Skript zur Vorlesung - Lehrstuhl für Steuerrecht

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Skript zur Vorlesung - Lehrstuhl für Steuerrecht
Einkommensteuerrecht
Wintersemester 2013/2014
Prof. Dr. Roman Seer
Lehrstuhl für Steuerrecht
Gliederung
I. Grundlagen/Einführung
II. Subjektive Steuerpflicht
III. Objektive Steuerpflicht
• Zweck
• Prinzipien
• Aufbau des Einkommensteuertatbestandes
• Beschränkte/unbeschränkte Steuerpflicht
• Einkünftequalifikation
• Einkünftequantifikation
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Gliederung
I. Grundlagen
/Einführung
Grundgedanke der Einkommensteuer – Das Leistungsfähigkeitsprinzip (F. 4-8)
Aufbau des Einkommensteuertatbestandes (F. 9-11)
Einkommensteuertarif (F. 12-13)
II. Subjektive
Steuerpflicht
III. Objektive
Steuerpflicht
Subjektive Einkommensteuerpflicht (F. 14-23)
Einkommen als zentraler Begriff des öffentlichen Schuldrechts (F. 24-26)
Einteilung der Steuernormen (F. 27)
Bestimmung steuerpflichtiger Einkünfte – Bemessungsgrundlage (F. 28-31)
Einkünftedualismus (F. 32-60)
Gewinnermittlungsarten (F. 61-65)
Erwerbsbezüge/Erwerbsaufendungen (F. 66-81)
Betriebsvermögensvergleich (F. 82-93)
Zurechnung von Einkünften (F. 94-106)
Verlustausgleich (F. 107-111)
Abzug privater Aufwendungen (F. 112-118)
Einkommensteuertarif /-veranlagung (F. 119-127)
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Grundgedanke der Einkommensteuer
(T/L, § 3 Rz. 40 ff.)
• Leistungsfähigkeitsprinzip
Die ESt ist eine Gemeinlast, die alle Steuerbürger je nach
je ihrem Einkommen zur Finanzierung der allgemeinen
Staatsaufgaben heranzieht
• Steuergerechtigkeitsideal
• Die ESt als „Königin der Steuern“
• Ergebnis der Reformbewegung des 19. Jahrhunderts
• Leistungsfähigkeitsprinzip als tertium comparationis
für die Prüfung des Art. 3 I GG
• Theorie des Steuerstaats
Staat = stiller Teilhaber am Erfolg des Bürgers
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Leistungsfähigkeitsprinzip
(s. T/L, § 3 Rz. 40 ff.)
Leistungsfähigkeit meint Ist-Leistungsfähigkeit
(keine Soll-Leistungsfähigkeit)
Leistungsfähigkeit = Steuerzahlungsfähigkeit
Theorie des disponibles Einkommens
• objektives Nettoprinzip = Erwerbsaufwendungen
sind abziehbar
• subjektives Nettoprinzip = unvermeidbare
Privataufwendungen sind abziehbar
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Leistungsfähigkeitsprinzip
Horizontale
Steuergleichheit
Vertikale
Steuergleichheit
Stpfl. gleicher
Zahlungsfähigkeit
müssen der gleichen
Steuerbelastung
unterliegen
Stpfl. unterschiedlicher
Zahlungsfähigkeit müssen
der unterschiedl. Zahlungsfähigkeit entsprechend
verschieden besteuert
werden
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Lehre vom disponiblen Einkommen
(T/L, § 8 Rz. 42 f., 70 ff.)
objektives
Nettoprinzip
subjektives
Nettoprinzip
§ 2 II EStG: Einkünfte
(§ 2 IV, V; § 32a I Nr.1 EStG):
Abzug unvermeidbarer (für
Zwecke der Steuerzahlung
indisponible) Privataufwendungen von der
Bemessungsgrundlage
= Saldogröße 
Erwerbsaufwendungen
(§ 4 IV, 9 I EStG) werden zur
Ermittlung der Einkünfte
abgezogen
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BVerfG-Entscheidungen zum
Leistungsfähigkeitsprinzip
• BVerfG v. 29.5.1990, BVerfGE 82, 60, 89 ff. – Kindergeld/freibetrag
• BVerfG v. 10.11.1998, BVerfGE 99, 246, 260 –
Kinderbetreuungskosten
• BVerfG v. 6.3.2002, BVerfGE 105, 73, 110 ff. – Alterseinkünfte
• BVerfG v. 4.12.2002, BVerfGE 107, 27 ff. – doppelte
Haushaltsführung
• BVerfG v. 21.6.2006, BVerfGE 116, 164 – Tarifbegrenzung
gewerbliche Einkünfte
• BVerfG v. 13.2.2008, BVerfGE 120, 125 –
Krankenversicherungsbeiträge
• BVerfG v. 9.12.2008, BVerfGE 122, 210 – Pendlerpauschale
• BVerfG v. 6.7.2010, BVerfGE 126, 268 – Arbeitszimmer
• BVerfG v. 7.5.2013, 2 BvR 909/06, juris – Ehegattensplitting
DStR 2013, 1228
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Aufbau des Einkommensteuertatbestandes
• Steuersubjekt
natürliche Person (§ 1 EStG)
Zurechnung
• Steuerobjekt
Einkunftserzielung am Markt (§ 2 I 1 EStG)
• Ermittlung der Bemessungsgrundlage
Einkommen (§ 2 V EStG)
• Einkommensteuertarif (§ 32a EStG)
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Einkommensteuer-Tatbestand – Grundidee
(de lege lata orientieren an § 2 EStG!)
I. Summe der Einkünfte aus: (obj. Nettoprinzip)
1. selbständiger Erwerbstätigkeit
2. unselbständiger Erwerbstätigkeit
3. Vermögensverwaltung u.a.
./.
II. Summe der Privatabzüge
(indisponible Teile des erwirtschafteten Einkommens
= subj. Nettoprinzip):
1. Unterhaltsleistungen
2. Vorsorgeaufwendungen
3. Lebensbedarfsaufwendungen (sozialhilferechtliches
Existenzminimum)
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Einkommensteuer-Tatbestand – Grundaufbau
=
III. Saldo
• zu
versteuerndes Einkommen
• disponibles,
d.h. für die Steuerzahlung verfügbares Einkommen
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Einkommensteuertarif seit VZ 2013
(§ 32a EStG, T/L, § 8 Rz. 800 ff.)
Nullzone (Grundfreibetrag)
bis 8.130 € z.v.E.
Subjektives
Nettoprinzip
(T/L, § 3 Rz. 72 f.,
§ 8 Rz. 70 ff.)
1. Progressionszone (14 - 24%)
8.131 € – 13.469 € z.v.E.
2. Progressionszone (24 - 42%)
13.470 € – 52.881 € z.v.E.
Sozialstaatsprinzip
(T/L, § 3 Rz. 210 ff.)
Proportionalzone I (konstant 42%)
ab 52.882 € bis 250.730 € z.v.E.
Proportionalzone II (konstant 45%)
ab 250.731 € z.v.E. („Reichensteuer“)
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ESt-Tarif seit VZ 2013
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Subjektive Einkommensteuerpflicht
Unbeschränkte Steuerpflicht § 1 I-III EStG
Abs. 1
Wohnsitz (§ 8 AO) oder Gewöhnlicher Aufenthalt (§ 9 AO) im Inland
Abs. 2
Deutsche Auslandsbedienstete (erweitert unbeschränkt Stpfl.)
Abs. 3
sog. Grenzgänger (fiktive unbeschränkte Stpfl.)
Welteinkommensprinzip
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Subjektive Einkommensteuerpflicht
Beschränkte Steuerpflicht § 1 IV EStG
Abs. 4
weder Wohnsitz noch gewöhnlicher Aufenthalt im Inland
und
Inländische Einkünfte (§ 49 EStG)
ggf.
Erweiterte beschränkte Stpfl. (§ 2 AStG)
Territorialitätsprinzip
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Subjektive Einkommensteuerpflicht
Unterschiede in den
Rechtsfolgen
Unbeschränkte Steuerpflicht
Beschränkte Steuerpflicht
(§ 1 I – III EStG)
(§ 1 IV EStG)
Welteinkommensprinzip
Territorialprinzip
subjektives
Nettoprinzip
grds. Objektsteuercharakter
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Aus.: § 50 II 2 Nr. 2
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Subjektive Einkommensteuerpflicht
Normaler
Steuertarif,
Ehegattensplitting
Anrechnung
ausländischer
Steuern
Modifizierter
Steuertarif
(mind. 20%)
Keine Anrechnung
ausländischer
Steuern
(Problem: Vereinbarkeit mit
dem Unionsrecht)
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Vermeidung der Doppelbesteuerung
Doppelbesteuerung
Ein und dasselbe Steuersubjekt wird mit demselben Steuerobjekt
mehrfach zu einer gleichen oder wenigstens gleichartigen Steuer
herangezogen. Sind die Gläubiger dieser Steuer unterschiedliche Staaten,
so liegt eine internationale Doppelbesteuerung vor.
Literaturhinweis:
Karrenbrock/Hirsch, SteuStud 2001, 583, Petereit, IStR 2003, 577,
Schaumburg, int. Steuerrecht³, 2011, Rz. 12.1 ff.
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Vermeidung der Doppelbesteuerung
Unilateral (§ 34c EStG)
kein DBA vorhanden
Bilateral durch Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)
Art. 23B
OECD-MA
§ 34c II, III EStG
§ 34c I EStG
Abzug der ausländ.
Steuer von der
Bemessungsgrundlage
Anrechnungsmethode
Anrechnung der
ausländ. Steuer
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Art. 23A
OECD-MA
Freistellungsmethode
Freistellung der
ausl. Einkünfte
(mit Progressionsvorbehalt)
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Fälle zur subjektiven Einkommensteuerpflicht (1)
A ist wohnhaft in Bochum und entwickelt Computer-Software für
Industrieanlagen. Die hochspezialisierte Software vertreibt er an ganz
unterschiedliche Unternehmen im In- und Ausland. Er hält sich oftmals im
Jahr Monate im Ausland auf, um bei ausländischen Unternehmen seine
Software einzurichten und auf die Praxistauglichkeit abzustimmen. In
seiner Abwesenheit ist sein Büro nur mit einer Sekretärin besetzt. Wo hat A
seine Einkünfte zu versteuern?
