SF_Bulletin_web_03/16

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SF_Bulletin_web_03/16
Flight Safety Workshop 2016
Sicher in die neue Flugsaison
Zu allen Themen, die am Flight Safety Workshop
2016 des Segelflugverbandes bearbeitet worden
sind, stehen auf der Verbandswebsite segelflug.
ch unter Safety > Workshop 2016 Präsentationen zum Download zur Verfügung. Sie können
von den Safety Officern der Segelfluggruppen
für die Saison-Eröffnungsbriefings verwendet
werden.
Es folgt ein kurzer Überblick über die Schwerpunkte der Veranstaltung.
Piloten zu besprechen. Die Unfallursachen sind
wie immer sehr vielfältig, in der Präsentation
zum Rückblick sind detaillierte Informationen zu
finden.
Klare Kommunikation ist schwierig, beim Fliegen
manchmal aber sicherheitsrelevant. In der Nähe
eines Flugplatzes ist es wichtig, dass man sich
anmeldet und seine Ansichten möglichst klar bekannt gibt – und das auf der richtigen Frequenz…
Spezielle FLARMs warnen jetzt auch Modellflieger, wenn Flugzeuge ihren Flugplatz überfliegen.
Rückblick 2015
Diese Geräte können auch so eingestellt werden,
Die Segelflugsaison 2015 blieb sicher vielen Pi- dass Flugzeuge mit FLARM vor dem Modellflugloten in guter Erinnerung, das häufig gute Wetter betrieb gewarnt werden.
erlaubte zum Teil herausragende Flüge. Leider
spiegeln sich die erhöhten fliegerischen Aktivi- Informationen vom BAZL
täten auch in den Unfallzahlen wieder. Im Rück- Patrick Hofer informierte über Luftraumverletblick auf das Segelflugjahr 2015 gab es insge- zungen (ATIR). In direktem Zusammenhang dasamt 15 zum Teil schwere Unfälle mit Schweizer mit steht die Diskussion um Transponderpflicht
Die sichere Bedienung der Instrumente
mit allen ihren Möglichkeiten erfordert
mehrere Stunden
Lern- und viel
Übungsaufwand.
Bild: R. Bieri
Segelflug Bulletin ONLINE Seite 1
bzw. die Einführung von Transponder Mandatary Zones TMZ. Auch der aktuelle Stand der
Zertifizierung der Flugschulen nach EASA sowie
die Umsetzung der UL-Fliegerei in der Schweiz
kamen zur Sprache.
Verhalten bei Flugunfällen
Nach einem Unfall haben die Beteiligten mit verschiedensten Folgen zu leben und zu kämpfen.
Über die juristischen Folgen einer Unfalluntersuchung und den Verfahren des BAZL oder der
Bundesanwaltschaft, die zum Teil über Jahre
dauern können, hat Rechtsanwalt Philip Bärtschi, Leiter des Ressorts Recht beim Aero-Club
der Schweiz, informiert.
FLARM und OGN
FLARM leistet heute – nicht nur im Segelflug einen wichtigen Beitrag zur Flugsicherheit und
bietet durch konstante Weiterentwicklung immer mehr Möglichkeiten. Neben der Basisanwendung Kollisionswarnung gibt es mit verschiedenen Technologien und Plattformen (z.B.
dem Open Glider Network OGN) Optionen zur
Flugwegverfolgung und zum Lokalisieren von
vermissten Flugzeugen. In seiner Präsentation
ging Andrea Schlapbach auf die Problematik
der schlechten FLARM-Leistungen, die bei ungünstiger Antennenposition entstehen, ein; und
damit verbunden auch auf die Interpretationsprobleme von FLARM-Warnungen sowie auf die
Gründe der (noch) schlechten Abdeckung des
OGN in der Schweiz. Am Workshop konnte eine
Projektgruppe gebildet werden, die versuchen
wird, die OGN-Abdeckung in der Schweiz zu
verbessern.
Segelflug Bulletin ONLINE Workshop Avionik
Die Avionik entwickelt sich rasend schnell und
auch die Geräte, welche in Segelflugzeugen eingebaut werden, sind zunehmend anspruchsvoll.
