UNSER BODEN – AUFBAU UND BESTANDTEILE

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UNSER BODEN – AUFBAU UND BESTANDTEILE
UNSER BODEN – AUFBAU UND BESTANDTEILE
Boden ist die belebte äußere Schicht (etwa 30 bis 200 cm dick) unserer Erde und die
Basis für jedes pflanzliche, tierische und menschliche Leben – also die Haut der Erde. Er
besteht aus mineralischen Bestandteilen (Ton, Schluff, Sand und Gesteine), Pflanzenwurzeln, totem organischen Material, Bodenlebewesen, Bodenluft und Bodenwasser.
Definition „Boden“ nach ÖNORM L1050
Boden ist der oberste Bereich der Erdkruste, der durch Verwitterung, Um- und Neubildung (natürlich oder anthropogen verändert) entstanden ist und weiter verändert wird;
er besteht aus festen anorganischen (Mineralanteil) und organischen (Humus und Lebewesen) Teilen, aus mit Wasser und den darin gelösten Stoffen sowie mit Luft gefüllten
Hohlräumen und steht in Wechselwirkung mit Lebewesen.
Aufbau des Bodens
Jeder Bodentyp besteht aus einzelnen mehr oder weniger gut
erkennbaren vertikalen Schichten, den sogenannten Bodenhorizonten. Zuoberst befindet sich die Auflage abgestorbener Pflanzenteile, die Streuschichte (0-Horizont). Darunter liegt der als AHorizont bezeichnete Oberboden, der reich an Nährstoffen und
Bodenlebewesen ist. Der nun folgende Unterboden (B-Horizont)
besitzt einen hohen Anteil an Mineralien und bildet den Übergang
zum unverwitterten Ausgangsgestein, dem Untergrund (CHorizont). Die Mächtigkeit der einzelnen Schichten ist unterschiedlich.
Aber nicht nur durch die Schichtung der Bodenhorizonte lassen
sich die verschiedenen Bodenarten und -typen unterscheiden.
Durch die Verwitterungsprozesse entstehen immer kleinere Gesteinsteilchen. Diese Korngröße ermöglicht erste Rückschlüsse
auf die Fruchtbarkeit und die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu
binden.
Böden in der Steiermark
In der Steiermark finden wir recht unterschiedliche Bodentypen. Deren Eigenschaften
variieren aufgrund wechselnder Standortfaktoren, wie Gestein, Relief und Grundwasserstand stark. Für das warmgemäßigte, feuchte Klima Mitteleuropas sind Braunerden und
Parabraunerden typisch. Ihr Farbton geht auf den Gehalt von braun-schwarzen
Mineralien zurück. Die Braunerde ist der charakteristische Boden der Laubmischwälder.
Durch die hier herrschende Feuchtigkeit wird das Falllaub schnell zersetzt und eine dicke
Humusschicht gebildet. Unsere Waldböden sind daher tief und nährstoffreich.
Heute findet man anstelle der Laubmischwälder großflächiges Ackerland. Überall dort, wo
der Boden nicht zu flachgründig ist, wurde er umgepflügt.
Die flachgründigen Böden (Rendsinen) mit wenig Wasserreserven der Gebirge sind für
den Menschen kaum nutzbar. Sie werden nicht nur durch die Steilheit der Hänge, sondern auch durch hohe Niederschläge und tiefe Temperaturen beeinflusst.
Moorboden besteht vorwiegend aus den zersetzten Resten von Torfmoosen. Er ist sehr
sauer und arm an Nährstoffen. Unter den nassen und sauerstoffarmen Bedingungen wird
die Zersetzung des organischen Materials gehemmt. Hier überleben nur besonders angepasste Tiere und Pflanzen. Heute sind die meisten ursprünglichen Moorflächen durch
Entwässerung und Kultivierungsmaßnahmen zerstört und/oder stark verändert.
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Charakterisierung
Acker (Parabraunerde): tiefgründig, nährstoffreich, weit verbreitet
Aue (Gley): ständig wassergesättigt, verbreitet in Tälern und Niederungen
Hochmoor (Torf): sauer und nährstoffarm, Alpenvorland
Nadelwald (Podsol): wenig fruchtbarer Sandboden, Gebirge (Sandstein, Granit)
Grünland (Pseudogleye): Böden mit zeitweiliger Staunässe, häufig in der Ebene
Gebirge (Ranker): flachgründig, erosionsgefährdet, steile Gebirgshänge, Äcker in
Hanglage
Trockenrasen (Rendzina): flachgründig, auf Kalkgestein
Steppe (Schwarzerde): äußerst fruchtbar (gibt es in der Steiermark nicht)
Bodenbestandteile
Ein durchschnittlicher Boden besteht aus 45 % Mineralien (große Steine – Kies - Sand –
Schluff - Ton), 5 % organischer Substanz (Humus, Pflanzenwurzeln), Bodenleben, 25 %
Wasser und 25 % Luft. Ein gut entwickelter Boden besteht meist zur Hälfte aus festen
Bestandteilen (mineralische und organische Substanzen) und zur Hälfte aus Bodenporen.
