Taunus Zeitung, 19.09.2015

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Taunus Zeitung, 19.09.2015
Taunus Zeitung, 19.09.2015
Spannender Ritt durch die
Geschichte
19.09.2015 Von DAVID SCHAHINIAN Die Schauspieler Anke Sevenich und Dominic Betz
erzählten in der Stadtbücherei zum Auftakt des Festivals „Lesen und lesen lassen“ von Menschen,
die die Welt verändert haben – ob mit der Erfindung des „Kleinen Schwarzen“ oder ausgeprägtem
Machtstreben.
Kronberg.
Fesselnde Krimis, traumhafte Fantasiereisen, praktische Kochbücher oder schöne Musik: Wer
eine Bibliothek betritt, dem liegen 1000 Welten zu Füßen. „Gefällt mir“, sagen trotz Konkurrenz
durch Facebook und Co. knapp 80 Mitglieder, die sich dem Freundeskreis der Stadtbücherei
Kronberg mittlerweile angeschlossen haben.
Zusammen mit dem Kronberger Kulturkreis und der Bücherei veranstalten sie zum mittlerweile
fünften Mal ein Lesefestival, das zum einen Kindern und Jugendlichen diese Welten erschließen,
zum anderen aber auch die Erwachsenen unterhalten soll.
Viele Überraschungen
Die Auftaktveranstaltung am Donnerstagabend wurde diesem Anspruch gerecht. Rund 40
Besucher waren in die Hainstraße gekommen, um „lesen zu lassen“. Die in Frankfurt geborene
Anke Sevenich studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover und
spielte in mehr als 15 Tatorten mit. Dominic Betz, ebenfalls Frankfurter, spielte im Ensemble des
Landestheaters Detmold und ist seit 2011 als freischaffender Schauspieler tätig. Er ist unter
anderem in Produktionen von Michael Quasts Fliegender Volksbühne zu sehen.
Auf dem Programm stand ein Päckchen voller Überraschungen. 100 Biografien von Menschen,
die die Welt verändert haben, hat der Autor Michael Mai unter dem Titel „Kennst Du die?“
zusammengefasst. Einige davon stellten die beiden Schauspieler vor, jeweils souverän
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angekündigt von der 12 Jahre alten Amelie Hofmann. Sie besucht die 7. Klasse der Königsteiner
Bischof-Neumann-Schule und will später vielleicht einmal Künstlerin werden.
Von Homer bis Napoleon
Die Auswahl des Abends führte von Homer über Buddha, Napoleon und Coco Chanel bis zur
Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling. „Je mehr man sich der Gegenwart nähert, desto mehr
verbindet man mit den Texten“, sagte Sevenich. Davon allein wollte man sich jedoch nicht leiten
lassen:
Die Kurzbiografien sollten „durch die Zeit gehen“ und vor allem interessant geschrieben sein. Die
Namen der Erfinder, Künstler und Regenten kannten wohl alle, und doch wurde den Besuchern
manch Detail vor Augen geführt, das für ein Raunen oder Lächeln sorgte. Ob sich Kleopatra
wirklich in einen Teppich wickeln ließ, um zu Cäsar in den Palast von Alexandria zu gelangen?
„Mit teurem Schmuck, kräftig geschminkt, aber nur leicht bekleidet“, wie Sevenich vorlas? Die
Forscher wissen es nicht genau.
Andere Lebensläufe zeigten, wie begabt einige Menschen waren. Michelangelo etwa, der die
Pietà bereits im Alter von 24 Jahren schuf. Oder Vincent van Gogh, der innerhalb weniger Jahre
850 Gemälde und 1300 Zeichnungen anfertigte.
Vergessen wird heutzutage aber oftmals der Kampf, den manche Genies mit dem Leben austragen
mussten. Van Gogh setzte seinem Leben wahrscheinlich mit 37 Jahren selbst ein Ende, jüngere
Theorien halten auch einen Unfall für nicht ausgeschlossen. Zu Lebzeiten verkaufte er lediglich
ein einziges Bild, erst 100 Jahre später explodierten die Preise für seine Werke. Friedrich Schillers
Geist war willig, doch das Fleisch schwach: Mit 23 Jahren erkrankte er an Malaria und erholte
sich davon nie mehr. Als er mit 45 Jahren starb, vermerkte ein Arzt angesichts seines Zustands,
dass er verwundert sei, wie „der arme Mann so lange hat leben können“.
Rund 90 Minuten lang hielten Sevenich und Betz die Spannung hoch. „Es ist einfach toll, wenn
man Texte von Profi-Sprechern vorgelesen bekommt“, fasste die Vorsitzende des
Freundeskreises, Lilly Beckers, nach der Lesung zusammen. Der Applaus des Publikums
bestätigte ihre Meinung.

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