Dementsprechend sind immer mehr Piloten mit
den vielen Möglichkeiten überfordert. Wie kann
damit umgegangen werden? Was gehört in die
Grundausbildung, wie können Piloten gezielt
weitergebildet werden? Auf diese Fragen versuchten die anwesenden Safety Officer eine Antwort zu finden. Mit einer systematischen, stufengerechten Ausbildung kann die nötige Basis für
einen sicheren Umgang mit den Gerätschaften
geschaffen werden. Es kam klar zu Ausdruck: die
sichere Bedienung eines Navigationsrechners
mit allen seinen Möglichkeiten erfordert mehrere Stunden Lern- und viel Übungsaufwand. Man
kann aber durchaus die Optionen des Gerätes
stufenweise einsetzen. Ein Platzadler muss nur
wissen, wie viel Höhenreserve er für den Heimflug hat, er muss aber die nötigen Kenntnisse
haben, um einschätzen zu können, ob die Angaben des Rechners stimmen! Mehr Details sind in
der Präsentation «Workshop Avionik» zu finden.
Roland Bieri
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Hexentreffen in Winterthur
23. Generalversammlung und 33. Jahrestreffen der
Vereinigung der Schweizer Segelfliegerinnen (VSSF) in Winterthur
Anfang Februar trafen sich die Schweizer Segelfliegerinnen (Hexen) in Winterthur zu ihrer
Generalversammlung. Die Präsidentin Bruna
Lanfranchi konnte im Gewerbemuseum 30 Hexen und vier Herren begrüssen. Unter den Gästen weilten auch Heidi Götz (Gründerin und
Ehrenmitglied der VSSF), Christophe Petitpierre
(Sekretär des SFVS) und Peter Diggelmann (Vorstandsmitglied der Segelflugveteranen).
Stadtpräsident Michael Künzle liess es sich nicht
nehmen, die Anwesenden persönlich willkommen zu heissen.
Als er die Einladung der Hexen
erhalten habe,
sei ihm zuerst
etwas
„mulmig“ geworden.
Er habe dann
die
Website
der VSSF (Vereinigung
der
Schweizer Segelfliegerinnen)
angeschaut,
und festgestellt,
dass die Hexen
Stadtpräsident Michael Künzle beeine
seriöse
grüsste die Hexen persönlich.
Gemeinschaft
seien. Für die fliegerischen Leistungen der Segelflugpilotinnen fand der Stadtpräsident nur bewundernde Worte.
Die Hexen und Gäste lauschen den Referaten.
Das Flugzeug erhielt den Namen Jolantha, benannt nach der bekannten Pilotin Jolantha
Tschudi.
Ferner nahmen wieder einige Hexen an zentralen und dezentralen Wettbewerben im In- und
Ausland teil. An der Streckenflug-EM in Rieti
war Christine Bürki mit dabei und Daniela Nowak gab ihr Debüt an der Segelkunstflug WM in
Tschechien.
An der Segelflug SM in Buttwil nahmen Christine
Bürki und Bruna Lanfranchi teil. Sarah Schröder
und Béatrice Echter sorgten zum Abschluss der
Wettbewerbssaison an der Segelkunstflug SM in
Bad Ragaz für erfreuliche Resultate.
Bevor Bruna Lanfranchi einige Kernpunkte des
vergangenen Jahres Revue passieren liess, bedankte sie sich bei Kathrin Stäubli und Neumitglied Tamara Habicht für die Organisation der
Versammlung. Das Gewerbemuseum war nach
2012 bereits zum zweiten Mal Austragungsort
der GV. Im Namen der Hexen geht ein herzlicher
Dank an Markus Rigert, den Leiter des Gewerbemuseums, für das Gastrecht.
Taufe und Wettbewerbe
Von der Segelfluggruppe Biel wurden die Hexen
im Frühjahr zur Taufe des Arcus T eingeladen.
Christine Bürki war Taufpatin. Die Taufrede hielt
Bruna Lanfranchi.
Segelflug Bulletin ONLINE Barbara Meyer war die erfolgreichste Hexe im NSFW, nebst
einem Barpreis erhielt sie auch den Heidi Götz Wanderpokal.
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Auch im NSFW/OLC konnten die Hexen gute
Flüge einreichen.
