Juul, Jesper: Pubertät. Wenn Erziehen nicht mehr geht Kösel Verlag

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Juul, Jesper: Pubertät. Wenn Erziehen nicht mehr geht Kösel Verlag
Juul, Jesper: Pubertät.
Wenn Erziehen nicht mehr geht
Kösel Verlag 2010. 208 Seiten. ISBN 978-3466308712. 16,95€
Aus Jesper Juuls Büchern "Das kompetente Kind" und "Nein aus Liebe" haben wir gelernt, in der
Erziehung den Einklang von Worten und Taten anzustreben und die Beziehung zwischen Eltern
und Kindern aufmerksamer wahrzunehmen. Mit dem ermutigenden Untertitel „Gelassen durch
stürmische Zeiten“ stellt Juul nun die Familienwerkstatt Family Lab vor, ein Projekt, das durch
Vorträge Eltern und Pädagogen darin bestärken will, neue Wege in der Erziehung zu suchen.
In unserer schnelllebigen Zeit genüge es nicht mehr, gehorsame Kinder erziehen zu wollen, fordert
der dänische Familientherapeut. Für Familien sei inzwischen der Prozess, in dem Regeln
ausgehandelt und angepasst werden, wichtiger als das Ergebnis der Familien-Diskussion. Pubertät
sei ein Konflikt zwischen Kultur und Natur, wie in Migranten-Familien müsse sich in jeder
Familie die eigene Kultur der gelebten Realität anpassen. Juul ist davon überzeugt, dass ab dem
10. bis 12. Lebensjahr Eltern kaum noch Einfluss auf ihre Kinder haben, die dann den größten Teil
des Tages mit Gleichaltrigen verbringen. Auch wenn die Erziehung zu Beginn der Pubertät
weitgehend abgeschlossen sei, dürften sich Eltern jedoch nicht resigniert aus ihrer Rolle als
Gesprächspartner zurückziehen, fordert Juul. Kinder brauchen gerade jetzt erwachsene
Sparringpartner. Eltern müssten sich mit dem Heranwachsen ihrer Kinder weiterentwickeln und
erkennen, wann ihre Kinder eigene Entscheidungen treffen können. Wer die Elternrolle loslassen
könne, erhalte die Chance, sich wieder als Paar zu sehen.
Nach einer Einführung ins Thema Pubertät und einigen Lösungsvorschlägen geht es im zweiten
Teil des Buches um Veränderungen der Kommunikation innerhalb von Familien. In Mitschnitten
aus einem Family-Lab-Seminar kommen Probleme auf den Tisch, die nahezu jede Familie mit
Heranwachsenden bewegen: Konflikte in Patchwork-Familien, Medienkonsum, Kritik an den
Schulleistungen der Kinder, Aggressionen unter Geschwistern und die Verwöhnung im "Hotel
Mama". Juuls Seminar-Teilnehmer lernen, Konflikte in der Familie als Möglichkeit zum Feedback
zu erleben. Debatten am Familientisch seien ein Weg, auf dem Kinder überprüfen können, ob sie
die Wertvorstellungen ihrer Eltern in ihr eigenes Leben integrieren wollen. Den jugendlichen
Diskussionsteilnehmern macht Juul unmissverständlich klar, dass Jungsein keine Ausrede dafür
sein kann, sich vor Verantwortung in der Familie zu drücken oder andere zu verletzen. Beim
leidigen Thema Mithilfe im Haushalt zeigt Juul, dass Kinder sich dann wie in einem Hotel
benehmen, wenn die Familie ihnen Dienstleistungen anbietet.
Dass Eltern Juuls Vorstellung vom selbstständig und verantwortungsvoll handelnden Jugendlichen
für wenig realistisch handeln, erfährt der Therapeut von einer Teilnehmerin des Family Lab. Die
Mutter, die mit ihrer 16-jährigen Tochter aushandelte, dass sie sich in Schulangelegenheiten nicht
einmischen wird, beklagt, dass die Absprache nicht funktioniert und sie sich nun heftiger Kritik
durch Lehrer und Schule ausgesetzt fühlt. Dass Juul die Schulprobleme, die beinahe alle seiner
Seminarteilnehmer belasten, als typisch deutsch empfindet, sollte uns zu denken geben. Die
Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule erlebt der Autor in den Berichten seiner Klienten
als kaum konstruktiv. Das Angebot von Seminaren zur Entwicklung von Beziehungskompetenzen
lässt hoffen, dass sich die Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern und Eltern weiter
entwickeln wird.
Auch Leser, die bereits Bücher Juuls kennen, werden von den hier dokumentierten Family-LabDiskussionen profitieren und ihre Selbstwahrnehmung verändern.
Familylab: http:www.familylab.de
Presse-Echo: http:www.familylab.de/interviews_mit_jesper_juul.asp

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