Magazin 02

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Magazin 02
Ausgabe 02 / Oktober 2012
Ein Online-Magazin
für Sammler und Puppenkünstler
ERVERA e.V. * Buchholzer Str. 10 * D-30629 Hannover * www.ervera.de * [email protected]
ERVERA e.V. Online-Magazin
Seite 2
Liebe LeserInnen,
Das bedeutet oft lange Anreisen plus eventuelle Übernachtungskosten und will insofern überlegt sein.
ich soll Ihnen erst einmal den Dank der Redaktion
ausrichten—
dafür, dass unser Magazin so positiv von Ihnen aufgenommen wurde!
Und über die „Like it!“s
auf unserer Facebook Seite freuen wir uns natürlich
auch!
Und deshalb haben die auch gemeint, ich solle mich
jetzt mal zusammenreissen und nicht immer so vor
mich hin plappern, was ich gerade denke… na ja,
versuchen kann ich‘s ja mal…
Wir sind der Meinung, dass man ja nicht auf jede
Ausstellung gehen muss—aber es sich in jedem Fall
lohnt., denn nur auf solchen Veranstaltungen hat
man die Möglichkeit, sich zu informieren und in der
Realität zu vergleichen so wie Erfahrungen auszutauschen mit anderen Rebornern oder SammlerInnen.
Und damit amortisiert sich so ein Besuch schon
mal...abgesehen von dem Spaß, den so eine „
Auszeit“ mal mit sich bringt…
Also überlasse ich jetzt die Moderation mal den Erwachsenen:
Olga Auer bringt rechtzeitig zu Eschwege einen
neuen Bausatz heraus—und hier gibt es schon mal
ein paar Informationen dazu.
Danke, lieber ERVERUS—
Damit darf ja nun wohl die Redaktion übernehmen ...
Einige Leser regten an, zu den negativen RebornBeispielen auch die positiven zu zeigen—keine
Sorge, das ist in Arbeit—bedarf aber, verständlicherweise, einer längeren Vorbereitung.
Zu diesem Thema drucken wir gerne hier einen
Leserbrief—sozusagen einer für alle… - mit vielen Anregungen ab!
Und deshalb bringen wir in dieser Ausgabe den
Bericht einer couragierten Sammlerin, die den
Mut und die Ausdauer hatte, sich zu wehren.
Leider ist es so, dass viele KäuferInnen so einen
Aufwand scheuen—wobei natürlich die meisten Enttäuschungen auch nicht so dreist ablaufen wie die
hier beschriebene.
Bei der Gelegenheit verweisen wir auf die komprimierten Tipps für Sammler / Käufer in unserer ersten Ausgabe 01 / September 2012
So viel vorerst zum Thema Qualität—ein Dauerthema, dem wir uns noch intensiv widmen werden,
und zwar von beiden Seiten...
Wir sind ja erst ganz am Anfang… 2. Ausgabe…
Und weiter geht es:
Die Puppen– und Bärenausstellung in Eschwege
vom 03.—04.11.2012:
Hierzu haben wir die Veranstalterin der Ausstellung,
Frau Leokadia Wolfers, interviewt.
In Foren wird man des Öfteren gefragt, ob es sich überhaupt lohne, solche Puppenausstellungen zu besuchen. Immerhin finden die i.d.R. nicht am Wohnort
statt, sondern quer durch Deutschland.
Ein weiteres Interview gab uns die Künstlerin Brit
Klinger, die mittlerweile zu den namhaften Modelliererinnen von Babys und Kleinkindern (Toddlern)
gehört.
Für die Überlassung des Titelbildes bedanken wir
uns bei Jacky Schleich— ihre Reborns finden Sie
hier: www.jackys-kleine-hoffnungen.de
Boah—bin ich nicht gut und hab mich richtig
zusammengerissen? Das ist mir echt schwer
gefallen— und nun mach ich mein Bäuerchen und verabschiede mich bis zum nächsten mal...
Gruß und Kuss
ERVERUS!
Inhaltsverzeichnis
Leserbrief ……………………………….
S. 3
Olga Auer—neuer Bausatz „Rosie“………… S. 4
Das „Ding“ (Teil 1) ………………………... S. 6
Interviews mit
Leokadia Wolfers……………………….. S. 8
Brit Klinger……………………………….. S.10
Noch einmal alle Links aus dem Magazin….. S.17
ERVERA e.V. Online-Magazin
Leserbriefe…
Nein, wir drucken nicht alle ab. Und es sind
ja auch Leser“mails“ und keine „Briefe“.
Und nochmal nein—es wird auch nicht
nach „die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins
Töpfchen“ selektiert—wir haben einfach tatsächlich
nur positive Mails bekommen..
Das motiviert.!!!
Vor allem, da wir noch völlig am Anfang stehen—
sei es mit dem Layout oder den Inhalten …
Aber was für ein kreativer Spaß!
Und wenn wir dann noch merken, dass auch noch
konstruktive Reaktionen aus der Leserschaft kommen, dann „hippt“ das aber richtig!
So soll es ja auch sein.
Und hier ist nun mal so eine kritische, ungeschminkte und daher auch kreativer Lesermail:
(Verfasser/in ist der Redaktion bekannt)
Ach ja—wenn wir hier etwas veröffentlichen, dann
natürlich nur nach Rücksprache und Erlaubnis.
Leser-Mail
Hallo liebes Ervera-Team,
erstmal ganz lieben Dank dafür, dass Ihr Euch spontan dazu entschlossen habt, ein Online-Magazin zum
Thema Reborn herauszubringen.
Ich hatte das gar nicht mitbekommen, dass es die
"Babypuppen" nicht mehr gibt (über den Versuch,
das Thema Reborn in einer anderen Zeitschrift unterzubringen, breiten wir mal lieber den Mantel des
Schweigens... ich gehe davon aus, dass es in ein paar
Ausgaben wieder vorbei damit ist!), habs erst im
Colliii-Forum gelesen.
Das ist eine schmerzliche Lücke, deshalb vielen
Dank für das Online-Magazin, auf das ich mich
gleich gestürzt hab!
Ich würde mich selber am ehesten als "schweigende
Beobachterin" der Szene bezeichnen; bin vor vier
Jahren mal selber mit zwei gekauften Rebornpuppen
böse auf die Schnauze gefallen (jawoll, alle KäuferAnfängerfehler gemacht, die man machen kann!) und
seitdem nicht mehr bereit, für schlechte Puppen gutes Geld rauszuschleudern.
Für die guten Puppen fehlt es zumeist an eben jenem
guten Geld. Andererseits mach ich gerade meine ersten eigenen wackeligen Reborn-Versuche...
Aber ich beobachte vor allem, sowohl auf ebay als
auch in den einschlägigen Foren, und ich stelle fest,
dass der Markt zumindest hierzulande völlig kaputt
ist.
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Das ist aber zumindest was die Preise angeht kein
rebornspezifisches Problem, sondern betrifft alle Bereiche, wo von Hand gefertigte (Kunst-)Werke angeboten werden.
Was ich aber speziell bei den Reborns als Riesenproblem sehe - und da habt Ihr mit Eurer ersten Ausgabe direkt in die richtige Kerbe gehauen! - ist die
teilweise unfassbar miese Qualität der angebotenen
Puppen.
Ich hab mich heute mal etwas intensiver bei ebay
Deutschland umgeschaut - aua aua aua! Bei ebay.
com ist die Qualität insgesamt deutlich besser. Woher kommt das?
Es wäre bestimmt spannend, wenn man mal mehrere
Top-Reborner (möglichst viele! Und vielleicht auch
mal nicht so toppe Reborner) aufdröseln lassen würde, was sie so im Schnitt an Zeit und Material in ein
Reborn stecken.
Oh, das haben die von ERVERA e.V.
schon mal erhoben…
Die reinen Material– und Investitionskosten bei einem Reborn liegen durchschnittlich
bei 170 €, bis es verkaufsfertig ist.
Die Arbeitszeit ist dabei nicht mit einberechnet.
Wenn wir aber davon ausgehen, dass man für ein
qualitatives Reborn ca. eine Woche Arbeitszeit benötigt, erklären sich viele weitere Nachfragen...
Und völlig unbewertet bleibt dabei der „SammlerWert“ - hallo— wir sitzen doch hier nicht am Fließband und werden nach AE (Arbeitszeiteinheiten) bezahlt—oder?
Aber ich bin ja schon wieder ruhig.
Ist ja auch ein Thema für sich….
Also weiter im Leserbrief:
Natürlich brauch ich für ne Angelica Schick viel länger als zB für ne Vivien Wosnjuk, aber im Schnitt
kann sicher jeder ungefähr sagen, was er an Kosten
hat, wofür die draufgehen, und was an Zeit drinsteckt.
