Was ist in Winterthur anders als in Zürich?

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Was ist in Winterthur anders als in Zürich?
GZA/PP 8048 Zürich
80. Jahrgang
Donnerstag, 13. Februar 2014
Nr. 7
Erscheint 1-mal wöchentlich, am Donnerstag Herausgeber: Lokalinfo AG, Buckhauserstrasse 11, 8048 Zürich Verlag Tel. 044 913 53 33, Fax 044 910 87 72 www.lokalinfo.ch
«Der Abbruch des nicht-inventarisierten Objekts hat nichts mit der städtischen Denkmalpflege zu tun», findet die Stadt. Aber warum war es
denn nicht inventarisiert? Das Bahnwärterhäuschen (Foto) wurde kurz
vor Weihnachten von der Stadt platt gemacht. Foto: Baugeschichtliches Archiv
In Zürich ist die SP (hier Stadtpräsidentin Corine Mauch im Medienfokus) kräftig am Ruder und die SVP nicht
in der Exekutive, in Winterthur hat die SVP geschafft, was ihr in Zürich seit Jahrzehnten nicht gelingt. Foto: ls.
Was ist in Winterthur anders als in Zürich?
Ein Kommentar von
Andreas J. Minor nach den
Wahlen vom Wochenende in
Zürich und in Winterthur.
Andreas J. Minor
In Winterthur jubelt die SVP: Ihr Kandidat Josef Lisibach hat ein kleines
Wunder vollbracht. Er hat die Bisherige Pearl Pedergnana von der SP klar
besiegt. Nach zwölf Jahren zieht nun
wieder ein SVP-Politiker in die Winterthurer Exekutive ein. Mit seinem
Einzug in die Winterthurer Stadtregierung verschiebt sich zudem das
politische Gewicht: Die Bürgerlichen
verfügen nun in der Exekutive über
eine Mehrheit. Die angestrebte Wende
ist geglückt.
Nachdem die beiden SVP-Kandidaten Nina Fehr Düsel und Roland
Scheck in Zürich zwar den Sprung ins
Stadtparlament mit guten bis sehr guten Resultaten geschafft, ihr Ziel, in
die Stadtregierung einzuziehen, jedoch äusserst klar verfehlt haben,
stellen sich einige Fragen: Tickt Zürich wirklich so anders als Winterthur? Was sind die Gründe für den
Erfolg in Winterthur? Kann die Stadtzürcher SVP diesen Erfolgsweg für
sich kopieren, um beim nächsten Urnengang ihr seit langem angestrebtes
Ziel, wieder im Zürcher Stadtrat vertreten zu sein, zu erreichen?
Die Ausgangslage der Winterthurer und der Stadtzürcher SVP war
vergleichbar: In Winterthur ging die
SVP als wählerstärkste Partei, in Zürich als zweitstärkste in den Wahl-
kampf. Dass es dennoch wieder nicht
reichte, lag an den Kandidaten. Roland Scheck konnte die Wählerinnen
und Wähler offensichtlich trotz seiner
langjährigen Arbeit im Gemeinderat
nicht durch grosse Dossierkenntnis
und konsensorientiertes Politisieren
überzeugen. Nina Fehr Düsel hatte da
als Newcomerin einen wesentlich
härteren Start. Mit ihrem guten Resultat bei den Gemeinderatswahlen
hat sie es geschafft, auf Anhieb ins
Stadtparlament zu kommen. Das war
sicher ihr wichtigstes Ziel. Dass sie
den Einzug in den Stadtrat nicht geschafft hat, lag daran, dass sie in der
Dossierkenntnis noch nicht über den
hohen Stand eines Josef Lisibach verfügt. Doch was nicht ist …
Weitere Artikel zu den Wahlen:
Seite 4 und Seite 9
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Blick hinter jüdische Kulissen
Der Quartierverein Enge lud zu einer
ganz speziellen Führung: einer Führung in die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRGZ) an
der Freigutstrasse 37. Durch die Synagoge führte Miriam TreuhaftLewenstein. Treuhaft ermöglichte einen spannenden, selten möglichen
Einblick ins Leben der jüdischen Gemeinschaft. Daneben war auch die
Architektur des Baus ein Schwer-
punktthema. Denn diese Synagoge ist
ein herausragendes und äusserst
qualitätvolles Beispiel des Art déco,
der in Zürich mit nur vergleichsweise
wenigen Bauten vertreten ist. Entsprechend dieser Bedeutung ist die
grosse Synagoge auch unter Schutz
gestellt als Objekt von Kantonaler Bedeutung. Den informativen Artikel
von Jeannette Gerber lesen Sie auf
letzten Seite
der
Personalwirren bei Denkmalpflege
Bei der städtischen Denkmalpflege wechseln die Angestellten auffallend häufig. Das lokalhistorische
Wissen bleibt damit weitgehend auf der Strecke, dafür verliert ein ehemaliger
Chefbeamter seine Contenance.
Lorenz Steinmann
Nicht erst seit dem weitherum für
viel Unverständnis sorgenden Abriss
des letzten Bahnwärterhäuschens auf
Stadtgebiet («Zürich 2» berichtete) ist
die städtische Denkmalpflege im Fokus der Öffentlichkeit. Geht es um
verweigerte Dachaufstockungen, unbewilligte Reklametafeln an Fassaden
oder blockierte Umbauten wie die
Kirche auf der Egg zum Hotel oder
ein fahriges Ja zum Abbruch des Güterbahnhofs, die beim Amt für Städtebau angegliederte Denkmalpflege
sorgt für Unverständnis und Kopfschütteln.
zunehmend Personen beschäftigt
werden, die nur über rudimentärste
Ortskenntnisse verfügen». Damit seien ihnen auch die gesamtstädtischen
und überkommunalen Zusammenhänge nicht bekannt. Käme endlich
Bewegung in die Angelegenheit, dann
hätte der Abbruch des Bahnwärterhäuschens wenigstens etwas Positives bewirkt.
Politzeichen «aufgehende Sonne»
Postwendend erhielt der am Sonntag
als AL-Politiker in den Zürcher Gemeinderat gewählte Guggenheim ein
gehässiges Schreiben: «Was unsere
jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Ausbildung und Wissen, an
Engagement und Einsatz vor Ort mitbringen und leisten, verdient nicht,
mit dem Politzeichen der aufgehenden Sonne gebrandmarkt zu werden», scheibt Urs Baur zwar auf privatem Briefpapier, aber inhaltlich
klar als Mitarbeiter und Ad-interimLeiter formulierend. Baur selbst ist
zwar ein gebürtiger Zürcher mit viel
fachlichem Know-how und er wohnt
erst noch am Neumarkt 8 über dem
Theater – notabene in einer städtischen Wohnung.
Der ominöse Brief
Dass die Nerven auch innerhalb der
Denkmalpflege blank liegen, zeigt ein
eigentlich persönlichkeitsverletzender Brief des Ad-interim-Leiters der
städtischen Denkmalpflege, Urs Baur,
an den (privaten) Engemer Heimatschützer Edi Guggenheim. Dieser
liess im «Tages-Anzeiger» einen Leserbrief veröffentlichen, worin er kritisiert, dass «in der Denkmalpflege
Die Belegschaft aus Deutschland
Doch die meisten seiner Arbeitskolleginnen und -kollegen scheinen von
ihrer Herkunft her nicht den grössten
lokalgeschichtlichen Hintergrund zu
haben, wie externe Stimmen unabhängig voneinander festhalten. Denn
diese Angestellten der Denkmalpflege
kommen aus Deutschland.
Fortsetzung Seite 3
Andreas Bachmann gewinnt
Hannes Binder sorgt für Furore
Christoph Stokar gibt Tipps
«Der Wahlsonntag ist jetzt vorbei. Das ist gut so. Selbstverständlich bin ich froh über das klare Votum der Wählerinnen
und Wähler», sagt Andreas Bachmann. Er ist der Sieger der
Kampfwahlen um die Enge-Notariatsleitung
Seite 5
Der in Wollishofen aufgewachsene Hannes Binder ist Illustrator und wohnt im Quartier Oberstrass. Er erhielt für seine Illustrationen im Bilderbuch «Ich ging in Schuhen aus Gras»
den Schweizer Kinder- und Jugendmedien Preis
Seite 7
Christoph Stokar landete mit seinem «Schweizer Knigge» einen Bestseller und hinterfragt regelmässig die Trends unserer Gesellschaft. Im Gespräch mit «Zürich 2» erzählt er, was
ihn nervt in Zürich und was nicht.
Seite 11
AKTUELL
IN KÜRZE
Aemtler-Schulhaus
Die beiden Betreuungsprovisorien auf der denkmalgeschützten
Schulanlage Aemtler sollen einem
neuen Betreuungsgebäude weichen. Das Team von Camponovo
Baumgartner Architekten, Zürich, hat den Architekturwettbewerb für das neue Betreuungsgebäude für sich entschieden. Der
Bau soll 2018 bezugsbereit sein.
Steuerwettbewerb
Die Steuerbelastung für die Einwohnenden des Kantons Zürich
ist 2012 gesunken. Zurückzuführen ist dies vor allem auf den
Ausgleich der kalten Progression.
Die Einkommenssteuerbelastung
im Kanton Zürich liegt gemäss
dem neuesten Steuerbelastungsmonitor der Finanzdirektion nur
noch knapp über dem nationalen
Durchschnitt. Zürich hat sich damit in der Gesamtindex-Rangliste
der Kantone um sechs Plätze auf
den zehnten Rang verbessert.
Neue Prorektorin
Zürich 2
Personalwirren bei der Denkmalpflege
Fortsetzung von Seite 1
So oder so lässt die extreme Personalfluktuation der letzten Jahre zumindest aufhorchen. Neben den vielen raschen Kündigungen war es vor
allem der Fall von Kaderfrau Karin
Dangel, die wegen Burnout nach einem halben Jahr Chefposition krankgeschrieben wurde und später ganz
aus dem Staatsdienst ausschied.
ser jene, wie es um die soziale Kompetenz von Patrick Gmür bestellt sei
(siehe separater Artikel «Kurz nachgefragt»)
Im März beginnt die dritte Bauetappe an der Bahnhofstrasse
vom Paradeplatz bis zur Talstrasse, im Juni folgt die Strecke von
der Uraniastrasse bis zum Bahnhofplatz. Die neue Bahnhofstrasse ist im November fertig. Am
Donnerstag, 25. Februar, orientieren Stadträtin Ruth Genner
und die Projektverantwortlichen
um 18 Uhr im UBS-Konferenzgebäude, Nüschelerstrasse 9, über
die bevorstehenden Bauarbeiten.
Gutes Geschäftsjahr
Die Zürcher Kantonalbank erhöhte im Geschäftsjahr 2013 ihren
Bruttogewinn um 2,5 Prozent auf
877 Mio. Franken, den Konzerngewinn um 7,2 Prozent auf 797
Mio. Franken. Dieses erfreuliche
Jahresergebnis gestattet eine Gewinnausschüttung an den Kanton
und die politischen Gemeinden
von 369 Mio. Franken und die
Stärkung der Eigenkapitalbasis
mit einem Gewinnrückbehalt von
428 Mio. Franken.
Ein pikanter Nebenschauplatz: Urs
Baur wohnt im «Dörfli» in einem
Haus der Stadt Zürich, das wegen
der Wohnsitznahme einer berühmten Sängerin ins Gerede kam.
Steht in der Kritik, will aber nicht
selbst Stellung nehmen: Amtsleiter
Fotos: ls. /zvg.
Patrick Gmür.
Ist seit einem Jahr Leiterin der
Denkmalpflege innerhalb des Amts
für Städtebau: Martina Jenzer.
Nach kurzer Zeit krank geschrieben
und später ganz ausgeschieden:
Karin Dangel.
Lokalhistorisches
Zusammenschluss
Die Trägerschaft der Careum
Weiterbildung AG wird seit Januar erweitert durch die Stiftung
Diakoniewerk
Neumünster
–
Schweizerische
Pflegerinnenschule, die das Spital Zollikerberg, das Alterszentrum Hottingen & Rehalp und die Residenz
Neumünster Park betreibt. Careum Weiterbildung entstand
2012 aus dem Zusammenschluss
von Institutionen, die sich in der
Weiterbildung von Berufsleuten
im Gesundheitswesen engagieren.
KURZ NACHGEFRAGT
«Das Amt für Städtebau wählt seine Mitarbeiter
nicht nach der Nationalität aus»
Die Empörung war gross, als «Zürich 2»
den Abriss des letzten Bahnwärterhäuschens auf Stadtgebiet bekannt machte.
Was lief da falsch bei der Denkmalpflege
der Stadt Zürich?
Die Stadt Zürich musste im Fall
Bahnwärterhäuschen wie so oft eine
Güterabwägung vornehmen. In diesem Fall wurden die nachvollziehbaren denkmalpflegerischen Aspekte
den kostentechnischen Überlegungen
untergeordnet. Der Abbruch des
nichtinventarisierten Objekts hat somit nichts mit der städtischen Denkmalpflege zu tun.
Vor einigen Jahren wurde die einflussreiche Position des städtischen Denkmalpflegers gestrichen, sie taucht seither nicht mehr im Organigramm auf.
Wieso?
Das ist nicht korrekt. Im Organigramm des Amtes für Städtebau ist
Martina Jenzer als Leiterin der Denkmalpflege der Stadt Zürich ausgewiesen. Die promovierte Architektin mit
wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund hat diese Funktion seit gut
einem Jahr inne und hat sich sowohl
lokal als auch kantonal als ausgewiesene Fachkraft etabliert.
AUF
EIN WORT
Kurz, nachdem ich vor doch
schon sieben Jahren als Redaktor
beim «Zürich 2» anfing, sagte mir
ein launischer Zeitgenosse, ich
solle doch lieber beim «Pöschtli»
in Arosa arbeiten. Also in meiner
Heimat bleiben. Er wusste nicht,
dass ich vorher schon 15 Jahre in
Zürich lebte und arbeitete.
Eine weitere kompetente Fachperson, Franziska Kaiser, wechselte
ebenfalls rasch wieder die Stelle und
arbeitet heute bei der Kantonalen
Denkmalpflege. «Die Szene der Denkmalpfleger ist relativ klein», weiss
der Leimbacher Heimatschützer Anton Monn. Für ihn liegt das Problem
an der Amtsführung. «Es spricht sich
natürlich herum, dass das Führungsklima nicht das beste ist.» Kein Wunder, müsse die Stadt seine Denkmalpfleger in Deutschland rekrutieren.
Auch wenn Monn nicht konkreter
werden will, gemeint mit der Kritik
ist wohl Patrick Gmür, Direktor des
Amts für Städtebau. Auf Anfrage
wollte Patrick Gmür nicht persönlich
Stellung nehmen. Er verwies auf die
Pressstelle, die die schriftlich eingereichten Fragen beantwortete – aus-
Personalwirren bei der
Denkmalpflege? Stellvertretend für Amtsleiter Patrick
Gmür gibt Martina Vogel
vom Hochbaudepartement
Auskunft.
3
«Man soll ihr Zeit geben»
Der Fachhochschulrat hat die
Professorin Barbara Fäh zur neuen Prorektorin der Abteilung
Ausbildung der Pädagogischen
Hochschule Zürich ernannt. Die
Erziehungswissenschaftlerin tritt
auf Beginn des Herbstsemesters
2014/15 die Nachfolge von
Hans-Jürg Keller an, der Ende
2013 von seinem Amt zurückgetreten ist.
