Isaiah Berlin oder Six Enemies of Freedom.

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Isaiah Berlin oder Six Enemies of Freedom.
Biografie Pietro Ruffo
Pietro Ruffos (geb. 1978) künstlerische Praxis spiegelt sein intensives soziales und moralisches
Engagement, ebenso wie seine Haltung zu konkreten ethischen Fragen wider. Er arbeitet mit diversen
Medien, wie Zeichnung, Aquarell und Skulptur und kreiert komplizierte und akribisch detaillierte Objekte,
denen aufwendige manuelle Arbeitsprozesse zugrunde liegen.
In seinen umfangreichen Flags Serien (2004 - 2011) werden kulturelle und militärische Einflüsse einiger
der größten Mächte dieser Welt zurückverfolgt; wird das Thema Parasitismus ebenso aufgegriffen, wie
die Idee des zeitgenössischen Kolonialismus.
Auf zweckentfremdete Landkarten gezeichnete Tierschädel bilden die Umrisse von Nationalflaggen. Sie
stehen gleichzeitig in Bezug zu den topographischen Markierungen auf den Karten und werden dadurch
intrinsisch mit diesen Gebieten verschmolzen. Basierend auf anatomischen Zeichnungen, die im
Zoologischen Museum in Rom angefertigt wurden, verweisen die Skelettformen auf Gewalttaten, auf Tod
und auf Erkenntnisse, wie sie auch durch archäologische Funde zutage gefördert werden könnten.
2005 reiste der Künstler nach Beslan in Nordossetien, um dort mit Kindern zu arbeiten, die die
berüchtigte Geiselnahme an einer örtlichen Schule vom September 2004 überlebt hatten. Nach seiner
Rückkehr nach Rom begann Ruffo mit der Arbeit an der Installation Topographies of Silence. Dieses
Werk ist als Reaktion auf die soziale Lage in Belsan zu verstehen. Ein Bestandteil ist der kleine,
geschlossene, aus gewachstem Papier konstruierte Raum, an dessen Innenseiten handgezeichnete
Szenen der desolaten, entwürdigenden und mit Schutt übersäten Korridore der Schule zu sehen sind. Im
Gegensatz dazu ist dieser konstruierte Raum von gemalten Darstellungen der erhabenen und stillen
Bergketten des Kaukasus umgeben, wie sie auch um Beslan herum zu finden sind.
Bei seiner Installation Das Chinesische Reich aus dem Jahr 2007 geht es um Themen wie Zuwanderung
und Vertreibung. Der Titel der Arbeit stammt aus einem Text des italienischen Schriftstellers Roberto
Saviano, der darin der Absurdität der Idee nachgeht, dass im allgemeinen Warenverkehr Industriegütern
mehr Bewegungsfreiheit eingeräumt wird als Menschen. Die große Installation setzt sich aus
gestapelten Kisten – wohl chinesischer Herkunft – mit hier und da eingestreuten Videosequenzen
zusammen. Die Arbeit ist eine Reflexion über die Mobilität von Gütern und Menschen an der Oberfläche
dieses Planeten und die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Bewegungen.
Die Auseinandersetzung mit Freiheitstheorien aber auch mit potenziell in Machtstrukturen eingebetteten
Vorurteilen ist seit 2008 Bestandteil der Arbeit Ruffos. Viele aktuelle Projekte sind auf sein fortwährendes
Interesse an Philosophie und vor allem an den Theorien des in Riga geborenen, englischen Philosophen
und Oxford Professors Isaiah Berlin zurückzuführen. Berlin gilt als einer der stärksten entschiedensten
Vertreter des Liberalismus im 20. Jahrhundert. Berlins Prinzipien der „positiven“ und „negativen“
Freiheit haben zwischen 2009 und 2010 Eingang in Ruffos Arbeit gefunden, so auch in Negative Liberty,
Isaiah Berlin oder Six Enemies of Freedom.
Isaiah Berlin (2009 - 2010) besteht aus einer Serie großer Porträts des Philosophen, die auf alte Karten
gezeichnet wurden und an deren Oberfläche sich fein herausgeschnittene Libellenformen abzeichnen.
