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Abschlussbericht
Januar 2007
Abschlussbericht
Hessen-Queensland Programm
Im September 2006 habe ich die Fachhochschule Frankfurt am Main für vier Monate verlassen um ein
Trimester lang an der Bond University zu studieren. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt!
Das Vorbereitungstreffen in Wiesbaden – begleitet von sehr gutem Kuchen – fand für mich in respektablem
Abstand zur eigentlichen Abreise nach Australien statt, da einige Teilnehmer bereits im Frühling nach
Queensland gingen. Das und die ersten Berichte derer, die dann im Sommer bereits in Australien waren,
heizten die Vorfreude natürlich weiter an.
Im Nachhinein kann ich bestätigen, dass sich so ziemlich alles bewahrheiten sollte, das an diesem Tag
gesagt wurde, insbesondere von den anwesenden Studenten, die diese Erfahrung bereits gemacht hatten.
Besonders möchte ich dabei drei Punkte hervorheben: Erstens, man findet eine Wohnung. Ich selbst habe
wenige Wochen vorher eine Wohnung per Email reserviert, die etwa 5 Fußminuten vom Campus entfernt
war und die von sehr wenig Ungeziefer bewohnt wurde. Zweitens, das Visum zu beschaffen ist kein
Problem. Fällt man nach australischen Maßstäben in “Assessment Level 1” (abhängig von der
Staatsangehörigkeit), kann man sein Studentenvisum online beantragen. Der ganze Vorgang ist wirklich
denkbar einfach. Man nimmt sich etwa eine Stunde Zeit, um die Formulare auszufüllen, zahlt ein paar
hundert Euro mit der Kreditkarte und bekommt ein bis zwei Tage später eine Bestätigungsmail. Dann ist der
Reisepass registriert und man kann nach Australien einreisen ohne irgendwelche Klebezettel im Pass und
ohne einmal ein Konsulat besucht zu haben.
Drittens, und das ist ganz besonders wahr, das Niveau ist so, dass man den Stoff noch in der Vorlesung
verstehen kann. Dafür muss man aber etwas mehr und vor allem konstanter arbeiten als an einer deutschen
Hochschule.
Die Vorbereitungsveranstaltung ist also unersetzbar um schon mal einen Eindruck von den australischen
Studien- und Lebensverhältnissen zu bekommen.
Danach gab es für mich einige Monate zu überbrücken, bis dann eine zum Abreisetermin hin zunehmende
leichte Nervosität einsetzte.
Der Flug nach Australien ist lang, aber das sollte jetzt niemanden mehr überraschen. Mein Flug ging abends
um 23 Uhr in Frankfurt los und ich kam morgens gegen 9 Uhr Ortszeit (zwei Tage später) in Brisbane an. Es
spricht also alles (außer dem In-Flight Entertainment Programm) dafür, auf den Flügen möglichst viel zu
schlafen.
Die Einreise war eigentlich kein Problem; den Reisepass und den im Flugzeug ausgefüllten Zettel vorzeigen
und man ist durch Immigration durch. Danach muß ich allerdings besonders gut in ein Fahndungsraster
gepasst haben: männlich, Mitte 20, alleinreisend. Während ich auf meinen Koffer wartete, fragten mich fünf
verschiedene Beamte nach meinem Paß und meinem Grund für die Einreise. Jetzt darf man von diesen
Beamten aber nicht erwarten, daß sie auf Völkerverständigung geschult wurden oder gar wissen, was ein
Auslandssemester ist und so kann man sich schon mal mit der Frage “Sie kommen also zum Studieren nach
Australien. Können sie nicht auch in Deutschland studieren?” konfrontiert sehen. Aber mit etwas Geduld
lässt sich auch das überstehen.
Das größere Problem war, daß die Immigration und Customs Prozedur am ersten australischen Flughafen
stattfindet, da alle weiteren Flüge Inlandsflüge sind. In meinem Fall musste ich also in Sydney auf mein
Gepäck warten, durch den Zoll, der mit Menschen, Hunden und Maschinen nach organischem in jedem
Gepäckstück sucht und schließlich zu meinem Anschlußflug nach Brisbane. Im Gegensatz zu meinem
Gepäck habe ich diesen Flug auch noch bekommen. Glücklicherweise fliegt jede Stunde ein Flugzeug von
Sydney nach Brisbane, und so kam meine Tasche zwei Flüge später nach. Es empfiehlt sich also, am ersten
australischen Flughafen etwas mehr Zeit als gewöhnlich einzuplanen.