Literaturhinweis:
BFH v. 19.3.1997 – I R 69/96, BStBl. II 1997, 447
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Fälle zur subjektiven Einkommensteuerpflicht (2)
Der Italiener Mario zieht jeweils im März nach Bochum, um dort bis Ende
November eine Eisdiele zu betreiben. Seine Ehefrau und drei Kinder
verbleiben in Sizilien. Anfang Dezember kehrt Mario für die Wintermonate
nach
Sizilien
zurück.
Wird
Mario
in
Deutschland
einkommensteuerpflichtig? Wenn ja, wie wird er besteuert?
Literaturhinweis:
BFH v. 27.4.2005 – I R 112/04, BFH/NV 2005, 1756; BFH v. 22.6.2011 – I R
26/10, BFH/NV 2011, 2001
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Fälle zur subjektiven Einkommensteuerpflicht (3)
B wohnt mit seiner Familie in Eupen/Belgien. Wochentags arbeitet er in
Aachen bei einer Unternehmensberatungsgesellschaft als Angestellter. Ist B
in Deutschland steuerpflichtig? Wenn ja, wie ist er zu besteuern?
Literaturhinweis:
EuGH-Urt. v. 14.2.95, Slg. I 1995, 225 = BB 95, 438 (Fall Schumacker); EuGHUrt. v. 27.6.96, Slg. I 1996, 3089 = FR 1996, 666 (Fall Asscher); EuGH-Urt. v.
14.9.99, Slg. I 2000, 5451 = NJW 2000, 941 (Fall Gschwind); EuGH-Urt.
12.7.05, Slg. I 2005, 6421 = DStR 2005, 1265 (Fall Schempp); Englisch, StuW
2003, 88 ff. Seer, IWB 2003/Heft 19, Fach 11, 573 ff.; Saleh, SteuStud 2010,
121.
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Fälle zur subjektiven Einkommensteuerpflicht (4)
G, ein in den Niederlanden wohnhafter niederländischer Staatsangehöriger,
erhielt für einen Auftritt als Schlagzeuger bei einem Radiosender in Berlin
6.000 €. Für diesen Auftritt sind dem G Betriebsausgaben i.H.v. 1.000 €
entstanden. Im gleichen Jahr hatte G außerdem Einnahmen i.H.v. 50.000 € in
seinem Wohnsitzstaat und in Belgien. Ist G in Deutschland steuerpflichtig?
Wenn ja, wie wird er besteuert?
Literaturhinweis:
EuGH-Urt. v. 12.6.03, Slg. I 2003, 5933 = DB 2003, S. 1360 ff. (Fall Gerritse);
dazu Schnitger, FR 2003, 745 ff.; EuGH v. 03.10.06, Slg. I 2006, 9461 = IStR
2006, 743 (Fall FKP Scorpio Konzertproduktionen); EuGH v. 31.3.11, DStR
2011, 664 (Fall Schröder); dazu Krumm IWB 2011, 456.
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Einkommen als zentraler Begriff des
öffentlichen Schuldrechts
(T/L, § 8 Rz. 49-52)
Quellentheorie (Fuisting)
Einkommen = Gesamtheit der Sachgüter, die in einer bestimmten Periode
dem Einzelnen als Ertrag dauernder Quellen der Gütererzeugung zur
Bestreitung der persönlichen Lebensbedürfnisse für sich und seine
unterhaltsberechtigte Familie zur Verfügung steht.
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Einkommen als zentraler Begriff des
öffentlichen Schuldrechts
(T/L, § 8 Rz. 49-52)
Reinvermögenszugangstheorie (Schanz)
Einkommen = Zugang von Reinvermögen in einer Wirtschaft während
einer gegebenen Periode (inkl. Wertsteigerungen, Nutzungswerte
gebrauchsfähiger Wirtschaftsgüter)
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Einkommen als zentraler Begriff des
öffentlichen Schuldrechts
(T/L, § 8 Rz. 49-52)
Markteinkommenstheorie (Lang)
Einkommen = der während einer gegebenen
erwirtschaftete, realisierte Reinvermögenszugang.
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Periode
am
Markt
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Einteilung der Steuernormen
(T/L, § 3 Rz. 19-25)
Fiskalzweck-/
Lastenausteilungsnormen
Sozialzwecknormen
Lenkungsnormen
Leistungsfähigkeitsprinzip
Gemeinwohl-/
Verdienstprinzip
Vereinfachungszwecknormen
Umverteilungsnormen
Bedürfnisprinzip
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Praktikabilitätsprinzip
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Merkmale steuerbarer Einkünfte
(T/L, § 8 Rz. 120-135)
Objektiver Tatbestand
Subjektiver Tatbestand
Beteiligung am
wirtschaftlichen Verkehr
Einkunftserzielungsabsicht
Negativabgrenzung:
● Erbschaft, Schenkung
● Unterhaltsbezüge
● Schmerzensgeld
● Eigenleistungen
● Aussteuer, etc.
● Spiel/Sport/Wette
Negativabgrenzung:
● Liebhaberei
● Gemeinnützigkeit
Markteinkommenstheorie
einkommensteuerbar sind die am Markt erwirtschafteten Einkünfte
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Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer
Gewinneinkünfte
Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
(§§ 13 - 14a EStG)
Einkünfte aus Gewerbebetrieb
(§§ 15 - 17 EStG)
Reinvermögenszugangstheorie i.S.d.
Markteinkommenstheorie
Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit
(§ 18 EStG)
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Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer
Überschusseinkünfte
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
(§§ 19, 19a EStG)
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
(§§ 21, 21a EStG)
Sonstige Einkünfte
(§ 22 EStG)
Einkünfte aus Kapitalvermögen
(§ 20 EStG 2009)
Quellentheorie
Mixtur
Paradigmenwechsel hin
zur Reinvermögenszugangstheorie i.S.d.
Markteinkommenstheorie
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Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer
Summe/ Gesamtbetrag der Einkünfte
Objektives
Nettoprinzip
./. Sonderausgaben (§§ 10 - 10c EStG)
(insb. Vorsorgeaufwendungen)
./. Außergewöhnliche Belastungen
(§§ 33 - 33b EStG)
Subjektives
Nettoprinzip
Einkommen
./. Kinderfreibetrag u. Betreuungsfreibetrag (§ 32 VI EStG)
Zu versteuerndes Einkommen
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Periodizitätsprinzip
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Einkünftedualismus
(T/L, § 8 Rz. 181-203)
Gewinneinkünfte
§ 2 II Nr. 1 EStG
Überschusseinkünfte
§ 2 II Nr. 2 EStG
Markteinkommen-/
Reinvermögenszugangstheorie
Quellentheorie
(Ursprung)
Totalitäts-,
Realisationsprinzip
Nur laufende Erträge
steuerbar/keine
Stammvermögensveränderungen
Erfassung von
Veräußerungsgewinnen und -verlusten
Nur eingeschränkte
Besteuerung von
Veräußerungseinkünften
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Einschränkungen des Einkünftedualismus
Veräußerung
wesentlicher
Beteiligungen
(§ 17 EStG)
Veräußerungsgewinne i.S. des
§ 23 EStG
Ausdehnung des
§ 20 EStG
auf VeräußerungsGewinne (§ 20 II EStG)
Einkünftedualismus existiert praktisch nur
noch im Bereich von Immobilien!
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Subsidiaritätsklauseln &
systematische Steuerfolgen
§§ 20 VIII, 21 III, 22 Nr. 1-3, 23 II EStG
§§ 13-18 (insb. §§ 15-17) EStG
vorrangig
Synthetische Einkommensteuer
§ 21 EStG: Vermietung u.
Verpachtung nachrangig
Synthetische Einkommensteuer
§ 20 EStG: aus Kapitalvermögen nach-nachrangig
§ 23 EStG: sonstige Einkünfte
nach-nach-nachrangig
Abgeltungsteuer
Synthetische Einkommensteuer
mit Verlustausgleichsbeschränkungen
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Gewinneinkünfte (§ 2 II Nr. 1 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 404-433)
Gemeinsame Merkmale (s. § 15 II 1 EStG)
Selbständige
nachhaltige
Tätigkeit
Beteiligung am
allg. wirtschaftlichen Verkehr
mit Gewinnerzielungsabsicht
keine bloße Vermögenverwaltung
(§ 14 AO)
Kumulative Voraussetzungen
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Gewinneinkünfte (§ 2 II Nr. 1 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 404-433)
Diese kumulativen Voraussetzungen erfüllen:
Land- und
Forstwirtschaft
(§ 13 EStG)
Gewerbebetrieb
(§ 15 EStG)
Freiberufe und
ähnliche Berufe
(§ 18 EStG)
Negativabgrenzung des Gewerbebetreibenden von
Land- u. Forstwirten, Freiberuflern
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Gewinneinkünfte (§ 2 II Nr. 1 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 404 ff.)
Land- und Forstwirtschaft (§ 13 EStG)
• Gewinn aus der land- u. forstwirtschaftlichen Nutzung
des Grund und Bodens: Bezug der Erzeugnisse zum GruBo
• Negativabgrenzung: Handel mit Agrarerzeugnissen,
Holzhandel = Gewerbebetrieb
• Erleichterung der Gewinnermittlung in § 13a EStG
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Gewinneinkünfte (§ 2 II Nr. 1 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 423 ff.)
Einkünfte aus selbständiger Arbeit (§ 18 EStG)
• Freiberufliche Tätigkeit (§ 18 I Nr. 1 S. 1 EStG): Katalogberufe ►
sog. Stempeltheorie (§ 18 I Nr. 1 S. 3 EStG)
• Typenvergleich mit Katalogberuf:
• Negativabgrenzung = Händler, Produzent, schlichter
Dienstleister = Gewerbebetrieb
• Sonstige selbständige Arbeit (§ 18 I Nr. 3 EStG): Vermögensverwalter, Testamentsvollstrecker u.ä. ► Früher: Sog.
