere Bedürfnisse und diese
werden sehr oft vergessen, bzw. verdrängt oder aus purer Unwissenheit
ignoriert. Das ist sehr egoistisch
und entzieht dem Lebewesen
Hund einen Großteil seiner Lebensqualität. Nicht selten sind
das die Gründe für problematische Verhaltensweisen vom
Hund.
Unsere Hunde können sich ihren
Lebensraum nicht aussuchen.
Wir gehen ins Tierheim, zu einer
Tierschutzorganisation oder
zum Züchter und entscheiden
uns für einen Hund. Der Mensch
bestimmt zwar, wann er raus
gehen darf, was und wann es
etwas zu fressen gibt, ob und
mit wem er sich fortpflanzen
darf oder muss und mit wem er
Kontakt haben soll. Der Hund
Foto: Fotolia
hat kaum eine Wahl. Bei allen
Hunde sind kein Kindersatz. Sie brauchen unsere anderen wichtigen EntscheiFührung und eine artgerechte Beschäftigung
dungen aber, lassen wir ihn im
Regen stehen. Bedenkt man
Hundehalter und Hund. Hunde braueinmal die feine Interaktion von Hunchen feste Regeln und klare Aufgaben den untereinander, wird schnell klar,
innerhalb ihrer Sozialgemeinschaft.
dass man jeden Blick vom Hund zum
Die Zeiten, in denen Hunde ihren Platz Mensch wie eine Frage werten muss.
als Hof-, Jagd-, Hüte- oder GebrauchsEine Frage nach Entscheidung. In unhunde in der Familie hatten, sind zum
zähligen Alltagssituationen fragt uns
Leid vieler Hunde leider vorbei. Stattdas Tier also, wie es sich verhalten soll.
dessen neigen Hundehalter immer
Viele Hundehalter reagieren nicht dahäufiger dazu, ihre Tiere zu vermensch- rauf oder nehmen es einfach nicht wahr.
lichen.
Auf der anderen Seite erwartet der
Mensch aber Gehorsamkeit von seinem
Hunde fordern Aufmerksamkeit ein,
Hund. Hunde sind in dem menschlisie suchen Körperkontakt und fixieren
chen, industriellen Umfeld schnell
sich auf eine bestimmte Person. Darin
überfordert und sehen sich mit Situasehen viele Menschen deutliche Paral- tionen konfrontiert, in welchen sie un-
14
der absolut-hund report • 1 / 2011
sere Hilfe in Form von Sicherheit und
Führung brauchen. Für viele Menschen
scheint es selbstverständlich zu sein,
dass ein Hund zum Beispiel mit dem
Straßenverkehr, mit fremden Hundebegegnungen, mit lärmenden Kindern,
mit Rolltreppen, mit Radfahrern, mit
dem Alleinebleiben usw. problemlos
umzugehen hat. Auf der anderen Seite verlangt der Mensch wieder, dass
der Hund seinen natürlichen Bedürfnissen, wie beispielsweise das Jagen
oder Hetzen von Beute nicht nachgeht.
Das ist nicht fair!
Wir Menschen dürfen unsere Moralvorstellung und unsere menschliche Denkweise nicht in den Hund hinein projizieren, sondern sollten dem Hund eine
Chance geben und ihn so sehen, wie
er nun mal ist. Hunde sind hochsoziale,
instinktgesteuerte, beutegreifende,
sichtjagende (und jetzt kommt das
„böse“ Wort) Raubtiere. Lebewesen,
die sich grundsätzlich freiwillig unterordnen, sofern der Rudelführer (das
Familienoberhaupt) aus Hundesicht
die nötige Führungsqualität besitzt.
Dazu gehört, dass Sie Ihrem Hund klare
Strukturen vorgeben, etwas gemeinsam mit ihm unternehmen, alle wichtige Entscheidungen für die Sozialgemeinschaft treffen, Ersatz für seine
natürlichen Bedürfnisse schaffen (z.B.
Nasenarbeit, Suchspiele), denen er in
der menschlichen Gesellschaft nicht
nachgehen kann. Nur wenn Sie sich
ausreichend Gedanken über die Bedürfnisse des Hundes machen, erreichen Sie eine hohe Beziehungsqualität
in Ihrer Hund-Mensch-Beziehung.
Autor: Cathrin Laurenz
www.cat4dogs.de
Trickdog-Serie
Trickdog-Serie Teil 4: Würfeln
Ziel dieses Tricks ist es, dass Ihr Hund
lernt, einen Würfel mit der Schnauze
anzustupsen.
Aufbau:
Am besten nehmen Sie für diesen Trick
einen Schaumstoffwürfel oder einen
kleinen Stoffwürfel, je nach Größe des
Hundes.
Halten Sie den Würfel auf Höhe der
Schnauze Ihres Hundes. Sobald der
Hund den Würfel mit der Schnauze berührt, bestätigen Sie dies mit einem
Futterstück.
Klappt dies, variieren Sie die Höhe, in
der Sie den Würfel halten.
Anschließend legen Sie den Würfel auf
den Boden, sollte Ihr Hund direkt gegen den Würfel stupsen, bestätigen
Sie dies sofort mit einem Futterstück.
Zeigt Ihr Hund kein Interesse an dem
Würfel, können Sie unter den Würfel
ein Futterstück legen, so dass der Hund
diesen umstupsen muss, um an das
Futter zu kommen. Nach einigen Wiederholungen wird Ihr Hund sofort gegen den Würfel stupsen und Sie kön-
nen ihn mit einem Futterstück aus der
Hand bestätigen.
Hundezentrum Aachen
Inhaberin Janna Funk
Zert. Problemhundetherapeutin
Zert. Gebrauchshundeausbilderin
Schlossparkstraße 80
52072 Aachen
E-Mail [email protected]
Telefon 0241 / 17 24 44
Mobil 0160 / 91 99 00 41
www.hz-aachen.de
Text: Janna Funk • Hundezentrum Aachen
www.hz-aachen.de
Fotos: Hundefototgrafin Bénédicte Bauer
www.bene-bauer.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
15
Foto: Fotolia
Auslandstierschutz – Sinn und
Unsinn von Tierimporten
Allein in Deutschland konzentriert sich eine Vielzahl von vermeintlichen Tierschutzorganisationen ausschließlich auf den sogenannten„Auslandstierschutz“.
Der überwiegende Teil dieser Organisationen importiert (meist) Hunde
von nicht öffentlichen Tierheimen
aus Ost- und Südeuropa. Vorbestellte
Tiere werden in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz,
seltener auch in Dänemark und England, meist direkt an die neuen Halter
übergeben. Nicht vorbestellte Tiere
werden in privaten, in den seltensten
Fällen rechtskonform betriebenen Pflegestellen zwischengelagert, oder an
Tierheime übergeben. Einige dieser
Tiere werden auch in kommerziellen
Tierpensionen untergebracht. Die
„Pflegestellen“ arbeiten meist ehren-
16
der absolut-hund report • 1 / 2011
amtlich, erhalten aber häufig eine Aufwandsentschädigung für entstehende Futter- und Tierarztkosten. Der Erlös
aus der direkten Vermittlung an neue
Halter oder der Vermittlung aus dem
Pflegestellen heraus – die Schutzgebühr
beträgt fast immer circa 250 Euro – fließt
zu unterschiedlich hohen Anteilen zurück an die Tierheime, aus denen die
Hunde stammen. Nicht selten versickert ein Teil der Überweisungen aus
Deutschland, in den Taschen der Tierheimbetreiber in XY.
Bei einer Vermittlung von Tieren, die in
Tierpensionen untergebracht werden,
fließt in der Regel kein Geld zurück an
die ausländischen Tierheime. Einige
Tierpensionen sind sogar auf die Übernahme von ausländischen Hunden
über sogenannte Tierschutzorganisationen spezialisiert und leben recht gut
davon. Das gilt in vergleichbarer Weise
bei der Vermittlung von Hunden, die
an örtliche Tierheime übergeben werden. Zahlreiche Tierheime in den reichen Industrieländern übernehmen
regelmäßig, direkt oder über andere
Tierschutzvereine, leicht vermittelbare
Hunde aus ost- und südeuropäischen
Tierheimen oder Tötungsstationen.
Der Nettogewinn aus der Vermittlung
Tierschutz
der Auslandshunde ist bei vielen hiesigen Tierheimen bereits eine fest kalkulierte Größe im Etat. Manche Tierheime
sind sogar derart abhängig von dem
Gewinn aus der Importhundevermittlung, das sie ohne diese Importe vermutlich Konkurs anmelden müssten.
Andere sogenannte Tierschutzorganisationen beziehen ihre Hunde direkt
aus Tötungsstationen. Der Nettogewinn
verbleibt bei den Tierschützern oder
wird in den Freikauf und den Import
weiterer Hunde investiert.
Die Schätzungen über die Zahl der Hunde, die jährlich von Tierschutzorganisationen aus Ost- und Südeuropa allein
nach Deutschland importiert werden,
schwanken zwischen 200.000 und
400.000 (Schätzung von Christa Wilczek, Dr. med. vet., Veterinäroberrätin,
Abteilungsleiterin des Fachbereichs
Tierschutz und Tierseuchen, Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz,
Darmstadt ). Offizielle Importe unter
Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen sind die Ausnahme. Es gibt
praktisch nur eine Dunkelziffer. Auch
steigt die Zahl der Tierschutzvereine,
die sich ausschließlich dem„Auslandstierschutz“ widmen und die Zahl der
Tierheime, die den Auslandstierschutz
als Einnahmequelle für sich entdecken,
beinahe täglich. Für Deutschland kann
man also durchaus von circa 300.000
Importhunden jährlich ausgehen. Bei
einer Vermittlungsgebühr von durchschnittlich 250 Euro pro Hund ergibt
sich demnach ein Betrag von brutto
75.000.000 Euro.
Kalkuliert man für die Niederlande,
Österreich und der Schweiz noch mal
jeweils 200.000 Hunde und eine Schutzgebühr von durchschnittlich 200 Euro,
so ergeben sich daraus weitere 600.000
Hunde und ein Betrag von brutto
120.000.000 Euro.
Lassen wir zunächst außer acht, dass
fast alle Hundeimporte gegen europäisches Tierschutz-Transportrecht,
europäisches Recht zum innergemeinschaftlichen Verkehr mit lebenden Waren und nicht zuletzt gegen nationales
Ein- und Ausfuhrrecht, Tierschutzrecht,
Steuerrecht etc. verstoßen. Jährlich
werden mindestens 900.000 (Neun-
Foto: Fotolia
Durch Organisationen, die sich dem
Auslandstierschutz widmen, werden
nach Deutschland schätzungsweise jährlich rund 300 000 Hunde importiert
hunderttausend) Hunde den Straßenhundepopulationen in Ost- und Südeuropa entzogen und bekommen ein
„gutes Zuhause“. Gleichzeitig fließen
jährlich, auf die eine oder andere Art,
circa 195.000.000 (Todeslager Tierheim
3.Teil, Einhundert und fünfundneunzig
Millionen Euro) in den Tierschutz und
somit in die Verbesserung der Lebensbedingungen ausgesetzter und frei
geborener Hunde im ost- und südeuropäischen Ausland.
Stimmt das so?
Verschulden die Tierschutzorganisationen indirekt nicht vielmehr den Tod
von 900.000 (Neunhunderttausend)
Hunden im Ausland? Sind sie nicht
mitverantwortlich dafür, dass auch in
Deutschland immer mehr Hunde ausgesetzt werden, dass Tierheimhunde
oft ihr ganzes Leben hinter Gittern verbringen müssen und das Tierkrankheiten, die in Deutschland und seinen
Nachbarländern als nahezu ausgerottet galten, wie Beispielsweise Staupe
und Parvovirose, wieder zu einem ernsten Problem werden? Tragen diese Tierschutzorganisationen nicht dazu bei,
das sich der Umgang mit- und das Verständnis für Hunde immer weiter ins
Negative verschiebt und die Hunde
immer mehr verniedlicht, verharmlost
und sie zum Lustobjekt von Helfersyndromen und Selbstbeweihräucherung
degradiert?
Hat die„Rettung“ von Straßenhunden
und ihre Vermittlung in ganz normale
Hundehalter-Familien überhaupt etwas
mit Tierschutz zu tun?
Streunerpopulation und ihre
Problematik
Um beurteilen zu können, ob die Entnahme von Hunden aus einer bestehenden Population und deren Vermittlung nach Deutschland und anderen
Ländern sinnvoll ist, muss man sich
mit der für die jeweilige Population
typische Dynamik auseinandersetzen.
Streunerpopulationen setzen sich
1 / 2011 • der absolut-hund report
17
Tierschutz
grundsätzlich aus zwei Faktoren zusammen:
1. Ausgesetzte und entlaufene
Haus- und Zuchthunde (künstlicher Populationszuwachs)
2. Geburtenrate frei bzw. wild und
halbwild lebender Hunde (natürlicher Populationszuwachs).
Die Gesamtpopulation dagegen ist
fast ausschließlich vom örtlichen Ressourcenangebot abhängig. Ausschlaggebende Ressourcen sind:
•
•
Nahrungsangebot inklusive Fütterung durch den Menschen
Lebensraum – Raumangebot/
Versteckmöglichkeit
Die Geburtenrate ist abhängig von dem
Ressourcenangebot und durch die Populationsdichte bedingten sozialen
Stress. Die Geburtenrate wird also
durch die Populationsdichte, die wiederum durch die Sterbe- und Tötungsrate, sowie die Quantität von populationsbeeinflussenden Maßnahmen, wie
Einfangaktionen und das Ressourcenangebot beeinflusst, hat aber keinen
allein bestimmenden Einfluss auf die
Gesamtpopulation einer Stadt oder
eines Landkreises. Die Gesamtpopulation einer Stadt oder eines Landkreises ist ausschließlich von folgenden
Faktoren abhängig:
1. Gesamtangebot an Nahrung
2. Gesamtangebot an Raum und
Versteckmöglichkeiten
3. Habitatsgröße – der Raum, den
ein einzelnes Individuum oder
eine Gruppe (Rudel) für sich in
Anspruch nimmt und gegen Eindringlinge/Zuwanderer verteidigen kann.
Punkt 3 ist wiederum von folgenden
Faktoren abhängig:
•
•
•
Kraft und Größe des Individuums
Gesundheitszustand des Individuums
Überlebenswichtige Instinkte wie
Anpassungsfähigkeit, Fluchtinstinkt, Jagdfähigkeit, Reaktionsvermögen, Wahrnehmungsfähigkeit
Die letzten drei Faktoren sind, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten,
siehe Punkt 1. bis 3., ausschlaggebend
für die Struktur einer Population und
damit auch bedingt für dessen Größe.
In Metropolen wie Barcelona, Madrid
oder Valencia (Spanien) wird der Populationsanteil durch Mode/Rassehunde,
angefangen beim Chiahuhua über den
Mops und Pit Bull bis hin zu Sibirian
Husky oder Deutscher Schäferhund,
großenteils wenig überlebensfähigen
Hunden, entscheidend mitbestimmt.
Im Vergleich dazu wird die Populationsstruktur im spanischen Hinterland stark
durch Jagd- und Sporthunde, in erster
Linie Podencos und Greyhounds, welche fast immer an den Menschen gewöhnt sind, bestimmt.
Städte wie Barcelona – circa 75.000
Streunerhunde (offizielle Schätzung) –
oder Bukarest – circa 200.000 Streunerhunde (offizielle Schätzung) – , werden
demnach immer durch circa 75.000
bzw. 200.000 Streunerhunde belastet.
Und zwar ganz unabhängig davon,
wie viele Hunde durch Aussetzung
oder Zuwanderung hinzukommen
oder wie viele Hunde durch Einfangoder Tötungsmaßnahmen oder Zwangsrettung durch Tierschutzorganisationen
der Population entnommen werden.
Findet ein Zuwachs durch Aussetzungen und Zuwanderung statt, sinkt die
Geburtenrate, die Abwanderungsrate
steigt dagegen. Die Gesamtpopulation
bleibt weitgehend konstant. Unterbleibt die Aussetzung oder Zuwanderung von Hunden oder spielt quantitativ nur eine unbedeutende Rolle, steigt
Foto: Fotolia
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Die Streunerpopulationen in den
Metropolen Europas verändern sich
durch die Rettung und Entnahme von
Hunden nicht
Tierschutz
die Geburtenrate im Verhältnis zur Abwanderung und Todesrate.
Neben Abwanderung und natürlicher
Todesrate sind folgende Faktoren für
eine kurz- bis mittelfristige Reduzierung der Gesamtpopulation und einem
damit verbundenen Anstieg der Geburtenrate verantwortlich:
•
•
•
•
Massentötungen durch Vergiften
oder erschießen
Einfangaktionen mit anschließender Verbringung in Tötungsstationen
Einfangaktionen mit anschließender Verbringung in Tierheime
oder Export der Hunde – zum
Beispiel nach Deutschland.
Einfangaktionen mit anschließender Verbringung in andere
Gebiete
Ein Beispiel zur Verdeutlichung:
Bukarest in Rumänien – 1.931.838
Einwohner (Stand 2007) – durchschnittlich 200.000 Streunerhunde
(Stand 2001 / siehe Bericht „Vier Pfoten“). Zitat www.vier-pfoten.de : „Trotz
massiver Proteste rumänischer wie
auch internationaler Tierschutzorganisationen ordnete der Bürgermeister von
Bukarest, Traian Basescu, am 19. April
diesen Jahres (2001) an, alle rund
200.000 Streunerhunde der Stadt einzufangen und umzubringen.“
Und weiter: „Das jetzige Gemetzel ist
nicht nur eines EU-Beitrittskandidaten
unwürdig und schadet dem Ruf Rumäniens. Es ist zugleich zutiefst sinnlos,
weil die Streuner in Bukarest laufend
fast ebenso viele Jungtiere produzieren,
wie durch den Basescu-Erlass im selben
Zeitraum umgebracht werden.“
Alle Streunerhunde in einer Stadt
oder in einem Landkreis zu töten, wäre
selbst wenn es gelingen würde, nur
ein kurzfristiger Erfolg. Innerhalb von
24 bis 36 Monaten würde sich der Bestand durch Zuwanderer und eine
enorme Geburtenrate nahezu vollständig erholen.
Um das Problem der Streunerhunde
in Bukarest oder einer anderen Stadt
in Rumänien durch Tötungsmaßnahmen zu lösen, müssten„alle“ Streunerhunde in ganz Rumänien getötet
werden. Gleichzeitig müsste sicherge-
stellt werden, dass keine Hunde mehr
ausgesetzt werden oder entlaufen
können. Parallel dazu müsste jede
Versorgung überlebender Streunerhunde unterbleiben. Dazu müsste
nicht nur jede Fütterung durch Menschen unterbleiben, sondern auch das
Wegwerfverhalten der ganzen Nation
im Bezug auf verwertbare Essensreste
und tierische Abfallstoffe revolutioniert
werden. Ein Vorhaben, dessen Umsetzung unmöglich wäre. Das trifft selbstverständlich auch auf alle anderen
Staaten mit größeren Streunerhundepopulationen zu.
Eine Lösung der Probleme mit Streunerhunden kann nur und ausschließlich durch Kastrationsprojekte erreicht
werden. Ein Vorzeigeprojekt und Beweis für die Effizienz von Kastrationsprojekten ist das Tierheim von Odessa,
welches durch die Initiative des Deutschen Tierschutzbundes entstand und
Hilfe zur Selbsthilfe bietet.
Quelle:
www.tierschutz-schattenseiten.com
Autor: Uwe Peter Willemsen
Hundehilfe Eifel • Martina & Ingo Wald • Telefon: 02151/96 60 66
www.hundefreud-hundeleid.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
19
Tierschutz
Porträt:
BESCHÜTZERinstinkte e.V.
In dieser Ausgabe geben wir der Organisation
BESCHÜTZERinstinkte e.V. Gelegenheit sich vorzustellen:
unser verein
Unser Ziel ist unbürokratisch,
unkompliziert und schnell zu helfen!
BESCHÜTZERinstinkte:
ermöglicht Kindern mit seelischer, körperlicher oder geistiger Behinderung
die Teilnahme an tiergestützter Therapie mit Hund, oder einen Urlaub für
die gesamte Familie auf einem von uns
ausgesuchten und geprüften Therapiehof für Seele und Herz.
beschützt Hunde in Not, mit Krankheit
oder im Alter, beherbergt oder resozialisiert sie, vermittelt sie weiter und findet geeignete Hunde für Menschen
mit Behinderung oder therapeutisch
Tätige und beteiligt sich an den Ausbildungskosten zum Therapie- oder
Assistenzhund.
hilft bedürftigen Hundebesitzern und
Obdachlosen mit Hund, indem Tierarzt
und Futterkosten übernommen, hundefreundliche Unterkünfte gesucht
20
der absolut-hund report • 1 / 2011
oder Hunde in Notsituationen in sichere Obhut genommen werden.
gesund mit hund
Förderung des Einsatzes von Servicehunden
Ein Hund kann gerade bei körperlicher
Beeinträchtigung eine moralische Stütze, aber auch ein Therapeut für seelische und körperliche Störungen sein.
Wir sammeln Spenden oder suchen
Paten für benachteiligte Kinder, um
ihnen eine tiergestützte Therapie oder
einen Therapieurlaub zu ermöglichen.
Gerade für Familien kann eine gemeinsame Zeit auf einem Therapiehof erholsam und heilend sein. Mütter von
Kindern mit Behinderung werden entlastet und finden bei den Sozialpädagogen immer ein offenes Ohr. Noch
wichtiger: die nichtbehinderten Geschwister erfahren auch mal die volle
Aufmerksamkeit, dürfen mit den Hoftieren spielen oder Traktor fahren.
Außerdem beteiligen wir uns an den
Ausbildungskosten der Therapie- oder
Assistenzhunde, um Menschen, insbesondere Kindern mit Behinderung eine bessere Lebensqualität, schnellere
Genesung und Hilfe im Alltag zu
schenken.
schnauze voll
Hilfe für bedürftige Hundebesitzer!
Hunde sind für viele Obdachlose und
Hartz-IV-Empfänger ihre Freunde, ihre
Familie, oft das letzte Lebewesen, das
sie wirklich braucht und ihnen einen
Bezug zur Gesellschaft vermittelt. Wir
unterstützen mit großen Futtermengen die Tiertafel Deutschland e.V. und
tragen so dazu bei, dass Hunde von
unseren "benachteiligten" Mitbürgern
satt werden. Außerdem übernehmen
wir Tierarztkosten und nehmen Hunde
vorübergehend in unsere Obhut, wenn
die häusliche oder soziale Situation des
Besitzers keine artgerechte Haltung
mehr zulässt.
Tierschutz
Gerade im Winter erfrieren jedes Jahr
immer wieder Obdachlose mitsamt
ihren Hunden. In München z.B. gibt es
keine einzige warme Unterkunft für
Wohnungslose mit Hund. Wir bieten
Städten und Gemeinden unsere Hilfe
in Form von Beratung aber auch effektiver Hilfe vor Ort an, um Pilotprojekte
zu starten, die eine offene Tür und ein
warmes Bett samt Körbchen bieten.
Denn gerade die Odachlosenhunde
sind erstaunlich gepflegt, ruhig und
gut erzogen. Unser größtes Bestreben
ist die Trennung von Hund und Herrchen zu verhindern!
für alle felle
Hilfe für in Not geratene Hunde!
Der Hund ist auf uns Menschen angewiesen. Er ist ein Lebewesen, das Aufmerksamkeit, Pflege, Fürsorge, Opferbereitschaft und Geduld benötigt. Sie
können sich nicht selbst helfen, deswegen ist es unsere Aufgabe, sie zu
beschützen. Unsere Sorgenkinder
kommen vorwiegend aus einem mallorquinischen Tierheim, welches seit
27 Jahren von einer mallorquinischen
Familie vorbildlich geführt wird. Aber
auch Notfelle aus Deutschland finden
bei uns ein warmes Körbchen und viel
Liebe. Noch haben wir keine eigene
Tierherberge, deswegen werden die
Fellnasen vorübergehend in Pflegefamilien untergebracht, von wo aus sie
vermittelt werden.
stand heute
Was wir bisher geschafft haben:
• Vermittlung von über 300 herrenlosen Hunden
• Resozialisierung und Vermittlung von 15 Problemfellen
• Kastration von 700 Hunden
• Spende von 20 Tonnen Futter
• Pflegehund RON bekam Goldakkupunktur und Physiotherapie,
wurde nach Genesung in sein neues Zuhause vermittelt und wird
nun in Baden-Württemberg als Schulbegleithund ausgebildet
• Hund HECTOR und Hündin DANA konnte eine OP ermöglicht
werden
• Therapiekind DAVID bekommt 1 Jahr lang tiergestützte Therapie
mit Hund, sowie Therapieurlaub für die ganze Familie
• Therapiekind ALEK bekommt 1 Jahr lang tiergestützte Therapie
mit Hund, sowie Therapieurlaub für die ganze Familie
• finanzielle Gewährleistung der Ausbildung des Therapiehundes
LEON für Kinder mit Bewegungsstörungen am Geniushof
• Hilfestellung für den Geniushof e.V. eine gesicherte Bezuschussung
durch„Ein Herz für Kinder“ i.H. von 40.000,- € zu bekommen, um
dem Therapiehof ein neues Dach zu ermöglichen
• Kooperation mit Golf-mit-Hunden, das in 2010 vier HuGo-Cups
zugunsten BESCHÜTZERinstinkte organisiert
• Ex-Pflegehund TOFFY wird von seiner neuen Besitzerin zum
Therapiehund ausgebildet
• Die sichere Unterbringung von 2 Hunden eines OBDACHLOSEN für
die Zeit seiner Operation und Genesung
• Übernahme und Vermittlung der ANTENNE BAYERN-WELPEN
• Übernahme OP-Kosten Hund Laska
• Übernahme der Kosten für Medikamente mehrerer Hunde
• Finanzielle Unterstützung einiger Pflegestelle für Zarenhof-Hunde
• OP-Kosten Hund Benny
Dafür arbeiten wir: Ein sorgenfreies
und glückliches Leben für jeden Hund,
frei von unnötiger seelischer und körperlicher Gewalt.