Das von mehreren Leuten auf einen Blick hab ich
noch nie gesehen, und ich glaube, dass das dem unbedarften Sammler mal die Augen öffnen würde,
was allein schon an Material erforderlich ist, um eine
ansprechende Puppe zu gestalten. Von der Zeit haben wir da noch gar nicht gesprochen. Und da wird
man dann direkt sehen, dass man für 129 Euro KEINE gescheite Puppe erwarten kann!
Wo Du Recht hast, haste Recht!
ERVERA e.V. Online-Magazin
Auf jeden Fall ist das Thema "Qualität der Puppen"
sicher ein Dauerthema, und ich wünsche mir, dass
Ihr da nicht nachlasst und auch weiterhin gelungene
und weniger gelungene Puppen präsentiert. Die
Bildstrecke in der ersten Ausgabe fand ich schon mal
sehr gelungen und hilfreich!
Wichtig fand ich auch den Satz: "Lassen Sie sich
nicht durch süße Bilder ablenken." Genaugenommen
dürfte das sogar die wichtigste Botschaft an den
Sammler überhaupt sein, denn ein Rebornkauf ist
immer ein Leidenschaftskauf, will sagen, man kauft
kein Reborn, weil man eins braucht, sondern weil
man eins sieht, das man unbedingt haben will. Da
knipst ja gerade bei uns Damen die Leidenschaft
gern mal den Verstand aus, und danach weint dann
der Geldbeutel... zu diesem Thema wünsch ich mir
noch ganz ganz viel, denn aus meiner Sicht hängt es
GENAU DARAN!
Was ich mir noch wünschen würde, gerade für unerfahrene Sammler: Es wäre schön, wenn man mal eine Gegenüberstellung mit einem der einschlägigen
"Billig-Bausätze" (damit meine ich die, die bei ebay
rebornt immer in Massen auftauchen und fürn Appel
und 'n Ei weggehen) macht: Einerseits so, wie sie auf
ebay tagtäglich weggehen, andererseits mal RICHTIG gut rebornt, damit der Sammler mal sieht, was
eigentlich mit den Bausätzen möglich ist! Ich mag
zum Beispiel die Lilian Juan sehr gern. Es gibt sicherlich realistischere und schönere Modelle, aber
ich persönlich finde, die Lilian lacht so süß, die
spricht mich einfach sehr an. Nun ist ja gerade dieser
Bausatz extrem preiswert. Deshalb wird er in Massen
rebornt und auf ebay verschleudert. Aber ich kann
mich nicht erinnern, schon jemals in meinem Leben
mal eine wirklich gute Lilian gesehen zu haben! Bei
den anderen Juans und Berenguers und teilweise
auch bei den Knoops-Babys ist es das gleiche, Masse
statt klasse, dabei bin ich sicher, dass man auch diese
Bausätze sehr schön rebornen kann. Denselben Bausatz einmal "normal" (hüstel!) und einmal schön rebornt fänd ich sehr spannend und lehrreich.
Was für Euch jetzt sicher noch eine spannende Geschichte wird, ist, Euer Magazin so unter die Leute
zu bringen, dass es die richtigen lesen. Diejenigen,
die sowieso kritisch und informiert sind, die wissen,
wo sie Euch finden und lesen das Magazin. Aber diejenigen, die ihre Schindluder-Puppen zum Verkauf
anbieten und diejenigen, die sie kaufen, das sind eigentlich die, die Ihr erreichen müsst, und ich wünsche Euch und der ganzen Szene, dass Ihr den Weg
dahin findet.
Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass die schlecht
gemachten billigen Püppis immer irgendwie Abnehmer finden (wenn auch für einen indiskutablen Preis)
und (so zumindest ist mein Eindruck) die wirklich
gut gemachten, die ihr gutes Geld auch wert sind,
aufgrund des Preisdrucks nicht verkauft werden können. Aber wie gesagt, das ist kein rebornspezifisches Problem :-(
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Ja, das mit der Verbreitung—wir sind unabhängig und frech und sicher manchen Menschen ein Dorn im Auge…
Und Gottseidank nicht irgendwo finanziell oder vertraglich oder sonstwie verbandelt…
Aber wir sind Reborner.
Und auch Puppenmacher—also Puppenkünstler.
Und alle beide machen—wenn sie es denn mit dem
entsprechendem Talent machen—erschaffen Künstlerpuppen.
Auch wenn das leider bei den etablierten Puppenvereinigungen (rebornmäßig) nicht so ankommt.
Es wundert ja nicht… aber das ist schon wieder ein
ganz neues Thema...
Und weiter im Thema:
Und außerdem... außerdem soll man nicht immer
alles glauben, was im Fernsehen kommt.
Die Sendungen, die es da in den letzten Monaten
gab, schaden den wirklich guten Leuten in erheblichem Maße und wer sich dazu einspannen lässt, die
ganze Reborn-Szene in die Freakshow-Ecke zu ziehen, wie arglos das auch immer geschieht, tut der
Szene sicher keinen Gefallen.
Ist ja jetzt schon mehrfach vorgekommen, und ich
würde mir wünschen, dass Ihr auch dazu im Magazin
nochmal was schreibt.
Na logo!!!
Das Gros der Puppenliebhaber sucht keinen Kindersatz und hat auch keinen an der Klatsche!
Was die Puppen an sich angeht, so habe ich den Eindruck, dass das möglichst realistische Darstellen von
Frühchen immer mehr an Bedeutung verliert, was ich
ein sehr gutes Zeichen finde.
Für mich als zweifache Frühchenmutter ist das, was
es da früher gab, wirklich unerträglich, und ich hoffe, es verschwindet bald alles in der Versenkung.
Worauf ich raus will: Die Frage, wie weit man
gehen darf (was darf Kunst?) und wovon man lieber Abstand nehmen sollte, ist sicher auch ein Thema für Euer Magazin.
Das ist ein ganz spezielles Thema...
Wir haben das verbandsintern schon ziemlich
ausführlich diskutiert, aber es ist immer wieder ein
sehr gutes Thema - und sicher eine „unendliche Geschichte“…
Und weiter im Thema:
Und schlussendlich, aber das ist meine ganz persönliche Präferenz und ich glaube, so weit ist sie nicht
verbreitet:
Ich mag gerne grooooße Kinder. Je größer der Todd-
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ler, desto lieber :-)
Ich würd mir sofort 5 Angelicas kaufen, wenn ich die
nötige Kohle dazu hätte :-)
Bei der "Babypuppen" sind ja die Toddler bisher völlig unter den Tisch gefallen, ich würde mich freuen,
wenn in Zukunft so ganz ab und zu auch mal eine
größere Puppe vorgestellt würde.
Puh, das ist jetzt viel länger geworden als ich wollte :-) Danke fürs Lesen :-)
Ich freue mich und bin gespannt auf die nächste Ausgabe Eures Online-Magazins! Macht auf jeden Fall
weiter so und lasst Euch nicht beirren!
Herzliche Grüße
T.F. (Name der Redaktion bekannt)
Keine Bange—wir sind nicht der Meinung,
dass „Rebornen“ sich nur auf Babypuppen bezieht…. Siehe auch das Interview mit der Künstlerin
Brit Klinger, die ein bezauberndes „Toddler“ Mädchen modelliert hat...
Wenn es bei der Produktion alles gut geht, sehen
wir den Prototypen von Sabrina (Newborn Wonders) in Eschwege.
Alle anderen Prototypen bekommen wir ein wenig
später zu sehen. Sie werden von ganz tollen Künstlern rebornt. Dazu gehören unter anderen Christiane
Lange aus Deutschland, Sheila Rand aus den USA,
Elena Kiprijanova aus Russland, um nur einige hier
zu nennen.
Wann soll Rosie als Bausatz herauskommen?
Bei dem Formenbau kann es zu Verzögerungen
kommen, deswegen schreibe ich mal vorsichtig im
Februar.
Wieviel Stück Bausätze werden produziert
werden?
Rosie wird auf 750 Stück weltweit limitiert
sein.
Welches Vinyl wird benutzt werden?
Olga Auer— neuer Bausatz
„Rosalie“
Rechtzeitig zur Ausstellung in Eschwege wird
der Prototyp Rosalia, rebornt von der Künstlerin
Sabrina Hergarten (Newborn Wonders) zu bestaunen sein.
Wir haben Olga hierzu einige Fragen gestellt:
Hast Du ein Bild / Bilder von Rosie im Original (also bevor sie zum Formenbau gegeben wurde)?
