01_01_Titel_Layout 1 - Ärztekammer Schleswig

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01_01_Titel_Layout 1 - Ärztekammer Schleswig
NR. 1 | Januar 2010
Bad Segeberg, 63. Jahrgang
Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
Herausgegeben von der Ärztekammer Schleswig-Holstein
mit den Mitteilungen der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein
â Forschung an der Kieler Universität
Nanowissenschaft und
Medizin kooperieren
Seite 56
â WEITERE THEMEN IN DIESEM HEFT
Thomas Wortmann im Interview Seite 24 Ärzte und moderne Kommunikation Seite 50 Detektivarbeit: Forensische Gespräche in Lübeck Seite 58
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SEITE 3
Schleswig-Holstein meerumschlungen ...
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese Titelzeile aus der offiziellen Landeshymne wird gerade jetzt zum Jahreswechsel wieder auf vielen Veranstaltungen
und Empfängen im Lande mit Inbrunst gesungen. Und der Inhalt dieses Trotz- und Trutzliedes passt irgendwie
auch zur Mentalität seiner Bewohner, vor allem derer, für die diese Zeile wortwörtlich und nicht nur im übertragenen Sinne gilt. Auf den nordfriesischen Inseln sind die Gemeinwesen, und auf den Halligen sogar einzelne Familienverbände und Häuser zumindest zeitweise im Jahresverlauf ganz auf sich selbst gestellt. Mit der Sicherstellung
einer hochwertigen medizinischen Versorgung auch dieser Region befasst sich das Schleswig-Holsteinische
Ärzteblatt in einem ausführlichen Beitrag auf den Seiten 12-15 dieser Ausgabe.
Dabei stellt in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein eine flächendeckende Notfallversorgung nach den
heutigen Maßstäben und Erwartungen die Verantwortlichen auch ohne natürliche Barriere wie sie das Wattenmeer
darstellt, bereits vor große Herausforderungen. Die Initiative der deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zur Netzwerkbildung bei der Versorgung schwerverletzter Unfallopfer ist dabei ein zusätzlicher Baustein in einer schon ohnehin hochentwickelten Versorgungskette (Seite 29).
Um Vernetzung im Gesundheitswesen im weiteren Sinne geht es auch auf einem zweitägigen Kongress der Gesundheitsinitiative Schleswig-Holstein. Diese Initiative ist 2001 auf Betreiben und unter der Schirmherrschaft der
damaligen Gesundheitsministerin Heide Moser gegründet worden. Ziel war - und ist - es, durch Verknüpfung von
Akteuren und Aktivitäten aus allen Bereichen, die Verbindung zum Gesundheitswesen im engeren - und dem sogenannten Gesundheitsmarkt im weiteren Sinne besitzen, die Potenziale des regionalen Gesundheitsmarktes offensiv zu nutzen. Selbstverständlich ist die Ärztekammer Schleswig-Holstein von Beginn an ein aktives Mitglied
und personell auch an der aktuellen Veranstaltung beteiligt (Seite 28).
Dass trotz Vernetzung und Prozesssteuerung auch in Routineabläufen immer wieder unerklärliche Pannen auftreten, haben Sie möglicherweise bei der Auslieferung der Dezemberausgabe dieses Heftes selbst erlebt. Am Ende
des Auslieferungsprozesses waren nämlich im Verlag plötzlich Hefte übrig und es war nicht mehr nachvollziehbar wer oder welche Gruppe aus dem Verteilerschlüssel herausgefallen war. Sollten Sie das fragliche Heft also in
Ihrer Sammlung vermissen, können Sie Ihr persönliches Exemplar durch Kontaktaufnahme mit der Kammer
nachfordern. Selbstverständlich finden Sie das Heft auch im PDF-Format - wie übrigens alle Hefte und Jahrgänge seit 1999 - auf unserer Homepage www.aeksh.de. Lange nicht besucht?
Dann nichts wie hin!
Übrigens: der ursprüngliche Titel der Schleswig-Holstein-Hymne lautete bei der Erstvorstellung auf dem Schleswiger Sängerfest 1844 entsprechend dem Pathos der damaligen politischen Großwetterlage: Wanke nicht mein
Vaterland.
Ein Wunsch, den man angesichts zahlreicher aktueller Neujahrsbotschaften durchaus aber auch heute äußern darf.
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich jedenfalls, dass das noch unverbrauchte Jahr möglichst erfolgreich und
Ihren Wünschen und Zielen entsprechend verlaufen möge!
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident
Ausgabe 1 I Januar 2010 3
INHALT
(Foto: Eick)
Behandlung in einem Schockraum im Heider
29 WKK,
das als Traumazentrum anerkannt wurde.
Überblick über die medizinische Versorgung auf den Inseln und Halligen.
12 Ein
SEITE 3
NACHRICHTEN IN KÜRZE
06
Lubinus Clinicum ist nun eine Stiftung .....................06
Online-Sucht: Neue PC-Sprechstunde am UKE! .....06
Patienten mit Migräne kommen spät zum
Spezialisten...............................................................07
Forensik in Neustadt wird saniert .............................07
Neue Kooperation in der Lungenheilkunde .............08
In Heidberg entsteht ein neues Kopfzentrum...........08
Zusatz-Weiterbildung Palliativmedizin ......................09
Hausarztnetz als Unternehmen ................................09
Mangelhafte Pflege im Norden? ...............................10
15. Schmerztagung in Schleswig .............................10
Basisfallwert für Schleswig-Holsteins Kliniken ........10
Herzinfarkt ist oft Frauensache .................................11
SCHLESWIG-HOLSTEIN
(Foto: Schmid)
12
Die medizinische Versorgung auf Föhr, Amrum
und den Halligen.......................................................12
Für AED gibt es positive Beispiele, aber auch
offene Fragen............................................................16
Kein kostenloses Obst an
Schleswig-Holsteins Schulen ...................................19
Professionelle Verbandsarbeit für Norddeutschlands Augenärzte.........................................27
Vernetzte Gesundheit lockt Gäste aus ganz
Deutschland nach Kiel..............................................28
Netzwerk der Traumazentren ist noch nicht
vollständig.................................................................29
Plädoyer für ein freiheitlichsolidarisches Gesundheitssystem............................30
Leserbriefe ................................................................35
MITTEILUNGEN DER AKADEMIE
36
PERSONALIA
37
Geburtstage und Verstorbene ..................................37
Doppelte Ehrung für Hans-Peter Küchenmeister.....38
Wechsel im Vorstand des NAV-Virchow-Bundes in
Hamburg ...................................................................38
Prof. Jan Born ist Leibniz-Preisträger .......................39
Rente und neue Aufgaben für Ricarda Klein ............39
Baumgärtner bleibt Vorsitzender von MEDI
Deutschland ..............................................................40
Neuer Hauptgeschäftsführer für die Regio Kliniken.40
Frank Jordan in neuer Position am WKK .................40
Im Urlaub in den OP .................................................41
Dünndarmdiagnostik auf Leihbasis..........................20
GESICHTER DER
KAMMERVERSAMMLUNG
42
Ein neuer Blick in die Gefühlswelt pflegebedürftiger
Menschen .................................................................22
MITTEILUNGEN DES ECS
46
Der Flensburger Ärzteverein feierte
125-jähriges Bestehen ..............................................23
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK 47
Interview mit Barmer GEK-Chef
Thomas Wortmann ...................................................24
Anerkennung für pflegende Angehörige..................47
Paragraf 73 b: Die KBV fordert mehr Wettbewerb....48
4 Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
INHALT
In unserer Serie Ge42
sichter der Kammerversammlung berichten wieder acht Delegierte, warum
und wofür es lohnt, sich
standespolitisch zu engagieren.
Ärzte machen in der modernen Kommunikation
nicht alles mit ............................................................50
Sind Mutter-Kind-Kuren noch zeitgemäß?................52
SelbsthilfeWiki: Ein Nachschlagewerk für Patienten
im Aufbau ..................................................................53
Lösungsansätze für Schnittstellen-Probleme ............54
Die wirtschaftliche Bedeutung des
Gesundheitswesens wächst .....................................55
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
56
Zusammenarbeit von Medizinern und
Nanowissenschaftlern...............................................56
Identifizierung von Leichen ist mitunter echte
Detektivarbeit ............................................................58
Premiere auf Sylt: Praxisnahe Immunologie-Visite...60
Praxis, Schwierigkeiten und Folgen der
Begutachtung ...........................................................61
Kostenloser Zugang zur Cochrane Library auch im
Jahr 2010 ..................................................................68
Impressum
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Herausgeber: Ärztekammer Schleswig-Holstein
V. i. S. d. P.: Dr. Franz Bartmann
Redaktion: Dirk Schnack (Ltg.)
Telefon 04551/803-119, -127, Fax -188
Zuschriften redaktioneller Art bitte an:
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt,
Bismarckallee 8-12, 23795 Bad Segeberg
E-Mail [email protected]
Die Beiträge geben die Auffassung der namentlich genannten Autoren wieder, die der
Meinung der Redaktion nicht zu entsprechen braucht. Honorare für Beiträge werden
nicht gezahlt. Die Redaktion muss sich das
Recht vorbehalten, über die Veröffentlichung,
Schon im Mutterleib werden die Weichen gestellt ...70
Schlichtungen in Arzthaftpflichtfragen......................85
BÜCHER
69
Kein Heiligenschein für Albert Schweitzer ...............69
FORTBILDUNGEN
72
UNSERE NACHBARN
74
Unterschiedliche Erwartungen von
Medien und Kliniken .................................................74
Barrierefreier Zugang zu Gesundheitsdaten ............75
MITTEILUNGEN DER
KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG 76
ANZEIGEN
86
TELEFONVERZEICHNIS
97
aber auch die Gestaltung des Beitrages, einschließlich kleiner redaktioneller Änderungen, zu entscheiden. Änderungen, die den
Sinn des Beitrages betreffen, werden mit
dem Autor abgestimmt. Die Redaktion freut
sich auch über unverlangt eingesandte Manuskripte und bittet um Verständnis, dass umfangreiche Arbeiten aufgrund des redaktionellen Konzepts nicht berücksichtigt werden
können. Wenn aus Gründen der Lesbarkeit die
männliche Form eines Wortes genutzt wird, ist
hiermit auch die weibliche Form gemeint.
Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich
geschützt. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne
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Titelbild: Jürgen Haacks
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Zurzeit ist die Anzeigenpreisliste Nr. 49/2009
gültig.
Geschäftsleiter: Horst-Wolfgang Haase
Vertrieb: Angela Köthe, Anzeigen: Samira
Rummler
Die Zeitschrift erscheint 12-mal im Jahr jeweils
zum 15. des Monats. Die Zeitschrift wird von
allen Ärzten in Schleswig-Holstein im Rahmen
ihrer Mitgliedschaft zur Ärztekammer bezogen. Der Bezugspreis ist mit dem Mitgliedsbeitrag abgegolten.
Herstellung: Ärztekammer Schleswig-Holstein
Ausgabe 1 I Januar 2010 5
NACHRICHTEN IN KÜRZE
Lubinus Clinicum ist nun eine Stiftung
Das Kieler Lubinus Clinicum ist in eine gemeinnützige Stiftung, die Lubinus-Stiftung, überführt worden. Dies gaben
die Gesellschafter Dr. Philipp Lubinus, der das Haus in
vierter Generation führt, und sein Vater Dr. Hans-Hermann
Lubinus Ende 2009 bekannt. Als Stiftungsvorstände leiten die bisherigen Klinik-Geschäftsführer Dr. Philipp Lubinus und Dr. Moritz Thiede das Haus. „Für die Mitarbeiter
wird sich der Arbeitgeber ändern, denn die Stiftung wird
nun Träger und Betreiber der Klinik, sie werden aber zu
den bisherigen Konditionen in der Stiftung weiterbeschäftigt“, teilte das Haus mit. Ziel der Umwandlung ist
der langfristige Erhalt der Klinik. Eine Stiftung kann die
erwirtschafteten Erträge vollständig in das Haus reinvestieren - sie ist von Ertragssteuern, aber auch von Schenkungs- und Erbschaftssteuern befreit. „Im Gegensatz
zur derzeitigen Situation werden die erwirtschafteten Ergebnisse weder durch Steuerabflüsse noch durch mögliche Entnahmen der Gesellschaft gemindert“, teilte das
Haus mit. Die Stiftung umfasst die Organisation des
Krankenhauses und aller betriebsnotwendigen Gebäude. Der Stiftungsvorstand wird beraten und kontrolliert
durch ein Kuratorium, dem neben Dr. Hans-Hermann Lubinus ein weiteres Familienmitglied und drei im Gesundheitswesen erfahrene Mitglieder angehören. Der
Stiftungsvorstand muss über einen medizinischen oder
einen ökonomischen akademischen Abschluss verfügen.
Dr. Philipp Lubinus erfüllt beide Voraussetzungen. Das
Haus betonte, dass die Klinik wirtschaftlich gesund sei
und schwarze Zahlen schreibe. Die Umwandlung in eine
Stiftung erfolge aus einer „Position der Stärke“ heraus.
„Unser Ziel ist es, unsere Tradition, unseren Standort und
unsere Innovationsfähigkeit zu bewahren und die Herausforderungen gemeinsam zu meistern, um die Zukunft
erfolgreich gestalten zu können“, sagte der Stiftungsvorstand und Urenkel des Gründers Johann Hermann Lubinus (1865-1937). Das 1895 an der Brunswiker Straße
gegründete Lubinus Clinicum ist seit 25 Jahren am
Steenbeker Weg angesiedelt und spezialisiert auf orthopädisch-chirurgische Maßnahmen, verfügt über 212
Betten und beschäftigt 500 Mitarbeiter. Es behandelt
jährlich 7.000 Patienten stationär und operiert 2.000 Patienten ambulant. (Red.)
„Online-Sucht“: Neue Sprechstunde am UKE
Junge Menschen, die ihre Computer- und Internetnutzung
nicht mehr kontrollieren können, können in der Drogenund Alkoholambulanz für Jugendliche, junge Erwachsene
und deren Familien (DAA) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt und beraten werden.
Unter der Leitung von Prof. Rainer Thomasius arbeitet das
Drogenambulanz-Team seit über drei Jahren mit dieser
Patientengruppe. Um der steigenden Nachfrage gerecht
zu werden, bietet die Drogenambulanz nun ein neues,
zusätzliches Angebot in Form einer „PC-Sprechstunde“, die sich gezielt an junge Menschen richtet, deren Internet- oder Computergebrauch so exzessiv wurde, dass
er ein Problem für sie darstellt und mit negativen Folgen
verbunden ist. Die erste Kontaktaufnahme erfolgt durch
einen Telefonanruf im Sekretariat der Drogenambulanz
(Gisela Krause, Telefon 040/7410 54217). Dort kann man
Termine für die PC-Sprechstunde mit den Diplom-Psychologen Bettina Moll und Holger Spieles vereinbaren.
Die Kosten für Beratung und Behandlung tragen nach Angaben des UKE in aller Regel die Krankenkassen. Die PCSprechstunde wendet sich auch an Eltern von Kindern
mit einer ausgeprägten Computer- oder Internetnut6
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
zung, die einen sozialen Rückzug ihres Kindes, zunehmende Schulprobleme und Konflikte auf eine „OnlineSucht“ zurückführen. „Oft machen gerade Eltern den ersten Schritt. Wir entwickeln mit ihnen Wege, wie sie ihr
Kind motivieren können, zu uns in die Drogenambulanz
zu kommen“, sagte Therapeutin Bettina Moll. In der
Sprechstunde wird geprüft, wie ausgeprägt die Computeroder Internetnutzung tatsächlich ist und welche Behandlungsschritte infrage kommen. Eine Möglichkeit ist
das Gruppenprogramm „Lebenslust statt Online-Flucht!“,
das seit drei Jahren an der Drogenambulanz läuft und
von Mitarbeitern der Drogenambulanz entwickelt wurde.
Das Programm umfasst acht wöchentliche Termine à
90 Minuten. Ziel ist, einen kompetenten Umgang mit Internet und PC zu lernen, soziale Kompetenzen zu stärken sowie alternative Freizeitaktivitäten zu planen. Die
Wirksamkeit des Programms wird aktuell wissenschaftlich evaluiert. Die Drogenambulanz wird dabei durch
den gemeinnützigen Verein „Hamburg macht Kinder
gesund“ unterstützt. (Red.)
NACHRICHTEN IN KÜRZE
Patienten mit Migräne kommen spät zum Spezialisten
Mehr als 60 Prozent der Migränepatienten sind unzufrieden mit der Behandlung ihrer Erkrankung. Dies ist das
Ergebnis einer Umfrage der Europäischen Kopfschmerz
Allianz und des Deutschen Grünen Kreuzes e. V. (DGK)
in Marburg. Als Hauptgründe dafür werden die mangelnde Wirkung der verschiedenen Medikamente, ungenügende Aufklärung und Schwierigkeiten bei der
Überweisung an einen Spezialisten genannt. Zwar begaben sich 62 Prozent der 1.642 Befragten in medizinische Behandlung, aber nur sechs Prozent gelangten
zu einem Kopfschmerzspezialisten. Im Durchschnitt dauert es 13,6 Jahre vom Auftreten der Kopfschmerzen bis
zur Überweisung des Patienten an ein Kopfschmerzzentrum. 40 Prozent der Betroffenen gehen mit ihren Beschwerden zu einem Allgemeinmediziner, wo sie sich oft
nicht ernst genommen fühlen, hieß es in einer Mitteilung
des DGK. Danach versorgt sich jeder Zehnte mit freiverkäuflichen Medikamenten in der Apotheke.
„Wir unterstützen zwar den Hausarzt in seiner Funktion
als erste Anlaufstelle, weil er seine Patienten oft am besten kennt. Gleichzeitig erwarten wir, dass sie sich intensiver fortbilden, um die Diagnose und Therapie von Migräne zu verbessern, und dass sie dieser chronischen
neurologischen Erkrankung mehr Aufmerksamkeit widmen“, sagt Dr. Dietmar Krause, Leiter der Schmerzsektion im DGK. Außerdem müssten der Zugang zu spezialisierten Einrichtungen verbessert und die oft mehrwöchigen Wartezeiten verkürzt werden, fordert der
Schmerzexperte. Die Effektivität der Therapie ließe sich
nach Ansicht von Dr. med. Jan-Peter Jansen durch bessere Fortbildung der Ärzte erhöhen. „Es stehen zahlreiche erprobte Wirkstoffe zur Verfügung, die jedoch nicht
immer optimal eingesetzt werden. Die ärztliche Kunst be-
(Foto: DGK)
steht darin, für jeden Patienten und jede Migräne das wirksamste Mittel auszuwählen. Das kann man lernen“, sagte der Ärztliche Leiter des Ostdeutschen Kopfschmerzzentrums in Berlin. Zur Untersuchung: An der Befragung nahmen 1.642 Personen aus neun europäischen
Ländern teil (Finnland, Deutschland, Irland, Italien, Niederlande, Serbien, Spanien, Schweden, England). 84 Prozent davon waren Frauen, von denen sich wiederum
91 Prozent in der besonders aktiven Lebensphase zwischen 20 und 60 Jahren befanden. Fast alle Befragten
litten an Migräne (82,3 Prozent) und zu einem geringeren Anteil an Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerzen oder einem Medikamentenkopfschmerz.
Initiiert wurde die Befragung von der European Headache
Alliance (EHA, www.e-h-a.eu), dem Dachverband europäischer Patientenorganisationen, unterstützt vom Deutschen Grünen Kreuz, das die Interessen der deutschen
Migränepatienten auf europäischer Ebene vertritt. (Red.)
Forensik in Neustadt wird saniert
Die AMEOS Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Neustadt saniert ein Wohn- und Therapiehaus für psychisch kranke Straftäter. Das unter Denkmalschutz stehende „Haus 6“ (erbaut 1905) befindet
sich im sogenannten „gesicherten Bereich“. SchleswigHolsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg, der für
die Sanierung einen Förderbescheid über 2,5 Millionen
Euro überreichte, sagte dazu: „Die Sanierung ist nicht nur
eine Investition in die Gesundheit psychisch Kranker,
sie ist auch eine Investition für eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft.“
Die Modernisierung beginnt in diesem Monat und soll Anfang 2011 abgeschlossen sein. Bei den Umbauten stehen neben therapeutischen Aspekten auch energieeffiziente Umbauten an. In der Klinik werden zentral für
Schleswig-Holstein 245 psychisch kranke Straftäter therapiert und gesichert. Über die Unterbringung entscheidet
ein Gericht. Sie kann erst beendet werden, wenn ein Gericht zur Auffassung gelangt, dass von dem Patienten oder
der Patientin in Zukunft keine schwerwiegenden Straftaten
zu erwarten sind. (Red.)
Ausgabe 1 I Januar 2010 7
NACHRICHTEN IN KÜRZE
Neue Kooperation in der Lungenheilkunde
„Auf- und Durchatmen“ will das neue Universitäre Lungenzentrum Nord norddeutschen Patienten mit Lungenund Atemwegserkrankungen ermöglichen. Der Zusammenschluss aus dem Universitätsklinikum SchleswigHolstein, dem Forschungszentrum Borstel und dem
Krankenhaus Großhansdorf kündigte an, mit niedergelassenen Ärzten zu kooperieren. „Kurze Wege und Fallbesprechungen durch Mediziner verschiedener Fachrichtungen kommen den Patienten direkt in Diagnostik
und Therapie zugute“, sagten die Geschäftsführer des
Universitären Lungenzentrums Nord, Prof. Dr. Peter Zabel und Prof. Helgo Magnussen. Auch für die Qualitätssicherung in der Fort- und Weiterbildung von Medizinstudenten, Ärzten und Pflegepersonal will das neue
Zentrum seinen Beitrag leisten. Die Partner fördern die
Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses durch die
Rotation von Mitarbeitern zwischen den Institutionen
und verschiedenen Disziplinen sowie durch den Aufbau gemeinsamer Qualifizierungsprogramme. Eine Fortbildungsplattform soll allen interessierten niedergelas-
senen Ärzten und kooperierenden Kliniken zur Verfügung gestellt werden.
Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Jost de Jager begrüßte den neuen Verbund auf der Auftaktveranstaltung im Herrenhaus Borstel und sagte: „Lungenund Atemwegserkrankungen führen zu den meisten
Krankenhauseinweisungen und gehören weltweit zu
den zehn häufigsten Todesursachen. Ein patientenorientiertes Kompetenzzentrum dieser Qualität ist ein überaus wichtiger Baustein im Mosaik der Gesundheitsregion Schleswig-Holstein. Das Zentrum wird dazu beitragen,
das hier vorhandene Know-how auch deutschlandweit
noch besser sichtbar zu machen.“
Das Universitäre Lungenzentrum Nord verfügt an seinen
Standorten über 500 Betten für Lungenerkrankte und über
30 Spezialambulanzen. In Therapie und Diagnostik arbeiten Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen
wie Pneumologie, Kinderpneumologie, Thoraxchirurgie,
Radiologie, Strahlentherapie, Beatmungsmedizin, Infektionsmedizin und Allergologie zusammen. (PM/Red.)
In Heidberg entsteht ein neues „Kopfzentrum“
Für die geplante Erweiterung des Kopfzentrums in der
Asklepios Klinik Nord – Heidberg haben die Bauarbeiten
begonnen. Das Bauvorhaben soll die fachübergreifende Zusammenarbeit der beteiligten Abteilungen verbessern. Die Hamburger Gesundheitsbehörde fördert den
Bau mit rund 17,8 Millionen Euro. Mit den Mitteln sollen
zunächst die OP-Einheiten erweitert und zentralisiert
werden. Mit der Erweiterung soll auch die Logistik rund
um die operativen Eingriffe deutlich verbessert werden.
Statt wie bisher verstreut auf drei Ebenen, sind die OPSäle bis auf die Augen-OPs künftig auf einer Ebene untergebracht und so angeordnet, dass Patienten-, Personal- und Materialwege getrennt werden. Die sechs
Einrichtungen zum Ein- und Ausschleusen der Patienten
sind so angeordnet, dass sie eine optimale Betreuung
und Überwachung ermöglichen. Eine der Schleusen ist
als spezielle Kinderschleuse geplant, in der die Eltern ihr
Kind bei der Narkoseeinleitung begleiten können. Die Augen-OPs werden durch ein „steriles Treppenhaus“ an den
Zentral-OP angebunden. Alle sieben Operationssäle
werden für Laser-Eingriffe ausgerüstet und röntgentauglich sein. Das ermöglicht eine flexible interdisziplinäre
8
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Nutzung durch die am Kopfzentrum beteiligten Fachabteilungen. Insbesondere bei der Operation von Gehirntumoren bietet der Neubau neue Möglichkeiten: So
steht ein Kernspintomograf für Kontrolluntersuchungen
während des Eingriffs bereit. Das ist zum Beispiel bei der
Entfernung komplexer Tumoren mithilfe der sogenannten Neuronavigation für die Überprüfung der vollständigen Entfernung des bösartigen Gewebesund für die Aktualisierung der Navigationsdaten wichtig, wenn sich
während des Eingriffs Hirnareale in die entstandene
Lücke verlagern. Das Kopfzentrum besteht im Kern aus
den Abteilungen Augenheilkunde, Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde (HNO), Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG), Neurologie und Neurochirurgie. Eng angebunden sind die Neuropädiatrie, die Neuropathologie
sowie die Neuroradiologie. In den vergangenen Jahren
haben die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten gerade in den „Kopffächern“ deutlich zugenommen. Dies führt dazu, dass die Anforderungen an die
einzelnen Fächer immer komplexer werden und eine
engere Verzahnung der Abteilungen sowie der an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen erfordern. (PM)
NACHRICHTEN IN KÜRZE
Zusatz-Weiterbildung Palliativmedizin
Die derzeit gültige Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein schreibt für die Erlangung
der Zusatz-Weiterbildung Palliativmedizin folgende Weiterbildungszeit vor:
à
12 Monate Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 3
oder innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten
dieser Weiterbildungsordnung auch anteilig ersetzbar durch 120 Stunden Fallseminare einschließlich Supervision;
fugten gemäß § 5 Abs 1 Satz 3 durch die Absolvierung
von 120 Stunden Fallseminaren einschließlich Supervision zu ersetzen, jedoch mit der Einschränkung, dass zukünftig die Fallseminare in Abschnitten von 3 x 40
Stunden absolviert werden müssen. Die Teilnahme
an Blockseminaren von mehr als 40 Stunden ist damit
nicht mehr auf die Weiterbildung anrechenbar. Eine entsprechende Satzungsänderung der Weiterbildungsordnung ist in Vorbereitung.
Die der Ärztekammer Schleswig-Holstein bekannten
Veranstalter von Weiterbildungskursen in Palliativmedizin werden über diese aktuellen Änderungen informiert,
Die Kammerversammlung hat in ihrer Sitzung am 25. No- damit sie Gelegenheit haben, entsprechende Kursanvember 2009 beschlossen, diese Regelung (s. Fettge- gebote zu entwickeln.
drucktes), die am 29.08.2010 auslaufen sollte, zunächst Für Rückfragen stehen die Mitarbeiterinnen der Weiterbildungsabteilung gerne unter Tel. 04551/803199 bzw.
bis zum 31.12.2012 zu verlängern.
Somit bleibt die Möglichkeit auch weiterhin bestehen, die -196 zur Verfügung. (Manuela Brammer)
12 Monate Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbe-
à
40 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in
Palliativmedizin.
Hausarztnetz als Unternehmen
Das Hausarztnetz Norderstedt (HANN) hat sich von einer GbR zur GmbH umgewandelt. Einer der Geschäftsführer ist der bisherige erste Vorsitzende Stefan Homann. „Wir werden uns mit unserem Praxisnetz in das
Zentrum der Gesundheitsversorgung der Region stellen
und uns so erfolgreich den Herausforderungen der Zukunft stellen“, kündigte der Facharzt für Allgemeinmedizin
aus Tangstedt auf der Gesellschafterversammlung des
HANN an. Ziele seien Kooperation und Koordination,
um eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe Versorgung für die Patienten erhalten zu können. Die Hausärzte aus Norderstedt und Umgebung wollen nicht länger auf politische Versprechen, denen nach ihrer Einschätzung „ohnehin keine Taten folgen“, warten, um
die wohnortnahe hausärztliche Versorgung zu retten stattdessen ergreifen sie jetzt als Unternehmer selbst die
Initiative.
Dr. Thomas Flamm, ebenfalls Facharzt für Allgemeinmedizin und zum Geschäftsführer gewählt, erklärte seinen Kollegen, wie sich durch Kooperationen mit den
umliegenden Kliniken, in denen niedergelassene Kollegen operieren, nicht nur die Wartezeit für die Patienten
abbauen, sondern gleichzeitig auch die Versorgung verbessern lässt. In Zukunft sollen auch die niedergelas-
senen Gebietsärzte von den Aktivitäten des HANN profitieren und in Kooperationsverträge, die eine verbesserte
Versorgung der Patienten vorsehen, eingebunden werden.
Das HANN kündigte an, die Vernetzung voranzutreiben
und tragfähige Konzepte zu entwickeln, um auch bei rückläufiger Zahl von Hausarztpraxen die hausärztliche Versorgung sichern zu können. Nach Angaben des Netzes
ist für viele Kollegen, die in den kommenden Jahren in
der Region Norderstedt aus Alters- und Gesundheitsgründen aufhören, kein Nachwuchs in Sicht. Die Geschäftsführung der HANN GmbH sieht nun Städte, Gemeinden und das Land stärker in der Verantwortung, um
die gesundheitliche Versorgung zu sichern. „Würde
mehr Geld in die hausärztliche Versorgung fließen, könnten wir diese Probleme lösen“, hieß es im Anschluss an
eine Gesellschafterversammlung des Netzes. Das HANN
ist eines der jüngsten Praxisnetze in Schleswig-Holstein
und eines der wenigen, in denen sich ausschließlich
hausärztlich tätige Ärzte zusammenschließen. Das Netz
hatte sich zur Gründung vor über einem Jahr zum Ziel
gesetzt, mit den umliegenden Krankenhäusern, aber
auch mit den fachärztlich niedergelassenen Kollegen
zu kooperieren. (Red.)
Ausgabe 1 I Januar 2010 9
NACHRICHTEN IN KÜRZE
Mangelhafte Pflege im Norden?
Schleswig-Holsteins Pflegeeinrichtungen erhalten im Internetportal www.pflegelotse.de vom Medizinischen
Dienst der Krankenversicherungen nur mittelmäßige Noten ausgestellt. Die am 21. Dezember freigeschalteten Bewertungen für 100 der 650 stationären Heime im Land
liegen mit einer Durchschnittsnote von 3,1 unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 2,2 (Schulnotenskala
von eins bis fünf). Neun Einrichtungen aus SchleswigHolstein erhielten die Gesamtnote mangelhaft. Daneben gibt es Bewertungen für vier Teilbereiche, nämlich
für Pflege und medizinische Versorgung, für den Umgang
mit Demenzkranken, für soziale Betreuung sowie für
Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Im
Teilbereich Demenz erhielten gleich 34 schleswig-holsteinische Einrichtungen ein Mangelhaft. Der MDK legt
die Noten nach einer Erhebung für 64 Kriterien fest. Zusätzlich gibt es auch Noten von Bewohnern zu subjektiven Kriterien. Diese Bewertungen fallen deutlich besser
aus. An der Bewertung hatte es im Vorfeld heftige Kritik
von Pflegeverbänden gegeben. Der Ersatzkassenverband vdek warnte davor, das Verfahren in Frage zu stellen. „Wir sind erst am Anfang eines lernenden Systems“,
sagte vdek-Chef Dietmar Katzer. Bis Ende des Jahres soll
jede Einrichtung bewertet sein. (Red.)
15. Schmerztagung in Schleswig
Bei nicht heilbaren Leiden muss das technisch Machbare
zurücktreten gegenüber dem persönlichen Erleben des
einzelnen Patienten. In dieser Situation bieten Palliativmedizin und Hospizdienst - die Themen der zum 15. Mal
durchgeführten Schleswiger Schmerztagung - Möglichkeiten, die sich vorrangig an den subjektiven Bedürfnissen des Kranken orientieren. Dabei kommt der Linderung der aktuellen Beschwerden wie Schmerz, Durst,
Übelkeit und Erbrechen höchste Priorität zu. „Gleichrangig
werden die sozialen Bedürfnisse des Patienten und seiner Angehörigen gewürdigt. Nicht zuletzt gewinnt eine
spirituelle Begleitung mehr und mehr an Bedeutung“, berichten Dr. Harald Lucius und Dr. Andreas Gremmelt
vom Schmerzzentrum Nord am SCHLEI-Klinikum, die die
Veranstaltung organisiert haben. Dabei wandte sich der
wissenschaftliche Teil am Vormittag an ein Fachpublikum,
am Nachmittag stieß ein Patientennachmittag bei Betroffenen und Interessierten auf Resonanz. Während
des wissenschaftlichen Teils spannten die Referenten den
Bogen von der Geschichte und der Entwicklung der
Palliativmedizin über aktuelle therapeutische Konzepte
bis hin zu konkreten Erfahrungen vor Ort. Abgeschlossen wurde dieser Teil durch Betrachtungen der spirituell-religiösen Sicht von Leiden und Sterben. Für das
Jahr 2010 ist eine 16. Schmerztagung in Schleswig (6.
November) bereits geplant - thematisch wird es um eine
kritische Bestandsaufnahme der Therapie chronischer
Schmerzen vor dem Hintergrund neuerer wissenschaftlicher Daten gehen. (Red.)
Basisfallwert für Schleswig-Holsteins Kliniken steht fest
2.855,49 Euro beträgt der Landesbasisfallwert für Schleswig-Holstein in diesem Jahr. Darauf verständigten sich
zum Jahresende 2009 die Krankenhausgesellschaft
(KGSH), die Verbände der Krankenkassen und der Privaten Krankenversicherung, die die Einigung anschließend als „tragfähigen Kompromiss, der alle Seiten gleichermaßen belastet“, bewerteten. Wichtig ist aus Sicht
der Vertragspartner, dass der Wert noch vor Jahresende vereinbart werden konnte, damit Kliniken und Kassen
im Land Planungssicherheit haben. Im vergangenen
Jahr lag der Wert bei 2.777 Euro und damit im bundes10
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
weiten Vergleich ganz unten. Die Krankenhäuser sehen
sich mit der vergleichsweise schlechten Bewertung im
Wettbewerbsnachteil gegenüber Kliniken in anderen
Bundesländern, die für gleiche Leistungen besser honoriert werden. Ab 2010 startet, wie berichtet, eine fünfjährige Anpassungsphase an den Bundesdurchschnittswert. Mit dem Landesbasisfallwert werden rund
80 Prozent aller Krankenhausleistungen bewertet. Der
Rest entfällt auf spezielle Sonderleistungen und psychiatrische Behandlungen. (PM/Red.)
NACHRICHTEN IN KÜRZE
Herzinfarkt ist oft Frauensache
Der Irrglaube, Herzinfarkt sei Männersache, ist noch immer weit verbreitet. Laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) sind 52 Prozent der befragten Menschen
in Norddeutschland der Meinung, dass Männer ein höheres Risiko als Frauen haben, an den Folgen einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen jedoch, dass 2008
bundesweit insgesamt 211.881 Frauen und 151.904
Männer einem Herzinfarkt erlagen oder an Herz-KreislaufVersagen starben. Die Wissenschaft erklärt dies damit,
dass Frauen aufgrund der Mehrfachbelastung durch
Beruf, Haushalt und Familie zunehmend unter einem
extrem hohen Druck stehen. Außerdem: „Viele Frauen
kommen nicht auf die Idee, dass ihnen ein Infarkt droht“,
sagte Volker Clasen, Sprecher der TK in Schleswig-Holstein. Mehr als die Hälfte der befragten Menschen wussten nicht, dass Männer und Frauen unterschiedliche
Symptome bei Herzinfarkt zeigen können. Diese Unkenntnis hat manchmal schwerwiegende Folgen: Die
Symptome werden häufig nicht ernst genommen oder
nicht erkannt, der Arzt entweder zu spät oder gar nicht
aufgesucht. Frauentypische Symptome können zum
Beispiel ungewöhnliche Müdigkeit und Schwäche, anhaltende Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Übelkeit und
Erbrechen bei körperlicher Belastung, Schmerzen im
Oberbauch, am Hals und im Nacken sein. Eine Übersicht,
die auf Daten des Robert-Koch-Institutes beruht, zeigt weitere Unterschiede. So ist Todesangst bei Herzinfarkt von
Frauen deutlich stärker verbreitet. Auch die Schmerzen
im Rücken und im linken Schulterblatt sind bei Herzinfarkt unter Frauen deutlich stärker verbreitet als unter Männern. Gleich stark ausgeprägt sind nur die Schmerzen
hinter dem Brustbein, die von beiden Geschlechtern
am häufigsten als Symptom bei Herzinfarkt angegeben
wurden, sowie kalter Schweiß, der von 46 Prozent der
männlichen und 47 Prozent der weiblichen Patienten
angegeben wurde. Forsa hatte im Auftrag der Techniker
Krankenkasse 1.013 Erwachsene zum Thema befragt.
(PM/Red.)
Ausgabe 1 I Januar 2010 11
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Sonderfall Insellage
Die medizinische Versorgung auf
Föhr, Amrum und den Halligen
Besondere Standorte machen besondere Lösungen erforderlich. Im Notfall
werden Patienten per Schiff oder Lore zum Arzt transportiert.
Eine Insel ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes - auch
was die medizinische Versorgung anbelangt. Diese ist
vor allem im Notfall abhängig von der Wetterlage. Auf
Föhr ist eine ambulante und stationäre Grundversorgung
gewährleistet, doch auf Amrum gibt es keine Klinik,
auf den Halligen weder Arzt noch Rettungswache. Dem
Patiententransport nach Föhr oder auf das Festland
kommt daher eine besondere Rolle zu.
Die Nordseeinseln Föhr und Amrum und die Halligen
sind nicht nur den geographischen Eigenheiten des
nordfriesischen Wattenmeeres, sondern auch besonderen saisonalen Gegebenheiten ausgesetzt. Dabei
ist die jeweilige medizinische Versorgungslage sehr
unterschiedlich: elf Allgemeinärzte auf Föhr, auf Amrum
zwei, auf den bewohnten Halligen Hooge, Langeneß,
Gröde, Oland, Süderoog und Nordstrandischmoor kein
einziger.
Unabdingbar: Der Patiententransport per Schiff.
(Foto: DGzRS)
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Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Die Inselklinik Föhr-Amrum liegt als Akutkrankenhaus
der Grundversorgung auf der größeren der beiden Inseln
in Wyk auf Föhr. Insgesamt sechs Rehakliniken mit den
Schwerpunkten auf Atemwegs- und Hauterkrankungen,
onkologischer Rehabilitation und Mutter-Kind-Kuren verteilen sich auf beide Inseln.
Kaum eine Handvoll niedergelassene Fachärzte
Da es sich um eine beliebte Ferienregion handelt, vervielfachen sich in den Sommermonaten die zusätzlichen
Besucher- und in der Folge auch die Patientenzahlen: Statt
der rund 2.300 Einwohner auf Amrum und der 8.800 auf
Föhr bewegen sich dort von Juni bis August jeweils
15.000 bis 20.000 Menschen. Auf der Hallig Hooge werden in der Hochsaison bis zu 100.000 Tagesgäste gezählt.
Anders als auf Helgoland, wo Fachärzte vom Festland regelmäßige Sprechstunden für die Insulaner eingerichtet
haben, müssen sich die Bewohner Föhrs und Amrums
in den meisten Fällen selber auf den Weg zum Festland nach Husum, Niebüll oder Flensburg - machen, wenn sie
einen Facharzt aufsuchen möchten. Lediglich Gynäkologie, HNO, Innere Medizin, Hämatologie/internistische Onkologie (Föhr) und Pneumologie, sowie Kinder- und Jugendmedizin (Amrum) sind vor Ort. „Dafür haben die
Hausärzte der Inseln in der Regel ein weiteres Verständnis
der Bezeichnung „Allgemeinarzt“ als das heute sonst
üblich ist“, sagt Bernhard Breymann, seit 20 Jahren
Hausarzt in Norddorf auf Amrum. Er bedauert es nicht,
dass kaum Fachärzte auf der Insel sind. Für diese würde das Patientenaufkommen nicht ausreichen. Gynäkologische und urologische Vorsorgeuntersuchungen führt
er ebenso durch wie die Behandlung von HNO-Beschwerden oder die therapeutische Versorgung von Diabetikern. Die Inselärzte sind überdies neben der KV-Notfallbehandlung in das Rettungswesen eingebunden.
Im Notfall oder bei einem geplanten stationären Aufenthalt steht die Inselklinik in Wyk auf Föhr bereit. Sie
wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Helikopter und Rettungsschiff
bei einem gemeinsamen Einsatz.
(Foto: DRF)
vermehrt auftretenden Angst vor Infektionskrankheiten
fernab des gefährdeteren Festlands gegründet. Heute
deckt die 31-Betten-Klinik das komplette Spektrum der
gängigen internistischen und chirurgischen Diagnostik
und Therapie ab. Zudem ist sie für die Erstversorgung
von Notfällen aller Art sowohl personell als auch medizintechnisch ausgerüstet. Müssen Patienten jedoch absehbar länger als 24 Stunden intensivmedizinisch betreut
oder beatmet werden, wird die zeitnahe Verlegung in die
größeren Kliniken des Festlands geplant. Daher besteht
für die Versorgung intensivmedizinischer Patienten eine
enge Kooperation mit den Kliniken in Husum und Niebüll. Alle drei Häuser - plus die Klinik Tönning - gehören
zum Klinikverbund Nordfriesland. Die Inselklinik Föhr-Amrum steht mit ihrer Ausstattung in den Bereichen der Ergometrie, Bronchoskopie, Gastro- und Koloskopie, der
Ultraschalldiagnostik, dem medizinischen Labor und
der radiologischen Abteilung mit Röntgen und CT auch
den niedergelassenen Kollegen sowie den Ärzten der
Fachklinik Satteldüne auf Amrum respektive der Rehakliniken zur Verfügung.
Dass die Inselklinik selbst die heftigen Stürme im Gesundheitswesen überstanden hat, hängt nicht nur mit
dem für ihre geringe Größe breiten Therapiespektrum zusammen. Auch ein Förderverein trägt zur finanziellen Stabilität bei. Mit heute knapp 1.100 Mitgliedern unterstützt
er seine Klinik seit 20 Jahren und hat bislang mehr als
zwei Millionen Euro aufgebracht. Unter anderem das CT,
der Farb-Doppler-Sonograph sowie moderne Betten,
Rollstühle, tragbare Überwachungsgeräte, das LangzeitEKG und eine Digitalisierungsanlage für CT- und Röntgendaten konnten dank seiner Hilfe finanziert werden.
Zu den jährlichen Mitgliedsbeiträgen von rund 55.000
Euro kommen Spenden in Höhe von 20.000 bis 30.000
Euro. Auch Kurgäste und Urlauber werden aus Dankbarkeit Mitglied im Förderverein. Aufgrund ihrer peripheren Lage steht der Klinik überdies ein Sicherstellungszuschuss zu, den auf Schleswig-Holsteins Inseln
neben Föhr nur noch die Klinik auf Helgoland erhält.
Eine Klinik steht den Bewohnern des nordfriesischen Wattenmeeres also zur Verfügung. Aber diese oder die größeren Kliniken des Festlands müssen im Notfall erst
einmal erreicht werden.
Wetter und Zeit: Die zwei entscheidenden Faktoren
An diesem Punkt spielt das Wetter eine entscheidende
Rolle. Der Rettungshelikopter Christoph Europa 5 fliegt
nur bei guten Sichtverhältnissen und grundsätzlich nur
von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Da es naturgemäß über dem Wasser und den Inseln häufig diesig
und Christoph Europa 5 gut ausgelastet ist, wird alternativ der Helikopter Christoph 42 aus Rendsburg oder
der in Kiel stationierte Hubschrauber der Bundeswehr
angefordert. Diese fliegen auch nachts, Letzterer hat aber
keinen Notarzt an Bord.
Wenn der Patiententransport durch die Luft nicht möglich ist, bleibt noch der Weg über das Wasser. Das Schiff
steht am Ende der Transportkette, nach Rettungswagen
und Hubschrauber. Die Entscheidung darüber, welches
Transportmittel angefordert wird, trifft die Leitstelle in Harrislee bei Flensburg. Rund 70 Einsätze wurden von dem
auf Amrum stationierten SAR-Schiff „Vormann Leiss“
im vergangenen Jahr gefahren - zum Teil unter widrigsten Bedingungen auf See. „Unsere primäre Aufgabe sind eigentlich Seenotfälle“, sagt Sven Witzke, 2.
Vormann. Die Patiententransporte sind eine Art Nebentätigkeit der unabhängigen DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger), die diese gerne
übernimmt. „Wir leben hier im Outback“, ergänzt sein Kollege Hark Seesemann. „Entscheidend ist der Erfolg einer
Rettungsaktion und nicht das Wie und Warum innerhalb
des Systems. Wir liegen hier im Hafen Steenodde wie ein
Rettungswagen oder die Feuerwehr auf der Wache.“
Claudia Derichs kennt das 23-Meter-Schiff Vormann
Leiss und seine insgesamt neunköpfige Besatzung gut.
Sie ist Notärztin auf Amrum und hat im vergangenen Jahr
rund 100 Einsätze mitgemacht, darunter auch die FlüAusgabe 1 I Janaur 2010 13
SCHLESWIG-HOLSTEIN
ge mit dem SAR-Hubschrauber. „Das größte Problem ist
häufig die Zeit. Einen Patienten mit dem Schiff nachts und
bei Sturm nach Dagebüll und von dort nach Niebüll
oder Husum zu bringen, das kann schon mal zwei Stunden dauern.“ Hinzu kommen die Schwierigkeiten beim
Anlanden unter schwerem Wetter am Molenkopf in Dagebüll. Hier ist die schmale und je nach Wasserstand zum
Teil extrem steile Eisenstiege eine Herausforderung.
Vor allem für schwergewichtige Patienten wird seit neuestem der Kran der Feuerwehr Niebüll hinzugeholt.
Amtshilfe untereinander ist in der gesamten Rettungskette von den Inseln und Halligen bis zum Festland
selbstverständlich. Bei einem Notfall auf der Hallig Gröde sind die Eiswette von Nordstrand und die Vormann
Leiss vorsichtshalber gleich beide losgefahren, denn keines der beiden Schiffe war sich aufgrund des Seegangs
sicher, überhaupt anlanden zu können. In einer gemeinschaftlichen Aktion haben es die beiden Crews
schließlich geschafft, dem Herz-Kreislauf-Notfall ärztliche
Hilfe zu bringen.
Sind die Inseln schon etwas Besonderes, so sind die Halligen der Extremfall. Hier gibt es weder Arzt noch Rettungswache und schon gar keine Klinik. Aus der Not heraus wurde das Projekt Hallig-Retter gegründet. Es gehört zu einem Anfang 2008 gestarteten Projekt des
KreisRettungsdienstes Nordfriesland und wird vom Gesundheitsministerium des Landes Schleswig-Holstein finanziell unterstützt. Rund 50.000 Euro aus Mitteln des
„Schleswig-Holstein-Fonds“ sind für die Verbesserung
der medizinischen Versorgung auf den Inseln und Halligen vorgesehen. Das Geld fließt hauptsächlich in die
Anschaffung von Ausrüstung und telemedizinischen
Modulen. Das darauf aufsetzende Projekt Hallig-Retter
funktioniert nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“: Die
Bewohner der Halligen werden durch Schulungen und
die entsprechende medizintechnische Ausrüstung gezielt auf das Einschreiten im Notfall vorbereitet. „Auf
den Halligen ist das primäre Ziel eine lebensrettende
Überbrückung des therapiefreien Intervalls während eines akuten medizinischen Notfalls. Was wir hier machen, geht weit über einen Erste-Hilfe-Kursus hinaus”,
erläutert Christian Wehr, Leiter des Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesens im Kreis Nordfriesland, sein Anliegen. Denn das therapiefreie Intervall
kann unter den gegebenen Umständen auch mehrere
Stunden lang sein.