Bahnhofstrasse
13. Februar 2014
Lorenz Steinmann
Marcel Knörr, Architekt und ehemals
Präsident des Zürcher Heimatschutzes, bedauert die Streichung der eigentlichen Stelle des «Städtischen
Denkmalpflegers» nach wie vor. «In
den guten alten Zeiten gab es in Zürich den Stadtbaumeister und den
Denkmalpfleger der Stadt Zürich,
beide mit einer starken Stellung innerhalb der städtischen Verwaltung.
2012 gab es dafür neun Projektleiter
und -leiterinnen, verteilt auf vier
Städtebauteams und mit der fachtechnischen Leiterin, Martina Jenzer.
Seit einem Jahr im Amt, arbeitet sie
kompetent und lösungsorientiert»,
sagt Knörr auf Anfrage. «Man soll ihr
nun Zeit geben», so Knörr. Edi Guggenheim fordert wie früher eine eigenständige Amtsststelle für die
Denkmalpflege. «Am besten wäre
diese beim Präsidialdepartement angesiedelt, wie die Stadtentwicklung».
Damit wäre auch die Befangenheit
nicht so akut, wie mit der jetzigen Situation beim Hochbaudepartement,
ist Guggenheim überzeugt.
«Kleine Szene»
Nr. 7
Trotzdem ist dies eine untergeordnete
Stelle mit weniger Einfluss. Denn seit
einer Reorganisation ist die Denkmalpflege in das Amt für Städtebau integriert. Bei den gut 1000 Stellenprozenten ist seither eine ausserordentlich hohe Personalfluktuation auszumachen.
Wieso?
Planung & Denkmalpflege ist bereits
seit 1946 Teil des Hochbauamts, wie
es damals noch hiess. Das Amt für
Städtebau gibt es in der heutigen
Form seit 1997 – und seit da ist auch
die Denkmalpflege Teil davon. In
jüngster Vergangenheit gab es zudem
keine Abgänge mehr. Der Grund für
die relativ hohe Fluktuation zwischen
2009 und 2011 hat mit der beruflichen Weiterentwicklung der Mitarbeitenden zu tun. Fakt ist, dass die
Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger der Stadt Zürich in der ganzen Schweiz als Fachleute sehr begehrt sind. Viele von ihnen sind heute in leitender Position in anderen
Schweizer Städten in der Denkmalpflege oder der kommunalen Verwaltung tätig.
Mit Anke Klöth, Grit Angermann, Claudia
Neun, Anna Joss und Christiane Thomas
als Beispiele sind aufallend viele Sachverständige deutscher Herkunft als
Denkmalpfleger angestellt. Welche Probleme stellen sich damit Ihrer Meinung
nach punkto lokalem und historischem
Sachverständnis, und wie wird einem
allfälligen Manko entgegengewirkt?
Das Amt für Städtebau wählt seine
Mitarbeitenden nicht nach der Natio-
nalität, sondern nach der Ausbildung, der Berufserfahrung und der
Sozialkompetenz aus. Alle Mitarbeitenden der Denkmalpflege haben sich
so in ordentlichen Bewerbungsverfahren durchgesetzt. Als ausgewiesene Fachleute konnten sich alle Mitarbeitenden der Denkmalpflege, egal
welcher Herkunft, sehr schnell das
für die Tätigkeit in Zürich notwendige lokale Wissen aneignen. Teilweise
leben sie schon seit Jahren in der
Stadt und sind lokal und regional
verwurzelt. Die Mitarbeitenden sind
somit nicht nur hoch qualifiziert, sondern sie kennen die Stadt und ihre
Geschichte wohl auch besser als die
meisten Zürcher/innen. Insofern besteht in keinster Weise ein «Manko».
Wie wollen Sie sicherstellen, dass bei
der städtischen Denkmalpflege bald wieder Ruhe eintritt?
In der Denkmalpflege der Stadt Zürich herrscht keine Unruhe. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen
ihrer Aufgabe mit grossem Engagement und Sachverstand im Rahmen
der ordentlichen Verfahren nach und
nehmen ihren Auftrag, das historische Erbe unserer Stadt zu schützen,
sehr ernst. Das war in der Vergangenheit so und wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Die (schriftlichen) Fragen stellte Lorenz Steinmann, die Antworten erfolgten durch Martina Vogel, stv. Leiterin Kommunikation im Hochbaudepartement der Stadt Zürich.
Diese Episode kam mir in den
Sinn, als ich diese Woche für die
Titelgeschichte «Personalwirren
bei Denkmalpflege» recherchierte.
Denn es geht darin auch um auswärtige Angestellte, konkret darum, dass der weitaus grösste Teil
der Angestellten bei der Denkmalpflege aus Deutschland stammt.
Tue ich diesen Deutschen unrecht
wie mein Kritiker mit dem
«Pöschtli»? Vielleicht, vielleicht
auch nicht.
Tatsache ist, dass Auswärtige
unbelasteter an die Denkmalschutzthematik herangehen können und sie können sich, wenn
sie Deutsche sind, rhetorisch behände wehren. Dass sie, wenn sie
nicht schon länger hier leben,
nicht wahnsinnig gut vernetzt
sind in Zürich, hat ebenfalls Vorteile. Entscheidungen werden weniger mit Seilschaften und Verbandelungen geknüpft. Nachteilig
können sich fehlende lokalhistorische Kenntnisse auswirken. Architekturgeschichten
aus
den
Quartieren, die schlecht oder gar
nicht dokumentiert sind, gehen
vergessen. Obwohl sie einen anderen Blickwinkel nötig machen
würden, wie im Fall des plattgemachten Bahnwärterhäuschens.
Da gehe ich mit den «Heimatschützern» Edi Guggenheim, Markus Knörr und Anton Monn einig
und mache ein Fragezeichen zur
lokalen Kompetenz.
Die Stadt betont, viele bisherige Angestellte seien halt von anderen Fachstellen abgeworben
worden und man rekrutiere nicht
nach Nationalität. Das finde ich
löblich. Aber es ist wohl nur die
halbe Wahrheit. Es hat sich herumgesprochen im überblickbaren
Feld der Denkmalschutzexperten,
dass in Zürich das Arbeitsklima
und seit der hierarchischen Herabstufung auch der Einfluss frostig beziehungsweise klein ist. Es
wäre an der Zeit, dass Stadtrat
André Odermatt den vom damaligen Hochbauvorsteher und privaten Bauherrn Elmar Ledergerber
aufgegleiste
Ausdünnung
der
Denkmalpflege wieder rückgängig
machen würde.
Integrationsbeispiel
Der Stadtzürcher Ausländerbeirat
schreibt in einer Mitteilung, man habe das Schweizer Abstimmungsergebnis zur Masseneinwanderungsinitiative mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. «Auf uns, als hier lebende
Ausländer erweckt es den Eindruck,
dass ein grosser Teil der Schweizer
Bevölkerung erhebliche Vorbehalte
gegenüber den ausländischen Mitmenschen hat.» Die Stadt Zürich sei
hingegen ein sehr gutes Beispiel für
gute Integration. Der Ausländerbeirat
ruft nun zum Dialog auf, damit die
Entfremdung ausserhalb Zürichs abgebaut werde. (pd.)
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Stadt Zürich
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13. Februar 2014
WAHLEN 2014
FDP und AL, die Siegerparteien: Der frischgebackene FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, Michael Baumer (Präsident FDP Zürich) und Stadtrat Andres Türler, der mit 56 907 Stimmen das
Fotos: Lorenz Steinmann, Lisa Maire
beste Resultat erzielte. AL-Stadtrat Richard Wolff (rechts) schaffte mit dem 7. Platz ein solides Resultat, Alec Recher und Isabel Maiorani gratulieren.
Leutenegger erobert zweiten FDP-Sitz zurück
Die Stadtratswahlen boten
wenig Überraschendes. Alle
Bisherigen wurden wiedergewählt. Und die frei werdenden Sitze holten die
«Favoriten» Raphael Golta
(SP) und Filippo
Leutenegger (FDP).
Pia Meier
Nach einem relativ fairen und ruhigen Wahlkampf herrschte am vergangenen Sonntag lange Zeit Funkstille, bis feststand, wie sich der
Stadtrat in der Legislatur 2014 bis
2018 zusammensetzt. Corine Mauch
(SP) verteidigte das Stadtpräsidium
souverän, Andres Türler (FDP) toppte
alle anderen Kandidatinnen und
Kandidaten mit einem Glanzresultat
und Gerold Lauber schaffte seine
Wiederwahl trotz anderer Vorhersagen klar. Auch André Odermatt (SP)
geriet nie in Gefahr abzurutschen,
ebenso wenig Daniel Leupi (Grüne)
und Claudia Nielsen (SP). Auch Richard Wolff (AL), den viele nicht
mehr im Stadtrat sahen beziehungsweise sehen wollten, schaffte es. Mit
Raphael Golta (SP) verteidigte die SP
den Sitz des abtretenden Martin Waser. Dank Filippo Leutenegger (FDP)
holten die Bürgerlichen den im 2013
verlorenen Sitz zurück. Er bekam sogar mehr Stimmen als Golta. Markus
Knauss (Grüne) schaffte es nicht.
Nicht nur die SPler rätselten bereits am Sonntag über die Departementsverteilung. Eines waren sie
sich sicher: Das Tiefbaudepartement
darf nicht an Leutenegger gehen.
Langes Warten auf die Resultate. Gemeinderatspräsident Martin Abele (Grüne, ganz links) kontrolliert, Autorin Dora Koster (in Rot) übergibt Finanzchef Daniel Leupi Blumen, Kathrin Leutenegger herzt ihren Bruder – Markus Knauss und Nina Fehr Düsel sind geschlagen.
Corine Mauch triumphiert, Raphael Golta, Claudia Nielsen und André Odermatt (Bild Mitte) runden das gute SP-Resultat im Stadtrat ab. Die SVP-Politiker mit Thomas Düsel, Nina Fehr Düsel, Roger Liebi und Christoph Mörgeli freuen sich – über die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.
Gerold Lauber (l.) gehörte dem «Top 5»-Team an – immerhin ergab sich nun ein bürgerliches «Top 3»-Resultat. Was wohl André Odermatt mit PR-Leiter
Robert E. Gubler zu besprechen hatte? Auch im Stadthaus: Samuel Dubno (GLP) mit Tochter Yael, Markus Hungerbühler (CVP), Roland Scheck (SVP).
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Zürich 2
AKTUELL
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13. Februar 2014
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Adliswil: Bezirksrat gibt
Freien Wählern recht
Eine Beschwerde der Freien
Wähler Adliswil (FW)
bezüglich der Geschäftsordnung des Gemeinderats
wurde vom Bezirksrat gutgeheissen. Die Partei zeigt
sich hoch erfreut über den
Entscheid.
In den entscheidenden Punkten sei
die Beschwerde der Freien Wähler
zur Geschäftsordnung des Gemeinderats gutgeheissen worden, informiert
die politische Gruppierung in einer
Medienmitteilung.
«In jeder Bürositzung, in der die
Geschäftsordnung beraten wurde
und schliesslich auch an der Gemeinderatssitzung vom 6. März 2013,
wurden die von Anfang an klar begründeten Einwände der Freien
Wähler ignoriert», schreiben die
Freien Wähler und ergänzen: «Die
FW wurden so gezwungen, die Einwände mittels einer Beschwerde
beim Bezirksrat vorzubringen. Der
Antrag und die Begründung waren so
klar, dass die Beschwerde auf einem
Brief von zwei Seiten Platz fand.»
«Fast ein Jahr hat es gedauert,
bis die Beschwerde vom Bezirksrat
entschieden werden konnte. Nicht,
weil die Materie wahnsinnig kompliziert wäre. Nein, der für die Dauer
des Verfahrens ausschlaggebende
Punkt waren wohl die 33 (!) Seiten,
mit denen die in dieser Sache federführenden Gemeinderäte die Beschlüsse zu rechtfertigen versuchten», schiessen die Freien Wähler einen Giftpfeil in Richtung des Adliswiler Gemeinderats ab. Das Vorgehen
des Gemeinderatsbüros habe zu einem extrem hohen Aufwand aufseiten des Bezirksrates geführt.
Ihren Vorstoss begründen die
Freien Wähler mit der Gewaltenteilung: «Die Gewaltentrennung ist ein
Kernstück der in der Schweiz gelebten Demokratie. Sie bedeutet, dass
keine Behörde sich selber Kompetenzen einräumen darf, ausser sie habe
den Spielraum dazu per Gesetz oder
Verordnung zugestanden erhalten.
Dieser Grundsatz wurde durch die
von den Freien Wählern beanstandeten Artikel der Geschäftsordnung klar
verletzt.» Doch das letzte Wort ist
wohl noch nicht gesprochen, denn
die FW wittern Widerstand gegen
den Entscheid: «Die bittere Pille der
Niederlage wollen die federführenden
Parteien SP, FDP und SVP so kurz vor
den Wahlen aber offenbar nicht
schlucken. In bester SchildbürgerManier hat der Gemeinderat beschlossen, den Entscheid des Bezirksrates nicht zu akzeptieren und
diesen an das Verwaltungsgericht
weiterzuziehen.» Die Gemeindeordnung wird Adliswil also noch weiter
beschäftigen. (pd./phs.)
Mieter überwältigt Einbrecher
Am Montagmorgen überwältigte ein
Wohnungsmieter im Kreis 2 einen
Einbrecher und hielt diesen bis zum
Eintreffen der Stadtpolizei fest. «Gegen 4.15 Uhr wurde ein 20-jähriger
Mieter einer Erdgeschosswohnung in
Zürich-Wollishofen von verdächtigen
Geräuschen geweckt. Als er aufgestanden war, entdeckte er einen Un-
bekannten, der gerade dabei war, Deliktsgut in einen Rucksack einzupacken», so die Stadtpolizei Zürich. «Erschrocken über das Auftauchen des
Wohnungsmieters liess der mutmassliche Einbrecher seine Beute fallen
und versuchte zu flüchten», so die Polizei weiter. Ein Vorhaben, das dem
49-Jährigen nicht gelang. (pd./phs.)
KAMILS KOLUMNE
Steueroptimierer
Beten für bessere Welt
Eine ökumenische Frauengruppe bereitet seit November letzten Jahres den Weltgebetstag in Wollishofen
vor. Das Motto heisst Ströme in der Wüste. Die Liturgie wurde von Frauen aus
Ägypten verfasst.
Béatrice Christen
Der ökumenische Weltgebetstag hat
eine lange Tradition. Er wird jeweils
am ersten Freitag im März zelebriert.
Es sind Frauen, die ihn gestalten und
auch präsentieren. Jedes Jahr steht
ein anderes Land im Mittelpunkt.
Heuer haben Frauen aus Ägypten die
Liturgie geschrieben. Ihr Gewicht
liegt auf den Wasserströmen. In Wollishofen hat eine neue Frauengruppe
Kamil Krejci lernt jemand ziemlich
Wichtigen kennen.
Foto: zvg.
chen der Welt. Später habe ich nachgelesen, dass dieser vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf 10,4 Milliarden
Dollar geschätzt wird und auf der alljährlich aktualisierten Liste der
reichsten Menschen der Welt den
Platz 106 belegt.
Irgendwann im Laufe des Gesprächs habe ich das Männlein gefragt, was er den so arbeite. Etwas
verschmitzt und auch etwas undurchsichtig wie ein Politiker lugte er
mich aus seinen kleinen Augen an
und bevor ihn die Schränke wieder
hinter den getönten Scheiben des
dunklen Monstrums versorgten meinte er, er arbeite für seinen Bruder. Er
optimiere seine Steuern. Es gibt Momente, Worte und Begriffe, die machen mir Angst.
