Kompendium 4 - Fontane

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Kompendium 4 - Fontane
Kompendium 4
Thema:
eingereicht von:
Demokratie- und
Diktaturverständnis im Wandel der
Zeit
Stefanie Hansche, Maria Meisel,
Doreen Pieper, Steve Knitter,
Thomas Pflug, Mathias Vogel;
Fontane-Gymnasium-Rangsdorf;
Jahrgangsstufe 13 / 2002
Leistungskurs Geschichte
Rangsdorf, den 23. März 2002
Inhaltsangabe
Inhalt:
Seite
Kontinuitäten und Veränderungen vom Zeitalter der Antike bis zur Gegenwart
I. Vorwort
S. 6
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens (Maria Meisel)
1. Vorwort
S. 7
2. Entstehung griechischer Gemeinwesen bis hin zur Polis
S. 7
3. Wandlung der Gemeinwesen
S. 7-9
3.1. Voraussetzung für einen Wandel
3.2. Reformen Solons als Versuch der Krisenüberwindung
3.3. Die Tyrannis- eine Übergangsphase
S. 7-8
S. 8
S. 8-9
4. Reformen Kleisthenes`- Entwicklung zur attischen Demokratie
S. 9
5. Vollendung der attischen Demokratie
S. 9-10
5.1. Ionischer Aufstand und Perserkriege, sowie deren Bedeutung
5.2. Ephialtes und Perikles
5.3. Die politische Ordnung der attischen Demokratie
S. 9
S. 10
S. 10
6. Krise und Untergang der Polis
S. 10-11
7. Fazit
S. 11-12
7.1. Demokratieentwicklung im Überblick
7.2. Bewertung der attischen Demokratie
S. 11
S. 11-12
III. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter (Doreen Pieper)
1.
2.
3.
Einführung in das Thema Mittelalter
S. 13
1.1.
1.2.
S. 13
S. 13
Epocheneinordnung des Mittelalters
Kurze, allgemeine Definition von Demokratie und Diktatur
„Lebensalltag im Mittelalter„
S. 13-15
2.1.
2.2.
2.3.
2.4.
2.5.
S. 13-14
S. 14
S. 14
S. 14
S. 14-15
Die Lebenssituation der Menschen
Die Rolle der Kirche
Die Bedeutung der Ständeordnung
Das Lehnswesen als gesellschaftliche Form
Die Urbanisierung und ihre fortschrittliche Auswirkung
Demokratische und Diktatorische Elemente im Mittelalter
S. 15-16
3.1.
3.2.
3.3.
3.4.
S. 15
S. 15-16
S. 16
S. 16
S. 16
Das Justizwesen und seine Bedeutung
Der Begriff des Rechts im Mittelalter
Die Vertretung „moderner„ demokratischer und diktatorischer Elemente
Recht im Sinne der Gerechtigkeit
3.4.1. Das Bild der Frauen und Juden
4.
Ein Musterbeispiel der Demokratie: England
S. 16
5.
Auswertendes Fazit
S. 17
Inhaltsangabe
IV. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis 1800
(Steve Knitter)
1. Einleitung
S. 18
2.Demokratietheorien und andere Staatstheorien
S. 18
2.1.)
2.2.)
2.3.)
2.4.)