Dies sind Hohlräume zwischen den Bodenteilchen. Sie enthalten Luft und Bodenwasser.
Bodentierchen können sich hier entlang von Pflanzenwurzeln fortbewegen. Größere
Bodentiere graben die Hohlräume bzw. Gangsysteme selbst.
Humus besteht aus zersetzten organischen Substanzen (tote tierische und pflanzliche
Reste) und deren Umwandlungsprodukte, Tonmineralien, Kalk und tierischen Ausscheidungen, den sogenannten Ton-Humus-Komplexen.
Aufgrund der Größe der Bodenteilchen unterscheidet man die folgenden Körnungsklassen:
Bezeichnung
Ton
Schluff
Sand
Korngröße
in mm
< 0,002
Eigenschaften
Mit freien Auge nicht sichtbar, trüben Wasser, mäßig
durchlässig für Wasser und Luft, großes Wasserspeichervermögen
0,063-0,002 Mehlartige Konsistenz, Mittelstellung, dichte Lagerung der
Teilchen, häufig Nährstoffarmut
2-0,063
Größe ähnlich Grieskörner und Kies; nährstoffarm, erosionsgefährdet, luft- und wasserdurchlässig
Dem Mischverhältnis dieser Bestandteile entsprechend können verschiedene Bodenarten
charakterisiert werden. Skelettböden besitzen zum Beispiel einen hohen Kiesanteil.
Nährstoffarme Sandböden verlieren leicht Feuchtigkeit. Tonböden sind sehr gute Wasserund Nährstoffspeicher. Ist der Tonanteil sehr hoch, so bildet sich eine wasserundurchlässige Schichte und es kommt zu einem Stauhorizont. Für den Acker- oder Gartenbau sind
besonders Lehmböden günstig, die aus einem Gemenge von Ton, Schluff und Sand
bestehen. Diese Böden sind sehr fruchtbar und besitzen einen ausgewogenen Nährstoffund Wasserhaushalt.
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Auch die Farbe des Bodens gibt Hinweise auf die Beschaffenheit. Schwärzliche,
graue und braune Farbtöne im Oberboden zeigen nährstoffreichen Humus an. Gelbe,
rote, blaue und grüne Farben beruhen auf das Vorhandensein verschiedener Mineralien
wie z.B. Eisen (Braunrotfärbung). Unter Luftabschluss und ständiger Wassersättigung
können tiefschwarze Unterböden entstehen. Durch Anreicherungen von Gips oder
löslichen Salzen wird der Boden weiß gefärbt. Da aber der Boden je nach Feuchtigkeitsgehalt in einem anderen Farbton erscheint, werden in der Bodenkunde Bodenarten mit
Hilfe von Farbtafeln unterschieden.
Hoher Sandanteil bedeutet:
gute Wasserführung
geringes Wasserhaltevermögen
intensive Durchlüftung
gute Durchwurzelbarkeit
leichte Bearbeitungsmöglichkeit
geringer Nährstoffgehalt
geringes Speichervermögen
Hoher Tonanteil bedeutet:
schlechte Wasserführung
hohes Wasserhaltevermögen
schlechte Durchlüftung
schlechte Durchwurzelbarkeit
schwierige Bearbeitungsmöglichkeit
hoher Nährstoffgehalt
hohes Speichervermögen
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BODEN UND KLIMA
Boden und Klima beeinflussen sich gegenseitig. Je nach Klima verläuft die Bodenentwicklung in völlig unterschiedlicher Geschwindigkeit ab, sie dauert von wenigen Jahrzehnten
bis zehntausenden von Jahren.
Trockenboden, O. Winder
Wenn es sehr feucht und sehr warm ist, herrschen optimale Bedingungen für die Bodenbildung: Mikroorganismen sind dann enorm aktiv und auch die (bio)chemische Verwitterung ist kaum zu bremsen. Ist es allerdings kalt und trocken, so stagniert die Bodenbildung und lediglich die physikalische Verwitterung findet statt.