Im September traf sich eine muntere Hexenschar in Amlikon zum Präzisionsfliegen. Obwohl
dieser Event erst eine dreijährige Tradition hat,
ist er aus dem Terminkalender der Segelfliegerinnen nicht mehr wegzudenken.
Der Herbsthöck fand bei Christine Bürki und Ueli
Messmer statt. Bruna Lanfranchi betonte, dass
zu diesem Treffen alle Mitglieder willkommen
seien, nicht nur der Vorstand!
Mitgliederwerbung
Eine Delegation der VSSF präsentierte sich an
der SM in Buttwil und an der Segelflugkonferenz
mit dem Ziel, junge Pilotinnen als Neumitglieder
zu gewinnen und Gönner für den Verein zu werben.
Neumitglieder und Gönner sind weiterhin herzlich willkommen!
My Workroom
Blick in die Werkstatt von Lilly Grundbacher mit der Elfe in
Pink.
Foto: Lilly Grundbacher
Daniela Nowak referierte über die Segelkunstflug
WM in Tschechien vom vergangenen August.
Ausblick
Für sie war es die erste Teilnahme an einer WM.
Im 2016 stehen unter anderem die Teilnahme an Es wurde bereits in verschiedenen Ausgaben
der SM in Schänis und an der RM in Yverdon des SF-Bulletins und auf den Websites der
auf dem Programm. Zudem fliegen die Hexen im SAGA und des SFVS über die stolze MedaillenNSFW/OLC mit. Das Präzisionsfliegen ist wieder bilanz der Schweizer Delegation berichtet. Trotz
in den Herbstmonaten geplant. Natürlich sind Erfolg werden dringen junge Segelkunstflugpiauch in den Segelfluglagern im Norden und im loten gesucht.
Süden immer wieder Hexen mit dabei.
Kurse und Termine unter: www.saga.ch
Finanzen
Die Kassierin Christine Bürki konnte die Jahresrechnung mit einem Gewinn von 1600.- Franken präsentieren. Das Vereinsvermögen beträgt
37‘000 Franken.
Alle statutarischen Geschäfte wurden einstimmig angenommen und der Vorstand stellt sich
in gleicher Zusammensetzung wieder zur Verfügung.
Nach dem Mittagessen wurde die Ausstellug
„Nirvana“ im Gewerbemuseum besucht.
Oldtimer, Kunstflug und Weltraum
Am Nachmittag standen drei interessante Referate auf dem Programm.
Lilly Grundbacher aus der SG Bern berichtete
über ihre langjährige Laufbahn als Segelfliegerin.
Dabei wurde schnell klar, dass ihre grosse Liebe den Oldtimerflugzeugen gilt. „Hexe Lilly“ hat
auch schon Flugzeuge selbst restauriert.
Kürzlich hat sie ihre Elfe neu lackieren lassen
und dabei das Hexenlogo sowie den Slogan der
Hexen in Pink verewigt! (Siehe Bild)
Segelflug Bulletin ONLINE Bewandert in allen Fluglagen: Die Segelkunstfliegerinnen
Daniela Nowak, Béatrice Echter (Präsidentin der SAGA) und
Sarah Schröder. (von links nach rechts).
Unter dem Titel: „Vom Segelfliegen ins Weltall“
gab uns Deborah Müller einen Einblick in ihre
spannende Tätigkeit bei der RUAG Space. Deborah Müller hält sich zeitweise in Französisch
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Guyana auf, wo sie unter anderem als Operati- Bei einem gemütlichen Apéro, spendiert von der
onsleiterin beim Zusammenbau der Ariane 5 und Stadt Winterthur, liessen die Hexen die Tagung
der Vega Nutzlastverkleidungen arbeitet.
ausklingen.
Text und Fotos:
Ihr Bericht ist im SF-Online-Bulletin zu lesen.
Lucretia Hitz
www.segelfliegen.ch
Deborah Müller (rechts) im Gespräch mit Barbara
Muntwyler.
Den Bericht über den Werdegang und die berufliche
Tätigkeit von Deborah Müller finden Sie am Ende der
Online Ausgabe: Vom Segelfliegen zur Raumfahrt
Lilly Grundbacher durfte die Brosche für die beste Leistung entgegen nehmen, flankiert von Bruna Lanfranchi (rechts) und Esther Isch
(links).