S. 18
S. 18
S. 18
S. 18
Locke Vorläufer der liberalen Demokratie
Montesquieu
Rousseau
Hobbes
3.Der Weg zur Demokratie
S. 19-21
3.1
3.2
3.2.1
3.2.2
3.3
S. 19
S. 19-20
S. 19-20
S. 20
S. 20-21
England
Frankreich
Französische Revolution
Diktatur der Jakobiner
Amerika
4. Federalist Papers Verfassungsentwurf der Vereinigten Staaten
S. 21-22
4.1
4.2
4.3
S. 21
S. 21
4.4
4.4.1
4.4.2
4.4.3
4.4.4
4.4.5
4.5
4.6
Gründe gegen Direktdemokratie
Unterschied zwischen Demokratie und Republik
Vorteile der großen örtlichen Distanz, Anzahl der Bürger und des größeren
Staatsgebietes
Wie und Warum Gewaltenteilung
die härtesten Argumente der Kritiker der Verfassung:
Die Lösung
Legislative
Exekutive
Judikative
Wahlberechtigte
Kritik an der Verfassung
S. 21
S. 21-22
S. 21
S. 21
S. 21
S. 22
S. 22
S. 22
S. 22
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
(Thomas Pflug)
1. Einleitung
S. 23
2. Problemaufriss
S. 23
3. Bedeutsame Demokratietheorien dieser Zeit
S. 23-27
3.1. Vorläufer moderner Demokratietheorien
S. 23-25
3.1.1. John Stuart Mills „Representative Government“
3.1.2. Formen der Direktdemokratie
3.1.2.1. Marx' Lehre der revolutionären Direktdemokratie
3.1.2.1.1. Marx’ Auffassung von Demokratie
3.1.2.1.2. Gewaltenmonistische revolutionäre Direktdemokratie
3.1.2.1.3. Fazit
3.1.2.2. Die direktdemokratischen Einrichtungen der Schweiz
S. 23-24
S. 24-25
S. 24
S. 24-25
S. 25
S. 25
S. 25
3.2. Moderne Demokratietheorien
S. 25-27
3.2.1. Max Webers Theorie der Führerdemokratie
3.2.2. Theorie der Sozialen Demokratie
S. 25-26
S. 26-27
4. Ausbildung von neuartigen Diktaturen in der Zeit von 1800 bis 1945
4.1. Einleitung
4.2. totalitäre Diktaturen
4.2.1. Der Begriff Totalitarismus
4.2.2. Merkmale von totalitären Diktaturen
4.2.3. Sowjetrussland unter Lenin und Stalin
4.2.4. Das faschistische Beispiel Italiens
S. 27
S. 27-30
S. 27-28
S. 28
S. 28-29
S. 29-30
Inhaltsangabe
4.2.4.1. Zum Begriff des Faschismus
4.2.4.2. Der italienische Faschismus
4.3. Zusammenfassung
S. 29-30
S. 30
S. 30
5. Der Wechsel zwischen Demokratie und Diktatur am Beispiel Frankreichs
S. 30-33
5.1. Das Erbe des Absolutismus
5.2. Die "Dialektik" der demokratischen Entwicklung in Frankreich
5.3. Schlussfolgerung
S. 30-31
S. 31-32
S. 33
6. Demokratieauffassungen im Zeitraum von 1800 bis 1945
S. 33
6.1. Die Demokratie als Problemlöser
6.2. Die Demokratie als Problemerzeuger
S. 33
S. 33
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität (Mathias
Vogel)
1. Einführung
S. 34
2. Versuch einer Unterscheidung für Typen politischer Systeme in der Bipolarität
S. 34-35
2.1. Politische Demokratie
2.2. Gelenkte Demokratie
2.3. Modernisierte Oligarchie
2.4. Totalitäre Oligarchie
2.5. Traditionelle Oligarchie
S. 34
S. 34
S. 34
S. 35
S. 35
3. Pluralismustheorie
S. 35
4. Regierungssysteme innerhalb des Typs "politische Demokratie"
S. 35-36
4.1. Konkordanzdemokratie
4.2. Parlamentarische und präsidentielle Demokratie
4.2.1. Hauptunterscheidungsmerkmale
4.2.2. Typen parlamentarischer und präsidentieller Systeme
4.2.3. Politische Prozesse
S. 35
S. 35-36
S. 35-36
S. 36
S. 36
5. Demokratie in der bipolaren Zeit am Beispiel Italien
S. 36-37
5.1. historischer Hintergrund
5.2. Italienische Verfassung
5.3. Italienisches Recht (Judikative)
S. 36-37
S. 37
S. 37
6. prägende Elemente der Demokratie, die eine eindeutige
Unterscheidung von der Diktatur gestatten
S. 37
6.1. Presse
6.2. Interessen
6.3. Wertvorstellungen
S. 37
S. 37
S. 37
7. Diktaturen im "Kalten Krieg"
S. 37-38
7.1. Diktaturbegriff in der Gegenwart
7.2. Volksdemokratie
S. 37-38
S. 38
8. Diktaturen nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel China
S. 38-39
8.1. Historischen Hintergrund bildet die Entstehung und Entwicklung der Volksrepublik China
8.2. Maoismus