Ja natürlich habe ich von der Kleinen ein paar Bilder
gemacht. Ohne Fotos geht es bei mir einfach nicht .
Da ich meinen Kunden nur qualitativ hochwertige Ware anbieten möchte, lasse ich meine Rosie in
Deutschland produzieren.
Wir haben gehört, dass die Reborner zwischen unterschiedlichen Gliedmaßen wählen
können - welche sind das?
Da Rosie mit ihren anderen Geschwistern Amy und
Marie die gleiche Größe haben, habe ich mich entschlossen beide Gliedmassen anzubieten.
Wann und wo wird man den Prototypen
(rebornt von Sabrina Hergarten / Newborn
Wonders) sehen können? Wer wird die Prototypen noch rebornen?
Marie: Hände
Rosalie OOAK
Marie: Beine
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Nachdem ich bei einer Bekannten eine lebensechte
Puppe gesehen hatte, wollte ich auch eine solche haben und sah mich im Internet, dort hauptsächlich bei
ebay um.
Ich fand auch sehr schnell eine Rebornerin, die nach
eigenen Angaben mein Wunschbaby herstellen kann.
Der Preis dafür belief sich auf 230 € und schien mir
zu diesem Zeitpunkt akzeptabel, da ich mich bisher
noch nicht mit diesem Thema beschäftigt hatte und
mir nicht klar war, welcher Aufwand betrieben werden muss, um eine naturgetreue Rebornpuppe herzustellen.
Amiy Beine
Nachdem ich auch auf der Homepage dieser Rebornerin einige sehr hübsche Babys gesehen hatte, rief
ich diese Dame an.
Wir führten ein langes und sehr nettes Gespräch, das
mir den Eindruck vermittelte, dass sie mir eine Rebornpuppe herstellen würde, mit der ich sehr zufrieden sein könnte.
Sie hat mich gefragt, welchen Bausatz ich bevorzugen würde und ich habe mich dann aufgrund vorhandener Fotos auf ihren Seiten für Estelle entschieden.
Auf die Frage nach meinen Vorstellungen zu Haarund Augenfarbe habe ich mich für blaue Augen und
blonde Haare entschieden.
Die die Dame überredete mich aber, ich solle doch
lieber eine dunklere Haarfarbe (babybraun) nehmen.
Amiy Arme
Bei welchen Händlern kann man sie bestellen?
U. a. bei mir: http://www.olgas-little-jewels.de , bei
Oncesoreal, Dollsgarden, Reginas-Puppenreich und
bei einigen internationalen Händlern.
Steht schon ein Verkaufspreis fest?
Ja, so wie auch andere Bausätze von mir kostet
Rosie 69,90 Euro .
Das „Ding“
Erlebnisbericht über den Online-Kauf
eines angeblichen Reborns und seine
Folgen (Teil 1)
Ne, ne—das ist
kein Fake —das ist
echt!
Namen der Beteiligten so wie der Vorgang sind
der Redaktion bekannt. Die
Fotos sind Eigentum der Verfasserin.
Somit waren die Formalitäten geklärt, ich kaufte die
Puppe im Februar 2011 über ebay, bezahlte die Anzahlung von 115 € und mir wurde versichert, dass
ich in 4 – 6 Wochen mein Wunschbaby bekommen
würde. Noch im Februar bekam ich zwei E-Mails
mit Fotos vom Bausatz und der ersten Färbung. Danach kamen keine Fotos mehr, aber Entschuldigungen, dass es sich mit der Fertigstellung noch etwas
verzögern könne, weil…..
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das hochwertige Mohair aus Amerika noch
nicht eingetroffen sei,
das Mohair noch am Zoll liege,
das Mohair qualitativ nicht Ordnung sei und
umgetauscht werden müsse,
die Rebornerin krank sei,
der Sohn der Rebornerin heirate und sie deshalb nicht zum Rebornen käme…,
aber vor Ostern käme die Puppe noch bei mir an.
Ostern kam, die Puppe nicht.
Ich bin ein geduldiger Mensch und mein Wohlbefinden hängt nicht davon ab, ob ich eine Puppe früher
oder später bekomme, jedoch habe ich dann nach 3
Monaten etwas dringlicher nachgefragt, wie es denn
nun mit dem Fortschritt meines Wunschbabys sei.
Nun wurde der Ton seitens der Rebornerin schon
etwas schärfer und es wurde nicht mehr von Baby
sondern von Vinylpuppe gesprochen, war doch die
Zeitspanne (9 Wochen) der möglichen (negativen)
ERVERA e.V. Online-Magazin
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Auftragserteilung ein Paket mit einer Puppe mit einer Pampers und einem Strampler, die in ein Hand-
Bewertung bei ebay abgelaufen.
Nach einigem Hin und Her und meinem weiteren
Drängeln erhielt ich dann endlich Fotos der fertigen
Puppe, die angeblich die sein sollte, die ich bekomme. Eine hübsche Puppe mit langen Wimpern und
einem hübschen Kleidchen.
Da mir gefiel, was ich sah, habe ich den Restbetrag
von 115 € überwiesen und mir wurde versichert, dass
ich die Puppe noch vor Pfingsten bekommen würde.
Pfingsten kam, die Puppe nicht.
Nachdem ich dann weitere E-Mails geschrieben hatte, erhielt ich endlich nach genau 18 Wochen nach
tuch eingewickelt war.
Kein Begleitschreiben, keine Geburtsurkunde, kein
Schnuller; kurz nichts, was im Angebot großmundig
angekündigt wurde.
Der Schock kam aber, als ich die Puppe aus dem
Karton holte.
Das Rooting hatte nichts mit dem angepriesenen
Micro-Rooting mit Qualitätsmohair zu tun; da waren
viele Haare schlechten, abgebrochenen Mohairs mit
einer groben Nadel in großen, unregelmäßigen Abständen lieblos und ohne Sinn und Verstand in den
Kopf gestochen worden.
Die Färbung der Puppe war sogar nach meinem damaligen Kenntnisstand eher dürftig, heute weiß ich,
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dass diese Färbung nichts mit dem von dieser Dame
angepriesenen „natürlichen Hautaufbau in vielen
Schichten“ zu tun hatte.
Ich war sehr entsetzt und rief sofort die Rebornerin
an und sagte ihr, dass ich diese mangelhafte Puppe
auf gar keinen Fall haben möchte und wo die Puppe
sei, deren Foto sie mir gemailt habe.
Sie meinte, sie nähme die Puppe nicht zurück und
berief sich auf den Passus „Kundenwunsch“.
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eine „Puppenbörse“ stattfand. da mußte ich natürlich
hin. Am Abend hatte ich 5 Puppen verkauft und 10
neue in meinem Korb.
Durch meine Kinderheimarbeit wurden mir in den
70iger Jahren oft alte Puppen gebracht, die aber für
die Jungen völlig unbrauchbar waren und somit bei
mir blieben.
Sie legte den Hörer auf. Ein weiteres Gespräch mit
ihr war auch nach mehreren Versuchen nicht mehr
möglich.
Auch auf meine Mails hat sie nicht mehr reagiert und
so war mir der Schritt für eine gütliche Einigung verwehrt.
Die Puppe habe ich postwendend zurückgeschickt,
die Annahme wurde jedoch verweigert.
So hatte ich den Karton mit dem unglücklichen Ding
monatelang hier stehen.
Fortsetzung im nächsten Magazin.
Interview mit ...
LEOKADIA WOLFERS,
Veranstalterin von Puppen– und Teddybörsen
Liebe Frau Wolfers,
Sie sind bekannt in Deutschland für die Organisation vieler Puppen- und Bärenbörsen
und auch als Ausrichterin
einer der wohl bekanntesten
jährlichen Puppenausstellungen Puppenfesttage im Werratal mit Bärensalon
(Eschwege, 03. –
04.11.2012 , siehe auch:
http://www.puppen-festtage.
de/Pages/Intro.html )
Wir würden jetzt gerne einmal ein wenig „hinter die
Kulissen“ schauen und unseren Leserinnen und Lesern einen kleinen Einblick in die Arbeit einer Veranstalterin solcher Events geben.
Und wir bedanken uns ganz herzlich
für Ihre Bereitschaft, sich unseren Fra- Wankebörse 1979
gen zu stellen und sich unserer Leserschaft vorzustellen .
Wie sind Sie dazu gekommen, Ausstellungen
zu organisieren?
1979 informierte mich eine Freundin, daß in Hanau
Der Keim für dieses Hobby wurde schon in meiner
Kindheit gelegt: Mit 8 Jahren bekam ich das Buch:
Die wunderbare Puppenreise von Sophie Reinheimer
geschenkt. Darin wird die Odyssee zweier KätheKruse-Puppen geschildert.