Vervielfältigungstheorie; Jetzt: Aufgabe durch BFH (Urteil v. 15.12.10 VIII R 50/09, BStBl. II 2011, 506)  entsprechende Anwendung der
Stempeltheorie aus §18 I Nr. 1 S. 3 EStG
• Erleichterung der Gewinnermittlung in § § 4 III EStG =
Einnahmen-Überschuss-Rechnung statt Bilanz
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Gewinneinkünfte (§ 2 II Nr. 1 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 404 ff.)
Gewinnerzielungsabsicht:
• prognostische Beurteilung: Anscheinsbeweis bei typischerweise
kaufmännischen oder freiberuflichen Tätigkeiten
• je stärker Liebhaberei-Motive (z.B. Pferde-, Segel-, Rennsport,
Kunstgalerie, etc.), umso höhere Anforderungen an den Nachweis eines
Totalgewinns
• Totalgewinn entscheidend, typische Anlaufverluste werden gebilligt
Negativabgrenzung: Vermögensverwaltung
Nutzung von Vermögen (§ 14 S. 3 AO)
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Überschusseinkünfte (§ 2 II Nr. 2 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 470 - 582)
Nichtselbständige Tätigkeit (§ 19 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 470 – 491)
• Lohn/Gehalt (Arbeitnehmer)
(§§ 19 I Nr. 1 EStG, 1 I 1 LStDV)
• Bezüge aus früherem Dienstverhältnis
(§ 19 I Nr. 2 EStG)
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Arbeitnehmerbegriff als Typusbegriff
(§ 1 II LStDV)
Offene Typusmerkmale (= Indizcharakter)
• Schulden der Arbeitskraft und nicht des Arbeitserfolges
• Persönliche Weisungsgebundenheit gegenüber dem
Dienstherrn nach Art und Weise, Ort, Zeit u. Umfang
• Organisatorische Eingliederung in den Betrieb des
Dienstherrn: keine Unterhaltung eines eigenen Büros,
Gestellung der Arbeitsgeräte
• Fehlendes Unternehmerrisiko: festes Arbeitsentgelt,
Urlaubsanspruch, Anspruch auf Sozialleistungen,
Fortzahlung im Krankheitsfall
• Höchstpersönlichkeit der geschuldeten Arbeitsleistung,
Abhängigkeit von einem Dienstherrn
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Überschusseinkünfte (§ 2 II Nr. 2 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 470-582)
Nutzung von Vermögen (§§ 20, 21 EStG)
• Entgeltliche Überlassung von Kapital
(§ 20 EStG)
• Entgeltliche Überlassung von unbeweglichen
Vermögen (§ 21 I Nr. 1, 2 EStG)
• Entgelt aus zeitlicher Überlassung von Rechten
(§ 21 I Nr. 3 EStG)
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Überschusseinkünfte (§ 2 II Nr. 2 EStG)
(T/L, § 8 Rz. 470-582)
Sonstige Einkünfte (§§ 22, 23 EStG)
• Wiederkehrende Bezüge (§ 22 Nr. 1 EStG)
• Unterhaltsbezüge (§ 22 Nr. 1a EStG)
• Versorgungsrenten (§ 22 Nr. 1b EStG)
• Private Veräußerungsgeschäfte (§ 22 Nr. 2, 23 EStG)
• Einkünfte aus sonstigen Leistungen (§ 22 Nr. 3 EStG)
• Abgeordnetenbezüge (§ 22 Nr. 4 EStG)
• Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen (§ 22 Nr. 5 EStG)
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43
Veräußerungseinkünfte
Beteiligungen
an KapGes’en
Wertpapiere
§ 20 II Nr. 1
§ 17
Beteilig.
> 1%
Übrige
Beteiligungen,
ohne Grenze
ohne Frist
§ 20 II Nr. 2
ohne Grenze
ohne Frist
Grundstücke
Fälle des
§ 23 I Nr. 1
§ 23 I Nr. 2
Frist =
10 Jahre
Frist: 1 Jahr
Veräußerungs
-gewinn 60% Veräußerungsgewinn:
steuerpflichtig
25% Abgeltungsteuer
Teileinkünfteverfahren
Bewegliche
Wirtschaftsgüter
oder
voll steuerpflichtig,
§ 32d VI:
Günstigerprüfung
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Veräußerungsgewinn
voll steuerpflichtig
§ 23 III
(wenn Freigrenze 600 €
überschritten)
44
Veräußerungseinkünfte
(T/L, § 8 Rz. 553-563)
Beteiligungen an Kapitalgesellschaften (§ 17 EStG)
• Relevanzschwelle: 1%-Beteiligung am Kapital
(in letzten 5 Jahren); ansonsten keine zeitliche Grenze
 verfassungemäß lt. BFH v. 24.10.2012, BStBl II 2013, 164
• Veräußerungsgewinn (gewerblich fingiert)
§§ 17 II, 3 Nr. 40c) EStG: Teileinkünfteverfahren  Veräußerungsgewinn
zu 60% steuerpflichtig
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45
Veräußerungseinkünfte
(T/L, § 8 Rz. 553-563)
Grundstücke + grundstücksgleiche Rechte
(§ 23 I Nr. 1 EStG)
• Veräußerungsfrist: 10 Jahre
zwischen An- und Verkauf (obligatorisches Rechtsgeschäft)
• Veräußerungsgewinn
voll steuerpflichtig, § 23 III
EStG
(Ausnahme: zu eigenen Wohnzwecken genutztes
Grundstück § 23 I Nr. 1 S. 3 EStG)
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46
Abgeltungsteuer
(T/L, § 8 Rz. 492 ff.)
•
Einführung einer einheitlichen Abgeltungsteuer
i.H.v. 25% auf Kapitalerträge zum 1.1.2009
•
•
Vereinfachung der Kapitaleinkünfte-Besteuerung in
Massenverfahren und damit Bürokratieabbau (Motiv)
Verbesserung der Vollzugsgleichheit der Besteuerung
unter Inkaufnahme einer rohen Bruttobesteuerung
•
Vorbeugung der Kapitalflucht in das Ausland
•
Vergleich auf europäischer Ebene: Praktizierung
einer Abgeltungsteuer in 18 Mitgliedstaaten der EU
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47
Erweiterung der Einkünfte aus
Kapitalvermögen ab 1.1.2009
•
•
•
•
Gewinn aus der Veräußerung von KapGesAnteilen, Genussrechten u.a. (ohne Befristung)
Stillhalterprämien für Einräumung von Optionen
Gewinn aus Termingeschäften
Gewinn aus der Veräußerung stiller Beteiligungen,
von Ansprüchen aus Versicherungsverträgen u.
sonstigen Kapitalforderungen jeglicher Art
praktische Aufhebung des sog. Einkünftedualismus
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48
Pauschale Bruttobesteuerung ab
1.1.2009
Einkünfte aus Kapitalvermögen
Privatvermögen
Abgeltungsteuer 25% = Bruttosteuer
Werbungskosten sind durch Sparer-Pauschbetrag
i.H.v. 801 € p.P. abgegolten!!
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49
Abgeltungsteuer = Analytischer EStSondertarif (§ 32d EStG)
25% ESt + 1,375 SolZ = 26,375% Gesamt
bei KiSt-Pflicht Kapitalertrag: (4+KSt-Satz)
Bsp. NRW = 100 : 4,09 = 24,45% AbgeltungSt
SolZ = 5,5% x 24,45% = 1,345%
KiSt = 9% x 24,45% = 2,2% Summe: 27,995%
Die KiSt-Pflicht wird bereits beim KapESt-Abzug berücksichtigt
(§ 43a I 2 EStG), ersatzweise im Veranlagungsverfahren
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50
Besteuerung der Alterseinkünfte
(T/L, § 8 Rz. 564-582)
Sozialversicherungsrenten
(Besteuerungsanteil)
Beamtenpensionen
(wie laufendes Gehalt)
§ 22 Nr. 1 S. 3 lit. a) EStG
§ 19 I Nr. 2 EStG
BVerfGE 105, 73, 110 ff.:
Gleichheitswidrige Besteuerung 
Neuregelung zum 1.1.2005
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51
Besteuerung der Alterseinkünfte
(T/L, § 8 Rz. 564-582)
Besteuerung der Alterseinkünfte unter Berücksichtigung
des Alterseinkünftegesetzes v. 5.7.2004
(BGBl. I 2004, 1427)
Mit dem AltEinkG geht der Gesetzgeber zu einer einheitlichen
nachgelagerten Besteuerung aller Alterseinkünfte über
(Übergangsregelung nach dem sog. Kohortenprinzip)
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Nachgelagerte Besteuerung der Alterseinkünfte
Abzug von der
Bemessungsgrundlage in der
Sparphase
- § 10 I Nr. 2a EStG = ArbN-Beitrag
zur gesetzl. Rentenvers.
- § 3 Nr. 62 EStG = ArbG-Beitrag zur
gesetzl. Rentenvers.
- § 10 III EStG, Höchstbetragsgrenze
= 20 T€, Kohorten-Einstieg (20052025)
-sog. Riester-Rente = zusätzlicher Abzug n. § 10a EStG,
- max. 2.100 € p.a. bei
zusätzlichen privaten
Rentenvers.
Versteuerung in der
Auszahlungsphase
§ 22 Nr. 1 Satz 2 lit. a) aa):
Kohorten-Einstieg in die
nachgelagerte
Besteuerung (2005-2040)
§ 22 Nr. 5 EStG Rentenauszahlung
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Steuerliche Freistellung einer
angemessenen Altersversorgung
Versorgungsaufwendungen i.S.v. § 10 I Nr. 2
lit a) = Beiträge zu den gesetzlichen Rentenversicherungen
sowie berufsständigen Versorgungseinrichtungen
lit b) = Beiträge des Stpfl. zum Aufbau einer eigenen
kapitalgedeckten Altersversorgung, wenn eine lebenslange
monatliche Rente gezahlt wird
sind bis zu einem Betrag von 20.000 € (bzw. 40.000 € bei ZV) als
Sonderausgaben abzugsfähig (§ 10 III EStG), sog. Basisversorgung.