An die Flugreise schließt sich noch eine 1,5-stündige Zugreise an die Gold Coast sowie eine etwa
halbstündige Busreise zur Bond Uni an. Bei der Bond Uni gibt es drei primäre Wohnoptionen: On-campus,
University Place und Varsity Shores. On-campus bedeutet Mensaessen, das durchaus nicht zu verachten
ist, denn kochen auf den Zimmern ist nicht erlaubt, sowie viele US-Amerikaner als Nachbarn. University
Place und Varsity Shores bieten kleine Häuser für je 2-6 Leute, liegen genau gegenüber und wie schon
erwähnt etwa 5 Fußminuten von der Uni entfernt. Preislich sind beide sehr vergleichbar, allerdings ist Varsity
Shores neuer und sieht auch neuer aus. Wenn man also die Wahl hat, sollte die Entscheidung leicht fallen.
Ich habe in University Place gewohnt, wo es allerdings eine sehr nette und hilfsbereite Managerin gab. Die
Miete ist für die Lage neben der Uni vernünftig und durchaus auf dem Niveau Frankfurter Mietpreise. Wenn
man sich daran gewöhnt hat, dass “Haus” in Australien meistens “zusammengenagelte
Holzbrettersammlung” bedeutet, lässt es sich dort ganz gut für ein halbes Jahr leben. Wenn man die Küche
sauber hält, bleiben sogar die Kakerlakenbesuche aus.
Besonders angenehm ist auch die Anbindung an das Busnetz. Zwischen beiden Wohnanlagen und direkt
vor der Uni ist jeweils eine Bushaltestelle und die Busse fahren direkt zum Bahnhof, von wo aus es Züge
nach Brisbane gibt, zum Robina Town Centre (großes Shoppingzentrum), Pacific Fair (ebenfalls großes
Shoppingzentrum), an den Strand und nach Surfer's Paradise, der Party Location an der Gold Coast. Zudem
sind die Fahrkarten für Studenten sehr günstig.
Ich bin drei Tage vor Beginn der Orientation Week angekommen. Viel früher würde ich nicht anreisen, denn
es gibt erstmal nicht viel, was man unternehmen könnte und nach spätestens zwei Nächten ist man auch
wieder in der Lage, einen Tag wach zu überstehen. Ich hatte das Glück, mit einer anderen Teilnehmerin des
Hessen-Queensland Programms, die bereits eine Woche früher ankam, in einem Haus zu wohnen, so dass
ich gleich am Anfang eine Einführung in das Leben in Robina bekam. Unser dritter Mitbewohner war ein
australischer Fliesenleger Mitte dreißig. An dieser Stelle möchte ich vorwegnehmen, daß er der einzige war,
mit dessen Englisch ich am Anfang Schwierigkeiten hatte. Alle anderen, insbesondere die Dozenten,
sprachen ein gut verständliches Englisch, und nach zwei Monaten hatte ich mich auch an den Slang unseres
Mitbewohners gewöhnt.
Doch nun endlich zur Universität selbst. Der erste Eindruck ist enorm. Wenn man auf dem Campus steht,
wirken die Gebäude noch monumentaler als auf den Fotos. Kurz gesagt, auf dem Campus kann man sich
bei schönem Wetter (und wann gibt es dort unten mal nicht schönes Wetter) einfach nur wohl fühlen. Auch
die inneren Werte stimmen, so hat die Uni 17 rund um die Uhr geöffnete Computerräume für gerade einmal
2.000 Studenten. Auch für die kulinarische Verpflegung ist gesorgt mit einer Mensa, einem Restaurant, einer
Bar und vier weiteren Essensausgabestellen. Es ist aber nicht immer nötig sein Essen zu kaufen, denn
jeden Mittwoch und zu besonderen Anlässen findet mitten auf dem Campus am See ein kostenloses BBQ
statt. Des weiteren befindet sich auf dem Campus neben den üblichen Einrichtungen ein Fitneßstudio mit
Kursangebot, ein Schwimmbecken, eine Sauna und ein Arzt. Auch die Bibliothek mit großem
Aufenthaltsbereich und guter WLAN Abdeckung lockt regelmäßig viele Studenten an. Ein weiterer Pluspunkt
der Bibliothek ist die DVD Sammlung, die ausgewählte Kinohits und etliche Fernsehserien enthält. Für die
Abendunterhaltung war also auch schon gesorgt.
