Wieviel Ehrenamt steckt in dir?

Сomentários

Transcrição

Wieviel Ehrenamt steckt in dir?
Jahrgang 5 | Ausgabe 14 | Herbst 2009 | www.presstige.org
Freiwillige vor!
Wieviel Ehrenamt steckt in dir?
presstige | 3
Wohnideen, Geheime Uni-Orte, Happy Hour Guide und vieles mehr!
4 | presstige
Editorial
G
ratis, aber nicht umsonst! Diese Devise gilt nicht nur für presstige,
sondern auch für das Ehrenamt. Dabei verhält es sich wie im Märchen
von Frau Holle: Fleiß und gute Taten
werden am Ende belohnt, wohingegen Faulheit bestraft wird. Zwar gibt
es für die freiwilligen Helfer keinen
Goldregen, aber ohne ihr soziales Engagement wäre unsere Gesellschaft
nicht denkbar. Was darüber hinaus
Menschen und insbesondere Augsburger Studierende dazu motiviert,
ihre Freizeit anderen zu widmen,
könnt ihr im Leitartikel auf Seite 6
nachlesen. Ideen, wie man sich aktiv an verschiedenen ehrenamtlichen
Projekten beteiligen kann, stellt Anne
Zitzelsberger im Artikel über das
Freiwilligenzentrum Augsburg auf S.
14 vor.
Der Spagat zwischen Klausur und
Krabbelgruppe fordert Organisationstalent und Ausdauer. Wie junge
Eltern den Unialltag meistern, schildern Laura Amenta und Madeleine
Schuster auf Seite 22. Wer einem im
Unialltag noch begegnen kann, ist
der stets fröhliche Mario, den wir in
unserer Rubrik „Un(i)bekannte“ als
„Mensamann“ vorstellen.
Einem ganz besonderen Ereignis
zollen wir Tribut: das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls nahmen unsere
Autoren Sophia Druwe und Sebastian Schock zum Anlass, um Studenten, die zum Studieren aus Augsburg
in den Osten gezogen sind, oder umgekehrt, nach ihren Erfahrungen zu
befragen (S. 54).
Bald steht wieder ein Fest an, das
mittlerweile sowohl im Westen, wie
auch im Osten gefeiert wird. Wir
geben euch Tipps für die Nacht der
Geister, Zombies und Hexen, denn
zum 31. Oktober steht Halloween
vor der Tür. Süßes oder Saures findet
sich auf Seite 41.
Nicht nur süße, sondern vor allem
kreative Wohnideen haben Natalie
Stanczak verschiedene Studenten verraten. Wie vermeintliche Minibomben auch an Schränken gut aussehen
können, ist auf Seite 44 zu lesen.
Großflächigere Verschönerungen finden sich eher außerhalb der eigenen
vier Wände. Für euch haben unsere
Autorinnen Katharina Schaffer und
Kathrin Stangl Streetart- und GraffitiKünstler begleitet.
Auch der Chefredaktion wurde
ein neuer Anstrich verpasst:
Wir hoffen unser Erstlingswerk gefällt und weckt Vorfreude auf die
nächste presstige. Einen guten und
erfolgreichen Semesterstart wünschen euch
Kete Shabani & Martina Wengenmeir
[email protected]
Lob, Kritik? [email protected]
Mitmachen? [email protected]
Werben? [email protected]
titelmodel: flutur gashi – titelfoto: martin holland
mit herzlichem dank an alle beteiligten und insbesondere an karstadt für die freundliche unterstützung.
presstige | 5
Inhalt
Ausgabe 14 | Herbst 2009 | www.presstige.org
Titel
06 Eine Frage der Ehre
14 Topf sucht Deckel
Hochschule
16
18
21
22
24
Einwürfe
Es kann abgeräumt werden...
Was macht man eigentlich mit…Ethik der Textkulturen?
Zwischen Kind und Campus
Die verborgenen Flecken der Uni Augsburg
Karriere
27 Moin, moin: Die Inselbotin
30 Paulas großes Lexikon der Arbeit
Kultur
34
36
37
38
42
44
46
Einwürfe
Duden reloaded
Willkommen im Wortmuseum
Von allen guten Geistern verlassen
Rock'n'Roll und Minibomben
Eure Filmcharts
Liebe auf den ersten Klick
Stadtleben
49
52
54
56
58
Im Land der sieben Quellen
Studenten ohne Grenzen?
Leseoase in orange
Die ganz andere Art der Sucht
Faule Gedanken eines Stadtheroen
60 Auf ein Tässchen mit Pfarrer Groll
62 Happy Hour Guide
64 Zuckerln für die Kuh!
6 | presstige
Eine Frage der Ehre
Text: Kete Shabani & Martina Wengenmeir – Fotos: Martin Holland
Umfrage & Fotos: Franziska Obst
S
Liebe deinen Nächsten
Helfen ist in. Zahlreiche Stars und
Sternchen schmücken sich mit ihrem Engagement, beispielsweise als
UN-Botschafter oder in Form einer
eigenen Stiftung. Nebenbei nutzen
sie dies geschickt, um die Bedeutung
ihrer gemeinnützigen Tätigkeit und
gleichzeitig sich selbst zu vermarkten.
Am Beispiel der Prominenz ist leicht
zu erkennen: Helfen steht jedem und
geht dabei auf jeden Fall darüber
hinaus, sich allein mit dem Amt zu
schmücken. Ohne Ehrenamt wäre
unsere Gesellschaft kaum funktionsfähig: Wie eine Studie der Prognos
AG ermittelte, entsprächen den 16,2
Stunden, die in Deutschland monatlich im Durchschnitt ehrenamtlich
geleistet werden, 3,2 Millionen Vollarbeitsstellen.
Engagement im Ehrenamt ist keine
Errungenschaft unserer Zeit. In allen
Gesellschaften haben sich Menschen
alleine oder organisiert für das Allgemeinwohl eingesetzt. Bereits in der
Antike gehörte es zum guten Ton,
sich für das Gemeinwesen zu interessieren und so nahmen die antiken
Griechen oder Römer an Versammlungen teil, um über die Belange ihrer
Stadt zu debattieren. Oder sie bekleideten politische Ämter unentgeltlich,
was als besondere Tugend galt. Daher
stammt auch der Begriff des „Ehrenamts“. Eine weitere historische Wurzel ist das in der Bibel verankerte,
christliche Gebot der Nächstenliebe.
Hieraus wurde von vielen Christen
schon früh der Einsatz für Schwächere abgeleitet, wie etwa das Sammeln
von Almosen, die Pflege von Kranken
und Alten oder andere karitative Tätigkeiten. Auch in anderen Religionen
lässt sich die Bedeutung der Gemeinschaft und der damit verbundene Einsatz für selbige erkennen.
1808 wurde erstmals in der Preußischen Städteordnung die bürgerliche Mitbestimmung festgesetzt und
somit der Grundstein für organisierte
ehrenamtliche Arbeit in Deutschland
gelegt. Hierauf entwickelten sich po-
oziales Engagement ist so eine
Sache: Geld gibt es dafür nicht,
Ruhm und Ehre auch nur in Einzelfällen. Und doch engagiert sich
jeder Dritte Deutsche über 16 Jahren
ehrenamtlich. Wahlweise wird hierfür zu Kochtopf und Kochschürze
gegriffen um bei der Tafel zu helfen,
in Fußballschuhe geschlüpft um Kindern Sporttraining zu geben oder der
Helm aufgesetzt um bei der Freiwilligen Feuerwehr den Wasserschlauch
zu schwingen – alles Ehrensache?
litische Ehrenämter und es kam zur
Gründung zahlreicher Vereine. Unterbrochen wurde diese Entwicklung
erst durch den Nationalsozialismus,
der das Gemeinwohl als Staatsaufgabe sah und jegliche Eigeninitiative
unterband.
Ehrenamt in Zeiten
von Bologna
Heute gibt es zahlreiche Zusammenschlüsse von Menschen, die sich in
den unterschiedlichsten Bereichen engagieren. Dies können Sport, Kultur,
Politik oder auch der Einsatz für andere Menschen, sowie spezielle Themen sein. Der größte Teil engagiert
sich mit gut einem Drittel in der Freizeit, im Sport- oder etwa im Gesangsverein. Auf dem zweiten und dritten
Platz landen die freiwillige Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen, sowie das
Engagement im kirchlichen Bereich,
welches in vielen Fällen in Form von
Jugend- und Ministrantengruppen,
sowie Pfadfindern verbunden ist. Die
Gründe für das Engagement sind vor
allem eine gesellschaftliche Aufgabe zu haben und diese mitzugestalten. Daneben ist es den Engagierten
wichtig, ihre Interessen zu vertreten
und andere >> (weiter auf S. 10)
Titel | 9
Ehrensache an der Augsburger Uni
Was eine Umfrage unter Augsburger Studierenden
über ihr Engagement verrät
Wie sich das ehrenamtliche Engagement an der Uni Augsburg verteilt,
wurde im Sommersemester 2009 in einer groß angelegten Online-Umfrage des Instituts für Medien und Bildungstechnologie (imb) näher untersucht. Die Frage, die dabei im Zentrum stand, war, welche Gründe
Augsburger Studierende für bzw. gegen ehrenamtliches Engagement
sehen. „Momentan wird heiß darüber diskutiert, ob das ehrenamtliche
Engagement mit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge an
der Universität Augsburg zurückgeht,“ so die Dozentin Sandra Hofhues,
„wir wollten herausfinden, ob dem so ist.“
Wie ehrenamtlich ist deine Fakultät?
Ehrenamtlich engagierte
Augsburger Studierende
Wie ehrenamtlich
ist deine nach Fakultät
Fakultät?
Phil.-Soz.
angew. Informatik
Phil.-Hist.
WiWi
Math.-Nat.
Jura
Theologie
keine Angabe
Fast 56 Prozent der Befragten sind demnach ehrenamtlich engagiert. Doch was bewegt sie in erster Linie dazu, neben dem meist stressigen Studium auch noch „für lau“ viel Zeit zu investieren? Die meisten
sahen den „Spaß an der Tätigkeit“ als Hauptgrund für ihr Engagement, gefolgt von dem Wunsch „neue Erfahrungen zu sammeln“ und
der „tollen Gemeinschaft innerhalb der Gruppe“. „An der Universität
Augsburg gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten, sich ehrenamtlich
zu engagieren,“ begründet Sandra Hofhues die positiven Rückmeldungen der Studierenden. Der Augsburger Student investiert im Durchschnitt etwa vier Stunden pro Woche in seine ehrenamtliche Tätigkeit.
Und dies hauptsächlich in den Bereichen sozialer und gemeinnütziger
Einrichtungen, aber auch im kirchlichen wie im sportlichen Bereich.
Erstaunlicherweise kam bei der Umfrage sogar heraus, dass es keinen
signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt: Frauen wie
Männer engagieren sich gleichermaßen. Für eine weitere Überraschung
dürften die Informatiker gesorgt haben: Gleich hinter Studierenden der
Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät, platzierte sich die
Angewandte Informatik auf Platz zwei der Fakultäten mit den meisten ehrenamtlich engagierten Studierenden. Und auch das Bild des gestressten, nur nach Credit-Points jagenden Bachelor-Studenten konnte
nicht bestätigt werden: Bachelor-/Master-Studierende engagieren sich
in etwa genauso stark wie Diplom-/Magister-Studierende. „Die Teilnahme an unserer Umfrage war freiwillig. Gut möglich, dass die Ergebnisse daher nicht repräsentativ für die gesamte Studierendenschaft der
Uni Augsburg sind,“ bezieht Hofhues kritisch Stellung.
Ein
GESCHENK
für alle Wünsche!
Der Geschenkgutschein ist erhältlich an der Kundeninformation (Geschenkwert zzgl. 50 Cent)
Mo.-Sa. bis 20 Uhr
2.000 Parkplätze, Samstag von 16 - 20 Uhr kostenlos parken
www.city-galerie-augsburg.de
Menschen zu treffen. Dies gilt auch
für die Uni, die ohne Studenten, aber
vor allem auch nicht ohne ihr Engagement bestehen könnte. Es sind die Ehrenamtlichen, die in Projekten, Fachschaften oder studentischen Gruppen
das Schmieröl in der trägen Maschinerie der Universität darstellen.
In Zeiten von eng geplanten Bachelorstudiengängen und dem damit verbundenen Punktesammeln
ist Zeitmangel der Hauptgrund sich
nicht über das Studium hinaus zu
engagieren. Das Institut für Medien
und Bildungstechnologie hat hierfür jedoch eine prämierte Lösung
gefunden: Mit dem Begleitstudium
Problemlösekompetenz wird die ehrenamtliche Tätigkeit in Forschungsprojekten oder etwa bei Kanal-C
gewürdigt und mit Punkten bedacht.
Mit Abschluss des Begleitstudiums
wird das Engagement sogar mit einem Zertifikat ausgezeichnet.
liebten Menschen in Zusammenhang
mit seiner bevorstehenden Einsamkeit beweint, so hilft man, um sich
stets selbst zu helfen. „Es ist schön,
gebraucht zu werden“ wird daher
auch bei zahlreichen Studien bei den
älteren Befragten als Hauptgrund
angegeben. Besonders im hohen Alter, wenn der Ruhestand eingetreten
ist und die eigenen Kinder und Verwandten schon längst ihr eigenes
Leben führen, ist es für Menschen
wichtiger denn je, der Gesellschaft
eine helfende Hand zu reichen. Resozialisierung sozusagen. Jüngere Menschen dagegen, engagieren sich in
erster Linie, weil die Tätigkeit ihnen
„Spaß“ bereite. Weil sie Kontakte zu
anderen jungen Menschen knüpfen
können. Und weil sie – für das spätere
(Berufs-)Leben unabdingbar – neue
Erfahrungen sammeln möchten.
Der moderne Mensch
Der Weg zu einer erfolgreichen Karriere ist also weit weniger mit Helferpathos, als viel mehr mit Berechnung
gepflastert. Ehrenamtliche Tätigkeiten schmücken zunehmend die Lebensläufe karriereorientierter junger
Menschen – der Dekoration wegen.
Die hochgelobten sozialen Kompetenzen, neudeutsch: „Soft Skills“, die
man bei ehrenamtlichen Tätigkeiten
erlernen kann, reihen sich in den
Spalten des Curriculum vitae wie Perlen an einer Schnur – dem Personaler
wird’s gefallen. Heute reicht es längst
nicht mehr zu schreiben, man wäre
davon überzeugt „teamfähig“ und
„kommunikationsfreudig“ zu sein.
Man muss dem Lebenslauf schon einen Berg von Zertifikaten beisteuern,
die diese „Behauptungen“ unterstrei-
Der moderne Mensch, so warnte
bereits Ende der 60er Jahre der Psychoanalytiker Erich Fromm, erleide
eine zweifache Bedrohung: Die Vernichtung durch Krieg und die innere
Leblosigkeit durch das Passiv-Sein
des Menschen. Kann Ehrenamt also
als eine Art Selbstheilung gesehen
werden? Ein schier endloser Kampf
um Aufwertung der Selbstbedeutung? Zwanghaftes Aktiv-Sein, um
nicht in der Gleichgültigkeit, und damit Bedeutungslosigkeit, der Masse
unterzugehen? Der Helfer-Gedanke
ist mitnichten nur einer von vielen
Gründen, warum sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Ähnlich, wie
ein Trauernder den Verlust eines ge-
12 | Titel
Skilling me softly
chen. Aber was sagt ein Zertifikat
über Soft Skills, das man in einem
der zahlreich angebotenen Seminaren und Kursen erhalten kann, schon
darüber aus, ob Hans X. es schaffen
wird, sich in seinem neuen Team
zurechtzufinden, obwohl seine Kollegen ihn für ungeeignet halten? Ob
Peter Y. den Anforderungen gerecht
wird, mit seinen Vorträgen beim
Kunden rhetorisch zu brillieren („So
Herr Y., ich sehe, Sie haben vier Rhetorik-Seminare besucht – da können
wir ja auf ihre sprachliche Gewandtheit zählen!“). Pustekuchen! Persönlichkeit lässt sich natürlich nicht im
Weichspülvorgang
irgendwelcher
vielversprechender
Massenveranstaltungen formen. Auch wird ein
Ehrenamt nicht per se dazu führen,
dass seine freiwilligen Helfer zu besseren Menschen werden. Sei's drum!
Vielleicht darf man nicht hinter jeder
guten Tat, einen edlen Gedanken verlangen. Fakt ist, dass die am Anfang
bereits erwähnten Arbeitsstunden,
die in Deutschland in Ehrenamt investiert werden (ausgehend von einem Stundenlohn von 7,50 Euro)
einem Wert von etwa 35 Milliarden
Euro entsprechen. Die Gesellschaft
profitiert also, der Lebenslauf ebenso, und auch die Bereicherung des Erfahrungsschatzes ist dem Einzelnen
sicher. Auch oder gerade weil Ehrenamt nicht so recht in das neuzeitliche
Selbstverständnis einer konsumorientierten und individuumszentrierten
Gesellschaft passen möchte, kann
man diese Entwicklung hin zum
„Gemeinschaftlichen“ nur begrüßen.
Also reihen wir uns direkt ein hinter
Stars wie Bono und Angelina und
tun es ihnen gleich. Manchmal kann
eben doch eine kleine Hilfe Großes
bewirken. |
Anja Gumpinger (20)
Mathemathik und Geografie,
2. Semester
Korbinian Wittmann (21)
iBWL,
4. Semester
„Ich denke an erster Stelle steht die
„Ich war einmal bei den Johannitern als
Schulsanitäter. Meine Aufgabe bestand
darin, Erste Hilfe zu leisten, wenn es einen
Notfall in der Schule gab. Jetzt gehe ich
arbeiten, um mein Studium mitzufinanzieren, so bleibt kaum Zeit für ehrenamtliches Engagement außerhalb der Uni.
Soft Skills finde ich schon gut, aber ich
sehe sie eher als Zusatzerweiterung zum
eigentlichen Können und Wissen an.“
Benedikt Thomas (22)
Physik,
4. Semester
Kompetenz und danach kommen die Soft
Skills. Denn wenn jemand kein Wissen
hat, bringen ihm seine Soft Skills auch
nichts. Ehrenamtliches Engagement finde
ich sehr wichtig. Ich selbst bin in der
Fachschaft WiWi, um die studentische
Mitbestimmung zu stärken. Außerdem
bin ich in der Freiwilligen Feuerwehr
Burgadelzhausen. Denn Zusammenhalt
ist auf dem Dorf sehr wichtig und wird
als selbstverständlich angesehen.“
Till Hoppen (23)
iBWL,
4. Semester
„Für groß angelegte soziale Projekte
habe ich keine Zeit neben dem Studium.