Der steuerfreie AG-Anteil zur ges. RV kann nicht abgezogen werden!
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Unterwerfung aller Alterseinkünfte
unter die reguläre Besteuerung
Volle Besteuerung von
• Versorgungsbezügen, § 19 II EStG
• Leibrenten und anderen Leistungen (z.B. Renten aus der ges.
Rentenversicherung oder der kapitalgedeckten sog. Rürup-Rente), § 22
Nr. 1 EStG
• Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen (Riester-Rente), d.h.
insbesondere aus Direktversicherungen, betrieblichen Pensionskassen
oder Pensionsfonds, § 22 Nr. 5 EStG (wenn nicht bereits § 19 II EStG)
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Sicherstellung der Besteuerung
durch „Rentenbezugsmitteilungen“
§ 22a EStG
Die Leistungserbringer haben einer zentralen Stelle bestimmte Daten
automatisch zu übermitteln, insbesondere die Höhe gewährter
Leistungen und die Dauer der Leistungsgewährung
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Fälle zum Einkünftekatalog (1)
A ist Architekt in Bochum und Kenner des lokalen Grundstücksmarktes.
Im Zeitraum von 01-03 erwarb er drei ältere Mietwohnhäuser
(Anschaffungskosten einschl. Nebenkosten = 800.000 €). Im Anschluss
daran ließ er umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen (Aufwand
= 400.000 €) und die Mietwohnhäuser in insgesamt 15 Eigentumswohnungen aufteilen. Im Zeitraum von 04-07 konnte er die Eigentumswohnungen für insgesamt 2 Mio. € veräußern.
Mit welchen Einkünften unterliegt A der Einkommensteuer?
Literaturhinweis:
BFH (GrS) v. 10.12.2001 – GrS 1/98, BStBl. II 2002, 291; dazu Söffing, DB 2002, 964;
Bilsdorfer, SteuStud 2002, 332; Elicker, SteuStud 2005, 466 ff.; Bloehs, BB 2002,
1068; Drüen/Krumm, FR 2004, 685 ff.
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Fälle zum Einkünftekatalog (2)
A ist hauptberuflich selbständiger Versicherungsmakler. Daneben betätigt
er sich täglich über eine Online-Bank am Kapitalmarkt. Er handelt dort mit
Aktien, Optionen und anderen Finanzderivaten. Im Jahr 09 tätigte er 300
kurzfristige Veräußerungsgeschäfte mit einem Gesamtergebnis nach
Abzug der Verluste von 40.000 €. Außerdem veräußerte er 20
Aktienpositionen, die er vor mehr als einem Jahr angeschafft hatte, mit
einem Gewinn von 10.000 €. Schließlich erhielt er als sog. Stillhalter
Prämien i.H.v. 5.000 €. Im Jahr 10 hat A jedoch weniger Erfolg. Aus
kurzfristigen Veräußerungen erzielte er nach Saldierung mit Gewinnen
einen Verlust von 20.000 €. Als Stillhalter musste A wegen der Ausübung
von Verkaufsoptionen 10.000 € „glattstellen“. Diesem Aufwand standen
Stillhalterprämien von 3.000 € gegenüber. Wie sind die Vorgänge
steuerlich zu beurteilen?
Literaturhinweis :
BFH v. 29.10.1998 – XI R 80/97, BStBl. II 1999, 448; BFH v. 20.12.2000 – X R 1/97,
BStBl. II 2001, 706; BFH v. 30.7.2003 – X R 7/99, BStBl. II 2004, 408; Zur
Glattstellung von Optionen siehe BFH v. 29.6.2004 – IX R 26/03, BStBl. II 2004, 995.
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Fälle zum Einkünftekatalog (3)
Rechtsanwalt R arbeitet für eine größere Rechtsanwaltssozietät als sog.
freier Mitarbeiter, ohne Gesellschafter der Sozietät zu sein. Er erhält dafür
eine feste Jahresvergütung i.H.v. insgesamt 40.000 € p.a. Seine Tätigkeit
führt R ganz überwiegend in den Büroräumen der Sozietät an einem
festen Arbeitsplatz zu den üblichen Bürozeiten (8.30 - 19.00 Uhr) durch.
Welche Art von Einkünften realisiert R?
Literaturhinweis:
BFH v. 18.1.1991 – VI R 122/87, BStBl. II 1991, 409 (Typuskriterien); BFH v.
2.12.1998 – X R 83/96, BStBl. II 1999, 534; BFH v. 22.2.2012 – X R 14/10,
BStBl. II 2012, 511; J.Lang, DStJG Bd. 9 (1986), 15, 22 ff.
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Fälle zum Einkünftekatalog (4)
H ist leidenschaftlicher Spieler. In unterschiedlichen Spielcasinos hat er
im Jahre 10 nach Saldierung mit seinen Spieleinsätzen insgesamt einen
Gewinn von 100.000 € erzielt.
Ist dieser Gewinn einkommensteuerpflichtig?
Literaturhinweis:
BFH v. 11.11.1994 – XI R 48/91, BFH/NV 1994, 622; Schmidt-Liebig, StuW
1995, 162; BFH v. 24.4.2012 – IX R 6/10, BStBl. II 2012, 591 („Big Brother“Show); s.a. BFH v. 20.2.2013, BStBl II 2013, 441 selbständig tätige
Prostituierte erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb
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System der Einkünfteermittlung
Gewinneinkünfte
§ 2 II Nr. 1 EStG
Betriebsvermögensvergleich §§ 5 I, 4 I EStG
Überschussrechnung § 4 III EStG
• z.B. Freiberufler
Gewinnermittlung nach Durchschnittsätzen § 13a EStG
• Land- und Forstwirtschaft
Veräußerungsgewinnrechnung
• Anteilsveräußerungen > 1% (§ 17 II EStG)
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System der Einkünfteermittlung
Überschusseinkünfte
§ 2 II Nr. 2 EStG
Überschussrechnung §§ 8, 9, 11 EStG
• nur Erträge, keine Veräußerungen
Veräußerungsgewinnrechnung
• private Veräußerungseinkünfte (§§ 20 II, 23 III EStG)
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Personelle Zuordnung
der Gewinnermittlungsarten
(s.a. T/L, § 9 Rz. 1 ff.)
Personenkreis
Gewinnermittlungsart
Land- und Forstwirte, gesetzlich buchführungs- Betriebsvermögensvergleich
pflichtig (insb. nach § 141 AO) oder freiwillig
nach § 4 I EStG
buchführend Freiberufler, freiwillig buchführend
Gewerbetreibende, gesetzlich buchführungsBetriebsvermögensvergleich
pflichtig (insb. Kaufleute / Handelsfür Gewerbetreibende
gesellschaften / Buchführungspflichtige nach (§ 5 EStG)
§ 141 AO) oder freiwillig buchführend
Freiberufler, nicht buchführende GewerbeBetriebseinnahmen /
treibende, bestimmte Land- und Forstwirte
-ausgaben-Überschussrechnung (§ 4 III EStG)
Land- und Forstwirte, welche die
Gewinnermittlung nach
Voraussetzungen des § 13a I EStG erfüllen und Durchschnittssätzen
nach § 13a II EStG keine andere Gewinn(§ 13a EStG)
ermittlungsart wählen
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Typen der Einkünfteermittlung
(T/L, § 8 Rz. 201-203)
Typenart
Gewinneinkünfte
(§ 2 II Nr. 1 EStG)
Betriebsvermögensvergleich nach
§§ 4 I; 5 EStG (periodengerechte
Erfolgsrechnung)
Betriebseinnahmen/-ausgabenKassenÜberschussrechnung nach § 4 III
rechnung
EStG (vereinfachte Erfolgsrechnung mit Elementen des
Betriebsvermögensvergleichs)
Ergänzende Ermittlung der Einkünfte aus
Betriebsveräußerung und -aufgabe
Erfolgsrechnungen nach §§ 14, 16; 18 III EStG
(Ergänzende Erfolgsrechnung zum
Zwecke der Steuerermäßigung)
Land- und forstwirtschaftliche
EinheitsGewinnermittlung nach § 13a EStG
wertab(verdeckte Privilegierung /
hängige
Diskriminierung durch systemErfolgs
Widrige Sollertragsrechnung)
Bilanzvergleich
Rechnungen
Überschusseinkünfte
(§ 2 II Nr. 2 EStG)
-
Einnahmen/WerbungskostenÜberschussrechnung nach §§ 8 ff.
EStG (Vereinfachte Erfolgsrechnung)
Veräußerungseinkünfte nach §§ 17,
23 EStG (Ergänzende Erfolgsrechnungen teilweise nach Bilanzgrundsätzen, teilweise nach
Zuflussprinzip)
-
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64
Typen der Einkünfteermittlung
Bruttorechnung
(ab 1.1.09)
Einnahmen, ohne
Werbungskosten
berücksichtigen zu können;
Besteuerung durch Abgeltungsteuer
i.H.v. 25 %
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Erwerbsbezüge/Erwerbsaufwendungen
(T/L, § 8 Rz. 205-207; 350-367 und § 9 Rz. 1-15)
Art der
Einkünfteermittlung
Betriebsvermögensvergleich
(§§ 4 I; 5 EStG)
Erwerbsbezüge
Erwerbsaufwendungen
Erträge =
Erhöhungen des Jahresüberschusses/Minderungen des
Jahresfehlbetrages nach Maßgabe der GoB und unabhängig
von den Zeitpunkten der entsprechenden Zahlungen (§ 252 I
Nr. 5 HGB). Das Zuflussprinzip
gilt also nicht (s. § 11 I 4 EStG)
Steuerlich zu erfassen sind
betrieblich veranlasste Erträge,
ausgenommen steuerfreie
Betriebserträge.