Wesentliche Parameter für die Bodenbildung sind:
 Höhenlage
 mittlere Jahrestemperatur
 Frostbeginn und letzte Spätfröste
 mittlere jährliche Niederschlagsmenge, Gewitterneigung ua. Extremereignisse
 Hauptwindrichtungen
 Beginn und Ende der Vegetationsperiode
Umgekehrt haben auch die Böden einen großen Einfluss auf das Klima. Denn insbesondere der humose Oberboden speichert enorme Mengen an Kohlendioxid, das als Treibhausgas zu den Hauptverursachern des derzeitigen Klimawandels zählt. Global gesehen enthalten Böden rund 4-mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre, rund 50 % davon in
Form organischer Materie. Durch die Bodenbearbeitung (Land- und Forstwirtschaft) verlieren Böden allerdings im Extremfall wieder bis zu einem Drittel dieses gebundenen Kohlenstoffs – nicht ohne Folgen für das Klima.
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HUMUS
Als Humus bezeichnet man die Gesamtheit der toten organischen
Substanz in einem Boden. Durch die Stoffwechselaktivitäten der
Bodenorganismen unterliegt der Humus einem ständigen Auf-, Umoder Abbau. Bei strengerer Auslegung der Definition wird
unter Humus nur der zersetzte organische Anteil im Boden verstanden.
Der Abbau organischen Materials erfolgt in zwei Schritten, bei dem auf eine grobe
Zersetzung (Humifizierung) eine anschließende völlige Aufspaltung (Mineralisierung) der
kohlenstoff-, sauerstoff- und wasserstoffhaltigen Substanzen durch Mikroorganismen
erfolgt. Auf diese Weise werden den Pflanzen und Tieren wiederum Kohlendioxid, Wasser,
Ammonium, Mineralstoffe und viele Spurenelemente zur Verfügung gestellt.
Wichtig für die Stabilität des (vor allem landwirtschaftlich genutzten) Bodens ist der TonHumus-Komplex. Darunter versteht man eine dauerhafte Verbindung von Tonmineralien
mit organischen Stoffen wie Huminsäuren, Aminosäuren ua. Diese Huminstoffe
"verkleben" die Tonteilchen und erzeugen dauerhafte Aggregate, die der Verschlämmung
bei Starkregen, der Auswaschung und auch der mechanischen Zerstörung widerstehen.
Intensives Bodenleben fördert die Bildung des Ton-Humus-Komplexes, insbesondere im
Darm von Regenwürmern herrschen optimale Bedingungen.
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Die im Boden enthaltene Humusmenge ist abhängig von Klima, Vegetation und
Bodennutzung. Grundsätzlich unterscheidet man Landhumusformen von wassergeprägten Humusformen.
Landhumus wird je nach dem Zersetzungsgrad der organischen Substanz in Rohhumus,
Moder und Mull eingeteilt.
Rohhumus entsteht auf nährstoffarmen, biologisch wenig aktiven Böden, zB unter
Nadelwald oder auf sauren Heideflächen.
Moder ist eine Zwischenform zwischen Rohhumus und Mull und bildet sich vor allem
unter krautarmen Laub- und Nadelwäldern auf relativ nährstoffarmen Gesteinen oder
unter feuchtkühlen Klimabedingungen. Er besteht aus zerbissenen Pflanzenresten sowie
dem Kot kleiner Bodenbewohner und ist mit dem Mineralboden nur wenig vermischt. Typisch für den Moder ist der Pilzgeruch.
Mull entsteht dagegen auf nährstoffreichen, biologisch aktiven Böden - er bildet die
hochwertigste Humusform. Die leicht abbaubaren Vegetationsrückstände werden von
Bodentieren eingearbeitet und rasch humifiziert - es bilden sich hochwertige Ton-HumusKomplexe. Das Kohlenstoff/Stickstoffverhältnis (C/N-Verhältnis) solcher Böden ist sehr
günstig. Ackerflächen, Weinberge und Obstanlagen weisen in der Regel diese Humusform
auf.
Die wassergeprägten Humusformen entstehen bei der Verlandung stehender Gewässer. Am bekanntesten ist der Torf. Er ist reich an Poren und hat eine sehr hohe Wasserspeicherkapazität.
Die Zersetzung organischen Materials unter kontrollierten Bedingungen macht sich der
Mensch durch die Kompostierung zu Nutze. Organische Abfälle aus Haushalt und Garten
werden durch die Destruenten zu wertvollem Humus abgebaut.
