Erweiterung - im Naturpark Obersauer

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Erweiterung - im Naturpark Obersauer
ETUDE DETAILLÉE
November 2014
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
Naturpark Obersauer
Fusionsgemeinde Wiltz/Eschweiler
Naturpark Öewersauer
Ausgearbeitet von einer Arbeitsgruppe
bestehend aus Vertretern des Naturpark Obersauer
und der Fusionsgemeinde Wiltz/Eschweiler
Auftraggeber:
Ministère du Développement Durable et des Infrastructures
Département de l’Aménagement du Territoire (DATer)
4, place de l‘Europe
L-1499 Luxembourg
Kontakt: Frau Liette Mathieu
in Zusammenarbeit mit
Naturpark Obersauer
15, route de Lultzhausen
L-9650 Esch-sur-Sûre
Kontakt: Frau Christine Lutgen
Auftragnehmer:
p a c t s. à r. l.
projets d’aménagement et concepts territoriaux
bureau d’études en aménagement du territoire et urbanisme
58, rue de Machtum
L-6753 Grevenmacher
p
a
c
t
s . à r. l.
Projets d’aménagement et concepts territoriaux
November 2014
Photos © : R. Clement, P. Haas, Kraidergenossenschaft und Naturpark Öewersauer
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis1
Abbildungsverzeichnis4
Tabellenverzeichnis4
I. Vorwort
5
II. Einleitung
9
1. Erläuterung zum Prozess der Erweiterung
2. Darstellung der erweiterten Naturparkregion
9
11
III. Angepasste Etude Préparatoire
17
IV. Ziele, Maßnahmen und Leitprojekte
19
Leitbild des Naturparks Obersauer
19
Arbeitsschwerpunkte21
1. Arbeitsschwerpunkt „Koordination und Vernetzung“
23
1.1. Einleitung23
1.2. Operationelle Ziele
23
1.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
24
1.3.1. Entwicklung von Informationsmaterialien und Begleitung von
Pilotprojekten zur nachhaltigen Regionalentwicklung
24
1.3.2. Koordination, Entwicklung oder Begleitung von Planungsinstrumenten
und Konzepten zur nachhaltigen Regionalentwicklung und räumlichen Planung 25
1.3.3. Impulse setzen für respektive Begleitung der Ausweisung von Schutz­gebieten, zu schützenden Kultur- und Naturdenkmälern sowie der Planung und
Umsetzung von regional relevanten Infrastrukturmaßnahmen
26
1.3.4. Aufarbeitung von Grundlagendaten und planungsrelevanten
Informationen27
1.3.5. Vertreter der Region in nationalen und grenzübergreifenden
Arbeitsgruppen und Netzwerken28
1.3.6. Organisation von Beratungsleistungen und Weiterbildungsangeboten
in Zusammenarbeit mit anderen Partnern in naturparkrelevanten
Bereichen29
1.3.7. Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe sowie einer nachhaltigen,
an den ländlichen Raum angepassten regionalen Wirtschaftsstruktur
2. Arbeitsschwerpunkt „Regionales Marketing“
30
33
2.1. Einleitung
33
2.2. Operationelle Ziele
33
2.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
34
2.3.1. Weiterentwicklung und Verbreitung der Corporate Identity
des Naturparks als Wasserregion Luxemburgs34
2.3.2. Bewusstseinsbildung und Verbesserung der Identifikation
der Bevölkerung mit dem Naturpark
35
2.3.3 Kontinuierliche und interaktive Kommunikation zur Stärkung
der regionalen Identität und der Beteiligung am Naturpark
36
2.3.4. Herausstellung und Vermarktung der Besonderheiten der Region
37
1
2.3.5. Kennzeichnung und Vermarktung von Spezialitäten aus dem Naturpark
37
2.3.6. Organisation und Koordination spezieller Naturparkevents als Brücke
zwischen Kultur, Tourismus und der Region als Wirtschaftsund Lebensraum
38
3. Arbeitsschwerpunkt „Natur- und Landschaftsschutz“41
3.1. Einleitung
41
3.2. Operationelle Ziele
41
3.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
43
3.3.1. Biologische Station als Fach- und Koordinationsstelle in der Region
43
3.3.2. Förderung einer nachhaltigen Landnutzung in Zusammenarbeit mit
der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und den Gemeinden
45
3.3.3. Erstellen von Kartierungen und Kataster für Planung und Monitoring
der Landschaftsentwicklung
47
3.3.4. Durchführung von Arten- und Biotopschutzprogrammen und -aktionen
48
3.3.5. Erstellen von natur- und landschaftsschützerischen Gesamt-konzepten
50
3.3.6. Verbesserung der Kohärenz beim Gewässerschutz
51
3.3.7. Verbesserung der Wasserqualität und ökologische Aufwertung
der Gewässer
52
3.3.8. Anregung und Begleitung von infrastrukturellen Maßnahmen im Sinne
des Wasserschutzes in der Naturparkregion
56
4. Arbeitsschwerpunkt „Umweltbildung“
59
4.1.Einleitung
59
4.2. Operationelle Ziele
59
4.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
60
4.3.1. Konzipierung und Betreuung von umweltpädagogischen Aktivitäten
für Schüler und Jugendliche sowie Erarbeitung von diesbezüglichen Materialien 60
4.3.2. Entwicklung und Koordination von regionalspezifischen
umweltpädagogischen Angeboten für Einwohner und Gäste
62
4.3.3. Sensibilisierungsangebote für Einwohner, Besucher, Gemeinden,
Gewerbe und Landnutzer im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung
63
4.3.4. Organisation respektive Beteiligung an Informations- und
Sensibilisierungskampagnen (national bzw. international)
64
5. Arbeitsschwerpunkt „Kultur“
5.1.Einleitung
67
67
5.2. Operationelle Ziele67
5.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
68
5.3.1. Konzipierung, Realisierung respektive Begleitung von Ausstellungen
zu regionalrelevanten Themen
68
5.3.2. Förderung des Erhalts und der Erlebbarkeit des kulturellen Erbes und
der ländlichen Traditionen
69
5.3.3. Unterstützung von regionsspezifischen kulturellen Aktivitäten
zusammen mit lokalen und regionalen Akteuren
71
5.3.4. Bündelung und gemeinsame Vermarktung der kulturellen Angebote
71
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
6. Arbeitsschwerpunkt „Tourismus“73
6.1.Einleitung
73
6.2. Operationelle Ziele
74
6.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
75
6.3.1. Kompetenter Empfang und Betreuung von Touristen in der Region
75
6.3.2. Stärkung von Kooperation und Koordination der touristischen
Akteure in der Region
76
6.3.3. Vorstellung der Region an regionalen, nationalen und
internationalen Veranstaltungen
77
6.3.4. Förderung eines naturerlebnisorientierten Wander-, Rad-, Reittourismus
77
6.3.5. Behutsame Inwertsetzung des Stausees für die Naherholung und
den wassergebundenen Tourismus
79
6.3.6. Aufwertung des regional relevanten kulturellen Erbes für den Tourismus
80
7. Arbeitsschwerpunkt „Landwirtschaft“
83
7.1. Einleitung
83
7.2. Operationelle Ziele
83
7.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
84
7.3.1. Beratungsbasisangebot
84
7.3.2. Spezialberatung oder Schwerpunktberatung
85
7.3.3. Unterstützung der Beratung zur Biolandwirtschaft86
7.3.4. Erhebung und Auswertung von Monitoring-Daten
87
7.3.5. Vorschläge zu und Mitarbeit bei der Formulierung von Schutzmaßnahmen und Förderprogrammen zum Wasserschutz
87
7.3.6. Label- oder Qualitätsprodukte (u.a. „Vum Séi“ Label)
89
7.3.7. Prüfung und Förderung eines umweltverträglichen Anbaus
von nachwachsenden Rohstoffen
90
7.3.8. Sensibilisierung für einen kooperativen Wasserschutz
90
7.3.9. Darstellung der positiven Auswirkungen einer wasser- und
umweltschonenden Landwirtschaft auf Trinkwasser und Umwelt
91
7.3.10.Positionierung des Naturparks als gentechnikfreie Region
91
8.Szenario zusätzlicher Projektmanager
92
8.1. Komplette Projektbetreuung durch den Projektmanager92
8.1.1 Arbeitsschwerpunkt Koordination und Vernetzung
92
8.1.2 Arbeitsschwerpunkt Tourismus
93
8.2. Hilfestellung des Projektmanagers bei der Ausführung von Projekten
V. Sensibilisierung der Bevölkerung für den Naturpark und seine Aktivitäten
95
99
3
VI.Struktur und Finanzierung des erweiterten Naturparks
1. Verwaltungsstruktur
103
103
1.1 Naturparkverwaltung ‘Service du Parc’ - Zusammensetzung,
Zuständigkeiten, Organisation
103
1.2 Naturparksyndikat - ,Syndicat pour l’aménagement et la gestion
du parc naturel de la Haute-Sûre
104
1.3 Statuten des Naturpark-Syndikats
106
2. Verwaltungskosten, Investitionsprogramm, Finanzplan
109
2.1 Personal- und Verwaltungsprogramm – interne Kosten
111
2.2 Finanzplan – externe Projektkosten
113
2.3 Investitionsprogramm
117
2.4 Bilanz zwischen Verwaltungsprogramm, Finanzplan und Investitionsprogramm
118
VII.Eventuelle PAG-Anpassungen
121
Literaturverzeichnis126
Anhang128
Angepasste Etude Préparatoire des Naturpark Obersauer
129
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Schematische Darstellung der Gemeinden im künftigen Naturpark Obersauer
12
Abbildung 2: Topographische Karte der zukünftigen Naturparkregion
13
Abbildung 3: Europäische und nationale Naturschutzgebiete in der zukünftigen
Naturparkregion14
Abbildung 4: Organigramm der Naturparkverwaltung
105
Abbildung 5: Maßnahmenplan PAG Wiltz
123
Abbildung 6: Maßnahmenplan PAG Eschweiler
125
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Abschätzung der ordinären Einnahmen zu den Personal- und
Verwaltungskosten in € für die Jahre 2014, 2015 und 2016
(bezogen auf das Basisjahr 2013)
111
Abschätzung der ordinären Ausgaben zu den Personal- und
Verwaltungskosten in € für die Jahre 2014, 2015 und 2016
(bezogen auf das Basisjahr 2013)
112
Tabelle 3: Abschätzung der ordinären Ausgaben
112
Tabelle 4: Finanzplan „prioritäre Projekte“
114
Tabelle 5: Finanzplan Projekte „Kontinuität“
115
Tabelle 6: Zusammenfassung des Finanzplans
116
Tabelle 7: Investitionsprogramm „prioritäre Projekte“
117
Tabelle 8: Investitionsprogramm Projekte „Kontinuität“
117
Tabelle 9: Bilanz118
Tabelle 10: Projektliste für zusätzlichen Projektmanager – komplette Projekte
Tabelle 2: 119
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
I. Vorwort
Vorwort von der Umweltministerin
Liebe Leserinnen und Leser,
Der Naturpark Öewersauer wurde 1999 offiziell per Großherzoglicher Verordnung gegründet und war
damit der erste Naturpark in Luxemburg. Sechs Jahre zuvor, am 10. August 1993 war das Gesetz betreffend
die Naturparke verabschiedet worden.
Ein wesentlicher Grund für die Gründung des ersten Naturparks war sicherlich die Notwendigkeit das
Gebiet um den größten und wichtigsten Trinkwasserspeicher Luxemburgs behutsam zu bewirtschaften.
Heute, rund 15 Jahre später, sind weite Teile des Naturparks per Gesetz geschützt: im Bereich der Obersauer
liegt das größte RAMSAR-Schutzgebiet Luxemburgs, das in vielen Bereichen von einem Vogelschutzgebiet
beziehungsweise mehreren nationalen Naturschutzgebieten überlagert wird.
Aber ein Naturpark steht für regionale Entwicklung allgemein – es geht also um das kreative Gestalten
und Entwickeln einer Region von und mit den Menschen vor Ort. Der Naturpark Öewersauer hat in dieser
Hinsicht seit seinem Bestehen Einiges geleistet. Die Produktpalette „vum Séi“ ist ein populäres Beispiel in
Luxemburg für die Vereinbarung von Naturschutz und wirtschaftlicher Aktivität in einer Region.
Die vorliegende Etude Detaillée sieht die Erweiterung des Naturparks Öewersauer um die künftige
Fusionsgemeinde Wiltz (mit Eschweiler) vor. Ein Schritt in die richtige Richtung ! Durch den Beitritt der
Gemeinde Wiltz gewinnt der Naturpark sicherlich an Wichtigkeit und Ausstrahlung. Als kulturelles Kleinod
ist Wiltz über die Grenzen hinweg bekannt. Mit der Zukunftsvision CAPitale 2030 zeigen die politisch
Verantwortlichen von Wiltz, dass sie gewillt sind, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Der Beitritt zum
Naturpark wird für das Ardennerstädtchen ein zusätzliches Aushängeschild sein.
Die in dieser Etude Detaillée beschriebenen sieben Arbeitsschwerpunkte „Koordination und Vernetzung“,
„Regionales Marketing“, „Natur-und Landschaftsschutz“, „Umweltbildung“, „Kultur“, „Tourismus“ und
„Landwirtschaft“ mit ihren operationellen Zielen zeigen, dass sich der Naturpark auch für die Zukunft viel
vorgenommen hat. „Naturparkarbeit“ ist niemals abgeschlossen und muss sich den Bedürfnissen der Zeit
anpassen.
Die vorliegende Studie macht klar, dass das Zukunftsziel des Naturparks Öewersauer lautet: „Den Naturpark
als vernetzendes Kompetenzzentrum für die naturparkrelevanten Themen in der Region etablieren“. Ich
wünsche den politisch Verantwortlichen, dem Personal und allen anderen Beteiligten am (erweiterten)
Naturpark viel Erfolg und sichere ihnen die volle Unterstützung meines Ministeriums zu.
Carole Dieschbourg
Umweltministerin
5
Vorwort vom Präsidenten des Naturparks und dem Bürgermeister der Gemeinde Wiltz
Im Jahr 2014 begeht der Naturpark Obersauer sein 15-jähriges Bestehen. Von Anfang an versuchten
die Gemeinden, zusammen mit beteiligten Ministerien, im Rahmen des Naturpark- Projektes einer
ganzheitlichen Vorgehensweise den Vorzug zu geben und Ökonomie (Landwirtschaft, Tourismus u.a.),
Ökologie, Kultur, Soziales untereinander zu vernetzen und somit die Lebensqualität der Einwohner zu
erhöhen.
Die Lebensqualität, die eine Region bieten kann, hängt von vielen Faktoren ab. Neben den sogenannten
„harten Standortfaktoren“ wie Infrastruktur, Verkehrsanbindung oder auch das Angebot an Arbeitsplätzen
gibt es eine Vielzahl weiterer Aspekte, die ganz entscheidend dafür sind, ob sich die Menschen dort
wohlfühlen.
Eine intakte Natur und das subjektive Gefühl von einer Region in der man sich geborgen und „zu Hause“
fühlt, spielen eine ganz besonders wichtige Rolle.
Der Naturpark Obersauer macht sich stark für diese Region, die Wasserregion Luxemburgs, mit ihrer
einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, und natürlich auch für ihre Bürger.
Wir sehen den Naturpark als Instrument für die Umsetzung einer nachhaltigen regionalen Entwicklung. Das
Ziel ist es, den Schutz der Natur mit einer wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Entwicklung in Einklang
zu bringen. Der Naturpark Obersauer bietet seiner Bevölkerung den Rahmen, um Einkommensreserven in
Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus, Handel und Handwerk zu nutzen.
Der Naturpark hat schon viele Projekte erfolgreich umgesetzt, ist auch auf Grund seiner Aktivitäten sehr
bekannt und hat nach außen hin ein positives Image.
Mit der Instandsetzung der alten Tuchfabrik in Esch-Sauer Mitte der 90er Jahre erhielt die
Naturparkverwaltung einen festen Sitz. Die Geschäftsstelle des Naturparks Obersauer, ein Infozentrum, eine
interaktive Ausstellung über den Naturpark sowie ein Museum zur Tuchherstellung befinden sich unter
einem Dach.
Heute arbeiten hier die 12 Naturpark-Mitarbeiter, in so unterschiedlichen Bereichen wie Umwelt,
Naturschutz, Kultur, Tourismus, Landwirtschaft, Marketing, Vernetzung, usw. und alle streben danach, die
Region des Naturparks, im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung weiterzubringen.
Die zum 10-Jährigen Jubiläum des Naturparks vollzogene Bilanz sowie das Beitrittsgesuch der Gemeinde
Wiltz (2007) boten den Naturpark-Verantwortlichen den Anlass, sich für die Zukunft neu aufzustellen, den
Ist-Zustand des Naturparks zu analysieren und strategische Leitlinien und Maßnahmen für die zukünftige
Arbeit des Naturparks und eine nachhaltige Entwicklung der Region zu erarbeiten.
Die zahlreichen Vorschläge, die auf den kommenden Seiten vorgestellt werden, gründen auf dem
Errungenschaften des bestehenden Naturparks und wurden in einem gemeinsamen, moderierten Prozess
zusammen mit allen interessierten regionalen Akteuren weiterentwickelt und durch neue Akzente ergänzt.
Viele dieser Projektideen, wie z.B. die Naturparkschule und der Wasserspielpark sind bereits in Umsetzung.
Für die Beteiligung an diesen Workshops und am gesamten Planungsprozess danken wir herzlich!
Die verstärkte Zusammenarbeit von Wiltz und dem Naturpark ist aus verschiedenen Gründen begrüßenswert.
Gemäß dem Programme Directeur der Landesplanung vom 27. März 2003 wird mit Wiltz ein wichtiges
regionales Zentrum im ländlichen Raum im Norden des Landes ausgewiesen. Die Gemeinde verfügt
zudem über einen Eisenbahnanschluss, der den Zugang in den Naturpark unterstützen wird. Weiterhin
stellt Wiltz mit seinem reichen Kultur-und Dienstleistungsangebot (Kulturzentrum Prabbeli, Kino, Museen,
Krankenhaus, Lyzeum), sowie kulturhistorischen Besonderheiten (z.B. dem Schloss) eine Bereicherung für
die Naturparkregion und deren Attraktivität dar.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Durch die Einbindung der Gemeinde Wiltz in den Naturpark können insbesondere auch im touristischen
und kulturellen Bereich Synergien geschaffen werden. Der Zuwachs an Bevölkerung bringt mit sich, dass
mehr lokale und regionale Akteure von den Naturparkaktivitäten angesprochen werden, was es ermöglicht
diese besser und effizienter zu organisieren und gleichzeitig mehr Menschen zu erreichen.
Dies bedeutet eine Stärkung der gesamten Region und somit auch ihrer Position im Land und darüber
hinaus.
Der „neue“ und größere Naturpark trägt somit erheblich zur Stärkung und gemeinsamen Entwicklung
unserer Region bei.
Mit der Erweiterung des Naturparks Obersauer werden neue, verbesserte Chancen für die Entwicklung der
Gesamtregion in gesellschaftlicher, kultureller, ökologischer und wirtschaftlicher Hinsicht eintreten.
Es gilt nun anzupacken und die durch die vorliegende Etude Detaillée vorgegebenen Handlungsfelder
abzuarbeiten. Dabei sind wir auf Ihrer aller Unterstützung und Mithilfe angewiesen.
Charles Pauly
Präsident des Naturpark Obersauer Frank Arndt
Bürgermeister der Gemeinde Wiltz
7
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
II. Einleitung
1. Erläuterung zum Prozess der Erweiterung
Dieses Kapitel gibt einen Einblick in die Geschichte des Naturparks Obersauer und stellt den rechtlichen Rahmen,
die Zuständigkeiten und die Prozedur für die Erweiterung des Naturparks Obersauer vor.
Zeitgleich mit dem Bau der Staumauer vor 60 Jahren wurde bereits ein erster Plan für die Schaffung eines
Nationalparks in der Obersauer-Region ausgearbeitet.
Am 24.4.1981 hielt die Regierung in ihrer Absichtserklärung zum Thema Naturschutz (Déclaration
d’Intention Générale relative au plan d’aménagement partiel concernant l’environnement naturel) fest, dass der
Naturpark Obersauer als einer von drei Naturparks ausgewiesen werden sollte. Nach einigen Studien wurde
der Entwurf den Gemeinden Anfang 1987 vorgestellt. Dieser Plan stieß aber auf heftige Gegenwehr der
Gemeinden und ihrer Bürger, da er zu viele naturschutzfachliche Ziele aufwies und damit eine Entwicklung
der Region zu verhindern drohte.
Also beschlossen die Vertreter der betroffenen Gemeinden, mit der Schaffung des Gemeindesyndikats
SYCOPAN, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und setzten die Vorschläge der Oeko-Fonds Studie „De
Naturpark Uewersauer - eng Chance fir d’Regioun“ in die Realität um.
Seitdem arbeiteten die Gemeinden eng mit den staatlichen Vertretern zusammen am Naturpark-Projekt.
Jedoch schuf erst das Naturpark-Gesetz von 1993 (Loi du 10 août 1993 relative aux parcs naturels, Mémorial
1993, S. 1198-1200) die gesetzliche Basis zur Gründung eines Naturparks.
Am 6. April 1999 wurde mit der großherzoglichen Verordnung die Gründung des Naturparks sowie
eines Syndikates zu dessen Verwaltung zunächst für eine Dauer von 10 Jahren beschlossen. Die
Mitgliedsgemeinden Boulaide, Stauseegemeinde, Winseler und die fusionierte Gemeinde Esch-Sauer,
verlängerten im Jahre 2009 und nach der gesetzlich vorgesehenen Bilanzierung, die Laufdauer des
Naturparks um weitere 10 Jahre.
Die Ziele eines Naturparks sind laut Naturparkgesetz (Art. 2):
•
der Erhalt und die Wiederherstellung der Eigenart und Vielfalt der natürlichen Umwelt, der
einheimischen Flora und Fauna,
•
der Schutz der Reinheit von Luft und Wasser sowie der Bodenqualität,
•
der Erhalt und die Wiederherstellung des kulturellen Erbes,
•
der Förderung und Orientierung einer ökonomischen und sozio-kulturellen Entwicklung, die
die legitimen Ansprüche der Bevölkerung hinsichtlich ihrer Erwerbsmöglichkeiten, Lebens- und
Wohnumfeldqualität mit einbezieht,
•
die Förderung und Orientierung von Tourismus- und Freizeitaktivitäten im Rahmen der genannten
Zielsetzungen.
Der Naturpark ist eine Region mit einem hochwertigen kulturellen und natürlichen Erbe. Er trägt als eine Art
Qualitätssiegel für die Region dazu bei, regionale Besonderheiten und Produkte, kulturelle und touristische
Aktivitäten verstärkt zu vermarkten. Dadurch setzt der Naturpark zusätzliche wirtschaftliche Impulse und
bietet den Bewohnern gleichzeitig eine verbesserte Lebensqualität. Der Naturpark ist also ein Instrument
einer nachhaltigen Regionalentwicklung – sprich „Schutz“ und „Entwicklung“ als gleichrangige Aufgaben.
Der Naturpark wird nie ein abgeschlossenes Projekt sein, sondern muss als ein dauernder Prozess
angesehen werden, der alle Konzepte und Maßnahmen beinhaltet, die sich der Gestaltung der physischen,
aber auch der sozialen und kulturellen Umwelt des Menschen widmen. Auch wird die Entwicklung der
Naturparkregion in großem Maße von der betroffenen Bevölkerung selbst entschieden indem die eigenen
Kräfte in der Region mobilisiert werden.
In diesem Sinne begrüßten die Naturparkverantwortlichen auch den im Jahre 2007 (2.Februar)
ausgedrückten Wunsch der Nachbargemeinden Wiltz und Rambrouch, um ergebnisoffene Gespräche zu
einem Naturpark-Beitritt zu führen.
Das Naturpark-Gesetz sieht in diesem Falle vor, dass die einzuhaltende Prozedur für den Beitritt neuer
Gemeinden nahezu die gleiche ist, wie bei der Gründung eines neuen Naturparks.
Deswegen wurde bereits im Jahr 2008 in der sogenannten Etude Préparatoire die grundsätzliche Orientierung
des erweiterten Naturparks festgehalten und der Bevölkerung vorgestellt. Zu diesem Zwecke wurden zwei
öffentlichen Vorstellungsrunden in Wiltz und in Perlé organisiert.
Nachdem auch der CSAT und das CSPN ein positives Gutachten zur Etude Préparatoire abgaben, beauftragte,
9
im Jahre 2009, der für die Naturparke zuständige Landesplanungsminister die Arbeitsgruppe, die Etude
Detaillée zu erstellen, welche als Entwicklungskonzept unter anderem die Zielsetzungen, Maßnahmen und
das Budget des erweiterten Naturparks detailliert darlegt.
Die Arbeitsgruppe wurde bei dieser Arbeit von Franz Handler (Geschäftsführer des Verbandes der
Naturparke Österreichs) und dem luxemburgischen Planungsbüro pact unterstützt.
Obwohl allen Beteiligten an einem konstruktiven und zügigen Vorankommen der Beitritts-Prozedur
gelegen war, wurde letztere durch zwei unerwartete Elemente stark beeinträchtigt.
Einerseits entschied der Gemeinderat von Rambrouch, in seiner Sitzung vom 11. Januar 2013, dem
Naturpark schlussendlich doch nicht beizutreten.
Da das Wegbleiben von Rambrouch einen großen Einfluss auf die in der neuen Laufdauer des Naturparks
verfügbaren Geldmittel hatte, und dementsprechend auch auf die vorgesehenen Projekte, mussten die
Planungsdokumente für den erweiterten Naturpark infolgedessen noch einmal angepasst werden. Jedoch
behielt die Arbeitsgruppe sich aus Gründen der Zeitersparnis vor, die Unterlagen nicht komplett zu erneuern
sondern ergänzte das vorliegende Dokument.
Das angepasste Planungsdossier wurde der Bevölkerung der vier Naturparkgemeinden und der Gemeinde
Wiltz in den sogenannten Feedback-Workshops am 23. Oktober 2013 (Wiltz) und am 14. November 2013
(Noertrange) vorgestellt und die regionalen Akteure zu den verschiedenen Themen eingebunden. Die
aufgrund dieser sehr anregenden Gesprächsrunden erlangten Kenntnisse wurden anschließend in die
Etude Detaillée integriert.
Andererseits fasste Wiltz im Jahre 2014 eine Fusion mit der Gemeinde Eschweiler ins Auge. Tatsächlich
werden die Gemeinden Wiltz und Eschweiler aufgrund eines positiven Bürgerreferendums vom 25.05.2014
und wie im Projet de loi 6712 - portant fusion des communes d‘Eschweiler et de Wiltz bei der Chambre des
Députés am 27.08.2014 eingereicht, vorgesehen, bereits am 01.01.2015 zur Fusionsgemeinde Wiltz
zusammenfinden.
Dies brachte eine erneute Überarbeitung der Etude Detaillée hinsichtlich wichtiger Eckpunkte mit sich1.
Die vom Naturparkgesetz vorgesehene öffentliche Auslegung und die Anhörung zur Etude Detaillée in den
Gemeinden, sowie die anschließende Entscheidung der Gemeinderäte der Naturparkgemeinden sowie
der (Einzel-)Gemeinden Wiltz und Eschweiler bezüglich der Erweiterung des Naturpark Obersauer um die
fusionierte Gemeinde Wiltz, werden die Beitrittsprozedur abschließen.
1
Aufgrund der mehrfachen Verzögerung durch die geschilderten Entwicklungen sind nicht alle Daten aus dem ursprünglichen Dokument
aktualisiert worden, da dies im Hinblick auf die strategische Ausrichtung der Etude Detaillée als flexiblem Arbeitsprogramm keinen
Mehrwert bedeutet hätte.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
2. Darstellung der erweiterten Naturparkregion
Geografische Lage und landesplanerischer Kontext
Der Naturpark Obersauer liegt im Nordwesten Luxemburgs, an der Grenze zu Belgien. Mit seinen vier
Gemeinden (Boulaide, Commune du Lac de la Haute-Sûre, Esch-Sauer u. Winseler) umfasst der Naturpark
momentan 16.231 ha (6% der Landesfläche Luxemburgs). Die Erweiterung mit Wiltz bewirkt eine Erhöhung
der Fläche um 24,2% auf 20.156 ha. Der erweiterte Naturpark entspricht somit 7,8% der Landesfläche.
Der Naturpark Obersauer befindet sich, gemäß dem Programme Directeur d’Aménagement du
Territoire von 2003, innerhalb der Planungsregion Westen. Durch die Vergrößerung des Naturparks mit
der Fusionsgemeinde Wiltz/Eschweiler, welche als regionales Zentrum (centre de développement et
d’attraction – CDA) in der Region zudem wichtige Versorgungsfunktionen übernimmt, deckt der erweiterte
Naturpark den nördlichen Teil der Planungsregion ab und verbessert seine Anknüpfungsmöglichkeiten mit
dem mittleren und südlichen Teil der Region. Aus verkehrstechnischer Sicht stellt Wiltz zudem den größten
Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs dar mit einem Anschluss zum Schienenverkehr.
Als gemeinsame Plattform von Staat und Gemeinden kann der Naturpark demzufolge innerhalb der
Planungsregion Westen eine wichtige Rolle für die Stabilisierung und kohärente Weiterentwicklung weiter
Teile dieser ländlich geprägten Westregion übernehmen. Aufgrund seiner Grenzlage zu Belgien, u.a. zum
Naturpark „Haute-Sûre Forêt d’Anlier“ und der Region Norden, mit dem Naturpark Our, kann der erweiterte
Naturpark Obersauer zudem eine wichtige Schnittstelle darstellen, welche der Westregion insgesamt zu
Gute kommt.
Auch wenn der Beitritt von Wiltz/Eschweiler den bisherigen Naturpark nicht grundsätzlich verändern wird,
so hat er doch einen Einfluss auf seine weitere Ausgestaltung; insbesondere wenn man sich vor Augen
führt, welche Entwicklung die Region in den letzten Jahren erfahren hat und wie die Erweiterung die
Naturparkregion strukturell weiterentwickelt wird.
An dieser Stelle sollen ein paar wesentliche Veränderungen dargestellt werden:
•
Durch den Beitritt vergrößert sich die Siedlungsfläche im Naturpark von 890 Hektar (2007) auf 1.277
Hektar, was 6,3% des erweiterten Naturparks ausmacht. In fast allen Ortschaften sind in den letzten
Jahren Erweiterungen an den Ortsrändern zu erkennen.
•
Mit dem Beitritt der Gemeinde Wiltz wird die Bevölkerung im Naturpark verdoppelt, sie steigt um
6.243 (01.01.2014) auf 12.451 Einwohner. Die Gemeinde Wiltz weist demzufolge mit 50,1 % die
Hälfte des Bevölkerungsanteils im erweiterten Naturpark auf.
•
Der Zuwachs im aktuellen Naturpark durch Migration ist viermal so hoch wie durch die natürliche
Bevölkerungsentwicklung. Im erweiterten Naturpark hingegen sind Migration (1,19% anstatt
1,95%) und natürlicher Zuwachs anteilsmäßig deutlich geringer (0,32% statt 0,48%). Interessant ist,
dass der erweiterte Naturpark bezüglich der Alterspyramide im Vergleich zum Land einen höheren
Anteil der unter 20-jährigen und einen geringeren Anteil der über 65-jährigen aufweist.
•
Durch den Beitritt von Wiltz/Eschweiler steigt die Zahl der Erwerbstätigen im Naturpark von 2.364
auf 4.355 an (+84%), die Zahl der Betriebe von 433 auf 793 (+83%), wobei der Anteil von Betrieben
aus dem sekundären (von 10,6 auf 13,5%) und tertiären Sektor (von 58,9 auf 65,1%) zu und dem des
primären Sektors abnimmt (von 26,6 auf 18,2%).
•
Durch die Erweiterung des Naturparks erhöht sich der Anteil der auch im Naturpark arbeitenden
Einwohner auf 36,6%; 63,4% arbeiten demnach außerhalb der Grenzen des Naturparks.
•
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung im Jahre 2007 wäre im erweiterten Naturpark aufgrund der
bereits ausgewiesenen Wohnbauflächenpotenziale ein Zuwachs von 54% (rund 5.824 Einwohner)
möglich, wobei knapp drei Viertel dieses Zuwachses in den vier aktuellen Naturparkgemeinden
stattfinden würden.
•
Das Angebot an Gewerbeflächen im Naturpark vergrößert und diversifiziert sich um ein regionales
sowie ein nationales Gebiet in Wiltz, welche insgesamt rund 480 Arbeitsplätze aufweisen (im Jahr
2007). Ergänzt werden diese durch lokale Gebiete in aktuellen Naturparkgemeinden (Esch-Sauer,
Eschweiler, Winseler).
11
Abbildung 1: Schematische Darstellung der Gemeinden im künftigen Naturpark Obersauer
Wiltz
Winseler
Lac de la Haute Sûre
Boulaide
Esch-sur-Sûre
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Abbildung 2: Topographische Karte der zukünftigen Naturparkregion
Grundlagendaten: TC 50:000 © Administration du Cadastre et de la Topographie Droits réservés à l’Etat du Grand-Duché de Luxembourg
13
Abbildung 3: Europäische und nationale Naturschutzgebiete in der zukünftigen Naturparkregion
Legende
Geplante Naturschutzgebiete
Réserve forestière (prioritär)
Zone humide (prioritär)
Zone humide
NATURA-2000-Gebiete
Vogelschutzgebiet
FFH-Schutzgebiet
Grundlagendaten: TC 50:000 © Administration du Cadastre et de la Topographie Droits réservés à l’Etat du Grand-Duché de Luxembourg,
Schutzgebiete MDDI
Geologie und Geomorphologie
Die Naturparkregion gehört den Luxemburger Ardennen, auch noch Ösling genannt, an. Diese
Mittelgebirgslandschaft ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges.
Der geologische Untergrund des Naturparks Obersauer wird somit fast ausschließlich von den gefalteten
Schichten des Devons bestimmt, und zwar zum Großteil von Schichten des Oberen Siegenium (Obere
Siegen-Stufe Sg3) sowie von Schichten des Unteren Emsium (E1). Besteht der Boden im Kern des Naturparks
also vor allem aus Schiefer des Emsiums, so durchziehen Quarzite und Quarzsandstein das Gebiet vor allem
im nördlichen Bereich.
Vom geomorphologischen Standpunkt, also vom Relief aus, dominieren in der Naturparkregion tertiäre
Verebenungsflächen mit zahlreichen Strukturterrassen und meist steilen Hängen. Das Landschaftsbild
des Naturparks wird demnach zum Großteil von ausgedehnten Hochflächen (nördlich und südlich des
Obersauertals ziehen sich Hochplateaurücken bis zu Höhen zwischen 535 und 540 mNN hin) und tiefen
engen Tälern geprägt, da sich die Sauer und ihre Nebenbäche, während einer ruckweisen Anhebung des
Öslings im Laufe der letzten 100.000 Jahre, immer tiefer in das Gestein einfraßen. So besteht zwischen den
Hochplateaus und den Fluss- und Bachtälern ein Höhenunterschied von fast 300 m. Der höchste Punkt im
erweiterten Naturpark liegt im Westen der Gemeinde Lac de la Haute-Sûre auf 537mNN; der tiefste Punkt
befindet sich entlang der Sauer bei 235 mNN im Osten der Gemeinde Esch-Sauer.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Der geologische Untergrund und das Relief prägen auch das Abflussverhalten der Gewässer und Böden,
die geomorphologischen Merkmale der Wasserläufe (Bestandteile der Bachsohle,…), so wie die allgemeine
Beschaffenheit des Gewässersystems (Gefälle, Drainagedichte, Talform,…). Die wichtigsten Gewässer im
Naturpark sind die Sauer und die Wiltz und ihre jeweiligen Nebenbäche.
Klima
Das Klima ist kühler und niederschlagsreicher als im Gutland. Die Jahresmitteltemperatur erreicht 7,5 °C auf
den Hochebenen und 9,0 °C in den Tälern, die jährliche Niederschlagsmenge liegt meist zwischen 850 mm
und 950 mm. Trotz dieser hohen Niederschlagsmengen können sich keine großen Grundwasserspeicher
bilden: durch den kompakten, wasserundurchlässigen Schiefer und die bereits in geringer Tiefe
geschlossenen Klüfte des Schiefergesteins fließt der größte Teil der Niederschläge oberflächlich ab.
Vegetation und Landnutzung
Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist mit 6.218 ha (38,3% der gesamten Naturparkfläche) respektive
8.051 ha nach der Erweiterung (39,9%) relativ hoch. Im Gegensatz zum landesweiten Durchschnitt ist
der Anteil an Dauergrünlandflächen im Naturpark jedoch geringer (das Verhältnis Dauergrünland/Acker
ist im Naturpark 1:2; landesweit 1:1). Die landwirtschaftlichen Flächen weisen deutliche Merkmale der
sogenannten „openfields“ auf. Es handelt sich hier um eine offene, eher schwach strukturierte Landschaft
mit ausgedehnten Ackerflächen.
Die Hangbereiche sind dagegen meist stark bewaldet. Neben Nadelwäldern kommen hier u.a. HainsimsenEichenniederwälder, wärmeliebende Eichen-Hainbuchenwälder, Hainsimsen-Buchenwälder sowie – in
den unteren Hangpartien – Perlgras-Waldmeister-Buchenwälder vor. Stellenweise sind kleinflächige
Schluchtwälder, respektive Auwälder anzutreffen. So sind im erweiterten Naturpark fast 50% der Oberfläche
mit Wald bedeckt, wobei der Laubwald mit 23% über dem Anteil des Nadelwalds (18%) liegt.
Ebenfalls landschaftsprägend für den Naturpark Obersauer sind die infolge des dichten Gewässernetzes
zahlreichen Wiesentäler. Die oft schmalen Täler, die wegen der Bodenbeschaffenheit keine intensive
landwirtschaftliche Nutzung zulassen, werden meist als Viehweide, seltener als Mähwiese, genutzt. Viele
dieser Täler sind heute nicht standortgerecht mit Fichtenbeständen bepflanzt. Falls nicht, so sind im
unmittelbaren Bereich der Bäche beidseitig Feucht- und Nasswiesen anzutreffen. Je nach Intensität oder
Aufgabe der Nutzung kommen hier Binsenwiesen, Feuchtwiesen mit Sumpfdotterblume, Mädesüßbestände,
Großseggenriede und Flachmoore vor.
Was diese natürlichen Lebensräume betrifft, so machen Wiesen und Weiden rund 18%, Gewässer rund 2%
und Ruderalstandorte ebenfalls 2% der erweiterten Naturparkfläche aus. Dem gegenüber stehen ca. 6,3%
an Siedlungs- und Verkehrsfläche, wobei hier insbesondere Wiltz als städtischer Siedlungsraum auffällt.
Keine Bedeutung im erweiterten Naturpark haben – bis jetzt – Streuobstwiesen.
Besondere natürliche Lebensräume
Obwohl die Gewässer und Wasserökosysteme eine eher geringe territoriale Ausdehnung haben, stellen sie
dennoch eines der Hauptelemente im erweiterten Naturpark dar. Allgemein gehören Wasserökosysteme
zu den artenreichsten Biotopen, gleichzeitig aber auch zu den gefährdetsten Lebensräumen in Luxemburg
(landesweiter Rückgang von 82% zwischen 1962 und 1999, laut Observatoire de l‘environnement naturel).
Das Flußgebiet der Obersauerregion ist trotz einiger Defizite (z.B. Durchgängigkeit) jedoch vergleichsweise
naturnah und zeichnet sich durch eine gute morphologische, biologische und chemische Qualität aus.
Durch die Erweiterung des Naturparks wird der Anteil des Einzugsgebietes der Obersauer, das innerhalb
der Naturparkgrenzen liegt, von 62% (132 km2) auf 65% (138 km2) erweitert. Der Anteil des Flußsystems, das
innerhalb der Naturparkgrenzen liegt, bleibt mit 60% (243 km) unverändert.
Die verschiedenen Lebensräume und ihre Verteilung belegen den grünen Charakter und den hochwertigen
Naturraum, der den Naturpark ausmacht. Nicht umsonst liegt im Bereich der Obersauer das größte
RAMSAR-Schutzgebiet Luxemburgs und das drittgrößte zusammenhängende FFH-Gebiet des Landes,
welches in vielen Bereichen von einem Vogelschutzgebiet bzw. mehreren geplanten – nationalen –
Naturschutzgebieten überlagert wird. Von den geplanten fünf nationalen Naturschutzgebieten (vier „zones
humides“, ein „réserve forestière“) werden drei gemäß nationalem Naturschutzplan als prioritär betrachtet.
Kleinere FFH-Gebiete befinden sich entlang der Wiltz im Norden. Der Obersauerstausee wird zusätzlich von
zwei sanitären Schutzzonen geschützt.
Dass nach Überlagerung sämtlicher Flächen rund 5.409 ha und somit fast 26,8% der Fläche des
erweiterten Naturparks durch (mindestens) eine Schutzgebietsausweisung belegt sind, unterstreicht
den Naturschutzwert der Region. Umso mehr müssen also hier alle Kräfte gebündelt werden, um das
naturhistorische Erbe im Naturparkgebiet langfristig zu erhalten.
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Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
III. Angepasste Etude Préparatoire
Conformément à la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels l’art. 6 étude détaillée:
1. l’étude préparatoire complétée en fonction de la procédure prévue aux articles 7 et 8 de la présente loi.
Die Vorstudie (Etude Préparatoire) wurde in den Jahren 2008 / 2009 auf Basis der ursprünglichen
Planungsabsichten ausgearbeitet. Diese sahen neben der Erweiterung des Naturparkgebietes mit der
Gemeinde Wiltz, ebenfalls eine Ausweitung auf die Gemeinde Rambrouch vor.
Unter dieser Voraussetzung wurde die Vorstudie der interessierten Bevölkerung im Frühjahr 2009 in zwei
Informationsveranstaltungen in Wiltz und in Rambrouch vorgestellt.
Da der Gemeinderat von Rambrouch sich Anfang 2013 gegen einen Beitritt zum Naturpark Obersauer
ausgesprochen hat, wurde die Gemeinde im weiteren Planungsprozess – und damit auch dem vorliegenden
Dokument – nicht mehr berücksichtigt.
Das Dokument der Etude Préparatoire ist im Anhang dieses Dokumentes zu finden.
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Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
IV. Ziele, MaSSnahmen und
Leitprojekte
Conformément à la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels l’art. 6 étude détaillée:
2. a) les objectifs poursuivis en ce qui concerne la protection de l’environnement, la conservation et la restauration du caractère et de la
diversité du milieu naturel et du patrimoine culturel, l’aménagement du territoire, la sauvegarde des intérêts des acteurs économiques
locaux, le développement rural, économique, socio-culturel et touristique du territoire concerné;
b) les mesures à prendre pour atteindre les objectifs poursuivis ;
Leitbild des Naturparks Obersauer
Nachfolgend sind die grundlegende Positionierung, die strategischen Zielsetzungen sowie die Leitlinien für
die zukünftige Arbeit des Naturparks Obersauer kurz beschrieben:
Zukünftige Positionierung
Die grundsätzliche Ausrichtung des Naturparks als Instrument einer nachhaltigen Regionalentwicklung soll
in dieser Form weitergeführt werden.
Nachhaltige Regionalentwicklung bedeutet die Beachtung der drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und
Soziales. Dieser Dreiklang muss immer wieder neu verhandelt werden (auf lokaler und globaler Ebene),
muss erprobt und reflektiert werden um eine umweltverträgliche Zukunft zu erreichen.
Nachhaltige Regionalentwicklung zielt also auf die innovative und zukunftsfähige wirtschaftliche
Entwicklung einer Region, verbunden mit einer nachhaltigen Nutzung und dem Schutz der natürlichen
Umwelt und einer Verbesserung der Lebensqualität. Dies geschieht mit Hilfe einer Strategie, die auf
Beteiligung, Kompetenz und Verantwortungsübernahme der Menschen und Institutionen in den Regionen
nach dem Prinzip der Subsidiarität setzt.
Ergänzt werden soll diese Ausrichtung mit einer Profilierungskomponente, dem Thema „Wasser“. Wann
und wo immer möglich soll dieses Thema auch in den einzelnen Bearbeitungsbereichen mitgedacht und
-bearbeitet werden. Zur Unterstützung der Profilierung sollen aber auch einige interessante, überregional
bedeutsame Angebote dazu entwickelt werden (Bsp. Wasserspielpark).
Als Kommunikationsinstrument für die zukünftige Positionierung soll das entwickelte Naturparkbild
dienen.
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Strategische Zielsetzungen des Naturparks
Nachfolgend sind die strategischen Zielsetzungen des erweiterten Naturparks Obersauer unter
Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen aufgelistet:
•
Erhaltung und Inwertsetzung des natürlichen und kulturellen Erbes
•
Förderung der sozioökonomischen und kulturellen Entwicklung der Region im Sinne einer
nachhaltigen Regionalentwicklung
•
Förderung des Tourismus im Einklang mit Natur und Umwelt – Schwerpunkt „Wasserregion
Luxemburgs“
•
Verbesserung von Umwelt-, Boden- und Wasserschutz
•
Sichtbarmachung des Naturparks und seiner Leistungen in der Region*
•
Ausbau des Naturparks zur bedeutendsten regionalen Koordinations- und Vernetzungsplattform
für Nachhaltige Regionalentwicklung *
* neu gegenüber der bisherigen Etude Detaillée
Leitlinien für die einzelnen Bereiche
Für die wesentlichen Bereiche der Naturparkarbeit (siehe Bild oben) wurden auch qualitativ inhaltliche
Leitlinien definiert, die in der Etude Préparatoire beschrieben wurden. Für die Erreichung der nachfolgenden
Operationellen Ziele und die Umsetzung der Maßnahmen sollen folgende Leitlinien gelten:
•
Der Naturpark Obersauer steht für einen modernen Landschaftsschutz in Zusammenarbeit mit den
Landnutzern in der Region
•
Der Naturpark Obersauer steht für die Entwicklung und Förderung eines nachhaltigen,
umweltverträglichen Naturtourismus
•
Der Naturpark Obersauer steht für den Erhalt der ländlichen Kultur und die kulturelle Belebung der
Region
•
Der Naturpark Obersauer steht für die Förderung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen
Landwirtschaft und die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse
•
Der Naturpark Obersauer steht für die Vermarktung der Region als Wasserregion Luxemburgs mit
seinen qualitativ hochwertigen touristischen, kulturellen und kulinarischen Angeboten
•
Der Naturpark Obersauer steht als Koordinations- und Vernetzungsplattform für eine
partnerschaftliche und nachhaltig ausgerichtete Regionalentwicklung
•
Der Naturpark Obersauer steht für eine erlebnisorientierte Sensibilisierung von Einwohnern und
Besuchern zu regionsspezifischen Umweltthemen
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Arbeitsschwerpunkte
Im Folgenden sind für die sieben Arbeitsschwerpunkte (Kapitel 1-7) des Naturparks jeweils die operationellen
Ziele sowie die geplanten Maßnahmen und Leitprojekte im Detail beschrieben. Wichtig zu bemerken ist,
dass die angeführten Maßnahmen nicht als statisches Gerüst für einen 10-jährigen – und damit doch sehr
langen – Zeitraum zu verstehen sind, sondern als Handlungsrahmen, da der Naturpark ein dynamisches
Gebilde ist und sich auch an den realen Entwicklungen und Handlungsoptionen orientieren muss.
Die Schwerpunktsetzungen für die künftige Projektarbeit wurden von einer Arbeitsgruppe bestehend aus
dem Naturparkgremium und Vertretern der Gemeinde Wiltz in mehreren Arbeitssitzungen diskutiert und in
Abwägung mit dem finanziellen Spielraum des Naturparks fest gehalten. Diese Festsetzung findet sich über
ein Farbschema im folgenden Kapitel wieder. Jedes Projekt ist einer der folgenden Kategorien zugeordnet:
Prioritäres Projekt - Leitprojekt
Prioritäres Projekt
Optionales Projekt
Ausdehnung des Projektes auf Wiltz (Kontinuität)
Diese Schwerpunktfestlegung wurde mit der Bevölkerung des erweiterten Naturparks im Rahmen von
einem Workshop am 14.11.2013 in Noertrange diskutiert.
Die in den einzelnen Bereichen vorgesehenen regionalen Leitprojekte sind als solche ebenfalls im Text
durch einen Rahmen speziell gekennzeichnet. Diese sind von großer Bedeutung für die Schärfung des
Profils und die Weiterentwicklung der Corporate Identity des Naturparks.
Manchmal wurden Maßnahmen definiert, die auch in anderen Schwerpunktbereichen Platz finden könnten.
Hier wurde versucht sie in dem aus jetziger Sicht prioritären Bereich zu positionieren. Um mögliche
Verbindungen darzustellen wurden hinter den Maßnahmen Querverweise (gekennzeichnet durch „ > QV“)
angeführt, die sich auf die operationelle Ziele jener Schwerpunktbereiche beziehen, die inhaltlich auch
damit befasst sind.