• Sonja Zietlow sammelt unermüdlich Spenden und nimmt an mehr
als 40 Veranstaltungen zu Gunsten BESCHÜTZERinstinkte teil
Und viele mehr.....
www.beschuetzerinstinkte.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
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Zar – der
Namensgeber
des Zarenhofes, verstorben angeblich
an einer Magendrehung
Tierschutzskandal
Zarenhof
Ein Fenster des
Gebäudes ist
gekennzeichnet
von den Ausbruchsversuchen
der eingesperrten
Hunde – Fotos:
Sonja Zietlow
6 Thesen
von Karin Burger,
www.doggennetz.de
Seit September 2010 tobt die Diskussion über den Skandal Zarenhof. Und die Verantwortung
wird zwischen den Beteiligten hin- und hergeschoben wie eine verwurmte Kotprobe, ohne
dass sich jemand zur Wurmkur entschließen könnte. Konstruktive Ansätze in der Diskussion
über die Vorgänge sind bisher nicht zu erkennen.
Es ist nicht an dem, dass bisher noch
nie solche Tierquälereien von Tierschützern bekannt geworden wären. Aber
dieses Mal werden die Zustände medial
optimal begleitet: mit Bildern, Videos,
einer Fülle von Zeugenaussagen etc.
Deshalb erhält dieser Fall außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Kaum ein Tierschutz- oder Hunde-Forum im Netz,
auf dem der Zarenhof nicht diskutiert
würde.
Das war der positive Teil!
Leider geht die gesamte Diskussion
und Webdokumentation bisher nur in
eine einzige Richtung. In des Tierschützers liebste Richtung: Empörung,
Schuldzuweisung und Aktionismus!
Die emotionalen Schreikrämpfe steigern sich hier und dort schon zu Lynchjustiz-Phantasien gegenüber einer
„Tierschützerin“, der man bis vor wenigen Wochen gehuldigt hatte bis zum
Abwinken!
22
der absolut-hund report • 1 / 2011
Deshalb Achtung: Die Tierschützer
könnten jetzt eine große Chance vertun! Natürlich muss der Skandal komplett aufgearbeitet, müssen Vor- und
Nachlauf aufgedeckt werden, frühe
Zeugen zu Wort kommen und müssen
auch die Behörden auf ihre Verantwortung festgenagelt werden.
Aber bei aller Empörung, bei aller Wut
ist nicht zu vergessen, dass dieses Phänomen strukturell bedingt ist. Und
wenn sich an den Strukturen im Tierschutz nicht bald und im Konsens
ganz grundlegend etwas ändert, empören wir uns heute über Gesa K. und
morgen über Lieschen M. und übermorgen über Herr und Frau F. ... ad infinitum!
Deshalb muss spätestens jetzt eine
breite, engagierte und ernst gemeinte
Diskussion darüber beginnen, wie man
strukturell Tierschutz im 21. Jahrhundert so ändern kann, dass solche und
andere Furchtbarkeiten nicht mehr
oder nicht mehr so häufig vorkommen.
Und dieser Diskussion liefert Doggennetz ein Thesenpapier. In dieses fließen Erfahrungen und Beobachtungen
verschiedener Tierschützer und Tierfreunde zusammen, die über Jahrzehnte hinweg akribisch analysiert haben,
was schiefläuft. Es ist nicht so, dass
sich nachfolgend gelistete Werte und
Prinzipien eine einzige Person ausgedacht hat. Sie sind jetzt schon Konsens
unter denjenigen, die durch den Zarenhof-Skandal nur in ihrer Auffassung
bestätigt werden: SO KANN ES NICHT
MEHR WEITERGEHEN!
Diesen Thesen muss man nicht zustimmen. Im günstigsten Fall sollte sich
aber über diese Punkte eine Diskussion
entwickeln. Sicherlich wird man diesen
oder jenen Vorschlag verändern oder
modifizieren wollen-können-müssen.
Wichtig ist allein, dass sich ausgehend
Tierschutz
vom Zarenhof-Skandal eine Perspektive
entfaltet, die das Risiko weiterer solche
Exzesse auf Kosten von Tieren unter
der Obhut von Tierschützern entscheidend mindert.
1. Kontrolle und
Transparenz
Dass politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Abläufe zum einen einer
vereinbarten Kontrolle unterworfen sein
müssen, zum anderen für alle Außenstehenden transparent sein müssen,
ist schon lange gesellschaftlicher Konsens – außerhalb des Tierschutzes!
Nicht umsonst gibt es internationale
Nichtregierungsorganisationen, die sich
genau diese Transparenz zum Ziel gesetzt und zum Aktionsnamen gewählt
haben: Transparency International.
Und besonders im Fundraising-Bereich,
zu dem auch der Tierschutz gehört, ist
Kontrolle und Transparenz schon längst
das, was Stefan Loipfinger von CharityWatch.de als„Branchenstandard“ bezeichnet:„Wer fremdes Geld sammelt,
der sollte über die Verwendung der
Mittel transparent informieren. [...] Für
seriöse Organisationen ist dies selbstverständlich. [...] Über die Vorgaben
von DZI, Spendenrat und VENRO ist
die Veröffentlichung der Mittelverwendung quasi zum Branchenstandard erklärt worden. Deshalb gilt: Wer nichts
zu verstecken hat, der wird dem Spender offen und ehrlich erklären, was er
mit seinem Geld getan hat. Wer dazu
nicht bereit ist, der grenzt sich selbst
vom seriösen Teil der Branche ab“
(Stefan Loipfinger, www.charitywatch.de ).
Die „Großen“ der Branche tun dies
längst: wahlweise gegenüber dem
DZI, dem Spendenrat oder als kostengünstigere Variante eben gegenüber
Charity-Watch.de.
„Kontrolle“ bedeutet nicht ausschließlich die Kontrolle durch die entsprechenden Fachbehörden wie z. B. die
Veterinärämter. Kontrolle geschieht
auch durch„leichtere“ Strukturen wie
z. B. eine Vereinsorganisation. Auf der
praktischen Ebene führt dieses anerkannte Instrumentarium dann zu dem
Entschluss, nur noch Vereine oder andere gesetzlich definierte Rechtsformen
zuzulassen und zu unterstützen.
Im Tierschutz jedoch tummeln sich Legionen von Privatpersonen, die weit
über einen privaten Rahmen hinaus
Tierschutz betreiben. Oft geben sie
sich Namen, die das private Engagement nicht mehr erkennen lassen. Aber weil
sie Privatpersonen sind,
können sie sich auch
den üblichen Kontrollmechanismen entziehen. Ihr Tun bleibt intransparent und damit
inakzeptabel in einer
Tierschutzszene, die sich auf verbindliche Standards einigt und an struktureller Verbesserung interessiert ist.
Wenn der Verein nur aus fünf stimmberechtigten Mitgliedern besteht, alle
wesentlichen Ämter von derselben
Person besetzt sind, Vorsitzender und
Tierheimleiter eine Personalunion sind,
das Kassenamt von der eigenen Schwester oder sonstigen Angehörigen versehen wird, Mitgliederversammlungen
nur alle drei Jahre stattfinden u. v. a.
m., verliert der Strukturrahmen Verein
sofort wieder an regulativer Kraft.
Kontrolle und Transparenz bedeuten
des Weiteren, sich an bestehende Gesetze zu halten. Beim Thema Auslandstierschutz ist es de facto momentan
so, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Tierschutzorganisationen an
den bestehenden Gesetzen (Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung,
Tierschutzgesetz etc.) vorbei Tiere aus
dem Ausland einführen.
Das ist schlicht illegal
und lässt sich mit keinen moralischen Verweisen rechtfertigen. Wer
die bestehenden Gesetze, z. B. die Kategorisierung„gewerblich“
für jegliche Tiereinfuhr
von Tierschutzorganisationen, hier für
unzureichend hält, muss sich auf parlamentarischer Ebene um Änderungen
bemühen. Der Bund gegen den Missbrauch der Tiere tut das derzeit. Und
nur dieser Weg ist legitim!
„GeldWersammelt,
fremdes
der sollte über die
Verwendung der
Mittel transparent
informieren.
Dass selbst eine Vereinsstruktur noch
keine Sicherheit bietet, das enthüllen
die vielen auf Charity-Watch.de und
andernorts dokumentierten Vereinsskandale. Aber immerhin können
Vereine wenigstens zur Auskunft aufgefordert werden. Behörden wie Veterinär- und Finanzämter dürfen kontrollieren und maßregeln. Bei den„echten“
Vereinen jedoch ist auch wieder darauf
zu achten, dass sich dort tatsächlich
demokratische Strukturen zeigen.
“
2. Professionalität
Tierschutz im 21. Jahrhundert hat eine
Dimension erreicht, der man auf der
Basis rein ehrenamtlichen Engagements
ohne jede (professionelle) Qualifikation
nicht mehr gerecht wird. Natürlich soll
auch weiterhin jeder ohne voraussetzende Qualifikation Zugang zu tier1 / 2011 • der absolut-hund report
23
Tierschutz
schützerischem Tun haben, WENN er
bereit ist, sich für diese heute hoch anspruchsvolle Aufgabe fort- und weiterzubilden. Fort- und Weiterbildung ist in
allen anderen gesellschaftlichen Bereichen schon längst eine Selbstverständlichkeit. Warum nicht im Tierschutz?
Organisatorisch ist das überhaupt kein
Problem. Es gibt genügend Anbieter
sachkundiger Fortbildung, ohne dass
man zu selbst ernannten, de facto
aber eben überhaupt nicht qualifizierten Hundeflüsterinnen pilgern müsste.
Die Tierschutzakademie des Deutschen
Tierschutzbundes ist hier zu nennen;
die verschiedenen Institutionen, die
professionell auf die Sachkundeprüfung vorbereiten; kynologische Fachorganisationen, die zertifizierte Absolventen hervorbringen und ein breites
Themenspektrum an Vorträgen, Workshops und Seminaren anbieten.
Es muss zum selbstverständlichen
„Branchenstandard“ werden, dass Verantwortliche und Agierende von (eingetragenen) Tierschutzorganisationen
auf ihrer Website eine Liste ihrer Qualifikationen und absolvierten Seminare
veröffentlichen. Wer dies nicht tut, wer
dies nicht vorweisen kann, disqualifiziert sich selbst.
Unter der Leitorientierung von Professionalität kann es dann eben nicht mehr
sein, dass Tierschützer zu der von ihnen
geschützten Tierart weder über eigene
Empirie noch über irgendwelche Qualifikationen verfügen. Aus der Doggenschützer-Szene bietet sich das eindrückliche Beispiel einer Tierschützerin
an, die bundesweit Doggen vermittelt
und betreut, zu Fragen der Doggenhaltung berät, selbst aber noch nie in
ihrem Leben eine Dogge besessen hat.
Und solche Beispiele gibt es in allen
anderen Sparten des Tierschutzes
auch.
Wenn Tierschützer sich die für ihr Engagement notwendigen Fachkenntnisse aneignen, dann können sie auch
ihre Aufgaben professionell erledigen.
Und das fängt ganz banal und ganz
anspruchsvoll bei professionellen Vorund Nachkontrollen an! Und hier bedeutet„professionell“ die Einsicht, dass
es bei diesen Kontakten mehrheitlich
nicht darum geht, potenzielle Tierquäler auszusieben, sondern darum, ganz
subtile Anspruchs- und Erwartungshaltungen an das neue Familienmitglied
aufzudecken, Defizite im Fachwissen
aufzuspüren und Tierhalter verlässlich
in dauerhafte Kontakt-, Beratungsund Betreuungsstrukturen einzubinden.
Das bitterste Thema, welches unter
den Leitorientierungen Kontrolle,
Transparenz und Professionalität komplett auf den Prüfstand muss, ist das
Pflegeplatz-System. Das nämlich funktioniert aus genannten Gründen viel
zu häufig nicht: Kontrolle ist in dem
definitionsgemäß privaten Bereich der
Menschen, die sich als Pflegeplatz anbieten, nur bedingt möglich. Ebenfalls
an den privaten Status gebunden ist
das Defizit an Sachkunde. Leider hat
die Rechtsprechung hier auch die ursprüngliche Forderung eines Sachkundenachweis für Pflegeplätze gemäß
§ 11 Tierschutzgesetz wieder zurückgenommen. Da aber die Tiere, insbesondere auch die Hunde, im Tierschutz
sehr häufig traumatisiert sind oder Fehlverhalten zeigen, können private Pflegeplätze diesen Tiere nicht gerecht
werden, die über keine Sachkunde
darüber verfügen, wie man mit ihnen
umgeht.
3. Primat des gesunden
Menschenverstandes
Der Tierschutz insgesamt muss weg
von der gesellschaftlich auch nicht
akzeptierten übersteigerten Emotionalität. Ina Smith hat die einzig praktikable Gewichtung zwischen Ratio und
Emotion auf ein akzeptables Zahlen-
Zarenhof-Räume im August 2009 und Oktober 2010: Gesa K. „versorgte“ dort rund 70 Hunde. Sie ließ die Tiere verwahrlosen, die Inneneinrichtung des Gebäudes wurde völlig zerstört – Fotos: Sonja Zietlow
24
der absolut-hund report • 1 / 2011
Tierschutz
verhältnis gesetzt: 80 Prozent Verstand,
20 Prozent Herz!
Wenn die Tierschützer wieder vernünftiger werden, dem gesunden Menschenverstand Raum geben und zeitgleich
eine gesunde Portion Skepsis entwickeln, werden sie viele Dinge aufdecken, bevor sie wie im Fall Zarenhof
eskalieren: Wie kann es sein, dass eine
einzige Frau 70 Hunde, darunter viele
Doggen, ganz allein versorgt und betreut? Ja, wie kann es schon sein, dass
sie eine solche Menge Hunde zusammen in einem Haus hält? Und 70 ist
nur das Extrem. Man kann schon nicht
glauben und ich konnte mich auch
von den für die Hunde nachteiligen
Folgen selbst überzeugen, wenn zwei
Frauen angeben, sich um 20 (plus /minus) in einem Haus umherlaufende
Hunde zu kümmern; die Hälfte davon
wieder großrassig, immer wieder noch
aufgestockt durch ganze WelpenWürfe.
Wirft man dann gesunden Menschenverstand und Professionalität zusammen, kann man auf wissenschaftliche
Erkenntnisse wie die des sozialen
Stresses zurückgreifen, um selbst einzusehen, dass solche Haltungen nicht
dem Wohl der Hunde dienen können!
Auch hier hilft uns die Zarenhof-Dokumentation, belegt sie doch in vielen
Berichten anschaulich, was dieser Gruppenstress z. B. für Welpen bedeutet.
Die Fälle sind endlos: Derzeit recherchiere ich über einen kleinen Verein,
bei dem die erste Vorsitzende zeitgleich
die Tierheimleiterin ist (Interessens-
konflikt!) und angibt, zusammen mit
zwei Ein-Euro-Jobbern insgesamt 100
Tiere zu versorgen – und ihren Mann
als Pflegefall! Jede mit gesundem
Menschenverstand außerhalb des Tierschutzes stehende Person weiß, dass
so etwas schlicht und einfach nicht
möglich ist! Warum wissen das die Tierschützer nicht?
Unsauberkeiten bei einem Bestand von
zehn Katzen bei 100 Prozent liegt). Für
die Hundehaltung gab es mal eine sehr
anschauliche Orientierung: Nicht mehr
Hunde als Hände in einem Haushalt!
Wenn zwei Personen zehn im Haus lebende, frei herumlaufende Hunde versorgen müssen, haben sie schon mehr
als genug zu tun. Ob bei dieser Be-
Sonja Zietlow,Tierschützerin und Fernsehmoderatorin beim Ortstermin am Zarenhof im Oktober 2010: „Seit demVorfall ermitteln ein Team von BESCHÜTZERinstinkte, mein Mann und ich unermüdlich nach den Hintergründen, wie es zu
dieser Situation kommen konnte und was man machen kann, damit so etwas
nicht noch einmal passiert.“ www.derzarenhofinfo.com – Foto: Sonja Zietlow
Auf der pragmatischen Ebene führt
dieses Primat des gesundes Menschenverstandes zusammen mit der Professionalität dann zwangsläufig dorthin,
die pseudo-privaten Tierhaltungen von
Tierschützern zahlenmäßig drastisch
zu begrenzen. Wo genau man die Grenzen setzt, muss diskutiert werden.
Aber mehr als zehn in einem Haushalt
frei umherlaufende Katzen sind schon
verhaltensbiologisch kaum mehr vertretbar (vgl. Rosemarie Schär mit ihrem
Diktum, dass die Wahrscheinlich von
standsgröße wirklich alle Hunde jeden
Tag auf ihren Spaziergang kommen, ist
schon fraglich, wenn man voraussetzt,
dass niemand mit mehr als zwei Hunden gleichzeitig verantwortungsbewusst nach draußen gehen kann. Im
Notfall hat er eben nur zwei Hände
und kann maximal zwei Hunde gleichzeitig halten.
Das Primat des gesunden Menschenverstandes muss dann auch zu einer
kritikfähigen Haltung gegenüber den
Angeboten der Veterinärmedizin füh1 / 2011 • der absolut-hund report
25
Tierschutz
ren. Unter Rückgriff auf Professionalität und eigene Grundkenntnisse zu den
elementarsten physiologischen Zusammenhängen befähigt ein gesundes
Maß an Skepsis Tierschützer dazu, diese Angebote erst einmal kritisch zu
überprüfen. Ganz aktuell und mit einem
dramatischen Fall aus der Hund-KatzeMaus-Sendung vom 30.10.2010 kann
man dann vielleicht über Abgleiche
mit Erkenntnissen aus der Humanmedizin feststellen, dass sich dort schon
manche Eingriffe und Behandlungsoptionen ad absurdum geführt bzw.
als nicht erfolgversprechend erwiesen
haben.
Eine ordentliche Portion Menschenverstand und gesunde Skepsis sind vor
allem auch bei der Rezeption dessen
angebracht, was uns die Medien so alles unter dem Label„Tierschutz“ offerieren. Wenn sich im Kontext mit dem
Zarenhof Tierschützer auf die mediale
Berühmtheit der Animal-Hoarderin herausreden, dokumentiert das einen erschütternden Kinderglauben daran,
wie man ins Fernsehen kommt: Exzellente Beziehungen und sich selbst gut
verkaufen können, das sind die Schlüssel zu medialer Berühmtheit, nicht aber
ethische Vorzüglichkeit und qualitativ
guter Tierschutz! Auch andere aktuelle
Fernsehsendungen (vgl. dazu die Doggennetz-Artikel-Serie zur MDR DokuSoap„Leben für 4 Pfoten“) zeigen in
den wenigsten Fällen guten und modernen Tierschutz, verbraten dafür lieber uralte Klischees von emotional
überqualifizierten Menschen, die sich
unter Tränen liebevoll der geschundenen Kreatur zuneigen. Das hat mit
modernem Tierschutz nichts zu tun!
Und nicht an letzter Stelle fällt unter
das Primat des gesunden Menschen-
26
der absolut-hund report • 1 / 2011
verstandes das ausnahmelose Verdikt
des Personenkults, wie er überall im
Tierschutz anzutreffen ist. Personenkult ist ein Merkmal totalitärer und faschistischer Strukturen, wie man sie
unter Stalin, Mao, Hitler oder Honecker
in all ihren grausamen Facetten kennen gelernt hat oder auch aktuell in
totalitären Staaten heute noch kennt.
Schon allein deshalb verbietet sich die
moralische Überhöhung von einzelnen
Personen. Den fatalen Zusammenhang
zwischen Personenkult und Tierschutz-
gerettete Tiere (siehe 5. Verbindliche
Ethik-Grundsätze) schon eine Leitorientierung gesetzt. Aber dem Qualitätsgedanken muss auf viel breiterer Ebene Raum verschafft werden. 20 oder gar
70 frei umherlaufende Hunde in einer
pseudo-privaten Tierschützer-Haltung
im Haus ist keine Qualität. Qualität
und Professionalität aber sind HundeKleingruppen-Haltungen, wie ich sie
z. B. jüngst bei der Besichtigung des
BMT-Tierheims in Pfullingen sehen
durfte: vier bis fünf Hunde in eigenen
Tierschutz am Fuße der Schwäbischen Alb: im BMT-Tierheim Pfullingen werden die
Hunde in kleinen Gruppen mit eigenen Innen- und Außengehegen gehalten – das
ist Qualität! Foto:Tierschutzzentrum Pfullingen, www.tierschutz-bmt-bw.de
Skandalen hat der Artikel„Aua 21: Tierschutzskandal Zarenhof: Die Verursacher“ ( www.doggennetz.de , aktuell &
kritisch) herausgearbeitet. Moderner
Tierschutz muss ohne all die Pferdeund Hundeflüsterer, die Tierschutzengel,
die Mutter Theresas und Doggenmamas
auskommen, wenn er eine seiner wichtigsten Existenzvoraussetzungen nicht
verspielen will: gesellschaftliche Akzeptanz.
4. Qualität statt Quantität
Sonja Zietlow hat mit ihrem mutigen
Statement zur Qualitätsgarantie für
Gruppen mit Innen- und Außenzwinger, jeder Menge Platz und Rückzugsmöglichkeiten. Das ist Qualität!
Qualität ist nicht, wenn eine vergleichsweise kleine Tierschutzorganisation in
ihrem Jahresbericht unhinterfragt angibt, über 500 Tiere vermittelt zu haben.
Das ist schlichte Quantität auf dem
Level von Tierhandel. Vermittlungen
von Tierschützern haben einen enormen Aufwand mit Vorgesprächen,
Vorkontrollen, Nachbetreuung, Nachkontrollen und einem zumindest anfänglich eng getaktetem Gespräch mit
den neuen Tierbesitzern. Bei über
Tierschutz
Hoffnung für Hunde
Ein Projekt von Absolut-Hund:
• Aufbau einer Auffangstation mit Betreuung und Training für
verhaltensauffällige Hunde
• Prävention von„Rückläufer“-Hunden
• Vorbeugung von Hunde-Tötungen aufgrund ihres Verhaltens
• Schulung von Pflege- und Vermittlungsstellen
Weitere Informationen und wie Sie uns unterstützen können unter:
www.absolut-hund.de und 0171 / 322 526 1
500 Tieren pro Jahr bedeutet das für
eine Handvoll Tierschützer: zwei Vermittlungen pro Tag. Das ist keine Qualität, wie sie unter dem Label Tierschutz
verlangt werden muss.
Immer wieder liest man auf Tierschützer-Sites Vermittlungszahlen, die sich
ganz offensichtlich an Quantität orientieren, um am Ethik-Markt bestehen zu
können – und damit genug Spenden
zu bekommen. Den Finger am Stellhebel zwischen Quantität und Qualität
haben auch die Spender, die sich weniger von Horror-Leidensgeschichten
einzelner Tiere und dem Eigenlob der
rettenden Tierschützer beeindrucken
lassen sollten, sondern von der Erfüllung oben genannter Kriterien: Wer ist
qualifiziert? Wer beweist Transparenz
und legt alle relevanten Vorgänge offen? Wer handelt nach verlautbarten
Ethik-Grundsätzen? Wer dokumentiert
Prinzipien seiner Tierschutzarbeit?
5. Verbindliche EthikGrundsätze
Dass Politik und Gesellschaft den Tierschutz insgesamt komplett allein lassen, das wurde schon in anderen Artikeln auf Doggennetz thematisiert.
Dann müssen die Tierschützer eben
selbst die Dinge in die Hand nehmen
und versuchen, im gemeinsamen Diskurs für alle ihre Bereiche verbindliche
Ethik-Grundsätze auszuhandeln.
Bisher können Tierschützer nur auf das
dürftige Instrumentarium zurückgreifen, das ihnen die einschlägigen Gesetze und Verordnungen bieten. EthikGrundsätze gibt es darüber hinaus auch
für den gesamten Bereich des Fundraising. Hier gilt es z. B. als verwerflich,
mit besonders schockierenden Bildern
zu werben, für tote Tiere Geld zu sammeln oder die Zielgruppe moralisch
unter Druck zu setzen. Trotzdem geschieht solches jeden Tag auf den verschiedenen Tierschützer-Websites, in
Bettelmails oder in Broschüren.
Die Moralphilosophie weiß: Ethik ist
nicht teilbar. Deshalb sind Tierschützer,
die sich zumindest im privaten Gespräch
ganz offen zu ihrer Misanthropie (Menschenverachtung) bekennen, ein Widerspruch in sich selbst und nicht tragbar.
Diese inzwischen leider innerhalb der
Peergroup viel zu breit akzeptierte
Grundhaltung des„Menschen sind mir
egal!“, muss stigmatisiert und sanktioniert werden. Ethik ist nicht teilbar.
Und wer menschlichem Leid und
menschlicher Not gleichgültig gegen-
übersteht, kann für Tiere nichts bewegen.
Ethisch auch überhaupt nicht geklärt
ist das breite Feld des Auslandstierschutzes. Hier und dort sich entzündende Diskussionen arten regelmäßig
aus; verwertbare Ergebnisse gibt es
keine.
Ohne jede ethische Leitorientierungen
auch bleibt bislang der Umgang mit
Hunden, die schon einmal oder sogar
mehrfach Menschen gebissen haben.
Gerade wieder erleben wir eine neuerliche Verschärfung der einschlägigen
Landeshundeverordnungen, nachdem
es jüngst zu weiteren Todesfällen durch
Hundebisse gekommen ist. Wann endlich werden die Tierschützer auf gesellschaftliche Forderungen reagieren?
Dass eine sture Verweigerungshaltung
die Hunde und die betroffenen Halter
nicht weiterbringt, dokumentiert der
lange Weg von dem kleinen Wolkan
bis zu den aktuellen Gesetzesverschärfungen.