Als Studentin musste ich mit ansehen, wie die
Schildkrötpuppen meiner Kindheit kopfüber in einem großen Netz für 1 Mark angeboten wurden.
Ich kaufte mir Hans und Bärbel.
1986 organisierte ich meine 1. Puppenbörse in Essen. Ich dachte mir: Das kannst Du auch und brachte
meine Erfahrungen als Ausstellerin mit ein.
Im übrigen ist der Beruf der Sozialpädagogin im
Börsengeschehen von Vorteil.
Ist das Ihr Beruf oder betreiben Sie das
mehr oder weniger als professionelle Nebentätigkeit?
War das Börsengeschehen anfangs eine Nebenbeschäftigung, die mir den Ausgleich zu meiner Berufsarbeit brachte, (Ich war an der Hochschule beschäftigt (Pädagogik) und hatte in Siegen eine Galerie für Malerei und schwedische Glaskunst) entschied ich mich nach dem Tod meines Mannes für
die Ausrichtung der Veranstaltungen. Ich reise gern
und das wäre mit der „stehenden Arbeit“ nicht mehr
vereinbar gewesen.
In dieser Zeit wurde ich von meiner Tochter und deren Freundinnen stark unterstützt.
Haben Sie einen Bezug zu Puppen / Bären
und wenn ja – welchen?
Ich habe einen starken Bezug zu Puppen. Viele Puppenkünstlerinnen waren meine Weggefährtinnen in
all den Jahren. Ich kann zwar keine Puppen machen,
ERVERA e.V. Online-Magazin
habe aber ein gutes Auge für Ausdruck und Gestaltung. So gab es immer einen regen Austausch.
Welche Anforderungen stellen Sie an Ihre
Aussteller?
(Diese Frage bezieht sich auf die Qualität der
Exponate – Ihnen sind sicher die sogenannten
Kunsthandwerker-Märkte bekannt, bei denen
es viele Aussteller gibt, die eigentlich nur Hobby-Bastler sind oder aus industriellen Fertigteilen Dinge zusammenbasteln…
Behutsam gehe ich vor, wenn es um die Qualität der
Exponate geht. Nach vielen Fragen meinerseits mache ich mir ein Bild. Wenn klar ist, daß es sich um
Täuschungen handelt, führt das zum Ausschluß von
meinen Börsen. In der Vergangenheit kam es da zu
dramatischen Szenen.
Mittlerweile ist die Szene ruhiger geworden.
Die Anforderungen an die Aussteller würde ich umfomulieren in Wünsche an die AusstellerInnen:
Zuverlässigkeit bei Absprachen
Gelassenheit beim Standaufbau
Rücksicht auf die anderen Teilnehmer
schmunzelnd sage ich hin und wieder: Jede Ausstellerin – eine –Primadonna.
Ich meine: Jeder und jede haben eine gute Placierung
verdient.
Meine Aufgabe ist es, die Stände gut zu placieren
und zu mischen. Für die Besucher ist es wichtig, immer wieder etwas zu entdecken, daß beim 1. Blick in
den Saal verborgen bleibt.
Tochter Anna mit Puppen
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kleines Elektromobil für die weiten Strecken in
Eschwege.
Mit 55 Jahren bin ich an Multiple Sklerose erkrankt.
Meine Einschränkung bezieht sich auf das Laufen.
Sonst geht es mir gut und ich leide nicht.
Frau als Unternehmerin / Chefin – wie sind
Ihre Erfahrungen damit?
Von den veranstaltenden Männern wurde ich anfangs belächelt: „die Wolfers mit Ihren Hausfrauenbörsen“.
Unbeeindruckt setzte ich meinen Weg fort und beachtete meine Mitbewerber wenig. Ihren Machtkampf führte ich nicht.
Für mich sind die teilnehmenden AusstellerInnen das
Wichtigste und ich setzte
meine Kompetenz als Fachfrau für uns ein. Zum Erfolg gehört unbedingt das Miteinander.
Was hat Sie gereizt, die Organisation der
Puppenfesttage in Eschwege zu übernehmen?
Von einigen Ausstellern wurde ich auf die prekäre
Situation in Eschwege aufmerksam gemacht. Viele
fürchteten bei der Insolvenz leer auszugehen,
da die Veranstaltung auf der Kippe stand.
Ich war schon bei der 1. Veranstaltung in Eschwege
dabei.
Ich nahm die Herausforderung an. Es ist ein gewaltiger Komplex an Vorbereitungen nötig. Mein Team
umfasst 8 Männer und drei Frauen –
und wirklich jeder hat alle Hände voll zu tun. Gereizt
hat mich, die Veranstaltung auf wirtschaftlich sicheren Boden zu stellen.
Werden die Puppenfesttage im Schulzentrum in Eschwege bleiben oder ist beabsichtigt, sie wieder dezentralisiert im
Eschweger Altstadtkern zu integrieren?
So, wie es aussieht, ist die Stadthalle 2013 fertiggestellt. Dann ziehen wir wieder in die Innenstadt.
Börse in Berlin 2011
Besuchen Sie alle von Ihnen organisiserten
Ausstellungen persönlich?
Uneingeschränkt: J a
Man sieht Sie seit Jahren in Eschwege mit
Rollator – möchten Sie uns erzählen, warum?
In diesem Jahr bin ich noch besser dran, ich habe ein
ERVERA e.V. Online-Magazin
Haben Sie unter denen von Ihnen organisierten Ausstellungen besondere „
Lieblings-Ausstellungen“ – und vielleicht
auch „Sorgenkinder“?
Ich mache einige Börsen, die wirklich klein sind –
aber wunderschön:
So sind wir einmal im Jahr im Alten Land bei Hamburg oder z.B. in Ohrdruf/Thüringen im Schloß Ehrenstein
Manche Börsen mache ich nur ein oder zweimal. Der
Aufenthalt ist immer spannend und attraktiv- auch
wenn mangels Interesse der Ort aufgegeben werden
muß.(z.B. Schwerin)
Manche Orte sind für die Aussteller und mich ein
Stück Heimat geworden:
Seit 25 Jahren sind wir regelmäßig im Casino Hohensyburg in Dortmund.
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anrufen und berichten, daß sie einen Nachlaß voller
Puppen und Bären bewältigen müssen und selbst
kein Interesse daran haben.
Alte Puppen aus den vergangenen 2 Jahrhunderten
werden immer ihr Liebhaber finden.
Gute Künstlerpuppen auch.
Dasselbe gilt für die Teddybären.
Am beliebtesten sind aber die Rebornbabies mit ihrer großen Fan-Gemeinde.
Man kann auch nicht sagen, daß nur die Großveranstaltungen Erfolg versprechen.
Die kleinen Börsen haben auch ihren Reiz.
***
Ganz lieben Dank für Ihr e offenen
Worte und den Einblick in Ihr Arbeiten!
Gern sind wir auch in Saarbrücken (auch schon 25
Jahre). Das saarländische und französische Publikum
freut sich auf uns.
Ich suche die Städte für die Veranstaltungen so aus,
daß die Aussteller einen attraktiven Ort vorfinden
(viele kommen einen Tag früher) und hoffentlich die
Besucher zu uns kommen.
Haben Sie selber Hobbies? (oder würden sie
gerne ausüben?)
Ich lese gern und sammele Puppen
Was wünschen Sie sich von den Ausstellern – und/oder was würden Sie ihnen
raten?
Die Beweggründe auf eine Börse zu gehen, sind sehr
unterschiedlich.
Wichtig ist, sich gut vorzubereiten, saubere Tischdecken dabei zu haben und ein gepflegtes Ausstellungsgut. Wichtig ist weiter, sich nicht hinter dem
Stand zu verstecken sondern Kontakt zu den Besuchern zu halten.
Gespräche am Veranstaltungstag sind sehr wichtig.
Interview mit ...
BRIT KLINGER, Modelliererin und
Rebornerin
Hast Du Puppen schon immer geliebt oder
wann hast Du Deine Liebe zu Puppen
entdeckt?
Puppen habe ich schon immer geliebt. Wie fast jedes kleine Mädchen hab ich viel und gern mit meinen Puppen gespielt. Ich kann mich auch erinnern,
dass ich recht lange mit Puppen gespielt habe.
Was wünschen Sie sich von den Besuchern und/oder was würden Sie ihnen raten?
Wir freuen uns über (fast) jeden Besucher.
Für die raren Einzelfälle würde ich mir wünschen,
daß sie den Ausstellern gut zuhören und nicht vorschnell ihre Meinung äußern. Im Dialog lernt man
eine Menge.