Szenario zusätzlicher Projektmanager
In Kapitel 8 finden sich Maßnahmen, die zwar als wichtig im Sinne der Kontinuität bzw. sogar als prioritär
identifiziert wurden, jedoch mit den aktuell bestehenden personellen Ressourcen des Naturparks nicht
verfolgt werden können. Hier würde eine zusätzliche Arbeitskraft in Form eine Projektmanagers benötigt,
um die Projekte in die Realität umzusetzen. Zum Teil handelt es sich um einen Teilbereich der Projekte die in
den Kapiteln 1-7 beschrieben werden. An der entsprechenden Stelle im Text wird deswegen der Verweis auf
den zusätzlichen Projektmanager vorgenommen (gekennzeichnet durch > unterstützt durch PM2 – (PM2
= Projektmanager 2))
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Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
1. Arbeitsschwerpunkt „Koordination und Vernetzung“
1.1. Einleitung
Das Instrument des Naturparks beruht auf einem partnerschaftlichen Ansatz zwischen Staat und
Gemeinden, welche gemeinsam versuchen eine spezifische Region mit ihrem besonderem kulturellen und
natürlichen Erbe zu bewahren und gleichzeitig gezielt weiterzuentwickeln, im Sinne einer nachhaltigen
sozioökonomischen Stärkung der Region, welche nicht nur den Besuchern, sondern auch den Einwohnern
und Betrieben der Region zu Gute kommt. Eine gute Vernetzung und Koordination zwischen allen Akteuren
und Sektoren ist eine wichtige Voraussetzung, damit nachhaltige Synergien dauerhaft in der Region
entstehen und so die Region fit für die Zukunft gemacht wird.
Die Erweiterung des bestehenden Naturparks Obersauer durch die Gemeinde Wiltz ist eine Chance,
um Synergien noch besser zu entwickeln und das Angebot in der Region abzurunden. So kann die
Naturparkregion beispielsweise durch die Erweiterung auf eine bessere Versorgung der Region
zurückgreifen, insbesondere durch den Versorgungsschwerpunkt Wiltz und einen besseren Anschluss an
den öffentlichen Verkehr, speziell über den Bahnhof in Wiltz.
Wie in der allgemeinen Einleitung beschrieben wird sich die zukünftige Naturparkregion, wie jede andere
Region auch, durch die Erweiterung, aber nicht ausschließlich dadurch, in Zukunft weiterentwickeln und
ihr Erscheinungsbild verändern. Als Naturparkregion wird sich die Region wichtigen Herausforderungen
in den Bereichen der Siedlungsentwicklung, der Infrastrukturplanung, des Ressourcenschutzes,
der sozialen Integration und der Wettbewerbsfähigkeit zu stellen haben und gleichzeitig sicherstellen
müssen, dass das historisch gewachsene und die Region prägende Landschaftsbild als Kapital für die
Regionalentwicklung langfristig erhalten bleibt und nicht durch eine unkoordinierte Entwicklung an
Qualität und Reiz verliert.
1.2. Operationelle Ziele
In diesem Sinne verfolgt der Naturpark Obersauer das strategische Ziel sich als Koordinations- und
Vernetzungsplattform für eine partnerschaftliche und nachhaltig ausgerichtete Regionalentwicklung in
der Region Obersauer weiterzuentwickeln mit folgender Schwerpunktsetzung:
•
Förderung einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung und einer dem ländlichen Kontext
angepassten Bauweise im Einklang mit dem Landschaftsbild sowie dem Schutz von Natur,
Landschaft und natürlichen Ressourcen, insbesondere dem Wasser
•
Verbesserung der regionalen Koordination bei der Planung und Umsetzung von regional
bedeutsamen Gebietsausweisungen, Infrastrukturmaßnahmen und Konzepten im Sinne einer
nachhaltigen Regionalentwicklung
•
Unterstützung der regionalen Wirtschaft und der Erwerbstätigen zur Verbesserung der regionalen
Wertschöpfung und der sozioökonomischen Entwicklung der Region aufgrund ihrer spezifischen
Potenziale
Zur Konkretisierung dieser strategischen Zielsetzungen verfolgt der erweiterte Naturpark in Anlehnung
an die bisher im Naturpark geleistete Arbeiten die folgenden beiden operationellen Ziele mit den
entsprechenden Maßnahmen:
1/ Der Naturpark soll als „regionale Anlaufstelle und Koordinationsplattform“ für eine nachhaltige
Regionalentwicklung und Planung im regionalen, nationalen und grenzübergreifenden Kontext
gestärkt werden.
2/Der Naturpark soll den „Aufbau von strategischen Partnerschaften zur Förderung der
sozioökonomischen Entwicklung und einer nachhaltigen regionalen Wertschöpfung“ unterstützen.
Allerdings – und dies ist wichtig hervorzuheben – ist der Naturpark mit seinen Strukturen und Kompetenzen
nicht alleine zuständig und verantwortlich für alle Veränderungsprozesse in der Region in den genannten
Bereichen. Viele relevante Kompetenzen sind breit gestreut und befinden sich auf staatlicher Ebene
respektive direkt in den Gemeinden (z.B. Flächennutzungsplanung,…). Für den Naturpark Obersauer ist
es deswegen von Bedeutung seine Handlungsmöglichkeiten im Sinne einer nachhaltigen Planung und
Regionalentwicklung in Zusammenarbeit mit allen relevanten und kompetenten Akteuren in der Region
abzustimmen und weiterzuentwickeln. Natürlich werden die Aktivitäten des Naturparks auch mit den
nationalen Politiken und Richtlinien abgestimmt. Für den Naturpark wichtige Partnerschaften in zentralen
Aufgabenbereichen der Regionalentwicklung sollen dementsprechend aufgebaut und vertieft werden.
Die dazugehörigen Maßnahmengruppen/Maßnahmen werden im nächsten Kapitel definiert.
Da der Naturpark ein dynamisches Gebilde ist und sich stets an den realen Entwicklungen und
Handlungsopportunitäten orientieren muss, versteht sich die Beschreibung der Maßnahmen nicht als
statisches Gerüst, sondern als Rahmen für die Organisation und Entwicklung der Aktivitäten des Naturparks
zum Arbeitsschwerpunkt „Koordination und Vernetzung“.
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1.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Operationelles Ziel: Anlaufstelle und Koordinationsplattform für eine
nachhaltige Regionalentwicklung und Planung im regionalen, nationalen und
grenzübergreifenden Kontext
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
1.3.1. Entwicklung von Informationsmaterialien und Begleitung von Pilotprojekten zur
nachhaltigen Regionalentwicklung
a. Entwicklung von Beratungs- und Planungshilfen zur Förderung einer nachhaltigen
Siedlungsentwicklung
Der Naturpark verfügt über keine direkten Kompetenzen im Bereich der Siedlungsentwicklung und
kommunalen Raumplanung. Diese liegen im Wesentlichen bei den Gemeinden. Als regionale Plattform
kann und muss der Naturpark sich allerdings einbringen in eine nachhaltigere Gestaltung der
Siedlungsentwicklung in der Naturparkregion, da ein kohärentes Dorf- und Landschaftsbild eine
wesentliche Grundlage für den Naturpark ist.
In diesem Sinne soll der Naturpark in Zusammenarbeit mit anderen Partnern (z.B. Staat, externen Experten,
Stiftungen,…) die Gemeinden, aber auch private Akteure beim nachhaltigeren und qualitätsvollen
Gestalten ihrer Bauvorhaben, ihrer Dörfer und Städte unterstützen – durch entsprechende Beratungs- und
Planungshilfen in unterschiedlicher Form (Broschüren, Seminare, Informationsveranstaltungen,…). Die
potenzielle Themenliste ist groß und flexibel an aktuelle Fragestellungen anzupassen. In Anlehnung an die
Etude Detaillée 1997 sollen an dieser Stelle folgende Themen erwähnt werden, welche auch heute noch für
die Naturparkregion relevant sind:
•
ortstypisches Bauen und Wohnen/landschaftstypische Bauformen und Materialien
•
Inwertsetzung alter Bausubstanz
•
Entsiegelung und Vermeiden von Versiegelung
•
Lebensräume in und um das Haus
•
ortstypische Vegetation
•
usw.
> Querverweis = QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als
Kompetenzzentrum für Natur und Landschaft in der Region
b. Unterstützung von Pilotprojekten für nachhaltiges Bauen, Energieeffizienz
und erneuerbare Energien
Neben Beratungs- und Planungshilfen sind Pilotprojekte mit modellhaftem Charakter eine zusätzliche
Möglichkeit eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und Planung in der Naturparkregion zu unterstützen.
Auch wenn der Naturpark selbst – mit Ausnahme des Naturparkzentrums in der Tuchfabrik – in der Regel
nicht Bauträger ist, so kann er jedoch dazu beitragen, dass, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und
privaten Akteuren, in der Naturparkregion Modellprojekte zum Thema Bauen entstehen, welche konkret
zeigen, wie die Siedlungsentwicklung nachhaltiger gestaltet werden kann. Gute Beispiele werden nicht
nur den Ortschaften des Naturparks direkt zu Gute kommen, sondern darüber hinaus das Interesse am
Naturpark steigern und andere Akteure anregen auf den gemachten Erfahrungen aufzubauen. Da die
Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien zunehmend von Bedeutung sind, sollen sie in etwaigen
Modellvorhaben eine besondere Rolle einnehmen. Speziell Vorhaben öffentlicher Planungsträger in der
Region, z.B. von Naturparkgemeinden, eignen sich um Modellvorhaben umzusetzen.
Der Naturpark kann in diesem Kontext Impulse setzen, z.B. durch besondere Auszeichnung von guten
Vorhaben, und eine begleitende Aufgabe übernehmen, damit die Projekte Aufmerksamkeit erlangen und
der Erfahrungsaustausch gefördert wird.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
1.3.2. Koordination, Entwicklung oder Begleitung von Planungsinstrumenten und Konzepten zur
nachhaltigen Regionalentwicklung und räumlichen Planung
a. Koordinierte Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes
in der Naturparkregion
Als ländliche geprägte Region ist die Naturparkregion auch nach dem Beitritt von Wiltz eine eher dünn
besiedelte Region, welche besondere Anforderungen an die Verkehrsorganisation insbesondere den
öffentlichen Verkehr stellt. Da die Region in Zukunft weiterhin gut und möglichst umweltverträglich für die
Einwohner und die Gäste erreichbar sein soll – speziell in der Sommerzeit, wenn der Stausee eine wichtige
Attraktion für Touristen und Tagesgäste ist – ist es wichtig, dass die Naturparkregion über ein kohärentes
Mobilitätskonzept verfügt, welches alle Verkehrsträger umfasst (motorisierter Individualverkehr, öffentlicher
Verkehr, Rad, Fußgänger). Mit dem Bahnhof in Wiltz wird sich die Anbindung des Naturparks an den ÖV
verbessern.
Das Erstellen eines Gesamtverkehrskonzeptes war bereits eine Maßnahme in der Etude Detaillée von 1997,
konnte aber in der Folgezeit aus verschiedenen Gründen nicht realisiert werden. Mit der Erweiterung
des Naturparks und der wachsenden Bedeutung des Verkehrs ist im Rahmen einer nachhaltigen
Regionalentwicklung die Erarbeitung eines kohärenten Verkehrskonzeptes für Besucher in der Region
unumgänglich. Hier soll der Naturpark entsprechende Schritte in die Wege leiten, damit in Zusammenarbeit
mit allen relevanten Partnern (z.B. Staat, Gemeinden, Mobilitätszentrale,…) innovative Konzepte für das
Mobilitätsmanagement in der Region erarbeitet und realisiert werden.
b. Sicherstellen einer kohärenten Besucherlenkung in der Region und um den Stausee
Mit der Erweiterung des Naturparks werden neue Anziehungspunkte, wie z.B. das Schloss in Wiltz, die
bisherigen Attraktionen ergänzen. Zudem werden sich die Naturparkgrenzen verändern, was für die
Wahrnehmung der Region von Bedeutung ist, besonders für Personen, welche sich in der Region bewegen
und Orientierung suchen. Dies soll durch eine entsprechende Beschilderung gewährleistet werden, ohne
dass ein „Schilderwald“ entsteht, der das Landschaftsbild und die Verkehrssicherheit negativ beeinflussen
würde.
Neben der allgemeinen Orientierung im Naturpark spielt auch die Organisation der Freizeitnutzung
am Stausee eine wesentliche Rolle in der Naturparkregion. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen,
dass verschiedene Arbeiten des jetzigen Naturparks (z.B. Studie Nachhaltiges Nutzungskonzept Stausee
Obersauer von Futour/EFOR) bereits deutlich gezeigt haben, dass es durch den Besucherzustrom am
Stausee zu Nutzungskonflikten zwischen der Freizeit- und der Trinkwassernutzung sowie dem Naturschutz
kommen kann.
Die Verbesserung dieser Situation erfordert ein angepasstes und umfassendes Besucherlenkungssystem
(z.B. Parkraumbewirtschaftung, Service-Angebote, Kontrolle,…), welches einer abgestimmten Sicht
(Wasserwirtschaft, Naturschutz, SEBES, Gemeinden, Nutzergruppen…) über die Entwicklungsziele
des Stauseegebietes bedarf und eng mit dem Verkehrskonzept verknüpft ist. Bekannte „Baustellen“
sind in diesem Bereich die Problematik der Zugänge zum Stausee für den Angeltourismus, fehlende
Anlegeplätze für Fischerboote, fehlende Stellplätze für Autos, mangelhaftes öffentliches Transportsystem,
Naturbeschädigungen in den Randbereichen der Badestrände, Müllmanagement sowie auch Konflikte im
Bereich der Freizeitaktivitäten. Der Naturpark soll als regionale Plattform dazu dienen, die Besucherlenkung
in der Region in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und Akteuren zu optimieren.
Der Aufbau einer kohärenten Besucherlenkung in der „Wasserregion Naturpark Obersauer“ betrifft die
gesamte Region und dient einer besseren Integration von Schutz und Nutzung des Stausees. Aus diesem
Grunde soll es als regionales Leitprojekt Priorität genießen.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des
Naturparks durch behutsame Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
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c. LEITPROJEKT Klimapakt
Das Gesetz vom 13. September 2012 bestimmt die Schaffung eines Klimapaktes zwischen dem
Staat (Ministerium für Nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen) und den Gemeinden. Der
Klimapakt ermöglicht eine staatliche Förderung des klimapolitischen Bestrebens der Gemeinden, den
Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen innerhalb des Gemeindeterritoriums zu reduzieren und
gleichzeitig Investitionen, Wirtschaftsaktivitäten und den Arbeitsmarkt zu stimulieren.
Mit der gemeinsamen Unterzeichnung des Klimapaktes am 07. März 2013 machten sich die
Mitgliedergemeinden des Naturparks Öewersauer sowie der Gemeinde Wiltz gemeinsam auf den Weg, die
Zielsetzungen des Klimapaktes in jeweils regionaler Zusammenarbeit umzusetzen. Auf der Ebene eines
regionalen Klimateams werden diese Gemeinden sich künftig, bis ins Jahr 2020, gemeinsam in der Region
den klimapolitischen Herausforderungen stellen und in enger Zusammenarbeit regionale Handlungsansätze
im Bereich der Energieeffizienz und der Reduzierung von Treibhausgasemissionen erarbeiten.
Der regionale Ansatz beim Klimapakt bietet die Gelegenheit, im Zusammenschluss und unter Schaffung
von wertvollen Synergien, die längst erforderlichen Anstrengungen im Bereich des Klimaschutzes
an der kommunalen Basis zu bewerkstelligen, um hier langfristig eine einheitliche und zeitgemäße
energiewirtschaftliche Strategie zu verankern.
Innerhalb dieses Arbeitsprozesses übernimmt der Naturpark Obersauer eine koordinierende Rolle in der
Organisation, der Verständigung, dem Informationsaustausch und der gesicherten Datenaufbereitung.
Der Klimaschutz ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen, sowohl für Privatpersonen wie für die
öffentliche Hand. Da viele Planungen und Maßnahmen in diesem Bereich nur im regionalen Kontext
Sinn machen, ist es wichtig dass der Naturpark eine koordinierende Rolle im Klimapakt übernimmt.
Deshalb wurde dieses Projekt als Leitprojekt definiert.
1.3.3. Impulse setzen für respektive Begleitung der Ausweisung von Schutzgebieten, zu
schützenden Kultur- und Naturdenkmälern sowie der Planung und Umsetzung von regional
relevanten Infrastrukturmaßnahmen
Die Etude Detaillée von 1997, welche zur Schaffung des Naturparks Obersauer erstellt wurde, erwähnt eine
Reihe von Maßnahmen bezüglich der Ausweisung von Schutzgebieten für unterschiedliche Schutzgüter wie
z.B. Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Bodenschutzgebiete, Wasserschutzgebiete. Darüber
hinaus wurden auch konkrete Infrastrukturvorhaben in der Region beschrieben, wie z.B. die Fertigstellung
von Kläranlagen oder der Bau einer Ringleitung. Die genannten Maßnahmen sind von Bedeutung für die
Region, werden aber nicht durch den Naturpark realisiert, sondern in der Regel von staatlicher Seite, zum
Teil in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden.
Auch in Zukunft wird es im erweiterten Naturpark zur Ausweisung von Schutzgebieten
(Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete) kommen, wobei insbesondere im Rahmen der Umsetzung des
Wasserschutzgesetzes vom 19. Dezember 2008, die Anpassung der Wasserschutzzonen von Bedeutung
sein wird. Darüber hinaus werden durch die Weiterentwicklung der Region auch neue, regional relevante
Infrastrukturen in der Region geplant werden (wie z.B. das Vorhaben des Séizenter in Insenborn).
Auch wenn der Naturpark weder bei der Ausweisung von Schutzgebieten noch bei der Realisierung von
Infrastrukturen – mit Ausnahme seiner eigenen – direkte Kompetenzen besitzt, hat die Erfahrung gezeigt,
dass der Naturpark bei der Planung und Entwicklung solch regional relevanter Vorhaben eine Hilfestellung
leisten kann. Diese Hilfestellung hat zum Ziel, die naturparkrelevanten Vorhaben mit den Akteuren zu
koordinieren, sie besser mit den Zielen der Regionalentwicklung abzustimmen und auf diese Weise eine
effizientere Umsetzung zu unterstützen. Hierzu zählen im erweiterten Naturpark besonders folgende
Bereiche:
a. Begleitung der Ausweisung und Umsetzung von Naturschutzgebieten
Begleitung der Ausweisung und Umsetzung von Naturschutzgebieten in enger Zusammenarbeit mit den
zuständigen Stellen. Folgende Gebiete sind im „Plan national pour la protection de la nature“ für eine
Ausweisung vorgesehen:
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Sites prioritaires figurant sur la liste de la DIG 81
Réserves forestières
RF 02 Parc Naturel de la Haute-Sûre - 1537 ha
Zones humides
ZH 15 Sonlez-Pamer - 133 ha
Liste alternative/complémentaire de sites en vue d’être déclarés zones protégées en réserve
forestière intégrale (RFI)
RFI 03 Noertrange Steerueder - 120 ha
RFI 06 Kaundorf Harschend - 77 ha
RFI 08 Surré Kräizbirchen - 95 ha
b. Begleitung der Konzipierung und Ausweisung von Wasserschutzgebieten
Der Naturpark soll eine begleitende Rolle bei der Konzipierung und Ausweisung von Wasserschutzgebieten
in der Naturparkregion übernehmen. Dies ist insbesondere um den Stausee – wegen seiner nationalen
Bedeutung als Trinkwasserreservoir - von essentieller Bedeutung.
c. Koordination respektive Erstellung von Inventaren über schutzwürdige Objekte (Kultur,
Naturdenkmäler, etc.) in der Naturparkregion
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
1.3.4. Aufarbeitung von Grundlagendaten und planungsrelevanten Informationen
Im Laufe seiner Existenz hat der Naturpark eine Vielzahl von Daten erhoben und bearbeitet, welche für
die Planung seiner Aktivitäten von Bedeutung sind. Dabei ist sicherlich die Arbeit der Biologischen Station
hervorzuheben. Darüber hinaus ist festzustellen, dass die gesetzlichen Anforderungen, beispielsweise was
die Flächennutzungsplanung angeht, an die Datenaufbereitung und Datenpflege insbesondere in den
Gemeinden zunehmen und gleichzeitig auch auf staatlicher Ebene immer mehr Daten generiert werden,
welche für die Regionalentwicklung interessant sind. Zudem hat auch die Etude Detaillée von 1997 des
Öfteren Maßnahmen in Relation mit der Aufbereitung von planungsrelevanten Daten erwähnt, z.B.
Solarkarte für Luxemburg, Bodenkarten, Erosionsgefährdungskarten etc.
Aufbauend auf diesen Feststellungen wird deutlich, dass auch in Zukunft die Aufarbeitung und
Zurverfügungstellung von planungsrelevanten Informationen von großer Bedeutung ist. Der Naturpark
kann diesbezüglich in der Region Obersauer eine Schnittstelle bilden, um Informationen zu koordinieren
und über verschiedene Wege u.a. den Gemeinden, der Öffentlichkeit oder Projektpartner zur Verfügung zu
stellen.
Besonders auch die neuen Kommunikations- und Informationstechnologien sollen hier als
fachübergreifende Werkzeuge (z.B. Wasserschutz, Landwirtschaft, Tourismus,…) gewinnbringend zum
Einsatz kommen. Web-GIS-Anwendungen, Geodatenbanken, GPS-Anwendungen, Smartphones u.a.
sind neue Technologien, die für die Datenlagerung, die Datenpflege, den Datenaustausch und die
Datenvermittlung äußerst nützlich sind. Unterschiedlichste Daten, z.B. aus den Inventaren und Kartierungen
des Naturparks, können zentral gepflegt, verarbeitet und dargestellt werden. Die Bereitstellung und Nutzung
der Daten für verschiedene Zielgruppen (z.B. Gemeinden, Öffentlichkeit, Projektpartner) kann vermehrt
über spezifische Anwendungen erfolgen (z.B. Web-GIS, GPS Wanderungen,…). Der freie und vereinfachte
Zugang zu Fachdaten, Basisdaten und sonstigen Zusatzdaten stellt zudem eine Entscheidungshilfe für
Gemeinden und lokale Akteure dar.
Als Ausgangspunkt wird das im Rahmen des INTERREG IV A Projektes „PACTE Haute-Sûre“ bereits
entwickelte Web-GIS dienen, mit dem erste Erfahrungswerte gesammelt wurden. Ziel ist es in den nächsten
27
Jahren die Funktionalitäten auszubauen. Dabei ist die technische Aufgabe einer zentralen Datenlagerung
und -nutzung zu lösen und Wege zu finden, die bestehenden Daten nach außen hin zu vernetzen und
darzustellen. Der Naturpark kann in diesem Kontext verschiedene Aufgabenstellungen übernehmen:
a. Kontinuierliches Zusammentragen von Daten und Informationen für
die Regionalentwicklung / verständliche Darstellung von Fachdaten
Hier soll der Naturpark als Service-Stelle für die Gemeinden dienen, um auf regionaler Ebene wichtige
Daten zu sammeln und aufzuarbeiten, um so eine kontinuierliche und koordinierte Informationsbasis für
die Gemeinden zu bilden und eine wichtige Anlaufstelle für kommunale Anfragen darzustellen.
b. Weiterentwicklung eines regionalen Web-GIS
Das Web-GIS bietet einen breiten Nutzen für viele Bereiche des Naturparks sowie auch verschiedene
Zielgruppen in der Region.
1.3.5. Vertreter der Region in nationalen und grenzübergreifenden Arbeitsgruppen und
Netzwerken
Der Naturpark ist als Koordinationsplattform in der Region ein wichtiger Ansprechpartner für
verschiedenartige Akteure welche in der Region und mit der Region Konzepte oder Pläne entwickeln
oder umsetzen möchten. In diesem Sinne ist der Naturpark bisher aufgrund seiner Fachkompetenzen
und seines fundierten Wissens über die Region häufiger eingeladen worden, sich an Arbeitsgruppen auf
grenzübergreifender, regionaler oder nationaler Ebene zu beteiligen (z.B. zur Erarbeitung des nationalen
Naturschutzplanes). Darüber hinaus ist der Austausch mit anderen Regionen und Akteuren für den
Naturpark ein wichtiges Element zur Förderung regionaler Lernprozesse und zur weiteren Gestaltung
der Regionalentwicklung. In diesem Sinne ist es von Bedeutung, dass der Naturpark sich aktiv am Aufbau
und an der Entwicklung von Netzwerken beteiligt (z.B. Netzwerk der Naturparke in der Großregion), um
auch insgesamt den Naturpark in der Region und darüber hinaus optimal zu positionieren. Aus diesem
Grunde soll der Naturpark auch in Zukunft sich verstärkt einsetzen für:
a. Gemeinsames Marketing der luxemburgischen Naturparke
b. Gemeinsame Projekte mit dem „Parc Naturel Forêt d’Anlier“
c. Vertiefung der Zusammenarbeit mit Naturparken der Großregion/Netzwerk der Naturparke
d. Mitarbeit in Arbeitsgruppen zu naturparkrelevanten Themen in der Region sowie
auf grenzübergreifender und nationaler Ebene
Aus strategischer Sicht ist an dieser Stelle die Zusammenarbeit mit den Naturparken aus der Großregion
hervorzuheben, da sich hier auf Dauer Synergiemöglichkeiten ergeben und der ländliche Raum insgesamt
in der Großregion über eine strukturierte Zusammenarbeit der Naturparke gestärkt werden kann. In diesem
Sinne soll der Naturpark Obersauer sich daran beteiligen, dass das „Netzwerk der Naturparke“, welches bis
Ende 2011 im Rahmen eines INTERREG-Projekts entwickelt wurde, dauerhaft etabliert werden kann zur
Vertiefung der Kooperation der Naturparke in der Großregion.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Operationelles Ziel: Aufbau von strategischen Partnerschaften zur Förderung
der sozioökonomischen Entwicklung und einer nachhaltigen regionalen
Wertschöpfung
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
1.3.6. Organisation von Beratungsleistungen und Weiterbildungsangeboten in Zusammenarbeit
mit anderen Partnern in naturparkrelevanten Bereichen
Als Instrument für eine nachhaltige Regionalentwicklung im ländlichen Raum muss sich der
Naturpark auch mit Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung und der regionalen Mehrwertschöpfung
basierend auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit beschäftigen. Im Zeitalter der neuen Informationsund Kommunikationstechnologien und einer wachsenden Bedeutung von Wissen (Stichwort:
Wissensgesellschaft) spielt der Transfer und die Aneignung von Wissen und Kompetenzen eine zentrale
Rolle, um als Region wettbewerbsfähig zu sein.
Allerdings darf die Region in diesem Kontext nicht nur alleine unter dem Aspekt der Wettbewerbsfähigkeit
ihrer Betriebe gesehen werden, geht es doch auch um die allgemeine Förderung einer sozialen
Nachhaltigkeit in der Region. Aus diesem Grund ist es von Bedeutung, dass die Einwohner der
Naturparkregion einen vereinfachten Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten haben, welche oftmals
ausschließlich im städtischen Raum angeboten werden.
Mittlerweile gibt es in Luxemburg viele Akteure die sich mit Beratungs- und Weiterbildungsfragen
beschäftigen, so dass es für den Naturpark sinnvoll ist Partnerschaften aufzubauen, um dazu beizutragen,
dass die Einwohner und Betriebe der Region einen besseren Zugang zu einer kompetenten Beratung
respektive zu Weiterbildungsangeboten bekommen. In diesem Sinne soll der erweiterte Naturpark:
a. Mitglied des bereits bestehenden „Guichet Unique PME“ bleiben, Weiterbildungsangebote
zusammen mit dem „Guichet Unique“ organisieren
Da im Zeitalter der Wissensgesellschaft Zugang zu Wissen und Weiterbildungsangeboten ein wichtiger
Standortfaktor ist, soll im Naturpark Obersauer das „Guichet Unique PME“, welches bereits besteht und sich
bewährt hat und in allen Naturparkgemeinden zum Tragen kommt.2
Es handelt sich dabei um eine lokale Struktur, welche Firmengründern und bestehenden Firmen im
ländlichen Raum eine kostenlose Betreuung anbietet. Das „Guichet Unique“ umfasst 4 Arbeitsbereiche:
individuelle Beratung für kleine und mittlere Betriebe, Weiterbildung, Förderung der regionalen Dynamik,
Betreuung der Gemeindesyndikate.
Das„Guichet Unique“ wird von 14 Gemeinden, welche am Projekt teilnehmen kofinanziert, sowie vom„Service
du Développement rural“ des Landwirtschaftsministeriums, der Handels-und der Handwerkerkammer.
Der Naturpark übernimmt seit der Gründung des „Guichet Unique PME“ den Kofinanzierungsanteil für
seine Gemeinden und bietet somit den Betrieben in den Naturparkgemeinden diesen Beratungsservice
kostenlos an.
b. Die Energieberatung vor Ort in Kooperation mit „MyEnergy“ (z.B. Energietechnik,
Energiesparen, erneuerbare Energien, energetische Sanierung,…) anbieten
c. Das Bildungsnetzwerk der Landakademie fördern und zusammen mit der Landakademie
Weiterbildungskurse in der Region anbieten
2
Die Landwirtschaftsberatung, welche direkt im Naturpark angesiedelt ist, wird im Kapitel zur Landwirtschaft behandelt.
29
1.3.7. Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe sowie einer nachhaltigen, an den ländlichen
Raum angepassten regionalen Wirtschaftsstruktur
Mit der Erweiterung des Naturparks durch die Gemeinde Wiltz erweitert sich das Spektrum an regionalen
Ressourcen sowie an Betrieben. Nachhaltiges Wirtschaften in einer relativ kleinen Region im ländlichen
Raum ist ein anspruchsvolles Unterfangen, welches dennoch in einem Naturpark von Bedeutung ist, gilt
es doch besonders hier neue Wege zu entwickeln, um die Wirtschaftsentwicklung mit dem Erhalt von
Ressourcen und dem Landschaftsbild und der Sicherung von Einkommen für die Erwerbstätigen aus
der Region nachhaltig zu verknüpfen. Wichtig ist, dass die Strategie der Wirtschaftsentwicklung eines
Naturparks sich positiv von anderen Regionen abhebt.
Eine zentrale Rolle kommt dabei einer nachhaltigen Inwertsetzung der regionalen Ressourcen,
besonders auch den erneuerbaren Ressourcen, sowie der Förderung – soweit möglich – von
kleinräumigeren Wirtschaftskreisläufen, zu. Bezüglich der regionalen Ressourcen hat die Etude Detaillée
von 1997 bereits drei Kategorien unterschieden: die natürlichen Ressourcen, stammend vor allem aus der
Holz- und Landwirtschaft, die ehemaligen industriellen Ressourcen (z.B. Tuchfabrik in Esch-Sauer) sowie die
historisch-kulturellen Ressourcen. Des Weiteren hat die Studie hervorgehoben, dass durch die Aufwertung
des kulturellen Erbes die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt werden kann.
Allerdings besitzt der Naturpark keine direkten Kompetenzen zur Förderung der regionalen Wirtschaft oder
zur Bereitstellung und Verwaltung von Gewerbeflächen. Dies ist auch nicht die Aufgabe eines Naturparks.
Er soll aber Impulse geben, damit die Naturparkregion sich als Standort einer nachhaltigeren Wirtschaft
profiliert und grundsätzlich wirtschaftliche Aktivitäten, welche Nachhaltigkeitskriterien gerecht werden,
in der Region eine Entwicklungsperspektive haben. In diesem Sinne soll der erweiterte Naturpark sein
Augenmerk auf folgende Schwerpunkte setzen:
a. Förderung von Strategien einer nachhaltigen Wirtschaft, etc./ Organisation von
bewusstseinsbildenden Maßnahmen; Zusammenarbeit mit Akteuren der Forstwirtschaft,
Tourismus (ORT), Hotels, Beschäftigungsmaßnahmen CIGR etc
•
zusammen mit den Akteuren der Forstwirtschaft bewusstseinsbildende Aktivitäten (z.B.
Informationsveranstaltungen, Exkursionen, Rundtisch-Gespräche,…) organisieren und Strategien
entwickeln, um aktiv eine ökologische Bewirtschaftung vom Wald, die Nutzung von zertifiziertem
Holz respektive die Weiterverwertung von Holzabfällen für die Energiegewinnung in der Region zu
fördern
•
die Zusammenarbeit mit touristischen Akteuren in der Naturparkregion sowie in den luxemburgischen
Ardennen („Office régional du Tourisme“) zur Verbesserung der Mehrwertschöpfung im touristischen
Sektor vertiefen und abstimmen (weitere Details zum Tourismus befinden sich im Kapitel 6.1.2.)
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des
Naturparks durch behutsame Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
Darüber hinaus soll die Kooperation von regionalen Wirtschaftsakteuren sowie mit Beschäftigungsinitiativen
und der Solidarwirtschaft gefördert werden.
Der erweiterte Naturpark soll Impulse geben und Kooperationen fördern, so dass beispielsweise:
•
über die „Vum Séi“ Kennzeichnung hinaus, ein Zusammenschluss von Betrieben in der Region
entsteht, welche einen besonderen Bezug zum Naturpark und dessen Zielen haben, und als „Best of
Naturpark Obersauer“ gekennzeichnet, gemeinsam naturparkspezifische Angebote in der Region
zur Verfügung stellen
•
die Zusammenarbeit mit Beschäftigungsinitiativen vertieft wird (z.B. zur Instandsetzung von
thematischen Wegen im Naturpark, zur Beschaffung und Weiterverkauf von Brennholz, zur
Organisation von Gebrauchtwarenmärkten,…)
•
ein Förderverein mit Akteuren aus der Region und darüber hinaus zur Unterstützung des Naturparks
in- und außerhalb der Region entsteht
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Schärfung des Profils des Naturparks als
„Wasserregion Luxemburgs“
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
> QV: Landwirtschaft – Operationelles Ziel: Entwicklung neuer Produkte und Einkommensmöglichkeiten
im Zusammenhang mit der Landwirtschaft
31
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
2. Arbeitsschwerpunkt „Regionales Marketing“
2.1. Einleitung
Der Naturpark Obersauer war in den vergangenen fünfzehn Jahren in vielen Bereichen sehr aktiv, sei es
in der Landwirtschaft, dem Tourismus, der Kultur oder dem Umweltschutz. Hierauf aufbauend hat der
Naturpark sich dargestellt und vermarktet und mittels einer Vielzahl von Aktivitäten nach außen einen
hohen Bekanntheitsgrad und auch ein positives Image aufgebaut.
In diesem Zusammenhang hat der Naturpark mit mehrsprachigen Broschüren und Flyern, Werbungen
und regelmäßigen PR-Kampagnen im In- und Ausland (in Zusammenarbeit mit dem ONT3) sowie mit
Messeständen auf diversen touristischen Börsen die Region nach außen, sowohl national als international,
mit Erfolg beworben.
Die Außendarstellung war bisher ein wichtiger Schwerpunkt im Naturparkmarketing. Dies soll auch in
Zukunft so bleiben, wenn man sich vor Augen führt, dass die Bezeichnung„Naturpark“ aus Sicht des Tourismus
einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellt. Beispielsweise hat eine für die Schweizer Naturpärke
unternommene Studie „Pärke von nationaler Bedeutung, touristische Marktanalyse und Erfolgsfaktoren“
(Dominik Siegrist, 2008) gezeigt, dass für 34,4% der befragten Besucher der Naturpark ausschlaggebend ist,
in die Region zu kommen. Für den Naturpark Obersauer gilt es, dieses Namenspotenzial in Zukunft noch
besser zu nutzen.
Auf der anderen Seite hat die Bilanz 2009 deutlich gemacht, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für
und die Identifikation mit dem Naturpark zu verbessern ist, obwohl der Naturpark diesbezüglich
bereits viele Akzente gesetzt hat (Informationsmaterialien, Medien- und Pressearbeit, Naturparkzentrum
inklusive „Tag der offenen Tür“, Projekte mit verstärkter Beteiligung wie z.B. Water-Art, usw.). Bei einer
Erweiterung des Naturparks gewinnt diese Feststellung allerdings noch zusätzlich an Bedeutung, da auch
neue Bevölkerungsgruppen für den Naturpark zu gewinnen sind. Für ein wirksames Innenmarketing ist
grundsätzlich eine stärkere Einbindung der Bevölkerung und der Gemeinden erforderlich.
Darüber hinaus hat die Bilanz 2009 gezeigt, dass der Naturpark Obersauer als Instrument einer nachhaltigen
Regionalentwicklung für viele Bereiche zuständig ist bzw. zu sein scheint, und deswegen ein unscharfes
Profil besitzt. Eine klarere Positionierung und Profilierung ist wichtig. Der Naturpark soll ein prägnantes
Profil erhalten, mit dem sich die Bewohner identifizieren können, das aber gleichzeitig werbemäßig nach
außen wirkt.
Da der Naturpark Obersauer mit dem Stausee Obersauer, seinen Zuflüssen und seinem Einzugsgebiet von
weit her als „Wasserregion“ erkennbar ist und auch im erweiterten Naturpark – auch in den Teilen, die
nicht an den Stausee, sondern an andere Flüsse, Bäche und Quellen anrainen – drängt sich das Thema
„Wasser“ als Alleinstellungsmerkmal des Naturparks auf.
2.2. Operationelle Ziele
Zur Umsetzung der strategischen Zielsetzung der „Sichtbarmachung des Naturparks und seiner
Leistungen in der Region“ strebt der Naturpark grundsätzlich folgendes an:
•
Im Sinne einer eindeutigen Positionierung soll die Kernkompetenz der Region – das Wasser – bei
allen Marketingaktivitäten sichtbar sein und der Naturpark Obersauer als Wasserregion Luxemburgs
dargestellt werden.
•
Gemäß dem Motto „WIR sind der Naturpark“ soll die Informationsvermittlung und das Mitwirken
der Bevölkerung und Gemeinden am Naturpark gefördert werden.
•
Der Naturpark soll als Qualitätssiegel für die Entwicklung der Region gestärkt werden und
als attraktive, erlebnisreiche, besuchenswerte Region mit touristischen, kulturellen und
kulinarischen Produkten präsentiert sein.
Das Thema „Wasser“ ist als Profilierungskomponente und Alleinstellungsmerkmal des erweiterten
Naturparks weiter zu entwickeln, sei es beim Marketing nach innen (Bevölkerung) oder nach außen
(Touristen, Gäste). Wenn und wo immer möglich soll es in den einzelnen Bearbeitungsbereichen mitgedacht
und bearbeitet werden, so dass die Beziehung der Naturparkaktivitäten zum „Wasser“ klarer transportiert
werden kann. Dies bedeutet nicht, dass der Naturpark sich in Zukunft nur und ausschließlich dem Thema
„Wasser“ widmet; es soll allerdings als „roter Faden“ eine deutlichere Orientierung für den Naturpark
darstellen und seine Aktivitäten kohärent verknüpfen.
3
Office National du Tourisme
33
Darüber hinaus muss der Naturpark von der Bevölkerung vor Ort getragen werden. Dazu ist es wichtig, die
Bürgerinnen und Bürger nicht nur über aktuelle Entwicklungen zu informieren sondern sie darüber hinaus
zur Teilnahme an der Naturparkarbeit zu animieren. Zur Stärkung des „WIR-Gefühls“ habe die Gemeinden
den Wunsch geäußert, dass die Schulen enger eingebunden werden und Kinder – die Entscheidungsträger
der Zukunft – als Multiplikatoren der Naturparkidee fungieren. Kinder und Jugendliche sollen eine
prioritäre Zielgruppe in der zukünftigen Naturparkarbeit darstellen.
Generell sollen, um die jeweiligen Zielgruppen in Zukunft besser zu erreichen und die Tiefenwirkung
der Projekte zu stärken, die einzusetzenden Mittel regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst
oder ergänzt werden. Hierauf aufbauend werden drei operationelle Ziele verfolgt und mit Maßnahmen
konkretisiert.
1/ Schärfung des Profils des Naturparks als Wasserregion Luxemburgs
2/ Verbesserung des regionalen Marketings nach innen (Gemeinden, Bevölkerung)
3/ Weiterentwicklung des regionalen Marketings nach außen (national, international)
2.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Operationelles Ziel: Schärfung des Profils des Naturparks als „Wasserregion
Luxemburgs“
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
2.3.1. Weiterentwicklung und Verbreitung der Corporate Identity des Naturparks als Wasserregion
Luxemburgs
Die Vielzahl der bisherigen Naturparkprojekte und deren ständige Weiterentwicklung hat dazu geführt, dass
das Kommunikationsmaterial des Naturparks sich zum Teil sehr unterschiedlich präsentiert (verschiedene
Formate, verschiedene Farben und Formen usw.).
a. Leitprojekt Corporate Identity: Grafische Charta zur Wasserregion
Um mehr Kohärenz in der Darstellung zu bekommen, aufbauend auf dem Leitbild der Etude Detaillée
mit den sieben Arbeitsschwerpunkten, sowie um das Thema der Wasserregion und die Erweiterung
zu berücksichtigen, soll der Naturpark seine Corporate Identity weiter entwickeln. Diese soll von einer
grafischen Charta begleitet werden, welche dann als Leitfaden für alle zukünftigen Kommunikationsmittel
des Naturparks gilt.
Darüber hinaus sollen Methoden entwickelt werden, welche mittelfristig allen naturparkrelevanten
Akteuren im Naturpark eine einheitliche Corporate Identity geben und ihre Kommunikationsmittel besser
aufeinander abstimmen. Dies gilt z.B. für Veröffentlichungen der Gemeinden (z.B. mit der Bemerkung:
Ihre Gemeinde ist eine Mitgliedsgemeinde im Naturpark) genauso wie für Fremdenverkehrsämter,
regionale Vereine usw. Hierbei ist die Hierarchisierung mit anderen Partnern wichtig. So ist der Naturpark
als Identifikationslabel für die (Wasser)Region zu sehen, während beispielsweise die Marque „Ardenne“
großräumiger zu betrachten ist.
Aufgrund der Wichtigkeit dieser Maßnahme für die Sichtbarkeit des Naturparks ist die Weiterentwicklung
der Corporate Identity ein regionales Leitprojekt.
b. Dezentrale Infopoints über den Naturpark
Schlussendlich sollen, neben dem Naturparkhaus als zentraler Anlaufstelle, dezentrale Infopoints in
allen Gemeinden des Naturparks sowie eine einheitliche Beschilderung im Naturpark angestrebt und in
Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Stellen umgesetzt werden.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Operationelles Ziel: Verbesserung des regionalen Marketings nach innen
(Bevölkerung, Gemeinden)
2.3.2. Bewusstseinsbildung und Verbesserung der Identifikation der Bevölkerung mit dem
Naturpark
a. Bewusstere Einbeziehung der Schöffen- und Gemeinderäte in die Naturparkarbeit
Die Gemeinden spielen eine wichtige Rolle im Naturpark. Sie haben nicht nur einen Vertreter im
Naturparksyndikat, welches die Naturparkarbeiten plant und umsetzt, sondern sind auch ein wichtiger
Multiplikator zwischen der regionalen Naturparkebene und der lokalen Ebene, welche oftmals erster
Adressat der Bevölkerung ist. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass sich die politischen Vertreter
(Gemeinderäte, Schöffen, Bürgermeister) in den Naturparkgemeinden oftmals nicht genug in die Arbeit
eingebunden fühlen. Da die Naturparkarbeit komplex und vielfältig ist, ist es auch nicht einfach als
Außenstehender regelmäßig alle Entwicklungen im Naturpark zu verfolgen.
Zur Verbesserung des Austausches zwischen dem Naturpark und den Gemeinden sollen die vom NaturparkBüro im Jahr 2009 eingeführten, regelmäßigen Treffen (ca. 2-3 pro Jahr) zwischen dem Naturpark-Staff
und den Schöffenräten bzw. Gemeinderäten beibehalten werden, umso mehr, da der Naturpark dazu ein
positives Feedback erhalten hat.
b. Einbindung der regionalen Bevölkerung in die Projektarbeit
Außerdem soll in der konkreten Naturparkarbeit darauf geachtet werden, die regionale Bevölkerung und
die Akteure verstärkt einzubinden, damit die Naturparkidee in der Region gelebt wird und der Nutzen der
vielen Projekte auf eine direkte Art für die Bevölkerung spürbar und erlebbar wird. Die Bewusstseinsbildung
und Identifikation mit dem Naturpark soll aufbauend auf der internen Mobilisierung und dem bottom-up
Prinzip gefördert werden. Dies kann sowohl auf Ebene von Privatpersonen als auch von Vereinen erfolgen.
In diesem Sinne soll die Einbindung der regionalen Bevölkerung in die Naturparkarbeit verbessert werden,
und zwar durch vermehrt partizipative Projekte in den relevanten Arbeitsschwerpunkten des Naturparks,
die Erstellung von Informationsbroschüren, das Anbieten von Seminaren, Kursen und Ausstellungen, durch
Aufklärung und gezielte Informationen. Bestehende Konzepte sind auszubauen und gezielt zu ergänzen
(wie bspw. bei der Reiterroute und der Planung des Wasserspielparks in Bavigne).
Darüber hinaus ist es, wie die Open Space Veranstaltung von 2007 gezeigt hat, wichtig in gewissen
Abständen aktiv Akteure aus der Region zu befragen und Ideen aus der Region aufzugreifen. Dies kann
auf regionaler Ebene erfolgen oder aber auch auf kommunaler Ebene, indem Gemeinden sich mit ihrer
Bevölkerung über die Entwicklung des Naturparks austauschen.
Schlussendlich sind im Beirat (Commission consultative) die Bewohner und Vereine der Region
aufgefordert, sich konkret an der Naturparkarbeit zu beteiligen, sei es durch ihre Anregungen, Ideen
oder Kritiken. In diesem Sinne soll die Commission consultative sich mehrmals im Jahr mit den
Naturparkverantwortlichen treffen.
>QV: Sensibilisierung
c. Vorgeschlagene Projekte der Commission consultative
Seit 2013 ist im Naturpark-Budget eine gewisse Geldsumme für von der „Commission consultative“
vorgeschlagene Initiativen, Projekte und Aktionen vorgesehen. Auf diese Weise werden der Initiativegeist
und das Engagement dieses Organs mit Erfolg unterstützt.
d. Unterstützung bei der Organisation und Vermarktung von Veranstaltungen
in der Naturparkregion
Sichtbarkeit erreicht man einerseits durch die verstärkte Einbeziehung der regionalen Akteure (gemeinsame
Projekte sprechen sich herum!) als auch durch eine entsprechende Kennzeichnung von Veranstaltungen.
Der Naturpark hat in den vergangenen Jahren verschiedene Veranstaltungen gesponsert (Heischter Maart,
Trail Uewersauer, Musik a Méi, Legendennacht usw.), respektive bei der Umsetzung unterstützt. Auch in
Zukunft soll der Naturpark naturparkspezifische Veranstaltungen in der Region fördern und vermarkten
helfen. Dabei soll aufgrund eines Kriterienkataloges eine entsprechende Prioritätensetzung erfolgen.
Entsprechende Veranstaltungen können durch eine einheitliche Kennzeichnung (z.B. „unterstützt durch
den Naturpark Obersauer“) hervorgehoben werden.
35
Weiterhin kann ein gemeinsamer, untereinander abgestimmter Veranstaltungskalender für die
Region das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung im Naturpark fördern und auch in der
Außendarstellung Verwendung finden.
2.3.3 Kontinuierliche und interaktive Kommunikation zur Stärkung der regionalen Identität und
der Beteiligung am Naturpark
a. Eigene Naturparkzeitung
Die Naturparkzeitung soll regelmäßig erscheinen und in einer einfachen Sprache die wesentlichen Arbeiten
des Naturparks erläutern. Durch die Übersetzung ins Französische (wenigstens teilweise) sollen auch neue
Bevölkerungsteile erreicht werden.
b. Artikel in Zeitungen und Radiobeiträge
Regelmäßige Artikel im LEADER-Magazin, wie sie bereits seit 2009 veröffentlicht werden, regelmäßige
Beiträge in den Tageszeitungen sowie im regionalen Radio LNW sollen es dem Naturpark ermöglichen,
auch überregional zu kommunizieren. Der Naturpark soll eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit über
verschiedene Medien zu allen Themen des Naturparks und für verschiedene Zielgruppen anstreben.
c. Weiterentwicklung der Internetseiten des Naturparkes
In diesem Zusammenhang soll der Naturpark auch neue Informations- und Kommunikationsformen
wie z.B. Blogs, Newsletter im Internet oder Facebook als entsprechende Plattformen für seine PR Arbeit
nutzen. Genutzt werden soll das Internet auch für spezielle Projektinformationen, die man nur mit eigenem
Password für Verfügungsberechtigte zugänglich macht; hier wird es dann zur inhaltlichen Arbeitsplattform.