Tierschützer haben keine Standards
und keine Verfahren für solche Fälle,
die allgemein als verbindlich anerkannt
wären. Stellt diese Tierschutzorga den
fraglichen Hund einem zertifizierten
1 / 2011 • der absolut-hund report
27
Tierschutz
Gutachter vor, entscheidet die nächste
schon wieder anders und experimentiert mit teilweise hochfragwürdigen
Eigentherapiemodellen. Wieder andere
gehen den ganz sicheren Weg und lassen euthanasieren – müssen dies aber
so geheim halten wie einen Atomraketencode, weil sie sonst von ihren Kollegen angegriffen und bloßgestellt werden.
Zu den verbindlichen Ethik-Grundsätzen gehört auch die Selbstverpflich-
Es gehört zu den wenigen verfügbaren Standortbestimmungen aus dem
Munde von Tierfreunden, wenn Sonja
Zietlow sehr mutig auf ihrer Website
bekennt:„WENN man schon Tiere vor
dem Tod rettet, dann sollte man gefälligst dafür Sorge tragen, dass diese
Tiere ohne Qual und Leiden, sondern
mit Würde und Anstand leben können!!! Ansonsten ist, und das ist nur
MEINE PERSÖNLICHE MEINUNG, der
Tod die bessere und mildere Alternative!“ ( http://www.derzarenhof-
zen. Im Status quo behaupten wir das
zwar für viel zu weite Bereiche des Tierschutzes so, aber auch dieser Status
quo hat Gründe. Und diese Gründe
entlasten den Tierschutz und seine Akteure umfassend:
Tierschutz im 21. Jahrhundert ist eine
derart komplexe Aufgabe, die im Ehrenamt schlicht nicht mehr zu bewältigen
ist. Das fängt an mit der Fundtierverwaltung, die als kommunale Pflichtaufgabe vom Staat in den ehrenamtli-
Noch immer werden ehemalige „Zarenhof“-Hunde gesucht (Stand Januar 2011).Weitere unter
www.derzarenhofinfo.com/zarenhofhunde/hund-gesucht/
Max Border-Australian Shepard
Cora wurde 2009 bei Frau K. auf
Trixie kam am 11.10.2009 auf den
Mix, 3 Jahre
Wurde im März in Nollenbach
abgegeben.
dem Zarenhof abgegeben. Kennt sie
jemand? Wer hat sie adoptiert?
Zarenhof und wurde angeblich ziemlich rasch vermittelt (in die Schweiz?).
Belege dafür gibt es nicht.
Trixie ist im April 2003 geboren.
info.com/blog-1/ ). Bei der herrschenden Intoleranz unter Tierschützern
kann sich eine Prominente wie Frau
Zietlow so ein Bekenntnis erlauben;
jeder andere Tierschützer lieferte sich
damit der virtuellen Lynchjustiz aus.
chen Bereich abgeschoben wird. Und
das hört bei Lösungskonzepten für
hoch problematische Hunde, die kraft
Behördenakt den Haltern weggenommen, dann aber Ehrenamtlern ausgeliefert werden, noch lange nicht auf.
Tierschützer sollen das alles leisten?
Um dies wirklich professionell und
kompetent in der extremen Komplexität der Aufgaben bewältigen zu können, müssten sie Verwaltungsrechtler,
Kynopädagogen, Ernährungsphysiologen, Verhaltensbiologen, Veterinärmediziner, Steuerberater, Psychologen,
tung, nur juristisch und gesellschaftlich anerkannte Verträge zu verwenden.
Dass viele von Tierschutzorgas benutzte
Vertragsvarianten schlicht sittenwidrig
sind, darüber wurde schon mehrfach
geschrieben (vgl. zum Beispiel
http://zergportal.de/baseportal/tiere/N
ews&Id==580 ).
Zur ergebnisorientierten Diskussion
über die im Tierschutz zu praktizierenden Ethik-Grundsätze gehört auch die
Anerkenntnis von Leid und Tod als unausradierbare Bestandteile allen Lebens.
28
der absolut-hund report • 1 / 2011
6. Tierschutz als hoheitliche Aufgabe
Bis hierhin mag der Eindruck entstehen, dass Tierschützer schlicht alles
falsch machen und im unstrukturierten Dilettantismus vor sich hinschüt-
Tierschutz
Betriebswirte und Sozialpädagogen –
alles in einem sein! Unmöglich!
Überdies ist Tierschutz in der Bundesrepublik Deutschland Staatsziel – und
damit eigentlich eine hoheitliche Aufgabe. Politik und Gesellschaft machen
es sich bisher bequem und drücken
diese Mammutaufgabe komplett ins
Ehrenamt ab. Für die Tierschützer resultiert daraus ganz logisch die vollständige Überforderung. Und aus dieser
dramatischen Situation der kompletten Überforderung heraus erklären sich
auch viele Reaktionen, welche die Diskussionen und Auseinandersetzungen
unter den Tierschützern so emotional
bis bösartig gestalten.
Zum Verständnis:„Hoheitliche Aufgaben sind solche Aufgaben, deren Erfüllung dem Staat oder anderen untergeordneten öffentlichen Ebenen kraft
öffentlichen Rechts obliegen. Sie werden durch unmittelbare (Bundes- und
Landesbehörden) und mittelbare Staatsverwaltung (Kommunen, berufsständische und sonstige Körperschaften sowie
Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, ferner auch beliehene Private) erfüllt“ (Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/ Hoheitliche_Aufgabe ).
Da gehört Tierschutz im 21. Jahrhundert hin! Dafür sollten sich Tierschützer und Tierfreunde einsetzen! Das ist
eine wichtige Forderung an Politik und
Gesellschaft. Die hier formulierten Leitorientierungen wie Kontrolle, Transparenz, Rationalität, Ethik, Professionalität können nur die Krücken auf dem
weiten Weg zu diesem langfristigen
Ziel sein. Tierschutz muss auf den wichtigsten Ebenen – Fundtierverwaltung,
Unterbringung, Vermittlung etc. – zu
einer hoheitlichen Aufgabe werden.
Damit verknüpft sein müssen dann
auch entsprechende Ausbildungs- und
Studienangebote, um professionelle
Mitarbeiter für alle tierschutzrelevanten Bereiche zur Verfügung zu stellen.
Wenn die breite gesellschaftliche Bewegung Tierschutz den Skandal Zarenhof zum Anlass nimmt, nach der kompletten Aufarbeitung des Falles selbst
sich konstruktiv der Zukunft zuzuwenden, über die strukturelle Veränderung
zu diskutieren und sie dort zu gestalten, wo sie jetzt schon möglich ist,
dann ist für den Tierschutz selbst und
die von ihm betreuten Tiere tatsächlich
etwas gewonnen. Nur dann haben die
70 Hunde auf dem Zarenhof nicht umsonst gelitten – die toten inklusive!
Autor: Karin Burger
www.doggennetz.de
„Zarenhof“-Hund gefunden!
Weitere unter:
Verstorbene „Zarenhof“-Hunde.
Weitere unter www.derzarenhofinfo.com/zarenhofhunde/verstorbene-hunde/
Pongo ist tot, nachdem er unbehandelt in einem Gäste-WC wohnen
musste. Siehe Zeugenbericht Frau S.Teil
IX! Todesursache:Angeblich hat ihn
Frau K. eingeschläfert.
Souchy wurde am 26.09.2010 eingeschläfert.Todesursache: In einem zugewachsenen Zwinger wurde sie einfach
vergessen. Sie ist bis auf die Knochen
abgemagert gewesen!
http://www.derzarenhofinfo.com/zarenhofhunde/hund-gefunden/
Maighdlin heißt heute Maddie und
ist ein sehr zufriedener und glücklicher
Hund.
Kontakt zur Endstelle besteht!
>>> happy end!
1 / 2011 • der absolut-hund report
29
Tierschutz
Animal Hoarding – eiskalte
Tierquälerei, falsche Selbsteinschätzung,
Krankheit?
Hunde einer Animal Hoarderin – Fotos: aktion tier – menschen für tiere e.V., www.aktiontier.org
Die am häufigsten davon betroffenen Tierarten sind Hunde und Katzen, aber auch Pferde
und immer wieder Kleintiere, Vögel. Gekennzeichnet ist die Situation dadurch, dass der
Lebensraum total verdreckt ist, auch die Betten der Hoarder sind oft nicht davon verschont.
Die Tiere sind in einem zunehmend
verwahrlosten Zustand, krank und es
finden sich zumeist auch verendete
Tiere darunter. Ihre Halter sind schon
lange mit der Minimal-Versorgung,
geschweige denn einer artgerechten
Tierhaltung, überfordert. Auch medizinisch werden die Tiere nicht mehr hinreichend betreut. Trotzdem werden
immer mehr Tiere aufgenommen, da
der Halter in der Regel nicht mehr in
der Lage ist zu erkennen, wie schlecht
es den Tieren bei ihm geht. Andererseits ist er jedoch fest davon überzeugt,
dass nur er in der Lage sei, diesen Tieren
ein gutes Leben zu bieten. Er leidet offensichtlich unter einem Realitätsverlust. Durch die zunehmende Verwahrlosung des Wohnobjektes isolieren sich
diese Menschen immer mehr von ihrer
Umwelt, wodurch es schwer wird, rechtzeitig helfend einzugreifen. Auch die
30
der absolut-hund report • 1 / 2011
eigene Gesundheit wird immer mehr
vernachlässigt. Die davon betroffenen
Menschen leiden in der Regel unter
einem psychischen und sozialen Defizit. Frauen sind überdurchschnittlich
häufiger davon betroffen als Männer,
knapp die Hälfte der Hoarder ist über
55 – 60 Jahre alt. Die Anzahl der Tiere
schwankt zwischen durchschnittlich
40 bis 100 Tieren. Von diesem Phänomen sind alle Gesellschaftsschichten
betroffen. Die Rückfallwahrscheinlichkeit ohne eine gute Langzeittherapie
liegt bei nahezu 100 % und Animal
Hoarding wird meist von verschiedenen körperlichen und psychischen
Symptomen begleitet bzw. ausgelöst.
Obwohl Animal Hoarding inzwischen
zu einem wichtigen Problem geworden
ist (es sind durchaus nicht mehr nur
vereinzelte Fälle die bekannt werden),
ist es bei uns, anders als z.B. in den
USA noch nicht als eigenständiges
Krankheitsbild anerkannt. Inzwischen
ist es, laut Herrn Marius Tünte von der
Pressestelle des Deutschen Tierschutzbund e.V., zur Gründung einer interdisziplinären Arbeitsgruppe mit dem Ziel
der Erforschung dieses Phänomens
gekommen. Auch eine Dissertation zu
diesem Thema sei in Arbeit. Aber bis
zu einer Anerkennung als Krankheit
und somit zur Entwicklung einer wirksamen Therapie, wäre es noch ein langer Weg.
Die verschiedenen Typen
von Animal Hoardern
Es wird hauptsächlich zwischen vier
Typen von Animal Hoardern unterschieden: Diese sind der übertriebene Pfleger, der Retter/Befreier, der Ausbeuter
und der Züchtertyp. Darüberhinaus
gibt es natürlich noch den Animal Hoarder im Anfangsstadium.
Der übertriebene Pfleger beginnt mit
durchaus positiven Motiven. Er versucht
wirklich, sich um die Tiere zu kümmern,
was ihm aber schließlich über den Kopf
wächst. Er ist nicht in der Lage, eine
effektive Lösung für sein Problem zu
entwickeln. Obwohl er die Probleme
nicht gänzlich leugnet, spielt er sie
doch als nicht so schlimm herunter.
Die Tiere werden häufig sehr vermenschlicht und haben einen entsprechend
hohen Stellenwert. Das Anwachsen
des Bestandes findet hier eher passiv
statt, da die Tiere sich unkontrolliert
vermehren. Eine Trennung nach Geschlecht ist auf Grund der Örtlichkeiten nicht immer möglich und oft auch
Hundehexe
Inhaberin Janine Bengs
Therapie von Fehl- und
Problemverhalten
Mobil: 0176/238 342 24
10967 Berlin
E-Mail:
[email protected]
www.hundehexe.de
Einige Animal Hoarder („Tier-Messis“) sehen sich als Retter und Befreier der Tiere
und zeigen eine hohe Sammeltendenz – Foto: aktion tier – menschen für tiere e.V.,
www.aktiontier.org
nicht gewollt. Genauso wenig findet
eine Kastration der Tiere statt. Bei diesem Typ Animal Hoarder besteht die
größte Chance auf einen umfassenden
und nachhaltigen Therapieerfolg.
Als nächstes wäre der Retter, Befreier
zu nennen. Für ihn ist es nahezu eine
Berufung, Tiere aufzunehmen. Unter
eigener Todesangst leidend lehnt er die
Tötung von Tieren strickt ab. Er glaubt
allen Ernstes, dass er der Einzige ist,
der in der Lage ist, den Tieren ein gutes
Leben zu bieten und hat eine hohe Sammeltendenz. Zwangsläufig überschreitet die Anzahl der Tiere irgendwann
die Möglichkeit, diese ausreichend zu
versorgen, weder mit medizinischen
Behandlungen noch mit Futter. Trotzdem kann er kein Tier ablehnen. Er ist
durchaus nicht sozial isoliert, meidet
aber Autoritäten und hält sich nicht an
ihm gegebene Anweisungen und
Auflagen.
Der problematischste Typ unter den
Animal Hoardern ist der Ausbeuter. Bei
ihm geschieht die Anschaffung der
Tiere ausschließlich zum Selbstzweck.
Einsicht in die Situation ist in keinster
Weise vorhanden. Er ist narzisstisch
und völlig ohne Schuldbewusstsein,
ein aktiver Tiersammler. Er kann sich
meist gut darstellen und hat auch keine Probleme, das wahre Ausmaß des
Problems vor den Behörden zu verschleiern, bis die Situation völlig aus
dem Ruder läuft oder durch einen Zufall herauskommt.
Dann gibt es noch den Züchter-Typ.
Dieser beginnt zunächst mit der Zucht
von Tieren für Ausstellungen und für
den Verkauf. Mit der Zeit wächst die
Tiergruppe, vielleicht, weil sich nicht
genug Abnehmer für die Tiere finden,
Tiere zurückkommen, oder kein Käufer
es wert ist, eines seiner Tiere zu bekommen.
Allen voran steht der beginnende Hoarder. Die typischen Kennzeichen des
Hoardings beginnen sich zu zeigen,
aber die Tiere und Haltungsbedingungen sind noch in einem tolerablen bis
grenzwertigen Zustand. Sinnig wäre
es, wenn in diesem Stadium eingegriffen werden könnte, aber solange die
1 / 2011 • der absolut-hund report
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Tierschutz
PRO CANE
mobile hundeschule osthessen
Hundeverhaltenstherapie • Seminare für Hundehalter
Straf- und gewaltfreie Hundeerziehung
wwww.hundeschule-osthessen.de
Tiere noch nicht offensichtlich leiden,
sind den verantwortlichen Behörden
die Hände gebunden.
Den verschiedenen Typen von Animal
Hoardern sind bestimmte Rechtfertigungsstrategien gemein, zum einen
die Strategie der Rechtfertigung (Ablehnung) und der Entschuldigung. Sie
rechtfertigen sich z.B. damit, dass die
Tiere doch völlig in Ordnung seien, was
einer objektiven Betrachtung natürlich
nicht standhalten würde. Strenger Geruch aus der Wohnung wird mit dem
„normalen“ Revier-Markier-Verhalten
begründet. Auch wird sich darauf verlegt, dass man ja schließlich die Tiere
vor dem sicheren Tode rette und dass
ja alles bei ihnen in Ordnung, alle Anschuldigen nur Schikane der Behörden
seien.
Die Hoarder, die sich entschuldigen,
geben ihr Problem zwar im Ansatz zu,
lehnen die Verantwortung dafür aber
völlig ab. Jeder würde wohl in dieser
Situation mit den gleichen Problemen
zu kämpfen haben und er würde die
Tiere so sehr lieben, dass er sie unmöglich abgeben könne. Irgendwer müsse
ja schließlich die ganzen armen Tiere
aufnehmen, die von anderen entsorgt
werden. Wenn sich jemand anders
kümmern würde, bräuchte er ja nicht.
32
der absolut-hund report • 1 / 2011
Plötzlich auftretende Krankheiten hätten dazu geführt, dass man die Tiere
nicht mehr anständig versorgen konnte
und was kann er (der Hoarder) denn
dazu, wenn der Futterlieferant das bestellte Futter nicht liefere. Und der Zustand der Wohnung wird damit erklärt,
dass die Tiere in Abwesenheit des Halters ausnahmsweise die Wohnung in
Unordnung gebracht hätten, kann ja
schließlich jedem passieren.
Der Animal Hoarder ist darauf angewiesen, sich eine feste Strategie zur Darstellung des Problems zurecht zu legen,
von der er nicht abweichen darf, ohne
sein System ins Wanken zu bringen.
Nur so kann er die Illusion aufrechterhalten, dass alles ja völlig in Ordnung
ist. Er kann sich nur darüber identifizieren, dass die Tiere einen sehr hohen
Stellenwert für ihn haben. Sie stellen
für ihn mitunter den völligen Ersatz jeglicher menschlicher Bezugspersonen
dar, so dass der Verlust eine unerträgliche Situation für ihn darstellen würde.
Hier ist es besonders wichtig, dass zuständige Behörden die Logik des Hoarders verstehen, um entsprechend handeln zu können. Ihnen muss unbedingt
klar sein, was von dem Gedankenkonstrukt der Animal Hoarder tatsächlich
glaubhaft ist und was nur der Aufrechterhaltung seiner Situation dient.
Wie sieht nun die Darstellung des Animal Hoarding in
den Medien aus?
Hier geht es, wie in vielen anderen Bereichen auch, in erster Linie eher um
Sensations-Schlagzeilen als um sachliche Berichterstattung. Daher wird auf
die emotionale Wirkung auf den Leser
gesetzt, was es unmöglich macht, ein
korrektes Bild des Problems zu zeichnen.
Immer wieder gibt es sensationelle Berichte, die zumeist mit der Entdeckung
der Situation, der großen Anzahl der
leidenden Tiere und nicht zuletzt dramatischen Rettung der Opfer beginnen.
Mit der Darstellung der katastrophalen
Lebensbedingungen des Hoarders
werden das Entsetzen, die Empörung
und der Ekel der Leser geschürt. Die
Empörung rührt nicht zuletzt daher,
dass es sich bei den Hoardern häufig
um eigentlich intelligente Menschen
handelt. Das Problem zieht sich, wie
oben schon erwähnt, durch alle Gesellschaftsschichten. Akademiker können
davon genauso betroffen sein, wie einfache Leute. Teilweise geht die Berichterstattung auch in die Richtung, Sympathie für den Hoarder zu vermitteln,
ein Bild von einem rechtschaffenen,
netten Menschen mit hehren Motiven
zu zeichnen, dem die Dinge ein wenig
aus dem Ruder gelaufen sind. Häufig
schwingt auch ein gewisser Humor
mit, wie es die Leute geschafft haben,
die Behörden jahrelang auszutricksen
und hinters Licht zu führen.
All diese Dinge sind nicht geeignet, ein
objektives Bild des Problems darzustellen. Eher wird das Problem durch eine
Darstellung verharmlost, die so sensationell aufbereitet ist, dass es schon
Tierschutz
Handelns an neuem Wohnort erschwert
oder im günstigsten Fall unmöglich
macht.
Befreiungsaktion der Hunde im Animal-Hoarder-Fall in Liebenwalde. Grundsätzlich
bräuchten Behörden mehr Möglichkeiten, bei Verdacht zeitnah eingreifen zu können – Foto: aktion tier – menschen für tiere e.V., www.aktiontier.org
fast nicht mehr wahr sein kann und dadurch unglaubwürdig wird. Auf der anderen Seite wird vieles ins Lächerliche
gezogen oder verharmlost dargestellt,
indem z.B. der Fokus hauptsächlich
darauf gerichtet wird, wie dumm der
Animal Hoarder die Behörden hat aussehen lassen. Eine wirkliche Sensibilisierung für das Problem kann so leider
nicht stattfinden.
Was folgt daraus?
Für eine effektive Lösung der jeweiligen
Situation wäre auf jeden Fall schnelles
Handeln von großer Wichtigkeit. Veterinär-Ämter erteilen oft jahrelang Auflagen, erteilen Anweisungen, den Bestand zu verringern und ähnliche Dinge,
die vom Hoarder immer wieder umgangen werden können. Im Falle von
Tierhaltungsverboten wird oft einfach
in den Nachbarbezirk umgesiedelt
und von vorne angefangen. Hier wäre
eine wesentlich bessere Vernetzung
der Ämter untereinander nötig. Ohne
Therapien werden alle Initiativen der
Ämter ins Leere laufen. Auch wäre hier
eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Tierwissenschaftlern,
Humanwissenschaftlern und Juristen
zum Wohl von Mensch und somit auch
Tier wünschenswert. Leider wird immer
noch unterschätzt, dass es sich hier
um eine wirklich ernstzunehmende
Krankheit handelt, die unbedingt professionell behandelt werden muss. Die
Anerkennung von Animal Hoarding
als Krankheit und auch entsprechende
Weiterbildung von Amtstierärzten,
psychologischen Diensten, Behörden
und Gesundheitsämtern ist dringend
erforderlich. Daraus sollte sich ein Netzwerk entwickeln, in welchem ein Informationsfluss stattfindet, der einem
Animal Hoarder die Fortsetzung seines
Als Maßnahmen zur Prävention, damit
es erst gar nicht zu solch schlimmen
Zuständen, wie sie häufig durch die
Presse gehen, kommen muss, wäre es
nötig, Anzeichen aufzuzeigen, an welchen man Animal Hoarding schon im
Anfangsstadium erkennen kann. Außerdem bräuchten die Behörden mehr
Möglichkeiten, schon beim geringsten
Verdacht auf Animal Hoarding eingreifen zu können. Ermittlungen müssten
zügig vorangetrieben werden und
dann auch zeitnah nötige Entscheidungen getroffen werden. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest an diesem Punkt
durch die jüngsten Ereignisse auf dem
Anwesen der TV-Moderatorin Sonja
Zietlow in der Eifel, welches durch die
Art der Tierhaltung einer ehemals in
Fernsehen und Tierschutzkreisen beund anerkannten Tierschützerin, verwüstet wurde, hier ein Schritt in die
richtige Richtung eingeleitet wurde.
Frau Zietlow hatte, nachdem die Zustände auf dem„Zarenhof“ genannten
Anwesen bekannt wurden, ihre Popularität dazu genutzt, die Aufklärung
dieses Geschehens, bei welchem man
durchaus auch von einer Form des Animal Hoardings ausgehen kann, voranzutreiben und Druck auf die zuständigen Behörden auszuüben.
Autor: Antje Henze
www.passion4dogs.de
Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.
Bildquellen:
aktion tier – menschen für tiere e.V.,
Weitere Informationen unter:
www.aktiontier.org
1 / 2011 • der absolut-hund report
33
Tierschutz
Alle Fotos dieses Artikels: I. Gorski-Grobe
Kastrationsprojekt
mit Tarek El-Kashef
Mit freundlicher
Genehmigung von
Frau I. Gorski-Grobe
Mein Trip auf das Eiland Hispaniola begann schon am Abflughafen in Düsseldorf mit einem unsicheren Gefühl: Würden die acht Kilogramm Atemkalk, die
in meinem Koffer bei jeder Bewegung
laut raschelten, die Reise unbeschadet,
und vor allem vom Zoll unentdeckt,
34
der absolut-hund report • 1 / 2011
überstehen? Denn es war klar, würde
meine Fracht im Koffer auffliegen,
dann würde auch das gut verschnürte
Paket mit zehn Flaschen Antibiotika
und diversen Antiparasitika den deutschen oder den dominikanischen Behörden ins Auge fallen. Umso mehr fiel
mir ein Stein vom Herzen, als ich nach
Ankunft am Flughafen Puerto Plata inmitten einer Atmosphäre von lächelnden, schönen Dominikanern, untermalt
von Merengue und Salsa, mit Sack und
Pack durchgewunken wurde.
Tierschutz
Der erste Schritt in das Projekt war getan. Es war heiß, insbesondere, da ich
Deutschland bei null Grad Celsius im
November verlassen hatte, und mir hier
die Sonne mit 25 Grad ins Gesicht
lachte. Kaum aus der Flughafenhalle
rausgetreten, wurde ich auch schon
herzlich mit einem„holla“ von Jeanette
in Arm begrüßt, da wusste ich, richtige
Entscheidung! Jeanette, eine Britin,
immer lachend und gute Laune versprühend, war vor einigen Jahren mit
ihrem Mann David ausgewandert, bauten hier ein Haus, und nun arbeitete sie
als„volunteer“ in Judy´s Petlounge, wo
sie die Buchhaltung und P.R. erledigt.
Ich würde noch weitere„volunteers“
mit einem sehr ähnlichen Hintergrund
besonders aus Kanada und England,
aber auch aus Holland und Deutschland kennenlernen.
Zunächst fuhren wir mit Jeanettes Jeep
zum Büro von AAASosua, Asociacón de
amigos por los animales de Sosúa.
Judy, immer in Action
Die Leiterin, Judy, kam 1996 nach Sosua,
um als Tierarzthelferin für einen amerikanischen Tierarzt zu arbeiten. Mit der
Zeit wandte sie sich jedoch Tieren zu,
deren medizinische Versorgung nicht
sichergestellt werden konnte, und gründete mit Kathryn Neal eine Stiftung zu
deren Schutz. Nach deren Tod, führt
Judy die AAASosua alleine fort. Sie
denkt und spricht schnell, so dass sogar andere Amerikaner manchmal Probleme haben, ihr zu folgen. Kaum angekommen in der AAASosua, wurde
ich gleich von einer deutschen Besucherin, die einen Fundhund zur Kastration abgeben wollte, zum Barbecue
eingeladen. Diese Dame, eine ehemalige Übersetzerin für die EU, lebt mit
ihrem amerikanischen Ehemann, einem
Architekten, auf der Seahorse Ranch,
einer sogenannten guarded area. Der
von ihr am Strand gefundene Hund
war ein Streuner. In der Dominikanischen Republik gibt es zwei Arten von
Hunden, Beachdogs und Streetdogs.