Aufwendungen =
Minderungen des Jahresüberschusses / Erhöhungen des
Jahresfehlbetrages nach
Maßgabe der
GoB und unabhängig von den
Zeitpunkten der entsprechenden
Zahlungen (§ 252 I Nr. 5 HGB).
Das Abflussprinzip gilt also nicht
(s. § 11 II 3 EStG). Steuerlich zu
erfassen sind betrieblich veranlasste Aufwendungen, ausgenommen nicht abziehbare
Betriebsaufwendungen
(vgl. z. B. § 4 V, 4h EStG)
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Erwerbsbezüge/Erwerbsaufwendungen
(T/L, § 8 Rz. 205-207; 350-367 und § 9 Rz. 1-15)
Art der
Einkünfteermittlung
Erwerbsbezüge
Erwerbsaufwendungen
Betriebseinnahmen/ausgabenÜberschussrechnung
Betriebseinnahmen =
Betriebsausgaben =
betrieblich veranlasste
betrieblich veranlasste Abflüsse von
Zuflüsse von
Wirtschaftsgütern
(§§ 4 IV; 11 II 1 EStG)
Wirtschaftsgütern
(§§ 4 IV; 8 I EStG analog; § 11 I
1 EStG)
Einnahmen-/
Werbungskosten
-Überschussrechnung nach
§§ 8 ff. EStG
Einnahmen =
durch Erwerbstätigkeit i. S. d.
Überschusseinkunftsarten
(§ 2 II Nr. 2 EStG) veranlasste
Zuflüsse von
Wirtschaftsgütern
(§§ 8 I; 11 I 1 EStG)
Werbungskosten =
durch Erwerbstätigkeit i. S. d.
Überschusseinkunftsarten
(§ 2 II Nr. 2 EStG) veranlasste
Abflüsse von Wirtschaftsgütern
(§§ 9 I 1, 2; 11 II 1 EStG)
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Erwerbsaufwendungen
(Betriebsausgaben/Werbungskosten)
Rspr. und h.M.:
• Inhaltsgleiche Definition nach dem sog. Veranlassungsprinzip
(BFH GrS BStBl. II 1984, 160, 163; 1990, 160; 1990, 817, 823; 1999, 782,
785; T/L, § 8 Rz. 230 ff.)
Objektiv
• Zusammenhang mit dem Betrieb oder der einkunftsrelevanten Tätigkeit
(Kausalität)
Subjektiv
• Aufwendungen sind zur Erzielung von steuerbaren Erwerbsbezügen
bestimmt (Finalität)
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Arten der Veranlassung
(T/L, § 8 Rz. 230-285)
Veranlassung allein
durch die Erwerbstätigkeit
Gemischte
Veranlassung
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Rein private
Veranlassung
69
Arten der Veranlassung
(T/L, § 8 Rz. 230-285)
Veranlassung allein durch die Erwerbstätigkeit
Voller Abzug §§ 4 IV, 9 I EStG
Einschränkungen (Bsp.)
• Zinsschranke § 4h EStG
• Fahrtkosten § 9 I 1 Nr. 4 EStG
(BVerfGE 122, 210 zur Pendlerpauschale)
• WK-Abzugsverbot bei Kapitaleinnahmen
§ 20 Abs.9 S.1 2. HS EStG  dafür Sparer-Pauschbetrag
i.H.v. 801 €
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Arten der Veranlassung
(T/L, § 8 Rz. 230-285)
Gemischte Veranlassung
Eingeschränkter Abzug
(Angemessenheitsprinzip nach §§ 4 V, 9 V EStG)
nunmehr Aufteilungsgebot (keine erweiternde Anwendung des § 12
Nr. 1 Satz 2 EStG mehr):
BFH v. 21.9.2009 – GrS 1/06, BStBl. II 2010, 672 gegen BFH v.
10.10.1970 – GrS 2/70, BStBl. II 1971, 17; BFH v. 27.11.1978 – GrS
8/77, BStBl. II 1979, 213 (Änderung der Rspr. !)
s.a. BMF v. 6.7.2010, BStBl. I 2010, 614
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71
Arten der Veranlassung
(T/L, § 8 Rz. 230-285)
Rein private Veranlassung
Kein Abzug § 12 Nrn. 1-3 EStG
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Arten der Veranlassung
(T/L, § 8 Rz. 230-285)
Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung/Erststudium
BFH, Urteil vom 28.7.2011 – VI R 7/10, BStBl. II 2012, 557:
Aufwendungen für ein im Anschluss an das Abitur durchgeführtes
Medizinstudium können auch unter Geltung des § 12 Nr.5 EStG als vorab
entstandene Werbungskosten anzuerkennen sein
Reaktion des Gesetzgebers (BeitrRLUmsG v. 7.12.2011, BGBl. I 2011, 2592 ) auf
die Rspr. des VI. Senats:
§ 4 Abs. 9/ § 9 Ab. 6 EStG: Aufwendungen des Stpfl. für seine erstmalige
Berufsausbildung oder ein Erststudium, das zugleich eine Erstausbildung
vermittelt, sind keine Betriebsausgaben/Werbungskosten (rückwirkend zum VZ
2004; dagegen aber FG Münster v. 18.4.2012 – 10 K 4400/69, EFG 2012, 1433 –
Rev. VIII R 22/12)
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Prüfungsschema:
Betriebsausgaben/Werbungskosten
1.
Besteht ein spezielles Abzugsverbot: § 4 V, Nrn. 1, 3, 4, 6b, 8 - 12; §§ 4h,
9 II, V, 12 Nr. 1 S. 2, Nrn. 3, 4, 5 EStG
2.
Prüfung der §§ 4 IV, 9 I EStG nach der Veranlassungstheorie, so ist
nach der Wesentlichkeitstheorie zu unterscheiden:
a)
Besteht nur eine wesentliche Veranlassung (betrieblich bzw. beruflich
oder privat), so sind die Aufwendungen in vollem Umfang
Betriebsausgaben/Werbungskosten oder Privatauf-wendungen i.S. des
§ 12 EStG
b)
Sind die Aufwendungen sowohl wesentlich durch eine Erwerbshandlung als auch zugleich wesentlich durch die private Lebensführung veranlasst, so handelt es sich um gemischte Aufwendungen
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74
Prüfungsschema:
Betriebsausgaben/Werbungskosten
3.
Bei
bestimmten
gemischt-veranlassten
Erwerbsaufwendungen
begrenzt
das
EStG
den
Abzug
der
Höhe
nach
(sog.
Angemessenheitsprinzip): § 4 V Nr. 1 S. 2, Nrn. 2, 5 - 7; § 9 I Nr. [...] 5, V
EStG
4.
Bei den übrigen gemischt-veranlassten Erwerbsaufwendungen besteht
ein Aufteilungsgebot (z.B. BFH GrS BStBl. II 2010, 672 ff.; dazu Pezzer,
DStR 2010, 93 ff.; Leisner-Egensperger, DStZ 2010, 185 ff.):
Erwerbsaufwendungen gem. §§ 4 IV, 9 I EStG sind anteilig gem. § 162 I
AO zu schätzen (Änderung der Rspr.)
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75
Fälle zum Abzug von Erwerbsaufwendungen (1)
Sportmediziner S unterhält eine freiberufliche Praxis, die einen
Jahresgewinn von ca. 200.000 € abwirft. Mit seinem Porsche (Listenpreis
des Neuwagens: 90.000 € brutto) fährt er täglich von seinem Haus in die
Praxis (Entfernung = 10 km). Seine Arbeit unterbricht er jeweils zum
Mittagessen, das er zu Hause einnimmt. Daneben tätigt S auch Besuche
bei Liga-Sportvereinen und deren verletzten Sportlern. S schätzt den Anteil
seiner
privaten
Fahrten
auf
ca.
20%
und
begehrt
einen
Betriebsausgabenabzug von 80% der PKW-Kosten (= insgesamt 30.000 €
einschl. AfA).
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Fälle zum Abzug von Erwerbsaufwendungen (2)
Handelsvertreter H verursacht auf dem Weg zu einem Kunden einen
selbstverschuldeten Verkehrsunfall. Es entstehen für H Reparaturkosten
i.H.v. 15.000 €, welche der Kfz-Versicherer nicht trägt. Eine unmittelbar
nach dem Unfall bei H entnommene Blutprobe ergab eine
Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille. Sind die Reparaturkosten bei H
als Betriebsausgaben abzugsfähig?
Literaturhinweis:
BFH v. 28.11.1977 – GrS 2-3/77, BStBl. II 1978, 105; BFH v. 18.4.2007 – XI R
60/04, BStBl. II 2007, 762.
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77
Fälle zum Abzug von Erwerbsaufwendungen (3)
Universitätsprofessor U besucht einen dreitägigen Fachkongress in
Padua/Italien. Da Padua keinen eigenen internationalen Flughafen besitzt,
fliegt U zu dem nahegelegenen Flughafen nach Venedig. U nutzt die
Gelegenheit und bleibt zur Stadtbesichtigung zwei Tage in Venedig. Kann
U Flug- und Übernachtungskosten steuerlich abziehen?
Literaturhinweis:
BFH GrS BStBl. II 2010, 672 ff.; dazu Pezzer, DStR 2010, 93 ff.; LeisnerEgensperger, DStZ 2010, 185 ff.; s.a. BFH v. 21.4.2010 – VI R 66/04 u. 5/07,
BStBl. II 2010, 685 u. 687.
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78
Fälle zum Abzug von Erwerbsaufwendungen (4)
Ein ostdeutsches Unternehmen U gerät 01 wegen eines plötzlichen
Auftragsrückgangs und einer geringen Eigenkapitalausstattung in
wirtschaftliche Schwierigkeiten. Um eine Insolvenz zu vermeiden, gibt
jeder Arbeitnehmer dem Unternehmen ein mit 5% jährlich zu verzinsendes
Darlehen i.H.v. 2.000 - 10.000 €. In 02 zahlt das Unter-nehmen die Zinsen. In
03 gerät es nach neuerlichen Schwierigkeiten in die Insolvenz. Mangels
Masse wird das Insolvenzverfahren gar nicht erst eröffnet. Steuerliche
Folgen des Vorganges?