Weitere Möglichkeiten sind spezielle Bereiche wie, „Foto des Monats“ oder Auszeichnungen von Personen
für ihre speziellen Aktivitäten für den Naturpark (Bsp. Landwirtschaft, Auszeichnung engagierter Landwirte).
d. Weiterentwicklung der Naturparkpräsenz auf bestehenden digitalen Plattformen
und Netzwerken
Die bestehenden Informations- und Kommunikationsformen wie Homepage, App, etc. sollen im Rahmen
der Qualitätssicherung erhalten, aktualisiert und erweitert werden.
e. Beiträge in den Gemeindezeitschriften
Da im Rahmen eines LEADER-Projektes vor einigen Jahren festgestellt wurde, dass die Gemeindezeitschrift
das geeignetste Mittel ist, um eine möglichst große Anzahl von Menschen zu erreichen, soll in Zukunft
versucht werden, gezielter über die Gemeindezeitschriften zu kommunizieren.
f. Tätigkeitsbericht des Naturparkes
Der jährliche Tätigkeitsbericht des Naturparks soll öffentlich vorgestellt und breiter verteilt werden.
g. Naturparkkalender
Der Naturparkkalender mit Bildern aus der Naturparkregion ist ein wichtiges Medium zur Darstellung des
Naturparkes geworden. Durch die Organisation eines Fotowettbewerbs in der Bevölkerung zur Erstellung
des Kalenders kann die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Naturpark Regionen noch zusätzlich
stimuliert werden.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings nach außen
2.3.4. Herausstellung und Vermarktung der Besonderheiten der Region
a. Einheitliches Beschilderungssystem von Sehenswürdigkeiten und Naturparkgrenzen
Für die Gäste soll klar sichtbar sein, dass sie sich im Naturpark befinden. Ein Beschilderungssystem, das sich
an die Corporate Identity des Naturparks anlehnt, soll an Sehenswürdigkeiten, am Eingang zu Ortschaften
und an den Naturparkgrenzen angebracht werden und darauf aufmerksam machen, dass man sich in einem
Naturpark befindet. Auch sollen diese Schilder einen Bezug zum Thema Wasserregion herstellen.
b. Kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Internet
Der Naturpark informiert durch kontinuierliche Presse- und Medienarbeit die Öffentlichkeit und vermittelt
Sachinformationen und aktuelle Freizeitangebote für die Besucher. Darüber hinaus soll die Internetseite
des Naturparks dahingehend weiterentwickelt werden, dass die Besonderheiten der Naturparkregion
hervorgehoben werden und der Gast sich bereits im Vorfeld einen guten Eindruck von der Region
verschaffen kann.
c. Konzipierung von naturparkspezifischen Programmen und Pauschalen
Aus der Quest-Studie (Quest Market Research, 2008) welche im Rahmen der Tourismusentwicklung der
Tourismusregionen Ardennen und Müllertal erstellt wurde um den Ist-Zustand des Tourismus zu analysieren,
bzw. der Studie Den Tourist am Bléckpunkt (ONT 2013) geht hervor, dass es beim Ausbau des Angebotes
Nachholbedarf gibt und dass die Bündelung der bestehenden Möglichkeiten und dessen Kommunikation
an die Zielgruppe noch ausbaufähig sei.
In diesem Kontext ist der Naturpark vermehrt auch mit Anfragen bezüglich Packages konfrontiert (z.B.
„Was kann ich tun, wenn ich ein, zwei, drei Tage in den Naturpark komme“). Es sollte klarer herausarbeitet
werden, was man im Naturpark erleben kann, wenn man für ein paar Tage in die Region kommt. Die
Bandbreite solcher Anfragen ist sehr groß und geht von „all inklusiv“-Packages (Busgruppen, die von einem
Reiseleiter empfangen und begleitet werden möchten) bis hin zum individuellen, flexiblen und selbst
zusammenstellbaren Programm.
Aus Sicht des Naturparks sind dabei Erfolgsfaktoren, die generell für naturtouristische Angebote gelten,
wie attraktive Landschaft, regionaler Bezug und Einbeziehung von Qualitätsprodukten aus regionaler
Landwirtschaft und Gewerbe, professionelle Information, originelle, ganzheitliche und authentische
Aufbereitung in den Mittelpunkt zu stellen.
Bei der Zusammenstellung dieser Packages, die zum Beispiel unter dem Motto „Best of Naturpark“
vermarktet werden können, sollen der Naturpark und das Ortal eng zusammenarbeiten.
d. Weiterentwicklung des Naturparkzentrums
Das Naturparkzentrum mit der Tuchfabrik ist eine wichtige regionale Anlaufstelle für Besucher in
der Region. Hier bekommen Gäste alle Informationen, die sie für ihren Aufenthalt in der Region
benötigen. Das Naturparkzentrum muss weiterhin attraktiv für die Gäste sein. Dies betrifft vor
allem die Öffnungszeiten, die Aktualität, die Qualität der Informationen, usw.. Das Angebot im
Naturparkzentrum soll regelmäßig z.B. durch neue Elemente in den Ausstellungen, weiterentwickelt
werden.
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Verbesserte Gästebetreuung für Naturparkrelevante
Veranstaltungen und Themen sowie verbesserte Kooperation und Marketing
2.3.5. Kennzeichnung und Vermarktung von Spezialitäten aus dem Naturpark
a. Besondere Kennzeichnung von Naturparkspezialitäten
Produkte aus der Region, welche die Zielsetzungen des Naturparkes unterstützen und auf regionalen
Besonderheiten oder Traditionen aufbauen, können einen wichtigen Imagefaktor für die Region
37
darstellen. In diesem Sinne haben die „vum Séi“-Produkte bereits einen wichtigen Beitrag geleistet, auf
dem aufgebaut werden soll, um die Region weiterhin positiv darzustellen und umgekehrt natürlich den
Produkten eine gute Perspektive zu geben.
In diesem Zusammenhang sind bezüglich der regionalen Produkte folgende Aspekte weiterzuentwickeln:
Aktualisierung der Lastenhefte, Entwicklung einer einheitlichen Marketingstrategie, Sicherung einer
einheitlichen Kennzeichnung und Corporate Identity, Verbesserung der Logistik und Vermarktung,
Sicherstellen einer transparenten Kundeninformation, Förderung zusätzlicher Verkaufsstrukturen wie
z.B. „shop in shop system“, Koordination und Organisation von Animationen zu den Produkten (wie Foire
oder Maart a Musik usw.). Als Naturparkspezialitäten gemäß dem Motto „Best of Naturpark“ können
entsprechende Produkte besonders hervorgehoben werden.
> QV: Landwirtschaft – Operationelles Ziel: Entwicklung neuer Produkte und Einkommensmöglichkeiten
im Zusammenhang mit der Landwirtschaft
b. Verstärkte Einbindung der Gastronomie
Der Einsatz von regionalen Produkten erhöht die Attraktivität der Speisekarten in den Restaurants. Die
Produzenten aus dem Naturpark können über die Präsenz in den Restaurants gut ihre Produkte und
ihre Arbeit kommunizieren. Neben der Präsenz auf der Speisekarte sollen für die regionalen Produkte
auch andere Werbe-und Verkaufsmöglichkeiten in den Restaurants und Hotels vorgesehen werden (z.B.
Souvenirkörbe, Regal mit Produkten usw.). In diesem Sinne soll das bereits bestehende Projekt „Gourmet
vum Séi“ beibehalten und im Rahmen der Erweiterung des Naturparkes ausgebaut werden.
Der Naturpark agiert dabei als Bindeglied zwischen den Produzenten und der Gastronomie. Darüber hinaus
setzt der Naturpark sich für eine verstärkte Partnerschaft Gastronomie – Produzenten – Naturpark ein,
vermarktet diese Initiative nach außen und versucht neue Partner zu begeistern.
2.3.6. Organisation und Koordination spezieller Naturparkevents als Brücke zwischen Kultur,
Tourismus und der Region als Wirtschafts- und Lebensraum
a. Leitprojekt Regionale Großveranstaltungen/ Events – Naturpark als Projektträger
oder wichtiger Partner
Regionale Großveranstaltungen (Events) welche bisher bereits vom Naturpark durchgeführt wurden,
z.B. Water-Art, Foire & Festival, Internationales Marionettentheater-Festival usw., machen sowohl national
als auch international (z.B. in der Großregion) auf den Naturpark aufmerksam. Sie tragen außerdem zur
Bildung einer regionalen Identität bei, vor allem wenn sie sich um ein Schwerpunktthema der Region
drehen (z.B. Wasser) und in Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren (Bevölkerung, Vereine, Gemeinden
usw.) organisiert werden. In diesem Sinne soll der Naturpark weiterhin, sei es als Organisator, Koordinator
oder in Partnerschaft mit anderen Akteuren, in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen durchführen und
sich entsprechend am Marketing beteiligen. Im Mittelpunkt sollen jene Veranstaltungen stehen, welche in
besonderer Weise die Zielsetzungen des Naturparkes und regionale Besonderheiten berücksichtigen.
> unterstützt durch PM2
b. Leitprojekt Regionale Großveranstaltungen/ Events – Naturpark unterstützend tätig
Der Naturpark soll jährlich eine gewisse Anzahl an qualitativ hochwertigen kulturellen Projekten
unterstützen und fördern (privater oder öffentlicher Akteure, in verschiedenen künstlerischen Disziplinen)
und versuchen, das kulturelle Angebot in der Region ergänzend zu seinen eigenen Programmen,
harmonisch auszubalancieren. Darunter fallen auch besondere kulturelle Angebote von Vereinen und von
Gemeinden (Schlossfreunde Esch-Sauer, Konschthaus „a Frantzen“, Festival Wiltz, Séibühn Ënsber asbl.) die
den regionalen Gegebenheiten entsprechen und nicht versuchen, großstädtische Konzepte zu kopieren.
Das gilt beispielsweise für Kammermusik oder Jazz-Projekte in historischen Gebäuden (Schloss Wiltz) und in
Scheunen, das gilt für Land-Art-Projekte (z.B. Nuit des Lampions) ebenso wie für Brauchtumsveranstaltungen
(Geenzefest, Prozession Fatima usw.). Der Naturpark kann den lokalen Akteuren in diesem Zusammenhang
logistische und, je nach Vorhaben, eine finanzielle Unterstützung (u.a. Legendennacht, Séibühn Event)
geben.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Beispiel: Kooperation mit dem Séizenter Ënsber
In Planung ist das Séizenter Ënsber, die sogenannte Seebühne in Insenborn. Dieses Projekt der
Fusionsgemeinde Esch-Sauer beinhaltet eine Freilichtbühne (200 Sitzplätze), ein Kulturzentrum (180
Sitzplätze) sowie diverse touristische Infrastrukturen (Restaurant, Sanitär, Kinderplanschbecken), die den
Standort kulturell und touristisch aufwerten soll. Der Naturpark ist Mitglied im Vorstand des Vereins „Séibühn
Ënsber asbl.“ Die genaue Rolle des Naturparks für die Zukunft bleibt noch zu klären. Der Naturpark soll
dem Projekt insgesamt jedoch wohlwollend gegenüberstehen, da es verschiedenen schon beschriebenen
Mankos am Stausee entgegenwirkt (z.B. Sanitäranlagen, Wertschöpfung des Stausees usw.).
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Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
3. Arbeitsschwerpunkt „Natur- und Landschaftsschutz“
3.1. Einleitung
Das Landschaftsbild des Naturparks Obersauer wird – mit einigen kleinen Ausnahmen mit Buntsandstein
und Keuper im südlichen Bereich – zum größten Teil durch die Schiefergebirgslandschaft des unteren
Devons mit seiner markanten Topographie geprägt, wobei das Tal der Sauer mit seinen Strukturterrassen
und seinen meist bewaldeten Steilhängen einen bedeutenden Stellenwert einnimmt.
Der erweiterte Naturpark weist mit fast 50% einen relativ hohen Waldanteil auf. Die aus Sicht des
Artenschutzes besonders wertvollen naturnahen Waldgebiete konzentrieren sich vor allem entlang des
Flusstals der Obersauer sowie den nach Süden hin angrenzenden Ausläufern. Diese zusammenhängenden
Waldgebiete bieten einen Lebensraum für seltene und geschützte Arten wie Wildkatze (Felis silvestris),
Haselhuhn (Tetrastes bonasia), Schwarzstorch (Ciconia nigra) oder Kolkrabe (Corvus corax). Von besonderem
Interesse sind hier unter anderem auch die regionaltypischen Lohhecken, als Zeugen der ehemaligen
Eichenniederwald-Nutzung.
Neben den großen zusammenhängenden Waldflächen tragen auch verschiedene strukturreiche
Gebiete im Offenland – insbesondere westlich und südlich des Obersauertals – zur Prägung des
Landschaftsbildes bei. Die hier noch größtenteils bestehenden Landschaftsstrukturen spielen eine
wichtige Rolle im Biotopverbund und sind von großem Wert für Raubwürger (Lanius excubitor), Steinkauz
(Athene noctua) und andere seltene oder geschützte Arten. Oftmals weisen die Hochflächen jedoch
ausgedehnte Ackerflächen auf und sind entsprechend strukturschwach. Umso wichtiger sind deshalb für
den Artenschutz die international bedeutsamen Wildkorridore, die als Wanderungsachsen teilweise über
waldfreie, landwirtschaftlich genutzte Offenlandgebiete verlaufen.
Wichtige landschaftsprägende Elemente für den Naturpark Obersauer sind die – infolge des dichten
Gewässernetzes – zahlreichen Wiesentäler und die noch mehr oder weniger naturnahen Flussauen
(u.a. im Tal der Wiltz, der Obersauer, des Syrbaach und an einigen weiteren kleineren Zuflüssen). Die Talauen
und Wiesentäler bilden – da sie wegen der Bodenbeschaffenheit keine intensive landwirtschaftliche
Nutzung zulassen – einen Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna, darunter eine ganze Reihe
seltener Arten. Falls nicht – wie vielerorts üblich – mit Fichten zugepflanzt, kommen in den oft engen
Tälern wertvolle Lebensräume (Binsenwiesen, Feuchtwiesen mit Sumpfdotterblume, Mädesüßbestände,
Großseggenriede und kleinflächige Flachmoore) vor. Ein Teil der Region ist als internationales RAMSARSchutzgebiet ausgewiesen.
Auch die Gewässer und Wasserökosysteme – die zu den artenreichsten, gleichzeitig aber auch zu den
gefährdetsten Biotopen zählen – stellen, trotz ihrer eher geringen Ausdehnung, eines der Hauptelemente
im erweiterten Naturpark dar. Durch die Erweiterung des Naturparks steigt der Anteil der Naturparkflächen,
die im Einzugsgebiet der Obersauer liegen, auf 68%. Der Obersauerstausee, mit seinen angrenzenden
Feuchtgebieten (z.B. Pont-Misère) und seinen periodisch trockenfallenden Schlamm- und Kiesböden (u.a.
Lebensraum für seltene Arten wie Schlammling, Ufer-Hirschsprung und Sumpfquendel), sticht als größtes
Trickwasserreservoir Luxemburgs hier besonders hervor.
Wie schon in der allgemeinen Einleitung erwähnt, belegen die verschiedenen Lebensräume und ihre
Verteilung den „grünen“ – naturnahen – Charakter und den hochwertigen Naturraum des Naturparks.
Rund ein Fünftel der erweiterten Naturparkfläche ist durch (mindestens) eine Schutzgebietsausweisung
belegt, was den Naturschutzwert der Region unterstreicht. Es gilt demnach alle Kräfte zu bündeln, um das
naturhistorische Erbe im Naturparkgebiet langfristig zu erhalten. Da mit der Erweiterung des Naturparks die
Einwohnerzahl in Zukunft auf 12.451 Personen ansteigt ist eine kompetente Anlauf- und Koordinationsstelle
in Naturschutzfragen für den Naturpark von Bedeutung.
3.2. Operationelle Ziele
Die Rolle des Naturparks Obersauer als Rückzugsgebiet für eine seltene und gefährdete Flora und Fauna
und die des Obersauerstausees in der nationalen Trinkwasserversorgung wird in den nächsten Jahrzehnten
an Bedeutung gewinnen. Die Erweiterung des Naturparks bietet nun die Gelegenheit, den Natur- und
Gewässerschutz kohärenter zu gestalten. Aus diesem Grund wird der Erhalt des naturhistorischen und
kulturellen Erbes der Region auch in Zukunft eine wichtige Priorität des Naturparks darstellen.
Der Naturpark Obersauer fungiert als „ökologischer Dienstleister“ der Region. Einerseits sind Dienste im
Sinne eines effizienten Natur- und Umweltschutzes auszuführen bzw. anzubieten, andererseits gilt es
die Leistungen hervor zu streichen, die von den verschiedenen Ökosystemen erbracht werden. Diese
sogenannten Ökosystemdienst-leistungen (oder Ökosystemleistungen) sind direkte und indirekte
Beiträge der Ökosysteme zum menschlichen Wohlergehen. So tragen z.B. die Wälder zur Stabilisierung des
Standortklimas, des Bodens und des Wasserhaushaltes sowie zur Reinigung von Luft und Wasser bei.
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In diesem Sinne soll der Naturpark dazu beitragen, diese zahlreichen wichtigen ökologischen
Dienstleistungen, die die Natur den Menschen quasi unbemerkt zur Verfügung stellt, aufrecht zu erhalten.
Die Erhaltung bzw. die Wiederherstellung von Lebensräumen und Ökosystemen ist somit langfristig als
ertragreiche Investition (insbesondre was den Wasserschutz betrifft) anzusehen. Daraus ergeben sich für
den Bereich „Natur- und Landschaftsschutz“ folgende operationelle Ziele:
1/ Positionierung des Naturparks als Kompetenzzentrum für Natur- und Landschaftsschutz in der
Region
Als Kompetenzzentrum für Natur- und Landschaftsschutz soll der Naturpark zur langfristigen
Sicherung der charakteristischen Landschaftsmerkmale in der Naturparkregion und zum Erhalt der
regionaltypischen Elemente – darunter unter anderem die Lohhecken als Zeugen der ehemaligen
Eichenniederwald-Nutzung oder die engen Wiesentäler mit ehemaliger Rieselwirtschaft („Fléitzwisen“)
beitragen.
Aus der Sicht des Artenschutzes unbedingt erstrebenswert ist der Erhalt und die Optimierung der
zusammenhängenden Waldgebiete als Lebensraum für seltene und geschützte Arten, darunter:
Wildkatze, Haselhuhn, Schwarzstorch und Kolkrabe. Gleiches gilt für strukturreiche Gebiete im Offenland;
die bestehenden Landschaftsstrukturen sind langfristig zu sichern und der Biotopverbund konsequent
auszubauen. Dies gilt in erster Linie für bekannte und potentielle Brutreviere von Raubwürger und Steinkauz.
Ausschlaggebend für das Wanderungsverhalten von geschützten Tierarten und damit die Funktionsfähigkeit
der international bedeutsamen Wildkorridore in der Region ist die Freihaltung dieser Korridore von großen
Bauvorhaben, bzw. das Anlegen von „grünen Inseln“.
Aus naturschützerischer Sicht ist weiterhin auch der Erhalt der noch bestehenden artenreichen
mesophilen Mähwiesen und Viehweiden anzustreben. In diesem Sinne ist eine extensive,
bodenschonende Landwirtschaft unbedingt zu fördern und der sogenannte Vertragsnaturschutz
(Extensivierungsprogramme, Biodiversitätsverträge,...) konsequent voranzutreiben.
Des Weiteren sind bestehende Strukturen im Siedlungsbereich zu erhalten, wobei generell ein
differenziertes Grünflächenmanagement anzustreben ist. Einen besonderen Stellenwert haben
sogenannte Sekundärbiotope, darunter Industriebrachen und historische Gemäuer (als Beispiel sei hier die
Burg von Esch-Sauer genannt, ein Lebensraum für viele seltene und gar geschützte Pflanzen und Tierarten,
u.a. Mauersegler, Mauereidechse,...). Besonders bedeutsam sind auch die Kirchen und andere öffentlichen
Gebäude, was den Fledermausschutz anbelangt; das Projekt „Combles et Clochers“ (Dachböden und
Kirchtürme) ist deshalb verstärkt voranzutreiben.
Seltene regionaltypische Arten, die für die Region um den Obersauerstausee besonders prägend sind –
darunter u.a. der Pyramiden-Günsel (Ajuga pyramidalis) und die verschiedenen Arten der trockenfallenden
Schlamm- und Kiesböden (Schlammling, Ufer-Hirschsprung, Sumpfquendel,...) – sind prioritär zu schützen.
2/ Nachhaltige Pflege, Gestaltung und Nutzung des Gewässersystems
Der Naturpark Obersauer wird langfristig als die Wasserregion Luxemburgs bzw. der Großregion
positioniert werden. In diesem Sinne ist eine nachhaltige Pflege, Gestaltung und Nutzung des
Gewässersystems unabdingbar, um die Qualität der Gewässerökosysteme dauerhaft zu erhalten und
gegebenenfalls zu verbessern.
Die regionaltypischen Wiesentäler und Talauen mit unter anderem Feucht- und Sumpfgebieten –
Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna mit z.T. seltenen Arten – müssen langfristig gesichert
werden und zerstörte Lebensräume (u.a. durch Verfichtung) weitestgehend renaturiert werden, um der
Ausweisung als internationales RAMSAR-Schutzgebiet gerecht zu werden.
Anzustreben – nicht nur im Hinblick auf das Trinkwasser – ist ebenfalls die Verbesserung der Wasserqualität
und die Optimierung der Wasserläufe mitsamt ihrer Uferbereiche und angrenzenden Feuchtzonen, als
Lebensraum für seltene und geschützte Arten wie Fischotter (Lutra lutra), Bachmuschel (Unio crassus), Biber
(Castor fiber), Schwarzstorch (Ciconia nigra), Eisvogel (Alcedo atthis) und Wasseramsel (Cinclus cinclus), aber
auch als Rohwasser-Lieferant für die Trinkwasseraufbereitung.
Neben den Fließgewässern verdienen die stehenden Kleingewässer (Tümpel, Weiher, Teiche) – von denen
proportional viele in den Gemeinden südlich der Obersauer zu finden sind – ein besonderes Augenmerk. Sie
bilden wichtige Rückzugselemente für Flora und Fauna und gelten nach Artikel 17 des Naturschutzgesetzes
(Loi du 19 janvier 2004 concernant la protection de la nature et des ressources naturelles) als schützenswerte
Biotope.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Seit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in nationales Recht (Loi du 19 décembre 2008 relative à
l‘eau) wird dem Wasserschutz vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Ein erweitertes Bewusstsein für den
Wert des Wassers und den Nutzen der Gewässerökosysteme für unsere Wirtschaft (z.B.: Brauerei), unser
Wohlergehen (z.B.: Gesundheit) und unsere Lebensqualität (z.B.: Freizeit) ist in der Politik, als auch in der
breiten Öffentlichkeit erkennbar. Aus der zehnjährigen Bilanz des Naturparks geht hervor, dass das Element
Wasser im erweiterten Naturpark eine wesentlich stärkere Rolle spielen und als Leitfaden für die Aktivitäten
und Projekte dienen wird, wobei der Obersauerstausee als zentrales Element fungiert.
Will man den Naturpark Obersauer langfristig als Wasserregion vermarkten, so müssen weitere
Anstrengungen unternommen werden um die Qualität der Gewässerökosysteme zu erhalten und
gegebenenfalls zu verbessern, damit sie ihrer Funktion als Lebensraum und Ressource für Pflanzen, Tiere
und Menschen gerecht werden können. Hier bleiben einige große Baustellen zu bewältigen, wie z.B.
Phosphat-, Stickstoff- und Pestizideinträge, Strukturdefizite, Durchgängigkeitsdefizite, Unterbindung
natürlicher Dynamiken, u.a.
Damit die Gewässer des erweiterten Naturparks bis 2015 den sogenannten guten ökologischen Zustand
erreichen, wird der Naturpark demnach Verantwortung übernehmen und Gewässerschutzprojekte
vorantreiben müssen. Nicht nur hinsichtlich dem Erhalt und der Wiederherstellung von wasserbezogenen
Lebensräumen für Fauna und Flora, sondern auch hinsichtlich der Trinkwasserqualität und unserer
Lebensqualität. Wichtig hierbei sind die Rücksprache, der Informations-Austausch und die regelmäßige
Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaftsverwaltung zur Steigerung der Kohärenz der Umsetzungen.
3.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur und Landschaft
in der Region
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
3.3.1. Biologische Station als Fach- und Koordinationsstelle in der Region
a. Beratungsstelle für Bürger in Sachen Natur- und Umweltschutz
Nachdem im Jahr 2002 der Umweltbereich des Naturparks Obersauer mit dem nötigen Fachpersonal
besetzt wurde, ist seit 2003 auch die Biologische Station aktiv. Die Arbeit letzterer wird zum Großteil über
eine Konvention mit dem Staat (Ministère du Développement Durable et des Infrastructures – Département de
l‘Environnement, anc. Ministère de l‘Environnement) finanziert (siehe auch: Loi du 3 août 2005 concernant le
partenariat entre les syndicats de communes et l’Etat et la restructuration de la démarche scientifique en
matière de protection de la nature et des ressources naturelles). Mit dem Einrichten einer Umweltinstitution
im Naturpark (eine der Maßnahmen der Etude Detaillée 1997) wurde so auch eine Beratungsstelle für
die Bürger in Sachen Natur- und Umweltschutz geschaffen. Die Tatsache, dass sich mit einem Beitritt
der Gemeinde Wiltz die Einwohnerzahl fast verdoppelt, unterstreicht umso mehr die Wichtigkeit der
Sensibilisierung und eines gezielten Beratungsangebotes für die Bevölkerung. Das Angebot soll vielfältig
sein und eine möglichst große Bandbreite abdecken; die bestehenden Konzepte (Umweltseiten in der
Naturparkzeitung, Internet-Seiten, „Loscht op Natur“-Themenblätter, Infoabende,...) sollen weiter ausgebaut
und gezielt ergänzt werden. Neben allgemeinen Naturschutzfragen ist verstärkt das Thema Wasser zu
behandeln. Wasser deshalb, weil mit der Positionierung des Naturparks als Wasserregion Luxemburgs
eine gezielte „Wasserberatung“ (Wasserschutz, Wassersparen, Regenwassernutzung,…) unumgänglich ist.
Darüber hinaus können weitere Themen wie Abfallberatung einfließen.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Der Naturpark soll Sensibilisierungsangebote für
Einwohner, Gemeinden und andere Zielgruppen erstellen und durchführen
> QV: Koordination und Vernetzung – Operationelles Ziel: Anlaufstelle und Koordinationsplattform
für eine nachhaltige Regionalentwicklung und Planung im regionalen, nationalen und
grenzübergreifenden Kontext
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b. Ansprechpartner für die Gemeinden in Sachen Natur- und Umweltschutz
Die Biologische Station des Naturparks Obersauer ist – als regionale Anlaufstelle und
Koordinationsplattform – natürlich auch der Ansprechpartner für die Mitgliedsgemeinden des
Naturparks was Natur- und Umweltschutz betrifft. Neben dem normalen Beratungsangebot steht hier
auch die Weiterbildung der Gemeindearbeiter, Gemeindetechniker,... im Vordergrund. In diesem Sinne
sollen in Zukunft verstärkt Workshops, Weiterbildungsseminare, Vorführungen, Infomaterialien,... für die
Gemeinden angeboten werden. Zu behandelnde Themenbereiche sind unter anderem: Natur im Dorf/
in der Stadt, differenziertes Grünflächenmanagement (u.a. „Fauchage tardif“), Naturschutzgesetzgebung,
Biotop- und Artenschutz, Fledermausschutz (Projet combles et clochers),... . Mögliche Partner sind neben
den Gemeinden u.a. der „Contrat de Rivière“, die Stiftung Hëllef fir d‘Natur und die Naturverwaltung.
c. Koordination von Naturschutzmaßnahmen der Mitgliedsgemeinden
Durch seine Kompetenzen im Naturschutzbereich ist die Biologische Station optimal geeignet um die
Koordination von Naturschutzmaßnahmen in den Mitgliedsgemeinden zu übernehmen. In diesem
Sinne wurde eine Konvention zwischen dem Ministerium (Ministère du Développement Durable et
des Infrastructures – Département de l‘Environnement, anc. Ministère de l‘Environnement) und dem
Naturpark Obersauer unterzeichnet, um unter anderem die großherzogliche Verordnung zum Verbessern
der natürlichen Umwelt (Règlement grand-ducal du 18 mars 2008 abrogeant et remplaçant le règlement
grand-ducal du 22 octobre 1990 concernant les aides pour l’amélioration de l’environnement naturel)
effizient in die Tat umzusetzen. Laut Konvention soll der Naturpark – bei Interesse – die Koordination
der Gemeindeprojekte zur Schaffung und zum Unterhalt von Habitaten, der Verbesserungsarbeiten an
Landschaftselementen sowie von konkreten Artenschutzmaßnahmen übernehmen („… réaliser dans
les communes membres intéressées la coordination des projets communaux de création ou d’entretien
d’habitats, des travaux d’amélioration du paysage, ainsi que des mesures de protection d’espèces.“). Durch
die Erweiterung des Naturparks wird das Handelsterritorium der Biologischen Station erweitert, was nicht
nur dem Stausee zu Gute kommt, sondern auch dem eher städtischen und industriegeprägten Wiltz.
Die Biologische Station des Naturparks als zentrale Koordinationsstelle für Naturschutz-maßnahmen in
den Naturparkgemeinden ist demnach ein zukünftiges Leitprojekt.
In diesem Zusammenhang sind u.a. folgende Naturschutz-Projekte von Bedeutung:
•
Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der natürlichen Umwelt (Pflanzung von Hecken,
Feldgehölzen, Streuobstwiesen,...; Unterhalt von Hecken; Obstbaumschnitt; Anlage oder
Wiederherstellung von Tümpeln; u.a.m.)
•
Heckenpflanzen-Sammelbestellung für die Naturpark-Bewohner
•
Monitoring und Maßnahmen zum Fledermausschutz („Projet combles et clochers“)
•
Differenziertes Grünflächenmanagement
•
...
d. Beratung der Ministerien und Verwaltungen bei regionalen Naturschutzbelangen
Durch seine Kenntnis der Region und der regionalen Spezifitäten sowie seiner Kompetenzen im
Naturschutzbereich ist die Biologische Station ebenfalls ein privilegierter Partner der Ministerien
und Verwaltungen was Naturschutzfragen betrifft. So können die Mitarbeiter der Biologischen Station
wertvolle Hinweise geben, wenn es um seltene oder bedrohte Arten und/oder Lebensräume geht, bzw.
eine beratende Funktion bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten, bei der Ausarbeitung von
Artenschutzprogrammen, von Naturschutz- und Landschaftsplänen (wie etwa dem Plan National pour la
Protection de la Nature – PNPN oder dem„Plan sectoriel Paysage“) oder von Gesetzen oder großherzoglichen
Verordnungen (z.B.: Règlement grand-ducal du 8 janvier 2010 concernant la protection intégrale et partielle
de certaines espèces de la flore sauvage) übernehmen. Diese beratende Funktion soll in Zukunft noch
verstärkter ausgeübt werden.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
e. Erstellen und Verwalten einer zentralen Datenbank in Sachen Umwelt- und Naturschutz
Der Naturpark Obersauer soll die Anlaufstelle für Naturschutz- und Umweltfragen der Obersauerregion
sein. Aus diesem Grund ist das Erstellen einer zentralen Datenbank unerlässlich. Hier sollen neben
den verschiedenen Basisinformationen alle wichtigen Aspekte und Arbeiten berücksichtigt werden (u.a.
Wiesenkartierungen, Biotopkataster, Heckenkataster, Kartierung der Flussufer, Biodiversitätsverträge,
Naturschutzprojekte, Artenschutzprogramme,...). Auch sollen die Daten von der Landwirtschaftsberatung
und des Tourismusbereiches integriert werden, um Überschneidungen, Probleme und Synergien
aufzuweisen. Teile dieser Datenbank können dann in Form eines Web-GIS den Gemeinden und der
Bevölkerung zugänglich gemacht werden.
> QV: Koordination und Vernetzung – Operationelles Ziel: Anlaufstelle und Koordinationsplattform
für eine nachhaltige Regionalentwicklung und Planung im regionalen, nationalen und
grenzübergreifenden Kontext
3.3.2. Förderung einer nachhaltigen Landnutzung in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, der
Forstwirtschaft und den Gemeinden
a. Förderung des Vertragsnaturschutzes u.a. durch Abschluss von Biodiversitätsverträgen
zum Erhalt der mesophilen Wiesen und Weiden
Sowohl aus Naturschutzsicht, wie auch aus Gründen des Trinkwasserschutzes muss in der Region um den
Obersauerstausee eine extensive und bodenschonende Landwirtschaft gefördert werden. Dies soll
einerseits über eine Information und Beratung der Landwirte (z.B. Düngepläne) erfolgen, andererseits
über sogenannten Vertragsnaturschutz. Der Erhalt der noch bestehenden artenreichen mesophilen
Mähwiesen und Viehweiden kann nur durch die freiwillige, aber konsequente Teilnahme der Bewirtschafter
an Extensivierungs- bzw. Biodiversitätsprogrammen erreicht werden.
Der Naturpark Obersauer ist hier die Anlaufstelle für die Landwirte der Mitgliedsgemeinden, und zwar
sowohl die Landwirtschaftsberatung (Extensivierungsprogramme), als auch die Biologische Station
(Biodiversitätsverträge). Die Rolle der Biologischen Station besteht in der Suche nach neuen „potentiellen“
Flächen (u.a. durch Geländebegehungen, Auswertung von bestehenden Kartierungen, Überprüfen der
Arten der Großherzoglichen Verordnung,...), der Ermittlung des Bewirtschafters und dessen Information
und Beratung, sowie in dem Abschließen der Anträge selbst. Hierbei werden alle administrativen Arbeiten
vom Naturpark übernommen (Erstellen des Antrages mit Hilfe der zentralen Datenbank „Biodiversité“,
Verwaltung der Dossiers und Kontakt mit den zuständigen Verwaltungen, Digitalisierung im GIS,...).
Des Weiteren überprüfen die Mitarbeiter der Biologischen Station bei Bedarf gewisse Flächen auf ihre
„Auswahlberechtigung“. Idealerweise sind pro Jahr neue Verträge für mindestens 25 ha Grünland
auszuhandeln, so dass langfristig ein Fünftel der Offenlandfläche im Naturparkgebiet unter Vertrag ist.
Der Naturpark soll in Zukunft „DIE“ zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle in Sachen Förderung einer
nachhaltigen Landnutzung in der Region werden, dies in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft,
der Forstwirtschaft und den Gemeinden, wobei der Naturpark die zentrale Rolle in diesem Projekt zu
übernehmen hat.
> QV: Landwirtschaft – Operationelles Ziel: Landwirtschaftsberatung im Einklang mit dem
Trinkwasserschutz und der Natur
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b. Erhalt bzw. Förderung der ökologischen Bewirtschaftung der Eichen-Niederwälder
Gut strukturierte, regelmäßig auf den Stock gesetzte Eichen-Niederwälder sind heute in der Region
selten geworden. Da diese jedoch nicht nur das Landschaftsbild der Region prägen, sondern auch einen
wertvollen Lebensraum für seltene, bedrohte und geschützte Arten (u.a. das Haselhuhn) bilden, müssen die
sogenannten Lohhecken als regionaltypische Landschaftselemente und als Zeugen einer ehemaligen
traditionellen Nutzungsform unbedingt erhalten werden. Die Wiederaufnahme der Niederwaldnutzung
und das kleinflächige „auf den Stock setzen“ ist unter anderem im Artenschutzprogramm ‚Haselhuhn‘
(Plan d‘action espèce) vorgesehen, das von der Biologischen Station im Rahmen des Nationalen
Naturschutzplanes (Plan National pour la Protection de la Nature – PNPN) umgesetzt wird. Hierbei setzt
der Naturpark Obersauer verstärkt auf die Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern. Dies wurde u.a. mit
dem „Bëschverein Wolz“ im Rahmen des LEADER-Projektes „Lohhecken: Energie- und Biotopspender“
schon erfolgreich umgesetzt, wobei die Rolle des Naturparks hier im Wesentlichen bei den Aspekten
Sensibilisierung und Umweltbildung lag.
Einerseits kommen durch die Erweiterung des Naturparks zahlreiche ehemalige Lohhecken hinzu,
andererseits war Wiltz früher das Zentrum der Loh- und Lederindustrie. Demnach wird das Thema „Erhalt
bzw. Förderung der ökologischen Bewirtschaftung der Eichen-Niederwälder“ in Zukunft im Naturpark
einen noch höheren Stellenwert erhalten.
Die Kompetenz des Naturparks Obersauer liegt eindeutig bei der Sensibilisierung, mit dem Ziel einen Teil
der vorhandenen Niederwälder im Naturpark wieder in eine Bewirtschaftung zu integrieren. Bevorzugte
Partner sind neben der Natur- und Vogelschutzliga (in Bezug auf das Haselhuhn), der Naturverwaltung und
den Gemeinden vor allem die privaten Waldbesitzer. Eine Zusammenarbeit mit Vereinigungen wie dem
„Bëschverein Wolz“ oder dem „Lëtzebuerger Privatbësch“ sind unumgänglich.
Da das anfallende Holz als Energieträger genutzt werden kann, ist die Maßnahme gut mit Maßnahmen aus
dem Rahmen der erneuerbaren Energien (nachwachsende Rohstoffe) kombinierbar. Auch eignet sich das
Haselhuhn exzellent als Sympathieträger im Bereich Umweltbildung (siehe Aktionen mit den Schulklassen
& Infotag).
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für
Groß und Klein erlebbar und begreifbar machen
c. Erhalt bzw. Wiederherstellung der engen Wiesentäler
Ein weiteres charakteristisches Landschaftsmerkmal der Naturparkregion sind die engen Wiesentäler mit
ihren oft steilen Hängen, die häufig noch Ansätze einer ehemaligen Rieselwirtschaft („Fléitzen“) aufweisen.
Neben dem kulturhistorischen Aspekt sind vor allen die artenreiche Flora und Fauna dieser meist extensiv
genutzten Flächen hervor zu streichen. Aus diesem Grund ist eine Verbrachung unbedingt zu verhindern
und auch in Zukunft eine extensive Nutzung (z.B. Beweidung) im Rahmen der Biodiversitätsprogramme
anzustreben. Gleiches gilt für breitere Talauen mit mehr oder weniger ausgeprägten Feuchtgebieten. Diese
Biotope müssen langfristig gesichert werden und zerstörte Lebensräume (u.a. durch Verfichtung) sollen
weitestgehend renaturiert werden.
Neben der Sensibilisierung liegt die Rolle des Naturparks im Abschluss der Biodiversitäts-anträge (Biologische
Station) sowie gegebenenfalls in der Ausarbeitung von Pilotprojekten (z.B. zur Wiederherstellung eines
alten Bewässerungssystems mit anschließender didaktischer Nutzung).
Konkrete Projekte können sowohl im Rahmen des „Règlement grand-ducal du 18 mars 2008 abrogeant
et remplaçant le règlement grand-ducal du 22 octobre 1990 concernant les aides pour l’amélioration de
l’environnement naturel“, als auch im Rahmen des „Contrat de Rivière“ durchgeführt werden. Besonders
interessant sind die Erfahrungen aus dem Life-Nature „Fischotter“-Projekt sowie die Zusammenarbeit des
Naturparks mit der Stiftung „Hëllef fir d’Natur“ im Rahmen des INTERREG-Projektes „Restauration écologique
transfrontalière des fonds de vallées et des zones humides enrésinées (Restau-Eco)“.
QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und Nutzung des
Gewässersystems & Umweltbildung – Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für Groß und
Klein erlebbar und begreifbar machen.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
3.3.3. Erstellen von Kartierungen und Kataster für Planung und Monitoring der
Landschaftsentwicklung
a. Grünland-, Biotopkartierungen und Kataster als Basis für konkreten Biotopschutz
Konkreter Natur- und Umweltschutz kann nur auf der Basis von rezenten und vollständigen Daten erfolgen.
Für die Planung von Naturschutzmaßnahmen und den Monitoring der Landschaftsentwicklung sind deshalb
detaillierte Kartierungen und das Erstellen von Kataster (Biotope, Hecken,...) unerlässlich. Die Biologische
Station des Naturparks Obersauer hat – was das Offenland betrifft – in den letzten Jahren schon jede Menge
Arbeit geleistet. An dieser Stelle seien die Wiesenkartierungen (Kartierung naturschutzrelevanter Wiesen
und Weiden), die Inventare im Rahmen des PBEPT (Plan de Base Ecologique et Paysager Transfrontalier), das
Erstellen eines Heckenkatasters sowie die Arbeiten im Rahmen des nationalen Biotopkatasters erwähnt.
Durch ihre Kompetenzen und ihre Artenkenntnisse sind die Mitarbeiter der Biologischen Station und des
Bereiches Umwelt in der Lage, bei Bedarf die unterschiedlichsten Kartierungen selbst durchzuführen,
wobei der Schwerpunkt der Kompetenzen eindeutig im Bereich Botanik liegt. Durch ihre weitreichenden
Kontakte ist gegebenenfalls eine Zusammenarbeit mit Spezialisten für andere Bereiche (Ornithologie,
Entomologie,...) möglich.
Detaillierte und verlässliche Kartierungsgrundlagen sind die Voraussetzung für einen effektiven
Biotop- und Artenschutz (u.a. für den Abschluss von Biodiversitätsverträgen), aber auch für die
Sensibilisierung und Beratung von Privatpersonen, Vereinigungen, Gemeinden, Verwaltungen und
Ministerien. Kartierungslücken sind progressiv zu schließen und die erhobenen Daten auszuwerten und
für Naturschutzwecke zu verwenden. In diesem Sinne wäre eine flächendeckende Kartierung der heutigen
potentiellen natürlichen Vegetation (hpnV) des erweiterten Naturparkgebietes von großer Bedeutung.
b. Auswertung der Tier- und Pflanzenartenerhebungen und Erstellen
von konkreten Schutzprogrammen
Kartierungen und Arteninventare – ob selbst erstellt oder von Außenstehenden (Stiftungen, Studienbüros,
Studenten und Doktoranden, Spezialisten,...) durchgeführt – müssen aufgearbeitet und ausgewertet
werden. Nur so können naturschutzrelevante Informationen für Artenschutzprogramme genutzt werden.
Der nationale Naturschutzplan (Plan National pour la Protection de la Nature, PNPN) sieht neben den
Artenschutzplänen (Plans d‘actions espèces, PAE), auch eine ganze Reihe von Habitatschutzplänen (Plans
d‘actions habitats, PAH) vor. Unter anderem folgende Artenschutzprogramme sind für die Naturparkregion
relevant: Haselhuhn (Tetrastes bonasia), Raubwürger (Lanius excubitor), Fledermäuse (darunter Großes
Mausohr (Myotis myotis)), Steinkauz (Athene noctua), Bachmuschel (Unio crassus) bzw. Flussperlmuschel
(Margerita margeritifera), Fischotter (Lutra lutra), Mauereidechse (Podarcis muralis), Schlingnatter (Coronella
austriaca), Großer Feuerfalter (Lycaena dispar), Pyramiden-Günsel (Ajuga pyramidalis, regionalspezifisch).
Was die Habitat-Schutzprogramme anbelangt, so seien folgende Schwerpunkte herausgegriffen:
Silikatrasen, Borstgrasrasen, Heiden, Glatthaferwiesen, Felsformationen, Auwälder, Schluchtwälder und
Röhrichtbestände. Der Naturpark Obersauer kann mit seiner Biologischen Station Impulse setzen und
neben der Umsetzung konkreter Maßnahmen eine begleitende Aufgabe übernehmen.
c. Monitoring und punktuelle Expertisen
Durch ihre Kompetenzen, ihre Artenkenntnisse und ihre Präsenz vor Ort sind die Mitarbeiter der
Biologischen Station in der Lage eine ganze Reihe von Monitoringarbeiten durchzuführen. Die Spezialisten
des Naturparks waren zudem an der Ausarbeitung des nationalen Programms zur Überwachung
der Biodiversität (Programme de surveillance et de monitoring de la biodiversité au Luxembourg, cf.
Titeux et al. 2009), u.a. was die Pteridophyten (Farne und Farnverwandte) betrifft, beteiligt. Folgende
Monitoringleistungen sind z.B. für die Naturparkregion relevant: Fledermäuse (darunter Großes Mausohr
(Myotis myotis) u. Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)), Steinkauz (Athene noctua), Fischotter (Lutra
lutra) und Pyramiden-Günsel (Ajuga pyramidalis, regionalspezifisch). Des Weiteren sind die Spezialisten des
Naturparks auf nationaler Ebene für das Monitoring von Prächtigem Dünnfarn (Trichomanes speciosum,
Gametophyten) und Sprossendem Bärlapp (Lycopodium annotinum) verantwortlich, dies im Rahmen des
Programms zur Überwachung der Biodiversität.
Durch ihre Präsenz vor Ort sind die Mitarbeiter der Biologischen Station ebenfalls in der Lage, bei Bedarf
– schnell und unbürokratisch – punktuelle Expertisen durchzuführen, sei es für die Gemeinden oder für
verschiedene Verwaltungen. Da sich die Gemeinden dieser Möglichkeit nicht immer bewusst sind, muss
dieser Service verstärkt angeboten werden.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
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3.3.4. Durchführung von Arten- und Biotopschutzprogrammen und -aktionen
a. Umsetzung von Artenschutzprogrammen
Der nationale Naturschutzplan (Plan National pour la Protection de la Nature, PNPN) sieht eine ganze
Reihe von Artenschutzprogrammen bzw. Schutzplänen (Plans d‘actions espèces, PAE) vor, so u.a. für
Haselhuhn, Raubwürger, Steinkauz, Fledermäuse oder Reptilien (z.B. Mauereidechse und Schlingnatter)
und Amphibien. Durch ihre Präsenz vor Ort sind die Spezialisten des Naturparks ideal geeignet um die
Artenschutzprogramme – die oft auf nationaler Ebene erstellt wurden – regional umzusetzen. Bei Bedarf
können – und sollen – außenstehende Experten zu Rate gezogen werden.
Der Naturpark Obersauer kann mit seiner Biologischen Station Impulse setzen und neben der Umsetzung
konkreter Artenschutzmaßnahmen eine begleitende Aufgabe übernehmen. Potentielle Partner sind
neben den Gemeinden u.a. die Naturverwaltung, die Straßenbauverwaltung, die Landwirte, die anderen
Biologischen Stationen, die Natur- und Vogelschutzliga, die Stiftung „Hëllef fir d‘Natur“,...
Neben der Umsetzung der Artenschutzpläne kommt dem Naturpark Obersauer noch eine verstärkte Rolle im
Bereich Information und Sensibilisierung zu. So sollen bestehende Aktionen und Projekte, auch im Bereich
Umweltbildung (Themenblätter „Loscht op Natur“, Aktion „D‘Louheck, e Liewensraum fir d‘Bëschhung“,
Wanderausstellung „Fischotter“, Poster über Pflanzen und Tiere,...) weitergeführt und ausgebaut werden,
zumal durch die Erweiterung des Naturparks das Zielpublikum wächst.
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für
Groß und Klein erlebbar und begreifbar machen
b. Durchführen von Biotopschutzprogrammen
Der nationale Naturschutzplan (Plan National pour la Protection de la Nature, PNPN) sieht außerdem
eine Reihe von spezifischen Habitatschutzplänen (Plans d‘actions habitats, PAH) vor. Für die Region des
erweiterten Naturparks sind in erster Linie die Aktionspläne „Silikatrasen“, „Borstgrasrasen“, „Heiden“ und
„Glatthaferwiesen“ relevant. Durch ihre Präsenz vor Ort kann die Biologische Station des Naturparks diese
regional mit Hilfe der Gemeinden, Verwaltungen, Landwirten,... umzusetzen.
Weitere regionalspezifische Projekte sind die „Wiederherstellung der Wiesentäler durch Entfichtung“
und die „Förderung der ökologischen Bewirtschaftung der Eichen-Niederwälder“, wobei die Rolle des
Naturparks in erster Linie im Bereich Information und Sensibilisierung liegt, da die Arbeiten vor Ort im
Rahmen anderer Projekte (z.B. INTERREG-Projekt „Restauration écologique transfrontalière des fonds de
vallées et des zones humides enrésinées (Restau-Eco) der Stiftung „Hëllef fir d‘Natur“) bzw. durch andere
Partner (Stiftung „Hëllef fir d‘Natur“, „Bëschverein Wolz“,...) durchgeführt werden. Gleiches gilt auch für die
„Uferrandstreifenprogramme“ und die „Projekte im Bereich Uferschutz“. Der Naturpark soll eine begleitende
Rolle übernehmen, während der Großteil der konkreten Maßnahmen im Rahmen anderer Projekte (wie z.B.
Life-Fischotter, INTERREG Restau-Eco,...) umgesetzt werden soll. Lediglich Projekte mit Pilotcharakter bzw.
Vorzeigeprojekte sollen vom Naturpark ausgehen.
In der ehemaligen Gemeinde Eschweiler wurde bspw. im Rahmen eines Interreg Projektes und in
Zusammenarbeit mit der Stiftung„Hëllef fir d’Natur“ ein 7 ha großes Areal mit hochwertigen Biotopstrukturen
über extensive Bewirtschaftungsmaßnahmen entwickelt (Standort der „Bëschschoul“).
Durch die Durchführung von Pilotprojekten, die begleitende Funktion des Naturparks und eine
konsequente Öffentlichkeitsarbeit sollen die Projekte, Maßnahmen und Aktionsprogramme in Zukunft
mehr Aufmerksamkeit erlangen und der Erfahrungsaustausch gefördert werden.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
c. Umsetzung der Grünland- und Feuchtwiesenprogramme auf dem Territorium des Naturparks
Der Erhalt der noch bestehenden artenreichen Randstreifen, Trockenrasen, mesophilen Wiesen und
Weiden, sowie Feucht- und Nasswiesen hängt direkt von der aktuellen, wie auch künftigen Nutzung ab.