Die Hunde fühlen sich häufig in Ihrer
Umgebung wohl, sie leben häufig solitär oder in kleinen Gruppen und sind
gegenüber Passanten, egal ob Dominikaner oder Ausländer, sehr offen. Woraus man schließen kann, dass die Tiere
gut behandelt werden. Jedoch gehört
es zur Tagesordnung, dass Hunde immer wieder vergiftet werden, Krankheiten zum Opfer fallen, und nicht zuletzt durch Welpenreichtum für ihre
eigene Dezimierung sorgen.
Nach kurzem„Hallo“ und Vorstellung
der Praxis, die erstaunlich gut eingerichtet ist, zwei Inhalationsnarkosegeräte, zwei OP- Tische, Autoklaven, etc.
stehen zur Verfügung, bekam ich meinen ersten Einsatz mitgeteilt: Am nächsten Tag sollte ich nach Santiago fahren,
der zweitgrößten Stadt der DR. Dort
Judy, die Leiterin der Stiftung „Freunde
der Tiere von Sosùa“ (AAASosua)
hatte eine befreundete dominikanische Tierärztin, Giselle, mindestens 80
Hunde und 150 Katzen aufgenommen,
die ein deutsches Ehepaar, welches das
Land Hals-über-Kopf verlassen musste,
zurückgelassen hatte. Bemerkenswert
hierbei ist, dass das ehemals wohlhabende Ehepaar, aus den Staaten einreisend mehrfache mittels eines Privatjets
streunende Katzen aus Delaware, U.S.,
hatte einfliegen lassen. Da die Flucht
kopfüber geschah, mussten diese Tiere
schnellstens aufgenommen werden,
da sie ansonsten sich selbst überlassen
worden wären, was für die große Mehrheit vermutlich den Tod bedeutet hätte.
Da der Vater von Giselle eine Hühnerfarm am Stadtrand von Santiago betreibt, wurden dort freie Stallungen
genutzt, um die Hunde unterzubringen. Der mehrmalige Transport mittels
LKW für die circa 80 Kilometer lange
Strecke, sowie die gesamten Kosten
für Kastrationen und anfallende Futterkosten, zum Teil medizinische Betreuung, muss von Giselle und der AAASosua
getragen werden. Zusätzlich stellt der
Vater von Giselle täglich Personal ab,
das die Tiere versorgt, die Unterkünfte
reinigt, etc. Nach der kurzen Einführung
in der Praxis nahm mich Jeanette mit
zu sich nach Hause, wo ich ihren Mann
David kennenlernte. Ich hatte ein nettes Zimmer mit Blick auf Bananenstauden und umherlaufenden Hühnern,
und wurde von dem Ehepaar, welches
trotz ihrer Herzlichkeit stets auch Privatsphäre bot, mit einem Abendessen
empfangen.
Am nächsten Morgen fuhren Judy und
Francin, ein holländischer volunteer,
die auch im größten Chaos Ruhe und
Ordnung verbreiten konnte, zusammen mit zwei Mitarbeitern einer ame1 / 2011 • der absolut-hund report
35
Tierschutz
rikanischen Tierschutzorganisation
nach Santiago. Mir fiel dabei zum ersten
Mal auf, dass die Organisationen vor
Ort auch zusammenarbeiten. Wenn
Geld oder Medikamente, natürlich immer im Mangel, oder Unterkünfte gebraucht werden, versucht man sich gegenseitige bestmöglich zu helfen. So
auch bei unserem anstehenden Einsatz in Santiago, während dem die von
Giselle aufgenommenen Tiere behandelt und kastriert werden sollten. Da
Giselle außerdem Parasitologie und
Labortierkunde an der Uni in Santiago
lehrt, waren für meinen dortigen Einsatz auch täglich Studenten angekündigt, die praxisorientiert die Arbeit
unterstützen wollten.
Angekommen in der Hacienda Urbana,
der Praxis von Giselle, die gleichzeitig
auch ein Tiersalon und eine Tierpension
ist, warteten schon die ersten Hunde
auf ihre Kastration. Auch hier wurden
wir sehr freundlich empfangen. Was
mir besonders gefiel, war, dass ich zu
keinem Zeit das Gefühl hatte, dass Einheimische sich nicht um das Wohl ihrer
Tiere kümmerten, oder dass jetzt der
tolle Tierarzt aus Deutschland kommen
musste, der den Leuten erst einmal
zeigen würde, wie man Tiere behandelt.
Viel mehr profitierten beide Seiten von
einem großen Wissenspool.
Das Konzept des Aufbaus der Kastrationsstätte in Giselles Hinterhof, vergleichbar einem Feldlazarett, hatten
wir in verschiedene Stationen eingeteilt: 1. OP-Vorbereitung, 2. OP-Tisch
mit mobiler Gasinhalationsnarkose
und 3. OP-Nachsorge. Jeder Bereich
wurde abwechselnd mit volunteers
und Studenten besetzt, die in ihre Stationen eingewiesen, verschiedene Aufgaben übernahmen. Hier muss ich die
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Santiago: Studenten und Volontäre
unterstützen die Arbeit in der Kastrationsstätte der dominikanischen Tierärztin Giselle
einzige Kritik äußern, die ich während
meines Aufenthalts hatte. Es ist in jedem
Land schwierig, die studentische Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dabei
vor allem das nötige Verantwortungsbewusstsein zu vermitteln, zum Beispiel dass die saubere Vorbereitung
des Patienten, das Scheren, die exakte
Medikation, die Narkoseüberwachung,
Protokollierung, etc. mindestens genauso wichtig sind, wie die Operation an
sich. Da natürlich fast jeder Student
selbstständig operieren will, war es
manchmal für mich schwierig die Studenten auf ihre Arbeit zu fokussieren.
Natürlich musste ich auch in einigen
Momenten Kompromisse mit meiner
Einstellung akzeptieren. Insbesondere
hatte ich in meiner Unilaufbahn nur in
Zeiten von Praktika OPs aktiv begleitet
und durfte erst in den oberen Semestern, nachdem ich mich bei Vorarbeiten
bewiesen hatte, handwerkliche Griffe
tätigen. Hier führten sogar Studenten
unterer Semester nach kurzer Einführung OPs aus, obwohl ihnen kaum die
Anatomie, insbesondere aber zumindest aber weder OP-Technik noch Pharmakologie bekannt waren. Natürlich
war mir auch das Kupieren der Schwänze von circa vier bis fünf Wochen alten
Rottweiler-Welpen ein Greuel. Dennoch ist dies kein Manko des Tierschutzgedankens in der DR, denn auch in
Deutschland habe ich gleiche Probleme gesehen. Das versöhnliche an dieser Situation war, dass ich mit den Leu-
Tierschutz
Die von einem deutschen Ehepaar in Santiago zurückgelassenen Hunde wurden mit einfachsten Mitteln am Leben erhalten.
Giselle und ihre Helfer kastrierten und behandelten mindestens 80 Hunde
ten im Gespräch meine Einstellung
offen darstellen konnte, ohne dass
sich jemand verletzt gefühlt hätte.
Mein ursprünglich für zwei Tage geplanter Einsatz in Santiago, während
dessen ich bei Giselles offener und gastfreundlicher Familie wohnte, die mich
großzügig umsorgte, wurde spontan
um zwei Tage verlängert, da Giselle
nach zwei Tagen in die U.S.A. aufbrach,
um Spenden für ihre Mission aufzubringen. Da wir keine ausreichende Beleuchtung in unserem provisorischen Lazarett hatten, mussten wir unsere Arbeit
täglich gegen 17 Uhr einstellen. Deshalb fuhr ich an zwei Abenden mit
Giselles Eltern zu deren Farm, um mir
dort ein Bild von den Zuständen der
Hunde machen zu können, die von dem
deutschen Ehepaar zurückgelassen
worden waren. Im Dunkel der Nacht
fuhren wir auf das Gelände, zunächst
sah ich riesige Freilufthühnerställe mit
Bodenhaltung. Schon von weitem hörte ich Hunde bellen. Wir waren mit dem
Truck von Giselles Eltern unterwegs,
auf der Ladefläche hatten wir fünf Hunde, die wir in den Tagen zuvor kastriert
hatten.
Einer der Hunde hustete zwischendurch immer wieder, bis zu meiner Abreise war für mich nicht klar, ob sich
hier eine Staupe anbahnte, was fatale
Folgen für den Bestand haben könnte.
Im hinteren Teil der Farm befanden
sich also ungenutzte Ställe, in den gemauerte Verliese benachbart angelegt
waren, alle waren durch eine gemeinsame Rinne miteinander verbunden,
Schnauze Berlin
Inhaberhin Dörte Wilfroth
13088 Berlin
E-Mail: info(at)schnauze-berlin.de
Mobil: 0173 / 561 26 61
über die ständig Wasser lief. Sollten die
Hunde nun daraus trinken, würden
diejenigen am Ende des Gebäudes natürlich unter Umständen auch Verunreinigungen durch Harn, Kot, etc. der
vorherigen Ställe aufnehmen. Die Ställe an sich waren erstaunlich sauber,
auch wenn faustgroße Kakerlaken
aufgeschreckt umherliefen, sobald ich
in der totalen Dunkelheit eine Lampe
anmachte oder ein Foto schoss. In jedem der Ställe fanden sich zwischen
einem und drei Hunden, die teilweise
neugierig die Köpfe durch die Gitter
streckten, sich teilweise auch in die
Beratung zu Erziehungsfragen
Therapie von Fehl-/Problemverhalten
Welpenförderung
Mantrailing-Seminare
www.schnauze-berlin.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
37
Tierschutz
letzte Ecke zurückdrängten, sobald
ich an ihrer Tür erschien.
Die Besuche auf der Hühnerfarm bewegten mich sehr tief, denn obgleich
hier versucht wurde, mit einfachsten
Mitteln die Tiere am Leben zu halten,
bis eine bessere Möglichkeit gefunden
worden war, befanden sich diese in
einem Zustand, der mich beschämte,
als mir klar wurde, mit welchen Problemen ich mich manchmal in Deutschland konfrontiert sehe. Mir wurde in
diesem Moment klar, dass diese Reise
nicht mit der Rückkehr nach Deutschland enden konnte, sondern dass ich,
dass wir als Tierärzte und Menschen
mit gesundem Verstand diese Tiere
nicht einfach ihrem Schicksal und den
Bemühungen von AAASosua und Giselle und ihrer Familie überlassen konnten. Ich dachte daran, dass es besser
wäre, aus tierschutzrechtlichen Gründen die Hunde, die entweder eine aufwendige Therapie benötigten oder
aufgrund einer Erkrankung oder beispielsweise einer Fraktur, die nicht ausreichend behandelt werden könnte,
was außerdem die Vermittlung an Besitzer oder die Rückkehr auf die Straße
wesentlich erschweren würde, mit humaneren Methoden eingeschläfert
werden sollten, als zum Beispiel mit
hochdosiertem Kaliumchlorid. Dadurch
würde sich für die Hunde mit weniger
oder keinem Leiden eine reelle Chance
bieten, in eine glücklichere Zukunft
entlassen zu werden, außerdem hätten die anderen Hunde zumindest die
Möglichkeit, in Würde gehen zu können. Mit diesen und anderen Gedanken
fuhr ich nach vier Tagen in Santiago
zurück nach Sosúa.
Nach einer Nacht in Judys Haus, die ich
nun endlich auch genauer kennenler-
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Die Patienten werden von den freiwilligen Helfern liebevoll versorgt
Frauen aus aller Herren Länder leisten in der AAASosua unbezahlte, aber wertvolle Arbeit
nen konnte, ging nun die Arbeit in Sosúa los. Hier fühlte ich mich nach den
ersten Tagen in den improvisierten Umständen wie in einer Hightec-Klinik, als
ich am ersten Morgen zusammen mit
Dr. Frank, der mehrmals jährlich seine
Praxis in Massachusetts vertreten ließ,
um mit seiner Frau Karen zusammen
an Judy´s Projekt teilzunehmen, unsere
ersten Patienten zu kastrieren. Mit
Frank war das Arbeiten leicht, profes-
sionell und mit großer Ruhe dirigierte
er die volunteers, arbeitete dabei schnell
und sauber, und die eine oder andere
Technik konnte ich mir bei ihm, der
schon wesentlich mehr Erfahrung als
ich als Assistent hatte, abgucken.
Judy hatte ihr Team aus Volontären
sehr gut im Griff. Besonders, wenn man
bedenkt, dass keine der Damen eine
Ausbildung als Tierarzthelfer oder Tier-
Tierschutz
pflegerin hatte. Die Volontäre waren in
aller Regel Frauen aus aller Herren Länder, die ohne Bezahlung halbtags die
Praxisarbeit unterstützten. Natürlich
wurde bei diesen Gelegenheiten auch
immer der neueste Tratsch getauscht
und so ging den Damen auch nie der
Gesprächsstoff aus, immer unter den
wachsamen Augen Judy´s, die dafür
sorgte, dass jeder seine Aufgaben mit
größtmöglicher Sorgfalt erledigte. In
Anbetracht der Umstände ist es erstaunlich, dass wir bei gut hundert Kastrationen in etwa zehn Tagen „nur“ zwei
Hunde verloren haben, wobei eine der
beiden Patienten durch eine Hernie
bedingt wahrscheinlich einen Gebärmuttervorfall durch die Bruchpforte
erlitten hatte, die nachfolgend wohl
schon Tage vor der chirurgischen Versorgung zu einer Pyometra geführt haben mochte.
ein 08/15-Pauschalurlaub aus dem Reisebüro das möglich machen könnte.
Täglich erhielt ich mehrere Angebote,
um Leute auf ihren Anwesen zu besuchen, während meines Aufenthalts
fand außerdem am Strand von Cabarete ein Jazzfestival statt, zu dem mich
volunteers mitnahmen, genauso wie
ein Surfcup, der am Strand von Cabarete
stattfand, ein in der Szene bekanntes
Surfermekka, dass mich ein wenig an
Del Mar in Kalifornien erinnerte. Dort
gibt es auch viele Kiteschulen.
Abgesehen von der fachlichen Exkursion in die DR, wollte ich natürlich auch
Land und Leute kennenlernen, da ich
mir aus dem persönlichen Antrieb, den
Schwerpunkt meiner Reise auf das Projekt zu legen, vorgenommen hatte,
nicht umherzureisen, habe ich die Städte Santiago und Sosúa sowie Cabarete
genauer gesehen. Dennoch muss ich
sagen, dass ich jede Stadt sicherlich
ganz anders kennenlernen konnte, als
Besonders an dieser Reise empfand
ich, ohne großen Aufwand mit vielen
Leuten von überall her in Kontakt kommen zu können und einen Blick in ihr
Leben zu bekommen, ohne Verpflichtungen eingehen zu müssen. Wenn ich
jedoch zurückgezogen meines eigenen
Weges gehen wollte, so war auch dies
kein Problem. Judy, die durch ihre Arbeit viele Leute in der Umgebung
kennt, hat viele Gönner, so war es mir
Zum Reiten kam ich leider nicht mehr,
unvergessen bleibt jedoch zum Beispiel die Einladung zum ThanksgivingDiner von Dr. Frank, seiner Frau Karen
und deren Vermietern Bruce und Cary,
deren Villa direkt am Meer der erste
Ort auf der Welt war, an dem ich gleichzeitig zwei Regenbögen sah.
ego-dog
Beratung/Training/Therapie
Inhaberin Ingrid Köcher
Heinestraße 18 • 91074 Herzogenaurach
Telefon: 0162-9661057
E-Mail: [email protected]
www.ego-dog.de
zum Beispiel freigestellt, in einem kleinen, sauberen Hotel direkt in Sosúa zu
wohnen, von wo ich an jedem Tag meiner dortigen Zeit meine allabendlichen
Erkundigungstouren durch Sosúa startete.
Sosúa ist eine Stadt, die auf Entertainment besonders von Männern ausgerichtet ist, daher war die Stadt für mich
zwar interessant, jedoch hielt ich mich
lieber in Cabarete auf, wo ich teils der
warmen Brandung des Atlantiks fröhnte,
teils durch die Hauptstraße schlenderte und mich an den vielen Surfshops
und dem entsprechenden Publikum
kaum satt sehen konnte.
Zwei Wochen gingen schnell vorbei,
trotz der Projektarbeit fühlte ich mich
erholt und zudem ein noch tieferes
Band zu meinem Beruf. Und zum Idealismus, der diesem anhaftet: gerne
möchte ich in die DR zurückreisen,
weitere Tiere behandeln, aber auch hier
in Deutschland weitere Kollegen und
Menschen ermutigen, den Aufrufen
von AAASosua und gleichen Organisationen zu folgen, um vor Ort ein Bewusstsein für unsere Mitgeschöpfe zu
entwickeln, was in Anbetracht der Umstände im Nachbarland Haiti, die menschenunwürdig sind, sicherlich nicht
einfach ist. Dennoch musste ich während meiner Reise in die DR öfters an
einen Satz Ghandis denken, der mir in
Deutschland trotz unserer Entwicklung
nicht immer so offensichtlich erscheint:
Die Entwicklungsstufe einer Gesellschaft offenbart sich am Umgang mit
ihren Tieren.
Mit freundlicher Genehmigung
von I. Gorski-Grobe
www.kreolischerhund.de/
Kastrationsprojekte.php
1 / 2011 • der absolut-hund report
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Rasseporträt
Der Kangal
Foto: iStockphoto
Der Ursprung dieser Rasse ist nicht so ganz einfach nachzuvollziehen, da er wohl sehr weit
zurückliegt und sich nach so langer Zeit naturgemäß ein ziemliches Gemisch aus Wahrheit,
Mythos und Kult entwickelt hat.
Geschichte
Es ist anzunehmen, dass der Kangal von
den Hunden abstammt, die in Zentralasien bzw. dem Zweistromland, also
der Gegend zwischen Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak und dem Osten
der Türkei, mit den Hirten lebten und
deren Herden bewachten. Grundlage
dieser Theorie ist allerdings die Richtigkeit der These aus der Haustierforschung,
dass der Ursprung der Schafzucht in
Mesopotamien liegt. Leider gibt es,
wie von den meisten Hirtenhunden,
keinerlei schriftliche Hinweise aus der
40
der absolut-hund report • 1 / 2011
Ursprungszeit dieser Rasse, waren sie
doch zu jener Zeit neben den Jagdund Kriegshunden eher bedeutungslos.
Zur Betrachtung der Entstehung des
Kangal ist es interessant, sich die Geschichte der Türkei in solchen Zeiten
anzuschauen, als diese unter Besatzung
geriet, wie z.B. um 1200 v. Chr. durch
die Hethiter. Die Hethiter waren ein
kriegerisches Volk indo-europäischer
Abstammung, welches die Region der
heutigen Türkei, sowie Irak und Syrien
um circa 2000 v. Chr. eroberten und für
circa 1000 Jahren besetzt hielten. Die
Oberschicht dieses landwirtschaftlich
hoch entwickelten Volkes betrieb Pferdezucht, während das gemeine Volk
Schafzucht betrieb. Sie kontrollierten
regelmäßig die Handelswege ihres riesigen Reiches, wobei sie ihre Schafherden mit sich führten und dementsprechend auch Hunde zu deren Schutz.
Die Existenz dieser großen, dunkelfarbigen Hunde molossoiden Typs ist
durch archäologische Funde belegbar.
Die Situation Mittelanatoliens wurde
um 1900 v. Chr. durch ein weit verzweigtes Handelsnetz unter assyrischer Füh-
Rasseporträt
rung geprägt. Die Waren wurden mit
Eselskarawanen durch das Land transportiert, welche immer von großen
wehrhaften Hunden begleitet wurden.
So fand eine Verbreitung und Kreuzung
dieser Hunde bis hin nach Indien statt.
Über die Karawanen der Seidenstraße
wurden ebenfalls Tiere und auch Hunde
nach Anatolien gebracht. Da die heutige Kangal-Farbe eine bessere Tarnung
innerhalb der Herden darstellt, scheint
die Farbe von den großen dunklen
Hunden dahingehend verändert worden zu sein. Gräuliche, beige oder auch
weiße Fellfarbe kommt bei den meisten Hirtenhunden vor.
Immer wieder wechselten die Herrschaftsverhältnisse in Zentralasien.
Seit dem 7.Jh. fand der Islam in Zentralasien und vielen türkischen Stämmen
Verbreitung. Hier seien die Seldschuken
und einige turkmenische Stämme genannt, die in Kleinasien eindrangen.
977 kam es erstmals zu einer türkischislamischen Staatsgründung. In dieser
Zeit bildete sich zum Schutz des Handels ein weit verzweigtes Netz von Karawansereien und Gasthäusern und es
drangen Herdenschutzhunde Mittelasiatischen Typs in Anatolien ein, welche
weiteren Einfluss auf die Entstehung
der heutigen türkischen Hirtenhunde-
rassen nahmen. Mit der Zeit entwickelten sich daraus hauptsächlich zwei
Rassen in der Türkei, einmal der Akbash
(Weißkopf ), der hauptsächlich im Westen der Türkei Verbreitung fand und
der Kangal, der hauptsächlich im Osten
der Türkei lebte. Das mag auch mit
den unterschiedlichen klimatischen
Verhältnissen der Türkei zu tun haben,
Karabash so ab dem 16. Jh. auf. Dieser
Name bedeutet so viel wie„Schwarzkopf“. Im Osmanischen Reich hatte er
seinen festen Platz und war dort überall präsent. Die meisten dieser Hunde
hatten eine schwarze Maske oder einen
schwarzen Kopf. So wurden sie dann
auch über Jahrhunderte weiter gezüchtet und fanden unter anderem in den
„Scharfe Hunde von der Größe eines Esels.“ – So bezeichnete der Autor
H. Grüner die Hirtenhunde in seinen Reisebeschreibungen um 1950
Foto: www.kangal-dog.de
dass also der Kangal mit dem Klima im
Osten besser klar kam. Als einigermaßen gesicherte Rasse taucht der Kangal
unter seinem ursprünglichen Namen
alptraumhund • Inhaberin Petra Marx
Problemhundberaterin, Problemhundtherapeutin,
Gebrauchshundeausbilderin
45239 Essen • Mobil: 0160 / 855 502 5
E-Mail: [email protected]
www.alp-traumhund.de
Reisebeschreibungen des Autors H. Grüner um 1950 Erwähnung. Dieser bezeichnete sie als scharfe Hunde von der
Größe eines Esels. Hier sei erwähnt,
dass die Esel des Landes eher klein waren. Als interessantes Detail erwähnt er
auch die nach außen gerichteten Stachelhalsbänder, die diese Hunde zu
ihrem eigenen Schutz (z.B. gegen Wolfsangriffe auf die Herden) trugen. Aus
dieser Zeit stammt auch die Auffassung,
dass der Kangal ein Kämpfer sei, was
aber nicht den Tatsachen entspricht.
Grundsätzlich vermeidet er Auseinandersetzungen und versucht zunächst
Angreifer durch Drohgebärden zu vertreiben.
1 / 2011 • der absolut-hund report
41
Rasseporträt
Der heute noch gültige Rassestandard
dieser Hunde wurde vor circa 60 Jahren
durch die Familie Kangal festgeschrieben, die diese Hunde schon Jahrhunderte lang züchtete, wie auch viele andere Familien und Hirten. Hier entstand
der Name „Kangal“ für diese Rasse.
Allerdings gibt es auch noch einige andere Bezeichnungen: Kangal (geht auf
den Rassestandard der Familie Kangal
zurück), Karabash (heißt eigentlich
nichts anderes als Schwarzkopf), SivasKangal (Kangal aus der Region um
Sivas, wobei der Ursprung der Rasse
ausdrücklich nicht dort ist), Kars-Hund
(eine Rasse, die es gar nicht gibt, ist lediglich ein bestimmter Schlag des Kangals), Coban Copegi (beizeichnet genau
genommen jeden Hund, der an der
Herde arbeitet, wörtlich„Hund des Hirten“). Es ist immer der gleiche Hund
damit gemeint. Für völlige Verwirrung
allerdings sorgt die Bezeichnung„Anatolischer Hirtenhund“. Dazu aber im
Folgenden noch mehr.
Trotz fehlender internationaler Anerkennung werden in der Türkei neben
Bemühungen um den Standard auch
Zuchtprogramme aufgelegt, die aller-
42
der absolut-hund report • 1 / 2011
dings bei weitem nicht zu vergleichen
sind mit denen anderer Rassen in anderen Ländern. Hier seien hauptsächlich
die Orte Ankara, Ulas, Kangal und Konya
zu nennen, die sich mit Zuchtprogrammen hervor getan haben. Durch Exporte nach England und USA in den 60er
Jahren begann der Einzug des Kangals
in alle Kontinente. Im Oktober 1996
fand das erste internationale Symposium zum Türkischen Hirtenhund statt.
Hier waren sich die nationalen und internationalen Experten einig, dass es
nicht den Türkischen Hirtenhund gibt,
sondern mehrere Hirtenhunderassen,
von denen der Kangal eine eigenständige Rasse ist. 1999 gab es in Sivas das
erste große Kangal Festival. Der Kangal
ist heute zu einem folkloristischen Status aufgestiegen und es wurden ihm
sogar zwei Briefmarken gewidmet.
breit und massiv, zwischen den Behängen leicht abgerundet. Sein Hinterhauptbein ist gut ausgeprägt ohne hervorzutreten. Das Verhältnis Oberkopf –
Vorgesichtsschädel beträgt etwa 2:1.
Die Kopfhaut liegt gut an, wobei bei
Aufmerksamkeit Falten auftreten können. Der Stopp ist nur schwach ausgeprägt. Der Nasenrücken ist kürzer als
der Oberkopf vom Hinterhauptbein
bis zum Stopp. Die breite flache Stirn
wird durch eine leichte Furche scheinbar halbiert. Die Backenmuskulatur ist
stark entwickelt. Dadurch wirkt der
Schädel kantig, fast rechteckig, gerade.