Blazej Sarapak (25)
Lehramt Hauptschule,
6. Semester
Aber wenn ich zum Beispiel die Chance
habe, Blutspenden zu gehen, dann nehme
ich die auch wahr, weil ich es sinnvoll
finde und so auch helfen kann.“
„Ich engagiere mich bei der christlichen Jugend„Ich bin beim Katastrophenschutz und
arbeit. Dort bin ich im Leitungsteam und pre-
Sanitätsdienst der Johanniter. Ich passe
dige und bete viel. 2000 bin ich das erste Mal
zum Beispiel bei Unifeiern auf, dass nichts
dahin gegangen und habe gedacht, die Kirche
passiert. Das mach ich jetzt seit anderthalb
sei nichts für mich. Aber dann habe ich Jugend-
Jahren. Rein gekommen bin ich direkt über
liche kennen gelernt, die eine Beziehung zu Gott
den Zivildienst. Soft Skills finde ich nicht
haben. Ich selbst hatte zu dem Zeitpunkt priva-
so wichtig. Sie bringen zwar schon was,
te Probleme, aber Gott hat mich dann befreit.
aber ich persönlich kümmere mich nicht
Nun helfe ich selbst, um anderen Jugendlichen
um Zertifikate oder solche Sachen.“
die Möglichkeit zu geben, Gott kennen zu
lernen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen.“
Christopher Scherer (23)
iBWL,
6. Semester
„Ich bin seit Mai letzten Jahres Vorstand im
Börsenforum Augsburg e.V. Hier werden
mir tolle Möglichkeiten geboten, mich
Julia Smith (24)
Lehramt Grundschule,
8. Semester
selbst einzubringen. Soft Skills spielen dabei
eine extrem wichtige Rolle. Ich lerne viel
über Projektmanagement, Zeiteinteilung,
Organisation und wie man mit Menschen
umgeht. Auch meine rhetorischen Fertigkeiten haben sich seitdem sehr verbessert.“
„Ich komme aus Füssen und da habe ich
lange Fußballtraining gegeben. Das musste
ich aber leider aufgeben, als ich zum Studium
nach Augsburg gekommen bin. Damals
habe ich auch einen Schein als Übungsleiter
gemacht. Ich verstehe es, wenn Studenten
den verschiedenen Zertifikaten hinterher rennen. Das soll einem ja schließlich
Vorteile bringen. Ich würde es ja schließlich auch nehmen, schadet ja nicht.“
Topf sucht Deckel
Das Freiwilligenzentrum Augsburg vermittelt
freiwillige Helfer und ehrenamtliche Organisationen
Text: Anne Zitzelsberger – Fotos: privat
V
iele Studenten können sich vorstellen, ein unbezahltes Ehrenamt zu
übernehmen. Die Angebote reichen
von Seniorenbetreuung über handwerkliche Tätigkeiten bis zum Umweltschutz.
Aber welches Ehrenamt passt zu
wem und woher weiß man, welche
ehrenamtlichen Initiativen Freiwillige suchen?
Bei diesen Fragen hilft das Freiwilligenzentrum Augsburg (FZA) weiter.
Ziel des FZA ist es, das bürgerschaftliche Engagement zu fördern. Es bietet allen Interessierten Beratung und
Vermittlung an mögliche Einsatzstellen, zum Beispiel in den Bereichen Soziales, Kultur, Kirche, Ökologie oder
Politik und ist somit eine Art Jobbörse für Ehrenamtliche.
Ehrenamt nach Maß
Das FZA hält Profile von über 250
Einsatzstellen bereit und gleicht die-
16 | Titel
se mit den Wünschen, Interessen
und Qualifikationen, aber auch der
freien Zeit der Freiwilligen ab und
schlägt dann einige Einsatzstellen
vor.
Fast immer ist etwas Passendes
zu finden: Wie wäre es mit dem Verkauf von Kinderkleidung oder EineWelt-Produkten? Oder lieber ein
Biotop betreuen, im Seniorenheim
vorlesen oder PR-Arbeit für gemeinnützige Organisationen übernehmen? Sogar „Eintütler“ werden
gesucht, also Menschen, die gerne
zusammen Kaffee trinken und dabei
Serienbriefe „eintüten“.
Von Büchern
und Handys
Ein weiterer großer Teilbereich der
Arbeit des FZA ist die „Werkstatt
freiwilligen Engagements“. In diesem Bereich betreut die Organisation eigene Projekte. 2008 haben sich
allein dort 271 Freiwillige enga-
giert. So hat das FZA zum Beispiel
die „Lesepaten“ ins Leben gerufen.
Mittlerweile gibt es 120 solcher Paten, die Kinder an allen Augsburger
Grundschulen beim Lesenlernen unterstützen. Auch Handy-Kurse für
Senioren werden angeboten; bisher
war die jüngste „Lehrerin“ dabei
gerade 13 und die älteste Kursteilnehmerin 87 Jahre alt. Das neueste
Projekt des FZA sind die „Sozialpaten“. Sie helfen Menschen in finanziellen Notlagen bei der Schuldenaufstellung und leiten diese an die
richtigen Ansprechpartner weiter.
Darüber hinaus hilft das Freiwilligenzentrum sogar, wenn man sich
im Ausland engagieren möchte.
„Do It“ – nur für
Studenten
Laut Geschäftsführer Wolfgang
Krell helfen Ehrenämter Jugendlichen vor allem bei der Berufswahl,
Berufstätige suchen demgegenüber
oft einen Ausgleich zu ihrer gewöhnlichen Tätigkeit und Studenten einen studienbegleitenden Praxisbezug. Im Wintersemester bietet
das FZA in Zusammenarbeit mit
dem Career Service der Universität
Augsburg wieder die Möglichkeit,
an „Do it – Service Learning für
Studierende“ teilzunehmen. Das
Projekt startet mit einem Einführungsworkshop am 31. Oktober an
der Uni und ist an alle Studierenden gerichtet. „Do it“ ermöglicht
ihnen, sich im Zeitraum zwischen
November und Januar 40 Stunden
freiwillig in sozialen, kulturellen
oder ökologischen Einrichtungen zu
engagieren. Im Januar 2010 findet
ein Reflexionsworkshop statt, bei
dem die Studenten ein Zertifikat erhalten. Die Bewerbungsunterlagen
schmückt das auf jeden Fall.
Wer jetzt Lust bekommen hat, kann
sich bei Stefan Schröter ([email protected]
praesidium.uni-augsburg.de) für „Do
it“ anmelden. |
Ein würfe
Kaffee geht durch
die Ohren
Mediatoren:
Hilfe von Studenten
für Studenten
Kaffeetasse in der Hand, Ohrstöpsel im Ohr und auf geht’s in Richtung „Neue Welt Universität“! Denn
mit dem Online-Podcast „Kaffeepod – frisch gebrühte Infos aus dem
Uni-Alltag“ können Interessenten
in Hörspielform viel Wissenswertes
über das universitäre Umfeld erfahren. Und weil die Cafete auch im
wahren Uni-Leben Dreh- und Angelpunkt der Studenten ist, ist sie auch
für die digitale Hörspielreihe der Ort,
an dem sich die Geschichten abspielen – daher auch der Name „Kaffeepod“. Entwickelt und produziert
wird er vom Institut für Medien und
Bildungstechnologie (imb) sowie Studierenden des Studiengangs Medien
und Kommunikation. Wer Lust bekommen hat, beim Brühen kochendheißer (naja, zumindest informativer)
Unifacts mitzumachen, oder sich den
Kaffeegenuss für die Ohren einfach
anhören möchte: weitere Informationen und die ersten Podcast-Beiträge
gibt es unter www.kaffeepod.de.
ks
Ungerechte Benotung, Ärger mit der
Referatsgruppe, Zoff im Seminar
– alltägliche Uni-Probleme. Doch
dafür gibt es ab sofort an der Uni
Augsburg eine Lösung: die Mediatoren. Bisher war die studentische
Gruppe ehrenamtlich für den Studiengang Medien und Kommunikation im Einsatz. Zukünftig möchte sie
ihr Angebot auf die gesamte Uni ausweiten. Ihre Einsatzgebiete sind vielseitig: Als Streitschlichter innerhalb
von Referatsgruppen, als Vermittler
zwischen Dozent und Studierenden oder in Workshops zur Konfliktlösekompetenz stehen sie euch
mit Rat und Tat zur Seite. Schreibt
einfach eine Mail mit eurem Problem an: [email protected] Eure
Daten werden natürlich vertraulich
behandelt! Außerdem suchen die
Mediatoren Nachwuchs – wenn ihr
mitmachen möchtet, meldet euch
einfach bei ihnen. Mehr Infos auf:
www.imb-uni-augsburg.de/studium/
mediatoren.
wh
18 | Hochschule
Fragen des
studentischen Alltags:
Ab wann ist die
Mensaterrasse endlich
für Studenten geöffnet?
Neulich in der Mensa: Ein Grüppchen Menschen schreitet über die
Dachterrasse. Dachterrasse? Die
ist doch für den gewöhnlichen Studenten gesperrt! Wann dürfen wir
endlich dem Grüppchen folgen und
draußen bei strahlendem Sonnenschein unseren Nudelteller vertilgen?
Die schlechte Nachricht: Erst in
zwei Jahren wird die Dachterrasse
in den normalen Mensabetrieb aufgenommen. Dieses Wintersemester
bleibt sie vor allem aus Sicherheitsgründen gesperrt, da ihre Höhe und
die Treppe nicht verkehrssicher sind,
so Mensa-Küchenleiter Marian Vlach.
Und ab April herrscht dort Baustellenlärm, das Grüppchen Bauplaner
besichtigte schon vorab: Die Mensa
wird für 18 Monate geschlossen und
saniert. In dieser Zeit wird eine Behelfsmensa, vermutlich ohne Terrasse,
auf der Uniwiese eingerichtet.
Und die gute Nachricht: In zwei
Jahren kommt zur offenen Dachterrasse eine nagelneu sanierte Mensa
hinzu und der Nudelteller sollte
drinnen wie draußen schmecken.
mw
Lebensretter gesucht
Weniger ist mehr!
Fünf Semester sind nun vergangen,
seit zum Sommersemester 2007 in
Bayern und damit auch in Augsburg
die Studiengebühren eingeführt wurden. Bisher hat die Universität die
Höhe der Beiträge innerhalb des gesetzlichen Rahmens von 300 bis 500
Euro voll ausgereizt.
Doch es tut sich was: Schon zum
letztes Semester fielen die 50 Euro
Verwaltungskostenbeitrag weg. Nun
hat die erweiterte Universitätsleitung
auf Antrag der Studierenden beschlossen, die Studienbeiträge um 20
Euro auf 480 Euro zu senken. Mögen
die gesparten 20 Euro pro Semester
zwar nur ein zusätzliches Feierabendbier im Monat bedeuten, so kann
man diese Entscheidung vielleicht
auch als ein Zeichen für die weitere
Senkung oder gar Abschaffung der
Gebühren werten.
Wer das nicht mehr abwarten
kann oder mag, sollte sich über die
vielfältigen Befreiungsmöglichkeiten
informieren. Gerade für leistungsstarke Studenten ist eine Befreiung durchaus realistisch – auch nachträglich. So
werden in der Regel die besten zehn
Prozent der Studenten befreit, aber
auch wer schon im jungen Alter das
Elternglück erfahren hat, muss nicht
mehr bezahlen. Zudem zahlen Familien pro Semester nur einmal die 500
Euro, wenn mehrere Geschwister
gleichzeitig studieren.
Weitere Infos gibt es unter:
www.studis-online.de/StudInfo/
Gebuehren/bayern_befreiung.php
mk
Fast jeder hat irgendwo auf der Welt
einen genetischen Zwilling – durch
Zufall sind Gene verschiedener
Menschen manchmal sehr ähnlich.
Bekommt dieser genetische Zwilling zum Beispiel Leukämie, könnte
man sein Leben retten – aber nur,
wenn man sich vorher als Knochenmarkspender registriert hat. Jeder
Spende-Willige, der unter www.
knochenmarkspende.de (Homepage
der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“) auf „Spender werden“ klickt und ein Kontaktformular
HIGH
ausfüllt, bekommt ein Wattestäbchen
zugeschickt. Dann heißt es: sich selbst
etwas Mundschleimhaut abstreifen
und das Wattestäbchen zurück ans
Labor schicken. Dort werden die genetischen Daten dann analysiert und
in einem Register gespeichert. Mit
einer Spende von 40 Euro kann man
die Kosten für die Typisierung selbst
tragen, ansonsten kommen meist andere Spender dafür auf. Das war’s
schon – ab jetzt kann die Gelegenheit
zum Leben retten jederzeit kommen!
vw
OVEMBAENRIc)
N
/
R
E
B
O
T
NEBoRN (TIT
LIGHTS OK
SoN
o · MARTIN EIN · BluMENToPF uvm.
d
N
Jo
IN
T
R
H
MA
NIc · PETER
FREAK ATRo
www.ostwerk.de
partnachweg 2 | augsburg
myspace.com/ostwerk · StraBa 1 · Nachtbus 90 bis Haltestelle Partnachweg
Es kann abgeräumt werden...
Die südamerikanische Frohnatur verlässt die Mensa
Text: Patricia Ott & Kathrin Stangl – Fotos: Natalie Stanczak
20 | Hochschule
te
nn
ka 3
? be Teil
ni
U
H
attrick in unserer Rubrik „Un(i)bekannte“:
Wenn wir in der Mensa unser Tablett abgeben,
sehen wir ihn tagtäglich am Fließband stehen.
Doch nur die wenigstens wissen um die Geschichte von
Mario Alejandro Katzenell und darum, dass der fröhliche Argentinier Augsburg nun den Rücken kehrt.
Wir essen heute in der Mensa – Recherchearbeit.
Undercover sozusagen setzen wir uns mit unseren
wohlbestückten Tabletts möglichst nahe an das Fließband, an dem unser Zielobjekt „Mario, der Mensamann“ seine Arbeit verrichtet.
Moment mal – wie kann man bei der Arbeit nur
so gut gelaunt sein? Diese Frage schießt uns als erstes
durch den Kopf. Wir machen uns Notizen. Er lacht, er
tanzt und es scheint, als wummert mitreißende Musik in
seinen Kopfhörern.
„Ich höre hauptsächlich Argentinische Musik und
Pink Floyd“, sagt uns Mario ein paar Tage später im Interview. Der 34-jährige Argentinier lebt seit fünf Jahren
in Deutschland. Für Augsburg haben er und seine Familie sich aus einem einfachen Grund entschieden: „Uns
gefällt es, dass Augsburg eher klein ist, man hat mehr
menschlichen Kontakt.“
Dieser Wunsch ist nicht verwunderlich, wenn man
weiß, dass Mario, seine Frau und seine beiden, zwei
und acht Jahre alten Kinder aus Buenos Aires kommen.
Diese lebendige Großstadt umfasst einen Ballungsraum
von knapp zwölf Millionen Einwohnern, der einer der
größten Südamerikas ist und etwa so viele Menschen
beherbergt, wie in ganz Bayern zu Hause sind.
C
M
Y
CM
MY
CY
CMY
K
„Ich bin der
Joker der Uni.“
Nicht ganz so hektisch wie auf den Straßen von Buenos
Aires geht es in der Mensa zu. Dort achtet Mario darauf, dass alle Tabletts sauber zurück in die Küche gehen.
Wer nun denkt, dies sei seine einzige Aufgabe, hat sich
getäuscht. Der Südamerikaner hat viel zu tun: Er fährt
einen Teil des Mensaessens zur Fachhochschule, arbeitet an der Caffèbar und als Berater an der Uni findet er
immer noch Zeit, ausländischen Studierenden, die nach
Augsburg kommen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
„Ich bin der Joker der Uni!“, sagt uns Mario stolz und
wir sind fast etwas betreten, dass wir tatsächlich annehmen konnten, der quirlige Argentinier sei nur für die
Kontrolle der Mensa-Tabletts zuständig. >>
nachgefragt
Mein Lieblingsfilm ist…
„Dr. Seltsam“ von Stanley Kubrick
Mein größter Fehler…
Ich habe keine Fehler, ich bin Argentinier.
Meine Lieblingsband ist…
Pink Floyd
Mein Hobby…
Als guter Argentinier spiele ich natürlich Fußball
Mein Lebensmotto lautet…
Die anderen Menschen können nichts dafür, wenn es dir mal schlecht
geht, also solltest du immer dein Lachen zeigen.
Der größte Unterschied zwischen dem Studium in Deutschland und
Argentinien… .In Argentinien fängt die Uni erst um 19.00 abends an
und geht dann so bis 23.00
„Der Tag ist hart genug.“
Hand aufs Herz – wir wollen Enthüllungen. Hat Mario
nicht manchmal einfach die Nase voll von der stressigen
Arbeit und den vielen Menschen?
Auf diese Frage hin schaut er nur verdutzt und
meint, natürlich habe auch er mal einen schlechten Tag,
aber seine Probleme sollte man bei der Arbeit zu Hause
lassen und stattdessen den Menschen immer ein freundliches Gesicht zeigen. „Der Tag ist hart genug, ich versuche den Leuten ein bisschen Spaß zu bringen“, erklärt
Mario sein Ziel. Wir schauen uns nur fragend an: Liegt
diese Einstellung an der argentinischen Mentalität oder
an Marios Persönlichkeit? Von jedem wohl ein bisschen.
Bei dieser Vielseitigkeit vergisst man schnell, dass der
zweifache Vater eigentlich ein Student an der Uni Augsburg ist, wie du und ich. An der Uni ist er in Politik- und
Soziologieveranstaltungen anzutreffen.
Politisches Engagement ist für Mario selbstverständlich. Er ist überzeugter Gegner der Studienbeiträge.