Kamil Krejci ist Autor, Schauspieler und
Regisseur. Er schreibt regelmässig fürs
«Zürich 2».
die Vorbereitungen zum Weltgebetstag übernommen. Unter der Leitung
von Verena Locher und Silvia Meyer
fanden verschiedene Treffen statt, an
denen über die Gestaltung des Anlasses diskutiert wurde.
Ägyptisches Fladenbrot
«Zürich 2» hat das Weltgebetstagsteam bei einem Brunch in Wollishofen getroffen. Eine der Leiterinnen –
Silvia Meyer – erzählte über die Vorbereitungsarbeiten, die das neue
Frauenteam übernommen hat. «Es
soll ein schöner Anlass werden», betont sie. «Doch bis es so weit ist, gibt
es viel zu organisieren. Wir Frauen
vom ökumenischen Organisationsteam gestalten alles selber. Wir wählen auch die passende musikalische
Umrahmung aus.» Am Weltgebetstag
gibt es keine Pfarrkräfte, dieser wird
überall nur von Frauen aus der ka-
tholischen, reformierten und der
evangelisch-methodistischen Kirche
in Wollishofen bestritten. Silvia Meyer betont: «Wir haben auch Gäste aus
der Enge und aus Leimbach eingeladen. Es wäre schön, wenn einige von
ihnen sich am Weltgebetstag 2015
ebenfalls in das Frauenteam einbringen würden.» Die Kollekte kommt
heuer Frauen- und Mädchenprojekten in Ägypten zugute. Nach der ökumenischen Feier sind die Anwesenden zu ägyptischem Fladenbrot mit
verschiedenen Aufstrichen eingeladen. Dieses Mahl wir den Weltgebetstag 2014 in Wollishofen abrunden.
Ökumenischer Weltgebetstag, Freitag, 7.
März, 19.30 Uhr. Alte reformierte Kirche
in Wollishofen. Nach der Liturgie gibt es
ägyptische Köstlichkeiten im Kirchgemeindesaal, Kilchbergstrasse 21, 8038 Zürich.
Aufschnaufen beim Chefnotar
Die grosse mediale Wellen
werfende Kampfwahl um
die Chefstelle im Engemer
Notariat ist entschieden.
Andreas Bachmann bleibt
Chef und Marco Lucchinetti
sucht sich einen neuen Job.
Kamil Krejci
Es gibt Situationen, da fallen Worte
oder Begriffe, die machen mir Angst.
Vor einigen Jahren sass ich in Spanien am Meer in einer Strandbar und
schlürfte einen gespritzten Weisswein. Die Sonne brannte, die Wellen
rauschten, drei Kinder spielten unter
einem Olivenbaum und der Wirt
Francesco klapperte mit seinem Geschirr. Ansonsten gab es ausser idyllischer Ruhe nur ein paar krächzende
Möwen. Plötzlich fuhr ein dunkler
riesiger Wagen vor, drei dunkel gekleidete Schränke entsprangen dem
inneren des Monstrums beäugten
erst die Kinder, dann Francesco und
mich, nickten stumm und erlaubten
dem hinten sitzenden Männlein sich
an der Bar zu erfrischen. Die Schränke setzten sich an einen eigenen
Tisch und verbreiteten Respekt.
Das Männlein hockte sich zwei Tische neben mir auf einen Stuhl und
bestellte einen Kaffee. Ich fühlte mich
wie in einem sehr schlechten Film.
Irgendwann klingelte mein Handy.
Ich muss wohl tschechisch gesprochen haben, denn nach dem Gespräch nickte mir das Männlein
freundlich zu und grüsste mich in
meiner Muttersprache. Den Schränken zum Trotz erlaubte er mir, mich
zu ihm zu setzen. Wir plauderten
über dies und jenes. Er entpuppte
sich als Bruder des reichsten Tsche-
Teamwork: die ökumenische Weltgebetstags-Frauengruppe aus Wollishofen.
3940 Stimmen für Andreas Bachmann, 1534 Stimmen für Marco Lucchinetti. Somit bleibt der Notariatsleiter Andreas Bachmann auch weiterhin Chef des Engemer Notariats. Auf
Anfrage liess er «Zürich 2» folgendes
Communiqué zukommen: «Der WahlSonntag ist jetzt vorbei. Das ist gut
so. Selbstverständlich bin ich froh
über das klare Votum der Wählerinnen und Wähler. Es erlaubt mir, meine bisherige Arbeit als Notar weiterzuführen. Darauf freue ich mich.
Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen:
Als Leiter des Notariats, Grundbuchund Konkursamts Enge-Zürich ist es
mir wichtig, Bevölkerung und Unternehmen in unserem Stadtkreis 2 in
ihren Anliegen kundenorientiert und
effizient zu unterstützen. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen, die
ich in den letzten Tagen und Wochen
erhalten habe, zeigen mir, dass viele
Kundinnen und Kunden unsere Arbeit positiv erfahren und sie als
gründlich und speditiv schätzen. Es
ist mir ein grosses Anliegen, den
Kundenbedürfnissen so weit als möglich zu entsprechen.». Soweit die
ziemlich allgemeinen Worte von
Bachmann.
Keine Stellung zu Kritik
Holte rund 30 Prozent der Stimmen: Herausforderer Marco Lucchinetti. Der Oberstleutnant wird nun
eine neue Stelle suchen.
zvg.
Auf detaillierte Fragen wollte der im
Vorfeld leicht angeschossene Dübendorfer nicht Stellung nehmen. Auch
nicht, was ihm durch den Kopf ging,
als er in einem kritischen Leserbrief
eines bekannten Anwalts im «TagesAnzeiger» frontal angegriffen wurde.
Egal ist im Prinzip auch, ob das Arbeitsverhältnis zwischen Bachmann
und Luchinetti zerrüttet ist oder
nicht. Denn Lucchinetti wird nun
kündigen und «eine neue Herausforderung suchen», wie er «Zürich 2»
schon vor dem Wahlsonntag sagte.
Froh über das klare Votum: Andreas Bachmann. Er will nun seine Arbeit weiterführen – aber auch
nichts ändern.
6
Stadt Zürich
Nr. 7
13. Februar 2014
AKTUELL
Sport im Vorschulalter
Die Sportmöglichkeiten in der Stadt
Zürich sind fast endlos. Einige Angebote richten sich an die Jüngsten,
denn schon in ganz jungem Alter ist
Bewegung wichtig. Wächst man in einem aktiven Umfeld auf, ist die Chance gross, dass man sich auch im erwachsenen Alter noch gerne sportlich betätigt. Die Broschüre «Sport im
Vorschulalter» enthält verschiedene
Angebote für Kleinkinder von 0 bis 4
Jahren.
Im Fokus stehen vor allem Angebote für Turnen und Schwimmen. Eltern-Kind-Turnen,
Eltern-Kind-
Energie und technische Brillanz: Darsteller des Musicals «West Side Story» auf der Bühne.
Der Broadwayklassiker in der hochkarätigen Inszenierung von Joey McKneely mit der selten gezeigten Originalchoreografie von Jerome Robbins wird in
der Schweiz ausschliesslich in Zürich zu
sehen sein. Bereits anlässlich des fünfzigsten Jubiläums der «West Side Story» hielt diese Produktion weltweit Publikum und Kritik in Atem.
Die Inszenierung von «West Side
Story» vereint die unvergleichlich vitale Musik, die Dramatik und die Aktualität des Meisterwerks in einer Produktion mit 36 Darstellern und insgesamt
ANZEIGEN
Wettbewerb
Wir verlosen 5x 2 Tickets für
«West Side Story» am Dienstag,
18. Februar, 19.30 Uhr im Theater 11. Bitte am 14. Februar,
14.00 – 14.15 Uhr anrufen unter:
Telefon 044 913 53 96
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist
ausgeschlossen
über 80 Beteiligten. Darüber hinaus
charakterisiert sie etwas, das für die
Inszenierung des Musicals wesentlich
und doch derzeit weltweit einmalig ist:
Jerome Robbins’ unnachahmliche,
atemberaubende Tanzsprache, einstu-
Die Broschüre liegt in den städtischen Bade- und Sportanlagen auf. Tel. 044 413 93
93 oder www.sportamt.ch.
Neuer Medizinischer Direktor
Foto: Nilz Böhme/zvg
Broadwayklassiker wieder in Zürich
International gefeiert und
prämiert: Die «West Side Story» gastiert im Theater 11.
Schwimmen und Babyschwimmen
sind bei Eltern mit Kleinkindern sehr
beliebt. Auch in diversen Gemeinschaftszentren gibt es Bewegungsangebote für die Kleinsten. Ausserdem
bietet «Sport im Vorschulalter» Angaben zu Badeanlagen, Kunsteisbahnen, Spielplätzen im Stadtgebiet und
dem Schlittelweg auf dem Üetliberg.
Bei allen Angeboten sind Kontaktpersonen angegeben, die den Interessierten gerne weiterhelfen. (pd.)
diert von Joey McKneely. Die Inszenierung zeigt die Originalchoreografie so
frisch, als hätte sie eben erst Premiere
gefeiert. Die jungen Darsteller interpretieren sie mit umwerfender Energie
und technischer Brillanz – in der englischen Originalsprache.
Die «West Side Story» ist eines der
erfolgreichsten Bühnenstücke aller
Zeiten. Leonard Bernsteins unsterbliche Kompositionen wie «Tonight»,
«Maria» oder «America» machen es
neben der packenden und tief bewegenden Geschichte auch musikalisch
zu einem Glanzstück. (pd./ mai.)
Theater 11 Zürich, 18. Februar bis 16.
März. Di/Do/Fr jeweils 19.30 Uhr, Mi
18.30 Uhr, Sa 14.30/19.30 Uhr, So
14/18.30 Uhr. www.westsidestory.ch.
Patrice Ambühl, Chefarzt des Instituts für Nephrologie, ist seit dem
1. Februar für die medizinische Gesamtleitung am Stadtspital Waid verantwortlich. Er übernahm das Amt
des Medizinischen Direktors von Daniel Grob, der sich künftig auf die
Weiterentwicklung seiner Klinik für
Akutgeriatrie konzentrieren wird.
Der 51-jährige Prof. Dr. med. Patrice Ambühl ist seit sieben Jahren
am Stadtspital Waid tätig. Der Chefarzt des Instituts für Nephrologie leitet unter anderem die drittgrösste
Hämodialysestation der Schweiz. Als
Chefarzt hat Ambühl auch die nephrologische Zusammenarbeit mit dem
Stadtspital Triemli intensiviert: Seit
2012 betreut er zusammen mit seinen Kaderärztinnen und -ärzten zusätzlich die Nierenpatientinnen und
-patienten im Triemli. Bevor er ans
Stadtspital Waid kam, arbeitete er
mehrere Jahre als Oberarzt am Uni-
versitätsspital Zürich. Er besitzt eine
Titularprofessur für das Fach Nephrologie an der Universität Zürich.
«Ambühl ist somit als neuer Medizinischer Direktor bestens für die weitere Vernetzung der Medizin innerhalb der Stadt Zürich gerüstet», ist
das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich überzeugt.
Der bisherige Medizinische Direktor Grob ist nach vier intensiven Jahren von seiner Funktion zurückgetreten. Mit grossem und erfolgreichem
Engagement hatte er in dieser Zeit
die Umsetzung der neuen Leistungsaufträge und der neuen Spitalfinanzierung vorangetrieben. Grob wird
sich künftig als Chefarzt der Klinik
für Akutgeriatrie auf die Weiterentwicklung seiner Klinik sowie auf die
vereinbarte neue Zusammenarbeit
zwischen Stadt, Universität und dem
Universitätsspital im Geriatrienetz
Zürich konzentrieren. (pd.)
Zürich 2
HINTERGRUND
Nr. 7
13. Februar 2014
7
«Alle Erwachsenen waren einmal Kind»
Der in Wollishofen aufgewachsene Hannes Binder ist
Illustrator und wohnt im
Quartier Oberstrass. Er erhielt für seine Illustrationen im Bilderbuch «Ich
ging in Schuhen aus Gras»
den Schweizer Kinder- und
Jugendmedien Preis.
Stefan Greter
Hannes Binders Spezialität ist die
Schabkartontechnik. Mit einem Kartonmesser schabt er feine weisse Linien in einen schwarz beschichteten
Karton. Diese Schicht besteht aus
Kreide, Leimgranulat und Titanweiss
«Ich habe schon verschiedene Auszeichnungen im Ausland erhalten.
Dieser Preis ist die erste Auszeichnung hier in der Schweiz», erzählt
Hannes Binder.
Typisch Binder
Schon mehrmals war er in der
Schweiz für einen Preis nominiert,
doch ging er, bis vor kurzem, immer
leer aus. «Im Computerzeitalter fristen von Hand gezeichnete SchwarzWeiss-Illustrationen ein stiefmütterliches Dasein. Ich habe mich immer
gegen im Computer generierte Illustrationen gesträubt. Dank meiner
Spezialität wurde meine Technik
mein Markenzeichen. Diese ist unverwechselbar. Man erkennt eine Illustration von mir an der Technik.»
Diese wird als typische Binder bezeichnet. «Ich wurde in eine Zeit geboren, da Kunst oft mit einer Botschaft verbunden war, doch ich war
zu jung, um eine Message zu kreieren», erinnert sich Binder.
Über neun Monate schwanger
mit einer Idee
Der Text für das prämierte Buch
schrieb der Wiener Heinz Janisch.
«Er schrieb ein Gedicht, das mich inspirierte und mit dem ich zwei Jahre
lang schwanger war, bis ich die ersten Illustrationen anfertigte», erzählt
Binder. Kennengelernt haben sie sich
vor über 20 Jahren an der Kinderbuchmesse in Bologna in Italien.
Diese Messe ist das Mekka der
Autoren und Illustratoren von Kinderbüchern. «Als Illustrator muss ich
mich nicht 1:1 an das halten, was in
einem Text beschrieben wird. Würde
ich dies tun, so wären die Illustrationen bald langweilig. Als Künstler erfindet man einen neuen Raum, in
dem man sich bewegen kann», erklärt er. Hannes Binder erfuhr letzten
Frühling von seiner Nominierung für
ANZEIGEN
Er zeichnet von Hand und nicht am Computer: der preisgekrönte Illustrator Hannes Binder bei der Arbeit in seinem Atelier in Oberstrass.
die Liste der möglichen Preisgewinner. Die Preisverkündigung fand im
November in einem Kulturzentrum in
Bern statt. «Als mein Name fiel, hatte
ich für eine kurze Zeit einen Schock.
Ich konnte es einfach nicht glauben
und empfand eine Erleichterung sowie eine Genugtuung, dass ich in der
Schweiz einen Preis erhalten habe.
Es ist ein wichtiger Preis, der die
Aufmerksamkeit der Medien auf das
Medium Illustrationen lenkt.»
Strich für Strich
Wenn Hannes Binder arbeitet, entsteht auf der schwarzen Kreidefläche
mit jedem Strich mehr Licht. Strich
für Strich wird eine neue Schöpfung
geboren. «Ich bin noch im 21. Jahrhundert ein Handwerker in dieser
Branche», spricht Hannes Binder mit
einem gewissen Stolz. Dies ist die
Frucht seiner Beharrlichkeit, Illustrationen als eine Handwerkskunst anzusehen und nicht als eine Sache von
Bits und Bytes.
Buzzati, die Atelierkatze
Der Atelierkatze Buzzati ist dies egal.
Sie liegt zusammengerollt in einer
Kartonschachtel im Künstlerraum
und döst vor sich hin. Die Schlafstätte ist mit einem flauschigen Frotteetuch gepolstert, sodass es sich gut
träumen lässt. «Mein Traum ist es,
einmal einen Roman ohne Worte zu
illustrieren», erzählt der preisgekrönte Illustrator.