Der Kangal hat einen gut ausgebildeten, schwarzen Nasenspiegel, ebenso
schwarze Lefzen. Die Oberlippe liegt
gut an, während die seitliche Belefzung
leicht hängend wirken kann. Die kräftig ausgebildeten Ober- und Unterkiefer weisen ein vollzahniges, regelmäßiges Scherengebiss auf. Die dunklen bis
bernsteinfarbenen Augen sind klein
und mandelförmig, gut eingebettet
und mit schwarzen Lidrändern eng
anschließend. Zum Jochbein hin weisen die Augenwinkel einen dunklen
Saum auf. Seitlich am Kopf angesetzt
Der Standard des Kangal
Der Kangal ist großrahmig und kräftig
gebaut. Er hat einen breiten und kräftigen Kopf. Sein Haarkleid ist dicht. Um
Begleiter der Herden sein zu können,
muss er trotz seiner Größe schnell und
ausdauernd sein. Sein Schädel ist groß,
Die breite, flache Stirn, der kantig wirkende Schädel und ein fast fließender
Stopp sind typische Merkmale des Kangals
Foto: www.kangal-dog.de
Rasseporträt
hat der Kangal ein V-förmiges Hängeohr, welches am Zipfel abgerundet ist.
Es liegt eng an. In der Türkei werden
bei aktiven Hirtenhunden auch heute
noch die Ohren kupiert, was aber außerhalb des Landes unerwünscht bzw.
verboten ist.
Der Kangal hat einen relativ kurzen,
stark bemuskelten Hals. Der Kragen
läuft zwischen den Schulterblättern
spitz aus. Große schwere Typen haben
eine Wamme. Er hat eine tiefe, mäßig
breite Brust. Der Brustkorb reicht bis zu
den Ellenbogengelenken und hat zu
den Flanken hin eine gut ansteigende
Begrenzungslinie. Die Rippen sind gut
gewölbt, wobei sie an den Seiten im
unteren Drittel etwas abflachen. Der
Körperbau ist muskulös, mit festem,
geradem und stark bemuskelten Rücken. Dabei hat er kein Gramm Fett zuviel. Der Widerrist ist leicht erhöht. Der
Rumpf ist passend zur Beinlänge. Die
Lendenpartie ist fest und kräftig und
oben leicht gewölbt. Von einem breiten
Rutenansatz hängt die Rute in Ruhestellung bis zum Sprunggelenk, wäh-
rend sie bei Erregung zusammengerollt über der Kruppe getragen wird,
wobei das Fell möglichst buschig wirkt.
Er hat muskulöse Schultern mit einem
in den Oberarm flach gewinkelten Schulterblatt. Von vorn wirkt es nahezu senkrecht. Die kräftigen Vorderläufe stehen
gut nebeneinander und münden in ein
kräftiges Vorderfußwurzelgelenk. Die
Gesamtlänge des Unterarms beträgt
mindestens die Hälfte der Widerristhöhe. Die kräftig bemuskelten Hinterläufe sind gut gewinkelt, wobei das
Hüftbein steiler gelagert ist. Schaut
man von hinten, stehen die Pfoten senkrecht unter den Hüftgelenken parallel
zueinander. Das Kniegelenk wirkt etwas
gestreckt. Die Unterschenkel sind kurz
und münden in ein kräftiges Sprunggelenk und einen massiven Mittelfuß.
Der Kangal hat kräftige, gut gewölbte
Katzen- oder Wolfspfoten. Die Krallen
sind kurz bis mittellang, hell oder
schwarz. Die Ballen sind elastisch. Eine
einfache oder doppelte Afterkralle ist
erlaubt. Die Vorderpfoten sind größer
als die Hinterpfoten. Der Kangal hat ei-
Der Körperbau des Kangals ist muskulös und kräftig, der Gang federnd und entspannt mit langsamen Bewegungen – Foto: www.kangal-dog.de
nen entspannten, federnden, kraftvollen Gang. Er bevorzugt langsame Bewegungen, die allerdings wenn nötig
in hohe Geschwindigkeiten übergehen
können. Dabei sollen sich die Gliedmaßen parallel und geradlinig bewegen
und die Rückenlinie auf einem Niveau
bleiben.
Der Kangal hat dunkle, dichte Unterwolle. Das Fell ist kurz und stockhaarig.
Am Kopf und an den Gliedmaßen liegen die Haare kurz und fest an. Bei gutem Pigment ist der Kangal einfarbig.
Die Palette reicht dabei von Sandfarben
über Beige bis Stahlgrau. Die Maske,
Brille und Behänge sind dunkel. An
Pfote, Brust und Kinn können weiße
Abzeichen auftreten. Dabei ist am Kinn
lediglich ein kleiner Stern erlaubt. Die
weißen Pfoten können bis zu den Unterarmen reichen. Die Abzeichen an
der Brust können von Stern über Blesse,
die in einem schmalen Streifen unter
der Brust weiterlaufen kann, auftreten.
Diese Blessen sind oft mit dunklem
Haar abgegrenzt. Die Rutenspitze ist
üblicherweise schwarz, häufig findet
sich noch ein schwarzer Fleck in der
Mitte der Rute. Das Gewicht beträgt
bei Rüden 49-64 kg, bei Hündinnen
40-59 kg, die Widerristhöhe bei Rüden
72-81 cm, bei Hündinnen 70-79 cm.
Rüde und Hündinnen sind deutlich
unterschiedlich gebaut.
Zum Ausschluss führen nicht ordentlich
abgestiegene Hoden (Kryptorchismus),
gesteigerte Aggressivität, merkliche
Scheu. Ebenso führen scheckige, gestreifte oder vielfarbige Zeichnungen
zum Ausschluss. Ein leberfarbener
oder schokoladenbrauner Nasenspiegel wird nicht geduldet. Außer bei in
der Türkei gezogenen Hunden dürfen
die Ohren nicht kupiert sein.
1 / 2011 • der absolut-hund report
43
Rasseporträt
Das Wesen
Das Wesen des Kangals ist im Standard
nicht explizit festgelegt. In einigen Bundesländern Deutschlands wird er als
Kategorie-2-Hund gelistet. Wenn man
sich aber mal seine Charaktereigenschaften betrachtet, wird man schnell
feststellen, dass er dort fehl am Platze
ist. Bedingt durch die Aufgabe, für die
er gezüchtet wurde und auch heute in
seinem Ursprungsland noch wird, besitzt der Kangal ein hohes Maß an Eigenständigkeit. In seinem Job trifft er
seine Entscheidungen selbst und
braucht kaum Anweisungen des Hirten.
In ihrer Heimat sind die Kangals eher
Nutzvieh als Hund mit Familienanschluss. Sie haben einen Job zu erfüllen
und müssen dazu bestimmte Voraussetzungen und Fähigkeiten mitbringen.
Da sie, wie schon erwähnt, sehr eigenständig arbeiten, müssen sie intelligent
und aufgrund der nicht immer optimalen Lebensbedingungen auch sehr anpassungsfähig sein. Menschliche Zuneigung erfahren sie bei den Hirten so
gut wie nicht. Durch die Lebensbedingungen sind die Kangals über die Jahrhunderte zu einer Rasse geworden,
die sich durch Härte, Selbstständigkeit
und Mut auszeichnet. Zwinger und
In der Türkei wird der Kangal als Nutzvieh angesehen und für sein eigenständiges
Arbeiten an den Schafherden geschätzt – Foto: www.kangal-dog.de
Zäune braucht der Kangal in seiner Heimat Anatolien nicht. Aggressives Verhalten Menschen, vor allem Kindern
gegenüber, wird nicht toleriert und der
Hund in der Regel getötet, wodurch
diese Hunde dann auch automatisch
nicht weiter verpaart werden. Die Kangals vermeiden es, sich untereinander
in die Quere zu kommen.
Bei sehr ausgeprägter Verteidigungsbereitschaft ist der Kangal trotzdem
ein ruhiger und ausgeglichener Hund,
der sich nicht zu vorschnellen Aktionen
hinreißen lässt. Sieht er Verteidigungs-
bedarf, greift er nicht unbedingt an,
sondern versucht, die „Feinde“ mit
Drohgebärden in die Flucht zu schlagen. Einen Kampf wird er möglichst
vermeiden, da er es sich schon aufgrund der ärmlichen Lebensbedingungen nicht leisten kann, durch unnötigen Kraft- und Körpereinsatz Energie
zu verschwenden. Diese Eigenschaften
machen ihn in unseren Breitengraden,
so er sorgfältig sozialisiert wurde, zu
einem angenehmen Familienhund, der
dabei alles schützt, was zur Familie gehört. Trotzdem gilt selbstverständlich
auch für den Kangal, ihn nie unbeauf-
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44
der absolut-hund report • 1 / 2011
Rasseporträt
sichtigt mit den Kindern allein zu lassen. Fremden gegenüber ist er reserviert bis neutral. An Besucher sollte
man ihn heranführen, ohne ihn zur Kontaktaufnahme zwingen zu wollen.
Alles in allem hat der Kangal eine sehr
hohe Reizschwelle. Ohne diese wäre er
gar nicht in der Lage, seinen Job, für
den er ursprünglich gezüchtet wurde,
auszuführen. Bei all seinen Fähigkeiten
ist er trotzdem ein sehr sensibler Hund,
was aber nicht im Gegensatz zu Mut
und Härte zu sehen ist.
Haltung
Der Kangal braucht den Kontakt zu seinen Menschen. Wenn man sich anschaut, für welch anspruchsvollen Job
der Kangal ursprünglich gezüchtet wurde, zeigt sich, dass er eine Aufgabe
braucht, um ausgelastet zu sein. Hier
bieten sich Aufgaben an, bei denen er
seine Nase einsetzen kann (Fährten,
Trailen, andere Sucharbeiten) und auch
Kopfarbeit. Da der Kangal von Haus
aus dazu neigt, sehr eigenständig zu
agieren, ist es wichtig, die Bindung zu
seinem Menschen zu fördern.
Will man ihm das Grundstück zur Verfügung stellen, muss man es gut absichern, also einen entsprechend hohen
Zaun ziehen, der auch tief genug eingegraben werden muss. Durch seine
ursprüngliche Lebensweise, in welcher
er sich beim Bewachen der Herde oft
selbst versorgen musste, bringt er einen ausgeprägten Jagdtrieb mit sich.
Deshalb heißt es, immer bereit zu sein,
Situationen vorausschauend zu erkennen um auf unerwünschte Aktionen
des Hundes rechtzeitig reagieren zu
können. In der Dämmerung und Nachts
steigt die Wachsamkeit des Kangals
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Entgegen vieler Aussagen ist es nicht
nötig, ihm Schafe oder Ziegen zum
Hüten zur Verfügung zu stellen. Wenn
man ihn im Welpenalter nicht an diese
Aufgabe heranführt, wird er das auch
später nicht brauchen.
Gemeinschaft finden kann. Diese muss
für ihn eindeutig sein. Mit übertriebener Härte wird man beim Kangal nicht
so sehr viel erreichen. Ganz im Gegenteil wird er, wenn man versucht, ihn
mit harten Methoden zu unterdrücken,
möglicherweise nach vorne gehen
(müssen). Was man bei ihm erreichen
will, erreicht man nur über eine durch
Stetigkeit und Konsequenz aufgebaute Vertrauensbasis.
Alles in allem ist der Kangal ein in sich
ruhender Hund, umgänglich mit den
zur Gemeinschaft gehörenden Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier. Doch
durch sein Gewicht und seine Größe
kann er im Umgang, gerade auch mit
Kindern, recht rau sein, was auch ohne
Absicht zu Verletzungen führen kann.
Von daher muss man sich immer wieder bewusst machen, dass der Kangal
kein sanfter Riese und vor allem kein
Kinderhund ist.
Eine Schutzhundausbildung für einen
Kangal ist auf keinen Fall ratsam. Dass
er sich notfalls unter Einsatz seiner Zähne verteidigen könnte, muss er nicht
erst lernen. Auch wenn er einer möglicherweise blutigen Auseinandersetzung
möglichst aus dem Weg geht, weiß er
im Ernstfall trotzdem seine Zähne zu
nutzen. Dies aber ist in unserer Gesellschaft nicht unbedingt erwünscht und
sollte lediglich in bestimmten Berufsgruppen Anwendung finden.
Erziehung
Da der Kangal schon ein höheres Maß
an Größe, Gewicht und auch körperlicher Kraft mit sich bringt, ist es sinnvoll,
möglichst schon dem Welpen beizubringen, dass er mit einem Menschen
anders umgehen muss, als z.B. mit seinen Wurfgeschwistern oder überhaupt
anderen Hunden. Damit sollte man
schon im Welpenalter anfangen, denn
an. So kann es sein, wenn man ihm
diesen Job überlässt, dass er häufig
und laut bellt, was natürlich zu Konflikten mit den Nachbarn führen kann.
Mit der„Erziehung“ des Kangals beginnt
man am besten gleich, wenn der Hund
sein neues Heim betritt. Egal ob ein
Welpe oder ein älterer Hund einzieht,
man sollte ihn sofort lernen lassen,
welche Regeln künftig für ihn gelten
sollen, damit er seine Stellung in der
1 / 2011 • der absolut-hund report
45
Rasseporträt
es wäre dem Hund gegenüber nicht
fair, ihm erst Dinge zu gestatten, die
man ihm dann später wieder abtrainieren muss. Dies führt beim Hund zu Verwirrung und ist nicht unbedingt gut
für die Vertrauensbasis zwischen Hund
und Halter.
Zucht in der Türkei
Trotz einer uralten Tradition der Hirtenhunderassen in der Türkei, gibt es dort
kein Zuchtwesen nach unseren Maßstäben.
Da der Kangal in der Türkei ein reines
„Arbeitstier“ ist, ist die Arbeitsfähigkeit
höchstes Ziel der Zucht. Optische Merkmale sind dabei nebensächlich. Der
Hund, der nicht als Arbeitshund taugt,
überlebt in der Türkei oft gar nicht
erst, da gerade die Hirten es sich nicht
leisten können, einen Hund durchzufüttern, der sich sein Futter nicht verdienen kann. Das würde rein ökonomisch
keinen Sinn machen. Die Hirtenhunde
der Türkei leben unter extrem harten
Bedingungen und sind extremen Klimawechseln ausgesetzt und das ohne
Premium-Futter aus dem Supermarkt
um die Ecke. Damit muss der Kangal
ohne warmen Platz am Herd klarkommen. Aufgrund dieser harten Bedingungen überleben viele Welpen die ersten Lebenswochen erst gar nicht, da
sich die Hirten vieles an medizinischer
Versorgung, die wir hier unseren Hunden angedeihen lassen (sollten), gar
nicht leisten können. Auch Tierschutz
in unserem Sinne gibt es in den kargen
Regionen nicht.
Da nahezu jeder Hirte eine eigene Auffassung darüber hat, wie sein Helfer
bei der Arbeit optimaler Weise aussehen sollte, gibt es im Ursprungsland
46
der absolut-hund report • 1 / 2011
des Kangals ein sehr variierendes Erscheinungsbild. Dies zeigt sich vor allem
in der Größe und der Felllänge. Viele
dieser Variationen würden bei uns schon
kaum noch als Kangal erkannt werden
oder von deutschen Richtern zumindest schlechte Bewertungen bis hin
zum Ausschluss aus der Zucht bekommen.
Auch die soziale Anpassung der Hunde
spielt eine sehr große Rolle, da dies für
Mensch und Hund in seiner Ursprungsregion überlebensnotwendig ist. Auch
wenn z.B. Hunde mit einer auffallend
guten Arbeitsfähigkeit häufiger verpaart werden (nie aufgrund der Optik)
ist das Problem der Inzucht als sehr gering einzuschätzen. Somit finden sich
hier auch nicht unbedingt Zuchtlinien
mit ausgeprägten Problemen in Richtung HD, Augenkrankheiten, Epilepsie
oder übermäßig großen Hunden, wie
es in Europa längst der Fall ist. Die
enorme Größe mancher Kangals in Europa mag natürlich auch mit der Aufzucht mit gehaltvollem Futter zusammen hängen, aber sicherlich nicht nur.
Da in Anatolien die Schafbestände seit
einiger Zeit stark rückläufig sind, werden naturgemäß auch nicht mehr so
viele Hunde nachgezüchtet, weil einfach der Bedarf nicht da ist. Außerdem
sind die medizinischen Standards, wie
schon erwähnt, bei weitem nicht so
hoch wie bei uns. Fehlende Impfungen
und Entwurmungen führen neben Unterernährung zu einer hohen Mortalität. Heute überleben oft weniger als
10 % der Welpen. Hinzu kommt, dass
immer wieder eingeschleppte Krankheiten oder auch Tollwut den Bestand
der Hunde stark dezimieren. Die Rasse
Kangal ist in ihrer Ursprünglichen Heimat sehr stark gefährdet.
Zucht in Deutschland
In Deutschland ist der Kangal als eigenständige Rasse weder von der FCI, noch
vom VDH anerkannt. Vielmehr ist es
hier so, dass die verschiedenen türkischen Hirtenhunde als eine Rasse zusammengefasst werden. Daher verändert sich hier auch das Erscheinungsbild
erheblich. Die in Deutschland gezogenen Kangals sind im Vergleich zu den
Türkischen zu groß und verlieren optisch insgesamt an Ausdruck. Außerdem
gibt es Merkmale, wie z.B. größere Augen, die auch zu gesundheitlichen
Problemen führen können (kleinere
Augen, wie bei Hirtenhunden im allgemeinen üblich, dienen zum Schutz gegen Wettereinflüsse, Staub, Wind und
dergleichen). Dass zunehmende Größe
nicht unbedingt von Vorteil für den
Knochenbau ist, ist selbstredend.
Durch die Zusammenfassung der verschiedenen Rassen unter dem Begriff
„Anatolischer Hirtenhund“ und somit
scheinbar auch der Verpaarung der verschiedenen Rassen untereinander, verändert sich auch das farbliche Erscheinungsbild und viele Hunde sind nicht
mehr einfarbig sonder schon fast scheckig, zum Teil gibt es sogar langhaarige
Hunde. Befürworter dieser Rassenzusammenfassung argumentieren damit,
dass das Genpotential dadurch erhöht,
also die Gefahr der Linien- und/oder
Inzucht verringert würde. Da aber hier
nicht nur der Kangal, sondern auch
der Akbash, welcher eine eigenständige Rasse ist, mit eingereiht werden soll,
hat zur Folge, dass hier Mischlinge aus
zwei Rassen zu einer neuen Rasse„Anatolischer Hirtenhund“ aufsteigen, mit
Körungspapieren und Zuchttauglichkeit. Fatalerweise hätte das, da der
„Anatolische Hirtenhund“ in Amerika
Rasseporträt
Empfehlungen
Wie bei allen anderen Rassen auch,
gibt es einige Dinge, die man beim
Kauf eines Kangals beachten sollte.
Wenn der Züchter weniger vom Kangal
als vom „Anatolischen Hirtenhund“
spricht, sollte man schon aufpassen.
Desgleichen, wenn diese Hunde bei
der Aufzucht zu sehr „gehätschelt“
werden, zum Beispiel mit Wärmequel-
FCI anerkannt ist, sogar Chancen, eine VDH-Anerkennung zu
bekommen. Andererseits stellt
sich hier ohnehin die Frage, wie
bei manchen anderen Rassen
auch, ob solch eine Anerkennung überhaupt ein Gewinn für
die Rasse wäre. Die Züchter wären dann gezwungen, sich den
VDH-Richtlinien unterzuordnen,
welche die Zuchttauglichkeit
eines Hundes hauptsächlich
nach optischen Kriterien festlegt,
während bisher immer noch die
Leistungsfähigkeit des Hundes Von oben links nach rechts unten: Kangal,Akbash und Karshund – diese Rassen werden
und somit seine Gesundheit im laut FCI unter dem „Anatolischen Hirtenhund“ zusammengefasst. Die beiden letzteren
Vordergrund steht. Als reiner
haben als Rasse mit einem Kangal nichts zu tun – Fotos: www.kangal-dog.de
Kangal hat die Rasse wegen der
fehlenden FCI-Anerkennung derzeit
keine auswertbaren Statistiken. Immer
ohnehin keine Chance, eine VDH-Anhäufiger hört man, dass ein Kangal an
len in der Wurfkiste. Dadurch würde
erkennung zu bekommen. Sowohl der
einer Magendrehung verstorben ist.
man Gefahr laufen, einen Welpen zu
reine Kangal (Karabash = Schwarzkopf ) Da diese Hunde hier immer größer ge- bekommen, der unter normalen Umals auch der Akbash (Weißkopf ) werzüchtet werden, liegt hier der Schluss
ständen niemals überlebt hätte und
den wohl bis auf weiteres in ihrer reinahe, dass durch die zunehmende
sich somit möglicherweise Gesundnen Form nur ohne Papiere angeboten Größe das Bindegewebe, welches die
heits- oder Entwicklungsprobleme einwerden können.
inneren Organe an ihrem Platz halten
stellen können. Man muss bedenken,
soll, nicht mehr so fest ist, wie es eigent- dass in Anatolien im Winter TemperaKrankheiten
lich sein sollte. Auch wird vermehrt be- turen von bis zu -30 °C herrschen. Soobachtet, dass das Narkose-Risiko, wie lange der gesunde Welpe die KörperAuch beim Kangal treten bereits Krank- bei vielen anderen großen Rasse auch, wärme seiner Mutter zur Verfügung
heiten wie ED, Epilepsie, Augenkrank- steigt. Allerdings liegt auch hier keine
hat, hat er mit den hiesigen Temperaheiten auf. Leider gibt es dazu noch
Statistik vor.
turen keine Probleme. Aus demselben
1 / 2011 • der absolut-hund report
47
Rasseporträt
Grund darf er nicht zu früh von seiner
Mutter getrennt werden.
nicht gut sein. Die Lebensumstände
sind einfach grundverschieden.
halten umzugehen. In manchen Fällen
wird selbst das nicht mehr möglich sein.
Wichtig ist, sich die Unterlagen der Eltern anzuschauen, auch und vor allem
im Hinblick auf Gesundheitsuntersuchungen. Wenn möglich sollte man
auch Informationen über den Gesund-
Wie schon erwähnt, sollte man nach
Möglichkeit beide Eltern kennen lernen. Das hat nicht nur seinen Grund
darin, sich einen Eindruck über den Zustand bzw. die Gesundheit der Hunde
zu verschaffen, sondern auch etwas
vom Charakter der Hunde zu sehen. In
Gegenwart der Züchter sollte ein Kontakt zu den Hunden möglich sein. Das
setzt eine wesensfeste und charakterstarke Hündin voraus. Zeigt sie hier ein
unangemessenes Maß an Aggressivität,
kann man davon ausgehen, dass die
Welpen dieses Verhalten von ihr übernehmen/erlernen. Denn was bei Muttern gut war, kann ja später nicht falsch
sein. Deshalb sollte man hier von einem Kauf Abstand nehmen, wenn
man Defizite im Verhalten der Mutter
oder Elterntiere feststellt. In dieser frühen Lebensphase ist der Welpe, auf
sein Verhalten bezogen noch ein unbeschriebenes Blatt. Alles was er in dieser
Zeit von den erwachsenen Tieren in
seiner Umgebung sieht, wird sich in
seine eigenes Verhaltensrepertoire einbrennen. Dies nennt man Prägung und
das gilt sowohl für positives wie auch
leider für negatives Verhalten. Wird
also hier schon die Grundlage für ein
problematisches Verhalten gelegt, zum
Beispiel übermäßige Scheu, kann man
nicht erwarten, später einen wesenesfesten Hund zu haben. Zeigt das Muttertier ein ausgeprägtes Schutzverhalten dem Menschen gegenüber, wird
auch dieses Verhalten beim Welpen
geprägt. Hat man ein solches negativ
geprägtes Verhalten wird es später
möglicherweise nicht einfach sein, darauf noch Einfluss zu nehmen. Im
schlimmsten Fall kann man nur noch
versuchen, irgendwie mit diesem Ver-
Grundsätzlich muss man sich über das
Potenzial dieser Hund im Klaren sein.
Wie schon erwähnt, wird man, bedingt
durch die hohe Eigenständigkeit dieser Hunde, mit Erziehungsmaßnahmen,
die über Druck und Verbot, nicht weit
kommen und der Hund wird zu einer
tickenden Zeitbombe und sich im
schlimmsten Fall gegen seine Menschen
zur Wehr setzen. Auf der anderen Seite
wird ein Mangel an Konsequenz, klarer
Führung und Absicherung durch den
Menschen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu führen,
dass der Hund seinen Job, für den
diese Rasse entstanden ist, ausführt
und zwar immer, überall, in jeder passenden und unpassenden Situation.
Und das wird mit Sicherheit zu Problemen für den Menschen führen. Will
man sich solch einen Hund wirklich
anschaffen, muss man sich die Frage
stellen, ob er wirklich hier in unsere Zivilisation gehört und ob man wirklich
willens und in der Lage ist, sich dem
Potenzial dieser Hunde zu stellen. Auf
keinen Fall sollte man sich einen solchen Hund anschaffen, nur weil diese
Rasse gerade„in“ ist. Mit dem Kauf eines Hundes im Welpenalter übernimmt
man die Verantwortung für die nächsten zwölf bis vierzehn Jahre. Ob der
Kangal dann noch in Mode ist – wer
weiß? Hinzu kommt, dass Kangals in
einigen Bundesländern zumindest als
Kategorie-2-Hunde gelistet sind, womit
in vielen Gemeinden immens hohe
Steuern und entsprechende Auflagen
auf den Besitzer zukommen.
Eine Anschaffung dieser kräftigen Hunde
will in unserer Gesellschaft gut überlegt
sein – Foto: www.kangal-dog.de
heitszustand der Verwandtschaft herauszufinden versuchen, worüber der
seriöse Züchter bereitwillig Auskunft
geben wird.