Auf allen Halligen fanden im Vorfeld des Projektes gut
besuchte Bürgergespräche statt. In der Folge wurden im
vergangenen ersten Jahr bereits 63 der insgesamt
knapp 300 Halligbewohner zu „Hallig-Rettern“ geschult.
Christian Wehr bestreitet das logistisch und personell aufwendige Projekt gemeinsam mit den Rettungsassistenten des Kreises Nordfriesland. Auch die zwei Gemeindepfleger der Halligen Langeneß und Hooge sind
in das Fortbildungskonzept des Rettungsdienstes integriert. Ohne die breite und freiwillige Unterstützung dieses Teams wäre die ganze Aktion nicht denkbar, betont
Wehr.
Auf den Halligen sind inzwischen auch anfängliche
Skeptiker mit von der Partie: Ein kompletter Wiederholungskurs hat bereits Ende 2009 stattgefunden, und
zwar auf Wunsch der Einwohner von Hooge und Langeneß, der beiden größten Halligen. Und das Interesse
wächst. Für 2010 sind weitere Schulungen und Auffrischungskurse geplant, die zukünftig alle 12-18 Monate
stattfinden werden. Es hat sich bereits während der
Legen bei jedem Wetter ab: Die DGzRS übernimmt
Patiententransporte wenn der Helikopter nicht fliegt.
(Fotos: Eick)
Die Medikamente sind nummeriert. Therapieempfehlung über Funk funktionieren so auch bei schlechter
Verbindung.
Das Projekt Hallig-Retter
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Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
SCHLESWIG-HOLSTEIN
ersten Projektphase Anfang 2009 gezeigt, wie erfolgreich
und notwendig die Maßnahmen sind: 15 reale medizinische Notfälle traten in besagtem Zeitraum auf. Von der
Versorgung eines Knochenbruchs bis hin zu Wiederbelebungsmaßnahmen war alles dabei. Auch das gerade
angeschaffte AED-Gerät (laienbedienbarer, automatischer Defibrillator) kam zum Einsatz und die Kursteilnehmer konnten in den ungeplanten akuten Stresssituationen gleich doppelt viel lernen und halfen mit. „Eine
wesentliche Verbesserung innerhalb der notfallmedizinischen Erstversorgung“, bestätigen auch die Besatzungen der hinzugezogenen Rettungshubschrauber
und Seenot-Rettungskreuzer. Die notfallmedizinische
Hallig-Ausrüstung umfasst:
à Notfallrucksäcke mit zahlreichen medizinischen
Ausrüstungsgegenständen (u. a. Beatmungsbeutel
und Sauerstoff),
à Infusionen,
à Absaugpumpen,
à AED-Geräte,
à Schienungsmaterialien,
à Vakuummatratzen und
à Schaufeltragen.
Da sich unter den Urlaubern und Besuchern der Halligen im Glücksfall auch Ärzte oder medizinisches Personal
befinden, ergänzte die Projektleitung die medizinischen
Notfallausrüstungen um zusätzliche Medikamente. Darüber hinaus wurde gemeinsam mit dem Klinikum Nordfriesland eine Telefon-Hotline eingerichtet: Die HalligRetter können nun zu jeder Tages- und Nachtzeit Fachärzte erreichen, die per Ferndiagnose die Maßnahmen
vor Ort dirigieren.
Ein weiteres Ziel des Projektes ist die Verbesserung und
Erweiterung der Patiententransporte. Hierzu wurde eine
Bei der Ausbildung zum Hallig-Retter auf Langeneß.
(Foto: Wehr)
Alternative zu Helikopter und Schiff für die Halligen Langeneß, Oland und Nordstrandischmoor geschaffen. Diese sind neben den Seeverbindungen auch über einen Lorendamm erreichbar. Kann im Notfall der Hubschrauber
nicht eingesetzt werden und ist die Wartezeit auf einen
Seenotkreuzer sehr lang, besteht nun die Möglichkeit, Patienten mittels einer umgebauten Lore mit „Schleifkorbtrage“ (eine Art Rettungswanne) von den genannten
Halligen zur Deichkante zu fahren. Dort wird der Patient
an einen bereitstehenden Notarztwagen übergeben.
Auch auf den Inseln sind im Zuge des Projektes die
Transportmittel für Patienten neu ausgestattet und deren Verzahnung untereinander verbessert worden. Die
Rettungswagen der Inseln Föhr, Amrum (und Pellworm)
wurden mit neuen EKG-Geräten, Defibrillatoren und Telemedizin-Modulen aufgerüstet. Die Übertragung von
EKG-Bildern an eine Klinik und deren Befundung durch
einen Kardiologen sind nun bereits vom Rettungswagen
aus möglich. In die telemedizinische Zusammenarbeit
ist bislang das Klinikum Husum eingebunden. Auf den
Inseln Amrum und Föhr wurden mit den ortsansässigen
Busunternehmen und der Wyker Dampfschiff Reederei
Vereinbarungen zum Transport von Leichtverletzten bei
größeren Schadensfällen getroffen. Eine größere Anzahl
Verletzter kann so unter medizinischer Betreuung mit den
Bussen von der Unfallstelle auf die spätestens innerhalb
von 45 Minuten bereitliegende Fähre und anschließend
auf das Festland gebracht werden.
Der „Hallig-Retter“ ist als nachhaltiges Projekt angelegt
und wird von den dortigen Bewohnern getragen. Sie helfen, auch die kleinsten Eilande im nordfriesischen Wattenmeer bewohnbar zu halten.
Judith Eick
Das Rettungsschiff ist wie ein Krankenwagen ausgestattet.
Ausgabe 1 I Janaur 2010 15
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Laien am Defibrillator
Für AED gibt es positive Beispiele,
aber auch offene Fragen
AED sind heute schon im Supermarkt erhältlich. Entscheidende Faktoren sind
die Bereitschaft und Kompetenz der Ersthelfer.
Der plötzliche Herztod (PHT) nach Kammerflimmern ist
eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland.
100.000 Menschen sterben jedes Jahr den Sekundentod. Dabei wären viele Patienten zu retten - zumindest theoretisch, denn die Bedingungen für die Rettung
sind rigoros. Zwar gibt es hoffnungsvolle Beispiele und
auch viel privates Engagement, aber immer auch noch
offene Fragen.
Die Zahlen sind beeindruckend: Nach einem Kammerflimmern und einem damit verbundenen funktionellen Herzstillstand versterben jährlich 100.000 Bundesbürger. Für das bevölkerungsarme Schleswig-Holstein sind es jährlich immer noch 5.400 Tote. 15 Tote jeden Tag.
Dabei wäre ihre Rettung möglich und einfach: Mittels Defibrillation kann das Herz gestoppt und manuell wieder
angetrieben werden. Defibrillatoren retten dabei Menschenleben und könnten noch viel mehr Menschen
das Leben retten, würden sie denn unter den richtigen
Bedingungen verstärkt eingesetzt, so die Befürworter.
Noch vor wenigen Jahren waren Defibrillatoren nur Intensivmedizinern vorbehalten. Allein geschultes ärztliches Personal auf Intensivstationen und in Aufnahmeabteilungen durfte die manuellen Geräte bedienen. Die
Anwendung war somit weitestgehend auf Kliniken begrenzt. In den letzten Jahren hat die Technik große
Fortschritte gemacht, sodass zunächst halbautomatische Geräte von Rettungsassistenten bedient werden
durften. Seit 2001 sind Automatische Externe Defibrillatoren (AED) auch für die Laienanwendung zugelassen.
AEDs der neuesten Generation bestehen aus Laiensicht
nur noch aus zwei Elektroden, die nur noch richtig auf
die Brust geklebt werden müssen, und einem sprechenden Kasten mit lediglich einem Knopf. Das Gerät
misst zunächst ein EKG aus. Ist eine normale oder keine Aktivität messbar, gibt das Gerät keinen Strom frei.
Nur wenn ein Kammerflimmern vorliegt, erfolgen die
nächsten Schritte. Angeleitet vom Gerät wird der Ersthelfer durch den Vorgang geführt. Misst das Gerät
16
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
dann eine Null-Linie, weist es die Wiederbelebungsmaßnahmen an. Urteil der Fachleute: Fehlbedienung unmöglich.
Damit erfüllt sich für Rettungsmediziner wie Dr. Peer Knacke aus Eutin ein Traum: „Nur die Frühdefibrillation
führt beim Kammerflimmern zum Erfolg“, so der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Ostholstein.
Das Zeitfenster für eine lebenserhaltende und erfolgreiche
Maßnahme ist klein. Und wenn es geschlossen ist, auch
nicht mehr zu öffnen. „Eine Spätdefibrillation gibt es
schlichtweg nicht“, so Knacke. Mit jeder Minute nach Eintritt der Krise nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit
um zehn Prozent ab - gleichzeitig steigt das Risiko hypoxischer Schäden und des Todes. Bis die Notfallretter
in Schleswig-Holstein vor Ort sind, ist es meistens zu spät.
In zwölf Minuten müssen die Retter laut Rettungsleitlinien
am Einsatzort sein. Dies ist laut Knacke auch in einem
dünn besiedelten Flächenland zu schaffen. Für die Patienten reicht es trotzdem nicht: Sind die Profi-Retter da,
ist der Patient tot. Das Beste wäre, der Retter wäre
schon da. Dies verspricht die neue Technik: Vollautomatische Defibrillatoren und anpackende Ersthelfer
könnten die entscheidenden acht oder neun Minuten bis
zum Eintreffen der Rettungsdienste überbrücken bzw.
selbst schon lebensrettend tätig werden.
Dass dies nicht nur theoretische Überlegungen sind, beweisen die Erfahrungen im U-Bahnnetz der Münchener
Verkehrsgesellschaft. In einem groß angelegten Projekt
wurden hier seit 2001 auf 38 Bahnhöfen insgesamt 48
Automatische Externe Defibrillatoren (AED) installiert. In
die Notrufsäulen integriert, sind die AEDs zentral und
dennoch sicher verwahrt. Das Fach öffnet sich, wenn
der Mitarbeiter der Notrufzentrale die Ernsthaftigkeit
des eingehenden Notrufs erkennt und den Vorfall mit
den Überwachungskameras erfasst hat. Somit ist Missbrauch ausgeschlossen. Die Notrufzentrale übernimmt
dann zwei Aufgaben: Sie dirigiert im Gewirr großer
Bahnhöfe die Retter an die richtige Stelle, und sie ist Ansprechpartner für die Ersthelfer.
SCHLESWIG-HOLSTEIN
(Foto: BilderBox)
Der Erfolg des Münchener Projektes ist beachtlich: Insgesamt 20 Mal kamen die AEDs zum Einsatz. Bei der
Auswertung erwiesen sich 16 Fälle als echte Reanimationen: Zwei Patienten waren schon länger tot und hatten Null-Linien im EKG, die Reanimation wurde gleich
wieder abgebrochen, und zwei Patienten hatten sich in
suizidaler Absicht tödlich verletzt. Von diesen 16 Fällen
konnten 14 Patienten („Primärüberleber“) wiederbelebt
in die Klinik gebracht werden, vier Patienten starben
jedoch im weiteren Verlauf. Zehn Menschen konnten die
Klinik ohne Hirnschaden verlassen und leben heute
noch („Sekundärüberleber“). Somit haben - in Bezug auf
die 16 echten Reanimationsfälle - 88 Prozent der betroffenen Menschen primär und 63 Prozent sekundär
überlebt. Dagegen weist das Reanimationsregister der
Berufsfeuerwehr München für das übrige Stadtgebiet lediglich eine primäre Überlebenschance von unter fünf
Prozent auf.
Ein anderes gelungenes Großprojekt ist die „Casino“Studie aus den USA. Im Spielerparadies Las Vegas findet sich die optimale Forschungspopulation für lebensrettende Maßnahmen nach Kammerflimmern: ältere
Menschen in Stresssituationen, meist rauchend und
übergewichtig. Das Personal wurde in lebensrettenden
Sofortmaßnahmen geschult und mit tragbaren Defibrillatoren ausgerüstet; das Notrufmeldesystem wurde verbessert. Durch den Einsatz der Laienhelfer mit AEDs
konnten viele Menschenleben gerettet werden.
Prof. Hendrik Bonnemeier, Kardiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, ist erfreut
über die Ergebnisse dieser Projekte. Er ist von der Wirksamkeit der AEDs überzeugt und macht sich für deren
Verbreitung stark.
Prof. Hans-Joachim Trappe von der Ruhr-Universität
Bochum hat sich mit weiteren auch kleineren Versuchen beschäftigt und formuliert vorsichtig: „Nach den bisher vorliegenden Studien scheint die Installation von
AEDs an den Orten sinnvoll zu sein, an denen sich viele Menschen aufhalten.“ Er rät zu weiteren Studien.
Auch in Schleswig-Holstein gibt es Aktivitäten zur Verbreitung der mobilen Lebensretter. Besonders engagiert ist dabei die Landesarbeitsgruppe Herz-Kreislauf.
Der seit 1982 bestehende Verein wirbt dafür, AEDs im öffentlichen Raum zu verbreiten. Gemeinsam mit dem
Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein
(SGVSH) wurden die Hauptstellen der Sparkassen mit
Geräten ausgerüstet, und Personal wurde geschult. In
einer groß angelegten Aktion schaffte der Verband 2008
auf einen Schlag 27 Geräte an. Gyde Jens, verantwortlich beim SGVSH für Sponsoring und eben diese Aktion, sagte, dass aber noch weitere Geräte von den einzelnen Filialen im Land angeschafft wurden. Aussagen
über sachgerechte oder gar erfolgreiche Anwendungen konnte sie nicht machen, da diese nicht systematisch erfasst würden. Aber dass die Geräte durchaus Interesse finden, musste sie einräumen. Da die SparkasAusgabe 1 I Janaur 2010 17
SCHLESWIG-HOLSTEIN
sen die AEDs bewusst im öffentlich zugänglichen SBBereich platzieren, finden die Geräte ungewollte Abnehmer: Die Sparkassen mussten schon mehrere geklaute Geräte ersetzen.
Auch Björn Lüth, Pressesprecher der Sparkasse Holstein,
ist vorsichtig in der Nutzenbewertung der AEDs. Weder
dass die Geräte genutzt wurden noch dass sie hätten genutzt werden können: Lüth sind keine Vor- oder gar Todesfälle in den Räumen der Sparkasse aus den letzten
Jahren bekannt. Für die Eutiner Hauptstelle unterstütze
er zwar die Aufstellung und auch die Schulung der Mitarbeiter. Doch die Rettungssituation in der Innenstadt von
Eutin sei ohnehin aufgrund der kurzen Wege hervorragend. Eine eigentlich vorgesehene Kundenschulung
und damit auch Sensibilisierung für das Thema ist bisher noch nicht umgesetzt.
Das Interesse an den Geräten selbst ist groß. Nicht nur
Unternehmen, die sich vielleicht einen Imagegewinn
durch ihr Engagement versprechen, oder Arbeitgeber,
die aus Sorge um ihre Mitarbeiter handeln, schaffen
sich solche Geräte an. Auch viele Privatpersonen kaufen sich AEDs. Mittlerweile vermarkten schon Lebensmittel-Discounter die mobilen Lebensretter. Zum Preis von
999 Euro erhält der Kunde ein vollautomatisches Gerät
mit Sprachsteuerung und zusätzlich einen Gutschein
über 25 Euro für einen Erste-Hilfe-Kurs.
Das Best-Practice-Beispiel in Deutschland - die Münchener U-Bahn - kann zwar gute Zahlen bieten. Aber die
zehn erfolgreichen Maßnahmen resultieren nicht zuletzt
aus einer äußerst günstigen Konstellation. Über den
Betrachtungszeitraum von achteinhalb Jahren sind fast
1, 2, 3, kinderleicht ... Ob die laientauglichen Geräte
auch wirklich erfolgreich eingesetzt werden, hängt
von vielen Faktoren ab - am wenigsten aber von den
technisch ausgereiften Geräten selbst.
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Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
3.000.000.000 Menschen auf engstem Raum an den 48
AEDs vorbeigekommen; 70 Prozent der Fahrgäste dabei in den wenigen Stunden der werktäglichen Rushhour. Aber nicht nur die Masse möglicher Patienten und
Ersthelfer war für den Erfolg der Reanimationen verantwortlich. Ein entscheidender Faktor ist die Bereitschaft und Kompetenz der Ersthelfer. Nur wenn bekannt ist, was zu tun ist, wenn ein hilfloser Mensch aufgefunden wird, kann auch gehandelt werden. In München ist nur wenig über die Ersthelfer bekannt, da diese in der Regel nicht erfasst werden und nach dem
Eintreffen der Rettungskräfte den Ort des Geschehens
verlassen. Bekannt ist aber, dass in drei Fällen ein Medizinstudent, ein Arzt und einmal zwei als Ersthelfer
ausgebildete Polizisten die Erstmaßnahmen anleiteten.
An einem anderen Problem arbeitet die Landesarbeitsgruppe gerade sehr aktiv: Oftmals unterbleibt eine Frühdefibrillation, weil die Standorte der AEDs nicht bekannt
sind. Selbst die Rettungsstellen konnten den Ersthelfern
nicht weiterhelfen. Mit einem Online-Kataster, das kürzlich veröffentlicht wurde, wurden alle Defibrillatoren erfasst, sodass Rettungsstellen Ersthelfern in Zukunft den
Weg zum nächsten AED weisen könnten. (www.aed-kataster.net)
Bei aller Euphorie über gelungene AED-Anwendungen
im öffentlichen Raum und eine funktionierende Technik
darf nicht vergessen werden: Relevante Zahlen lassen
sich nur in einer ausreichend großen Population erzielen. Und noch etwas darf nicht übersehen werden: 70
Prozent aller Krisen durch Kammerflimmern treten im
häuslichen Bereich auf. Jan Dreckmann
Geld oder Leben: In der Eutiner Hauptstelle der
Sparkasse Holstein hängen die Defibrillatoren im öffentlich zugänglichen Raum.
(Fotos: Dreckmann)
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Absage der Landesregierung
Kein kostenloses Obst an
Schleswig-Holsteins Schulen
Das Kieler Landwirtschaftsministerium hält den Verwaltungsaufwand für zu
hoch, um Schüler mit kostenlosem Obst zu versorgen.
Europas Landwirte ernten mehr, als sie profitabel verkaufen können. Die EU versucht seit Jahrzehnten, diesem Missstand abzuhelfen: mal mit Subventionen für
Tabakbauern in Griechenland, mal mit kostengünstigem
Obst für Schüler. Beim Schulobstprogramm macht
Schleswig-Holstein nicht mit.
Weil der Verwaltungsaufwand unverhältnismäßig hoch
sei - unter anderem muss sichergestellt sein, dass kein
Lehrer sich einen EU-Apfel nimmt, auch darf das Obst
nicht als Nachtisch in der Schulmensa angeboten werden - hat das Landwirtschaftsministerium im Dezember
auf die Teilnahme verzichtet. Das Antrags-, Bewilligungs- und Auszahlungsverfahren ist tatsächlich bombastisch; das Volumen des Angebotes - 7,50 Euro pro
Jahr und Kind, wenn der gesamte Etat allein an Grundschulen ausgegeben wird - ist vergleichsweise mickrig.
Da kann man Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf
schon verstehen.
Andererseits sagte Gesundheitsminister Heiner Garg fast
zeitgleich: „Die Weichen für gesunde Ernährung werden in der Kindheit gestellt.“ Und er fügte hinzu: „Bei
den Schuleingangsuntersuchungen 2007 waren in
Schleswig-Holstein zehn Prozent der Kinder übergewichtig, vier Prozent schwer übergewichtig.“ Gargs Ministerium fördert in Plön und Ostholstein zusammen mit
dem Kinderschutzbund Programme zur Ernährungserziehung besonders in Familien aus sozial schwierigen
Verhältnissen und in Familien mit Migrationshintergrund.
„Kinder und Jugendliche aus diesen Gruppen sind besonders betroffen“, schreibt das Sozialministerium. Beim
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte heißt es
dazu: „Je älter Kinder sind, desto schwerer fällt es ihnen,
den Teufelskreis aus falscher Ernährung, mangelnder
Bewegung und Übergewicht zu durchbrechen.“
Gegessen wird also genug, oft sogar insgesamt zuviel
und vom Richtigen zu wenig. 200 bis 230 Gramm Obst
und Gemüse täglich, empfiehlt das Forschungsinstitut
für Kinderernährung in Dortmund. Dass dies in vielen
Familien nicht die Realität ist, sehen Kinderärzte täglich
in ihren Praxen. Liegt es am Geld? Vermutlich auch, jedoch nicht ausschließlich: In den Problemfamilien weiß
häufig niemand, dass es nicht nur gesünder, sondern
auch billiger ist, Obst und Gemüse lose zu kaufen und
frisch zuzubereiten, als Fertiggerichte auf den Tisch
zu bringen. Wenn „süß“ die einzige von Kindern geschätzte Geschmacksrichtung ist und „würzig“ (Kohlrabi, Paprika) generell abgelehnt wird, dürfte das auf Gewöhnung zurückzuführen sein.
Stephan Esser, bei der Bildungsgewerkschaft GEW in
Kiel zuständig für Kindergärten und Vorschulerziehung,
sagt dazu: „In vielen Familien wird in der Küche nur noch
aufgewärmt.“ Wie man eine Suppe selber kochen oder
einen Pfannkuchen backen kann, erleben viele Kinder
zum ersten Mal in der Schule. Und selbst in vielen
Schulen, die Verbraucherkunde oder Hauswirtschaft
unterrichten - das tun längst nicht alle - gibt es ein
schulspezifisches Problem: den Pausenkiosk des Hausmeisters mit fertig belegten Weißmehlbrötchen und zuckerhaltigsten Müsliriegeln. - Schon besser sieht der Umgang mit Obst und Gemüse in Kindertagesstätten aus,
wo der selbst geschnippelte - und aus dem eigenen Etat
bezahlte - Rohkostteller fast selbstverständlich geworden ist.
Kostenloses Schulobst, am besten von den Kindern
selbst verzehrfertig zubereitet, wäre „nur ein Tropfen auf
den heißen Stein, aber besser als nichts“, sagt die
GEW. Viele Lehrer bleiben skeptisch, weil sie nicht wissen, wie sie diese zusätzliche Aufgabe in den Stundenplan einbauen können. - Vielleicht am besten mit Elterninitiative wie an der Rudolf-Tonner-Schule in Neumünster: Seit drei Jahren schneiden dort fünf Mütter und
eine Großmutter jeden Tag sechs bis sieben Kilo Äpfel,
Möhren, Paprika und Orangen, die dann von einer
Klasse in der großen Pause verteilt werden. „Die Kinder
stehen Schlange“, berichtet die Presse. Das Geld für
Obst und Gemüse erwirtschaftet die Elterninitiative mit
ihrer Milch- und Brötchenbar: zehn Cent Überschuss pro
Brötchen machen’s möglich. Jörg Feldner
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SCHLESWIG-HOLSTEIN
Kapselendoskopie
„Goldstandard“ der
Dünndarmdiagnostik auf Leihbasis
Die Kapselendoskopie hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Ein
neues Angebot könnte nun zu einem häufigeren Einsatz im Norden führen.
Die Diagnostik von Dünndarmerkrankungen hat sich
durch die Kapselendoskopie entscheidend verbessert.
Dennoch wird diese schonende Methode nicht flächendeckend angewandt: Die hohen Anschaffungskosten und die geringe Auslastung der Vorrichtung haben das bislang verhindert. Das „Kapselzentrum Schleswig“ am SCHLEI-Klinikum bietet das Equipment seit Januar 2010 niedergelassenen Gastroenterologen und Kliniken als Leihgabe an.
Die Vorteile der Kapselendoskopie sind im Wesentlichen
unstrittig. „Sie ist der Goldstandard in der Diagnostik von
mittleren gastrointestinalen Blutungen“, sagt PD Dr.
Stephan Hellmig, seit April 2009 Chefarzt für Innere
Medizin/Gastroenterologie am SCHLEI-Klinikum. Er ist
mit der Methode seit seiner Zeit am Universitätsklinikum
Kiel vertraut. Inzwischen also gute sieben Jahre. Die Detektionsrate gastrointestinaler Blutungen ist laut Hellmig
wesentlich höher als bei allen konkurrierenden Verfahren, die unter anderem bei der Darstellung distaler
Dünndarmsegmente zurückbleiben. Zudem ist die Kapselendoskopie deutlich weniger belastend für die Patienten.
Der Grund für die verhaltene Verbreitung der bereits seit
2001 durch die FDA anerkannten Methode ist in Ziffern
zu benennen: 40.000 Euro für das Equipment sind eine
hohe Ausgabe, die Auslastung steht dagegen finanziell
in keiner günstigen Relation: „Im Schnitt hat eine gastroenterologische Praxis vielleicht acht bis zehn Patienten im Jahr, die für eine Kapselendoskopie infrage
kommen“, schätzt Dr. Hellmig. Für zehn Patienten im
Jahr lohnt es sich nicht, eine Workstation anzuschaffen.
Bei so niedrigen Untersuchungszahlen fehlten zudem
die Erfahrung in der Befundung und die Routine im gesamten Auswertungsablauf. „Die Fälle müssen sorgfältig
selektiert werden, nur dann macht die Kapselendoskopie Sinn und nur dann ist die hohe diagnostische
Ausbeute von etwa 80 Prozent gegeben,“ so Dr. Hellmig, der bei der Auswahl der Patienten gerne beratend
zur Seite steht.
Das Ausleihen des Equipments sowie die Untersuchung selbst sind unkompliziert: Alle Utensilien lassen
sich in einem Koffer von Aktengröße verschicken: Kapselkamera, Datenrekorder, Bauchgurt sowie Elektroden. Der Koffer ist in der Regel einen Tag nach Anfor-
Aufbau einer Dünndarmkapsel:
1 - Optischer Dom
2 - Linsenhalter
3 - Linse
4 - Beleuchtungs-LEDs
5 - CMOS Kamera
6 - Batterien
7 - Sender
8 - Antenne
Abmessungen:
Breite: 11 mm
Länge: 26 mm
Gewicht: 3,7 g
(Quelle: SCHLEI-Klinikum
Schleswig MLK)
20
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
SCHLESWIG-HOLSTEIN
derung beim Kooperationspartner. Nach der rund achtstündigen Untersuchung - während der sich der Patient frei bewegen kann - wird er inklusive der Bilder auf
dem Datenrekorder wieder zurückgeschickt. Die gut
2,6 cm große Kapsel ist ein Einmalprodukt und wird auf
natürlichem Wege ausgeschieden.
Der gesamte Ablauf von der Anforderung bis zur Befundübermittlung nimmt etwa drei bis vier Tage in Anspruch. Kostenpunkt: ca. 600 Euro für die Kapsel zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr. Die Leistungen des
Kapselzentrums reichen von der alleinigen Erstellung des
Videos bis zur kompletten Befundung. Möchte der Kooperationspartner selber befunden, stellt das Kapselzentrum eine Kopie des Videos und die entsprechende
Software zur Verfügung.
Die Indikationspalette ist im Hinblick auf die steigende
Inzidenz von Darmerkrankungen beachtenswert.
Von den Fachgesellschaften anerkannt sind:
à
unklare gastrointestinale Blutung z. B. bei Angiodysplasien,
à
Überwachung von erblichen Polyposis-Syndromen,
à
Gastrointestinale NSAR-Nebenwirkungen,
à
Nachweis und Ausschluss bei Verdacht auf Morbus
Crohn (Erstdiagnostik),
à
Indeterminate Colitis.
Weitere Indikationen sind laut Hellmig:
à
Nachweis und Ausschluss von Dünndarmtumoren
und Lymphomen,
à
Graft-versus-Host Disease,,
à
Zöliakie/Sprue (nicht als Standard-Primärdiagnostik).
Die Kapsel kann neuerdings auch im Rahmen der Darmkrebsvorsorge eingesetzt werden. Dies zum Beispiel
bei Patienten, die auf die Einnahme von oralen Antikoagulantien angewiesen sind. Bei Verdacht auf relevante Stenosen im Dünndarm - vor allem bei Patienten mit
einem M. Crohn - kann mit der löslichen Patency-Kapsel vor der eigentlichen Endoskopie eine einfache und
effektive Prüfung der Durchgängigkeit erfolgen. Durchwandert die Test-Kapsel den Dünndarm ohne Probleme,
kann anschließend die Dünndarmendoskopie mit der Videokapsel gefahrlos stattfinden. Liegt aber eine Engstellung des Dünndarms vor, die von der Testkapsel
nicht überwunden werden kann, so löst sich diese nach
ca. 30 Stunden auf und wird auf natürlichem Wege ausgeschieden. In diesen Fällen darf die Videokapsel nicht
geschluckt werden.
Nicht nur niedergelassene Gastroenterologen, auch einige Kliniken in Schleswig-Holstein haben trotz gastroenterologischer Schwerpunkte die Kapselendoskopie
nicht in ihrem diagnostischen Spektrum. Auch ihnen bietet Hellmig den Service des Kapselzentrums an. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Ausleihen gemacht.“
Die Ausstattung ging unter anderem schon in eine Praxis nach Bielefeld, sogar vom Bodensee aus wurde bereits angefragt. Die Kontakte sind bislang über Hellmigs Kongresstätigkeit entstanden. Die eigentliche Zielgruppe sind aber die Ärzte aus Schleswig-Holstein.
Denn durch das Leihverfahren soll nicht nur eine hohe
Systemauslastung erreicht werden: „Wir verdienen am
Verleihen und Befunden kein großes Geld. Uns geht es
um Kooperation im weiteren Sinne“, erläutert Hellmig.
Sollte sich aus dem Befund eine Indikation zur Dünndarmenteroskopie ergeben, „steht unsere Klinik jederzeit zur Verfügung“, schreibt das Unternehmen der
Damp Gruppe dazu in seinem Faltblatt zum Kapselzentrum.
Seit ihrer Entwicklung 1998 durch den israelischen Ingenieur und Raketenspezialisten Dr. Gavriel Iddan, hat
die „PillCam“ immer noch etwas von ihrer ursprünglichen
Faszination einer wie selbstständig durch den Körper
wandernden Minikamera bewahrt. Zwölf Jahre danach
machen die heutige gute Bildqualität und komfortable
Auswertungssoftware den gesamten Ablauf auch für
die Ärzte zu einem „schonenden“ Verfahren.
Judith Eick
Das gesamte Equipment für eine Kapselendoskopie
passt in einen kleinen Koffer. Dr. Stephan Hellmig
und Dr. Gesine Fedders zeigen es.
(Foto: Eick)
Ausgabe 1 I Janaur 2010 21
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Altenpflegepreis für ein Projekt der AWO
Ein neuer Blick in die Gefühlswelt
pflegebedürftiger Menschen
Ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt soll helfen, das Schweigen der Kriegskinder
zu beenden. Es wurde mit dem Altenpflegepreis ausgezeichnet.
Täglich kümmern sich mehr als 35.000 Arbeitskräfte in
Schleswig-Holstein um pflegebedürftige Menschen.
Ihre Arbeit geht zum Teil weit über das übliche Maß an
Engagement hinaus. Sozialminister Dr. Heiner Garg
bescheingte vielen von ihnen Hingabe und Kreativität,
nachdem er die eingereichten Projekte für den Landespflegepreis kennengelernt hatte. Der Preis wurde
zum 6. Mal vom Land und vom Landespflegeausschuss
verliehen. Mit ihm soll der Stellenwert einer guten Pflege und Begleitung älterer Menschen hervorgehoben und
das Engagement in diesem Bereich gewürdigt werden.
Mit dem ersten Preis, der mit 3.000 Euro dotiert ist,
zeichnete die Jury ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt
(AWO) Schleswig-Holstein aus. Unter dem Projekttitel: „Geschichte leben - embracing history“ und mit Unterstützung von vielen Kooperationspartnern hat die
AWO Pflege die sogenannten Kriegskinder - also die
Menschen, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs geboren oder aufgewachsen sind - eingeladen, ihre Geschichten den nachkommenden Generationen zu erzählen. „In unseren Pflegeeinrichtungen und Diensten
begegnen wir vielen Menschen, die den Krieg miterlebt
haben und die in Zeiten des Wiederaufbaus keine Zeit
oder Möglichkeit hatten, sich mit der erlebten Trauer im
Krieg zu beschäftigen. Erst jetzt können und wollen
sie sich intensiver mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Wir haben diesen Erinnerungen einen Raum gegeben“, erklärte AWO-Geschäftsführer Volker Andresen
den Anstoß zu diesem Projekt.
Begleitet von Künstlern des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK) und seiner Vorsitzenden Deborah DiMeglio, haben die Erinnerungen auf unterschiedliche Art
und Weise Gestalt angenommen. Ältere Kriegskinder
und Zeitzeugen, Schülerinnen, Großeltern und Enkelkinder haben Brücken zwischen schweren Erinnerungen und glücklichen Momenten der Kindheit gestaltet
und gebaut. Dabei sind viele Anschauungsobjekte entstanden: Erinnerungskisten von älteren Menschen aus
22
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Schleswig-Holstein und aus Estland, Erinnerungs-Leporellos (faltbare Hefte), ein wachsendes Erinnerungsbuch, Videoaufzeichnungen von Gesprächen zwischen der Enkel- und Großelterngeneration und ein
gemeinsames Theaterstück.
Der Verein kriegskind.de e. V., der Verein Mahnmal Kilian mit seinem Kriegszeugenprojekt und die Bürgerinitiative „Gedenkstein für Zwangsarbeit“ haben das
AWO-Projekt fachlich begleitet und im Rahmen von
Fachveranstaltungen und Fortbildungen die Thematik
„Kriegskinder und deren Traumatisierungen“ vertieft.
„Dies ist ,Erinnerungspflege‘ im wortwörtlichen Sinne.
Die Beschäftigung mit schweren Traumatisierungen ist
ein wichtiger Schritt, um mit der eigenen oder der fremden Lebensgeschichte vertrauter zu werden. Pflegeplanungen oder auch Betreuungsangebote orientieren sich jetzt noch stärker an der Lebensgeschichte und
berücksichtigen leidvolle Erfahrungen und Erlebnisse“, sagte Uwe Braun, Leiter des Unternehmensbereichs Pflege der AWO Schleswig-Holstein gGmbH.
„Mit dem Projekt ist den Mitarbeitern in den Pflegeeinrichtungen ein neuer Blick in die Gefühlswelt der von ihnen gepflegten und betreuten Menschen eröffnet worden.“ Die Erinnerungskisten und die Leporellos können
bei der AWO Schleswig-Holstein, Unternehmensbereich Pflege, ausgeliehen werden.
Der 2. Preis (2.000 Euro) ging an die Norddeutschen Diakoniedienste für Senioren gGmbH in Rendsburg für
ihr Projekt zum besseren Management von Zeitarbeit
in der Pflege. Ziele sind eine bessere Koordination der
eingesetzten Zeitarbeitskräfte und eine größere Mitarbeiterzufriedenheit. Den 3. Preis (1.000 Euro) erhielt die
Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V. in Norderstedt für ihr Projekt „Demenzkoffer“, mit dem Jugendlichen das Thema Demenez nähergebracht wird.
Schulen im Land wurden dabei zur Durchführung von
Projektwochen zum Thema angeregt.
(PM/Red.)
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Jubiläum
Der Flensburger Ärzteverein
feierte 125-jähriges Bestehen
Die Ziele des Vereins sind heute noch so aktuell wie im Gründungsjahr. Hinzu
kommt ein reger Austausch mit dänischen Kollegen.
1604 gab es den ersten ortsfesten Arzt in Flensburg, 200
Jahre später praktizierten immer noch nur drei Ärzte in
der Fördestadt. 1864 war die Zahl der Mediziner in
Flensburg immerhin auf 20 gestiegen. Als 1884 die
Bevölkerungszahl auf 33.000 angewachsen war, benötigte Flensburg weit mehr Ärzte. Deshalb schlossen
sich in jenem Jahr 17 Zivil- und fünf Militärärzte zum
Flensburger Ärzteverein zusammen.
Ende vergangenen Jahres feierte dieser Verein sein
125-jähriges Bestehen. Die wesentlichen Ziele aus dem
Gründungsjahr - nämlich Wahrung der Berufsinteressen
der Ärzte, Förderung eines kollegialen Verhältnisses untereinander, Wahrung der Standesethik, Förderung der
ärztlichen Fortbildung, Betreuung notleidender Ärzte und
ihrer Familien und Unterstützung der Ärztekammer
Schleswig-Holstein in ihren Aufgaben - gelten auch
heute noch für die Mitglieder des nach eigenen Angaben drittältesten Ärztevereins in Schleswig-Holstein.
Anlässlich des Jubiläums verwies der heutige Vorsitzende Dr. Henning Baur auf einige Meilensteine in der
Geschichte des Vereins. So trat der Vereinsvorstand im
Mai 1933 geschlossen zurück, um dem Druck der Nationalsozialisten zu entgehen. Die letzte Vollversammlung im Dritten Reich hielten die Flensburger Ärzte
1934 ab. Schon im Juni 1945 kam es zur Neuorganisation. Zu diesem Zeitpunkt praktizierten in Flensburg
152 Ärzte - bei einer auf 105.000 Menschen angewachsenen Bevölkerung. Heute bildet der Verein mit 270
Mitgliedern einen Querschnitt durch alle in der Stadt und
dem stadtnahen Umland vorhandenen Arztgruppen
ab. Ein Drittel der Mitglieder ist, wie der Vorsitzende, Ruheständler. Fortbildungen werden in enger Abstimmung mit den örtlichen Krankenhäusern organisiert. Außerdem bemüht sich der Verein um Kontakte zu Kollegen in Dänemark. „Der rege Austausch mit ihnen im vergangenen Jahrzehnt umfasste Besuche in Arztpraxen
in beiden Ländern, länderübergreifende Fortbildungsveranstaltungen und medizinhistorisch ausgerichtete gemeinsame Fahrten“, berichtet Baur. Die Chronik des Ver-
eins gibt aber auch Einblick in die ganz alltäglichen, praktischen Probleme, mit denen sich der Verein für die Ärzte an der Grenze beschäftigt. So standen etwa Fragen
des Bereitschaftsdienstes, die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Praxen, die Behandlung dänischer
Patienten in deutschen Einrichtungen und Proteste gegen gesundheitspolitische Rahmenbedingungen auf
der Agenda der vergangenen Jahre. Die aktuelle Aufzählung zeigt, dass das Motto der Jubiläumsfeier zum
120-jährigen Bestehen nur mit neuer Jahreszahl versehen werden könnte, es lautete: „120 und kein bisschen ranzig.“
Dirk Schnack
Ausgabe 1 I Janaur 2010 23
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Interview mit dem Chef der Barmer/GEK im Norden
„Wir werden uns ohne Zusatzprämien auf den Weg machen“
Aber Thomas Wortmann erwartet, dass mittelfristig keine Krankenkasse ohne
Zusatzbeiträge mehr auskommen wird.
Nach der Fusion von Barmer Ersatzkasse (BEK) und
Schwäbisch-Gmünder Ersatzkasse (GEK) ist die größte deutsche Krankenkasse entstanden. In SchleswigHolstein versichert der neue Branchenführer derzeit
362.000 Menschen und wendet jährlich 780 Millionen
Euro an Leistungsausgaben auf. Landesweit gibt es 55
Kundencenter und 585 Mitarbeiter. Über die gesundheitspolitischen Vorstellungen der Krankenkasse sprach
Dirk Schnack mit dem Vorstandsvorsitzenden der Barmer Nord, Thomas Wortmann.
gendvertrag oder die Hautkrebsvorsorge. Einzig der bisherige Hausarztvertrag der ehemaligen GEK wird vor
dem Hintergrund der bundesweit anstehenden Schiedsstellenverfahren ausschließlich als geschlossener Vertrag für die bis Ende 2009 eingeschriebenen Versicherten fortgeführt.
Herr Wortmann, nach der Fusion mit der GEK ist Ihre Kasse die größte in Deutschland. Was ändert sich damit für
die Ärzte als Vertragspartner?
Wortmann: Zunächst einmal werden wir uns ohne Zusatzbeitrag auf den Weg machen. Für eine Prognose
zum Verlauf des gesamten Jahres ist es heute aber noch
zu früh. Sollten sich die Anzeichen für ein Anspringen
der Konjunktur bewahrheiten, wird dies sicherlich zu einer Entlastung beitragen. Es darf dabei aber nicht außer Acht gelassen werden, dass das System des Gesundheitsfonds auf die Erhebung von Zusatzbeiträgen
ausgerichtet ist. Früher oder später wird jede Krankenkasse dazu gezwungen sein.
Wortmann: Sowohl BARMER als auch GEK gehören
nach den jüngsten Bewertungen von Focus-Money zu
Doktors Lieblingen unter den großen Krankenkassen.
Und erklärtes Ziel des neuen Unternehmens ist es, das
Beste der Einzelunternehmen zu einem noch besseren
Gesamten in dem neuen Unternehmen zusammenzuführen. Ich glaube, die Ärzteschaft kennt uns insgesamt
als kompetente und verlässliche Partner, mit denen
man reden kann. Wir können die medizinische Versorgung der Menschen aber nur gemeinsam gut organisieren und bringen dazu neben der nötigen Flexibilität und Innovationskraft natürlich künftig auch die Gestaltungskraft für über 360.000 Schleswig-Holsteiner
ein.
Gibt es spezielle Verträge von einem der Fusionspartner, die nun für die vereinigte Kasse und damit für mehr
Versicherte gelten, oder entfallen Verträge, die es bislang nur von einer der Kassen gab?
Wortmann: Die neue BARMER GEK tritt die Rechtsnachfolge der bisherigen Unternehmen an. Von daher
gelten grundsätzlich alle Verträge, die bisher nur für das
eine oder andere Unternehmen galten, jetzt für das
neue und alle Versicherten weiter. Das gilt für die Arzneimittel-Rabattverträge und die Verträge zur Integrierten Versorgung ebenso wie für den Kinder- und Ju24
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Viele Kassen werden in diesem Jahr Zusatzprämien erheben, um die Ausgaben decken zu können. Wann und
in welcher Höhe muss bei der Barmer/GEK mit einer Prämie gerechnet werden?
Diskutiert wird derzeit die Einführung einkommensunabhängiger Prämien in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Krankenkassen sind mit diesem Modell
nicht glücklich, obwohl sie doch mehr Kalkulationssicherheit bekommen. Was spricht aus Ihrer Sicht gegen die Pläne von Bundesgesundheitsminister Philipp
Rösler?
Wortmann: Dieses Thema ist vielschichtig. Zunächst einmal halte ich es für sozialpolitisch fatal und ökonomisch falsch, den Arbeitgeberbeitrag festschreiben zu
wollen. Die Arbeitgeber, die bisher immer besonders auf
Wirtschaftlichkeit im System pochen, werden mit allen
Konsequenzen für die Kostenentwicklung aus der Verantwortung entlassen. Das Krankheitsrisiko wird zudem privatisiert, indem jegliche Kostensteigerungen
ausschließlich von den Versicherten zu tragen sind.
Dadurch hätten die Arbeitnehmer weniger im Portmonee und könnten auch weniger ausgeben. Das belas-
SCHLESWIG-HOLSTEIN
tet den Konsum und ist ebenso schädlich für die Wirtschaft wie hohe Lohnnebenkosten. Und der Sozialausgleich aus dem Steuersystem ist dann von der Haushaltslage des Bundes und dem Gutdünken des Finanzministers abhängig.
Ich sehe aber auch keine Notwendigkeit für einen Systemwechsel. Unser System hat sich doch klar - auch in
Zeiten der Finanzkrise - bewährt. Außerdem haben wir
durch Gesundheitsfonds und Morbi-RSA gerade erreicht, dass die Solidarität der GKV gestärkt und der Fokus auf Qualität, Innovation und Wirtschaftlichkeit gelegt
wird. Der Wettbewerb ist damit in gute und richtige Bahnen gelenkt worden. Die Politik sollte sich vor Klientelpolitik hüten. Dafür ist die gesundheitliche Versorgung
der Bevölkerung ein zu hohes Gut.
Der Schleswig-Holsteinische Gesundheitsminister Dr.
Heiner Garg hat die Akteure im Gesundheitswesen zu
mehr Dialog und Kooperation aufgefordert. Wurde aus
Ihrer Sicht zuviel über- statt miteinander geredet? Wo sehen Sie konkreten Gesprächsbedarf?
Wortmann: Wie eingangs schon gesagt, funktioniert
unser System nur partnerschaftlich. Ich nehme für mich
und mein Unternehmen in Anspruch, dass wir Kommunikation groß schreiben und einen konstruktiven Dialog mit allen Partnern betreiben. Das ist zugegeben
nicht immer einfach. Was wir aber über alle Bereiche benötigen, ist ein Verständnis für die Gesamtsituation in unserem System. Es darf nicht nur um die eigenen Vorteile
gehen. Hier bedarf es mitunter größeren Verantwortungsbewusstseins für das große Ganze, ohne dass
das Einzelne nicht funktionieren würde.
Immer mehr niedergelassene Ärzte sehen die ambulante Versorgung bedroht und zugleich neue Akteure in
diesen Bereich drängen. Sind aus Sicht der Krankenkassen kapitalstarke Investoren schädlich für die Versorgung und MVZ von Kliniken eine Gefahr für das funktionierende System?
Wortmann: Zunächst einmal haben wir in der ambulanten Versorgung keinen Ärztemangel, sofern die Frage einleitend auch darauf abzielt. Während bei gleichbleibender und in Zukunft sogar abnehmender Bevölkerungszahl die Zahl der Ärzte permanent ansteigt, liegt
das Problem vielmehr in der regionalen Verteilung der
Mediziner. Hier müssen Diskussionen über attraktivere
Arbeitsbedingungen insbesondere in dünner besiedelten Regionen geführt werden. Darüber hinaus leben
wir in einer freien Marktwirtschaft. Davon ist das Gesundheitssystem nicht ausgenommen, auch wenn es sicherlich an vielen Stellen überreguliert ist. Wenn die
â
Zur Person
(Foto: Barmer)
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Medizinische Versorgungszentren Erfolgsqualität bieten
und auch wirtschaftlich sind.“
Thomas Wortmann
Thomas Wortmann hat vor 35 Jahren seine Karriere bei
der Barmer Ersatzkasse begonnen. Nach seiner Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten arbeitete der gebürtige Neumünsteraner in verschiedenen Positionen an den Standorten Bad Segeberg, Lübeck, Leer (Ostfriesland), Kiel und Hamburg für die
Krankenkasse. 1997 wurde Wortmann zunächst zum
Landesgeschäftsführer der Barmer in Hamburg berufen. Später kamen Schleswig-Holstein und schließlich
Mecklenburg-Vorpommern zum Verantwortungsbereich hinzu. Seit Anfang des Jahres ist Wortmann für
dieses Gebiet für die mit der GEK fusionierte Krankenkasse zuständig. Außerdem ist der 51-jährige Vorsitzender des Landesausschusses der Ersatzkassen in
Schleswig-Holstein. Wortmann lebt in Bordesholm,
Dienstsitz für den Bereich Nord der Barmer ist in Hamburg.