Auszeichnungen
Esther Isch nahm die Ehrungen der erfolgreichen Segelfliegerinnen vor.
Für folgende Wettbewerbe wurden Preise vergeben:
Jahreswettbewerb VSSF / Hexen-OLC
1. Barbara Muntwyler, SG Biel
2. Christine Bürki, SG Knonaueramt
3. Bruna Lanfranchi, SG Winterthur
NSFW
1. Barbara Meyer, 1153 Punkte
2. Bruna Lanfranchi, 1045 Punkte
3. Christine Bürki, 1027 Punkte
Segelflug Bulletin ONLINE Brosche für die beste Leistung
Lilly Grundbacher, SG Bern
Elke-Hackl-Wanderpokal
Babara Muntwyler, SG Biel
Heidi Götz Wanderpokal
Barbara Meyer, VSSF
Kunstflug-Brosche 2015
Daniela Nowak , SG Freiburg
Den Förderpreis für Segelfliegerinnen (CHF 1‘000.--), gestiftet von den Veteranen konnte Bruna Lanfranchi aus
der SG Winterthur an der Segelflugkonferenz bereits entgegen nehmen.
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Rings und herum um die TMA Zürich, 2015
Die grossen Flugabenteuer konnte ich dieses
Jahr nicht anpacken – das Geschäft hat es nicht
zugelassen. Da habe ich die kleinen Abenteuer
angepackt – Streckenflug zu üben über «unbekanntem Land». Ein Ziel war es für mich immer,
komplett und ohne Zuhilfe um Zürich herum zu
fliegen. Es hat ein paar Anläufe gebraucht, aber
dann war es geschafft!
Die gemachten Erfahrungen möchte ich euch
gern weitergeben. Warum? An dem Tag im Mai
sind fast alle vom Birrfeld «nur» mal wieder den
Jura entlang geflogen. Sicher auch schön, aber
doch irgendwie auch traurig, wenn man sich
überlegt, welche schöne Alternativen man dann
nicht erlebt.
Der Zürich TMA-Flug ist nur ein Beispiel zu eurer
Inspiration. Auch ich würde mich freuen, wenn
ihr eure Erlebnisse / Erfahrungen teilen würdet.
Wer ist z.B. schon um Basel oder Stuttgart herumgekommen?
Der Start: Am besten lässt
man sich gleich unter der
1350m Deckelung durch
Richtung Ammerswil schleppen (Rückgleiten zum Birrfeld
ist von da aus sicher möglich).
In der Verlängerung Richtung
Süden kommt man gut auf
den Lindenberg und hat mit
Buttwil noch eine gute Landemöglichkeit.
Hat man über Buttwil genügend Höhe gemacht, so kann
man das Reusstal Richtung
Hausen am Albis queren. Dort
am Albis geht es thermisch
fast immer wieder gut. Dazwischen im Reusstal geht es
eher nicht! Hausen wäre auch
ein guter Aussenlandplatz, ich empfehle aber sich vor dem Flug mal mit dem Anflugblatt vertraut zu
machen (der Anflug von Osten «durch» den Wald ist «interessant»).
Über dem Albis darf man etwas höher steigen – leider nicht genug, um
direkt in die Alpen einsteigen zu können. Jetzt kommt der «tricky part».
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Ich habe mehrfach gute Erfahrungen gemacht Menzingen anzufliegen (Emmen TMA beachten).
Das Gelände steigt nach Süden hin an. Bei Westwind hält man sich aber besser westlicher, dort
gibt es einen Steinbruch und andere Ablösekanten. Meist geht es hier gut – wenn nicht, kann man
nach Hausen zurückgleiten – und man kann die Höhe machen, um weiter Richtung Einsiedeln zu
kommen.
Hier sollte man Höhe tanken – dann hat man die Wahl: Will man nach Osten (Bad-Ragaz) weiter,
oder so wie ich nach Nordosten. Aber besser nichts «dazwischen»…..
An den Churfirsten hatte ich bisher nur bei
Föhnlagen richtig Spass. Mit dieser «Perspektive» war hier allerdings kein Hochkommen
möglich….