Vorsicht ist auf jeden Fall geboten,
wenn man an irgendeine seltsame Hinterhofzucht gerät, oder die Welpen womöglich gerade aus der Türkei importiert worden sind. Die Überprüfbarkeit
der Gesundheitsdaten ist hier einfach
nicht gegeben. Auch aus einem anderen Grund ist bei Importen des Kangal
aus der Türkei Vorsicht geboten. Wie
im Vorfeld schon beschrieben, ist der
Kangal in der Türkei ein reines Arbeitstier und wird dementsprechend geprägt und sozialisiert. Da er hier bei
uns aber einen ganz anderen Stellenwert hat und eben eher nicht mehr
zum Schutz der Herde eingesetzt wird,
kann das hier in seinem späteren Leben
zu verschiedensten Verhaltensproblemen führen. Was in der Türkei recht ist,
muss hier in Deutschland noch lange
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Antje Henze
www.passion4dogs.de
Textquellen: www.kangal-dog.de und
www.hirtenhund.de
Vermischtes
Offener Brief an die Landesregierungen zum Thema
Aggressivität bei Hunden
„
Sehr geehrte Damen und Herren,
die kontroversen Diskussionen
zum Thema„Aggressivität bei Hunden“
in der Öffentlichkeit werden lauter, der
Druck zu einer Lösungsfindung anscheinend höher. Vereinzelte Forderungen
und Gesetzesentwürfe entbehren jeglicher Grundlage.
Die Aggressivität eines Hundes lässt
sich weder an einer bestimmten Rasse,
noch der Größe des Hundes binden.
Jedwede außer Kontrolle geratene Aggressivität eines Hundes ist lediglich
den Haltungsumständen, dem Umgang
durch den Menschen und krankhaften
Ursachen zuzuordnen. Hier eine pauschale Regelung für bestimmte Rassen
treffen zu wollen, wird weder zum Ziel
führen, noch eine Minimierung der Vorfälle herbeiführen. Es sei denn das angestrebte Ziel heißt: Ausrottung der
Spezies„Hund“.
Hunde bereichern die Gesellschaft, sie
tragen nachweislich zu einem besseren
Wohlbefinden bei, sie retten Menschenleben, sie werden im menschlichen
Dienste vielfältig (u.a. Polizeihunde,
Rettungshunde, Therapiehunde, Behindertenbegleithunde) positiv eingesetzt. Hunde nehmen einen positiven
Einfluss auf die Gesundheit des Menschen und tragen somit zu Einsparungen im Gesundheitssystem bei. Hierzu
gibt es ausreichend belegte Studien.
Es kann und darf nicht das Ziel sein,
Gesetzgebungen auf dem Rücken der
An die Landesregierungen
en
Sehr geehrte Dam
und Herren,
...
Hunde zu verordnen,
sondern das Ziel sollte
sein:
• präventive Maßnahmen zur Aufklärung für den Menschen zu ergreifen
• eine statistische Erfassung aller Hunde
durch Mikrochip (erfassbar durch
Satelliten)
• die Errichtung einer deutschland-weiten Datenbank
• unabhängige Kontrollorgane für die
Bereiche Zucht, Ausbildungsinstitute,
Tierheim, Tierschutzorganisationen/
Hundepensionen zu beauftragen
• eine staatlich anerkannte Ausbildung
zum Hundetrainer (2-jährig) und
auch Hundeverhaltenstherapeuten
(3-jährig) in Theorie und Praxis von
fachkompetenten Institutionen aufzunehmen
• die bundesweite Einführung der alltagstauglichen Hundehalter Prüfung
(in Theorie und Praxis)
• eine klare gesetzliche Regelung zum
kontrollierten Import/Export von
Hunden
Gesetzesentwürfe zum 20/40-Modell
und Rasselisten haben ganz klar versagt und es wäre absurd daran fest zu
halten, geschweige denn diesen Weg
weiter beschreiten zu wollen.
Es ist ein Trugschluss die Lage durch
Leinen- und/oder Maulkorbzwang entspannen zu können. Diese Maßnahmen
führen zu weiteren Problemen, da die
Ursache außer Acht gelassen wird.
Durch einen generellen Leinenzwang
ist eine artgerechte Auslastung der
Hunde nicht möglich. Durch einen
Maulkorbzwang wird es dennoch weiter Verletzungen und eine potentielle
Steigerung der Aggressivität geben.
Die Rasselisten und steigende Steuern
benannter Rassen tragen zur Ausrottung der Rassen bei, ändern jedoch
nichts an der Problematik, denn es wird
weitere Rassen geben, die hinzugefügt
werden müssten. Hier wird versucht
ein Symptom einzudämmen, lässt allerdings ebenfalls die Ursache außer Acht.
Es wäre wünschenswert, eine einheitliche Linie in Bezug auf die Ausbildungsformen/-methoden zu verfolgen und
weiter ist es unabdingbar den Hundehalter und/oder angehenden Hundehalter in die Verantwortung zu nehmen.
Solange von diversen Institutionen der
Propagandaruf erfolgt, alle Hunde mit
einander in Kontakt treten zulassen
(durch z.B. Welpenspiel- und/oder Raufergruppen, Spielwiesen etc.) und die
Wichtigkeit solcher Vergesellschaftungen im Vordergrund steht, wird es
nach wie vor Übergriffe – innerartlich,
1 / 2011 • der absolut-hund report
49
Vermischtes
wie auch gegenüber dem Menschen –
geben müssen. Der Fokus muss auf die
Mensch-/Hundgemeinschaft gelegt
werden, denn der Mensch ist für den
Hund der Dreh- und Angelpunkt. Der
Hund schliesst sich bereitwillig seinem
Menschen an und genau hier sollte
eine fundierte positive Umgangsform
geschaffen werden. Viele gängige Tests
und Überprüfungen der Hunde gehen
an der Realität vorbei, Wesenstests
sind Momentaufnahmen und können
keine langfristigen Bescheinigungen
zulassen. Die Einwirkung des Menschen
kann einen Hund jeder Rasse binnen
kurzer Zeit auffällig werden lassen.
Gerne stehe ich Ihnen unterstützend
zur Seite und erörtere Ihnen die Zusammenhänge.
Daher bitte ich Sie, Abstand von Maßregelungen der Hunde zu nehmen und
Ihr Gedankengut Richtung Mensch zu
bündeln.
Heike Beuse
Mit freundlichen Grüßen
Absolut-Hund GbR
“
Hund sollte bei spielenden
Kindern nicht frei herumlaufen
Auf einem Grundstück, auf dem regelmäßig Kinder spielen, sollte
einHund nicht frei herumlaufen. Nach Auffassung der Richter riskiert der Hundehalter andernfalls, in vollem Umfang haften zu
müssen, wenn das Tier ein Kind verletzt. Denn mit diesem so
genannten tiertypischen Verhalten müsse der Halter rechnen.
§
Rechtssprechung
Das Gericht gab mit seinem Urteil der Schmerzensgeld- und Schadenersatzklage eines minderjährigen Mädchens statt. Das Kind
hatte mit dem Sohn eines Unternehmers auf dem Werksgelände
gespielt. Dort lief auch der Hund des Unternehmers frei herum.
Offenbar wollten die Kinder mit dem Hund spielen. Dabei wurde
das Mädchen gebissen.
Das OLG meinte, der Hundehalter hätte seinen Hund nur frei
herumlaufen lassen dürfen, wenn zuvor sichergestellt gewesen
wäre, dass kein Fremder das Gelände betreten kann. Wegen seines Sohnes habe er aber damit rechnen müssen, dass sich auch
andere Kinder auf dem Betriebs-gelände aufhielten. Als unerheblich werteten die Richter, dass der Hund zuvor angeblich am
Schwanz gezogen wurde.
(OLG Frankfurt, Az. 26 U 15/04)
Kein Leinenzwang im Jagdbezirk
Hunde dürfen in einem Jagdbezirk nicht ohne Aufsicht frei laufen gelassen werden. Dies schreiben
die jeweiligen Landesjagdgesetze zum Schutz des Wildbestandes vor. Dabei bedeutet„Aufsicht“
nicht aber gleich„angeleint“. Ein Verstoß gegen die gesetzliche Vorschrift liegt so erst dann vor,
wenn sich der Hund im Jagdbezirk außerhalb der Sicht- oder Rufweite des Hundeführers aufhält
oder der Hundeführer nicht die tatsächliche Möglichkeit hat, durch gezielte Kommandos oder
andere Handlungen eine Kontrolle über sein Tier auszuüben. Damit kann ein Hund auch dann
unter Kontrolle sein, wenn er nicht angeleint ist.
(AG Altenkirchen, Az. 2109 Js 35731/96-9 OWi)
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Vermischtes
Warnung vor dem Hund
Auf einem Grundstück, auf dem regelmäßig Kinder spielen, sollte ein
Hund nicht frei herumlaufen. Nach Auffassung der Richter riskiert der
Hundehalter andernfalls, in vollem Umfang haften zu müssen, wenn das
Tier ein Kind verletzt. Denn mit diesem so genannten tiertypischen
Verhalten müsse der Halter rechnen.
Das Gericht gab mit seinem Urteil der Schmerzensgeld- und Schadenersatzklage eines minderjährigen Mädchens statt. Das Kind hatte mit dem
Sohn eines Unternehmers auf dem Werksgelände gespielt. Dort lief auch
der Hund des Unternehmers frei herum. Offenbar wollten die Kinder mit
dem Hund spielen. Dabei wurde das Mädchen gebissen.
Das OLG meinte, der Hundehalter hätte seinen Hund nur frei herumlaufen lassen dürfen, wenn zuvor sichergestellt gewesen wäre, dass kein
Fremder das Gelände betreten kann. Wegen seines Sohnes habe er aber
damit rechnen
müssen, dass sich auch andere Kinder auf dem Betriebsgelände aufhielten. Als unerheblich werteten die Richter, dass der Hund zuvor
angeblich am Schwanz gezogen wurde.
(OLG Frankfurt, Az. 26 U 15/04)
Rechtssprechung
Hundegebell
§
Gelegentliches Bellen ist kein Grund die Erlaubnis zur
Tierhaltung zu widerrufen. Das kurze Anschlagen eines
Hundes bei Besuch, das längere Verbellen fremder
Personen, das heftige Begrüßen naher Angehöriger
sind artgerechte Reaktionen des Tieres, die mit der
Zustimmung zur Hundehaltung bereits in Kauf genommen worden sind.
(AG Hamburg-Wandsbek, Az 716c C 114/90)
Bellen eines Wachhundes
Der Hausmeister einer Schule hielt einen Wachhund. Das Tier bellte unmotiviert zu jeder Zeit und
störte die Nachbarn im Schlaf. Vom Amtsgericht wurde der Hundehalter zu 600,00 DM Bußgeld verurteilt. Das Oberlandesgericht bestätigte die Entscheidung, dem Tier ist keine Bellfreiheit zuzubilligen.
Der Hund darf im Rahmen seiner Tätigkeit nicht auf jedes Geräusch reagieren. Nach einem Alarmgebell hat der Hundehalter unverzüglich für Ruhe zu sorgen.
(OLG Düsseldorf, AZ 5 ss – Owi – 170/90 – 87/90)
Problemhundtherapie • Inhaber Sascha Weinheimer • 22149 Hamburg
Problemhundetherapeut & Gebrauchshundeausbilder
E-Mail: info(at)problemhundtherapie.de • Telefon 040 / 769 749 22
Mobil 0163 / 719 74 50
www.problemhundtherapie.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
51
An den Präsidenten des Verbandes
für das Deutsche Hundewesen (VDH)
e.V. Prof. Dr. Peter Friedrich
„
Sehr geehrter Herr Prof.
Friedrich,
ich möchte Ihre jüngste Stellungnahme in der Öffentlichkeit zum Anlass
nehmen und noch einmal auf die in
meinen Augen tierschutzrelevante
Praxis der Zucht mit erbkranken Hunden in einigen Ihrer Mitgliedsvereine
hinweisen.
In der Sendung„Stern TV“ mit Günther
Jauch vom 03.11.2010 wurden einige
Hunderassen vorgestellt, darunter auch
der Cavalier King Charles Spaniel. In
der Diskussion stellten Sie fest, dass im
VDH mit erbkranken Hunden nicht gezüchtet werde. Leider trifft diese Aussage nicht immer die Realität. Stellvertretend anhand des Cavalier King
Charles Spaniels, der im VDH immerhin durch drei Vereine betreut wird,
möchte ich Sie darauf hinweisen, dass
im breiten Stil und sehr wohl wissentlich und zudem über lange Zeiträume
hinweg bewusst mit erbkranken Hunden gezüchtet wird, auch im VDH.
Beispiel 1 – Arnold Chiari
Malformation / Syringomyelie (SM)
Diese oft schwerwiegend verlaufende
und zur Euthanasie führende, die Hunde – und auch Halter – mit erheblichen
Leiden und Schmerzen belastende
52
der absolut-hund report • 1 / 2011
Offener Brief an den
VDH zur Zuchtpraxis mit
erbkranken Hunden
Erbkrankheit des Gehirns und der Nerven wird gerne als„Kratz-Syndrom“ verharmlost, wie es aktuell auch auf der
Startseite des Verband Deutscher Kleinhundezüchter im VDH geschieht ( http:
//www.kleinhunde.de/ ). Dessen langjährige Zuchtleiterin Karin Biala-Gauß
behauptet dort zudem, dass bei gerade
„vielleicht 1 % SM-Erkrankungen“ festzustellen seien. Trotzdem bleiben Hunde in der Zucht, die nachweislich an
SM erkrankte Vorfahren oder Nachkommen haben. Lediglich Verpaarungen
zweier – durch Vorfahren oder Nachkommen – als„SM-belastet“ gekennzeichnete Hunde sind untersagt. Frau
Biala-Gauß erklärt sogar:„Wir weisen
ausdrücklich darauf hin, dass die Kennzeichnungen nur für die SM-Selektion
zu beachten sind. Sie sollen die Nutzung der Zuchttiere ansonsten in keinster Weise beeinträchtigen.“
In ihrem dort veröffentlichten Schreiben vom 03.11.2010 räumt die Obfrau
des„Wissenschaftlichen Beirates für
Zucht und Forschung“ des VDH
Dr. Helga Eichelberg ein: „Es handelt
sich sicher um keine Methode, um die
Rassen von dieser Krankheit zu befreien. Dennoch scheint sie uns geeignet
zu sein, bis zur Etablierung einer besseren Untersuchungsmethode wenigstens einer weiteren Verbreitung des
Defektes entgegen zu wirken.“ Damit
wird vom VDH ein Freibrief für die
Zucht sogar mit manifesten SM-Vererbern erteilt.
Warum wird nicht konsequent auf die
Zucht mit SM-belasteten Hunden verzichtet, zumal wenn diese nach Angaben von Zuchtleiterin Biala-Gauß nur
1% der Population darstellen?
Beispiel 2 – Mitral Valve
Disease (MVD)
Wesentlich breitflächiger als mit der
o.g. SM ist die Population der Cavalier
King Charles Spaniels mit einem erblich bedingten Verlauf einer Herzkrankheit belastet, der Mitral Valve Disease
(MVD). Ein sehr hoher Anteil der Cavaliere ist bereits in jungen Jahren an
dieser nicht selten innerhalb von zwei
Jahren tödlich verlaufenden Herzkrankheit erkrankt (etwa 50%). Schon 1997
wurde festgestellt, dass diese Hunderasse 21mal häufiger von MVD betroffen ist als der Durchschnitt. Zudem
sind Cavaliere auffällig früh betroffen.
Bei anderen Hunderassen gilt diese
Herzschwäche lediglich als eine typische Alterskrankheit. Bereits 1998 wurden von einem internationalen Wissenschaftlergremium klare Empfehlungen
zur Bekämpfung ausgesprochen.
Diese haben zwölf Jahre später noch
keine Beachtung in der Praxis des VDH
gefunden. Auch zur Bekämpfung dieser Krankheit fehlt es an einem wir-
Vermischtes
kungsvollen Programm. Auch hier darf
ausdrücklich mit symptomatischen,
sogar bereits durch Herzgeräusche auffälligen Hunden gezüchtet werden,
wenn auch eingeschränkt. Nach dem
„Mitral Valve Disease Breeding Protocol“
von 1998 (s.o.) sollen Cavaliere, die
unter fünf Jahren ein Herzgeräusch
zeigen, nicht in die Zucht. Auch sollen
Rüden frühestens im Alter von zweieinhalb Jahren in die Zucht gehen. Im
VDH darf aber mit dreijährigen Rüden
gezüchtet werden, die ein Herzgeräusch Grad 1 und ab sechs Jahren sogar Grad 2 zeigen. Rüden dürfen bereits
mit neun Monaten in die Zucht, einem
Alter indem die Anlage zu MVD noch
gar nicht beurteilt werden kann.
Zudem begnügt man sich zur Zuchtzulassung mit dem Ergebnis der Auskultation durch einen beliebigen Veterinär, obwohl es unstrittiger Stand der
Medizin ist, dass eine Diagnose lediglich auf Basis der Auskultation nur
ausgesprochenen Spezialisten und ansonsten nur mit Hilfe technischer Diagnosemittel (wie Doppler-Ultraschall)
möglich ist.
Die langjährige Halterin von Cavalier
King Charles Spanieln Elke Grabhorn
hat hierzu am 01.11.2010 einen Artikel
veröffentlicht, der Einzelheiten und
umfangreiche Quellen zu dem hier genannten enthält ( http://petwatch.
blogspot.com/2010/11/cavalierehaben-sehr-viel-herz.html ).
Das geltende Tierschutzgesetz verbietet in § 11b aber genau hier genannte
Zuchtpraktiken wenn bestimmt wird:
„Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten..., wenn damit gerechnet werden
muss, dass bei der Nachzucht, ... erblich bedingt Körperteile oder Organe
für den artgemäßen Gebrauch fehlen
oder untauglich oder umgestaltet sind
und hierdurch Schmerzen, Leiden oder
Schäden auftreten.“
Zudem ist es ethisch und zumal für
einen Hundefreund kaum nachvollziehbar, bekannte Erbkrankheiten nicht
konsequent und vorrangig in der Zucht
zu bekämpfen. In der Satzung des VDH
§2 Abs.2.1 heißt es ja:„Als ordentlicher
Züchter und Halter gilt, wer lediglich
aus Gründen der Liebhaberei (Hobby)
die Zucht und/oder Ausbildung nach
kynologischen Grundsätzen betreibt
und fördert.“
Wer würde aber seinen Hunden solche
Leiden zumuten, wenn lediglich„aus
Gründen der Liebhaberei“ gezüchtet
wird? Bemerkenswert ist auch, dass
man in manchen Mitgliedsvereinen
des VDH angesichts solch schwerer
Schäden wie oben beschrieben zu keinen ernsthaften Maßnahmen bereit
oder in der Lage ist, jedoch kleinste
Farbvarianten, die rein optisch einem
von Menschen ausgedachten Standard
widersprechen – wie beim Cavalier ein
weißer Fleck – sofort zum Zuchtausschluss führen. Zugleich wird die Verpaarung der verschiedenen Farbvarianten streng untersagt.
Mir ist durchaus bewusst, dass der VDH
in Konkurrenz zu den vielen Verbänden
steht, die „Züchtern“ ein wesentlich
komfortableres Dach bieten – regelmäßig zulasten und auf Kosten des
Wohls der Hunde. Mir ist durchaus bewusst, dass die Lage der Hunde außerhalb des VDHs nicht selten noch wesentlich schlechter ist. Und ich gehe
davon aus, dass Sie persönlich und der
VDH sehr an einer am Wohl der Hunde
orientierten Zuchtpraxis interessiert
sind. Zur Durchsetzung von allgemein
gültigen Mindeststandards für die
Zucht von Hunden und damit zum
Schutz der seriösen Züchterschaft
wäre darüber hinaus der Gesetzgeber
in der Pflicht.
Eine bewusste Zucht mit Erbkrankheiten und Gendefekten kann aber zu keinem Zeitpunkt toleriert werden, bestenfalls dann kurzfristig in einer konkret
definierten Übergangsphase im Rahmen eines verbindlichen Gesundzuchtprogramms.
Hier wurde alleine die Zuchtpraxis
beim Cavalier King Charles angesprochen. Leider ist die Behandlung dieser
Rasse, wenn auch ein krasser, jedoch
leider keineswegs ein Einzelfall, auch
nicht unter dem Dach des VDHs.
Ich möchte Sie daher bitten, Sorge dafür zu tragen, dass die Zuchtpraktiken
zum Wohle des Cavalier King Charles
umgehend und nachhaltig geändert
werden, wie ich Sie ebenso bitten will,
Sorge dafür zu tragen, damit eine Wende in der Zucht zum Wohle und zur
Gesundheit der Hunde praktisch wirksam wird.
Für Auskünfte und Rücksprache stehe
ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Christoph Jung
“
Diplom-Psychologe und Biologe
Dortmunder für eine Wende in der
Zucht zum Wohle der Hunde
http://dortmunder-appell.de/
1 / 2011 • der absolut-hund report
53
Krankheiten
Idiopathische Aggression
Ein Bericht von Antje Henze mit freundlicher Genehmigung der Züchterin Brigitte Friedl
Im Sommer letzten Jahres wurde eine Hundehalterin durch ihren damals etwa 2-jährigen Golden
Retriever Rüden schwer verletzt. Die Tierärztin der Familie schläferte den Hund kurz nach diesem
Vorfall ein. Sie äußerte den Verdacht, dass bei diesem eine„Idiopathische Aggression“ vorgelegen
haben könnte. Dies veranlasste mich, mich näher mit diesem Phänomen zu befassen.
Diese Krankheit ist schon recht lange,
etwa seit den 70er Jahren (damals
hauptsächlich beim Cocker Spaniel)
bekannt. Leider wird ihr bisher nicht
genug Bedeutung beigemessen, als
das es intensive Bemühungen zur Erforschung geben würde. Auch im Internet gibt es sehr wenige wirklich verständliche Informationen, und wenn,
dann zumeist aus dem englischsprachigen Raum. Zu erwähnen sei hier die
Seite von Linda Ward aus England,
www.cockerspanielrage.org.uk , die
schaft auftrat, nahm sie ihn schließlich
aus der Zucht und begann, sich intensiv mit dem Thema auseinander zu
setzen, die Ergebnisse ihrer Recherchen
zu veröffentlichen und betroffenen
Hundehaltern Hilfestellung zu geben.
Was versteht man unter
dem Krankheitsbild der
idiopathischen Aggression?
Laut Wikipedia wird der Begriff idiopathisch in Verbindung mit Krankheiten
schon seit Jahren für die Anerkennung
und Beachtung dieser Krankheit kämpft.
Während meiner Recherchen stieß ich
auf die Seite www.cocker-spaniel.info.
Diese wird von der Züchterin der Englischen Cocker-Spaniel „Volcatia“, Brigitte Friedl geführt. Außerdem hatte
ich Gelegenheit, mich in einem sehr
informativen Telefonat mit Frau Friedl
über das Thema auszutauschen. Danke
dafür! Zur Beschäftigung mit diesem
Thema und schließlich auch der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse kam Frau
Friedl nach eigenen Angaben dadurch,
dass sie selber einen Rüden hatte, der
von der idiopathischen Aggression betroffen war. Da zunächst nicht bekannt
war, was mit dem Rüden, der gut erzogen und seinen Anlagen entsprechend
ausgelastet wurde, los war, ging er zunächst in die Zucht. Als das Problem
allerdings auch in seiner Nachkommen-
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der absolut-hund report • 1 / 2011
Foto: Fotolia
Die idiopathische Aggression tritt anfallsartig auf, darf aber nicht mit dem Verhalten
verwechselt werden, das durch mangelende Führung verursacht ist
Dies wurde leider unter ihren Züchterkollegen nicht unbedingt mit Beifall
aufgenommen.
Die von mir hier zusammengefassten
Informationen stammen hauptsächlich
aus den Seiten von Frau Friedl und aus
dem mit ihr geführten Telefonat.
benutzt, die ohne erkennbare Ursache
entstehen. Übersetzt könnte man also
die idiopathische Aggression als eine
Aggression bezeichnen, die auf ein
Krankheitsbild zurückzuführen ist, deren Ursache nicht oder noch nicht gesichert erforscht ist, also eine krankhafte
Aggression ohne erkennbare Ursache.
Die davon betroffenen Hunde erschei-
Krankheiten
nen einem, als ob sie zwei Persönlichkeiten in ihrer Brust vereinen würden.
Im einen Moment sind sie ruhig, anhänglich und verschmust, im nächsten
beißen sie scheinbar ohne jede Ursache
um sich, was mitunter zu nicht unerheblichen Verletzungen von Mensch
und / oder Tier führt. Nicht zu verwechseln ist dieses Krankheitsbild allerdings
mit Hunden, die auf Grund mangelnder oder falscher Führung aggressiv
auf ihre Umwelt reagieren. Leider wird
sie immer mal wieder als Alibi herangezogen, um den unbequem gewordenen„besten Freund“ loszuwerden.
ein Problem gibt, egal ob bei einem
Hinterhofvermehrer oder in einem Mitgliedszwinger von anerkannten Rassehundevereinen.
Der Prozentsatz der betroffenen Hunde im Verhältnis zur Gesamtpopulation
hält sich früher wie heute im Promillebereich. Trotzdem sollte man das Problem nicht aus dem Blick verlieren.
Wie sieht nun der Verlauf
der idiopathischen Aggression aus?
z.B. häufig einem Herzinfarkt vorausgeht). Sie dauern beim erwachsenen
Hund etwa zwischen zwei bis 15 Minuten, beim jungen Hund sind sie wesentlich kürzer und auch weniger auffällig.
