Störungen der inneren Uhr durch die Zeitumstellung Sommerzeit

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Störungen der inneren Uhr durch die Zeitumstellung Sommerzeit
Berührung ist Begegnung
Shiatsu-Ausbildungen Austria
Dr. Eduard Tripp
A-1120 Wien, Schönbrunner-Schloss-Str. 21/8
Tel: +43 (676) 61 74 970
[email protected], www.shiatsu-austria.at
Störungen der inneren Uhr durch die
Zeitumstellung Sommerzeit-Winterzeit
Auf Grund einer gesellschaftlichen Übereinkunft muss sich rund ein Viertel der Weltbevölkerung
zweimal im Jahr an eine um eine Stunde geänderte Zeit anpassen, einmal von der Winter- zur
Sommerzeit und dann wieder von der Sommer- zur Winterzeit. Diese Umstellung hat keine
biologische oder umweltbedingte Notwendigkeit, bringt aber drastischere Auswirkungen mit
sich, als bisher vermutet wurde, wie eine im Herbst 2007 erschienene Studie um Professor Till
Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität in München zeigt.1
Die innere Uhr des Menschen, die seine circadianen, im Tageslauf rhythmisch stattfindenden
Körperfunktionen steuert, passt sich vor allem mit Hilfe des Tageslichtes an den 24-StundenRhythmus der Umwelt an. Für diesen Vorgang, Entrainment genannt, besonders wichtig ist die
Dämmerung, der Wechsel von Tag und Nacht. In einer Fragebogenerhebung an etwa 55.000
Menschen2 konnte zunächst deskriptiv aufgezeigt werden, dass sich die innere Uhr genau an
die saisonalen Veränderungen der Morgendämmerung anpasst. Im Winter ist sie auf spät, im
Sommer auf früh gestellt. Diese Anpassung an die jahreszeitlich bedingte Schwankungen wird
durch die Zeitumstellung allerdings abrupt unterbrochen.3
Die Ergebnisse der Fragebogenerhebung wurden durch eine experimentelle Studie ergänzt, an
der 50 Personen vier Wochen vor und nach den beiden Zeitumstellungen in Hinblick auf ihre
Aktivitäten und ihr Schlafverhalten untersucht wurden.
1
Thomas Kantermann, Myriam Juda, Martha Merrow & Till Roenneberg: The Human Circadian Clock´s Seasonal
Adjustment Is Disrupted by Daylight Saving Time. In: Current Biology 17, 1-5, 2007.
Bei der Bewertung der Auswirkungen der Zeitumstellung sind Faktoren wie der chronobiologische Genotyp,
Geschlecht, Alter und Lichtexposition zu berücksichtigen. Für die Studie von Thomas Kantermann et a.. wurde
deshalb ein Test zur Bestimung des Chronotyps entwickelt, der Munich Chrono Type Questionnaire (MCTQ).
2
Die befragten Personen lebten alle in Zentraleuropa. DIe Befragung diente auch der Validierung des MCTQ
/Munich Chrono Type Questionnaire).
3
Die MCTQ-Befragung (Befragung mit Hilfe des Munich Chrono Type Questionnaire) ergab, dass der Wechsel zur
Sommerzeit keine signifikante Veränderung im "Schlaftiming" mit sich bringt, wohingegen die Rückumstellung auf die
Winterzeit mit großer Verzögerung erfolgt. Nach eigenen Angaben verändert sich die Schlafdauer signifikant über die
Jahreszeiten (um ungefähr 20 Minuten).
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Dabei zeigt sich, dass die Umstellung im Herbst kaum Probleme macht4, unter anderem, weil es
der inneren Uhr leichter fällt, sich zu verzögern. Sehr viel schwieriger ist allerdings die
Anpassung an die Sommerzeit im Frühjahr. Speziell bei den "späten Chronotypen" (Eulen; d.h.
Menschen, die eher spät ins Bett gehen und morgens länger schlafen) zeigt sich kaum eine
Umstellung der inneren Uhr. Das biologische Timing bleibt auf Normalzeit, während alle
sozialen Aktivitäten um eine Stunde früher stattfinden.5 Aber auch den "frühen Chronotypen"
(Lerchen, d.h. Menschen, die eher früh schlafen gehen und auch früh aufstehen) gelingt die
Anpassung an die Sommerzeit nur unvollständig, weil die abrupte Umstellung nicht den
tatsächlichen Zeiten der Dämmerung entspricht.6
Setzt man die Auswirkungen der Sommerzeit auf
geographische Veränderungen um, so bedeutet das,
dass man im Frühjahr von Frankfurt plötzlich nach
Marokko gebracht wird (und im Herbst ebenso
unmittelbar wieder zurück), ohne Zeitzone und Klima
zu verlassen - mit all den damit verbundenen
Anpassungsproblemen.7
Die Sommerzeitumstellung, so interpretieren Thomas
Kantermann et al. ihre Ergebnisse, scheint große
Schwierigkeiten in der saisonalen Anpassung des
Menschen mit sich zu bringen. Wie auch andere
Lebewesen sind Menschen saisonal beeinflusst. Diese
jahreszeitliche
Gebundenheit
ist
in
den
industrialisierten Ländern in den letzten 60 Jahren aber
stark zurückgegangen, wobei der Hauptgrund dafür
wahrscheinlich darin besteht, dass sich der Mensch
zunehmend von den natürlichen Zeitgebern (allen
voran dem Tageslicht) abschirmt. Und die Umstellung
auf die Sommerzeit ist wahrscheinlich ein zusätzlicher
Faktor, der das menschliche Leben von den
Jahreszeiten entfernt. Welche Auswirkungen sich aus der Zeitumstellung auf die Gesundheit
4
Den meisten Menschen machen auch Flüge nach Westen ("mit der Zeit") weniger Probleme (Jetlag) als Flüge nach
Osten.
5
In der Untersuchung werden nur die Ergebnisse der frühen (Lerchen) und späten Chrontypen (Eulen) berücksichtigt
(die "Mischtypen" liegen erwartungsgemäß zwischen den Ergebnissen von Eulen und Lerchen), zudem konzentrieren
sie sich vor allem auf die freien Tage, die weniger sozial beeinflusst sind.
6
Thomas Kantermann et al. schreiben dazu: "Our data indicate that the human circadian system does not adjust to
DST (daylight saving time) and that the seasonal adaptation to the changing photoperiods is disrupted by the
introduction of summer time. This disruption may extend to other aspects of seasonal biology in humans."
7
Fernreisen zu Zielen mit stark unterschiedlichen Sonnenzeiten, insbesondere zwischen der Süd- und
Nordhalbkugel der Erde, wirken sich stark auf die menschliche Psyche (z.B. auf Depressionen) aus.
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der Menschen ergeben, kann derzeit, so Roenneberg, noch nicht ernsthaft abgeschätzt werden,
die Ergebnisse der Untersuchung zeigen aber, dass das Problem ernst genommen werden
sollte.
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