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KOMPOSTIERUNG
Aus Abfällen kann man wunderbare Blumenerde machen. Das funktioniert aber nicht mit
allen Abfällen, sondern nur mit dem Biomüll. Was ist Biomüll? Schaut euch in der Küche
um: Gemüse- und Obstreste, Essensreste, Eierschalen, Tee und Kaffeepulver. Ebenso
zählen zum Biomüll Stroh, geschnittenes Gras, verwelkte Blumen, zerkleinerte Aststücke
und Laub. Errichtet den Komposthaufen an einem abgelegenen Ort in eurem Garten oder
etwa im Schulhof. Ein dichtes Blätterdach oder ein Vlies dienen als Sonnen- und Regenschutz.
Bioabfälle, O. Winder
Wie ist so ein Komposthaufen aufgebaut? Er muss Kontakt zum Boden haben, damit Tiere einwandern können. Zuerst wird grobes Material wie zum Beispiel Äste und Zweige
aufgeschüttet. Dann werden Küchenabfälle abwechselnd mit Rasenschnitt oder Laub aufgetragen. Essensreste müssen mit Erde bedeckt werden. Alles wird locker auf den Haufen
gelegt, damit der Luftsauerstoff eindringen kann, den die Kompostlebewesen zum Atmen
brauchen. Abschließend wird der Kompost mit Erde abgedeckt, damit es im Komposthaufen warm und feucht bleibt – auch das lieben Kompostlebewesen.
Kompost im Garten, O. Winder
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Die ersten Lebewesen in einem Komposthaufen sind Mikroorganismen
wie zum Beispiel Bakterien. Diese beginnen damit, die organischen Stoffe zu zersetzen.
Durch diese Aktivität wird es im Inneren bis zu 60 Grad Celsius heiß. Krankheitskeime
und Blumensamen werden dabei abgetötet. Dieser Vorgang dauert ca. 6-7 Wochen.
Bakterien Streptomyces, Wikipedia
Wird es im Inneren des Komposthaufens wieder kühler, so breiten sich andere Lebewesen aus: Pilze, Würmer, Asseln, Hundert- und Tausendfüßer, Springschwänze, Fadenwürmer und Insektenlarven, die an der Unterseite des Komposthaufens eindringen. Die
Zerkleinerung und Zersetzung der organischen Stoffe wird fortgesetzt. Es entsteht der
humusähnliche, fruchtbare Kompost mit krümeliger Struktur. Nach ca. einem halben Jahr
ist die Komposterde fertig und ihr könnt sie für eure Gartenarbeit verwenden.
Regenwürmer, UBZ Archiv
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BODEN UND LANDWIRTSCHAFT
Wie bereits unter dem Punkt „Bodenverdichtung“ beschrieben, zerstört ein zu intensiver
Ackerbau den Boden. Vor allem Mais, der erst spät im Jahr heranwächst und außerdem
nur sehr flache Wurzeln ausbildet, begünstigt die Bodenabschwemmung. Landwirtschaft
kann sich auch positiv auf den Bodenzustand auswirken. Extensiv und biologisch
wirtschaftende Landwirte achten auf den Erhalt und die Anreicherung des Bodens mit
organischen Substanzen. Das vermindert die Gefahr der Bodenerosion.
Landwirtschaft, E. Lenhard
Biobauern verzichten auf chemisch-synthetische Stickstoffdünger und leicht lösliche
Phosphate. Die wichtigen Nährstoffe, die der Boden für seine Fruchtbarkeit benötigt,
werden ihm vorwiegend über organische Dünger, wie zum Beispiel Kompost und Mist,
zugeführt. Die Düngung erfolgt zumeist zwei bis vier Wochen vor der Aussaat und
Pflanzung. Ebenso werden im biologischen Landbau die Bodenfruchtbarkeit und das
Bodenleben mit einer geeigneten Fruchtfolge erhalten und mit der Gründüngung wieder
aufgebaut.
Der Boden wird möglichst schonend bearbeitet. Grünland, Hecken und Feldraine zwischen
den Ackerflächen werden erhalten.
Düngemittel: Eines vorweg: Bei der richtigen Auswahl und Dosierung der Düngemittel
stellen diese für den Boden keine Gefahr dar. Düngemittel (Jauche, Gülle, Mist, Handelsdünger, Wirtschaftsdünger) sind notwendig, da durch die Ernte der Kulturpflanzen
organische und mineralische Bestandteile verloren gehen. Denken wir nur an den
natürlichen Kreislauf im Wald: Das verwelkte Blatt fällt auf den Waldboden und wird dort
von Kleinstlebewesen in seine Ausgangsstoffe zerlegt. Diese stehen am Ende wieder den
Pflanzen zur Verfügung. Kulturpflanzen werden geerntet und abtransportiert. Durch
falsche Düngergaben kann es sein, dass Nitrate ausgewaschen werden und das Trinkwasser verseuchen.