Meine erste Erfahrung mit dem administrativen Teil der Bond University war leider weniger positiv. Durch ein
offenbares Kommunikationsproblem zwischen der School of Information Technology und Student
Administration wurden mir nur Kurse angeboten, für die es keine Voraussetzungen gibt, also durchgehend
Erstsemesterkurse. Daher konnte ich die Kurse von Deutschland aus noch nicht wählen, und ich bekam die
ersten Tage erstmal einen Teilzeitstudentenstatus, der weder für das Visum noch für die ermäßigten
Busfahrten reicht. Nach einer Reise vom Studentenbüro über Study Abroad und einige Lehrende der
Informatik bin ich schließlich zu meinem Academic Advisor gekommen, der mir nach einem kurzen
Gespräch meine gewünschten Kurse freigegeben hat. Das Informatikkursangebot ist nicht zu verachten und
ich habe ohne weiteres zwei Kurse für meinen Netzwerkschwerpunkt gefunden. Aber auch kreativere Kurse
wie 3D-Animation und Spieleprogrammierung standen zur Verfügung. Austauschstudenten steht es sogar
offen, Kurse aus allen Fakultäten zu wählen, auch wenn diese nichts mit dem eigentlichen Studienfach zu
tun haben.
Das war aber auch schon die einzige organisatorische Panne, die ich mit der Universität erlebt habe. In allen
anderen Belangen war die Bond University vorbildlich. So gibt es für alle Fragen einen Ansprechpartner oder
ein Büro auf dem Campus. Egal ob man zur Campus Security geht, weil man wissen möchte, wo der
nächste Geldautomat ist oder IT Services fragt, wie man an seine Mails kommt.
Außerdem gibt es an der Uni wenige Ungewissheiten. Vieles steht lange vorher bereits fest, wie zum
Beispiel die Termine, an denen die Klausurtermine oder die Noten bekannt gegeben werden, und an diese
Termine halten sich auch alle. So wusste ich bereits vor meinem Abflug, daß ich am 8. Januar meine Noten
bekommen würde. Auch die Klausurtermine standen einen guten Monat vor der Klausurwoche fest und
wurden nicht mehr geändert. Das sind nur zwei Beispiele für organisatorische Glanzleistungen, die ich von
meiner Hochschule nicht gewohnt bin.
Ein weiterer großer Vorteil ist, daß man vieles online erledigen kann. Dazu gehören Kurswahl, Abgabe von
Assignments und Noteneinsicht. Wird eine Vorlesung verlegt oder fällt sie ganz aus, steht das auch
rechtzeitig im Internet und man steht nicht verloren oder umsonst in der Uni.
Die Orientation Week sollte man nicht verpassen, denn hier lernt man natürlich die Uni und die Kommilitonen
kennen. Wer jetzt allerdings, wie ich, erwartet hat, an der Bond University viele australische Studenten
kennen zu lernen, hat sich geirrt. Trotz der kleinen Kursgrößen war ich in keinem Kurs der einzige Deutsche
und auch auf dem Campus hat man ständig jemand deutsch sprechen hören. Das ist Folge der sehr
internationalen Ausrichtung der Bond Uni, die nur 50% australische Studenten hat. Auch in der nahen
Umgebung unseres Hauses in University Place gab es mindestens sieben Deutsche, mit denen ich mich oft
getroffen habe. Es war wirklich kaum nötig Englisch zu reden. Um dennoch etwas für ihre Sprachkenntnisse
zu tun, sind einige Nicht-Englisch-Muttersprachler dazu übergegangen, auch untereinander Englisch zu
sprechen.
Ansonsten lernten wir bereits in der Orientierungswoche bei den Willkommensreden, daß die Uni einiges
von ihren Studenten verlangt, aber auch für die nötige Unterhaltung sorgt. Auch auf diesem Gebiet dachte
ich, ich wäre in einer anderen Welt. Es kam mir ja schon ein wenig seltsam vor, als mich mein Academic
Advisor nach der Kurswahl fragte, ob die Kurse auch in Ordnung für mich wären, da ja zwei auf Donnerstag
und Freitag fallen und mich das ja bei den Wochenendreisen einschränken würde. Dementsprechend fand
auch die von der Uni angepriesene Hauptreise nach Great Keppel Island von Mittwoch Abend bis Sonntag
Nacht statt. Auch die Partybegeisterten kommen nicht zu kurz. In dem offiziellen Booklet zur Orientation
Week von der Uni standen Events wie “3 nights of absolute non-stop fun”, “Drink the pub dry” und der “Pub
Crawl”. Wer die Einführungswoche überstanden hatte, durfte sich dann auf den Donnerstag Abend freuen,
wo die Party in der unieigenen Bar Don's Tavern begann mit anschließendem Bus-Shuttle nach Surfer's
Paradise zum Weiterfeiern. Die Uni war einfach nicht organisiert für Vorlesungen am Freitag Morgen.