Ausgabe 1 I Janaur 2010 25
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Gewinnprognosen lukrativ genug für kapitalstarke Investoren sind, warum sollten sie sich dann nicht bemühen dürfen? Gleiches gilt vom Grundsatz für MVZ von
Kliniken. Hier ist allerdings die Gefahr groß, dass das Augenmerk auf der Steuerung der Krankenhaus-Zuweisungen liegt. Eine solche Entwicklung halte ich dann für
bedenklich. In allen Fällen muss aber dafür gesorgt
werden, dass die Zulassungsregelungen durch den
Kauf und Verkauf von Arztsitzen nicht ausgehebelt werden
können und dass die flächendeckende Versorgung - das
gilt natürlich auch und insbesondere für die Großstädte - nicht gefährdet wird. Wir haben aber insgesamt die
â
Neue Krankenkasse: BARMER GEK geht
an den Start
Am 1. Januar 2010 entstand aus dem Zusammenschluss von BARMER und Gmünder Ersatzkasse (GEK)
ein neuer Marktführer unter den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Ihm gehören bundesweit
rund 8,5 Millionen Versicherte an. In Schleswig-Holstein
sind damit rund 362.000 Versicherte insgesamt bei
der BARMER GEK versichert. Die BARMER zählte bisher 267.000 und die GEK 95.000 Versicherte im Land.
„Die neue Krankenkasse wird die größere Gestaltungskraft für bessere Leistungen, noch mehr Service
und eine intensivere Versichertenbetreuung nutzen“, erklärte Landesgeschäftsführer Thomas Wortmann. Tatsächlich bietet die BARMER GEK zahlreiche Zusatzleistungen: Die Extras reichen von einem Kinder- und
Jugendvertrag mit dem Berufsverband der Kinder- und
Jugendärzte (BVKJ) über zusätzliche Impf- und Vorsorgeleistungen bis hin zur erweiterten Hautkrebsvorsorge und zum Screening auf Schwangerschaftsdiabetes. Die Versicherten der bisherigen BARMER können ihre Versichertenkarte bis zum Ablauf des Gültigkeitszeitraumes weiter verwenden. Aus organisatorischen Gründen wird den Versicherten der bisherigen
GEK zum Jahreswechsel eine neue Versichertenkarte
zugestellt. Betreut werden die Versicherten künftig landesweit in 33 Kundencentern. Die Serviceteams sind
für Informationen, Beratungen und zur Bearbeitung
von Versichertenanliegen zu den bekannten Öffnungszeiten persönlich erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten können individuelle Termine - auch zuhause oder
am Arbeitsplatz - telefonisch vereinbart werden.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.barmer-gek.de. (PM)
26
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Erfahrung gemacht, dass MVZ Erfolgsqualität bieten
und auch wirtschaftlich sind.
Was halten Sie davon, so wie die TK Versorgungsverträge
mit Versorgungszentren abzuschließen, um Ihren Versicherten spezielle Vorteile zu sichern? Ist so etwas für Ihre
Kasse vorstellbar bzw. in Planung?
Wortmann: Für uns steht nicht das Ambiente, sondern
die exzellente medizinische Versorgung der Patienten im
Mittelpunkt. Dass und wie das funktioniert, belegen die
Erfolge unserer Zusammenarbeit mit dem POLIKUM in
Berlin. Etwa 80 Haus- und Fachärzte nahezu aller Fachrichtungen, ein ambulantes OP-Zentrum und verschiedene Krankenhäuser beteiligen sich am „Netzwerk Plus“,
um unseren Versicherten die bestmögliche Versorgung
zu bieten. Auch dabei gibt es natürlich Sonderleistungen wie Terminmanagement, verlängerte Öffnungszeiten und mehr. Und die Vorteile dieser engmaschigen Vernetzung lassen sich nicht nur in Ballungszentren erzielen, sondern auch in strukturschwächeren ländlichen Regionen.
Krankenhäuser im Norden sehen sich seit Jahren im
Nachteil, weil sie geringere Basisfallwerte erhalten als Kliniken in anderen Bundesländern. Bundesweit tätige
Kassen wie die Barmer/GEK zahlen für den gleichen
Eingriff in Schleswig-Holstein weniger als in RheinlandPfalz und sparen damit jede Menge Geld. Warum ist Ihnen der Eingriff in Schleswig-Holstein weniger wert?
Wortmann: Nach dem Prinzip „gleicher Preis für gleiche
Leistungen“ sollte eine stationäre Behandlung in Schleswig-Holstein genauso vergütet werden wie in Rheinland-Pfalz oder anderswo. Eine solche Anpassung muss
für die GKV insgesamt aber ausgabenneutral umgesetzt werden. Die asymmetrisch verlaufenden Korridore um den Bundesbasisfallwert führen allerdings nicht
nur zu Mehrkosten, sondern auch zu weiter bestehenden Differenzen zwischen den Ländern. Im Übrigen
lehnt der Berliner Koalitionsvertrag bundeseinheitliche
Preise klar und deutlich ab. Auch aus der schleswig-holsteinischen Landespolitik habe ich dazu bisher keine kritischen Stimmen gehört. Ob die vereinbarte Absage an
bundeseinheitliche Preise bedeutet, dass der Korridor
auch langfristig bestehen bleibt und nicht weiter auf
den Bundesbasisfallwert zusammenschrumpft, oder ob
sämtliche Regelungen zum Bundesbasisfallwert revidiert werden sollen, ist offen. Die Verantwortung für die
weiteren Entwicklungen trägt allein die Politik.
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Vereinigung Norddeutscher Augenärzte (VNA)
Professionelle Verbandsarbeit für
Norddeutschlands Augenärzte
Die VNA will sich künftig auch politisch zu Wort melden, ihren Kongress attraktiver gestalten und die Kontakte ins Ausland vertiefen.
Die Augenärzte in den Küstenländern kennen die Vereinigung Norddeutscher Augenärzte (VNA) bislang
hauptsächlich über den jährlich vergebenen SauterPreis und die gut besuchte wissenschaftliche Tagung
an wechselnden Orten. Künftig will die VNA sich auch
anderen Themen widmen - ohne den augenärztlichen
Berufsverbänden Konkurrenz zu machen.
„In der Berufspolitik werden wir uns auch künftig nur einmischen, wenn übergeordnete Themen dies erfordern“,
sagte VNA-Präsident Prof. Johann Roider. Der Lehrstuhlinhaber am UK S-H Campus Kiel sieht dennoch Gelegenheit, sich politisch einzumischen. Dies könnte
etwa der Fall sein, wenn die Ausbildung der Augenärzte
betroffen ist. Als Beispiel nennt Roider den Fall, dass der
Nachwuchs ausbleibt oder ihm nicht mehr die Zeit für
die aus VNA-Sicht erforderlichen Ausbildungsinhalte
bleibt. „Solchen Themen müssen und werden wir uns
stellen“, sagte Roider. Auch andere Rahmenbedingungen für die Augenärzte werden vom VNA aufmerksam beobachtet. Wenn diese sich so entwickeln sollten, dass eine freie Patientenbetreuung nicht mehr
möglich ist, sieht Roider ebenfalls den Zeitpunkt gekommen, sich als Vereinigung zu Wort zu melden.
Dennoch soll die Berufspolitik nicht zum wichtigsten Inhalt der VNA-Arbeit werden. Der im Sommer neu gewählte Vorstand um den Kieler Lehrstuhlinhaber hat sich
zum Ziel gesetzt, auch die wissenschaftlichen Tagungen - 2010 steht diese am 23. und 24. April in Göttingen an - weiter zu entwickeln. Künftig will die VNA den
Besuchern ein Schwerpunktthema bieten, das externe
Experten aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.
Damit und auch mit einer noch sorgfältigeren Auswahl
attraktiver Tagungsorte will die VNA die Zahl der zwischen 250 und 500 Besuchern schwankenden Teilnehmer stabilisieren bzw. noch erhöhen. Der Bedarf an
Fortbildung und an unabhängigen Kongressen mit wissenschaftlichem Anspruch in der Augenheilkunde ist
nach seinen Erfahrungen vorhanden. „Das Angebot
muss nur bekannt und attraktiv sein“, sagt Roider.
Prof. Johann Roider
(Foto: di)
Auch die Kontaktpflege zu Kollegen in anderen Ländern
wollen die norddeutschen Augenärzte vertiefen. Zum einen soll dies über eine spezielle „Scandinavia Lecture“
während des Kongresses geschehen, zu der auch Referenten aus den Nordländern eingeladen werden.
Zum anderen hat die VNA ein Förderprogramm für junge Kollegen aus Entwicklungs- und Schwellenländern
aufgelegt. Dieses ermöglicht einem Nachwuchsarzt
eine dreimonatige bezahlte Hospitation in einer norddeutschen Einrichtung. In diesem Jahr kommt über
das VNA-Förderprogramm als erste Kollegin eine Augenärztin aus der albanischen Hauptstadt Tirana in
den Norden Deutschlands. Sie wird in der Asklepios Klinik Nord in Heidberg arbeiten. Ziele für die VNA sind bei
diesem Programm neben der Unterstützung junger
Kollegen der Aufbau langfristiger Verbindungen und ein
Wissenstransfer in Länder, die diese Förderung benötigen. Der aus dem bayerischen Freising stammende
Roider hat 2002 den Lehrstuhl in Kiel übernommen. Zuvor hatte er u. a. in den USA, in Regensburg und sieben Jahre lang in Lübeck gearbeitet. Zur Vorstandsarbeit in der 1913 gegründeten Vereinigung hat er sich entschlossen, weil nach seiner Einschätzung persönliches Engagement für sein Fach unabdingbar ist.
Dirk Schnack
Ausgabe 1 I Janaur 2010 27
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Kongress am 19. und 20. Januar
Vernetzte Gesundheit lockt Gäste
aus ganz Deutschland nach Kiel
Der Einladungskongress in der Halle 400 soll Lösungsansätze für die regionale
Gesundheitsversorgung bieten.
Für eine gute Gesundheitsversorgung, so die Einschätzung der Kongressorganisatoren im Kieler Gesundheitsministerium, ist eine intelligente und gemeinsame Ausgestaltung regionaler Versorgungsstrukturen über Sektorengrenzen hinweg erforderlich.
Entsprechend ist auch das Programm am 19. und 20.
Januar in der Kieler Halle 400 ausgestaltet. Die Teilnehmer- und Referentenliste reicht von Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg über aktuelle (Dr. Johann
Brunkhorst) und ehemalige Kassenvertreter (Dr. HansJürgen Ahrens) und Gesundheitsökonomen wie Prof.
Fritz Beske bis zu Ärzten wie Dr. Svante Gehring oder
Klinikvertreter wie Torben Freund von der Damp Gruppe. Auch die Patientenseite kommt nicht zu kurz. Prof.
Günther Jansen wird als Vorsitzender des Patientenombudsvereins zur Frage „Ist vernetzt auch patientenfreundlich?“ Stellung beziehen. Um nicht nur Experten
anzusprechen, soll ein Publikumsteil am Eröffnungstag
von 11:00 bis 18:00 Uhr „Information, Aktion, Unterhaltung“ rund um das Thema Gesundheit bieten und
stellt zugleich in Aussicht, „Wortschwallkanten“ zu senken, „Fachchinesisch“ zu übersetzen und Bewusstsein für gesundheitliche Themen zu wecken. Dies soll
leicht und spielerisch erfolgen, die Organisatoren stellen u. a. Klinik-Clowns und Kegeln über eine Spiele-Konsole in Aussicht.
Unter sich bleiben die Experten dann ab 16:00 Uhr zur
Kongresseröffnung durch den schleswig-holsteinischen
Gesundheitsminister. Anschließend werden u. a. Prof.
Axel Mühlbacher (Wie vernetzt ist unsere Versorgung
heute - werden Patientenpräferenzen berücksichtigt?),
Prof. Fritz Beske (Stimmen die Rahmenbedingungen in
Deutschland?) und die Leiterin des österreichischen
Bundesinstituts für Qualität im Gesundheitswesen, Eva
Baumer (Vernetzte Versorgungsrealität bei unseren
Nachbarn) für Input sorgen. In der Abendveranstaltung werden Referenten aus Bundes- und Landespolitik über Vernetzung als Gestaltungsaufgabe sprechen.
Der zweite Tag steht ganz im Zeichen verschiedener
28
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Workshops. Dabei wird es u. a. um Vernetzungspotenziale für die häusliche Versorgung gehen. In diesem
Workshop berichtet etwa Dorthe Kusk über Ideen aus
Dänemark, die eventuell auch auf Deutschland übertragen werden könnten. Ein anderer Workshop befasst
sich mit der Organisation von Vernetzung. Berater Helmut Hildebrandt stellt das Vorzeigemodell Gesundes Kinzigtal vor - verbunden mit der Frage, ob sich dieses bundesweit beachtete Projekt aus dem Schwarzwald auch
auf eine Region im Norden übertragen lässt. Auch Themen wie Medizinische Versorgungszentren und Regionalbudgets spielen in diesem Workshop eine zentrale Rolle. Am Nachmittag geht es um die grenzüberschreitende Vernetzung, erneut mit einem Blick auf die
dänischen Nachbarn. Zeitgleich findet ein von der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein organisierter
Workshop speziell für niedergelassene Ärzte statt. Unter dem Motto „Nicht jeder muss jeden Fehler selbst machen“ sollen Praxisinhaber hier Hilfen, Ideen, Anregungen und Erfahrungswissen zur Vernetzung erhalten.
Mit-Organisatorin Randy Lehmann aus dem Gesundheitsministerium erwartet aufgrund der schon zum Jahresende hohen Resonanz rund 400 Teilnehmer aus
dem ganzen Bundesgebiet. Interessierte Ärzte können
sich noch über die Website des Kongresses unter
www.vernetzte-gesundheit.de registrieren lassen.
Dirk Schnack
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Prozesskette vom Rettungsdienst bis zur Reha
Netzwerk der Traumazentren ist
noch nicht vollständig
Ziel ist es, 16 Krankenhäuser im Land in das Netzwerk einzubinden. Die ersten
Kliniken haben das Zertifizierungsverfahren absolviert.
Bei der Rettung von schwer verletzten Menschen zählt
jede Minute. Nicht immer verläuft die Versorgung optimal. Vor allem beim Zusammenspiel der verschiedenen
Beteiligten hakt es. Kostbare Zeit geht verloren. „Es geht
dabei nicht nur um das Überleben, es geht auch um das
Vermeiden von Folgeschäden“, erklärt Dr. Klaus Dieter
Luitjens, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Westküstenklinikum (WKK) in
Heide. So wird laut Statistik bundesweit in 78 Prozent
der Fälle die Verletzungsschwere nicht erkannt, und 32
Prozent der Verletzungen werden bis zur Intensivstation übersehen.
Um Prozessabläufe zu optimieren und die Behandlungsqualität zu erhöhen, hat die Deutsche Gesellschaft
für Unfallchirurgie (DGU) ein Konzept für Traumanetzwerke entwickelt. Ziel ist der Erhalt und die Verbesserung
der flächendeckenden Versorgungsqualität, um für jeden Schwerverletzten in Deutschland rund um die Uhr
die bestmögliche Versorgung unter standardisierten
Qualitätsmaßstäben zu erreichen. Das WKK gehört gemeinsam mit vier weiteren Kliniken zu den ersten Krankenhäusern im Land, die das Zertifizierungsverfahren
durchlaufen haben. Wichtig ist dafür eine ununterbrochene und professionell geleitete Prozesskette, die vom
Rettungsdienst über den Schockraum, den OP, die interdisziplinäre Intensivstation und die weitere stationäre Behandlung bis zur Rehabilitation reicht. Vor allem das
Schockraummanagement spielt dabei eine zentrale
Rolle. Dabei werden nach einem standardisierten, aber
flexiblen Schema Ärzte aller notwendigen Fachrichtungen zusammengerufen, die unter Leitung eines Teamleaders die diagnostischen und therapeutischen Abläufe festlegen. Im Zuge der Zertifizierung wird nicht nur
die geforderte räumliche und sachliche Ausstattung überprüft; darüber hinaus müssen die Mitglieder eines Traumanetzwerkes auch ihre Behandlungsqualität durch
Teilnahme am DGU-Traumaregister überprüfen lassen.
Insgesamt 16 Krankenhäuser mit unterschiedlicher
Leistungsfähigkeit werden in Zukunft in Schleswig-Hol-
stein je nach Versorgungsstufe in einem Netzwerk als
lokale, regionale und überregionale Traumazentren bei
der Behandlung von schwer verletzten Menschen Hand
in Hand arbeiten. Zurzeit fehlen noch drei weitere zertifizierte Krankenhäuser, damit das gesamte Netzwerk
die Anerkennung von der DGU erhält. Eckpfeiler des
Traumanetzwerkes sind Kooperation, Kommunikation
und ein optimaler Umgang mit Ressourcen - insbesondere interdisziplinärer Fachkompetenz, wie sie die
DGU in einem Weißbuch zur Schwerverletztenversorgung beschreibt.
„Innerhalb der Netzwerke sollen unter anderem Verlegungsketten für spezielle Verletzungen verabredet werden, damit ein Patient mit einer speziellen Verletzung
oder einem speziellen Verletzungsmuster frühzeitig in
das geeignete Krankenhaus verlegt wird“, erklärt WKKGeschäftsführer Harald Stender. Schrittweise wird ein
elektronisches Netz für die Bild- und Informationsübertragung aufgebaut.
Angela Schmid
Dr. Klaus Dieter Luitjens, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Westküstenklinikum (WKK) in Heide, demonstriert die Behandlung im Schockraum.
(Foto: Schmid)
Ausgabe 1 I Janaur 2010 29
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Gesundheitssystem auf dem Prüfstand
Plädoyer für ein freiheitlichsolidarisches Gesundheitssystem
Wie sollte Deutschland auf die Fortschrittsfalle Medizin reagieren?
Dr. Christian Sellschopp will zu einer öffentlichen Diskussion anregen.
Die paradiesischen Zeiten, in denen wir gesund, kinderreich und in intakter Alterspyramide lebten, sind
vorbei. Allenfalls vielleicht an den Oberläufen des Amazonas mag es noch Stämme geben, lebend in Ehrfurcht vor ihren Göttern, versorgt von einem Medizinmann, Stämme mit zahlreichen Kindern, vielen Heranwachsenden, schon weniger Mitgliedern in der Blüte der
Zeugungsfähigkeit und einigen weisen und zahnlosen
Älteren, die noch listig genug sind, trotz nachlassender
Behändigkeit den Krokodilen zu entkommen. Wer sich
also sehnt nach einem Leben in intakter Umwelt, eingebettet in feste soziale Strukturen, mit naturheilkundlicher Rundum-Betreuung, ohne Furcht vor elektronischer Überwachung und sicher bewahrt vor unerwünschten lebensverlängernden Maßnahmen, der besorge sich ein Kanu und paddele tapfer stromauf.
Wir aber, die wir befreit von Pest und Cholera immer älter werden und auch mit weit über siebzig Jahren noch
feste zubeißen können, wie bewältigen wir die demografische Schieflage, in die uns die moderne Medizin
gebracht hat? Wie bewältigen wir das demografische
Dilemma, das die Kosten von immer mehr und immer
aufwändigeren Behandlungsmöglichkeiten auf immer
weniger zahlungsfähige Schultern verteilt? Wie bewältigen wir das Paradoxon, dass die moderne Medizin zwar
den Einzelnen häufig heilt, dies aber um den Preis einer immer kränker werdenden Bevölkerung? Denn
reichte früher eine ernsthafte Krankheit zum Tode, so
bringen wir es heute auf deutlich mehr. Wer gestern kostenlos tot war, ist heute teuer krank. Das ist der Preis medizinischen Fortschritts. Der Bedarf zivilisierter Gesellschaften an medizinischer Behandlung steigt unaufhaltsam an. Diese Erkenntnis ist nicht neu, schon vor
mehr als 100 Jahren, 1872, schrieb der Chirurg Theodor Billroth in einem Brief an Johannes Brahms: „Ich
habe übrigens seit vielen Jahren das Paradoxon aufgestellt, dass die steigende Vervollkommnung der ärztlichen Kunst wohl dem Individuum zugutekommt, die
menschliche Gesellschaft aber ruinieren muss.” Heu30
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
te, das belegen demografische und medizin-ökonomische Daten, sind wir mitten drin in der vor mehr als
20 Jahren vom Wirtschafts- und Sozialstatistiker Walter
Krämer beschriebenen „Fortschrittsfalle Medizin“.
Nun kann man ja hoffen, eines Tages werde die Medizin
all das, was wir heute Krankheit nennen, besiegt haben.
Aber selbst wenn diese Hoffnung nicht trügt, werden wir
dann alle im Alter von 120 bis 130 Jahren friedlich abtreten wollen? Werden wir nicht auch dann vielleicht
doch nach Frischzellen fragen, die weitere - na ja - erst
mal nur zwei drei Jährchen ermöglichen, jedenfalls so
lange, bis der Lieblings-Ur-Ur-Enkel, den wir nur einmal
noch sehen möchten, vom Mars zurück ist? Man kann
auch hoffen, der Fortschritt der Medizin werde alle notwendige und ausreichende Behandlung zu bezahlbaren Bedingungen ermöglichen, wir müssten nur das jeweils richtige Pilzchen finden. In der Tat, das kann man
hoffen. Aber reicht Hoffnung aus als Grundlage für
eine rationale gesundheitspolitische Diskussion?
„Zwei-Klassen-Medizin ist erträglich allenfalls für diejenigen, die in
der richtigen Klasse sitzen.“
Nein, wir werden uns wohl abfinden müssen mit dem
Lemma von der Fortschrittsfalle. Und daraus folgt unmittelbar das Dilemma: Es ist nicht mehr alles Machbare
auch für alle bezahlbar. Wir stehen vor dem destruktiven Dilemma, aus Gründen der Humanität jedem Individuum jede nur denkbare Hilfe gewähren zu wollen,
wohl wissend, dass dies nicht mehr für alle möglich ist.
Diese Botschaft hört niemand gern. Nicht Politiker und
schon gar nicht Wähler. Denn Zwei-Klassen-Medizin
ist erträglich allenfalls für diejenigen, die in der richtigen
Klasse sitzen. Und das ist die Minderheit. Ganz abgesehen von mitmenschlichen Erwägungen ist schon
deshalb ein demokratisch zustande kommender gesellschaftlicher Konsens in dem Sinne, jeder erhalte die
medizinischen Leistungen, die er sich leisten kann,
nicht zu erwarten.
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Auch nicht konsensfähig - das zeigt die aktuelle Diskussion um die Gesundheitsprämie - sind subsidiäre Modelle der Finanzierung von Gesundheitsleistungen. Nicht
einmal in der bürgerlichsten aller derzeit im Bundestag
denkbaren Konstellationen ist dafür eine Mehrheit in
Sicht. Im Spannungsfeld Rechtsstaatsprinzip versus
Sozialstaatsprinzip machen die Einen zwar geltend,
Umverteilung, also Wegnahme von Eigentum auf der einen Seite, sei erst dann zu rechtfertigen, wenn auf der
Empfängerseite wirklicher Bedarf zur Hilfe bestehe. Im
Vordergrund stehe zunächst die Eigenverantwortung
für das eigene Schicksal. Andere aber verweisen auf das
Gebot der Solidarität nicht erst in Notlagen, sondern
schon in der grundsätzlichen Bereitstellung von Mitteln
für ein allen gleichermaßen zugängliches Gesundheitswesen. Und tatsächlich ist es auch aus ärztlicher
Sicht fraglich, wieweit der Einzelne wirklich in der Lage
ist, sein gesundheitliches Schicksal selbst zu beeinflussen. Denn ganz abgesehen von genetischen Prädispositionen, die sich keiner selbst ausgesucht hat,
fragen auch Umweltgifte, Viren und Bakterien weder
nach Vermögen noch nach Charakter oder Intellekt.
Nun kann man sich ja fragen, ob in der Befriedigung des
Grundbedürfnisses Gesundheit Vater Staat nicht tatsächlich die beste Adresse ist. Ist nicht tatsächlich die
Gesundheit ein so hohes Gut, dass sich damit keiner auf
Kosten Anderer eine goldene Nase verdienen können
sollte? Sind nicht angesichts unaufhaltsam steigender
Kosten staatliche Systeme am besten geeignet, den
Mangel zu verwalten, also Rationierung und Priorisierung
am unparteiischsten - vor dem Gesetz sind alle gleich zu exekutieren? Die Realität staatlicher Systeme sieht anders aus. Die krasseste Zwei-Klassen-Medizin mit luxuriösesten Privatpraxen und versteckten Regierungs-/Nomenklatura-Krankenhäusern findet man gerade dort.
Nach den Auswüchsen staatlicher Versorgung frage
man unsere in der DDR sozialisierten Kollegen. Man
schaue sich aber auch um in Norwegen, Schweden, England, Holland. Patiententourismus gibt es nicht von uns
dorthin, sondern umgekehrt.
Die Lösung liegt auch nicht im Zusammenführen von
Budgetverantwortung und Leistungserbringung in nichtstaatlicher Hand, denn die Tendenz, von einem Budget
soviel Gewinn wie möglich übrig zu behalten, führt
ebenfalls zu inadäquater Einschränkung der Versorgung spätestens dann, wenn anfänglich vielleicht vorhandene Einsparpotenziale ausgeschöpft sind. Wer
dies bezweifelt, steckt den Kopf in den Sand vor der ‚Fortschrittsfalle Medizin’. Nein, der Patient braucht Schutz
vor zu wenig und zu teurer, aber auch vor zu viel und zu
(Foto: Privat)
„Wir stehen vor dem destruktiven
Dilemma, aus Gründen der Humanität jedem Individuum jede nur
denkbare Hilfe gewähren zu wollen,
wohl wissend, dass dies nicht mehr
für Alle möglich ist. “
Dr. Christian Sellschopp
ineffizienter Medizin. Es gilt deshalb, den Ausgleich zu
finden zwischen Agonisten, also denen, die ein Interesse
haben, möglichst viele und gut honorierte Leistungen zu
erbringen (Ärzte, Krankenhäuser etc. und deren Organisationen) und Antagonisten, also denen, die ein Interesse daran haben, für möglichst effiziente Leistungen
so wenig wie möglich auszugeben (Patienten und deren Organisationen, z. B. Krankenkassen). Es gilt, einen
geregelten Antagonismus zu organisieren im Sinne einer zielgerichteten Bewegung hin zu möglichst kostengünstiger und effizienter Medizin für alle.
Das Stichwort dafür heißt Wettbewerb, Wettbewerb,
dessen Auswüchse der Staat regeln muss, in dem er aber
nicht selbst als Player auftaucht. Die Summe pragmatischen Sachverstandes Einzelner in kleinen Einheiten
ist immer größer als zentralistisch zusammengefasster
Sachverstand in Behörden oder auch Großunternehmen.
Deshalb, auch das gilt es zu regeln, dürfen weder Agonisten, noch Antagonisten zu groß werden. Erst Trägervielfalt aufseiten der Leistungserbringer und aufseiAusgabe 1 I Janaur 2010 31
SCHLESWIG-HOLSTEIN
ten der Kassen garantiert den phantasievollen Wettbewerb unterschiedlicher Lösungsansätze. Trotz aller ‚Neoliberalismus’ rufenden Unken: Sozial-marktwirtschaftlich geregelter Wettbewerb ist das am besten geeignete Instrument, um die Effizienz der medizinischen Leistungserbringung zu optimieren. Erst Wettbewerb garantiert, dass ‚Reserven im System’ wirklich ausgemacht und gehoben werden. Wettbewerb von Krankenkassen untereinander um Mitglieder und um möglichst effiziente Leistungserbringer, Wettbewerb von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern untereinander um Patienten.
Die Aufforderung zum Wettbewerb führt bei Medizinern
leicht zu Unbehagen. So gilt auch Werbung in der Medizin schnell als unseriös. Woran liegt das? Ist es Standesdünkel, wenn Ärzte sich nicht als reine Dienstleister
fühlen? Eher im Gegenteil, aber tatsächlich ist Nicht-Medizinern das peinigende Gefühl der eigenen Unvollkommenheit, das selbst bei so standardisiert-technischen Verrichtungen, wie der Operation eines banalen
Leistenbruches spätestens dann aufkommen kann,
wenn es unvermutet heftig dunkel aus der Tiefe blutet,
nur schwer zu vermitteln. In der Erkenntnis, wie wenig
die Wissenschaft wirklich vom Menschen weiß (und wie
wenig man selbst als Arzt, der auch nur ein Mensch ist,
â
Fazit
à
Kern einer von Freiheit, Vertrauen und Verantwortung geprägten Arzt-Patienten-Beziehung ist ein direktes, von Fremdbestimmung unbeeinflusstes Vertragsverhältnis.
à
Vor dem Hintergrund zwangsläufig steigender
Gesundheitskosten ist sozial-marktwirtschaftlicher
Wettbewerb der Leistungserbringer und der Krankenkassen untereinander um Patienten bzw. Versicherungskunden das am besten geeignete Instrument, um die Effizienz der medizinischen Versorgung zu optimieren.
à Transparenz der Leistungserbringung und durch Ei-
genbeteiligung geschärftes Kostenbewusstsein bei
der Inanspruchnahme erfordern die Abkehr vom
Sachleistungsprinzip.
à Echter Wettbewerb von Krankenversicherungen un-
tereinander ist nur dann möglich, wenn sie die Höhe ihrer Beiträge selbstbestimmt und aufgrund eigener Kalkulation festlegen können. Denn auch die
Methodik der Risikokalkulation selbst bedarf der
wettbewerblichen Optimierung.
32
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
wirklich von der Wissenschaft weiß), lebt und arbeitet man
eigentlich in der ständigen Besorgnis, dass es trotz aller Sorgfalt eben auch mal fürchterlich daneben gehen
kann, potenziell mit schrecklichen Folgen. Diese ständige Besorgnis, von der die Patienten meist keine Ahnung haben (müssen sie auch nicht, denn zu deren
Heilung ist auch Zuversicht und Vertrauen nötig) ist
dem Bäcker, der Brötchen verkauft, eher fremd. Die Beziehung Arzt-Patient ist deshalb etwas anderes als ein
reiner Dienstvertrag, bei dessen Erfüllung Geld zu fließen hat. Sie ist auch so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft mit der Bereitschaft auf beiden, auch auf Arztseite, prinzipiell unkalkulierbare Risiken einzugehen.
Und das ist eigentlich mit Geld nicht zu bezahlen. Deshalb schreiben Ärzte keine Rechnungen, sondern Liquidationen. Deshalb erwarten sie auch nicht schnöden
Mammon, sondern die wertschätzende Ehre eines Honorars. Deshalb, der prinzipiellen Unschärfe der Abbildung ärztlichen Handelns wegen, sind ihnen auch Ansätze zur Messung der Behandlungsqualität mit der Intention eines ‚pay for performance’ eher suspekt.
Dennoch müssen Ärzte bereit sein, sich einem Wettbewerb untereinander zu stellen. Die Frage ist nur, wer welche Maßstäbe anlegt. Ist gut, was der Gesellschaft
nützt? Sind ökonomische Parameter geeignet, die Qualität ärztlicher Behandlung zu beschreiben? Nein, weder
gesellschaftliche, noch ökonomische Interessen haben
in der Arzt-Patienten-Beziehung etwas zu suchen. Der
Hilfe suchende Kranke muss darauf vertrauen können,
dass sein Arzt bestrebt ist, sämtliche Möglichkeiten der
Hilfe in seinem, des individuellen Patienten Sinne zu nutzen, ohne von Fremdinteressen beeinflusst zu sein. Darin liegt der Sinn der Freiberuflichkeit. Wer in diesem Sinne ein guter Doktor ist, das können deshalb nur die
Betroffenen selbst, die Patienten entscheiden.
Kern einer von Freiheit, Vertrauen und Verantwortung geprägten Arzt-Patienten-Beziehung ist deshalb ein direktes, von Fremdbestimmung unbeeinflusstes Vertragsverhältnis. Ein Vertragsverhältnis mit direkter Honorierung ärztlicher Leistung, also die Abkehr vom Sachleistungsprinzip, ist Voraussetzung auch für Transparenz
und für ein dringend erforderliches Kostenbewusstsein
bei Patienten. Denn schließlich ist im Sachleistungsprinzip der Patient selbst im Abrufen von Leistungen so
gut wie ungebremst. Zwischen IGEL-Leistungen und
wirklich Notwendigem gibt es aber eine Reihe von GKVLeistungen, auf die man mit großer Sicherheit schadlos
verzichten könnte und würde, wenn sie etwas kosteten.
Ein immer größerer Teil heute erbrachter medizinischer
Leistungen dient nicht der Heilung, sondern der Min-
SCHLESWIG-HOLSTEIN
derung von Risiken. So verlangt der Hobby-Drachenflieger, der den nächsten Urlaub an den Klippen von Famara bereits gebucht hat, bei der geplanten operativen
Versorgung seiner viel zu großen und blutreichen Schilddrüse selbstverständlich die Bereitstellung von Eigenblut.
Würde er auch dann danach verlangen, wenn er sich an
den Kosten dafür beteiligen müsste und man ihm klarmachte, dass die Wahrscheinlichkeit, bei seinem Hobby
zu verunglücken, um mehrere Zehnerpotenzen höher ist,
als bei einem Eingriff durch Fremdblut, das vielleicht nicht
einmal zum Einsatz kommen müsste, infiziert zu werden?
Angesichts prinzipiell begrenzter Mittel muss man die Frage stellen dürfen, wie viel dem Einzelnen die Minderung
von Risiken wert ist. Im Sachleistungsprinzip bleibt nur,
Leistungen für alle oder für keinen zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidungsfreiheit, eine Leistung im Zweifel
dennoch zu bekommen, bleibt nur denjenigen, die sie
ggf. auch außerhalb des Systems erlangen und bezahlen können. In einem System der direkten Honorierung mit Kostenerstattung ist eine angemessene Kostenbeteiligung des Einzelnen erheblich einfacher realisierbar. Denn erst wenn es gelingt, die Zumutbarkeit einer Eigenbeteiligung an die individuelle Leistungsfähigkeit anzupassen, bleibt auch für die weniger Betuchten unserer Gesellschaft die Entscheidungsfreiheit
für oder gegen Leistungen, die sonst wegfielen, erhalten.
Wie aber kann man zu wettbewerblicher Marktwirtschaft
der Leistungserbringer und der Kostenträger kommen,
ohne die Gesellschaft zu überfordern? Man wird zugeben müssen, dass in unserem gewachsenen System des
Nebeneinanders von GKV und PKV die Solidarität an der
Pflichtversicherungsgrenze endet, dies auch und obwohl
schon jetzt ca. zehn Prozent der Versicherten (PKV) ca.
30 Prozent der Kosten tragen. Wenn wir ein nachhaltiges und solidarisches echtes Versicherungssystem für
alle wirklich wollen, werden wir nicht umhinkommen, das
zu ändern. Und auch wir als Ärzte können uns nicht vornehm und ausschließlich fordernd aus der Diskussion
darüber heraushalten. Der Frage, ob denn unsere Forderungen auch die Chance der Realisierbarkeit haben,
müssen auch wir uns stellen.
Im Folgenden soll deshalb ein Modell solidarischer Finanzierung eines wettbewerblichen Systems kurz skizziert werden.
Solidarität in einem wettbewerblich organisierten Gesundheitswesen bedeutet Chancengleichheit des Marktzuganges. Hätten alle gleich viel Geld, wäre das kein Problem. Haben sie aber nicht - also muss man dafür sorgen, dass beim Zugang zum Markt Gesundheitswesen
eine virtuelle Währung gilt. Eine Währung, von der alle
gleich viel haben müssten. Denn ist nicht eigentlich jeder bereit, wenn es denn ans Leben geht, ein Maximum dessen, was er vermag, einzusetzen? Das MaxiAusgabe 1 I Janaur 2010 33
SCHLESWIG-HOLSTEIN
mum dessen, was jemand einzusetzen vermag, ist sein
Gesamteinkommen (all inclusive). Wer doppelt soviel Einkommen hat wie der Durchschnitt, vermag auch das
Doppelte des Durchschnitts, wer nur die Hälfte hat, vermag auch nur halb so viel. So kann also jedem Versicherten ein Relativgewicht zugeordnet werden, das sich
aus dem Quotienten aus dem individuellen Einkommen und einem gegebenen Referenz-Einkommen (z. B.
Durchschnittseinkommen) ergibt. Es gilt Versicherungspflicht für alle Evidenz-basiert sinnvollen medizinischen Leistungen bei freier Wahl der Versicherung. Die
Kalkulation des individuell risikoäquivalenten Beitrages
in Euro ist Sache der Versicherung; die Versicherungen
stehen damit im Wettbewerb um Kunden. Der kostengünstigste Beitrag ist ermittelbar, es steht dem Einzelnen aber frei, sich auch woanders und auch für LuxusLeistungen zu versichern. Der kostengünstigste Beitrag ist zu multiplizieren mit dem Relativgewicht des
Versicherten. Der aus diesem Produkt resultierende Betrag in Euro zuzüglich einer evtl. Differenz zwischen
dem Beitrag einer vom Versicherten gewählten teureren
Versicherung und dem kostengünstigsten Beitrag wird
vom Versicherten in einen AUSGLEICHSFONDS eingezahlt. Die vom Versicherten gewählte Krankenkasse
erhält ihren Beitrag, der ausschließlich risikoäquivalent
und nicht einkommensabhängig ist, in kalkulierter Höhe
in Euro aus diesem AUSGLEICHSFONDS.
In einen solchen AUSGLEICHSFONDS könnten zwar
auch steuerfinanzierte, also rein einkommensabhängig
aufgebrachte Mittel für z. B. die Versicherung von Kindern fließen, er ist aber doch deutlich zu unterscheiden
von einem steuer- oder beitragsfinanzierten Fonds-System, das die Zuordnung des vom Einzelnen aufzubringenden Beitrages in Äquivalenz zu Leistungsfähigkeit und
individuellem Risiko nicht erlaubte. Stellgröße für das von
den Versicherten aufzubringende Gesamtvolumen im
FONDS ist die Höhe des Referenzeinkommens zur Ermittlung der individuellen Einkommens-Relativgewichte.
Für Schubladendenker ist das, wenn man denn will, so
etwas wie eine ‚Bürgerversicherung‘, jedenfalls von der
Höhe der Beiträge her. Der wesentliche Unterschied
aber ist der Verzicht auf einen von einer staatlichen
Monsterbehörde auf zweifelhafter Datengrundlage abgewickelten Morbi-RSA zugunsten eines sich im Wettbewerb der Krankenkassen optimierenden Systems der
Risikoabschätzung. Es ist die deutliche Abkehr vom
Weg zur Einheitskasse hin zu echten Versicherungsunternehmen, die sich auf einem Markt freiberuflichselbstständiger Leistungserbringung im ambulanten
34
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
und stationären Sektor anstatt mit stumpfsinniger Budgetierung auf der Grundlage blödsinniger Bedarfs-Mittelwerte mit den Mitteln z.B. des Fallmanagements bewegen können und sollen. (Wie man schon heute ein
sinnvolles und wirksames Fallmanagement betreibt,
können Sie von den Berufsgenossenschaften lernen, die
dies seit Jahrzehnten erfolgreich vormachen.)
Auch Kollektivverträge zur ambulanten Versorgung werden noch notwendig und sinnvoll sein.
In einem solchen System sind auch an das individuelle Leistungsvermögen angepasste Eigenbeteiligungen
der Versicherten leichter zu realisieren, denn prozentuale
Beteiligungen an Realkosten können wie die Beiträge
selbst multipliziert mit dem individuellen EinkommensRelativgewicht in den AUSGLEICHSFONDS hinein und
unquotiert hinausfließen. In einem solchen System werden auch Kollektivverträge zur ambulanten Versorgung
noch notwendig und sinnvoll sein. Vertragsinhalt von Kollektivverträgen mit KVen, aber auch von Einzelverträgen
könnte zum Beispiel die Verpflichtung der teilnehmenden Ärzte sein, ihre Liquidation um einen nennenswerten Betrag/Prozentsatz zu mindern, der dann erst von der
Kasse via Arzt-Organisation qualitätsabhängig und mit
z. B. Mengenrabatten etc.etc. an ihn zurückfließt.
Es sei dem Autor abschließend nachgesehen, wenn er
als in ärztlichen Körperschaften ehrenamtlich Engagierter es weit besser findet, wenn kollektiv gültige Normen und Preise mit Vertretern einer Körperschaft, die von
den Betroffenen selbst gewählt werden können, im Sinne des Ausgleichs von Antagonisten verhandelt werden
müssen, anstatt von einer Behörde festgesetzt zu werden.
Nachhaltige und grundlegende Änderungen unseres
Gesundheitssystems jedenfalls sind unumgänglich, um
der Fortschrittsfalle Medizin zu begegnen. Vielleicht ist
ja die Hoffnung auf ein junges, noch nicht zu sehr von
des Gedankens Blässe angekränkeltes und von Bedenkenträgern beeinflusstes Team im BMG nicht ganz
unberechtigt. Weiland Alexander jedenfalls war auch
nicht älter, als er den Gordischen Knoten durchschlug.
Dr. Christian Sellschopp
Über Anregungen zum Thema freut sich der Autor unter
[email protected]
LESERBRIEFE
Zum „Abrechungschaos“ bei der KVSH
Neue Vorschriften und Abrechnungsmodalitäten seit Anfang 2009 brachten nicht nur für uns Niedergelassen Veränderungen, sondern auch für die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH).
Während wir nach Gründung einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft per 01.01.2009 eine moderne Form der kollegialen Zusammenarbeit gestalten
und die damit verbundenen organisatorischen, technischen und personellen Änderungen neben dem Praxisalltag schnell vornahmen benötigten Abrechnungs- und
EDV-Abteilung in Bad Segeberg viele Monate dafür.
Unser, jetzt gemeinsam zu berechnendes RLV musste
nach Widerspruch zweimal korrigiert werden. Die von uns
mit Spannung erwartete erste gemeinsame Honorarabrechung erfolgte wie bei allen anderen Kollegen bereits
einen Monat verzögert. Geschockt erhielten wir sie dann
Mitte August in den Händen: ein Minus von ca. 45 Prozent gegenüber unseren Einzelpraxen im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und keine Vorwarnung oder
Zweifel an der Richtigkeit der Berechnung seitens der KV
trotz zugesicherter Stützung bedrohter Praxen nach Einführung von RLV und EBM 2009!
Der Fehler, dass die Abrechnungsdaten einer unseren beiden Praxisstandorte überhaupt nicht erfasst wurde, war
für uns sofort offensichtlich und per Widerspruch der KV
erklärt. Damit begann ein Chaos-Szenarium mit fast wöchentlich veränderten Aussagen bis hin zu Neuberechnung die uns noch weiter ins Minus stürzten. Die Mitarbeiter der Abrechnungs- und der EDV-Abteilung schienen nicht miteinander zu kommunizieren; jeder gab uns
andere Informationen.
Nach dem Strapazieren unserer Kräfte und Nerven erhielten wir am 09.11.2009 endlich die korrekte Abrechnung des Quartals I/2009.
Ende gut - alles gut oder erwartet uns bald ein neues Chaos?
Dres. Ulrike Freiwald-Brüggemann/Elke Salzer, Wedel
„Schildbürgerstreiche mit Patienten“
Am 28.9.2009 war ich in der Hausarztpraxis um rechtzeitig
für das 4. Quartal meine Praxisgebühr zu entrichten.
Das war leider „aus abrechnungstechnischen Gründen“
nicht möglich. Dieses ist für mich völlig unverständlich,
da ich bereits vor 40 Jahren in einem Grundkurs EDV die
Erstellung von funktionierenden Programmen mit zwischen Ausstellungsdatum und Gültigkeitsdauer abweichenden Daten gelernt habe. Ein weiterer Besuch war
deshalb am 01.10. erforderlich. Ich habe die Praxisgebühr entrichtet und die Ausstellung einer Überweisung
an einen Facharzt beantragt, welche wie üblich am
nächsten Tag abholbereit war. Eine Abholung vor dem
Facharzttermin war vom zeitlichen Ablauf leider nicht
möglich.
Am Freitag, 02.10., musste ich in der Facharztpraxis
trotzt Vorlage meiner Quittung vom Hausarzt weitere
zehn Euro entrichten. Jedoch habe ich auf meine Fragen
eine Rücküberweisung an den Hausarzt erhalten. Außerdem erfolgte der Hinweis auf eine Rückerstattung
bei Vorlage der Überweisung vom Hausarzt. Diese habe
ich einige Tage später mit einem Aufwand von 5,30 Euro
Fahrtkosten nachgereicht - leider ohne Erfolg. In der
Facharztpraxis wurde mir erklärt, dass eine Rückerstattung nur am gleichen Tag erfolgen könne. Wie dieses an
einem Freitag funktioniert, an dem nachmittags die Praxis geschlossen ist, konnte mir dort niemand erklären.
Eine Information hierzu erhoffte ich mir bei einem Besuch
der Krankenkasse (Fahrtkosten 3,30 Euro) zu erhalten.
Dort erfolgte nur der freundliche Hinweis auf ein Abkommen mit der Ärztekammer und dem Bundesmanteltarif zur Praxisgebühr. Eine Erstattung war nicht möglich.
Bei einem weiteren Besuch in der Hausarztpraxis wurde mir freundlich erklärt, dass durchaus hier eine Erstattung erfolgen kann, jedoch mit dem Hinweis, dass ich
für jede weitere in diesem Quartal benötigte Überweisung
zum Facharzt fahren müsse (Fahrtkosten jeweils 5,30
Euro). Diese Gefahr wollte ich nicht eingehen.
Jetzt habe ich zwei Überweisungen und zweimal die
Praxisgebühr entrichtet. Aber auch Patienten sind lernfähig.
Falls ein Quartal an einem Donnerstag oder Freitag beginnt, sollte man frühestens am 5. des Monats einen Facharzttermin vereinbaren, um nicht so eine Aktion nochmals
zu erleben.
Rolf Nordmeyer, Norderstedt
Ausgabe 1 I Janaur 2010 35
MITTEILUNGEN DER AKADEMIE
Akademie für medizinische Fortund Weiterbildung der ÄKSH
Esmarchstraße 4-6
23795 Bad Segeberg
www.aeksh.de/akademie
E-Mail: [email protected]
Tel. 04551/803-166
Fax 04551/881-194
Geschäftsführerin: Helga Pecnik M. A.
Büroleiterin:
Petra Petersen
Die Veranstaltung ist gebührenfrei und richtet sich an alle
Ärztinnen und Ärzte, aber auch an medizinisch und gesellschaftlich Interessierte. Anmeldungen nimmt die
Akademie ab sofort bitte schriftlich und formlos per
E-Mail oder Fax entgegen.
Veranstaltungen im Februar 2010
3. Februar, Beginn 15:00 Uhr
Cardio Pulmonale Reanimation
Akademie
3. Februar, Beginn 16:00 Uhr
direkt
Verdacht auf Prostatakrebs. Was tun?
Zusatz-Weiterbildung Palliativmedizin - Verlängerung der Übergangsfrist
Als 2005 die Zusatz-Weiterbildung Palliativmedizin eingeführt wurde, gab es seitdem die Möglichkeit, diese
über zwölf Monate bei einem Weiterbildungsbefugten
oder innerhalb von fünf Jahren auch durch 120 Stunden
Fallseminare einschließlich Supervision zu ersetzen.
Die fünfjährige Übergangsregelung würde nun im Jahre 2010 auslaufen. Durch Beschluss der Kammerversammlung vom 25.11.09 verlängert sich nun die Übergangsfrist bis zum 31.12.2012.
05./06. Februar, Beginn 15:00 Uhr
Kursweiterbildung Allgemeinmedizin Block 18
Allgemeinärztliche Besonderheiten der Arzneibehandlung
Jahresveranstaltung mit dem Thema Altern Bedeutung für Medizin und Gesellschaft
Aus aktuellem Anlass zur demografischen Entwicklung
war das Thema zur diesjährigen Jahresveranstaltung Altern - Bedeutung für Medizin und Gesellschaft am 26.06.
schnell gefunden. Der geistige und körperliche Abbau
führen immer wieder zu Überlegungen, den Alterungsprozess zu verlangsamen gar aufzuhalten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Klinikdirektor Prof. Hendrik
Lehnert, Lübeck, werden wieder hochrangige Referenten zur gesellschaftspolitischen Diskussion beitragen.
Nach einleitenden Grußworten von Akademieleiter Dr.
Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Dr. Franz
Bartmann, Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg und
Prof. Lehnert geht es mit folgenden Themen weiter:
7. Februar, 9:00-16:30 Uhr
Kursweiterbildung Allgemeinmedizin Block 19
Prävention, Gesundheitsförderung und Kooperation
Akademie direkt
10. Februar, 16:00-19:30 Uhr
Drogenkonsum bei Jugendlichen und Erwachsenen
à
Demographie des Alterns
Prof. Dr. a. D. James W. Vaupel
à
Das Altern zwischen Chemie und Jungbrunnen
Prof. Dr. Hendrik Lehnert
à
Kognitives Vermögen und Unvermögen im Altern
PD Dr. Daniel Kopf
à
Chirurgie im Alter
Prof. Dr. Hans-Peter Bruch
à
Wohnen und Umfeldgestaltung in höherem Lebensalter
Dr. Martin Willkomm
à
Leistung und Leistungsbereitschaft in höherem
Lebensalter
N. N.
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Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
5.-7. Februar, Beginn 15:00 Uhr
Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung
Akupunktur, Block B
6. Februar, 9:30-16:45 Uhr, drei weitere Termine
Balint-Gruppenarbeit
6. Februar, 10:00-17:30 Uhr
Neugeborenenhörscreening
Akademie
direkt
12.-14. Februar, Beginn 17:00 Uhr
Psychosomatische Grundversorgung
13. Februar, Beginn 9:30 Uhr, drei weitere Termine
EKG-Kurs
13. Februar, 9:30-17:30 Uhr
Spezielle internistische Notfälle (Refresher-Kurs)
Akademie direkt
17. Februar, 15:00-19:00 Uhr
Arzt und Recht - Praxisübernahme/Praxisübergabe
17. Februar, Beginn 17:00 Uhr, drei weitere Termine
Autogenes Training
20. Februar, 9:30-17:00 Uhr
Notfalltherapie von Herzrhythmusstörungen in der
Praxis (Refresher-Kurs)
20. Februar, 9:00-17:45 Uhr
Einführung in die Begutachtung
20. Februar, 9:00-17:15 Uhr
Wundversorgung (Aufbaukurs)
27. Februar, 9:00-12:00 Uhr
Schau mich an! Narzisstische Aspekte des Körperkults
27./28. Februar, Beginn 9:00 Uhr
Ambulante geriatrische Versorgung
27. Februar, 10:00-17:00 Uhr
Atem- und Stimmtherapie I (Grundkurs)
PERSONALIA
Geburtstage
Veröffentlicht sind nur die Namen der Jubilare, die mit
der Publikation einverstanden sind.
Karl-Werner Dierck, Oldenswort,
feiert am 04.02. seinen 75. Geburtstag.
Dr. Mahmoud Tantawi, Marne,
feiert am 05.02. seinen 70. Geburtstag.
Dr. Jörn Funck, Sereetz,
feiert am 06.02. seinen 70. Geburtstag.
Dr. Otto Houtrouw, Ellerbek,
feiert am 06.02. seinen 70. Geburtstag.
Prof. Dr. Werner Ulbricht, Kiel,
feiert am 08.02. seinen 80. Geburtstag.
Wolfgang Schuur, Molfsee,
feiert am 11.02. seinen 70. Geburtstag.
Dr. Uwe Johannsen, Flensburg,
feiert am 14.02. seinen 80. Geburtstag.
Dr. Susanne Höhnke, Schleswig,
feiert am 18.02. ihren 85. Geburtstag.
Dr. Maria Aepinus, Itzehoe,
feiert am 19.02. ihren 75. Geburtstag.
Dr. Eberhard König, Pinneberg,
feiert am 20.02. seinen 80. Geburtstag.
Ute Müller, Itzehoe,
feiert am 20.02. ihren 70. Geburtstag.
Dr. Peter Rosenbaum, Lübeck-Travemünde,
feiert am 21.02. seinen 70. Geburtstag.
Dr. Wolf-Dieter Krause, Elmshorn,
feiert zwischen dem 28.02. und 01.03.
seinen 70. Geburtstag.
Hans-Dietrich Rupp, Albersdorf,
feiert am 15.02. seinen 85. Geburtstag.
Wir gedenken der Verstorbenen
Dr. Klaus-Heinrich Holst, Ammersbek,
geboren am 01.06.1943,
verstarb am 24.11.2009.
Dr. Hans-Gottfried Schütze, Pinneberg,
geboren am 27.06.1915,
verstarb am 26.10.2009
Dr. Gerhard Czaja, Heide,
geboren am 21.03.1919,
verstarb am 25.11.2009.
Dr. Hossein Moinian-Baghery, Schleswig,
geboren am 23.01.1930,
verstarb am 10.11.2009.
Dr. Helmut Ries, Westerholz,
geboren am 04.05.1920,
verstarb am 27.11.2009.
Dr. Hans Koltze, Wankendorf,
geboren am 07.03.1920,
verstarb am 19.11.2009.
Dr. Edeltraut Dittmann-Placek, Kiel,
geboren am 19.05.1931,
verstarb am 02.12.2009.
Dr. Rüdiger Christiansen, Kiel,
geboren am 19.04.1956,
verstarb am 24.11.2009.
Dr. Hanno Schumacher, Timmendorfer Strand,
geboren am 04.02.1909,
verstarb am 03.12.2009.
â
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt
ist auch per E-Mail direkt zu erreichen:
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Ausgabe 1 I Januar 2010 37
PERSONALIA
Doppelte Ehrung für Hans-Peter Küchenmeister
Der Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe
(LFB), Hans-Peter Küchenmeister, wurde in den vergangenen Wochen gleich zwei Mal ausgezeichnet. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen verlieh ihm das
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er von der Bundeszahnärztekammer mit der Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft in Gold ausgezeichnet worden.
Mit beiden Auszeichnungen wurde das jahrzehntelange Engagement des Zahnarztes aus Rickling, der auch
die Vorstandsarbeit der Zahnärztekammer über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hatte, gewürdigt. „Kollege
Küchenmeister, vor genau dreißig Jahren als Zahnarzt
approbiert, erhält die Ehrennadel für sein selbstloses ehrenamtliches Engagement, das sich nicht nur auf die Belange des Berufsstandes beschränkt, sondern auf weite Bereiche des gesellschaftlichen Lebens unseres Landes erstreckt hat“, sagte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, in seiner Laudatio. So
ist Hans-Peter Küchenmeister etwa Präsident des Landesverbands der Freien Berufe und Vorstandsmitglied
der Verbraucherzentrale in Schleswig-Holstein. Er ist
als stellvertretender Landesvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung sowie als Vorsitzender des Gesundheitspoltischen Arbeitskreises der CDU und stellvertretender Vorsitzender der MIT-Bundeskommission
„Gesundheitspolitik“ politisch engagiert. Der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein hat er als langjähriges
Vorstandsmitglied, als Vizepräsident und schließlich als
Präsident mit den Schwerpunkten Presse- und Öffent-
lichkeitsarbeit gedient und
sich besonders für die Behandlung von Menschen mit
Behinderungen und für die
Patientenberatung eingesetzt.
„Als Mitglied des Vorstands
der Bundeszahnärztekammer
hat Kollege Küchenmeister in
verschiedenen Ausschüssen
und Arbeitsgruppen gewirkt
und dabei neben seiner liebenswerten menschlichen Art Hans-Peter Küchenmeisimmer Sachkenntnis und ter wurde ausgezeichnet.
(Foto: LFB)
Kompetenz bewiesen“, sagte
Engels in seiner Würdigung.
Neben den genannten Aktivitäten gibt der Ordensträger
die digitale Zeitschrift med.dent.magazin heraus und
hält seit über zehn Jahren Vorlesungen für angehende
Zahnmediziner an der Kieler Christian-Albrechts-Universität, an der er selbst zusammen mit Engels auch
Zahnmedizin studiert hat. Von 1998 bis 2007 war Küchenmeister Vorstandsmitglied der gemeinnützigen „Aktion zahnfreundlich“. Er ist seit vielen Jahren Delegierter des Bundes der Steuerzahler in Schleswig-Holstein
und engagiert sich als Mitglied im Vorstand des Bundes
der Steuerzahler. Sein Engagement erstreckt sich über
Jahrzehnte: Schon seit den 70er Jahren macht er sich
für die Zusammenarbeit zwischen Gesundheits-, Standes- und Berufspolitik und für die Prävention in der
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde stark. (PM)
Wechsel im Vorstand des NAV-Virchow-Bundes in Hamburg
Dr. Dirk Heinrich ist neuer Vorsitzender des NAV-Virchow-Bundes in Hamburg. Der bislang stellvertretende
Vorsitzende löste Allgemeinmediziner Dr. Klaus-Otto
Allmeling ab, der nicht wieder kandidiert hatte. Allmeling
ist nun Beisitzer im Vorstand. Die stellvertretende Landesvorsitzende Dörte Collatz, Ärztin für Allgemeinmedizin,
wurde im Amt bestätigt. Außerdem wird Dr. Adib Harb
eine Stellvertreterfunktion übernehmen. Der Gynäkologe hatte dem Vorstand bislang als Beisitzer angehört.
Neben Dr. Klaus-Otto Allmeling wurden Dr. Stefan von
Preyss und Dr. Michael Reusch, Ärzte für Dermatologie
und Venerologie, sowie der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten, Dr. Wolfgang Wesiack, als
Beisitzer gewählt. Als Hauptaufgabe bezeichnete der
38
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
neue Vorsitzende die Pflicht, die Einheit der niedergelassenen Ärzte nicht durch neue Sektorengrenzen zu zersplittern. Notwendig seien betriebswirtschaftlich kalkulierte Preise in der ambulanten Medizin. Mit den derzeitigen Dumpingpreisen könne keine Praxis mittelfristig
überleben, sagte Heinrich. Dazu sei auch eine faire
Wettbewerbsordnung notwendig. Es könne nicht angehen, dass Kliniken dual finanziert würden und dann
mit den staatlichen Zuschüssen im Rücken in Konkurrenz zu Praxen gingen. Der NAV-Virchow-Bund betrachtet sich als Vertretung aller niedergelassenen Ärzte und als Sprachrohr für die Belange aller Praxen in
Hamburg. (PM/Red.)
PERSONALIA
Prof. Jan Born ist Leibniz-Preisträger
Prof. Dr. rer. nat. Jan Born, Direktor des Instituts für
Neuroendokrinologie der Universität zu Lübeck, wurde
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für seine
richtungsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Schlafforschung mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. Born untersucht vor allem, wie im Schlaf Gedächtnis gebildet
wird. Dabei konnte er zeigen, dass im Schlaf nicht nur
Gedächtnis gefestigt wird, sondern auch kognitive Prozesse wie die Entwicklung von Problemlösungsstrategien stattfinden. Damit war er zugleich der erste Forscher,
der einen kausalen Zusammenhang zwischen Schlafen
und Lernen belegte. In Untersuchungen zu einzelnen
Schlafphasen wandte sich Born vor allem der Rapid
Eye Movement-Phase (REM) zu, von der bis dahin angenommen wurde, dass sie sich positiv auf das prozedurale Gedächtnis auswirke.
In einer experimentellen Studie, in der er die REM-Phase mit Medikamenten unterdrückte, konnte Born diese
Annahme widerlegen. Schließlich untersuchte Born
auch die Gedächtnisbildung durch Schlaf in anderen organischen Systemen, so im metabolischen System und
im Immunsystem. Seine Arbeiten sind Beiträge zur
Grundlagenforschung, sie greifen aber auch medizinische Fragen auf und sind auch gesundheitspolitisch von
Interesse und relevant für die
Lernforschung.
Born ist seit 2002 Direktor des
Instituts für Neuroendokrinologie in Lübeck. Er war Sprecher der DFG-Forschergruppe „Gedächtnisbildung im
Schlaf“, seit 2005 ist er Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Plastizität und
Schlaf“. Der Leibniz-Preis wird
seit 1986 jährlich von der DFG
Prof. Dr. rer. nat. Jan
für Spitzenleistungen in der Born
Forschung verliehen. Seit Be- (Foto: Rüdiger Labahn)
ginn des Programms sind zusammen mit den jetzt zuerkannten Preisen 280 LeibnizPreise vergeben worden.
Sechs Leibniz-Preisträger haben später auch den Nobelpreis erhalten, wie DFG-Präsident Prof. Matthias Kleiner anlässlich der Bekanntgabe der zehn neuen Preisträger betonte. Der Preis bringt seinen Trägern weltweites Renommee und ein bedeutendes Preisgeld.
(PM)
Rente und neue Aufgaben für Ricarda Klein
Die Direktorin für Patienten- und Pflegemanagement
des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Ricarda Klein, ist an ihrem 65. Geburtstag von ihrem langjährigen Arbeitgeber verabschiedet worden. Die gebürtige Thüringerin war dreizehn Jahre lang Pflegedirektorin der Universitätsklinik in Göttingen, bevor sie
1990 in gleicher Position zum UKE kam. In den vergangenen knapp 20 Jahren gelang es ihr, die Pflege zu
professionalisieren und neue Führungs- und Organisationsstrukturen für diesen Bereich zu entwickeln. Themen wie Qualifizierung und Weiterentwicklung der Führungskompetenz gewannen unter ihrer Leitung zunehmend an Gewicht. Auch die Einführung des Konzepts
„Primäre Pflege“ fiel in ihre Amtszeit. UKE-Chef Prof. Jörg
Debatin bescheinigte ihr, im Haus „tiefe Spuren“ hinterlassen zu haben. „Mit ihrem hohen beruflichen und
persönlichen Einsatz hat sie in unvergleichlicher Weise
dazu beigetragen, das UKE voranzubringen und ihrem
Berufsstand nach innen und außen eine Stimme und Pro-
fil zu verleihen. Vieles, für das
sie über Jahre gekämpft hat,
ist nun lange Realität“, sagte
Debatin anlässlich ihrer Verabschiedung in den Ruhestand. Künftig wird sich Ricarda Klein noch stärker als
bislang in der Berufspolitik für
die Belange der Pflege einsetzen. Im Dezember übernahm sie neben weiteren
Funktionen die Geschäfts- Ricarda Klein
führung des Verbands der
(Foto: UKE)
Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken Deutschlands (VDU). Ihre Nachfolge im UKE
übernimmt Joachim Prölß, der bislang als Leitender
Pflegedirektor bei den Kliniken der Stadt Köln gGmbH
gearbeitet hatte. (PM/Red.)
Ausgabe 1 I Januar 2010 39
PERSONALIA
Baumgärtner bleibt Vorsitzender von MEDI Deutschland
Die Vorsitzenden der MEDI-Verbünde auf Landesebene
haben Dr. Werner Baumgärtner erneut zum Chef von
MEDI Deutschland gewählt. Damit bleibt Baumgärtner
weitere vier Jahre im Amt. Zu seinen Stellvertretern wurden Dr. Ralf Schneider (Allgemeinmediziner und Vorsitzender von MEDI Südwest in Rheinland-Pfalz) und Dr.
Heiner Loos (Internist und Vorsitzender von MEDI Brandenburg) gewählt. Dr. Alfried Schinz (Internist und Vorsitzender von MEDI Bayern) und Dr. Michael Ruland
(Allgemeinmediziner und Vize von MEDI Baden-Württemberg) sind die neuen Beisitzer. „Schwerpunkt unserer
Arbeit bleibt auch weiterhin das Ziel, die wirtschaftli-
chen Bedingungen in den Praxen zu verbessern“, sagte Baumgärtner. Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung und die Regelleistungsvolumen müssten nach
seiner Ansicht durch eine transparente, betriebswirtschaftlich kalkulierte Gebührenordnung mit festen Preisen abgelöst werden. Neben dem Kollektivvertrag sollten Ärzte die Möglichkeit haben, sich in Selektivverträge einzuschreiben. „Politisch muss für die Niedergelassenen die Option geschaffen werden, für bestimmte
Patientengruppen oder bestimmte Leistungen, wie das
ambulante Operieren, die Kostenerstattung praktizieren zu können“, forderte Baumgärtner. (PM/Red.)
Neuer Hauptgeschäftsführer für die Regio Kliniken
Otto Melchert, Generalbevollmächtigter Region Nordost
der Sana Kliniken AG, ist neuer Hauptgeschäftsführer der
Regio Kliniken GmbH, an der Sana 74,9 Prozent der Gesellschafteranteile hält. Seit Januar hat Sana den wirtschaftlichen Betrieb der Regio Kliniken übernommen.
Melchert stehen Wolfgang Sprenger, seit 2009 Geschäftsführer der Regio Kliniken GmbH, und Dr. Dirk Richter als Leiter des Sana Integrationsteams zur Seite.
Melchert ist seit 1990 in verschiedenen Funktionen für
die Sana Kliniken AG tätig, darunter auch als Geschäftsführer und Regionaldirektor. Seit 2004 ist er Ge-
neralbevollmächtigter der Sana Kliniken für die Region
Nordost und Mitglied der Führungskonferenz. Vor seinem Wechsel zu den Sana Kliniken war er von 1986 bis
1989 Sozial- und Jugenddezernent und von 1983 bis
1990 Verwaltungsleiter und Krankenhausdezernent im
Landkreis Harburg, Winsen.
Die Regio Kliniken sind an verschiedenen Standorten im
Hamburger Randgebiet in der ambulanten und stationären Versorgung tätig. Mit rund 2.500 Beschäftigten erwirtschaftet das Unternehmen rund 130 Millionen Euro
Umsatz. (PM)
Frank Jordan in neuer Position am WKK
Oberarzt Frank Jordan ist neuer Leiter der Invasiven
und Operativen Kardiologie am Westküstenklinikum
(WKK) Heide. Sein Vorgänger Dr. Gerald Ould-Yahoui
konzentriert sich inzwischen auf die Herzinsuffizienzambulanz. Dies teilte das WKK anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Kardiochirurgie in Heide mit. Am 1.
Dezember 1999 wurde die erste Bypassoperation in
Heide von Kardiochirurgen des Universitätsklinikums
Schleswig-Holstein, Campus Kiel, durchgeführt. Seit
dieser Zeit ist die Zusammenarbeit zwischen den Spezialisten der Kieler Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie um
Prof. Dr. Jochen Cremer und der Medizinischen Klinik in
Heide um Prof. Dr. Fritz S. Keck weiter vertieft worden.
Ould-Yahoui hatte den Bereich damals aufgebaut und geleitet. Die Zahl der herzspezifischen Untersuchungen in
Dithmarschen ist seitdem kontinuierlich ausgebaut worden. (PM/Red.)
40
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Freuen sich über das Jubiläum: Oberarzt Frank Jordan, Leiter der Invasiven und Operativen Kardiologie
am Westküstenklinikum Heide (li.), und Prof. Dr. Fritz
Sixtus Keck, Chefarzt der Medizinischen Klinik.
(Foto: WKK/Kienitz)
PERSONALIA
Im Urlaub in den OP
Schon im Abitur hatte die heute 49-jährige Dr. Antje Lobenstein ein Thema über die Lemuren Madagaskars
bearbeitet. 30 Jahre später reiste sie auf den zweitgrößten Inselstaat der Welt, nicht nur um zu erfahren, wie
Versorgung in anderen Systemen funktioniert: „Es mag
sich komisch anhören, aber der Wunsch, helfen zu können, hat mich dazu bewogen, in ein Land zu gehen, in
dem wir das Leben vieler Kinder verbessern und retten
können“, sagt die Chefin der Klinik für Anästhesie der Segeberger Kliniken.
Die Initiatorin Dr. Gie Meyer Vandehult, plastische Chirurgin aus Bad Schwartau, hat ein Team mit zwei Orthopäden und einem Orthopädietechniker aus Neustadt, zwei weiteren Anästhesisten aus Hamburg sowie
einem OP-Pfleger zusammengestellt. Gemeinsam hatten sie sich im November der für den Inselstaat typischen
Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen angenommen. In zehn Tagen wurden in 130 Operationen
Klumpfüße operativ gerichtet, Missbildungen durch
Brandverletzungen korrigiert und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operiert. Viele Kinder können dadurch doch
noch normal laufen lernen, die Hände zum Greifen benutzen oder eine verständliche Sprache entwickeln.
Aber nicht in jedem Fall konnten die Experten aus dem
Westen helfen: „Wir hatten einfach nicht die Möglichkeit,
beispielsweise extrem abnorme Fußstellungen in mehreren Operationen zu korrigieren oder größere Hauttransplantationen vorzunehmen. Dafür sind die vorhandenen Gegebenheiten zu mangelhaft. Wir kamen
dann sehr schnell an die Grenzen des Machbaren.“
Wasserknappheit und Stromausfall, die Crew um Lobenstein musste häufig improvisieren, konnte sich dann
aber auch stets auf die Hilfe der einheimischen OP-Mitarbeiter im Krankenhaus verlassen. „Die Beziehung zueinander war hervorragend und herzlich. Mit den einheimischen OP-Pflegern und Schwestern haben wir
Hand in Hand gearbeitet.“
Bereits zum zweiten Mal wurde die Fachärztin für Anästhesie in der ehemals französischen Kolonie während ihres Urlaubs tätig. Angeregt durch ihren Kollegen und Lebenspartner und unter der Flagge von pro interplast, eines Vereins zur Förderung plastischer Chirurgie in Entwicklungsländern, arbeiteten sie in diesem Jahr gemeinsam in diesem Projekt. Zunächst in der Hauptstadt Antananarivo, später im äußersten Süden des Landes in einem
von amerikanischen Missionaren erbauten Krankenhaus.
Hier warteten gleich am ersten Tag 200 Patienten, viele davon nach mehrtägiger Anreise, teils zu Fuß.
Nach einer erfolgreichen OP an seinem
Klumpfuß kann der 5jährige Tahiry in den
Armen von Dr. Lobenstein schon wieder lächeln.
(Foto: Segeberg Kliniken)
Vor ihrem Einsatz hatte das Team eine rege Spendenaktion in Deutschland organisiert. Apotheken und Krankenhäuser lieferten OP-Besteck, Abdeckmaterial, Medikamente und Beatmungsgeräte, darüber hinaus OPKleidung und Infusionsmaterial. In Kindergärten wurden festes Schuhwerk und Stofftiere gesammelt.
Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Erde.
Über 70 Prozent der Bevölkerung verdienen weniger als
einen Dollar pro Tag. Ein Chirurg erhält monatlich 90
Euro, eine mittlere OP kostet aber etwa 100 Euro. Oft
musste während der Operationen improvisiert werden.
„Natürlich haben die medizinischen Einrichtungen nicht
westlichen Standard. Aber man kann auch mit weniger
zufriedenstellende Ergebnisse erzielen“, beschreibt Lobenstein die örtlichen Gegebenheiten in einem Inselstaat
mit 20 Millionen Einwohnern und einer durchschnittlichen
Lebenserwartung von 60 Jahren. Auf 100.000 Menschen kommen 26 Ärzte.
Die Medizinerin aus dem Ort Klein Rönnau bei Bad Segeberg weiß, dass sie mit ihrem Besuch bei den Menschen vor Ort auch Erwartungen geweckt hat. Aber
nicht nur deshalb wird sie auch in diesem Jahr erneut
den Bewohnern Madagaskars helfen: „Wir können hier
etwas aufbauen, sodass die Versorgung auch hier in diesem System funktioniert. Es ist einfach gut zu wissen,
dass man mit seinem Tun Gutes bewirken kann“, sagt
Anästhesistin Lobenstein über ihre Hilfseinsätze. (PM Segeberger Kliniken)
Ausgabe 1 I Januar 2010 41
GESICHTER DER KAMMERVERSAMMLUNG
Die Kammerabgeordneten im Kurzportrait
Gesichter der
Kammerversammlung
Die Mitglieder der Kammerversammlung stellen sich den Lesern des SchleswigHolsteinischen Ärzteblattes vor.
Angeregt durch Gespräche mit Kollegen habe ich mich
nach 26 Berufsjahren zur Kandidatur für die Kammerversammlung 2005 entschlossen. Ich möchte gegen die
Herabwürdigung unseres Berufes durch Teile der Politik mitwirken. Unsere Arbeit wird durch zunehmende
Fremdbestimmung und Überregulierung erschwert.
Meinen Schwerpunkt sehe ich in der Tätigkeit im Ausschuss für Allgemeinmedizin mit dem Ziel, die Weiterbildung unseres Nachwuchses zu erleichtern. Ich will
auch vermitteln, dass viele Kollegen die Haltung unserer
Kammer zur E-Card kritisch verfolgen und der Einführung sorgenvoll bis ablehnend gegenüberstehen.
Ich engagiere mich für eine geeinte Ärzteschaft, für
optimierte Arbeitsbedingungen und für attraktivere Rahmenbedingungen der jungen Kollegen und Berufsanfänger. Dies beinhaltet auch die Fort- und Weiterbildung. Ich würde mich freuen, wenn sich auch junge Kollegen aktiv in die Arbeit der Kammerversammlung mit
konstruktiven Vorschlägen einbringen würden. Als Mitglied im Ausschuss Ärztinnen möchte ich als Mutter die
Chancen für Frauen in der Welt des Krankenhauses, insbesondere für Mütter verbessern. Dies bezieht sich auf
gleiche Aufstiegschancen für Frauen ebenso wie auf die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Name: Dr. Michael Lauterbach
Name: Stephanie Liedtke
Geburtstag: 18.04.1952
Geburtstag: 01.12.1969
Arbeitsort: Kiel, niedergelassen
Arbeitsort: AK Segeberger Kliniken GmbH
Wahlkreis: Kiel
Wahlkreis: Segeberg
42
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
GESICHTER DER KAMMERVERSAMMLUNG
Der freie ärztliche Beruf ist ein Gut, für das es sich
nach meiner Überzeugung gemeinsam einzustehen
lohnt. Die Kammerversammlung bietet nach meiner
Ansicht das ideale Forum, um innerhalb der Ärzteschaft sektorübergreifend zu diskutieren und Meinungsbildung zu betreiben. Themen für die standespolitische Arbeit gibt es allerhand: die Unzufriedenheit
während der Facharztausbildung gehört nach meiner
Einschätzung auf jeden Fall dazu, aber auch der fehlende Nachwuchs allgemein. Außerdem treibt ein unbeständiger gesundheitspolitischer Rahmen alle Kollegen um - unabhängig davon, ob sie jung oder erfahren
Ich engagiere mich in der Kammer für den Erhalt der
Freiberuflichkeit, weil unser Beruf eine besondere Vertrauensgrundlage erfordert. Dies gilt für das Verhältnis
zwischen Arzt und Patient als auch zwischen Arztstand
und Gesellschaft und betrifft niedergelassene und angestellte Ärzte. Für alle gilt, dass sie nur ihrem ärztlichen
Gewissen folgen dürfen, wenn sie Patienten behandeln. Nur so hat der Patient die Gewissheit, dass alles
Notwendige zu seinem Wohle geschieht. Die Ärztekammer ist der Ort, wo über das Berufsrecht und die
Weiterbildungsordnungen dieser Gedanke lebendig
gehalten und vertreten werden kann. Es gilt, das Be-
Name: Dr. Sven Henrik Stübinger
Name: Uwe Bannert
Geburtstag: 15.01.1973
Geburtstag: 22.05.1953
Arbeitsort: Kiel, niedergelassen
Arbeitsort: Bad Segeberg, niedergelassen
Wahlkreis: Kiel
Wahlkreis: Segeberg
sind, ob sie in Klinik oder Praxis tätig sind. Ich werde aus
meinem Wahlkreis aktiv Beiträge in die Diskussionen der
Kammerversammlung einbringen. Im Aufsichtsrat des
Versorgungswerkes freue ich mich, die standespolitische
Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt sowie
der Kammerversammlung mitgestalten zu können. So
kann ich transparent für die Arbeit der Kammer werben,
bei der Meinungsbildung der Schleswig-Holsteinischen
Ärzteschaft mitwirken und für den Erhalt unseres freien Berufes einstehen.
wusstsein für die Besonderheit des Arztberufes wach
zu halten in einer Zeit, die alles dem Kommerz unterwirft
und in der ethische Einstellungen sonderbar unmodern erscheinen. Wie ratlos Politik und Gesellschaft
aber dastehen, wenn es um Grundfragen wie Sterbehilfe, Gentechnologie und Organtransplantationen geht,
belegt dann, wie wichtig eine Instanz wie unser Berufsstand und hier insbesondere die Ärztekammer ist,
die ihre Haltung auch aus alten zeitlosen Maßstäben und
über die Tagespolitik hinaus findet.
Ausgabe 1 I Januar 2010 43
GESICHTER DER KAMMERVERSAMMLUNG
Je mehr und intensiver sich Kollegen in der eigenen
Selbstverwaltung engagieren, desto besser werden
die Ergebnisse sein, oder umgekehrt: je weniger das Engagement der Ärzteschaft, desto mehr werden Politik
und Kostenträger uns ihre Entscheidungen vorgeben.
Aktive Gesundheits-, Berufs- und Standespolitik halte
ich für eine genuine ärztliche Aufgabe, weil damit die wesentlichen Rahmenbedingungen für unsere tägliche
Arbeit in der Patientenversorgung, in Prävention, Forschung und Lehre festgelegt werden. Man kann langfristig keine adäquate Medizin betreiben, wenn die Rahmenbedingungen falsch oder insuffizient sind. Die
Erfahrungen mit der Einführung EuGH-konformer
Arbeitszeiten an unserer Klinik haben mir persönlich
gezeigt, dass man selbst mit wenigen engagierten Kollegen wesentliche Veränderungen bewirken kann. Auch
die Mitarbeit in Ausschüssen der Kammer zeigt immer
wieder, dass wichtige Elemente unserer ärztlichen Tätigkeit mitgeprägt werden können. Mich interessieren
besonders die Kooperation und Verzahnung der Sektoren ambulant-stationär, der Arbeitsplatz Krankenhaus
sowie der Einfluss der Politik und Kostenträger im Gesundheitswesen.
Mittlerweile bin ich in der dritten Wahlperiode Abgeordnete der Kammerversammlung, um aktiv Standespolitik mitzugestalten. Mein Hauptanliegen ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der angestellten
Kollegen in den Krankenhäusern. Für sie möchte ich erreichen, dass sie ihren Beruf mit dem Privatleben und
der Familie vereinbaren können. Für eine Kinderbetreuung am Arbeitsplatz und die berufliche Förderung
junger Eltern - damit deren Karriere nicht mit dem Kinderwunsch am Ende ist - engagiere ich mich u. a. in einem Ausschuss. Sichere planbare Arbeitszeiten für
Ärzte kommen nicht nur Familien, sondern auch anderen
Kollegen und Patienten zugute. Ein weiteres Anliegen
sind Fortbildungsangebote, die nach meiner Ansicht bezahlbar, abwechslungsreich und Sponsoren unabhängig sein sollten. Ein wichtiges Thema ist außerdem die
Erhaltung des freien Arztberufes in Klinik und Praxis und
eine entsprechende öffentliche Wahrnehmung. In der
vergangenen Wahlperiode habe ich mit Erfolg die Einrichtung einer zweiten Anlaufpraxis im Kreis Pinneberg
angeregt. Die Diskussion über die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte begleite ich weiter kritisch und mit Skepsis.
Name: Dr. Norbert Jaeger
Name: Dr. Vera Meyer
Geburtstag: 06.11.1959
Geburtstag: 19.04.1960
Arbeitsort: Städt. Krankenhaus Kiel GmbH
Arbeitsort: Regio Kliniken gGmbH Klinikum Pinneberg
Wahlkreis: Kiel
Wahlkreis: Pinneberg
44
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
GESICHTER DER KAMMERVERSAMMLUNG
Unsere Demokratie ermöglicht es, unser Berufsleben in
einer Körperschaft öffentlichen Rechts aktiv mitzugestalten. Das empfinde ich als Privileg, aber auch als Herausforderung und Verpflichtung. Die Gesellschaft gibt uns die
Möglichkeit, unsere Anliegen weitgehend selbst zu regeln.
Dabei ist es für mich von Bedeutung, dass die Kammer
frei von Partikularinteressen ist, einen Berufsstand in seinem Gesamtinteresse und Selbstverständnis prägt und
jedem die Möglichkeit gibt, daran mitzuarbeiten. Ich
möchte meine Ideen einbringen und mithilfe der Kollegen in der Kammerversammlung die Tätigkeit von
Vorstand und Geschäftsführung kritisch begleiten. Zwei
Meine ärztliche Ausbildung wurde begleitet von berufspolitischen Themen, die den Ausbildern wichtig
waren und im Kollegium diskutiert wurden. Eine höhere Priorität hat dieser Themenkomplex für mich jedoch
erst nach der Facharztausbildung und beruflichen Stabilisierung bekommen. Schwerpunkt stellt für mich das
ärztliche Selbstverständnis als Basis des weiteren Handelns und Kommunizierens dar. Erst durch eine offene,
teamorientierte Definition der eigenen Person sind kollegiales Handeln, Ausbildung junger Kollegen sowie sektorübergreifende Kommunikation und Kooperation möglich. Hier müssen zum Teil noch existierende archaische
Name: Dr. Wilken Boie
Name: Petra Struve
Geburtstag: 24.03.1951
Geburtstag: 29.07.1962
Arbeitsort: Handewitt, niedergelassen
Arbeitsort: Kreiskrankenhaus Rendsburg Eckernförde
Wahlkreis: Schleswig-Flensburg
Wahlkreis: Rendsburg-Eckernförde
Schwerpunkte sind für mich besonders wichtig: Eine bezahlbare, unbürokratische und unabhängige Fortbildung, deren Bewertung in die Hände der Ärztekammern
gehört. Zum anderen die Allgemeinmedizin - von der
Weiterbildung über den Lehrstuhl bis zur qualifizierten
hausärztlichen Tätigkeit. Ein weiteres Ziel ist es, die
Kommunikation in den drei Versorgungsebenen zu verbessern und gemeinsame Probleme zu erörtern. Um in
Zukunft engagierte Kollegen für die Kammerarbeit zu gewinnen, muss die Kammer sich transparenter und deutlicher als Vertreterin aller Ärzte darstellen.
Modelle zum Vorteil aller abgelöst werden. Themen
wie Fehlerkultur, Führungs- und Arbeitsstil sollten ebenso Erwähnung finden wie intelligente Arbeitszeitmodelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bzw.
Ausstieg aus dem Berufsleben in der Vorruhestandsphase. Hier ist Kreativität gefragt, die wir selber aktiv liefern können. Wir sollten die Kammer als Diskussionsforum nutzen und konsentierte Ergebnisse in unsere Arbeitswelt kommunizieren um zu informieren und zu
sensibilisieren. Nur so können wir erwarten, dass Positionen auch von jüngeren Ärzten mitgetragen werden.
(Fotos: Wohlfromm)
Ausgabe 1 I Januar 2010 45
EDMUND-CHRISTIANI-SEMINAR
Esmarchstr. 4 - 6
23795 Bad Segeberg
Tel.: 04551/8813-292
Fax: 04551/8813-228
E-Mail: [email protected]
EDMUND-CHRISTIANI-SEMINAR
Betriebswirtin für Management
im Gesundheitswesen
14. Seminarreihe
Berufsbildungsstätte der
Ärztekammer Schleswig-Holsteinn
Fortbildungsangebote
Januar 2010
Die Betriebswirtin ist ausgerichtet auf das besondere Anforderungsprofil für leitende Mitarbeiterinnen in großen medizinischen Organisationseinheiten.
15.01.
15.01.
16.01.
22.01.
Die Teilnehmerinnen sollen eine berufliche Qualifikation erwerben, die sie befähigen, die betriebswirtschaftlichen Ziele des „Unternehmens MVZ/Arztpraxis“ in enger Abstimmung mit der ärztlichen Entscheidungsebene zu realisieren, sowie eigenverantwortlich Führungs- und Managementaufgaben zu erfüllen.
23.01.
23.01.
23.01.
Die Qualifikation der „Betriebswirtin“ baut auf Fertigkeiten
und Kenntnissen von Berufen im Gesundheitswesen mit
anschließender Praxiserfahrung auf und ist eine staatlich anerkannte Aufstiegsfortbildung. Der Abschluss
ermöglicht den Übergang in den fachhochschulischen
Bereich.
Die Fortbildung umfasst insgesamt 800 Weiterbildungsstunden, von denen 160 Stunden durch ein Praktikum und die Erstellung einer Projektarbeit abgedeckt
werden. Die Absolvierung der Weiterbildung erfolgt berufsbegleitend über ca. zwei Jahre. Die Seminare finden
an Wochenenden sowie in zwei Wochenblöcken statt.
Inhalte
Modul I Planung und Kommunikation
Modul II Informations- und Kommunikationstechnologien
Modul III Qualitäts- und Projektmanagement
Modul IV Personal- und Ausbildungsmanagement
Modul V Betriebswirtschaftliche Praxisführung
Modul VI Betriebliches Rechnungs- und Finanzwesen
Beginn März 2010
24.01.
25.01.
27.01.
30.01.
30.01.
Gelassenheit im Strahlenschutz
Fachzertifikat Ernährungsberatung
Tapen/Aufbaukurs
Sachkunde gem. § 4 der Medizinprodukte
betreiberverordnung
EBM/Grundkurs
Individuelle Gesundheitsleistungen
Allergologische Erkrankungen und
Lebensmittelunverträglichkeiten
Kommunikation für Präventions- und
individuelle Gesundheitsleistungen
Strahlenschutzkurs für medizinisches
Assistenzpersonal
Impf-Meeting
QM-Werkstatt/Refresherkurs
Spritzen, na und...?/Grundkurs
Februar 2010
01.02.
05.02.
05.02.
06.02.
08.02.
10.02.
12.02.
12.12.
13.02.
13.02.
15.02.
15.02.
Gebühr 3.490,00 Euro (Keine Gebührenermäßigung
möglich)
19.02.
Fördermöglichkeiten
- Aufstiegsfortbildungsförderung (Meister-BAföG)
- Bildungsfreistellung nach BFQG
24.02.
26.02.
Vorbereitung auf die externe Prüfung zur OTA
Fachzertifikat EKG
Der Marcumarpatient in der ärztlichen Praxis
Harnsedimente
Vorbereitung auf die externe
Prüfung zur MFA
Berufsgenossenschaftliche Heilbehandlung
QM-Werkstatt
Fachzertifikat Notfallmedizin
Besser telefonieren/Grundkurs
Spritzen, na und...?/Aufbaukurs
Wiedereinstieg für medizinisches
Assistenzpersonal/Verwaltung
Strahlenschutzkurs für medizinisches
Assistenzpersonal
Coaching für die rechte Hand des
leitenden Arztes
Notfälle in der Gynäkologie und
Geburtshilfe
Fachzertifikat Ambulanges Operieren
Unser gesamtes Fortbildungsprogramm finden Sie unter: www.aeksh.de/ecs
46
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
20 Jahre Deutsche Alzheimer Gesellschaft
Pflegende Angehörige sind die
„wahren Helden“ in unserem Land
Trotz vieler Verbesserungen mahnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft weitere
Anstrengungen an, um die Herausforderungen meistern zu können.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) hat im vergangenen Monat ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert. In diesen zwei Jahrzehnten konnten nach Einschätzung der
Gesellschaft viele Verbesserungen für die Situation von
Demenzkranken und ihrer Familien erreicht werden.
Ziele für die nächsten Jahre sind ein verstärkter Ausbau
der Beratungs- und Entlastungsangebote vor Ort sowie
eine intensivere Einbeziehung aller Berufsgruppen in den
Kommunen, damit auch allein lebende Menschen mit
einer Demenz möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung leben können.
„Vor 20 Jahren waren die Begriffe Alzheimer-Krankheit
oder Demenz praktisch unbekannt. Die Leute waren
eben alt und verkalkt. Beratung und Unterstützung gab
es nur vereinzelt“, erinnert sich Eleonore von Rotenhan,
die Gründungsvorsitzende der DAlzG, deren Mutter
demenziell erkrankt war.
Die Bilanz in Zahlen, die die Gesellschaft zu ihrem Jubiläum bekannt gab: Heute gibt es in Deutschland 119
regionale Alzheimer-Gesellschaften und Landesverbände sowie etwa 500 Selbsthilfegruppen. Mit zahlreichen Broschüren, der Schulungsreihe „Hilfe beim Helfen“, der CD-Rom „Demenz interaktiv“ werden Angehörige, Profis und Interessierte informiert. Die Zeitschrift
„Alzheimer Info“ erscheint seit 1997 vierteljährlich. Die
Internetseite ging 1998 an den Start und verzeichnet heute jeden Tag mehr als 2.000 Besucher. Am „AlzheimerTelefon“ werden seit 2002 jährlich etwa 6.000 Informations- und Beratungsgespräche geführt. Seit 1997 wurden fünf nationale Kongresse organisiert. In die Reform der Pflegeversicherung gingen auch Vorschläge
der DAlzG ein, etwa „niedrigschwellige“ Betreuungsformen zu etablieren. Wenn inzwischen „Betreuungsgruppen für Demenzkranke“ in der Pflegeversicherung
verankert und überall in Deutschland ein Begriff sind,
geht dies zurück auf Ideen von Angehörigen der Alzheimer-Selbsthilfegruppen in Stuttgart und Dortmund.
Heike von Lützau-Hohlbein, die 1. Vorsitzende der
Deutschen Alzheimer Gesellschaft, sagte: „Zusammen
mit den Mitgliedsgesellschaften konnte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft viel bewegen. Doch wir stehen vor
großen Herausforderungen. Wenn kein Durchbruch in
der Therapie gelingt, wird die Zahl der Demenzkranken
von heute 1,2 Millionen auf 2,6 Millionen im Jahr 2050
steigen. Die Reform der Pflegeversicherung muss zügig fortgeführt werden und endlich den speziellen Bedarf Demenzkranker angemessen berücksichtigen.
Überall in Deutschland müssen Beratung und Hilfen aufgebaut werden. Diagnose und Behandlung müssen
endlich entsprechend den Richtlinien erfolgen. Es darf
nicht mehr sein, dass Allgemeinkrankenhäuser mit Demenzkranken, die sich ein Bein gebrochen haben, völlig überfordert sind. Demenzkranke müssen würdevoll
in unserer Mitte leben können. Dazu können z. B. die
Mehrgenerationenhäuser, mit denen wir künftig verstärkt zusammenarbeiten werden, einen wertvollen Beitrag leisten. Bei all dem möchten wir Menschen mit Demenz stärker einbeziehen, auf die Stimmen der Erkrankten hören. Sie haben uns viel zu sagen.“
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz ist ein gemeinnütziger Verein. Als Bundesverband von derzeit 119 regionalen Gesellschaften und Landesverbänden vertritt sie die Interessen von Demenzkranken und ihrer Familien. Wie stark deren Unterstützung, aber auch die Unterstützung von pflegenden Berufen für die DAlzG ist, zeigten die Wünsche und Anregungen zum Jubiläum, die auf der Website der Gesellschaft zu lesen waren. Nur ein Beispiel: „Menschen
mit Demenz brauchen einen festen Platz in unserer
Gesellschaft. Man darf ihre Türen nicht schließen, aber
genauso sind die Türen zu ihnen für uns auch nicht verschlossen. Ein wenig Geduld und eine haltende Hand
lassen uns den Weg zu ihnen öffnen. Die Angehörigen,
die sie pflegen, sind in diesem Land die wahren Helden“,
schrieb etwa die Leiterin einer gerontopsychiatrischen
Tagespflege in Osnabrück.
Dirk Schnack
Ausgabe 1 I Januar 2010 47
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
KBV-Vertreterversammlung
Paragraf 73 b: Die KBV fordert
mehr Wettbewerb
Die Weiterentwicklung eines im Kern guten Systems hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, gefordert. „Wir alle, die Politik und die gemeinsame Selbstverwaltung,
teilen eine gesellschaftliche Verantwortung. Ich setze deshalb auf eine nachhaltige Entwicklung“, so Köhler.
In seiner Rede an die Delegierten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) bewertete Köhler die im Koalitionsvertrag formulierten gesundheitspolitischen Ziele der schwarz-gelben Regierung als grundsätzlich positiv. Wesentliche Forderungen der KBV seien dort berücksichtigt, etwa die Absage an ein zentralistisch gesteuertes System, der Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit und des Leistungskataloges sowie die Teilhabe aller Versicherten
an einer qualitativ hochwertigen, wohnortnahen Versorgung, unabhängig von Einkommen und sozialem Status.
Allerdings gebe es auch Schattenseiten in dem Regierungsabkommen, so der KBV-Vorsitzende. Scharfe Kritik
übte er am Fortbestand der Regelung zur hausarztzentrierten Versorgung nach Paragraf 73 b, SGB V. Das faktische Monopol des Hausärzteverbandes auf entsprechende Verträge widerspreche fundamental dem geforderten
Wettbewerb im Gesundheitswesen. „Für uns bleibt es die zentrale Forderung an die Bundesregierung: Dieser
Paragraf muss dringend geändert werden“, sagte Köhler.
Als zufriedenstellend stufte er die bisherige Umsetzung der Reform der vertragsärztlichen Vergütung ein. Diese
habe im Durchschnitt zu einem deutlichen Honorarzuwachs geführt. Den KVen sei es gelungen, die weitreichende
Umstellung der Systematik in denkbar kürzester Zeit umzusetzen. „Weniger professionelle Organisationen hätten den Herausforderungen kaum standgehalten und gleichzeitig ihre anderen Aufgaben auch noch gut erledigt,
„Mit dem Durchbruch bei den Verhandlungen zur Förderung der Allgemeinmedizin haben wir einen wichtigen
Schritt getan, um die hausärztliche Versorgung in Deutschland zu sichern. Die Gespräche mit dem Spitzenverband
der gesetzlichen Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft waren schwierig, aber
heute kann ich sagen: Die Finanzierung ist gesichert, die
strukturellen Verbesserungen sind angestoßen, und wir
haben für die kommenden Jahre wenigstens in diesem Bereich Planungssicherheit. Das war und ist enorm wichtig,
um den hausärztlichen Nachwuchs zu sichern“, sagte
KBV-Vorstandsmitglied Dr. Carl-Heinz Müller. Angehende
Mediziner, die sich in der Allgemeinmedizin weiterbilden
wollen, um später den Beruf des Hausarztes zu ergreifen,
erhalten seit Januar im stationären und im ambulanten Bereich ein Honorar von in der Regel 4.080 Euro.
Auch zur elektronischen Gesundheitskarte positionierte
sich Müller: „Die Online-Anbindung der Praxen kann
eventuell auch ausschließlich über die Kartenlesegeräte
erfolgen, ähnlich wie bei den EC-Kartenterminals. Dann
48
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Die KBV-Vorstände Dr. Andreas Köhler (rechts) und
Dr. Carl-Heinz Müller zogen auf der jüngsten KBV-Vertreterversammlung ein positives Fazit über die aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik. Die
wichtigsten Themen der beiden Vorstandsmitglieder
in Kurzform.
wie es die KVen getan haben“, glaubt Köhler. Dennoch gelte es, Schwachstellen der Reform zu beseitigen. Mittelfristig
plane die KBV eine neue Gebührenordnung. „Diese soll die
stärkere Regionalisierung der Gesamtverträge ebenso wie
den Wunsch nach Vereinfachung und Transparenz berücksichtigen. Grundlage ist die grundsätzliche Rückkehr zur
Einzelleistungssystematik“, sagte der KBV-Vorsitzende.
Bezüglich der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung für
(Fotos: KBV)
die Bevölkerung forderte Köhler eine modernere Bedarfsplanung. Ziel der KBV sei eine sektorübergreifende Planung, die kleinräumig den Behandlungsbedarf der
Wohnbevölkerung misst und daraus den Versorgungsbedarf sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich abbildet. Dazu schlug er die Gründung von Regionalverbünden im jedem Bundesland vor, die die Versorgungsplanung koordinieren. „Koordination bedeutet dabei, dass grundsätzlich die Sicherstellungsverantwortung
für den ambulanten Bereich bei den KVen und für den stationären Bereich bei den Ländern verbleibt“, erläuterte Köhler. Den Regionalverbünden sollten neben den KVen die Landeskrankenhausgesellschaften, die Landesärztekammern und die Landesministerien stimmberechtigt angehören. Kassen und Patientenvertreter hätten beratende Funktion. (PM/Red.)
wären die gesamten, auf dem PC einer Praxis gespeicherten sensiblen Patientendaten vollständig abgekoppelt.“
Denkbar wäre auch, so der KBV-Vorstand, den Zuzahlungsstatus des Versicherten und die Zahlung der Praxisgebühr auf der elektronischen Gesundheitskarte zu vermerken. Auf diese Weise ließe sich auch Bürokratie abbauen, da Quittungen entfielen.