8.2.1. Die Rolle der Gesellschaft im Maoismus
8.3. proletarische Kulturrevolution 1965/66-76)
8.4. Äußerungen eines Pekinger Deutschstudenten bezüglich Meinungsfreiheit und Demokratie
S. 38
S. 38
S. 38
S. 38-39
S. 39
9. Schlußwort
S. 39
VII. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Gegenwart
Inhaltsangabe
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
S. 40-42
1. Antike- am griechischen Beispiel Athens (Maria Meisel)
2. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
im Mittelalter (Doreen Pieper)
3. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
im Zeitraum von 1500 bis 1800 (Steve Knitter)
4. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
im Zeitraum von 1800 bis 1945 (Thomas Pflug)
5. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
in der Zeit der Bipolarität (Mathias Vogel)
6. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
in der Gegenwart (Stefanie Hansche)
S. 40
IX. Thesenblätter
S. 43-48
1. Antike- am griechischen Beispiel Athens (Maria Meisel)
2. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
im Mittelalter (Doreen Pieper)
3. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
im Zeitraum von 1500 bis 1800 (Steve Knitter)
4. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
im Zeitraum von 1800 bis 1945 (Thomas Pflug)
5. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
in der Zeit der Bipolarität (Mathias Vogel)
6. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses
in der Gegenwart (Stefanie Hansche)
S. 43
X. Anhang (Einzelarbeiten von uns aus der Projektwoche)
S. 49
S. 40
S. 41
S. 41
S. 42
S. 42
S. 44
S. 45
S. 46
S. 47
S. 48
1. Einleitung
2. „Demokratie-Experiment“ Weimarer Republik
3. Nationalsozialismus
XI. Eidesstattliche Erklärung
S. 50
Vorwort
I. Vorwort
Zweck dieser Belegarbeit soll die Darstellung der Entwicklung von Demokratie und Diktatur sein, wir
werden dabei speziell auf die Verständnisänderung dieser beiden Begriffe im Verlauf der Geschichte
eingehen.
Zum Ende dieser Abhandlung wird nun mehr deutlich werden, dass „Demokratie„- und
„Diktaturentwicklung„ einem scheinbaren Funktionsmechanismus unterliegen.
Die gesamte Darstellung von Antike bis Gegenwart offenbart uns eine bestimmte Gesetzmäßigkeitnämlich die des Aufstiegs, Blütezeit und Niedergang (Sinus Theorie).
Dieses Kompendium ersetzt jedoch nicht die Auseinandersetzung mit Sekundärliteratur, denn es soll
sich hierbei um einen Überblick der mit den beiden Begrifflichkeiten verbundenen Entwicklungen
handeln.
Die Autoren
Seite 6
Maria Meisel
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens
Antike- am griechischen Beispiel
Athens Maria Meisel
1. Vorwort
-
obwohl Bildung des Begriffs "Staat" erst im Anschluss
an Machiavelli im 16. und 17. Jahrhundert,
Beginn der "Geschichte" der Staatsphilosophie in der
Antike
- Beschäftigung mit Staats- und Verfassungslehre
(Philosophie) bereits unter Homer im 8. Jh. v. Chr.
- best erhaltendste antike Überlieferung und direkte
Auseinandersetzung mit Thematik→Schriften des
Aristoteles
→ Sammlung sämtlicher Verfassungen der griechischen
Poleis, DOCH: als Ganzes nur „Atenaion Politeia„„Politik der Athener„ erhalten
Def. Polis:
-ursprünglich Bezeichnung für mykenische Burg mit
dazugehöriger Siedlung
-Homer (8. Jh. v. Chr.): Begriff =Charakterisierung von
Gemeinwesen, in denen sich das öffentl./polit. Leben
im gemeinsamen Handeln auf der Agora, im Gespräch
und in Beratungen polit. Gremien entfaltet
-im 4./5. Jh. v. Chr.: Polis=Inbegriff des polit. und
kulturell hochstehende Gemeinwesen
-nach heutigem Verständnis: Polis= Stadtstaat,
gekennzeichnet durch eigene Gesetzgebung
(Autarkie), wirtschaftliche Autonomie und
außenpolitische Unabhängigkeit
Aristoteles (384-322 v. Chr.)