Sollte in all dem Trubel doch mal etwas sehr schiefgehen, so versicherte uns die Campus Nurse, habe sie
die Pille für den Morgen danach und Bond University Studenten bekommen eine Ermäßigung auf
“Emergency Contraceptives” bei der nächsten Apotheke.
Die vermutlich wichtigste Botschaft der Orientation Week war aber, dass wir nicht im Campussee
schwimmen dürfen, weil es darin Haie gibt.
Der gute Eindruck geht auch in den Vorlesungen und Übungen nicht verloren. Nachdem sich nach den
ersten beiden Wochen, in denen man noch kostenlos Kurse wechseln darf, die Kursgrößen eingependelt
haben, bleiben die Studentenzahlen in den Vorlesungen angenehm klein. In meiner größten Vorlesung
waren wir etwa 20 Studenten, in der kleinsten drei (sic!).
Um den nötigen Status eine Vollzeitstudenten zu bekommen, braucht man mindestens 30 Credit Points pro
Trimester, was in den meisten Fällen drei Kursen entspricht. Man darf höchstens vier Kurse belegen. Ich
belegte drei Kurse und war damit gut ausgelastet. Wie bereits erwähnt, hat man an einer australischen Uni
ein bisschen was zu tun als Student. Das liegt daran, dass sich die Kursnote nicht aus einer Klausur am
Ende des Semesters ergibt, sondern aus in der Regel drei Assignments, einem mid-term exam und einem
final exam. Die Gewichtung ist jedem Dozenten selbst überlassen, aber meistens sind die Assignments und
das mid-term je 10-20% und das final um die 40% der Endnote wert. Ab der dritten Woche, in der die ersten
Assignments verteilt wurden, hatte ich also bis zur zwölften Woche stets etwas zu tun.
Hier sieht man gleich eine weitere Besonderheit. Wir haben während des Semesters nicht nach Tagen und
Monaten sondern nach Wochen gelebt. Woche 0 ist die Orientation Week, Woche 1 die erste
Vorlesungswoche und Woche 13 weitgehend frei um für die Klausuren in Woche 14 zu lernen. Assignments
sind zum Beispiel fällig Ende Woche 9 und der Ausflug nach Keppel Island ist in Woche 5. So lange man
sich mit niemandem außerhalb der Uni unterhält funktioniert das auch einwandfrei.
Die drei Kurse, die ich belegt hatte, waren Multimedia 1, Network Computing 2 und Networking
Technologies. Aus Interesse habe ich noch die Vorlesungen zu Australian History besucht, die auch
weiterempfehlen kann, allerdings ohne den Schein zu machen oder an den Übungen teilzunehmen. Ich hatte
mit den anderen drei Kursen schon genug Beschäftigung und mir ist auch jetzt noch unklar, für welchen Kurs
an der FH ich mir das hätte anrechnen lassen sollen.
Multimedia 1 ermöglichte es mir, mal etwas über den Tellerrand hinauszuschauen und etwas Kreativeres im
Bereich Informatik zu versuchen. Der Kurs bestand aus einem theoretischen Teil mit Kunstgeschichte,
Farblehre, Typographie und vielen Designregeln. Im praktischen Teil haben wir gelernt, mit Adobe Illustrator
und Photoshop umzugehen. Statt den Assignments gab es in Multimedia 1 zwei Projekte, in denen wir die
gelernte Theorie mithilfe der genannten Programme in die Praxis umsetzen mussten und ein practical exam,
in dem wir unsere Photoshop- und Illustrator-Fähigkeiten unter Klausurbedingungen unter Beweis stellen
mussten. In den Projekten sollten wir eine Visitenkarte und ein DVD Case designen.
Die dazugehörigen Übungen fanden bei einer Tutorin statt, und die drei Stunden pro Woche verliefen sehr
angenehm, nachdem sie uns versicherte, daß wir während der Übung mit Kopfhörern Musik hören oder
etwas essen können.
Die Dozentin war britischen Ursprungs, so daß man sie ohne Probleme verstehen konnte. Neben Multimedia
1 hält sie auch alle Folgekurse wie 3D Animation und Spieleprogrammierung und es war offensichtlich, dass
sie wusste, wovon sie spricht. Für Multimedia 1 war ein Buch für $88 vorgeschrieben, in dem wir als
Hausaufgabe jede Woche ein, zwei Artikel lesen durften.