Wie sehen Sie die Entwicklung in den verschiedenen Puppen- und Bärenbereichen?
Die Puppen – und Bärenwelt ist kleiner geworden.
Es gibt natürlich immer noch eine Menge interessierter Leute.
Es gibt aber zunehmend auch die Personen, die mich
Wie bist Du darauf gekommen, Puppen selber herzustellen? Zufall? Bestimmung?
Als ich 14 Jahre alt war, bekam ich noch eine kleine
Schwester. Ihr bastelte ich aus Stoffresten Puppen
und Schmusetierchen. Ich glaub, das waren meine „
frühen Anfänge“!
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Gibt es irgendwelche markanten Erinnerungspunkte an Puppen oder das Puppenmachen in Deiner Jugend?
Meine allererste Puppe besitze ich heute noch. Er ist
aus Celluloid und heißt Steffen. Er ist eine Paul Hunaeus- Puppe und meine Großmutter und meine
Mutter hatten schon mit ihm gespielt, bevor ich ihn
bekam. Ich liebe ihn heiß und innig und verbinde
wunderbare Kindheitserinnerungen mit ihm, die ich
nicht missen möchte
Seit wann stellst Du Puppen her?
Im Herbst 2005 suchte ich im Internet nach „
der schönsten Babypuppe der Welt“. So hatte mir
meine Tochter Josephine ihren innigsten Geburtstagswunsch erklärt. Lange musste ich nicht suchen und stolperte eher zufällig im Ebay USA über
die ersten Rebornpuppen. Ich war ehrlich gesagt, erst
einmal regelrecht schockiert über so unwahrscheinlich realistisch wirkende Babypuppen. Von da an
ließ mich das Thema nicht mehr los und irgendwann,
nach vielen Enttäuschungen und recht fragwürdigen
Reborn-Beschreibungen, entschied ich mich, selbst
eine Rebornpuppe herzustellen. Meine erste vorzeigbare Babypuppe entstand aus einem Juan-Bausatz.
Sie fand auch sofort einen Liebhaber in Italien! Ich
war so stolz!
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genau das, was mich zufrieden machte.
Schon im Frühjahr 2009 wollte ich es wissen…Ich
reichte nun meine ersten 3 hand -modellierten Unikate zum Wettbewerb in Sonneberg ein. Sie erreichten jede eine Goldmedaille und einen ersten Platz
und zwei zweite Plätze im Wettbewerb.
2010:
1.Platz/ Goldmedaille
2.Platz/ Goldmedaille
3.Platz/ Goldmedaille
2011:
1.Platz/ Goldmedaille
2.Platz/ Goldmedaille
3.Platz/ Goldmedaille
Anfang 2012 war ich längere Zeit krank und arbeitete trotzdem unter Hochspannung für den Wettbewerb
in Sonneberg. Auch reizte mich dieses Mal eine Teilnahme am Max-Oskar-Arnold-Kunstpreis. Einiges
hatte ich schon fertig, aber ich mußte meinem Mann
versprechen, da ich krank war, mich zu schonen, auf
Deutsch „nichts anzufassen und zu arbeiten, was mit
Puppen zu tun hat“!
Ich gab ihm natürlich das Versprechen und modellierte fleißig Teddybären!
Welche Art von Puppen?
2006 fing ich also an zu Rebornen. Es war für
mich ein wunderbares Hobby und ein Ausgleich zum
Alltag.
Im Frühjahr 2007 nahm ich das erste Mal an einem
Wettbewerb teil. Bei den German Open anlässlich
des 4. Internationalen Teddy -und Puppenfestes in
Sonneberg gewannen gleich meine beiden eingereichten Rebornpuppen die Silbermedaille und Platz
2, weil sie exakt die gleiche Punktzahl bekamen. Das
war natürlich ein Ansporn und gleichzeitig für mich
eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin
und meine Sache gut mache. Natürlich steckte ich
mir Ziele und wollte mich weiter entwickeln. Steigerte so meine Fähigkeiten Jahr um Jahr. 2008 gewann ich bei den German Open in Sonneberg mit 4
Puppen 2 Goldmedaillen, 2 Silbermedaillen, den
Glaspreis und den Sonderpreis bei den Reborns.
Falls Du unterschiedliche Puppen / Figuren
herstellst:
Mitte 2008 kam der „Wechsel“. Als Reborner achtete ich bei der Wahl der Bausätze besonders auf die
Natürlichkeit, die Anatomie des Bausatzes. Ich ärgerte mich oft, dass Bausätze ein wahres „
Engelsgesicht“ hatten, aber die Proportionen der
Hände und Füße stimmten nicht. Irgendwann war
mein Mann so genervt von meinem Gemecker, dass
er zu mir sagte: „Dann mach’s doch besser!“
So probierte ich es mit dem Modellieren und es war
Bonbon-Lotti (modelliert)
Schon im Vorfeld hatte ich den Entschluss gefasst,
dass ich das letzte Mal am Wettbewerb in Sonneberg
teilnehmen werde. Es war ein guter Entschluss und
ein sehr erfolgreicher Schlusspunkt…
2012:
Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis 2012 für zeitgenössische Puppenkunst
Künstlerpuppen/Unikate
1.Platz/ Goldmedaille und Pokal
1.Platz/ Goldmedaille und Pokal
2.Platz/ Goldmedaille
Teddybären handmodelliert
ERVERA e.V. Online-Magazin
Und ichGoldmedaille
sehe es ja auch
überhaupt
1.Platz/
und
Pokal nicht ein, warum
sich gute
Reborner immer dafür rechtfertigen müs3.Platz/
Goldmedaille
sen, warum
sie (angeblich) sodes„teuer“
seien—
3.Platz/
Goldmedaille/Gewinner
Sonderpreisich doch mal
lieber die Reborner (sofern
sessollen
der Landkreise
Sonneberg/Coburg
die sich überhaupt schon „Reborner“ nennen dürfen????) dafür rechtfertigen, warum sie so billig
sind.
Das Argument
„Ich mach das ja nur als Hobby“ kennen wir ja
schon….
Noch so ein Thema….
Und weiter im Leserbrief:
Auf jeden Fall ist das Thema "Qualität der Puppen"
sicher ein Dauerthema, und ich wünsche mir, dass
Ihr da nicht nachlasst und auch weiterhin gelungene und weniger gelungene Puppen präsentiert. Die
Bildstrecke in der ersten Ausgabe fand ich schon
mal sehr gelungen und hilfreich!
Wichtig fand ich auch den Satz: "Lassen Sie sich
nicht durch süße Bilder ablenken."
Genaugenommen dürfte das sogar die wichtigste Botschaft an den Sammler überhaupt sein,
denn ein Rebornkauf ist immer ein Leidenschaftskauf, will sagen, man kauft kein Reborn,
weil man eins braucht, sondern weil man eins
sieht, das man unbedingt
haben
will.
Mini-Bärchen
(gehäkelt)
Da knipst ja gerade bei uns Damen die Leidenschaft gern mal den Verstand aus, und danach
weint dann der Geldbeutel... zu diesem Thema
wünsch
mir noch ganz ganz
dennLeben,
aus meiGibtich
es irgendjemanden
in viel,
Deinem
ner Sicht
GENAU DARAN!
derhängt
Dichesbeeinflusst
hat, was Deine allgemeine Kreativität angeht?
Meine
in der Familie.
Was kreative
ich mir Ader
nochliegt
wünschen
würde, Meine
gerade für
Mutter
war immer
sehr kreativ
und hat
das wenn
an mich
unerfahrene
Sammler:
Es wäre
schön,
man
und
malauch
eine
meine
Gegenüberstellung
jüngere Schwester
mitweitergegeben.
einem der einWährend
schlägigen
meine
"Billig-Bausätze"
Schwester den musikalischen
(damit meine ich
Weg
die,
eingeschlagen
die bei ebay hat,
rebornt
bin ich
immer
eher in
die,
Massen
die mitauftauchen
den Händen
und
arbeiten
fürn Appel
wollte.
und 'n Ei weggehen) macht: Einerseits so, wie sie auf ebay tagtäglich weggehen, andererseits
mal
gut rebornt,
der
Hast Du
einRICHTIG
Vorbild? Oder
mehreredamit
VorbilSammler
mal sieht, was eigentlich mit den Bausätder?
Ohzen
ja,möglich
natürlich.
ist!Da gibt es einige. Mein größtes
Vorbild ist mein Großvater. Er war ein sehr kluger,
gerechter
Keine Sorge,
und großherziger
kömmt noch!!!