Literaturhinweis:
BFH v. 7.5.1993 – VI R 38/91, BStBl. II 1993, 663; BFH v. 7.2.2008 – VI R
75/06, BStBl. II 2010, 48.
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Fälle zum Abzug von Erwerbsaufwendungen (5)
M ist Eigentümer eines Hauses, in dem sich sowohl die selbstgenutzte
Familienwohnung als auch die von seiner Ehefrau F betriebene Arztpraxis
befindet. Das Gebäude wurde mit erheblichem Kostenaufwand renoviert.
Sämtliche Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie die Zins- und
Tilgungsleistungen für die in Anspruch genommenen Kredite wurden von
M alleine getragen. F hat sich aber als Gesamtschuldnerin in den
Darlehensverträgen mitverpflichtet. Das FA gewährt weder den
Schuldzinsenabzug noch eine AfA auf die Praxisräume.
Literaturhinweis:
BFH GrS BStBl. II 1999, 782; Gröpl, DStZ 2001, 65.
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80
Fälle zum Abzug von Erwerbsaufwendungen (6)
K hat die allgemeine Hochschulreife abgelegt und studiert ab dem WS
Rechtswissenschaft in Bochum. Ihm entstehen dadurch Kosten in Höhe
von 5.000 €. Wie stellt sich der Sachverhalt einkommensteuerrechtlich dar.
Literaturhinweis:
BFH, Urteil vom 28.7.2011 – VI R 7/10, BStBl. II 2012, 557; Ismer, FR 2011,
846 ff.; Bergkemper, DB 2011, 1947 ff.; Hille/Mühlbrandt, JuS 2012, 512 ff.;
T/L, § 8 Rz. 263 ff.
Abwandlung:
K ist bereits als Rechtsanwalt niedergelassen und nimmt an einem
postgraduellen Weiterbildungsstudiengang zur Erlangung eines sog. LL.M.
teil. Seine Kosten belaufen sich ebenfalls auf 5.000 €.
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81
Betriebsvermögensvergleich:
Bilanzgliederung, T/L, § 9 Rz. 12 ff.
Aktiva
A. Anlagevermögen
Immaterielle
Vermögensgegenstände
Sachanlagen
Finanzanlagen
Passiva
A. Eigenkapital
gezeichnetes Kapital
100
Kapitalrücklage
10
Gewinnrücklagen
20
Gewinnvortrag/Verlustvortrag
Jahresüberschuss/
Jahresfehlbetrag
50
B. Rückstellungen
30
10 C. Verbindlichkeiten
B. Umlaufvermögen
Vorräte
Forderungen und sonstige
Vermögensgegenstände
Wertpapiere
Schecks, Kassenbestand, Bundesbank- und Postgiroguthaben,
Guthaben bei Kreditinstituten
30
D. Rechnungsabgrenzungsposte
n
C. Rechnungsabgrenzungsposten 5
255
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110
10
5
25
15
25
60
5
255
82
Betriebsvermögensvergleich
Zum Betriebsvermögensvergleich
s. im Einzelnen: T/L, § 9 Rz. 12 - 477
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83
Gewinnbegriff nach § 4 I 1 EStG
Betriebsvermögen Stand 31.12.13
./.
Betriebsvermögen Stand 31.12.12
Vermögensmehrung/-minderung in 13
+
Entnahmen (§ 4 I 2 EStG)
./.
Einlagen (§ 4 I 5 EStG)
=
im Betrieb erwirtschafteter
Vermögenszuwachs/-verlust
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84
Gewinnbegriff nach § 4 I 1 EStG
Entnahmen / Einlagen
§ 4 I 2, § 5 EStG
der Substanz = WG wird
endgültig vom BV in das PV
übertragen und umgekehrt
der Nutzungen = WG des BV
wird vom Unternehmer privat
genutzt/WG des PV wird vom
Unternehmer
betrieblich
genutzt
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85
Prüfungsreihenfolge
Gewinnermittlungsart
• Originäre handelsrechtliche Buchführungspflicht, § 140 AO
i.V.m. HGB: §§ 5 I, 4 I 1 EStG
• Originäre steuerrechtliche Buchführungspflicht, § 141 AO:
§§ 5 I, 4 I 1 EStG
• Freiwillig buchführend: § 4 I 1 EStG
• In allen übrigen Fällen: Einnahmen-Überschussrechnung nach
§ 4 III EStG als bloße Kassenrechnung (Zu-, Abflussprinzip, § 11
EStG)
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86
Einteilung des Vermögens
(T/L, § 9 Rz. 210 ff.)
Notwendiges
Betriebsvermögen
Gewillkürtes
Betriebsvermögen
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Notwendiges
Privatvermögen
87
Einteilung des Vermögens
(T/L, § 9 Rz. 210 ff.)
• Notwendiges Betriebsvermögen
WG, die unmittelbar für eigene betriebliche Zwecke genutzt werden.
Entscheidend ist die tatsächliche konkrete Funktion im Betrieb, die der
Unternehmer dem WG zugewiesen hat.
• Notwendiges Privatvermögen
WG, die ihrer tatsächlichen Funktion nach eindeutig für private Zwecke
genutzt werden (z.B. selbstgenutzte Wohnung und deren Einrichtung,
persönlicher Schmuck, Kleidung etc.).
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88
Einteilung des Vermögens
(T/L, § 9 Rz. 210 ff.)
• Gewillkürtes Betriebsvermögen
WG, die weder zum notwendigen BV noch zum notwendigen PV gehören.
Sie stehen in einem gewissen objektiven Zusammenhang mit dem Betrieb,
sind geeignet und durch Widmungsakt des Unternehmens dazu bestimmt,
den Betrieb zu fördern. Nach Aufgabe der ständigen Rspr. durch das BFHUrteil v. 2.10.2003 - IV R 13/03, BStBl. II 2004, 985 ff., ist gewillkürtes BV
unabhängig der Gewinnermittlungsart möglich.
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Gemischt - genutztes bewegliches WG
Nutzung > 50 % betrieblich genutzt
notwendiges BV
Nutzung < 50 %, > 10 % betrieblich genutzt
gewillkürtes BV
Nutzung < 10 % betrieblich genutzt
notwendiges PV
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90
Prinzipien der Gewinn- und Verlustrealisation
(T/L § 9 Rz. 400 ff.)
Vorsichtsprinzip
(§§ 5 I EStG, 252 I Nr. 4 HGB)
Realisationsprinzip
Imparitätsprinzip
(§ 252 I Nr. 4 letzt. HS HGB)
(s. § 249 I HGB)
Freiheitsschonende Besteuerung
(Übermaßverbot, Art. 12, 14 GG)
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91
Prinzipien der Gewinnermittlung
• Realisationsprinzip
Die bloße Wertsteigerung ruhender WG wird nicht erfasst.
Gewinnrealisierung tritt erst ein, wenn der Unternehmer seine Leistung
erbracht hat und somit seine Forderung geltend machen kann
(Gewinnrealisierung = Konkretisierung des Markteinkommens).
• Imparitätsprinzip
Vorhersehbare Risiken und Verluste sind dagegen auch dann schon zu
berücksichtigen, wenn sie sich noch nicht realisiert haben. Dies
geschieht durch sog. Rückstellungen (§ 249 I HGB).
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92
Prinzipien der Gewinnermittlung
• Entstrickungsprinzip
Im Zeitpunkt des Ausscheidens aus der Steuerverstrickung (z.B. bei
Entnahme von Betriebsvermögen) wird es erforderlich, die aufgrund
des Realisationsprinzips gebildeten sog. stillen Reserven als ultima
ratio abzurechnen (bis 2006: kein allg. Entstrickungsprinzip, s. BFH v.
17.7.2008 – I R 77/06, BStBl. II 2009, 464 zur sog. finalen Entnahmelehre;
seit 2007 aber durch das sog. SESTEG v. 7.12.2006, BGBl. I 2782, in § 4 I
3 EStG, § 12 KStG für grenzüberschreitende Sachverhalte kodifiziert, s.
dazu Schwenke, DStR 2007, 235; T/L § 9 Rz. 450 ff.).
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93
Zurechnung von Einkünften
Persönliche
Zurechnung
(§ 2 I 1 EStG)
Sachliche
Zurechnung
(Einkunftsart?)
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Zeitliche
Zurechnung
(§ 2 VII EStG)
94
Persönliche Zurechnung
• demjenigen, der die Einkünfte erzielt (§ 2 I 1 EStG), d.h. den
Einkünftetatbestand erfüllt.
• demjenigen, der die Einkünfte erwirtschaftet (Markteinkommenstheorie)
• ausschlaggebend ist nicht der Zufluss der Einkünfte, sondern die
Erwerbstätigkeit
• Merkmal = sog. Dispositionsbefugnis über die Leistungserstellung
(siehe Ruppe, DStJG Bd. 1 [1977], 7, 16; Lang/Seer, FR 1992, 638 ff.)
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95
Abgrenzungsfragen zur Dispositionsbefugnis
• Auf wessen Rechnung und Gefahr wird der Betrieb geführt
(unternehmerische Betätigung)?
• Wer erbringt die entgeltliche Dienst-/Arbeitsleistung?
• Wer verwertet das Wirtschaftsgut entgeltlich am Markt?
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96
Einkünftezurechnung bei PersGes /
Mitunternehmerschaften (§ 15 I 1 Nr. 2 EStG)
Zurechnungskriterien
Mitunternehmerinitiative
Mitunternehmerrisiko
Einfluss auf Unternehmensentscheidungen
• Geschäftsführungs- und
Vertretungsrechte
• Stimm-, Kontroll- und
Widerspruchsrechte
• Mindestmaß: Stellung eines
Kommanditisten nach dem HGB
Risikomerkmale
• Beteiligung am laufenden Gewinn
und Verlust
• Beteiligung an den stillen Reserven
des Anlagevermögens einschl. des
Firmenwerts
• Mindestmaß: Stellung eines
Kommanditisten nach dem HGB
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97
Einkünftezurechnung bei PersGes /
Mitunternehmerschaften (§ 15 I 1 Nr. 2 EStG)
Merke
- Ein geringes mitunternehmerisches Risiko kann durch eine besonders
starke Ausprägung des Initiativrechts ausgeglichen werden (und
umgekehrt).