„Wir Studenten gingen damals in Argentinien auf die
22 | Hochschule
Straßen“, erzählt er uns mit leuchtenden Augen. Als
die Regierung Argentiniens in den 90er Jahren erstmals
Studienbeiträge ins Gespräch brachte, leisteten die Studenten gemeinsam mit den Gewerkschaften so heftigen
und organisierten Widerstand, dass das Thema Studienbeiträge bis heute auf Eis liegt.
Ebenso viel Leidenschaft wie er für die Politik aufbringt,
zeigt Mario in der heimischen Küche. Jeden Abend
kocht er für seine Familie und erholt sich dabei von den
Strapazen des Alltags. Denn hier kann der Südamerikaner abschalten: „Kochen ist meine Therapie!“
„Ich werde
Augsburg vermissen!“
Aber nicht nur in der Küche fühlt sich der 34-Jährige
wohl. Besonders Augsburg ist ihm ans Herz gewachsen, er hat hier viele Freunde gewonnen. Darüber ist
Mario sehr froh, denn in Argentinien gibt es aufgrund
der historischen Vergangenheit Deutschlands immer
noch viele Vorurteile über die Deutschen. Mario sagt,
die Deutschen seien im Gegensatz zu den heißblütigen
Argentiniern anfangs etwas kühl. Aber er meint, wenn
man sie besser kennen lerne, bekomme man schnell ein
ganz anderes Bild von ihnen. Gegen Ende des Interviews
verrät er uns noch wehmütig: „Ich werde Augsburg und
die Menschen hier vermissen!“
Warum verlässt unser Super-Mario dann nach drei
Jahren das schöne Augsburg?
Die Antwort ist simpel, er hat große Pläne. In Buenos
Aires will er Karriere machen. Dort hat der Argentinier
ein lukratives Jobangebot, er wird in einer namhaften
Firma als politischer Berater tätig sein.
Inzwischen ist Mario, der „Mensamann“, für uns zu
Mario, dem Familienvater, Seelsorger, Ehemann, Kommilitonen und Allroundtalent geworden. Mit diesem
Eindruck im Gepäck bleibt uns nun einzig „adiós“ zu
sagen, im Namen der Uni und allen, die das Vergnügen
hatten, Mario kennenzulernen. |
Was macht man eigentlich mit...
...Ethik der Textkulturen?
Text: Franziska Obst
D
er Begriff an sich klingt schon
einmal sehr spannend, aber begriffen
hat man ihn beim Lesen noch lange
nicht. Wir haben uns für euch schlau
gemacht und mit einem Absolventen
der ersten Stunde gesprochen.
„Ich hatte das erste Mal das Gefühl,
dass ich wirklich studiere“, erzählt
Christopher Große. Und das will
etwas heißen. Bevor der 29-Jährige
den Studiengang Ethik der Textkulturen für sich entdeckte, hatte er
bereits fünf Jahre Geschichte und
Germanistik auf Gymnasiallehramt
studiert. Er stand genau ein Jahr
vor seinem Abschluss. Da entdeckte
er den Aushang an der Universität.
„Die Beschreibung hörte sich für
mich unglaublich spannend an. Ich
war begeistert von der Verknüpfung
der verschiedenen beteiligten Fachrichtungen wie Theologie, Philosophie und Sprachwissenschaft.“
Über den
Tellerrand schauen
Ethik der Textkulturen richtet sich an
Studierende mit einem hohen Maß an
Engagement und Interesse an eigenverantwortlichem Handeln. Bezeichnend ist die extrem gute Betreuung.
Um jeden Studenten kümmern sich
zwei Mentoren, ein Professor und ein
wissenschaftlicher Mitarbeiter. Jedes
Semester werden nur 15 Bewerber
zugelassen. So bleiben die Gruppen
klein, was sowohl eine enge Beziehung unter den Studierenden schafft
als auch den persönlichen Austausch
mit den Dozenten fördert. Also ein
Studiengang „mit viel Bodenhaftung,
aber einem dennoch höheren Maß
an Intensität während der Themenbearbeitung“, so Große. „Es gibt
keine festgefahrenen Bahnen – die
Studierenden werden dazu angeregt,
aufgeschlossen zu sein und sich selbst
einzubringen.“
Wie so oft gilt:
Praktika und
Eigeninitiative
Der ein oder andere denkt sich nun
sicher: Wo ist der Haken? Das klingt
ja alles zu schön um wahr zu sein.
Und ein kleines Manko gibt es tatsächlich. Nach dem Studium steht
man vor dem gleichen Problem wie
Mehr Informationen findet ihr auf www.uniaugsburg.de/ethik. Auch eine direkte Terminvereinbarung mit Michael Sauter, dem Verantwortlichen für die Koordination und Organisation des
Studiengangs, ist möglich.
E-Mail: [email protected]
Telefon: 0821 598 – 5767
fast jeder Geisteswissenschaftler: bei
der Jobsuche sind vor allem Praktika, Praktika und noch mehr Praktika gefragt. Außerdem stößt man
bei den Bewerbungen oft auf ratlose
Gesichter, wenn es um die Erklärung
geht, was man da eigentlich studiert
hat. „Pluspunkte gewinnt man allerdings dank des Labels Elitenetzwerk
Bayern“, verrät Christopher Große,
„Dieses ist durchaus angesehen und
hat sich auch bayernweit bereits einen Namen gemacht!“
Stipendien ergattern
leicht gemacht
Gute Chancen hat man nach dem
Studium vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Besonders Promotionsstellen und Stipendien dürften
sich leichter ergattern lassen. Aber
auch die Türen in die Welt der Wirtschaft stehen einem durchaus offen.
Dadurch, dass man nicht nur in einer Fachwissenschaft eine Expertise
erworben hat, hat man ein breites
Grundwissen in vielen Bereichen,
was mehr als nützlich sein kann. Ein
innovativer Studiengang also, der
einem später viele Türen in die unterschiedlichsten Richtungen öffnen
kann. „Eine Bereicherung für alle
Studierenden der Universität Augsburg“, so Große abschließend. |
Zw
isch
en
Kin
du
nd
Cam
pus
Tex
t:
Lau
ra A
men
ta &
Mad
elein
e Sc
hus
ter –
Foto
s: Ja
nK
oen
en
F
ür junge Eltern ist es oft schwer,
Studium und Kinder unter einen
Hut zu bekommen. Zwei studierende Eltern haben uns erzählt, wie sie
den Balanceakt zwischen Kind und
Campus meistern.
Kleine Hände, tapsige Beinchen und
große Augen: Mit ihrem süßen Lächeln verzaubert die kleine Mina uns
und ihre Umgebung. Sie ist gerade
einmal elf Monate alt und ihr stolzer
Papa, der 27-jährige Sebastian, studiert an der Uni Augsburg Medien
und Kommunikation.
So wie Sebastian wagen rund
sieben Prozent der Studenten in
Deutschland den Spagat zwischen
Ausbildung und Familienleben. „Am
Anfang war es für mich und meine Freundin eine ziemliche Überraschung, aber schon nach kurzer Zeit
haben wir uns einfach nur auf die
Kleine gefreut“, erinnert sich Sebastian. Viel Zeit, vom Elternglück zu
träumen, bleibt allerdings nicht, denn
ein Studium mit Kind muss bereits im
Vorfeld gut geplant werden.
„Gute Organisation
ist das A und O.“
Eine erste Anlaufstelle ist der psychologische Beratungsdienst b!st am
Studentenwerk Augsburg. Hier steht
Katharina von Saucken-Griebel den
studierenden Eltern mit Rat und Tat
zur Seite. „Zunächst sollte man alle
Informationen sammeln, die man
finden kann, um sie danach auf die
jeweilige Familiensituation zuzuschneidern“, rät sie. Vor allem die
Finanzierung dürfte für viele Eltern
die größte Hürde darstellen. „Man ist
nicht plötzlich arm, nur weil man ein
Kind hat“, meint Sebastian. Doch die
staatlichen Hilfen sind knapp und so
verdienen sich bundesweit mehr als
die Hälfte aller studierenden Eltern
mit einem Nebenjob etwas Geld dazu.
So auch die 22-jährige Christina. Die
Mutter der kleinen Linnéa studiert
an der Uni Augsburg Sprachwissenschaften und jobbt nebenbei als Tutorin in einem Studentenwohnheim.
„Schwanger mit 21, das kann nicht
wahr sein – so etwas passiert doch
immer nur den Anderen!“ Das war
Christinas erster Gedanke, als sie von
der Schwangerschaft erfuhr. Auch
wenn sie anfangs überrascht war, kam
eine Abtreibung nie in Frage. „Natürlich ist es anstrengend und jeder Tag
muss immer genau durchgeplant sein.
Aber die Zeit mit meiner Kleinen entlohnt mich für den ganzen Stress.“
In ihrem Alltag muss Christina
vielen Ansprüchen gerecht werden:
gute Leistungen an der Uni erbringen,
für ihre Tochter da sein und nebenher
noch arbeiten. Daher ist es ihr enorm
wichtig, auch mal Zeit für sich selbst
zu haben. „Wenn die Kleine ab und
zu bei ihrem Papa übernachtet, dann
gehe ich auch gerne mal auf Partys“,
verrät sie uns. Ein Studium mit Kind
ist eben kein Zuckerschlecken, aber
eine Aufgabe, an der Christina gewachsen ist. „Früher war ich sehr
verplant und hab alles auf den letzten Drücker gemacht. Seit die Kleine
da ist, bin ich viel strukturierter und
auch reifer geworden. Gute Organisation ist eben das A und O.“
Kontakt zu anderen
Eltern enorm wichtig
Wie wichtig die Vernetzung mit anderen Eltern ist, weiß Sebastian aus eigener Erfahrung. Deshalb besucht er
einmal im Monat das Elterncafé der
Uni Augsburg. Hier erhält er in ungezwungener Atmosphäre Tipps und
Tricks aus erster Hand, beispielsweise über den kostenslosen Kinderteller
in der Mensa oder über verschiedene Betreuungsmöglichkeiten. In der
Kinderkrippe „Frechdachs“, die sich
direkt am Campus der Uni befindet,
können sich Studentenkinder im Alter bis zu drei Jahren austoben, wäh-
bild links: sebastian, seine freundin und die kleine mina
rend den jungen Eltern im Hörsaal die
Köpfe rauchen. Sebastian bringt die
kleine Mina zweimal pro Woche zur
Krabbelgruppe der „Unibärchen“.
Hier werden zwar hauptsächlich Mitarbeiterkinder der Uni betreut, aber
Kinder von Studierenden sind ebenfalls willkommen. Wer einen Krippenplatz haben möchte, sollte sich
frühzeitig darum bemühen, denn die
zur Verfügung stehenden Plätze sind
genauso begrenzt wie begehrt.
Anders als Sebastian nimmt
Christina keine Betreuungsangebote
der Uni in Anspruch. „Die Betreuung
findet dort meistens nur vormittags
statt und das ist für mich als alleinerziehende Mutter nicht machbar“, erklärt sie. Die passende Lösung ist eine
Tagesmutter, die bei einem zeitlichen
Engpass auch mal spontan einspringen kann. Kommt es in ihrem turbulenten Alltag doch mal zu ungeplanten Zwischenfällen, so stoßen sowohl
Christina als auch Sebastian bei ihren
Professoren stets auf Verständnis.
„Uni-Stress und Nachwuchs unter
einen Hut zu bringen ist eine Herausforderung“, erzählt Sebastian, „aber
mit einer guten Planung ist es auf
jeden Fall möglich. Und wenn man
Hilfe braucht, sucht und will, dann
bekommt man sie an der Uni Augsburg auch.“ |
Hilfe und Tipps zum Thema
„Studieren mit Kind“ in
Augsburg findet ihr hier:
www.studentenwerk-augsburg.de
b!ist Beratungsdienst, Info-Broschüre
„Studieren mit Kind in Augsburg“
www.familien-abiszett.de
Angebote für Eltern in Augsburg
www.kindergruppe-frechdachs.de
Kindergrippe des Studentenwerks Augsburg
www.unibaerchen.de
Kindergrippe, Krabbelgruppe und Ferienbetreuung an der Uni Augsburg
www.uni-augsburg.de/projekte/gendermainstreaming/familienservice
Familienservice der Uni Augsburg
Hochschule | 25
Die verborgenen Flecken der
Uni Augsburg
Text & Fotos: Jan Koenen
Ausweich-Uni mit langer Tradition
Das ist die Uni Augsburg? Nun ja… fast. Auf dem Bild zu sehen ist die
Bibliothek der ehemaligen Universität Dillingen. Während der Reformation hatten die Augsburger Bischöfe den Sitz ihres Hochstifts in diese
malerische Stadt an der Donau verlegt. Seit 1549 wurden daher auch hier
und nicht in Augsburg junge Geistliche ausgebildet. 1923 entstand in den
Räumen der alten Uni Dillingen eine Philosophisch-Theologische Hochschule, die dann schlussendlich 1971 mit allen Lehrenden und Lernenden
nach Augsburg an die neu gegründete Universität verlegt wurde.
Nach einigen Semestern glaubt man die Uni genau zu kennen. Und doch gibt es noch einige Plätzchen, die wohl noch
nie zuvor ein Student gesehen hat. presstige hat sich auf die
Suche nach den letzten verborgenen Orten gemacht.
Kaltes, klares Wasser
Ist dies das geheime Chemische Institut der Uni
Augsburg? Nein – es ist das Labor der Haustechnik, die damit täglich die Qualität des Trink- und
Kühlwassers für die Mensa überwacht. Ab dem
kommenden Jahr wird aber auch hier alles anders: Mit dem aufwendigen Umbau der Mensa
geht auch eine umfassende Modernisierung der
Technik einher.
Ist hier ein Arzt im Saal?
Obwohl dieser Hörsaal täglich gut besucht ist –
zur Uni Augsburg gehört auch er nicht. Gebaut
wurde er 1982 und befindet sich im ursprünglich
als Uniklinik geplantem Klinikum Augsburg. Genutzt wird er bis heute für interne und externe
Vorträge und Veranstaltungen und bietet rund
200 Zuhörern Platz. Vor kurzem besuchte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer Augsburg
und verewigte sich ausdrucksstark im Goldenen
Buch: „Die Uni-Klinik kommt!!!“. Wie das aber
realisiert werden soll, ist bisher unklar.
Six Feet Under
Der Weg von der Tram-Haltestelle bis zum Hörsaal-Zentrum – nur ein paar Meter tiefer. Hier
verlaufen, wie überall unter den frühen Gebäuden der Uni, sogenannte Energiekanäle. Was
etwas esoterisch klingt, beherbergt die Strom-,
Gas- und Wasserleitungen für die einzelnen Fakultäten. Besonderer Blickfang an der Wand:
Eine Bleistiftzeichnung, wohl noch aus den Baujahren der Uni, mit dem Titel „Trink ´mehr noch
a Tröpfle“. Wenn das mal keine Auswirkungen
auf die Bauqualität hatte.
Kein Zutritt!
Und noch eine Bibliothek, dieses Mal aber wirklich in Augsburg. Zu sehen ist eines der Magazine in der Zentralbibliothek – ein Ort also, wo
die wirklichen Schätze lagern. Als Student wird
man diese Räume wohl nie zu sehen bekommen.
Über den OPAC sind die meisten der Werke aber
bestellbar.
Hochschule | 27
NGSG
BEGRÜSSU
ESCHENK:
IN
R GUTSCHE
HAPPY HOU
TS48LX
*
* Gültig bis 30.11.09. Versand erfolgt nach der Aktion. Einzulösen auf www.sausalitos.de
Neu seit Oktober in der Maximilianstr. 37 in Augsburg
Tel. 0821. 319 70 05 • www.sausalitos.de
Moin, Moin: Die Inselbotin
Praktikum bei der kleinsten Zeitung Deutschlands
Text: Kete Shabani – Illustration: Christoph Kückner
S
piekeroog wer und wo? Wie mag
wohl der Alltag einer Redakteurin
auf einer der ostfriesischen Inseln
aussehen?
Von Spiekeroog hatte ich nur zufällig einmal etwas gehört. Irgendwo im
Norden sollte die kleine und schwer
auszusprechende Insel, Nachbarin
von Wangerooge und Langeoog, liegen. Sie ist eine der sieben ostfriesischen Inseln und ein wahrer Touristenmagnet. Jährlich kommen zu den
rund 800 Einwohnern noch über
80.000 Touristen – mit mehr als einer halben Million Übernachtungen
– hinzu. Mitten drin: ich als einzige
Redakteurin beim „spiekerooger
inselboten“. So heißt sie, die wohl
kleinste Zeitung Deutschlands mit
einer Auflage von 1.500 Exemplaren
und einem einzigen festen Mitarbeiter – dem Chefredakteur selbst, der
gleichzeitig Fotograf und Anzeigenund Vertriebsleiter ist.
Erst das Vergnügen,
dann das Vergnügen...
Mein erster Arbeitstag könnte märchenhafter nicht anfangen: ausschlafen! Dann folgt der erste Termin, der
natürlich am Strand auf mich wartet.
Eine Reportage über die neue Kindererlebnistour mit einer Theaterschauspielerin, dem Inselstar schlechthin.
Fotos machen, Interviews, Notizen,
Notizen, Notizen. Nach nur einigen
Stunden steht die Reportage. Es folgt
erst einmal ausruhen. Am Strand, mit
Ipod und Sonnenbrille bewaffnet,
schaue ich Ebbe und Flut bei ihrer
täglichen Arbeit zu. Abends im Watt
wandern, Füße in den nassen Sand
pressen, Traumdünen – Arbeit auf
spiekeroogisch. Die nächsten Tage
sind vom Arbeitspensum ähnlich.
Eine Bauchtänzerinnenshow hier, eine
Opernaufführung mit weltberühmten Sängern auf der eigens hierfür
aufwändig inszenierten Hafenbühne
da. Pressekonferenzen mit über die
deutschen Grenzen hinaus bekannten
Theater- und Operngrößen, Porträts
von wichtigen und interessanten Insulanern, Reportagen über Sonne,
Meer und drumherum – vom kulturellen und journalistischen Output
der kleinen Insel bin ich überrascht.
Gestatten: Das Vakuum
Doch auch wenn die Insel keineswegs
ein abgeschottetes Eiland ist: Mein
Anfangsgefühl sollte sich bestätigen,
denn schon meine erste Nacht verlief
ruhig. Zu ruhig. In Augsburg noch
das schmückende Tuten der Züge an
der Morellstraße als Geräuschkulisse,
ist die Insel-Akustik eine Verblüffung.