Nutzungsverzicht führt langfristig zu Verbrachung und Verbuschung, während eine zu starke Nutzung, u.a.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
auch mit Dünger- und Pestizideinsatz, zu einem unwiderruflichen Artenrückgang führt. Der Schutz und
der langfristige Erhalt dieser wertvollen Lebensräume können nur über eine gezielte und konsequente
Umsetzung der Grünland- und Feuchtwiesenprogramme erfolgen, mit der freiwilligen Teilnahme der
Bewirtschafter an Extensivierungs- bzw. Biodiversitätsprogrammen. Dies gilt neben Feucht- und Grünland
ebenfalls für Ackerränder und Wegraine.
Der Naturpark Obersauer ist die Anlaufstelle für die Landwirte der Mitgliedsgemeinden, wobei die Rolle
der Biologischen Station neben der Sensibilisierung und der Suche nach neuen „potentiellen“ Flächen, in
erster Linie im Abschließen der Anträge/Verträge selbst, sowie in den administrativen Arbeiten und in der
Verwaltung der Datenbank besteht.
> QV: Landwirtschaft – Operationelles Ziel: Landwirtschaftsberatung im Einklang mit dem
Trinkwasserschutz und der Natur
d. Umsetzung von Hecken-, Obstwiesen- und Gehölzbiotopschutzprogrammen
Auch bei der Umsetzung von Hecken-, Obstwiesen- und Gehölzbiotopschutzprogrammen soll der Naturpark
Obersauer die Anlaufstelle sein, sowohl für die Gemeinden selbst, als auch für die Privatpersonen. Konkrete
Projekte – unter anderem im Rahmen des Heckenkatasters und eines naturparkweiten Pflegeplans – können
über das „Règlement grand-ducal du 18 mars 2008 abrogeant et remplaçant le règlement grand-ducal du
22 octobre 1990 concernant les aides pour l’amélioration de l’environnement naturel“ umgesetzt werden.
Bei Gemeindeprojekten kann die Biologische Station des Naturparks die Planung, die Koordination und
die Begleitung der Arbeiten übernehmen (dies im Rahmen der Konvention mit dem Ministerium für
nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen).
Des Weiteren soll der Naturpark eine sensibilisierende Rolle übernehmen. Neben der Information
der Bevölkerung sind konkrete Aktionen vorzusehen, wie z.B. Heckenpflanzaktionen in Form von
Sammelbestellungen für Heckenpflanzen (mit u.a. Beratung vor Ort und Hilfestellung bei der Planung),
Obstbaumschnittkurse und Ähnliches. Sowohl Sensibilisierungsaktion als auch konkrete Maßnahme ist z.B.
die alljährliche Pflanzaktion mit den Schulkindern im Rahmen der nationalen Kampagne „Dag vum Bam“,
wobei in Zukunft alle Schulen des erweiterten Naturparks mit einbezogen werden sollen.
Auch unterstützt der Naturpark Obersauer neuerdings Anpflanzungen innerhalb des Bauperimeters, als
Beitrag zur Begrünung des Siedlungsbereiches. Der Naturpark kann somit sensibilisieren und Impulse
setzen. Partner sind hier u.a. die Gemeinden, die Naturverwaltung, die Schulen und die Privatleute.
e. Schaffung und Wiederherstellung von Lebensräumen sowie Biotoppflegearbeiten
Was die Schaffung neuer, bzw. die Wiederherstellung von Lebensräumen betrifft, kann der Naturpark
Obersauer die Planung, die Koordination und die Begleitung der Arbeiten vor Ort – im Rahmen der
Konvention zwischen der Biologischen Station und dem Ministerium für nachhaltige Entwicklung und
Infrastrukturen, Abteilung Umwelt – übernehmen, wobei die finanziellen Aspekte und Beihilfen über
die großherzogliche Verordnung zum Verbessern der natürlichen Umwelt (Règlement grand-ducal du 18
mars 2008 abrogeant et remplaçant le règlement grand-ducal du 22 octobre 1990 concernant les aides pour
l’amélioration de l’environnement naturel) geregelt sind.
Der Naturpark ist demnach die Anlaufstelle für die Mitgliedsgemeinden was Planung und Koordination
der Projekte bzw. der Landschafts- und Biotoppflegearbeiten betrifft; die Arbeiten selbst werden
weitestgehend von den Gemeinden oder von externen Arbeitskräften durchgeführt. Der Naturpark kann
Impulse setzen, indem er eine eigene Arbeitsmannschaft („Equipe d‘intervention“) ausbildet, welche selbst
eine Reihe von Naturschutzmaßnahmen in den Gemeinden durchführen könnte (Anpflanzungen, Heckenund Obstbaumschnitt, Pflege von verschiedenen Biotopen,...)
Des Weiteren soll der Naturpark eine sensibilisierende Rolle übernehmen. Besonders geeignet sind
Sympathieträger wie Fischotter, Haselhuhn oder etwa Kornblume, bzw. „interessante“ Arten wie der
Raubwürger, die als Leitart oder sogenannte „Espèce parapluie“ für ganze Lebensräume stehen. Konkrete
Maßnahmen unter anderem im Rahmen der Aktion „Dag vum Bam“ oder Pilotprojekte (Anlegen eines
Tümpels, Renaturierung eines Bachabschnittes – u.a. im Rahmen des „Contrat de Rivière“) mit didaktischer
Ausrichtung sollen Akzente setzen.
49
3.3.5. Erstellen von natur- und landschaftsschützerischen Gesamt-konzepten
a. Konzept „Naturnahe Naturpark-Gemeinde“
Neben dem Naturschutz im Siedlungsbereich ist auch eine naturnahe und ökologische Bewirtschaftung
der gemeindeeigenen Flächen anzustreben. Der Naturpark soll die Anlaufstelle für die Mitgliedsgemeinden
sein, was Sensibilisierung und Schulung der Arbeiter, Information und Beratung, Planung und Koordination
von Projekten bzw. von Pflegearbeiten anbelangt. Generell ist in den Gemeinden um die Obersauer ein
differenziertes Grünflächenmanagement anzustreben, wobei die verschiedensten Aspekte unter einen Hut
gebracht werden können, so z.B.:
•
Entsieglungskonzept für alle Naturpark-Gemeinden (mit u.a. einigen Pilotprojekten)
•
Pilotprojekt „Pestizidfreie Gemeinde“/Aktion „Sans pesticides“
•
Ortstypische Vegetation (Planung und Umsetzung/Differenziertes Grünflächenmanagement)
•
Naturnahe Campingplätze
•
Aktion „Natur ums Haus“
•
Heckenpflanzaktion im Siedlungsbereich (mit Unterstützung des Naturparks)
•
Konzept „Streusalz im Naturpark – nicht überall“
•
Sensibilisierung der Bevölkerung zu Umwelt- und Naturschutz
•
Ökologisches Ortskernkonzept zur Wiederherstellung natürlicher Erlebnisräume im Ort
•
…
Partner sind die Gemeinden selbst, diverse Verwaltungen (Naturverwaltung, Ponts & Chaussées,...), Planungsund Architektenbüros, NGOs (z.B. „natur&ëmwelt“, Stiftung „Hëllef fir d‘Natur“), Umweltberatungsstellen
(z.B. „Emweltberodung Lëtzebuerg“),... . Neben der beratenden Funktion, bzw. der Rolle als Koordinator oder
Initiator von Pilotprojekten kommt dem Naturpark zudem eine große Rolle im Bereich der Sensibilisierung
zu.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Sensibilisierungsangebote für Einwohner, Gemeinden
und andere Zielgruppen
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und Nutzung des
Gewässersystems
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
3.3.6. Verbesserung der Kohärenz beim Gewässerschutz
a. Austausch mit den anderen Flusspartnerschaften
Flusspartnerschaften sind seit Dezember 2008 (Wassergesetz vom 19. Dezember 2008) auch im
luxemburgischen Recht verankert und haben seit ihrem Bestehen ihren Nutzen in unterschiedlichen
Bereichen gezeigt. Der Reifeprozess dieses Instrumentes muss verstärkt gefördert werden, sowohl auf
regionaler als auch auf nationaler Ebene.
Die Entwicklung der den Flusspartnerschaften zugrunde liegenden Prinzipen, Konzepte, Zielsetzungen,
Aufgabenbereiche und Arbeitsmethoden muss weitergeführt werden. Die Flusspartnerschaft, als
regionales Instrument im Bereich Wasserschutz, stellt für den Naturpark, neben der Biologischen Station,
eine weitere Koordinationsplattform dar, die hinsichtlich der zu erwartenden Herausforderungen im
Wasserschutzbereich notwendig sein wird. Umgekehrt kann der Naturpark die aus dem Gewässervertrag
Obersauer gewonnenen Erfahrungen in die Entwicklung der Flusspartnerschaften auf nationaler
Ebene einbringen und das Konzept der Flusspartnerschaften fördern. Ein guter Austausch mit der
Wasserwirtschaftsverwaltung und den anderen luxemburgischen Flusspartnerschaften erscheint hier
unabdingbar. In diesem Sinne soll der Naturpark:
•
sich aufgrund seiner Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Konzeptes der Flusspartnerschaften
einbringen
•
eine Mitarbeit im Netzwerk der nationalen Flusspartnerschaften anstreben
a. Monitoring der Gewässerqualität
Im Rahmen der Flusspartnerschaft hat der Naturpark ein Überwachungsnetz der Wasserqualität
begleitet und umgesetzt. Zukünftig soll der Naturpark für Pilotprojekte weiterhin die Erhebung und die
Auswertung von Monitoring-Daten übernehmen können, wobei die Auswahl der Parameter und/oder
die räumliche und zeitliche Dichte der Analysen an die jeweiligen Bedürfnisse (z.B.: Landwirtschaft) und
Projekte angepasst werden. Auch setzt sich der Naturpark weiterhin für eine grenzüberschreitende
Datenerhebung ein und fördert den Datenaustausch mit seinen belgischen Partnern. Die Überwachung
der Wasserqualität wird die Ausrichtung zukünftiger Projekte und Prioritäten, sowie die Evaluierung von
Maßnahmen vereinfachen, bzw. ermöglichen. Dabei ist es wichtig, dass eine enge Zusammenarbeit mit der
Wasserwirtschaftsverwaltung und dem Wassersyndikat SEBES besteht, u.a. zur Abstimmung mit nationalen
Maßnahmen im Rahmen der Umsetzung des Bewirtschaftungsplans.
c.
Weiterführung und Koordination einer grenzüberschreitenden Flusspartnerschaft
Die grenzüberschreitenden Einzugsgebiete der Obersauer und der Wiltz verlangen nach einer
kohärenten und konstruktiven Zusammenarbeit mit den belgischen Partnern. Will man dynamische
Managementsysteme für Stickstoffe oder gefährliche Substanzen einrichten, so wie es z.B. die Reservoir Risk
Studie vorschlägt, dann geht dies nur auf Ebene des gesamten Einzugsgebietes. Auch bei der Bekämpfung
von invasiven Pflanzen z.B. kann sich der Erfolg auch nur dann einstellen, wenn die Maßnahmen
grenzüberschreitend und in Absprache mit den belgischen Akteuren umgesetzt werden.
Die guten Arbeitsbeziehungen und die gemeinsamen Projekte mit dem Naturpark „Haute-Sûre Forêt
d’Anlier“ werden auch weiterhin gefördert, bzw. neu ausgerichtet, um so den Herausforderungen des
erweiterten Naturparks gerecht zu werden. Dabei soll, wenn möglich, auf europäische Mittel (Europäischer
Fonds für regionale Entwicklung, LIFE Natur, LEADER) zurückgegriffen werden und mit dem MDDI/
Wasserwirtschaftsverwaltung eine weitere Unterstützung geprüft werden. Aufgrund seiner Erfahrungen
soll der Naturpark weiterhin als Koordinator einer dauerhaften Flusspartnerschaft fungieren.
51
3.3.7. Verbesserung der Wasserqualität und ökologische Aufwertung der Gewässer
a. Schaffung von Entwicklungskorridoren und Pufferzonen
Durch die Schaffung von Entwicklungskorridoren wird die natürliche Dynamik der Gewässer unterstützt:
Bildung von Mäandern, Gleit- und Prallhängen, Steilufern, Flachufern, Sedimentablagerungen usw.
Entwicklungskorridore helfen ebenfalls elementare Funktionen der Gewässer wiederherzustellen, bzw. zu
stärken: Selbstreinigungskapazität, Rückhaltekapazität, Lebensraumbildung,… Entwicklungskorridore
stellen außerdem Pufferzonen gegen unterschiedliche Schadstoffe (z.B.: Dünger, Pestizide,…), Viehvertritt
und Erosionsphänomene dar. Sie wirken sich demnach positiv auf die strukturelle (morphologische)
Qualität der Gewässer aus und tragen zur Verbesserung der chemischen Wasserqualität bei.
In einem landwirtschaftlichen Kontext, in dem gutes Agrarland begehrter ist als je zuvor, besteht die
Herausforderung des Naturparks darin, Landbesitzer und Bauern von der Notwendigkeit dieser Maßnahme
zu überzeugen. Im Rahmen der Projekte „LIFE Fischotter“ und „PACTE Haute-Sûre“ hat der Naturpark bereits
einige Gewässerufer mit Zäunen, Viehtränken und Brücken ausgerüstet und so mehrere Vorzeigeprojekte
geschaffen.
Der Naturpark fungiert, hinsichtlich der Umsetzung dieser Maßnahme, als regionaler Ansprechpartner
und Koordinator. Der Naturpark kann eigene finanzielle Mittel einsetzen, aber auch zusätzliche finanzielle
Unterstützungen über die Agrarumweltmaßnahmen, den Fonds de l’Eau oder das INTERREG Programm
nutzen. Darüber hinaus müssen die Möglichkeiten die die verschiedenen Schutzstatus (z.B.: Natura 2000,
RAMSAR, nationale Schutzgebiete) bieten, besser genutzt werden. Wichtige Aspekte sind u.a.:
•
Verbesserung der Rückhaltekapazitäten durch die Pflanzung von Hecken und Uferpflanzen
•
Wiederherstellung von Feuchtbiotopen (z.B.: Feuchtwiesen, Auwälder,...)
•
Reduzierung des Viehvertritts durch die Einrichtung von Zäunen, Viehtränken und Viehbrücken
•
Ankauf von ökologisch interessanten Flächen durch öffentliche Instanzen oder Umweltstiftungen
•
Förderung von bestehenden Agrarumweltmaßnahmen (z.B.: Uferrandstreifen)
> QV: Landwirtschaft – Operationelles Ziel: Landwirtschaftsberatung im Einklang mit dem
Trinkwasserschutz und der Natur
b. Schutz und Wiederherstellung von Quellbiotopen und Kleingewässern
Feucht-Biotope gehören zu den Lebensräumen, die in den letzten Jahrzehnten (1962-1999) den größten
Rückgang zu verzeichnen hatten (-82% der Fläche, Hansa Luftbild, 2006). Sie gehören aber gleichzeitig zu den
lebensreichsten Biotopen unseres Landes: 21% der heimischen Gefäßpflanzen und 29% aller in Luxemburg
gefährdeten Pflanzen hängen von Feucht-Biotopen ab. Der strukturellen Verarmung der Landschaft und
dem damit verbundenen Rückgang der biologischen Artenvielfalt kann durch die Wiederherstellung,
den Schutz und die Schaffung neuer Quellbiotope und anderer Kleingewässer entgegengewirkt
werden. Diese Maßnahme trägt zur Biotopvernetzung bei (Trittsteinbiotope) und schafft Lebensräume für
seltene oder gefährdete Arten.
Die Aufgabe des Naturparks besteht darin, schützenswerte Biotope zu identifizieren und gegebenenfalls
finanzielle Mittel für die Umsetzung der Schutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen, bzw. zu organisieren.
Ziel ist es, auch den bereits bestehenden Biotopverbund auf die Gemeinde Wiltz auszuweiten.
Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind:
•
Auszäunung von Quellbiotopen
•
Restaurierung von Tümpeln und Weihern
•
Restaurierung von traditionellen Bewässerungssystemen („Fléitzen“)
•
Bereitstellung einer finanziellen Unterstützung für die Auszäunung von Quellbiotopen
•
Schaffung neuer Feuchtbiotope (auch im Siedlungsbereich)
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
c.
Gute fachliche Praxis in der Hobby-Fischerei erstellen und fördern
Die Fischerei wird im erweiterten Naturpark eine wichtige Freizeitaktivität darstellen. Ein großer Teil der
Uferlänge des Stausees und der Großteil der Wiltz werden fortan innerhalb der Naturparkgrenzen liegen.
Im Bereich des Stausees besteht vor allem Handlungsbedarf in Bezug auf den Zugang der Fischer zu ihren
jeweiligen Angelplätzen über die land- und forstwirtschaftlichen Wege sowie in Bezug auf die unkoordinierte
Lagerung und das Einsetzen der Fischereiboote entlang des gesamten Uferbereichs.
Der Naturpark wird sich aber auch allgemein für eine gute Praxis in der Hobby-Fischerei einsetzen, mit Hilfe
von Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der Naturverwaltung und
der Wasserverwaltung, so wie den lokalen Fischereivereinen und der nationalen Fischereiföderation.
Darüber hinaus sind die Angelmöglichkeiten auch als touristisches Angebot zu sehen, dessen Potential über
den Naturpark aufgewertet und für Touristen zugänglicher gestaltet wird. Als zentrale regionale Anlaufstelle
soll der Naturpark hierbei eine koordinative Rolle spielen und als Sprecher frühere Bemühungen vorantreiben.
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des
Naturparks durch behutsame Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
d. Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Bachläufe und Schaffung von Laichplätzen
Die Durchgängigkeit der Bachläufe ist für das Erreichen des guten ökologischen Zustandes der Gewässer
bis 2015 eines der grundlegenden Kriterien. Sie ist Grundvoraussetzung für die freie Entwicklung und
Vermehrung der meisten Fischpopulationen, aber auch für die Wanderungen kleinerer Lebewesen, wie z.B.
der Makroinvertebraten und einiger Säugetiere, wie z.B. dem Fischotter. Die Kontinuität der Bachläufe
und das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Bereiche der Gewässer, sowohl in der Länge als auch
in der Breite, sind für die natürliche Dynamik unabdingbar. Im erweiterten Naturpark sind die Gewässer
zwar vergleichsweise „gesund“, weisen punktuelle dennoch einige Defizite auf.
Der Naturpark wird konkrete Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit durchführen und den
Zugang zu den Laichplätzen für die Fische verbessern. Hier fallen hauptsächlich strukturelle Maßnahmen
an, wie z.B. das Entfernen von Querrillen, Bauwerken usw. Überlegungen und Anregungen zur Durchgängigkeit
müssen ebenfalls bei neuen Bauvorhaben, bzw. bei Instandsetzungen von Bauwerken mit einfließen. Gute
Beziehungen zur Bauverwaltung und Überzeugungsarbeit bei den Landbesitzern sind Grundvoraussetzungen
für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen. Auch sollen diese mit den bereits geplanten Maßnahmen
der Wasserverwaltung im Rahmen des Bewirtschaftungsplanes abgestimmt werden.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Maßnahme:
•
Entfernen von Querbauwerken
•
Bauen von Fischleitern
•
Instandsetzung von Laichplätzen
e. Reduzierung der Schadstoffeinträge in die Bäche und Feuchtbiotope
Die Qualität der Gewässer kann durch verschiedenste Schadstoffeinträge in Mitleidenschaft gezogen
werden (z.B.: Abwaschung von Schmutzstoffen von den Straßen, Streusalze, Nitratauswaschungen,
Pestizide, Reinigungsmittel, Industrieabwässer, u.a.), die sich in den unterschiedlichsten Bereichen
ansiedeln: Industrie, Landwirtschaft, Haushalte.
In erster Linie besteht die Aufgabe des Naturparks darin, den Privathaushalten mehr Bewusstsein für
eine nachhaltige Wassernutzung, aber auch für die Gefahren für die Wasserqualität zu vermitteln.
Dies gilt vor allem bezüglich der Nutzung und der Entsorgung von Pestiziden, Reinigungsmitteln und
anderen Haushaltsmitteln. Mit dem Beitritt der Gemeinde Wiltz wird sich der Naturpark ebenfalls mit
industriellen Verschmutzungsquellen beschäftigen müssen, um auch auf der Wiltz eine signifikante
Qualitätsverbesserung zu erreichen.
Grundsätzlich wird der Naturpark eine beratende Rolle übernehmen und eng mit der SuperDrecksKëscht
zusammen arbeiten, die in diesem Bereich wesentliche Erfahrungswerte besitzt.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Maßnahme:
•
Sensibilisierungsmaßnahmen
•
Beratung (z.B.: Streusalze)
•
Pilotprojekte
•
Förderung umweltfreundlicher Produkte
53
f.
Bekämpfung von invasiven Arten
Invasive Pflanzen und Tiere sind exotische Arten, die in unsere Ökosysteme eingeführt wurden. Diese
Arten neigen zu einer exponentiellen Vermehrung aufgrund guter Lebensbedingungen und fehlender
Fressfeinde. Die negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt und Artenvielfalt sind vielfältig (z.B.:
Ufererosion, Lebensraumbanalisierung, Verdrängung einheimischer Arten usw.). Manche Arten stellen
außerdem eine Gefahr für die Menschen dar, so z.B. der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum),
dessen Saft unter UV-Bestrahlung schwere Verbrennungen verursachen kann, oder die beifußblättrige
Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), die bei manchen Menschen Allergien auslösen kann.
In der Gemeinde Wiltz kommen zwar nach dem aktuellen Stand der Dinge keine zusätzlichen invasiven
Arten vor, aber es finden sich zusätzliche Standorte bereits bekannter invasiven Arten (z.B.: Riesenbärenklau,
Indisches Springkraut, Japanischer Knöterich). Allerdings kann die Bekämpfung kohärenter und effizienter
gestaltet werden, da der erweiterte Naturpark ein größeres Einzugsgebiet umfasst; das Risiko von
Neukontaminationen kann demnach verringert werden.
Die bereits vom Naturpark organisierten Arbeiten werden weitergeführt und auf das Gebiet der
Beitrittsgemeinde ausgeweitet. Da die Bekämpfung invasiver Arten einen langfristigen und langjährigen
Einsatz verlangt, soll der Naturpark eine regionale Koordinationsfunktion übernehmen und sich finanziell
beteiligen. Der Naturpark wird auch als Kontakt zu nationalen Koordinationsstellen fungieren, u.a. zum
„Musée National d’Histoire Naturelle“ und zur Naturverwaltung.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Aktion:
•
Konkrete Bekämpfungsaktionen
•
Schaffung einer regionalen Meldestelle für invasive Arten
•
Information und Sensibilisierung der Einwohner und Gärtner
•
Ausarbeitung einer Verordnung die das Anpflanzen und Aussäen von invasiven Pflanzen verbietet
•
Beratung von Gemeinden und Privatpersonen bei der Auswahl von Blumen- und Pflanzenarten
g. Reduzierung der Pestizidausbringung und Förderung der Biodiversität im Siedlungsbereich
2008 wurden neun unterschiedliche Pestizidrückstände in luxemburgischen Gewässern nachgewiesen.
Die entdeckten Wirkstoffe sind zum Teil Bestandteil von Produkten, die beim Unterhalt von öffentlichen
Flächen, bzw. in Haushalten, privaten Gärten und Gärtnereien zum Einsatz kommen. Im Unterschied zur
Ausbringung von Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen, werden Pestizide im Siedlungsbereich
meist auf versiegelte Flächen oder in unmittelbarer Nähe von Abflüssen und Kanälen ausgebracht. Die
Mengen sind vergleichsweise gering, die Auswaschung hingegen ungleich stärker als in der Landwirtschaft.
Um die Trinkwasserqualität zu erhalten ist es unabdingbar, ein grundsätzliches Umdenken im Unterhalt
der öffentlichen Flächen herbeizuführen und ein stärkeres Bewusstsein für die Gefahren der Pestizide
auf Natur und Mensch zu fördern.
Die Aufgabe des Naturparks besteht darin, den Pestizideinsatz auf öffentlichen Flächen und in den
Haushalten zu verringern, u.a. durch die Förderung alternativer Pflegemethoden und Geräte, alternativer
Substrate und der Akzeptanz der Biodiversität im Siedlungsbereich. Die Anstrengungen die bereits seit der
nationalen Kampagne „…ohne Pestizide“ im Jahr 2010 gemacht worden sind, werden auf lokaler Ebene
verstärkt weitergeführt, mit dem Ziel „Gemeinden ohne Pestizide“ zu schaffen. Der Naturpark fungiert
hier hauptsächlich als Berater, wobei auch an die Bereitstellung von finanziellen Mitteln gedacht werden
kann.
Anbei einige Ideenansätze zur Umsetzung dieser Aktion:
•
Alternative Geräte zur Verfügung stellen
•
Beratung bei der Neuplanung von Parkflächen, Grünflächen, u.a.
•
Pflegepläne für den Unterhalt öffentlicher Flächen erstellen (Differenziertes Grünflächenmanagement)
•
Information und Sensibilisierung
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Der Naturpark soll Sensibilisierungsangebote für
Einwohner, Gemeinden und andere Zielgruppen erstellen und durchführen
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
h. Verbesserung des Müllmanagements im Randbereich des Obersauerstausees
Die starke touristische Nutzung des Stausees – besonders in den Sommermonaten – stellt die Gemeinden
und die Straßenbauverwaltung vor eine echte Herausforderung bezüglich der Müllentsorgung.
Die aktuelle Situation kann in der Form nicht dauerhaft mit der Naturparkpolitik übereingebracht werden
und kann außerdem ein Risiko für die Wasserqualität darstellen, abgesehen von der ästhetischen Wirkung
von unsauberen Stränden, Picknick-Plätzen, u.a.
Ein vorbildliches Müllmanagement hat Vorbildcharakter und erlaubt es die Wichtigkeit des Stausees als
Lebensraum und Trinkwasserspender zu unterstreichen.
Analog zu den Veränderungen, die sich seit Jahren in den privaten Haushalten vollziehen, strebt der
Naturpark in Zusammenarbeit mit den Gemeinden u.a. die Mülltrennung auf den Badestränden an. Doch
auch das Müllmanagementsystem am Obersauerstausee soll grundsätzlich neu überdacht werden.
Die Aufgabe des Naturparks besteht in erster Hinsicht darin, die Einwohner, Besucher und Touristen für die
Mülltrennung zu sensibilisieren. Darüber hinaus kann er aber auch die Einrichtung von Recylingparks auf
den Badestränden und eventuelle Pilotprojekte in Zusammenarbeit mit Partnern wie Superdreckskëscht,
Ponts et Chaussées, etc., unterstützen.
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Der Naturpark soll Sensibilisierungsangebote für
Einwohner, Gemeinden und andere Zielgruppen erstellen und durchführen
i.
Morphologische Maßnahmen für eine allgemeine Verbesserung der Gewässerqualität
Das Gewässersystem und die einzelnen Gewässer der Naturparkregion zeigen strukturelle
(morphologische) Defizite auf. Diese Defizite durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren ist Aufgabe
des Naturparks in Zusammenarbeit mit der Wasserverwaltung und unter Berücksichtigung des
Bewirtschaftungsplans der Wasserrahmenrichtlinie. Strukturelemente erfüllen wichtige Aufgaben im
Gewässersystem. Die morphologische Qualität, bzw. die strukturelle Vielfalt eines Gewässers wirkt sich auf
den Fischbestand und die Mikrofauna aus. Unterschiedliche Sohlenmaterialien, verschiedene Uferformen,
Baumwurzeln, Auswaschungen, Sedimentablagerungen, Strömungsveränderungen usw. beeinflussen den
Artenreichtum eines Gewässers.
Aus diesen Gründen setzt sich der Naturpark für konkrete Maßnahmen zum Erhalt und zur
Wiederherstellung der morphologischen Qualität der Gewässer ein, sowohl im Bereich des
Wasserkörpers, als auch im Uferbereich. Hierzu gehören z.B. der Rückbau von Uferbefestigungen, der
Rückbau von Verrohrungen, die Verbesserung der Durchquerbarkeit von Bauwerken, das Pflanzen von
Uferböschungen, Schutzmaßnahmen gegen Viehvertritt und auch das Entfernen von Fichtenbeständen.
Der Naturpark fungiert diesbezüglich als regionale Koordinationsstelle in Zusammenarbeit mit dem
Wasserwirtschaftsamt, aber auch als unterstützende Kraft.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Aktion:
•
Renaturierung von verrohrten Bachläufen
•
Instandsetzung von „Fléitzweihern“
•
Pflanzung von Uferböschungen
•
Rückbau von Uferbefestigungen
Auf dem Gebiet der Gemeinde Eschweiler besteht die Projektidee, das Tal des Bachlaufs der Kirel wieder
standortgerecht zu begrünen. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen eines INTERREG Projektes bereits ein
Teil der Bachaue entfichtet.
55
3.3.8. Anregung und Begleitung von infrastrukturellen Maßnahmen im Sinne des Wasserschutzes in
der Naturparkregion
a. Anregungen für Wassersparmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden und privaten Haushalten
In vielen öffentlichen Gebäuden und Infrastrukturen können beachtliche Mengen Trinkwasser und de
facto Abwasser eingespart werden. Sparmaßnahmen führen nicht nur zu realen Einsparungen, sondern
auch und vor allem zu einer besseren Wertschätzung des Wassers. Der Naturpark soll Maßnahmen in
diesem Sinne fördern, mittels Information und Sensibilisierung, aber auch mittels finanzieller Anreize (z.B.:
Pilotprojekte) und Hilfestellung bei Neuplanungen und Umrüstungen.
Dies setzt natürlich voraus, dass sich der Naturpark diesbezüglich die erforderlichen Kompetenzen
aneignet, um den technischen Herausforderungen (z.B.: Mindestabflüsse usw.) gerecht zu werden. Durch
den Beitritt der Gemeinde Wiltz kommt dieser Maßnahme mehr Bedeutung zu, bedenkt man die Anzahl an
öffentlichen Gebäuden im erweiterten Naturpark.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Aktion:
•
Spar-Toiletten und -Wasserhähne in Schulen installieren
•
Regelmäßiges Überprüfen der Trinkwasserkanalisationen
•
Regenwassernutzung fördern, sowohl durch finanzielle Anreize als auch durch kompetente
Beratung
•
Verteilung von Regentonnen für den Garten
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Der Naturpark soll Sensibilisierungsangebote für
Einwohner, Gemeinden und andere Zielgruppen erstellen und durchführen
b. Anregungen zum besseren Regenwassermanagement im Siedlungsbereich
Die Rückhaltung von Regenwasser, bzw. die Schaffung von Infiltrationsmöglichkeiten wirkt sich doppelt
auf die Gewässersysteme aus. Zum einen wird das Oberflächenabflusswasser nicht unmittelbar in die Bäche
geleitet, zum anderen werden Schadstoffe von den Straßen, Parkplätzen, Dächern u.a. nicht direkt in die
Bäche abgespült. So können Erosionsprobleme vermieden, Hochwasserspitzen abgeschwächt und
Schadstoffe zurückgehalten werden.
Im Rahmen der Förderung einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung, die ebenfalls zu den Aufgaben des
Naturparks gehört, ist es notwendig ein besonderes Augenmerk auf das Regenwassermanagement zu
legen. Nach dem Beitritt der Gemeinde Wiltz, hat der Naturpark größere Siedlungsflächen auf zu weisen.
Hier können durch ökologisch angelegte Flächen und extensive Bewirtschaftungsmethoden Pufferzonen
und Rückhaltekapazitäten eingerichtet werden.
Darüber hinaus erscheint es sinnvoll, die Regenwassernutzung sowohl in privaten Haushalten als auch
in öffentlichen Gebäuden zu fördern. So wird Wasser gespart und weniger Abwasser produziert. Es wäre
sinnvoll, zusätzlich zu den finanziellen Anreizen des Staates, auch regionale finanzielle Anreize zu schaffen.
Der Naturpark kann eine beratende Rolle spielen.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Maßnahme:
•
Um- oder Neugestaltung von Parkflächen
•
Einrichtung von Regenwasserauffanganlagen in den Gemeinden und/oder Schulen (Toilette,
Rasenbewässerung)
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
c.
Instandsetzung und Aufwertung des Wasserpatrimoniums
Seit jeher werden die Wasserressourcen der Obersauerregion auf unterschiedlichste Weise genutzt. Einige
Nutzungsformen sind bis heute in der Landschaft erkennbar, wie z.B. die Rieselwiesen und die Mühlen. In
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Bezug auf die neue Ausrichtung des Naturparks und des neuen zentralen Leitthemas erscheint der Erhalt
des kulturellen „Wasserpatrimonium“ wichtig. Nicht nur zur Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls der
Einwohner, sondern auch für die Positionierung der Obersauerregion als Wasserregion Luxemburgs.
Der erweiterte Naturpark soll sich für die Restaurierung und den Erhalt von traditionellen Waschbrunnen,
Quellfassungen, historischer Brücken, Rieselwiesen mitsamt deren Kanälen und Wehren, Mühlenkanäle,
u.a. einsetzen. Durch die Aufwertung dieser Infrastrukturen ist sicherlich auch eine Aufwertung der
Region als touristisches Ziel zu erwarten.
Ideenansätze zur Umsetzung dieser Maßnahme:
•
Restaurierung einer Rieselwiese („Fléitzwiss“) für pädagogische Zwecke
•
Instandsetzung und touristische Aufwertung (auch in Bezug auf die Wasserqualität) der historischen
Waschbrunnen (Geschichte, Legenden, Kontext)
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des
Naturparks durch behutsame Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
> QV: Koordination und Vernetzung – Operationelles Ziel: Anlaufstelle und Koordinationsplattform
für eine nachhaltige Regionalentwicklung und Planung im regionalen, nationalen und
grenzübergreifenden Kontext
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Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
4. Arbeitsschwerpunkt „Umweltbildung“
4.1. Einleitung
Umweltbildung ist ein Begriff mit einer komplexen Bedeutung. Es handelt sich um einen in den 1970er
Jahren gewachsenen Bildungsansatz, der einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und
den natürlichen Ressourcen vermitteln will. Umweltbildung steht für die Sensibilisierung der Menschen
für die Natur und die Stärkung ihres Umweltbewusstseins und versucht dadurch das menschliche Verhalten
zu beeinflussen. Demnach will Umweltbildung Wissen (Kopf ), Einstellungen (Herz) und Erfahrungen (Hand)
über die Umwelt des Menschen vermitteln und so langfristig dazu beitragen Umweltprobleme zu lösen,
nachdem diese als problematisch erkannt und verstanden wurden. Umweltbildung ist ein unverzichtbares
Instrument zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung. Neben der Sensibilisierung für die Werte
der Natur müssen heute – angesichts der Komplexität der Themen – Kompetenzen wie vernetztes und
verantwortungsbewusstes Denken und Handeln vermittelt werden.
Zur Umsetzung der gesetzlichen Ziele des Naturparkes ist die Umweltbildung von großer Bedeutung. Sie
ist deshalb von Beginn an ein Arbeitsschwerpunkt im Naturpark gewesen mit inhaltlichen Schwerpunkten
auf naturschutzrelevanten Themen (Wasser, Wald, Pflanzen, Tiere, Landwirtschaft, Naturpark, Biodiversität,
Naturschutz, Lebensräume, ökologische Zusammenhänge,…), Energie sparen und erneuerbare Energien,
regionalen Themen und kulturelles Erbe. Wichtige Projekte waren bisher: das Solarboot, das eau´tomobile
und die Installation sogenannter „Tenqies“ (Trinkwasserspender mit Bildschirm) in drei interkommunalen
Grundschulen.
Eine wichtige Zielgruppe für die Umweltbildung sind Kinder und Jugendliche, umso mehr sich eine
umfassende Umwelterziehung und ein ehrlicher, respektvoller Umgang mit Natur- und Lebensräumen
positiv auf die Entwicklung der jungen Menschen auswirkt. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen
in der Region und dem Naturpark ist aus diesem Grunde eine wichtige Schnittstelle. Bezüglich der
schulischen Infrastrukturen, respektive Betreuungsstellen für Kinder und Jugendliche, bieten sich
durch die Naturparkerweiterung neue Anknüpfungspunkte, welche bei der Weiterentwicklung der
Umweltbildungsangebote des Naturparkes zu berücksichtigen sind:
•
An alle Grundschulen ist auch eine „Maison Relais“ angegliedert. Jeweils eine „Crèche“ befindet sich
in Heiderscheid, Liefrange (privat) und Wiltz. In Wiltz findet man ebenfalls die einzige Musikschule
sowie das einzige „Foyer de Jour“. Die UGDA bietet darüber hinaus in mehreren Gemeinden
Musikunterricht an. Die Kinder der ehemaligen Gemeinde Eschweiler werden weiterhin die
interkommunale Schule in Wilwerwiltz besuchen (mit Maison Relais).
•
Bei der räumlichen Verteilung der Schulen (Harlange, Heiderscheid, Wiltz, Wilwerwiltz) fällt auf, dass
diese sich jeweils an den äußersten Grenzen des erweiterten Naturparks befinden, d.h. räumlich
abgelegen sind vom zentralen Bereich um die Obersauer.
•
Im Grundschulbereich des erweiterten Naturparks spielt die Zusammenarbeit der Gemeinden eine
wichtige Rolle. Lediglich die frühere Gemeinde Wiltz ist in dieser Hinsicht eigenständig.
•
Zudem ist Wiltz als Regionalzentrum auch Standort der Sekundarschule (Lycée du Nord) im
erweiterten Naturpark. Das Einzugsgebiet des Lyzeums erstreckt sich überwiegend auf den
Nordwesten des Landes. Bezogen auf den erweiterten Naturpark kommt die höchste Schüleranzahl
aus Wiltz selbst.
•
Durch die Erweiterung vergrößert und diversifiziert sich das Angebot der außerschulischen
Infrastrukturen im Naturpark, welche im Umweltbildungsbereich tätig sind.
4.2. Operationelle Ziele
Bezogen auf die in der Etude Detaillée definierten strategischen Ziele des Naturparkes ist die Umweltbildung
eine Querschnittsmaterie. Eine erlebnisorientierte Umweltbildung trägt dadurch, dass sie die Menschen
für die Natur sensibilisiert und ihr Verhalten beeinflusst, auch zur Erreichung der strategischen Ziele
•
Erhaltung und Inwertsetzung des natürlichen und kulturellen Erbes
•
Verbesserung von Umwelt-, Boden- und Wasserschutz
•
Förderung des Tourismus im Einklang mit Natur und Umwelt – Schwerpunkt „Wasserregion
Luxemburgs“
bei. Deswegen finden sich auch in anderen Arbeitsschwerpunkten des Naturparks Aktivitäten einer
„angewandten Umweltbildung“, welche der Leitlinie einer „erlebnisorientierten Sensibilisierung von
Einwohnern und Besuchern zu regionsspezifischen Umweltthemen“ Rechnung tragen, wie z.B. Biologische
59
Station, Gewässervertrag, Energieberatung, usw.
Über diese Beratungsleistungen hinaus, ist für die Umweltbildung des Naturparkes wichtig, wie es auch
von wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt wird, dass über die unmittelbare Naturerfahrung das
aktive Handeln im Naturschutz gefördert wird. Aus der Beschäftigung mit der Natur und der Umwelt können
Wissen, Fähigkeiten und auch die Bereitschaft erworben werden, um umweltbewusster zu denken und zu
handeln. Dies setzt auf der Ebene der Aktivitäten der Umweltbildung einen hohen Anteil an positiven
Emotionen voraus und bedarf bei der Vermittlung vielfältiger Methoden.
Zur Konkretisierung der strategischen Zielsetzungen und Leitlinien sollen im erweiterten Naturpark, auch in
Weiterentwicklung der bisher geleisteten Arbeiten, folgende operationelle Ziele mit den entsprechenden
Maßnahmen in Angriff genommen werden:
•
Der Naturpark soll „die regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für Groß und Klein
erlebbar und begreifbar machen“ mit einem besonderen Augenmerk auf Kinder und Jugendliche.
•
Der Naturpark soll Sensibilisierungsangebote für Einwohner, Besucher, Gemeinden und
andere Zielgruppen erstellen und durchführen.
4.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Operationelles Ziel: Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für Groß
und Klein erlebbar und begreifbar machen
4.3.1. Konzipierung und Betreuung von umweltpädagogischen Aktivitäten für Schüler und
Jugendliche sowie Erarbeitung von diesbezüglichen Materialien
a. Aufbau einer Naturparkschule zur Förderung von Kooperationen zwischen dem Naturpark
und einzelnen Schulen bzw. Kinderbetreuungseinrichtungen im Naturpark
Eine intensive Kooperation des Naturparks mit den Schulen bzw. außerschulischen Infrastrukturen
(Maison relais, Crèche,…) ist ein äußerst wirksames Instrument der Bewusstseinsbildung. Durch intensives
Beschäftigen mit dem Naturparkthema und durch gezielte, aktive Kooperationen zwischen Naturpark und
einzelnen Infrastrukturen werden die Kinder sensibilisiert und damit zumeist auch die Erwachsenen. Unter
dem Motto „Naturparkschule“ wurde ein Konzept mit Aktivitäten, Materialien und Partnerschaften
erstellt, welches die Kooperation des Naturparks mit den Schulen etc. im Naturpark auf feste und dauerhafte
Füße stellt. Die „Naturparkschule“ wird nun in enger Zusammenarbeit mit der Naturverwaltung und dem
Lehrpersonal umgesetzt. Darunter fallen:
•
regelmäßige Aktivitäten bzw. Projekttage mit Schulklassen zur Vermittlung von Informationen zum
Naturpark. Durch naturparkbezogene Schulprojekte wird den Kindern bewusst, dass sie in einem
Naturpark leben und was das überhaupt bedeutet. Denkbar ist z.B., dass der Naturpark zukünftig
auch beim Pilotprojekt der Ganztagsbetreuungsschule in Wiltz eine Rolle (als Partner) spielen kann.
•
Da das Personal des Naturparks nicht permanent vor Ort anwesend sein kann, soll der Naturpark
als regionaler Ansprechpartner auch umweltpädagogisches Material über die Region
ausarbeiten, welches den betreffenden Personen jederzeit zugänglich ist. Hierfür soll sowohl
pädagogisches Material seitens des Erziehungsministeriums auf lokale bzw. regionale Verhältnisse
angepasst als auch neues Material entwickelt und bereits vorhandenes Material integriert werden.
Damit das bestehende Angebot bestmöglich genutzt werden kann, ist eine Zusammenarbeit
mit anderen regionalen und nationalen Partnern anzustreben und bereits bestehendes Material
zu inventarisieren und zugänglich zu machen (z.B. Arbeitsmappen zu diversen Themen,
Internetauftritte, Themenhefte zu Lehrpfaden,…)
•
Damit regionalspezifische Themen nicht nur sporadisch vom Naturparkpersonal angeboten werden,
sondern in den bestehenden Lehrplan mit eingebaut werden können, ist eine enge Kooperation mit
dem zuständigen Lehrpersonal und eine regelmäßige Fortbildung anzustreben. Der Naturpark
liefert dazu die wissenschaftlichen und regionalgebundenen Grundlageninformationen und gilt als
Ansprechpartner, Berater und Betreuer für alle im Naturpark wichtigen Themenbereiche
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Die potentielle Themen- und Aktivitätsliste ist groß. In Anlehnung an die Etude Detaillée von 1997 und an
aktuelle Tendenzen ergeben sich folgende Themen und Aktivitäten:
•
Aktivitäten zum Element Wasser; z.B. pädagogische Aktivitäten mit dem „Eau‘tomobile“, Fläsch vum
Séi/Tenqy, Themenwege, etc.
•
Aktionen zu laufenden Projekten im Naturpark (z.B. Haselhuhn, Steinkauz, Biber, Fledermäuse, Jardins
à suivre, Tag des Baumes,… – siehe auch Arbeitsschwerpunkt „Natur- und Landschaftsschutz“)
•
„Journée pédagogique“
•
Entwicklung multimedialer Informationssysteme
•
Miteinbeziehung und gegebenenfalls Anpassung der Außenanlagen für Aktivitäten im Freien (z.B.
Naturklasse im Park Simon/naturnaher Schulhof/…)
•
Waldschule („Bëschschoul“) für die Kinder in der Vorerziehung (Crèche) in Eschweiler. Hier besteht
die Möglichkeit diese Idee auf andere Teile der Region auszuweiten
Aufgrund ihrer Bedeutung für die Umsetzung der strategischen Ziele des Naturparkes und ihres direkten
Bezuges zur regionalen Ressource „Wasser“ soll die Naturparkschule als Leitprojekt vertieft werden.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
b. Weiterentwicklung des „Eau’tomobile“
Dem Thema Wasser im Sinne der Positionierung als Wasserregion kommt ein besonderer Stellenwert zu. Hier
ist das gemeinsam mit dem Naturpark Haute-Sûre Forêt d’Anlier entwickelte und betreute „Eau’tomobile“
als besonderes Leitprojekt zu nennen. In diesem „fahrenden Wasserlabor“ lernen die Kinder das Wasser
als Lebensraum hautnah kennen und entdecken die Wichtigkeit sauberer Gewässer. Daneben werden auch
andere ortsgebundene Themen behandelt. In dieser Funktion ist das „Eau’tomobile“ auch ein wichtiger
Bestandteil der Naturparkschule.
c.
Entwicklung von Angeboten für Kinder und Jugendliche aus anderen Landesteilen bzw.
aus dem Ausland (in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern und mit anderen Bildungsund Forschungseinrichtungen)
Der Naturpark mit seinem natürlichen und kulturellen Reichtum bietet sich an, um auch Kindern und
Jugendlichen aus anderen Landesteilen Umwelterziehung praktisch zugänglich zu machen. Dies ist umso
notwendiger, als viele Kinder und Jugendliche immer weniger direkten Kontakt zur Natur haben. Gerade
auch das Zusammenwirken von Mensch und Umwelt kann im Naturpark durch viele Beispiele ersichtlich
werden.
In Frage kommen Tagesaufenthalte bzw. mehrtägige Aufenthalte von Schulklassen bzw. Jugendgruppen
(im Rahmen einer „classe verte/classe nature/Bëschschoul“ oder des Schulfachs „Eveil aux sciences“,
„Vakanzaktivitéiten“ usw.). Notwendig ist die Ausarbeitung und Erweiterung bestimmter pädagogischer
Angebote um solche Aufenthalte zu gestalten. Es könnten z.B. Rundwege mit pädagogischer Zielsetzung
ausgearbeitet, oder didaktisches Material mit Hinweisen für den Lehrer zu Rundwegen oder Standorten (z.B.
Tuchfabrik) erstellt werden. Zu entscheiden wäre, ob dieses Angebot von den interessierten Lehrern ohne
zusätzliche Hilfestellung des Naturparks genutzt werden soll oder ob ein regelrechtes Angebot gemacht
werden soll, das mit pädagogischen Hilfskräften vom Naturpark aus geleitet wird. Eine Projektidee der
Gemeinde Wiltz, welche das Angebot im Naturpark erweitern kann, ist die Eröffnung eines Kindermuseums
in Wiltz.
Hierfür müssen auf jeden Fall entsprechende Infrastrukturen zur Unterbringung vorhanden sein (z.B.
wetterunabhängige Möglichkeit zum Abhalten eines Picknicks, Saal mit audio-visuellen Möglichkeiten zur
Einführung oder Auswertung des Aufenthalts,…). Soweit wie möglich ist auf bestehende Infrastrukturen
zurückzugreifen. Die Verantwortlichen des Naturparks müssen eine Zusammenarbeit im Bereich der
Umwelterziehung anstreben, die sowohl auf die Konzepterarbeitung (Integration eines Saales mit audiovisuellen Möglichkeiten) als auch auf die Auslastung durch Übernachtungen zutrifft.
Mögliche Partner im Naturpark sind:
Waldentdeckungszentrum „Burfelt“ (Expo und Aktivitäten); SEBES (Waasserschoul); Kläranlage
Heiderscheidergrund; Base nautique; Toodlermillen; Cooperations Wiltz.
61
4.3.2. Entwicklung und Koordination von regionalspezifischen umweltpädagogischen Angeboten
für Einwohner und Gäste
a. Anbieten von regelmäßigen naturkundlichen Exkursionen auf dem Stausee
mit dem „Solarboot“
Als Leitprojekt ist in diesem Kontext das schon seit Jahren bewährte Solarboot zu erwähnen; ein Projekt,
welches auch sicherlich touristisch interessant ist, jedoch in erster Linie im Bereich der Umweltbildung
anzusiedeln ist. Im Prinzip handelt es sich dabei um naturkundliche Führungen, sowohl für Kinder und
Jugendliche als auch für Erwachsene, auf einem solarbetriebenen Boot auf dem Stausee.
Bei einer zweistündigen Fahrt mit maximal 23 Passagieren erläutern Reiseleiter und Kapitän einerseits die
verschiedensten Elemente zur Stauseethematik, wie z.B. Fauna und Flora, wenden sich andererseits aber
auch weiteren naturparkrelevanten Themen zu, wie der generellen Ausrichtung und den Zielsetzungen des
Naturparks, die konkrete Naturparkarbeit, die Projekte, usw.
Für Schulklassen wurde ein spezifisches, altersgerechtes Programm mit praktischen Anwendungen erstellt.