Hannes Binder hat zwei Töchter,
doch keine von den beiden zeigt Interesse, einmal in die Fussstapfen
des Vaters zu treten. «Meine Katze
Buzzati hat scharfe Krallen, die sich
gut eignen, um in einem Schabkarton
Spuren zu hinterlassen. Er könnte
einmal mein Nachfolger werden»,
sagt Hannes Binder in einer humorvollen Bemerkung. «Ich werde oft gefragt, ob sich meine Arbeit rentiert.
Dies ist der Fall. Es gab Zeiten, da
musste ich Aufträge ablehnen, weil
ich einfach keine Zeit dafür hatte.»
Haus bietet gutes Ambiente
Sein Haus, in dem er mit seiner Ehefrau Dorothee wohnt, ist im Neobarockstil gebaut. Es stammt aus den
Anfängen des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich als reines Atelier gebaut,
entstanden später auch Wohnräume.
«Die Architektur eines Gebäudes
strahlt auf die Bewohner aus», ist
Hannes Binder überzeugt. «Als meine Kinder noch klein waren, konnte
ich in diesem Haus kaum Kunst kreieren, da die Erziehung des Nach-
Foto: sgr.
wuchses mehr Präsenz erforderte,
als normalerweise ein Künstler zeigen kann. Ein Künstler ist mit seiner
Kunst verheiratet. Ich lebte damals
von den Aufträgen der Printmedien»,
erzählt Hannes Binder von seiner
Vergangenheit. Nebst Illustrationen
malt Binder auch Gemälde in Acryl.
Über 20 Jahre lang stellte Binder in
der Galerie Wiedenkeller seine Bilder
aus. Diese Galerie befand sich im
Kreis 1, doch sie existiert nicht mehr.
«Schön wäre es, wenn es in Zürich
einen offiziellen Raum für Illustrationen gäbe, wo Künstler ihre Werke
ausstellen könnten und sich untereinander über das aktuelle Geschehen in
der Illustrationsszene austauschen.
Illustrierte Bücher wenden sich vordergründig an kleine Erdenbürger,
doch welcher Erwachsene war nicht
einmal ein Kind»?
8
Zürich 2
Nr. 7
HINTERGRUND
13. Februar 2014
Wenn die Stimmen im Kopf nicht verstummen wollen
Immer mehr Personen
leiden unter psychischen
Problemen. Dabei suchen
sie auch zunehmend Hilfe
beim Selbsthilfecenter
in Zürich. Dieses feierte
kürzlich sein 40-jähriges
Bestehen. Im Rahmen
der Reportage konnte eine
Journalistin bei einem Treffen einer Selbsthilfegruppe
dabei sein. Ein Einblick.
40 Jahre Selbsthilfe
Das Selbsthilfecenter Zürich ist
eine Dienstleistung der Stiftung
für offene Türen der Schweiz.
Die Stiftung wurde 1973 in
Zürich gegründet, mit dem
Zweck, Hilfe für Menschen in
geistiger und seelischer Not anzubieten. Umgesetzt wurde dies mit
einer psychologischen Beratungsstelle und offenen Gesprächsabenden. Zur gleichen Zeit existierte das Team Selbsthilfe, das
sich mit Themen im körperlichen
Bereich beschäftigte. (mon.)
Luzia Montandon
nen Angaben selbst von der Schizophrenie geheilt. Doch kann Selbsthilfe heilen? Tom und Silvia glauben jedenfalls daran.
Elf Männer und Frauen, die sich mit
ihren Jeans und den gepflegten Haaren nicht von anderen Menschen in
und um Zürich unterscheiden, sitzen
im hell erleuchteten Raum um einen
kleinen Tisch herum.
Fehlende Akzeptanz
Das Psychoseminar
Die Duftkerze auf dem Tisch füllt den
Raum wohltuend mit einem Geruch
von Eukalyptus. «Ich möchte euch alle herzlich begrüssen zum heutigen
Psychoseseminar», räuspert sich
Tom*. Es ist der erste Abend seit
dem Frühjahr, an dem sich die
Selbsthilfegruppe wieder in dem kleinen Gebäude an der Asylstrasse eingefunden hat. Man kennt sich bereits,
einige sind seit der Gründung der
Gruppe vor über zehn Jahren dabei.
Psychisch krank sind nicht alle
Anwesenden. Das Psychoseseminar
wird trialogisch geführt, das bedeutet, dass Betroffene, Angehörige wie
auch Fachpersonen daran teilnehmen. «Für uns sind aber die Betroffenen die wahren Experten», fügt Tom
hinzu, der als Pflegefachmann in der
Psychiatrie arbeitet.
Hoffen auf Heilung
Wie seine Kollegin Silvia*, die als Beiständin vormundschaftliche Mandate
führt, sieht er die Teilnahme als eine
fortwährende Weiterbildung, mit der
er hofft, seine Patienten besser zu
verstehen. Verstehen, das möchten
alle Teilnehmer: die Eltern, die verzweifelt wissen möchten, was im
Kopf ihres Sohnes vorgeht, oder die
Betroffenen selbst, die sich nicht erklären können, weshalb sie beispielsweise plötzlich Stimmen hören. Um
schliesslich doch feststellen zu müssen, dass es Dinge gibt, «die wir nie
verstehen werden». «Heilbar oder
Blick in einen ganz besonderen Treffpunkt: Zu Gast im Psychoseseminar einer Selbsthilfegruppe.
nicht heilbar?», fragt Tom in die
Runde. So lautet zugleich das Thema
des heutigen Abends, das durch die
Mitglieder des Psychoseseminars gesetzt wurde. Die Selbsthilfegruppe ist
autonom organisiert. Das Selbsthilfecenter, eine Dienstleistung der Stiftung Pro Offene Türen der Schweiz,
vermittelt, gründet sowie berät
Selbsthilfegruppen und stellt ihnen
die nötige Infrastruktur zur Verfügung, wie Daniela Stefano im Interview (siehe untenstehenden Beitrag)
verrät. Im Fall des Psychoseseminars
zahlen die Teilnehmer einen Mitgliederbeitrag von 50 Franken pro Semester, womit die Raummiete bezahlt wird. Nathalia*, eine blonde,
selbstbewusste Frau, die nach einer
erneuten Psychose zurzeit dreimal
F: L. Montandon
pro Woche zum Arzt geht, meldet
sich zu Wort: «Ich glaube schon, dass
es heilbar ist. Das hat Dorothea Buck
bewiesen.» Dieser Name fällt an diesem Abend häufig.
Es scheint, als sei Dorothea Buck
der Inbegriff von Hoffnung für die
Betroffenen. Die Deutsche gilt als
Gründerin des trialogischen Psychoseseminars und hat sich nach eige-
Psychisch Kranke werden nicht geheilt – «auf dem Papier jedenfalls
nicht», beklagt sich Sandra*. Eine
junge Frau, die plötzlich Stimmen im
Kopf hörte und welcher der Arzt bei
der späteren Diagnose sagte: «Ich
kenne solche Fälle, aber für ein 30Prozent-Arbeitspensum sollte es noch
reichen.» Diese Aussage sei für sie
wie ein Schlag ins Gesicht gewesen,
meint die äusserlich wie innerlich gesund wirkende Frau.
«Krebskranke gelten auch als geheilt, sobald sie operiert sind, obschon die Krankheit wieder ausbrechen kann», vergleicht sie weiter.
Aber psychisch Kranke, die über längere Zeit keine Psychosen mehr hatten, würden nie als geheilt gelten. Sie
blieben ihr ganzes Leben stigmatisiert. «Ich wünschte mir manchmal,
ich hätte lieber eine körperliche Behinderung. Dies würden die Menschen wenigstens sehen und verstehen», fügt Simon* leise hinzu.
Für Silvia ist ein solcher Erfahrungsaustausch essenziell: «Die Teilnehmer fühlen sich nicht mehr verloren und alleine in ihrer Problematik.» Es könne eine Form von Lebenshilfe sein. Simon lehnt sich lächelnd in seinen Stuhl zurück. Tatsächlich scheint es, als würde das
Treffen den Teilnehmern gut tun.
Doch zurück bleiben auch die bedrückende Hilflosigkeit der Angehörigen
und das verzweifelte Festklammern
an der Hoffnung auf Heilung.
*Alle Namen der erwähnten Personen sind
der Redaktion bekannt. Sie wurden zum
Schutz der betroffenen Personen geändert.
«Es ist nicht wie im Fernsehen»
Wie entstehen Selbsthilfegruppen? Sozialarbeiterin
Daniela Stefano, Geschäftsleiterin des Selbsthilfecenters in Zürich, erklärt es.
Luzia Montandon
Die Selbsthilfe existiert nun seit 40 Jahren. Was hat sich verändert?
Die Beratungsanfragen sind in den
letzten zwei Jahren um 70 Prozent
gestiegen. Vergangenes Jahr hatten
wir über 2500 Beratungsgespräche.
Dies hat möglicherweise mit der
schwindenden Solidarität in der Gesellschaft zu tun wie auch damit,
dass immer weniger Probleme innerfamiliär gelöst werden können beziehungsweise gelöst werden wollen.
Wie sieht die Aufgabe des Selbsthilfecenters aus?
Wir vermitteln Selbsthilfegruppen,
unterstützen diese bei Neugründun-
gen und beraten bestehende Gruppen. Mittlerweile existieren im Grossraum Zürich über 360 Gruppen zu
rund 170 Themen. Die Gruppen agieren nach einer Einführungsphase autonom. Wir stehen ihnen aber beratend zur Seite.
zelpersonen miteinander zu vernetzen.
Wie wirksam ist Selbsthilfe?
Chronische
Krankheiten
werden
nicht geheilt durch Reden, doch es
gibt den Betroffenen Halt. Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass die Teil170 verschiedene Themen. Welche be- nehmenden durch die Selbsthilfe mit
schäftigen Sie zurzeit?
Problemen und Herausforderungen
Aktuell sind unter anderem Gruppen im Leben einen bessern Umgang finden. Damit können
zu Themen wie Dedie Folgen einer
pressionen, Trauer
«Selbsthilfe ist
Krankheit oder eiund
Trennung/
eine Ergänzung,
ner Belastung geScheidung in der
aber niemals Ersatz
mildert
werden.
Gründungsphase.
Beispielsweise MitEs gibt aber auch
für medizinische Hilfe»
glieder der Gruppe
Themen wie AngeBurn-out-Betroffene
hörige von StrafgeDaniela Stefano
achten aufeinander
fangenen, die in der
Gesellschaft tabuisiert sind. Dies und weisen sich gegenseitig daraufmöchten wir durch Öffentlichkeitsar- hin, wenn sie sich wieder zu fest im
beit verändern. Hin und wieder Arbeitsleben engagieren.
kommt es jedoch vor, dass sich zu
wenig Interessierte für eine Gruppe Kann es nicht auch gefährlich sein,
melden, dann versuchen wir, die Ein- wenn sich Betroffene selbst beraten?
Interviewpartnerin Daniela Stefano hilft mit, dass sich Menschen mit
unterschiedlichsten Problemen selbst helfen können.
Foto: L. Montandon
Nein, die Betroffenen beraten sich
nicht medizinisch. Es ist zwar durchaus möglich, dass man durch den
Austausch andere Behandlungsmethoden kennenlernt, doch ist Selbsthilfe eine Ergänzung, aber niemals
Ersatz für medizinische Hilfe. So raten wir manchen beim Beratungsgespräch eher zu einer medizinischen
Intervention oder zu einem therapeutischen Schritt als zur Selbsthilfe.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass die Menschen ihre Vorurteile
gegen die Selbsthilfegruppe beiseitelegen. Die heutige Selbsthilfe entspricht nicht dem gängigen Klischee,
das wir aus dem Fernsehen kennen.
Zürich 2
WAHLEN LOKAL
Nr. 7
13. Februar 2014
9
Tendenz zum Bürgerlichen im «Zürich 2»-Gebiet
Die Gemeinderäte Hedy
Schlatter (SVP) und Daniel
Ammann (Grüne) verpassten die Wiederwahl. Und
weil Samuel Dubno bei den
Stadtratswahlen lediglich
rund 22000 Stimmen holte,
ist Daniel Leupi nun der
einzige Stadtrat mit
«Zürich 2»-Heimat. Die FDP
hat wieder drei Sitze.
Im Vorfeld der Wahlen goss die «Wochenzeitung» (WoZ) viel Häme über
einen Wollishofer Quartieranlass der
FDP bei der Weber Dach AG. «Es
steht nicht gut um den Zürcher Freisinn», war das Fazit des Fachblatts
für eidgenössische linke Anliegen.
Die Wahlen am Sonntag ergaben ein
anderes Resultat. Logisch, tigerte
FDP-1+2-Parteipräsident Christoph
Luchsinger bei der Wahlfeier triumphierend durchs James Joyce Pub
und wedelte mit dem völlig vergeigten Artikel herum.
ten Abschiffer hingelegt. Eigentlich
erstaunlich nach vierjähriger Regentschaft im Stadtrat durch die Wollishofer Daniel Leupi und Ruth Genner.
Während sich Leupi weitherum Respekt verschaffte und den ehrenvollen
dritten Schlussrang bei den Stadtratswahlen erreichte, scheint die
nicht mehr angetretene Ruth Genner
eher negative Spuren hinterlassen zu
haben. Fehlende Velospuren auf der
millionenteuren Hardbrücke und der
ärgerliche kommunikative Knatsch
um die Unterführungen am Mythenquai machten nicht wenige «GrünWähler» zu SP-Wählern – oder noch
stärker zu AL-Wählern. Und so wird
künftig mit Edi Guggenheim ein
überaus aktiver Quartierbewohner
im Gemeinderat Einsitz nehmen.
Wieder gewählt, wenn auch knapp,
wurde auch der Leimbacher Quartiervereinspräsident Christian Traber
(CVP). Souverän an der Spitze: die
beiden SP-Vertreter Renate Fischer
(3086 Stimmen) und Pawel Silberring
(2911 Stimmen). Resultatedetails: siehe Kasten. (ls.)
Alte Bekannte: Daniel Leupi (Grüne) holt dank 52 744 Stimmen respektable Bronze im Stadtratsranking – und
nutzte die vorgängige Warterei für einen Schwatz mit dem Sanitätsteam von Schutz & Rettung im Stadthaus,
Werner Bader und Patrizia Dervishai. Zu retten und zu verbinden gibt es zum Glück nichts und auch der ewige
Stadtratskandidat Hanfueli zieht vor dem totalen Zusammenbruch wieder ab.
Fertig mit dem Swissair-Loch
Was mittlerweile jeder weiss: Filippo
Leutenegger bootete Markus Knauss
aus und im Wahlkreis 1+2 holte die
FDP den an die Grünen verlorenen
Sitz zurück. Sie hat neu 21 Prozent
Wähleranteil.
Der sogenannte «Filippo»-Effekt
hat das von Alt-Regierungsrat Eric
Honegger (FDP) verursachte symbolische Swissair-Loch endgültig gestopft. Sprich: Anscheinend scheint
die FDP wieder in zu sein. Da konnte
auch die Steueraffäre um Bundesrat
Schneider-Ammann nichts mehr ausrichten. Mit einem Minus von 2,3
Prozent haben die Grünen den gröss-
Jael und Vater Samuel Dubno aus
Wollishofen bibbern den Resultaten entgegen. Fazit: Samuel Dubno
bleibt weiter «nur» Gemeinderat.