Die Fenster stehen offen. Ich zucke im
Halbschlaf zusammen. Mir geht eine
Frage durch den Kopf: Bin ich im Vakuum? Auf der autofreien Insel gibt
es keine störenden Geräusche von
hupenden, quietschenden, bremsenden Autos. Keine schreienden Kinder.
Keine Hip-Hop-hörenden Nachbarn.
Wer die Welt vergessen möchte, findet hier einen Ort der Ruhe und Gelassenheit. Doch genau hier liegt mein
eigentliches Dilemma: Ich will die
Welt gar nicht vergessen…
Morgens trifft mein Blick auf
grasende Pferde direkt vor dem Badezimmerfenster – duschen unter
Beobachtung von Isländern, ein
befremdlicher Gedanke. Im Schwabenländle noch jagte mich Herr
Bachelor selbst nachts in meinen
Träumen durch die Uni-Gänge und
warf mit Deadlines und Hausarbeiten nach mir. Auf Spiekeroog bin ich
verwundert darüber, dass ich ob der
Stille und Ruhe eben verwundert bin.
Für Stille, so scheint es, braucht der
moderne Großstadtmensch eine Gebrauchsanleitung. Die habe ich aber
anscheinend in Augsburg zurückgelassen, meine Geduld mit kleinen,
putzigen Inseln schwindet nämlich
allmählich. Denn auch die Häuser
im Dorfkern stehen wie Seiten aus
einem Bilderbuch nebeneinander.
Alles ist so perfekt, dass ich nur auf
vorgezeichneten Wegen gehe, um keinen Grashalm tot zu treten. Selbst für
die kleinsten Staubkörner suche ich
Mülltonnen auf, um die Idylle nicht
zu beschmutzen. Gebt mir bunte
Stifte, ich möchte den schneeweißen
und unberührten Bänken Pleasantvilles ein wenig Leben einhauchen, ich
möchte Grashalme sterben sehen, ich
möchte ein Loch in die Stille schreien:
Nebenwirkungen einer Traumidylle.
Sind das Vögel? Echte?
Ich leg auf!
Abends bei einem meiner stundenlangen Spaziergänge am Westende
der Insel (Kitschsonnenuntergänge
inklusive) klage ich einer Freundin
mein Leid, das das eingepflanzte Großstadtsyndrom in mir verursacht. „Du bist verrückt. Das
klingt doch nach etwas, worüber
sich jeder andere freuen würde!“,
keift mich Sonja über die Leitung
von Nürnberg auf die Nordsee an.
Stimmt auch – in der Theorie: Ein
Praktikum mit einem gelassenen
Chef, seinen zwei quirligen Töchtern und jeder Menge Kultur- und
Naturangebot ist objektiv betrachtet sicher beneidenswert. Bevor ich
aber antworten kann, schreit sie
ungläubig in mein Ohr: „Höre ich
da Vögel im Hintergrund bei dir?
Echte Vögel? Tausende, Abermillionen davon? Das wird mir zu idyllisch hier. Ich glaub ich muss auflegen!“ Ich bin erleichtert. Ich bin
doch nicht die einzige, die „wahre
Natur“ mit all ihren Schönheiten
nicht zu schätzen weiß. Und auch
wenn mir meine eigentliche Arbeit
sehr viel Spaß gemacht hat – um das
Schreiben geht es bei diesem Praktikum nur am Rande. Die Eindrücke,
die man in der großzügig bemessenen Freizeit sammelt, überwiegen.
Und für die muss man Naturfreund
oder Liebhaber ostfriesischer Architektur sein. Großstadtmenschen wie
ich bekommen da schnell einen Inselkoller.
Nach zwei Wochen heißt es dann
auch endlich: Auf in den Zug nach
Augsburg! Elf Stunden Fahrt, gefühlte tausend- und reale siebenmal
umsteigen, fünf Minuten Umsteigezeit, Riesenkoffer: nur kleine Opfer,
um in eine geliebte große Stadt zurück zu kehren. |
Bereit für ein Unternehmen, das keine Einzelkämpfer kennt?
Wir bieten Dir nicht nur eine große Vielfalt an Traineeprogrammen. Sondern auch den Platz in einem
erfolgreichen Team, das zusammenhält. Und das Dir genügend Freiraum bietet, um Dich optimal zu entfalten.
Denn wir setzen großes Vertrauen in unsere Nachwuchskräfte. Du denkst, das klingt nicht nach Bank?
Entdecke die neue Commerzbank: www.commerzbank.de/karriere
che
i
l
n
ö
s
per t u n g
s
a
l
u
Pa
era
b
l
a
n
Perso
#5
Paulas großes
Lexikon der Arbeit
Damit ihr nicht gar so unbeleckt in den Berufsalltag starten
müsst, bringt euch Paula das A bis Z der Arbeitswelt näher.
In dieser Ausgabe widmen wir uns der zweiten Hälfte des Alphabets.
Redaktion: Michael Sentef – Illustration: Christoph Kückner
No Go, das: Dinge, die es unbedingt zu vermeiden gilt,
gibt es so einige: Von der Knoblauch- oder gar Alkoholfahne über unangemessene Kleidung bis hin zu unternehmensschädigendem Verhalten. Sich zu Beginn
des neuen Jobs ruhig zu verhalten, die Kollegen und
Vorgesetzten zu beobachten und dann mit gesunden
Menschenverstand an die Sache herangehen, hilft.
Oh Gott, es ist erst Diens|tag: Beliebter Ausruf bei
Mitarbeitern, wenn die Wochenend-Entspannung
(→Yoga) gerade dahin und am Ende der Entspannung noch so viel Woche übrig ist. Was hilft? →Motivation.
Pri|vat|es am Ar|beits|platz: Hat dort nichts zu suchen. Ausnahmen werden euch rechtzeitig bekannt
gegeben. Haltet euch im Zweifel besser an eine strikte
Trennung, dann kann euch nichts passieren.
32 | Karriere
Qua|li|täts|stan|dards, die: Heißen neudeutsch
auch „Best Practices“. Nachzulesen im →Wissensmanagement. Ist man kein →Ja-Sager, dann
bringt man vielleicht Vorschläge zur Verbesserung der
Arbeitsprozesse ein. Traut euch ruhig, aber wahrt den
guten →Umgangston.
Team, das: Akronym für „Toll, Ein Anderer Macht’s!“
Wird häufig vor Wörter wie „-bildung“ (was nichts
mit Wissen oder Intelligenz zu tun hat), „-work“,
„-meeting“, „-konflikt“ oder „-fähigkeit“ gestellt. Oft
gilt: Wer betont, was er hat, dem fehlt es meist genau
daran.
Rech|te, die: Auch wenn der Volksmund manchmal
Anderes behauptet, habt ihr als Arbeitnehmer nicht
nur Pflichten, sondern auch Rechte. Entsprechende
Regelungen finden sich unter anderem in folgenden
Gesetzestexten: ArbZG (Arbeitszeitgesetz), KSchG
(Kündigungsschutzgesetz), ArbSchuG (Arbeitsschutzgesetz), MuSchG (Mutterschutzgesetz), EntgFG (Entgeltfortzahlungsgesetz), BUrlG (Bundesurlaubsgesetz).
Um|gangs|ton, der: Ein respektvoller, offener Umgangston sollte nicht nur im Privatleben, sondern
auch im Berufsalltag selbstverständlich sein. Und auch
wenn Kollegen allzu flapsig werden – auf der sicheren
Seite seid ihr, wenn ihr euch nicht an Lästereien und
dergleichen beteiligt.
Schu|lung, die: Dient vordergründig dazu, neues
Wissen zu vermitteln bzw. neue Mitarbeiter in die
Geheimnisse und Gepflogenheiten des Unternehmens einzuführen. Kann manchmal als reine „Kaffeeklatschrunde“ missbraucht werden oder für ausgedehnte Besäufnisse auf Firmenkosten (→Hotelbar,
→Initiationsriten). Außerdem kann keiner mehr
behaupten, er wisse etwas nicht, wenn er dafür eine
Schulung besucht hat.
Welcher Beruf passt zu mir?
Beim Jobtalk am Montag hat er
erfahren, was man mit seinem
Studienfach alles werden kann.
Ver|trau|ens|ar|beits|zeit, die: →Depp vom
Dienst. Wird gern bei (aus eigener Sicht) hippen,
modernen Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche verwendet. Bedeutet, dass ihr kommen und gehen könnt, wann ihr wollt, nur die Arbeit muss erledigt sein. Der Effekt: Man arbeitet wesentlich mehr,
bekommt keine Überstunden gut geschrieben und
muss sich das Vertrauen in die Vertrauensarbeitszeit
(→Chef) hart erkämpfen. Wenn die Vertrauensarbeitszeit funktioniert, sorgt sie für viele Freiheiten und
mehr Spaß bei der Arbeit. >>
Welche Zusatzqualifikationen
sind sinnvoll und wie kann
ich sie erwerben?
Sie hat sich auf der Internetseite des Career Service
informiert und sich gleich für
zwei Trainings zum Thema
Projektmanagement und
Moderation angemeldet.
Career Service:
Wir machen dich fit für den Sprung ins Berufsleben!
www.uni-augsburg.de/career-service
Wo kann ich frühzeitig
Kontakte zu Arbeitgebern
knüpfen?
Auf einer Exkursion ist er mit
der Personalerin des besuchten
Unternehmens ins Gespräch
gekommen – und hat seinen
Praktikumsplatz sicher!
Wie bewerbe ich
mich richtig?
Er war zur Beratung im Career
Service – und weiß jetzt, wie
das perfekte Anschreiben
aussieht!
Universität Augsburg
Career Service
Wis|sens|ma|nage|ment, das: Fast jedes Unternehmen verfügt heutzutage über ein mehr oder weniger
gutes Wissensmanagement. Es ist meist über das jeweilige Intranet verfügbar und für alle Mitarbeiter
zugänglich. Die Umsetzung kann vielfältig aussehen
(Wikis, Datenbank, Intranetartikel). Grundsätzlich ist
dies eine der besten Möglichkeiten, →Langeweile
sinnvoll zu überbrücken und sich auch schnell Wissen
über den neuen Job anzueignen.
XING: Die Welt ist flach – dank XING wird auch das
Netzwerken immer einfacher. Kleiner europäischer
Bruder der amerikanischen Variante LinkedIn. Kann
genutzt werden, um nach Praktika Kontakt zu halten
und bei der Jobsuche wieder aufleben zu lassen. Außerdem nützlich für alle, die wissen wollen, was die
früheren Bekannten aus Schulklasse, Sportverein und
Hörsaal mittlerweile so treiben.
Yo|ga, das: „Wer viel arbeitet, muss auch viel Freizeit
haben“, sprach schon der Moraltheologe und Unternehmensethiker Professor Thomas W. Schwartz. Wer
wegen der →Vertrauensarbeitszeit wenig Freizeit hat, sollte diese gezielt zur Entspannung nutzen
und dafür sind die geistigen und körperlichen YogaÜbungen gerade richtig. Sich nur mal schnell vor
dem Bildschirm zu strecken, bis jeder einzelne Wirbel
einmal geknackst hat, ist dagegen kein ausreichendes
Entspannungstool.
Ziel|ver|ein|ba|rung, die: Wird mit dem Vorgesetzten besprochen, meist im Rahmen von Mitarbeitergesprächen (→Feedback). Können arbeitsrechtlich
relevant werden, wenn es um die Nichterfüllung geht.
Achtet also darauf, was genau ihr unterschreibt. Hat
auch immer etwas Gutes, da man als Mitarbeiter
weiß, was erwartet wird, und ebenso wie der Arbeitgeber im Zweifel darauf pochen kann (→Gehaltsverhandlung).
//////////////////////////////////////////
Neu|gier, die: Ihr wollt zu einzelnen Begriffen aus
dem Paula-Lexikon mehr wissen? Oder ihr habt
eine Frage zu Praktikum, Bewerbung, Jobeinstieg?
Die Personalerin Paula beantwortet sie euch gern.
Schreibt an [email protected] |
Karriere | 35
Philosophischer
Denksport
Alles neu macht –
der Herbst
Denker, nicht Dichter, aufgepasst!
Am 22. November findet nun schon
zum dritten Mal der „Philosophy
Slam“ seinen Weg auf die Augsburger Bühnen. Nach dem überragenden Erfolg der letzten beiden
Veranstaltungen muss die Philosophie-Veranstaltung, die an das Prinzip seines geläufigeren großen Bruders „Poetry Slam“ angelehnt ist,
nun schon in größere Räumlichkeiten umziehen. Zu Beginn noch auf
der Bühne des Café Viktors, dürfen
die Hobby-Philosophen diesmal ihre
Texte und Gedanken zu den höheren
Themen des Lebens im Ratskeller
zum Besten geben. Wer nun Lust bekommen hat, am Wettstreit der Gedanken sein philosophisches Können
bzw. Denken unter Beweis zu stellen,
der hat noch bis zum 31. Oktober
Zeit sich zu bewerben. Infos hierzu
und zum Kartenvorverkauf unter
www.philosophy-slam.com.
ks
Für viele Unternehmen gehört es
zum guten Ton, ihrem InternetAuftritt alle paar Jahre einen neuen
Anstrich zu verpassen. Von einem
Relaunch wird da gerne in großen
Tönen gesprochen. Und natürlich ist
danach alles schöner, besser, leichter
zu finden.
Auch in den Gremien unserer
Alma Mater, der Universität Augsburg, hat man sich in der Sommerpause wohl gedacht: „Es ist Zeit!“
und rechtzeitig vor dem Anbruch
des Wintersemesters den eigenen
Online-Campus www.uni-augsburg.
de renoviert. Wer weiß, vielleicht
standen die Baumaßnahmen im PhilBunker dafür Pate.
Wo sich die Startseite bisher in
samtigem Rot präsentierte, das sich
nur in Nuancen vom Crimson-Rot,
der Hausfarbe der Elite-Uni Harvard unterschied, gibt sie sich nun
im kühlen Business-Grau.
Dafür wähnt man sich jetzt richtig international: Auf zur Augsburg
University! Wenn das kein Fortschritt ist…
br
36 | Kultur
Augsburg Rock City
Das Augsburg wirklich rockt, zeigt
die 24. Auflage des legendären „Band
des Jahres“ Wettbewerbs. Der 1986
von der „Neuen-Szene“ und dem
Stadtjugendring Augsburg ins Leben
gerufene Bandwettstreit zählt heute zu den größten und wichtigsten
seiner Art in ganz Süddeutschland.
Schon regionale Größen wie Anajo,
aber auch Chartstürmer wie die Killerpilze nutzten den Wettbewerb als
Sprungbrett in höhere Sphären.
Ihr macht selber Musik und seid
neugierig geworden? Dann ran an die
Gitarren, Bass und Schlagzeug und
zeigt was ihr drauf habt!
Bewertet werden unter anderem
Bühnenpräsenz, Songwriting und
Spieltechnik; wer also filigranes Spiel
mit wildem Headbanging verbinden
kann, ist hier richtig aufgehoben.
Wer sich Band des Jahres 2010
nennen darf, wird ab Oktober in der
Kantine und schließlich beim Finale
am 14. Februar 2010 im Ostwerk
ermittelt.
Die Gewinner können – im wahrsten Sinne des Wortes – „spielend“ interessante Preise abstauben, darunter
eine Produktion im Tonstudio, eine
kleine Tour sowie ein professionelles
Coaching beim Popcollege Augsburg.
mk
musik.
wie
nirgendwo
sonst.
Wer hat Lust auf
„Das harte Brot“?
Ein würfe
Wer neben der Uni gerne etwas
Kultur tanken möchte, kann seinen
Hunger nach Unterhaltung mit dem
Theater-Abonnement stillen und
sich Stücke mit viel versprechenden
Titeln wie „Das harte Brot“ oder
„Waschsalon Wunderlich“ ansehen.
Das Abo gilt für die kommende
Spielzeit vom 14. September 2009
bis Ende Juli 2010 und kostet für
Studenten 55 Euro. Mit diesem Gutscheinheft kann man sich zehn Vorstellungen aus dem Großen Haus,
der Kongresshalle, der Komödie,
dem Hoffmann-Keller und dem Textilmuseum tim aussuchen. Wem zehn
Abende zu viel sind, der kann sich
das Abo „Theater für Fünffuffzig“
noch mit einer zweiten Person teilen,
so dass beide jeweils fünf Vorstellungen ansehen können. Gleichzeitig
hat dies auch den Vorteil, dass es zu
zweit im Theater immer schöner ist.
Weiterer Pluspunkt des Abos: die
Karten sind übertragbar. Habt ihr
euch also für einen Abend bereits
Tickets geholt und wollt dann doch
spontan etwas anderes unternehmen
– kein Problem! Ihr könnt dann einfach eure Freunde ins kulturelle Vergnügen schicken.
Wer dagegen satirische und poetische Kleinkunst dem großen roten
Theatervorhang vorzieht, der kann
an unserem Kabarett-Gewinnspiel
mitmachen. In Kooperation mit der
Kresslesmühle Augsburg verlosen
wir 5x2 Karten für den kommenden Kabarett Herbst 2009. Was
tun? Einfach eine E-Mail im Zeitraum vom 20.10.–20.11.2009 an
[email protected]
– Wohl bekomm's, Kulturfreunde!
el
UKW-Frequenzen:
München
Nürnberg
Augsburg
Würzburg
Regensburg
104,0
103,6
94,8
95,8
107,5
Stream www.egoFM.de
Satellit Astra
Kabel
iPhone
Duden reloaded
Das bedeutende Nachschlagewerk gibt es seit diesem Jahr in neuer Auflage
Text: Manuel Schön – Illustration: Christoph Kückner
D
a ist er nun, der Neue. Seit diesem Jahr kann man
ihn nun endlich in Händen halten. Aber eigentlich sieht
er aus wie immer. Nur ein wenig dicker ist er geworden.
Das verzeihen wir ihm aber gerne, dem neuen Duden,
denn schließlich hat sich seit seinem ersten Erscheinen
vor rund 130 Jahren einiges in der Welt der Wörter getan.