Aber keine Panik: Mollis
liegt gleich dort vorn,
aber besser noch –
Schänis liegt nördlich
um die Ecke.
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Das war aber nicht nötig. Bei Amden ging es
gut hoch bis auf Passhöhe – der Anschluss
nach Norden ist geschafft! Bei späteren
Flügen bestätigte sich
diese gemachte Erfahrung. Vielleicht daher
besser gleich Schänis
ansteuern?
Oberhalb der Churfirsten kann man dann den Blick auf den Säntis geniessen.
Das Relief erinnert übrigens sehr an das Emmental – und so fliegt es sich dann
auch – man kommt gut voran in Richtung Amlikon (östllich an der TMA vorbei).
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Der Bodensee kommt in Sicht. Die Aussenlandmöglichkeiten sind sehr gut.
Der Weiterflug über Reichenau, Richtung Singen wurde gewählt um frei von der TMA zu bleiben.
Es gibt aber sicher auch andere, direktere Routen. Da wäre z.Bsp. Schaffhausen mit dem Randen zu nennen.
Ich wähle einen nördlichen Weg nach Blumberg. An der «Alb» kann man gut Höhe tanken,
die hilft über das Donautal zu kommen.
Rings um den Schluchsee findet man gut
Anschluss für den Schwarzwald – der gibt die
Höhe, um fast direkt nachhause gleiten zu
können [verbessert die Schnittgeschwindigkeit
enorm ;-)]
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Und wenn alles geklappt hat, kann man sich freuen, so ein Ei gezeichnet zu haben!
Viel Spass auch!
Text und Bilder:
Jörg Ditzmann
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Deborah Müller
Vom Segelfliegen zur Raumfahrt
Segelfliegen (in der Segelfluggruppe Freiburg) war meine erste fliegerische Leidenschaft. Der Traum,
mal ins Weltall zu gelangen, blieb aber trotzdem immer noch der grösste Wunsch. Dadurch war eigentlich klar: Weltraumtechnologie war das Thema, dem ich meine Karriere als Werkstoffingenieurin
der ETH Lausanne widmen werde.
Nach einem zweijährigen beruflichen Aufenthalt bei der Europäischen Raumfahrt Behörde ESA, um
genauer zu sein, am European Space Research and Technology Center in Noordwijk, Noord-Holland, bekam ich die einmalige Chance, bei der RUAG Space als Launch Campaigns Manager anzufangen.
Das Aufgabenspektrum
Der Job, den ich als erste und einzige Frau ausübe, beinhaltet technische Aspekte, sowie Management Tätigkeiten. Zu meinen laufenden
Aufgaben gehört das Abwickeln von verschiedenen technischen und betriebswirtschaftlichen
Projekten für die europäische Raumfahrt.
Bei der Integration von Nutzlastverkleidungen
und Satelliten leite ich ein Schweizer Spezialisten-Team und stelle die technische Umsetzung in Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten sicher. Die Repräsentation des RUAG
Space Konzerns bei strategischen Sitzungen
mit verschiedenen Industriepartnern, Kunden
und Lieferanten vor Ort in franz. Guyana, sowie Marketingaufgaben, sind auch Teil meiner
Tätigkeiten. Die Verbesserung von technischen
Dokumenten, Anomalie-Behandlung und Koordination von Projektsitzungen sind Teil unseres
täglichen Lebens, neben der operativen Arbeit
auf dem Centre Spatial Guyanais.
Segelflug Bulletin ONLINE Geografische Lage
Das Centre Spatial Guyanais liegt in Französich
Guyana, 5°13‘18‘‘N 52°45‘14‘‘W vom Äquator
entfernt, auf dem südamerikanischen Kontinent,
an der Ostküsten zwischen Brasilien und Surinam. Französisch Guyana ist das einzige Land auf
dem Amazonas Regenwald Kontinent, welches
noch zu Europa (Frankreich) gehört. Es ist zu
90% Dschungelgebiet und zu 10% bewohnt.