In Zukunft sollen weiter verstärkt erlebnisorientierte Methoden angewandt und durch Qualitätskontrollen
eine gleichbleibende Qualität gewährleistet werden
Seit seiner Einführung im Jahr 2001 ist das Solarboot ein Leuchtturmprojekt am Stausee. Es verbindet
die verschiedensten Arbeitsbereiche des Naturparks, wie Umweltbildung und Tourismus, vorbildlich
miteinander. Dies ist die Ursache warum das Solarboot als Leitprojekt vorgesehen ist.
b. Umweltpädagogische Infrastruktureinrichtungen zu regionalspezifischen Themen
Eine gute Möglichkeit um den Erhalt und die Valorisierung des natürlichen und kulturellen Erbes zu
erreichen, sind umweltpädagogische Infrastruktureinrichtungen mit erlebnisorientiertem Charakter.
Durch interaktive Formen des Naturbegreifens und -erlebens wird der Zugang zur eigenen natürlichen
und kulturellen Umwelt in Gegenwart und Vergangenheit geöffnet und auf unterschiedliche Weise für
Lernerfahrung durch neue Blickwinkel in und an der Umwelt gesorgt. Die Umweltbildungsaktionen
und -programme sollen in das touristische Angebot integrierbar sein. Auch in diesem Bereich sind
verstärkt multimediale Informationssysteme einzusetzen, um so auch jugendliche Besucher für die
Naturzusammenhänge zu interessieren.
Das Angebot soll jedoch nicht nur ausgebaut werden, sondern soll unter Berücksichtigung, Verbesserung
und gegebenenfalls Instandhaltung bestehender Angebote einen festen Bestandteil der Umwelterziehung
darstellen. Auch hier soll das Thema Wasser einen besonderen Stellenwert einnehmen.
Die Wissensvermittlung und das bewusste Erleben und Sammeln von Erfahrungen geschieht:
•
in Naturerlebnisgebieten (z.B. Wasserspielpark, Barfußwanderweg,…): Grundidee soll einerseits
die Nutzung der vorhandenen natürlichen Potenziale zur Erstellung dieses Angebotes sein und
andererseits die Ermöglichung eines interaktiven Erlebens
•
auf außergewöhnlichen Routen, wie Lehrpfaden, Themenwegen, Rundwanderwegen,
thematischen Wanderwegen (Dorfökologischer Wanderweg/Dem Alltag früherer Generationen
auf der Spur/Wir entdecken unsere Gemeinde/Bemerkenswerte/seltene Bäume/Entdeckungspfad:
Natur pur?/Auf der Spur von Wasser und Natur,…). Hier werden neue Blickwinkel in die Natur
geschaffen. In diesem Kontext sollen auch barrierefreie Angebote und mobile Navigationssysteme
(Stichwort digitaler Naturparkführer) entwickelt werden
•
in festen Einrichtungen, welche vom Naturpark betreut werden (z.B. Tuchfabrik) oder von anderen
Akteuren in der Region angeboten werden (z.B. Burfelt)
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
c.
Aufbau einer Koordinationsplattform für Umweltbildungsmaßnahmen im Naturpark
Der Naturpark ist nicht der einzige Anbieter von Umweltbildung in der Region. Auch auf nationaler Ebene
wird so einiges geboten. Neue Ideen und Impulse fließen nicht nur durch Partizipation, sondern auch
durch Vernetzung und Kooperation. Umso wichtiger ist eine Zusammenarbeit mit regionalen, aber auch
nationalen Partnern, um den verschiedenen Zielgruppen das Angebot, sei es in der Umweltbildung oder
in anderen Bereichen, so transparent und vielfältig wie nur möglich darzubieten.
Als regionale Drehscheibe bietet sich der Naturpark an, als Koordinator in der Region tätig zu sein und
so als Plattform und Motor für neue Partnerschaften zu dienen. Eine wichtige Aufgabe des Naturparks ist
sicherlich auch die nachhaltige Entwicklung und die Naturparkarbeit als Querschnittsthema überall dort
zu verankern wo Bildung stattfindet. Durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit können neue Projekte
entwickelt werden, die für den Einzelnen nicht umsetzbar wären.
Um die gemachten Vorschläge zu vertiefen bzw. umzusetzen, soll auf der Ebene des Naturparks eine
Arbeitsgruppe geschaffen werden, in der u.a. Lehrer und Lehrerinnen sowie die in der Umwelterziehung
implizierten, staatlichen und regionalen Stellen (SCRIPT im Erziehungsministerium, Oekologiezentrum
Hollenfels, uni.lu, Burfelt,...) vertreten sind. Darüber hinaus soll der Naturpark aktiv an der nationalen
Plattform für Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung mitwirken.
Als Partner für den Naturpark kommen viele Akteure in Frage, wie folgende – nicht abschließende – Liste
dokumentiert:
Regionale Partner: Burfelt (Expo und Aktivitäten); SEBES (Waasserschoul); Kläranlage Heiderscheidergrund;
Base nautique; Toodlermillen;
Nationale Partner: MNHN (Nationales Naturhistorisches Museum); Biologische Stationen; natur&ëmwelt;
CRP’s (Centre de Recherche Publique); SNL (Société des Naturalistes Luxembourgeois); Ligue CTF (Ligue
Coin de Terre et de Foyer);…
Operationelles Ziel: Der Naturpark soll Sensibilisierungs-angebote für
Einwohner, Gemeinden und andere Zielgruppen erstellen und durchführen
4.3.3. Sensibilisierungsangebote für Einwohner, Besucher, Gemeinden, Gewerbe und Landnutzer
im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung
a. Sensibilisierungsarbeit
Aufgabe des Naturparks Obersauer als Instrument einer nachhaltigen Regionalentwicklung ist es,
entsprechende Sensibilisierungsangebote zu erstellen und durchzuführen. Die Angebote richten sich
sowohl an Privatpersonen als auch an Gemeinden, Gewerbebetriebe und Landwirte. Besonders die
Gemeinden übernehmen eine wichtige Vorreiterrolle bei der Vermittlung und Umsetzung der Prinzipien
einer nachhaltigen Entwicklung. In diesem Sinne soll der Naturpark, neben seinen Beratungsangeboten
(Landwirtschaft, Naturschutz, Energie), breit angelegte Sensibilisierungsaktionen durchführen und
anbieten, z.B. auch Fortbildungen für das Gemeindepersonal.
Das Themenspektrum ist sehr breit: es reicht von Informationen zu laufenden Projekten der Biologischen
Station bis zur Sensibilisierung zur Pflege der Kulturlandschaft. Folgende Aktivitäten des Naturparks sollen
dem Bedürfnis nach Wissen und Know-how Rechnung tragen:
•
Informationen zu laufenden Projekten der Biologischen Station, des Gewässervertrages und den
verschiedenen Arbeitsschwerpunkten im Naturpark (Raubwürger, Fledermäuse, Steinkauz,…)
•
“Loscht op Natur“ – Themenblätter
•
Ausstellungen, Seminare, Kurse, Poster, Internet/Newsletter, … (Infobroschüren)
•
Vorträge, Diskussionen und Broschüren zu verschiedenen Themengebieten im Bereich der
Landwirtschaft (Ortstypische Vegetation, Spätmahd, Pestizide,…) und Sensibilisierung für die
Pflege der Kulturlandschaft
•
Konkrete Informationen/Beratungen für Gemeinden, z.B.: vorbildlicher Materialeinsatz im
öffentlichen Raum, ortstypische Vegetation, Kleinkompostierungsanlage, Spätmahd, Pestizideinsatz
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
63
4.3.4. Organisation respektive Beteiligung an Informations- und Sensibilisierungskampagnen
(national bzw. international)
a. Organisation resp. Beteiligung an Sensibilisierungskampagnen
National bzw. international gibt es viele interessante Sensibilisierungskampagnen. Hier kann der
Naturpark entweder direkt mitarbeiten oder aber die Kampagne an die Bürgerinnen und Bürger des
Naturparks heranbringen. Hier einige Beispiele:
•
Naturschutzprogramme
•
„Den Dag vum Bam“
•
Informationskampagne Wildkatze, Schwarzstorch, Haselhuhn,…
•
Information und Beratung der Privatwaldbesitzer
•
Vorträge und Broschüren: Abfall
•
Sensibilisierung der
(Gewässervertrag)
•
Sensibilisierung Lichtverschmutzung
•
„Komm spuer matt“, „sans pesticides“, „Journée Biodiversité“
•
Aktion „Bëschhung“, „Steekauz“, Biber,…
•
„Jardins à suivre“
Bevölkerung
zum
Thema
Wasserqualität
und
Wasserverbrauch
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
65
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
5. Arbeitsschwerpunkt „Kultur“
5.1. Einleitung
Die Jahrhunderte währende Auseinandersetzung zwischen Mensch und Natur hat in der Landschaft, aber
auch im Ortsbild, in der Architektur, der Kunst, dem Handwerk, bei Festen, Sitten und Gebräuchen Spuren
hinterlassen. Diese Spuren tragen zum Erscheinungsbild der Region bei und machen für den Gast den
besonderen Reiz der Region aus. Natur- und Kulturerbe sind untrennbar miteinander verbunden und sind
für die Identifikation der Bevölkerung mit der Region des Naturparks Obersauer von großer Bedeutung. Ihr
Erhalt ist demnach ein wichtiges strategisches Ziel des Naturparks.
Das Natur- und Kulturerbe der Region ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Kultur und Kunst im
Naturpark. Die Studie „Talking Brands“ (Kulturentwicklungsplan für den Norden Luxemburgs, 2008) weist
beispielweise darauf hin, dass sowohl Kulturinteressierte als auch Kulturschaffende im Norden vor allem
geprägt sind von der Natur (Ruhe), dem Fehlen an Anonymität einer Stadt und dem sozialen Kitt.
Kultur und Kunst stehen aber nicht nur als Dekoration und Verschönerung der Region; sie stehen auch
für den sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalt der Bevölkerung und für Lebensqualität. Kultur
schafft Orte der Begegnung, fördert die Erlebbarkeit der Region und trägt zur Belebung der Dörfer bei.
In diesem Kontext soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich der erweiterte Naturpark in den vergangenen
Jahren durch ein stetes Bevölkerungswachstum kennzeichnete, welches vornehmlich durch einen Zuwachs
der Fremdbevölkerung bedingt war. Mit durchschnittlich 35,7% Fremdbevölkerung (2011) hat die Region
inzwischen ein relativ hohes Niveau erreicht (Großherzogtum 43%), was besondere Herausforderungen
an die Integration der neu zugezogenen Einwohner ins Dorfleben stellt. Über seine kulturellen Aktivitäten
kann der Naturpark dabei eine Hilfestellung leisten.
Zur kulturellen Belebung der Region finden im Naturpark – vor allem in den Sommermonaten – eine
ganze Reihe von regional bedeutsamen Veranstaltungen statt, die sich gleichmäßig auf die Gemeinden
des Naturparks verteilen. Der Naturpark fungiert bei mehreren Aktivitäten als Veranstalter, bei weiteren
ist er an der Organisation bzw. Finanzierung beteiligt. Ohne eine entsprechende Vereinsstruktur und das
ehrenamtliche Engagement auf lokaler und regionaler Ebene wären solche Veranstaltungen allerdings
schwierig dauerhaft durchzuführen, weil viele Aktivitäten nur in Partnerschaften erfolgreich gestaltet
werden können. Die Zusammenarbeit mit den Vereinen und weiteren Akteuren als Träger der regionalen
Kulturarbeit ist deswegen eine wichtige Voraussetzung für den Naturpark im kulturellen Bereich.
Der erweiterte Naturpark zeichnet sich weiterhin durch eine ganze Reihe an Heimatstuben und Museen
aus (Tuchfabrik, Museum Gerberei, Museum Blasmusik, Musée national d’Art brassicole, Museum der
Ardennenschlacht im Schloss Wiltz usw.), die über permanente und/oder zeitlich begrenzte Ausstellungen
verfügen. Aus touristischer Sicht ist die Vielzahl von kulturellen Einrichtungen und denkmalgeschützten
Objekten, welche ein dichtes Netz an historischen und aktuellen Zeitzeugen von regionaler Kultur und
Kunst bilden, sehenswert. Die Besucherumfrage aus der Quest-Studie (Quest Market Research, 2008)
belegt, dass die Kultur mit 9% hinter dem Thema Natur (43%) das zweitgrößte touristische Potenzial der
Region ausmacht.
Diese erlebbare Kulturgeschichte wird ergänzt durch regional bedeutsame Veranstaltungsinfrastrukturen,
mit Konzentration vor allem um den Obersauerstausee (mit Esch-sur-Sûre) und Wiltz (z.B. Festival Wiltz).
Aufgrund der vielfältigen Ansatzpunkte ist es für den Naturpark wichtig, keinen blinden Aktionismus
zu betreiben, sondern vor allem Bestehendes zu erhalten, aufzuwerten und neue Akzente und
Schwerpunkte zu setzen, welche gleichzeitig die Lebensqualität in der Region fördern, das Natur- und
Kulturerbe sichern, die Erlebbarkeit der Region unterstützen und das regionale Profil stärken.
5.2. Operationelle Ziele
In Anbetracht der obengenannten Entwicklungen und Feststellungen sind für den Naturpark folgende
Punkte in Zukunft besonders wichtig:
•
Begeisterung neuer Bevölkerungsteile für die kulturellen und soziokulturellen Belange der Region
und Integration ins Dorfleben
•
Verbesserung der regionalen Koordination bei der Planung, Umsetzung, Kommunikation und
Marketing von kulturellen Events und der kulturellen Belebung der Region
•
Aufbau von dauerhaften Partnerschaften und Netzwerken im Kulturaustausch, auch über die
Grenzen hinaus
•
Schaffen von Synergien zwischen Kultur – Landwirtschaft – Gastronomie – Tourismus
67
•
Sicherstellen des Erhalts des kulturellen und natürlichen Erbes bei gleichzeitiger Inwertsetzung,
unter Berücksichtigung der Ansprüche der kulturellen Akteure und den Bedürfnissen der
Bevölkerung
•
Weiterführen von erfolgreichen kulturellen Aktivitäten und Setzen von neuen Impulsen, aufbauend
auf den Themen Kulturlandschaft und Wasser
•
ein besonderes Augenmerk gilt dabei Aktivitäten für Jugendliche, Kinder und Zugezogene
(Luxemburger und Ausländer gleichermaßen)
Darauf aufbauend ergeben sich für die Zukunft im erweiterten Naturpark folgende zwei operationelle Ziele:
1/ Förderung und Bewahrung des kulturellen Erbes und der ländlichen Traditionen aus der
Region
2/ Kulturelle Belebung der Region in Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren
5.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Operationelles Ziel: Förderung und Bewahrung des kulturellen Erbes und der
ländlichen Traditionen aus der Region
5.3.1. Konzipierung, Realisierung respektive Begleitung von Ausstellungen zu regionalrelevanten
Themen
a. Innovative Aufbereitung von thematischen Schwerpunkten in der Region
und Konzipierung neuer Ausstellungen
Ausstellungen sind ein Mittel um Besuchern und Einwohnern der Region wichtige Themen näherzubringen
und kulturelle Besonderheiten der Region darzustellen und zu vermitteln. Sie können als permanente
Ausstellungen, temporäre Ausstellungen oder auch als Wanderausstellungen umgesetzt werden und auf
diesem Wege neue Attraktionspunkte und auch Möglichkeiten zur Kommunikation und zum Austausch
bieten.
In diesem Sinne soll der erweiterte Naturpark auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen regionsspezifische
Themen aufarbeiten. Wichtige thematische Schwerpunkte sind u.a.: Stausee/Wasser (z.B. 50 Jahre Stausee/
Wasser), Natur/Landschaft und Industriekultur (Leder, Lohecken, Industriebrachen in Wiltz mit neuen
Themen die sich hieraus erschliessen). Darüber hinaus bietet der Ansatz von Ausstellungen dem Naturpark
auch die Möglichkeit, Künstlern aus der Region eine Plattform zu bieten. Dabei ist auf eine innovative
zeitgemäße Präsentation (Interaktivität, Zielgruppenorientiertheit, Barrierefreiheit usw.) zu achten.
Ein besonderes Augenmerk gilt neben den für den Naturpark relevanten Themenbereichen dem Angebot für
Jugendliche und Kinder. Der Naturpark Obersauer soll in seinen Ausstellungen (z.B. im Naturparkzentrum)
naturparkrelevante Themen kindgerecht aufarbeiten. Dabei soll er eine Vorreiterrolle spielen, damit auch
andere Museen die Kinder als Zielgruppe entdecken und spezielle Programme anbieten.
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für
Groß und Klein erlebbar und begreifbar machen
b. Aufwertung, Unterhalt und Belebung bestehender Ausstellungen
Damit eine Ausstellung für die Besucher interessant ist und auch interessant bleibt muss sie eine hohe
Qualität besitzen und, je nach Thema, weiterentwickelt werden. Aus diesem Grunde soll der Naturpark
eigene Ausstellungen, wie z.B. das Museum der Tuchfabrik, die Naturpark-Ausstellung, die Stausee-Paneele
regelmäßig überprüfen, aktualisieren und gegebenenfalls verbessern, gemäß dem Motto „die Qualität der
Ausstellungen geht vor der Quantität“. Hier gilt es zu beachten, dass der Unterhalt einen beträchtlichen
Aufwand bedeutet – sowohl personell als auch finanziell.
Durch eine entsprechende Koordination mit anderen Museen und Ausstellungen in der Region soll zudem
gewährleistet werden, dass in der Naturparkregion ein für den Besucher interessantes und untereinander
abgestimmtes Angebot besteht, das auf vergleichbaren Qualitätsstandards aufbaut. Ein in sich
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
stimmiges innovatives Angebot passend zum Gesamtangebot, kundenfreundliche Öffnungszeiten sowie
Besucherservice, eine gute Beschilderung und aktuelle Kultur-Informationen sind der Garant dafür, dass
Chancen zur Aufwertung und Erweiterung des Angebots geschaffen werden können. Die so formulierten
Angebote sollen in Zusammenarbeit mit den anderen regionalen Akteuren vermarktet werden (Ortal,
Musées régionaux usw.).
c.
Weiterentwicklung der Tuchfabrik
Seit 1995 ist das Naturparkzentrum in der renovierten Tuchfabrik in Esch-Sauer untergebracht.
Die Tuchfabrik als Textilmuseum empfängt jährlich etwa 1850 zahlende Besucher d.h. Erwachsene, denn
der Eintritt zum Museum ist für Kinder und Jugendliche kostenlos.
Im Museum der Tuchfabrik selbst wurde seit seiner Inbetriebnahme fast nichts verändert. Die
Weiterentwicklung der Tuchfabrik ist jedoch unumgänglich.
Einerseits sieht die neue Konvention mit dem Kulturministerium eine jährliche Bezuschussung vor,
unter der Bedingung, dass die Tuchfabrik weiterentwickelt wird und dass regelmäßig Workshops und
Ausstellungen stattfinden.
Außerdem geben Besucher regelmäßig Rückmeldungen dazu, dass es eine große Diskrepanz zwischen der
sehr spielerisch angelegten und interaktiven Naturpark-Ausstellung und dem Museum der Tuchfabrik gibt.
Die weiterentwickelte Tuchfabrik kann in Zukunft auch eine interessante Schlechtwetteralternative für
Familien sein.
Seit 2012 werden im Hinblick auf die Weiterentwicklung bereits regelmäßig Textil-Ausstellungen und
Workshops organisiert.
Ziel ist es die Tuchfabrik zu einem lebendigen Zentrum zu entwickeln, wo Menschen, Textilhandwerk, Kunst
und Kultur miteinander verbunden sind.
Das heißt u.a. dass die Produktion und Produktpaletten ausgebaut und bestehende Maschinen
erhalten werden, die Vernetzung mit regionalen und nationalen Partnern verbessert und das Museum
besucherfreundlich umgestaltet wird.
5.3.2. Förderung des Erhalts und der Erlebbarkeit des kulturellen Erbes und der ländlichen Traditionen
a. Erhalt des kulturellen Erbes und kultureller Infrastrukturen
Die Region des Naturparks Obersauer weist eine qualitativ hochwertige Angebotspalette in den
unterschiedlichsten Bereichen der kulturellen Infrastruktur und Belebung der Traditionen und Bräuche
auf. Gemäß seiner strategischen Zielsetzung soll der Naturpark sich für die Bewahrung und Förderung
des kulturellen Erbes, des traditionellen Handwerks, den Erhalt von Bau- und Bodendenkmälern sowie die
Weiterentwicklung der Siedlungs- und Baukultur, die authentischen Dorfstrukturen mit hoher Wohnqualität
für die Bevölkerung, die Heimatverbundenheit der Bürger und deren Engagement für Tradition und
Brauchtum einsetzen. Komplettiert werden soll dies durch liebevoll getragene Veranstaltungen, die den
Schwerpunktthemen des Naturparks gerecht werden. In diesem Sinne soll der Naturpark dazu beitragen,
das kulturelle Erbe, kulturelle Infrastrukturen sowie die dazugehörigen Kulturangebote (im Bereich Musik,
Theater, Museen, usw.) zu erhalten.
Man soll Kultur mit allen Sinnen aktiv erleben können. Sowohl der Entdeckerinstinkt eines jeden als
auch die starken Gefühle sollen angesprochen werden. Theater oder Feste am Schloss (Legendennacht),
Konzerte am See lassen bekannte Sehenswürdigkeiten und Plätze in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Wichtig hierbei ist der regionale und authentische Bezug zu der heimischen Bevölkerung und dem
Unverwechselbaren der Region. Typische Produkte aus dem Naturpark (kulinarische, wie die Produkte
vum Séi, das Wiltzer Bier, handwerkliche, wie die Gremlichter Bengelen usw.) machen ihren Reiz aus und
werden für den Gast durch die Verknüpfung von Landschafts- und Kulturgenuss besonders erlebbar
(z.B. mit dem geplanten „Rundweg Bier“ in Wiltz). Sagen und Legenden der Obersauer, so wie sie zum
Beispiel im grenzüberschreitenden Legendenweg oder bei der Audio-Tour „Geheimnisvolles Esch-Sauer“
zusammengefasst sind, scheinen unserem reichen Kulturerbe, das noch immer aus so vielen Geheimnissen
besteht, eine gewisse Verzauberung einzuhauchen. Da sie zumeist mit bekannten Orten verbunden sind,
eignen sie sich besonders zur eingehenderen Entdeckung der Region.
69
Das kulturelle Erbe und die kulturellen Infrastrukturen sind Alleinstellungsmerkmale der Region. Ihre
Belebung spielt eine wichtige Rolle, sowohl für die Bevölkerung als auch für die Besucher. Deshalb
wurde dieses Projekt zum Leitprojekt erklärt.
b. Impulse für Studien und Investitionen
Der Naturpark soll die Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des kulturellen Erbes sowie
kulturhistorischer und landschaftsprägender Bauwerke sowie die Umnutzung alter Bausubstanz,
einschließlich der umgebenden Kulturlandschaft (z.B. petit patrimoine à l‘eau) auch durch die Beauftragung
von Machbarkeitsstudien und die Hilfestellung bei der Suche nach Finanzierungsquellen unterstützen.
c.
Entwicklung und Förderung von zielgruppenspezifischen kulturellen Angeboten
Die Kindheit ist das Fundament für unsere Identität, die sich durch die Auseinandersetzung mit unserer
physischen und sozialen Umwelt bildet. Daher verdient die Förderung von Angeboten für Kinder und
Jugendliche ein besonderes Augenmerk. Der Naturpark soll kulturelle Animationen anbieten, die sich
speziell an Kinder und/oder Jugendliche richten. Bei diesen Angeboten wird Wert darauf gelegt, dass
Kinder Dinge eigenständig oder in Begleitung der Eltern/Familien erkunden können.
Um eine bessere Übersicht über die besonderen Angebote für Kinder und Jugendliche zu geben, soll der
Naturpark aktiv an Projekten wie dem LEADER-Projekt „Kannermusée“ mitarbeiten, welches zum Ziel
hat, bestehende regionale Akteure im Bereich der Aktivitäten für Kinder zu vernetzen, die Sichtbarkeit der
regionalen Angebote im Kinder- und Familienbereich zu verbessern und das Angebot speziell im IndoorBereich zu ergänzen. Zudem soll in diesem Projekt eine gemeinsame Homepage für alle Angebote an
Kinderaktivitäten im Norden Luxemburgs geschaffen werden.
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Verbesserung des regionalen Marketings nach
innen (Bevölkerung, Gemeinden)
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
Die Rolle des Naturparks ist hier, sich einerseits für den Erhalt der Angebote einzusetzen, zu einer
regelmäßigen Bespielung bedeutender Orte (z.B. Schloss Esch-Sauer, Legendenwege) beizutragen und die
Erlebbarkeit durch neue Methoden zu verbessern (z.B. Digitaler Naturparkführer, etc.).
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des
Naturparks durch behutsame Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
Außerdem soll im erweiterten Naturpark der Dialog zwischen Menschen verschiedener Herkunft,
Altersgruppen usw. zur Stärkung der Dorfgemeinschaften und der regionalen Identität gefördert werden.
Kulturelle Animationen bieten die Möglichkeit, die Integration und das Zusammenleben all dieser Menschen
zu erleichtern. Multikulturelle Events, sowie auch Aktionen, an denen Jung und Alt gemeinsam teilnehmen,
sind Beispiele hierfür. Diesbezüglich gibt es im erweiterten Naturpark schon einige ansprechende Angebote,
wie z.B. beim Foyer Oasis Wiltz (Auseinandersetzung mit Kindern mit Migrationshintergrund), Coopérations
(Austausch Kind/Künstler/Behinderte), Centre Information Jeunes Wiltz (Jugendarbeit), das Projekt „360
Grad“ (in Zusammenarbeit mit Hëllef Doheem, in der Fusionsgemeinde Esch-Sauer).
Der Naturpark kann über die Kooperation mit den regionalen Akteuren solche Angebote unterstützen,
respektive naturparkspezifische Beiträge anbieten. Auch bei naturparkeigenen Projekten kann dem
Dialog zwischen Menschen verschiedener Herkunft, Altersgruppen, usw. Rechnung getragen werden,
beispielsweise durch eine entsprechende Preispolitik (z.B. Eintritt bei Water-Art) oder Mehrsprachigkeit
(z.B. Legendennacht, Übersetzung bei Veranstaltungen).
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Verbesserung des regionalen Marketings nach
innen (Bevölkerung, Gemeinden)
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
d. Verbesserung der Barrierefreiheit
Immer mehr Regionen und auch Naturparke legen großen Wert darauf, dass die Zugänglichkeit zu
kulturellen Einrichtungen aller Art möglichst „barrierefrei“ gestaltet ist und die Erlebbarkeit an das
unterschiedliche Zielpublikum (Schulklassen, Senioren, Familien) angepasst werden kann. Dies ist ein
wichtiges Qualitätskriterium für einen Naturpark und soll deswegen vom Naturpark Obersauer gefördert
werden, sei es durch eine Überprüfung seiner eigenen Angebote oder durch Sensibilisierungsaktionen in
der Region, weil auf diesem Wege die Naturparkregion insgesamt attraktiver wird.
Operationelles Ziel: Kulturelle Belebung der Region in Zusammenarbeit mit
regionalen Akteuren
5.3.3. Unterstützung von regionsspezifischen kulturellen Aktivitäten zusammen mit lokalen und regionalen Akteuren
a. Initiierung respektive Begleitung und Koordination von Aktionen
und Animationen im öffentlichen Raum
Der Naturpark möchte die Menschen dazu anregen, sich zu begegnen und auszutauschen. In diesem Sinne
soll der Naturpark mit einer neuen Herangehensweise an den öffentlichen Raum experimentieren, indem
er konkrete Aktionen unterstützt, die nicht in die alltägliche Umwelt „passen“ und den Dialog mit den
Einwohnern fördert (z.B. Skulpturenweg Lultzhausen, Marionnettentheaterfestival, Legendennacht usw.).
Anknüpfend an die „Talking Brands Studie“ (Kulturentwicklungsplan für den Norden Luxemburgs, 2008) soll
der Naturpark auch Ansätze initiieren und fördern, welche die Natur mittels Kunst auf eine einzigartige Art
und Weise inszenieren. Der Naturpark kann dementsprechend als Austragungsort für die künstlerische
und soziale Auseinandersetzung mit der „schönen Natur“ gelten. Auf diesem Wege sollen Kultur und
Landschaft auf neue Art zusammengeführt werden, so wie dies z.B. bei den Kunstgärten „Jardins à suivre“
anschaulich dargestellt wurde.
Die Landschaft wird zum kulturellen Aktionsraum. Kulturelle Darbietungen im Freien und die künstlerische
Nutzung von Naturmaterialen zeigen beispielhaft die Bandbreite möglicher Aktivitäten. Dabei soll der
Naturpark mit den kompetenten lokalen Akteuren, Künstlern und Gemeinden zusammenarbeiten bzw.
auch externe Berater hinzuziehen.
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
5.3.4. Bündelung und gemeinsame Vermarktung der kulturellen Angebote
a. Koordination und Vernetzung der bestehenden Angebote in der Region
Um den Besuchern und Einwohnern der Naturparkregion einen bestmöglichen Überblick und Einblick in
die Region zu geben ist eine gute Koordination und Vernetzung (thematisch, räumlich,…) der Angebote
und der Akteure erforderlich. Darüber hinaus soll sie auch dazu beitragen, dass sich neue Angebote
optimal in die bestehenden einfügen, sodass sie sich ergänzen und nicht konkurrieren. Durch eine enge
Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren, dem Ortal, dem Naturpark Our oder nationalen Organisationen
kann der „kulturelle Schatz“ des Naturparks nachhaltig gesichert, qualitativ aufgewertet und
entsprechend nach außen dargestellt werden.
In diesem Sinne sind regelmäßige Treffen mit den Akteuren der Region wichtig, um den Ist-Zustand zu
erläutern, Schwerpunktthemen zu definieren, Inhalte und Aktionen zu vernetzen und die Weiterentwicklung
des kulturellen Angebotes zu besprechen. Der Naturpark kann in diesem Zusammenhang als
Koordinationsplattform helfen, Impulse geben und auch die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen
und regionalen Akteuren unterstützen. Dabei soll auch auf bestehende Initiativen (wie z.B. die LEADERArbeitsgruppen, die Landakademie) zurückgegriffen werden.
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Verbesserte Gästebetreuung für Naturparkrelevante
Veranstaltungen und Themen sowie verbesserte Kooperation und Marketing
71
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
6. Arbeitsschwerpunkt „Tourismus“
6.1. Einleitung
Eine der Hauptaufgaben des Naturparks ist es, den Schutz von Natur und Landschaft mit attraktiven
Erlebnismöglichkeiten und der touristischen Entwicklung in Einklang zu bringen. Natur- und
Landschaftsschutz, sowie im spezifischen Fall des Naturpark Obersauer, der Schutz des Trinkwasserreservoirs
Stausee - und Tourismus sind aufeinander angewiesen. Der Tourismus braucht eine intakte Natur als
wichtigstes Kapital. Die Quest-Studie (2008) bzw. die Studie Den Tourist am Bléckpunkt (ONT 2013)
zum Beispiel heben hervor, dass die Besucher im Ösling besonders die Einzigartigkeit und Vielfalt der
Landschaften, die beeindruckenden Täler, die Ursprünglichkeit der Natur, die saubere Luft, die Sicherheit
für Familien, sowie die Abwesenheit von Massentourismus schätzen. Die Suche nach intakter Natur und
einzigartigen Naturerlebnissen ist ein zentrales Bedürfnis der Menschen. Der Wunsch nach aktiver
Erholung passt gut zum Angebotsprofil des Naturparks, dessen attraktive Landschaft zum aktiven
Entdecken einlädt.
Die „Naturpark-Bilanz 1999 - 2009“ weist in diesem Kontext darauf hin, dass in den vergangenen 15 Jahren
bereits viele Maßnahmen aus der Etude Detaillée im Bereich Tourismus umgesetzt werden konnten (z.B.
Ausbau der Tuchfabrik zur Informationsstelle, Messebesuche im In- und Ausland, Marketingmaterialien,
Reitangebotes, thematische Wanderwege, etc.). Nachholbedarf besteht sicherlich noch in der Entwicklung
von interessanten Angeboten zum Themenbereich „Stausee“, auch wenn mit dem Solarboot ein wichtiges
neues touristisches und umweltdidaktisches Angebot bereits realisiert werden konnte.
Da die touristische Branche sich infolge der Globalisierung und des demografischen Wandels im Umbruch
befindet, lohnt sich ein Blick in die PACT-Studie bezüglich der Entwicklung der touristischen Daten in der
Region:
•
Die Übernachtungszahlen im aktuellen und erweiterten Naturpark haben die gleiche Entwicklung
wie im Großherzogtum (ohne Hauptstadt) durchgemacht, d.h. seit 2005 ist eine starke Abnahme zu
beklagen. Für die Region der Ardennen sind die Übernachtungen ab 1995 konstant gefallen, jedoch
sind sie außerhalb des Naturparks stärker gefallen als im Naturpark selbst.
•
Höhere Mobilität, flexiblere Arbeitszeiten und Beschleunigung in allen Lebensbereichen führen
dazu, dass mehr und kürzer gereist wird. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer verzeichnet
demzufolge einen leichten Rückgang von 5,1 Tagen (1995) auf 4,7 Tage (2008). Im aktuellen
Naturpark hingegen hat sich die Aufenthaltsdauer leicht erhöht (von 5,2 Tage (1995) auf 5,3 (2008))
– was vor allem an der Nutzung der Campingplätze liegt.
•
Die meisten Übernachtungen finden im Sommer statt. Nach der Quest-Studie - bestätigt durch
die Studie Den Tourist am Bléckpunkt (2014) - ist der Mangel an Indoor-Aktivitäten eine Erklärung.
Familien mit Kindern beklagen bei schlechtem Wetter einen Mangel an Angeboten. Das
Schlechtwetter-Angebot ist demnach noch ausbaubedürftig.
•
Die Hauptgruppe der Besucher im aktuellen und erweiterten Naturpark kam 2008 aus den
Niederlanden, welche sowohl die größte Gruppe darstellte (52% im aktuellen Naturpark), als auch
die im Durchschnitt längsten Urlaube hier verbrachte (7,1 Tage im aktuellen NP). Mit Abstand
folgten Belgier (17%) und Deutsche (7%). Hier soll jedoch ergänzend darauf hinweisen werden, dass
auch die Zahl der niederländischen Touristen dabei ist, zu schrumpfen.
•
Die touristische Bedeutung der fünf Gemeinden rund um den Stausee wird durch rund 14.000
touristische Ankünfte und rund 65.000 Übernachtungen geprägt. Ein wesentlicher Faktor sind
allerdings die rund 400.000 Tagesgäste, die vor allem in den Sommermonaten und während der
Ferien für eine entsprechende Auslastung und Frequentierung sorgen.
Diese Zahlen zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Für den Naturpark ist dabei von Bedeutung, dass
Naturpark-Gäste generell an Entschleunigung interessiert sind. In diesem Sinne besteht für den Naturpark
Obersauer die Chance, einen touristischen Gegenentwurf zu unserem schnelllebigen und hektischen
Alltag zu bieten. Die wichtigsten Gästemotive gehen denn auch Richtung Ruhe und Erholung suchen,
intakte Natur, Entspannung und Erlebnis. Hauptsächlich nachgefragte Themen sind Wandern (bzw. Nordic
Walking), Natursport, Kulinarik sowie generell aktive Naturerlebnisse und Ruhe/ Kontemplation der Natur.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Touristen mit einer hohen Affinität für Natur und Landschaft zunehmend
durch Erlebnisorientierung geprägt sind, wobei die Grenzen zwischen naturverträglichen und nicht
naturverträglichen Erlebnisaktivitäten fließend sind (Scheurer 2003).
Speziell das Thema Wasser spricht vielfältige Zielgruppen an: wasserafine Urlauber, Aktivurlauber,
Erholungsurlauber, Kulturtouristen oder auch Familien mit Kindern. Zudem entspricht es der Popularität
von Landschafts-, Naturerlebnissen und Aktivurlaub und fügt sich in die aktuelle Gesundheits- und WellnessThematik ein. Nach Siegrist (2009) bestehen für den Naturpark-Tourismus zwei bis drei hauptsächliche
Zielgruppen:
73
1/ Best-Ager (also Jungsenioren, 50 - 65-Jährige) (wichtig: barrierefrei!)
2/ Familien mit Kindern
3/ DINK (kinderlose Paare) & Singles
Neben diesen primären Zielgruppen sind auch interessiert: Gruppen (Schulen, Vereinen und Firmen),
Naturevent-Suchende (wachsende, an spezifischen Veranstaltungen interessierte Nischen-Zielgruppe),
„Special Interest Gäste“ (z.B. faunistisch oder floristisch Interessierte).
Schlussendlich ist zu erwähnen, dass der Naturpark Obersauer im Tourismus in der Region ein Akteur
unter vielen ist und nicht alleine für die Entwicklung des Tourismus verantwortlich ist. So sind
beispielsweise 2008 neue regionale Tourismusämter (ORT), darunter auch in den Ardennen entstanden
(Ortal4), um neue Impulse zu setzen und die interne wie externe Zusammenarbeit aller Akteure im Bereich
Tourismus zu verbessern.
6.2. Operationelle Ziele
Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung ist die Dynamik im Tourismus heutzutage sehr vielschichtig.
Neben der Steigerung der Einkommen und Freizeit für große Teile der Bevölkerung sind vor allem die
zunehmende Individualisierung, die Erlebnis- und Genussorientierung, das gestiegene Körper- und
Gesundheitsbewusstsein und das wachsende Bedürfnis nach Naturerlebnis zu nennen. Die Touristen
möchten die Auswahl unter einer Vielzahl von Angeboten wahrnehmen können und pendeln zwischen
naturnahen und naturfernen Angeboten hin und her, wobei der Schwerpunkt der Naturparkarbeit im
Erarbeiten von naturnahen Angeboten liegt.
Gemäß der Naturparkbilanz 1999 – 2009 soll der Naturpark in diesem Sinne helfen, neue, naturparkspezifische
Angebote zu schaffen und auch zur Vermarktung der Region wichtige Anreize zu geben, die dann von
der Tourismusbranche aufgegriffen werden sollen (Bilanz 1999-2009). Wesentliche Schwerpunkte des
erweiterten Naturparks im Bereich Tourismus sind in Zukunft deshalb:
•
die Förderung eines nachhaltigen und umweltverträglichen Tourismus (= NichtMassentourismus) in Kooperation mit den touristischen Strukturen der Region, speziell zum Thema
Wasser
•
die Erhöhung der Attraktivität und der Wettbewerbsfähigkeit der Region durch
Angebotsverbesserungen und durch die Schaffung neuer naturparkspezifischer Angebote,
aufbauend auf den regionalen Besonderheiten
•
die Durchführung von Marketingmaßnahmen für Tourismus- und Naturpark-relevante Themen,
sowie insbesondere die Positionierung als Wasserregion Luxemburgs
Aus dieser Überlegung heraus ergeben sich folgende zwei operationelle Ziele:
1/ Verbesserte Gästebetreuung für naturparkrelevante Veranstaltungen und Themen sowie
verbesserte Kooperation und Marketing
2/ Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des Naturparks durch behutsame
Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
4
Ortal : Office régional de tourisme des Ardennes luxembourgeoises
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
6.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Zur Umsetzung der operationellen Ziele sind folgende Maßnahmen und Projekte angedacht:
Operationelles Ziel: Verbesserte Gästebetreuung für naturparkrelevante
Veranstaltungen und Themen sowie verbesserte Kooperation und Marketing
6.3.1. Kompetenter Empfang und Betreuung von Touristen in der Region
a.
Leitprojekt Aufbau eines kohärenten Netzes von Besucherempfangs- und Informationsstellen
Zu den Aufgaben des Naturparks gehört es, Einrichtungen zur Besucherinformation und Erholungsnutzung
zu schaffen und zu unterhalten, die der Besucherlenkung dienen. Ein permanent besetztes, barrierefreies
Besucher- und Informationszentrum (Naturparkzentrum), wie es in der Tuchfabrik eingerichtet ist, bietet
die einmalige Chance, durch einen zentralen Anlaufpunkt viele in der Region weilende Menschen direkt
anzusprechen. Im Gegensatz zu anderen Informationsstellen (wie z.B. den örtlichen Fremdenverkehrsämtern)
hat das Naturparkzentrum als prioritäres Ziel, den Besuchern und Einheimischen den Naturparkgedanken
näher zu bringen und die Besucher zu orientieren. Damit soll ein kohärentes Netz von Besucherempfangsund Informationsstellen geschaffen werden.
Eine Überlegung zur geografischen Aufteilung der touristisch relevanten Informationsstellen, an
denen naturparkrelevante Informationen vermittelt werden, z.B. an strategischen Eingangstoren zum
Naturpark oder am See, soll in Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren stattfinden (z.B. Ortal) um
eine effiziente Information und Besucherlenkung sicherzustellen. So können zum Beispiel unbemannte
Naturpark-Infopoints an touristisch wichtigen Stellen und in den verschiedenen Gemeinden entstehen,
um sowohl auf den Naturpark als auf die Attraktionen in der Gegend aufmerksam zu machen.
> unterstützt durch PM2
Die Besucher an einer zentralen Anlaufstelle und an verschiedenen, aufeinander abgestimmten Orten
auf den Naturpark und naturparkrelevante Themen aufmerksam zu machen ist eine wesentliche
Aufgabe eines Naturparks. Deshalb wird der Aufbau eines kohärenten Netzes von Besucherempfangsund Informationsstellen ein Leitprojekt sein.
b. Naturparkzentrum als regionaler Tourismusempfang
Seit 1995 funktioniert in der alten Tuchfabrik in Esch-Sauer das Naturparkzentrum und vereint dort unter
einem Dach- neben dem Textilmuseum- eine regionale touristische Informationsstelle, die spielerisch
angelegte Naturparkausstellung sowie einen Shop mit regionalen Produkten.
In Zukunft gilt es, das Angebot im Naturparkzentrum weiterzuentwickeln und besucherfreundlich zu
gestalten (Barrierefreiheit, Interaktivität, Öffnungszeiten, usw.)
Da das Naturparkzentrum ganzjährig geöffnet hat, bietet es eine interessante Schlechtwetteralternative für
Familien.
c.
Entwicklung und Bereitstellung von Informationsmaterial über die Region und den Naturpark
Der Naturpark Obersauer verfügt bereits über ein breites Spektrum an Angeboten, insbesondere im Bereich
Naturtourismus. Es beinhaltet u.a. Broschüren, Informationstafeln, Informationszentrum, Führungen und
Veranstaltungen. Die Ansprüche an die Qualität dieser Informationsangebote wachsen. Ziel des Naturparks
ist es, in seiner Kommunikation naturparkspezifische Themen aufzubereiten und die Region schon auf
den ersten Blick als Wasserregion Luxemburgs erkennbar zu machen:
•
Attraktive Broschüren zeichnen sich durch knappe und präzise Texte, aussagekräftige Fotos und
Grafiken, übersichtliche und zeitgemäße Gestaltung und ein nutzerfreundliches Format aus.
•
Zu einem modernen Naturpark gehört ein gut gestalteter, mehrsprachiger Internet-Auftritt
(z.B. Deutsch, Französisch, Englisch, Holländisch). Die gegenseitige Verlinkung mit der zentralen
Tourismus-Website (www.visitluxembourg.lu), des Ortal (www.ardennes-lux.lu) oder das
gemeinsame Portal der Naturparke www.naturpark.lu soll die Vernetzung der Angebote und
Informationen fördern.
•
Interaktive, individuell anpassbare Karten (z.B. Web-GIS vom Gewässervertrag) und digitale
Naturpark-Führungen mit GPS (z.B. Projekt digitaler Naturparkführer, Naturpark App) sollen
weiterentwickelt werden.
75
•
Eine visuelle Vereinheitlichung des Layouts („Corporate Identity“ des Naturparks) wird angestrebt.
Dies vergrößert nicht nur den Wiedererkennungswert der Materialien, sondern kann mittelfristig
auch Kosten einsparen.
•
Teile des Informationsmaterials sollen „barrierefrei“ gestaltet werden (Schriftgröße, Braille,
erhabene Schrift usw.). Das Naturparkmaterial soll komplementär zu den bestehenden touristischen
Informationsbroschüren sein (What’s on? – Ortal, Broschüren des ONT).
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Verbesserung des regionalen Marketings nach
innen (Bevölkerung, Gemeinden)
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
6.3.2. Stärkung von Kooperation und Koordination der touristischen Akteure in der Region
a. Stärkung der Kooperation Naturpark und Tourismus
Im Bereich Tourismus ist der Naturpark nur ein Akteur unter vielen. Da er nicht alleine für die Entwicklung
des Tourismus in der Region verantwortlich ist – und nicht verantwortlich gemacht werden kann – ist
eine enge Abstimmung mit allen touristischen und kulturellen Strukturen, sowie auch den Akteuren
vor Ort, unumgänglich. Nur so lassen sich Fehlentwicklungen vermeiden und Synergien im Interesse
einer nachhaltigen Entwicklung des Tourismus und der Region insgesamt erzielen. Darunter fallen
z.B. gemeinsame Marketingkonzepte und die gemeinsame Entwicklung, Bündelung und Vermarktung
touristischer Angebote.
An erster Stelle steht dabei eine regelmäßige Kooperation zwischen dem Naturpark und den
touristischen Leistungsträgern (Ortal, Naturpark Our, Ententes touristiques, Syndicats d’Initiative,
ONT, Tourismusministerium, Hotellerie, Gastronomie, Campings). In diesem Sinne vertritt der Naturpark
seine Gemeinden bereits im Ortal und übernimmt den erforderlichen finanziellen Beitrag für seine
Mitgliedsgemeinden.
Aufgrund seiner übergeordneten Rolle im Bereich der nachhaltigen Regionalentwicklung, seiner
interdisziplinären Arbeitsweise und seiner fachübergreifenden Zusammensetzung sowie kommunaler und
staatlicher Vertreter in den Naturparkgremien eignet sich der Naturpark besonders, um diesen regionalen
Koordinationsprozess zu fördern.
b. Stärkung der Kooperation zwischen dem Naturpark und anderen paratouristischen Akteuren
Der Naturpark soll auch eine enge Zusammenarbeit mit Partnern aus den paratouristischen Bereichen
Land- und Forstwirtschaft sowie Naturschutz und Kultur anstreben. In dem Sinne ist der Naturpark
bereits in mehreren Arbeitsgruppen, Plattformen und Vereinen vertreten, z.B. in der LEADER-Gruppe, im
Verein Séibühn Ënsber, bei den Amis du château d’Esch-sur-Sûre. Auch mit dem Waldentdeckungszentrum
Burfelt der Naturverwaltung gibt es regelmäßige Treffen zu Projekten wie dem Solarboot und anderen.
c.
Stärkung der grenzüberschreitenden touristischen Zusammenarbeit
Die Quest-Studie wies darauf hin, dass die Besucher sehr mobil sind und sich sowohl in den verschiedenen
Regionen Luxemburgs als auch ins nahe Ausland bewegen. In der Studie Den Tourist am Bléckpunkt
(ONT 2013) wird die einfache Erreichbarkeit der Region als einer der Hauptgründe für einen Aufenthalt
in der Region genannt. Dies soll als zusätzliche Anregung sowohl zur interregionalen als auch zur
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und Kommunikation gelten. Der Naturpark soll z.B. verstärkt
mit seinen Partnern in der Großregion zusammenarbeiten, mit denen er sich im Rahmen des Netzwerks
der Naturparke der Großregion regelmäßig trifft. Ein besonders bevorzugter Partner ist hier der Naturpark
Haute-Sûre Forêt d’Anlier, da dieser direkt an den Naturpark Obersauer angrenzt und es auch gemeinsame
touristische Projekte gibt (z.B. Legendenweg).
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
6.3.3. Vorstellung der Region an regionalen, nationalen und internationalen Veranstaltungen
a. Zusammenarbeit mit ONT und Ortal für Vermarktung der Region
bei Messeauftritten im Inland und im Ausland
Der Naturpark stellt sich regelmäßig mit Hilfe von attraktivem, interaktivem Standmaterial, auf Messen
und anderen Veranstaltungen im In-und Ausland vor, in Kooperation mit den anderen touristischen
Akteuren. Anzahl und Ausmaß dieser Präsenz soll jährlich mit den Partnern abgesprochen werden
(Naturpark Our, Ortal, ONT, Ministerium).
Operationelles Ziel: Gezielte Weiterentwicklung des touristischen Angebotes des
Naturparks durch behutsame Inwertsetzung seiner regionalen Potenziale
6.3.4. Förderung eines naturerlebnisorientierten Wander-, Rad-, Reittourismus
a. Förderung von Ausbau und Vernetzung bestehender Rad-Wander- und Reitwege
Die Besucher wünschen sich einen Urlaub abseits der Massen und in einer ursprünglichen Umgebung.
Angebote, die das Entdecken der Eigenarten von Natur und Kultur ermöglichen, werden zukünftig stärker
gefragt sein (FUR 2000).
Wander-, Rad- und Reittourismus haben im Naturpark sehr große Bedeutung, sind umweltverträgliche
Freizeit- und Sportaktivitäten und leisten einen guten Beitrag zur touristischen Mehrwertschöpfung.
In den vergangenen Jahren wurden das Rad- und Mountainbikenetz sowie das WanderwegeThemenwegenetz in der Region weiterhin ausgebaut (nationale Fahrradwege im Naturparkgebiet: PC17 de
l‘Ouest (Noerdange- PC20), PC19 du Lac de la Haute-Sûre (Bavigne - Stausee), PC20de la Wiltz (Kautenbach
– Schleif ), PC21 du Nord (Kautenbach – Schmëtt)).