Mann. Er war sehr ehrgeiziger Mensch, sehr liebevoll und immer darauf
bedacht,
mir alles
beizubringen, was für mich später
Und weiter
im Leserbrief:
wichtig
Ich mag
ist.zum
Ich vermisse
Beispiel die
ihn Lilian
sehr! Und
Juannatürlich
sehr gern. Es
meine
gibt sicherlich
Großmutter;
realistischere
sie hat mir und
das vermittelt,
schönere Modelle,
was ich
heute
aberan
ichmeine
persönlich
Kinderfinde,
und meine
die Lilian
Enkelin
lacht
weitergeso süß,
die spricht
einfach sehr an. Nun ist ja gerade
be…ganz
vielmich
Liebe!
Nicht
dieser
zu Bausatz
vergessenextrem
ist einpreiswert.
weiteres großes
Deshalb
Vorbildwird er
Gerlinde
in Massen
Feser.
rebornt und auf ebay verschleudert.
Gerlinde ist für mich nicht nur ein Vorbild, sondern
Aber ich kann mich nicht erinnern, schon jemals in
Seite 12
auch in gewisser
meinem
Leben mal
Weise
einemein
wirklich
Mentor.
guteSeit
Lilian
meinem
gesehen zu haben!
Einstieg
in die Puppen-Szene war mir Gerlinde Feser
immer ein ehrlicher Ratgeber und Kritiker. Sie hat
Bei den
sich
mit anderen
mir gefreut,
Juans
wenn
und Berenguers und teilweise auch
ich
gut gearbeitet
bei den Knoops-Babys
habe und mich ist
aufes
Fehler
das gleiche,
hingeMasse statt klasse, dabei bin ich sicher, dass man
auch diese Bausätze sehr schön rebornen kann.
Prototyp Lilli
Denselben
Bausatz einmal "normal" (hüstel!) und
einmal schön rebornt fänd ich sehr spannend und
lehrreich.
Was für Euch jetzt sicher noch eine spannende
Geschichte wird, ist, Euer Magazin so unter die
Leute zu bringen, dass es die richtigen lesen.
Diejenigen, die sowieso kritisch und informiert
sind, die wissen, wo sie Euch finden und lesen
das Magazin.
Aber diejenigen, die ihre Schindluder-Puppen
zum Verkauf anbieten und diejenigen, die sie
kaufen, das sind eigentlich die, die Ihr erreichen
müsst, und ich wünsche Euch und der ganzen
Szene, dass Ihr den Weg dahin findet.
Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass die
schlecht gemachten billigen Püppis immer irgendwie Abnehmer finden (wenn auch für einen
indiskutablen Preis) und (so zumindest ist mein
Eindruck) die wirklich gut gemachten, die ihr
wiesen,
die ich
beging,
es besser
mache.
gutes Geld
auch
wert damit
sind, ich
aufgrund
des
PreisIch
magnicht
ihre Stärke
undwerden
ihren Ehrgeiz,
genauso, wie
drucks
verkauft
können.
ihre liebevolle Art.
Im
Laufe
Jahredas
entwickelte
eine wunderbare
Aber
wie der
gesagt,
ist kein sich
reborn-spezifisches
Freundschaft.
Problem :-(
Ja, das
mitDu
der
Verbreitung—wir
sind unabhängig
Hast
eine
künstlerische Ausbildung
oder
und frechbist
undDu
sicher
manchen Menschen ein Dorn
Autodidakt?
im Auge…
Nein,
eine künstlerische Ausbildung habe ich nicht.
Undhabe
Gottseidank
nicht irgendwo
finanziell oder
Ich
eine Ausbildung
im Gesundheitswesen
gevertraglich
odergelernte
sonstwie
verbandelt…
macht.
Ich bin
Diätköchin,
heute heißt das
Diätassistentin.
Aber
sind Reborner.
In
denwir
Babypausen
wäre ich wahrscheinlich eingeUnd auchwiePuppenmacher—also
Puppenkünstler.
gangen,
eine Primel, wenn ich
mich nicht irUnd alle noch
beideanderweitig
machen—wenn
sie es
denn mit hätte.
dem
gendwie
sinnvoll
beschäftigt
entsprechendem Talent machen—erschaffen
Toddler Astrid
Künstlerpuppen.
(modelliert/
Auch wenn das leider bei den etablierten Puppenvereinigungen (rebornmäßig) nicht so ankommt.
Es wundert ja nicht… aber das ist schon wieder ein
ganz neues Thema...
Und weiter im Thema:
Und außerdem... außerdem soll man nicht immer
alles glauben, was im Fernsehen kommt.
Die Sendungen, die es da in den letzten Monaten
gab, schaden den wirklich guten Leuten in erheblichem Maße und wer sich dazu einspannen lässt,
die ganze Reborn-Szene in die Freakshow-Ecke zu
ziehen, wie arglos das auch immer geschieht, tut
ERVERA e.V. Online-Magazin
Also hab ich beim ersten Mal ein Fernstudium Raumgestaltung/Innenarchitektur und beim zweiten Mal ein
Fernstudium Werbegrafik und Design gemacht. Man
weiß ja nicht, wozu es mal gut ist!
Hast Du ein Gewerbe angemeldet oder bist als
freiberufliche Künstlerin registriert?
Ich bin selbstständig, habe also ein angemeldetes Gewerbe.
Seite 13
Wie steht Deine Familie zu Deiner Arbeit
(einschließlich der damit verbundenen
Zeit)
Anfangs tendierte die Meinung der Familie in die
Richtung: “Prima, dass die Mutti ein tolles Hobby
gefunden hat, was sie glücklich macht…!“ Ich
glaube, erst mit dem Beginn des Modellierens und
dem Start in die Selbstständigkeit oder auch das
stetige Anwachsen meines internationalen Kundenkreises, war ausschlaggebend dafür, dass meiner
Arbeit Achtung und Respekt entgegengebracht
wurde. Es hat zwar ein wenig länger gedauert, aber
es ist „angekommen“.
Wenn Du rebornst:
nach welchen Kriterien suchst Du
Deine Bausätze aus?
Erik (Unikat modelliert)
Stellst Du Deine Puppen hauptberuflich her?
Ja, das Herstellen meiner Puppen hab ich zu meinem Beruf gemacht.
Zu welcher Zeit / welchen Zeiten bist Du am
kreativsten?
Mir ist aufgefallen, dass ich zwischen 8.00 Uhr
und 15.00 Uhr am kreativsten bin. Darum überleg ich mir gut, was ich genau in dieser Zeit machen
will.
In erster Linie muss der berühmte Funke überspringen. Danach wird die Anatomie unter die Lupe genommen. Die Proportionen müssen stimmen, Fältchen, Finger und Zehen müssen sauber ausmodelliert sein usw. Das Vinyl selber muss eine gute
Qualität haben und auch die Farbe des Vinyls ist
mir wichtig. Wenn ich also einen superschönen
Bausatz habe und die Grundfarbe des Vinyls ist
aschgrau, pink oder unnatürlich orange, vergeht
mir auch die Lust an dem Bausatz zu arbeiten.
Welche Farben benutzt Du?
Ich benutze noch immer die JoSonja- Farben und
färbe auch mit Genesis-Farben.
Felix (Unikat modelliert)
In welcher Umgebung arbeitest Du? (hast Du
einen Extra Bereich zum Arbeiten?)
Einen festgelegten Arbeitsbereich für mich selbst
habe ich nicht. Noch nicht, leider! Meine Modellierarbeiten erledige ich ganz gemütlich in meinem Schlafzimmer am Schreibtisch. Wenn ich färbe oder roote,
sitze ich in der Küche, da ich hier das beste Tageslicht
habe. Und meine Häkelarbeiten nehme ich mir im
Wohnzimmer auf dem Sofa vor.
Was wäre der Raum /Platz, den Du Dir für
Deine Arbeiten wünschen würdest?
Im kommenden Frühjahr wird endlich mit den Bauarbeiten an meiner Werkstatt begonnen, in der ich mich
dann frei entfalten kann. Darauf freue ich mich sehr.
Wo bewahrst Du derzeit Deine ganzen Utensilien auf?
Im Moment habe ich in unserem Schlafzimmer
einen großen Schrank und ein Regal, in dem ich meine
Arbeitsutensilien aufbewahre, aber der Platz wird
langsam knapp. Teilweise ähnelt es einer DHL- Packstation.
Nach welchen Techniken arbeitest
Du?
Ich färbe meine Puppen in der Realskin-Methode.