Um die Akzeptanz der Krebsfrüherkennung bei den Versicherten zu steigern, will die KBV eine Initiative zur Förderung der Prävention starten. So will sie etwa ein modifiziertes Einladungsverfahren entwickeln. Des Weiteren
hat die KBV sich erfolgreich um eine Teilnahme an der Europäischen Partnerschaft für Maßnahmen zur Krebsbekämpfung beworben, berichtete Müller. „Damit werden Patienten in ganz Europa von unserem Know-how profitieren“, sagte er.
Erfreut zeigte sich der KBV-Vorstand über die im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung angekündigte Neuordnung der Arzneimittelversorgung. „Der Vertragsarzt ist zukünftig grundsätzlich nur noch für die indikationsgerechte Auswahl des Wirkstoffes und der Verordnungsmenge verantwortlich, eine Preis- und Kostenverantwortung
besteht nicht mehr“, beschrieb Müller die Forderungen der KBV. Außerdem griff die Körperschaft erneut die seit
Langem gestellte Forderung nach einer Minderung des Mehrwertsteuersatzes für Arzneimittel um die Hälfte auf.
Als problematisch beurteilte Müller den Stand der Dinge bei der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung
(SAPV). Er vermisst noch immer flächendeckende Versorgungsstrukturen: „Die von den Krankenkassen für
SAPV gebuchten Ausgaben betrugen für das erste Halbjahr 2009 3,5 Millionen Euro. Eingeplant hatte die Regierung 240 Millionen Euro für 2009.“ Als Grund für dieses Defizit nannte Müller die wettbewerbliche Ausrichtung
des entsprechenden Gesetzes, den er für einen schweren Konstruktionsfehler hält. (PM/Red.)
Ausgabe 1 I Januar 2010 49
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Studie der Hamburger Stiftung Gesundheit
Ärzte machen in der modernen
Kommunikation nicht alles mit
Online-Fortbildungen und Arztbewertungsportale stehen bei vielen Ärzten noch
nicht hoch im Kurs.
Ärzte nutzen neue Kommunikationsformen: Sie verfügen über eine eigene Praxis-Homepage, informieren sich
im Internet und tauschen sich über E-Mail mit Kollegen
aus. Doch es gibt auch Belege dafür, dass Ärzte nicht
jede Entwicklung in der modernen Kommunikation verfolgen oder mitmachen. Eine Studie der Hamburger Stiftung Gesundheit zeigte jüngst, dass Ärzte manchen
Kommunikationsformen kritisch bis ablehnend gegenüberstehen. Nach Einschätzung der Studienautoren
birgt diese Haltung auch Risiken. In der Studie heißt es
etwa: „Eine Berufsgruppe, die sich in so hoher Zahl den
fundamentalen Wandlungen der Kommunikation und
den damit verbundenen Änderungen im Arzt-PatientenVerhältnis in einem sich demografisch und sozial ändernden Land verschließt, wird letztlich von der Steuerung und Mitwirkung dieser Prozesse ausgeschlossen
werden.“
Anlass für die Warnung sind Antworten von insgesamt
1.131 Praxisinhabern, die Rückschlüsse auf die ärztliche Haltung zu neuen Kommunikationsformen zulassen.
Dabei zeigt sich eine insgesamt konservative Haltung
zu neuen Themen und Methoden in der Kommunikation. Aus vier verschiedenen Bereichen wird gezeigt,
wie abwartend bzw. kritisch Ärzte zum Teil moderner
Kommunikation gegenüberstehen:
à
Fortbildung: 70 Prozent der Ärzte favorisieren thematisch fokussierte Seminare vor Ort, 59 Prozent
Kongresse von Fachgesellschaften. 63 Prozent bevorzugen Fachpublikationen und eigene Lektüre,
nur 14 Prozent Online-Lehrgänge - obwohl diese
Form eindeutige Vorzüge wie etwa zeitliche Flexibilität und nicht anfallende Reisekosten aufweist. Die
Studienautoren vermuten, dass diese konservative
Haltung durch die im Studium vermittelten Lernformate geprägt wurde, und prophezeien: „Mit dem
Nachrücken neuer Absolventengenerationen könnten hier mittelfristig deutliche Änderungen entstehen.“ Bei den Inhalten zeigt sich, dass Ärzte mit
überragendem Abstand an Fortbildungen in ihrer jeweiligen Fachdisziplin interessiert sind. Themen wie
Internetpräsenz
Personal der
Praxis
äußeres Erscheinungsbild der
Praxis
„Welches sind für Sie die drei wichtigsten Marketingmaßnahmen für Ihre Praxis?“ (n=1106) Mehrfachnennungen möglich.
(Quelle: Stiftung Gesundheit)
50
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Fortbildung in meiner medizinischen Fachdisziplin
Qualitätsmanagement
Abrechnung & Honorarfragen
Generelles Praxismanagement/BWL für die
Praxis
Praxismarketing generell
Personalführung
Praxismarketing im Web 2.0
Welche Themenfelder sind für Ihre Fortbildung relevant? (n=387) Mehrfachnennungen möglich
für die Zufriedenheit ihrer Patienten zu interessieren.
Nur ein Drittel der Befragten wünscht sich, dass ein
Dienstleister die Überwachung des „guten Namens“
im Internet übernimmt, auch für eine konsequente
Steuerung des Angebots spricht sich nur eine Minderheit aus. Die Studienautoren vermerken hierzu:
„Dies drückt ein eher konventionelles Verständnis der
Dynamik im Internet aus, das von einem insgesamt
anständigen Verhalten und entsprechenden Kodizes
ausgeht.“
Qualitätsmanagement, Abrechnung oder Betriebswirtschaft folgen abgeschlagen.
à Arzt-Service-Portale: Mit Ausnahme des Marktführers
und eines Konkurrenten sind diese Portale vielen Ärzten noch nicht bekannt. Deutlich wird, dass ein Teil
der Ärzte die Diskussion in solchen Portalen nur sehr
oberflächlich verfolgt und Namen nicht mit Programmen oder Inhalten verbindet. Eine Mehrheit der Befragten gab zwar an, solche Portale zum Kontakt und
Gedankenaustausch in geschlossenen Bereichen zu
nutzen, die Intensität aber ist sehr unterschiedlich.
Nur jeder vierte Arzt nutzt dieses Medium täglich,
weitere 20 Prozent mehrmals pro Woche, aber auch
30 Prozent nur einmal im Monat. Thematisch steht
hier die Gesundheitspolitik im Vordergrund.
à
Arzt-Bewertungsportale: Die unter Ärzten umstrittenen Bewertungsportale sorgen heute nicht mehr für
Aufregung unter Praxisinhabern - im Gegenteil: Zwei
Drittel der Ärzte wissen nicht einmal, ob sie überhaupt bewertet wurden (zehn Prozent gaben an,
noch nicht bewertet worden zu sein, 23 Prozent wurden bewertet). Die Studienautoren halten diese hohe
Gleichgültigkeit für überraschend, weil öffentlich zugängliche Bewertungen dem wirtschaftlichen Erfolg
schaden können und im Widerspruch stehen zum
hohen emotionalen Gehalt, die eine öffentlich-negative Bewertung haben kann. Zudem gaben sie zu bedenken, dass Ärzte auch qua QM gehalten sind, sich
Call-Center Medizin: Die von Krankenkassen angebotene Beratung von Patienten per Telefon erzeugt
bei Ärzten eine Abwehrhaltung. „Die Wahrnehmung
ist, dass Therapieberatung über das Telefon verboten
gehöre, es letztlich heimlich gemacht werde und nur
der Kostenersparnis diene“, resümieren die Studienautoren. Sie sehen darin ein Verkennen gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Entwicklungen, verweisen auf Studien zu positiven Ergebnissen solcher Beratungen und geben zu bedenken: „Zum anderen
wird die zukünftige demografische Entwicklung neue
Formen der Versorgung erfordern, die nicht mehr allein auf dem persönlichen Gespräch beim Arzt beruhen können.“
Es gibt auch entgegengesetzte Hinweise: Wenn Ärzte
etwa ins Marketing investieren, dann halten sie die Internetpräsenz für die wichtigste Maßnahme, noch vor
dem Personal. Dirk Schnack
à
Ausgabe 1 I Januar 2010 51
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Neuorientierung für Familien
Sind Mutter-Kind-Kuren
noch zeitgemäß?
Belastungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Nachwuchs. Mutter-KindKuren sind unverzichtbar, meint Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Grubba.
Wir spüren die Folgen des demografischen Wandels,
der Migration und der Globalisierung in den Arzt- und
besonders in den Kinderarztpraxen. Die Zahl der traditionellen Familien geht zurück: 1/5 aller Familien sind
Kinder mit alleinerziehenden Vätern oder Müttern, fünf
Prozent sind Lebensgemeinschaften mit Kindern. 1/4 aller Kinder wächst ohne Geschwister auf. 1/3 aller Kinder
hat einen Migrationshintergrund. Jede zweite heute geschlossene Ehe wird innerhalb der nächsten sieben
Jahre scheitern. Dies bedingt Stress. 2008 hat eine Studie der Techniker Krankenkasse belegt, dass berufstätige Eltern besonders an ihre psychische Belastungsgrenze stoßen. Nicht Topmanager, sondern 95 Prozent
der Hausfrauen und neun von zehn Schülern beklagen Stress. Dieser bestimmt zunehmend den Alltag,
Folgen der gesundheitlichen Dauerbelastung sind HerzKreislauferkrankungen und Burnout-Syndrom. Ein besonderes Problem sind Arbeitslosigkeit insbesondere alleinerziehender Mütter und prekäre Arbeitsverhältnisse.
Lange Geschäftsöffnungszeiten sind eine hohe Belastung für das Familienleben der Servicekräfte, wenn es
denn überhaupt zustande kommt. Kinderarmut ist eine
weitere Folge. 20 Prozent aller Kita-Kinder sind in ihrer
Entwicklung verzögert, 13 Prozent der Hauptschüler
und 29 Prozent der Berufsschüler verlassen die Lehranstalten ohne Abschluss. Das Ideal der Chancengleichheit, wie noch in den 70er Jahren gefordert, ist in
weite Ferne gerückt. Ein übermäßiger Medienkonsum
von Kindern und Jugendlichen sowie Tabak- und Drogenkonsum sind auch Ausdruck dieser Entwicklung. Jedes fünfte Kind einer Schulklasse ist verhaltensauffällig,
jedes zehnte Kind soll psychiatrische Behandlung benötigen. Den Kindern und Jugendlichen und gestressten Familien steht ein in Fachdisziplinen gegliedertes Gesundheitssystem gegenüber, der Haus- und Kinderarzt
kann in den Ballungsgebieten seiner ehemaligen Funktion als Lotse in diesem System gar nicht mehr gerecht
werden. Die Paragrafen 24 und 41 im Sozialgesetzbuch V definieren stationäre Vorsorge und Rehaleis52
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
tungen für Mutter/Vater und Kind. Hier finden keine organbezogenen Rehabilitationen statt, sondern bei drohender Gesundheitsgefährdung oder eingetretenem
Teilhabeverlust wird neben der medizinischen Behandlung eine Neuorientierung der Familie angestrebt.
Eine stationäre Mutter/Vater-Kind Vorsorgeleistung
muss bei der Krankenkasse der Mutter oder des Vaters
beantragt werden. Diese stationären Leistungen dauern in der Regel drei Wochen. Kliniken, die diese Leistungen erbringen, stehen unter fachärztlicher (internistischer/allgemeinärztlicher) Leitung. Während in der
Kinderrehabilitation die Erkrankung des Kindes im Mittelpunkt steht, führen doch viele kindliche Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, wie z. B. Erziehungsschwierigkeiten, ADHS, Adipositas, Asthma und
Neurodermitis, zu einer erheblichen Belastung der gesamten Familie. So sind Eltern von chronisch erkrankten Kindern häufig erschöpft und klagen über eigene gesundheitliche Probleme. Die Gelegenheit, diese Probleme in einer geschützten Umgebung ohne Alltagsbelastungen in einem interdisziplinären Team zu bearbeiten, stellt die besondere Chance einer solchen Maßnahme dar. Besondere Bedeutung kommt daher gesundheitsbildenden Seminaren wie z. B. zum Thema
Asthma und Neurodermitis zu. Diese Seminare entsprechen den ambulant angebotenen Seminaren z. B.
der AG Asthma oder der AGNES. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass insbesondere in den am meisten belasteten Familien eine Teilnahme erst im Rahmen der Mutter-Kind-Kur möglich ist. Hier ist es möglich, Sorgen der
Eltern aufzugreifen, die von ihnen im Praxisalltag oft nicht
geäußert werden. Durch Stärkung der Eigenkompetenz kann eine Entlastung erreicht werden, die über die
Dauer der Vorsorgemaßnahme hinausgeht. Darüber
hinaus ist eine individuelle Betreuung der Familie in Einzelberatung in einem zeitlichen Ausmaß möglich, von
dem man als niedergelassener Kinder- und Jugendarzt
oft nur träumen kann.
Dr. Thomas Grubba, AOK-Nordseeklinik, Amrum
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Internet-Kompendium
SelbsthilfeWiki: Ein Nachschlagewerk für Patienten im Aufbau
Fast jeder hat schon einmal Wikipedia benutzt. Davon ist „SelbsthilfeWiki“ noch
weit entfernt. Ärzte sind dort als Autoren willkommen.
Die „Wiki“-Familie im Internet hat ein neues Mitglied bekommen: „SelbsthilfeWiki“. Das ist kein Tochterunternehmen von Wikipedia und auch kein Portal für die Angebote von Selbsthilfegruppen, sondern ein im Aufbau befindliches Nachschlagewerk für Patienten.
Am Ende jedes der bislang 800 Artikel steht ein wichtiger Satz: „Die Informationen auf dieser Seite stellen in
keiner Weise einen Ersatz für die persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt dar. Sie sollten niemals als einzige Quelle für Entscheidungen herangezogen werden.“ Mit diesem Satz zeigen die Macher von SelbsthilfeWiki Verantwortungsbewusstsein. Sie tun nicht so, als seien
sie die besseren Ärzte, und sie sind auch keine Ärzte.
SelbsthilfeWiki wird getragen von einer als Verein organisierten Gruppe von Journalisten und Marketingleuten, die beruflich mit Medizin und Gesundheitswesen zu tun haben. So wie Mirko Gründer, der sich als
Projektleiter eines Hamburger Unternehmens für Suchmaschinenoptimierung mit einem Vortrag auf dem
Deutschen Medizinrechtstag 2009 schnell einen Namen
gemacht hat. Bisher kommen die Einträge zum neuen
Mitmach-Lexikon vor allem aus dem Verein selbst. „Ich
erwarte aber, dass die Zahl der Seiten und der Autoren
schnell wächst. Man kann auch ohne Studium Experte sein. Ein langjährig an MS Erkrankter hat unter Umständen mehr Erfahrungswissen angesammelt als mancher Mediziner.“ Beim Aufbau des Grundstocks bekam der Verein Hilfe und Dateien von drei Partnern: dem
Gesundheitsportal Netdoktor, der Stiftung Gesundheit
und einem Verlag.
Was findet man bei SelbsthilfeWiki? Als „gut und lesenswert“ bezeichnet der Verein gegenwärtig diese
Kapitel: Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Brustkrebs,
Durchfall, Erfrierung, Gürtelrose, Hepatitis, Höhenkrankheit usw. bis Stromverletzungen und Unterkühlung.
„Sonnenbrand“ z. B. ist informativ, „Allgemeinmedizin“ nicht. Aber der Verein schreibt auch selbst: „Viele
Einträge … müssen noch ausgebaut werden. Dies be-
trifft z. B. Medikamente und Wirkstoffe sowie den weiten Bereich der Naturheilkunde, Informationen und Anleitungen zur Ersten Hilfe, aber auch Institutionen und
Personen des deutschen Gesundheitswesens sowie
die uns besonders am Herzen liegenden Patientenvertretungen und Selbsthilfegruppen.“ Noch ziemlich am
Anfang steht SelbsthilfeWiki beim Riesenkomplex Gesundheitspolitik: „Da brauchen wir Geburtshilfe.“
Natürlich gibt es bei vielen Artikeln auch ArztsucheLinks, zum Beispiel ins Portal www.arzt-auskunft.de.
Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn diese Links nicht
nach unbekannten Qualitätskriterien sortiert wären („die
besten aus 500 Einträgen“ usw.); das erinnert doch
sehr an höchst fragwürdige Listen, die man in der Laienpresse lesen konnte.
An dieser Stelle wird sichtbar, dass SelbsthilfeWiki Ärzte als Autoren gut gebrauchen könnte. Mirko Gründer
sieht das genauso: „Ärzte wären unsere Idealvorstellung.“ Als ehrenamtliche Mitarbeiter und als Korrektoren: „Die kritische Prüfung und Überarbeitung von Texten ist ebenso nötig wie das Verfassen neuer Artikel.“
So hat es in der internationalen Wikipedia-Gemeinde
auch angefangen, und anfangs war es für die Benutzer
oft besser, den Brockhaus aufzuschlagen, als Wikipedia aufzurufen. Diese Startschwierigkeiten waren allerdings schneller überwunden als Skeptiker gedacht hatten; heute bietet Wikipedia oft mehr als der Brockhaus
und ist natürlich immer aktueller. Das von einer Riesenschar meist unbekannt bleibender Fachleute zusammengetragene Wissen - hier wird gern der Vergleich mit Plankton herangezogen - ist heute zitierfähig
geworden. Wenn es SelbsthilfeWiki gelingt, Mediziner
als Mitarbeiter zu gewinnen, kann das eines Tages
ähnlich qualitätsvoll werden.
Internet: www.selbsthilfewiki.de
Jörg Feldner
Ausgabe 1 I Januar 2010 53
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Norddeutsches Reha-Symposium
Lösungsansätze für SchnittstellenProbleme
Die Teilnehmer des Lübecker Symposiums diskutierten über Brücken zwischen
den Sektoren.
Großen Zuspruch aus Norddeutschland und weit darüber
hinaus fand mit etwa 200 Teilnehmern das 5. Norddeutsche Reha-Symposium des VffR (Verein zur Förderung der Rehabilitationsforschung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein e. V.) zusammen mit dem Institut für Sozialmedizin des UK S-H
Lübeck (IfS, Prof. Heiner Raspe), der Deutschen Rentenversicherung Nord und der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege).
Unter dem Titel „Brücken bauen! Schnittstellen der
medizinischen Rehabilitation“ diskutierten die Rehaexperten nicht nur die bekannten Probleme der Schnittstellen zwischen Niedergelassenen, Rehazentren und
-kliniken und Betrieben/Betriebsärzten. Interessant waren die schon erprobten und in Ansätzen erkennbaren
und geplanten Lösungsstrategien. Dazu gehörten u. a.
die Integrierte Versorgung bei chronischen Rückenschmerzen (Prof. T. Kohlmann, Greifswald), die Einführung einer Reha-Prozessleitlinie in den Klinikalltag
(Röpersbergklinik Ratzeburg), das Case Management
der BGW und die Intensive Nachsorge als Herausforderung für die Rehakliniken (Dr. A. Hüppe, IfS Lübeck).
Beispielsweise sei das Berufliche Eingliederungsmanagement (BEM) zur stufenweisen Wiedereingliederung nach medizinischer Reha zwar noch wenig entwickelt und praktiziert, zeige aber schon Hoffnung machende Erfolge selbst ohne detaillierte Ausgestaltung,
sagte Dr. Wolfgang Bürger von fbg Forschung und Beratung im Gesundheitswesen, Karlsruhe. Auch Prof.
Michael Linden (Rehaklinik Seehof, Berlin) hielt BEM an
sich für gut bzw. für vom Gesetzgeber gut gemeint, jedoch für zu formalistisch ausgestaltet. BEM müsse
auch die allgemeine Lebenssituation berücksichtigen
und auch die Betriebsärzte mit einbeziehen. „Problematisch ist die Komplexität der Versorgungsstrukturen, die Vielfalt der am Rehaprozess Beteiligten und ihre
schwierige Kooperation.“ Ein sozialmedizinischer Konsiliardienst könne helfen bei der Problemklärung, der
Koordination und der Problemlösung, so Linden. Er
54
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
ließ erkennen, dass das Kapazitätsproblem (Wartelisten) etwa in der psychosomatischen Reha durch die moderne Arbeitsorganisation unnötig verschärft werde:
„Qualitätssicherung ist eine Krankheit - alle Arbeitnehmer werden dauernd kontrolliert und höheren Belastungen ausgesetzt. Schon eine geringfügige Abweichung wie ein ängstliches Verhalten kann den Arbeitsplatz kosten.“
Die abschließende Podiumsdiskussion thematisierte
die Schnittstellenproblematik im Kontext von Behandlungsqualität, Patientenzufriedenheit und Gesundheitsökonomie (Spareffekt). Prof. Hoberg (Mühlenbergklinik Bad Malente) monierte, die Kliniken würden
bei nur dreiwöchiger Rehadauer ein Jahr später am Erfolg gemessen. Dr. Markus (in Lübeck niedergelassener Rheumatologe) vermisste die Möglichkeit, Patientengruppen schulen zu können, da die Kassen nicht zahlen wollten. W. Egelkraut (DRV Nord, Lübeck) sah die
Vertrauensbasis zwischen Betrieben und Rehakliniken
skeptisch, hier sei noch viel zu tun. Zwischen KV und
Reha-Trägern sei eine weitere Schnittstelle, die sich
etwa in der Unterzahl der ambulanten Psychotherapie
zeige und zum Abschieben der Patienten in die Reha
führe.
Auch die Praxisinhaber könnten etwas tun, meinten
Angelika Forster (AOK SH) und Prof. Hoberg auf eine
Frage von Prof. Raspe, wenn sie ihre Praxismanagerinnen entsprechend ausbilden ließen, um die Reha-Szene mit den spezialisierten Kliniken besser kennenzulernen.
Unter den Praxisinhabern seien die Hausärzte besonders wichtig für die Zukunft der Rehabilitation, sagten
mehrere Diskutanten sinngemäß: „Die Hausärzte sind
die entscheidende Stelle: Sie kennen die gefährdeten
Patienten (mit langer Arbeitsunfähigkeit), sie kennen oft
die Arbeitgeber und auch Hilfsangebote wie die Suchthilfe. Die Hausärzte müssten mehr kooperativ angesprochen statt drangsaliert werden.“
(hk)
GESUNDHEITS- UND SOZIALPOLITIK
Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums
Die wirtschaftliche Bedeutung
des Gesundheitswesens wächst
Der Beitrag von Gesundheit und Pflege zum Wirtschaftswachstum in
Deutschland ist größer als bislang angenommen.
Das Gutachten geht davon aus, dass unter den richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der
Anteil der sogenannten Gesundheitswirtschaft (einschließlich der Pflege) am Bruttoinlandsprodukt von
heute etwa zehn Prozent auf fast 13 Prozent im Jahr
2020 wachsen wird und dass sich die Zahl der in diesem Sektor beschäftigten Menschen im gleichen Zeitraum von rund fünf auf sieben Millionen erhöht.
„Die wichtigsten Wachstumstreiber sind neben der demografischen Alterung das stetig zunehmende Gesundheitsbewusstsein und der Export“, sagte Ernst
Burgbacher, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Die Ergebnisse des Ministeriums bestätigen ein vom Bundesverband privater
Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) in Auftrag gegebenes Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft
(IW) zum volkswirtschaftlichen Nutzen der Pflege. Nach
Angaben des BMWi beliefen sich die Gesundheitsausgaben im Jahr 2007 auf 253 Milliarden Euro; annähernd 30 Milliarden Euro davon entfielen auf die
Pflege.
Es wäre aber falsch, nur in der Kategorie der finanziellen Belastung zu denken, ohne die vorhandenen Potenziale von Gesundheit und Pflege zu sehen, betonte Burgbacher: „Ärzte wie Pflegepersonal erbringen
Dienstleistungen in verschiedensten Gesundheitsbereichen. Die Beschäftigung im Pflegesektor ist nicht
nur entsprechend stabil, sondern steigt stetig an, bei den
privaten Trägern sogar um 51 Prozent zwischen 2001
und 2007. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation
ist der Pflegemarkt, ebenso wie die gesamte Gesundheitswirtschaft, ein wertvoller Stabilisierungsfaktor. Seine Bedeutung wird weiter wachsen.“
Dass das Bundeswirtschaftsministerium die Bereiche
Gesundheit und Pflege künftig noch intensiver begleiten will, macht auch die Gründung eines „Arbeitsstabs
Gesundheitswirtschaft“ im eigenen Hause deutlich.
Der bpa, der bundesweit über 6.200 private Pflegeeinrichtungen vertritt, begrüßte den neuen Schwerpunkt
ausdrücklich. Bpa-Präsident Bernd Meurer sagte: „Wir
sind hoch erfreut darüber, dass die Pflege insgesamt
nicht länger als reiner Kostenfaktor diskutiert wird, sondern als das, was sie ist - ein wirtschaftliches und soziales Innovationsthema. Bundesminister Rainer Brüderle
und sein Ministerium beglückwünschen wir zu diesem
politischen Ansatz und möchten ihn bitten, dass die erfolgreiche Arbeit im Bereich der Gesundheits- und Pflegewirtschaft fortgesetzt wird. Dazu bieten wir unsere volle Unterstützung an.“
Aktuell fördert das BMWi verschiedene Projekte in diesem Bereich. Als Beispiel für eine gelungene Kooperation zwischen medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen wurde das Projekt „Partnership for the heart“
genannt. Ziel dieses Modells ist es, ein System zu entwickeln, mit dem wichtige Vitaldaten per Funk an rund
um die Uhr besetzte Versorgungszentren übermittelt werden, sodass bei Bedarf jederzeit eingegriffen werden
kann.
Die Bedeutung der Pflege für die Gesamtwirtschaft im
Land unterstrich der bpa mit folgenden Daten:
à
0,8 Millionen Menschen sind in der Pflege beschäftigt.
à
0,54 Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause
versorgt.
à
0,7 Millionen Pflegebedürftige werden in Pflegeheimen betreut.
à
2,7 Milliarden Euro Lohnsteuer zahlen die in der
Pflege Beschäftigten an den Fiskus.
à
6,5 Milliarden Euro zahlen die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Pflegedienstleister in die
deutschen Sozialkassen.
à
43.763 Ausbildungsplätze stellt die Pflegelandschaft
in Deutschland.
18 Milliarden Euro betragen die jährlichen Heimentgelte. Hiervon leisten die Pflegebedürftigen ca. 6,5
Milliarden Euro an privaten Zuzahlungen.
(PM/Red.)
à
Ausgabe 1 I Januar 2010 55
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Neue Magnetfeldsensoren für Neurologie und Kardiologie
Zusammenarbeit von Medizinern
und Nanowissenschaftlern
Ein Sonderforschungsbereich an der Kieler Universität führt Wissenschaftler
aus drei Fakultäten zusammen.
Könnte man Gehirn- und Herzfunktionen in der medizinischen Diagnostik statt durch elektrische Messungen
über die hervorgerufenen Magnetfelder detektieren,
wäre dies ein großer Fortschritt für die Geschwindigkeit
und Qualität der Diagnosen. Zurzeit scheitert dieses Ziel
an der Verfügbarkeit geeigneter hochempfindlicher
Sensoren. Zudem funktionieren die heute verfügbaren
Sensoren nur bei Tiefsttemperaturen.
Neue Nanomaterialien versprechen hier einen Durchbruch. Dank eines neu bewilligten Sonderforschungsbereiches an der Universität Kiel können diese Fragen
in den nächsten Jahren wissenschaftlich untersucht
werden. Wissenschaftler aus drei Fakultäten der Christian-Albrechts-Universität (CAU) und des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie in Itzehoe haben sich
die Entwicklung einer neuartigen, ungekühlten und unabgeschirmten biomagnetischen Schnittstelle zum Ziel
gesetzt. In der langfristigen Perspektive könnte ein derartiges Sensorsystem aber nicht nur die medizinische
Diagnostik und Behandlung verbessern, sondern auch
Prothesensteuerung durch Gedanken, optimiertes Lernen oder die Verwirklichung neuartiger Körperüberwachungsfunktionen ermöglichen.
Der Sonderforschungsbereich „Magnetoelektrische
Verbundwerkstoffe - Biomagnetische Schnittstellen der
Zukunft“ ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zunächst vier Jahre bewilligt und wird
in dieser ersten Förderperiode mit rund 11,5 Millionen
Euro finanziert. Sprecher ist Prof. Eckhard Quandt. „In
diesem Sonderforschungsbereich versprechen wir uns
durch die stark interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Materialwissenschaft, Elektrotechnik und
Medizin die Entwicklung ganz neuartiger Magnetfeldsensoren, die speziell ausgelegt sind für wissenschaftliche und diagnostische Fragestellungen in Neurologie und Kardiologie“, so Quandt.
Konkret geht es um die Aufzeichnung von Gehirn- und
Herzströmen über deren Magnetfelder. Das ist zwar
schon heute möglich, jedoch sind die Messungen bis56
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
her mit erheblichem Aufwand verbunden, sodass diese Techniken nahezu keinen Eingang in die medizinische Praxis gefunden haben. Um die Ergebnisse nicht
zu verfälschen, müssen nämlich äußere Magnetfelder
stark abgeschirmt und herkömmliche biomagnetische
Schnittstellen extrem aufwändig auf ca. -270°C gekühlt
werden. Die neue Schnittstelle, deren Entwicklung sich
die Forscher im Sonderforschungsbereich zum Ziel
gesetzt haben, soll dagegen ohne Kühlung und langfristig sogar ohne Abschirmung auskommen. Auch die
Richtung von Magnetfeldern, zudem aus größerer Tiefe als bisher, könnten die neuen Sensoren ermitteln. Dadurch ergeben sich neue Anwendungen in Magnetoenzephalografie und Magnetokardiografie. So könnten sich beispielsweise Hirnschrittmacher zukünftig
sehr viel zielgerichteter einsetzen lassen, ein wichtiges Ziel der gerade genehmigten ersten Förderperiode.
Voraussetzung hierfür sind neue Signalverarbeitungsstrategien und hochempfindliche Sensoren für extrem
kleine Magnetfelder. An deren Entwicklung sind an der
CAU die Technische, die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und die Medizinische Fakultät beteiligt.
„Mit dieser interdisziplinären Einrichtung wird auch unser Förderschwerpunkt Nanowissenschaften und Oberflächenforschung gestärkt“, freut sich CAU-Vizepräsident
Prof. Siegfried Wolffram über den neuen Bereich. „Die
potenziellen Anwendungsbereiche machen deutlich,
wie lohnend die Investition in diese Forschung ist. Außerdem ist die Bewilligung ein weiterer Beleg für die hervorragenden Voraussetzungen, die wir in Kiel für die Erforschung nanotechnologischer und oberflächenwissenschaftlicher Fragestellungen geschaffen haben“,
sagte Wolffram.
Der Wissenschaftsstandort Kiel wird damit gestärkt, an
der CAU werden etwa 30 neue Stellen für Wissenschaftler geschaffen. Auch die Forschungskooperation
in der Region profitiert von der Zusammenarbeit von Universität und Fraunhofer-Institut.
(PM CAU)
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Physiker Christian Sohrt
überprüft durch ein
Sichtfenster eine Probe
in der Kammer des Ultrahochvakuum-Spektrometers. Das Gerät
wird auch für den neuen
Sonderforschungsbereich zum Einsatz kommen.
Wissenschaftler der Technischen Fakultät im Nanolabor. Ein wichtiger Teil der Entwicklungsarbeit für
die neuartige biomagnetische Schnittstelle wird hier
stattfinden. Die gelben Lampen verhindern ungewollte Belichtungseffekte bei der Arbeit mit bestimmten Materialien.
Mediziner bei der Auswertung eines Kardiogramms.
Die optimierte Messung von Hirn- und Herzmagnetfeldern ist Ziel des neuen Sonderforschungsbereiches.
(Copyright: CAU, Fotos: Jürgen Haacks)
Ausgabe 1 I Januar 2010 57
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
100 Forensiker trafen sich in Lübeck zum Informationsaustausch
„Identifizierung von Leichen ist
mitunter echte Detektivarbeit“
Forensische Anthropologen sind oft die letzte Hoffnung für die Ermittlungsarbeit
bei Polizei und Staatsanwaltschaft.
„Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach
dem Tod zu verwesen. Der Körper, einst die Hülle des
Lebens, macht nun die letzte Metamorphose durch. Er
beginnt sich selbst zu verdauen. Die Zellen lösen sich
von innen nach außen auf. Das Gewebe wird erst flüssig, dann gasförmig.“ Wohl nie zuvor in der belletristischen Literatur wurden die letzten Stoffwechselvorgänge des menschlichen Organismus ähnlich detailliert
beschrieben wie in Simon Becketts 2006 erschienenem
Thriller „Die Chemie des Todes“*. Im Zentrum des
überaus spannenden Romans steht David Hunter, der
beste forensische Anthropologe Englands. Ob die rund
100 Gerichtsmediziner, die Anfang Dezember im Lübecker Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte
zu den „IX. Forensischen Gesprächen Kiel-Lübeck“
zusammengekommen sind, das Buch gelesen haben,
sei dahingestellt. Zweifelsohne ist ihr Job jedoch ähnlich spannend wie der der Romanfigur. „Die Identifizierung von Leichen“, sagte jedenfalls Prof. Hans-Jürgen Kaatsch, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, „ist mitunter
echte Detektivarbeit.“
Die forensische Anthropologie ist eine der drei gerichtlichen Wissenschaften vom Menschen, neben der
Rechtsmedizin und der forensischen Odontologie. Bei
der Anthropologie geht es um die vergleichende Biologie des Menschen; unter dem Begriff Forensik werden Arbeitsbereiche zusammengefasst, in denen kriminelle Handlungen identifiziert, analysiert oder rekonstruiert werden. Der Begriff stammt vom lateinischen forum („Marktplatz“) ab, da Gerichtsverfahren und
Urteilsverkündungen im antiken Rom öffentlich - auf dem
Marktplatz - durchgeführt wurden; forensisch ist also
gleichzusetzen mit gerichtlich.
„Wir handeln in einem Spannungsbogen, in dem der
Ausgangspunkt das Unbekannte ist“, erläuterte Prof.
Matthias Graw, Rechtsmediziner aus München. Forensische Anthropologen haben vor allem mit der Identifizierung von Bankräubern, Tempo- oder Rotlichtsündern
58
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
zu tun; aber auch mit der Altersdiagnose bei jungen
Straftätern sowie mit Abstammungsgutachten und Zwillingsdiagnosen. Häufig gilt es, stark verweste oder skelettierte Leichen zu identifizieren; nicht selten sind forensische Anthropologen die letzte Hoffnung von Polizei und Staatsanwaltschaft zur Aufklärung eines Verbrechens. In Schleswig-Holstein, so Rechtsmediziner
Kaatsch, gibt es etwa 50 solcher Fälle pro Jahr; dabei
handelt es sich - wenig überraschend im Land zwischen den Meeren - vor allem um die Identifikation
von Wasserleichen.
Die grundsätzliche Vorgehensweise der Anthropologen bei der Identifizierung eines unbekannten Toten ist
in jedem Fall identisch: Anhand von Kennzeichen und
Merkmalen an der Leiche, die mit denen vermisster
Menschen abgeglichen werden, grenzt sich der Personenkreis der möglichen Opfer stufenweise ein. Bei der
Klassifizierung geht es zunächst darum, um welche
Spezies es sich handelt. „Häufig kommt die Polizei mit
einer Tüte voller Knochen ins Labor, die aus dem Wald
stammen und bei denen unklar ist, ob es sich um
Mensch oder Tier handelt“, schilderte Prof. Graw seine
Erfahrungen. Ist es ein menschliches Wesen, versuchen
die Experten, Geschlecht (zwei Drittel der zu identifizierenden Leichen sind männlich), Größe, Alter und
Populationszugehörigkeit zu bestimmen. Die wahrscheinliche Körpergröße zum Beispiel lässt sich anhand von Länge und Umfang einzelner Knochen ermitteln. Schwieriger ist die Altersfeststellung, da biologisches und chronologisches Alter stark voneinander
abweichen können. Graw zeigte Röntgenaufnahmen von
fünf Oberarmknochen, die unterschiedlich stark degeneriert waren, aber alle von 28 bzw. 29 Jahre jungen
Männern stammten. In solchen Fällen müssen dann weitergehende, oft molekularbiologische Untersuchungsmethoden angewandt werden.
Erschwert wird die Identifikation häufig durch die Zeit,
die zwischen Tod und Auffinden der Leiche verstrichen
ist. „Wie lange liegt die Leiche hier schon?“ lautet nicht
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
nur im Krimi, sondern auch in der rechtsmedizinischen
Realität eine der häufigsten Fragen der Polizei. Bei Simon Beckett heißt es dazu: „Kaum ist das Leben aus
dem Körper gewichen, wird er zu einem gigantischen
Festschmaus für andere Organismen. Zuerst für Bakterien, dann für Insekten. Fliegen. Aus den gelegten Eiern schlüpfen Larven, die sich an der nahrhaften Substanz laben und dann abwandern. Sie verlassen die
Leiche in Reih und Glied und folgen einander in einer ordentlichen Linie, die sich immer nach Süden bewegt.“
Schmeißfliegen, erläuterte Dr. Jens Amendt aus Frankfurt hierzu, seien die ersten, die eine Leiche schon nach
wenigen Minuten besiedeln und als Nahrungsquelle
und Brutstätte benutzen. „Je höher die Umgebungstemperatur, desto schneller sind sie da.“ Auch wenn man
etwas anderes vermuten würde: 80 Prozent der mit Fliegen und Maden befallenen Leichen findet die Polizei in
geschlossenen Wohnungen, nicht im Freien.
Der Zustand (verpuppt oder nicht) beziehungsweise die
Entwicklungsstadien (Eier, Larven) der auf und bei der Leiche gefundenen Tiere geben den Rechtsmedizinern
wichtige Hinweise über die so genannte Leichenliegezeit.
„In den ersten zwei bis vier Wochen ist eine Eingrenzung der Liegezeit auf den Tag genau möglich“, so
Amendt. Je mehr der Körper zerfällt, desto schwerer wird
jedoch die exakte Bestimmung des Zeitpunktes.
Forensische Entomologie wird dieser Zweig der Forensik genannt. Die Entomologie ist die Insektenkunde
(griech. éntomos = eingeschnitten, gekerbt, logos =
Kunde, Lehre), die forensischen Entomologen bestimmen anhand der Leichenbesiedelung mit Insekten nicht
nur die Liegezeit, sondern können mitunter auch Rückschlüsse auf Todesursache und -umstände ziehen. Für
die genaue Bestimmung der Todeszeit müssen die individuellen Umstände berücksichtigt werden. Insbesondere die Entwicklung der Maden hängt stark von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Bei zu hohen oder zu niedrigen Temperaturen, großer Helligkeit, starkem Wind
oder zu großer Trockenheit siedeln sich nur wenige
oder auch gar keine Insekten auf einem Leichnam an.
Welche Auswirkungen die äußeren Umstände auf den
Zustand einer Leiche haben können, schilderte Prof.
Marcel Verhoff aus Gießen anhand von zwei Beispielen:
Ende August 2003 wurde eine stark mumifizierte, strangulierte Leiche im Wald gefunden. Da es in dem „Jahrhundertsommer“ ab April kaum geregnet und praktisch
kein Madenfraß stattgefunden hatte, konnte das Opfer
schnell als ein bereits seit Mai vermisster Mann identifiziert werden. Im Sommer darauf wurde eine vollständig skelettierte Leiche in der Nähe eines Bahndammes
entdeckt; der Torso lag augenscheinlich seit Jahren hier
und war von streunenden Tieren vollständig abgenagt worden. Ein auf dem Röntgenbild entdeckter Nagel im
Schienbeinkopf brachte jedoch die überraschende Gewissheit, dass es sich bei der
Leiche um eine erst seit sechs
Wochen vermisste Person Prof. Hans-Jürgen
handelte. Prof. Verhoff: „Die Kaatsch
(Foto: Groenewold)
Witterung und weitere äußere
Umstände spielen bei Liege- und Todeszeitbestimmung
eine entscheidende Rolle.“ Bodenkundliche Untersuchungen, etwa die Ermittlung des ph-Wertes der Erde,
seien mitunter hilfreich; hierfür müssten auch Geologen
hinzugezogen werden, so Verhoff.
Hilfreich sind meist auch Radiologen und Zahnärzte,
denn anhand von Röntgenaufnahmen sowie Abbildungen des Zahnschemas lassen sich viele unbekannte Leichen identifizieren. „In Deutschland wurden allein 2005
insgesamt 132 Millionen Röntgenaufnahmen inklusive
CT und MRT erstellt, davon 40 bis 50 Millionen Aufnahmen des Kiefers. Im Schnitt sind 1,6 Bilder pro Einwohner und Jahr gemacht worden. Irgendwann wird jeder geröntgt, wenn er über einen längeren Zeitraum
hier lebt“, sagte Prof. Thomas Riepert aus Mainz. Hat er
eine unbekannte Leiche, röntgt er nicht nur Thorax und
Schädel, sondern schaut sich auch die Körperoberfläche intensiv an, um anhand von Narben auf zurückliegende Knochenbrüche zu stoßen. Ein Vergleich alter und
neuer Bilder könne dann häufig schnellen Aufschluss geben.
Insgesamt kann von den meisten zunächst unbekannten Toten zweifelsfrei die Identität festgestellt werden, bilanzierte Tagungsleiter Prof. Hans-Jürgen Kaatsch im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt.
Neben den genannten Verfahren stünden immer mehr
genetische und biochemische Untersuchungsmethoden zur Verfügung; auch sei eine Identifikation anhand
von Gesichtsmodellierungen oder Fotos möglich. Prof.
Kaatsch: „Unsere Expertise ist nicht nur bei Kriminalfällen,
sondern auch bei Katastrophen wie einem Flugzeugabsturz oder dem Tsunami in Südostasien gefragt. In solchen Fällen benötigen die Angehörigen unbedingt Gewissheit.“
*Die Chemie des Todes, Simon Beckett, rororo, ISBN
978-3-499-24197-0, 9,90 Euro
Uwe Groenewold
Ausgabe 1 I Januar 2010 59
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Darm, Gelenke, Haut
Premiere auf Sylt: Praxisnahe
Immunologie-Visite
Dem Auftakt sollen weitere interdisziplinäre Veranstaltungen folgen. Vorträge
mit starkem Bezug zur täglichen Arbeit.
Gastroenterologen, Rheumatologen und Dermatologen aus Schleswig-Holstein und Hamburg trafen sich
zur 1. Sylter Immunologie-Visite, einem interdisziplinären
Austausch der Fachbereiche. Der erste Tag war dem
Thema „Leitliniengerechte akutstationäre Versorgung
chronisch-entzündlicher Erkrankungen von der Aufnahme bis zur Entlassung am Beispiel der Psoriasis“ gewidmet. Dr. Norbert Buhles (Sylt, der die Leitung vor Ort
übernommen hatte) legte dar, dass die klinische Rehabilitation, da eine „Heilung“ nicht realisierbar ist, das
Ziel hat, das Handicap zu reduzieren, die Teilhabe in Beruf und Privatleben zu sichern und durch Schulungsmaßnahmen eine Steigerung der Lebensqualität zu erreichen. Obwohl dieser „Paradigmenwechsel“ vom biomedizinischen Modell der klinischen Versorgung hin zum
biopsychosozialen Krankheitsmodell der Rehabilitation
schon Mitte der 90er Jahre die rehabilitative Patientenbetreuung grundlegend verändert hat, ist dieses
Denken in der „Schulmedizin“ noch nicht vollständig
etabliert.
Am zweiten Tag wurden interdisziplinär die Themen
rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Psoriasis diskutiert. Prof. Dr. Thomas
Luger (Direktor der Universitätshautklinik Münster und
Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft) referierte zur Systembehandlung chronischentzündlicher Dermatosen. Danach erörterten Dr. Helge
Körber aus Elmshorn (Arzt für Innere Medizin und Rheumatologie) und Dr. Tanja Kühbacher (Oberärztin der Gas-
â
troenterologie am Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin, UK S-H) mit den Teilnehmern Daten aus der
Rheumatologie und aus der Gastroenterologie.
Das große gemeinsame Thema der Veranstaltung war
der Einsatz von Biologika, wobei die fachspezifische Indikation differenziert dargestellt wurde und Fragen zur
Behandlung in der Schwangerschaft und zu Impfungen
unter dieser Therapie geklärt werden konnten. Die Problematik einer erhöhten Infektanfälligkeit unter der Biologika-Medikation erläuterte Privatdozent Dr. Manfred Ziegenhagen (Arzt für Innere Medizin/Pneumonologie aus
Husum), der den Blick der Teilnehmer auf das TBCScreening und auf Vorerkrankungen wie Hepatitis C- und
Epstein Barr-Virusinfektionen lenkte. Im weiteren Verlauf
wurden die Leitlinien der verschiedenen Fachgesellschaften miteinander verglichen, Kasuistiken vorgestellt und Kombinationsmöglichkeiten einer systemischen Therapie diskutiert. Abschließend folgte der
wichtige aktuelle Hinweis, dass eine Immunisierung
mit Totimpfstoffen (z. B. saisonale und H1N1-Influenza,
Pneumokokken) unter der Therapie mit TNFa-Antagonisten möglich ist. Diese Impfempfehlung gilt auch für
die Therapie mit den konventionellen Medikamenten wie
Fumarsäureestern und Methotrexat. Die Teilnehmer
zeigten sich über die offene Diskussion von Themen mit
praktischer Relevanz für die Patientenversorgung und
den interdisziplinären Ansatz erfreut und regten eine Fortführung der Veranstaltung an.
Dr. Werner Kurrat, Sylt
www.arztfindex.de - Die Arzt-Suchmaschine für Schleswig-Holstein
Im Arztfindex der Ärztekammer Schleswig-Holstein sind die patientenzugänglichen Ärzte Schleswig-Holsteins mit
einem Grund- bzw. ausführlichen Eintrag verzeichnet. Hier haben Ratsuchende die Möglichkeit nach einem bestimmten Arzt, z. B. nach Ort, Fachrichtung und besonderen Behandlungsverfahren zu suchen. Alle Personen,
die nicht über einen Internetanschluss verfügen, können die Mitarbeiterinnen des Arztfindex
unter Tel. 04551/803-306 erreichen.
60
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Erwerbsminderung
Praxis, Schwierigkeiten und
Folgen der Begutachtung
Einschränkungen des zeitlichen Leistungsvermögens bei Erwerbsminderungsrenten aus der Sicht eines Internisten.
Die vorliegende Ausführungen basieren auf einem Vortrag, den der Autor, der seit über 30 Jahren als internistischer Gutachter am Sozialgericht Kiel tätig ist, am
18.9.2009 in der Akademie Sankelmark vor Berufsrichtern der Sozialgerichtsbarkeit Schleswig-Holstein gehalten hat.
Bis Ende 2000 konnten erwerbsgeminderte Angehörige der gesetzlichen Rentenversicherung unter bestimmten Bedingungen eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit bzw. Berufsunfähigkeit erhalten. Eine Berufsunfähigkeitsrente stand ihnen zu, wenn sie ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben konnten und eine Verweisung auf eine andere zumutbare Tätigkeit nicht
mehr in Betracht kam. Mit dem Gesetz zur Reform der
Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, das am
1.1.2001 in Kraft getreten ist, wurden die gesetzlichen
Vorschriften, die den Anspruch regeln, neu gefasst.