- Beide Merkmale müssen jedoch vorliegen.
- Diese
Grundsätze
gelten
auch
für
die
Beurteilung
der
Mitunternehmerstellung eines Gesellschafters einer Gesellschaft
bürgerlichen Rechts (BFH BStBl. II 2006, 595).
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98
Zurechnung von Einkünften
unter Familienangehörigen
Art. 3 I, 6 I GG
Diskriminierungsverbot
Vertragsbeziehungen zwischen
Familienangehörigen sind – wie
unter fremden Dritten – anzuerkennen
§ 12 Nr. 1 EStG
Abzugsverbot
Vertragsbeziehungen
zwischen
Familienangehörigen dürfen private
Einkommensverwendungen nicht
verdecken
Voraussetzungen nach der BFH – Rspr. für die
Anerkennung von Verträgen unter Familienangehörigen
• Vertrag muss zivilrechtlich wirksam sein.
• Vertrag muss den Vereinbarungen entsprechend tatsächlich durchgeführt
worden sein.
• Vertrag muss nach Inhalt und Ausführungen dem entsprechen, was unter
Fremden üblich und angemessen ist (sog. Fremdvergleich).
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99
Zurechnung von Einkünften
unter Familienangehörigen
- Beweiszeichen und -mittel sind im Wege einer Gesamtschau
ausgewogen zu würdigen (BFH v. 7.6.2006 – IX R 4/04, BStBl. II 2007, 294;
BFH v. 22.2.2007 – IX R 45/06, BStBl. II 2011, 20).
- Anforderungen dürfen nicht – wie früher durch die BFH-Rspr. geschehen
– wie Tatbestandsmerkmale gehandhabt werden
- BVerfG v. 7.11.1995 – 2 BvR 802/90, BStBl. II 1996, 34 ff. Kammerbeschluss
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100
Drittaufwand
(T/L, § 8 Rz. 223-227)
BFH v. 23.8.1999 – GrS 2/97, BStBl. II 1999, 782
• Drittaufwand liegt vor, wenn ein Dritter Kosten trägt, die durch die
Einkunftserzielung des Steuerpflichtigen veranlasst sind;
• entsprechend liegt Drittaufwand bei AK/HK vor, wenn ein Dritter sie trägt
und das angeschaffte/hergestellte WG vom Stpfl. zur Erzielung von
Einkünften genutzt wird.
• Drittaufwand kann ein Stpfl. grundsätzlich nicht als
Werbungskosten geltend machen.
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101
Drittaufwand
(T/L, § 8 Rz. 223-227)
• Aufwendungen eines Dritten können jedoch im Falle des
„abgekürzten Zahlungswegs“ als Aufwendungen des Stpfl. zu
werten sein und deshalb geltend gemacht werden
Dritter
Zahlung
Zuwendung
Stpfl.
Handwerker
Werkvertrag
Abkürzung des Zahlungswegs
= im Einvernehmen mit dem Stpfl. tilgt der Dritte dessen
Schuld, statt ihm den Geldbetrag unmittelbar zu geben (BFH
BStBl II 2006, 623; 2008, 872; 2011, 450, zum sog. abgekürzten
Vertragsweg)
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102
Drittaufwand
(T/L, § 8 Rz. 223-227)
• Eine Geltendmachung der von einem Dritten aufgewendeten AK/HK
kommt im Übrigen auch nicht vor dem Hintergrund des sog.
Zuwendungsgedankens in Betracht.
• Nutzt der Stpfl. ein WG, das ihm nicht gehört und dessen AK/HK ein Dritter
getragen hat, unentgeltlich zu beruflichen Zwecken, wird ihm eine
Nutzungsmöglichkeit und kein Teil eines WG oder dessen AK/HK
zugewendet.
Literaturhinweise:
Gröpl, DStZ 2001, 65; Schnorr, StuW 2003, 222; Seitz, FR 2006, 201;
Haenicke, DStZ 2006, 793; Roth, DStZ 2006, 830.
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103
Fälle zur
Einkünftezurechnung und -qualifikation (1)
Rechtsanwalt R hat das Mandat einer Studienstiftung. Statt eines
Honorars erhält seine Tochter T ein Stipendium zum Gegenwert von ca.
20.000 €.
Hat R daraus Einkünfte zu versteuern?
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104
Fälle zur
Einkünftezurechnung und -qualifikation (2)
Vater V unterhält bei einer Bank ein Wertpapierdepot. Die daraus
resultierenden Zinsen tritt er im voraus an seinen studierenden Sohn S ab.
Abwandlung:
V räumt dem S statt dessen einen Nießbrauch an einigen seiner
Wertpapiere ein.
Wer hat die Zinsen aus den Wertpapieren zu versteuern?
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105
Fälle zur
Einkünftezurechnung und -qualifikation (3)
V ist Inhaber eines florierenden Einzelunternehmens. Mit Vollendung
ihres 18. Lebensjahres nimmt er seine Tochter T als Kommanditistin mit
einer Einlage von 100.000 € auf, die V aus seinem Privatvermögen
zugunsten der T schenkweise erbringt. Nach dem Gesellschaftsvertrag
wird T zu 10% am Gewinn und Verlust der KG beteiligt. Die Beteiligung
der T ist befristet bis zur Vollendung ihres 28. Lebensjahres. Für ihr
Ausscheiden ist als Abfindung die Rückzahlung der Einlage von
100.000 € vorgesehen. In 01 erwirtschaftet die KG einen Gewinn von
500.000 €.
Wem ist der Gewinn einkommensteuerrechtlich zuzurechnen?
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106
Periodischer Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG)
• Horizontal
zwischen mehreren
Einkunftsquellen
derselben Einkunftsart
• Vertikal
zwischen mehreren
Einkunftsquellen
unterschiedlicher
Einkunftsarten
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107
Überperiodischer Verlustabzug (§ 10d EStG)
• Verlustrücktrag
- zeitlich begrenzt auf das
Vorjahr
- betragsmäßig begrenzt
auf 511.500 € (bei
zusammen veranlagten
Ehegatten 1.023.000 €)
• Verlustvortrag
- zeitlich unbegrenzt
- betragsmäßig begrenzt auf 1
Mio. € (bei zusammen
veranlagten Ehegatten 2 Mio.
€) + 60% des übersteigenden
Verlusts (sog.
Mindestbesteuerung)
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108
Subjektgebundener Verlustabzug (§ 10d EStG)
Änderung der Rechtsprechung
BFH v. 17.12.2007 – GrS 2/04, BStBl. II 2008, 608:
- Verlustabzug ist nicht „vererbbar“
- vom Erblasser nicht ausgenutzter Verlustabzug geht mit seinem Tode
unter; Erbe kann ihn nicht bei eigener ESt-Veranlagung geltend machen
- § 24 Nr. 2 EStG (Fall sog. gespaltener Tatbestandsverwirklichung) spricht
nicht dagegen
- Wertung des § 6 III EStG (Buchwertverknüpfung bei unentgeltlicher
Übertragung eines Betriebes widerspricht ebenfalls nicht, da § 10d EStG
subjekt-bezogen sei und keiner streng objektiv-einkunftsquellen
bezogenen Konzeption folge
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109
Einschränkungen des
Verlustausgleichs/-abzugs (I)
• § 2a EStG
Einschränkung des Verlustausgleichs/-abzugs aus bestimmten
ausländischen Einkünften
• § 15 IV 1-2 EStG
Einschränkung des Verlustausgleichs/-abzugs von Verlusten aus
gewerblicher Tierzucht
• § 15a EStG
Einschränkung des Verlustausgleichs/-abzugs bei beschränkt haftenden
Personengesellschaftern
• 15b EStG
Einschränkung des Verlustausgleichs/-abzugs bei sog.
Steuerstundungsmodellen
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110
Einschränkungen des
Verlustausgleichs/-abzugs (II)
• § 20 VI EStG n.F.
Einschränkung des Verlustausgleichs/-abzugs bei Einkünften aus KapVerm.
(Abgeltungsteuer)
• § 22 Nr. 2 i.V. mit 23 III S. 6, 7 EStG
Einschränkung des Verlustausgleichs/-abzugs bei privaten
Veräußerungseinkünften, die nicht zu den Einkünften aus KapVerm.
gehören (z.B. aus Grundstücksveräußerungen)
• § 22 Nr. 3 S. 3 EStG
Einschränkung des Verlustausgleichs bei sonstigen Einkünften
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111
Abzug privater Aufwendungen (§ 2 IV EStG)
Subjektives
Nettoprinzip
Sonderausgaben
(§§ 10-10c EStG)
Außergewöhnliche
Belastungen
(§§ 33-33c EStG)
BVerfG v. 13.2.2008 – 2 BvL 1/06, BVerfGE 120, 125 zur
Abzugsfähigkeit von Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung
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112
Sonderausgaben (§§ 10-10c EStG)
Enumerativer Katalog in § 10 I EStG:
• Unterhalt an den geschiedenen/getrennten Ehegatten (§ 10 I Nr. 1 EStG)
max. 13.805 € p.a.
• Versorgungslasten bei bestimmten Übergabeverträgen (§ 10 I Nr. 1a EStG)
• Altersvorsorgeaufwendungen (§ 10 I Nr. 2, III EStG) max. 20.000 € p.a.
• zwangsläufige Beiträge zur Kranken-, Pflegeversicherung (§ 10 I Nr. 3, IV EStG)
• Sonstige Vorsorgeaufwendungen (§ 10 I Nr. 3a, IV EStG) sind nur insoweit
abzugsfähig, als die Beiträge i.S. des § 10 I Nr. 3 EStG einen Betrag i.H.v.