Der Ausbau der Fahrradwege, und vor allen Dingen die Verbindung einzelner Abschnitte steht noch aus
und ist bei den betreffenden staatlichen Verwaltungen in Planung (z.B. Verbindung Heiderscheider GrundArsdorf, oder Wiltz-Bastogne-Martelange).
Der Naturpark soll sich dafür einsetzen, dass die bestehenden Wege noch besser thematisch miteinander
verknüpft werden und deren Unterhalt gewährleistet wird, auch wenn Letzteres von anderen Instanzen
übernommen werden muss.
Auch die Reitwege sind über das Gebiet des erweiterten Naturparks verteilt und werden durch die
Reiterroute „Der Naturpark Obersauer zu Pferd“ vermarktet. Hier soll eine Anbindung an andere
Regionen gefördert werden (z.B. Richtung Naturpark Our, Eifel oder belgische Ardennen).
b. Projekt E-Bikes Netzwerk
Seit vielen Jahren ist die Gegend des Naturparks bei Radfahrern sehr begehrt. Jedoch blieb die Entdeckung
der hügeligen Landschaft per Drahtesel bis jetzt vor allem den fitteren Bikern vorbehalten.
Diese Lücke soll das E-Bikes Projekt (Elektro-Bikes oder Pedelecs) schließen, ein innovatives AktiverlebnisAngebot, das von der Gemeinde Wiltz initiiert wurde und in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Obersauer
umgesetzt wird.
Dank der mit umweltfreundlichen elektrischen Mini-Motoren bestückten Fahrräder sind auch Steigungen
bequem zu bewältigen.
Die E-Bikes ermöglichen es so einer breiten Zielgruppe, angefangen beim trainierten Radfahrer, über
Senioren bis hin zu Familien mit Kindern, die Schönheiten des Naturparks gemeinsam zu erkunden.
Entstehen soll ein flächendeckendes Ausleihsystem für E-bikes und für normale Fahrräder,
welches von der Gemeinde Wiltz und dem Naturpark finanziert und umgesetzt wird und von der
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme CIGR Wiltz logistisch betreut wird (Verleih, Reparatur, Pannendienst, usw).
Im Jahr 2014 werden erste Ausleihstationen entstehen (in Esch-Sauer und in Wiltz). Ziel ist es das Projekt
mittelfristig auf alle Naturparkgemeinden auszuweiten sowie regionale Partner wie z.B. den Naturpark Our
mit ins Boot zu nehmen. So soll im Rahmen der LEADER Förderperiode 2014-2020 ein Gesamtkonzept für
den Norden ausgearbeitet werden.
77
Mit Elektro-Bikes (Elektrofahrrädern) sind auch die hügeligen Landschaften der Ardennen nicht mehr
nur Geübten vorbehalten. Sie ermöglichen den Besuchern ein erlebnisreiches und umweltfreundliches
Entdecken der Region und werden aufgrund dessen ein Leitprojekt des Naturparks sein.
c.
Bündelung und moderne Vermarktung der Angebote
In Zukunft besteht die Herausforderung in der Bündelung der Angebote, der modernen interaktiven
Aufbereitung und im Finden erfolgsversprechender Vermarktungswege (z.B. Web-GIS, Digitaler
Naturparkführer, Naturpark App oder Projekt „Wanderpark Ardennen“ der Ententes touristiques) sowie der
Belebung durch Aktionen wie „autofreier Sonntag“, „Marche populaire“, X-Trail, Trail Uewersauer, 24 Stunden
Lauf in Wiltz usw.
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
d. Sicherstellen des Unterhalts der Angebote
Die Erfahrung zeigt die Wichtigkeit des ständigen Unterhalts der Wegenetze, um die Qualität der
Angebote abzusichern (einheitliche Beschilderung, Instandsetzung der Waldmöblierung, Mähen
usw.). Dieser Unterhalt wird u.a. von den lokalen Fremdenverkehrsämtern, Ententes touristiques, den
Gemeinden, dem Tourismusministerium, der Naturverwaltung, geleistet. Zurzeit ist der Naturpark nur für
die Themenwege zuständig, die er selbst erstellt hat. Er ist sowohl für die inhaltliche Aktualisierung als auch
für die regelmäßige Wartung zuständig. Mit den derzeit bestehenden Kapazitäten (1 Naturpark-Arbeiter)
ist Letzteres jedoch kaum zu leisten. Auch andere Akteure, z.B. die Freiwilligen der Fremdenverkehrsämter,
sind mit dem zeitintensiven Unterhalt der Angebote regelmäßig stark gefordert.
Hier soll der Naturpark in Zukunft vermehrt mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie „CIGR“ oder
„Forum pour l’Emploi“ zusammenarbeiten, um damit in diesem Bereich Lösungsansätze aufzuzeigen. Im
Rahmen der zukünftigen LEADER Periode soll der Unterhalt der Wege Thema werden.
> unterstützt durch PM2
e. Entwicklung von betreuten Naturerlebnisprogrammen in der Region
Um die unmittelbare Naturerfahrung zu fördern, die Natur hautnah zu entdecken, zu erleben und zu
verstehen, sollen nicht nur Informationen zur Verfügung gestellt und vermittelt werden, sondern es muss
versucht werden mit entsprechenden Angeboten zum Nachdenken sowie zum Handeln zu animieren.
Um gezielter auf die verschiedenen Ansprüche, Zielgruppen und Themenbereiche einzugehen, soll ein
abwechslungsreiches Naturerlebnisprogramm mit Vorträgen, Seminaren und vor allem Exkursionen
die Besucher und Einwohner dazu einladen, den Naturpark und die Natur und Kultur vor der eigenen Haustür
besser kennen zu lernen. Zusammen mit einem Naturführer oder Naturparkmitarbeiter werden interessante
Ecken im Naturpark mit erlebnisorientierten Methoden entdeckt oder konkrete Naturschutzarbeit erlebt.
Wichtige Aspekte sind der direkte Kontakt mit der Bevölkerung sowie das Sammeln positiver Erfahrungen.
Als wichtige Punkte sind hier zu nennen:
•
Angebotsprogramm „Natur erleben“, „Naturpark Entdecker“
•
Exkursionen, Erlebniscamps,…
•
Aktionen im Rahmen „Dag vum Bam“, „Bëschhung“, Tag der Artenvielfalt,…
•
Anbieten von Naturerlebnisführungen (> unterstützt durch PM2)
Die Quest-Studie von 2008 kam zum Schluss, dass die touristischen Akteure das Kapital „Natur und
Naturerlebnis“ vermehrt in den Vordergrund stellen sollen.
Als Zentrum des Naturtourismus in Luxemburg soll der Naturpark Obersauer eine Palette an
Naturerlebnisführungen entwickeln. Seit einigen Jahren werden bereits 3 Mal jährlich geführte
Wanderungen unter dem Motto „Loscht op Natur“ angeboten. Diese werden auch in Zukunft stattfinden
und in das Programm werden neue Wanderungen eingebaut. Entdecken mit allen Sinnen, Ausbildung von
Natur-Führern und Animateuren sind wichtige Schlagworte in diesem Bereich. Vorangestellt werden soll
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
dazu eine entsprechende Ausbildung – Bsp. Zertifikatslehrgang für Natur- und Landschaftsführer (Bilanz
2009, S. 27). Die Fortbildung zu Naturpark-Führern/Guides du Terroir ist im Jahr 2010 in Zusammenarbeit
mit Ortal und der Handelskammer angelaufen. In diesem Sinne sollen geeignete Aktivitäten aus dem
Bereich Umweltbildung auch als touristische Produkte aufbereitet und beworben werden.
Um möglichst viele Leute mit solchen Führungen zu erreichen werden sie – ausgehend von verschiedenen
touristischen Zentren – angeboten. In einer ersten Phase erscheinen die verschiedenen Campingplätze als
Start- und Zielort sinnvoll.
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge für
Groß und Klein erlebbar und begreifbar machen
6.3.5. Behutsame Inwertsetzung des Stausees für die Naherholung und den wassergebundenen
Tourismus
a. Impulse setzen für neue naturparkspezifische Angebote am Stausee
und die Identifikation der Gemeinden (u.a. auch Wiltz) mit dem Stausee
Der Gewässervertrag Obersauer sieht einige Maßnahmen vor, die die Obersauer und den Stausee touristisch
in Wert setzen sollen. So soll der Besucher durch ein Infoblatt darüber informiert werden, dass er sich an
einem Trinkwasserreservoir befindet. Es soll ein praktisches Info-Booklet für Angler geschaffen werden.
Themen wie Müllvermeidung und Recycling an den Stränden sollen in Angriff genommen werden.
Das mit dem Wasser verbundene Kulturerbe (petit patrimoine à l’eau) soll in den Dörfern in Wert gesetzt
werden. Ein grenzüberschreitender Wanderweg entlang der Sauer, von der Quelle zur Staumauer, soll
geschaffen werden. Durch ein interaktives Web-GIS soll der Besucher gelenkt werden, und Informationen zu
möglichen Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten bekommen. Des Weiteren sollen naturkundliche Angebote
ausgeweitet werden. Das Angebot des Solarbootes könnte ausgebaut werden (z.B. Fahrt im Nebel usw.).
Weiter könnten geführte Kanufahrten angeboten werden (individuell mit Wasserrucksack, oder in der
Gruppe z.B. mit Drachenbooten).
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
Impulse setzen für neue touristische Angebote/Infrastrukturen am Stausee
Zurzeit begrenzt das bestehende Stauseereglement die touristische Mehrwertschöpfung und die
Wassersportaktivitäten am Stausee. So gibt es direkt am See keine Hotels und Restaurants. Touristische
Angebote, wie die Vermietung von Kanus am See sind seit 2011 mit einer ministeriellen Erlaubnis und
unter strengen Auflagen möglich. Ansonsten sind Wassersportaktivitäten nur möglich mit entsprechenden
Akteuren (Base nautique des SNJ in Lultzhausen oder Yachtclub in Liefrange) oder indem eigene Segelboote
oder Kanus mitgebracht werden. Dies führt aus Sicht der Gemeinden zu einem Tagestourismus, der auch
unerwünschte Auswirkungen hat (Verkehr, Müll, Verlust an Lebensqualität für die Einwohner, usw.) ohne
aber nennenswerte Steuereinnahmen mit sich zu bringen. In diesem Kontext soll der Naturpark, gemeinsam
mit den Gemeinden und den verantwortlichen Behörden Wege finden, den Stausee touristisch im Einklang
mit dem Naturschutzgedanken aufzuwerten.
So ist beispielsweise sicherzustellen, dass im Rahmen einer gezielteren Besucherlenkung an den
entsprechenden Stellen Sanitäranlagen genauso wie Bootsstege, Grillplätze usw. angeboten werden
können. Hier sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen am Stausee zu beachten.
> QV: Koordination und Vernetzung – Operationelles Ziel: Aufbau von strategischen Partnerschaften
zur Förderung der sozioökonomischen Entwicklung und einer nachhaltigen regionalen
Wertschöpfung
Erhalt des Stausees und der Sauer als Ort der individuellen Naherholung
Im Bereich der Freizeitgestaltung ist der Obersauerstausee der Hauptanziehungspunkt der Region.
Deshalb soll der Erhalt der Nutzungseignung der Sauer als Badegewässer ein Ziel des Naturparks sein.
Gleichzeitig sollen aber touristische Attraktionen außerhalb des Sees aufgebaut werden, um die Gewässer
vor Übernutzung zu schützen. (Etude Detaillée 1997).
Die Sportfischerei ist heute als aktive Freizeitgestaltung weit verbreitet, da sie gleichzeitig Spannung und
Ruhe verspricht und so den notwendigen Ausgleich zur Hektik des Alltags bietet. Es soll also ein Ziel des
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Naturparks sein, für den Erhalt und die Entwicklung der Nutzungseignung von Sauer und Wiltz als
Salmonidengewässer für den Angelsport zu sorgen. (Etude Detaillée 1997).
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Nachhaltige Pflege, Gestaltung und
Nutzung des Gewässersystems
> unterstützt durch PM2
b. Leitprojekt Wasserspielpark
Die Profilschärfung der „Wasserregion“ Luxemburg erfordert neben der entsprechenden Darstellung auch
attraktive, überregional bedeutsame Angebote, welche die Region und ihr Profil bereichern.
Ein solches neues naturparkspezifisches Angebot soll auch der geplante Wasserspielpark in Bavigne sein
an dem der Naturpark in Zusammenarbeit mit der Stauseegemeinde und der Bevölkerung seit dem Jahr
2011 plant.
Dieses Projekt soll ein touristisches Leuchtturmprojekt und regionales Leitprojekt sein, das weit in die
Großregion hinaus strahlt und eine besondere Attraktivität für Kinder und Jugendliche darstellt. Aufbauend
auf dem Hauptthema der Region, dem Wasser, soll es darüber hinaus ein konkurrenzfähiges Angebot
werden.
Die Entwicklung, Umsetzung und Betreibung eines Wasserspielparks soll zusammen mit der direkt
betroffenen Gemeinde (Stauseegemeinde), die später auch Bauherr sein wird, weiter vorangetrieben
werden. Angedacht ist der Baustart im Jahr 2015, sofern der Finanzplan steht und die Genehmigungen
eingeholt werden können.
Das regionale Projekt „Wasserspielpark“ wird dazu beitragen, dass eine Schwäche der Region – ein
fehlendes attraktives touristisches Angebot für Familien mit Kindern – behoben wird. Der Wasserspielpark
sollte ein großer Anziehungspunkt und ein konkurrenzfähiges Angebot sein. Deshalb wurde dieses
Projekt als Leitprojekt definiert.
> unterstützt durch PM2
6.3.6. Aufwertung des regional relevanten kulturellen Erbes für den Tourismus
a. Innovative Aufwertung des kulturellen Erbes
Kultur ist lebendig und immer in Bewegung. Der Umgang mit dem kulturellen Erbe soll sich daher nicht auf
nostalgische Verklärung der Vergangenheit reduzieren. Der Naturpark sollte sich als Gebiet präsentieren,
das seine Wurzeln kennt und pflegt, sich aber Innovation und Fortschritt nicht verschließt. Der Umbau
der Tuchfabrik zum Naturparkzentrum ist hierfür ein Paradebeispiel. Die alten Mauern gilt es in Zukunft
weiterhin mit Leben zu füllen um sie für den Touristen erlebbar zu machen (Museumspädagogik,
wechselnde Ausstellungen usw.)
> QV: Kultur – Operationelles Ziel: Kulturelle Belebung der Region in Zusammenarbeit mit regionalen
Akteuren
b. Verbesserung des Zugangs zum kulturellen Erbe und der touristischen Erlebbarkeit
des kulturellen Erbes
Urlauber schätzen den Kontakt zu Land und Leuten, kurz die Kultur der besuchten Region. Viele Urlauber
verbringen ihren Urlaub am liebsten dort, wo man den ursprünglichen Charakter des Ortes fühlt. Der
Naturpark verfügt nicht nur über reizvolle Landschaften, sondern hat auch im kulturellen Bereich einiges
zu bieten. Der Erhalt von Baudenkmälern und die Pflege von Traditionen leisten einen wesentlichen
Beitrag zur touristischen Attraktivität eines Gebietes. Gäste genießen den Charme der Vergangenheit und
den Gegensatz zum anonymen Alltag. In diesem Sinne ist das Kulturerlebnis ein wichtiges touristisches
Standbein.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Für viele Naturparkbesucher ist die Verknüpfung von Landschafts- und Kulturgenuss besonders reizvoll.
Themenwanderungen und -radtouren (Schloss Esch-Sauer Audio Guide, Legendenweg usw.…) sind
passende Angebote. Kundenfreundliche Öffnungszeiten sind für Museen und Sehenswürdigkeiten ein Muss.
Gute Beschilderung, aktuelle Kulturinformation im Internet, Angebotsübersicht, Kulturcard, Pauschalpreise
sind, in Zusammenarbeit mit den anderen touristischen Akteuren, anzustreben. Dies erleichtert sowohl
der Bevölkerung als auch den Touristen das Leben enorm. Es gilt, die bestehenden kulturellen Angebote
verbessert für Touristen aufzubereiten und gebündelt anzubieten (Bsp. Busexkursionen Circuit des
Légendes)
> QV: Kultur – Operationelles Ziel: Kulturelle Belebung der Region in Zusammenarbeit mit regionalen
Akteuren
81
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
7. Arbeitsschwerpunkt „Landwirtschaft“
7.1. Einleitung
Der Naturpark liegt im Ösling, d.h. im Nordwesten Luxemburgs an der Grenze zu Belgien. Das Ösling gehört
dem Eifel-Ardennen-Mittelgebirgsblock an: es handelt sich um eine Hochebene (mittlere Höhe etwa 450
m über NN), die von tiefen und steilen Tälern durchschnitten wird (251 m über NN bei der Tadlermühle).
Geologisch besteht das gesamte Ösling aus Devon (Schiefergesteine und Quarzite). Die Böden sind
steinig-lehmig, vielfach flachgründig und nährstoffarm. Die nutzbare Bodentiefe reicht von weniger als
30 cm bis 80 cm. Aufgrund ihres hohen Silikatgehaltes als auch des geringen Wasserspeichervermögens,
sind die Böden als weniger ertragreich als die Böden im Gutland eingestuft. In diesen Böden fehlt es vor
allem an Phosphor und Kalk. Erst nach der Einführung der Thomas-Schlacke wurde daher der Ackerbau im
Ösling möglich.
Die Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben und Beschäftigten ist, wie landesweit, seit Jahrzehnten
rückläufig, und beläuft sich in den aktuellen 4 Naturparkgemeinden auf 115 Betriebe. Die Gemeinde
Wiltz verfügt über 29 Betriebe. Betrachtet man aber die Vollzeitbeschäftigten in der Landwirtschaft sind
241 Personen (aktueller Naturpark) respektive 307 Personen (erweiterter Naturpark) betroffen. Diese
Gesamtzahl entspricht in etwa 6,1% der Erwerbstätigen im erweiterten Naturpark.
Der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche im erweiterten Naturpark ist mit 8.051 ha (39,9%) hoch. Im
Gegensatz zum landesweiten Durchschnitt, ist der Anteil an Dauergrünlandflächen im Naturpark geringer:
das Verhältnis Dauergrünland/Acker ist im Naturpark 1:2 (landesweit 1:1). Parallel dazu ist der Anteil am
Feldfutter an der landwirtschaftlichen Nutzfläche doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Dies ist
bedingt durch die spezifische Fruchtfolge des Feldfutterbaus im Ösling: hier wird künstliches Grünland
eingesät, das nach 3-4 Jahren umgepflügt wird zur Ackernutzung. Es findet somit ein regelmäßiger
Wechsel zwischen Acker und Grünlandnutzung statt. Der Zweck dieses häufigen Wechsels ist der Erhalt der
Bodenfruchtbarkeit der flachgründigen Böden des Öslings. Durch die Ausbildung des Wurzelwerkes, d.h.
durch die organische Substanz, verbessern die Feldfutterbestände das von Natur her geringe Nährstoff- und
Wasserhaltevermögen dieser Böden. Die Getreideflächen machen fast die Hälfte der landwirtschaftlichen
Nutzfläche des Naturparks aus, was dem landesweiten Anteil entspricht. Angebaut werden vor allem Gerste
(22%), Weizen (10%), Triticale (7% Kreuzung aus Roggen und Weizen), Hafer (4%), Dinkel (3%), Roggen (2%).
Der Anteil an biologisch geführten Betrieben liegt im Naturpark etwas höher als auf nationalem Niveau
(4,1 % gegenüber 3,8 % landesweit). Insgesamt bewirtschaften die Bio-Label-Betriebe 230 ha (entspricht
2,85% der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Naturparks gegenüber 3,24 % landesweit ).
1/ Die Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln wie Getreide, Milch und Fleisch (seit den
neunziger Jahren werden auch Spelzprodukte, Kräutertees, Kosmetikartikel, u.a. vermarktet).
2/ Die Gestaltung und Pflege der Kulturlandschaft: Die Landwirte erfüllen den Auftrag der
Landschaftspflege und werden hierfür finanziell entschädigt. Zusätzlich gibt es die Programme
zur Extensivierung der landwirtschaftlichen Praxis: diese sind an das Wassereinzugsgebiet
gebunden, an die Lage in einer aus Sicht des Umweltschutzes oder der Bodenerosionsanfälligkeit
sensiblen Zone. Diese Fördermaßnahmen gelten über eine Dauer von 5 Jahren und werden
regelmäßig evaluiert und neu definiert. Neben den Extensivierungsmaßnahmen sind die
Biodiversitätsprogramme zu erwähnen, die gezielt auf Flächen angeboten werden, wo seltene
oder schützenswerte Pflanzen oder Tiere anzutreffen sind.
3/ Schutz von Boden und Wasser durch Eingriffe der Landwirtschaft, d.h. Pflege und Unterhalt von
landwirtschaftlichen Flächen. In der Tat ermöglicht die Landwirtschaft eine Stabilisierung der Böden
(Humusanreicherung) und eine Regelung des Wasserhaushaltes. Die Ackerflächen ermöglichen z.B.
eine höhere Grundwasserneubildung als Waldflächen.
Auf Grund der schlechteren Marktpreise laufen viele Flächen in der Stauseeregion Gefahr wegen Unrentabilität
aufgegeben zu werden. Die Landwirtschaft ist demnach einem permanenten Strukturwandel ausgesetzt
und muss hohe Anforderungen bezüglich Natur- und Landschaftsschutz, Lebensmittelsicherheit und
Qualität erfüllen, was sich letztendlich auf die Kosten und Einkünfte der Landwirtschaft auswirkt. In diesem
engen Rahmen agiert der Naturpark, um die regionale Landwirtschaft mit naturparkrelevanten Inhalten zu
unterstützen.
7.2. Operationelle Ziele
Um den strategischen Zielen des Naturparks insbesondere dem Ziel des Umwelt-, Boden und Wasserschutzes
aber auch der nachhaltigen Regionalentwicklung zu entsprechen, sind die wesentlichen operationellen
Ziele im Bereich Landwirtschaft:
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1) Landwirtschaftsberatung im Einklang mit dem Trinkwasserschutz und der Natur
Um die Ressource Wasser zu schützen müssen Maßnahmen festgesetzt werden, die es den Akteuren
erlauben, vor Ort im Sinne des Wasserschutzes zu wirtschaften. „Schützen durch Nutzung“ muss das
Prinzip sein, um den Natur- respektive den Wasserschutz anzukurbeln.
Die Landwirtschaftsberatung des Naturparks hat einen umweltschonenden Einsatz der Ressourcen in der
Stauseeregion als Ziel. Deshalb wurde zuerst eine Grundberatung aufgebaut, die die nötigen Bereiche – vor
allem die Düngeplanung – abgedeckt hat. Besonders wurde darauf geachtet, dass der Ackerbau nach guter
fachlicher Praxis entsprechend der Gesetzgebung gemacht wird. Will man aber der aktuellen Situation
Rechnung tragen (Wasserschutz und Umweltschutz), müssen in der Beratung weitere Aspekte betrachtet
werden.
2) Entwicklung neuer Produkte und Einkommensmöglichkeiten in Zusammenhang mit der
Landwirtschaft
Mittels lokaler Extensivierungsprogramme wurden erfolgreiche Labelprodukte aufgebaut, die aufgrund
sich ändernder Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren angepasst und verbessert werden
müssen.
Labelprodukte, d.h. die Diversifikation der landwirtschaftlichen Produkte mit erhöhter Qualität (Fleisch,
Teeprodukte, Spelzprodukte, Braugerste) bieten einerseits Einkommensalternativen für landwirtschaftliche
Betriebe und tragen andererseits zur Verbesserung der Wasserqualität und zum positiven Image des
Naturparks bei. Weitere Einkommensmöglichkeiten bieten nachwachsende Rohstoffe und Dienstleistungen
der Landwirtschaft, z.B. in Zusammenhang mit der Wasserqualität. Da sich die Stauseeregion in Zukunft
stärker als Wasserregion darstellt, müssen eine Reihe von Dienstleistungen angepasst werden.
3) Förderung eines positiven Images der Landwirtschaft in der Naturparkregion
Ein Ziel des Naturparks ist es, der Bevölkerung die Bedeutung einer wasser- und umweltschonenden
Landbewirtschaftung für den Wasserschutz darzulegen.
Um diese operationellen Ziele bestmöglich zu erreichen, ist eine laufende Abstimmung bzw. Zusammenarbeit
mit anderen befassten Akteuren – wie z.B. dem Umweltministerium und dem Landwirtschaftsministerium,
dem Wasserwirtschaftsamt und der Landwirtschaftskammer – notwendig.
7.3. Maßnahmen und regionale Leitprojekte
Operationelles Ziel: Landwirtschaftsberatung im Einklang mit dem
Trinkwasserschutz und der Natur
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
7.3.1. Beratungsbasisangebot
a. Beratungsbasisangebot (inklusive Bodenproben)
Düngeplanung
Die Düngeplanung beinhaltet die Planung der Fruchtfolge der Ackerkulturen, die Planung der Verteilung
der Hofdünger und die Einführung regelmäßiger Bodenanalysen für alle landwirtschaftlichen Flächen
der Betriebe. Diese jährliche Berechnung erfolgt PC gestützt. Zusätzlich zu dieser Dienstleistung werden
regelmäßige Bodenanalysen zu den Grundnährstoffen (Phosphor, Kalium, Magnesium und Natrium) für
alle Betriebe des Naturpark Obersauer durchgeführt; gemessen wird auch der pH-Wert. Das Ziel ist ein
optimaler Einsatz der Hofdünger und die Berechnung der benötigten Mineraldünger. Gleichzeitig werden
auch die Themen Fruchtfolge, Pflanzenbau und Pflanzenschutz- hier unter anderem auch der Einsatz von
Alternativen zur chemischen Unkrautbehandlung (z.B. Striegeleinsatz) und Gentechnikfreiheit behandelt.
Sensibilisierung der Landwirte für das Thema Umwelt respektive Wasserschutz
Seit dem Bau der Staumauer in den 1950er-Jahren ist der Wasserschutz ein Thema in der Region, welches
sich durch die Ausweisung der sanitären Schutzzonen im Jahre 1961 konkretisiert hat. Bis heute gibt es
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
aber weder offiziell ausgewiesene Wasserschutzzonen noch Wasserschutzbestimmungen, so dass es von
wenigen Ausnahmen abgesehen, nur wenige klar formulierte Einschränkungen in den landwirtschaftlichen
Aktivitäten gibt. Zusätzlich ist in den 1990er-Jahren die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie
92/43/EWG) in der Europäischen Union beschlossen worden, wodurch in der Stauseeregion weitere
Schutzgebiete (Naturschutz, Vogelschutz) entstanden sind. Parallel wurden etwa gleichzeitig die ersten
Agrarumweltprogramme, europäische Förderprogramme für eine extensivere Landwirtschaft, speziell in
diesen Wasserschutz- und Naturschutzzonen von der Ackerbauverwaltung angeboten. Ab 2002 wurde ein
Biodiversitätsreglement vom Gesetzgeber festgelegt, welches bestimmte extensive landwirtschaftliche
Praktiken fördert, mit dem Ziel des Arten- und Naturschutzes. Diese beiden Maßnahmenprogramme
werden von der Landwirtschaftsberatung bei den betroffenen Landwirten beworben. Die administrativen
und finanziellen Aspekte liegen aber auf Seite der staatlichen Verwaltungen.
Weiterbildung der Landwirte
Ein weiterer Schwerpunkt der Sensibilisierung ist die Weiterbildung der Landwirte: durch thematische
Vorträge (Fachreferate oder Seminare) und Vorführungen (Maschinen, Techniken,...) werden vor allem
in den Wintermonaten Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. Diese ermöglichen es den Praktikern
aktuelle Informationen, Techniken und Ideen darzustellen, die sie in Zukunft für ihre Arbeit nutzen können.
Das Beratungsbasisangebot ist das bewährte Herzstück der Landwirtschaftsberatung und hat viel dazu
beigetragen, dass die Stauseeregion heute ein Vorzeigebeispiel in punkto wasser- und umweltschonende
Landwirtschaft ist.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
7.3.2. Spezialberatung oder Schwerpunktberatung
a. Spezialberatung bzw. Schwerpunktberatung
Entwicklung und Durchführung neuer Beratungsangebote:
Wenn man den Wasserschutz verbessern will, muss das Basisprogramm durch weitere Beratungsangebote
aufgestockt werden. Das hier beschriebene Angebot soll speziell Betrieben am Stausee bzw. Betrieben
mit sensiblen Flächen oder Kulturen angeboten werden. Zur Umsetzung dieser Maßnahme ist eine enge
Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Akteuren (z.B. Verwaltungen, Wasserversorger, Landwirte, Experten)
notwendig.
Nährstoffmanagement (Düngermanagement)
Einerseits müssen beim einzelnen Betrieb, aber auch im gesamten Einzugsgebiet die Nährstoffflüsse
analysiert werden. Ob diese Nährstoffe vom landwirtschaftlichen Betrieb stammen (Wirtschaftsdünger)
oder von außen eingeführt werden (Klärschlamm, organischer oder mineralischer Dünger, Futtermittel,
Kompost etc.) ist irrelevant. Ein Überschuss auf den einzelnen Flächen im Wassereinzugsgebiet ist
gleichzusetzen mit Nährstoffverlusten, Verschwendung von Ressourcen und kann zur Eutrophierung des
Stausees beitragen.
Neben der Planung der Verteilung der Dünger muss die reelle Verteilung strenger überwacht werden. Für
die gesamte Region oder für die Betriebe der Region muss die anfallende Menge an organischen Dünger
errechnet werden, um eine optimale Verteilung (eventuell mittels Düngerabnahmeverträgen) zu berechnen.
Auf Basis einer Datenbasis der landwirtschaftlichen Flächen und deren Ertragspotential (Klassifizierung von
intensiven Feldfutterflächen bis zu extensiven Trockenrasen) kann eine Höchstmenge an Dünger für das
gesamte Gebiet errechnet werden.
Neue Techniken zur Depotdüngung, Mulchsaat oder Kombination von Saat mit gleichzeitiger
Düngung sollen speziell in der Stauseeregion vorgestellt und propagiert werden. Der Nutzung des
Grünlandes muss eine größere Bedeutung zuerkannt werden. In diesem Sinne wäre auch eine strengere
Reglementierung der ständigen Umwandlung von Feldfutternutzung in Ackerland, wie sie im zukünftigen
PDR (2014-2020) vorgesehen ist, sinnvoll. In der Tat werden nach im Schnitt drei Jahren Feldfutternutzung
durch den Umbruch hohe Stickstoffmengen freigesetzt, welche besser ausgenutzt werden können.
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Aktionen mit dem Ziel der Erosionsvermeidung
Als zweiter Schwerpunkt soll die Bodenerosion thematisiert werden. Bislang gibt es bei den Landwirten
immer noch wenig Bewusstsein für die jährlichen Bodenverluste, die Abträge von den Flächen (Boden,
Nährstoffe und Pestizide), die finanziellen Schäden für Dritte (z.B. Aufräumarbeiten seitens der lokalen
Behörden) sowie auch für die Nährstoffeinträge. Der Verlust an Humus, an Nährstoffen als auch von
Muttererde wird bisher kaum wahrgenommen. Auch bei Hanglagen von weniger als 8 oder 12%, ist Erosion
ein Thema.
Durch eine Aufstellung der sensiblen Flächen und die Sensibilisierung der Landwirte kann vorgebeugt
werden. Ein Null-Risiko ist nicht möglich, da in der Zeit nach einer Einsaat der Boden unbedeckt bleibt.
Eine ganzjährige Bodenbedeckung ist das A und O bei der Erosionsvermeidung. Die Beratung bei den
sensiblen Flächen muss neue Akzente in der Fruchtfolgegestaltung setzen. Die Fruchtfolge muss weiter
und variabler gestaltet werden. Auf bestimmten Flächen (abhängig vom Boden, Hanglage, Nähe zu
Gewässer,...) können verschiedene Kulturen verboten werden, falls keine Bodenbedeckung in den Herbstund Wintermonaten möglich ist. Vorstellbar wäre eine Klassifizierung der Böden nach Erosionsanfälligkeit
mit entsprechenden Auflagen/Einschränkungen. Über die staatlichen Agrarumweltprogramme werden
Kompensationsprämien für Mulchsaat und Direktsaat angeboten: es gilt diese auszunutzen.
Gezielte und begleitete Reduzierung des Pestizideinsatzes
Ein sensibler Punkt ist der Pestizideinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen. Pestizide werden in der
Landwirtschaft eingesetzt um den Ertrag zu steigern, die Arbeit zu erleichtern (Abspritzen vor Neueinsaat)
und auch als Erntemaßnahme (Abreifesteuerung). Das Thema der Pestizidrückstände in Lebensmitteln
wurde bisher im Allgemeinen banalisiert und die Abbauraten in der Natur wenig diskutiert. Leider ist es
aber so, dass die Pestizide nach Toxizitätsklassen eingestuft sind, und somit unterschiedliche Auswirkungen
auf die Umwelt und im Speziellen auf alle Lebewesen haben. Im Trinkwasser gilt EU-weit ein Höchstwert
pro Wirkstoff als auch einen Höchstwert für alle Wirkstoffe: werden diese Werte überschritten, darf Wasser
nicht ins Trinkwassernetz gespeist werden. Die Pestizide sind aber noch Jahrzehnte nach ihrem Einsatz
in der Umwelt wiederzufinden; sie können aber zum Teil dem Wasser beim Wasseraufbereiter und in den
Kläranlagen entnommen werden.
Langfristig muss nach Wegen gesucht werden, um die am wenigsten umweltschädlichen Wirkstoffe zu
identifizieren und als Alternative zu anderen Produkten anzubieten (in Absprache mit den zuständigen
Behörden, dem Wasserversorger, etc.). Dazu soll in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer
ein phytosanitärer Informationsdienst zielgerecht aufgebaut werden. Über das Feldheft können alle
Produkte, die in der Stauseeregion eingesetzt werden, erfasst werden. Auf Basis dieser Daten kann z.B.
der Wasserversorger gezielt überprüfen welche Produkte (Wirkstoffe, Metabolite und Abbauprodukte)
sich im Stausee befinden. Falls verschiedene Produkte nicht im Einzugsgebiet eingesetzt werden sollen,
kann man Alternativprodukte ausloten und eventuell deren Einsatzgenehmigung beantragen. Zusätzlich
können momentane Praktiken hinterfragt werden, mit dem Ziel des Verzichts auf bestimmte Pestizide.
Diese Vorgehensweise setzt eine Vertrauensbasis und Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren
(Berater und Wasserversorger vor allem) voraus.
Die Spezialberatung soll gerade bei sensiblen Flächen und bei sensiblen Kulturen zum Wasserschutz
beitragen. Sie wurde daher als Leitprojekt definiert.
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
7.3.3. Unterstützung der Beratung zur Biolandwirtschaft
a. Unterstützung der Beratung zur Biolandwirtschaft
Die biologische Landwirtschaft zeichnet sich aus durch zwei Charakteristika, welche sie sehr interessant für
den Naturpark Obersauer und das Trinkwasser machen: einerseits werden keine chemisch mineralischen
Stickstoffdünger, andererseits werden keine synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Aus
diesen Gründen wird insgesamt weniger Stickstoff neben den Hofdünger in den Bodenkreislauf eingeführt,
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
was zur Folge hat, dass das Risiko der Stickstoffauswaschung geringer wird. Dies wird noch bestärkt durch
den geringeren Viehbesatz in biologisch wirtschaftenden Betrieben.
Aus diesem Grunde unterstützt der Naturparkberater Landwirte, welche sich für biologische Landwirtschaft
interessieren, und hat regelmäßigen Kontakt mit den Beratern für Biolandbau. Durch den etwas höheren
Anteil an Biobauern im Naturpark Obersauer und durch die hohe Teilnahme an Extensivierungsprogrammen
ist die Diskrepanz zwischen konventionellen und biologisch wirtschaftenden Betrieben geringer als in
anderen Landesteilen.
7.3.4. Erhebung und Auswertung von Monitoring-Daten
a. Erhebung und Auswertung von Monitoring-Daten
Parallel zur Beratungsaktivität sollen über ein Geoinformationssystem (GIS) die Beratungsdaten genutzt
werden, um eine Reihe von Tatbeständen zu dokumentieren. Dieses Monitoring ist für die Landwirte
von Bedeutung zum Beleg ihrer Arbeiten und für die Staats- und Gemeindeverwaltungen und den
Wasserversorger als Beleg für die ergriffenen Wasserschutzmaßnahmen. Dieses Monitoring ist die Basis
für eine wissenschaftliche Darstellung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie, wonach zumindest ein
Nichtverschlechtern der Wasserqualität gewährleistet werden soll.
Als Beispiel kann man die Daten für die exakte Bodennutzung und Bodenbedeckung erheben und über
GIS erfassen: diese sind in der Landwirtschaftsberatung eine Basisangabe für die Düngeplanung, für die
Gemeinde/den Staat wichtig für die Datenbasis zur Bodenbedeckung und für den Wasserversorger ursächlich
wichtig aufgrund des Einflusses der Bodennutzung auf die naheliegenden Gewässer. Parallel können in einer
Datenbasis die Ackerflächen (inklusive der angelegten Drainagen), die Strukturelemente (Hecken, Bäume
und Sträucher), die Waldflächen, die Gewässer (Bäche, Flüsse und der See) als auch die Siedlungsflächen
eingetragen werden: all diese Elemente können dann als Basis eines Wasserschutzkonzeptes dienen.
Für die Praxis in der Beratung ermöglicht die Auswertung der Daten über das GIS es, auf einfache Art und
Weise den Landwirten durch kartographische Darstellungen Sachlagen darzustellen (Einzugsgebiet
einer Teilregion, Erosionskarten, Bodenwertkarten, Nmin Karten), Auswertungen für weitere Themen zu
erstellen und Berechnungen durchzuführen.
> QV: Koordination und Vernetzung – Operationelles Ziel: Anlaufstelle und Koordinationsplattform
für eine nachhaltige Regionalentwicklung und Planung im regionalen, nationalen und
grenzübergreifenden Kontext
7.3.5. Vorschläge zu und Mitarbeit bei der Formulierung von Schutzmaßnahmen und
Förderprogrammen zum Wasserschutz
a. Vorschläge zu und Mitarbeit bei der Formulierung von Wasser-schutzmaßnahmen
und Förderprogrammen
Der Naturpark verfügt in der Formulierung von Schutzmaßnahmen oder von Förderprogrammen zum
Wasserschutz über keine direkten Kompetenzen. Diese liegen bei den zuständigen Behörden, respektive
dem Wasserversorger. Im Sinne des Landschafts- und Gewässerschutzes kann und muss sich aber auch der
Naturpark einbringen und Impulse geben.
Maßnahmen und Auflagen zum Wasserschutz
Ein Katalog von konkreten Maßnahmen und Auflagen, die besonders für die Stauseeregion wichtig sind, soll
zusammengestellt werden und es soll geprüft werden inwieweit diese umgesetzt werden können. Manche
dieser Maßnahmen können per Gesetz vorgeschrieben respektive verboten werden; andere Maßnahmen
(z.B. Extensivierungsprogramme) können durch finanzielle Anreize gefördert werden.
Als Beispiele kann man folgende Forderungen erwähnen:
•
Beratungspflicht für alle Landwirte im Einzugsgebiet
•
reduzierter Viehbesatz an Herbivoren
•
Verzicht oder reduzierter Einsatz von Pestiziden
87
•
Verbot von Pestizidausbringung in Gewässernähe
•
Dauergrünlandumbruchverbot
•
Grünlandförderung (Feldfutterumbrucheinschränkung, Dauergrünlanderhaltung)
•
reduzierte Stickstoffdüngung auf Dauergrünlandflächen
•
reduzierte Stickstoffdüngung auf Ackerflächen
•
Grünstreifen/Uferrandstreifen
•
Düngerabstand entlang Gewässer
•
die Ganzjahresbedeckung der Ackerflächen
•
variable Fruchtfolgegestaltung
•
Düngerausbringung (Abstände zu den Gewässern)
•
spezielle Düngetechniken (Gülleinjektion, Depotdüngung, CULTAN Düngung)
•
neue Saattechniken (Mulchsaat, Direktsaat)
•
Erhöhung der Lagerkapazitäten für organische Dünger
•
fachgerechte Mistkompostierung
Das Verbot von verschiedenen Praktiken setzt voraus, dass Ertragsausfälle oder Ertragsminderungen
finanziell berechnet und entsprechend kompensiert werden.
Hier kann der Naturpark (durch die Präsenz der verschiedenen Ministerien im Naturparkvorstand) als
Sprachrohr oder Lobbyist agieren.
Formulierung von Vorschlägen zu neuen regional wichtigen Förderprogrammen für den Wasserschutz
Speziell in der Stauseeregion, in der neben dem Wasserschutz auch der Umweltschutz eine wichtige Rolle
spielt (Natura 2000 Gebiete) müssen angepasste Maßnahmen ergriffen werden. Sie könnten unter den
Agrarumweltmaßnahmen figurieren, besser wären vielleicht getrennte Programme für Wasserschutz und
für Umweltschutz, die man deutlicher als positive Punkte von der landwirtschaftlichen Seite darstellen
kann. Hier kann der Naturpark (durch die Präsenz der verschiedenen Ministerien im Naturparkvorstand) als
Sprachrohr oder Lobbyist agieren.
Spezielle Programme auf wasserschutzrelevanten Flächen sollen ausgelotet werden. Es stellt sich die Frage
ob die bestehenden Extensivierungsprogramme nicht flexibler (z.B. ohne 5-Jahresklausel) gestaltet und vor
Ort (dezentral vom Naturparkzentrum aus) koordiniert und überwacht werden können, so wie es momentan
für die Biodiversitätsprogramme über die Biologische Station gemacht wird. Dies hätte zur Folge, dass es
mehr Praxisnähe zu den Betriebsleitern gäbe, ähnlich wie beim Braugersteprojekt Anfang der 1990er-Jahre,
als sich dieses Programm durch seine unbürokratische Art großer Beliebtheit erfreute.
Neben den bestehenden Agrarumweltprogrammen kann man folgende Punkte hinzufügen:
•
Grünlandförderung (Feldfutterumbruch, Dauergrünlanderhaltung)
•
Dauergrünlandprämie
•
fachgerechte Feldlagerung des Mists (Festplatten mit Sickerwassergrube)
•
spezifische Bewirtschaftungsprogramme für Naturschutzflächen (Feuchtwiesen, Trockenrasen,...)
•
Uferschutzstreifen entlang den Zuflüssen der Sauer und des Stausees
•
Spezifische Extensivierungsprogramme auf Ackerflächen
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Operationelles Ziel: Entwicklung neuer Produkte und Einkommensmöglichkeiten
im Zusammenhang mit der Landwirtschaft
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
7.3.6. Label- oder Qualitätsprodukte (u.a. „Vum Séi“ Label)
a. Label und Qualitätsprodukte, Koordination und interne Kontrollen
von „ vum Séi „ Produzenten
Als der Gedanke des Naturparks Obersauer ab 1990 konkret wurde, entstanden eine ganze Reihe von
Qualitätsprodukten, die an sich ein mehrschichtiges Ziel verfolgten: einerseits Qualitätsprodukte
mit hohem Mehrwert zu produzieren und andererseits durch die gezielt umweltbewussten
Produktionskriterien einen positiven Impakt auf die Umwelt zu generieren. Im Vordergrund stand die
Idee des „Schützens durch Nutzung“. Es entstanden die „vum Séi“ Produkte, welche sich mittlerweile eines
sehr guten Rufs und eines hohen Bekanntheitsgrades erfreuen.
Die Teeprodukte sind in allen Luxemburger Gastronomiebetrieben und Haushalten ein Begriff. Durch
den hohen Einsatz der einzelnen Mitglieder der Genossenschaft und durch die Unterstützung über den
Naturpark ist dieses Produkt mittlerweile etabliert. Die anderen Produkte (Spelz, Fleisch) stehen jedoch
stärker in Konkurrenz zu ähnlichen Qualitätslabel-Produkten, für sie ist es daher schwieriger sich am Markt
zu behaupten.
Das Paradebeispiel aus der Gründerzeit des Naturparks, das Braugersteprojekt, das derzeit aus verschiedenen
Gründen auf Eis gelegt ist, ist und bleibt ein Modellprojekt mit Zukunft. Insbesondere der flächenintensive
Anbau im Naturpark (mit bis zu 500 ha Maximum) war aktiver Wasserschutz, da der Braugersteanbau per
se extensiv ist.
Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Labelprodukte:
•
Aktualisierung der Lastenhefte (d.h. Anpassung der Auflagen an aktuelle Gegebenheiten),
Koordination und Durchführen von internen Kontrollen im Rahmen der Zertifikation
•
Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Produzenten (rationellere Zusammenarbeit)
und Beteiligung einer höheren Anzahl von Landwirten
•
Verbesserung des Marketings und des Vertriebs
•
Erhöhung der Transparenz in der Zusammenarbeit zwischen Naturpark und den verschiedenen
Verantwortlichen der Labelprodukte
•
Überprüfung der Möglichkeiten zur Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Produkte oder
Dienstleistungen speziell in der Naturparkregion (z.B. ein regionales Brot, Schaffung von regionalen
Spezialitäten)
Die Zusammenarbeit mit neuen Akteuren kann dabei ein Schlüssel zum Erfolg sein. Eine Möglichkeit besteht
in der Intensivierung der Kooperation mit den Restaurateuren („Gourmet vum Séi“) oder der Bäckerei „vum
Séi“. Hier muss das Label der „vum Séi“ Produkte weiter ausgebaut werden. Möglich wäre z.B. der Anbau von
Brotroggen oder Dinkel für die Bäckerei, Anbau von Braugerste für die Brauerei Simon, Anbau von Pflanzen
zur Ölproduktion (Lein, Mohn, …). Die Erweiterung des Naturpark kann in diesem Sinn ein Mehr an Kunden
und Abnehmern bedeuten. Die Veredelung oder Weiterverarbeitung in der Region ist anstrebenswert,
um die Produktpalette aus der Region zu erweitern und um Arbeitsplätze vor Ort zu generieren.
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Weiterentwicklung des Regionalen Marketings
nach außen
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7.3.7. Prüfung und Förderung eines umweltverträglichen Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen
a. Prüfung und Förderung eines umweltverträglichen Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen
Ein weiteres Standbein kann der Anbau und die Vermarktung von nachwachsenden Rohstoffen sein.
Der Anbau von Pflanzen zur Biogasproduktion, zu Heizzwecken oder anderen Zwecken (Rohstoffe
für biologisch abbaubare Produkte) kann eine Option sein5, wenn er Nachhaltigkeitskriterien gerecht
wird und nicht zu unerwünschten, negativen Effekten führt. Dies erfordert zunächst den Aufbau von
entsprechenden Kompetenzen und Erfahrungswerten. Da zudem derzeit keine weiterverarbeitenden
Betriebe in der Region oder sogar im Land existieren, muss man sich bestehenden Initiativen anschließen
respektive mit Partnern zusammenarbeiten. In diesem Sinne kann der Rückgriff auf das Netzwerk der
Naturparke in der Großregion ein wichtiger Weg sein.
Maßnahmen dazu sind:
•
Erstellung von Machbarkeitsstudien zu einzelnen Rohstoffen
•
Besichtigungen von Projekten im Ausland
•
Suchen von Projektpartnern
•
Durchführung eines Pilotprojektes
7.3.8. Sensibilisierung für einen kooperativen Wasserschutz
a. Sensibilisierung für einen kooperativen Wasserschutz
Ein zusätzliches Standbein für landwirtschaftliche Betriebe können weitergehende Dienstleistungen im
Zusammenhang mit dem Wasserschutz sein (Kooperativer Wasserschutz). Das Prinzip besteht darin,
dass die Landwirte eine finanzielle Unterstützung von Seiten des Wasserversorgers für vertraglich
festgehaltene Auflagen in punkto Wasserschutz erhalten. Diese Auflagen werden über die gute fachliche
Praxis hinaus festgelegt, müssen per Messungen oder per Überprüfung belegt werden und haben als
Ziel, wasserschonende Praxen der Landwirte zu entlohnen. Das Geld stammt aus einem Fonds, den die
Wasserversorger speisen. Er erlaubt den Landwirten den Ertragsausfall, der ihnen durch die angenommenen
Auflagen entsteht, auszugleichen. Diese Art Kooperation besteht seit mehr als 20 Jahren in vielen
deutschen Bundesländern, unter anderem in Nordrheinwestfalen (z.B. Wahnbachtalsperre) oder in Bayern.
Der Naturpark kann in diesem Zusammenhang dazu beitragen, diesen Ansatz in der Region zu fördern,
respektive auch durch den Ausbau der landwirtschaftlichen Beratung und durch das durchzuführende
Monitoring eine solche Kooperation unterstützen. Maßnahmen dazu sind:
•
Gespräche mit SEBES
•
Abstimmung mit bestehenden Programmen bzw. Förderstellen
•
Definition des speziellen Programms
Zum Beispiel wäre der Anbau von Miscanthus (Kohlendioxid-bindende und wasserschonende Kultur) eine interessante Alternative, da es
vor Ort schon Personen gibt, welche eine Erntemaschine und Pflanzmaschine gebaut haben (und diese Arbeiten auch schon als Lohnunternehmer anbieten), und das Endprodukt Miscanthus vermarkten.