Die Begriffe der Berufsunfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit sind vollständig entfallen. Weggefallen ist auch
der bisherige Berufsschutz. An dessen Stelle sind eine
Rente wegen teilweiser bzw. vollständiger Erwerbsminderung und eine Rente wegen teilweiser Erwerbsfähigkeit bei Berufsunfähigkeit getreten1.
Eine teilweise Erwerbsminderung liegt vor, wenn der Antragsteller auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur noch
drei bis unter sechs Stunden leichte Arbeiten täglich verrichten kann. Da aufgrund eines Urteils des Bundessozialgerichts der Teilzeit-Arbeitsmarkt als verschlossen
angesehen wird, erhalten so beurteilte Antragsteller
die volle Erwerbsminderungsrente. Eine vollständige Erwerbsminderung ist dann gegeben, wenn die Erwerbsfähigkeit derart eingeschränkt ist, dass auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt leichte Arbeiten nur noch
weniger als drei Stunden täglich geleistet werden können.
Nach diesen gesetzlichen Bestimmungen gibt es volle Erwerbsminderungsrenten bei verschlossenem bzw.
ohne verschlossenem Teilzeit-Arbeitsmarkt. Abbildung
1 und 2 geben eine Übersicht über die häufigsten
â
Abbildungen 1 und 2
Abb. 1: Häufige Einzeldiagnosen bei Erwerbsminderungsrenten wegen verschlossenem Teilzeit-Arbeitsmarkt2
à Rückenschmerzen
à
Lumbale und sonstige Bandscheibenschäden
à
Gonarthrose
à
Koronare Herzkrankheit (KHK)
à
Depression
à
Somatoforme Störungen
Abb. 2: Häufige Einzeldiagnosen bei Erwerbsminderungsrenten ohne verschlossenem Teilzeit-Arbeitsmarkt2
à
Zerebrovaskuläre Krankheiten (u. a. Hirninfarkt)
à
Depression
à
Schizophrenie
à
Alkoholbedingte Erkrankungen
à
Neubildungen Atmungsorgane
à
Koronare Herzkrankheit (KHK)
à
Rückenschmerzen
â
Abbildung 3
Abb. 3: Klassifikation der körperlichen Beanspruchung an Arbeitsplätzen (nach REFA)
à
Leichte Arbeit: Handhaben leichter Werkstücke
und Handwerkszeuge, auch langandauerndes
Stehen und Umhergehen
à
Mittelschwere Arbeit: Handhaben 1-3 kg schwerer
Steuereinrichtungen, Heben und Tragen mittelschwerer Lasten von 10-15 kg, unbelastetes Begehen von Treppen und Leitern
à
Schwere Arbeit: Heben und Tragen 20-40 kg
schwerer Lasten in der Ebene und Steigen mit mittelschweren Lasten
à
Schwerste Arbeit: Heben und Tragen von Lasten
über 50 kg in der Ebene und Steigen mit schweren
Lasten
Ausgabe 1 I Januar 2010 61
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Diagnosen bei Erwerbsminderungsrenten unter diesen
Voraussetzungen2. Die koronare Herzkrankheit (KHK)
spielt als eine der wichtigsten chronischen Krankheiten
bei beiden Formen eine führende Rolle.
Unabhängig von diesen quantitativen Grenzen können
aber auch bestimmte qualitative Einschränkungen zur
vollen Erwerbsminderungsrente führen, selbst dann,
wenn bei Beachtung dieser Einschränkungen noch ein
Leistungsvermögen von über sechs Stunden vorliegt. Zu
diesen Einschränkungen gehören z. B. die sogenannte aufgehobene Wegefähigkeit, d. h. die Fähigkeit, einen
Arbeitsplatz überhaupt erreichen zu können, und die
Summe vieler ungewöhnlicher Einschränkungen wie
etwa die Notwendigkeit betriebsunüblicher Pausen.
Auch wenn die Erwerbstätigkeit nicht mehr regelmäßig
ausgeübt werden kann, liegt ebenfalls eine volle Erwerbsminderung vor.
Ein Sonderfall ist die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Diese Sonderregelung gilt für die vor dem 2.01.1961 geborenen Versicherten. Diese genießen auf der Grundlage ihrer beruflichen Qualifikation Berufsschutz. Zu beachten ist allerdings, dass auch für diesen Personenkreis die alte Berufsunfähigkeitsrente (2/3 der Vollrente) entfallen ist.
Wer gemäß dieser Sonderregelung als berufsunfähig beurteilt wird, erhält nur die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit in Höhe einer halben Vollrente.
Im Gegensatz zu den bis Ende 2000 gültigen gesetzlichen Bestimmungen stellen die neuen Bestimmungen
höhere Anforderungen an die erforderliche Minderung
des beruflichen Leistungsvermögens bei Erwerbsminderungsrenten. Bis dahin erhielt ein Versicherter die
Berufsunfähigkeitsrente, sofern ein Berufsschutz vorlag. Eine Berufsunfähigkeit lag bereits vor, wenn der
Versicherte nicht mehr imstande war, die erlernte Berufstätigkeit oder eine zumutbare Verweisungstätigkeit
auszuführen. Heute kann ein Antragsteller auf jede Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes verwiesen werden, ein sozialer Abstieg ist im Unterschied zu der früheren Regelung irrelevant. Wenn z. B. ein leitender Angestellter (ab dem Geburtsjahr 1961) noch als Verpacker
für mindestens sechs Stunden täglich leichte Arbeiten
verrichten kann, ist er in keiner Weise erwerbsgemindert.
Weiterhin muss im Normalfall vom Rentenversicherungsträger keine konkrete Verweisungstätigkeit benannt werden. Es reicht aus, wenn dargestellt wird, unter welchen Voraussetzungen eine Beschäftigung,
z. B. leichte Arbeiten in sitzender Position, möglich
wäre. Eine konkrete Verweisungstätigkeit muss nur be62
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
nannt werden, wenn außergewöhnliche Einschränkungen vorliegen.
Darüber hinaus wird im Normalfall nur eine Zeitrente gewährt, die bis zu drei Jahre befristet sein kann. Eine Rente auf Dauer kommt nur in Betracht, wenn eine Besserung des Leistungsvermögens unwahrscheinlich ist.
Renten wegen verschlossenem Teilzeit-Arbeitsmarkt
sind immer Zeitrenten. Außerdem werden bei Erwerbsminderungsrenten vor dem 63. Lebensjahr Abschläge
bis 10,8 Prozent abgezogen, obwohl dadurch keine
steuernde Wirkung zu erzielen ist. 2008 wurden ca. 1,6
Millionen Erwerbsminderungsrenten ausgezahlt, die
durchschnittliche Höhe lag in den alten Bundesländern
bei 706 Euro und in den neuen Bundesländern bei 669
Euro3.
Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Beurteilung
des beruflichen Leistungsvermögens Erwerbsgeminderter abhängig ist von den mit der Tätigkeit verbundenen beruflichen Belastungen und von den medizinischen Befunden zur Beurteilung ihrer physischen und
psychischen Belastbarkeit.
Berufliche Belastungen
Abbildung 3 gibt in verkürzter Form eine Übersicht über
körperliche Beanspruchungen an Arbeitsplätzen. Sie
zeigt die Belastungen auf, die insbesondere mit leichten und mittelschweren Arbeiten verbunden sind. Dagegen spielen schwere und schwerste Arbeiten in der
heutigen Gutachtenpraxis kaum noch eine Rolle. Abbildung 4 zeigt, welche tätigkeitsbezogenen Gefährdungs- und Belastungsfaktoren, zu denen neben den körperlichen Belastungen auch geistige bzw. psychische Belastungen gehören, bei der Begutachtung des Leistungsvermögens zu berücksichtigen sind.
Bedeutung der ICF
Aus den bisherigen Ausführungen ergibt sich, dass bei
der Beurteilung des beruflichen Leistungsvermögens zunächst ein quantitativer Aspekt im Vordergrund steht.
Sind dem Antragsteller auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
arbeitstäglich noch leichte Arbeiten für sechs Stunden
und mehr, für drei bis unter sechs Stunden oder nur noch
für unter drei Stunden zuzumuten? Nur für Versicherte,
die heute 48 Jahre und älter sind, ist darüber hinaus von
Interesse, ob sie einen Beruf erlernt und diesen zuletzt
ausgeübt haben. Die Beantwortung der genannten Fragen ist abhängig von den erhobenen medizinischen
Befunden.
Für die Bewertung der medizinischen Befunde ist das
bio-psycho-soziale Krankheitsmodell der ICF (Interna-
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
tionale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung
und Gesundheit der WHO aus dem Jahre 2001) maßgeblich (Abbildung 5). Dabei führt ein Gesundheitsproblem, z. B. eine chronische Krankheit, zu einer Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit, die sich in
Störungen der Körperfunktionen und -strukturen, der Aktivitäten und der Partizipation (Teilhabe) ausdrücken
kann. Berücksichtigt werden dabei fördernde und behindernde Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren, die unter dem Begriff der Kontextfaktoren zusammengefasst werden.
Gesundheitsproblem
(chronische Krankheit, angeborene oder erworbene Schädigung)
Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit
(= Behinderung)
Körperfunktionen
und -strukturen
Aktivitäten
Partizipation
dizinischen Befunde für die Beurteilung des beruflichen
Leistungsvermögens weiterhin ausschlaggebend5,6. Das
wichtigste Verfahren ist die Anamnese auf der Basis
der medizinischen Vorbefunde, die den jeweiligen Gerichts- und Sozialversicherungsakten zu entnehmen
â
Abbildung 4
Abb. 4: Übersicht tätigkeitsbezogener Belastungsfaktoren
körperliche Belastungen/Arbeitsschwere
à
Heben, Tragen, Bewegen von Lasten
à
Arbeitshaltung
Mobilität
geistig-psychische Belastungen
à
à
Reaktionsfähigkeit
à
Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer
à
Stimmung und Affektivität
à
Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit, Flexibilität
à
Kompensationsfähigkeit
besondere Gefährdungs- oder Belastungsfaktoren
Umweltfaktoren
personenbezogene Faktoren
(Abb. 5)
Zur Bedeutung der ICF für die Praxis der sozialmedizinischen Begutachtung sei noch einmal gesagt, dass für
die Beurteilung des Leistungsvermögens nicht die Krankheitsdiagnose allein wichtig ist, sondern die maßgeblichen Krankheitsfolgen unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren. Deshalb spricht man vom Krankheitsfolgenmodell der ICF. Es besteht jedoch Unklarheit darüber, inwieweit die ICF über diese grundsätzliche Bedeutung hinaus bei der Beurteilung des Leistungsvermögens sinnvoll und nützlich eingesetzt werden kann4.
Deshalb sei kurz auf einige kritische Fragen, die in diesem Zusammenhang heute diskutiert werden, eingegangen. So erlaubt die Anwendung der ICF eine Querschnittsbetrachtung („Momentaufnahme“). Zur Beurteilung des Leistungsvermögens ist aber häufig eine
Längsschnittbetrachtung notwendig, aus der sich die
Prognose ableiten lässt. Weiterhin ist nicht festgelegt, welche der vielen Kontextfaktoren bei der Beurteilung des
Leistungsvermögens zu berücksichtigen sind und welche nicht. Außerdem ist die ICF eine krankheitsunabhängige Klassifikation. Bei der Bewertung der Krankheitsfolgen muss jedoch in den meisten Fällen die
Krankheitsdiagnose berücksichtigt werden.
Medizinische Befunde
Deshalb sind die mit den in Abbildung 6 angeführten internistischen Untersuchungsmethoden erhobenen me-
à
Publikumsverkehr
à
besondere Verantwortung für Personen und/oder
Maschinen
à
Überwachung und/oder Steuerung komplexer Arbeitsvorgänge
à
Akkord, besonderer Zeitdruck, Überstunden
à
Nachtschicht, Schichtdienst, wechselnde Arbeitszeiten
à
Reisetätigkeit, Arbeiten in Flugzeugen
à
erhöhte Unfall- oder Verletzungsgefahr
à
Kälte, Hitze, starke Temperaturschwankungen,
Nässe
à
Lärm, Vibration
à
spezifische gefährdende Stoffe
â
Abbildung 6
Abb. 6: Die für die Beurteilung des beruflichen Leistungsvermögens wichtigsten internistischen Untersuchungsmethoden4,5
à
Anamnese
à
Körperliche Untersuchung
à
Laborwerte
à
Ruhe- EKG
à
Belastungs-EKG (Ergometrie)
à
Echokardiographie
à
Langzeit-EKG
à
Lungenfunktionsuntersuchung
à
Röntgenbefund der Lungen
Ausgabe 1 I Januar 2010 63
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
â
Abbildungen 7-10
Abb. 7: Schweregradeinteilung der Angina pectoris
(A. p.) nach der Canadian Cardiovascular Society
(CCS)7
Klasse I: A. p. nur bei starker und andauernder Belastung bei der Arbeit und in der Freizeit
Klasse II: A. p. bei schnellem Gehen und Treppensteigen, nach den Mahlzeiten, in der Kälte, bei Gegenwind, nach emotionaler Belastung und einige Stunden nach dem Aufwachen
Klasse III: A. p. schon bei kurzen Gehstrecken in der
Ebene und Treppensteigen von nur 1 Etage
Klasse IV: A. p. bei jeder körperlichen Aktivität oder
schon in Ruhe
Abb. 8: Abbruchkriterien beim Belastungs-EKG
(Fahrradergometrie im Sitzen)8
Auftreten von Beschwerden:
z. B. Angina-pectoris-Anfall, ausgeprägte Atemnot, muskuläre Erschöpfung, Nachweis elektrokardiographischer
Veränderungen, Auftreten von Herzrhythmusstörungen
Abnorme Blutdruckreaktionen:
z. B. Anstieg des Blutdrucks auf 230-250 mm Hg systolisch bzw. 120-150 mm Hg diastolisch, ausbleibender Blutdruckanstieg unter Belastung
Erreichen der Ausbelastungsherzfrequenz:
z. B. 200 (ab dem 60. Lebensjahr: 180) pro Minute minus Lebensalter, ausbleibender Herzfrequenzanstieg unter Belastung
Abb. 9: Erforderliche Dauerbelastbarkeit in Watt
bei verschiedenen beruflichen Tätigkeiten5,6
50-75 Watt: Leichte Arbeiten (z. B. Bürotätigkeit, Lehrer)
75-100 Watt: mittelschwere Arbeiten (z. B. Feinpolierer, Fernsehtechniker)
100-125 Watt: schwere Arbeiten (z. B. Sägewerker, Bäcker)
> 125 Watt: schwerste Arbeiten (z. B. Möbelpacker,
Schmelzer)
Abb. 10: Schweregrade der linksventrikulären
Funktionsstörung auf Grund von echokardiographischen Befunden8
Größe des linken Herzens:
< 56 mm: normal
56-60 mm: leicht erweitert
61-69 mm: mittelgradig erweitert
> 70 mm: hochgradig erweitert
Auswurffraktion:
> 60 Prozent: normal
50-60 Prozent: leichte Funktionsstörung
40-50 Prozent: mittelschwere Funktionsstörung
< 40 Prozent: schwere Funktionsstörung
64
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
sind. Zu den wichtigsten objektiven Verfahren, insbesondere bei Patienten mit einer chronischen Herz-Kreislauferkrankung, z. B. einer KHK, gehören das BelastungsEKG, die Echokardiographie und das 24-StundenLangzeit-EKG. Bei chronischen Atemwegserkrankungen, z. B. einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), ist neben dem Röntgen-Thorax-Befund
das Ergebnis der Lungenfunktionsuntersuchung von
großer Bedeutung. Ziel ist in jedem Fall, zu einer Beurteilung des Schweregrades der beim Antragsteller vorliegenden Erkrankung bzw. Erkrankungen zu kommen.
Bei der Anamnese von Patienten mit einer KHK ist ein
wichtiges Symptom das Vorhandensein einer Angina
pectoris (A. p.). Eine Schweregradeinteilung ist nach der
CCS (Canadian Cardiovascular Society) möglich7 (Abbildung 7). So sind bei Vorliegen einer A. p. der Klasse
I und II meist noch leichte Arbeiten sechs Stunden und
mehr täglich zumutbar, während bei einer A. p. der
Klasse III das Leistungsvermögen meist unter sechs
Stunden täglich und bei A. p. der Klasse IV meist unter
drei Stunden abgesunken ist. Voraussetzung für diese
Schweregradbeurteilung ist natürlich, dass bei dem Antragsteller tatsächlich eine gesicherte KHK besteht.
Die Beurteilung des Schweregrades einer chronischen
Herzinsuffizienz ist in analoger Weise nach der Klassifikation der bekannten NYHA (New-York-HeartAssociation) aufgrund von subjektiven Kriterien möglich.
Voraussetzung ist natürlich ebenfalls, dass tatsächlich
eine chronische Herzschwäche diagnostiziert wurde,
z. B. aufgrund von Echokardiographie-Befunden.
Das wichtigste objektive Untersuchungsverfahren zur Beurteilung des zeitlichen Leistungsvermögens bei chronischen Herz-Kreislauferkrankungen ist das BelastungsEKG (Ergometrie). Es sollte am besten in sitzender Position auf dem Fahrrad-Ergometer durchgeführt werden, beginnend mit zwei Minuten 25 Watt, wobei die Belastung dann alle zwei Minuten um 25 Watt bis zum
Auftreten der in Abbildung 8 angeführten Abbruchkriterien
gesteigert wird. Die letzte absolvierte vollständige Belastungsstufe entspricht der maximalen Leistungsfähigkeit. Entscheidend für die Beurteilung des beruflichen
Leistungsvermögens ist die Dauerbelastbarkeit, die
etwa 2/3 der maximalen Leistungsfähigkeit beträgt8.
Aus Abbildung 9 ergibt sich, dass leichte Arbeiten eine
Dauerbelastbarkeit von 50-75 Watt voraussetzen, während bei einer Dauerbelastbarkeit von unter 50 Watt
auch leichte Arbeiten nur noch weniger als sechs Stunden täglich zuzumuten sind.
In Abbildung 10 sind echokardiographische Befunde angeführt, mit denen der Schweregrad einer linksventri-
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
kulären Funktionsstörung eingeschätzt werden kann8. Damit lässt sich der Schweregrad einer chronischen Herzinsuffizienz objektivieren. Auch das 24-StundenLangzeit-EKG kann über den Schweregrad von eventuell
vorhandenen ventrikulären Herzrhythmusstörungen entsprechend der LOWN-Klassifikation Aufschluss geben.
LOWN- Klasse I bedeutet eine leichtgradige Herzrhythmusstörung, die auf das Leistungsvermögen keine Auswirkung hat, Klasse II und IIIa bedeuten eine mittelschwere Störung, Klasse IIIb und IVa eine schwere Störung und Klasse IVb bedeutet eine schwerste (maligne) Störung, die zum Tode führen kann. In Abbildung
11 und 12 ist eine Synopsis der medizinischen Befunde, der sich daraus ergebenen Leistungsbeeinträchtigungen im Alltag und der zumutbaren beruflichen Tätigkeiten bei Patienten mit einer gesicherten KHK aufgeführt5,6.
Bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen,
insbesondere einer COPD, kann die Schweregradeinteilung nach der GOLD-Initiative (Global Initiative for
Obstructive Lung Disease) erfolgen (Abbildung 13)9.
Der wichtigste objektive Parameter ist dabei das Forcierte
Exspiratorische Volumen in der ersten Sekunde (FEV1).
Drei exemplarische Gutachtenfälle
Im Folgenden werden an drei Gutachtenfällen die Praxis, aber auch die Schwierigkeiten und Folgen der Begutachtung des zeitlichen Leistungsvermögens nach
den heute geltenden gesetzlichen Bestimmungen dargestellt.
Gutachten-Patient a, 58 Jahre alt
Anamnese: Seit der Jugend Sehbehinderung links. Seit
vielen Jahren ein überempfindliches Bronchialsystem und
â
ein Bluthochdruck bekannt. 1998 Diagnose einer KHK
und Bypass-Op. Seitdem Angstzustände und Panikattacken. 2006 Op. im Bereich der rechten Halsschlagader.
Jetzt: Angeblich fast täglich auftretende A. p. mit Kurzatmigkeit. Häufig dann Auftreten von Angstzuständen.
Weiterhin leide er an Husten. Er nehme bronchialerweiternde Sprays und blutdrucksenkende Medikamente ein. Nitro-Spray könne er nicht vertragen. Nichtraucher.
Kein erlernter Beruf. Bezieht ALG II.
Befunde: Größe 1,79 cm, Gewicht 85 kg, BMI 27. Belastungs-EKG: Belastbar bis 2 min 100 Watt entsprechend ca. 54 Prozent der Sollbelastung. Abbruch wegen
Atemnot und Schwäche in den Beinen. Beurteilung:
Mäßig eingeschränkte Herzkreislauf-Belastbarkeit, keine Ischämien, keine A. p., Dauerbelastbarkeit mindestens 50-75 Watt. Echokardiographie: Kein auffälliger
Befund. Lungenfunktionsuntersuchung: Leichte zentrale obstruktive Ventilationsstörung. Augenärztliche Untersuchung: Sehschärfe rechts 1,0, links 0,7 bei deutlicher Fehlsichtigkeit. Ausgeschlossen seien Berufe, die
einen Visus von 1,0 erfordern wie Busfahrer und Pilot.
Diagnosen: Koronare 3-Gefäßerkrankung mit stabiler
A. p. und kompensiertem Bluthochdruck, leichtgradiges
gemischtes Asthma bronchiale, Carotis-InternaStenose mit Zustand nach Op., Sehschwäche links,
Angsterkrankung.
Sozialmedizinische Beurteilung: Leistungsvermögen:
Leichte Arbeiten sechs Stunden und mehr täglich zumutbar. Weitere qualitative Einschränkungen: Keine übermäßigen Stressbelastungen (Zeitdruck, Fließbandarbeit,
Nacht- und Wechselschicht), keine Exposition gegenüber
Kälte, Nässe, Atemwegsreizstoffen einschließlich Hausstaub, keine außerordentlichen Anforderungen an das
Sehvermögen. Besserung unwahrscheinlich.
Abb. 11: Synopsis der medizinischen Befunde, der resultierenden Leistungsbeeinträchtigung im Alltag und der zumutbaren beruflichen Tätigkeit6
Stufe
Medizinische Befunde
Leistungsbeeinträchtigung Zumutbare berufliche
im Alltag
Tätgikeit
I
Ergo
Keine Einschränkung der Sollbelas- Keine
tung
Echo
Keine bis leichte systol./diastol. linksventrikuläre Funktionsstörung
Leichte und mittelschwere Arbeiten
Langzeit-EKG Keine relevanten Rhythmusstörungen
II
Ergo
Echo
Bis 100 (125) Watt belastbar
Bei mittelschwerer Belas- Leichte Arbeiten
Leichte bis mäßige systol./diastol. links- tung (z. B. forsches Spazierengehen)
ventrikuläre Funktionsstörung
Langzeit-EKG Keine malignen Rhythmusstörungen
Ausgabe 1 I Januar 2010 65
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Gutachten-Patient b, 60 Jahre alt
Gutachten-Patient c, 53 Jahre alt
Anamnese: 2008 Herzinfarkt und Diagnose einer KHK,
Empfehlung einer Bypass-Op., die nicht durchgeführt
wurde. Im selben Jahr Diagnose eines mittelgradigen abdominellen Aortenaneurysmas. Vom Lungenfacharzt
seit Jahren wegen einer leicht- bis mittelgradigen chronischen Bronchitis behandelt. Jetzt: A. p. bei leichter Belastung, spricht auf Nitro-Spray an. Atemnot bei leichter
Belastung mit Husten und Auswurf. Seit vielen Jahren
Bluthochdruck, mit Medikamenten ausgeglichen. Rauchen: 20 Zigaretten pro Tag seit dem 16. Lebensjahr. Kein
erlernter Beruf. Bezieht ALG II.
Befunde: Größe 1,69 m, Gewicht: 91 kg, BMI 32. Belastungs-EKG: Belastbar bis 20 Sekunden 75 Watt entsprechend circa 30 Prozent der Sollbelastung. Abbruch
wegen zunehmender A. p. mit beginnenden ST-Streckensenkungen. Beurteilung: Deutlich eingeschränkte
Herzkreislaufbelastbarkeit. Dauerbelastbarkeit < 50 W.
Diagnosen: KHK mit Zustand nach Herzinfarkt mit A. p.
bei leichter Belastung (CCS II-III) und deutlich eingeschränkter Belastbarkeit, arteriosklerotische Makroangiopathie mit mittelgradigem Bauchaortenaneurysma,
leicht bis mittelgradige COPD, medikamentös kompensierter Bluthochdruck.
Sozialmedizinische Beurteilung: Leistungsvermögen:
Leichte Arbeiten drei bis unter sechs Stunden täglich.
Weitere qualitative Einschränkungen: Keine Exposition
gegenüber Kälte, Nässe und Atemwegsreizstoffen, keine übermäßigen Stressbelastungen (siehe oben). Besserung unwahrscheinlich.
Anamnese: 1999 Diagnose einer koronaren 2-Gefäßerkrankung mit Bypass-Op. Seit dieser Zeit Bluthochdruck bekannt, mit Medikamenten behandelt, zeitweise
trotzdem sehr hohe Werte. 2005 erste Bandscheibenoperation im LWS-Bereich, 2008 zweite Bandscheibenoperation. 2007 erneute Koronarangiographie:
Schwere diffuse KHK. Jetzt: Ständig Schmerzen im
LWS-Bereich mit Ausstrahlung in das rechte Bein. Seit
der letzten Op. Handstock. Häufig drückende Schmerzen in der Brust in Verbindung mit Atemnot bei leichten
Anstrengungen, z. B. beim Treppensteigen von einer Etage. Häufig wache er nachts wegen Atemnot auf und müsse dann auf den Balkon gehen, um Luft zu bekommen.
Fünf bis zehn Minuten nach Anwendung von NitroSpray Besserung. Rauchen: Bis 1999 1-2 Schachteln pro
Tag, seitdem Nichtraucher. Kein erlernter Beruf. Bezieht
ALG II.
Befunde: Größe 1,66 m, Gewicht 83 kg, BMI 30. RuheEKG: Ausgeprägte diffuse Erregungsrückbildungsstörungen. Belastungs-EKG: Bis 1 min 50 Watt belastbar,
Abbruch wegen Druckgefühl in der Brust, Atemnot und
Schmerzen in den Beinen. Beurteilung: Abbruch auf
niedrigster Stufe. Dauerbelastbarkeit < 50 Watt. Echokardiographie: Leichte Vergrößerung von linkem Vorhof
und linker Herzkammer, deutliche Verdickung des Kammerseptums, Auswurffraktion leicht eingeschränkt.
Diagnosen: Schwere diffuse KHK bei Zustand nach Bypass-Op. mit deutlicher Linksherzhypertrophie, stabiler
A. p. (CCS III) und Herzinsuffizienz (NYHA II- III), ein-
â
Abb. 12: Fortsetzung: Synopsis der medizinischen Befunde, der resultierenden Leistungsbeeinträchtigung im Alltag und der zumutbaren beruflichen Tätigkeit6
Stufe
Medizinische Befunde
III
Ergo
Echo
Leistungsbeeinträchtigung Zumutbare berufliche
im Alltag
Tätgikeit
Nur gering belastbar (bis 50 [75] Watt) Bei leichter Belastung
Dilatation des linken Ventrikels, mäßi- (z. B. Spazierengehen)
ge bis ausgeprägte systol./diastol.
linksventrikuläre Funktionsstörung
Häufig keine berufliche Tätigkeit mehr
möglich
Langzeit-EKG Häufig höhergradige ventrikuläre
Rhythmusstörung, evtl. Vorhofflimmern
IV
66
Ergo
Nicht durchführbar
In Ruhe
Ausgeprägte Dilatation des linken VenEcho
trikels, ausgeprägte systol./diastol.
linksventrikuläre Funktionsstörung
Langzeit-EKG Maligne ventrikuäre Rhythmusstörungen möglich, evtl. Vorhofflimmern
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Keine
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
â
Abb. 13: Schweregradeinteilung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung nach der GOLD- Initiative (Global Initiative for Obstructive Lung Disease)9
Schweregrad
Charakteristik
III (schwer)
- FEV1 < 30 Prozent Soll, FEV1/VK < 70 Prozent oder
- FEV1 < 50 Prozent Soll und chronische respiratorische Insuffizienz oder Rechtsherzinsuffizienz
III (mittelgradi)
- 30 Prozent < FEV1 < 80 Prozent, Soll, FEV1/VK < 70 Prozent
- mit/ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Dyspnoe)
I (leichtgradig)
- FEV1 > 80 Prozent Soll, FEV1/VK < 70 Prozent
- mit/ohne chronische Symptomatik (Husten, Auswurf, Dyspnoe, evtl. bei starker körperlicher
Belastung)
0 (Risikogruppe) - normale Spirometrie
- chronische Symptome (Husten, Auswurf)
geschränkte Gehfähigkeit bei degenerativen Veränderungen im LWS-Bereich mit Zustand nach zweimaliger
Bandscheiben-Op.
Sozialmedizinische Beurteilung: Leistungsvermögen:
Leichte Arbeiten unter drei Stunden täglich. Besserung
unwahrscheinlich.
Die Beispiele zeigen, dass bei dem ersten GutachtenPatienten trotz einer bestehenden schweren KHK und
weiterer ins Gewicht fallender ernstzunehmender Gesundheitsstörungen keine zeitliche Einschränkung des
Leistungsvermögens für leichte Arbeiten festzustellen war,
sodass dem Patienten keine Erwerbsminderungsrente
zustand. Auch die Parallel-Gutachten auf orthopädischem und psychiatrisch-neurologischem Fachgebiet
waren zu einer entsprechenden Beurteilung gekommen. Dagegen erhielt der zweite Gutachten-Patient eine
volle Erwerbsminderungsrente aufgrund einer Verschlossenheit des Teilzeit-Arbeitsmarktes und der dritte eine volle Erwerbsminderungsrente aufgrund der
zeitlichen Einschränkung des Leistungsvermögens unabhängig vom Teilzeit-Arbeitsmarkt.
Schlussfolgerung
Älteren Patienten der gesetzlichen Rentenversicherung
mit gesundheitlichen Einschränkungen, die arbeitslos
sind bzw. deren Arbeitsplatz gefährdet ist, wird von ihren Ärzten häufig empfohlen, eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Den meisten Ärzten ist jedoch
nicht klar, welche hohen Anforderungen an die erforderliche Minderung des beruflichen Leistungsvermögens bei Erwerbsminderungsrenten seit dem 1.01.2001
gestellt werden. Deshalb sind bei vielen Anträgen Frustrationen vorprogrammiert.
In diesem Zusammenhang ist bedeutsam, dass von
den Sozialverbänden10 und den Gewerkschaften11 eine
gesetzliche Neuorientierung bei Erwerbsminderungs-
renten vorgeschlagen wird. Der wichtigste Punkt ist
zweifellos, dass ältere Versicherte, die nur noch leichte
Arbeiten sechs Stunden und mehr täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verrichten können, bei denen vielfältige Einschränkungen bestehen und denen in einer angemessenen Frist kein ihrem Leistungsvermögen entsprechender konkret vorhandener Arbeitsplatz nachgewiesen werden kann, einen Zugang zur Erwerbsminderungsrente erhalten sollten. Außerdem wird die Abschaffung der Abschläge durch z. B. Verlängerung der
Zurechnungszeiten, wie das bei Arbeitsunfällen und
Kriegsopfern der Fall ist, und die Wiedereinführung der
Berufsunfähigkeitsrente, wie sie vor 2001 bestanden
hat, vorgeschlagen.
Zusammenfassung
Die vorliegenden Ausführungen beschäftigen sich mit der
Einschränkung des zeitlichen Leistungsvermögens bei
Erwerbsminderungsrenten aus der Sicht eines auf diesem Gebiet Jahrzehnte lang gutachterlich tätigen Internisten. Zunächst werden die seit dem 01.01.2001
auf diesem Gebiet geltenden gesetzlichen Bestimmungen erläutert. Danach gibt es eine Rente wegen teilweiser
und eine Rente wegen vollständiger Erwerbsminderung. Eine teilweise Erwerbsminderung liegt vor, wenn
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur noch drei bis
unter sechs Stunden täglich leichte Arbeiten verrichtet
werden können. Eine vollständige Erwerbsminderung ist
festzustellen, wenn das zeitliche Leistungsvermögen
für leichte Arbeiten unter drei Stunden täglich abgesunken ist. Da aufgrund eines Urteils des Bundessozialgerichts derzeit der Teilzeit-Arbeitsmarkt verschlossen ist, erhalten Antragsteller mit einer teilweisen Erwerbsminderung die volle Erwerbsminderungsrente.
Ein Sonderfall ist die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit, die nur für die vor
Ausgabe 1 I Januar 2010 67
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
dem 2.01.1961 geborenen Versicherten gilt, die einen erlernten Beruf ausgeübt haben. Die Höhe dieser Rente
beträgt (nur noch) die Hälfte einer Vollrente.
Die Beurteilung des beruflichen Leistungsvermögens ist
abhängig von den mit der Tätigkeit verbundenen beruflichen Belastungen und den medizinischen Befunden
zur Beurteilung der physischen und psychischen Belastbarkeit. Es werden die wichtigsten Untersuchungsmethoden kurz besprochen, die aus internistischer Sicht
für die Beurteilung des zeitlichen Leistungsvermögens
herangezogen werden können. Bei Vorliegen einer chronischen Herz-Kreislauferkrankung, insbesondere einer
koronaren Herzkrankheit, gehören dazu neben der
Anamnese vor allem das Belastungs-EKG, die Echokardiographie und das 24-Stunden-Langzeit- EKG. Bei
Vorliegen einer chronischen Atemwegserkrankung, ins-
â
besondere einer chronisch- obstruktiven Lungenerkrankung, gehört dazu weiterhin neben dem RöntgenThoraxbefund das Ergebnis der Lungenfunktionsuntersuchung.
Anhand von drei exemplarischen Gutachtenfällen werden Praxis, Schwierigkeiten und Folgen der Begutachtung nach den heutigen gesetzlichen Bestimmungen dargestellt. Abschließend werden Vorschläge für eine gesetzliche Neuorientierung bei Erwerbsminderungsrenten, wie sie von Sozialverbänden und Gewerkschaften
in die Diskussion gebracht worden sind, bekannt gemacht.
Literatur beim Verfasser oder im Internet unter
www.aeksh.de
Prof. Dr. Klaus-Dieter Kolenda, Kronshagen
Kostenloser Zugang zur Cochrane Library auch im Jahr 2010
Die Ärztekammer Schleswig-Holstein bietet ihren Mitgliedern auch im Jahr 2010 einen kostenlosen Zugang
zur Cochrane Library. Die im Jahr 2008 begonnene
Kooperation mit Wiley InterScience, dem Herausgeber der Cochrane Library, wird auch im Jahr 2010 fortgeführt.
Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern, die systematische Übersichtsarbeiten erstellen und in einer Datenbank der
Cochrane Library zur Verfügung stellen.
Die Cochrane Library bietet unter anderem den Vorteil
der systematischen Übersichtsarbeiten, so ist es möglich, sich mit einem geringeren Zeitaufwand fortzubilden,
als es das Lesen aller relevanter Studien und For-
schungsergebnisse zu einer therapeutischen Fragestellung erfordern würde. Alle Beiträge beziehen sich auf
eindeutig formulierte Fragen. Mit vergleichenden und expliziten Methoden werden einschlägige Forschungsarbeiten verfolgt, ausgewählt und qualitativ beurteilt.
Auch nicht publizierte und nicht englischsprachige Arbeiten werden miteinbezogen, um den aktuellen Kenntnisstand möglichst vollständig zu erfassen. Alle Reviews enden mit einer Zusammenfassung der Schlussfolgerungen.
Neben den Übersichtsarbeiten in der „Cochrane Database of Systematic Reviews“ enthält die Cochrane Library noch weitere Datenbanken, die ebenfalls kostenlos genutzt werden können:
à
The Cochrane Database of Methodology Reviews
(CDMR),
à
The Cochrane Central Register of Controlled Trials
(Central),
à
The Database of Abstracts of Reviews of Effectiveness (DARE),
à
The Cochrane Methodology Register,
à
NHS Economic Evaluation Database,
à
Health Technology Assessment Database.
Der Zugang zur Cochrane Library erfolgt über die Startseite der Ärztekammer Schleswig-Holstein www.aeksh.de
- Intranet - Zugang zur Cochrane Library
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Uta Kunze, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Tel. 04551/803-165,
E-Mail [email protected]
68
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
BÜCHER
Biografie: Albert Schweitzer
Kein Heiligenschein für
„The greatest man in the world“
Nils Ole Oermanns Biografie vermeidet eine Heiligendarstellung des aus
dem Elsass stammenden Arztes und Friedensnobelpreisträgers.
1947 nannte das amerikanische Magazin „Life“ Albert Schweitzer „The
greatest man in the world“.
Er ist vor allem als Urwaldarzt von Lambarene
in Schwarzafrika berühmt
geworden. Gleichzeitig
war er ein Universalgenie.
Es ist ein Verdienst der
spannend geschriebenen
Biografie, auf die Vielfalt
seines Denkens und Wirkens einzugehen. Schweitzer, Arzt, Philosoph, Theologe,
Musiker und Friedensnobelpreisträger, wurde in der
Vergangenheit oft verklärt, während Oermann anstrebt,
„Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen“ zu zeigen. Schweitzer, ein 1875 im Elsass geborener Pfarrerssohn, durfte bereits mit neun Jahren den Organisten im Gottesdienst vertreten. Weil er es als Glück empfand, studieren zu dürfen - zunächst Evangelische
Theologie, Philosophie und Musik -, war er überzeugt,
von diesem Glück etwas zurückgeben zu müssen.
„Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn
man es teilt.“ In Straßburg arbeitete Schweitzer als
Pastor und hielt als Privatdozent Vorlesungen über das
„Neue Testament“. Oermann beschreibt, wie Schweitzer als liberaler Theologe von orthodoxen Kreisen als
„Ketzer“ in die Ecke gestellt wurde, weil er nicht an
Dogmen, sondern an die Liebesreligion Jesu glaubte.
Nach langem inneren Ringen entschloss er sich, als Arzt
in Afrika zu wirken und begann 1905 in Straßburg mit
dem Medizinstudium, das er durch seine erfolgreiche
Biografie über J. S. Bach und seine Orgelkonzerte finanzierte. Ein Vorzug des Buches: Der Autor arbeitet heraus, was Schweitzer seiner Ehefrau Helene BresslauSchweitzer zu verdanken hat, einer jüdischen Deutschen, mit der er 1913 nach Lambarene in Gabun,
dem französischen Teil des Kongo, ging. Er arbeitete als
Arzt, sie als ausgebildete Krankenschwester. Das Klima
am Äquator war schwer zu ertragen. 1917 wurde das
Ehepaar als „feindliche Ausländer“ unter Arrest gestellt
und ausgewiesen. Erst nach dem 1. Weltkrieg konnte
Schweitzer die Arbeit im Spital wieder aufnehmen. Eine
schwere Belastung für beide bestand darin, dass das
Ehepaar wegen einer Tuberkulose Helenes, die eine Arbeit als Krankenschwester in Lambarene zeitweise verbot, jahrelang getrennt leben musste. Als Philosoph ist
Schweitzer vor allem durch seine Ehrfurcht vor allem Leben bekannt geworden: Weil im Daseinskampf Leben
durch anderes Leben verdrängt wird, lehrte er Ehrfurcht vor dem Leben. Dadurch wollte er dem in der Natur geltenden Gesetz des Fressens und Gefressenwerdens widerstehen. Schweitzer galt vielen als universales Wunder- und Glückskind, dem alles gelang.
Oermann weist aber mit Recht darauf hin, dass er von
schweren Ereignissen nicht verschont wurde: 1940
musste Helene Schweitzer wegen ihrer jüdischen Abstammung aus Frankreich auf riskante Weise nach
Lambarene flüchten. Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 1953 wurde Schweitzer oft kritisiert.
So wurde er als „mit Vorurteilen behaftet, pedantisch auf
eine typisch teutonische Weise, jähzornig und … eitel“
beschrieben. Er musste damit leben, dass ihn manche
Leute als „Patriarchen“ abkanzelten und seine Bescheidenheit für inszeniert ansahen. Als er 1965 in
Lambarene starb, hatte er ein 90-jähriges Leben hinter
sich, das mit seiner Lehre und Ethik identisch war. „Das
einzig Wichtige im Leben“, hatte er gesagt, „sind die
Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen.“ Das Buch liest sich flüssig. Auch bei theologischen und philosophischen Passagen schreibt der Autor, der die Gefahr einer Heiligendarstellung vermeidet, verständlich und plastisch. Wenn man am Schluss
der Lektüre eines Buches bedauert, dass es schon zu
Ende ist, muss es gefallen haben. So ging es dem Rezensenten, der die Biografie sehr empfiehlt.
Prof. Karlheinz Engelhardt, Kiel
Ausgabe 1 I Januar 2010 69
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Bluthochdruck
Schon im Mutterleib werden die
Weichen gestellt
Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht haben ein höheres Risiko, später an
Bluthochdruck zu erkranken.
Zu hoher Blutdruck muss früh behandelt werden, sonst
hat er ähnlich lebensbedrohliche Konsequenzen wie eine
Krebserkrankung. Veranlagung und Umwelteinflüsse
sind für die Entstehung verantwortlich. Dabei spielt die
Embryonalphase mitunter eine besondere Rolle.
Bei jedem zehnten Patienten können andere Erkrankungen, etwa Nieren- oder Hormonstörungen, als Auslöser für Bluthochdruck identifiziert werden; in allen
anderen Fällen sind die Ursachen unklar. Große Hoffnungen hatte die Wissenschaft auf die Erforschung
des menschlichen Genoms gesetzt. Die haben sich
nicht vollständig erfüllt, räumt Prof. Heribert Schunkert, Direktor der Medizinischen Klinik II an der Universitätsklinik Lübeck und Präsident des 33. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga (fand Ende November in der Hansestadt statt) ein:
„Allein im vergangenen Jahr konnten sieben genetische
Faktoren identifiziert werden, die im Zusammenhang mit
Bluthochdruck stehen. Das eine Hochdruck-Gen gibt es
nicht. Vielmehr trägt jeder von uns die genetische Bereitschaft in sich, einen zu hohen Blutdruck zu entwickeln.“ Beeinflussbare und nicht beeinflussbare Umweltfaktoren wie Alter, Gewicht und Lebensstil seien dann
für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlich.
Eine wesentliche Rolle für die spätere Entwicklung einer Hypertonie spielt neuesten Erkenntnissen zufolge
die Schwangerschaft: „Hochdruck kann bereits im Mutterleib entstehen“, sagt Prof. Gilbert Schönfelder vom
Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsklinik Würzburg. „Zwillingsstudien zeigen, dass
Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht ein höheres Risiko haben, im späteren Leben an Bluthochdruck
zu erkranken.“
Bis Ende der 80er Jahre wurden beinahe ausschließlich die genetischen Anlagen und der spätere Lebensstil für das Auftreten chronischer Zivilisationskrankheiten verantwortlich gemacht. Erst mit der These von
Prof. David Barker von der Universität Southampton, die
Grundlagen von Fettsucht, Hochdruck und Herzinfarkt
70
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
würden bereits vor der Geburt gelegt, kam das Dogma
ins Wanken. Inzwischen belegen zahlreiche Untersuchungsergebnisse die Theorie der „fetalen Programmierung“: Sind die physiologischen Bedingungen während der Schwangerschaft durch Lebensumstände
oder Erkrankungen der Mutter ungünstig, kommt das
Kind mit einer entsprechenden Veranlagung zur Welt,
die zwar angeboren, aber nicht vererbt ist.
Auf den ersten Blick paradox erscheint, dass zu kleine,
untergewichtige Neugeborene ein erhöhtes Risiko haben, später übergewichtig zu werden und Bluthochdruck
zu entwickeln. Vorgeburtliche Wachstumsverzögerungen können etwa durch Stress oder mangelnde Ernährung der Mutter, aber auch durch Alkohol und Nikotin hervorgerufen werden. Trinkt die Mutter regelmäßig während der Schwangerschaft, reduziert sich das
Geburtsgewicht um durchschnittlich 1.000 Gramm, Nikotinkonsum wirkt sich mit rund 300 Gramm aus, haben Untersuchungen ergeben. Neben der erhöhten
Gefahr von Frühgeburten, körperlichen und geistigen
Entwicklungsverzögerungen oder Fehlbildungen kommt
es bei diesen Föten zur verstärkten Freisetzung des
Stresshormons Kortisol. Das wiederum kurbelt die Produktion weiterer Hormone an und führt zu den entscheidenden Fehlprogrammierungen. So wird im Laufe der Jahre aus dem Fliegen- ein Schwergewicht - mit
allen gesundheitsbeeinträchtigenden Folgen wie Diabetes und Bluthochdruck.
Wie eine aktuelle Studie der Universität Bonn gezeigt
hat, kommen untergewichtige Neugeborene deutlich früher in die Pubertät als normalgewichtige Babys. Bei Kindern, die bei der Geburt unter 3.000 Gramm wogen,
setzte die Pubertät im Schnitt sieben Monate früher
ein, die Mädchen aus dieser Gruppe hatten auch früher ihre erste Regelblutung. Weil eine frühe Pubertät das
Risiko, später an Brust- oder Hodenkrebs zu erkranken,
deutlich erhöht, empfehlen die Wissenschaftler werdenden Müttern, in der Schwangerschaft auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Schon ein halbes
MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
Jahr Verzögerung bei der ersten Menstruation senkt
das Brustkrebsrisiko um vier bis fünf Prozent - das wären weltweit 40.000 Brustkrebserkrankungen weniger pro
Jahr, erklärten die Bonner Forscher. Das zur Universität
Bonn gehörende Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erfasst seit 1985 Ernährungsgewohnheiten,
Größe und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
In die aktuelle Untersuchung wurden 215 Mädchen und
Jungen eingeschlossen; alle Teilnehmer wurden bis ins
Erwachsenenalter regelmäßig untersucht. Die Studie
ist in der Dezember-Ausgabe des American Journal of
Clinical Nutrition erschienen.
Belegt, so Prof. Schönfelder, wurde der Zusammenhang zwischen pränataler Ernährung und dem erhöhten Risiko, an einer Stoffwechselstörung zu erkranken,
in den vergangenen Jahren bei Erwachsenen, deren
schwangere Mütter im Winter 1944/45 in den Niederlanden lebten. Damals hatten deutsche Besatzer die
Lebensmittelversorgung der Holländer blockiert, sodass die werdenden Mütter unter teils extremem Hunger litten. „Erst rund 60 Jahre später stellte sich etwas
Ungewöhnliches heraus: Die Kinder der hungernden Mütter erkrankten überdurchschnittlich häufig als Erwachsene an Hypertonie, Fettleibigkeit und Insulinresistenz.“
Nicht nur das: Auch die Kinder der Kinder kamen - obwohl sie zu keinem Zeitpunkt an Hunger litten - mit geringerem Gewicht zur Welt. Ob auch sie zu Hochdruck
neigen, steht heute noch nicht fest. Prof. Schönfelder:
„Ganz offensichtlich fand während bestimmter Wochen
der Schwangerschaft eine fetale Programmierung von
neuen Informationen in den Körpern der ungeborenen
Kinder statt. Diese legte über mehrere Jahrzehnte bis ins
Erwachsenenalter und über Generationen hinweg fest,
wie mit der Nahrung umzugehen und wie später das
Herz-Kreislauf-System zu regulieren ist.“
Ähnliche Beobachtungen wurden auch mit Chemikalien
wie Blei oder Bisphenol A gemacht, erklärt Schönfelder.