Der Kurs war für mich eine angenehme Abwechslung und ich habe auf jeden Fall gelernt, was ich mir
vorgenommen hatte und noch etwas mehr.
Network Computing 2 war schon aufgrund der Größe ein besonderer Kurs. Wir waren drei Studenten, zwei
Deutsche, ein Australier und der Dozent war Österreicher. Trotzdem fand die Vorlesung, sehr zur
Erleichterung des Australiers, auf Englisch statt. Schwerpunkte waren Linux und C, was mir sehr entgegen
kam. Alle drei Assignments waren Programmieraufgaben, die auch alle etwas anspruchsvoller waren, als ich
es von der FH gewöhnt war. Das hatte allerdings sein Gutes, denn so musste man über die Aufgabe
nachdenken, sich an die RFCs (Standarddokumente) halten und konnte so an einer eher praxisnahen und
weniger konstruierten Aufgabe arbeiten.
Auch hier hatte der Dozent absolut die nötige Fachkompetenz und er war konsequent genug, gleich in der
ersten Vorlesung allen Anwesenden klarzumachen, welche Vorkenntnisse man zum Bestehen mindestens
haben müsse. Daraufhin schrumpfte der Kurs von sechs auf drei Studenten innerhalb der ersten beiden
Wochen.
Networking Technologies ist mit Sicherheit der Kurs, in dem ich am meisten gelernt habe. Die Vorlesung
lässt sich am besten als fortgeschrittene Rechnernetze Vorlesung beschreiben, nach der man sehr solide
Grundkenntnisse über gegenwärtige Netzwerktechnologien hat und nicht nur solche, die man täglich antrifft.
Der Kurs knüpfte somit perfekt an die Rechnernetze Vorlesung an, die ich ein Semester zuvor an der FH
gehört hatte. Da es an der FH allerdings keinen entsprechenden weiterführenden Kurs gibt, war ich froh, in
Australien die Gelegenheit zu bekommen.
Die Assignments in Networking Technologies waren die anspruchsvollsten. Gefordert waren Recherchen,
Analysen von Problemfällen und Lösungsmöglichkeiten und Transferleistungen kombiniert mit einigen
“Fangfragen” in den exams.
Der Dozent hatte vor seiner Lehrtätigkeit jahrelang praktische Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt und
ist außerdem Cisco CCNA Ausbilder. Es gelang uns in dem Semester vielleicht zweimal, ihn mit Fragen in
Verlegenheit zu bringen und Fragen stellten wir viele. Durch die geringe Kursgröße, die gemütlich
eingerichteten Computerräume und die sehr umgängliche Art des Dozenten sahen die Übungsstunden mehr
aus wie Kaffeekränzchen. Das soll aber nicht heißen, der Kurs hätte nichts gebracht. Durch den Humor des
Dozenten und seine Begabung, komplexe Sachverhalte anschaulich zu vermitteln, war Networking
Technologies die ergiebigste Vorlesung, die ich an der Bond University belegt hatte. Seine Vorliebe dafür,
Punkte in Assignments und exams abzuziehen spornte noch mehr an, ihm keine Gelegenheit dazu zu
geben.
In beiden Netzwerkkursen waren eigentlich jeweils zwei Bücher vorgeschrieben, die man sich hätte kaufen
müssen. Zum Glück bestanden die Dozenten jedoch nicht darauf, was zu einer erheblichen Verringerung der
Ausgaben führte. Ich konnte auch nicht sehen, an welcher Stelle die Bücher notwendig gewesen wären,
denn eigentlich reichten immer die Vorlesungsmaterialien sowie das Internet, im Notfall auch die Bibliothek.
In allen drei Kursen war das Feedback zu den abgegebenen Arbeiten hervorragend. Zu größeren Projekten
bekamen wir vom Dozenten eine jeweils zweiseitige Rechtfertigung für jeden abgezogenen Punkt. Dies war
natürlich sehr hilfreich, um die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen, ist aber sicher nur aufgrund
der sehr kleinen Kursgrößen möglich.
Die Vorlesung Australian History, die ich zusätzlich besuchte, führte von der Entdeckung Australien durch
die Europäer über die Buschmänner und die Staatsgründung bis in die politische Gegenwart und verlieh
dem Semester die australische Note.