Diese Anfälle kommen allerdings nicht
so ganz aus heiterem Himmel, wie man
manchmal vermuten könnte. Der aufmerksame Beobachter kann das am
Eintreten einer gewissen Ruhelosigkeit
und Nervosität erkennen. Der Hund
befindet sich offensichtlich in einer
Stresssituation. Auch verändert sich
der Blick dahingehend, dass sich die
Pupillen verengen und der Blick kalt
und starr wird. Während des Anfalls
werden oft fiktive oder reale Gegenstände bewacht. Der Hund knurrt sich
in Rage, bis er ausrastet und es unter
Umständen kein Halten mehr gibt.
Vor und während des Anfalls zittern
Von der idiopathischen Aggression,
auch unter dem Begriff„Cockerwut“
bekannt, ist längst nicht mehr nur der
Cockerspaniel betroffen. Auch bei Golden Retrievern, verschiedenen TerrierRassen, Berner Sennenhund, American
Cocker tritt sie in Erscheinung, um nur
einige zu nennen. Trotz früher gegenteiliger Vermutungen ist man heute so
weit zu wissen, dass die idiopathische
Aggression weder an das Gen für die
rote Haarfarbe, noch an das Geschlecht
gebunden ist, auch wenn Rüden weitaus häufiger davon betroffen sind als
Hündinnen. Es handelt sich hier um
eine ererbte, anfallsweise auftretende
Aggressivität, deren Verlauf und Anfälle durchaus mit einer Epilepsie vergleichbar sind. Laut den Erfahrungen
von Frau Friedl liegt die Vermutung
nahe, dass neben der Komponente der
Vererbung auch ein Zusammenhang
zu Störungen im Stoffwechsel- oder
Hormonhaushalt besteht.
Die meisten Hunde werden meist
schon im Alter von wenigen Monaten,
beim Eintritt in die Geschlechtsreife
auffällig. Allerdings zeigt sich das Problem hier oft noch nicht so offensichtlich. Leider wird es auch oft genug von
Leuten, die es wissen müssten, heruntergespielt. Die Anfälle gewinnen
dann mit zunehmendem
Alter an Intensität. Gleichzeitig nimmt auch das Verletzungsrisiko für die mit
im Haushalt lebenden
Menschen und Tiere zu.
Die Besitzer wissen sich
oft nicht mehr zu helfen,
da sie kaum irgendwo Unterstützung erhalten. Dadurch gehen die Hunde
dann häufig durch etliche
Hände, bis sie schließlich
irgendwann eingeschläfert werden, weil man sich
keinen anderen Rat mehr
weiß.
Foto: Fotolia
Die idiopathische Aggression kann überall auftreten, zumeist aber dort, wo das
Interesse am„Endprodukt“ der Zucht
verloren geht und wo Züchter Augen
und Ohren davor verschließen, dass es
Die Anfälle treten laut Frau Auch andere Hunderassen wie beispielsweise RetrieFriedl fast ausschließlich
ver können die „Cockerwut“ aufweisen
im häuslichen Umfeld auf,
oft dann, wenn der Körper zur Ruhe
die Hunde häufig. Danach sind sie völkommt (ein Phänomen, welches auch
lig orientierungslos und machen den
1 / 2011 • der absolut-hund report
55
Krankheiten
Eindruck, als wüssten sie überhaupt
nicht, was soeben los war. Um die Intensität und Häufigkeit der Anfälle
positiv zu beeinflussen, kann es durchaus hilfreich sein, wenn man dem Hund
regelmäßige Ruhephasen in einer stressfreien Umgebung verschafft, ihn notfalls in einem störungsfreien Raum separiert (nicht unbedingt isoliert). Dabei
Foto: Fotolia
Betroffene Hunde knurren sich in Rage,
bis es oft kein Halten mehr gibt
sollte man sehr ruhig mit ihm umgehen, damit er wirklich zur Ruhe kommen kann. Ansonsten kann man auch
diese Hunde durchaus normal artgerecht arbeiten und belasten. Dieser
„positive Stress“ ist laut Frau Friedl für
die Hunde durchaus in Ordnung.
Grundsätzlich ist die idiopathische Aggression nicht heilbar, man kann die
Auswirkungen bestenfalls lindern indem man die eigenen Lebensgewohnheiten auf den Hund ausrichtet. Bei
einem Rüden kann durch eine frühzeitige Kastration eine Besserung eintre-
56
der absolut-hund report • 1 / 2011
ten. Hündinnen reagieren auf eine
Kastration eher gegenteilig und werden oft noch aggressiver. Allgemein
scheint es bei ihnen einfacher zu sein,
über eine Anpassung der Lebensumstände an die besonderen Anforderungen an einen solchen Hundes, ein relativ normales Leben zu ermöglichen, als
bei Rüden. Diese kommen leider häufig an einen Punkt, an dem ein weiteres Zusammenleben in der Familie
nicht mehr tragbar ist und man eine
Erlösung des Hundes zum Wohle aller,
nicht zuletzt zum Wohle des Hundes,
wirklich in Erwägung ziehen sollte.
Über Erziehung und Verhaltensumlenkung ist an die echte idiopathische
Aggression nicht heranzukommen, da
sich die heftigen Anfälle in aller Regel
in den eigenen vier Wänden und in
völlig unvorhersehbaren Situationen
abspielen. Leider wird eine durch fehlende/falsche Erziehung erlernte Aggression oft mit dieser idiopathischen
Aggression verwechselt, wodurch so
mancher Hund nicht die wohlverdiente Chance auf eine Verhaltensänderung
bekommt. Für die Halter der betroffenen Hunde ist ein offener Umgang mit
dem Problem wichtig.
Es macht Sinn, den Hund auf Stoffwechselstörungen untersuchen zu lassen,
da diese häufig mit dem Problem einhergehen. Auch sollte der Züchter
über das Auftreten der idiopathischen
Aggression informiert werden, damit
er Gelegenheit bekommt, in seiner
Zucht darauf zu reagieren und die Vererber aus der Zucht zu nehmen. Tritt
ein Anfall auf, ist es wichtig, Ruhe zu
bewahren und darauf zu achten, dass
der Hund weder sich noch andere verletzen kann. Wenn der Hund noch ansprechbar ist und sich anfassen lässt,
kann man ihm durch den Anfall helfen,
indem man ihm die Hand auf den Körper auflegt und ihm so Ruhe und Sicherheit bietet. Während eines Anfalles sollte in Gegenwart des Hundes
allenfalls ruhig gesprochen und sich
langsam bewegt werden.
Auf Züchterseite wäre es sinnvoll die
betroffenen Hunde und Linien aus der
Zucht zu nehmen. Dies allerdings liegt
nach wie vor in der Eigenverantwortung der Züchter. Es wird oft betont,
dass diese Krankheit heute ausgestorben sein soll. Allerdings wird immer
wieder von Fällen berichtet, die das
Gegenteil belegen (so wie der eingangs
erwähnte Vorfall im Sommer 2009).
Sicher ist, dass wenn sich auch die Zahl
der betroffenen Hunde im Promillebereich bewegt, jeder Hund, der unter
einer idiopathischen Aggression leidet,
einer zu viel ist.
Antje Henze
www.passion4dogs.de
passion4dogs
Inhaberin Antje Henze
58256 Ennepetal
Tel.: 02333 / 631 140
[email protected]
Problemhundtherapie,
Welpenfrüherziehung
www.passion4dogs.de
Krankheiten
Vergiftungen bei Hund und Katze
Giftige Nahrungsmittel:
Alkohol
Avocado
Erdnüsse
Hülsenfrüchte
Kaffee
–>
–>
–>
–>
–>
Kohlsorten
Knochen
–>
–>
Macadamia-Nüsse
Muskat-Nüsse
Nachtschatten-Gewächse
Obst-Steine
Rettich/Radieschen
Rosinen
–>
–>
–>
–>
–>
–>
Rohes Schweinefleisch
Schokolade/Kakao
–>
–>
Weintrauben
Zwiebel/Knoblauch
–>
–>
Zimt
–>
Akuter Leberschaden, Koma, Tod
Herzmuskelschäden
Epileptiforme Anfälle
In großer Menge Blähungen
Koffein führt zu Herzrhythmusstörungen und neurologischen
Problemen bis hin zu Todesfällen
Blähungen
Splitter-Gefahr: Verletzungen des Magen-Darm-Traktes
Gefahr der Kotverstopfung
Schäden an Magen-Darm-Trakt, Nervensystem und Muskeln
Zittern, Krämpfe und Tod
Grüne Anteile enthalten Atropin; Zittern und Herzrhythmusstörungen
Enthalten Blausäure: Durchfall, Fieber, Atemnot, Krämpfe, Tod
Blähungen
Nierenschäden durch Weinsteinsäure (s.a. Weintrauben);
Grenzwert: ca. 10 g pro kg Körpergewicht
Möglicher Überträger von Trichinen und vom Aujezsky-Virus
Enthält Theobromin: Nervengift (tödliche Dosis 100 mg Theobromin
pro kg Körpergewicht; je höher der Kakaoanteil, umso giftiger!)
Nierenschäden durch Weinsteinsäure (s.a. Rosinen)
Hämolyse (= Auflösung der roten Blutkörperchen; Grenzwert 5-10 g / kg
Körpergewicht)
Enthält Cumarin-Verbindungen; hemmt die Blutgerinnung (vgl. Rattengift)
Giftige Pflanzen:
Azaleen und Rhododendron
Buchsbaum
Dieffenbachia / Fensterblatt / Philodendron
Drachenbaum und Yucca-Palme
–>
–>
–>
–>
Eibe
Ficus und Gummibaum
Goldregen
Hortensie
Misteln
Oleander
Weihnachtsstern
–>
–>
–>
–>
–>
–>
–>
Neurotoxin: Nervenschäden
Tödliche Dosis: 5 g Blätter pro kg Körpergewicht
Schleimhautreizungen durch Oxalsäure
Hämolyse: Auflösung der roten Blutkörperchen; Speicheln, Erbrechen,
Koma
Tödliche Dosis: 30 g der Nadeln
Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Krämpfe
Erbrechen, Durchfall, Kollaps
Verdauungsstörungen
Erbrechen, Durchfall, Fieber, Koma
Störungen der Herztätigkeit
Schleimhautentzündung, Erbrechen, Durchfall
Giftige Chemikalien
und Medikamente:
Carbamate und Organophosphate
(Pestizide, Dünger)
Rattengift (Cumarin-Verbindungen)
Nitrat-Dünger
Ibuprofen / Diclofenac
Katze: Permethrin-Verbindungen
–> Hemmt Nervenimpulse; ZNS-, Magen-Darm- und Herz-KreislaufSymptome
–> Hemmt die Blutgerinnung; Gefahr des Verblutens
–> Stellt die Blutgefäße weit; Wasseraustritt ins Gewebe
–> Hemmt die Leberenzyme; Tod durch Leberversagen
–> Permethrine (z.B. in Preventic, Advantix, Exspot) sind giftig für Katzen!
Tragen Sie keine Spot-on-Pipetten für den Hund bei der Katze auf!!!
Medikamente für den Menschen sollten niemals ohne Rücksprache mit dem Tierarzt an Hund und Katze verabreicht
werden! Unsere Haustiere besitzen andere Entgiftungssysteme in der Leber und können daher ganz anders auf
Medikamente reagieren als wir Menschen!
Verhaltensmaßnahmen: Packungsbeilage o.ä. mitbringen! Je nach Art des Giftes kann es sinnvoll sein, das Tier innerhalb von 30 Minuten nach Aufnahme eines Giftes erbrechen zu lassen!
Foto: Fotolia
Telefonnummer der Giftzentrale: 02 28-1 92 40
Quelle: www.tierarztpraxis-am-schlagbaum.de
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Krankheiten
Am Schlagbaum 2a • 59192 Bergkamen • Telefon: 02307 4 388 288
www.tierarztpraxis-am-schlagbaum.de
Allergien beim Hund
Eine Allergie ist eine Überreaktion des
Immunsystems auf eigentlich harmlose
Stoffe. Ähnlich wie bei uns Menschen
nehmen auch bei unseren Haustieren
Allergien insgesamt immer mehr zu.
Hierfür sind verschiedene Mechanismen verantwortlich: so spielt einerseits die zunehmende Umweltverschmutzung eine Rolle, andererseits
nimmt man an, dass das Immunsystem
aufgrund der heute insgesamt sehr
guten hygienischen Bedingungen gewissermaßen„arbeitslos“ geworden ist
und so leichter zu Überreaktionen auf
normalerweise nicht krankmachende
Reize neigt.
Symptome
Beim Hund äußert sich eine Allergie
mehr oder weniger ausnahmslos durch
Juckreiz. Dieser tritt vor allem im Gesicht und an den Pfoten auf, kann aber
auch den Unterbauch und die Achseln
betreffen. Auf den Juckreiz reagiert
der Hund mit vermehrtem Lecken oder
Kratzen – dadurch kommt es in der
Folge zu Infektionen mit bakteriellen
Erregern und Hefepilzen. Auch häufige
Ohrentzündungen ohne äußerlich erkennbaren Grund können Anzeichen
einer Allergie sein!
Ist der Hund auf bestimmte Futterinhaltsstoffe allergisch, kann er außerdem mit Verdauungsstörungen in Form
von vermehrtem Grasfressen, Blähungen und Durchfällen reagieren.
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der absolut-hund report • 1 / 2011
„Heuschnupfen“ und Asthma kommen
dagegen beim Hund als Symptome
einer Allergie – anders als bei uns Menschen – quasi nicht vor.
Ursachen
Mittlerweile weiß man, dass die Veranlagung, eine Allergie zu entwickeln genetisch bedingt ist, also von den Elterntieren vererbt wurde. Darüber hinaus
spielen aber auch unter anderem die
Belastung mit Umweltgiften, Stress
und viele weitere Faktoren eine Rolle.
Man unterscheidet beim Hund drei häufige Formen von Allergien, die durch
unterschiedliche Auslöser, so genannte Allergene, hervorgerufen werden:
1) Atopie / atopische Dermatitis
Die Atopie oder auch atopische Dermatitis stellt eine häufige Form der
Allergie dar, bei der die Hunde mit Juckreiz der Haut auf Allergene wie Hausstaub- und Futtermittelmilben, Schimmelpilze oder Pollen von Bäumen und
Gräsern reagieren. Anders als früher
angenommen, gelangen die Allergene
jedoch nicht mit der Atemluft in den
Körper des Hundes, sondern werden
direkt über die Haut aufgenommen. Die
Atopie entwickelt sich meist, wenn die
Hunde bereits über ein Jahr alt sind.
2) Futtermittelallergie / Futtermittelunverträglichkeit
Auch die so genannten Futtermittel-
allergien kommen beim Hund relativ
häufig vor; sie verursachen ebenfalls
Juckreiz der Haut, können aber auch
Verdauungsstörungen wie Erbrechen,
Blähungen oder Durchfälle hervorrufen. Hierbei gelangen die Allergene
über die Nahrung in den Körper und
werden dann vom Magen-Darm-Trakt
aufgenommen. Futtermittelallergien
bzw. -unverträglichkeiten können bereits ab einem Alter von wenigen Monaten auftreten.
Die häufigsten Auslöser sind dabei:
• Rindfleisch
• Kuhmilch und Milchprodukte bzw.
Laktose
• Weizen
• Hühnchenfleisch
3) Flohbiss-Allergie
Eine Sonderform stellt die FlohbissAllergie dar, bei der der Hund allergisch auf den Speichel der Flöhe reagiert. Dies führt dazu, dass schon ein
einzelner Flohbiss hochgradigen Juckreiz verursachen kann! Anders als bei
den beiden anderen Allergieformen
sind hier die betroffenen Hautstellen
meist der Rücken und die Kruppe.
ACHTUNG!
Eine Allergie ist nicht heilbar! Die Veranlagung, auf bestimmte Dinge allergisch zu reagieren, ist angeboren und
bleibt lebenslang bestehen! Ziel der
Behandlung ist es daher, die Beschwer-
Krankheiten
den so gut wie möglich in den Griff zu
bekommen.
1) „Allergietest“ bei Atopie und Flohspeichelallergie
Ob das Tier auf Allergene wie Pollen,
Schimmelpilze, Milben oder Flöhe reagiert, lässt sich über eine Blutuntersuchung feststellen. Dazu werden Ihrem
Tier in unserer Praxis einige Milliliter
Blut entnommen, die dann in einem
Speziallabor auf diese Allergene getestet werden (ein Intrakutan-Test ist beim
Hund ebenfalls möglich; dieser kann
in spezialisierten Praxen und Kliniken
durchgeführt werden). Das Ergebnis
liegt in der Regel innerhalb weniger
Tage vor.
Bevor mit der Behandlung eine Allergie begonnen werden kann, müssen
zunächst andere Ursachen wie Pilzoder Parasitenbefall sowie bakterielle
Infektionen ausgeschlossen oder behandelt werden.
2) Eliminations-Diät bei Futtermittelallergie
Die effektivste Möglichkeit, um bei einer Futtermittelunverträglichkeit herauszufinden auf welche Bestandteile
das Tier reagiert, ist die so genannte
Eliminationsdiät. Dafür muss der Hund
über die Dauer von zunächst acht
Wochen ausschließlich mit einer Proteinquelle, das heißt einer Fleischsorte,
und einer Kohlenhydratquelle gefüttert
werden. Beide Dinge sollten für den
Hund möglichst„neu“ sein und nicht
in den Futtermitteln enthalten sein,
die der Hund vorher zu Fressen bekommen hat. Gut geeignete, „exotische“
Proteinquellen sind beispielsweise
Pferdefleisch, Hirsch oder Strauß; als
Kohlenhydratquellen eignen sich Kartoffeln oder z.B. auch Tapioka. Sie können als Besitzer diese Diät natürlich
selbst zubereiten – mittlerweile gibt es
aber auch Firmen, die Trocken- oder
Feuchtfutter mit den entsprechenden
Komponenten herstellen.
Nächstes Ziel ist es, die auslösenden
Allergene zu identifizieren. Dabei kommen je nach Form der Allergie unterschiedliche Tests zur Anwendung:
Verschwindet innerhalb dieser acht
Wochen der Juckreiz, so weiß man zum
einen, dass der Hund auf diese Komponenten nicht allergisch reagiert. Zum
Foto: Fotolia
Allergien machen sich beim Hund in
erster Linie durch Juckreiz bemerkbar
Ein Hund kann außerdem auch auf
mehrere Dinge allergisch reagieren bzw.
eine Atopie und eine Futtermittelunverträglichkeit haben – dies führt dazu,
dass die Diagnostik und Behandlung
oft mehrere Untersuchungen und Therapieansätze erfordert und sich dadurchrelativ langwierig gestalten kann!
Behandlungsstrategien
anderen kann man nun weitere Komponenten – wiederum über einen Zeitraum von acht Wochen – mit hinzunehmen, um das Spektrum nach und nach
zu erweitern. Tritt erneut Juckreiz auf,
muss die entsprechende Komponente
in Zukunft vermieden werden!
Die Eliminationsdiät muss mindestens
über einen Zeitraum von acht Wochen
durchgeführt werden und verlangt
von allen Menschen, die mit dem Hund
zusammenleben, Konsequenz und
Disziplin, da leider jedes Gramm des
allergieauslösenden Stoffes das Ergebnis für mehrere Wochen verfälschen
kann.
Ist bekannt, auf welche Stoffe der Hund
allergisch reagiert, besteht der wich-
HundeZentrum
Ostfriesland
Anett Kulke
Hundeverhaltenstherapeutin,
Hundehaltertrainerin,
Hundeverhaltensberaterin
26603 Aurich
E-Mail: whitewolf66(at)web.de
Mobil: 01520 / 982 385 8
1 / 2011 • der absolut-hund report
59
Krankheiten
tigste Behandlungsansatz in der Vermeidung dieser Allergene. Eine solche
Allergenvermeidung ist vor allem bei
Futtermittelunverträglichkeiten und
bei Flohspeichelallergie (regelmäßige
Flohprophylaxe) relativ einfach durchzuführen – reagiert der Hund aber beispielsweise allergisch auf Hausstaubmilben, so lässt sich ein Kontakt mit diesen
sehr viel schwieriger vermeiden.
Für solche Fälle, in denen sich der Kontakt mit dem Allergen nur sehr schlecht
vermeiden lässt, kommt die so genannte Hyposensibilisierung oder auch antigen-spezifische Immuntherapie als
Behandlungsmöglichkeit in Frage. Dabei muss ebenfalls zunächst ein Allergietest erfolgen, um herauszufinden,
auf welche Dinge das Tier reagiert. Aus
diesen Antigenen wird dann in einem
Speziallabor eine individuelle Lösung
hergestellt, von der dem Hund dann
über den Zeitraum von zunächst einem
Jahr anfangs wöchentlich, später in größeren Abständen, eine kleine Menge
injiziert wird. Dadurch„gewöhnt“ sich
das Immunsystem an diese Allergene
und die Allergiesymptomatik geht zurück. Ist eine solche Hyposensibilisierung erfolgreich, so sollte sie lebens-
Hundezentrum Rems-Murr
Inhaberin Simone Mangold
Hundeerziehung, Hundeverhaltenstherapeutin,
Ernährungsberatung für Hunde
lang fortgesetzt werden, da
auch durch diese Therapie
die Allergie nicht geheilt,
sondern nur reduziert wird!
In akuten Fällen sowie bei
hochgradigen Beschwerden
können auch beim Hund
Foto: Fotolia
Kortisone angewandt werden. Kortison drosselt die
Eine Behandlungsstrategie: Beschränkung auf
Funktion des Immunsystems eine Proteinquelle über die Dauer von acht
und verhindert dadurch des- Wochen
sen Überreaktion auf das auslösende Allergen. Allerdings wird auch Eine weitere, relativ neue medikamendie Abwehrleistung gegen tatsächlich
telle Behandlungsmöglichkeit stellt
krankmachende Erreger geschwächt,
das Cyclosporin A dar. Dabei handelt
so dass der Einsatz von Kortison imes sich um einen Eiweißstoff aus einem
mer sorgfältig abgewogen werden
Bodenpilz, welcher gezielt die Übersollte. Langfristig eingesetzt kommt es funktion des Immunsystems beeinaußerdem zu zahlreichen weiteren Ne- flusst. Bei dieser Therapieform sind Nebenwirkungen auf den gesamten Orga- benwirkungen selten, das Medikament
nismus.
ist jedoch relativ teuer.
Auch beim Hund können Antihistaminika zur Anwendung kommen – anders
als das Kortison beeinflussen sie nicht
das gesamte Immunsystem sondern
nur die so genannten Histamin-vermittelten Reaktionen; allerdings ist die Behandlung mit Antihistaminika beim
Hund oft relativ unbefriedigend.
Unterstützend kann vor allem bei der
atopischen Dermatitis das Futter mit
Essentiellen Fettsäuren (z.B. im Nachtkerzenöl enthalten) angereichert werden. Diese liefern alle für den Hautstoffwechsel notwendigen Bausteine und
tragen somit dazu bei, dass die Schutzund Barriereform der Haut verbessert
wird und Allergene nicht so leicht aufgenommen werden können.
Mobile Hund- und
Halterschulung
Zeigt Ihr Tier vermehrten Juckreiz oder
vermuten Sie bei Ihrem Tier eine Allergie, so vereinbaren Sie einen Termin in
der Praxis und wir beraten Sie gerne!
71566 Althütte
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Telefon 07183 / 305 154
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60
der absolut-hund report • 1 / 2011
Autor: Tierarztpraxis am Schlagbaum
www.tierarztpraxis-am-schlagbaum.de
Felix –
Ein Labrador
nutzt seine
letzte Chance
Serie mit Berichten
von„Das Leid der
Vermehrerhunde“
www.das-leid-der-vermehrerhunde.de
Im Frühherbst 2008 bekamen wir einen
Hilferuf zugeschickt: Felix, zweieinhalb
Jahre alt, Labradorrüde kastriert, sucht
dringend ein Pflegeplätzchen oder ein
endgültiges Zuhause. Eigentlich waren
unsere Lebensumstände nicht ideal,
um einen weiteren Hund zu unserer
Golden Retriever Hündin aufzunehmen.
Bisher war immer die Vernunft Sieger
geblieben, entweder bei meinem
Mann oder bei mir, aber Felix Bild hat
uns berührt. Nach einigen Telefonaten
haben wir uns dann entschieden, dass
er zu uns kommen darf.
Felix wurde mit ca. einem halben Jahr
im Tierheim abgegeben, weil er seine
Familie vom Sofa herunter angeknurrt
hatte. Im Tierheim scheiterten zwei
oder drei Vermittlungsversuche daran,
dass Felix am Futternapf die Annäherung bzw. Berührung von Menschen
nicht ertragen konnte und geschnappt
hatte. Eine engagierte Tierschützerin
hatte ihn dann im Tierheim gefunden
und ihn als Pflegestelle für einen Tierschutzverein zu sich genommen. Mit
großer Wahrscheinlichkeit hat sie ihm
damit das noch junge Leben gerettet,
denn im Tierheim galt Felix als nicht
vermittelbar. Auch in dieser Pflegestelle
zeigten sich Schwierigkeiten, Felix hat
dort drei Mal abgeschnappt, immer in
Situationen in denen aus seiner Sicht
zu viel Nähe entstanden war.
Mit diesen Vorinformationen kam Felix
dann am 18.10.2008 bei uns an. Mit unserer Hündin haben wir das erste Treffen auf einer großen eingezäunten
Wiese durchgeführt, so konnten beide
Hunde frei laufen. Die beiden haben
sich kurz begrüßt und damit war das
Kennen lernen erledigt. Bis heute würde ich das Verhältnis der beiden so be-
schreiben: Sie akzeptieren sich, aber
sie brauchen sich nicht unbedingt.
In den ersten Wochen hat Felix unheimlich viel geschlafen. Er musste wohl
seine Vergangenheit ausschlafen, den
Stress der letzten Wochen und sich erholen. Auf den Spaziergängen klebte
seine Nase quasi am Boden, Felix war
nicht ansprechbar – er schnüffelte nur
und sammelte alles ein, was er am Boden finden konnte. Egal ob es Dreck,
Kot, Äpfel oder was auch immer war,
er hat es gefressen.