Ein Wort existiert ja eigentlich erst, wenn es sich im Wörterbuch nachschlagen lässt. Deswegen kann man beim
Scrabble auch nur mit den Begriffen Punkten, die auch
im Duden auftauchen. Und das sind mittlerweile stolze
135.000. Ganze 5.000 davon haben es zum ersten Mal
in das Wörterbuch unseres Vertrauens geschafft. 5.000
Wörter – das ist eine ganze Menge und bestimmt mehr,
als mancher Maxstraßenbesucher zu fortgeschrittener
Stunde überhaupt noch kennt. Einige der neu aufgenommenen Worte klingen gerade für studentische Ohren vertraut, der Ersti zum Beispiel, die Fernbeziehung,
vorglühen oder die Campusmaut. Sogar die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren im Duden, denn auch die
Abwrackprämie und die Bad Bank sind mittlerweile vertreten.
Wortsuche per Reparaturanleitung
Aber wie schafft es ein Begriff überhaupt in den Duden?
Wann ist eine Vokabel würdig genug, in das kleine gelbe Standardwerk der Rechtschreibung aufgenommen zu
werden?
Bei dieser Entscheidung hilft der Duden-Redaktion
der Computer. Er durchforstet das Dudenkorpus, eine
Sammlung digitalisierter Texte. Diese Sammlung besteht
aus aktuellen Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, Romanen, Reden und sogar Reparaturanleitungen. Kommt
ein neues Wort über längere Zeit und mit einer gewissen
Häufigkeit und Streuung in den Texten vor, stehen seine
Chancen gar nicht schlecht, sich in der nächsten Aufla-
38 | Kultur
Am 07. Juli 1880 erschien zum ersten Mal Konrad Dudens
„Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“.
Den „Urduden“ des Gymnasialdirektors konnte man für eine Mark
erwerben, damals noch mit 27.000 Wörtern auf 187 Seiten.
ge wiederzufinden. Außerdem wird zusätzlich noch das
Internet nach interessanten Kandidaten durchkämmt.
Die Entscheidung darüber, ob ein Wort tatsächlich aufgenommen wird, trifft am Ende ein Redaktionsteam. Eintagsfliegen haben also schlechte Karten. Sollte man selbst
noch einen Vorschlag haben, dann ruft man einfach die
Duden-Sprachberatung an, so wie es bis zu 200 Menschen täglich tun.
Urcool – der Duden twittert
Der Duden hält sich jung! Steht hinter einem Wort der
Zusatz „früher“ oder „veraltet“, sind seine Tage gezählt. Damit es nicht zu schnell in Vergessenheit gerät,
bekommt es noch eine Gnadenfrist, danach fliegt es raus.
Dieses Schicksal ereilte zum Beispiel die Cochonnerie.
Klingt zwar schön, aber heute sagt man dafür schlicht
und einfach Schweinerei. Auch den Jahrweiser findet
man in der 25. Auflage nicht mehr, genauso wenig den
Genüssling. Manche Begriffe sind eben nicht nur von gestern, sondern sogar von ehegestern. Dafür fällt bei genauerem Hinsehen etwas auf, was Sprachwissenschaftlern
schon länger das Wasser in die Augen schießen lässt: Anglizismen häufen sich. So findet man oft Begriffe, die man
nicht unbedingt im Duden erwartet hätte, wie twittern
oder das It-Girl. Aber nicht nur die englische Sprache,
sondern auch unsere österreichischen Nachbarn bereichern das Vokabular. Ihnen verdankt der Duden das bei
den jungen Österreichern beliebte urcool und so schöne
Verben wie ausschnapsen oder verjankern. Wer wissen
möchte, was genau sich dahinter verbirgt – der neue Duden ist von der Unibibliothek bereits bestellt! |
Willkommen im Wortmuseum
Freier Eintritt und 24 Stunden am Tag geöffnet
Text: Franziska Obst – Illustration: Christoph Kückner
O
der: wie eine Internetseite alten Wörtern neues Leben einhaucht.
Dank www.Wortmuseum.com verschwinden altertümliche Wörter
nicht mehr in der Versenkung.
Im Laufe unseres Lebens lernen wir
eine Vielzahl an Wörtern. Oft beginnt die eigene Sprach-Reise mit
den einfachen Worten Mama und
Papa. Doch schon bald kommen
viele neue hinzu und bereichern
unseren Wortschatz. Aber nicht
nur wir, auch die Welt der Wörter
entwickelt sich stetig weiter. Immer
wieder erscheinen neue Wort-Kreationen auf der Bildfläche und alte,
eingestaubte verschwinden aus unserem Sprachgebrauch. Findet die
Oma zum Beispiel, dass der neue
Freund etwas zuviel bramarbasiert
so denkt ihr vielleicht eher, er prahlt
ein bisschen zu sehr. Oder wird hinter eurem Rücken über euch gesprochen, so waren dies früher keineswegs Gerüchte sondern so genannte
Fama.
Mehr als nur eine
lobesame Idee
Das Prinzip des Wortmuseums ist
wunderbar einfach und unkompli-
ziert. Jede Woche findet man ein
neues oder in diesem Fall eher ein
altes, „vom Aussterben bedrohtes“
Wort, inklusive Bedeutung, online
in der Ausstellung. Nach Ablauf dieser Woche rückt ein anderes Wort
an dessen Stelle und das alte ist von
nun an in der Sammlung zu finden.
So vergrößert sich das virtuelle Museum von Woche zu Woche und auch
der Besucherstrom spricht für sich.
Immer mehr begeisterte User klicken
sich durch die Sammlungen. Tendenz
steigend. Auch ihr seid neugierig geworden? Dann spornstreichst den
Browser geöffnet und hereinspaziert
ins Wortmuseum. |
40 | Kultur
Von allen guten
Geistern verlassen
Gruseln für Anfänger: Halloween-Ursprung und
Partytipps für die Nacht der Geister und Untoten.
Text: Elisabeth Lehmann & Kathrin Unsöld – Fotos: Charlotte Triebus & Kathrin Unsöld
D
amit auch eure Halloween-Nacht ein schauderhaft schönes Erlebnis wird, liefern wir euch das
nötige Wissen, um die süße Hexe oder den heißen Zombie neben euch zu beeindrucken. Wie feiert man die beste Party in der Nacht der Nächte?
Unsere Partytipps verraten es euch.
Den Ursprung Halloweens vermutet man bei den Kelten
und schon sie wussten vor 5.000 Jahren, wie man ein richtiges Fest feiert. Alljährlich zelebrierten sie am 31. Oktober das Fest des Samhains, das Ende des Sommers und
der letzte Tag im keltischen Kalender. Zur Beschwichtigung und Abwehr böser Geister und toter Seelen brachten die Menschen an Samhain Opfergaben dar, entzündeten Feuer, behängten sich mit Fellen und schmückten sich
mit fratzenhaften Masken.
Süßes oder Saures?
Als Totenfeier verbreitete sich die Tradition besonders
im heutigen Irland. Für die Armen entstand zudem der
Brauch von Tür zu Tür zu gehen und sich Gaben zu erbitten. Später griffen Kinder diese Sitte auf – bis heute
fordern sie „Süßes oder Saures“.
Heute spricht man am letzten Oktobertag natürlich
nicht mehr vom Fest Samhain, sondern von Halloween.
Seinen Namen verdankt Halloween der Einführung der
christlichen Feiertage, denn so wurde der 31. Oktober
zum Vorabend von Allerheiligen, auf Englisch „All Hallowed Evening“, was später zu Halloween verkürzt wurde. >>
Schocktails
(Zutaten jeweils für ein Glas)
High Noon:
Eiweiß
Zucker
2 cl Campari
2 cl weißer Rum
10 cl kalter Blutorangensaft
Zunächst den Rand eines Longdrinkglases
in Eiweiß und anschließend in Zucker tauchen. Den Zuckerrand kurz trocknen lassen
und dann das Glas mit Campari, weißem
Rum und Blutorangensaft füllen.
Hexen -Trank:
2 EL roter Wodka-Likör
1 EL Limettensaft
100 ml gut gekühltes rotes Erfrischungsgetränk mit Beerengeschmack
2 grüne Eiswürfel (mit Lebensmittelfarbe
gefärbt)
Limettenscheibe und Weingummischlange
zur Dekoration
Wodka-Likör, Limettensaft und Erfrischungsgetränk in ein Glas füllen, die Eiswürfel dazu geben und nach Belieben dekorieren.
Zombie-Cocktail:
25 ml Orangensaft
25 ml Blue Curaçao
Saft einer halben ausgepressten Zitrone
75 ml Ananassaft
Brauner Zucker
Rote Lebensmittelfarbe
Orangensaft, Blue Curaçao, Zitronen- und
Ananassaft in einem Cocktailmixer vermischen. Nach Belieben mit braunem Zucker
süßen. Die Cocktailgläser in mit Lebensmittel gefärbten roten Zuckerguss tunken und
schön blutrünstig anrichten.
Kultur | 41
Schauderhaft schöne Deko-Ideen
Blutkerzen:
Mehrere langstielige weiße Kerzen mit rotem Kerzenwachs beträufeln.
Fürchterliche Fratzen:
Zierkürbisse oder Orangen aushöhlen, gruselige Gesichter hineinschneiden und mit einem Teelicht ausleuchten.
Grausiges Krabbeln:
Milchreiskörner und Schokoraspeln zum Beispiel beim Buffet verstreuen, erinnert an Maden und
andere Insekten.
Spiegel des Schreckens:
Großen Spiegel aufstellen und zum Beispiel mit Ketchup allerlei Blutrünstiges darauf schreiben.
Wie aus Rüben
Kürbisse wurden
Doch die Antwort darauf, warum
wir heutzutage an Halloween einen
unschuldigen Kürbis aufschlitzen
und ihn massakriert vor unserem
Haus anzünden, finden wir hierin
noch nicht.
Dies haben wir dem Schlitzohr
Jack O’Lantern zu verdanken. Einer
Legende zu Folge überlistete dieser
an Halloween den Teufel, entging
dadurch nach seinem Tode zwar der
Hölle, doch muss er fortan in einer
Zwischenwelt wandeln, da ihm auch
der Zugang zum Himmel versagt
wurde. In der Zwischenwelt gefangen, leuchtet sich Jack seitdem seinen Weg mit einem glühenden Span
42 | Kultur
des Höllenfeuers, den er in einer ausgehöhlten Rübe aufbewahrt.
Ausgehend von dieser Legende
entwickelte sich in Irland die Tradition, an Halloween ausgehöhlte
und mit Fratzen verzierte Rüben vor
den Häusern aufzustellen. Als immer
mehr Iren nach Nordamerika auswanderten, verbreiteten sich dort die
Traditionen Halloweens. Da Rüben
knapp waren, wurden fortan Kürbisse ausgehöhlt und beleuchtet.
Als eines der beliebtesten Feste
der Nordamerikaner fand Halloween zu Beginn der 90er Jahre seinen Weg zurück nach Europa und so
können auch wir uns am 31. Oktober verkleiden, gruseln, ekeln oder
von hübschen Geistern und Vampiren verhexen lassen. |
Zum Anbeißen
Spinnennetzkuchen:
Einen Biskuitteig in einer runden Springform abbacken und auskühlen lassen. 4 Eigelb und 170
Gramm Zucker schaumig schlagen. 170 Gramm weiche Butter dazugeben und zu einer glatten Masse
verarbeiten. Grüne Lebensmittelfarbe hinzufügen und den Biskuitboden mit grüner Buttercreme bedecken. Schokolade in einem Wasserbad erwärmen und in eine Plastiktüte füllen. Eine Ecke der Tüte
minimal abschneiden und mit der selbstgebastelten Tülle ein Spinnennetz auf den Kuchen spritzen. Bei
großem Talent kann auch eine Spinne gemalt werden.
Süße Gebeine:
Biskuit backen, Stücke in Knochenform herausschneiden und anschließend mit weißem Zuckerguss überziehen.
Augen in Eiter:
Blaue Weintrauben in entsteinte Dosenlitschis stecken. Die gefüllten Litschis anschließend bis zur Hälfte in frisch
gekochtem Vanillepudding versenken und alles mit etwas Himbeersaft garnieren.
Eiskaltes Händchen:
Einen Einmalhandschuh mit Götterspeise füllen, im Kühlschrank gut kühlen und anschließend den Handschuh
entfernen. Die Hand aus Götterspeise mit Gummiwürmern auf einem Teller anrichten.
Insekteneiswürfel:
Rosinen, Gummiwürmer oder Plastikkäfer und Wasser in ein Eiswürfelfach geben und einfrieren. Man kann
auch rote Lebensmittelfarbe hinzufügen, um es blutiger wirken zu lassen.
Blutige Finger:
Aus einem Mürbeteig ein Zentimeter dicke Rollen formen und in der Mitte zweimal einschneiden, um das Gelenk anzudeuten. Nach dem Backen den vorderen Teil der Rolle in mit Lebensmittel gefärbten roten Zuckerguss
eintauchen und vorne ein Mandelblatt als Fingernagel kleben.
Original italienische Spezialitäten
Die Empfehlung im Uni-Viertel:
Seit 10 Jahren italienische Gastlichkeit und einzigartiger
Service direkt am Europa-Platz
Entdecken auch Sie die einmalige Kombination aus
Genuss und Leidenschaft: Im Ristorante “Il Porcino”
verbindet sich die ganze Vielfalt italienischer Kochkunst mit höchster Qualität. Erleben Sie die Freude
und Unbeschwertheit der berühmten Küche der Romagna, dem kulinarischen Himmelreich Italiens!
Alle Gerichte auch zum Mitnehmen!
Ristorante Pizzeria
Salomon-Idler-Straße 24b
86159 Augsburg
Tel. 0821 / 59 28 63 - 57 61 98
Rock’n’Roll
und Minibomben
Spieglein, Spieglein an der Wand...
Spiegel selber machen, hört sich erst einmal extrem anstrengend und genauso teuer an wie gekauft. Aber hat man es einmal gemacht, will man gar
nicht mehr aufhören. Im Bauhaus gibt es Styroporvorlagen (stuckartig), die
man nach eigenem Belieben ansprayen kann und auf seinen nackten Spiegel
klebt, um nostalgische Stimmung im Schlafzimmer zu erzeugen. Auch mit
Spiegelfliesen lässt sich ein großer Spiegel herstellen, indem man sie je nach
kreativer Laune auf ein bemaltes, beklebtes oder anderweitig verschönertes
Holzbrett anbringt.
Kreative und lustige
Wohnideen für
wenig Geld
Text & Fotos: Natalie Stanczak
Omas Schatztruhe
Auch alte Möbel vom Sperrmüll oder Omas Dachboden lassen sich auf geniale Weise wieder verwenden. Mit neuen Schubladenknöpfen sieht das
kleine Schränkchen schon viel individueller aus.
„Als mir mein Freund welche aus Spanien mitge-
Handyfotos & Graffitis
bracht hat, wurde er sogar vom Zoll angehalten,
Eine andere Idee sind Fotocollagen oder großformatige Fotos, die man im Internet für wenig Geld er-
weil sie dachten es wären kleine Minibomben.“
beuten kann (zum Beispiel in Drogeriemärkten oder Online- Fachfotogeschäften wie www.whitewall.
erinnert sich Bettina (Diplom-Pädagogik, 24).
de). Motive müssen nicht immer ausgefallen sein, auch Handyfotos sind ein echter Hingucker. Stöbert
Aber auch auf Flohmärkten (zum Beispiel
man etwas in Zeitschriften (zum Beispiel Juice-Graffitis) oder Kunstmagazinen, kann man auch dort
großer Flohmarkt in München Theresienwiese
schöne, kreative Bilder finden. Ausgedruckte Graffitis auf Leinwände kleben oder Riesenposter erstel-
im April) oder im Contact (Soziale Einrichtung in
len kann man qualitativ hochwertig und günstig unter anderem im Copyshop.
der Friedbergerstraße) fand Bettina einige lustige,
Wer sich eine Pinnwand ins Zimmer zaubern möchte, bastelt sich einfach eine Tafel. Beim Bau-
gebrauchte Sachen, die sie in ihrem Zimmer auf
markt Wandlack besorgen und ein Stück Brett damit bestreichen und dann als Terminkalender oder
neue Weise verwerten konnte.
Kritzeltafel ab an die Tür oder Wand.
44 | Kultur
Treue Weggefährten
Frauen lieben Schuhe und warum sollten sie das
nicht auch zeigen? Alte Lieblingsschuhe gehören
nicht in den Müll sondern an die Wand, meint Nicole (Grafik-Design, 24). „Die Idee hab ich einem
Kumpel geklaut, als wir damals zusammen gewohnt haben. Einfach einen Nagel durch das erste
Loch beim Schnürsenkel und ab an die Wand.“
Mit seinen treuen Weggefährten wird so die ein
oder andere Erinnerung im Wohnzimmer wach.
Wer seine Wände nicht bemalen möchte,
kann auch seine Schränke als Unterlage für Kunstwerke benutzen. So gibt es zum Beispiel Schränke,
die extra so gebaut sind, dass man sein Foto oder
Kunstwerk gleich hineinschieben kann (unter anderem bei Segmüller).
Einfach mal Papa fragen
Seinen Schmuck kann man kreativ zur Schau
stellen, indem man Gitter an der Wand anbringt
und die Ohrringe und Ketten daran befestigt. Ein
paar Metallstäbe beim Baumarkt besorgen und
mit einem Lötkolben zusammenlöten. Einfach
mal Papa fragen… Nicht nur praktisch, sondern
eben auch hübsch anzusehen.
Ein kleines Paradies
Auch auf wenigen Quadratmetern lässt sich ein
kleines Paradies erschaffen. „Die Pflanzen hab
ich vom Baumarkt, da sind sie am günstigsten
und die wunderschönen Blumensträuße habe ich
selbst gepflückt“, erzählt Bettina.
Auch die Küche ist voller schöner Details.
„Die Gewürzgläser habe ich mit Windowcolor
beschriftet und die Gewürze selbst in einem Teeladen erworben, da sind sie viel günstiger als im
Rock’n’Roll, Baby
Supermarkt.“
Was kann man tun, damit sein Flur zu einem Stück Musikgeschichte wird?