Pflanzenschutzmittel (Pestizide): Pestizide sind meistens chemische Substanzen, die
die Kultur- und Forstpflanzen vor Unkraut, Insekten oder Pilzbefall schützen sollen. In der
biologischen Landwirtschaft sind viele dieser Pestizide verboten. Es wird mit biologischem
oder integriertem Pflanzenschutz gearbeitet. Darunter versteht man ein ganzheitliches
Arbeitsprogramm, das greift bevor Krankheiten entstehen oder Schädlinge einfallen: Ein
lebendiger Boden wird gefördert, nur standortgerechte und möglichst heimische Pflanzen
werden gepflanzt. Die Pflanzen werden vorbeugend gestärkt und gepflegt. Ebenso
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werden natürliche Lebensräume in der Umgebung (Raine, Wiesen, Hecken etc.)
gefördert bzw. neugepflanzt. Dies sind die Lebensstätten der Nützlinge.
Übrigens, eine große Menge an Pestiziden wird gerade im eigenen Garten verspritzt.
Der Boden wird sauer: Saurer Regen entsteht dadurch, dass gewisse Luftschadstoffe in
Säuren umgewandelt werden und dann zusammen mit dem Regen auf die Böden fallen.
Hauptverursacher des sauren Regens sind der Verkehr, Verbrennungsprozesse von
Industrie und Hausfeuerungen und die Landwirtschaft. Die Folgen sind Nährstoffarmut,
da im Boden vorhandene Nährstoffe leicht ausgewaschen werden. Dies führt zu einem
Nährstoffmangel bei den Pflanzen und dadurch zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber
Krankheiten. Die Bodenlebewesen wandern aus und die Bodenstrukturschäden werden
nicht mehr regeneriert.
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Ökologischer Landbau + Böden in Gärten
Biologisch wirtschaftende Landwirte bemühen sich, einen möglichst geschlossenen
Betriebskreislauf aufzubauen. Die Tiere werden artgerecht gehalten (d.h. ausreichende
Bewegungsfreiheit, Kälber bleiben bei der Mutter, kein Tiermehl, keine Leistungsförderer...) und mit betriebseigenen Futtermitteln, die frei von jeglichen chemischen
Zusätzen sind, gefüttert. Um die Bodenfruchtbarkeit der landwirtschaftlich genutzten
Flächen zu erhalten, wird nur betriebseigener organischer Dünger verwendet. Künstliche
Düngemittel und Pestizide sind verboten. Um Ernteschäden zu vermeiden, wird
vorbeugender Pflanzenschutz praktiziert. Der biologische Landbau ist erwiesenermaßen
die einzige ressourcenerhaltende, nachhaltige Form der Landwirtschaft. Er ist
praktizierter Umweltschutz, der zum nachhaltigen Schutz von Boden, Wasser, Luft, Tierund Pflanzenarten mehr leisten kann als andere landwirtschaftliche Anbaumethoden.
Der „Öko-Bauer“ bearbeitet sein Land mit kleineren, leichteren, auf schonende
Bearbeitung ausgerichteten Arbeitsgeräten und Maschinen als in der konventionellen
Landwirtschaft üblich ist. Die Maschinen haben breite Reifen, die den Druck gleichmäßig
verteilen. Folglich wird der Boden nicht tief gepflügt, sondern aufgelockert und flach
gewendet. Außerdem wird der Boden nur bearbeitet, wenn er trocken ist.
Ökologische Bodenbewirtschaftung führt zu einer weniger dichten aber stabileren Bodenstruktur und an der Oberfläche zu einer höheren Wasseraufnahmefähigkeit.
Konservierende und reduzierte Grundbodenbearbeitung (Schichtengrubber, Zweischichtenpflug) führen im Vergleich zum Pflug (intensiv) nicht nur zu einer Humusanreicherung
in der Oberkrume, sondern zu erhöhten Humus- und mikrobiellen Biomassegehalten im
gesamten Krumenbereich.
Durch nicht wendende Bodenbearbeitung mit dem Schichtengrubber wird die Regenwurmbesiedlung gefördert.
Eine konservierende und reduzierte Bodenbearbeitung führt zu erhöhter Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens.
Auch in der biologischen Landwirtschaft muss der Bauer auf Pflanzenschutzmittel
zurückgreifen, wenn die Ernte bedroht ist. In den meisten Fällen kommt er mit biologischen Mitteln (vorbeugender Pflanzenschutz, biologischer Pflanzenschutz) aus.