Schon in den ersten Tagen kam es zu
Situationen, in denen Felix abschnappte. Er drohte enorm kurz, so dass wir
Menschen kaum Zeit hatten, darauf
deeskalierend zu reagieren. Und dann
packte er, da wo er einen erwischen
konnte und hielt fest. Es gab keine
Löcher, aber manchmal leichte Quetschungen. Er hatte eine verdammt gut
ausgeprägte Beißhemmung, wusste
genau, wie fest er packen konnte, um
Hundezentrum Springorum
Inhaberin Anke Springorum • 58332 Schwelm
E-Mail: info(at)hundezentrum.springorum.info
Telefo 02336 / 3049 • Mobil: 0160 / 964 721 47
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Problemhundtherapie
Welpenausbildung
1 / 2011 • der absolut-hund report
61
Leid der Vermehrerhunde
deutlich zu verwarnen, aber nicht zu
verletzen.
Je länger wir uns kennen lernten, um
so deutlicher wurde uns, dass Felix
einfach schlechte Erfahrungen mit der
Hand des Menschen gemacht hatte. Es
bestätigte sich nicht, dass er Liegeplätze verteidigte, sondern es stellte
sich immer mehr heraus, dass er quasi
seine eigene Individualdistanz verteidigte. Er scheint einige sehr unschöne
gewalttätige Erziehungsversuche erlebt zu haben und hat irgendwann gelernt, dass Selbstverteidigung die beste
Art der Verteidigung ist. Darüber hinaus
haben wir bei einem Tierarztbesuch
festgestellt, dass er einen kaputten Ellbogen hatte, vermutlich von Geburt
an und schon lange unter Schmerzen
litt. Aus diesem Grund haben wir ihn
zunächst mit Schmerzmitteln schmerzfrei gemacht und anschließend eine
Operation des Beines durchgeführt.
In der ersten Zeit war es nicht immer
leicht mit Felix zusammen zu leben.
Wir hatten die Möbel umgestellt, um
Engstellen zu vermeiden, die ihn dazu
veranlassen würden, zu schnappen
oder in eine Abwehrhaltung zu gehen.
Immer wenn wir uns ihm näherten,
egal ob auf seinen Liegeplätzen oder
sonst irgendwo in der Wohnung liegend, haben wir ihn angesprochen,
ihm ein absplittendes Handzeichen
gezeigt, damit er wusste, dass wir nur
an ihm vorbeigehen, ihn nicht anfassen wollen. Wenn uns etwas hinuntergefallen ist, haben wir erst geschaut,
wo Felix gerade ist. Nur mit ausreichend
Abstand zu ihm, haben wir es dann aufgehoben. Wenn Felix dicht dabei war,
haben wir ihn zunächst weggelockt
und uns erst anschließend gebückt.
Wir hatten für Felix Kinderschutztüren
62
der absolut-hund report • 1 / 2011
gekauft und damit das Arbeitszimmer
ausgestattet. So konnte Felix im Arbeitszimmer schlafen, abgetrennt, aber in
Hör- und Sichtweite zu uns im Schlafzimmer und Wohnzimmer, damit er
sich nicht nachts heimlich aufs Sofa
schleichen konnte, weil ja unklar war,
ob wir ihn da wieder runter lotsen
könnten. Außerdem war es eine Möglichkeit, ihm auch tagsüber mal für sich
alleine eine Auszeit zu geben. So ein
bisschen wie Kleinkinder zum Mittagsschlaf hinzulegen, damit sie dann den
unterstützt, sowohl was die gesundheitlichen Baustellen anging als auch das
Thema Vergangenheitsbewältigung.
Dies hat ihm auch ein gutes Stück geholfen, er wurde freier, das Training
nutzen zu können. Viele Abläufe haben
wir ritualisiert, d.h. Signalwörter eingeführt, die einen immer gleichen Ablauf
ankündigen. Das gibt ihm die Sicherheit zu erkennen, was nun als nächstes
auf ihn zukommt und was von ihm verlangt wird.
Rituale halfen Felix,Vertrauen zu entwickeln: er wartet in seinem Zimmer bis das
Futter angerichtet ist und in einem Extra-Zimmer abgestellt wird
Rest des Tages ausgeruht begehen können. Ihm war vor allem an den Wochenenden, wenn wir beide den ganzen
Tag zuhause waren, die dauernde Nähe
zum Menschen oft zu anstrengend, da
musste er immer acht geben, was wir
gerade so machen, ob sich jemand nähert usw. In seinem Zimmer, das wir
dadurch attraktiv gemacht haben, dass
es immer was tolles zum Nagen gab,
konnte er sich entspannen und schlafen, weil er bald herausgefunden hatte,
dass ihn dort niemand stört.
Wir haben Felix mit Hilfe einer Tierheilpraktikerin zusätzlich homöopatisch
So haben wir in den ersten Wochen
das Brustgeschirr einfach angelassen
und dann langsam daran gearbeitet,
es an- und ausziehen zu dürfen. Auch
das Richten des Futters und die Abläufe
darum haben wir ritualisiert: Er wartet
in seinem Zimmer bis das Futter gerichtet ist, dann stellen wir es in ein Extrazimmer, das er erst anschließend
betreten darf und schließen die Tür.
Wenn unsere Hündin mit Fressen fertig ist, gehen wir an seine Zimmertür
und fragen:„Bist Du fertig?“ und öffnen. Das Ein- und Aussteigen im Auto
wurde ritualisiert, damit er keine Angst
hat, wenn wir ins Brustgeschirr fassen,
Leid der Vermehrerhunde
um das Raushüpfen abzufedern, wegen
seines Ellbogens. Alleine bleiben haben
wir ebenfalls ritualisiert:„Bin gleich wieder da“ und etwas zum Nagen bilden
das Ritual. Genauso das An- und Ableinen, damit er immer wusste, warum
sich die Hand nun auf ihn zubewegt
und dass ihm dabei nichts passieren
wird. Auch ein Maulkorbtraining hat
Felix hier kennen gelernt. Das war uns
immer wichtig, damit wir ihn z.B. beim
Tierarzt stressfrei sichern können. Aber
auch als wir ihn das erste Mal zu meiner Familie dazugelassen haben, war
der Mauli drauf – einfach zur Sicherheit
für die Menschen und da er ihn kannte,
fand er das nicht schlimm.
Wenn Besuch kam und auch heute
noch kommt, geht Felix zunächst in
sein Zimmer, damit in unserem engen
Flur nicht unabsichtlich eine schwierige Nähe für ihn entsteht. Anfänglich
durfte er dann im Zimmer schlafen,
nagen und sich in Sicherheit fühlen.
Oft hatte ich den Eindruck, dass er regelrecht froh war, dass er wegbleiben
durfte. Später durfte er dann immer
mal wieder für eine kurze Zeit dazu, je
nach seiner Tagesform aber auch je
nach Besuch. Mit der Zeit haben wir
ihn bei Menschen, die er bereits kannte
und die wussten, wie sie sich verhalten
sollen, auch an der Tür dazugelassen.
Erst gestern waren Freunde da, die er
durch das Mantrailtraining kennt und
mag. Da durfte er die gesamte Zeit des
Besuches dabei sein und konnte das
auch gut meistern.
Mit Kommandos haben wir erst recht
spät angefangen, das war einfach nicht
wichtig. Wichtig war uns zunächst, dass
er ankommen darf, dass er seinen
Stress abbauen kann, dass er die Erfahrung macht, es gibt Menschen, denen
man vertrauen kann, die einem nicht
weh tun. Wir haben zunächst sehr viel
Kopfarbeit mit ihm gemacht: Nasenarbeit, Trickaufbau, Suchspiele. Damit
konnte er seine Frustrationstoleranz
etwas steigern. Er lernte, nach anderen
Lösungen zu suchen, lernte sich selbst
zu vertrauen und hatte einfach Spaß
zusammen mit dem Menschen.
Im Herbst 2009, nach über einem Jahr
Pflegezeit, haben wir uns dann entschieden, dass Felix hier nicht mehr
wegzudenken ist und er bei uns bleiben darf. Nun wurde er ganz offiziell
unser Hund – mit einem neuen Rufnamen,„Ben“, den wir ihm schon lange
vorher gegeben hatten, zum Zeichen
des Neuanfanges. Nun lebt er bei uns
als Familienmitglied. Es war uns bei der
endgültigen Übernahme von Ben bewusst, dass wir noch einen weiten Weg
vor uns haben und viele Entscheidungen noch um ihn herum getroffen werden müssen. Besuche bei Familie oder
Freunden müssen immer abgewogen
werden: Kann er schon mit oder ist es
noch zu viel für ihn? Wenn wir ihn nicht
Über die Einübung von Tricks und
Suchspielen durfte Felix erfahren, dass
er auch Spaß zusammen mit seinen
Menschen haben konnte
mitnehmen können, darf er zu einer
versierten Trainerin in deren Tierpension.
Das haben wir auch langsam und
Schritt für Schritt vorbereitet und er
geht sehr gerne hin.
Mittlerweile sind die Kindergittertüren
nachts offen, Tagsüber braucht er immer seltener eine Auszeit. Er hat das
Sofa und das Bett erobert, allerdings
können wir ihn auf dem Sofa oder im
Bett nicht bekuscheln. Liegend kann
er es noch immer kaum aushalten,
Hundeschule-Ostfriesland e.V.
1. Vorsitzende Heike Sedlak
Hundehaltertrainerin, Hundeverhaltensberaterin
26603 Aurich • E-Mail Hundeschule-Ostfriesland(at)web.de
Telefon 0494 / 171 159 • Mobil 0170 / 105 005 4
www.hundeverein-ostfriesland.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
63
Leid der Vermehrerhunde
angefasst zu werden. Das macht ihm
immer noch Angst. Vielleicht kann er
es irgendwann in den nächsten Jahren
genießen lernen, vielleicht auch nicht.
Wir passen uns ihm in seiner Lerngeschwindigkeit an. Bis heute gilt, dass
wir fremde Personen nicht erlauben,
ihn zu streicheln, genau wegen dieser
Ängste, aber wir können ihn mittlerweile an immer mehr Stellen anfassen.
Vor wenigen Wochen habe ich zu trainieren begonnen, ihm in die Ohren zu
schauen, die Augen zu kontrollieren,
das Maul anfassen und die Lefzen
Felix wird heute „Ben“ gerufen.
Er zeigt Bereitschaft zu lernen,Vertrauen zum Menschen zu fassen
und strahlt inzwischen viel
Lebensfreude aus
hochziehen zu dürfen. Das geht ganz
gut, ich bin gespannt wie weit wir kommen werden….
Es war ein großes Abenteuer, diesen
Hund aufzunehmen und bis jetzt zu
begleiten. Aber es lohnt sich hundertfach. Ich kann nur erahnen, welche Erfahrungen ihn so misstrauisch haben
werden lassen, was ihn so ängstlich
und verteidigungsbereit hat werden
lassen. Aber ich bin immer wieder tief
berührt, wie viel Bereitschaft Ben zeigt,
wieder zu vertrauen, Berührungen
langsam wieder zu zu lassen, wie viel
er lernt, was alles möglich ist und vor
allem, wie viel Lebensfreude dieser
Hund mittlerweile ausstrahlt. Das Verhalten dieser Hunde hat Ursachen, die
fast ausnahmslos in Handlungen des
Menschen begründet liegen. Und oft
waren diese Erfahrungen so schmerzlich und sitzen so tief, dass es Jahre, viel
Einfühlungsvermögen und Verständnis braucht, einem Hund das Wissen zu
vermitteln, wieder vertrauen zu können.
Es bedeutet ebenso, ein Stückweit eigene Lebensgewohnheiten zu ändern
oder aufzugeben. Wir waren dazu
bereit.
Ich bin sehr dankbar, dass uns das
Schicksal zusammen geführt hat und
wir mit ihm seinen Lebensweg gehen
dürfen, mit allen Ecken und Kanten.
Und ich bin auch froh darüber, in dem
Verein „Retriever und Freunde e.V.“
Menschen gefunden zu haben, die an
unserem gemeinsamen Lebensweg
Anteil nehmen. Viele kennen unsere
Geschichte von Anfang an. Mit im Verein engagierten Animal-Learn-Trainerinnen habe ich bis heute die Möglichkeit, mich fachlich auszutauschen. In
Momenten, in denen ich dachte, es
geht einen Schritt voran und zwei zurück, haben mich Freunde auch mal
getröstet und mir Mut zugesprochen,
nicht aufzugeben. Diesen Rückhalt
möchte ich nicht missen, er ist so wichtig, gerade dann, wenn ein gemeinsamer Weg von Hund und Mensch so
stolprig ist, wie der unsere.
Herzliche Grüße aus dem Schwarzwald
von Martina, Eika & Ben (Felix)
Text mit freundlicher Genehmigung von
www.das-leid-der-vermehrerhunde.de
Fotos: www.tierart-fds.de
64
der absolut-hund report • 1 / 2011
Newsletter Januar 2011
Stammtisch am 20. Januar in Neu-Ulm –
bitte noch anmelden: [email protected] • www.hundeforschung.de
Hundezucht, Gene und die Erbkrankheiten
In Deutschland gibt es eine jährliche
Hundepopulation von ca. 5,3 Millionen
Hunden. Diese Zahl ist seit Jahren sehr
konstant. Nach Schätzungen gibt es
circa 500.000 Hundewelpen gesamt
jährlich. 80 % der Hunde kommen aus
deutscher Zucht, 20 % werden importiert. Die Gesamtpopulation liegt bei
69% Rassehunden und 31 % Mischlingen 29 % aus dem VDH, 48% aus nicht
„kontrollierter“ Zucht und die restlichen
sind Importe. (Jahresbericht 2009 VDH)
Unsere heutigen Hunderassen sind
durch eine verhältnismäßige kleine
Anzahl von Gründertieren entstanden.
Durch das Festlegen eines Rassestandards wurden die genetischen Optionen für jede einzelne Rasse im Wesentlichen festgelegt. Durch das erfolgte
im weiteren Verlauf der Zucht mehr
und mehr ein Verlust der genetischen
Vielfalt. Zusätzlich wird nach möglichst
einheitlichen Individuen gestrebt, die
den vorgegeben Rassenstandards entsprechen. Dafür wird auf der einen Seite
vermehrt Inzucht mit Tieren betrieben
die diese gewünschten Merkmale besitzen, auf der anderen Seiten werden
aber auch populäre Deckrüden, die
oftmals Ausstellungssieger und bekannte Champions waren, eingesetzt.
All das führt zu einer Verarmung des
Genpools und zum vermehrten Auftreten von genetischen Erkrankungen
und dabei zu einer Fixation von Erbleiden in der Population.
2009 waren 489 Erbkrankheiten bei
Rassehunden beschrieben. Diese entstehen durch Gendefekte und Mutationen, wobei diese bei einzelnen oder
mehreren Tieren in einer oder verschiedenen Populationen bestehen (Mutation: dauerhaft, stabil vererbte Veränderung der DNA).
Eine Genanalyse ermöglicht es, eine
Veränderung der DNA eines Individuums zu identifizieren. Das Ziel der molekularen Gendiagnostik ist eine Erfassung von Genotypen, um Nachweise
aller Varianten einen Genlocus, unabhängig von Genwirkungen, Alter, Geschlecht und physiologischen Status,
zu erhalten. Zusätzlich kann sie als
Nachweis von züchterischen vorteilhaften und nachteiligen Anlagen dienen.
Bei der Anwendung eines direkten Gentests sind die merkmalsverursachenden
(kausativen) DNA Varianten (Allele) bekannt und können dargestellt werden.
Die Aussagesicherheit des Testergebnisses liegt bei korrekter Ausübung
bei 100%.
Bei einem indirekten Gentest, ist der
relevante Genlocus nicht exakt bekannt,
jedoch die chromosomale Lokalisation
. Es werden Markerloci in der betroffenen Region für die Beurteilung des
Allels eingesetzt. Die Aussagesicherheit
steigt, je weniger Rekombinationen
zwischen den Marker und dem zu identifizierenden Genlocus sind. In der Regel werden indirekte Gentests umso
sicherer, je näher der getestete Marker
an der tatsächlichen Mutation sitzt.
Diese Gentests sind meist patentrechtlich geschützt und so werden bestimmte
Gentests nur von den jeweiligen Genlabors angeboten.
(Quelle: Doktorarbeit Fr. Chr. Julia Rabe
2009)
1 / 2011 • der absolut-hund report
65
Alopezie ist der
Fachausdruck
für Haarausfall
Vermischtes
Alopezie (Color Dilution Alopecia/
CDA) Überarbeitung Prof. Dr. Tosso Leeb/Uni Bern
Die Farbmutantenalopezie oder Color
Dilution Alopecia (CDA) oder black hair
follicular dysplasia (BHFD) kommt nur
bei Hunden mit verdünnten Fellfarben
vor (engl. dilute coat color). Verdünnte
Fellfarben und auch die CDA kommen
in vielen Rassen vor. Aufgrund des Risikos, eine CDA zu entwickeln, werden
die verdünnten Farben in einigen Rassen als Fehlfarben eingestuft und entsprechen nicht dem Rassestandard.
Eine dieser verdünnten Farben ist
„blau“. Durch das Verdünnungsgen
sieht die eigentlich schwarze Grundfarbe von blauen Hunden eher mausgrau/silber/anthrazit aus. Daneben
gibt es auch die Farbe isabell (von einer
gelben oder roten Grundfarbe). Farben
wie blau, silber oder isabell werden
meist als interessant, exotisch und wertvoll angesehen und sind bei manchen
Rassen auch im Standard anerkannt.
Eine echte CDA kann sich nur bei einem Hund mit einer verdünnten Farbe
entwickeln, aber nicht jeder Hund mit
einer verdünnten Farbe bekommt
auch CDA. Es ist zur Zeit noch nicht bekannt, welche zusätzlichen Auslöser
nötig sind, damit eine CDA entsteht. Es
gilt allerdings als gesichert, dass die
Rasse einen großen Einfluss hat. So bekommen bei den Grossen Münsterländern alle Hunde mit einer verdünnten
Fellfarbe auch CDA, weshalb in dieser
Rasse die verdünnten Fellfarben auch
als Fehlfarben klassifiziert werden. Bei
Beaglen hingegen ist z.B. blau eine anerkannte Farbe und es wurde noch nie
über besondere Hautprobleme bei
blauen Beaglen berichtet.
66
der absolut-hund report • 1 / 2011
Die Farbverdünnung beruht auf einem
defekten Transport der Pigmentpartikel
(Melanosomen) in den Pigmentzellen
(Melanozyten) und führt zu einer Verklumpung der Pigmente in diesen Zellen. Da die großen Pigmentklumpen
auch in die wachsenden Haare eingebaut werden, könnte es sein, dass dadurch die Haare ihre mechanische
Stabilität verlieren und ganz knapp
über der Haarwurzel, noch in der Haut,
abbrechen. Die zurückbleibenden
Haarstummel können beim weiteren
Wachstum die Haut reizen und zu Entzündungen der Haut führen, die eine
medikamentöse Behandlung erfordern.
Der Schweregrad der CDA kann also
sehr unterschiedlich sein. In leichten
Fällen ist lediglich das Fell etwas lichter und der Hund hat sonst keinerlei
gesundheitliche Probleme. Eine sehr
charakteristische Stelle für den Haarverlust bei CDA sind die Rückseiten der
Ohren, die bei CDA Hunden oft nur
spärlich behaart oder sogar völlig kahl
sind. Auf der anderen Seite kann eine
CDA in seltenen schweren Fällen aber
auch zu den oben beschriebenen chronischen Hautentzündungen führen,
die eine ernste Krankheit darstellen
und oft einer lebenslangen Therapie
bedürfen. CDA Symptome werden
meist im Alter von drei bis sechs Monaten offensichtlich, können aber auch
noch später im Leben beginnen.
2005 wurde in einer Studie (Philipp et.
al.) an mehreren Hunden der Rassen
Deutscher Pinscher, Dobermann und
großer Münsterländer durchgeführt.
Es zeigte sich dass die Krankheit durch
Mutationen nahe dem MLPH Gen auf
Chromosom 25 verursacht wird. Die
ursächliche Mutation konnte in dieser
Studie noch nicht gefunden werden.
In einer weiteren Studie 2007 (Drögemüller et al.) wurden DNA Proben von
285 Hunden aus 7 Rassen untersucht
und die wahrscheinlich kausale Mutation für die Farbverdünnung identifiziert.
Mit diesen Informationen konnte ein
Gentest für die Farbverdünnung entwickelt werden. Dieser Gentest wird
von mehreren Laboren angeboten,
zum Beispiel:
Health Gene in Toronto, Kanada:
www.healthgene.com oder
Universität Göttingen:
http://www.tieraerztliches-institut.unigoettingen.de/home/ZMDAntragsformulare.html
Mit dem Gentest lässt sich der Genotyp in Bezug auf die Farbverdünnung
eindeutig feststellen und die Zucht
von farbverdünnten Welpen steuern.
Welpen ohne Farbverdünnung können
auch keine CDA bekommen. Allerdings
kann der Test keine Aussagen darüber
machen, ob ein farbverdünnter Hund
tatsächlich CDA entwickeln wird. Es ist
somit weiterhin sehr wichtig, Daten
darüber zu sammeln, in welchen Rassen die verdünnten Farben wirklich
unbedenklich sind und in welchen
Rassen auf die Zucht farbverdünnter
Hunde besser verzichtet werden sollte.
(Quelle: T. Leeb, Bern)
Vermischtes
Besuch bei genocanin an der Uni Kassel
DNA-Profilen für die Mitglieder des Fördervereins auch weitere molekulargenetische Auswertungen durchgeführt. (z.B. Erbfehlerdiagnostik bei circa
zwanzig verschiedenen Tests für eine
gesunde Zuchtplanung, Abstammungsnachweis, Identitätsnachweis, Merkmalnachweis, usw.)
Der Besuch bei Fr. Dr. Ina Pfeiffer und
genocanin war schon lange geplant
und konnte am 10.Januar 2011 endlich
realisiert werden. Es wurden 2010 lange
Gespräche geführt und seit Kurzem wurde nun genocanin der Kooperationspartner des Fördervereins. Dieser ist für
die Einlagerung der Blutproben zuständig. Zusätzlich werden in Zukunft
neben der zertifizierten Erstellung von
Diese sind neben den offiziellen, unter
anderem staatlich unterstützten Studien der Universität Bern und München
eine wichtige Möglichkeit um eigene
Erkenntnisse für Zuchtplanung, Therapie und psychologische Hilfe ermitteln zu können. Frau Fahrenschon,
Frau Steinwitz und Frau Giuliano wurden herzlich am Montag Mittag im
Labor an der Uni Kassel/genocanin
von Frau Dr. Pfeiffer begrüßt. Hautnah
wurde direkt an einer Blutprobe gezeigt wie der Ablauf im Labor ist. Eine
DNA wurde live isoliert und der DNAStrang sichtbar gemacht. Das hat schwer
beeindruckt und wird das ganze Leben
lang den drei Frauen in Erinnerung
bleiben. Frau Dr. Pfeiffer erklärte sehr
lebendig die Zusammenhänge von
ihrer Arbeit. Erfolge gleichvoll wie
Schwierigkeiten wurden von ihr aufgezeigt und somit die langwierige Arbeit
eines Genetikers. Neben einem Rundgang im Labor und den genauen Erklärungen von den Umsetzungen der
DNA Auswertungen wurden die weiteren Aktivitäten zwischen genocanin
und dem Förderverein erörtert und
festgelegt. Dabei wurden auch interessante Preise für unsere Mitglieder für
die Erstellung von DNA-Profilen mit
Zertifikat beschlossen, gerade für Züchter mit mehreren Hunden sehr interessant.
Bei Interesse bitte direkt bei Frau
Giuliano melden:
[email protected]
Messeauftritte Januar/Februar 2011
Jagd und Fischerei: 20. – 23. Januar 2011 Messe Ulm
Messegelände Ulmer Messe • Böfinger Straße 50 • 89083 Ulm
Öffnungszeiten: 9.30 Uhr – 18.00 Uhr
http://www.uag.de/index2.php
Eintrittspreise: Erwachsene 8,00 € • Ermäßigt 7,00 € • Kinder 2,80 €
HUND 2011 – CH: 04.-06. Februar 2011 Messe Winterthur
Messegelände Eulachhallen • Wartstrasse 73 • CH-8400 Winterthur (Schweiz)
http://www.hundemesse.ch/
Öffnungszeiten: Freitag 14.00 Uhr – 20.00 Uhr • Samstag 10.00 Uhr – 18.00 Uhr
Sonntag 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 15,00 SFr • Hund 5,00 SFr
Ermäßigt 10,00 SFr • Kinder bis 16 Jahre frei
www.hundeforschung.de
1 / 2011 • der absolut-hund report
67
AUSBILDUNG –
aber welche?
Ausbildungsangebote von
Absolut-Hund:
Hundehaltertrainer (HHT)
Zielgruppe: Menschen, die sich in der Anleitung von Mensch-Hund-Team aktiv sehen,
gerne in der Gemeinschaft arbeiten und vorbeugend/aufbauend tätig sein möchten.
Schwerpunkte: Aufbau/Anleitung eines
Mensch-Hund-Teams
Hundeverhaltenstherapeut (HVT)
Zielgruppe: Menschen, die sich in der aktiven Verhaltensumlenkung von Fehl- und
Problemverhalten mit Hund und Halter in
therapeutischer Form sehen.
Schwerpunkte: Fehlgelenkte Verhaltensweisen von Hund und Halter
Mantrailer-Trainer (MTT)
Zielgruppe: Menschen die Menschen helfen
oder auch eine gute Auslastungsmöglichkeit
für Hundehalter anbieten möchten.
Schwerpunkt: Anleitung von Gruppen oder
Einzelpersonen
Weitere Informationen zu Inhalten, Preisen
und Terminen unter
www.absolut-hund.de
oder
0171 / 3 22 52 61

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