Brian Ferry - tautscher.net – Kulturkommunikation

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Brian Ferry - tautscher.net – Kulturkommunikation
Brian Ferry
16.5., 20.00 Uhr
Wiener Stadthalle / Halle F
Dylan unter der Discokugel
Der „glaubwürdige Händler großer Gefühle“ Brian Ferry kommt mit seinem Bauchladen in die Wiener
Stadthalle. Mit im Sortiment hat er sein aktuelles Album „Dylanesque“
Bob Dylan bekommt ein drittes Leben geschenkt. Nach dem „akustischen“ und dem seinerzeit
schockierenden „elektrischen“ Dylan, kommt das Präsent aus einer unerwarteten Ecke. Brian Ferry zeigt uns
den glamourösen Dylan. Auf seinem neuen Album „Dylanesque“ verbeugt sich der „Gentelman der
Popmusik“ vor der Singer/Songwriter-Legende. „Was die Texte angeht, so war das ungefähr so, als ob sich
ein Schauspieler an Shakespeare heran wagt" beschreibt Ferry die Hochachtung, die er diesem Projekt
entgegen brachte. Dementsprechend lange dauerte es, bis die Idee - geboren 1973 - die nötige Reife hatte
um verwirklicht werden. Sozusagen ein „Thirty-Something“ der von zwei über 60jährigen in die Welt gesetzt
wurde.
Brian Ferry nähert sich der Aufgabe mit der gleichen Grandezza, die ihn zur „Ikone des Glamours“ oder zum
"coolster lebender Engländer" gemacht haben. Mit den notwendigen großen Gefühlen und ebensolcher
Instrumentalisierung wird hier am Grat zwischen Kitsch und Kunst balanciert, ohne in die eine oder andere
Richtung abzustürzen. Kein Wunder, denn Brian Ferry hat Übung im facettenreichen Umgang mit dem
Wohlklang. Wo andere knietief im Schnulzen-Sumpf waten, oder verkopft und vertrackt herum künsteln,
gelang Ferry dieser musikalischen Balance-Akt sowohl als Frontmann von Roxy Music, als auch als
Songwriter zumeist mit Bravour. Bei „Dylanesque“ wird an Altem festgehalten, wo es nicht zwanghaft
notwendig ist Neues zu erfinden. Und es wird neu-interpretiert, wo ein Stück durch Ferrys persönliche Note
anders entdeckt werden kann. Es sei jedem verliebten Pärchen vergönnt, einmal zu Brian Ferrys Version
von „Make you feel my love“ um vier Uhr früh in einem menschenleeren Ballroom den letzten Tanz des
Abends zu erleben. Bei Songs wie „Smoke Gets In Your Eyes“ und „All Along The Watchtower“ handelt es
sich gleich um eine doppelte Verbeugung. Man kann diese Dylan-Lieder nicht interpretieren, ohne auch Jimi
Hendrix zu ehren. Es ist Brian Ferry hoch anzurechnen, nicht einfach tief in den riesigen Dylan-LiederFundus nach „unbekannte Perlen“ zu tauchen, sondern sich mit weiteren Gassenhauern wie „The times they
are a-changin'“ oder „Knockin' on heavens door“ mitten in die Suchscheinwerfer von Dylanologen, Kritikern
und seinen eigenen Fans zu stellen. Schlussendlich wird genau dass von ihm erwartet. Dort im Rampenlicht
ist der Platz, den er seit 30 Jahren Showbiz ausfüllt, wie kaum ein anderer. Es wird schön sein ihn dort am
16. Mai in der Wiener Stadthalle stehen, singen und weiter in Würde altern zu sehen.
Christoph Tautscher
Brian Ferry Bild Credit:
Chris Dunlop
Piano-Bilder: Julian Broad c o Bill Charles Agency