Im Rahmen
Jonny Cash und Elvis als ein Meter hohes Wandgemälde sind ein echter
Man muss nicht unbedingt gläubig sein, um sich Jesus in die Wohnung zu
Hingucker.
holen. „Die Jesusbilder hat meine Mitbewohnerin beim Contact gekauft
Man muss nicht mal selbst kreativ werden, wenn man so tolle Freun-
und dann noch einige künstliche Blumen aus einem türkischen Laden –
de hat wie Katharina (Lehramt Realschule, 23). „Solange meine Freundin
sonst alles in Rosa. Übelst kitschig, aber auch genauso lustig!“, sagt Bettina.
gezeichnet hat, hab ich ihr als Gegenleistung immer Live-Musik geboten.“
Kitsch findet heutzutage wieder mehr Verehrer und kann, wenn es in Maßen
Solche Wandgemälde sind aber auch ohne Unterstützung zu schaffen.
Mit Photoshop ein Negativ erstellen, ausdrucken, Musterschablone aus-
angewendet ist, auch richtig gut aussehen, wie man an Bettinas Bad sehen
kann (zum Beispiel auch im Internet unter www.kitschmafia.de).
schneiden und an die Wand damit. Man kann das Motiv aber auch mit
einem Projektor an die Wand projizieren. Am besten wäre, das Bild auf eine
Tapete zu malen, dann kann man es immer, auch bei Umzug, mitnehmen.
Ihre Vorliebe für den Lebensstil der 60er und 70er lebt Katharina auch
durch viele kleine Accessoires aus. Magnete am Boiler, Motorraduhren in der
Küche und das ultimative Mini-Juke-Box-Radio vom Mediamarkt.
Mit nur einfachen Handgriffen und ein wenig Lust auf
Basteln kann man sich in kürzester Zeit eine noch gemütlichere Wohnung schaffen.
Also überlegst du noch oder bastelst du schon? |
Kultur | 45
EURE
FILMCHARTS
Text & Fotos: Rosina Obermayer & Johann Rhee
Verena, Lehramt Englisch und
Geschichte, 10. Semester, 24 Jahre
„Ganz klar: mir ist an Filmen eine gute
Sandra, HauptschulLehramt, 8. Semester, 22 Jahre
„Ich stehe auf alternative Filme, die mich
Storyline wichtig! Außerdem sollen im Verlauf
„Ich gucke eigentlich nicht so viele Filme, aber
überraschen. Bollywood- oder Hollywood-
der Handlung überraschende Dinge geschehen
wenn, dann sind es Tanzfilme. Ich tanze schon
Filme begeistern mich dagegen nicht. Ein Film
und das Ende nicht vorhersehbar sein. Eine
seit ich sechs bin und kann mich total fürs
soll authentisch sein und ein interessantes
schlechte Storyline wäre etwas, wie es bei den
Tanzen begeistern. Wenn ich einen Lieblingsfilm
Thema behandeln. Authentisch finde ich Juno,
meisten Liebesfilmen und Komödien vorkommt.
nennen müsste, dann würde ich Save the Last
der mich auch deshalb interessiert, weil in
Auf Platz eins kommt bei mir Butterfly Effect,
Dance wählen, weil hier alles stimmt: Gute
England minderjährige Schwangere ein richtiges
weil es vom Handlungsablauf so etwas noch
Schauspieler, gute Geschichte und tolle Tänze.
Problem sind. Ebenso verrückt wie auch
nie vorher gegeben hat und die Schauspieler
Als zweites Dirty Dancing: das ist einfach ein
realistisch ist Robert Zimmermann wundert
einfach klasse sind. Bei Fight Club fasziniert
Klassiker. Ich finde es fast schon eine ‚Bildungs-
sich über die Liebe. Vor allem der Soundtrack
mich die gelungene Mischung aus guter Action
lücke’, wenn man den nicht kennt. Step up to
dazu ist super. An Big Fish finde ich faszinie-
und spannender Story. Den Film Schule, den
the Streets ist auch ein toller Film, weil mich
rend, wie die Grenzen zwischen eigener und
ich nur weiter empfehlen kann, mag ich wegen
dort die Tanzschritte begeistern und – wie bei
fremder Wahrnehmung verschwimmen.“
der guten deutschen Schauspieler und der
den anderen Filmen auch – inspirieren.“
1
2
Jonas, Jura, 2. Semester, 21 Jahre
3
coolen – drei Mal dürft ihr raten – Storyline!“
Joachim, Lehramt Englisch und
Geschichte, 12. Semester, 26 Jahre
Sebastian, Geographie,
10. Semester, 25 Jahre
Bettina, Bachelor Spanisch
und VWL, 2. Semester, 22 Jahre
„Die Story und die Authentizität eines Filmes
„Mir ist bei Filmen vor allem eine gute
„Was mich bei Filmen ansprechen muss, ist
finde ich sehr wichtig und auch, dass er eine
Handlung wichtig, worunter ich zum Beispiel
vor allem das Thema. Garden State hat zu
gewisse Bescheidenheit hat. Das Thema muss
ein unvorhersehbares Ende verstehe. Bei
dem interessanten Thema noch einen tollen
mich auch interessieren. Einen besonderen
Fight Club ist dies zum Beispiel der Fall, wo
Soundtrack und den traumhaften Schauspieler
Charme hat zum Beispiel Der Engländer, der
sich am Ende die ganze Geschichte noch mal
Zach Braff. Er spielt so authentisch, dass ich
auf einen Hügel stieg und von einem Berg
wendet. Hangover gefällt mir, weil das nicht
ihm sofort glaube, was er verkörpert. Zu Fight
herunterkam. Bei Das Experiment dagegen
so ein amerikanischer Liebeskomödien-Humor
Club kann ich nur sagen, dass ich ihn einfach
habe ich während und sogar nach dem Schauen
ist, sondern einer, den ich mag. Auf Platz
geil finde. Man muss diesen Film gesehen
noch darüber nachgedacht. Er hat mich dazu
drei kommt bei mir Blow, weil ich die Bilder
haben, um das zu verstehen.Wer früher stirbt,
gebracht, über mich selbst zu reflektieren. Es hat
sehr schön finde und der Soundtrack gut ist.
ist länger tot finde ich total lustig und habe ihn
schon seinen Grund, dass er selbst jetzt noch
Außerdem beruht er auf einer wahren Bege-
das erste Mal mit einem Freund aus Hamburg
immer wieder zur Sprache kommt. Das Leben
benheit, was ich sehr bemerkenswert finde.“
gesehen. Wir mussten tatsächlich den Untertitel
4
5
6
der Anderen wiederum hat mich berührt, weil
anstellen, weil er es nicht verstanden hat. Ein
ein Teil der deutschen Geschichte aus einem
deutscher Film mit deutschen Untertiteln!“
besonderen Blickwinkel dargestellt wird.“
1
2
5
4
6
3
Kultur | 47
Liebe
auf den
ersten Klick
Text: Tanja Bickel & Johann Rhee – Illustration: Christoph Kückner
48 | Kultur
elche Erwartungen hat sie, wenn sie mit einem
virtuellen Freund chattet? Umgekehrt – könnte er sich
eine Beziehung vorstellen, die im World Wide Web begonnen hat?
Fakt ist: Amors Pfeile machen selbst vor Bildschirm
und Tastatur nicht mehr halt.
Eigentlich wollten Anja* und Martin* sich von den verschiedenen Portalen, auf denen sie sich registriert hatten,
wieder abmelden. Zu schlecht und enttäuschend waren
die Erfahrungen, die sie damit gemacht hatten. Doch
sie gaben dem virtuellen Amor noch eine letzte Chance.
Heute sind sie, dem Cyberspace sei Dank, glücklich verheiratet.
Hört sich ganz nach einer Liebesgeschichte des 21.
Jahrhunderts an – „Liebe auf den ersten Klick“ eben,
denn gerade so hat alles angefangen.
Virtuelle Singlebörsen boomen
Es ist ein Trend, der sich zunehmend großer Beliebtheit
erfreut. Der Beziehungsaufbau im Cyberspace boomt
und das nicht nur dank der immer schneller voranschreitenden Technologieentwicklung. Während in den 80er
Jahren das Internet noch als „entmenschlicht“ galt, greifen heutzutage immer mehr Singles auf diverse Kontaktbörsen wie eDarling.de, parship.de oder ElitePartner.de
zurück, um den Traumpartner bzw. die Traumpartnerin
fürs Leben zu treffen. So hoffen immer mehr Menschen,
in der virtuellen Welt die große Liebe zu finden oder zumindest den eigenen Freundeskreis zu erweitern.
Im Rahmen der Studie „Singles sind anders“ stellte
Beate Küpper von der Ruhr Universität Bochum fest,
dass über zehn Millionen Deutsche auf der Suche nach
einem Partner sind, mehr als vier Millionen davon auch
online. Andere Studien zeigen, dass Online-Kontaktbörsen neben dem Arbeitsplatz bereits zu den wichtigsten
Orten für Paare zählen, um sich kennen und lieben zu
*Namen von der Redaktion geändert
lernen. So ist auch nicht verwunderlich, dass sich zunehmend viele enge Bindungen wie Freundschaften oder Liebesbeziehungen im Netz entwickeln – und das meist viel
freier und ungezwungener als im realen Leben.
Amors Pfeile im Netz
Sonja*, Anglistikstudentin im fünften Semester, weiß aus
eigener Erfahrung, dass im 21. Jahrhundert Amors Pfeile
auch vor dem Cyberspace nicht zurückschrecken. Eigentlich nutzt sie das Internet hauptsächlich um internationale Kontakte zu pflegen, doch auf myspace.de verliebte
sie sich in einen charmanten und humorvollen Australier.
„Wenn ich heute jemandem erzähle, dass ich sechs
Monate mit einem Australier über das Internet zusammen war, dann halten mich die meisten für verrückt!“,
verrät Sonja. „Aber wir waren echt verliebt ineinander.
Jeden Tag haben wir stundenlang geskypt oder gechattet“. Auch wenn dank des Internets große Entfernungen überwunden werden können, ist Sonjas Netzbeziehung letztendlich gescheitert. Mehrmals hat sie mit ihm
Schluss gemacht und ist dann doch wieder an ihren Laptop zurückgekehrt. Immer wieder hat sie ihn dazu >>
Der Vitaminspender an der Uni – Salomon Idler Str. 24c – direkt am Europaplatz
W
Im Wintersemester mit
täglich wechselnden
Mittagsmenüs und
warmen Snacks
Kontaktbörsen und ihre Entwicklung:
* Im Jahr 1738 wandte sich zum ersten Mal ein verzweifelter alleinstehender Mann an eine Zeitung. Diese sollte seinem Wunsch, eine
Frau zu finden, Ausdruck verleihen.
* Ende des 19. / Anfang des 20 Jahrhunderts kamen die klassischen
Partnervermittlungsagenturen auf, die den Singles bei ihrer Kontaktsuche meist für sehr viel Geld Hilfe anboten.
* In den goldenen 20ern sind die Dating-Events verwurzelt: Neben
Tanzveranstaltungen in Lokalen mit Tischtelefon waren auch Rohrpostsysteme in den Metropolen üblich.
* Unglaublich aber wahr: Die 20-jährige Kelly Hildebrandt aus Coral Springs im US-Staat Florida hat über Facebook ihren Namensvetter Kelly Hildebrandt aus Lubbock (US- Bundesstaat Texas) kennen
und lieben gelernt. Jetzt wird sogar geheiratet.
aufgefordert nach Deutschland zu kommen, was er aber
nie tat. Nach sechs Monaten war dann endgültig Schluss,
weil für Sonja in der Beziehung immer etwas gefehlt hat:
Das Weggehen mit Freunden, die Treffen von Angesicht
zu Angesicht und der Körperkontakt – das alles kann
man durch das Internet einfach nicht ersetzen.
Bei Martin und Anja war es anders, denn sie trennte
nur die Strecke von Augsburg nach München. Sie haben
sich auch nicht wirklich nur über das Internet verliebt:
anfänglich fanden sie sich nur sympathisch, mochten,
wie der andere schreibt und schon bald folgte dann das
erste richtige Treffen.
„Mir hat ihre ganze Art, die aus den Mails hervorging, einfach gefallen und ich war auch immer sehr gespannt auf ihre nächste Nachricht“, erzählt Martin. „Es
war nicht gleich Verliebtheit im klassischen Sinne, weil
man sich dazu ganz einfach sehen muss. Aber nach und
nach entstand eine Art Seelenfreundschaft. Wir konnten
uns immer viel erzählen“. Heute befindet sich ihr Hochzeitsfoto sogar in der Rubrik „Erfolgsstorys“ auf der Internetseite, auf der sich die beiden kennen gelernt haben.
Verliebt, verlobt, verheiratet?
Eine Netzbeziehung muss also keineswegs einen schlechten Ausgang haben. Auch ein Happy End ist heutzutage keine Seltenheit mehr wie das Beispiel von Anja und
Martin zeigt. Auf die Frage nach einem Tipp für eine
erfolgreiche Partnersuche im Netz, raten sie, nicht zu
viel Hoffnung in eine Online-Beziehung zu setzen. Auch
wenn es bei ihnen am Ende gut geklappt hat, kennen sie
eben auch viele Bekannte, bei denen die „Liebe auf den
ersten Klick“ in Frustration und Enttäuschung geendet
hat. „Man sollte einfach keine zu großen Erwartungen
haben und das ganze locker angehen“, darin sind sich
beide einig. „Letztendlich lernt man sich im ‚real life’
richtig kennen.“ |
50 | Kultur
Im Land der sieben Quellen
Auf Entdeckungsreise in Siebenbrunn
Text: Anna Schmidt – Fotos: Jan Koenen
Z
wischen Siebentisch- und Haunstetterwald liegt
Siebenbrunn, der kleinste Augsburger Stadtbezirk.
presstige hat sich für euch zwischen Herrenhäusern,
Wiesen und Bächen umgesehen.
vier Straßen und ein paar Dutzend, weit verstreuten
Häusern besteht. Diese vier Straßen bewohnen heute
etwa hundert Siebenbrunner.
Fährt man an einem Wochenende durch den Siebentischwald und folgt dem Strom der Radfahrer, landet
man mit hoher Wahrscheinlichkeit in Siebenbrunn. Dieses beschauliche Örtchen liegt südlich des Siebentischwalds, zwischen Haunstetten und dem Lech – idyllisch
zwischen Wiesen, Bächen und Bäumen. Den Namen
erhielt Siebenbrunn von sieben Quellen, die hier einst
entsprungen sind und Augsburg mit Trinkwasser versorgten. Wenn man auf eine Karte von Augsburg blickt,
ist die Siedlung leicht zu übersehen, da sie lediglich aus
Frankreich in Augsburg
Ein riesiges Heer an Fahrrädern säumt den Eingang der
Waldgaststätte Jägerhaus. Kaum zu glauben, dass man
in Augsburg ist und nicht irgendwo auf dem Land. Im
Biergarten genießen die Ausflügler die Sonnenstrahlen
und stärken sich mit einer Brotzeit. Die meisten von
ihnen wissen wahrscheinlich gar nicht, dass in Sichtweite ein Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert steht.
Neben der Größe und der Stattlichkeit beeindruckt >>
Stadtleben | 51
das Haus auch durch sein Mansarddach, eigentlich eine
typisch französische Bauart. Ein Mansarddach hat zwei
verschiedene Neigungen, wobei der untere Teil um einiges steiler ist als der obere. Dadurch entsteht unter dem
Dach zusätzlicher Wohnraum. Wie kommt diese französische Dachform aber nach Siebenbrunn?
Streit um Mansarddächer
Im 18. Jahrhundert gehörte das Waldgebiet, das damals
„Meringerau“ hieß, zum kurfürstlich-bayerischen Staatsbesitz. Es war Jagdrevier bayerischer Jäger und Ochsenweide Augsburger Metzger. Im Jahr 1804 gab die kurfürstliche Landes-Direktion die Meringerau zur Kultivierung
frei. Fünf Bewerber erwarben schließlich große Grundstücke und bauten fünf Herrenhäuser mit Mansarddächern.
Sie begründeten damit das heutige Siebenbrunn.
Diese Mansarddächer führten in den 70er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts zu einer großen Diskussion in
Augsburg. Journalisten behaupteten, dass einst verfolgte
Hugenotten, also französische Protestanten, in Siebenbrunn Zuflucht gefunden und die typischen Mansarddächer errichtet hätten. Bereits einige Jahre zuvor hatte die
Stadt Augsburg, ohne sich ausreichend zu informieren,
eine Siebenbrunn-Straße in „Hugenottenweg“ umbenannt. Das sorgte für noch mehr Diskussionsstoff. Historiker klärten den Streit schließlich auf: In Siebenbrunn
haben nie Hugenotten gelebt. Die französische Dachform war wohl im 19. Jahrhundert gerade in Mode.
52 | Stadtleben
Stopp: Trinkwasserschutz
Rund um die stattlichen Herrenhäuser errichteten auch
zahlreiche Kleinbauern ihre Häuschen – es entstand ein
Unter- und ein Oberdorf. Ende des 19. Jahrhunderts
gab es sogar eine große Weberei, die viele Arbeitsplätze
bot. Siebenbrunn war ein kleiner Industrieort mitten im
Wald geworden. Doch ab 1970 folgt die Kehrtwende.
Die Stadt Augsburg beschloss das Trinkwasserschutzgebiet zu vergrößern. Siebenbrunn, das erst 1910 nach
Augsburg eingemeindet wurde, gehörte nun teilweise
in die engere Trinkwasserschutzzone. Die Stadt erließ
einen rigorosen Baustopp. Das Unterdorf musste der
Schutzzone weichen und wurde völlig abgerissen. Bereits 1978 war das Gebiet des ehemaligen Unterdorfs
wieder aufgeforstet und heute ist keine Spur mehr von
einer Ansiedelung zu entdecken.
Villen, Biergarten und Bäche
Die alten Häuser mit Mansarddach hatten ebenfalls
wenig Glück: Von den fünf Anwesen stehen heute nur
noch zwei. Auch wenn die Ausflügler meist nicht wissen, wie die prunkvollen Villen entstanden sind, so gibt
es doch kaum einen Radfahrer oder Spaziergänger, der
nicht kurz innehält und die Villen bestaunt. Und auch
wenn die vielen Bäche Siebenbrunn zum Verhängnis
wurden, laden sie trotzdem zu einer Rast in idyllischer
Umgebung ein. |
Studenten ohne Grenzen?