Die Kreise 1 und 2 im Stadtparlament
Wahlverlierer in den Kreisen 1 und
2 sind die Grünen, die einen ihrer
beiden Sitze verlieren. Der Grüne
Jürg Ammann wurde nicht mehr
gewählt.
Insgesamt wird dieser Wahlkreis
wieder 12 Mandate im 125-köpfigen Gemeinderat stellen. Wahlgewinner ist auch hier die AL, die
erstmals einen Sitz im Stadtparlament für diesen Wahlkreis erringen
kann. Und die FDP, die einen zusätzlichen Sitz gewinnen konnte
und nun auf total drei Mandate
kommt.
Bei der SVP, die ihre zwei Sitze verteidigen kann, kommt es zu einer
Rochade: Hedy Schlatter, die wegen
ihrer günstigen Stadtwohnung massiv kritisiert wurde, bekam von den
Wählerinnen und Wählern die Quittung ausgestellt. Sie wurde nicht
mehr gewählt. Statt ihr sitzt ab
dem 7. Mai nun Mario Babini für
die SVP im Parlament. (ajm.)
Die 12 Volksvertreter
Die 12 Volksvertreter der Kreise 1
und 2, rangiert nach ihrer Stimmenzahl:
1. Renate Fischer (SP, 3086)
2. Pawel Silberring (SP, 2911)
3. Petek Altinay (SP, 2772)
4. Michael Schmid (FDP, 2526)
5. Martin Bürki (FDP, 2491)
6. Magdalena Willenegger (FDP,
2098, neu)
7. Sven Dogwiler (1803)
8. Gabriele Kisker (Grüne, 1711)
9. Mario Babini (SVP, 1650, neu)
10. Samuel Dubno (GLP, 1629)
11. Christian Traber (CVP, 1439)
12. Eduard Guggenheim (AL, 780,
neu).
Das Kuchendiagramm zeigt die komplette neue Sitzverteilung im Stadtzürcher Gemeinderat. AL und FDP sind die Sieger, die SVP hat zwei Sitze
verloren. Und: Die EVP bleibt dank 1 Stimme im Parlament. Grafik: Liechti
Die FDP als Wahlsieger: Agnieszka Bürki-Kaminska und ihr Ehemann Gemeinderat Martin Bürki (bisher), Theresa Hensch (Alt-Gemeinderätin, Vizepräsidentin Gewerbeverein Zürich 2), Magdalena Willenegger, Gemeinderätin (neu). Es fehlt Michael Schmid, der noch im Wahlbüro zu tun hatte. Im Hintergrund tippt der Engemer
NZZ-Redaktor Urs Bühler still seinen stimmigen Artikel «Chronik einer angekündigten Wende».
Fotos: ls. / zvg.
Jürg Ammann setzte anscheinend
zu wenig politische Akzente. Nun
haben die Grünen mit Gabi Kisker
nur noch eine Ratsvertretung.
Die Medienkampagne war «erfolgreich»: Hedy Schlatter (SVP) wurde
nicht mehr gewählt. Ersetzt wird
sie durch Marco Babini (SVP).
Edi Guggenheim (AL) ist Architekt
und Vorstandsmitglied im Quartierverein Enge. Er ist neu im Gemeinderat mit dabei.
Einen durchaus animierten Wahlkampf, inkl. selbst gesungener Beatles-Lieder, bot Anton E. Monn. Der Einzelkämpfer gründete mit der «Aktion für humanen Städtebau» flugs eine neue Partei und kandidierte für den
Stadt- und Gemeinderat. Trotz respektabler Stimmenzahl reichte es (noch) nicht für ein Politamt.
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Zürich 2
Nr. 7
13. Februar 2014
Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und Ihre Hilfe
zur Wahl unserer Gemeinderäte
– Sven Dogwiler und
– Mario Babini
Übrigens, wir treffen uns zum SVP-Stamm
(immer 2. Dienstag im Monat ab 19 Uhr)
erstmals am 11. März 2014
im Restaurant Muggenbühl.
Würde mich freuen, wenn
auch Sie dabei wären.
Katrin Widmer
Präsidentin SVP Kreise 1 + 2
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AKTUELL
Zürich 2
Nr. 7
13. Februar 2014
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IM QUARTIER GETROFFEN
«Jeder ist zum Einzelkämpfer geworden»
Christoph Stokar landete
mit seinem «Schweizer
Knigge» einen Bestseller
und hinterfragt regelmässig
die Trends unserer Gesellschaft. Vor Kurzem war er
Gast der Veranstaltungsreihe «Heuwender» im Ortsmuseum Albisrieden.
recht haben, generell lässt sich jedoch sagen, dass das Leben hierzulande in den letzten 20 Jahren bunter
und interessanter geworden ist. Noch
bis 1972 galt etwa ein Konkubinatsverbot im Kanton Zürich, Unverheiratete durften nicht zusammen eine
Wohnung mieten. Wenn die eigene
Selbstverwirklichung überbordet und
die Platzverhältnisse enger werden,
produziert die Gesellschaft Reibungsverluste, die dann irgendwann in eine Gegenreaktion münden. Mit all
den bekannten Verboten, Gesetzen
und Bevormundungen. Zu begrüssen
ist das nicht. Ich plädiere für eine liberale Haltung, soviel ist jedoch gewiss: Unhöflichkeit bringt Nachteile.
Schlechte Manieren sind sehr ineffizient. Es geht beim Thema «Manieren»
letztendlich auch um ein intelligentes
Selbstmarketing.
Interview: Urs Heinz Aerne
Christoph Stokar, Ihr Buch «Der Schweizer Knigge» soll verhindern, dass die
Eidgenossen zu «bärbeissigen Hinterwäldlern» verkommen, wie in der Verlagsinformation zu lesen ist. Hand aufs
Herz: Bestünde bei den Vorarlbergern,
Bayern und den Schwarzwäldern nicht
auch Handlungsbedarf?
Das zu beurteilen ist nicht mein Anliegen! Ich habe beim Schreiben einen Schweizer Bezug gesucht, weil
wir die Dinge hierzulande in gewissen Bereichen tatsächlich etwas anders handhaben als unsere Nachbarn. Es ist ja das erste Buch überhaupt, das explizit die heutigen und
hiesigen Verhältnisse etwas unter die
Lupe nimmt. Auch im Ton und in der
Themenwahl unterscheidet es sich
doch meist sehr stark von Exemplaren aus Deutschland.
Man sagt den Schweizern Eigenarten
nach, die schon ziemlich eigen seien.
Welche finden Sie als sehr typisch und
welche gar als … sagen wir grenzwertig?
Am meisten fällt auf, dass der Umgangston generell ein sehr freundlicher ist, getragen von Respekt und
Höflichkeit. Wir suchen hierzulande
den Konsens und nicht die statusmässige Abgrenzung oder das Betonen von Standes- oder Einkommensunterschieden. Diese Haltung macht
es sehr angenehm in diesem Land zu
leben. Bei den Details hapert’s zuweilen ein wenig, aber das ist weiter
nicht schlimm. Manchmal überbordet
dieses Harmoniebedürfnis jedoch ein
wenig. Zum Beispiel in einer grösse-
«Wir suchen hierzulande den Konsens»: Autor Christoph Stokar.
ren Runde am Tisch, wenn alle aufstehen, um auch mit den anderen mit
dem Weinglas anstossen zu können.
Das ist dann etwas kompliziert und
unbeholfen. Aber als grenzwertig
würde ich es nicht bezeichnen.
Sie postulieren Anstand, Authentizität
und Aufmerksamkeit. Sehen Sie einen
Abwärtstrend?
Die Lebensverhältnisse sind tatsächlich unübersichtlicher geworden. Religionen, die soziale Schicht, das berufliche Umfeld oder die Familie bieten nicht mehr die gewohnten Rahmenbedingungen. Jeder ist zum Einzelkämpfer geworden. Die letzten
Jahre haben uns also von den Dramen der Schuld und des Gehorsams
befreit, sie haben uns aber diejenigen
der Verantwortung und des Handelns
gebracht. Wir waren noch nie so frei,
Foto: zvg.
durften tun, sagen oder glauben, was
wir wollen. Doch es fehlt eine gewisse Verbindlichkeit. Das Buch hat sich
übrigens innerhalb eines Jahres
mehr als 20 000 Mal verkauft, vielleicht auch ein Indiz, dass mehr Flexibilität heute gefragt ist. Viele Menschen möchten heute wissen, wie es
eigentlich korrekt ginge.
Gesetzliche Regulierungen greifen immer mehr in das soziale Leben ein: Ein
kühles Bier gibt es an vielen Bahnhöfen
nach 22 Uhr nicht mehr, Raucher stehen
im Restaurant plötzlich auf und lassen
die Nichtraucher am Tisch zurück, um
draussen in der Kälte ihrem Genuss zu
frönen, und im Tram wurden alle Abfallbehälter demontiert, um die Fahrgäste
umzuerziehen. Wie beurteilen Sie als
Verhaltensbeobachter diese Tendenzen?
Sie mögen in diesen Einzelfällen
Bis 16. März im Theater 11 in Oerlikon.
Vorstellungen: Di, Do, Fr 19.30 Uhr, Mi
18.30 Uhr, Sa 14.30 und 19.30 Uhr, So 14
und 18.30 Uhr. Premiere 19.2. 19.30 Uhr.
Tickets: www.ticketcorner.ch.
Ofebänkli
Erika Pucci
Aussichtslose Liebe.
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TELEFON-NUMMERN
Foto: zn.
Christoph Stokar ist selbstständiger Texter/Konzepter in Zürich.
Nach der Hotelfachschule Lausanne und Praktika in Zürich, Tokio und Basel entschied er sich
für einen Wechsel in die Werbebranche. In Zürich stadtbekannt
sind seine Schaufensterkonzepte
für die Stadelhofen-Apotheke.
Stokar ist (Ko-)Autor verschiedener Bücher und Vater zweier
Töchter im Teenageralter. Sein
Buch «Schweizer Knigge» im Beobachter Verlag wurde zu einem
Kassenschlager. (uha)
Wie schätzen Sie den Zusammenhang
zwischen digitaler Sozialpflege via Handy und Tablets und dem persönlichen
Umgang zwischen Zeitgenossen in
Fleisch und Blut ein?
Das eine kann das andere nicht ersetzen! Man sollte darauf achten,
dass man nicht in Parallelwelten lebt,
während eines Zusammenseins also
ständig checkt, was sich auf dem Mobiltelefon tut usw. Die postmoderne
Beliebigkeit hat auch Abgründe.
Zürich-West. Wie schätzen Sie den Boom
in diesem Teil der Stadt ein?
Wie gesagt, das Leben in Zürich ist
vielfältiger geworden. Vieles ist inzwischen möglich, die Engherzigkeit
und Kleinkariertheit früherer Tag
sind passé. Der Umgang mit sogenannten
Nestbeschmutzern
wie
Frisch, Meienberg oder Ziegler sind
zum Glück heute auch nicht mehr
denkbar. Der kürzliche Ausrutscher
der NZZ zum Tode von Dieter Hildebrandt bildet die Ausnahme. Das
geistige Klima ist offen und liberal,
das schafft Lebensqualität. Vieles ist
möglich.
Zum Schluss: Beschreiben Sie mir das
Ambiente, in dem Ihr Buch am besten
gelesen werden könnte.
Ein entspanntes jedenfalls. Das Buch
hat durchaus auch Stellen, die mit einem Augenzwinkern geschrieben
wurden. Es hat auch ein grösseres
Themenspektrum als herkömmliche
Knigge-Bücher, ein alter Tanzschullehrer hat es jedenfalls nicht verfasst.
Sogar wie man «anständigen» Sex
hat, wird erläutert. Denn: Das Gegenteil von Leben ist nicht der Tod, sondern die Gleichgültigkeit.
Zürich verändert sich, seine Bewohner
auch. Wo sehen Sie Erfreuliches und was
befremdet Sie, was Umgang und Stil anbelangt?
Die Leute kleiden sich heute auffällig
besser als früher. Man sieht weniger
Unbedarftes und Ungelenkes. Hin
und wieder befremdet mich der Umgang mit dem öffentlichen Raum.
Was nach einer Streetparade, einem
Seenachtsfest, nach Sommerwochenenden in den Parks am See alles an
Abfall liegen bleibt, das irritiert doch
etwas.
Sie waren kürzlich zu Gast im «Heuwender» im Ortsmuseum Albisrieden, eine
ziemlich andere Ecke im aufstrebenden
Christoph Stokar, Der Schweizer Knigge,
223 Seiten, 4. Auflage Oktober 2013, Beobachter Edition, ISBN 978-3-85569-769-4.
VON DIESEM UND JENEM
«West Side Story» kehrt zurück
Der Broadwayklassiker «West Side
Story» mit unvergesslichen Songs wie
«Maria», «Tonight» oder «America»
kehrt nach sechs Jahren wieder zurück nach Zürich. Eine Geschichte so
alt wie die Welt: Zwei junge Menschen begegnen sich, verlieben sich
und schwören sich ewige Treue. Die
Herkunft aus verschiedenen Kulturen
wird ihnen zum Verhängnis, lässt das
ersehnte Glück auf eine gemeinsame
Zukunft wie einen Traum platzen. Intoleranz, Unverständnis und Hass
zweier verfeindeter Lager werden
zum Schicksal der Liebenden. Aufgeführt wird die Show im Theater 11 in
Zürich-Oerlikon. Der Siebner führt
von Wollishofen bequem auf den
Milchbuck … (zn.)
Christoph Stokar
Ich stricke an einer kuschelweichen
Babydecke für eine Kundin und spüre, wie ein kalter Lufthauch um meine Beine säuselt. Ein prüfender Blick
zur Ladentür, und sofort ist klar, diese ist nicht ganz ins Schloss gefallen.
Im Sommer hätte ich nichts gegen
ein kühlendes Lüftchen ab und zu,
aber bei diesem kalten, grauen Wetter bin ich doch eher für wohlige
Wärme. Ich drücke die Tür zu und
rücke mit dem Stuhl ein bisschen näher an den Heizkörper. Wie schön
wäre doch ein gemütlicher Kachelofen, so einen wie meine Grossmutter hatte.
Ich weiss nicht, wie manche Stunden wir als Kinder gemütlich und zufrieden auf dem Ofenbänkchen verbrachten und gedörrte Äpfelringe
und Birnenschnitze knabberten, die
Grossmutter aus dem Ofen zauberte.
Für kalte Winternächte lagen immer
zwei Bettflaschen für sie und Grossvater darin bereit. Und gegen Bauchschmerzen oder sonstige kleine Wehwehchen half zwischendurch auch
mal ein im Ofen aufgewärmtes
Kirschstein-Säckchen.
Für kurze Zeit hatte ich selber einen Kachelofen. Der stand majestä-
tisch in der Stube
des alten Bauernhauses hinter
dem
Üetliberg.
Wollte ich, wenn
es Winter war
und
ich
am
Abend von der
Arbeit kam, ein
gemütlich warmes Zuhause haben, durfte ich
nicht vergessen,
Erika Pucci über am Morgen gedas gemütliche nug Holz einzuOfebänkli, inkl. schieben. Alles
Apfelringli. zvg. war ein bisschen
schief im Haus,
aber urgemütlich. Das Badezimmer
war ganz speziell. Da stand mitten im
Raum eine grosse Badewanne mit
Füssen, und die Toilette war auf einem Podest erhöht, wie ein richtiger
Thron.