Unter Auftragen mehrerer verschiedener Farbschichten und Effekte entsteht so ein realistisches
Hautbild. Das Haar wird von mir im Micro- Rooting-Verfahren mit der Ultra- Micro- Gabelnadel
gerootet.
ERVERA e.V. Online-Magazin
Womit befüllst Du die Körperteile?
Arme, Beine und Kopf werden von mir mit Füllwatte, Vinylgranulat und Glasgranulat gefüllt und gewichtet, Stoffkörper sind gefüllt und gewichtet mit
Füllwatte, Softgranulat und Glasgranulat.
Wenn Du modellierst oder andere Puppen /
Figuren machst:
was inspiriert Dich?
Viele Dinge können mich inspirieren. Manchmal
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stehen die schönsten Modelle.
Was machst Du, wenn Du eine „Blockade“
hast?
Wenn ich eine Blockade habe, z. B. beim Modellieren, und das kommt tatsächlich mal vor, lege ich alles beiseite und beschäftige mich entweder mit einer
anderen Arbeit, wie Rebornen oder Häkeln. Meine
Kinder und mein Mann freuen sich auch, wenn ich
mal etwas Zeit übrig habe. Sie kommen leider sehr
oft, viel zu kurz, gerade jetzt, vor Ausstellungen, wie
Eschwege. Auch ein langer Spaziergang mit unseren
Hunden über die Felder oder durch den Wald hilft
manchmal schon weiter. Das macht den Kopf frei.
Was machst Du, wenn Du vor Ideen „
platzt“, aber keine Zeit/Möglichkeit hast,
sie umzusetzen?
Das kommt häufig vor! Ich nehme mir einfach die
Zeit, damit ich dieses Gefühl nicht verliere, denn in
solchen Momenten entstehen die besten Sachen. Nur
heißt es dann „Nachtschichten“!
Josephine Unikat modelliert
sind es Erlebnisse, Erinnerungen an die Baby-Zeit
meiner Kinder, selbst Emotionen verschiedenster Art
können mich inspirieren. So sind zum Beispiel alle
freundlich lächelnden oder gar lachenden Puppen aus
traurigen Grundstimmungen heraus entstanden. Vielleicht möchte ich mir in solchen Situationen, ganz
unbewusst, etwas Schönes, Fröhliches schaffen, dass
meine Stimmung wieder hebt. Ich weiß nicht, wie es
funktioniert, aber es funktioniert!
mit welchem Material arbeitest Du am
liebsten?
Ich bin mit Leib und Seele Modellistin und arbeite am liebsten mit der ofenhärtenden Masse Super
Sculpey.
Welche Arbeitsschritte fallen Dir leicht oder
leichter, welche empfindest Du als Herausforderung?
Das ist nicht so einfach zu beantworten. Arbeiten,
die mir nicht leicht fallen, sind für mich eine Herausforderung. Und gerade damit beschäftige ich mich
am liebsten. Sei es eine bestimmte Mimik die ich ins
Gesicht einer Puppe zaubern möchte, oder eine
schwierige Fingerstellung.
Aber es gibt tatsächlich eine Sache beim Herstellen
eines Unikates, die ich überhaupt nicht mag. Das ist
das mehrfache Schleifen der Puppenteile bevor ich
sie beginne, zu färben. Daran sitze ich einen kompletten Tag und diese Arbeit hat nichts mit Kreativität zu tun, sondern macht nur Dreck. Aber ich weiß,
dass sich diese Arbeit lohnt und dass sie gemacht
werden muss.
Lässt Du Bausätze anfertigen?
Seit 2010 werden meine Puppen auch als Bausätze produziert.
Wie beginnst Du? Weißt Du schon, wie Deine Puppe aussehen soll?
Wenn ich von einem Kunden beauftragt werde,
eine Puppe zu modellieren, weiß ich natürlich schon
vorher, wie die Puppe aussehen soll, oder welche
Vorstellungen und Wünsche der Kunde hat. Handelt
es sich um einen Portrait-Auftrag, dann steht sogar
fest, wie die Puppe aussehen soll. Am liebsten arbeite ich jedoch ohne jegliche Vorgaben. Aus der Laune
heraus. Ich habe dann auch kein bestimmtes Bild vor
Augen, sondern nur das Gefühl, dass da „ETWAS“
rausgelassen werden will. In solchen Momenten ent-
Prototyp Michael
ERVERA e.V. Online-Magazin
Möchtest Du mit Deinen Puppen eine Botschaft vermitteln? (Generell oder speziell)
Ich weiß nicht, ob ich das so nennen soll. Ich möchte
mit meinen Puppen den Menschen ein klein wenig
Freude schenken. Wenn jemand eine meiner Puppen
betrachtet und sie ihm vielleicht nur im Vorbeigehen
für einen Moment ein Lächeln oder irgendeine andere Emotion ins Gesicht zaubert, habe ich mit dieser
Puppe doch etwas bewirkt. Das freut mich dann sehr.
Meist kommt man dadurch ins Gespräch. Puppen
wecken oftmals bei den Menschen Kindheitserinnerungen, oder erinnern an die Ähnlichkeit eines Kindes, Enkels oder Familienmitgliedes. Und schon ist
Seite 15
Das Modellieren ist ein langwieriger Prozess, mit
dem Rebornen, das schon einen immensen Zeitaufwand erfordert, jedoch nicht zu vergleichen.
Bei den modellierten Puppenteilen kann es beim Backen der Teile zu Lufteinschlüssen kommen, die am
Ende sich so ausdehnen, dass ein Riss entsteht. Das
ist ärgerlich, aber kommt vor.
Ich repariere diese Teile nicht, sondern modelliere
ein neues Teil, was wiederum Zeitaufwand bedeutet.
Wie lange die Herstellung eines Unikates dauert,
kann man nicht voraussagen. Man kann abschätzen
und hoffen, dass einem keine Fehler unterlaufen,
denn die kosten wieder Zeit, und Zeit ist Geld.
Nicht selten modelliere ich an einer Puppe je nach
Größe, bis zu 14 Tage oder sogar länger. Hört sich
nicht viel an. Wenn ich aber 14 Tage lang ca.12
Stunden täglich modelliere, schleife, färbe, dann sind
wir schon bei 168 Stunden Arbeit.
Elfchen im Ei (modelliert)
Nun gehe ich mal von einem Stundenlohn von 8,00 €
aus (wer arbeitet eigentlich noch in 12 StundenSchichten bei einem Stundenlohn von 8,00€ incl.
Samstag und Sonntag?????), so sind wir bei 1344,00
€ + ca. 150,00€ Material, Arbeitsmittel, Glasaugen,
Farbe, Mohair, Kleidung, Zubehör.
Das wären zusammen ca. 1494,00€!
man dem Alltag, der Hektik, dem Stress für ein paar
Momente entrückt. Ich wünschte, man würde sich in
der heute oftmals unfreundlichen und schnelllebigen
Zeit, ein paar Minuten am Tag nehmen, um sich wieder auf vielleicht kleine Freuden mit großer Wirkung
zu konzentrieren.
Dazu kommt noch der Versand, je nachdem, wo es
hingeht. Und hier sollte man nicht vergessen, dass es
sich um ein handmodelliertes Unikat handelt. Der
Kunde besitzt das einzige Modell dieser Art weltweit. Ich glaube, jetzt kann jeder selbst nachrechnen,
ob der Preis für ein handmodelliertes Unikat gerechtfertigt ist…
Hast Du noch weitere künstlerischen Hobbies?
Einige, aber mir bleibt leider keine Zeit mehr dazu.
Früher hab ich viel gezeichnet. Ich habe vor Jahren
Gläser und Vasen handgraviert. Ich stricke und häkele gerne für meine Puppen. Und ich würde so gern
mal wieder ein gutes Buch lesen, wenn ich nur ein
wenig mehr Zeit hätte.
…und mal unter uns…..hat schon jemand eigentlich
einen solchen Preis an einer meiner Unikate gesehen?
Warum meinst Du, dass Deine Puppen (oder
Figuren) es wert sind, verkauft zu werden?
Ich glaube, diese Frage müsste dem Kunden, dem
Sammler gestellt werden. Der kann es beurteilen.
Wie ermittelst Du Deine Preise? Hältst Du
sie für gerechtfertigt?
Zuerst rechne ich bei meinen Unikaten das Material
und das Zubehör zusammen, das ich benötige, um
eine Puppe zu modellieren.
Hier zählen unter anderem auch das Mohair, die
Glasaugen, die Farbe, die Kleidung und die Dekoration dazu.
Entschuldige, wenn ich hier mal zwischengehe … aber hab erst einmal ganz dollen Dank
und Respekt, dafür, dass Du hier einmal „
Butter bei die Fische“ gibst— sprich, klare Fakten
nennst.