- griechischer Philosoph
- Beschäftignung mit Poetik, Physik- und
Naturphilosophie, Psychologie, Ethik etc.
Unterschied zwischen griechischer Polis und modernen
Staat:
-Polis erfüllt zwar alle notwendigen Staatselemente
→ Staatsvolk, Staatsgebiet, Staatsgewalt
ABER: Antike kannte die Trennung von Staat und
Gesellschaft nicht
Verfassungslehre des Aristoteles
- grundsätzliche Unterscheidung nach
Herrschaftszweck:
•
gute Herrschaft, Anstreben des Wohls der
Beherrschten
•
schlecht Herrschaft, Beherrschte=Zweck zum
eigenen Nutzen
zusätzliche Betrachtung der Verfassungsform:
•
Herrschaft des Einzelnen
•
Herrschaft weniger
•
Herrschaft aller
gute Herrschaftsformen
Monarchie
Aristokratie
Politie
-
⇔
⇔
⇔
Aristoteles: „[…] Und ebenso sind auch die Bürger zwar
verschiedene, aber die Aufrechterhaltung ihrer
Gemeinschaft ist doch gemeinsame Aufgabe
für sie alle, die Gemeinschaft aber ist die
Verfassung, und daher richtet sich die Tugend
eines
Bürgers
immer
nach
der
Staatsverfassung.„1
3. Wandlung der Gemeinwesen
Entartungsformen
Tyrannis (Despotie)
Oligarchie
Demokratie
3.1. Voraussetzung für einen Wandel
-
entgegen unserem heutigen Verständnis:
Demokratie=schlechte Herrschaftsform
ABER: Ersetzung des Begriffs "Demokratie" noch in
der Antike durch "Ochlokratie"- (Pöbelherrschaft)
-
-Normen beruhen auf überlieferten Sitten und Gewohnheiten des Adels
→Gesetze=bereits vorhandene Sitten + Bräuche
wenn jene Normen Frieden und innere Einheit
gewährleisten →Zustandsbezeichnung: Eunomia
ABER: wenn Realität zu weit vom Ideal göttlicher Ordnung
entfernt, dann Versuch der Wiederherstellung der Ordnung
durch gemeinsame Anstrengung
Zusatz: zum besseren Verständnis→ in den
nachfolgenden Abhandlungen Verwendung des Begriffs
Demokratie nach heutigem Sinn („gute Herrschaftsform„)
2. Entstehung griechischer Gemeinwesen bis
hin zur Polis
-
-
-
-
kennzeichnend für Entwicklung Griechenlands um
750-500 v. Chr.: Ausbreitung, sowie polit. + witschaftl.
Aufstieg der Polis gegenüber den Stammesverbänden
Gesellschaft: -Auffassung vom Recht
=Ausdruck vorgegebener, göttlicher
Ordnung
-
in Poleis und anderen Gemeinwesen gravierende
gesellschaftl. und wirtschaftl. Unterschiede:
oligio ⇔ Masse der armen Bürger
(reiche Adlige)
WEIL: Grundbesitz=Voraussetzung für Teilnahme am polit.
Leben; doch durch Weitergabe von Land durch Erbrecht
Aufsplittung des Grundbesitzes und, dadurch wachsende
Ungleichheit bei Überbevölkerung, außerdem durch
unfruchtbares Land: Bauern in Schuldknechtschaft
älteste griech. Staatsform→ ethnos=Stammesverbände
Stammesverbände: noch keine Zusammenfügung zu
polit. Gemeinwesen
ab 8. Jh. v. Chr. Bildung von Gemeinwesen mit
städtischem Mittelpunkt→ polis; an der Spitze erbliche
Könige, doch in vielen Gemeinwesen
Machtübernahme durch den Adel
darüberhinaus: Zusammenschluß von benachbarten
Poleis zum Schutz und zur Verwaltung eines
Heiligtums zu Kultbünden→ amphiktyonien
1
um 700 v. Chr. Vereinigung der ionischen* Bezirke
2
Attikas* zum Stadtstaat Athen
innerhalb von Stammesverbänden:
„Ortsgemeinden„=Poleis ;einzige Bedingung: neben
Bürgerrecht, Besitz einer eigenen Ordnung und
Gesetzgebung
Poleis meißt aristokratisch geprägt→ herrschende
Schicht fast überall Adel
→soziale Ungleichheit häufig in Frage gestellt
→bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen im 7. Jh. v.