Allerdings hat er meist weniger mit Schädlingen zu tun als die herkömmlich arbeitenden
Bauern. Ein Grund dafür ist die Fruchtfolge: Ständig wechselnder Anbau verhindert, dass
sich ein Schädling in einem Feldstück häuslich einrichten kann. Das Nahrungsangebot ist
begrenzt, da es keine riesigen Monokulturen gibt. Werden chemische Pflanzenbehandlungsmittel (Biozide) verwendet, wird das Bodenleben empfindlich gestört sowie
unser Grund- und Trinkwasser belastet. Die Unkrautbekämpfung erfolgt durch pflanzenbauliche Maßnahmen (z.B. Fruchtfolge) oder durch mechanische Maßnahmen (Striegeln).
Schädlinge werden durch den Einsatz von natürlichen Feinden bekämpft (z.B. Marienkäfer frisst Blattlaus). Sind sämtliche Maßnahmen zur Aktivierung der boden- und
pflanzeneigenen Abwehrkräfte ausgeschöpft, können verschiedene Pflanzenauszüge und
natürliche Pflanzenschutzmittel verwendet werden.
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Unter Bodenerosion versteht man den Verlust der fruchtbaren Bodenkrume
durch Wind oder Wasser. Häufig werden Erosionsprobleme durch zu intensive und großflächige Landnutzung oder erosionsfördernde Bodenbearbeitung herbeigeführt: Bodenerosion lässt sich vermeiden, zum Beispiel durch:
 eine schützende "Bodendecke" aus Zwischenfrüchten oder Untersaaten
 Einsaat von Grünland
 Verzicht auf erosionsfördernde Kulturen wie Mais
 Anlage und Erhalt von Hecken als natürliche Barrieren gegen Erosion
 Bodenbearbeitung quer zur Hanglinie
Düngung
Die Leistungsfähigkeit eines Bodens ist im ökologischen Landbau eng an seinen Humusvorrat geknüpft. Langzeitversuche zeigen, dass ausreichende Humusbildung bei Stallmistdüngung wesentlich besser gesichert werden kann als mit anderen Düngerarten. Im
Biolandbau wird ausschließlich mit Stallmist, Kompost, Gründüngung und verschiedenen
Kalk- und Gesteinsmehlen gedüngt.
Eine vielfältige Fruchtfolge, Pflanzen- und Wurzelreste (Gründüngung) von abgeernteten
Feldern und/oder frischer Mist fördern das Bodenleben. Gemeinsam mit einer schützenden Gründecke bieten diese Maßnahmen den Bodenorganismen genügend Nahrung. Ihre
Abbau- und Ausscheidungsprodukte, vermischt mit mineralischen Bodenteilchen, ergeben
eine nährstoffreiche, krümelige Erde.
Leicht lösliche Düngemittel sind verboten und würden den Bodenorganismen nur
schaden.
Erhöhte Diversität der Beikrautflora
Jegliche Landnutzung stellt für die Natur eine Belastungsprobe dar. Zahlreiche
Untersuchungen zeigen, dass durch die ökologische Bewirtschaftung (natürliche
Düngung, schonende Bodenbearbeitung) die typische Vielfalt an Pflanzen und Tieren
erhalten und gefördert wird. Auf biologisch bewirtschafteten Feldern und Wiesen ist die
Artenzahl im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Flächen um ein Viertel höher.
Die Bodenfruchtbarkeit wird durch natürliche Düngung und schonende Bodenbearbeitung
deutlich gefördert. Bodenmikroorganismen, Regenwürmer und Laufkäfer sind in den ökologisch bewirtschafteten Feldern häufiger anzutreffen als in intensiven Kulturen. Ökologischer Landbau hilft, dass die Biodiversität trotz landwirtschaftlicher Nutzung des Landes
auf hohem Niveau erhalten bleibt. Die aktiven, vielseitigen Gemeinschaften von Mikroorganismen bewirken im Boden außerdem eine effiziente Nutzung organischer Kohlenstoffquellen.
Bodenschutz beginnt im eigenen Garten. Das Wissen der Biobauern und die Erkenntnisse
der Ökologen sollten wir auch für unseren Garten nutzen.
In Gemüsebeeten sollte es keine nackte Erde geben, die der Wind fortwehen oder das
Wasser wegspülen kann. Durch eine Mulchschicht aus getrocknetem Grünschnittmaterial,
Laubkompost, Stroh oder durch Gründüngungspflanzen (Erdbeeren, Kapuzinerkresse,
Gras, Raps, Klee) zwischen den Kulturpflanzen oder Sträuchern bleibt die Bodenstruktur
erhalten, die Bodenorganismen werden geschützt und können ihre volle Aktivität
entwickeln, was sich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Zudem gibt es einen
ganz praktischen und sichtbaren Vorteil: Eine Mulchschicht verhindert zu starkes
Unkrautwachstum.