5
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Operationelles Ziel: Förderung eines positiven Images der Landwirtschaft in der
Naturparkregion
Dazu sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
7.3.9. Darstellung der positiven Auswirkungen einer wasser- und umweltschonenden
Landwirtschaft auf Trinkwasser und Umwelt
a. Darstellung der positiven Auswirkungen einer wasser- und umweltschonenden
Landwirtschaft auf Trinkwasser und Umwelt
Die landwirtschaftliche Beratung im Naturpark Obersauer hat mit ihren Angeboten dazu beigetragen,
dass die Stauseeregion heute ein Vorzeigebeispiel in punkto wasser- und umweltschonender
Landwirtschaft ist. Dieser Weg soll auch in Zukunft beibehalten werden.
So sind in der Stauseeregion zu beobachten:
•
Eine höhere prozentuale Teilnahme an der Düngeplanung und an den Bodenanalysen im Vergleich
zu anderen Regionen des Landes
•
Hohe Teilnahme an den verschiedenen Agrarumweltprogrammen
Die Darstellung der positiven Auswirkungen und der Vorreiterrolle soll durch folgende Maßnahmen
erfolgen:
•
Reportagen auf lokalen TV- und Radio-Sendern
•
Pressecommuniqués,...
„Wasserschutz-Award“
Weiterhin müsste regelmäßig (jedes Jahr z.B.) eine Art Belohnung oder Fest/Manifestation geschaffen
werden, um den Betrieb auszuwählen und auszuzeichnen, der am „wasserschonendsten“ gearbeitet hat.
Diese Art „Wasserschutz-Award“ oder „Wasserschutz-Preis“ würde das Selbstwertgefühl der Betriebsleiter
erhöhen und Vorbildwirkung für andere Betriebe haben.
> QV: Regionales Marketing – Operationelles Ziel: Verbesserung des regionalen Marketings nach
innen (Bevölkerung, Gemeinden)
7.3.10. Positionierung des Naturparks als gentechnikfreie Region
a. Naturpark als gentechnikfreie Region
Der Naturpark und seine Organe setzen sich dafür ein, dass die Naturpark-Region gentechnikfrei bleibt.
Maßnahmen um dieses Ziel zu erreichen sind einerseits die Beratung der Landwirte und andererseits eine
allgemeine Sensibilisierung zu diesem Thema in den Schriften und Aussendungen des Naturparks.
91
8. Szenario zusätzlicher Projektmanager
Im Laufe des Erarbeitungs- und Evaluierungsprozesses der vorliegenden Etude Detaillée, wurde aus den
vorherigen Kapiteln eine Zuweisung von Projekten der Kategorien „hohe Priorität“ und „Kontinuität“ heraus
gefiltert, die mittelfristig über eine neu zu schaffende Stelle im Bereich des Projektmanagements in den
kommenden Jahren umgesetzt werden könnten.
Betroffen sind die Arbeitsschwerpunkte „Koordination und Vernetzung“, „regionales Marketing“ und vor
allem „Tourismus“.
Dabei wird unterschieden zwischen kompletten Projekten und Projekten bei denen der neue Projektmanager
einen Teil der Aufgaben übernehmen könnte.
8.1. Komplette Projektbetreuung durch den Projektmanager
8.1.1 Arbeitsschwerpunkt Koordination und Vernetzung
Im Arbeitsschwerpunkt Koordination und Vernetzung soll der Projektmanager beispielsweise Aufgaben
bei der Koordination, Entwicklung oder Begleitung von Planungsinstrumenten und Konzepten zur
nachhaltigen Regionalentwicklung und räumlichen Planung übernehmen und hierbei insbesondere das
Projekt:
a. Förderung einer besseren Koordination von kommunalen
Flächennutzungsplänen, Dorfentwicklungsplänen und Schaffung von Synergien
bei regionalen Infrastrukturen
Die Siedlungsentwicklung im Naturpark wird auf kommunaler Ebene im Rahmen der Erstellung der
kommunalen Flächennutzungspläne mittel- bis längerfristig geplant und rechtsverbindlich festgelegt.
Die Erarbeitung der genannten Pläne beruht auf vorbereitenden Studien welche in der Gesetzgebung
vorgesehen sind (Etude Préparatoire) und auf informellen Planungen, wie z.B. Dorfentwicklungsplänen. Auf
staatlicher Ebene befinden sich des Weiteren die 4 sektoriellen Leitpläne (Plans sectoriels) auf Grundlage
des Landesplanungsgesetzes in der Genehmigungsprozedur welche einen Rahmen für die zukünftige
Entwicklung auf kommunaler und regionaler Ebene darstellen werden.
Um in der Region mittel- und längerfristig eine zwischen den Gemeinden, und auch dem Staat, koordinierte,
Siedlungsentwicklung sicherzustellen, welche sich harmonisch in das Landschaftsbild des Naturparks
integriert, soll der Naturpark als Austausch und Koordinationsplattform dazu beitragen, dass eine
Entwicklungsperspektive für die räumliche Entwicklung in der Region entsteht, welche den Ansprüchen
einer kohärenten und nachhaltigen Raumplanung gemäß dem Programme Directeur d’Aménagement du
Territoire von 2003 im ländlichen Raum gerecht wird.
Daneben wird unter dem gleichen Arbeitsschwerpunkt Potenzial gesehen im Bereich der Aufarbeitung
von Grundlagendaten und planungsrelevanten Informationen für die Gemeinden und die Region:
b. Weiterentwicklung der Internetplattform zur Verfügungstellung von Informationen
Neue Kommunikations- und Informationstechnologien wie Web-GIS-Anwendungen, Geodatenbanken,
GPS-Nutzung oder auch Smartphones tragen erheblich zur Speicherung, Aktualisierung und Verwendung
von Daten bei. Ein direkter Zugang zu einer stets aktuellen Datengrundlage kann die Arbeit vor Ort und in
den Gemeinden erleichtern und verschiedene Zielgruppen ansprechen.
c.
Anlegen von Datenbanken für Fotos, Studien, etc.
Im Laufe seiner Existenz hat der Naturpark eine Reihe von Daten erhoben und bearbeitet. Angesichts neuer
gesetzlicher Anforderungen und dem immer grösser werdenden Bedarf an planungsrelevanten Daten, ist
es unerlässlich, eine Datenbank für Fotos, Studien und weitere Informationen anzulegen. In Zeiten neuer
Kommunikations- und Informationstechnologien wird so ein Beitrag zur Datenlagerung, Datenpflege und
zum Datenaustausch geleistet.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
> QV: Natur- und Landschaftsschutz – Operationelles Ziel: Naturpark als Kompetenzzentrum für Natur
und Landschaft in der Region
> QV: Tourismus – Operationelles Ziel: Verbesserte Gästebetreuung für Naturparkrelevante
Veranstaltungen und Themen sowie verbesserte Kooperation und Marketing
Gleichermaßen könnte der Projektmanager im Bereich der Organisation von Beratungsdienstleistungen
und Weiterbildungsangeboten in Zusammenarbeit mit anderen Partnern in naturparkrelevanten
Bereichen tätig werden, vor allem bei folgendem Projekt:
d. Besichtigung von Beispielprojekten sowie Organisation von Studienreisen
Um den Erfahrungsaustausch in der Region zu fördern, sollen zu ausgewählten Themen Beispielprojekte
besichtigt und Studienreisen organisiert werden. Vergleichbare und neue Projekte können neue Impulse
setzen und Ideen für die Organisation sowie die Durchführung im Naturpark liefern.
8.1.2 Arbeitsschwerpunkt Tourismus
Im Arbeitsschwerpunkt Tourismus wird unter dem operationellen Ziel Verbesserte Gästebetreuung für
Naturparkrelevante Veranstaltungen und Themen sowie verbesserte Kooperation und Marketing die Stärkung
von Kooperation und Koordination der touristischen Akteure in der Region angestrebt. Hierbei wird
folgende Maßnahme beim Projektmanager gesehen:
a. Touristenfreundliche Packages in der Naturparkregion
Das Ortal hat sich zum Ziel gesetzt, neue Angebote auszuarbeiten, bestehende Angebote zu bündeln,
Packages anzubieten und sie verbraucherfreundlich zu kommunizieren. Der Naturpark soll auf diesem
Gebiet in Zukunft weiterhin eng mit dem Ortal zusammenarbeiten, um diesbezüglich eine kohärente und
zielgruppenspezifische Bündelung von Angeboten vorzubereiten und anbieten zu können.
Unter dem Punkt Impulse setzen für neue, komplementäre touristische Angebote im Einklang mit den
Naturparkzielen finden sich mehrere Maßnahmenbereiche, die im Folgenden beschrieben werden:
Die Quest-Studie (2008) und der Masterplan des ORT schlagen vor, dass neue Angebote besonders folgende
Komponenten haben sollen. Sie sollten:
•
den Entdeckerinstinkt der Besucher befriedigen
•
den Besucher unter Anleitung zu neuen Aktivitäten bringen (Besoin d’initiation)
•
starke Gefühle hervorrufen, es ihm ermöglichen neue Kontakte zu knüpfen
•
Naturerlebnisführungen für spezielle Zielgruppen anbieten
b. Erlebnisorientierte Aufwertung des bestehenden touristischen Angebotes
in der Naturparkregion
Projektideen, die vom Naturpark angeregt werden können und die diesen Komponenten entsprechen,
bestehen einerseits in einer erlebnisorientierten Aufwertung und konsequenteren Durchführung der
bestehenden Angebote und andererseits in der Ergänzung durch neue Angebote.
Beispielhafte Impulse wären:
•
Entdecken des Naturparks: Geocaching (Schatzsuche per GPS), Wiederentdeckung der Sinne,
Fotorundwege oder geführte Fototouren, Ferien auf dem Bauernhof (aktive Teilnahme am Leben),
Verleih von E-Bikes an verschiedenen Orten in der Region
•
Neue Aktivitäten unter Anleitung: geführte Biketouren (Rennrad oder Mountainbike), geführte
Reittouren, GPS geführte Touren, Wander-„App“ für das I-Phone, Naturcamps, Wildcamping usw.
•
Starke Gefühle hervorrufen: Eselwandern, Downhill Mountainbike Trail, Rundweg der mythischen
Orte (Ausbau des Legendenwegs mit emotionalen Führungen und Animationen), Survival Trainings,
Dropping, Fackelzug zum Schloss, Freilicht-Kino usw.
93
•
Naturpark-Erlebnisführungen für besondere Zielgruppen (Wandern 50+, für Familien mit
Kindern, für Kinder alleine: „4 am Revéier “, Magazin für neugierige und vielseitig interessierte
Entdecker ab 8 Jahren, www.4amreveier.lu)
•
Spezial-Thema Wasser:
>
Wasser-Informationszentrum/WasserSchule (in Zusammenarbeit mit dem SEBES),
Wasserspielpark, Planschbecken am Séizenter Ënsber, Wasser-Fototour (schöne Aussichtspunkte
oder geheime Tipps), Schatzsuche Wasser, Animation „mit allen Sinnen das Wasser erleben“
(Geschmack, Kraft usw.)
> Geführte Wanderungen rund um den See (z.B. mit Ranger), geführte Radtouren rund um den
See, geführte Kanuwanderungen oder individuelles Wasserwandern (mit Infos und Material
im Wasserrucksack, Kanu-Vermietung), Segelboot aus Holzplanken selbst bauen (auch als
Teambuildinginitiative), Mondlicht-Wanderung am See (im Nebel), usw.
> Karneval am Wasser (Spiele, Basteln von Wasser-Tier-Verkleidungen), Lange Nacht am See
(Wanderung mit Stirnlampe), Fährtenjäger (Ufer-Spurensuche), der Fischotter und das nasse
Element (physikalische Eigenschaften des Wassers und wie sie der Fischotter nutzt) usw.
> Panoramaturm (Aussichtsturm mit Blick auf den See)
> QV: Umweltbildung – Operationelles Ziel: Regionale Natur, Kultur und deren Zusammenhänge
für Groß und Klein erlebbar und begreifbar machen
c.
Impulse setzen für Schlechtwetteraktivitäten und Indoor
Auch wenn die Besucher generell die Aktivitäten in der freien Natur bevorzugen, soll das Angebot an
Schlechtwetteraktivitäten verbessert werden. Laut Quest-Studie zieht es viele Besucher bei Schlechtwetter
z.B. nach Bitburg ins Aquazentrum. Zudem würden in der Region Bierbrauseminare, Indoorspielplatz und
Bowling Fuussekaul, als positiv empfunden. Besonders groß ist, laut Quest (bestätigt durch die Studie Den
Tourist am Bléckpunkt), der Mangel an Indooraktivitäten für Kinder und Jugendliche. Auch ist zum Beispiel
die Nachfrage nach überdachten Picknickplätzen für Touristengruppen und Schulklassen im Naturpark
hoch.
Hier können die bestehenden Einrichtungen bzw. die Projekte der Gemeinde Wiltz wichtige Impulse
darstellen:
•
beheiztes Freibad (Kaul) in Wiltz
•
Projekt eines Kletterparks auf dem Turm der ehemaligen Industriebrachen in Wiltz
•
Projekt einer Indoor Adventure Minigolf Anlage geplant, sowie eines Indoor Golf Simulator in
Eschweiler
d. Impulse setzen für barrierefreie Angebote
Weltweit wird geschätzt, dass eine Person von zehn eine Behinderung hat. Generell ist der Begriff
„Barrierefreies Reisen“ deshalb ein wichtiges Thema, das vom Naturpark vermehrt aufgegriffen
werden soll (Wanderwege, Badestellen, Solarboot usw., gezielte Bündelung dieser Angebote). Denn
behindertengerechte Angebote sprechen nicht nur ein wirtschaftlich relevantes, neues Klientel an (die
Behinderten selbst, die immer mehr reisen), sondern vereinfachen automatisch auch anderen Zielgruppen
wie Familien mit Kindern (Kinderwagen) und Senioren das Leben (Zugänglichkeit der Wanderwege,
Informationen in ausreichend großer Schrift, Bänke zum Ausruhen usw.). Wichtig hervorzuheben ist hier,
dass die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur dazu führen, dass das touristische Segment der
Senioren, also die Generation 50+, in Zukunft das höchste Entwicklungspotenzial hat. Dieses Segment wird
den Reisemarkt in Zukunft demnach entscheidend prägen. Es gilt allerdings zu beachten, dass Maßnahmen
zur Barrierefreiheit bereits bei der Planung angedacht werden sollen, um die zusätzlichen Kosten gering zu
halten. Dieses Thema wird auch in der nächsten LEADER Periode angesprochen.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
e. Impulse setzen für die Weiterentwicklung der Hotel- und Beherbergungsinfrastruktur
in der Region
Unterkunft und Gastronomie bilden die Basis des touristischen Angebotes der Region. Jedoch sind die
Ansprüche der modernen Reisenden höher als je zuvor. Bestimmte Standards werden als selbstverständlich
vorausgesetzt.
Die Entwicklung in der Region zeigt in den letzten Jahren eine starke Abnahme der Zahl der Hotelzimmer.
Dahingegen gibt es immer noch eine große Kapazität an Campingplätzen.
Die Quest- Studie stellte fest, dass viele Beherbergungsbetriebe mittelfristig zum Scheitern verurteilt
sind, weil sie den grundlegenden Qualitätsstandards nicht entsprechen. Fehlender Unternehmergeist
und erschwerte Suche nach einem qualifizierten Nachfolger verhindern notwendige Investitionen.
Hervorzuheben ist jedoch, dass einige Betriebe in der Region auch bereits in die Zukunft investiert haben,
durch Um- oder Ausbau (z.B. Jugendherberge Lultzhausen, Heuhotel Toodlermillen, Camping Fuussekaul,
usw.).
Die in der Region bestehenden strukturellen Probleme sind jedoch nicht naturparkspezifisch sondern
müssen auf vielen Ebenen, u.a. national, angepackt werden. Der Naturpark kann in diesem Bereich
ausschließlich Impulse setzen, so dass Betriebe den Naturpark als Chance anerkennen, in Zukunft
vermehrt auf naturparkspezifische Werte setzen und sich als Naturpark-Partnerbetriebe auszeichnen (z.B.
durch Aus- und Weiterbildung, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Guichet Unique PME). Ein Impuls
könnte die Anregung zur umweltorientierten Arbeit sein (z.B. Ecolabel). Darüber hinaus soll der Naturpark
die Betriebe dazu anregen, regionale Produkte anzubieten und Informationen über den Naturpark an ihre
Kunden zu verteilen (z.B. „Gourmet vum Séi“).
Schlussendlich sind durch den Beitritt von Wiltz auch die Potenziale und Stärken des Angebotes der Hotelund Tourismusmanagementschule im Wiltzer Schloss für diese Maßnahme von Bedeutung.
8.2. Hilfestellung des Projektmanagers bei der Ausführung von Projekten
Die folgenden Projekte sind inhaltlich komplett in den Kapiteln IV.2 und IV.6 beschrieben. An dieser Stelle
findet eine Beschreibung der Aufgaben statt, die der Projektmanager bei diesen Maßnahmen übernehmen
würde.
Im Arbeitsschwerpunkt Regionales Marketing soll der Projektmanager bei dem folgenden Projekt
Aufgaben übernehmen:
8.2.1 Organisation und Koordination spezieller Naturparkevents als Brücke zwischen Kultur,
Tourismus und der Region als Wirtschafts- und Lebensraum
a. Leitprojekt Regionale Großveranstaltungen/ Events – Naturpark als Projektträger
oder wichtiger Partner
Der Projektmanager unterstützt die Projektleitung bei der Organisation und dem Ablauf des Projektes,
bei der Koordination mit den regionalen Akteuren und Vereinen, bei logistischen Aufgaben sowie beim
Marketing.
Im Arbeitsschwerpunkt Tourismus wird eine Hilfestellung des Projektmanagers bei folgenden Projekten
gesehen:
8.2.2 Kompetenter Empfang und Betreuung von Touristen in der Region
b. Leitprojekt Aufbau eines kohärenten Netzes von Besucherempfangs- und Informationsstellen
Bei diesem Projekt übernimmt der Projektmanager (zusammen mit der Direktionsbeauftragten) die
Konzeptentwicklung und er koordiniert und begleitet die Ausführung.
95
8.2.3 Förderung eines naturerlebnisorientierten Wander-, Rad-, Reittourismus
a. Sicherstellen des Unterhalts der Angebote
Hier soll der Projektmanager beim Unterhalt der fünf thematischen Wege des Naturparks Hilfestellung
geben.
b. Entwicklung von betreuten Naturerlebnisprogrammen in der Region
Hier soll der Projektmanager sich der inhaltlichen Konzeption der Naturerlebnisführungen, die auf den
Campingplätzen der Naturparkregion angeboten werden, annehmen und die Koordination übernehmen.
8.2.4 Behutsame Inwertsetzung des Stausees für die Naherholung und den wassergebundenen
Tourismus
a. Impulse setzen für neue naturparkspezifische Angebote am und der
Identifikation der Gemeinden (u.a. auch Wiltz) mit dem Stausee
Dem Projektmanager kommt eine Hauptaufgabe in der konzeptionellen Ausarbeitung dieser Maßnahme
zu, wie bspw. der Ausbau des Angebotes des Solarboots (neues Programm für Kinder, usw.) oder das Thema
(geführte) Kanufahrten.
b. Leitprojekt Wasserspielpark
Beim Leitprojekt Wasserspielpark hat der Projektmanager die Aufgabe die Attraktion konzeptionell weiter
zu entwickeln und die Betreuung der Gemeinde zu übernehmen.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
97
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
V.Sensibilisierung
der Bevölkerung für den Naturpark und seine Aktivitäten
Conformément à la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels l’art. 6 étude détaillée:
c) une description des moyens qui sont mis en œuvre pour intéresser la population à la gestion du parc ;
Im Bereich der Sensibilisierung der Bevölkerung des Naturparks geht es einerseits um die
Bewusstmachung des Naturparks und seiner inhaltlichen Ausrichtung an sich und andererseits auch
um das Bewusstmachen für bestimmte Themen des Natur- und Umweltschutzes bzw. einer nachhaltigen
Entwicklung. Der zweite Aspekt wird im Detail in den Arbeitsschwerpunkten regionales Marketing bzw.
Umweltbildung behandelt.
An dieser Stelle sollen schwerpunktmäßig die Ansätze und Maßnahmen zur verstärkten Einbindung und
Beteiligung der Bevölkerung am Naturpark dargelegt werden. Zielsetzung ist es die Bevölkerung für die
Arbeit zu interessieren um damit eine möglichst hohe Identifikation mit dem Naturpark zu erreichen und
sicherzustellen, so dass der Naturpark von möglichst vielen Personen mitgetragen wird. Bewusstsein für
den Naturpark oder bestimmte Themen kommt nicht von heute auf morgen, sondern ist meist nur durch
konsequente Aktivitäten in verschiedenen Bereichen (z.B. durch Sichtbarkeit des Naturparks, Informationsund PR-Arbeit, Umweltbildungsmaßnahmen, Veranstaltungen, Integration der Bevölkerung in die konkrete
Naturparkarbeit) zu erreichen.
Wie in vielen Bereichen, so ist auch im Bereich der Sensibilisierung der Erfolg von der Abstimmung der
Maßnahmen auf die jeweiligen Zielgruppen abhängig. Es macht einen Unterschied, ob man politisch
Verantwortliche, Wirtschaftstreibende, Landwirte oder Jugendliche für die Naturparkidee begeistern
möchte. Jede Zielgruppe braucht eigene Zugangsstrategien, obwohl es natürlich auch allgemeine
Erfolgskriterien für Sensibilisierungsmaßnahmen gibt.
Ein wesentliches Erfolgskriterium für erfolgreiche Sensibilisierung ist die bewusste Miteinbeziehung
der Bevölkerung in die Naturparkidee und -arbeit. Miteinbeziehen bedeutet neben einer strukturellen
Verankerung der Akteure in der Naturparkorganisation die konkrete Einbindung bzw. Mitarbeit der
Bevölkerung bei der Findung von Projektideen, bei deren Konzeption und auch bei deren Umsetzung. Je
besser dies bei den verschiedenen Zielgruppen gelingt, desto eher werden sie sich mit dem Naturpark
identifizieren. Der Naturpark kann diesen Prozess durch unterschiedliche Methoden und Maßnahmen sehr
aktiv gestalten. Als Beispiel sei hier die gelungene Open Space Veranstaltung Ende 2007 in Heiderscheid
genannt.
Ein weiterer Erfolgsbaustein im Sinne einer erfolgreichen Sensibilisierung ist eine gezielte Informationsund Öffentlichkeitsarbeit, die die jeweiligen Zielgruppen anspricht und erfolgsversprechende
Kommunikationskanäle nutzt.
Folgenden Zielsetzungen sind im Bereich Sensibilisierung anzustreben:
•
Strukturelle Integration von relevanten Akteuren im Naturpark
•
Sichtbarkeit des Naturparks – einheitliche Darstellung des Naturparks nach innen und außen
•
Tuchfabrik als zentraler Kristallisationspunkt und Informationsstelle zum Naturpark
•
Regionales Marketing sowie zielgruppenspezifische Informations- und Öffentlichkeitsarbeit
•
Integration der Bevölkerung in die konkrete Projektarbeit des Naturparks
•
Durchführung von Projekten, die der Bevölkerung die Arbeit des Naturparks bewusst machen
Strukturelle Integration von relevanten Akteuren in den Naturpark
Das Naturparkgesetz sieht die Bildung eines beratenden Gremiums für den Naturpark vor. Dieses
Gremium soll sich aus Vertretern der lokalen Bevölkerung, lokalen und regionalen Interessegruppen sowie
Vereinigungen, die im Interesse des Naturparks arbeiten, zusammensetzen. Dieses Gremium wird wie
schon in der letzten Periode in Form eines Beirates (Commission consultative) in die Naturparkorganisation
integriert. Ein regelmäßiger Austausch mit den Naturparkverantwortlichen soll sichergestellt werden.
Im Sinne einer möglichst breiten Verankerung ist eine Ernennung der Mitglieder nach ausgewogenen
regionalen und inhaltlichen Gesichtspunkten anzustreben.
99
Sichtbarkeit des Naturparks – einheitliche Darstellung des Naturparks nach innen
und außen
Ein wesentlicher Punkt um sich mit etwas identifizieren zu können ist die Wiedererkennbarkeit; dies
bedeutet für den Naturpark die konsequente einheitliche Darstellung als „Naturpark Obersauer“ mit eigener
visueller Identität in Form einer Corporate Design Linie mit Logo, Schriftzug usw. sowohl nach innen als
auch nach außen. Nur wenn man bei den Aktivitäten des Naturparks immer wieder diese optischen Zeichen
sieht, wird man langfristig automatisch den Zusammenhang mit dem Naturpark herstellen. Ebenfalls
zur Visualisierung beitragen kann ein durchgängiges Beschilderungssystem, sowohl bei den größeren
Ortseinfahrten als auch bei den naturparkrelevanten Attraktionen. Inwieweit der Naturpark tatsächlich von
den Einheimischen und Gästen wahrgenommen wird, bzw. welche Aktivitäten hier besonders wirken, soll
in Form von Meinungsumfragen festgestellt werden.
Tuchfabrik als zentraler Kristallisationspunkt und Informationsstelle zum
Naturpark
Ein wichtiger Punkt im Sinne der Sensibilisierung ist auch eine kompetente Informations- und
Auskunftsstelle, die sowohl für Besucher als auch Einheimische zur Verfügung steht. Hier kann man alle
relevanten Informationen zum Park und dessen Angebot erhalten. Die mit dem kulturellen Erbe der Region
verbundene Tuchfabrik hat sich als zentraler Anlaufpunkt bewährt und bietet zudem die Gelegenheit – im
Sinne von Ausstellungen bzw. des Gebäudes an sich – die Region näher kennen zu lernen. Wichtig dabei ist,
dass diese Informationsstelle den Kundenbedürfnissen entsprechend besetzt ist.
> Querverweis Tourismus/regionales Marketing
Regionales Marketing sowie zielgruppenspezifische Informations- und
Öffentlichkeitsarbeit
Regionale Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit sind eine Basis für eine erfolgreiche Sensibilisierung; als
Instrumente dazu dienen die Naturparkzeitung, die Gemeindezeitungen, die Naturpark Homepage,
diverse Informationsbroschüren, Veranstaltungen, neue Formen wie GPS-unterstütze Informationen sowie
kontinuierliche Medien- und Pressearbeit. Im Naturparkleitbild ist diesem Thema ein eigener Schwerpunkt
gewidmet, darin finden sich auch die konkreten Zielsetzungen und Maßnahmen.
Integration der Bevölkerung in die konkrete Projektarbeit des Naturparks
Dies ist sicherlich die effizienteste Form der Sensibilisierung; je mehr jemand persönlich von einer Sache
betroffen ist, desto eher wird er sich damit identifizieren. Von Seiten des Naturparks können hier mehrere
Maßnahmen getroffen werden um die Bevölkerung zu integrieren. Als Beispiel für die Ideenfindung und
Aktivierung hat sich die Open Space Methode in vielen Regionen als sehr erfolgreich herausgestellt. Für den
Naturpark ist eine diesbezügliche Veranstaltung ca. alle fünf Jahre zielführend.
Für die Konzeption und Beteiligung bei der Umsetzung sind wie oben erwähnt natürlich spezielle
Zielgruppen anzusprechen. Projektspezifische Arbeitsgruppen können dazu dienen in Zusammenarbeit
mit den Akteuren Projekte neu zu entwickeln, zu vertiefen oder auch zu evaluieren. Dies wird bei einigen
Projekten leichter fallen bzw. ist naturgemäß der Fall (Bsp. Düngepläne), bei anderen sind bewusste
Zugangsstrategien z.B. in Form von persönlichen Gesprächen notwendig. Als vorteilhaft erweisen könnte
sich hier auch ein small-project fund, der mit geringen finanziellen Mitteln des Naturparks im Sinne der
Sensibilisierung positiv wirken kann.
Durchführung von Projekten, die der Bevölkerung die Arbeit des Naturparks
bewusst machen
Bewusstsein für den Park wird auch durch Aktionen für die Naturparkbevölkerung und konkrete
Projektarbeit geschaffen, wobei hier vor allem Projekte im Sinne des Natur- und Umweltschutzes, bzw.
Umweltbildungsmaßnahmen genannt sind:
Spezielle Aktivitäten für die Bevölkerung
Um die Bevölkerung besser in den Naturpark zu integrieren soll auf Aktivitäten gesetzt werden, wo
bewusst die Einheimischen in den Mittelpunkt gestellt werden. Beispiele dazu sind „Tage der offenen
Tür“, Diskussionsrunden zu aktuellen naturparkrelevanten Themen, oder Veranstaltungen, die mit dem
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Naturparknamen versehen werden und diese Zielgruppe ansprechen (Bsp. Naturparkwanderung). Ein
weiterer in anderen Naturparken sehr positiv wirkender Punkt sind spezielle Naturparkfeste, bei dem ein
regionales Fest diesen Namen bekommt und gleichzeitig der Naturpark die Möglichkeit hat sich dabei zu
präsentieren.
Umsetzung spezieller Projekte im Sinne des Natur- und Umweltschutzes
Eine wesentliche Säule des Naturparks ist der Natur- und Umweltschutz; hier wurden schon in der
letzten Periode des Naturparks unterschiedliche Maßnahmen durchgeführt, die schon sehr viele
Sensibilisierungselemente in sich trugen z.B. Eau‘tomobile, Solarboot usw. Diese erfolgreichen Aktivitäten
weiter zu führen ist eine sehr wichtige Maßnahme im Bereich der Sensibilisierung. Neben den oben
genannten Beispielen sind in den Bereichskapiteln viele Maßnahmen aufgezählt, die ebenfalls positiv
wirken werden.
Erstellung von Umweltbildungsangeboten
Auch im Bereich der Umweltbildung gibt es große Möglichkeiten sowohl Einheimische als auch Gäste
für bestimmte Themen zu sensibilisieren. Wobei auch hier gilt, dass Bewusstsein nicht von heute auf
morgen kommt, sondern dass es dazu meist prozesshafter Geschehnisse und Lernprozesse oft über
Generationen hinweg bedarf. Auch hier gilt es die Informationen auf bestimmte Lebensbereiche und
Zielgruppen abzustimmen. Besonders erfolgreich haben sich in anderen Naturparkregionen Natur- und
Landschaftsführungen entwickelt, wo im Sinne einer erlebnisorientierten, spannenden Natur- und
Kulturvermittlung die Region vorgestellt wird. So kann sowohl bei Einheimischen als auch Besuchern
Interesse für die Vorgänge in der Natur geweckt werden, andererseits kann sich der Naturpark als moderne,
aufgeschlossene Bildungsorganisation ins Rampenlicht setzen.
Diese Angebote sind vor allem auch deshalb eine Chance, da viele Naturparke nicht das spektakuläre
Naturerlebnis zu bieten haben, durch fantasievolle Angebote jedoch ihre Region spannend und attraktiv
vermittelt werden kann. Zusätzlich kann hier der Aspekt der Nachhaltigkeit d.h. die Berücksichtigung der
Wechselbeziehungen zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit bewusst vermittelt werden.
101
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
VI. Struktur und Finanzierung des
erweiterten Naturparks
1. Verwaltungsstruktur
Conformément à la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels l’art. 6 étude détaillée:
2 d) une estimation des dépenses de personnel, de fonctionnement et d’investissement nécessaires à la gestion du parc ;
3. le statut, la composition, les missions et les règles de fonctionnement des organismes chargés de l’administration et de la gestion du parc
1.1 Naturparkverwaltung ‘Service du Parc’ - Zusammensetzung,
Zuständigkeiten, Organisation
Die Zuständigkeiten, die Zusammensetzung und die Organisation der Naturparkverwaltung werden
im Artikel 17 des Naturparkgesetzes kurz behandelt; präzisiert werden diese Inhalte im Kapitel 3 der
Naturparkverordnung aufgrund derer der Naturpark erstmalig ausgewiesen wurde. (Règlement grand-ducal
du 6 avril 1999 portant déclaration du Parc Naturel de la Haute-Sûre). Diese Grundstruktur wird auch bei der
Erweiterung bestehen bleiben.
Demnach besteht die Aufgabe der Naturparkverwaltung (‘service du parc’) darin, die Beschlüsse des
Naturparkvorstands umzusetzen (Jahresprogramm-Aktionsplan – ‚plan de gestion annuel’) und die
Realisierung der vereinbarten Maßnahmen zu koordinieren. Der Aktionsplan wird jeweils auf der Grundlage
der Inhalte der Detailstudie festgelegt und aufgrund aktueller Begebenheiten erweitert.
Zur Umsetzung der verschiedenen Aufgaben hat der Naturpark Fachpersonal, Verwaltungspersonal und
technisches Personal eingestellt. Dieses wird nach dem Beitritt auch der Gemeinde Wiltz zur Verfügung
stehen.
Da der Naturpark in den unterschiedlichsten Entwicklungsbereichen der Region aktiv ist, ist das
Fachpersonal interdisziplinär zusammengesetzt und kann weit gefächerte Aufgabenbereiche im Rahmen
der Umsetzung der jährlichen Aktionspläne übernehmen:
•
das Vorschlagen von Prioritäten, in Bezug auf die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans/der
Detailstudie angeht,
•
die Umsetzung der Maßnahmen organisieren/koordinieren,
•
die Einwohner, Gemeinden, Vereine und Unternehmen in den jeweiligen Fachbereichen beraten.
Neben dem eigenen Fachpersonal, ist der Naturpark auf eine enge Kooperation mit bereits bestehenden
Strukturen bedacht, wie beispielsweise mit dem ORTAL, dem Guichet Unique, der Landakademie, Myenergy,
Leader oder Esilac.
Das Verwaltungspersonal ist einerseits für die finanztechnische Verwaltung und andererseits für das
interne (Verwaltung) und externe (Vorstand) Sekretariat zuständig.
Die Naturparkverwaltung wird durch eine(n) Direktionsbeauftragte(n) (‚chargé de direction’) geleitet, die
/der sich um folgende Aufgaben kümmert:
•
Umsetzung der Beschlüsse des Verwaltungsrates,
•
Naturpark-Geschäftsführung,
•
Leitung, Koordinierung und Überwachung der Aktivitäten der Naturparkverwaltung (‚service du parc’).
•
Projektentwicklung
Im Hinblick auf die Betreibung des Naturparkhauses in der Tuchfabrik in Esch-Sauer hat der Naturpark
technisches Personal mit folgenden Aufgaben eingestellt: Empfang, Verkauf von Produkten, Broschüren,
Instandhaltung des Gebäudes, des Museums und der Maschinen der Tuchfabrik.
Die Organisation der Verwaltung ist in der Naturparkverordnung definiert.
Um den Zielsetzungen der Detailstudie mittelfristig gerecht zu werden, besteht bereits folgender
Personalbestand mit den dazugehörigen Stundenkontingenten6:
6
Aufgelistet sind hier die reelien Stunden, die das Personal für Verwaltungs und Projektarbeit aufbringen kann
103
Szenario zusätzlicher Projektmanager
Die Schaffung neuer Posten hängt von vielen Faktoren ab
•
Anerkannter Bedarf
•
Finanzielle Mittel der Gemeinden
•
Möglichkeiten der Kofinanzierung auf staatlicher Ebene
•
Dynamik der Naturparkentwicklung
Für spezifische Aufgabenbereiche wäre es denkbar, dass Mitarbeiter seitens staatlicher Dienststellen zur
Verfügung gestellt werden (z.B. Betreuung von Naturklassen).
Die Arbeitsgruppe zum vorliegenden Dokument hat im Evaluierungsprozess fest gestellt, dass – auch
aufgrund der aktuellen finanziellen und personellen Ressourcen des Naturparks - bestimmte Projekte nur in
Angriff genommen werden können, wenn der Verwaltung mittelfristig ein zusätzlicher Projektmanager
zur Verfügung stehen wird. Diese Projekte sind in Kapitel IV.8 der Detailstudie beschrieben. Es handelt sich
dabei vor allem um Maßnahmen in den Arbeitsschwerpunkten Koordination und Vernetzung (Datenbanken
und Internetplattform, Abstimmung der PAG Planungen, Studienreisen), regionales Marketing (Organisation
der regionalen Großveranstaltungen) und vor allem des Tourismus (NP Packages, Impulse setzen für neue
Angebote, Indoor, Hotel- und Beherbergungsinfrastruktur, Info Points, Stausee). Diese Projekte würden den
neuen Projektmanager mit ungefähr 1050 Stunden beanspruchen. Dies entspricht in etwa einer 60% Stelle.
Bei der Schaffung einer 100% Stelle hätte der neue Projektmanager somit noch Kapazitäten bei Projekten
aus den anderen Kategorien tatkräftig mit zu wirken.
Bestehende Humanressourcen der Stadt Wiltz
Bei spezifischen Naturparkprojekten ist die Inanspruchnahme der Humanressourcen der Stadt Wiltz
ebenfalls denkbar. So könnte bspw. der Citymanager bei Projekten, bei denen das Marketing eine
große Rolle spielt bzw. bei Schwerpunktprojekten für Wiltz, entsprechende Aufgaben für den Naturpark
übernehmen. Im Gegenzug hierzu, könnte die Naturparkverwaltung administrative Aufgaben für die Stadt
Wiltz übernehmen (bspw. im Rahmen von Subventionsanträgen) oder die Gemeinden einigen sich über
einen entsprechenden Finanzierungsschlüssel.
1.2 Naturparksyndikat - ,Syndicat pour l’aménagement et la gestion du parc
naturel de la Haute-Sûre’
Mit der offiziellen Erweiterung des Naturparks wird durch die abgeänderte Naturparkverordnung ein
erweiterter Zweckverband bzw. dessen Verwaltungsrat mit der Verwaltung des Naturparks betraut.
Mitglieder des ‚Syndicat pour l’aménagement et la gestion du parc naturel de la Haute Sûre’ sind
Vertreter der 5 Gemeinden und verschiedener Ministerien.
Die Vertreter der Ministerien sind wie nach Art. 5.1 der Statuten wie folgt festgeschrieben:
•
un par le Ministre ayant l’Agriculture dans ses attributions ;
•
un par le Ministre ayant l’Aménagement du Territoire dans ses attributions ;
•
un par le Ministre ayant l’Environnement dans ses attributions ;
•
un par le Ministre ayant le Tourisme dans ses attributions ;
•
un par le Ministre ayant la Gestion de l’Eau dans ses attributions ;
Der Vorsitz des Verwaltungsrates des Syndikats wird von einem kommunalen Vertreter bekleidet. Die
Satzung (‚Statuts’) regelt die Zusammensetzung, Funktionen und Kompetenzen des Naturpark-Syndikats
bzw. seines Verwaltungsrats.
Dem Naturparkvorstand wird eine beratende Kommission (‚commission consultative’) beigeordnet, die
sich aus lokalen Vertretern verschiedener Interessensgruppen zusammensetzt. Die beratende Kommission
ist ein Organ, mit dessen Hilfe die Interessen der lokalen Bevölkerung im Naturpark berücksichtigt werden
können.
Carrière supérieure
Carrière moyenne
Carrière de l‘ouvrier
ELSEN Frank
100%-Stelle
1720 h/Jahr
Landwirtschaftsberater
Landwirtschaft
Empfang
EVERAD Sjoukje
60%-Stelle
1032 h/Jahr
THOMMES Patrick
50%-Stelle
860 h/Jahr
Projektmanager
Tourismus
Sekretärin
WEILER Tessy
50%-Stelle
860 h/Jahr
KRIPPEL Yves
100%-Stelle
1720 h/Jahr
Ökologischer
Dienst
THOMMES Patrick
50%-Stelle
860 h/Jahr
SCHEER Anne
50%-Stelle
860 h/Jahr
Biologische Station
RICHARZ Frank
75%-Stelle
1290 h/Jahr
Flusspartnerschaft
Geschäftsleitung
Projektentwicklung
Regionales Marketing
Kultur
THULL Gilbert
auf Stundenbasis
125 h/Jahr
Einnehmer
Coordination & Mise en Réseau
Naturschutz
Umweltbildung
LUTGEN Christine
100%-Stelle
1720 h/Jahr
Geschäftsleitung
BUREAU
COMITÉ
MONTEIRO Elsa
12,5%-Stelle
215 h/Jahr
VAN RIJEN Léo
100%-Stelle
1720 h/Jahr
Mise au travail
1 Stelle
(ohne Kosten
für NP OS)
Putzdienst
SEMEDO Néné
25%-Stelle
430 h/Jahr
Techn. Arbeiter
REIMEN Jean-Marie
100%-Stelle
1720 h/Jahr
Techniker
Technischer Service, (Tuchfabrik)
Service
Co-finanziert Min. Int. Part. Rivières
Co-finanziert Umweltminist. (75%)
Co-finanziert Landwirtschaftsmin. (70%)
Co-finanziert DATER (80%, 50%)
Erweiterung
Angepasste Etude Detaillée
des Naturparks Obersauer
November 2014
Abbildung 4: Organigramm der Naturparkverwaltung
105
1.3 Statuten des Naturpark-Syndikats
Nachfolgend sind die abgeänderten Statuten des Naturpark Syndikats aufgeführt.
Nouveaux STATUTS DU SYNDICAT POUR L’AMENAGEMENT ET LA GESTION DU PARC NATUREL DE LA HAUTESÛRE EN ABREGE « NATURPARK ÖEWERSAUER »
Préambule
En application du règlement grand-ducal du 06 avril 1999 portant déclaration du Parc Naturel de la HauteSûre et de l’arrêté grand-ducal du 16 avril 1999 autorisant la création du syndicat pour l’aménagement et la
gestion du Parc Naturel de la Haute-Sûre, en abrégé « Naturpark Öewersauer », les communes de Boulaide,
Ell, Esch-sur-Sûre, Heiderscheid, Lac de la Haute-Sûre, Neunhausen et Winseler et l’Etat se sont constituées
en un syndicat intercommunal qui a pour mission l’aménagement et la gestion du Parc Naturel de la HauteSûre, objet plus amplement spécifié à l’article 5 des présents statuts. A la fin de la première période de dix
ans, la commune d’Ell a décidé de ne pas prolonger son engagement dans le Parc Naturel (déliberation du
conseil communal du 10 décembre 2008).
Le syndicat est régi par :
la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels ;
la loi du 23 février 2001 concernant les syndicats de communes ;
la loi communale modifiée du 13 décembre 1988 ;
le règlement grand-ducal du 23 février 2010 portant renouvellement du statut du Parc Naturel de la Haute-Sûre ;
le règlement grand-ducal du X.X. 2015 portant sur l’adhésion de la commune de Wiltz ;
les présents statuts.
Article 1 - Membres.
L’Etat et les communes de Boulaide, d’Esch-sur-Sûre, du Lac de la Haute-Sûre, de Wiltz et de Winseler sont
les membres du syndicat pour l’aménagement et la gestion du Parc Naturel de la Haute-Sûre dénommé
ci-après « le syndicat ».
Article 2 - Dénomination.
Le syndicat porte le nom de « Syndicat pour l’aménagement et la gestion du Parc Naturel de la Haute-Sûre »
en abrégé « Naturpark Öewersauer », ci-après désigné par « le syndicat ».
Article 3 - Siège.
Le siège du syndicat est fixé à la Maison du Parc à Esch-sur-Sûre. L’adresse postale est L-9650 Esch-sur-Sûre,
15 route de Lultzhausen.
Article 4 - Objet.
Le syndicat a pour objet l’aménagement et la gestion du Parc Naturel de la Haute-Sûre sur le territoire des
communes de Boulaide, d’Esch-sur-Sûre, du Lac de la Haute-Sûre, de Wiltz et de Winseler, suivant le principe
directeur (Leitbild) du Parc Naturel, qui consiste dans un développement régional durable respectant la
protection de l’eau et qui comprend les 7 champs d’action suivants: la coordination et la mise en réseau, la
protection de la nature et des paysages, l’éducation à l’environnement, le marketing régional, le tourisme,
la culture, l’agriculture. Le Parc Naturel exécute ces missions dans le respect des objectifs énoncés par les
articles 1er et 2 de la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels.
Sa mission est définie à l’article 16 de la loi du 10 août 1993 relative aux parcs naturels et à l’article 13 du
règlement grand-ducal du 06 avril 1999 portant création du Parc Naturel de la Haute-Sûre.
Le syndicat peut accomplir tous les actes qui concourent à la réalisation de son objet.
Les membres du syndicat s’obligent à aider le syndicat dans l’accomplissement de ses buts.
Les communes-membres du syndicat s’engagent à ne pas entrer dans un autre syndicat créé aux mêmes fins.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Article 5 - Le Comité.
5.1.: Chaque commune membre est représentée par un délégué au sein du comité du syndicat qui comprend
en outre 5 représentants de l’Etat.
Les représentants de l’Etat sont délégués comme suit :
un par le Ministre ayant la Gestion de l’Eau dans ses attributions ;
un par le Ministre ayant l’Agriculture dans ses attributions ;
un par le Ministre ayant l’Aménagement du Territoire dans ses attributions ;
un par le Ministre ayant l’Environnement dans ses attributions ;
un par le Ministre ayant le Tourisme dans ses attributions ;
5.2. Les membres du comité ont droit à des frais de route et de séjour attribués par analogie au régime en
vigueur pour les fonctionnaires de l’Etat.
5.3. Sont soumises à la décision du comité les affaires relatives aux missions du comité définies à l’article 16
de la loi du 10 août 1993 relative aux parcs naturels ainsi que toutes celles qui découlent directement de
l’objet du syndicat conformément à l’article 4 ci-dessus.
Article 6 - Le Bureau.
Le bureau se compose de quatre membres dont deux représentent l’Etat et deux représentent les communes.
Article 7 - Le Président et le vice-président.
Le président sera choisi par le comité parmi les délégués des communes, le vice-président sera désigné par
le bureau parmi les représentants de l’Etat.
En cas d’absence ou d’empêchement, le président est remplacé par le vice-président. En cas d’absence
simultanée du président et du vice-président, le service passe à un membre du bureau dans l’ordre de leur
élection par le comité. A défaut de membre du bureau, le service passe au premier en rang des membres
du comité.
Article 8 - La gestion comptable et financière.
8.1. La constitution du patrimoine
8.1.1. Le patrimoine existant
Le patrimoine existant du syndicat, comprend les investissements dans les constructions et fournitures
suivantes: Draperie, Annexe (ancien bâtiment Demuth) et verrière (entrée Draperie). Il s’élève suivant le
décompte établi au 31 décembre 2012 par le comité du syndicat à un montant total de 371.877,12 €,
en toutes lettres trois cent soixante et onze mille huit cent soixante-sept euros et douze cents. Il a été
constitué par les communes membres dans les proportions indiquées au tableau ci-après.
Commune
Part capital (EUR)
en % des droits
Boulaide
31.137,02€
8,37%
Esch-sur-Sûre
73.668,60€
19,81%
Lac de la Haute-Sûre
48.929,60€
13,16%
Winseler
32.690,82€
8,79%
Wiltz (inclus. Eschweiler)
185.451,08€
49,87%
Total des apports
371.877,12€
100%
8.1.2. Le patrimoine à créer A partir de l’entrée en vigueur des présents statuts, la participation financière des communes membres à la
création d’infrastructures et à l’acquisition de fournitures se fait d’après les règles suivantes:
8.1.2.1. Pour autant que le syndicat ne dispose pas d’excédent financier suffisant pour le financement
de l’acquisition, respectivement de la modernisation des infrastructures et équipements (mobiliers et
immobiliers) nécessaires à l’accomplissement de sa mission, les communes syndiquées concernées font
leurs apports en capital conformément à la loi du 23 février 2001 concernant les syndicats de communes.
8.1.2.2. Tout investissement portant sur une infrastructure ou un équipement d’extension tant qualitative
que quantitative de la mission existante du syndicat dans le cadre de l’objet du syndicat tel qu’il a été défini
au point 2, est à financer par un apport en capital des communes concernées.
8.1.2.3. La quote-part des apports en capital des communes est définie au prorata de leur population. Pour
ce calcul, le chiffre de la population résultant du plus récent calcul de la population effectué par le STATEC
est à prendre en considération.
107
8.2. Les recettes du budget comprennent notamment :
la contribution des communes membres ;
les subventions de l’Etat et des communes ;
les produits des dons et legs ;
les recettes des prestations fournies ;
les revenus de capitaux ;
8.3. La contribution annuelle des communes s’élève à 3,5% de la dotation revenant à chaque commune
membre dans le cadre du fonds communal de dotation financière sans qu’elle ne puisse être inférieure à
la somme totale de 660.000 euros (liée à l’indice des prix à la consommation nationale, 775,17 points en
octobre 2014).
8.4. Tout objet ou projet nouveau, autre que la Maison du Parc à Esch-sur-Sûre, ne peut être décidé que sur
base d’un dossier technique et financier complet comportant tous les aspects de son financement et cela
tant au niveau de l’investissement qu’au niveau des charges récurrentes à escompter à moyen terme. En
principe le financement est garanti par l’auteur initiant l’objet ou le projet que ce soit une personne privée,
un promoteur, une commune ou l’Etat. La participation financière du syndicat dans un tel objet ou projet
ne peut se faire que dans la limite de l’enveloppe budgétaire du syndicat. Une convention règlera les droits
et devoirs des différents partenaires associés à un objet ou projet précis.