Dorfklatsch und Handschläge
Mir gefiel das Landleben gut. Rundherum lebten nette und hilfsbereite
Nachbarn, es gab eine Holzofenbäckerei, einen kleinen Dorfladen für
die nötigsten Einkäufe und gleich nebenan die «Buurestube», eine urchige Gastwirtschaft, wo schon so mancher Jass bei einem Glas Roten oder
einem Kafi fertig auf den Schiefertischen geklopft worden war die Jahre
hindurch, zumeist begleitet von hitzigen Diskussionen, aufgemischt mit
Dorfklatsch – und dazwischen wechselte per Handschlag auch gleich
noch ein Kalb den Besitzer. Als ich
meinen Mann kennenlernte, lebten
wir noch eine gewisse Zeit zusammen in dieser ländlichen Idylle. Bis
der Tag kam, als er fand, jetzt hätte
er sich genug den Kopf angestossen
beim Treppensteigen – bei einer
Grösse von fast 1.90 und diesen niedrigen Räumen auch kein Wunder;
und ich hatte dann auch etwas Mitleid mit ihm.
Schrumpfen im Alter
So packten wir unsere Siebensachen
und zogen wieder in die Stadt, was
auch seine Vorteile hatte. Wir sind
dann noch zwei weitere Male umgezogen, da unsere Zweisamkeit infolge
Nachwuchs ein Ende fand und unsere Familie mehr Raum beanspruchte.
Wer weiss, wenn die Kinder irgendwann ausfliegen, ob wir uns dann
der Gemütlichkeit wegen nicht wieder ein Bauernhaus mit Kachelofen
suchen sollten? Im Alter schrumpft
man bekanntlich.
Erika Pucci ist in Wollishofen aufgewachsen und betreibt dort heute den «Woll-Laden». Sie schreibt regelmässig fürs «Zürich 2».
12
Stadt Zürich
Nr. 7
13. Februar 2014
AUTOMOBIL
Der kommende Polo wird zum neuen VW Golf
Was bisher der Ober- und
Mittelklasse vorbehalten
war, kommt je länger, je
mehr auch in Kleinwagen
zum Einsatz. Von modernsten Technologien profitiert
nun auch die Ende April
in den Handel kommende
Neuauflage des VW Polo.
Peter Lattmann und Stefan Lüscher
Die Grenzen bei der Ausstattung der
verschiedenen Segmente werden immer durchlässiger. Die Käufer und
Benutzer kleinerer Autos müssen
nicht länger auf die jüngsten Erkenntnisse und Geniestreiche der
Entwicklungsingenieure verzichten.
Ein treffliches Beispiel dafür ist der
neue VW Polo, der in der Schweiz
trotz des leicht erkennbaren Mehrwerts mit praktisch unveränderten
Preisen in den Ausstattungen Trend-,
Comfort- und Highline als Zwei- und
Viertürer angepriesen wird.
Einstiegsmodell wird günstiger
Das Einstiegsmodell mit 60 PS für
15 500 Franken wird sogar noch etwas günstiger als bisher. Höher im
Kurs sind aber die kräftigeren Benziner-Versionen mit 75, 90 oder 110
PS und die fast gleich starken 1,4-Liter-Turbodiesel der neuesten Bauart
mit Verbrauchseinsparungen bis zu
21 Prozent gegenüber dem bisherigen Angebot.
Ob automatische Distanzregelung,
Umfeld-Beobachtungssystem mit Notbremsfunktion, Multikollisionsbremse, Müdigkeitserkennung, Rückfahrkamera, LED-Licht, Sport-SelectFahrwerk, elektronische Stabilitätskontrolle oder elektromechanische
Servolenkung, die modernsten Sicherheits- und Komforttechnologien
halten – teils serienmässig, teils optional – ebenso Einzug im neuen Polo
wie der noch einmal verbesserte modulare Infotainment-Baukasten mit
Das Design des VW Polo spricht neben der Technik viele an.
Funktionen wie Touchscreen, Bluetooth-Audiostreaming, Annäherungssensorik, Karten-Zoomen, DAB-Radioempfang und anderes mehr. Was
die Passat- und Golf-Besitzer stolz
macht, erfreut schon bald auch die
Polo-Familie. So fällt die Begründung
des Umsteigens auf grössere Modelle
mit Ausnahme des Platzbedarfs zunehmend schwerer. Das Fahrverhalten des Fronttrieblers ist schon länger über jeden Zweifel erhaben, jetzt
aber noch einmal verfeinert worden.
14 Millionen Mal verkauft
Mit über 14 Millionen produzierten
Einheiten seit 1975 hat sich der Polo
als erfolgreichster Kleinwagen der
Welt etabliert. Er wird nicht nur in
Europa, sondern auch in China, Indien sowie Afrika produziert und in
mehr als 140 Ländern verkauft. Um
allen Ansprüchen gerecht werden zu
können, sind im Verlauf der Jahre
auch verschiedene Derivate dazugekommen, die in den kommenden Monaten ebenfalls angepasst und auf
den jüngsten Stand der Technik gebracht werden. Schon im Mai ist der
neue CrossPolo zu erwarten, bis Mitte Jahr folgen der Polo Blue GT und
die BlueMotion-Variante mit einem
möglichen Dieselverbrauch von 3,2
Foto: zvg.
Litern für 100 Kilometer und einem
ebenso vorbildlichen CO2-Ausstoss
von 82 Gramm pro Kilometer. Auch
schon in der Pipeline ist der GTI mit
192 PS, für den die Erfolge in der
Rallye-Weltmeisterschaft
optimale
Verkaufsargumente liefern.
Die 2009 eingeführte, erwachsener und sportlicher wirkende, fünfte
Polo-Generation mit einer Länge von
knapp vier Metern ist der beste Beweis für die wachsende Bedeutung
des Designs beim Autokauf. Entschieden sich früher 19 Prozent der PoloKäufer wegen der Formensprache
und der Linienführung für ihren Neuwagen, sind es jetzt schon 30 Prozent. Entsprechend dezent sind die
Änderungen am Design ausgefallen.
Was auf der ganzen Welt gefällt,
muss ja nicht unbedingt stark verändert werden. Neue Akzente setzen eigentlich nur die grösseren Lufteinlässe, die LED-Leuchten und zusätzliche
Aussenfarben. Auch im gepflegten Innenraum fallen höchstens Details wie
das Kombiinstrument mit 3D-Optik
oder die übersichtlicher gestaltete
Mittelkonsole auf.
Mit der jüngsten Aufwertung und
dem Sondermodell Fresh als attraktive Einstiegsvariante hat der Polo gute
Aussichten, den dritten Platz in der
4x4-Variante: Polo R WRC verkaufte sich wie warme Semmeln.
Schweizer Verkaufsrangliste hinter
dem VW Golf und dem Skoda Octavia
auch 2014 verteidigen zu können. Im
abgelaufenen Jahr hat ihn nur noch
ein Zufallsmehr von dem in der neuen Generation rasant vorrückenden
BMW 3er getrennt.
Träumen vom Allrad-Polo
Noch ist stockdunkle Nacht, als die
Journalisten auf einem zugefrorenen
See in Schweden auf Testfahrt gehen
dürfen. Kein Wunder: Der Polo R
WRC 4Motion ist ein Prototyp mit
höchst ungewisser Zukunft. Aber eigentlich ist er ein logisches Produkt,
nachdem VW mit einem Allrad-Polo
2013 auf Anhieb die Rallye-Weltmeisterschaft gewinnen konnte.
Der normale Polo mit 4x4 fährt
sich auch hervorragend und würde
sich bei uns garantiert gut verkaufen.
Von der Sonderserie Polo R WRC mit
reinem Vorderradantrieb wurden in
der Schweiz bereits spielend 300
Einheiten abgesetzt. Wie dieser verfügt der sportliche Allrad-Polo über
den 2.0-Liter-TSI-Motor mit Turbo,
Benzindirekteinspritzung, 220 PS
und 350 Newtonmeter. Als Allradantrieb wurde das vom Golf bekannte
4Motion-System mit einer extrem
schnell ansprechenden Haldex-Kup-
Vierfach angetrieben durch die Schweiz
weisser Piste nicht auf Spass aus ist,
schaltet daher tendenziell einen Gang
zurück. Schliesslich will man ja das
elegante Reisemobil, das als 428i
xDrive mindestens 60 500 Franken
kostet, möglichst lange geniessen.
Beim Schlussanstieg der Allradtour in der Lenzerheide leistet dann
der ebenfalls neue X5 beste Dienste.
Er pflügt sich durch den Schnee, als
wäre er in den Alpen geboren. Klar,
andere SUV-Modelle bieten mehr Offroadtechnik, aber für die Fahrt ins
Skigebiet reicht das automatische
xDrive-System problemlos.
72 Prozent aller bei uns
verkauften BMW-Modelle
haben Allrad. Grund genug,
die 4×4-Palette der Bayern
auf einer Tour quer durch
die winterliche Schweiz
zu testen.
Lorenz Keller
Eigentlich wäre es ja die perfekte
Jahreszeit für Allradler. Aber in diesem Winter käme man im Flachland
auch mit Sommerpneus gut vorwärts.
Dass sich das schnell ändern kann,
zeigt sich auf dem Weg zum Säntis.
Plötzlich beginnt es zu schneien – die
Strasse zur Schwägalp ist weiss gepudert. Und schon ist man froh, hat
BMW für die Testfahrt ausschliesslich
Allradler bereitgestellt.
X-Drive – da dreht kein Rad durch
Das xDrive-System regelt den Kraftfluss automatisch, sodass kein Rad
durchdreht. Schiebt es auf schneebedeckter Strasse in den engen Kurven
etwas über die Vorderräder, fängt die
Elektronik das Auto wieder ein.
Der BMW-Allrad ist unkompliziert
und darauf ausgerichtet, bei trockener Strasse das Fahrvergnügen nicht
auszubremsen. Das kommt bei den
Schweizern an. Letztes Jahr waren
72 Prozent aller ausgelieferten Mo-
Mit dem neuen 4er Coupé im Allradtest durch Schnee und Eis.
Foto: zvg.
Leicht höherer Verbrauch
delle mit Allrad ausgestattet. Im gesamten Schweizer Markt ist der 4×4Anteil nur halb so gross. Dabei zeigt
es sich, dass nicht nur die grossen
SUVs, bei BMW immer mit 4×4, zu
dieser Zahl beitragen, sondern auch
die eigentlich traditionell heckgetriebenen Limousinen. Der 5er hat einen
Allradanteil von 78 Prozent, der 7er
von 88 Prozent. Auch die 3er werden
zu 60 Prozent mit 4×4 bestellt.
Am tiefsten ist der Wert mit 39
Prozent bei der kleinsten Modellreihe. Beim 1er sind auch nur drei Motorenvarianten überhaupt mit Allrad
erhältlich – beim 3er sind es sieben,
beim 5er gar acht. Die BMW-Allradwelt startet beim 118d, der 40 300
Franken kostet, rund 2000 Franken
mehr als mit Heckantrieb. Mit dem
Kompakten ist man winterfest ausgerüstet. Der 143 PS starke Diesel zieht
gut durch, und mit xDrive ist man auf
Schnee wieselflink unterwegs. Die direkte Lenkung und die recht straffe
Auslegung des Fahrwerks geben einem eine gute Rückmeldung, wie viel
Tempo bei schwierigen Strassenverhältnissen möglich ist.
Zielsicher durch Schnee und Eis
Ein paar Preis- und Grössenklassen
höher ist das Fahrgefühl etwas anders. Das soeben auf den Markt gekommene 4er-Coupé kommt schneller in den Bereich, der von der Elektronik abgeriegelt wird. Schon alleine
deshalb, weil halt der Vierzylinder
mit Doppelturbo und 245 PS deutlich
sportlicher ausgelegt ist. Wer auf
Als X5 50i ist der luxuriöse Geländewagen übrigens nicht nur wegen seines Gewichts von über zwei Tonnen
eine Wucht. Der V8-Turbobenziner
leistet 450 PS und katapultiert den
X5 in fünf Sekunden von 0 auf 100
Stundenkilometer – natürlich nicht
bei winterlichen Verhältnissen. Die
erhöhte Sitzposition, die gute Übersichtlichkeit und die komfortable Aktivlenkung sind besonders praktisch,
wenn man zwischen zwei Maiensässen durchnavigieren muss. Gegen
Allrad sprechen somit eigentlich nur
zwei Punkte: neben dem höheren
Preis der leicht erhöhte Verbrauch,
beim 4er etwa 0,2 bis 0,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Wählt man einen Diesel, sind es nur noch 0,1 Liter
– also im Alltag wohl kaum merkbar.
plung montiert. Die Fahrzeugabstimmung und die Balance sind ganz auf
Agilität und Sportlichkeit ausgelegt.
Nebst überlegener Traktion in allen Lebenslagen generiert das kleine
Kraftpaket maximale Fahrfreude, zumal sich die elektronischen Helfer auf
abgesperrten Strecken wie beim neuen Golf R vollständig ausschalten lassen. In Verbindung mit Spikereifen
lässt sich das rund 1200 Kilogramm
leichte Spassmobil spielerisch leicht
über die eisigen Unterlagen zirkeln.
Ob der Allrad-Polo aber in Serie geht,
ist bei VW noch ebenso wenig entschieden, wie die definitive PS-Zahl.
Gemäss
Entwicklungsvorstand
Heinz-Jakob Neusser dürfen RallyeFans aber auf ein Derivat hoffen, das
ihnen viel Freude bereiten wird. Ob
mit oder ohne Allrad ist noch unklar.
Audi S1 kommt nach Genf
Bereits zum Autosalon Genf kommt
das Schwestermodell Audi S1 mit
4x4 und 230 PS, das aber gegen
50 000 Franken kosten wird. Das wäre eindeutig zu viel für einen Polo.
Daher wird man in Genf stattdessen
eine SUV-Studie auf Polo-Basis bewundern können, von der sich VW
aktuell grössere Marktchancen verspricht.
Mit Strom
nach Le Mans
Bei den diesjährigen 24 Stunden von
Le Mans am 14. und 15. Juni wird
Nissan mit dem ZEOD RC dank eines
einzigartigen Elektroantriebs neues
Technologieterrain betreten.
Der Rennwagen wird als erstes
Fahrzeug in der Geschichte von Le
Mans eine komplette Runde auf dem
Circuit de la Sarthe rein elektrisch
zurücklegen. Danach wird für jeweils
eine Stunde Renndauer der neue
Dreizylinderbenziner übernehmen.
Dieser ist extrem kompakt gebaut,
nur 40 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch. Der
Motor wiegt nur 40 Kilogramm, hat
einen Hubraum von 1,5 Litern und
holt dank Turboaufladung trotzdem
400 PS und 380 Newtonmeter Drehmoment heraus.
10 Kilogramm pro PS
Mit einem Leistungsgewicht von 10
Kilogramm pro PS glänzt der neue
Nissan-Motor mit einer höheren spezifischen Leistung als der in der Formel 1 eingesetzten V6-Turbo mit 1,6
Liter Hubraum. Der kombinierte Antriebsstrang als Elektro- und Benzinmotor ist das eigentliche Highlight
des ZEOD RC.
Die Erfahrungen mit dem revolutionären Rennwagen wird Nissan in
die Entwicklung eines neuen LMP1Prototyps einfliessen lassen, der 2015
in der World-Endurance-Meisterschaft an den Start gehen soll. (zb.)
Stadt Zürich
Nr. 7
13. Februar 2014
13
ZÜRICH INSIDE
Ursula Litmanowitsch
E-Mail: [email protected]
Herzliches Wiedersehen und Auffrischen alter Erinnerungen zwischen Paola Felix und Udo Jürgens. Im
Hintergrund Manager Freddy Burger.
Spitzenkoch Jacky Donatz verwöhnte die Gäste, darunter Stadtpräsidentin Corine Mauch, an der Verleihung
des «Prix du Champagne» mit erlesenen Häppchen.