„Unaufgeräumter“ Garten statt Einheitsrasen mit exotischen Ziersträuchern! Gestalte
deinen Garten möglichst vielfältig: Sträucher, Bäume, Hecken und Blumenwiese sind
nicht nur wunderschön, sie sind auch Lebensraum für viele Tiere, darunter den
sogenannten Nützlingen, die die Schädlinge bekämpfen (zB: Marienkäfer, Florfliege oder
Ohrwurm fressen Blattläuse). Pflanze nur Blumen, Bäume und Sträucher,
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die bei uns heimisch und an den jeweiligen Standort angepasst sind
(Boden, Feuchtigkeit, Sonne, Schatten..) – du brauchst dann keine Spritzmittel und
keinen Handelsdünger. Der einzige Dünger, der verwendet werden kann, ist der
Kompost. Im Notfall kann man auf Pflanzenauszüge wie Brennnesselsud zurückgreifen,
um lästige Gäste los zu werden.
Wer eine Fruchtfolge (Abwechseln von Gemüsesorten in einem Beet) einhält, kann viele
Krankheiten vermeiden, die auf Pflanzen aus derselben Familie übertragen werden.
Oftmals verbleiben nämlich Dauerformen von Krankheitskeimen im Boden, die bei der
Folgekultur mit verwandten Pflanzen wieder aktiv werden und diese mit derselben Krankheit anstecken. Außerdem wird dadurch die Auslaugung des Bodens verhindert.
Küchenkräuter können Schädlingsbefall vorbeugen (zB. Knoblauch, Zwiebel, Karotte).
Kerbel vertreibt Ameisen aus dem Gemüsebeet. Tagetes und Ringelblume hemmen die
Ausbreitung von Fadenwürmern.
Im Gemüsebeet gibt es eigene „Nachbarschaftsgesetze“, die das Miteinander der
Gemüsepflanzen regeln. Diese Pflanzen fördern sich gegenseitig, indem sie die Nachbarpflanze vor Schädlingen schützen.
Verträglich:
Radieschen – Kohlgewächs
Erbsen – Kopfsalat
Zwiebeln - Karotten
Petersilie - Tomaten
Spinat - Kohlrabi
unverträglich:
Erbsen - Tomaten
Zwiebeln - Kohlgewächs
Petersilie - Kopfsalat
Buschbohnen - Erbsen
Düngung: Selbst hergestellter Kompost eignet sich zur Nährstoffversorgung der Pflanzen
ausgezeichnet. Alle organischen Garten- und Küchenabfälle werden kompostiert und als
Dünger und Bodenverbesserungsmittel dem Boden wieder zugeführt. Bei richtiger
Kompostwirtschaft enthält der Kompost alle wichtigen Pflanzennährstoffe. Lediglich Stickstoff (in Form von Hornspänen etc.) muss bei starkzehrenden Kulturen (zB. Tomaten)
noch zugegeben werden. Kompost eignet sich als Dünger nicht nur auf den Gemüsebeeten, sondern kann im gesamten Garten verwendet werden. Zusätzlich kann auch
Jauche aus Brennnesseln oder Beinwell hergestellt werden.
Die Fruchtfolge verhindert das Auslaugen des Bodens. Das heißt, das nicht in jedem Jahr
dieselbe Pflanzenart im selben Beet gezogen werden darf. Zur Überprüfung des
Nährstoffvorrates des Bodens sollte man alle zwei bis drei Jahre eine Bodenuntersuchung
durchführen. Übrigens, Wiesen dürfen nicht gedüngt werden, da das der Artenvielfalt an
Tieren und Pflanzen schadet.
Bitte keine torfhältige Gartenerde verwenden! Der Abbau des Torfs zerstört den sensiblen
Lebensraum Moor.
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Versuch zur Nachbarschaftshilfe:
Was man braucht: mehrere Gläser mit großer Öffnung und einem Korken, biegsamer
Draht, Watte, Kressesamen, verschiedene Pflanzenteile: gepresster Knoblauch, zerschnittener Löwenzahn, grob geriebener Kren, Rosenblätter etc. Nun wird auf den Boden jedes
Glases zerkleinertes Pflanzenmaterial gelegt. Der Draht wird zu einer Schlinge geformt,
um darin den angefeuchteten Wattebausch mit den Kressesamen zu befestigen. Die
Drahtschlinge mit dem fertigen Wattebausch ins Glas hängen und mit dem Korken verschließen.