Diese Stoffe können wie Hormone wirken; nimmt die werdende Mutter sie während der Schwangerschaft auf, entwickeln sich später häufiger Hochdruck und Übergewicht.
Solche Phänomene werden Epigenetik genannt. Die
Umwelt ist ganz offensichtlich in der Lage, die Biologie
des menschlichen Körpers umzuprogrammieren, ohne
den eigentlichen genetischen Code zu verändern.
Wie dieses neue genetische und epigenetische Wissen für Vorbeugung und Behandlung von Bluthochdruck nutzbar gemacht werden kann, ist heute noch unklar. Prof. Schunkert aus Lübeck hat die Hoffnung, in Zukunft die medikamentöse Therapie mit einem individuellen genetischen Risikoprofil erfolgreicher gestalten zu
können. „Wenn wir wissen, welcher Patient mit welcher
genetischen Konstellation auf dieses oder jenes Medikament besser anspricht, dann macht auch eine genetische Testung von Bluthochdruckpatienten Sinn. Aber
soweit sind wir leider noch nicht.“
Derzeit funktioniert die Bluthochdruckbehandlung vor allem nach dem „Versuch-und-Irrtum“-Prinzip: Hilft es
oder hilft es nicht? Bei Wahl und Dosierung der blutdrucksenkenden Medikamente werden zwar Komorbiditäten, Gewicht sowie Nieren- und Leberfunktion berücksichtigt; genetische Aspekte bleiben bislang jedoch unberücksichtigt. Dies, so beklagen Experten wie
Prof. Eva Brand aus Münster seit Jahren, führt zu teuren Fehl-, Unter- und Überdosierungen, zu übermäßigen
Nebenwirkungen und einer unzureichenden Therapie,
die von vielen Patienten abgebrochen wird. Erste, viel
versprechende Ansätze für eine individuell angepasste
Therapie gibt es. So wurden an der Uniklinik Münster von
450 Hochdruckpatienten genetische Profile erstellt, die
daraufhin untersucht werden, ob und wie eine pharmakologische Therapie bei ihnen anspricht. Die Wissenschaftler hoffen, mit der Bestimmung blutdruckrelevanter genetischer Merkmale Risikopatienten mit hoher Schlaganfall- und Herzinfarktgefährdung frühzeitig
herauszufiltern sowie eine Basis für individuell angepasste Hochdrucktherapien zu schaffen. Erste Studien
laufen.
Uwe Groenewold
â
Hypertonie - der stille Killer
Eine Hypertonie tut nicht weh - und ist doch lebensgefährlich! Zu hoher Blutdruck, der dauerhaft über
140/90 mmHG liegt, raubt Gefäßen die Elastizität und
macht sie anfälliger für Verschleiß. Myokardinfarkt,
Apoplex, Niereninsuffizienz, Demenz oder Erblindung
sind häufig die Folge. Vor den Gefahren, die Bluthochdruck mit sich bringt, verschließen viele Menschen die Augen: Nicht einmal die Hälfte der mindestens 20 Millionen Betroffenen in Deutschland weiß von
der Erkrankung, und nur jeder fünfte Patient wird adäquat behandelt. Dabei gilt Bluthochdruck als stiller Killer, der das Leben ähnlich verkürzt wie eine Krebserkrankung: Bei einem heute 35-jährigen Mann, der eine
unbehandelte Hypertonie von 150/100 mmHg hat,
sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung um 40
Prozent - statt 76 wird er gerade einmal 60 Jahre alt.
Je höher der Blutdruck und je länger er nicht therapiert
wird, desto größer der Schaden.
Ausgabe 1 I Januar 2010 71
FORTBILDUNGEN
BAD MALENTE GREMSMÜHLEN
13. FEBRUAR 2010
THEMA
Psychodynamik des Vaginismus
VERANSTALTUNGSORT
Curtius-Klinik, Neue Kampstr. 2,
23714 Bad Malente-Gremsmühlen
VERANSTALTER/KONTAKT
Norddeutsche Gesellschaft für angewandte
Tiefenpsychologie (NGaT), Tel. 04381/409796
oder 04381/6533, Fax 04381/6501,
E-Mail [email protected],
Internet www.ngat.de
BORSTEL
21. JANUAR 2010
15:00 UHR
VERANSTALTUNGSORT
Forschungszentrum Borstel, Medizinische
Klinik, Seminarraum, 1. Stock,
VERANSTALTER/KONTAKT
PD Dr. Hans-Peter Hauber, Medizinische Klinik,
Forschungszentrum Borstel, Parkallee 35,
23845 Borstel, Tel. 04537/188-364, Fax
04537/188-313, E-Mail [email protected]
BREMEN
10./11. MÄRZ 2010
THEMA
Evidenzbasierte Studienbewertung - vom RCT
über Meta-Analysen zu Evidenzberichten
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
Institut für Pharmakologie am Klinikum BremenMitte, St.-Jürgen-Str. 1, 28177 Bremen,
Tel. 0421/497-5400 oder Tel. 0421/497-4428
E-Mail [email protected]
Internet www.pharmakologie-bremen.de
THEMA
Roflumilast
28. JANUAR 2010
15:00 UHR
THEMA
Klinisch-Pathologische-Konferenz (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie)
04. FEBRUAR 2010
15:00 UHR
HAMBURG
08. FEBRUAR 2010
17:00-19:00 UHR
THEMA
Arbeitsmedizinische Falldemonstration und
Fallbesprechung „Mitgebrachte eigene Fälle“
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
Prof. Dr. Xaver Baur, Zentralinstitut für
Arbeitsmedizin und Maritime Medizin,
Seewartenstr. 10, Haus 1, 20459 Hamburg,
Tel. 040/428894-501, Fax 040/428894-514,
E-Mail [email protected], Internet
www.uke.uni-hamburg.de/institute/arbeitsmedizin
THEMA
Infektiologische Konferenz
09. FEBRUAR 2010
16:00 UHR
THEMA
Principles of Immune Recognition of Bacterial
Infections
VERANSTALTUNGSORT
Herrenhaus, Zentrumsseminar
18. FEBRUAR 2010
15:00 UHR
THEMA
Aktuelle Aspekte bei der Bestrahlung des
Bronchialkarzinoms
25. FEBRUAR 2010
15:00 UHR
THEMA
Klinisch-Pathologische-Konferenz (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie)
72
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
KIEL
03. FEBRUAR 2010
THEMA
Monitoring von morgen:
die Umweltprobenbank des Bundes
10. FEBRUAR 2010
THEMA
Toxizität von Nanopartikeln
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
UK S-H, Campus Kiel, Frauke Tiedje, Institut für
Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler, Brunswiker Str. 10, 4. Stock,
24105 Kiel, Tel. 0431/597-3556,
E-Mail [email protected]
FORTBILDUNGEN
10. FEBRUAR 2010
18:00 UHR
THEMA
Modernes Atemwegsmanagement
NEUSTADT
20. JANUAR 2010
19:00 UHR
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
UK S-H, Campus Kiel, Hörsaal Chirurgie
Sekretariat Prof. Steinfath, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Schwanenweg 21, 24105 Kiel, Tel. 0431/597-2991,
Fax 0431/597-3002, E-Mail [email protected]
THEMA
05./06. FEBRUAR 2010
THEMA
Aktuelles zur kardiovaskulären Therapie
17. FEBRUAR 2010
19:00 UHR
12./13. FEBRUAR 2010
VERANSTALTUNGSORT
Marienhof, Rosengarten 50, 23750 Neustadt
VERANSTALTER/KONTAKT
Klinikum Neustadt, Frau Spieckermann,
Am Kiebitzberg 10, 23730 Neustadt,
Tel. 04561/541071, Fax 04561/541192,
E-Mail [email protected]
THEMA
DEGUM-Kurse A- B-Bild-Sonographie der KopfHals-Region
14. FEBRUAR 2010
3 PUNKTE
Klinisch-pathologische Konferenz Ausgesuchte Fälle von besonderer Bedeutung
THEMA
International Courses on Ultrasound of the
Head an Neck
3 PUNKTE
NEUSTADT-RETTIN
THEMA
Dopplersonographie der extracraniellen
hirnversorgenden Gefäße (HNO)
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,
Campus Kiel, Klinik für HNO-Heilkunde,
Arnold-Heller-Str. 14, 24105 Kiel, C. Nagel,
Tel. 0431/597-2240, Fax 0431/597-2272,
E-Mail [email protected]
30. JANUAR 2010
10:00-18:30 UHR
2 PUNKTE
THEMA
Die 5 Wandlungsphasen der
Chinesischen Medizin
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
18. FEBRUAR 2010
17:30-19:00 UHR
Dr. Bernhard Schweiger, Schöpferisches
Zentrum OASE, Schaarweg 70,
23730 Neustadt-Rettin,
E-Mail [email protected]
THEMA
Rechtliche Fragen zu Sterben und Tod
24. FEBRUAR 2010
17:00-19:00 UHR
THEMA
Präsentationstechniken Med S10 0224 970K
03. MÄRZ 2010
17:30-19:00 UHR
THEMA
Notfallkette:
Airwaymanagement Med S10 0303 930K
VERANSTALTER/VERANSTALTUNGSORT/KONTAKT
Biz, Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe
gGmbH, Burgstr. 3/Kieler Schloss, 24105 Kiel,
Birgit Gehrke, Tel. 0451/5003537,
Fax 0451/5004630, E-Mail [email protected]
RENDSBURG
25. FEBRUAR 2010
20:00 UHR
THEMA
Kunstfehler - Behandlungszwischenfall
VERANSTALTUNGSORT
Convent Garten, Rendsburg
VERANSTALTER/KONTAKT
Ärzteverein Rendsburg,
Dr. Achim Diestelkamp, Eiderstr. 55, 24768
Rendsburg, Tel. 04331/6639-66, Fax -29,
E-Mail [email protected],
Internet www.aev-rd.de
Fortbildungen die nach Redaktionsschluss eingereicht worden, finden Sie im Internet www.aeksh.de
Alle Angaben ohne Gewähr
Ausgabe 1 I Januar 2010 73
UNSERE NACHBARN
Kommunikationskongress Gesundheitswirtschaft
Unterschiedliche Erwartungen
von Medien und Kliniken
Viele Themen, die Krankenhäuser transportieren möchten, stoßen auf geringes
Interesse bei Medien.
Das Werk ist optisch gut aufbereitet, stellt die Klinik in
warmen Worten und schönen Bildern dar und war teuer. Von einem solchen Qualitätsbericht erwarten viele Klinikverantwortliche eine entsprechende Resonanz in
der Öffentlichkeit - zu Unrecht, wie Medienprofis auf dem
dritten Kommunikationskongress für Gesundheitswirtschaft in Hamburg erläuterten.
Das Motto „Der Köder muss dem Fisch schmecken,
nicht dem Angler“ haben Verantwortliche in Führungspositionen des Gesundheitswesens nach Erfahrungen vieler Medienschaffender noch nicht verinnerlicht. Botschaften, die einem Klinikum genehm sind, sind
aber für die Presse und ihre Leser nicht unbedingt eine
Nachricht. So verhält es sich auch mit vielen Qualitätsberichten, an die viele Klinikgeschäftsführer überzogene Erwartungen knüpfen, wenn sie diese der Presse vorstellen. „Qualitätsberichte sind natürlich kein
Presseereignis“, stellte Bernhard Koch in Hamburg
fest. Als Leiter der Unternehmenskommunikation der
kommunalen Klinikgruppe Klinikum Region Hannover
und langjähriger Tageszeitungsjournalist kennt Koch die
Anforderungen von Klinikunternehmen und von Medien. Er gab zu bedenken, dass sich wegen der zunehmenden Arbeitsverdichtung in den Redaktionen
kaum ein Journalist noch die Zeit nehmen kann, solche
Werke zu lesen. Auch Tobias Meixner, Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing der Helios Kliniken in Berlin kennt diese Rahmenbedingungen. Um
überhaupt eine Chance bei den Journalisten in der
Hauptstadt zu haben, empfiehlt er Kliniken eine differenzierte Ansprache. Nach seinen Erfahrungen macht
es wenig Sinn, von einem Qualitätsbericht zu erwarten,
dass sich Mitarbeiter, Patienten, zuweisende Ärzte,
Presse und Öffentlichkeit gleichermaßen dafür interessieren. „Botschaften für jede Zielgruppe“ empfahl
Meixner seinen Kollegen.
Es gibt aber auch positive Erfahrungen mit der Resonanz auf Qualitätsberichte. Deutlich wurde, dass ein regionales Klinikum in der Provinz meist besser wahrge74
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
nommen wird als Häuser in Metropolen - und damit auch
Botschaften aus den Qualitätsberichten aufgenommen
werden. Die Öffentlichkeitsarbeiter aus den Kliniken
unterstrichen auch, dass mangelnde Transparenz die
Chancen auf eine Berichterstattung verringert. Im Umkehrschluss müsse ein Klinikunternehmen dann aber
auch bereit sein, sich der aus der Transparenz resultierenden Diskussion zu stellen. Als Vorreiter gilt in dieser Hinsicht Helios. Meixner: „Transparenz erzeugt
auch Widerstände. Man darf keine Scheu vor der Diskussion haben.“
Ein weiteres Thema auf dem Kongress war die zunhemende Information und Aufklärung für Patienten, die
nach Einschätzung von Thomas Nebling von der Techniker Krankenkasse „mündige Patienten“ sein wollen.
Er verwies auf Umfragen seiner Kasse, nach denen
zwei Drittel der Patienten erwarten, über Vor- und Nachteile von Behandlungen vom Arzt informiert zu werden, mit ihm über diese Informationen diskutieren und
schließlich mit ihm gemeinsam entscheiden zu können.
Weitere 29 Prozent der Patienten wollen diese Entscheidung allein treffen. Nur sechs Prozent der befragten Teilnehmer wollen den Arzt allein entscheiden
lassen. Die Kasse hat darauf mit der Kursreihe „Kompetent als Patient“ reagiert. Mit den Schulungen sollen
Menschen in die Lage versetzt werden, sich Informationen zur Gesundheit zu beschaffen und kritisch zu bewerten, sich mit Leistungserbringern auseinanderzusetzen und Qualitätsmerkmale zu erkennen. Dies beinhaltet etwa die Auseinandersetzung mit Arztbewertungsportalen und ihren Grenzen, wie etwa die geringen Bewertungszahlen - viele Praxen, die in diesen
Portalen gelistet sind, werden nur von wenigen Patienten bewertet. Die noch jungen Erfahrungen mit diesen Schulungen, die unabhängig von der Kassenzugehörigkeit angeboten werden, zeigen ein Interesse besonders von Frauen um die 40 mit höherem Bildungsgrad für dieses Angebot.
Dirk Schnack
UNSERE NACHBARN
eHealth Dialog
Barrierefreier Zugang zu
Gesundheitsdaten
Menschen mit Behinderungen sind aufgerufen, sich mit Anregungen für einen
Zugang zu ihren Daten einzubringen.
Menschen mit Behinderungen sind auf einen barrierefreien
Zugang angewiesen. Dies gilt auch für Daten im Gesundheitswesen. Eine Veranstaltung in Hamburg zeigte,
dass ihre Belange noch zu selten berücksichtigt werden.
Der Vortrag des IT-Experten war gespickt mit Fachausdrücken und Anglizismen. Doch während der Fachmann mit Begriffen wie Quality Gate, Roll-Out, UsibilityTest und Interoperabilität jonglierte, schalteten immer
mehr Zuhörer im großen Saal des Hamburger Ärztehauses ab. Eine Zuhörerin raunte ihrem Nachbarn zu:
„Ich verstehe gar nichts mehr.“ Die blinde Frau hatte
beim so genannten eHealth Dialog mit einer Diskussion über Barrieren beim Zugang zu Gesundheitsdaten
gerechnet - nicht aber damit, dass von Referenten unbewusst neue geschaffen wurden. Wenn es um Telematik im Gesundheitswesen geht, vergessen viele
Fachleute, dass sie sich nicht in einer IT-Fachkonferenz
befinden. Trotz dieser Barriere gelang es den Veranstaltern aber, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen, die auf einen barrierefreien Zugang zu ihren Gesundheitsdaten angewiesen sind: Menschen mit Behinderungen. Eine wichtige Rolle sollen dabei eKioske
spielen, an denen die Besitzer der elektronischen Gesundheitskarte ihre Gesundheitsdaten lesen und verwalten sollen. Bei der Entwicklung der Terminals wurden viele Anforderungen der Betroffenen bereits berücksichtigt. Eine Rollstuhlfahrerin zeigte aber, dass
weitere Verbesserungen erforderlich sind. Trotz des
geschwungenen Fußes an den Terminal-Prototypen
kann nicht jeder Rollstuhl so an den Bildschirm herangefahren werden, dass eine problemlose Bedienung möglich ist - damit wäre der Zugang zu den Daten auf der Gesundheitskarte für Menschen mit Behinderungen erschwert. Die Vertreter der Gematik luden
Menschen mit Behinderungen und ihre Verbände ausdrücklich ein, sich mit solchen Verbesserungsvorschlägen an sie zu wenden, um Defizite auszugleichen. Diesen problemlosen Zugang zu den Daten forderte auch Karsten Warnke vom Projekt „Barrierefrei in-
formieren und kommunizieren“ (BIK). BIK setzt sich
dafür ein, Internet- und Intranetangebote besser zugänglich zu machen und so die Arbeitsplatzchancen von
Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Warnke
machte deutlich, dass sich die Anforderungen je nach
Beeinträchtigung stark unterscheiden. Für Krankenhäuser und Praxisinhaber sind deshalb folgende Fragen interessant:
à
Kann ein Gerät, das Patienten bedienen sollen, mit
nur einer Hand bedient werden?
à
Sind Texte auf einer Homepage für Lernbehinderte
zu verstehen?
à
Bekommen Sehbehinderte zu Grafiken auf Internetseiten eine Erklärung?
Sind die Farbkontraste auf den Seiten so, dass sie
auch für Sehbehinderte noch lesbar sind?
Antje Blumenthal, Senatskoordinatorin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Hamburg, sieht neben technischen Hürden auch Barrieren
in den Köpfen vieler Verantwortlicher - die notwendigen
Investitionen zum Abbau von Barrieren werden nach ihrer Beobachtung noch zu häufig als lästige Kosten für
eine Minderheit betrachtet. Dirk Schnack
à
E-Kiosk im Rollstuhl-Test: „schwer zu bedienen“, lautete das Fazit dieser Rollstuhlfahrerin.
(Foto: di)
Ausgabe 1 I Januar 2010 75
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Die Abgeordnetenversammlung der Kassenärztlichen
Vereinigung Schleswig-Holstein hat die Satzung der
KVSH vom 8. November 2006 in der Fassung vom 5. November 2008 und die Wahlordnung vom 28. April 2004
geändert. Die Änderungen treten am Tage nach der
Veröffentlichung im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt
mit sofortiger Wirkung in Kraft.
Änderungen der Satzung und der Wahlordnung der Kassenärztlichen Vereinigung
Schleswig-Holstein
Die Abgeordnetenversammlung der Kassenärztlichen
Vereinigung Schleswig-Holstein hat am 4. November
2009 mit der erforderlichen 2/3-Mehrheit folgende Änderungen der Satzung und der Wahlordnung beschlossen:
I. Satzung
1. § 5 (Mitgliedschaft)
§ 5 wird wie folgt neu gefasst:
§5
Mitgliedschaft
Mitglieder der KVSH sind entsprechend § 77 Abs. 3
i.V.m. § 72 Abs. 1 Satz 2 SGB V
(1) die im Gebiet der KVSH zugelassenen Ärzte und Psychotherapeuten für die Dauer ihrer Zulassung.
(2) die im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung in
den im Gebiet der KVSH zugelassenen Medizinischen Versorgungszentren angestellten Ärzte und
Psychotherapeuten für die Dauer des Anstellungsverhältnisses.
(3) die bei Vertragsärzten bzw. Vertragspsychotherapeuten nach § 95 Abs. 9 und 9a SGB V angestellten
Ärzte bzw. Psychotherapeuten für die Dauer des Anstellungsverhältnisses.
(4) die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden ermächtigten Krankenhausärzte bzw. Krankenhauspsychotherapeuten für die Dauer der Ermächtigung.
(5) Voraussetzung für die Mitgliedschaft angestellter
Ärzte bzw. Psychotherapeuten ist, dass sie mindestens halbtags mit mehr als 10 Wochenstunden beschäftigt sind. Die bei Ärzten bzw. Psychotherapeuten und die in MVZ’s angestellten Ärzte bzw. Psychotherapeuten sind verpflichtet, der KVSH unverzüglich
mitzuteilen, wenn die Anstellung endet oder die Beschäftigung auf 10 Wochenstunden oder weniger reduziert wird.
(6) Die Mitgliedschaft beginnt
- bei niedergelassenen Vertragsärzten bzw. Vertragspsychotherapeuten mit der Bestandskraft der Zulassung,
76
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
- bei angestellten Ärzten bzw. Psychotherapeuten
mit der Bestandskraft der Anstellungsgenehmigung,
- bei ermächtigten Krankenhausärzten bzw. Krankenhauspsychotherapeuten mit der Bestandskraft
der Ermächtigung.
2. § 9 (Organe der KVSH)
a) § 9 Abs. 3 S. 2 (“Die Amtsdauer endet ohne Rücksicht
auf den Zeitpunkt der Durchführung der Wahl jeweils
mit dem Schluss des sechsten Kalenderjahres.“) wird
ersatzlos gestrichen.
b) § 9 Abs. 3 S. 4 wird wie folgt neu gefasst:
„Das gilt nicht für Beendigungstatbestände nach § 10
Abs. 7 und § 13 Abs. 9 a), b) und c) und 10.“
3. § 10 (Die Abgeordnetenversammlung)
a) In § 10 wird folgender Absatz 3 eingefügt:
„Stellt der Landeswahlausschuss gemäß § 2 Ziff. 1.
WahlO fest, dass die Zahl der wahlberechtigten und
wählbaren Mitglieder mehr als 5.000 beträgt, erhöht
sich die Zahl der Vertreter auf 40.“
b) Die Bezifferung der bisherigen Absätze 3 bis 10 verschiebt sich entsprechend. Der bisherige Absatz 10
erhält die neue Bezifferung (11)
4. § 12 (Beirat)
§ 12 Abs. 2 wird um folgenden Satz 3 ergänzt:
„Die Amtszeit der Beiratsmitglieder entspricht der
Amtszeit der Abgeordnetenversammlung, § 9 Abs. 3
Satz 3 gilt entsprechend.“
5. § 13 (Vorstand der KVSH)
a) § 13 Absätze 1-4 und Abs. 6 werden wie folgt neu gefasst:
(1) Der Vorstand der KVSH besteht aus 2 Mitgliedern. Er
setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden und
seinem Stellvertreter. Die Vorstandsmitglieder sind
hauptamtlich tätig und vertreten sich gegenseitig. Sie
stehen zur KVSH in einem Dienstverhältnis.
(2) Der Vorstand verwaltet die KVSH und führt ihre laufenden Geschäfte. Die Vorstandsmitglieder sind neben anderem - für die Geschäftsbereiche Sicherstellung und Interessenvertretung einerseits sowie Gewährleistung und Administration andererseits zuständig. Die Zuteilung der jeweiligen Geschäftsbereiche und der weiteren Aufgaben sowie deren näheren Zuschnitt regelt der Vorstand in seiner Geschäftsordnung.
(3) Wählbar ist jede natürliche Person, die die erforderliche fachliche Eignung für das Vorstandsamt und den
ihrer Zuständigkeit unterfallenden Geschäftsbereich
besitzt.
(4) Die Wahl ist in insgesamt 3 getrennten Wahlgängen
durchzuführen. In getrennten Wahlgängen wird zu-
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
nächst jeweils ein Vorstandsmitglied gewählt. Im
Anschluss daran wird in einem dritten Wahlgang
aus den gewählten Vorstandsmitgliedern der Vorsitzende gewählt, der die berufspolitische Richtlinienkompetenz ausübt.
(6) Als Vorsitzender ist gewählt, wer die höchste Stimmenzahl erhält.
b) In Absatz 11 wird Satz 2 ersatzlos gestrichen.
6. § 14 (Aufgaben des Vorstandes)
§ 14 Absatz 2 wird wie folgt neu gefasst:
„Der Vorsitzende beruft die Sitzungen des Vorstandes
ein und leitet sie. Im Zweifel gibt seine Stimme den Ausschlag.
Der Vorstand gibt sich eine Geschäftsordnung. Bei Unstimmigkeiten hinsichtlich der Geschäftsordnung entscheidet der Beirat.“
7. § 18 (Finanzausschuss)
§ 18 Abs. 2 wird um folgenden Satz 2 ergänzt:
„Die Amtszeit der Mitglieder des Finanzausschusses
entspricht der Amtszeit der Abgeordnetenversammlung, § 9 Abs. 3 Satz 3 gilt entsprechend.“
8. § 19 (Beratender Fachausschuss Psychotherapie)
§ 19 Abs. 3 wird wie folgt neu gefasst:
„Die Dauer der Amtsperiode der Mitglieder des Beratenden Fachausschusses entspricht der der Abgeordnetenversammlung.“
9. § 20 (Beratender Fachausschuss für die hausärztliche Versorgung)
§ 20 Abs. 3 wird wie folgt neu gefasst:
„Die Dauer der Amtsperiode der Mitglieder des Beratenden Fachausschusses entspricht der der Abgeordnetenversammlung.“
10. § 21 (Beratender Fachausschuss für die fachärztliche Versorgung)
§ 21 Abs. 3 wird wie folgt neu gefasst:
„Die Dauer der Amtsperiode der Mitglieder des Beratenden Fachausschusses entspricht der der Abgeordnetenversammlung.“
11. § 22 (Kreisstellen)
In Absatz 4 Satz 3 werden die Worte: „und des Vorstandes“ ersatzlos gestrichen.
12. § 23 (Gerichtliche und außergerichtliche Vertretung der KVSH)
a) In Absatz 1 wird Satz 4 („Im Einzelfall kann auf Beschluss des Vorstandes die KVSH auch durch ein anderes Vorstandsmitglied vertreten werden.“) ersatzlos
gestrichen.
b) Absatz 2 wird ersatzlos gestrichen.
c) Absatz 3 wird wie folgt neu gefasst:
„Erklärungen, welche die KVSH vermögensrechtlich
verpflichten und nicht lediglich den laufenden Geschäftsverkehr betreffen, sollen bei Überschreitung eines Betrages von 5.000,- Euro neben dem für Finanzen zuständigen Vorstandsmitglied auch von dem
weiteren Vorstandsmitglied unterzeichnet werden.“
II. Wahlordnung
1. § 4 (Zusammensetzung der Abgeordnetenversammlung)
§ 4 Absatz 2 wird wie folgt neu gefasst:
„Die Mitgliedschaft in der KVSH bestimmt sich nach
§ 5 Satzung.“
2. § 6 (Wahl der Vertreter der ärztlichen Mitglieder)
In § 6 wird folgender Satz 6 angefügt:
„Stehen Bewerber als Nachrücker gemäß Satz 5 nicht
mehr zur Verfügung, so sind unverzüglich Nachwahlen entsprechend den Bestimmungen für die Neuwahlen durchzuführen.“
3. § 8 (Wahlberechtigung)
a) In Absatz 1 werden die Worte 㤠4 Abs. 2 dieser
Wahlordnung“ ersetzt durch die Worte:
„§ 5 Satzung.“
b) Es wird folgender Absatz 3 eingefügt:
„(3) Ergibt sich für einen Arzt - z. B. aufgrund von Teiltätigkeiten - eine Mitgliedschaft in mehr als einem
Kreis, gelten die Rechte nach Abs. 1 und 2 nur für
den Kreis, in dem der Arzt überwiegend tätig ist.
Im Falle identischen Tätigkeitsumfanges gelten die
Rechte nach Abs. 1 und Abs. 2 nur für den Kreis, in
dem sie zuerst entstanden sind.
Lässt sich weder nach Tätigkeitsumfang noch nach
zeitlicher Entstehung eine Zuordnung vornehmen,
hat sich der Arzt gegenüber der KV unverzüglich für
einen Kreis zu entscheiden.
Liegt bis eine Woche vor dem Stichtag zur Ermittlung
der Wahlberechtigten keine Entscheidung des Arztes bei der KV vor, wird die Zuordnung durch den
Landeswahlausschuss vorgenommen.“
c) Die Bezifferung der bisherigen Absätze 3 bis 5 verschiebt sich entsprechend. Der bisherige Absatz 5 erhält die neue Bezifferung (6).
III. Satzung (Inkrafttreten)
§ 27 Satz 2 Satzung wird wie folgt gefasst:
„Sie tritt am Tage nach der Veröffentlichung mit sofortiger Wirkung in Kraft.“
Ausgabe 1 I Januar 2010 77
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Die vorstehenden Satzungsänderungen bzw. Änderungen der Wahlordnung werden hiermit ausgefertigt und
sind nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde bekannt zu machen.
Bad Segeberg, den 9. November 2009
Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein
Ministerium für Arbeit,
Soziales und Gesundheit
des Landes Schleswig-Holstein
Az.:VIII 211 - 424.940 - 004
Die vorstehende Neufassung der Satzung und der Wahlordnung der Kassenärztlichen Vereinigung SchleswigHolstein mit den von der Abgeordnetenversammlung am
04. November 2009 beschlossenen Änderungen wird gemäß § 81 Absatz 1 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch genehmigt.
Kiel, den 20. November 2009
Folgende Ärzte/Psychotherapeuten
wurden zur Vertragspraxis zugelassen. Diese Beschlüsse sind noch
nicht rechtskräftig, sodass hiergegen noch Widerspruch eingelegt
bzw. Klage erhoben werden kann:
Kreis Dithmarschen
Frau Dr. med. Sabine Anders als Fachärztin für Innere
Medizin und Fachärztin für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie, für 25746 Heide, Rungholtstraße
5 a, im Rahmen einer Sonderbedarfsfeststellung gemäß § 24 b der Bedarfsplanungs-Richtlinie.
Stadt Kiel
Herr Dr. med. Thomas Nordmeyer wurde als Belegarzt am St. Elisabeth-Krankenhaus in Kiel gemäß § 103
Abs. 7 SGB V als Facharzt für Chirurgie und Facharzt für
Chirurgie, Schwerpunkt Unfallchirurgie, für 24103 Kiel,
Königsweg 8, zugelassen.
Folgende Ärzte/Psychotherapeuten
wurden rechtskräftig zur Vertragspraxis zugelassen:
Kreis Dithmarschen
Die Zulassung von Herrn Dr. med. Klaus Germann,
Wöhrden, als Facharzt für Allgemeinmedizin, beschränkt
78
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Karin Weichert
auf einen hälftigen Versorgungsauftrag, wurde umgewandelt in die eines Facharztes für Psychotherapeutische
Medizin mit vollem Versorgungsauftrag.
Stadt Flensburg
Herr Dipl.-Psych. Gary Kaufhold als Psychologischer
Psychotherapeut für einen halben Versorgungsauftrag
für 24943 Flensburg, Weberstraße 2, als Nachfolger für
Frau Margarete Malzer-Gertz.
Stadt Kiel
Frau Dipl.-Psych. Ute Buckermann-Grömm als Psychologische Psychotherapeutin mit halbem Versorgungsauftrag für 24105 Kiel, Holtenauer Straße 93, als
Nachfolgerin für Herrn Dipl.-Psych. Volker Grömm.
Herr Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Jürgen Leistikow, Psychologischer Psychotherapeut in 24103 Kiel, Lorentzendamm 14, zusätzlich als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut.
Stadt Lübeck
Herr Dipl.-Psych. Horst Wolter als Psychologischer Psychotherapeut für 23552 Lübeck, Mühlenstraße 68, als
Nachfolger für Frau Dipl.-Psych. Brigitte Halenta.
Herr Dr. med. Hannu Grundei ab 01.02.2010 als Facharzt für Orthopädie und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie für 23570 Lübeck-Travemünde, Vorderreihe
35, als Nachfolger für Herrn Dr. med. Michael Holleck.
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Herr Dr. med. Hannu Grundei, Facharzt für Orthopädie
und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Lübeck, und Herr Dr. med. Peter Knöll, Facharzt für Orthopädie in Mölln, haben die Genehmigung zur Führung
einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft erhalten.
Kreis Pinneberg
Frau Dipl.-Psych. Maren Hansen als Psychologische
Psychotherapeutin für einen halben Versorgungsauftrag für 25355 Barmstedt, Beim Reihergehölz 4, als
Nachfolgerin für Herrn Dipl.-Psych. Michael Eichberger.
tragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung diverser Leistungen wurde bis zum 31.12.2011 verlängert.
Stadt Flensburg
Die bis zum 31.03.2010 befristete Ermächtigung von
Herrn Dr. med. Horst Ostertag, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Diakonissenkrankenhauses Flensburg, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung diverser
Leistungen wurde bis zum 31.03.2012 verlängert.
Kreis Herzogtum Lauenburg
Kreis Rendsburg-Eckernförde
Das MVZ ViGeZ Villa Schwensen Gesundheitszentrum
in Rendsburg hat die Genehmigung zur Beschäftigung
von Frau Dr. phil. Dipl.-Psych. Manuela Kühn als angestellte Psychologische Psychotherapeutin in einer Halbtagstätigkeit erhalten.
Herr Dr. med. Christian Müller-Grotrian, Leitender Oberarzt des DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg in Ratzeburg, wurde mit Wirkung vom 12.11.2009, befristet bis
zum 31.12.2011, ermächtigt zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung folgender Leistungen im Rahmen der Schmerztherapie:
Das MVZ ViGeZ Villa Schwensen Gesundheitszentrum
in Rendsburg hat die Genehmigung zur Beschäftigung
von Frau Dipl.-Psych. Alexandra Sörensen als angestellte
Psychologische Psychotherapeutin in einer Halbtagstätigkeit erhalten.
1. diagnostische und therapeutische Blockaden peripherer Nerven sowie rückenmarksnahe Anästhesien,
ausgenommen Quaddel- und Neuraltherapie,
Herr Dipl.-Psych. Ralf Steenblock als Psychologischer
Psychotherapeut mit halbem Versorgungsauftrag für
24594 Hohenweststedt, Berliner Ring 24, als Nachfolger
für Frau Dipl.-Psych. Doris von Ahlen.
3. spezielle Schmerztherapie bei incurablem Grundleiden.
Kreis Segeberg
Herr Bernhard Weber ab 01.02.2010 als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin für 23795 Bad Segeberg, Oldesloer Straße 9-13, als Nachfolger für Frau Dr. med.
Christiane Palmen.
Folgende Ärzte/Psychotherapeuten
wurden zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis
ermächtigt. Diese Beschlüsse sind
noch nicht rechtskräftig, sodass
hiergegen noch Widerspruch eingelegt bzw. Klage erhoben werden
kann:
Kreis Dithmarschen
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Dr. med. Reinhard Jensen, Leitender Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am
Westküstenklinikum Heide, zur Teilnahme an der ver-
2. spezielle Schmerztherapie bei Therapieresistenz nach
Abklärung des Grundleidens,
Im Rahmen der Ermächtigung für Schmerztherapie sind
folgende Nummern des EBM abrechnungsfähig: 01320,
01430, 01510, 01511, 01512, 01602, 01620, 01622,
02100, 02360, 30710, 30712, 30721, 30723, 30730,
30731, 30740 und 30760.
Herr Dr. med. Roland Preuss, Chefarzt der Inneren Abteilung des DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg
gGmbH, wurde mit Wirkung vom 01.01.2010, befristet
bis zum 31.12.2011, längstens bis zum Ende seiner
ärztlichen Tätigkeit am vorgenannten Krankenhaus zur
Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung zur
Durchführung folgender Leistungen ermächtigt:
1. interventionelle/operative Endoskopie auf Überweisung
durch Vertragsärzte:
a) PEG gemäß der Nummer 13412 EBM, sowie nach Vordiagnostik:
b) Bougierung gemäß der Nummer 13410 EBM,
c) Stenteinlagen gemäß der Nummer 13411 EBM,
d) Sklerosierung gemäß der Nummer 13401 EBM,
e) ERCP gemäß den Nummern 13430 und 13431 EBM,
f) Polypektomien gemäß der Nummern13402 und 13423
EBM.
Ausgabe 1 I Januar 2010 79
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Im Zusammenhang mit den in Punkt 1 aufgeführten
Leistungen ist gegebenenfalls die Nummer 13400 EBM
zusätzlich abrechenbar.
2. H2-Atemtest gemäß der Nummer 02401 EBM auf
Überweisung durch Vertragsärzte.
3.Endosonographie nach endoskopischer bzw. bildgebender Vordiagnostik gemäß den Nummern 13257
und 33042, gegebenenfalls 33081, 33090, 33092,
13400 EBM auf Überweisung durch Vertragsärzte.
Im Zusammenhang mit der Nummer 13400 EBM ist
die Durchführung von Argonplasmakoagulation gemäß
Nummer 13424 EBM möglich. Der Umfang von Ziffer
3 gilt auch für gilt auch für Tumorstaging und Nachsorge.
4. Koloskopien gemäß den Nummern 13257, 13421,
13422 und 13423 EBM auf Überweisung durch koloskopierende Ärzte.
5. Gefäßsonographische Untersuchungen gemäß den
Nummern 33060, 33061, 33070, 33071, 33072, 33073
und 33075 EBM auf Überweisung durch Vertragsärzte.
6. Durchführung von Leistungen gemäß den Nummern
02340, 02341, 02342 und 02343 EBM auf Überweisung
durch Vertragsärzte.
Die bis zum 31.03.2010 befristete Ermächtigung von
Herrn Matthias Follak, Oberarzt an der Psychiatrischen
Abteilung des Johanniter Krankenhauses Geesthacht,
zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung zur
Durchführung diverser Leistungen wurde bis zum
31.03.2012 verlängert.
Stadt Kiel
Herr Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Claaß, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Städt. Krankenhauses Kiel GmbH, und Herr Dr. med. Niko Lorenzen, Oberarzt an der vorgenannten Klinik, wurden mit
Wirkung ab 01.04.2010 befristet bis zum 31.03.2012,
längstens bis zum Ende ihrer ärztlichen Tätigkeiten an
der vorgenannten Klinik, in folgendem Umfang ermächtigt:
Diagnostik und Therapie schwerer Krankheitsbilder aus
den Bereichen Gastroenterologie und Diabetes mellitus
auf Überweisung durch zugelassene Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin und in besonders zu begründenden Einzelfällen auf Überweisung durch Vertragsärzte. Im Rahmen dieser Ermächtigungen sind folgende Nummern abrechenbar: 01321, 01430, 01602, 02320,
02341, 02401, 04330, 04521, 04536, 32042, 32045,
80
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
32057 und 32089 EBM. Die darüber hinausgehenden Anträge auf Verlängerung der Ermächtigung von Herrn
Dr. Claas und auf Erweiterung der Ermächtigung von
Herrn Dr. Lorenzen zur Durchführung von Leistungen
nach den Nummern 04120, 04121, 04212, EBM, werden
abgelehnt. Die Ermächtigungen erstrecken sich nicht auf
solche Leistungen, die gemäß § 115 a bzw. 115 b SGB
V erbracht werden. Die Ermächtigungen beinhalten
nicht solche Leistungen, die das Städt. Krankenhaus Kiel
nach § 116 b SGB V abrechnen kann.
Frau Dr. phil. Dipl.-Soz.-Päd. Gabriele Gerber-von Müller, wissenschaftliche Angestellte am Institut für Med. Psychologie und Med. Soziologie am Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein, Campus Kiel, wurde mit Wirkung
vom 17.11.2009 ermächtigt zur Durchführung von ambulanter Verhaltenstherapie bei akut psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen mit einer Diagnose
gemäß ICD 10 F.43.0 (akute Belastungsreaktion) von bis
zu sechs Stunden pro Patient (biografische Anamnese,
probatorische Sitzungen, lediglich antragsfreie Leistungen, keine antragsgebundene Psychotherapie).
Stadt Lübeck
Herr Dr. med. Torsten A. Lucas, Oberarzt an der Klinik
für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter des Bereiches
Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, wurde mit
Wirkung vom 01.01.2010, befristet bis zum 31.12.2011,
längstens jedoch bis zum Ende seiner ärztlichen Tätigkeit an der vorgenannten Klinik, ermächtigt zur Durchführung folgender Leistungen auf Überweisung durch
Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin und psychotherapeutisch tätige Ärzte:
1. Diagnostik und Therapie kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen,
2. Durchführung tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen und ihren
erwachsenen Bezugspersonen sowie von Familientherapie,
3. autogenes Training.
Im Rahmen dieser Ermächtigung sind folgende Nummern des EBM abrechnungsfähig: 01321, 01612, 14220,
14221, 14222, 35111, 35112, 35113, 35130, 35131,
35140, 35141, 35142, 35150, 35200, 35201, 35202,
35203, 35300, 35301, 35302.
Frau Prof. Dr. med. Gabriele Gillessen-Kaesbach, Direktorin des Instituts für Humangenetik des Universi-
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
tätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und
Herr Dr. med. Manfred Schürmann, Arzt am Institut für
Humangenetik des Universitätsklinikums SchleswigHolstein, Campus Lübeck, wurden mit Wirkung vom
01.01.2010 befristet bis zum 31.12.2011, längstens bis
zum Ende ihrer ärztlichen Tätigkeit am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung auf Überweisung durch zugelassene Fachärzte für Humangenetik bzw. bei einem
Vertragsarzt oder in einem Medizinischen Versorgungszentrums angestellte Fachärzte für Humangenetik, zugelassene Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin und zugelassene Fachärzte für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe zur Durchführung humangenetischer
Leistungen ermächtigt. Laborleistungen gemäß den
Nummern 11310 bis 11322 EBM sind im Rahmen dieser Ermächtigungen nur auf Überweisung durch zugelassene Laborärzte abrechenbar. Darüber hinaus sind die
Nummern 01602, 01793 und 01835 EBM abrechenbar.
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Dr. med. Jan Weichert, Oberarzt an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, zur
Betreuung von Risikoschwangerschaften und Schwangerschaften, bei denen Auffälligkeiten durch niedergelassene Gynäkologen gesehen werden, auf Überweisung
durch zugelassene Fachärzte für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe, wurde bis zum 31.12.2011 verlängert. Im
Rahmen dieser Ermächtigung sind folgende Nummern
des EBM abrechenbar: 01320, 01602, 01773, 01774,
01775, 01782, 01786 EBM. Für die Ermächtigung gilt gemeinsam mit Herrn Dr. Schröer eine Begrenzung der Abrechnung von höchstens 200 Fällen pro Quartal. Darüber hinaus ist eine Leistungserbringung ohne Fallzahlbegrenzung auf Überweisung von nach DEGUM II zertifizierte zugelassenen Fachärzten für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe möglich.
Herr Dr. med. Andreas Schröer, Oberarzt an der Klinik
für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, wurde
mit Wirkung vom 03.12.2009, befristet bis zum
31.12.2011, längstens bis zum Ende seiner ärztlichen Tätigkeit an der vorgenannten Klinik, zur Betreuung von Risikoschwangerschaften und Schwangerschaften, bei
denen Auffälligkeiten durch niedergelassene Gynäkologen gesehen werden, auf Überweisung durch zugelassene Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, ermächtigt. Im Rahmen dieser Ermächtigung sind
folgende Nummern des EBM abrechenbar: 01320,
01602, 01773, 01774, 01775, 01782, 01786 EBM. Für die
Ermächtigung gilt gemeinsam mit Herrn Dr. Weichert eine
Begrenzung der Abrechnung von höchstens 200 Fällen
pro Quartal. Darüber hinaus ist eine Leistungserbringung
ohne Fallzahlbegrenzung auf Überweisung von
DEGUM II zertifizierten zugelassenen Fachärzten für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe möglich.
Kreis Nordfriesland
Herr Dr. med. Thomas Wander, Chefarzt der Internistischen Abteilung der Klinikum Nordfriesland gGmbH,
Inselklinik Föhr/Amrum, wurde mit Wirkung vom
01.01.2010, befristet bis zum 31.12.2011, längstens jedoch bis zum Ende seiner ärztlichen Tätigkeit an der vorgenannten Klinik, ermächtigt zur Durchführung folgender Leistungen:
1. Echokardiographie inkl. PW-, CW- und Farbdopplerechokardiographie (EBM-Leistungen: 33020, 33021,
33022),
2. Sonographie der peripheren Venen zum Ausschluss
einer akuten Venenthrombose (EBM-Leistung: 33076),
3. Mitbehandlung von Patienten mit Diabetes mellitus bei
instabiler Stoffwechsellage,
4. Röntgen der Thoraxorgane (EBM-Leistungen: 34240,
34241),
5. Dopplersonographie der peripheren Venen und Arterien (EBM-Leistung: 33061),
6. sonographisch gesteuerte Punktionen von Organen
(EBM-Leistungen: 02340, 32112, 32113, 33012, 33042,
33092),
7. Beckenkammpunktionen zur Gewinnung eines Knochenstanzzylinders und von Knochenmark (EBMLeistungen: 02341, 32112, 32113).
Im Rahmen dieser Ermächtigung sind darüber hinaus
die Nummern 01321 und 01602 EBM abrechenbar.
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Dr. med. Steffen Krause, kommissarischer
Chefarzt der Chirurgischen Abteilung der Klinikum Nordfriesland gGmbH, Klinik Tönning, zur Teilnahme an der
vertragsärztlichen Überweisungspraxis als Facharzt für
Chirurgie in Tönning wurde bis zum 31.12.2011 verlängert. Die Ermächtigung erstreckt sich nicht auf solche
Leistungen, die gemäß § 115 a SGB V erbracht werden.
Ferner beinhaltet die Ermächtigung keine Leistungen, die
die Klinikum Nordfriesland gGmbH, Klinik Tönning, im
Rahmen der Zulassung nach § 115 b SGB V erbringt.
Ausgabe 1 I Januar 2010 81
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Die bis zum 31.03.2010 befristete Ermächtigung von
Herrn Dr. med. Kai von Hielmcrone, Leitender Arzt der
Inneren Abteilung der Klinik Niebüll des Klinikums Nordfriesland gGmbH, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen
Überweisungspraxis zur Durchführung diverser Leistungen wurde bis zum 31.03.2012 verlängert und redaktionell wie folgt neu gefasst:
1. Durchführung der nachstehend aufgeführten Leistungen:
a) Bronchoskopien auf Überweisung durch Vertragsärzte,
b) ultraschallgezielte Feinnadelpunktionen auf Überweisung durch Vertragsärzte,
c) Beckenkammbiopsien auf Überweisung durch Vertragsärzte.
2. Durchführung folgender Leistungen auf Überweisung
durch gastroentero-endoskopierende Ärzte:
a) Oesophaguskopien mit operativem Eingriff,
b) ERCP,
c) Koloskopien,
d) Makropartikelbiopsien des Magens,
e) Oesophagusbougierungen,
f) Oesophagusvarizensklerosierungen.
3) Durchführung der in den Nummern 32030, 32031,
32122 und 32128 EBM enthaltenen Leistungen auf
Überweisung des ermächtigten Dr. Klima, Chefarzt der
chirurgischen Abteilung der Klinik Niebüll.
4) Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis
C und B aus der Region auf Überweisung durch Vertragsärzte. In diesem Zusammenhang sind die Nummern 02101, 13250 und 33042 EBM abrechnungsfähig.
Die Ermächtigung beinhaltet auch die Durchführung
von Leistungen nach der Nummer 13421 EBM.
Die Ermächtigung beinhaltet nicht solche Leistungen, die
die Klinik Niebüll nach § 116 b SGB V im Rahmen der
ambulanten Diagnostik und Versorgung von Patienten
mit onkologischen Erkrankungen abrechnen kann.