Udo Jürgens beglückte die Anwesenden als «Rufer in der Wüste» mit
seinem zu Herzen gehenden Song «Bis ans Ende meiner Lieder».
Perlender Preis für Udo Jürgens
Der Preis ist klein, aber fein. Und die
Geladenen feierten in exklusivem Rahmen bei Jacky Donatz im Restaurant
«Sonnenberg». PR-Crack Christoph
Richterich und sein Comité verliehen
den «Prix du Champagne» (eine Flasche Champagner und eine Reise in
die Champagne) vergangene Woche
an Wahlzürcher und Weltenbürger
Udo Jürgens für dessen Lebenswerk.
Sohn John Jürgens reiste dazu extra
aus Deutschland an. In den Vorjahren
wurden mit dem Preis ebenso bedeutende Persönlichkeiten wie Ottmar
Hitzfeld, Sepp Blatter oder Claude
Nobs geehrt. In seiner Laudatio sagte
Ringier CEO Marc Walder: «Die Magie seiner Lieder ist die Ehrlichkeit,
seine Texte machen Mut und sie sind
nie banal.» Udo Jürgens, der Millionen von Menschen mit seinen Liedern
verzaubert und seit über 60 Jahren
die internationale Musikszene beeinflusst, beschenkte die Anwesenden
mit dem Lied «Bis ans Ende meiner
Lieder». Als beruflich anwesende Fotografin vergass man vor Ergriffenheit
beinahe, ein Bild zu schiessen. Und
manche der Geladenen hatten sogar
Tränen in den Augen vor Rührung.
Udos Sohn John Jürgens mit Sabine Hirsch Avram (l.) und deren
Freundin Christine Schneitter.
Treuer Bühnenbegleiter und privater Freund von Udo: Pepe Lienhard
mit Gattin Christine.
Freudiges Wiedersehen: Sänger
und Entertainer Pino Gasparini
kennt Paola Felix seit Langem.
PR-Grösse Christoph Richterich
verlieh Udo Jürgens den «Prix du
Champagne» für sein Lebenswerk.
Richard J. Wuermli, Direktor Tax
Expert, und Juristin Katharina S.
Wuermli genossen den Abend.
Sängerin Paloma Würth und ExSkistar Maria Walliser sind grosse
Verehrerinnen von Udos Musik.
ANZEIGEN
ECKANKAR Gesellschaft Schweiz
Kurvenstrasse 17 · 8006 Zürich
Gesprächsrunde/Forum: Wie helfen spirituelle Themen im Alltag?
Donnerstag, 20. Februar 2014, 18.00–21.00 Uhr
Restaurant Weisser Wind, «Weggenstube», Oberdorfstrasse 20, 8001 Zürich
Eintritt frei
18.00 Uhr Veränderung und Wachstum
19.00 Uhr Spirituelle Freiheit
20.00 Uhr Frühere Leben, Träume und Seelenreisen
www.eckankar.ch
Jedes Thema in sich abgeschlossen.
14
Zürich 2
Nr. 7
13. Februar 2014
Veranstaltungen & Freizeit
BUCHTIPP
Die Bibliothek Küsnacht empfiehlt:
Krimi in der
Neonaziszene
Jeder vierte Roman fällt unter
die
Kategorie
Krimi oder Thriller, doch nur wenige vermögen
ihre Leser zu fesseln. Ein spannendes Werk ist
jedoch «M» von Friedrich Ani.
Hauptfigur ist der Privatdetektiv
Tabor Süden der Münchner Detektei Liebergesell. In seinem jüngsten Fall wird Süden von der Redaktorin Mia Bischof beauftragt,
ihren vermissten Freund zu suchen. Trotz Vorbehalten gegenüber der Klientin nehmen Süden
und seine Kollegen den Auftrag
an. Schon bald häufen sich die
Hinweise auf eine Verbindung des
Vermissten zur rechtsextremen
Szene. Allerdings stellt sich auch
die Frage, ob der Vermisste als
verdeckter Ermittler gearbeitet
hat. Ani lässt seinen Detektiven
die gesuchten Personen öfters nur
noch tot finden. Ob dies bei «M»
auch der Fall ist, bleibt dem Leser
vorbehalten. «M» ist eine mitreissende Kriminalgeschichte mit politischem Hintergrund. Friedrich
Ani, 1959 geboren, erhielt fünf
Mal den Deutschen Krimipreis.
Was, wann, wo – Tipps für Anlässe in der Region
Jeden Montag und Mittwoch
Hatha Yoga in Wollishofen: Montag 9.30–11 Uhr im
ref. Kirchgemeindehaus, Hauriweg 17; Mittwoch
18.30–20 und 20.15–21.45 Uhr im Rhythmiksaal
des Zentrums für Gehör und Sprache, Frohalpstr.
78, Eingang Hauptgebäude, hinten links. Heidi
Risi, Diplom-Yogalehrerin YS/ EYU, Balberstr. 62,
Tel. 044 481 86 08. www.pranava-yoga.ch.
Donnerstag, 13. Februar
8.00 Ausstellung: «Tierwelten» Bilder von HansUlrich Näf. Ausstellung täglich bis 30. April. Pflegezentrum Entlisberg (Eingangsbereich), Paradiesstrasse 45.
18.00 Workshops: Datenmeer Internet – erfolgreich
recherchieren. Tipps und Tricks zur erfolgreichen
Recherche im Internet. www.zb.uzh.ch. Zentralbibliothek Zürich (Seminarraum A).
Freitag, 14. Februar
15.00 Brotkorb: Verkauf von selbst gebackenem
Brot und Zopf. Gleichzeitig kleine Caféstube mit
Kuchenbuffet. Für Kinder gibt es ein eingerichtetes Spielzimmer und gratis Sirup. Erlös für die
Arbeit mit Strassenkindern im Kongo. EMK Adliswil, Grundstrasse 14.
18.30 «Die Bienenkönigin»: Musikalisches Märchen von und mit Puppentheater Roosaroos, nach
dem Märchen der Brüder Grimm. Ab 6 Jahren.
www.theater-purpur.ch. Theater Purpur, Grütlistrasse 36.
20.00 Theater: «Euse Rainer chönnt das au!», Margrit Rainer zum 100. Christian Jott Jenny und
sein Ensemble in ihrer neuen und 3. Schweizer
Produktion; vollgespickt mit unvergänglichen Me-
Donnerstag, 20. Februar
lodien, Selbstironie und Melancholie. Uraufführung. Theater Rigiblick, Germaniastrasse 99.
Sonntag, 16. Februar
13.00–14.00 Führung: «Dickhäuter unter den Sukkulenten». Führung mit Urs Eggli (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sukkulenten-Sammlung Zürich). Eintritt frei. Sukkulenten-Sammlung, Mythenquai 88.
15.00 «Die Bienenkönigin»: Musikalisches Märchen von und mit Puppentheater Roosaroos, nach
dem Märchen der Brüder Grimm. Ab 6 Jahren.
www.theater-purpur.ch. Theater Purpur, Grütlistrasse 36.
8.00 Ausstellung: «Tierwelten» Bilder von HansUlrich Näf. Ausstellung täglich bis 30. April. Pflegezentrum Entlisberg (Eingangsbereich), Paradiesstrasse 45.
Freitag, 21. Februar
14.30 Filmnachmittag: Überraschungsfilm. Pflegezentrum Entlisberg (Saal), Paradiesstrasse 45.
18.30 «Die Bienenkönigin»: Musikalisches Märchen von und mit Puppentheater Roosaroos, nach
dem Märchen der Brüder Grimm. Ab 6 Jahren.
www.theater-purpur.ch. Theater Purpur, Grütlistrasse 36.
Mittwoch, 19. Februar
9.30 Mit Kindern unterwegs: Elterngesprächsrunde
in Adliswil. Thema: «Von Hirten und Schafen».
EMK Adliswil, Grundstrasse 14.
14.30 Senioren-Treff: Gastreferentin ist Irene Gysel, Kirchenrätin und ehemalige Fernsehfrau.
Eintritt frei. EMK Zürich 2, Mutschellenstrasse
188.
15.00 «Kamillentee für Brumm»: Mit dem Figurentheater Margrit Gysin. Ab 4 Jahren. Mimi, das
Mäuschen, kümmert sich um ihren Freund, den
Bären Brumm. www.theater-purpur.ch. Theater
Purpur, Grütlistrasse 36.
17.30 Wikipedia – gewusst wie: Die Onlineenzyklopädie optimal nutzen. www.zb.uzh.ch. Zentralbibliothek Zürich (Seminarraum A), Zähringerplatz 6.
18.00 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs: ArteFilmpremiere, die ersten zwei Folgen des achtteiligen Dokudramas von Jan Peter. Literaturhaus
(Kleine Bühne im Debattierzimmer), Limmatquai
62.
Sonntag, 23. Februar
17.00 3. Leimbacher Konzert: Trio Fontane mit Andrea Wiesli (Flügel), Noëlle Grüebler (Violine) und
Jonas Kreienbühl (Cello). Eintritt frei, Kollekte.
Anschliessend Apéro im Saal. Nähere Infos:
www.leimbacherkonzerte.ch. Ref. Kirchgemeindezentrum Leimbach (Grosser Saal), Wegackerstrasse 42.
Mittwoch, 26. Februar
10.00 KinderTreff: Buchstart Geschichtenzeit. Für
Kinder von 2 bis 3 Jahren. Pestalozzi-Bibliothek
Leimbach (Schulhaus Falletsche), Rebenstr. 73.
15.00 «Kamillentee für Brumm»: Mit dem Figurentheater Margrit Gysin. Ab 4 Jahren. Mimi, das
Mäuschen, kümmert sich um ihren Freund, den
Bären Brumm. www.theater-purpur.ch. Theater
Purpur, Grütlistrasse 36.
KIRCHEN
Friedrich Ani: «M». Droemer Verlag. 33.90 Fr.
Reformierte Kirchgemeinde
Wollishofen
Was ist im Leben
bedeutend?
Foto: Ikelos GmbH.
Öffentliche Führung
Pfarrei St. Franziskus
Die Haut ist nicht nur beim Menschen ein grosses und wichtiges Organ,
sondern auch bei den Pflanzen. Insbesondere bei den Sukkulenten gibt
es richtige Dickhäuter. Öffentliche Führung mit Urs Eggli, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sukkulenten-Sammlung Zürich. Sonntag, 16. Februar, 13–14 Uhr, in der Sukkulentensammlung, Eintritt frei. (eing.)
www.st-franziskus.ch
Samstag, 15. Februar
10.15 Verstorbenen-Gedenk-Wortgottesdienst im PZ Entlisberg
ab 17.15 Beichtgelegenheit
www.kirche-enge.ch
Freitag, 14. Februar
11.45 bis 13.30 Wähentag, Kirchgemeindehaus, Bederstrasse 25
Sonntag, 16. Februar
10.30 Gottesdienst der drei Gemeinden
aus Zürich 2 in der Kirche Enge
Liturgie und Predigt: Pfarrer Frank
Weyen, keine Kinderhüeti
Es existieren nur die Ziffern 1-9. Die 0 gibt es nicht. Füllen Sie
die leeren Felder so aus, dass in jeder Zeile, in jeder Spalte und
jedem der 9 kleinen Quadrate alle Ziffern (nur ein Mal!) stehen.
Rätseln Sie mit und gewinnen Sie 20 Franken!
RÄTSELN SIE MIT:
9
8
- per SMS: QZ SUDOKU plus Lösungszahl an 919 (Fr. 1.50/SMS)
(zum Beispiel: QZ SUDOKU 245)
- per Postkarte (A-Post) an folgende Adresse:
QZ SUDOKU plus Lösungszahl, Postfach 335, 8320 Fehraltorf
Dies ist ein Gewinnspiel der Firma TIT-PIT GmbH www.smsplay.ch. Es nehmen
alle Personen an der Verlosung teil, die ein SMS mit dem Wort QZ SUDOKU plus
Lösungszahl an die Zielnummer 919 senden (CHF 1.50/SMS). Gratisteilnahmemöglichkeit mit einer Postkarte (A-Post) an folgende Adresse: QZ SUDOKU plus
Lösungszahl, Postfach 335, 8320 Fehraltorf. Teilnahmeschluss ist der 19. Februar
2014. Es bestehen dieselben Gewinnchancen, ob SMS oder Postkarte. Der Gewingeführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. AGB unter: www.smsplay.ch
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So einfach können Sie am Gewinnspiel teilnehmen:
ner wird schriftlich benachrichtigt. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz
Janne Teller: «Nichts. Was im Leben wichtig
ist». Deutscher Taschenbuchverlag. 10.90 Fr.
Reformierte Kirche Enge
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Nr.30006
«Nichts bedeutet
irgendetwas, das
weiss ich seit
Langem. Deshalb
lohnt es sich
nicht, irgendetwas zu tun. Das
habe ich gerade
herausgefunden.» Mit diesen Worten beginnt
das Buch «Nichts. Was im Leben
wichtig ist»; gesprochen werden
sie vom jungen Pierre Anthon, als
er seine Klasse am ersten Schultag
nach den Sommerferien verlässt.
Seine Kameraden bleiben geschockt zurück und stellen sich die
Frage, ob denn wirklich nichts im
Leben eine Bedeutung hat. Um
das Gegenteil zu beweisen, beginnen sie alles zu sammeln, was für
sie Bedeutung hat. Es entsteht der
«Berg aus Bedeutung». Was ganz
harmlos anfängt, erfährt eine ungeahnte und ungewollte Dynamik.
Es werden Tiere geopfert, und sogar Blutzoll in Form eines Zeigefingers bezahlt. «Nichts» ist eine
erschütternde Parabel übers Erwachsenwerden und letztlich über
den Sinn des Lebens. Die Autorin
Janne Teller wurde 1964 in Kopenhagen geboren und arbeitet als
ökonomisch-politische Beraterin
bei der EU. «Nichts» wurde nach
der Erstveröffentlichung von den
dänischen Schulbehörden verboten. Inzwischen liegt der Roman in
13 Sprachen vor. Das Schauspielhaus Zürich hat das Stück wieder
in seinen Spielplan aufgenommen.
www.kirchewollishofen.ch
Sonntag, 16. Februar
10.30 Gottesdienst
Kirche Enge
Kein Gottesdienst in Wollishofen!
Mittwoch, 19. Februar
19.15 Ökumenisches Nachtgebet
Alte Kirche
18.00 Eucharistiefeier
Sonntag, 16. Februar
9.30 Eucharistiefeier
11.15 Eucharistiefeier
17.30 Santa Messa in lingua italiana
Erscheint 1-mal wöchentlich, am Donnerstag
Auflage: 16’954 (Wemf beglaubigt)
Jahresabonnement: Fr. 90.–
Inserate: Fr. 1.50/mm-Spalte
Anzeigenschluss:
Freitagmorgen vor Erscheinen, 10 Uhr
Geschäftsleitung/Verlag:
Liliane Müggenburg
Redaktion: Lorenz Steinmann (ls.),
Tel. 079 660 28 59,
E-Mail: [email protected]
Redaktionelle Sonderthemen:
Pia Meier (pm.), Lisa Maire (mai.)
Ständige Mitarbeiter:
Bruno Lendenmann (bpl.), Beni Frenkel,
Marcus Weiss (mw.), Gabi Faerber (gf.),
Adriana Zilic (az.), Kamil Krejci (kam.)
