Radfahren für Oberschenkelamputierte mit Prothese

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Radfahren für Oberschenkelamputierte mit Prothese
Radfahren für Oberschenkelamputierte mit Prothese
Fahrrad fahren ist eine ideale Freizeitbeschäftigung für uns Amputierte.
Eine kraftsparende Fortbewegung und der Aktionsradius wird stark erweitert, man hält
sich damit fit und vergißt seine Behinderung.
In den letzten Jahren wurden viele Radwege neu angelegt und die Radtouristik boomt.
Mit einem auf seine Behinderung abgestimmtes Rad kann man dieses
Hobby gut ausüben und steht dem eines Nichtbehinderten fast nichts nach.
Hier einige Tipps:
Das Fahrrad sollte leicht sein. Die Rahmengröße sollte eher eine Nummer kleiner gewählt
werden, als normal.
Eine Gangschaltung mit 24 Gängen ist heute Standard und die Reifen sollten einen geringen
Rollwiderstand haben.
Besonders geeignnet sind hierfür Trekking-, Cityräder, Fitness-Bikes und Rennräder.
Die Kontaktpunkte wie Lenker, Sattel und Pedale müßen optimal angepasst werden.
1. Der Sattel sollte nicht zu hart sein, man sollte mit den Becken bequem darauf sitzen.
Der Sattel sollte schmal sein, damit die Prothese beim Treten nicht
stört, auch geschlitzte Sättel mit Schambeinloch sind zu empfehlen; ein guter
Fahrradhändler kann hierzu gut beraten.
Sattelhöheneinstellung: bei normaler Sitzpositon den gesunden Fuß auf das Pedal stellen,
das Knie ist fast durchgestreckt, der Schuh sollte waagrecht sein. Dies ist etwa die richtige
Sattelhöhe. (Den Sattel eventuell noch 1-2 cm tiefer befestigen).
2. Der Lenker (Vorbau) sollte beim Rennrad etwas höher und näher in Richtung Körper
platziert werden.
.
3. Bei den Pedalen gibt es verschiedene Möglichkeiten
a) Der Fuß wird mit einem Hacken-Riemen auf dem Pedal gehalten.
b) Magnetpedale: hier werden die Schuhe mittels Magneten am Pedal fixiert.
c) SPD –Pedal: mit diesem handelsüblichen Pedal wird der Schuh einfach eingeklickt.
Vorteil: man kann den Rastwiderstand auf die gewünschte Stärke einstellen. Durch diese
Fixierung kann man sich gleich den runden Tritt mit dem gesunden Bein angewöhnen, damit
ist gemeint, daß das Pedal vom gesunden Fuß nicht nur gedrückt, sondern auch hochgezogen
wird. Das Gehen mit SPD-Laufschuhen ist mit Prothese problemlos möglich.
4. Wenn beim Treten das Gefühl auftritt, daß der Schaft sich durch zu große Hubbewegungen
heraushebelt – oder wer einen kürzern Stumpf hat - sollte eine kürzere Kurbel probieren. Mit
einer angepassten Kurbel ist das Radfahren viel bequemer; man kann größere Stecken
zurücklegen und hat nicht das Gefühl die Prothese
zu verlieren.
Adapter für die richtigen Kurbellänge :
A Kurbellänge 2,5 cm kürzer als normal
B Kurbellänge 5,0 cm kürzer als normal
Wer aus optischen Gründen keinen Adapter
möchte, kann auch die Tretkurbel auf das
erforderliche Maß kürzen. Durch eine optimal
angepaßte Tretkurbel können auch große Touren
bequem bewältigt werden.
5. Kleidung: Eine ¾ lange Radlerhose mit Sitzpolster und Träger für richtigen Halt sind
hierbei sehr vorteilhaft. Gegen Staub, Dreck und Regen schützt eine
polyurethanbeschichteter Überziehstrumpf in Hautfarbe, der bis zum Knie auf die Prothese
gezogen wird. Damit ist die Prothesenkosmetik auch gut geschützt.
Foto: Schuhe mit gutem Abrollverhalten, und integrierten Cleats für die SPD-Pedale.
Eine um 3 cm gekürzte Kurbel mit SPD-Pedalen. Kleidung wie in Punkt 5 beschrieben.
6. Schutz vor Scheuern und Druckstellen:
Hautstellen welche durch Sattel oder Prothesenkante beansprucht werden, sollten vor
Fahrtantritt mit einer Schutzcreme eingecremt werden. Dazu eignet sich z.B. MELK-FETT.
Auch die Radprofis machen das so.
Als Anfänger muß man sich erst mit dem Fahrrad vertraut machen. Es ist wichtig das Aufund Absteigen, das Fixieren und Lösen des Prothesenschuhs zu üben.
Ein Sprichwort sagt “ Übung macht den Meister“.
Ob Städtetour, Tagesreisen oder Radwandern, geführte Touren oder Radeln in der Gruppe
man fühlt sich beim Radfahren wohl, erlebt die Natur mit ganz anderen Augen und tut zudem
noch etwas für die eigene Gesundheit und das fast ohne Einschränkung.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß aus anfänglich kurzen Strecken (etwa 2
Kilometer) heute ausgedehnte Tagestouren von 60 bis 80 Kilometer und mehr wurden.
Auskünfte und Hilfe gebe ich gerne. E-Mail: m[email protected]
Ich hoffe, daß ich mit diesem Beitrag viele fürs Radeln begeistern kann.
Grüße
Radler Manfred