Eine Bestandsaufnahme zwanzig Jahre nach dem Mauerfall
Text: Sophia Druwe & Sebastian Schock – Fotos: Vicky Wagensommer & privat
OST
von west nach ost und
von ost nach west –
sie fühlen sich in allen
himmelsrichtungen zuhause.
oben: Sabine, David, Nadine
unten: Bastian, Ulrike
WEST
WEST
A
ugsburger im Osten, der Osten
in Augsburg. Was sind die Eindrücke von und – wenn überhaupt – die
Unterschiede zwischen West und
Ost? presstige hat sich für euch anlässlich des 20-jährigen Jubiläums
des Mauerfalls mit ein paar dieser
„Exilstudenten“ auf beiden Seiten
unterhalten.
Was vor über zwanzig Jahren noch
unmöglich war, ist jetzt eine selbstverständliche Option für alle deutschen Studenten: Ostdeutsche Studierende können ihren Studienplatz
nun auch unter allen Hochschulen im
Westen suchen und umgekehrt. Die
54 | Stadtleben
Hochschulinitiative Neue Bundesländer hat sich zur Aufgabe gemacht,
ostdeutsche Städte den Studierenden
durch die Kampagne „Studieren in
Fernost“ schmackhaft zu machen
und überfüllte Hochschulen in Westdeutschland zu entlasten. Im SchülerVZ, dem Pendant zum StudiVZ
für Schüler, wurde die „Studiensuchmaschine“ eingerichtet, die je nach
Studiengang die passende Uni in den
neuen Bundesländern anzeigt. Die
Uni Leipzig ließ einen Teil der westdeutschen Studienanfänger sogar mit
dem Trabi aus ihrem Wohnort abholen. Was hat man heute bei einem solchen Ortswechsel zu erwarten?
Ost-Brezen
schmecken anders
„Klar gibt es Unterschiede zwischen
den Sachsen und den Bayern. Aber
die gibt es zwischen den Bayern und
Badenern auch“, fasst es der Augsburger David Klingelstein zusammen. Er studiert an der Hochschule
für Technik, Wirtschaft und Kultur
Leipzig Wirtschaftsingenieurwesen.
Hinsichtlich der bayerischen Biergartenkultur könne man im Osten
noch einiges verbessern und auch die
Brezen schmecken dort irgendwie anders, bekam presstige von mehreren
befragten Studenten zu hören. Doch
Kein Grau. Kein Alt.
Kein Trist.
Denn „grau“, „alt“, „trist“ und „heruntergekommen“ sind Städte wie
Leipzig und Dresden jedenfalls nicht.
Die Leipziger Journalistikstudentin
Sabine beschreibt ihre Wahlheimat
als „unglaublich grün, mit vielen
Seen und einem hohen Freizeitwert“.
Die Unis sind, was Ausstattung und
Betreuung angeht, denen im Westen
sogar oft überlegen. „Jedem Student
wird hier ein Dozent als Mentor zugeteilt, also hat man von Anfang
an einen persönlichen Ansprechpartner“, so Nadine, die in Erfurt
Staatswissenschaften und Literatur
studiert. Dort wurde der Bachelor
schon 1999 eingeführt, soviel also
zum Thema „rückständig“. „Besser Medizin in Halle studieren als
in München: Persönlicher, weniger
Leute, keine Massenabfertigung und
alles überschaubarer“, attestiert auch
Exilstudent Max.
Vor allem geringe Wohn- und Lebenshaltungskosten sowie nichtvorhandene Studiengebühren entlasten
jeden studentischen Geldbeutel im
Osten. „Dreizimmer-WG zu zweit,
pro Person 250 Euro warm bei einer
zentralen Lage: In München würde
dasselbe wahrscheinlich doppelt so
viel kosten“, erzählt Max. Außerdem, so Sabine, ist man im Osten
sparsamer beim Weggehen und zeigt
mehr Eigeninitiative bei der Abendgestaltung.
Viel Smalltalk,
wenig Streetpunk
In Augsburg schneiden die Weggehmöglichkeiten bei Studenten aus Ostdeutschland weniger gut ab: „Passt
schon. Ist halt klein und ruhig hier“,
findet Bastian, Mechatronikstudent
an der FH Augsburg. Der Dresdner
findet es schade, dass es für ihn hier
nicht so viele Möglichkeiten gibt,
in Clubs seine Musik zu hören: Oi!,
Ska oder Streetpunk. Darüber hinaus seien die Leute in seiner Heimat
tendenziell „offener, es ist leichter
mit ihnen ins Gespräch zu kommen
und nicht nur Smalltalk zu veranstalten“. Ulrike, Studentin der Erziehungswissenschaften in Augsburg
aus Dessau kann hingegen Mentalitätsunterschiede der Augsburger zu
ihrer Heimat nicht feststellen. Bis
auf kleine Verständigungsprobleme:
Ein „Hendl“ heißt in ihrer Heimat
„Breuler“, und beim Bäcker bestellt
man dort ein „Brötchen“ statt einer
„Semmel“.
Da haben wir es: Unsere befragten
Studenten, sowohl aus den alten als
auch aus den neuen Bundesländern,
fanden das Gerede über tiefgreifende
Unterschiede zwischen West und Ost
völlig überzogen. Mit der Wahl ihres
Studienortes sind sie allesamt zufrieden und bestätigen, dass sie diese
Entscheidung jederzeit wieder so treffen würden. David bringt es auf den
Punkt: „Nach zwanzig Jahren sollte
man dieses Thema mal ad acta legen.
Wir sind ein Land und das ist auch
gut so!“. |
OST
einfach ist der Ost-West-Gegensatz
nicht zu erklären. Denn: Warum können sich laut einer Umfrage nur fünf
Prozent der westdeutschen Jugendlichen vorstellen, im Osten Deutschlands zu studieren? Es drängt sich die
Vermutung auf, dass hier bei vielen
immer noch ein völlig falsches Bild
dahintersteckt.
WIR KÜMMERN UNS UM IHREN URLAUB –
NUR KOFFER PACKEN MÜSSEN SIE NOCH SELBST!
Genießen Sie die Festtage einmal ganz anders – im Urlaub!
Galabuffets, Tanz, Ambiente, Livemusik, Feuerwerk – das breit
gefächerte Angebot bei uns im Uni Reisecenter lässt keine Wünsche offen.
Hermann-Köhl-Str. 7
86159 Augsburg
Tel.: 0821-585845
Fax.: 0821-583363
Inh.
Katharina Marksteiner
e-mail: [email protected]
www.unireisecenter.de
Silvester in Paris (29.12.09 – 01.01.10)
eine der größten „Open Air Silvester Parties“ auf den Champs Elysses,
Preis p. P. inkl.Busanreise
ab 169,- Euro im DZ
Silvester in Amsterdam (29.12.09 – 01.01.10)
Weltstadt mit viel Atmosphäre und Kultur, Jahreswechsel am Rembrandtplain /Leidseplein, Preis p. P. inkl. Busanreise ab 199,- Euro im DZ
Silvester in Berlin (30.12.09 – 01.01.10)
hier tobt der Bär rund um das Brandenburger Tor, singen, tanzen, feiern
und ein Riesenfeuerwerk sind angesagt, Preis p. P. inkl. Busanreise
ab 199,- Euro im DZ
Bei uns können Sie ein umfangreiches Repertoire an Reisezielen weltweit buchen!
Kommen Sie doch einfach hereinspaziert ins Uni Reisecenter, wir freuen uns auf Sie und beraten Sie gerne!
Leseoase in orange
Augsburgs neue Stadtbücherei ist nicht nur optisch einen Besuch wert
Text: Bettina Schäferling & Judith Schmidt – Fotos: privat
E
ine ausgefallene Architektur
und High-Tech vom Feinsten zeichnen sie aus. Aber nicht nur deswegen
sollte man sich die neue Stadtbücherei einmal ansehen. Denn sie bietet
dem Besucher auch einigen Komfort
und Lesestoff für nahezu jeden Geschmack.
Orange – so könnte man die neue
Stadtbücherei in einem Wort beschreiben. Laut Goethes Farbenlehre
steht diese Farbe für Erfrischung und
Fröhlichkeit. Tatsächlich ist beim Be-
treten des Gebäudes eine offene und
positive Atmosphäre spürbar. Dafür
sorgt vor allem die moderne Architektur mit ausgedehnter Glasfassade,
fließenden Übergängen zwischen den
Stockwerken und einem ausgeklügelten Lichtkonzept. So wird zum Beispiel das Sonnenlicht auf den Boden
reflektiert und erzeugt dadurch farbige Lichtspiele.
„Für alle offen“, so lautet der Slogan der Bücherei, die 50 Stunden pro
Woche geöffnet hat. Ein Service, der
ausgiebig genutzt wird: Allein in den
vier Wochen nach der Eröffnung am
20. Juni 2009 strömten rund 60.000
Besucher in den Neubau. Für den hatten die Augsburger lange gekämpft
– erst durch ein Bürgerbegehren im
Jahr 2004 war die Stadt dazu gebracht worden, das 15 Millionen teure Bauprojekt in Angriff zu nehmen.
Das Wichtigste in Kürze:
Wo? Ernst-Reuter-Platz 1
Wann? Mo-Fr 10-19 Uhr; Sa 10-15 Uhr
Was? Bücher, CDs, DVDs,...
Wie viel? Studenten kostet ein Büchereiausweis 6,50 Euro für ein Jahr, Erwachsene
zahlen 13 Euro, alle unter 18 nichts.
56 | Stadtleben
Was ist neu?
Die Stadtbibliothek ist jetzt auf dem
neusten Stand der Technik: Bücher
kann man sich selbst per Barcodescanner auf sein Benutzerkonto buchen. An Automaten kann man Medien rund um die Uhr zurückbringen,
da ein Chip im Buch die Tür zum
Vorraum öffnet. Darüber hinaus gibt
es eine sogenannte E-Ausleihe durch
die man Medien, beispielsweise die
Zeitschrift „Der Spiegel“ oder Musik, bequem via Internet auf dem
Es gibt kaum Plätze zum konzentrierten Lernen, dafür aber eine Vielzahl
bequemer Lesesessel und riesiger
bunter Sitzsäcke. Auf der Galerie
gibt es sogar Liegestühle, auf denen
man zum Beispiel nach einer Shoppingtour in der Annastraße alle Viere
von sich strecken und gemütlich lesen
kann. Und den kleinen Hunger zwiLesen mit allem Komfort schendurch kann man im angebauten
Literaturcafé bekämpfen. Wer zum
Die lockere Kaufhausatmosphäre hat Lesen dagegen völlige Stille braucht,
aber auch ihre Nachteile: So still wie kann seine Bücher ja auch mit nach
go105x143.qxp:.
10:22 Uhr
|
in der Unibibliothek Coffee
ist es hiertonicht.
Hause nehmen.22.09.2009
eigenen Computer betrachten kann.
Auch sind 36 Internetplätze von Büchereiausweis-Besitzern zwei Stunden
pro Tag nutzbar. High-Tech ist aber
nicht alles, die neue Stadtbücherei ist
auch besser sortiert und übersichtlicher angeordnet als früher.
Seite 1
Unbedingt
probieren!
GENUSS –
AUCH FÜR UNTERWEGS !
... mit Cappuccino, Latte macchiato,
Latte Flavour oder einfach
einem „Haferl Kaffee“ to go!
GENUSS FÜR SIE
DEN GANZEN TAG
Sie sind bunt und schrill, sie bewegen und polarisieren: Graffitis.
Text: Katharina Schaffer & Kathrin Stangl – Fotos: Natalie Stanczak & privat
58 | Stadtleben
W
meister der farbdosen:
streetart-künstler kuse
er in Augsburg die Augen offen hält, entdeckt in der Nähe der
Uni einen der Plätze, an dem sich
Sprayer ungehemmt und legal ausleben können: Die „Hall of Fame“ in
Haunstetten. Die wenigsten wissen,
dass hauptsächlich Augsburger Studenten hinter dem bunten Treiben
stecken.
das Sprayen einen Ausgleich. Andere
Leute sammeln Briefmarken, ich mal’
Graffiti.“ Stimpy ist Mitglied der
AKOA-Crew. „Another kind of addiction“ – ein Slogan, dem wohl die
meisten Sprayer zustimmen dürften.
„Style. Buchstaben. Farben. Formen.“ So definiert der 24-jährige Student mit dem Künstlernamen Kuse
sein Hobby. Die Leidenschaft zum
Sprayen wurde bei Kuse schon relativ früh geweckt. Seit zehn Jahren ist
er mit dem Virus infiziert, der ihn bis
heute nicht losgelassen hat. Die Kritzeleien in den Schulheften wurden
mehr und mehr zu Kunstwerken, die
es bald in Großformat umzusetzen
galt. So kam es, dass Kuse zum ersten Mal eine Spraydose in die Hand
nahm.
Graffiti polarisiert. Kuse allerdings
hat bisher nur positive Erfahrungen
gemacht: „Die Qualität macht’s! Besonders fotorealistische Kunstwerke, tolle Hintergründe und Figuren
kommen beim Publikum gut an. Mit
Buchstaben allein können die wenigsten etwas anfangen.“ Sein Hobby
kann er sich durch Privataufträge finanzieren. Stimpy kann die Vorwürfe, dass Vieles Geschmiere ist, zum
Teil nachvollziehen. „Man darf nicht
vergessen, dass Graffiti aus Kritzeleien entstanden ist.“
Studium und Hobby –
eine Einheit
Graffiti legal ausleben
Heute studiert er Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg.
Es gibt viele Parallelen zwischen Graffiti und Design. „Ich habe mein Hobby sozusagen zum Beruf gemacht.
Ich kann mir nichts anderes mehr
vorstellen“, erklärt Kuse glücklich.
Sein Studiengang beinhaltet unter
anderem ein Fach namens „Schrift“.
Hier kann er anwenden, was er sich
beim Sprayen über viele Jahre hinweg
angeeignet hat.
Auch der 23-jährige Stimpy hat
vor, nach seinem Abitur, das er auf
dem zweiten Bildungsweg macht, Design zu studieren. „Für mich bedeutet
Kunst scheidet Geister
Es gibt nur wenige Plätze in Augsburg, an denen sich Sprayer auf legale Weise ausleben können. Doch
Engagement und Durchhaltevermögen kann Früchte tragen. So gelang
es dem 24-jährigen Kuse zusammen
mit seiner Crew eine eigens für sie
zugelassene Unterführung an der Autobahnbrücke der B17 zu gewinnen.
Die Stadt hat ihr OK gegeben, so dass
dem bunten Treiben nichts mehr im
Wege steht. In ihrer eigenen „Hall“
werden hauptsächlich großflächige
Konzeptwände präsentiert. Sie fallen
sofort ins Auge und geben der Stadt
ein neues, ein buntes Gesicht: Style.
Buchstaben. Farben. Formen. |
Stadtleben | 59
Faule
Gedanken
eines
Stadtheroen
Hier schwätzt dr Schdoinerne Ma
Text: Dominik A. Hahn
60 | Kultur
W
artets amal... bin glei soweit... a kloins Momentle no... so jetzda... Musst erscht amal den Dönr
z‘rücklega, bevor i nausgeha durft.
Des habtsa ja sicher ghört, gell?! Also von dr Anzeig
gega dr Arkadasch-Ma. Da wollt a Kund mit seim Dönr
doch glatt nach Mittrnacht - i moin, des musch dir ja
mal in Echt echt vorschdella - mit soinem blegda TürkaBrötle naus auf‘d Schdraß geha. Doch d‘Augschburga
Schdadtschbitz kann si echt glücklich schätza, dass bei
uns d‘Indegration so gut klappa tut, weil si dr Arkadasch-Inhabr ordnungsgmäß und todesmutig in dr Weg
gschdellt hat. Und des nur, um die Anordnunga vom
Böhm Waldr, so wie sichs halt in Bayerisch-Schwaba
halt au g‘hört, wie i parteiunabhängig find, exekutiv au durchz‘führa. Schdellt si halt glatt dem oignen
Gascht in dr Weg, damit der bloß ned d‘Glegaheit hat,
absichtlich d‘Augschburga Brachtmeil eklehaftrweis
z‘verschmutza. I moin, i bin mit‘m Arkadasch vollkomma dakohr, dass der Gascht si nur den Dönr kauft hat,
um den dann auf dr Maxschdraß öffentlichkeitswirksam auf dene hisdorische Pflaschdrschdoin zu verteila.
Weisch, und anschdatt, dass der si bedanka tut, dass er
aufghalta wurd, a Schraftat zu begeha, greift der mir nix
dir nix in d‘jurischdische Drickkischd und verklagt des
arme Arkadäschle.
I moin, so ebbes ka halt au nur in dr Fuggrschdadt
passiera. Dass die an a Gsetz hälsch, des du gar ned gut
findsch und dann au no vor Gericht schdehsch, weil du
di dafür einsetza tusch, dass si andre dran halta. Und dr
Obrhammr isch ja, dass d‘oigene Schdadtvertretdr im
deutscha Reichstag römischr Nation gar ned wissa, was
dr Arkadasch isch. Musch nur mal `n Chrischdian Ruck
fraga. Vor dr großa Wahl letzschdens hams alle Kandidata gfragt, ob‘s n Arkadasch kenna. Und dr CSU-Ruck
hat, wohl um dem C im Namen soinr Partei endlich mal
grecht z‘werda, g‘antwortet: „Mei Gott, was ischn des
für a Frag?“ Des Witzle isch ja, dass d‘ Augschburgr im
Zweifel eher wissa, wer dr Arkadasch is als dr Ruck.
Abropohs Bekanntheit: Kennt‘s a `n Alexander Süßmair? Kannt i au ned. Isch abr au kei Schand ned. Der
isch von so ner Sekt, hab i g‘hört. Die Linke nennt si di.
Und i woiß ned, ob dr Verfassungsschutz oder d‘SPD a
größeres Aug auf die Sektierer haba. Jedafalls isch dr
Spruch „Mehr Reichtum für alle“ gut bei die Augschburga akomma. I moin, find i au gut, weil dann kann
dir au die Erhöhung der Bahnbreis im Windr egal sei,
und dem Schaffnr kasch sogar beim Kontrolliera no
a Drinkgeld geba. Also sitzt ab jetzt dr Süßmair Alex
im Reichstag und freut si, dass sei Rentnanschprüch
schbrunghaft a‘gschdiega sin. Übrigens sind d‘Plakat
von dr Linka d‘Oinzige, die no ned von die Bäum weg
g‘nomma worda sind. Mei Forderung isch daher: Der
Wahlkampfschpruch müsst ab sofort um‘gändert werda
in „Mehr Faulheit für alle“. I bin sichr, dass des in dr
linken Szen au ganz gut akomma tut.