Diese Insekten-Formen sind vorsichtig angehoben, sodass sie leicht über der Oberfläche der Arbeit
schweben. Ihr horizontaler, willkürlicher Flug wird zur Metapher für Freiheit und gleichsam zu einem
Symbol für Vergänglichkeit.
Negative Liberty (2011) funktioniert auf ähnliche Weise: Bei dieser intimen Installation, die jede
Innenfläche des berühmten Caffè Florian von Venedig zu bedecken scheint, wird der Blick des
Betrachters vom Stamm der gezeichneten, hochragenden Bäume aus in Richtung des fernen Himmels
geleitet und die Präsenz von Libellen stellt die Verbindung zum Begriff der Sehnsucht nach Freiheit her.
Ruffo wurde in Rom geboren und lebt und arbeitet weiterhin in Italiens Hauptstadt. Er studierte 2005
Architektur an der Universität von Rom, bevor er im Jahr 2011 ein Forschungsstipendium an der
Columbia University in New York annahm.
2009 gewann er den italienischen Kunstpreis Premio Cairo und 2010 wurde ihm der New York Prize vom
italienischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten verliehen. Zu weiteren Künstleraufenthalten
zählen seine Arbeit am International Studio and Curatorial Program (ISCP) in New York (2010), an der
Nirox Foundation in Johannesburg (2012) und seit kurzem an The Fountainhead Residency in Miami
(2013).
Zu den letzten Einzelausstellungen zählen unter anderem: Pietro Ruffo, Breve storia del resto del mondo,
Fondazione Puglisi Cosentino, Catania (2016); Terra Incognita, Italian Embassy Cultural Centre & Basu
Foundation For The Arts, New Delhi (2015); SPAD SVII, Galleria Nazionale d'Arte Moderna, Rom (2014);
Pietro Ruffo: Liberty House, Siena, Chiesa Monti (2014); Pietro Ruffo, SOYEZ RÉALISTE. DEMANDEZ
L'IMPOSSIBLE, Galleria Franca Mancini, Pesaro (2014); Irhal, Irhal, Galleria Lorcan O´Neill, Rome (2012);
The Political Gymnasium, Blain│Southern, London (2012); Complex Instant, Museum für Russische
Dekorative, Angewandte und Volkskunst, als ein Spezialprojekt der 4. Biennale von Moskau (2011);
Negative Liberty, Caffè Florian in Venedig (2011); L’enfer c’est les autres, Galerie di Meo in Paris (2011); I
sei traditori della libertà, Fondazione Pastificio Cerere, Rom (2010); Pietro Ruffo, Museo Arte
Contemporanea di Ravenna (2009); Confini, Museo archeologico Rossi, Ventimiglia (2008); Six Nations,
Galleria Lorcan O’Neill Roma, Rom (2007); Flag, Galleria AKA, Rome (2005). Ruffo hat sich außerdem an
einer Reihe von öffentlichen Projekten beteiligt, darunter ein Entwurf für ein Ground Zero Mahnmal in
New York.
Zu seinen letzten Gruppenausstellungen zählen: Gradi di Libertà, MAMbo, Museo d’Arte Moderna di
Bologna, Bologna (2015); Imago Mundi: Map of the New Art Exhibition of the Luciano Benetton Collection,
Fondazione Giorgio Cini, San Giorgio Maggiore Island, Venedig (2015); Nero su Bianco, American
Academy in Rome, Rom, (2015); Contemporanea Mente, via delle Belle Arti 131, Rome (2014); Incidents of
Phenomena | India-Italy-Myanmar, Spazio Cerere, Rome (2014); Making History, Colombo Art Biennale,
Colombo (2014); Italian Genius Now. Home sweet home, Kaohsiung Museum of Fine Arts in Taiwan
(2011); Amor Parvi or The Love Of The Small, Kunstverein-Langenhagen (2010); Slash: Paper Under The
Knife, MAD Museum of Art and Design in New York (2009), Apocalittici e Integrati, MAXXI, Museum of XXI
Century Art in Rom (2008); Notte della Ricerca, Istituto Nazionale di Fisica Nucleare in Frascati bei Rom
(2006); Fragments of Time, Yellow Bird Gallery in New York (2005).
Ruffo’s Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, darunter
Deutsche Bank Foundation, New York, IL, M.A.M.B.O Museo d’arte moderna di Bologna und das
MAXXI Museum in Rome.

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