Deshalb gibt es manchmal auch Besuch aus der
vielfältigen Tierwelt. Die Temperatur liegt zwischen 18°C und 35°C, und während acht Monaten im Jahr ist Tropenregen angesagt. Der Regenwald bringt aber nicht nur Tropenregen mit
sich sondern auch bis zu 95% Luftfeuchtigkeit.
Die Lokalwährung ist der Euro, und die Politik,
die eines französischen Département Outre-Mer.
Das Areal des Centre Spatial Guyanais erstreckt
sich über 700km2.
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Im Vorfeld einer Start-Kampagne werden, in Absprache mit dem Schweizer Entwicklungsteam,
die technischen Unterlagen und Aktionspläne
erstellt, die Projektmeilensteine und Operationsverläufe geplant, die Verbesserungsmassnahmen umgesetzt, die Projektkosten rapportiert
sowie die Werkzeugkalibration und Lagerbestände sichergestellt.
Der RUAG Space Anteil während einer
Start-Kampagne besteht durch die Zusammensetzung und Integration der Nutzlastverkleidung
auf die Trägerraketen Ariane 5 und Vega, sowie
einige Satelliten-Adapter und –Separationssysteme auf den Trägerraketen Soyuz, Ariane 5
und Vega.
Der Zusammenbau einer Ariane 5 Nutzlastverkleidung dauert sieben volle Arbeitstage, und die
folgende Integration (bei einem Ariane 5 Double
Launch) auf den oberen Satelliten und anschliessend auf den unteren Satelliten, beträgt acht
volle Arbeitstage. Eine Vega- oder Soyuz-Kampagne ist dementsprechend kürzer. Die ganze
Planung ist sehr eng koordiniert. Anomalien, die
auftreten können, sind dabei nicht auszuschliessen. Die Sofortmassnahmen werden in Absprache mit unseren Kunden definiert und effizient
umgesetzt, um den Rückstand auf die Planung
und dadurch grosse Verluste zu verhindern.
Einige Daten der RUAG Space Nutzlastverkleidungen:
Trägerrakete
Werkstoff
Höhe
Durchmesser
Masse
Segelflug Bulletin ONLINE Ariane 5
Composite Material
mit Kohlenstoff- und
Glas-Faser und Aluminium Honeycomb
17m
5.4m
2500kg
Vega
Composite Material
mit Kohlenstoff- und
Glas-Faser und Aluminium Honeycomb
8m
2.6m
600kg
Soyuz
Polymer in Kohlenstofffaser und Aluminium Honeycomb
11.4m
4.1m
1700kg
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Der Zusammenbau beinhaltet mechanische Verbindungen, elektrische Anschlüsse und pyrotechnische Installationen. Die Vielfalt der Operationen und die Interaktion mit Industrie Leadern
im Bereich Weltraumtechnologie macht die Arbeit extrem spannend, anspruchsvoll und lehrreich. Der Druck auf die Teams ist oft sehr gross.
Alle Operationen, bis und mit zum Roll-out der
Trägerrakete auf den Startplatz, werden in kontrollierten Clean Rooms durchgeführt. Deren
Sauberkeit wird überwacht und die chemischen
Analysen der Testmuster werden durch ein ISO
17025 zertifiziertes Labor unter den ECSS Richtlinien durchgeführt.
Die Satelliten, die unsere europäischen Trägerraketen von der Erde in die richtige Umlaufbahn
senden, sind für Navigation (z.B. Galileo Navigationssystem), Telekommunikation (Internet-,
Fernseh- und Radio-Funk) sowie militärische
Geheimdienste bestimmt.
Vielleicht werden sie nun in Zukunft, jedes Mal
wenn sie ihr Handy oder ihr GPS anschalten, an
uns denken! ...
Vega (links) und Ariane 5 (rechts) Nutzlastverkleidungen
Weitere Infos finden Sie unter den folgenden Links:
www.cnes-csg.fr
www.arianespace.fr
www.esa.int
www.ruag.com
…..oder einmal einen Launch live mitverfolgen, unter folgendem Link:
www.arianespace.tv
Für weitere Infos, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Deborah Müller
[email protected]
[email protected]
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Das Innenleben einer Ariane 5 Nutzlastverkleidung
Oben: VEGA Launch
Unten: Ariane 5 Launch
Soyuz Launch
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