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Claus Warnecke, Facharzt für Radiologische
Diagnostik an der Asklepios Nordseeklinik Westerland/Sylt, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung diverser Leistungen
wurde bis zum 31.12.2011 verlängert. Punkt 2 der Ermächtigung wird um die Nummer 99351B der Anlage 10
zum Versorgungsvertrag nach § 73 c SGB V über qualitätsgesicherte Mamma-Diagnostik (QuaMaDi) ergänzt.
82
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Kreis Ostholstein
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Dr. med. Malte Grabener, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie der Sana Kliniken Ostholstein, Klinik Eutin, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen
Überweisungspraxis zur Durchführung diverser Leistungen wurde bis zum 31.12.2011 verlängert. Die Ermächtigung erstreckt sich nicht auf solche Leistungen,
die gemäß § 115a SGB V erbracht werden. Ferner beinhaltet die Ermächtigung keine Leistungen, die die
Sana Kliniken Ostholstein, Klinik Oldenburg, im Rahmen
der Zulassung nach § 115 b SGB V erbringt.
Kreis Pinneberg
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Doctor-Medic Stefan Tardos, Leitender Arzt
der Medizinischen Klinik der Regio Kliniken gGmbH,
Klinikum Pinneberg, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung diverser
Leistungen wurde bis zum 31.12.2011 verlängert.
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Dr. med. Jens-Henning Frese, Oberarzt an der
Medizinischen Klinik der Regio Kliniken gGmbH, Klinikum Pinneberg, zur Kontrolle von Herzschrittmachersystemen auf Überweisung durch Fachärzte für Innere
Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie wurde bis zum
31.12.2011 verlängert. Die Ermächtigung erstreckt sich
nicht auf solche Leistungen, die gemäß § 115 a SGB V
erbracht werden.
Frau Gabriele Ziegeler-Botzet, Oberärztin an der Klinik
für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums Pinneberg der Regio-Kliniken GmbH, wurde mit Wirkung vom
03.12.2009, befristet bis zum 31.12.2011, längstens bis
zum Ende ihrer ärztlichen Tätigkeit an der vorgenannten Klinik, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Planung der Geburtsleitung gemäß
der Nummer 01780 EBM ermächtigt.
Kreis Rendsburg-Eckernförde
Herr Prof. Dr. med. Joachim Brossmann, Chefarzt der
Abteilung Diagnostische und Interventionelle Radiologie
am Kreiskrankenhaus Rendsburg-Eckernförde, Rendsburg, wurde mit Wirkung vom 01.01.2010, befristet bis
zum 31.12.2011, längstens jedoch bis zum Ende seiner
Tätigkeit an der vorgenannten Klinik, ermächtigt zur
Durchführung von Leistungen gemäß den Ziffern 99361
bis 99363 der Anlage 10 des Versorgungsvertrages
nach § 73 c SGB V über Qualitätsgesicherte MammaDiagnostik (QuaMaDi).
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Herr Gerhard Steiner, Oberarzt an der Klinik für Kinderund Jugendmedizin des Kreiskrankenhauses Rendsburg-Eckernförde, Rendsburg, und Frau Dr. med. Katja
Bruhn, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin an der
vorgenannten Klinik, wurden mit Wirkung vom
01.01.2010, befristet bis zum 31.12.2011, längstens bis
zum Ende ihrer ärztlichen Tätigkeit an der vorgenannten Klinik wie folgt ermächtigt:
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Frau Dr. med. Gabriele Berger, Assistenzärztin in der
Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel,
zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Betreuung allergie- und asthmakranker
Kinder wurde bis zum 31.12.2011 verlängert.
Durchführung von Untersuchungen und Behandlungen
der Neuropädiatrie bei Kindern und Jugendlichen bis
zum vollendeten 18. Lebensjahr gemäß Kapitel 4.4.2 EBM
mit den darin enthaltenen Gebührenordnungspositionen
sowie den Nummern 01321, 01435, 01602 und 33052
EBM auf Überweisung durch Fachärzte für Kinder- und
Jugendmedizin und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Die Ermächtigung von Herrn Dr. med. Manuel Rett,
Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des
Klinikums Itzehoe, wurde insoweit erweitert, als er Leistungen, die unter Punkt 2 der bisherigen Ermächtigung
aufgeführt sind, mit Wirkung ab 03.12.2009 auf Überweisung durch zugelassene Vertragsärzte, die am (DMP)
Asthma bronchiale teilnehmen, durchführen kann. Die
Befristung der gesamten Ermächtigung bis zum
31.12.2010 bleibt bestehen.
Zur Durchführung von Diagnostik und Therapie von cerebralen Anfallsleiden (Epilepsien) erfolgt die Ermächtigung mit gleichem Wortlaut auf Überweisung durch alle
Vertragsärzte.
Die bis zum 31.03.2010 befristete Ermächtigung von
Herrn Egbert Kloppmann, Oberarzt an der Abteilung
für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der
Klinik Rendsburg des Kreiskrankenhauses Rendsburg-Eckernförde, zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung diverser Leistungen wurde bis zum 31.03.2012 verlängert.
Kreis Schleswig-Flensburg
Herr Dr. med. Hans-Jürgen Gustav Bargmann sowie Herr
Dr. med. Jan Pasel, wurden mit Wirkung vom 27.11.2009
ermächtigt gemäß § 24 Abs. 3 Ärzte-ZV für 24960 Glücksburg, Sandwigstraße 1 a, als Fachärzte für Plastische und
Ästhetische Chirurgie.
Kreis Segeberg
Die bis zum 31.12.2009 befristet gewesene Ermächtigung
von Herrn Dr. med. Hans Beurich, Oberarzt an der Segeberger Kliniken GmbH, Bad Segeberg, zur Teilnahme
an der vertragsärztlichen Überweisungspraxis zur Durchführung diverser Leistungen wurde bis zum 31.12.2011
verlängert.
Die Ermächtigung beinhaltet nicht solche Leistungen, die
die Segeberger Kliniken GmbH, Bad Segeberg, im Rahmen der spezialisierten Diagnostik und Therapie der
schweren Herzinsuffizienz (NYHA Stadium 3-4) nach
§ 116 b SGB V abrechnen kann.
Kreis Steinburg
Kreis Stormarn
Herr Dr. med. Christian Kugler, Chefarzt der Abteilung
für Thoraxchirurgie des Krankenhauses Großhansdorf,
wurde mit Wirkung vom 03.12.2009, befristet bis zum
30.06.2011, längstens bis zum Ende seiner ärztlichen Tätigkeit am vorgenannten Krankenhaus, zur Teilnahme an
der vertragsärztlichen Versorgung zur Durchführung
von konsiliarischen Beratungen und Untersuchungen zur
Abklärung des weiteren diagnostischen und therapeutischen Vorgehens im Rahmen der Krankheitsbilder des
thoraxchirurgischen Bereiches auf Überweisung durch
zugelassene Fachärzte für Chirurgie und Fachärzte für
Lungen- und Bronchialheilkunde sowie Fachärzte für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie/Pulmologie, ermächtigt. Dazu gehören auch therapeutische Maßnahmen aus dem Bereich der Thoraxchirurgie.
Die Ermächtigung beinhaltet nicht solche Leistungen, die
das Krankenhaus Großhansdorf im Rahmen der Diagnostik und Versorgung von Patienten mit onkologischen
Erkrankungen nach § 116 b SGB V abrechnen kann.
Öffentliche Ausschreibung eines Vertragsarztsitzes gemäß § 103 Abs. 4
SGB V
Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein
schreibt auf Antrag von Ärzten/Psychotherapeuten dessen/deren Vertragsarztsitz zur Übernahme durch einen
Nachfolger aus, da es sich um ein für weitere Zulassungen gesperrtes Gebiet handelt:
Ausgabe 1 I Januar 2010 83
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
Kreisregion Stadt Flensburg/
Kreis Schleswig-Flensburg
23801/2009
Praxis einer Psychologischen Psychotherapeutin/
eines Psychologischen Psychotherapeuten
- halbe Zulassung Bewerbungsfrist: 28.02.2010
23697/2009
Praxis einer Psychologischen Psychotherapeutin/
eines Psychologischen Psychotherapeuten
- halbe Zulassung Bewerbungsfrist: 28.02.2010
24034/2009
Praxis einer Psychologischen Psychotherapeutin/
eines Psychologischen Psychotherapeuten
- halbe Zulassung Bewerbungsfrist: 28.02.2010
Stadt Kiel
23863/2009
Praxis eines Hausarztes/einer Hausärztin
Bewerbungsfrist: 31.01.2010
24385/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Bewerbungsfrist: 31.01.2010
24387/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Augenheilkunde
Bewerbungsfrist: 28.02.2010
Stadt Lübeck
23550/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Diagnostische Radiologie
Bewerbungsfrist: 31.01.2010
23562/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
- halbe Zulassung Bewerbungsfrist: 31.01.2010
84
24090/2009
Praxis eines Hausarztes/einer Hausärztin
Bewerbungsfrist: 28.02.2010
Kreis Ostholstein
24033/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Psychotherapeutische Medizin
- halbe Zulassung Bewerbungsfrist: 28.02.2010
Kreis Pinneberg
23824/2009
Praxis eines Hausarztes/einer Hausärztin
Bewerbungsfrist: 28.02.2010
Kreis Stormarn
23736/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Psychotherapeutische Medizin
- halbe Zulassung Bewerbungsfrist: 28.02.2010
23984/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Bewerbungsfrist: 31.01.2010
Der/Die abgabewillige Arzt/Ärztin möchte zunächst noch
anonym bleiben. Interessenten können Näheres bei
der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein
erfahren (Tel.: 04551/883346, 883259, 883291, 883303,
883378, 883327).
Bewerbungen um diese Vertragspraxen sind innerhalb
der jeweils, angegebenen Bewerbungsfrist an die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein, Bismarckallee 1-3, 23795 Bad Segeberg, zu richten. Der Bewerbung sind die für die Zulassung zur Vertragspraxis
erforderlichen Unterlagen beizufügen:
- Auszug aus dem Arztregister,
- ein unterschriebener Lebenslauf.
Kreisregion Stadt Neumünster/
Kreis Rendsburg-Eckernförde
Außerdem sollte bereits vorab durch den Bewerber ein
polizeiliches Führungszeugnis der Belegart „O“, ein so
genanntes Behördenführungszeugnis, bei der zuständigen Meldebehörde beantragt werden, das der KV
Schleswig-Holstein dann unmittelbar vom Bundeszentralregister übersandt wird.
23737/2009
Praxis eines Facharztes/einer Fachärztin für
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Bewerbungsfrist: 28.02.2010
Die Bewerbungsfrist ist gewahrt, wenn aus der Bewerbung eindeutig hervorgeht, auf welche Ausschreibung
sich die Bewerbung bezieht, für welchen Niederlassungsort (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort) die Zulas-
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
MITTEILUNGEN DER KASSENÄRZTLICHEN VEREINIGUNG
sung beantragt wird und ein Arztregisterauszug beigefügt wurde. Sollte innerhalb der Bewerbungsfrist keine
Bewerbung eingehen, so akzeptiert der Zulassungsausschuss Bewerbungen, die bis zu dem Tag eingehen,
an dem die Ladung zu der Sitzung des Zulassungsausschusses verschickt wird, in der über die ausgeschriebene Praxis verhandelt wird.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Ärzte, die
für diesen Planungsbereich und diese Fachrichtung
eine Eintragung in die Warteliste beantragt haben, nicht
automatisch als Bewerber für diese Praxis gelten. Es ist
in jedem Fall eine schriftliche Bewerbung für diesen
Vertragsarztsitz erforderlich, die Eintragung in die Warteliste befreit hiervon nicht.
â
Um die Übernahme von ausgeschriebenen Vertragsarztsitzen von Hausärzten (Fachärzte für Allgemeinmedizin, prakt. Ärzte und hausärztlich tätige Internisten) können sich sowohl Fachärzte für Allgemeinmedizin als
auch hausärztlich tätige Internisten bewerben.
Um die Übernahme von ausgeschriebenen Vertragspsychotherapeutenpraxen können sich Psychologische
Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Ärzte für Psychotherapeutische Medizin
sowie Ärzte, die beabsichtigen, ausschließlich psychotherapeutisch tätig zu werden, bewerben.
SCHLICHTUNGEN IN ARZTHAFTPFLICHTFRAGEN
Anlass der
ärztlichen Tätigkeit
Ärztliche
Maßnahme
Vermeidbarer
ärztlicher Fehler
Resultierender
Schaden
ALLGEMEINCHIRURGIE
Epidermalzyste
Radikale modifizierte Operation wie bei
Mastektomie, Gabe von Malignom, da keine intraoperative SchnellAntibiotika
schnittdiagnostik veranlasst
Verlust von Brustdrüse mit
Mamille und Pektoralisfaszie, Wundinfektion, ReOperationen, große Narbe
Keine adäquate Schaftgröße verwendet, keine
sofortige Re-Operation
bei Schaftfraktur
Re-Operation, drei Tage
vermehrte Beschwerden
ORTHOPÄDIE
Koxarthrose
Hüft-TEPImplantation
UNFALLCHIRURGIE
Fraktur mehrerer Mittelhandknochen
Reposition, postopera- Rotationsfehlstellung
nicht erkannt
tive Therapie
Rotationsfehlstellung Zeige- und Mittelfinger
Femurfraktur Pauwels-I
Duokopfprothesenim- Implantat war nicht indiziert (Lebensalter,
plantation
Frakturform)
Gelenkverlust
Die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Hans-Böckler-Allee 3, 30173 Hannover, Tel. 0511/3802416, ist eine Einrichtung der Ärztekammern zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Ärzten und Patienten wegen behaupteter Behandlungsfehler unter Beteiligung des Haftpflichtversicherers des betroffenen Arztes. Die Schlichtungsstelle hat bei folgenden Anträgen aus Schleswig-Holstein einen Behandlungsfehler bejaht:
Ausgabe 1 I Januar 2010 85
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
Stellenangebote/Stellengesuche
Flensburg – Stadt zwischen den Meeren
Das Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital in Flensburg, Akademisches Lehrkrankenhaus der Christian-AlbrechtsUniversität Kiel, ist ein leistungsstarkes, nach modernen Gesichtspunkten ausgestattetes Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Gemeinsam mit dem benachbarten Evangelisch-Lutherischen Diakonissenkrankenhaus sind wir im Medizinischen
Klinikverbund Flensburg als drittgrößter Klinik-Standort in Schleswig-Holstein tätig. In den Bereichen Innere Medizin, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Geriatrie, Strahlentherapie, Anästhesie- und Intensivmedizin sowie Nuklearmedizin
behandeln wir jährlich ca. 10.000 stationäre Patienten.
Als Belegabteilungen sind bei uns die HNO und MKG-Chirurgie sowie die Zahnheilkunde angesiedelt. Im Rahmen des
Klinikverbundes Flensburg hält das Partnerkrankenhaus weitere 14 klinische Fachabteilungen vor.
Wir suchen zum nächstmöglichen Termin
einen Assistenzarzt (m/w)
für unsere Klinik für Strahlentherapie
In enger Zusammenarbeit mit allen Krankenhäusern der Region Sønderjylland und den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg werden deutsche und dänische Patienten einer Hochvolttherapie
am Linearbeschleuniger oder einer Brachytherapie am Afterloading-Gerät zugeführt. Die Strahlentherapie ist mit zwei Linearbeschleunigern, virtueller Simulation am Planungs-CT, Brachytherapie
inkl. Seeds und 3-D-Planungssystem modern ausgestattet. Die Radiochemotherapie erfolgt gemeinsam mit den internistischen Onkologen im Zentrum für Onkologie unseres Hauses, der Onkologisk
afdeling des Sønderborg Sygehus sowie den niedergelassenen Onkologen im Netzwerk des Tumorzentrum Flensburg.
Ihre Aufgaben und Qualifikation:
Ihre Aufgaben in unserem interdisziplinären Team umfassen alle auf die Strahlentherapie vorbereitende
und begleitende ärztliche Tätigkeiten mit der Möglichkeit einer fundierten Weiterbildung an einem
großen, grenzübergreifend engagierten Standort zu geregelter Arbeitszeit ohne Nacht- oder Wochenenddienst. Die Stelle ist daher gleichermaßen interessant für Ärzte (m/w) in der Weiterbildung zum
Facharzt für Strahlentherapie wie auch für Ärzte (m/w) mit abgeschlossener Weiterbildung in Allgemeinmedizin oder onkologischer Erfahrung in einem klinischen Fachgebiet.
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mit Einrichtungen der Altenhilfe, mit Krankenhäusern und
Hospizarbeit, in Erste-HilfeAusbildung, im Zivil- und
Katastrophenschutz, im
Rettungsdienst, in ambulanter
Pflege und Betreuung, in
verbandlicher Jugendarbeit, in
Jugend- und Suchthilfe und in
der Gesundheitsförderung.
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der katholischen Kirche zum
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Vergütung erfolgt nach AVR Caritas, mindestens aber nach dem Marburger Bund Tarif. Daneben
bieten wir eine leistungsorientierte Poolbeteiligung und die im Caritasverband üblichen Sozialleistungen. Flensburg ist eine lebendige Ostseestadt mit 89.000 Einwohnern und liegt in landschaftlich reizvoller Umgebung an der Flensburger Förde im Zentrum der deutsch-dänischen Region
Sønderjylland-Schleswig mit einem hohen maritimen Freizeitwert.
Eine positive Grundeinstellung zu den christlichen Zielen unseres Trägers setzen wir voraus.
Ergänzende Informationen stehen Ihnen auf der Homepage des Malteser Krankenhauses
St. Franziskus-Hospital - www.malteser-franziskus.de - zur Verfügung.
Rückfragen beantwortet Ihnen gerne Herr Chefarzt Dr. med. Hans-Jürgen Brodersen,
Tel.: 0461/816-2555.
Bitte senden Sie Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen an die
Personalabteilung der
Malteser St. Franziskus gGmbH
Waldstraße 17
24939 Flensburg
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Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
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Hochleistungsfähige radiologische Praxis im Haus
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der Medizinischen Fakultät der Universität Lübeck sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Unseren Patienten bieten
wir innovative medizinische Versorgung auf hohem Niveau und individuelle Pflege nach neuesten Standards. Als Unternehmen sind
wir effizient und zukunftsorientiert aufgestellt. Wirtschaftlicher Erfolg bestätigt unsere Arbeit. Unseren Beschäftigten bieten wir eine
gesunde Basis für ihre Karriere- und Lebensplanung in einem attraktiven Umfeld mit hoher Lebensqualität in der Metropolregion
Hamburg.
Für den orthopädischen Sitz in unserem MVZ in Glückstadt suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n
Fachärztin/Facharzt für Orthopädie oder Orthopädie/Unfallchirurgie
– in Voll- oder Teilzeit –
Die Verbindung dieser Aufgabe mit einer Tätigkeit in der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im Klinikum Itzehoe
ist möglich.
In unserem MVZ betreiben wir eine orthopädische und eine chirurgische Praxis. Wir behandeln im Jahr rund 9.500 Patienten
ambulant und führen rund 400 ambulante Operationen durch. Unsere operativen Schwerpunkte liegen zzt. in der arthroskopischen Knie- und Schulterchirurgie sowie in der Hand- und Fußchirurgie. Die ambulanten und kurzstationären Operationen
werden in den OPs der Stadtklinik Glückstadt durchgeführt. Für die stationären Operationen steht zudem das hochmoderne und
innovative Leistungsspektrum des Klinikums Itzehoe zur Verfügung.
Wir wünschen uns von Ihnen:
Überdurchschnittliches Engagement und Teamfähigkeit
Kreativität, Flexibilität und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge
Qualitäts- und patientenorientiertes Arbeiten
Interesse an der Arbeit in der Praxis
Die Zusatzqualifikationen Chirotherapie und manuelle Therapie sowie die fachgebundene Radiologie sind wünschenswert
Wir bieten Ihnen:
Ein hohes Maß an Eigenständigkeit
Die Möglichkeit zur Entwicklung Ihrer Schlüsselkompetenzen
Gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
Wir suchen eine/n engagierte/n Fachärztin/arzt, die/der die weitere Entwicklung des orthopädischen Leistungsspektrums
maßgeblich mitgestaltet und ausbaut. Auf die Berücksichtigung der Belange der niedergelassenen Ärzte legen wir besonderen
Wert und führen eine offene Kommunikation mit den niedergelassenen Kollegen.
Für erste Rückfragen steht Ihnen unser Chefarzt der Klinik für
Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im Klinikum Itzehoe,
Herr Dr. Michael Kappus, unter der Tel. 04821 772-2100 gerne
zur Verfügung. Schwer behinderte Bewerberinnen und Bewerber
werden bei gleicher Qualifikation und Eignung vorrangig berücksichtigt.
Medizinisches Zentrum –
Klinikum Itzehoe
Personalmanagement
Robert-Koch-Str. 2 • 25524 Itzehoe
Weitere Informationen über unser Unternehmen finden Sie unter:
www.klinikum-itzehoe.de/karriere
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
ME DIZI NISC HES
ZE N T RUM
KLINIKUM
I TZ E H O E
Klinikum Itzehoe mit Stadtklinik Glückstadt
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg
10 Kliniken
2 Medizinische Versorgungszentren
Hochleistungsfähige radiologische Praxis im Haus
1 Seniorenzentrum
3 weitere Tochtergesellschaften
1.600 Mitarbeiter
24.000 Patienten stationär
30.000 Patienten ambulant
Mitglied des Krankenhausverbundes 5K mit über 7.000 Mitarbeitern
Karriereplanung ist Lebensplanung.
Das KLINIKUM ITZEHOE ist eines der größten Krankenhäuser in Schleswig-Holstein und Lehrkrankenhaus der Universität Kiel,
der Medizinischen Fakultät der Universität Lübeck sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Unseren Patienten bieten
wir innovative medizinische Versorgung auf hohem Niveau und individuelle Pflege nach neuesten Standards. Als Unternehmen sind
wir effizient und zukunftsorientiert aufgestellt. Wirtschaftlicher Erfolg bestätigt unsere Arbeit. Unseren Beschäftigten bieten wir eine
gesunde Basis für ihre Karriere- und Lebensplanung in einem attraktiven Umfeld mit hoher Lebensqualität in der Metropolregion
Hamburg.
Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n
Fachärztin/Facharzt für Chirurgie/Allgemeinchirurgie
in Vollzeit (50% MVZ Itzehoe / 50% Klinikum Itzehoe)
In unserem MVZ betreiben wir zwei chirurgische Praxen sowie eine urologische, eine anästhesiologische und eine psychiatrisch/
neurologische Praxis. Wir behandeln im Jahr ca. 12.000 Patienten ambulant und führen 300 Operationen durch. Unsere operativen Schwerpunkte im ambulanten OP des MVZs liegen zzt. in der Allgemeinchirurgie und der kleinen Unfallchirurgie. Für die
stationären Operationen steht zudem das hochmoderne und innovative Leistungsspektrum des Klinikums Itzehoe zur Verfügung.
In der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie werden sämtliche modernen chirurgischen Verfahren der Allgemein-,
Gefäß- und Viszeralchirurgie durchgeführt mit besonderem Schwerpunkt auf minimal-invasiver Chirurgie, onkologischer Chirurgie sowie konventionell operativer und interventioneller Gefäßchirurgie. Die AGV betreut jährlich ca. 3.500 stationäre Patienten.
Wir wünschen uns von Ihnen:
Überdurchschnittliches Engagement und Teamfähigkeit
Kreativität, Flexibilität und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge
Interesse an der Arbeit in der Praxis
Wir bieten Ihnen:
Ein hohes Maß an Eigenständigkeit
Die Möglichkeit zur Entwicklung Ihrer Schlüsselkompetenzen
Gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
Enge Anbindung an die Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie im Klinikum Itzehoe
Wir suchen eine/n engagierte/n Fachärztin/Facharzt, die/der die weitere Entwicklung des chirurgischen Leistungsspektrums
maßgeblich mitgestaltet und ausbaut. Wir kommunizieren offen mit unseren niedergelassenen Kollegen und legen besonderen
Wert auf eine gute Zusammenarbeit.
Telefonnummer 04821 772-2400 gerne zur Verfügung. Schwer
Medizinisches Zentrum –
Klinikum Itzehoe
Personalmanagement
Robert-Koch-Str. 2 • 25524 Itzehoe
behinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei entspre-
Weitere Informationen über unser Unternehmen finden Sie unter:
chender Qualifikation und Eignung vorrangig berücksichtigt.
www.klinikum-itzehoe.de/karriere
Für erste Fragen steht Ihnen unser Chefarzt der Klinik für
Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie, Prof. Neipp, unter der
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
Stellenangebote/Stellengesuche
Allgemeinärztin sucht
Anstellung/Job-Sharing in Praxis
oder MVZ im Raum Lübeck in
Teilzeit, gerne mit späterer
Assoziation oder Übernahme
ab Frühj. 2010
Chiffre 186
FA(in) – Orthopädie gesucht/
Hamburg als Nachfolger/in gr.
kons. Praxis (im Verbund von 4
Kollegen). Zunächst Anstellung.
Leistungsgerechte Bezahlung,
optional Anteilsübernahme.
Qualifikation: Rö, Sono, Chiro,
Aku (Op?)
Zuschriften Chiffre 178
Gemeinschaftspraxis für
Allgemeinmedizin
Dr. Gräfendorf & Dr. Heidl sucht
einen Weiterbildungsassistenten
für Bruttoverdienst 4000,- €.
Mühlendamm 1 (CITTI-Park),
24113 Kiel
Tel.: 0431 / 220 11 30
Kinderärztin/-arzt oder
WB-Assistent/in im letzten
Ausbildungsjahr zur
Mitarbeit/Teilzeit in
Kinderarztpraxis in Lübeck
gesucht.
Chiffre 184
Gemeinschaftspraxis Kreis Lüneburg
Engagierte gr. GP sucht zur Verstärkung eine(n) nette(n) Kollegen(in);
jegliche Art der Koop. ist denkbar; WB-Ermächtigung liegt vor.
Wir decken ein breites Spektrum der hausärztlichen Medizin ab
(einschl. Psychotherapie, Akupunktur, Tropenmed. und NHV) und
bieten die Mögl. eigene Schwerpunkte zu setzen.
Dres. Danielsen, Runge, Nübling und Abrahamsen,
Tel.: 05852 / 951 70
WB-Stelle
Allgemeinmedizin frei, halbtags,
Landarztpraxis nahe Kiel, volle
WB-Ermächtigung
Tel. 04385 / 5131
oder 04385 / 5133
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Große allgemeinmedizinische
Gemeinschaftspraxis im südlichen Kreis Segeberg/ Stadtgrenze Hamburg sucht zeitlich
flexiblen Weiterbildungsassis-tenten. Umfangreiches Leis-tungsspektrum, hausärztliche Betreuung / 24 Monate
Weiterbildungs-Ermächtigung /
Gute-Laune-Team.
Telefon: 040 / 529 68 88
Gastroenterologe
mit umfangreicher
internistischer Ausbildung
sucht neuen Wirkungskreis in
Praxis oder MVZ ab Februar 2010.
Chiffre 185
Weiterbildungsstelle
Allgemeinmedizin
ab sofort frei; in Teil-/Vollzeit
WB-Befugnis 24 Monate
Gemeinschaftspraxis
Müller-Dittrich/ Dr. Kallien
Strandallee 94a,
23669 Timmendorfer Strand
Tel. 04503 / 2559
WB-Assistenten/in für Allgemeinmedizin von moderner
allgemein-internistischer
GM-Praxis in Kiel gesucht.
Interessantes Leistungsspektrum,
engagiertes Praxisteam, NHV,
Chiro, Sport- und Umweltmed.,
gute Konditionen.
Stelle ab Februar 2010 frei!
Tel.: 0431 / 680 131
Weiterbildungsassistent/-in
aus der näheren Umgebung der
Praxis gesucht. Bitte schriftliche
Kurzbewerbung an:
Dr. med. Ulf Heinke, Arzt für
Allgemeinmedizin; Badearzt
Strandstr. 112,
23669 Niendorf/Ostsee
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
Für Menschen mit Menschen
Das Psychiatrische Krankenhaus Rickling (270 Betten) unter dem Dach des
Psychiatrischen Zentrums nimmt die psychiatrische und psychotherapeutische
Regionalversorgung für den Kreis Segeberg wahr. Das Krankenhaus hält spezialisierte Angebote in der Suchtpsychiatrie, der Gerontopsychiatrie, der Behandlung von
Depressionen und Persönlichkeitsstörungen vor.
Für das Psychiatrische Krankenhaus in Rickling suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen/eine
Oberarzt/-ärztin für die
Suchtpsychiatrische Abteilung
Wir wünschen uns eine/n Fachärztin/-arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, möglichst mit Vorkenntnissen/Erfahrungen im Bereich Sucht (legale und illegale Substanzen).
Zu Ihrem Aufgabenfeld gehört:
• die oberärztliche Tätigkeit in einem großen Team mit multiprofessioneller
Aufgabenteilung im Akut- und Aufnahmebereich der Suchtpsychiatrischen
Abteilung (67 Betten).
• der qualifizierte Entzug von Alkohol und illegalen Drogen in der Behandlung
komorbider Patienten (insbesondere Persönlichkeitsstörungen und Psychosen in
Verbindung mit Sucht)
• eine Spezialbehandlungseinheit für cannabisassoziierte Störungen
Wir bieten Ihnen:
• die Mitwirkung bei der Weiterentwicklung des modernen suchtpsychiatrischen
Behandlungskonzepts, das an den Prinzipien des »motivational interviewing« und
an neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zur Sucht orientiert ist
• die Möglichkeit eigener Schwerpunktsetzungen auch ambulanter Behandlung
suchtkranker und komorbider Patienten in der Psychiatrischen Institutsambulanz
bzw. Substitutionsambulanz
• Unterstützung beim Erwerb der Fachkunde »suchtmedizinische Grundversorgung«
und externer Fortbildungen
• hausinterne Weiterbildung und Team-Supervision
• leistungsgerechte Vergütung auf der Grundlage der AVR.DW.EKD
• flexible Arbeitszeitmodelle mit bis zu 6 zusätzlichen Urlaubstagen
• ein ausgezeichnetes Betriebsklima mit über 30 ärztlichen Kolleginnen und Kollegen mit vertrauensvoller Wertschätzung und kollegialem Umgang
Gerne beantworten wir vorab Ihre Fragen: Leitender Chefarzt, H-J. Schwarz
(04328/18-279; [email protected]) oder der Oberarzt der suchtpsychiatrischen Abteilung, A. Steimann ([email protected])
Ihre schriftliche Bewerbung richten Sie bitte bis zum 15. Februar 2010 an den
Leiter des Personalwesens
Martin Paepke
Psychiatrisches Zentrum
LANDESVEREIN
Daldorfer Straße 2 · 24635 Rickling
FÜR INNERE MISSION IN
www.landesverein.de
S C H LE SW I G - H O LSTE I N
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
Stellenangebote/Stellengesuche
Anzeigenschluss
für die
FebruarAusgabe
ist der
19. Januar
abts+partner ist eine moderne gynäkologische Ärztesozietät mit
Praxis-Standorten in Kiel, Rendsburg-Eckernförde und Plön, die ihren
Patientinnen eine wohnortnahe Basisversorgung, Fachspezialisten
und ein stationäres Leistungsspektrum aus einer Hand bietet.
Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt:
yFachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe w/m
yÄrzte in der Weiterbildung w/m
mit abgeschlossener Ausbildung für Geburtshilfe
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Von diesem umfassenden Gesundheitsangebot profitieren auch die
Ärzte. Denn das zukunftsweisende Arbeitsmodell verbindet die
Vorteile einer freiberuflichen Niederlassung mit der Sicherheit einer
Festanstellung – Entwicklungsperspektiven inklusive.
Bitte bewerben Sie sich schriftlich bei uns:
Ärztesozietät abts+partner | Frauenärzte
Anprechpartner Herr Dr. Martin Völckers
www.abts-partner.de
Prüner Gang 7 | 24103 Kiel
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senden Sie bitte
unter Angabe der
Chiffre-Nummer an:
Quintessenz VerlagsGmbH, Komturstr. 18,
12099 Berlin
Die Klinik Westfalen • Reha-Klinik am Meer sucht zum 15. Februar
oder zum 1. März 2010 eine/n
Assistenzärztin/-arzt.
Die Klinik Westfalen ist eine Reha-Klinik mit den Hauptindikationen
Lungen- und Bronchialheilkunde, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates und psychosomatischer Störungen.
Der Leitende Arzt besitzt die Weiterbildungsermächtigung von 6 Monaten für Innere Medizin und Pneumologie sowie Allergologie.
Die Klinik Westfalen verfügt über 83 Betten, liegt direkt am Strand und in der als Seeheilbad anerkannten
Stadt Wyk. Die Nordseeinsel Föhr ist ein kleines Paradies, verfügt über eine vielfältige Infrastruktur und
eine hohe Lebensqualität. Wir bieten eine teamorientierte Zusammenarbeit, ein gutes Betriebsklima, selbständiges und geregeltes Arbeiten, eine leistungsgerechte Vergütung und keine Bereitschaftsdienste in der
Klinik an.
Bewerbungen und Anfragen erbeten an:
Dr. Gerhard Rauls oder Jürgen Poschmann
Klinik Westfalen, Sandwall 25-27, 25938 Wyk auf Föhr,
Tel. 04681/599-0, www.klinik-westfalen.net
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
Stellenangebote/Stellengesuche
Die Gesundheitskasse.
AOK-Nordseeklinik
Fachklinik für Mutter und Kind
Eine Alternative zur Praxis?
Könnten Sie sich vorstellen frei von Budgetzwängen in einem kleinen Facharztteam
Familienmedizin zu betreiben?
Dann werden Sie sich bei uns wohlfühlen.
Wir suchen einen
Kinder- und Jugendarzt (m/w)
Ein sicherer und anspruchsvoller Arbeitsplatz mit übertariflicher Bezahlung direkt am
Meer erwartet Sie.
Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen. Für einen ersten Kontakt steht Ihnen
unser Ltd. Arzt, Herr Dr. Dietmar Frerichs, gern telefonisch unter 04682 37-497 zur
Verfügung.
Erfahrene FÄ Orthopädie
(ungekündigte Stellung)
Manualtherapie, Akup.,
psychosomat.Grundvers.,
Sozialmedizin und osteopath.
Ausbildung sucht neuen
Wirkungskreis
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FA(in) – Orthopädie gesucht/
Hamburg als Nachfolger/in gr.
kons. Praxis (im Verbund von 4
Kollegen). Zunächst Anstellung.
Leistungsgerechte Bezahlung,
optional Anteilsübernahme.
Qualifikation: Rö, Sono, Chiro,
Aku (Op?)
Zuschriften Chiffre 178
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Weitere Informationen unter: www.aok-nordseeklinik.de
Das Sankt Elisabeth Krankenhaus
Kiel schreibt in den Fachbereichen
Chirurgie
Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie
Orthopädie
Urologie
zum nächst möglichen Termin Belegarztstellen gemäß § 103 Abs. 7 SGB aus.
Der Träger des Krankenhauses, die Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen
Elisabeth in Reinbek plant, mit bereits im Planungsbereich niedergelassenen Ärzten
dieser Fachrichtungen Belegarztverträge abzuschließen.
Kontaktaufnahme bitte über Jürgen Marx, Kaufmännischer Direktor des
Sankt Elisabeth Krankenhauses, Königsweg 8, 24103 Kiel
Fon 0431/6603-402 • Fax 0431/6603-409 • Email: [email protected]
Stellen- und
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Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
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Arzt/Ärztin in
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Unser Krankenhaus hat die
Weiterbildungsbefugnis für
zum nächstmöglichen
Zeitpunkt
Innere Medizin – 3 Jahre
Geriatrie – 1,5 Jahre
Palliativmedizin – 1 Jahr
Allgemeinmedizin
Wir bieten Wir erwarten
Ein Haus mit Atmosphäre
und hohem Anspruch
Ein flexibles Arbeitszeitmodell
Vergütung nach AVR
Teilnahme am Bereitschaftsdienst
Identifikation mit dem Leitbild
unseres Krankenhauses
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bitte schriftlich an
Sankt Elisabeth Krankenhaus
Dr. med. Oskar Freudenthaler
Plöner Straße 42
23701 Eutin
Telefon 0 4521· 8 02- 460
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in Itzehoe, Zentrum, 136qm, 1.
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für Arzt/in für Interne Rheumatologie da Bedarf
oder andere Fachrichtung.
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liegt im Krankenhaus Tondern.
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Instrumenten. Zulas-sung für
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Scanner. Operationen mit Narkose möglich. Günstige Miete, gute
Verdienstmöglichkeit. Dänische/nordische Sprachkenntnisse notwendig. Tondern ist eine
alte friesische Stadt in der Nähe
der deutsch/dänischen Grenze
(4km), Niebüll 19km und 40km
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Kontakt: HNO Arzt Aksel Fogh,
Carstensgade 6-10, Dänemark,
6270 Tonder, Telefonnummer:
+4573926430, +4573926431,
mail: [email protected]
Vertretungen
MVZ Dr. Soyka & Par tner
Wir suchen eine(n) Weiterbildungsassistenten/in
für sofort oder später
Wir haben die WBE für Or thopädie, Rehamedizin (PRM) sowie
Spezielle Schmer ztherapie (Diese Stelle ist auch f. d. Chirurgie-Teil
Allgemeinmedizin geeignet). Nicht ganz unwichtig:
Gute Bezahlung, engagiertes Team, Fortbildung, eigene Köchin !
Bewerbungen an Dr. Matthias Soyka
Alte Holstenstraße 2, 21031 Hamburg
Tel. 040-72104658, www.aktivion.de, mail: [email protected]
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an, wir beraten Sie gern und
unverbindlich!
Freecall: 0800 333 63 00
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Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
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15 Jahren als Allgemeinarztpraxis
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Dr. Uwe Scherch,
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Hämatologie-Onkologie / Infektiologie
sucht baldmöglichst Partner für langfristige Mitarbeit
bzw. Praxiseinstieg
Wir freuen uns auf eine Kollegin o. einen Kollegen,
der/die die Innere Medizin sicher beherrscht
Erwünscht sind infektiologische Kenntnisse (HIV). Teilzeit möglich.
WB-Ermächtigung für Hämatologie/Onkologie (18 Monate) liegt vor.
Drs. Weiß, Weber, Sick (Tel.: 0421/4307609 oder 2784713 abends)
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Langenberg · Junge · H. Lehmann
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Gesellschaftsrecht · Zulassung · Vergütung
Honorarverteilung · Regress · Berufsrecht · Arztstrafrecht
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Anwaltskanzlei
Hindenburgstraße 1
23795 Bad Segeberg
Tel. 0 45 51 - 8 80 80
Kurhausstraße 88
23795 Bad Segeberg
Tel. 04551 / 8 99 3-0
Fax 04551 / 8 99 3-33
[email protected]
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TELEFONVERZEICHNIS
Ansprechpartner der Ärztekammer
Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8-12, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04551/803-0, Fax -188
E-Mail [email protected], Internet www.aeksh.de
Vorstand
Präsident
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
04551/803-124
[email protected]
Vizepräsidentin
Dr. med. Hannelore Machnik
04551/803-124
[email protected]
Referent des Vorstands, Personalreferent (komm.)
Thomas Neldner
04551/803-134
[email protected]
Sekretariat
Patrizia Segler
04551/803-124, Fax 04551/803-180
[email protected]
Ressort I: Verantwortung/
Koordination Geschäftsführung
Hauptgeschäftsführer
N. N.
Sekretariat
Janina Lohse
04551/803-125, Fax 04551/803-180
[email protected]
Ärztliche Referentin, Qualitätssicherung
Dr. med. Uta Kunze, MPH
04551/803-165
[email protected]
Beratende Kommission Sucht und Drogen
Dr. med. Uta Kunze, MPH
04551/9088180, [email protected]
Vertrauensstelle Krebsregister
Leitung: Cornelia Ubert
[email protected]
Büroleitung: Andrea Ramm, Birgit Schwarz
04551/803-106, 04551/803-108
Ressort II: Kaufmännische Angelegenheiten/
Allgemeine Verwaltung
Kaufmännischer Geschäftsführer
Hans-Werner Buchholz
04551/803-186
[email protected]
Beitrag
Beate Steinleger, Tatjana Voß
04551/803-186, 04551/803-136
[email protected]
Finanzen
Sven Sager, Iris Strauß
04551/803-333, 04551/803-137
Ärzteverzeichnis
Büroleitung: Bärbel Dargel-Mikkelsen
04551/803-236, Fax 04551/803-220
[email protected]
EDV
Leitung: Wolfgang Dahncke
[email protected]
Büroleitung: Frank Kunert
04551/803-193, [email protected]
Gesundheitsziel Verringerung koronarer Herzkrankheiten
Michael Lohmann
04551/803-247, [email protected]
Zuständige Stelle MFA/OTA
Leitung: Volker Warneke
04551/803-290
[email protected]
Sekretariat
Ulrike Messerig
04551/8813-135, Fax 04551/8813-234
[email protected]ksh.org
Deutsches IVF Register/DIR
Mirja Wendelken
04551/803-147, Fax 04551/803-142
[email protected]
Ressort III: Fort- und Weiterbildung
Ärztliche Geschäftsführerin
Dr. med. Elisabeth Breindl
04551/803-143
Ärztliche Stellen nach RöV und StrlSchV
Cornelia Ubert
04551/803-104, [email protected]
Ausgabe 1 I Januar 2010 97
TELEFONVERZEICHNIS
Weiterbildung/Fortbildung
Manuela Brammer
04551/803-199 , Fax 04551/803-222
[email protected]
Marlis Doose-Heidborn
04551/803-204, [email protected]
Akademie für med. Fort- und Weiterbildung der
Ärztekammer Schleswig-Holstein
Evaluation der Weiterbildung
Dr. med. Uta Kunze, MPH
04551/803-165, [email protected]
Fachkundige Stelle BuS
Antje Gosch
04551/803-196, Fax 04551/803-222
[email protected]
Petra Petersen
04551/803-166, [email protected]
Lebendspende
Juliane Hohenberg
04551/803-218, Fax 04551/803-208
[email protected]
Ressort IV: Rechtsangelegenheiten
Hans-Peter Bayer
04551/803-131
[email protected]
Referent juristische Angelegenheiten, GOÄ,
Ethikkommission
Carsten Heppner
04551/803-151
[email protected], [email protected]
Patientenombudsmannverein
Hans-Peter Bayer
04551/803-133, Fax 04551/803-180
[email protected]
Patientenberatung
Büroleitung: Marion David
04551/803-168
[email protected]
Kommunikation/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Thomas Neldner
04551/803-134, 0170/5600323,
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Leiter und Redakteur: Dirk Schnack
04551/803-119, Fax 04551/803-188
[email protected]
Online-Redaktion
Mirja Wendelken
04551/803-147, [email protected]
98
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
Akademie-Leiung: Dr. Henrik Herrmann
Geschäftsführerin: Helga Pecnik
04551/803-146, Fax 04551/803-194
[email protected]
Edmund-Christiani-Seminar - Berufsbildungsstätte
der Ärztekammer Schleswig-Holstein
Bildungsreferent
Volker Warneke
04551/8813-292, Fax 04551/8813-228
[email protected], [email protected]
Gästehaus „Lohmühle“
Hausleitung: Helena Willhöft
04551/8813-178, Fax 04551/9658-234
[email protected]
Versorgungseinrichtung
Geschäftsführer: Heinz-Ludwig Kraunus
Brigitte Nielsen, Ingrid Lehmkuhl
04551/803-111, 04551/803-117
[email protected]
Rechtliche Angelegenheiten
Justitiarin: Uta Ufen-Brümmer
04551/803-118,
[email protected]
Stellen- und
Gelegenheitsanzeigen
Annahme: Samira Rummler, [email protected]
Berlin: Telefon 030/761 80-663, Telefax 030/761 80693
Kiel: Tel: 0431/658 09 50, 0177/565 07 84, [email protected]
Fachberater
Unsere Leistungen:
-
Praxiswertgutachten
Gerichtsgutachten
Schiedsgutachten
Gutachten im Zugewinnausgleich
Mediation im Gesundheitswesen
Coaching beim Praxiskauf / Praxisverkauf
- Konzeption, Gestaltung und Betreuung von BAG, Ärztenetzen und MVZ
- Betriebswirtschaftliche Optimierung
- Gründercoaching (KfW)
u.a. mit Horst Stingl
von der IHK zu Kiel öffentlich bestellter und
vereidigter Sachverständiger für die
Bewertung von Unternehmen im
Gesundheitswesen, Betriebsanalysen und
Betriebsunterbrechungsschäden
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Am Dörpsdiek 2
24109 Kiel/Melsdorf
Tel. 043 40 / 40 70 60
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22529 Hamburg
Tel. 040 / 23 90 876 55
Mail: [email protected]
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Spezialisierte Beratung
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- Quartals-Auswertung Chef-Info
Liquiditäts-, Rentabilitäts- und
Steuerberechnung
- steuerliche Konzeption,
Gestaltung und Betreuung von
(neuen) Kooperationsformen:
MVZ, BAG und Ärztenetze
- Existenzgründung
Im Expertenkreis der GBB
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Am Dörpsdiek 2
24109 Kiel/Melsdorf
Tel. 043 40 / 40 70 0
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- Betriebswirtschaftliche Beratung
- Liquiditätsanalyse und -planung
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Existenzgründung
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Gemeinsamer Infotag für Existenzgründer und -abgeber
05.06.2010, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr, Vitalia Seehotel
Bad Segeberg (8 Fortbildungspunkte)
Anmeldung unter Tel.: 0451/48414-0
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Udo Wolf
Bildatlas der
Manuellen Therapie
– in 2 Bänden
Alle Grundtechniken der Manuellen Therapie werden
für jede Körperregion zielorientiert in Wort und Bild
dargestellt. Band 1 beinhaltet zusätzlich ein ausführliches Grundlagen-Kapitel, das alle wichtigen theoretischen Vorkenntnisse, geordnet nach Fragestellungen
und Behandlungszielen, vermittelt. Dem Anwender
werden, sortiert nach Körperregionen und durchweg
problemorientiert, logische Untersuchungs- und
Behandlungsabläufe aufgezeigt. Bebilderte Flussdiagramme erleichtern die Interpretation der Befunde
und die Strukturierung der Behandlung. Dies ermöglicht
eine gezielte Auswahl geeigneter Techniken und eine
unmittelbare Handlungskompetenz.
Bildatlas der Manuellen Therapie
Band 1: Halswirbelsäule, Kiefergelenk, Schulter, Ellenbogen, Hand
2., überarb. Aufl. 2007, 456 Seiten,
1400 farbige Abbildungen, kartoniert,
ISBN 978-3-932119-48-4, € 58,–
Bildatlas der Manuellen Therapie
Band 2: Thorax, Lendenwirbelsäule,
Becken, Hüfte, Knie, Fuß
2. überarb. Aufl. 2007, 456 Seiten,
1400 farbige Abbildungen, kartoniert,
ISBN 978-3-932119-49-1, € 58,–
Band 1 + 2 im Paket:
ISBN 978-3-932119-50-7, € 98,–
Knappe Texte erläutern die Vorgehensweise
Kurze Hinweise verdeutlichen Besonderheiten der jeweiligen Technik oder Beschwerden
Zur Manipulation geeignete Techniken sind speziell gekennzeichnet und mit einem Blick erfassbar
Das Arbeiten mit den beiden Bänden erleichtert dem
Therapeuten das Auffinden und die Auswahl der richtige
Behandlungsmethode. Er gewinnt an Sicherheit in der
Diagnose und der Auswahl der richtigen Therapie
Behandlungsabläufe werden durch Bildsequenzen visuali-
siert. Dadurch werden die Inhalte dem Leser selbsterklärend
in höchst anschaulicher Weise näher gebracht
Prüfungsrelevante Beispiele ermöglichen die Wissensüberprüfung und dienen zur effektiven Prüfungsvorbereitung
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nur Band 1 (€ 58,-) /
nur Band 2 (€ 58,-)
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