In den Gläsern werden sich die Kressepflänzchen nach einigen Tage unterschiedlich entwickeln. Manche Pflanzenpartnerschaften haben das Wachstum gefördert, andere haben
es behindert. Wenn du wissen willst, wie sich die Kresse normal entwickelt, so kannst du
in einem Glas allein Kresse ankeimen lassen.
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EINFLUSS LANDWIRTSCHAFTLICHER MAßNAHMEN AUF BODENTIERE
Maßnahmen, die Vielfalt, Individuendichte und Biomasse von
Bodentieren erhöhen
Bodenbearbeitung
Fruchtfolge
Düngung
Pflanzenschutz
Strukturelemente
Maßnahmen, die Vielfalt, Individuendichte und Biomasse von
Bodentieren vermindern
 nicht bei nassem Boden,
 möglichst flach wenden,
auflockern,
 Pflanzenreste bleiben auf
Bodenoberfläche,
 Leichte Arbeitsmaschinen
verwenden
 Arbeit auf zu feuchtem Boden,
 tiefe, wendende Pflugarbeiten,
 eingraben von Pflanzenresten
 nicht bei nassem Boden, möglichst flach wenden, auflockern,
 Pflanzenreste bleiben auf Bodenoberfläche,
 leichte Arbeitsmaschinen verwenden










Düngung nach Ernte,
Stallmist,
Kompost,
Dünger nur flach einarbeiten,
Gründüngung
 Mangelnde Nährstoffversorgung,
 Überdüngung,
 Anreicherung von nicht abbaubaren Rückständen und
Schwermetallen,
 leicht lösliche Dünger
 mechanischer Pflanzenschutz
(mechanisches Unkrautentfernen),
 Fruchtfolgegestaltung,
 Einsatz von Nützlingen
 Biozide,
 vorbeugender, chemischer
Pflanzenschutz,
 Monokulturen
 standortgerechter Pflanzenbestand,
 Zulassen von Wiesenstreifen,
Hecken, Bäumen, Büschen
(Biotop-vernetzung)





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intensive Fruchtfolge,
langfristig offene Böden,
einseitige Erntereste,
entfernen der Erntereste,
ernten bei nicht tragfähigem
Boden
„aufgeräumte“ Landschaft,
gleichartige Strukturen,
Flurbereinigung,
Monokulturen,
erosionsgefährdende Maisäcker
Pflanzen als Bodenberater - Zeigerpflanzen
Noch vor ca. 50 Jahren kannte jeder Bauer die Beikräuter auf seinen Anbauflächen.
Heute werden sie als störend angesehen und mittels Herbiziden vernichtet, wobei man
mit der richtigen Bodenbearbeitung eine Massenausbreitung verhindern kann. Viele
ehemalige Ackerbeikräuter stehen auf der Roten Liste bzw. sind bereits verschwunden.
Diese Beikräuter sind aber wichtige „Berater“ für den Bauern und liefern als sogenannte
Zeigerpflanzen eine kostenlose Bodenanalyse. Aber auch Pflanzen, die wir in der Natur
finden, weisen uns auf den Zustand des Bodens hin. Hier einige Beispiele:
Zeigerpflanzen für
Saure Böden
Wilder Rettich, Bunter Hohlzahn
Weniger saure Böden
Futter-Esparette, Acker-Senf
Kalkarme Böden
Besenginster, Heidelbeere
Feuchte, lockere, gut durch- Echter Erdrauch, Acker-Vergißmeinnicht
lüftete Böden
Staunässe
Kriechender Hahnenfuß, Huflattich, Ackerschachtelhalm,
Ackerminze, Gänse-Fingerkraut
Feucht-nasse Böden
Schlangen-Knöterich, Großer Wiesenknopf
Stark verdichtete Böden
Gänsefingerkraut, Breit-Wegerich
Stickstoffreiche Böden
Kleines Knopfkraut, Ackerhellerkraut, Große Brenn-Nessel,
Schwarzer Nachtschatten, Franzosenkraut, Gänsefuß, Vogelmiere
Trockene Böden
Wiesen-Salbei,
Bergklee,
Zypressen-Wolfsmilch,
Karthäuser-Nelke
Böden mit hohem Humusge- Vogel-Sternmiere, Persischer Ehrenpreis, Efeublättriger
halt
Ehrenpreis
Ellenberg 1979
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