Aber mit diesem Thema - was ist Wert wert? - werden wir uns in weiteren Ausgaben noch auseinandersetzen.
Hast Du eine HP? Einen Blog? Facebook
oder Twitter? Forum? (gib bitte die Links
an)
Ich habe eine HP, ein Forum und bin bei Facebook
zu finden. Leider erlaubt es mir meine Zeit nicht,
mich regelmäßig und stetig überall zu zeigen, zu unterhalten, oder auf dem Laufenden zu halten. Aber
ich versuche es!
HP: www.freewebs.com/brits-little-souls
Facebook: www.facebook.com/brit.
ERVERA e.V. Online-Magazin
klinger
Forum: www.dollfriends-bearfans.
forumieren.com
Wo kann man Dich sonst im Internet finden?
Auf Ebay biete ich seltener meine Puppen an, aber es
kommt vor. Dort verkaufe ich unter dem Mitgliedsnamen SvenvonundzuK.
Bist Du auf Messen / Ausstellungen vertreten? Auf welchen?
Ich bin jedes Jahr 4 Tage lang in Sonneberg zu
finden. Hier nehme ich regelmäßig als Aussteller am
Teddy- und Puppenfest teil.
Im Spätherbst dann, genauer Anfang November, findet man mich als Aussteller bei den Puppenfesttagen
in Eschwege.
Wie gehst Du mit Reklamationen von Kunden um?
Eine Reklamation, egal, ob als Käufer oder
Verkäufer, ist in jedem Fall eine unangenehme Angelegenheit. Wenn ein Kunde bei mir eine Puppe
reklamieren würde, bei der nachweisbar ein Fehler
meinerseits bei der Herstellung oder unsachgemäßer
Verpackung beim Versand entstanden ist, würde ich
in jedem Fall Ersatz liefern oder das Geld zurückzahlen. Dazu bin ich verpflichtet.
was wünschst Du Dir – in Bezug auf Deine
Arbeit/en?
Oh, ein heißes Eisen! Ich wünsche mir und anderen Puppenkünstlern für die Zukunft, egal, ob Reborner oder Modellisten, dass unsere Arbeit nicht
weiterhin von vielen Leuten belächelnd als Puppenbastelei abgetan wird.
Wir sind Künstler.
Und wer sich ernsthaft mit der Thematik des Modellierens oder des Rebornens beschäftigt und auseinandersetzt, hat das längst erkannt.
Wir entwickeln uns, unsere Arbeit stetig weiter, wir
bilden uns weiter, wir experimentieren! In jeder unserer Puppen findet sich unser ganzes Wissen, unser
Herzblut und die Liebe zum Detail wieder. In vielen
Arbeitsstunden, unter Verwendung der qualitativ
hochwertigsten Materialien, entstehen lebensecht
wirkende Puppen, die vielen Menschen Freude bringen und diese glücklich machen. Das sollte als Kunst
anerkannt werden.
Welchen Rat / Empfehlung möchtest Du anderen Rebornern / Puppenkünstlern geben?
Stetige Weiterentwicklung, Weiterbildung ist das A
und O. Das Arbeiten mit hochwertigen Materialien
und Wahrung der Qualität ist ein Muss. Nur so kann
Seite 16
man seine Kunden und Sammler zufriedenstellen
und glücklich machen.
Ich würde mir wünschen, dass man in unserer Branche mehr miteinander arbeitet und nicht aus falschem Konkurrenzdenken gegeneinander. Der Neid
und die Missgunst, die zuweilen herrschen, kann ich
nicht nachvollziehen. Keiner gönnt seinem Gegenüber dessen Erfolg. Erfolg erarbeitet man sich hart
und hat ihn dann auch verdient.
Man muss auch gönnen können!
Und welchen Rat den Sammlern /Käufern ?
Unsere Arbeit lebt von Sammlern und Käufern.
Wir sind auch verpflichtet, unsere Kunden und
Sammler immer über Neuerungen oder Weiterentwicklungen aufzuklären.
Auch darüber, warum z. B. ein Reborn-Baby 150,-€
kostet und das andere 490,-€.
Viele Sammler meinen ein „Schnäppchen“ ergattert
zu haben, wenn sie ein Reborn-Baby für 150,-€ ersteigert haben, oder ein solches auf einer HP im Internet finden.
Das ist leider ein Trugschluss und entpuppt sich etwas später leider als ein Fehlkauf!
Denn meist sind die Anschaffungskosten von Bausatz, Mohair, Körper, Farbe, Glasaugen, Bekleidung
und Zubehör usw. schon höher, als 150,-€. Dann die
Arbeitszeit des Reborners dazugerechnet….Sagen
sie mir, wer verschenkt ein Rebornbaby? Keiner!
Lesen sie bitte die Beschreibung der Puppe sorgfältig. Wenn eine Puppe schon nur mit 10 oberflächlichen Sätzen beschrieben wird, stimmt schon etwas
nicht. Denn ein Rebornkünstler wird so ziemlich jeden Arbeitsschritt, den er an der Puppe gemacht hat,
beschreiben.
ERVERA e.V. Online-Magazin
Schauen sie sich ganz genau die Bilder an! Das, was
sie interessiert, aber nicht fotografiert wurde, sollten
sie erfragen und sich gegebenenfalls Fotos schicken
lassen.
Fragen sie nach Detailaufnahmen von Färbung oder
Rooting! Ja, viele Fragen!
Sollte aber der Verkäufer auf ihre Fragen nur wiederwillig oder gar nicht antworten, lassen sie die Finger
von diesem Kauf. Ein Rebornkünstler wird ihnen
jederzeit Rede und Antwort stehen, wenn es um Fragen zu seiner Arbeit geht.
Achten sie bitte auch in jedem Fall darauf, dass ihnen bei Nichtgefallen ein Rückgaberecht eingeräumt
wird.
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Alle Links aus dieser Ausgabe:
Wobei wir darauf hinweisen, dass wir keine Verantwortung übernehmen für die Inhalte der von
uns verlinkten Seiten.
Brit Klinger
http://www.freewebs.com/brits-little-souls/
Jacky Schleich
http://www.jackys-kleine-hoffnungen.de/
Leokadia Wolfers
http://www.puppenboersen.de/
Olga Auer
http://www.olgas-little-jewels.de
Sabrina Hergarten
http://newborn-wonders.beepworld.de/
Die Rechte an den hier veröffentlichen Fotos liegen
bei den Einsendern
Leserbriefe, Anregungen
und Meinungen
Baby Chris auf der Hand (modelliert)
Schicken Sie doch bitte an *[email protected]* .
Oder schreibt sie auf Facebook— wie immer
Ihr wollt!
Nicht selten bekommen wir Puppenkünstler dann
von traurigen Sammlern die jämmerlichen „
Schnäppchen“ zugeschickt, mit der Frage, ob man
hier noch etwas retten könnte! In manchen Schnäppchen-Puppen von „sogenannten Rebornern“ wurden
Bau- Sand, Schraubenmuttern, dreckige Socken oder
Stoffreste gefunden. Die wenigsten sind wirklich zu
retten und die, die man eventuell reparieren kann,
kosten am Ende Geld, die die Puppe nicht mehr als
Schnäppchen erscheinen lassen!
Wenn sie interessiert sind an einer qualitativ hochwertigen Rebornpuppe, an der sie noch lange Freude
haben, dann wenden sie sich eine gute Rebornerin,
die sie darüber aufklärt, wie sie arbeitet und welche
Materialien sie verwendet.
Danke, liebe Brit für Dein ehrliches und
ausführliches Interview!
Impressum
ERVERA e.V.
Buchholzer Str. 10 * D-30629 Hannover
Vorstand:
Monika Held
Rosemarie Barthel—Rabsch
Internet:
www.ervera.de
Kontakt:
[email protected]
Und jetzt sitzen die da wieder in ihrer Redaktion und
überlegen, was Euch denn so interessieren könnte…
Ich weiß schon … Fotoooos. Fottttos, Fotoooos….
Aber bei aller Liebe—die bekommt Ihr überall im
Netz.
Und da wollen wir gar nicht mit in Konkurrenz gehen, denn das würde unser pdf-Magazin ein wenig
überfordern—oder, besser gesagt, die Rechner mancher LeserInnen….
Nein, wie möchten die Lücke füllen… Information,
Kritik (positiv wie negativ) , Hintergründe, sicher
auch Anleitungen und Tipps—
Und Ihr als Leser entscheidet letztendlich, worüber
hier berichtet werden soll.
Gruss und Kuss
ERVERUS

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