Bei allen Vorzügen dieser Hochschule sollte man sich jedoch trotzdem fragen, ob einem das die circa
16.000 Euro im Jahr, die das Studium an der Bond University normalerweise kostet, wert wäre.
Soziale Integration in nur einem Trimester ist nicht leicht. Natürlich bildeten alle deutschen Studenten, die in
unmittelbarer Nähe zueinander wohnten, ein solides Grüppchen, aber in den Vorlesungen lernten wir uns
erst in den letzten Wochen kennen. Und für die meisten war es dann auch wieder vorbei, denn am Ende
jedes Trimesters lautet die Frage der Längerbleibenden: “Bist du nächstes Semester auch noch hier?”.
Trotzdem reicht die Zeit natürlich aus, um sich mit Leuten aus anderen Ecken der Welt auszutauschen.
So waren wir die ersten Wochenenden unterwegs zum Strand, nach Brisbane und zu nahe liegenden
Nationalparks, was recht leicht möglich war, da sich eine Kommilitonin dankenswerterweise ein Auto gekauft
hatte. Von Freitag bis Sonntag fühlten wir uns wie im Urlaub und den Rest der Woche als Studenten. Dazu
kommt, daß der Strand in etwa 15 Minuten mit dem Bus zu erreichen ist und die Temperaturen von
September bis Dezember zwischen 25 und 30 Grad bei niedriger Luftfeuchtigkeit lagen. Inlandsflüge sind
verhältnismäßig billig und viele interessante Ziele wie Sydney, Fraser Island, die Whitsundays oder Cairns
sind in erreichbarer Entfernung. Das Great Barrier Reef vor der Küste Nordqueenslands eignet sich natürlich
hervorragend zu tauchen und wer noch keinen Tauchschein hat, kann einen von der Uni organisierten
Tauchkurs besuchen.
Nach den ersten paar Wochen habe ich mich an den Wochenenden allerdings eher um die Assignments
gekümmert. Natürlich steht es hier jedem frei, zwischen Endnote und Ausflügen abzuwägen und man kann
auch noch eine gute Note bekommen ohne jedes Assignment abzugeben, aber ich hatte für die Zeit nach
der Klausurwoche ohnehin noch einen dreiwöchigen Urlaub eingeplant. Um so etwas zu ermöglichen ist das
Studentenvisum noch einen Monat nach Ende der Vorlesungszeit gültig.
Die auf einen zukommenden Kosten sind überschaubar. Den Löwenanteil macht die Miete aus. Lebensmittel
und viele andere Sachen sind in Australien entsprechend den dort üblichen Gehältern billiger als in
Deutschland. Ebenso sind CDs und DVDs deutlich billiger als hier. Dafür sind Computer- und
Elektronikartikel meist teurer. Strom kostet zwischen $0,80 und $1,00 pro Tag und Person. Ein
Festnetzanschluß $20 wobei ein Ortsgespräch $0,50 kostet, egal wie lange es dauert. In Kombination mit
International Calling Cards, die teilweise nur 0,5 Cents die Minute berechnen, ermöglicht das sehr günstige
Gespräche nach hause. Im Gegensatz dazu sind Internetanschlüsse nicht gerade günstig. Flatrates sind
eher unüblich und auch die Bandbreite ist geringer als man es von Deutschland gewohnt ist. Für $60
bekommt man eine quälend langsame (256kbit) Flatrate. Daher ist es wohl sinnvoller seine
Internetgeschäfte in der Uni zu erledigen, was Dank 17 Computerräumen und WLAN aber auch kein
Problem sein sollte. Bei einer Unterkunft im University Place kommt zum Schluss noch eine Endreinigung
mit $100 pro Person dazu. Ein australischer Dollar ist schon seit Jahren etwa 0,60 Euro wert.
Zu dem kommt natürlich noch der Flug, der oberhalb von 1.200 Euro liegen dürfte, den man ja aber anteilig
auf den anschließenden Urlaub umrechnen darf.
Für mich war das Auslandssemester eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe eine andere Hochschule erlebt,
gesehen, wie weit ich mit meinem Englisch komme und wie gut ich “allein” am anderen Ende der Welt leben
kann. Am schwierigsten war es sicherlich, dreieinhalb Monate auf meine Freundin verzichten zu müssen,
aber dank Internet und Telefon ließ sich die Zeit doch überstehen. Am Ende war das Auslandssemester
einfacher und unkomplizierter, als ich dachte.
Andreas Renner, Student der Fachhochschule Frankfurt am Main

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