Vorsorge + Anlage > Analystenmeinung HANDELSBLATT, Freitag

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Vorsorge + Anlage > Analystenmeinung HANDELSBLATT, Freitag
Sustainable Business Institute at the EUROPEAN BUSINESS SCHOOL e.V.
Vorsorge + Anlage > Analystenmeinung
HANDELSBLATT, Freitag, 07. Januar 2005, 13:29 Uhr
Umweltschutz, Mitarbeiterführung und Wertschöpfung durch Fusionen gewinnen an
Bedeutung
Großinvestoren fördern Reform der Aktienanalyse
Von Susanne Bergius, Handelsblatt
Führende europäische institutionelle Investoren legen Wert auf umfassende
Aktienanalysen, die Aufschluss darüber geben, ob Unternehmen nachhaltig
wirtschaften. Broker, die diese Angaben zusätzlich zur klassischen Aktienanalyse
liefern, erhalten von den Branchengrößen ab 2005 mindestens fünf Prozent von deren
Provisionen für Transaktionen - bis zu fünf Mrd. Euro.
HB BERLIN. In solche Analysen fließt auch die Bewertung der Unternehmensführung ein,
außerdem die der Mitarbeiterführung sowie Umweltgesichtspunkte und die Wertschöpfung
oder -zerstörung durch Fusionen und Übernahmen.
An dem Projekt namens "Enhanced Analytics Initiative" (EAI) beteiligen sich
Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Stiftungen mit einem gesamten verwalteten
Vermögen von 364 Mrd. Euro. Darunter sind die französische BNP Paribas Asset
Management sowie die zur Allianz gehörenden Institute Deutscher Investment Trust (Dit),
Dresdner Bank Investment Management (DBI), die britische RCM und die französische AGF
Asset Management, ferner der niederländische Pensionsfonds PGGM als einer der größten
der Welt und der britische USS als einer der größten Europas. Elf weitere Institute erwägen,
sich der im Oktober gegründeten Initiative anzuschließen; eine größere skandinavische
Fondsgesellschaft hat diese Woche bereits unterzeichnet.
Die klassische Aktienanalyse sei zu sehr auf kurzfristige Verkaufsinteressen und
Quartalsergebnisse konzentriert, lautet ihre Kritik. Dies sei das entscheidende Hindernis für
Investoren, zu einer langfristigen, vollständigeren Beurteilung unternehmerischer Leistungen
zu kommen. "Die EAI-Mitglieder haben durch das eigene Research im Bereich nachhaltiger
Geldanlagen festgestellt, dass soziale und ökologische Themen auch für das klassische
Aktiengeschäft wichtig sind", erläutert Dit-Portfolio-Manager Felix Schnella. Zudem
verlangten große Kunden solche Informationen zunehmend.
"Nichtfinanzielle und immaterielle Werte und Leistungen können einen signifikanten Anteil
am Unternehmenswert haben, insbesondere auf längere Sicht", meint USS-Investmentchef
Peter Moon. Broker vernachlässigten diese aber. Aktuelles Beispiel sind Finanzbelastungen
durch den Handel von Kohlen-dioxid-Verschmutzungsrechten. "Die Analysten haben das
Thema erst spät entdeckt, obwohl es lange absehbar war", sagt Schnella.
Die Initiative will daher eine Analyse anstoßen, die Dinge berücksichtigt, die in
Geschäftsberichten nicht auftauchen und kurzfristig nicht kursrelevant sind, langfristig jedoch
Aktienkurs und Ergebnis beeinflussen können. "Wir streben einen Schneeball-Effekt an, so
dass erweiterte Analysen in wenigen Jahren zum Tagesgeschäft aller Broker und
Vermögensverwalter gehören", sagt Schnella. "Der klassische Investor soll diesen Service
bekommen, nicht nur grüne Exoten."
Broker, die diese Mehrarbeit leisten, erhalten mehr Aufträge für Wertpapiertransaktionen.
Das interne Broker-Voting-System, bei dem Händler, Analysten und Fondsmanager die
Qualität der Broker alle sechs Monate beurteilen, wird für fünf Prozent der zu vergebenden
Provisionen um mehrere Kriterien erweitert: das Nachhaltigkeitsresearch muss verständlich
und fundiert sein, Firmenvergleiche ermöglichen, Finanz- und Nachhaltigkeitsanalyse
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integrieren und das Investmentuniversum der Mitglieder umfassen. Die Analysten
entscheiden, wer welches Stück vom Kuchen erhält.
Zwecks Erstvergabe im Januar haben die Institute ein unabhängiges Gutachten bei der
Schweizer Beratungsagentur On-Values Ltd. in Auftrag gegeben. Sie analysiert derzeit
bisherige Research- und Servicequalität von 21 Brokern sowie deren Zukunftspläne. "Die
Broker haben gemerkt, dass wichtige institutionelle Kunden wie Pensionskassen unzufrieden
sind und dass sie sich weiterentwickeln müssen", berichtet Ivo Knoepfel, Geschäftsführer
und Inhaber von On-Values. Künftig wird die Agentur die Einhaltung der Zusagen und
Qualität des Research halbjährlich bewerten. Interessierte Broker können sich dafür
anmelden.
"Die Initiative schlägt die dringend nötige Brücke zwischen dem konventionellen und dem
Nachhaltigkeitsresearch", sagt Mike Tyrell vom Londoner Broker HSBC. Stefan Winter,
Vorstandssprecher der UBS Investmentbank meint hingegen: "Eine systematische Analyse
der weichen Faktoren ist nicht sofort umsetzbar. Aber wir werden die Anforderungen an die
Analysten bis zum zweiten Quartal erweitern."