Anzeigenverwaltung: Andrea Kehl,
Mayjoy Föhn, Tel. 044 913 53 33
Anzeigenverkauf:
Simona Demartis-Lüdi, Tel. 079 306 44 41
[email protected]
Produktion: AZ Verlagsservice AG, 5001 Aarau
Abonnementsdienst: Tel. 044 913 53 33,
[email protected]
Redaktion/Verlag, Vertrieb: Lokalinfo AG,
Buckhauserstrasse 11, 8048 Zürich,
Tel. 044 913 53 33, Fax 044 910 87 72
E-Mail: [email protected],
www.lokalinfo.ch
Druck: NZZ Print, Schlieren
Zürich 2
Veranstaltungen & Freizeit
Foto: zvg.
Pinguine unternehmen täglich Spaziergänge
Die beliebten Königspinguine geniessen die kühlen
Temperaturen und freuen sich auf ihren täglichen
Spaziergang durch den Zoo, der jeweils um 13.30 Uhr
bei Temperaturen unter 10 Grad stattfindet. Kosten:
im Zooeintritt inbegriffen. Weitere Informationen ab
9.30 Uhr auf www.zoo.ch/pinguinparade. (zb.)
Röschtigrabenprogramm mit Madame Porchet
Die kultige Westschweizer Travestiefigur Marie-Thérèse Porchet (Joseph
Gorgoni) hat nach 20 Jahren auf der
Bühne, im Fernsehen und auf Tournee mit dem Zirkus Knie noch lange
nicht ausgelästert: In ihrem neuen
Programm «20 ans de bonheur»
schnattert die schrille Waadtländer
Hausfrau um die 50 (auf Französisch)
über ihr Leben, das sie zumeist am
Telefon mit ihren Freundinnen, ihrer
Tupperware und ihrem Hund Bijou
verbringt. Die biedere, singende, tanzende und vor komischen Anekdoten
strotzende Madame Porchet auf der
Bühne des Theaters Boulevard: ein
Mordsspass für Heimwehromands
oder ein frankophiles Deutschschweizer Publikum. (mai.)
Freitag/Samstag, 21./22. Februar, 20 Uhr,
Theater Boulevard, Albisriederstr. 16 (beim
Albisriederplatz). Tickets: www.blvd.ch.
Schrilles Lästermaul: Marie-Thérèse Porchet.
Foto: zvg.
GEMEINSCHAFTSZENTREN/ QUARTIERVEREINE
GZ Leimbach
Rebenweg 6, 8041 Zürich
Telefon 044 482 57 09
Ferienwerkstatt: Mi, 19., Fr, 21. Febr.,
je 14 bis 17.30 Uhr für Kinder ab
Schulalter, jüngere in Begleitung.
Kafi/Spielraum/Sekretariat: Ferienöffnungszeiten: Fr/Mi, 14 bis 18 Uhr.
Chrabbelgruppen: Di und Do 9.30 bis
11 Uhr, für Eltern mit Kleinkindern.
GZ Wollishofen
GZ Neubühl
GZ Wollishofen, am See, Bachstr. 7
GZ Info-Drehscheibe, Albisstr. 25
GZ Neubühl, Erligatterweg 53
Telefon 043 243 11 37
www.gz-zh.ch, [email protected]
GZ am See, Bachstrasse 7
Salsa-Kurs für Golden Age 50+: Mi, 19.
Febr., ab 18.30 Uhr. Anmeldung unter 079 462 78 68, www.salsa123.ch.
Kinder-Spielsaal: Do, 13., So, 15.
Febr., von 13 bis 17 Uhr..
GZ Neubühl, Erligatterweg 53
Ferienaktiv: bis Fr, 14. Febr., 10 bis
16 Uhr, betreut 8 bis 18 Uhr. Anmeld.: [email protected]
Kinderhaus Entlisberg
Butzenstr. 49, 8038 Zürich
Telefon 044 488 10 11
E-Mail [email protected]
OFFENER BEREICH ENTLISBERG
Butzenstrasse 49, 8038 Zürich
Anlaufstelle Kinderbetreuung: Haben
Sie Fragen zur Kinderbetreuung? Tel.
044 488 10 10,
[email protected]
zuerich.ch. Kinderhaus Entlisberg Di
9 bis 12 Und Mi, 15 bis 18 Uhr; Offener Bereich Selnau Do 9 bis 12 Uhr.
Themenabend «Tischlein deck dich –
wir essen gemeinsam»: Do, 20. März,
19.30 bis 21 Uhr. Anmeldung nötig.
STEP-Erziehungskurs: Start 26. Febr.,
jeden Mi 19 bis 21.15 Uhr, im grossen Saal. Jetzt anmelden!
OFFENER BEREICH SELNAU
Sihlamtstrasse 18, 8001 Zürich
Familientreffpunkt: für Kinder von 0
bis 5 Jahren in Begleitung: jeden Mi
10.30 bis 12.30 Uhr.
Quartiertreff Enge
Gablerstr. 20, 8002 Zürich
Telefon 044 201 60 64
www.quartiertreff.ch
Quartiertreff-Fasnacht: So, 2. März.
Kostümbörse offen 17. Febr., 15 bis
17 Uhr, Remise Museum.
Quartierverein Enge
www.enge.ch
Wochenmarkt auf dem Tessinerplatz:
jeden Do von 10.30 bis 19 Uhr.
Theater PurPur
Grütlistr. 36, 8002 Zürich
Telefon 044 201 31 51
www.theater-purpur.ch
«Die Bienenkönigin»: Puppentheater
Roosaroos, ab 6 Jahren: Fr, 14./21.
Febr., 18.30 Uhr und So, 16. Febr.,
15 Uhr.
«Kamillentee für Brumm»: Figuren theater Margrit Gysin. So, 16. Febr., 11
Uhr; Mi, 19./26. Febr., je 15 Uhr.
QV Wollishofen
www.wollishofen-zh.ch
Ortsmuseum, Widmerstrasse 8, Zürich
Bis Sonntag, 2. März, geschlossen.
Nr. 7
13. Februar 2014
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Zürich 2
Nr. 7
13. Februar 2014
KULTUR
Einblick in eine verborgene jüdische Welt
Eine öffentliche Führung
des Quartiervereins Enge
thematisierte die jüdische
Synagoge an der Freigutstrasse.
Jeannette Gerber
Die Stadt Zürich hat ein reiches jüdisches Leben. Beinahe die Hälfte der
rund 18 000 Juden in der Schweiz
wohnt hier, vornehmlich in den
Quartieren Enge und Wiedikon, weil
die drei Synagogen nicht so weit weg
gelegen sind. Nun hat die Synagoge
an der Freigutstrasse zusammen mit
dem Quartierverein Enge am 5. Februar zu einer Führung mit Erläuterungen zu den Formen der Religion
und den Besonderheiten einer Synagoge als Sakralbau eingeladen. «Zürich 2» hatte auf diese Führung im
Veranstaltungskalender hingewiesen.
Und es sind viele – über 100 – diesem Aufruf gefolgt.
Edi Guggenheim, Architekt, Mitglied des Quartiervereins Enge und
seit letztem Sonntag AL-Gemeinderat, hat die Entstehung und die Geschichte dieses herausragenden Artdéco-Bauwerksausführlich vor Ort
erklärt. Art-déco-Bauten sind in Zürich äusserst rar, weswegen die Synagoge auch als Objekt von kantonaler
Bedeutung unter Schutz gestellt ist.
Die Israelitische Religionsgesellschaft
Zürich wurde 1895 als Teil der liberaleren Israelitischen Cultusgemeinde
Zürich (ICZ) gegründet und hat 1923
mit dem Bau der Synagoge an der
Freigutstrasse 37 begonnen. Den Zuschlag dazu erhielt das renommierte
Architekturbüro Henauer und Witschi, das neben dem eindrücklichen
Gebäude der Alten Börse, Ecke Talstrasse/Bleicherweg, auch die Kirche
Egg in Wollishofen konzipiert hatte.
Fortschritt für damals
Die Gestaltung des Reliefschmucks an
der Aussenfassade sowie die Bronzetüren an den beiden Haupteingängen
sind ein Werk von Otto Münch (1885
–1965), der auch die bekannten Türen am Grossmünster geschaffen hat.
Die farbige und teilweise figürliche
Gestaltung des Innenraums ist ein
Werk von Ernst Staub, Thalwil
(1896–1983). Leider wurden inzwischen die seitlichen Alabasterschalen
durch Messingleuchter ersetzt. Der
Diese Synagoge der IRGZ (Israelitischen Religionsgesellschaft) an der Freigutstrasse 37 in der Enge war Ziel
der öffentlichen Führung des Quartiervereins Enge.
Fotos: Jeannette Gerber
Mirjam Treuhaft erklärt den Chanukkaleuchter.
Für einmal sitzen hier andersgläubige Männer und Frauen.
Blick muss unweigerlich auch auf die
eindrücklichen
Art-déco-Malereien
an die Decke schweifen. Der Synagogenbau von 1923/24 stellte auch in
bautechnischer Hinsicht eine fortschrittliche Lösung dar.
Täglich zwei Gottesdienste
Dann hat Mirjam Treuhaft-Lewenstein (Mitarbeiterin der jüdischen
Schule NOAM) den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern Gelegenheit gegeben, das jüdische Leben etwas näher
kennen zu lernen.
In populärer Sprache (also nicht
abgehoben) hat sie zuerst erklärt,
was sich hinter dem bestickten Vorhang verbirgt. Das ist das Allerheiligste, der Toraschrein, und der darf
nur zu gewissen Anlässen geöffnet
werden. Tora, hebräisch, bedeutet
«Lehre», die 5 Bücher Moses oder
das mosaische Gesetz. Auf dem blauen Vorhang sind in Gold folgende
Worte gestickt: «Dienet dem Ewigen
und kommet vor Ihn im Jubel!»
Gottesdienste finden zweimal täglich, morgens und abends, statt, es
müssen sich aber mindestens 10
Männer dazu einfinden, und natürlich am Sabbat. Sabbat ist im Judentum der 7. Wochentag, an dem keine
Arbeit verrichtet werden soll, und
dauert vom Sonnenuntergang am
Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstag.
Der 9-armige Leuchter heisst
Chanukkaleuchter und wird zum
Chanukkafest angezündet, nicht zu
verwechseln mit der 7-armigen Menora, die allgemein als Symbol des
Judentums gilt.
Weiter hat Mirjam Treuhaft Einblick ins Leben der jüdischen Gemeinschaft und in die einzelnen Familien gegeben. Angefangen bei der
Geburt über die Beschneidung, dem
Sinn der Kippa und der Perücke der
Leonardo Muzii dirigiert in der Kirche St. Peter
Mit einer neu gegründeten
Formation wagt sich Dirigent Leonardo Muzii
in der Kirche St. Peter
an Bach, Haydn, Mozart
und Boccherini.
Verschiedentlich fragten Musiker den
italienischen Dirigenten Leonardo
Muzii nach Möglichkeiten, um weiterhin unter seiner Leitung spielen zu
können. Er hat nun den Sprung gewagt und präsentiert sich mit der von
ihm neu gegründeten Camerata
Rousseau. Dabei kann er seine breite
dirigentische Erfahrung mit seinen
Kenntnissen der historischen Aufführungspraxis verbinden. Das Ensemble auf historischen Instrumenten rekrutiert sich aus den Reihen der
Schola Cantorum Basiliensis und des
Centre de Musique Ancienne in Genf,
den führenden Schweizer Institutionen im Umfeld der Alten Musik.
Das Ensemble profiliert sich anlässlich seines Debüts mit galantem
und klassischem Repertoire. Es benützt die Gelegenheit, mit den beiden
Wettbewerb
Wer die Camerata Rousseau zusammen mit Leonardo Muzii in
der Kirche St. Peter am kommenden Sonntag, 16. Februar, um 17
Uhr live erleben will, ruft am
Freitag, 14. Februar, zwischen
14.30 und 14.40 Uhr (und nur
dann) die unten stehende Nummer an. Es gibt dreimal zwei Eintrittskarten zu gewinnen. (zb.)
Ausnahmekönner Leonardo Muzii präsentiert klassische Musik.
Sinfonien von Carl Philipp Emanuel
Bach den 300. Geburtstag des Komponisten zu würdigen. Es folgen weitere Sinfonien von Boccherini, Haydn
und Mozart.
Die in Genf ansässige Camerata
Rousseau besteht aus etwa zwanzig
Musikern aus zehn verschiedenen
Ländern. Die Wahl des Namens bezieht sich auf den Genfer Philosophen, Musikologen und Komponisten
aus der Zeit der Aufklärung.
Die Synagoge ist ein typisches
Art-déco-Bauwerk.
Foto: zvg.
Leonardo Muzii ist in Neapel aufgewachsen. Nach dem Blockflötensolistendiplom am Rotterdams Conservatorium bildete er sich in historischer Aufführungspraxis der Alten
Musik an der Schola Cantorum Basiliensis weiter. Es folgten Engagements an bedeutenden internationalen Musikfestivals unter anderem in
Urbino, Brügge, Utrecht, Innsbruck,
Brežice und mehrere Konzertreisen
nach Japan sowie Konzerte als Mit-
Telefon 044 913 53 96.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist
ausgeschlossen.
glied renommierter Barockensembles
wie Giardino Armonico, Barocchisti
und die Aufnahme einer regelmässigen Unterrichtstätigkeit. Leonardo
Muzii dozierte von 1991 bis 1996 an
der Staatlichen Hochschule für Musik
Karlsruhe sowie an den Bieler und
Berner Konservatorien. (pd.)
Camerata Rousseau und Leonardo Muzii,
Sonntag, 16. Februar, 17 Uhr, Kirche St.
Peter.
verheirateten Frau, dem Koscheressen bis zu den Feiertagen, der Sexualität, und vielem mehr; über all diese
Themen hat sie uns ausführlich informiert und Fragen beantwortet. Manches davon wird von den liberaleren
Juden nicht so streng befolgt. Die
halten sich eher an ethische Regeln.
Falls ein/e anders Gläubiger/Gläubige zum Judentum konvertieren
möchte, müssen sehr strenge Vorschriften eingehalten werden. Bei
den Juden ist jedoch das Missionieren ein absolutes Tabu. Sie leben unter sich in der Gemeinschaft und in
der Familie.
Leimbacher Konzert
Seit 12 Jahren gibt das «Trio Fontane» Konzerte. Am Sonntag, 23. Februar, um 17 Uhr gastiert es nun im
reformierten Kirchenzentrum Leimbach. Als drittes Konzert in der Reihe «Leimbacher Konzerte» wartet
das Trio mit einem klangvollen romantischen Programm auf. Der Name des Trios kommt nicht von ungefähr. Beseelt (nomen est omen)
vom Wunsch, Quelle sprudelnder
musikalischer Ideen zu sein und zu
bleiben, nannten sich Andrea Wiesli
(Flügel), Noëlle Grüebler (Violine)
und Jonas Kreienbühl (Violoncello)
«Trio Fontane». Mit ihrem Können
und ihrer erfrischenden Bühnenpräsenz ziehen diese Künstler laut
den Veranstaltern das Publikum immer wieder in ihren Bann. (eing.)
«Leimbacher Konzerte»: Sonntag, 23.
Februar, 17.00 Uhr. Reformiertes Kirchgemeindezentrum in Leimbach, Wegackerstrasse 42. Eintritt frei, Kollekte.
Weitere Konzerte der Reihe: Sonntag,
9. März, 16.30 Uhr, «Kaffeehausmusik»,
Gesang und Klavier mit Musik aus Oper,
Operette und Swing. Sonntag, 6. April,
17 Uhr, «Leimbacher Talentbühne», im
2. Teil mit dem Trio «d’accordo». Weitere Infos: www.leimbacherkonzerte.ch.

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