Die Lebensmittel-Discounter PDF - Handel NRW

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Die Lebensmittel-Discounter PDF - Handel NRW
Landesbezirksfachbereich Handel NRW
BRANCHEN-INFORMATION
Die Lebensmitteldiscounter
Schmale Warensortimente, einfache Warenpräsentation und äußerst geringe
Personalkosten waren lange Zeit die Markenzeichen von Aldi, Lidl & Co. Damit
sind die Lebensmitteldiscounter groß geworden und deren Eigentümer steinreich.
Deutschland hat den höchsten Discount-Anteil aller europäischen Länder. Gut
42 % des Umsatzes fließen heute durch die Kassen der Discounter. Das ist sehr
viel, doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel. In den letzten Jahren haben
die Discounter Marktanteile verloren, billig-billig allein zieht nicht mehr, die
Zeiten des ungebremsten Wachstums sind vorbei.
Jetzt versuchen die Discounter sich neu zu erfinden...
Die Grenzen verwischen
Vor einigen Jahren waren die Grenzen zwischen Discountern und Supermärkten
klar und deutlich markiert. Hier spartanisch eingerichtete Märkte mit begrenzten
Sortimenten, Eigenmarken, ruppiger Atmosphäre und niedrigen Preisen. Dort die
Supermärkte mit den Schwerpunkten Frische, Qualität, Bio und Regionalität.
Gleichzeitig versuchten die Supermärkte mit ihren Eigenmarken den Discountern
preislich Paroli zu bieten.
Mit einigem Erfolg, denn Edeka, Rewe & Co. konnten in den letzten Jahren den
Discountern Marktanteile abknöpfen. Nun versuchen die Discounter, die
Supermärkte nachzuahmen. Trading-Up heißt die Devise.
Aldi hat eine „Gourmet“-Linie, Lidl wirbt mit „Deluxe“. Und immer mehr
Markenartikel finden sich in den Regalen der Billigheimer!
•
„Geiz ist nicht mehr geil“ (Die Zeit vom 15.1.2016).
Für die Verbraucher ist heute nicht (mehr) nur der Preis wichtig. Ihr
Qualitätsbewusstsein ist gestiegen. Der Preis als Mittel zur Profilierung reicht
nicht mehr und so versuchen die Discounter nun von ihrem Billig-Image
wegzukommen: Frische-Theken, Ausweitung der Sortimente, Markenartikel, neue
Raumkonzepte (größere und aufwendigere Läden) sind aktuelle Stichworte. Die
Formate verschwimmen, die Grenzen zwischen Discounter und Supermärkten
verwischen.
•
„Discounter werden zu Vollversorgern mit breitem Sortiment auch an
Markenartikeln“ (Alain Caparros, Rewe-Chef).
Die Top 5
Die Lebensmitteldiscounter wachsen immer noch, aber in der letzten Zeit
langsamer als die Supermärkte. An der Spitze marschierten 2015 Jahr die beiden
Branchenführer Aldi und Lidl praktisch im Gleichschritt - den größten Zuwachs
konnte indes Norma verbuchen.
Lidl hat in den letzten Jahren Marktanteile gewonnen und den Abstand zum
Branchen-Primus Aldi verringert.
Landesbezirksfachbereich Handel NRW
Als wesentlicher Trend bei den Lebensmitteldiscountern ist erkennbar, dass es
weniger Märkte gibt, gleichzeitig die Verkaufsfläche größer wird. Aldi und Lidl
liefern sich einen regelrechten Investitionswettbewerb.
Discounter 2016 – die Top 5
Unternehmen
Aldi
- Aldi Süd
- Aldi Nord
Lidl
Netto
Penny
Norma
Umsatz 2015
Veränderung
in Mrd. Euro zum Vorjahr in %
27,8
1,5
15,7
1,3
12,1
1,7
20,8
1,6
13,6
2,8
7,7
2,8
3,2
3,8
Standorte *)
1.849
2.343
3.182
4.112
2.164
1.289
Quelle: Lz.net 2016, Rankings (Zahlen von Trade Dimensions) und Lz.net vom Dezember 2015. *)
Stand Oktober 2015.
„Schönen Tag noch!“
Arbeiten im Lebensmitteldiscountbereich ist ein harter Job. Der Arbeits- und
Leistungsdruck ist enorm groß. Die Kassiererinnen und Kassierer arbeiten
praktisch wie am Fließband – und die Geschwindigkeit an den Check-Out-Kassen
erhöht sich mehr und mehr. Eine Undercover-Reportage in zwei Aldi-Märkten in
Großbritannien hat u.a. ergeben, dass Aldi erwartet, dass jede/r Mitarbeiter/in im
Durchschnitt pro Stunde 1.200 Produkte über das Kassenband zieht. So steht es
dort im sogenannten im Mitarbeiterbuch (The Huffington Post vom 13.11.2015).
•
Und dann heißt es: Immer nur lächeln und „Schönen Tag noch“.
Aldi und Lidl wenden riesige Summen auf um ihre Märkte aufzupeppen. Die
Branchenführer zählen zu den aggressivsten Akteuren im Handel. Nicht nur was
ihre Preispolitik und ihr Marketing anbelangt – sondern auch was ihre Haltung zur
Interessenvertretung im Betrieb angeht. Die meisten Beschäftigten von Lidl und
Aldi arbeiten ohne den Schutz gewerkschaftlich organisierter Betriebsräte: Bei
Lidl gibt es in nur ganz wenigen der über 3.000 Filialen einen Betriebsrat. Der
Stern berichtete im letzten Jahr darüber wie Mitarbeiter massiv unter Druck
gesetzt werden – um zu verhindern dass Betriebsräte gebildet werden (Stern.de
vom 13.8.2015).
Aldi-Süd ist eine komplett betriebsratsfreie Zone (!) und bei Aldi-Nord spielt der
Arbeitgeber mit der Angst. ver.di-Betriebsräte berichten von massiven
Einschüchterungsversuchen.
Überall sollen Arbeitsverträge und neue Betriebsvereinbarungen durchgeboxt
werden, bei denen die Beschäftigten in vielen Punkten schlechter abschneiden
und wichtige Mitbestimmungsrechte auf der Strecke bleiben.
•
„Moderne Läden – Soziales Mittelalter“ (ver.di-Flugblatt)
Der Betriebsrat der Aldi-Gesellschaft im westfälischen Bad Laasphe berichtet:
„Egal, ob es sich um Fuhrpark, Lager, Verwaltung oder Filialen handelt – mit
existenziellen Ängsten jongliert Aldi-Nord als Arbeitgeber seit Jahren, wenn die
Betriebsräte kleingemacht werden sollen“ (publik, 3/2016).
Dr. Jürgen Glaubitz/Mai 2016

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