8.5. Au cas où l’enveloppe financière disponible au syndicat risque d’être dépassée, la participation ne
pourra se faire qu’après et en vertu d’une modification des statuts du syndicat qui règlera la participation
des communes tant dans les dépenses d’investissement que dans les frais de fonctionnement.
Article 9 - Durée et dissolution du syndicat.
9.1. Le syndicat est constitué jusqu’au 30 avril 2019 conformément à l’article 1er du règlement grand-ducal
du 23 février 2010 portant renouvellement du statut du Parc Naturel de la Haute-Sûre.
9.2. Le syndicat est prorogé par tacite reconduction pour une période de dix ans en dix ans à condition que
le statut du Parc Naturel soit renouvelé dans les conditions légales.
Toutefois, chaque commune membre a la faculté de ne pas s’engager au-delà du terme. Dans ce cas, le conseil
communal de la commune concernée exprime sa volonté de finir l’engagement dans une délibération qu’il
fait parvenir au président du syndicat au moins six mois avant l’arrivée du terme.
9.3. Le produit de la vente des immeubles mentionnés sous l’art 8.1.1. « Patrimoine existant », sera réparti,
déduction faite de toute plus-value ou moins- value apparue suite à l’entrée en vigueur des présents statuts,
entre les communes-membres selon la quote-part mentionnée au même article.
Toute éventuelle plus-value réalisée entre le moment de l’entrée en vigueur des présents statuts et la
dissolution du syndicat sera répartie en fonction du nombre d’habitants et de la durée d’affiliation de la
commune au syndicat. Le chiffre de la population résultant du plus récent calcul de la population effectué
par le STATEC sera pris en considération.
La clé de répartition se fait sous la formule suivante:
= P* *t *1+ 5(1- 5)1- 5
V5(Wiltz)=P*b5*t5
P= plus-value, b=%population t=% ancienneté
Article 10 – Entrée en vigueur.
Les présents statuts entrent en vigueur le jour où l’arrêté grand-ducal les autorisant sort ses effets. Ils
abrogent et remplacent les statuts du syndicat approuvés par l’arrêté grand-ducal du 14 décembre 2009
portant modification des statuts du Syndicat pour l’aménagement et la gestion du Parc Naturel de la HauteSûre, en abrégé « Naturpark Öewersauer ».
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
2. Verwaltungskosten, Investitionsprogramm, Finanzplan
Der Haushalt des Naturparks besteht aus einem Verwaltungs- und einem Finanzetat. Gespeist wird das
Budget aus Gemeindebeiträgen, nationalen Mitteln sowie gegebenenfalls EU-Fördergeldern (LEADER,
INTERREG, Plan de développement rural, etc.).
Der bestehende Naturpark hat mit den Ministerien die nachfolgenden Konventionen abgeschlossen,
um den jeweiligen Finanzierungsschlüssel zur Kofinanzierung der Personal- und Verwaltungskosten
festzulegen. Die Konventionen sind bei der Erweiterung des Naturparks weiter zu führen.
1. Konvention mit dem
Nachhaltigkeitsministerium
(Landesplanung)
Personalkosten
• Kofinanziert zu 80%:
1 Direktionsbeauftrage(r), Karriere S (100%)
1 Ökologischer Dienst, Karriere S (100%)
1 Gemeindesekretär (in) (50%),
1 Projektmanager(in) (50%)
1 Empfangsperson (60%)
1 Techniker (in) (100%)
Putzdienst (37,5%)
• Kofinanziert zu 50% :
1 Arbeiter (100%)
Funktionskosten
• Kofinanziert zu 50%, maximaler Beitrag 65.000 €
• Konvention vom 21.3.2002 sowie mehrere Abänderungsverträge
2. Konvention mit dem
• Kofinanzierung von Projekten und Leistungen der
Nachhaltigkeitsministerium (Umwelt) Biologischen Station, im Durchschnitt 75%
• Projekte von nationalem Interesse werden zu 100% kofinaniziert, Projekte von regionalem Interesse werden
zu 50% kofinanziert.
• Maximum 2013 72.000€.
• Konvention vom 18.11.2002 sowie Verlängerungsvertrag
von 2008.
3. Konvention mit dem zuständigen
Ministerium für Landwirtschaft
• Personal-und Funktionskosten des
Landwirtschaftsberaters
• Kofinanzierung zu 70%
• Konvention vom 28.2.2011, verlängert bis 31. Dezember 2014
4. Konvention mit dem
Nachhaltigkeitsministerium
• Kofinanzierung der Flusspartnerschaft
• Personal-, Funktionskosten und Projekte
• Kofinanzierung wird jährlich vom Ministerium neu
berechnet (im Jahr 2013 : 35.000€)
• Konvention vom 02.03.2012
5. Konvention mit dem zuständigen
Ministerium für Kultur
• Kofinanzierung der Weiterentwicklung der Tuchfabrik
und der Texilprojekte (Ausstellungen)
• Fester Betrag : 15.000€/ Jahr
• Konvention vom 11.12.2004 sowie Abänderungsverträge
Die mögliche staatliche und europäische Bezuschussung von Projekten wird jeweils im Vorfeld der
Planungsarbeiten mit den betroffenen Behörden ausgehandelt (z.B. projektspezifische Subsidien).
Aufschlüsselung der Finanzen für die Etude Detaillée
Für die Aufstellung der Detailstudie wurde bei der Situation der Einnahmen und Ausgaben unterschieden
zwischen internen und externen Kosten.
Die internen Kosten beinhalten alle ordinären Einnahmen sowie die ordinären Ausgaben, jeweils bezogen
auf die laufenden Personal- und Verwaltungskosten (Kapitel 2.1).
Die externen Kosten beziehen sich auf alle Ausgaben, die für die Umsetzung der Projekte extern vergeben
werden, also für Arbeiten, welche die Naturparkverwaltung nicht selbst übernehmen kann. Diese sind
Bestandteil des Kapitels 2.2.
109
Für die Darstellung der internen Kosten wurde die Budgetstruktur des Naturparks für das Jahr 2013
zugrunde gelegt.
Alle Positionen aus diesem Budget, die sich weder auf die Personal- noch auf die Funktionskosten beziehen,
wurden den jeweiligen Projekten aus dem Investitionsprogramm als externe Kosten zugewiesen (z.B.
Kosten für Unterhalt der Tuchfabrik, eau‘tomobile…).
Bei der Beteiligung der Mitgliedsgemeinden handelt es sich um eine Mischung von ordinären und
extraordinären Einnahmen (bezogen auf die Budgetstruktur des Naturparks). Wie in den Statuten
des Naturparks fest gehalten, beträgt der finanzielle Beitrag der Gemeinden 3,5% von der staatlichen
Dotation („fonds communal de dotation financière“). Um ein „normales“ Funktionieren des Naturparks zu
gewährleisten, ist der minimale Gesamtbeitrag aller Mitgliedsgemeinden auf 660.000€ (indexgebunden)
fixiert.
Der finanzielle Beitrag der Gemeinden ist flexibel gestaffelt und im Rahmen der jährlichen Budgetfestlegung
zwischen 3,5% und 4,5% von der staatlichen Dotation („fonds communal de dotation financière“) fest zu
legen. Um ein „normales“ Funktionieren des Naturparks zu gewährleisten, ist der minimale Gesamtbeitrag
aller Mitgliedsgemeinden auf 660.000€ fixiert.
Für die nachfolgende Bilanzierung wurde der Beitrag der Dotation communale der jetzigen
Mitgliedsgemeinden mit Wiltz aus dem Jahr 2013 mit dem Minimalsatz von 3,5% angenommen. Dies
entspricht einer Summe von rund 767.648 €. Für die Projektion auf 10 Jahre wird dieser Betrag aufgeteilt in
die Anteile für Personal- und Funktionskosten wie sie die letzten Jahre im Durchschnitt waren.
Im Regelfall wird sowohl bei den Einnahmen als auch bei den Ausgaben mit folgender jährlichen
Steigerung gerechnet:
•
Die Personalkosten unterliegen einer jährlichen Steigerung von 4,5%. Diese setzt sich zusammen
aus dem Index (+2,5%) und berücksichtigt die Steigerungen in den Beamtenkarrieren (+2,0%)
•
Die Funktionskosten sind mit einer jährlichen Steigerung von 2,5% (Index) berechnet.
Bei einzelnen Positionen wird aufgrund der Erfahrungswerte der letzten Jahre auf eine Steigerung
verzichtet, so dass die Beträge hier fix bleiben.
Ergänzende Bemerkungen zu den Finanzen
Im Rahmen der Erweiterungsgespräche haben die Gemeindeverantwortlichen einen flexiblen
Gemeindebeitrag von 3,5 bis 4,5% FCDF besprochen und in mehreren Ausübungsvarianten durchdiskutiert.
Grundsätzlich zurückbehalten wurde, dass man von einem jährlichen Basis-Beitrag von 3,5% FCDF ausgeht,
und dass die Gemeinden, falls dies notwendig ist, prinzipiell dazu bereit sind, einen gewissen Prozentsatz
als zusätzliches Projektgeld beizusteuern (im finanziellen Rahmen von 0-1% FCDF).
Um dieses zusätzliche Geld zu beantragen, wird der Naturpark den Gemeinden den Projektvorschlag im
Rahmen der jährlichen Gemeindebudget-Diskussionen unterbreiten.
Für den Fall, dass es sich um ein Projekt handelt, das keine wiederkehrenden Funktionskosten mit sich
bringt, ist die Zustimmung der Mehrheit der Gemeinden zur Umsetzung des Projektes ausreichend. Konkret
heißt dies, dass ausschließlich jene Gemeinden, die sich für die Teilnahme an einem Projekt aussprechen,
auch die Kosten des Projektes tragen.
Falls es sich um ein Projekt größeren Volumens handelt, bei welchem jährliche Folgekosten zu erwarten
sind, die langfristig auch das Funktionsbudget des Naturparks belasten, so müssen alle Gemeinden mit der
Umsetzung des Projektes einverstanden sein.
Zur Tilgung dieses Finanzmechanismus sehen die Gemeinden ihrerseits im Gemeindebudget einen
separaten Subventions-Artikel für Naturpark-Projekte vor, der die jeweils benötigte Summe für das
vorgelegte Projekt enthält.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
2.1 Personal- und Verwaltungsprogramm – interne Kosten
Tabelle 1 zeigt die Abschätzung der ordinären Einnahmen zu den laufenden Personal- und Verwaltungskosten,
die sich aus der finanziellen Beteiligung der Mitgliedsgemeinden sowie die der staatlichen Instanzen für die
Jahre 2014 - 2016 ergeben (bezogen auf das Basisjahr 2013).
Tabelle 1: Abschätzung der ordinären Einnahmen zu den Personal- und Verwaltungskosten in € für
die Jahre 2014, 2015 und 2016 (bezogen auf das Basisjahr 2013)
Ordinäre Einnahmen
2013
2014
2015
2016
300.363,96
310.955,34
94.289,60
98.532,63
Section 120 - Coordination administrative
Participation aux frais de personnel,
fonctionnement
280.529,83
290.228,67
Section 13 - Coordination technique
Participation aux frais de personnel
DATer
86.343,81
90.229,28
Section 180 - Flux financier
Participation Communes-membres
Intérêts créditeurs
767.647,95
783.792,84
800.596,00
818.085,35
2.000,00
2.000,00
2.000,00
2.000,00
140.716,38
146.882,12
28.829,46
30.126,79
Section 410 - Agriculture
Participation aux frais de personnel,
fonctionnement
129.170,00
134.816,15
Section 430 - Tourisme
Participation DATer – Frais de
personnel
26.400,00
27.588,00
Section 532+590 Protection de l’environnement
Participation Station biologique –
MDDI
90.711,00
90.711,00
90.711,00
0.711,00
Participation DATer Service
écologique
125.020,55
130.646,47
136.525,56
142.669,21
Participation Partenariat de cours
d’eau - Ministère
35.000,00
35.000,00
35.000,00
35.000,00
Participation Partenariat de cours
d’eau – Communes
16.700,00
17.451,50
18.236,82
19.057,48
1.559.523,14
1.602.463,91
1.647.268,78
1.694.019,92
TOTAL
111
Tabelle 2 zeigt die Abschätzung der laufenden Personal- und Verwaltungskosten (ordinäre Ausgaben) für
die Jahre 2014 - 2016 (bezogen auf das Basisjahr 2013).
Tabelle 2: Abschätzung der ordinären Ausgaben zu den Personal- und Verwaltungskosten in € für
die Jahre 2014, 2015 und 2016 (bezogen auf das Basisjahr 2013)789101112
Ordinäre AUSGABEN
2013
2014
2015
2016
Section 111 - Organes politiques
16.300,00
16.707,50
17.125,19
17.553,32
Section 120 - Coordination
administrative8
429.712,28
446.123,33
463.199,73
480.969,59
Section 130 - Coordination
technique9
145.083,51
151.288,27
157.764,15
164.523,13
Section 410 - Agriculture10
186.742,85
194.996,28
203.617,37
212.622,56
Section 430 - Tourisme
35.500,00
37.047,50
38.663,39
40.350,71
Section 590 - Autres types protect.
nature12
374.483,61
390.777,37
407.790,40
425.554,72
1.187.822,25
1.236.940,25
1.288.160,23
1.341.574,03
7
11
TOTAL
Die Differenz zwischen den ordinären Einnahmen und den ordinären Ausgaben aus dem Personal- und
Verwaltungsbudget ergibt das Projektbudget bzw. den Finanzplan zur Finanzierung der externen
Projektkosten einfließen kann.
Tabelle 3 zeigt den Überschuss für die Jahre 2013 – 2016.
Projektbudget
2013
2014
2015
2016
371.700,89
365.523,66
359.108,55
352.445,89
Für das Jahr 2014 besteht für die Finanzierung der externe Projektkosten bspw. ein finanzieller Spielraum
von rund 365.253 €.
Für die Jahre 2014-2016 (3 Jahre) stehen pro Jahr durchschnittlich rund 359.026 € zur Verfügung.
Für die Jahre 2014-2022 (10 Jahre) stehen pro Jahr durchschnittlich rund 340.843 € zur Verfügung.
7
Bspw. Entschädigungen für die Mitglieder des Exekutivbüros und des Vorstands
8
Personal- und Verwaltungskosten der Geschäftsleitung, des Sekretariats + Funktionskosten Naturparkzentrums
9
Personal- und Verwaltungskosten des technischen Dienstes
10
Personal- und Verwaltungskosten der Landwirtschaftsberatung
11
Personal- und Verwaltungskosten des Projektmanagers
12
Personal- und Verwaltungskosten der Biologischen Station
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
2.2 Finanzplan – externe Projektkosten
Conformément à la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels art. 6 étude détaillée:
g) un plan de financement.
Der Finanzplan finanziert Projekte, die im Rahmen der jährlichen Aktionsprogramme (‚plan de gestion
annuel’), auf der Grundlage der Detailstudie beschlossen werden. Die Jahresprogramme sollten allerdings
auch offen sein für Projekte, die zwischenzeitlich an den Naturpark herangetragen werden.
In Erinnerung gerufen sei an dieser Stelle nochmal die Tatsache, dass die Art der Projekte z.B.
Machbarkeitsstudien- und -projekte, Marketingaktionen, die Organisation von Veranstaltungen,
Ausstellungen, Rundwegen, Kommunikationsmaterial usw. umfasst. Dahingegen ist es nicht vorgesehen,
kommunale Gebäudeinfrastrukturprojekte über den Investitionsetat des Naturparks zu bezuschussen.
Die Tabellen auf den nachfolgenden Seiten geben einen Überblick über das notwendige
Finanzierungsvolumen (grobe Kostenschätzung der Projekte hochgerechnet auf 10 Jahre) zur Umsetzung
der Projekte mit besonderem Interesse. Hierzu zählen einerseits die Projekte der hohen Priorität (grüne
Kategorie) und andererseits die der Kontinuität (blaue Kategorie).
Wie am Anfang des Kapitel IV beschrieben, wurden diese vorrangigen Projekte von einer Arbeitsgruppe
bestehend aus dem Naturparkgremium und Vertretern der Gemeinde Wiltz in mehreren Arbeitssitzungen
definiert und mit der Bevölkerung des erweiterten Naturparks im Rahmen von zwei Workshops diskutiert.
Bei der Kostenschätzung wurde sehr vorsichtig und defensiv vorgegangen. Für sämtliche Projekte mit
besonderem Interesse wurde neben der Einschätzung der externen Kosten ebenfalls eine Zuweisung
der jeweiligen Stundenkontingente für die Naturparkmitarbeiter vorgenommen. Auf diese Weise
ist sichergestellt, dass auf den Zeitraum von 10 Jahren betrachtet, sämtliche Projekte durch das
Naturparkpersonal umgesetzt werden können.
Erläuterungen zu den Tabellen:
OZ1 = Operationelles Ziel 1 / 1.3.2 b = Entsprechende Nummerierung der Projekte aus Kapitel IV nach
entsprechendem Arbeitsschwerpunkt
B = bestehendes Projekt
N = Neues Projekt
*Abschätzung der Kosten auf 10 Jahre: Falls keine Kosten angegeben sind, handelt es sich um Projekte,
die ohne externe Unterstützung und allein durch das Personal der Naturparkverwaltung umsetzbar sind.
113
Tabelle 4: Finanzplan „prioritäre Projekte“
Liste der prioritären Massnahmen - Vorlage für Finanzkapitel Etude détaillée - Externe Kosten (10 Jahre)
Legende Prioritäten und Stand:
Beschriftung
Nr
B/N
B
Bestehendes Projekt
N
Neues Projekt
*Falls keine Kosten angegeben werden wird das Projekt
Projektbeschreibung
Rolle Naturpark
Abschätzung
Kosten [€]*
Arbeitsschwerpunkt Koordination und Vernetzung
OZ1 1.3.2 d
OZ1
1.3.3 b
N
LEITPROJEKT - Klimapakt
Knoten, Impulsgeber
B
Begleitung der Konzipierung und Ausweisung von
Wasserschutzgebieten
Berater, Begleiter
50.000 €
0€
Arbeitsschwerpunkt Regionales Marketing
OZ1 2.3.1 a
N
OZ3 2.3.6 a
B
OZ3 2.3.6 b
B
LEITPROJEKT - Corporate Identity: Grafische Charta
zur Wasserregion
LEITPROJEKT - Regionale
Großveranstaltungen/ Events
Events bei denen der Naturpark Projektträger
oder wichtiger Partner ist
LEITPROJEKT - Regionale
Großveranstaltungen/ Events
Events die der Naturparkphilosophie
entsprechen, die der Naturpark unterstützt
und bei denen Synergien entstehen können
55.000 €
Träger
Impulsgeber, Träger
Begleiter
300.000 €
Impulsgeber, Träger
Begleiter
100.000 €
Arbeitsschwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz
OZ1 3.3.1 c
B
OZ1
3.3.2 a
B
OZ2
3.3.6 c
B
OZ2
3.3.7
B
f
LEITPROJEKT - Koordination von
Naturschutzmaßnahmen der Mitgliedsgemeinden
Förderung des Vertragsnaturschutzes u.a. durch Abschluss
von Biodiversitätsverträgen zum Erhalt der mesophilen
Wiesen und Weiden
Weiterführung und Koordination von
grenzüberschreitenden Partnerschaften
Bekämpfung von invasiven Arten
Träger
50.000 €
Träger, Knoten
0€
Träger
0€
Träger. Knoten
50.000 €
Arbeitsschwerpunkt Umweltbildung
OZ1 4.3.1 a
B
OZ1
B
4.3.1 b
LEITPROJEKT - Naturpark Schule - Kooperation
zwischen Naturpark und Schulen der
Naturparkgemeinden
Weiterentwicklung des Eau‘tomobile
Knoten, Träger
Träger
130.100 €
63.500 €
Arbeitsschwerpunkt Kultur
OZ1 5.3.2 a
N
LEITPROJEKT - Erhalt und Belebung des kulturellen
Erbes und der kulturellen Infrastrukturen
B/N
Impulse setzen für neue naturparkspezifische Angebote am
Stausee
Träger
50.000 €
Arbeitsschwerpunkt Tourismus
OZ2
6.3.5 a
OZ2 6.3.5 b
N
Träger, Impulsgeber
LEITPROJEKT - Wasserspielpark
50.000 €
50.000 €
Arbeitsschwerpunkt Landwirtschaft
OZ1 7.3.2 a
N
OZ1
7.3.3 a
N
OZ1
7.3.5 a
N
LEITPROJEKT Spezialberatung bzw.
Schwerpunktberatung
Unterstützung der Beratung zur Biolandwirtschaft
Vorschläge zu und Mitarbeit bei der Formulierung von
Wasser-schutzmaßnahmen und Förderprogrammen , inkl.
Mitarbeit am Gewässervertrag
Projektträger, Berater, Knoten
0€
Berater, Beteiligter
0€
Beteiligter, Impulsgeber
0€
TOTAL
948.600 €
OZ1 1.3.2 d = Nummer des Projektes aus Kapitel „Ziele, Maßnahmen und Leitprojekte
B = Bestehendes Projekt / N = Neues Projekt
*Abschätzung der Kosten bezogen auf 10 Jahres Zeitraum – Falls keine Kosten angegeben sind, kann das
Projekt über das Naturparkpersonal abgewickelt werden (nur interne Kosten).
pact s.à r.l.
1
14.08.2014
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Tabelle 5: Finanzplan Projekte „Kontinuität“
Arbeitsschwerpunkt Umweltbildung
OZ1
4.3.2 c
B
Aufbau einer Koordinationsplattform für Umweltbildungsmaßnahmen im Naturpark
Knoten, Impulsgeber,
Beteiligter
OZ2
4.3.3 a
B
Sensibilisierungsarbeit
Träger, Berater, Impulsgeber
OZ2
4.3.4 a
B
Organisation resp. Beteiligung an Sensibilisierungskampagnen
Knoten, Beteiligter
0€
150.000 €
0€
Arbeitsschwerpunkt Kultur
OZ1
5.3.1 b
B
Aufwertung, Unterhalt und Belebung bestehender Ausstellungen
OZ2
5.3.5 a
B
Koordination und Vernetzung der bestehenden Angebote in der Region
100.000 €
Knoten
0€
Arbeitsschwerpunkt Tourismus
der Tuchfabrik,
OZ1
des Projektes
aus
Kapitel „Ziele, Maßnahmen und Träger
Leitprojekte
B
Naturparkzentrum
als regionaler
Tourismusempfang
OZ1 1.3.2
6.3.1 d
b = Nummer
Beteiligter bei anderen
0€
OZ1
6.3.1
c
B
Entwicklung und Bereitstellung von Informationsmaterialien über die Region und den
Naturpark
Träger
0€
OZ1
6.3.2 a
B
Stärkung der Kooperation zwischen Naturpark und Tourismus
Impulsgeber
0€
OZ1
6.3.3 a Ortal/ONT
Zusammenarbeit mit ONT und Ortal für Vermarktung der Region bei Messeauftritten im
Inland und im Ausland
Träger
OZ2
6.3.4 a
B
Förderung von Ausbau und Vernetzung bestehender Rad-Wander und Reitwege
Impulsgeber
OZ2
6.3.4 d
B/N
Sicherstellen des Unterhalts der Angebote (in Zukunft mit CIGR)
Beteiligter
OZ2
6.3.4 e
B/N
Anbieten von Naturerlebnisführungen
Träger, Impulsgeber
50.000 €
OZ2
6.3.6
Verbesserung des Zugangs zum/und der touristischen Erlebbarkeit des kulturellen Erbes
Träger
35.000 €
B = Bestehendes Projekt / N = Neues Projekt
*Abschätzung
der Kosten
bezogen auf 10 Jahres Zeitraum – Falls keine Kosten
angegeben sind, kann
das
B
Stärkung der Kooperation zwischen Naturpark und anderen paratouristischen Akteuren
Impulsgeber
0€
OZ1 6.3.2 b
Projekt
über
dasneuNaturparkpersonal
abgewickelt
werden (nur interne Kosten).
Stärkung der grenzüberschreitenden
touristischen Zusammenarbeit
Impulsgeber
0€
OZ1 6.3.2
c z.T.
b
B
18.000 €
0€
250.000 €
Arbeitsschwerpunkt Landwirtschaft
OZ1
7.3.1 a
B
Beratungsbasisangebot inklusive Bodenproben (Probennahme)
OZ2
7.3.6 a
B
Label und Qualitätsprodukte , Koordination und interne Kontrollen von " vum Séi "
Produzenten
Projektträger, Berater
80.000 €
0€
115
Arbeitsschwerpunkt Umweltbildung
OZ1
4.3.2 c
B
Aufbau einer Koordinationsplattform für Umweltbildungsmaßnahmen im Naturpark
Knoten, Impulsgeber,
Beteiligter
OZ2
4.3.3 a
B
Sensibilisierungsarbeit
Träger, Berater, Impulsgeber
OZ2
4.3.4 a
B
Organisation resp. Beteiligung an Sensibilisierungskampagnen
0€
150.000 €
Knoten, Beteiligter
0€
Arbeitsschwerpunkt Kultur
OZ1
5.3.1 b
B
Aufwertung, Unterhalt und Belebung bestehender Ausstellungen
OZ2
5.3.5 a
B
Koordination und Vernetzung der bestehenden Angebote in der Region
100.000 €
Knoten
0€
Arbeitsschwerpunkt Tourismus
OZ1
6.3.1 b
B
Naturparkzentrum als regionaler Tourismusempfang
Träger der Tuchfabrik,
Beteiligter bei anderen
0€
Träger
0€
OZ1
6.3.1
c
B
Entwicklung und Bereitstellung von Informationsmaterialien über die Region und den
Naturpark
OZ1
6.3.2 a
B
Stärkung der Kooperation zwischen Naturpark und Tourismus
Impulsgeber
0€
OZ1
6.3.2 b
B
Stärkung der Kooperation zwischen Naturpark und anderen paratouristischen Akteuren
Impulsgeber
0€
OZ1
6.3.2 c
z.T. neu
Stärkung der grenzüberschreitenden touristischen Zusammenarbeit
Impulsgeber
OZ1
6.3.3 a Ortal/ONT
Zusammenarbeit mit ONT und Ortal für Vermarktung der Region bei Messeauftritten im
Inland und im Ausland
Träger
OZ2
6.3.4 a
B
Förderung von Ausbau und Vernetzung bestehender Rad-Wander und Reitwege
Impulsgeber
OZ2
6.3.4 d
B/N
Sicherstellen des Unterhalts der Angebote (in Zukunft mit CIGR)
Beteiligter
OZ2
6.3.4 e
B/N
Anbieten von Naturerlebnisführungen
Träger, Impulsgeber
50.000 €
OZ2
6.3.6
Verbesserung des Zugangs zum/und der touristischen Erlebbarkeit des kulturellen Erbes
Träger
35.000 €
b
B
0€
18.000 €
0€
250.000 €
Arbeitsschwerpunkt Landwirtschaft
OZ1
OZ2
7.3.1 a
7.3.6 a
B
Beratungsbasisangebot inklusive Bodenproben (Probennahme)
B
Label und Qualitätsprodukte , Koordination und interne Kontrollen von " vum Séi "
Produzenten
Projektträger, Berater
80.000 €
0€
Tabelle 6 zeigt die externen Kosten und die aufgrund von Erfahrungswerten
abschätzbaren
TOTAL
2.099.650 €
Kofinanzierungsbeiträge für die Projekte der hohen Priorität und der Kontinuität.
Tabelle 6: Zusammenfassung des Finanzplans
Finanzplan
Externe Projektkosten
jährlich
(Ø bezogen auf 10 Jahre)
Summe 10 Jahre
Externe Projektkosten
304.825 €
3.048.250 €
prioritäre Projekte
94.860 €
948.600 €
Projekte Kontinuität
209.965 €
2.099.650 €
69.000 €
690.000 €
prioritäre Projekte
33.000 €
330.000 €
Projekte Kontinuität
36.000 €
360.000 €
235.825 €
2.358.250 €
mögl. Förderung
TOTAL Externe Projektkosten
Bei den prioritären Projekten ergäbe sich auf 10 Jahre gerechnet ein Finanzierungsvolumen von 948.600 €.
Hier wird auf die 10 Jahre berechnet von einer möglichen Kofinanzierung von rund 330.000 € ausgegangen.
Bei den Projekten aus der Kategorie Kontinuität liegt der Investitionsetat für den 10 Jahreszeitraum bei
2.099.650 €.
Der gesamte Kofinanzierungsbeitrag wird hierbei auf rund 360.000 € chiffriert.
pact s.à r.l.
4
14.08.2014
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
2.3 Investitionsprogramm
f ) le programme des investissements à mettre en œuvre en vue de promouvoir les objectifs poursuivis ;
Das Investitionsprogramm stellt die Projekte dar, die aus dem Finanzplan heraus genommen wurden, da es
sich um Anschaffungen des Naturparks handelt, die als Investitionen anzusehen sind. Es handelt sich dabei
um folgende Projekte aus den Kategorien der hohen Priorität und der Kontinuität:
Tabelle 7: Investitionsprogramm „prioritäre Projekte“
Liste der prioritären Massnahmen - Vorlage für Finanzkapitel Etude détaillée - Externe Kosten (10 Jahre)
Legende Prioritäten und Stand:
Beschriftung
Nr
B
Bestehendes Projekt
N
Neues Projekt
*Falls keine Kosten angegeben werden wird das Projekt
B/N
Projektbeschreibung
Rolle Naturpark
OZ1 1.3.2 b
N
LEITPROJEKT - Sicherstellen einer kohärenten
Besucherlenkung in der Region und um den Stausee
OZ1
N
Dezentrale Infopoints über den Naturpark
Abschätzung
Kosten [€]*
Arbeitsschwerpunkt Koordination und Vernetzung
Knoten, Dienstleister
150.000 €
Arbeitsschwerpunkt Regionales Marketing
2.3.1
b
30.000 €
Betreuung durch NP-Personal
Arbeitsschwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz
Arbeitsschwerpunkt Umweltbildung
OZ1 4.3.2 a
B
LEITPROJEKT - Solarboot
Träger
295.000 €
Arbeitsschwerpunkt Kultur
Arbeitsschwerpunkt Tourismus
OZ1 6.3.1 a
N
LEITPROJEKT - Aufbau eines kohärenten Netzes von
Besucherempfangs- und Informationsstellen
OZ2 6.3.4 b
N
LEITPROJEKT - Projekt E-Bikes Netzwerk
Träger der Tuchfabrik,
Beteiligter bei anderen
Begleiter Wiltz
20.000 €
300.000 €
Arbeitsschwerpunkt Landwirtschaft
TOTAL
795.000 €
Tabelle 8: Investitionsprogramm Projekte „Kontinuität“
Bei den prioritären Projekten ergäbe sich auf 10 Jahre gerechnet ein Investitionsvolumen von 795.000 €.
Hier wird auf die 10 Jahre berechnet von einer möglichen
Kofinanzierung von rund 180.000 € ausgegangen.
2
14.08.2014
pact s.à r.l.
Bei den Projekten aus der Kategorie Kontinuität liegt der Investitionsetat für den 10 Jahreszeitraum bei
780.000 €.
117
Der gesamte Kofinanzierungsbeitrag wird hierbei auf rund 520.000 € chiffriert.
2.4 Bilanz zwischen Verwaltungsprogramm, Finanzplan und Investitionsprogramm
Die Bilanz zwischen den Einnahmen (jährlicher Überschuss aus dem Personal- und Verwaltungsprogramm)
und den Ausgaben (externe Projektkosten aus dem Investitionsprogramm) ergibt folgendes Ergebnis
(jährlicher Durchschnitt bezogen auf den 10 Jahreszeitraum):
Tabelle 9: Bilanz
jährlich
(Ø bezogen auf 10 Jahre)
2.1
Projektbudget aus dem Personal- und
Verwaltungsprogramm
340.834 €
2.2
externe Projektkosten aus dem Finanzplan
-235.825 €
2.3
externe Projektkosten aus dem Investitionsprogramm
-87.500 €
2.4
Ergebnis
Projektbudget – externe Projektkosten
17.509 €
Der Spielraum aus dem Personal- und Verwaltungsprogramm für die Finanzierung der externen
Projektkosten ist im Wesentlichen von den Beiträgen der staatlichen Dotation communale abhängig.
Geht man von dem hier beschriebenen Szenario aus, in dem alle fest gehaltenen Projekte mit besonderem
Interesse kontinuierlich umgesetzt werden, bleibt auf den Zeitraum von 10 Jahren betrachtet, ein Spielraum
von durchschnittlich ca. 17.500€ pro Jahr.
Dieser Spielraum soll als Puffer dienen, um künftig flexibel auf aktuelle Entwicklungen in der Naturparkarbeit
bzw. der Finanzsituation reagieren zu können.
Die nachfolgenden Ansätze sollen als weitergehende strategische Überlegungen für die künftige
Naturparkarbeit herangezogen werden:
•
Gezielte Anvisierung von EU Subventionen, bspw. im Rahmen der INTERREG oder LEADER Initiative
bzw. anderen staatlichen Subventionen
•
Die Zusammenarbeit zwischen dem LEADER Büro und dem Naturpark soll vertieft werden. Ziel ist
es, Synergien zu fördern und vor allem bei gemeindeübergreifenden Projekten eng miteinander zu
kooperieren.
•
Bei gemeindespezifischen Projekten können die Finanzierungsanteile der betroffenen Gemeinden
erhöht werden.
•
Für verschiedene Projekte oder Veranstaltungen können neue bzw. zusätzliche Einnahmen (bspw.
Eintrittspreise, Teilnehmerbeiträge) generiert werden.
•
Da eine Projektion auf 10 Jahre mit gewissen Unsicherheiten behaftet ist, soll im Rahmen einer
kurzfristigen Bilanzierung (maximal in 5 Jahren) die Priorisierung bzw. die abgeschätzten Kosten,
der Projekte nochmals analysiert und eventuell neu ausgerichtet werden. Je nach Situation können
Projekte dann auch unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Szenario zusätzlicher Projektmanager
Nachfolgend sind nochmals die Projekte aufgelistet, die abhängig von dem zusätzlichen Posten eines
Projektmanagers durchführbar wären.
Tabelle 10:
Projektliste
für zusätzlichen
Projektmanager
– komplette
Vorschlag
- Zuweisung
an (neuen) Projektmanager
- komplettes
Projekt Projekte
Nr.
Priorität /
Stand
Maßnahme
Rolle des Naturparks
Abschätzung
Kosten [€]
OZ1
8.1.1
a
N
Förderung einer besseren Koordination von PAG, Dorfentwicklungsplänen, Synergien bei regionalen Infrastrukturen
Knoten, Berater
OZ1
8.1.1
b
B
Weiterentwicklung der Internetplattform zur Verfügungstellung von Informationen
Träger
30.000,00 €
OZ1
8.1.1
c
N
Anlegen von Datenbanken für Fotos, Studien, etc.
Träger
15.000,00 €
OZ2
8.1.1
d
B
Besichtigung von Beispielprojekten/ Studienreisen
Träger
25.000,00 €
OZ1
8.1.2
a
N
NP- Packages für die touristische Region Naturpark
Impulsgeber; Träger =
Ortal, Rolle NP & Rolle
Ortal in Zukunft: zu klären
50.000,00 €
OZ2
8.1.2
b
B
OZ2
8.1.2
c
N
OZ2
8.1.2
d
N
OZ2
8.1.2
e
B/N
h pro Jahr
Erlebnisorientierte Aufwertung des bestehenden touristischen Angebotes in der Naturparkregion
Impulse setzen für neue Aktivitäten, insbesondere Schlecht-Wetteraktivitäten und Indoor
Impulse setzen für barrierefreie Angebote
Impulse setzen für die Weiterentwicklung der Hotel-und Beherbergungs-infrastruktur der Region
Träger, Impulsgeber
Impulsgeber, ggf. Träger;
Rolle NP bei Wasserspiel
noch zu klären
40.000,00 €
100.000,00 €
50.000,00 €
Impulsgeber
0,00 €
Impulsgeber
25.000,00 €
630
Sollten bei
einer
Schaffung
Kosten
pro Jahr
33.500,00 €des zusätzlichen Postens alle Projekte entsprechend umgesetzt werden, wäre
für den 10 Jahreszeitraum ein zusätzliches Investitionsvolumen von ca. 438.000 € zu aktivieren.
Vorschlag - Zuweisung an (neuen) Projektmanager - Teil des Projektes (siehe Detailtabelle)
Für die JahrePriorität
2014-2016
würde dieses bei ca. 131.400 € liegen, also für die 3 Jahre einem zusätzlichen
/
Abschätzung
Nr.
Rolle des Naturparks
Stand
Kosten [€]
finanziellem
Bedarf
von rund 43.800 € pro Jahr.Maßnahme
LEITPROJEKT - Regionale Großveranstaltungen/ Events
1.Events bei denen der Naturpark Projektträger oder wichtiger Partner ist
Impulsgeber, Träger
OZ3
2.3.6
a/b
B
OZ2
6.3.4
d
B/N
OZ2
6.3.4
e
B/N
Anbieten von Naturerlebnisführungen
Träger, Impulsgeber
OZ2
6.3.5
c
B/N
Impulse setzen für neue naturparkspezifische Angebote am Stausee, speziell auch zum Thema Wasser
Träger, Impulsgeber
OZ2
6.3.5
e
N
LEITPROJEKT - Wasserspielpark
Träger, Impulsgeber
2. Events die der Naturparkphilosophie entsprechen, die der Naturpark unterstützt und bei denen Synergien
Begleiter
Diese könnten bspw.
über neu zu generierende Einnahmen oder EU Subventionen
abgedeckt werden.
entstehen können
Teilweise
könnten
auch
Dienstleistungen
an
die
Gemeinden
weiter
verrechnet
werden
(z.B. PAG Daten
Träger
der Tuchfabrik,
N
OZ1
6.3.1
a
LEITPROJEKT - Aufbau eines kohärenten Netzes von Besucherempfangs- und Informationsstellen
Beteiligter bei anderen
Generierung).
Beteiligter
h pro Jahr
Kosten pro Jahr
pact s.à r.l.
Sicherstellen des Unterhalts der Angebote (in Zukunft mit CIGR)
418
10.300,00 €
1
23.12.2014
119
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
VII. Eventuelle PAG-Anpassungen
Conformément à la loi modifiée du 10 août 1993 relative aux parcs naturels l’art. 6 étude détaillée:
2 e) les modifications à apporter éventuellement aux plans d’aménagement communaux en rapport avec la création du parc naturel
Laut Artikel 6 des Naturparkgesetzes vom 10. August 1993 sind in der Etude Detaillée eventuelle
Anpassungen der Flächennutzungspläne (PAG) der Naturparkgemeinden darzustellen. Damit soll
sichergestellt werden, dass die PAG der Naturparkgemeinden der Ausrichtung und den Zielsetzungen des
Naturparkes entsprechen.
Im Rahmen der Schaffung des Naturparkes in den neunziger Jahren wurden die PAG der Gründergemeinden
des Naturparkes einer Analyse und Bewertung unterzogen, deren Resultate in der damaligen Etude Detaillée
von Januar 1997 dargestellt und in dem „Règlement grand-ducal du 6 avril 1999 portant déclaration du Parc
Naturel de la Haute-Sûre“ übernommen wurden. Diese Verordnung besteht heute noch, sie wurde 2009
leicht verändert und verlängert und soll auch beim Beitritt der Gemeinde Wiltz aktualisiert werden. Laut
Artikel 12 des bereits genannten Naturparkgesetzes sind eventuelle Änderungen innerhalb von 2 Jahren
in die PAG zu übernehmen, dies gemäss den Modalitäten der PAG-Prozedur laut der Gesetzgebung zum
„Aménagement communal“.
Aus diesem Grunde sind die PAG der aktuellen Naturparkgemeinden Esch-Sauer, Boulaide, Winseler und
der Stauseegemeinde im Rahmen der Erweiterungsprozedur des Naturparkes nicht erneut einer solchen
Analyse zu unterziehen. Die Fragestellung wird deshalb nur für die Beitrittsgemeinde Wiltz (in dem Fall Wiltz
und Eschweiler getrennt) behandelt.
Zur Analyse und Bewertung der PAG wurden in der Etude Detaillée vom Januar 1997 folgende Kriterien
verwendet (Originaltext in Französisch) :
A) Reconsidération de l’extension de la zone à bâtir afin de :
•
•
•
•
•
•
éviter la dispersion de l’habitat ;
empêcher la jonction de deux villages ;
sauvegarder le paysage ;
sauvegarder les biotopes de valeur respectivement les zones de rétention ;
sauvegarder le paysage ouvert entre la localité et le monument naturel ;
sauvegarder les biotopes de valeur respectivement certains bâtiments ;
B) Développement de la zone à bâtir en veillant à :
•
•
•
respecter / restaurer les biotopes de valeur et la topographie ;
intégrer la topographie ;
élaborer un plan d’ensemble.
Dargestellt wurden die Änderungsvorschläge auf einem Plan im Massstab 1: 30.000.
In diesem Kontext ist zu berücksichtigen, dass seit dem Inkrafttreten der Naturparkgesetzgebung im Jahre
1993 mehrere Reformen und Neuerungen im Bereich des „Aménagement communal“ stattgefunden
haben. Dies betrifft zum einen die PAG-Gesetzgebung, welche grundlegend reformiert wurde und in der
letzten Fassung von 2011 deutlich klarere Anforderungen an die PAG-Aufstellung stellt, als dies in der
Gesetzgebung von 1937, welche zum Zeitpunkt der Erstellung des Naturparkgesetzes anzuwenden war,
der Fall war. Unter anderem erfordert die aktuelle Gesetzgebung eine Neuaufstellung aller PAG und dies auf
Grundlage einer „étude préparatoire“ in der u.a. natur-und landschaftsschützerische Aspekte aufzuarbeiten
sind. Darüber hinaus sind für neue Entwicklungsgebiete („Nouveau quartier“) mit den „Schéma directeur“
bereits frühzeitig im Planungsprozess grobe Konzepte für die Entwicklung dieser Zonen auszuarbeiten.
Weiterhin können mit dem neuen PAG-Instrumentarium durch die Festlegung entsprechender „Servitudes
d’urbanisation“ natur-und landschaftsschützerischer Auflagen auch besser in die PAG eingebunden werden.
Zusätzlich zu den genannten Reformen wurde mit dem Gesetz vom 22. Mai 2008 zur strategischen
Umweltprüfung (SUP) eine Direktive der EU in nationales Recht umgesetzt, welches u.a. besagt, dass
jeder PAG einer strategischen Umweltprüfung unterzogen werden muss, bevor er rechtskräftig erklärt
werden kann. Laut Artikel 5 sind in der SUP, u.a. die Auswirkungen des PAG auf folgende Schutzgüter zu
betrachten: biologische Vielfalt, menschliche Gesundheit, Fauna und Flora, Boden, Wasser, Luft, kulturelles,
architekturales und archäologisches Erbe, Landschaften sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen
Faktoren.
Im Vergleich zu den Analysekritieren aus der „tude Detaillée vom Januar 1997 zeigt sich, dass alle damaligen
Kriterien heute über die „étude préparatoire“ und die SUP des PAG aufgearbeitet werden, und darüber
hinaus noch andere Kriterien geprüft werden müssen.
Im Zusammenhang mit dem Beitritt von Wiltz/Eschweiler in den Naturpark sind folgende strategischen
Schwerpunkte bei der PAG-Entwicklung von besonderer Bedeutung:
121
Wiltz
Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Etude Detaillée arbeitet die Gemeinde Wiltz an der Aufstellung ihres
neuen PAG sowie an den Dokumenten der strategischen Umweltprüfung. Demzufolge können diese
Arbeiten und Zwischenresultate als Grundlage genommen werden, um die aktuellen PAGs der ehem.
Gemeinden Wiltz und Eschweiler im Sinne der Naturparkziele zu prüfen.
•
Förderung der Innenentwicklung, u.a. mittels der Rekonversion der Industriebrachen und
Vermeidung von tentakelartigen Siedlungsentwicklungen ;
•
Stärkung der Grünvernetzung innerhalb der Stadt sowie mit der umgebenden Landschaft ;
•
behutsame Inwertsetzung des natürlichen (z.B. Bachlauf der Wiltz) und kulturellen Erbes (z.B.
Schloss, Fatimadenkmal,…) unter Berücksichtigung prägender Sichtachsen ;
•
gestalterische Aufwertung der Ortsränder zur Schaffung einer harmonischen Integration der
Siedlungen in die Landschaft.
Vor diesem Hintergrund sollen im PAG der Gemeinde der Wiltz aus Gründen des Landschaftsschutzes und
zur Inwertsetzung des kulturellen Erbes rückklassiert werden:
•
Westbereich der Industriezone („Brochdell“, Nr 1 auf dem nachfolgenden Plan),
•
Wohnbauzone im Nordosten der Gemeinde („Bounecht“, Nr 3).
Die genannten Änderungen sind laut Naturparkgesetz innerhalb von 2 Jahren nach dem Naturparkbeitritt
in den PAG der Gemeinde Wiltz umzusetzen. Aufgrund der zeitlichen Überschneidung der Prozeduren kann
dies demzufolge im Rahmen der sowieso anstehenden Überarbeitung des PAG erfolgen.
Darüber hinaus werden im Rahmen der Etude Detaillée weitere Empfehlungen für die Überarbeitung des
PAG ausgesprochen. Diese sind auf dem nachfolgenden Plan unter den Punkten 4 bis 7 dargestellt und
können folgendermaßen zusammengefasst werden:
•
Festlegung von Auflagen zur Sicherung und Verbesserung der Landschaftsintegration („Servitudes
d’urbanisation“) : Gestaltung der Ortsränder (z.B. Roulingen, Entwicklungsfläche im Norden
Richtung Noertrange sowie weitere punktuelle Ortsrandsituationen); Sicherung einer „coupure
verte“ zwischen Roullingen und Wiltz.
•
Entwicklung eines Planungskonzeptes mit dem besonderen Fokus auf die landschaftliche
Integration und Vernetzung von Grünräumen (z.B. im Rahmen des Schéma directeur,…): große
Entwicklungsflächen im Norden (Richtung Noertrange) sowie weitere innerörtliche Flächen im
Rahmen des Aufbaus einer „Trame verte“.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Abbildung 5: Maßnahmenplan PAG Wiltz
123
Eschweiler
Durch die Fusion der Gemeinden Wiltz und Eschweiler zur neuen Gemeinde Wiltz erweitert sich das zu
betrachtende Territorium. Da in der neuen Gemeinde Wiltz (ab dem 1.1.2015) kein neuer Gesamt-PAG
erstellt werden soll, wird in der vorliegenden Etude Detaillée der PAG der Gemeinde Eschweiler separat
analysiert und dargestellt.
Im Gegensatz zur aktuellen Gemeinde Wiltz (sprich das Territorium vor der Fusion), welche eine PAGAnpassung gemäss dem 2011 modifizierten Gesetz zum „Aménagement communal et développement
urbain“ begonnen hat, wurde für das Territorium der aktuellen Gemeinde Eschweiler bereits im Jahre
2013 ein überarbeiteter PAG genehmigt (Genehmigung Umweltministerium 2.5.2013; Genehmigung
Innenministerium 05.12.2012).
Der PAG der Gemeinde Eschweiler ist einer strategischen Umweltprüfung gemäss dem Gesetz von
2008 unterzogen worden. Die Kriterien, welche bei der Erstaufstellung der Etude Detaillée im Jahre 1997
verwendet wurden, sind Prüfgegenstände im Rahmen der strategischen Umweltprüfung.
Allerdings ist festzustellen, dass der rezent genehmigte PAG der Gemeinde Eschweiler noch auf der
Grundlage des „Aménagement communal et développement urbain“-Gesetzes von 2004 abgeschlossen
und somit nicht das 2011 neu geschaffene Instrumentarium anwenden konnte. Dies betrifft im Wesentlichen
die Definition von „Servitudes d’urbanisation“, welche es auf PAG-Ebene ermöglichen, präzisere Auflagen,
zum Beispiel im Sinne der Landschaftsintegration, festzulegen.
In diesem Sinne wird aus Sicht des Naturparkes empfohlen, folgende Aspekte bei einer Überarbeitung des
PAG einzuarbeiten:
Festlegungen zur Verbesserung der Landschaftsintegration, zum Beispiel mittels„Servitudes d’urbanisation“
Gestaltung der Ortsrandsituatioun, zum Beispiel mittels „Servitudes d’urbanisation“
Punkt 1 betrifft die in den Ortschaften Eschweiler und Selscheid markierten Bereiche, Punkt 2, den südlichen
Eingangsbereich von Erpeldange, wie sie auf dem nachfolgenden Plan gekennzeichnet sind.
Falls vor der Einarbeitung in den PAG auf den besagten Flächen PAP-Planungen, auf Grundlage des PAG’s
von 2013, erfolgen, respektive genehmigt werden, soll die Gemeinde im Planungsverfahren besonders auf
hier oben genannten Aspekte Wert legen.
Angepasste Etude Detaillée
Erweiterung
des Naturparks Obersauer
November 2014
Abbildung 6: Maßnahmenplan PAG Eschweiler
125
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Anhang
Angepasste Etude Préparatoire des Naturpark Obersauer
im Rahmen seiner Erweiterung,
April 2009; Naturpark Obersauer, Gemeinde Rambrouch und Gemeinde Wiltz
Naturpark Öewersauer

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