2.800 € (bzw. 1.900 € bei Beamten u.a.) noch nicht ausgeschöpft haben
• Kirchensteuer/Spenden (§§ 10 I Nr. 4/10b EStG)
• Kinderbetreuungskosten (§ 10 I Nr. 5 EStG) zu 2/3, max. 4.000 € p.a.
• Ausbildungskosten (§ 10 I Nr. 7 EStG) max. 6.000 € p.a.
• Schulgelder Privatschulen (§ 10 I Nr. 9 EStG) zu 30%, max. 5.000 € p.a.
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113
Außergewöhnliche
Belastungen (§§ 33-33c EStG)
Generalklausel (§ 33 I, II EStG)
Typisierungen
• Unterhaltsleistungen, wenn kein Kindergeld/-freibetrag
(§ 33a I EStG) max. 8.004 € p.a.
• Behindertenpauschbetrag (§ 33b EStG) max. 3.700 € p.a.
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Familienleistungsausgleich
Seit JStG 1996: sog. Familienleistungsausgleich: Optionslösung
(§ 31 EStG)
Wahlrecht zwischen Kinder-/Betreuungsfreibetrag und Kindergeld
(„entweder oder“)
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115
Familienleistungsausgleich
Kinderfreibetrag
= 2.184 € p.a. pro Elternteil
(§ 32 VI EStG) = 4.368 €/Eltern
zuzüglich Freibetrag für
Betreuungs-,
Erziehungs- u.
Ausbildungsbedarf
Kindergeld
= 184 € - 215 € p.m.
(= 2.208 € - 2.580 € p.a.)
als (negative) Steuervergütung
(§§ 62 ff. EStG)
= 1.320 € p.a. pro Elternteil (§ 32
VI EStG) = 2.640 €/Eltern
von Amts wegen:
Maschinelle Günstigerprüfung (Schwelle: Grenzsteuersatz > 32%), vgl. § 31
Sätze 1 + 3 EStG.
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116
Fälle zum Abzug privater Aufwendungen (1)
A ist Rechtsanwalt in einer Sozietät in Dortmund und erhält einen Gewinnanteil
von 100.000 €. Seine Ehefrau R ist Richterin am Landgericht Dortmund mit
einem Jahresgehalt i.H.v. 60.000 € brutto. A leistet einen Regelpflichtbeitrag
von ca. 13.000 € in das berufsständische Versorgungswerk. Zudem zahlt er je
5.000 € p.a. in eine Eigenkapital gedeckte Altersvorsorge für sich und seine
Ehefrau. Nach den Vertragsbedingungen sind die späteren Renten monatlich
bis ans Lebensende zu zahlen und können frühestens mit Eintritt des 65.
Lebensjahres in Anspruch genommen werden. An Beiträgen für eine private
Krankenversicherung der Familie A/R sind außerdem ca. 8.000 € p.a., für
Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen weitere 4.000 € p.a.
angefallen. Sohn S (5 Jahre) wird in einer Kindertagesstätte (Beitragsaufwand
250 € p.m.) und Tochter T (2 Jahre) von einer Tagesmutter betreut
(Jahresaufwand 12.000 €). T leidet an Neurodermitis. A hat für T deshalb
insgesamt 1.000 € Behandlungskosten selbst getragen, welche die
Krankenversicherung nicht übernommen hat. Außerdem hat T eine Badekur
am Toten Meer in Israel gemacht. Der Sanatoriumsaufenthalt kostete für T
einschl. ärztlicher Leistungen insgesamt 1.500 €; die Flugkosten 500 €. Die
Familie A hat zu der Zeit Urlaub am Toten Meer verbracht und wohnte in der
Nähe des Sanatoriums in einem Hotel (Kosten = insgesamt 3.000 €).
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117
Fälle zum Abzug privater Aufwendungen (2)
In der Mietwohnung des M wurden infolge eines durch Blitzschlag
verursachten Wasserrohrbruchs zahlreiche Haushaltsgegenstände sowie
einige Kleidungsstücke beschädigt. M musste die Kosten für die
Wiederbeschaffung mangels Hausratversicherung selbst tragen. Das
Finanzamt lehnt den Abzug als außergewöhnliche Belastungen mit der
Begründung ab, es fehle an der Zwangsläufigkeit, da es M unterlassen
habe, eine allgemein übliche und zumutbare Hausratversicherung
abzuschließen (BFH BStBl. II 2004, 47 ff.).
BFH
BStBl.
II
2004,
270
(„Trinkgelder
keine
außergewöhnlichen Belastungen; Änderung der Rechtsprechung); BFH BStBl. II
2004,
726
ff.
(„Kosten
eines
Vaterschaftsfeststellungsprozesses
als
außergewöhnliche Belastungen“); BFH/NV 2006, 1469 ff. (Einbaukosten eines
Fahrstuhls in ein Einfamilienhaus aus Krankheitsgründen sind keine
außergewöhnlichen Belastungen); BFH BStBl. II 2007, 871: Kosten der In-VitroFertilisation bei kinderlosen Paaren; BFH BStBl. II 2008, 287 (Besuchskosten
Eltern für getrennt lebendes Kind); BFH/NV 2008, 544: TranssexuellenAufwendungen für Frauenkleider).
Literaturhinweise:
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Einkommensteuertarif seit VZ 2013
(§ 32a EStG, T/L, § 8 Rz. 800 ff.)
Nullzone (Grundfreibetrag)
bis 8.130 € z.v.E.
Subjektives
Nettoprinzip
(T/L, § 3 Rz. 72 f.,
§ 8 Rz. 70 ff.)
1. Progressionszone (14 - 24%)
8.131 € – 13.469 € z.v.E.
2. Progressionszone (24 - 42%)
13.470 € – 52.881 € z.v.E.
Sozialstaatsprinzip
(T/L, § 3 Rz. 210 ff.)
Proportionalzone I (konstant 42%)
ab 52.882 € bis 250.730 € z.v.E.
Proportionalzone II (konstant 45%)
ab 250.731 € z.v.E. („Reichensteuer“)
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Ehegatten–Veranlagung
(T/L, § 3 Rz. 162 - 170)
Wahlrecht
§ 26 I 1 EStG
Getrennte Veranlagung
Zusammenveranlagung
§ 26a EStG
§ 26b EStG
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Ehegatten–Veranlagung
(T/L, § 3 Rz. 162 - 170)
Getrennte Veranlagung (§ 26a EStG)
Einzelbetrachtung
Jeder Ehegatte wird mit den von ihm erzielten Einkünften wie ein
Lediger behandelt.
Besonderheit in § 26a II EStG: Zurechnung der Privatauf-wendungen, §§
10 I Nrn. 5 + 8, 33 ff. EStG).
Bild: zwei wirtschaftlich
Ehegatten
von
einander
weitgehend
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unabhängige
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Ehegatten–Veranlagung
(T/L, § 3 Rz. 162 - 170)
Zusammenveranlagung (§ 26b EStG)
Gesamtbetrachtung
Ehegatten werden gemeinsam als „ein Stpfl.“ behandelt: Einkünfte,
Aufwendungen werden zusammengerechnet.
Formel: z.v.E. der Ehegatten x ½ ; darauf entfallende ESt x 2
Bild: Erwerbs- und Verbrauchsgemeinschaft einer intakten Ehe
(s. §§ 1363 ff. BGB)
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Ehegatten–Veranlagung
(T/L, § 3 Rz. 162 - 170)
Bsp.: Eheleute, Einkommen M = 50 T€,
Einkommen F = 25 T€
Getrennte Veranlagung
Zusammenveranlagung
§ 26a EStG
§ 26b EStG
M: 50 T€, ESt = 12.823 €
F: 25 T€, ESt =
4.082 €
Zusammen =
16.905 €
M u. F.: 75.000 € : 2 =
ESt = 8.095 € x 2 =
Splittingeffekt =
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37.500 €
16.190 €
715 €
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ESt-Tarif seit VZ 2013
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124
Problem der Scheingewinnbesteuerung
ESt-Tarif
1958
1975
1979
1990
Grundfreibetrag
bis
1.680 DM
0%
bis
3.029 DM
0%
bis
3.690 DM
0%
bis
5.616 DM
0%
Proportionalzone
1.681 DM –
8.009 DM
20%
3.030 DM –
16.019 DM
22%
3.691 DM –
16.000 DM
22%
5.617 DM –
8.153 DM
19%
Progressionszone
8.010 DM –
110.039 DM
27,2 – 51,9%
16.020 DM –
130.019 DM
30,8 – 56%
16.001 DM –
129.999 DM
22 - 56%
8.154 DM –
120.041 DM
19 – 53,0%
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Proportionalzone
ab 110.040 DM
53%
ab 130.020 DM
56%
ab 130.000 DM
56%
ab 120.042 DM
53%
125
Problem der Scheingewinnbesteuerung
ESt-Tarif
1996
2003
Grundfreibetrag
bis
12.095 DM
0%
bis 7.235 €
0%
2005
bis 7.664 €
0%
2012
bis 8.004 €
0%
bis 8.130 €
0%
2013
Proportional- Progressionszone
zone
12.096 DM –
120.041 DM
25,5 – 53%
7.236 € –
55.007 €
19,9 – 48,5%
7.665 € –
52.151 €
15%-42%
8.005 € - 52.881 €
14%-42%
8.131 € - 52.881 €
14%-42%
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ProportionalZone
ab 120.042 DM
53%
ab 55.008 €
48,5%
ab 52.152 €
42%
ab 52.882 € = 42%;
ab 250.731 € = 45%
ab 52.882 € = 42%;
ab 250.731 € = 45%
126
Problem der Scheingewinnbesteuerung
•
Gesetz zum Abbau der kalten Progression v.
20.2.2013, BGBl. 2013 I, 283:
•
•
•
Erhöhung Grundfreibetrag um insgesamt 350 € in zwei
Stufen: Zum 01.01.2013 auf 8.130 € und zum 01.01.2014 auf
8.354 €
Anpassung des Einkommensteuertarifs an die
Preisentwicklung in zwei Schritten, mit insgesamt 4,4 Prozent
Ab 2014 alle zwei Jahre Überprüfung der kalten Progression
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