Abr mei, was willsch macha? Am beschda isch, du
machsch gar nix, weil dann kriegsch‘n Friedensnobelbreis. Weisch, des musch dir ja mal echt geba: I reiß
ma‘n Arsch auf und riskier für die ganzn Drottl hier
in dr Schdadt mei Leba, als i auf dr Schdadtmaur die
Leib Brot nundr g‘schmissa und unsr Schwabamedrobol quasi n Frieda z‘rückbracht hab. Und was krieg i?
A g‘schissene Schdatue an dr Schadtmaur. Weisch, ned
amal in dr Maxschdraß, sondern eher so im LüpertzAphrodite-Style am Arsch dr Welt, wo mi koinr sigd.
Des is quasi wie mit dr Augschburga Uni. Die is
au soweit draußa, dass in dr Schadt selbscht gar koinr
weiß, dass es eine gibt. Abr Haubdsach isch ja, dass ihr
des wissa tuts. I wünsch Eich also viel Freid im Windrsemeschdr und no an Tipp von meinr Seit: Folgts doch dr
Mensa auf Twitttr undr @EatUniAugsburg - des lohnt si
mehr als des Essn, hab i g‘hört!
Eir Konrad Hackher aka dr Schdoinerne Ma. |
Auch mit dem neuen
Hochschulpfarrer Thomas Groll
ist gut Kaffee trinken –
Eine kurze Vorstellung
Interview: Kete Shabani & Martina Wengenmeir – Fotos: Natalie Stanczak & Jan Koenen
presstige: Herr Groll, warum sind Sie Pfarrer geworden?
Pfarrer Groll: Mein Heimatpfarrer hat uns Jugendlichen
immer viel Freiheit gelassen. Aber manchmal hätte ich
mir mehr Begleitung gewünscht und habe mir gedacht:
‚Es bräuchte auch junge Pfarrer.‘ Daraus entstand die
fixe Idee, es selber und besser zu machen.
Und warum jetzt Hochschulpfarrer?
Mir ist der persönliche Kontakt zu den Menschen sehr
wichtig. Deshalb freue ich mich auf die Begegnung mit
den Studierenden. Die Arbeit mit dieser Altersgruppe,
die in der Pfarreiarbeit und bei meiner Tätigkeit als Bistumshistoriker kaum vertreten ist, ist für mich besonders interessant, weil gerade jüngere Menschen in ihrem
Denken noch nicht festgefahren sind.
Sie sind als gebürtiger Augsburger immer noch ihrer Heimat treu. Was macht den Reiz dieser Stadt aus?
Ich mag Augsburg vor allem, weil es überschaubar ist und
alles anbietet, was den Reiz einer Stadt ausmacht. Und
falls man zum Beispiel kulturell noch mehr möchte, ist
München nicht weit. Dort leben will ich allerdings nicht.
Titelthema dieser Ausgabe ist das Ehrenamt. Sind Sie
ehrenamtlich engagiert?
Bei mir war Ehrenamt immer auf die Kirche zentriert,
was auch an meinem kleinen Stadtteil, dem Spickel, gelegen haben mag. In meiner Jugend war ich als Mini
strant tätig, danach habe ich über Leiterrunde und
Pfarrgemeinderat bis hin zur Kirchenverwaltung sozusagen alle ehrenamtlichen Aufgaben dort durchlaufen.
Also stehen Sie dem Ehrenamt positiv gegenüber?
Natürlich! Ehrenamt ist das A und O. Ohne dieses
freiwillige Engagement könnte in unserer Gesellschaft
nichts funktionieren. Zum Glück wird es in den letzten
Jahren immer mehr geschätzt und auch von Arbeitgebern zusehends gewürdigt.
62 | presstige
Apropos Würdigung im Berufsleben: Was halten Sie,
auch aus ethischer Sicht, von ehrenamtlicher Tätigkeit,
nur um den Lebenslauf zu beschönigen?
Wenn die Arbeit trotzdem gut gemacht wird, ist daran nichts auszusetzen. Eine Tätigkeit aus berechnenden
Gründen sieht allerdings immer anders aus, als der Einsatz mit Leib und Seele. Dieser Unterschied ist über kurz
oder lang vermutlich dann doch spürbar. |
Auch Lust auf ein Tässchen?
Diesmal: „ Der Pharisäer“
– Kaffee süßen, 4 cl braunen Rum hinzufügen
– Schlagsahne darüber, nicht umrühren, fertig!
(Wer umrührt muss eine Runde spendieren!)
Legende und Etymologie: „ Der Pharisäer“ soll im 19. Jahrhun-
dert auf der nordfriesischen Insel Nordstrand entstanden
sein. Um ihren besonders asketischen Pastor zu überlisten,
schütteten die Friesen bei einer Taufe Rum in ihren Kaffee,
während der Pastor natürlich nur normalen Kaffee bekam.
Um den Geruch von Alkohol zu verhindern, bedeckte man das
Getränk kurzerhand mit einer Schlagsahnenhaube, die das Ver-
dunsten des Rums im heißen Kaffee nicht zuließ. Als der
Pastor dennoch hinter die Scheinheiligkeit kam, rief er bib-
lisch angelehnt: „Oh, ihr Pharisäer!“ – Ein Vergleich zu den
im Neuen Testament als „Heuchler“ kritisierten Vertretern
der Pharisäer.
16:00 – 17:00
17:00 – 18:00
Alle Angaben ohne Gewähr
Zusammengetragen von Katrin Unsöld
Download auf presstige.org
Sausalitos
Ratskeller
Samok City
Murphy‘s Law
Platsch
Paradiesgarten
Movie Bar
Ratskeller
Coq (Donnerstag bis Samstag 20:00 – 22:00 Uhr)
Iguana Joe's
Samok City
The Post
Papa Sitos
Mr. Onions
Joe Peña‘s
Capitol
24:00 – 01:00
Viktor
The Post
Papa Sitos
Mr. Onions
Flair City
19:00 – 20:00
Iguana Joe's
Essbar
Corso
20:00 – 21:00
Enchilada
Drei Königinnen
Cohiba
Capitol
21:00 – 22:00
Pino
Barium 56
Caipi
22:00 – 23:00
Joe Peña‘s
Commerzienrat
18:00 – 19:00
Altstadtcafé
23:00 – 24:00
König v. Flandern
Täglich
Happy Hour Guide
01:00 – Ende
Sonntag
Samstag
Freitag
Donnerstag
Mittwoch
Dienstag
Montag
Park Lounge
Nudelbar
Nudelbar
Nudelbar
Nudelbar
Park Lounge
Park Lounge
Park Lounge
Movie Bar (ab 12 Uhr)
Nudelbar
Nudelbar
Movie Bar (ab 12 Uhr)
Nudelbar
Peaches
Peaches
Weisses Lamm
Movie Bar
Weisses Lamm
Movie Bar
Weisses Lamm
Movie Bar
Weisses Lamm
Movie Bar
Movie Bar
Rockfabrik
Kantine
Circus
Rockfabrik
Liquid
Mo Club
Mahagonibar
Barfly
Mo Club
Mahagonibar
Barfly
YUM Club
Mo Club
Mahagonibar
Mo Club
Mahagonibar
Nudelbar
Nudelbar
Nudelbar
Nudelbar
Nudelbar
Nudelbar
ediuG ruoH yppaH
01:00 – Ende
24:00 – 01:00
23:00 – 24:00
22:00 – 23:00
21:00 – 22:00
gro.egitsserp fua daolnwoD
rhäweG enho nebagnA ellA
dlösnU nirtaK nov negartegnemmasuZ
20:00 – 21:00
19:00 – 20:00
18:00 – 19:00
17:00 – 18:00
16:00 – 17:00
D
Michael Sentef über Polli, die Kuh, und
weibliche Führungsstärke im Ehrenamt
Text: Michael Sentef – Illustration: Christoph Kückner
Glosse
66 | presstige
ie Kuh ist das Symbol weiblicher Führungsstärke in Zeiten der
Krise.
Dieser Satz stammt nicht von mir,
keine Angst. Er stammt eigentlich
von der neuen Chefin. Also eigentlich
von unserem Grafikchef. Also eigentlich hatte ich eine Eingebung beim
Wanderurlaub in Südtirol, nachdem
der Grafikchef mich angerufen hatte,
nachdem die neue Chefin ihn angerufen hatte – wir brauchen dringend
eine Glosse, hatte sie gesagt, und
die Glosse soll mit Ehrenamt zu tun
haben, und der Grafikchef hat mir
dann gesagt, dass er eine Kuh haben
möchte, die sei an sich bildlich leichter darstellbar als ein Ehrenamt, und
ich sei ja im Wanderurlaub und habe
reichlich Anschauungsmaterial. Also
kuhmäßig jetzt.
Assoziationen sind ja manchmal sinnfrei. Andererseits: Sigmund
Freud. Ich muss nicht bewusst nachdenken, und trotzdem blubbert es aus
mir heraus. Die Südtiroler Kuh, nennen wir sie Polli, muss auch nicht bewusst an ihren Stoffwechsel denken,
und trotzdem blubbert etwas aus ihr
heraus. Und ich trete dann rein. Der
Wanderprofi sagt dazu: Tretminen,
Erstinkungsgefahr. Polli sagt dazu:
Muh. Und ich sage dazu: Scheiße.
Die Chefin will Ehrenamt als
Glossenthema, der Grafikchef eine
Kuh, und weil ich weibliche Führungsstärke akzeptiere, assoziiere
ich, völlig unbewusst, aber möglicherweise dennoch nicht unabsichtlich, die Kuh mit der führungsstarken weiblichen Führungskraft. Die
Kuh ist ausdauernd, leistungsstark,
gesund und ratscht gern. Der soziologisch Gebildete sagt dazu: Sie sozialisiert. In all dem ist sie das Gegenteil männlicher Führungsschwäche,
zu meiner Ehrenrettung sei allerdings gesagt: Ich arbeite auch nur
ehrenamtlich, mein Zuckerl bekomme ich, wenn die Chefin aufhört zu
meckern, mein Lohn ist die künstlerische Freiheit.
Jetzt Ehrenamt. Wir arbeiten ja
alle ehrenamtlich. Und die Kuh im
Prinzip auch, sie bekommt kein Gehalt, nur frisches Gras und manchmal ein Zuckerl. Also Mineralienmischungen, sagt der Südtiroler
Bauer, ich sage lieber Zuckerl. Das
Erstaunliche aber ist: Die Kuh Polli
folgt auch ohne Zuckerl, wenn ich
ihr gut zurede. Sie läuft mir nach,
über Stock und Stein, mehrere Kilometer lang, auch als ich sie längst
lieber loswerden möchte, trabt sie
weiter im Sicherheitsabstand hinter
mir her. Erst ein Gatter stoppt Polli, und Polli bleibt stehen und sagt:
Muh (kläglich)!
Ehrenamtsmäßig ist das CreditPoint-System der Killer. Studium bedeutet heute: Punktesammeln. Wie
früher bei den Milchpackungen,
da gab es immer rote Punkte zum
Ausschneiden, und wenn man zehn
rote Punkte hatte, konnte man an
einem Gewinnspiel teilnehmen und
eine blaue Kuh reiten. Oder so. Ich
habe nie etwas gewonnen, trotzdem
habe ich eifrig gesammelt. Ohne roten Punkt habe ich freiwillig keine
Milch getrunken. So ist das heute
mit den Credit Points. Die Credit
Points sind die roten Punkte des Studiums. Fürs Ehrenamt gibt es aber
keine roten Punkte, und schon gar
keinen Ritt auf einer blauen Kuh.
Höchstens auf Polli.
Polli ist ehrenamtlich gesehen ein
Prachtexemplar, sie ist außerdem eine
Prachtkuh und blubbert prachtvoll,
zum Abschied hinterlässt sie noch
eine stattliche Tretmine, dann trottet
sie zurück zu ihren Kuhfreundinnen.
Um zu sozialisieren, vermutlich.
Dann ruft die Chefin an: Wo ist
die Glosse? – Sie ist schon fertig,
es geht um Polli, die Kuh, und um
Tretminen. Nebenbei erläutere ich
anhand der Kuh moderne weibliche Führungsstärke, und ebenfalls
anhand der Kuh erkläre ich, war-
um ehrenamtliche Betätigung keine
Zuckerln braucht. – Du spinnst,
entgegnet mir die Chefin. Bezeichnest du mich etwa als Kuh, so ganz
unbewusst? – Würdest du Polli kennen, es wäre dir eine Ehre, mit ihr
verglichen zu werden, sage ich rotzfrech. Ich höre ein Wutschnauben
in der Leitung, plötzlich ist es ruhig. Hinter dem Gatter muht Polli.
Und die Chefin sagt: Mach, was du
willst, Hauptsache bis Montag. Und
legt auf.
Ehrenamtlich gesehen ist die Chefin auch ein Prachtexemplar. Ich bewundere die Chefin. Sie braucht keine Zuckerln, ihr genügt eine Glosse
bis Montag, mit Kuhvergleichen und
Tretminen, dass es kracht. Der führungsschwache, dafür hemmungslos
blubbernde männliche Glossist wird
großzügig geduldet.
Die Chefin ist das Symbol weiblicher Führungsstärke in Zeiten der
Krise. Neben Polli, der Kuh. |
Gesundheit in besten Händen.
BEWEGTE ZEITEN.
SICHERE
LEISTUNG.
Gewinnen auch Sie mehr Sicherheit mit der AOK!
www.aok-gewinnerseite.de
Jetzt zur AOK
wechseln!
CR
P
V
RL
G
R
68 | presstige
D
Ausgabe 14 – Herbst 2009 – www.presstige.org
HG
Impressum

HG – Herausgebergremium:
Prof. Dr. Thomas Schwartz | [email protected] | V.i.S.d.P.
(bis #14) ∞ Christopher G. Große | [email protected] |
Herausgeber, Redaktion ∞ Dr. Thomas Groll | [email protected] |
V.i.S.d.P. (ab #15) ∞ Thomas Benseler ∞ Ernst Holme ∞ Alois Knoller ∞
Sebastian B. Priller ∞ Michael Sentef | [email protected] |
Herausgeber, Redaktion
CR – Chefredaktion:
Kete Shabani | [email protected] | Chefredakteurin ∞ Martina
Wengenmeir | [email protected] | Chefredakteurin
RL – Ressortleitung:
Luisa Boger | [email protected] | Ressortleiterin Sport ∞ Wiebke
Henke | [email protected] | Ressortleiterin Politik & Karriere,
Projekt- & Seminarkoordination ∞ Benjamin Regler | [email protected]
presstige.org | Ressortleiter Hochschule ∞ Viktoria Wagensommer |
[email protected] | Ressortleiterin Stadtleben
R – Redaktion:
Laura Amenta | [email protected] | Redaktion ∞ Tanja Bickel |
[email protected] | Redaktion ∞ Sophia Druwe | sophia.
[email protected] | Redaktion ∞ Manuel Kröller | [email protected]
presstige.org | Redaktion ∞ Elisabeth Lehmann | [email protected]
presstige.org | Redaktion ∞ Rosina Obermayer | [email protected]
presstige.org | Redaktion ∞ Patricia Ott | [email protected] |
Redaktion ∞ Johann Rhee | [email protected] | Redaktion ∞
Bettina Schäferling | [email protected] | Redaktion ∞
Katharina Schaffer | [email protected] | Redaktion ∞
Sebastian Schock | [email protected] | Redaktion ∞ Anna
Schmidt | [email protected] | Redaktion ∞ Judith Schmidt |
[email protected] | Redaktion ∞ Manuel Schön | manuel.
[email protected] | Redaktion ∞ Madeleine Schuster | madeleine.
[email protected] | Redaktion ∞ Kathrin Stangl | [email protected]
presstige.org | Redaktion ∞ Kathrin Unsöld | [email protected]
presstige.org | Redaktion ∞ Anne Zitzelsberger | [email protected]
presstige.org | Redaktion
G – Gestaltung:
Christoph Kückner | Art Direction, Layout, Illustration ∞ Jan Koenen |
[email protected] | Bildredaktion, Fotografie, Redaktion ∞ Natalie
Stanczak | [email protected] | Fotografie
P – Personal:
Franziska Obst | [email protected] | Personal, Ressortleiterin Kultur
V – Verlag, Anzeigen & Vertrieb:
Marc Schüßler | [email protected] | Verlagsleitung (seit
07/09), Anzeigen- & Vertriebsleitung ∞ Andreas Keilholz | andreas.
[email protected] | Verlagsleitung (bis 07/09)∞ Astrid Grenz |
[email protected] | Verlagsassistenz
D – Druck:
presstige | [email protected] | Katholische Hochschulgemeinde Augsburg |
Hermann-Köhl-Str. 25 | 86159 Augsburg | Tel.: 0821 - 59766-70 | Fax: 0821 5 97 66-77 ∞ Druck | Joh. Walch GmbH & Co. KG, Augsburg ∞
Auflage & Erscheinen | 10.000 Exemplare | 4 x jährlich |
Die nächste Ausgabe erscheint Februar 2010
Jedem
sein
Kaspe
rle!!!
Kasper
le
Brauha ausschneide
us Rie
gele ab n, in Deinem
eigene
g
s Kas
perle-P eben und ein
größe
la
kat in
mitneh
men!
ÜberS
o ein
Aber n
fach!!!
ur sola
ng der
Vorrat
reicht
(bis 30
.11.09)
presstige | 69
www.sska.de
Ihr kurzer Weg - unsere Geschäftsstelle im Univiertel
Damit Ihnen im Studium
nicht die Mittel ausgehen.
Sparkassen-Bildungskredit
s Stadtsparkasse
Augsburg
Bevor Ihr Studium zu kurz kommt, kommen Sie lieber zu uns. Denn mit dem Sparkassen-Bildungskredit erhalten
Sie die gewünschte Finanzierung und bleiben flexibel bei der Rückzahlung. Mehr Informationen dazu in Ihrer
70 | presstige
Geschäftsstelle
und unter www.sska.de. Wenn‘s um Geld geht - Stadtsparkasse Augsburg.

Documentos relacionados