Chr. und später im 4.Jh.v. Chr.
Zusammensetzung der Polis vor d. Reformen:Solons:
- Ausübung der militärischen und politischen Macht →
Archontat (höchsten Beamte, politische Leitung des
Gemeinwesen=„Regierung„) und Areopag
Seite 7
Maria Meisel
-
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens
(Rechtssprechung, Kontrollfunktion etc.)←Zugang nur
der Adel
Volksversammlung und Dikasterien (Gerichtshöfe)
(nicht allen Bürgern zugänglich, weil
Zensuswahlrecht); keine Einflußreichen Kontrollorgane
Aristoteles: „[…] Dem Rat der Areopagiten übertrug er
(Solon) die Überwachung der Gesetze, wie er
(Areopag) bereits vorher Aufsichtsbehörde
über die Verfassung gewesen war. […] Aus
eigener Macht bestrafte er Vergehen mit
Körperstrafen und Geldbußen.„ 2
3.2. Reformen Solons als Versuch der
Krisenüberwindung
•
•
Areopag:-höchste Gerichtsbarkeit, Kontrollfunktion
Archontat: -Archonten=höchste Beamte,
nach Ablauf der Amtszeit→ Mitglieder des
Areopags
-Amtszeit urspr. lebenslang;
im 8. Jh. v.Chr. auf 10 Jahre reduziert,
unter Solon nur noch ein Jahr (siehe Abb.)
•
Bürgerschaft→ Demos: in engeren Sinn Vollbürger
Athens, die am politischen Leben teilnehemen dürfen,
ausgenommen Frauen, Sklaven, Metöken (ansässige
Fremde ohne Büregerrecht)
Solon: Archon (in Athen) mit außerordentlichen
Vollmachten, d.h. er fungiert als Gesetzgeber
Ziel Solons: mögliche Wiederherstellung der Eunomia,
Bewältigung der sozialen Spannungen
Grundlage der griechischen Gemeinwesen (werden von
Solon beibehalten):
- Geschlechterverbände→ Phratrien (Bruderschaften)
sog. Kultgemeinschaften
- für Wahrung des sozialen und polit. Status:
Angehörigkeit des att. Bürgers zu einer Phratrie,
Mitgliedschaft in einer Phyle nicht territorial, sondern
geschlechterspezifisch (gentilizisch);
durch gentilizisches Prinzip Ermöglichung der
Einflussnahme des Adels
- Aufbau:
Phylen
3.3. Die Tyrannis- eine Übergangsphase
Aristoteles: „Auch nach den Solonischen Reformen
dauerten die Streitigkeiten an. […] Es gab drei
Parteiungen: die Küstenbewohner […], die am
ehesten eine gemäßigte Verfassung anzustreben schienen; die Bewohner der Ebene, die
eine Oligarchie anstrebten […]; schließlich die
Bergbewohner, an deren Spitze Peisistratos
stand, der am volksfreundlichsten zu sein
schien.„3
⇑
Phratrien
⇑
Geschlechter (Großfamilien)
Inhalt der Reformen von 594/593 v. Chr.:
„Bauernbefreiung„ durch Aufhebung der
Schuldknechtschaft und Erlass der Schulden
Appellationsrecht für jeden Bürger
Schaffung des Rates der 400, Zusammensetzung: je
100 Vertreter der weiterhin bestehenden 4 Phylen
- Einteilung der Bürgerschaft (demos) nach Vermögen:
Vermögensklassen
1.Pentakosiomedimnoi
(„Fünfhundertscheffler„)
Großgrundbesitzer
2.Hippeis
Reiter, Kaufleute
3.Zeugiten
Ochsengespannbesitzer,
Kleingewerbe, Bauern,
4.Theten
Besitzlose Lohnarbeiter,
Handwerker
-
-
Politische Rechte
Zulassung zu allen
Ämtern
Zulassung zu allen
Ämtern außer
Archontat und
Areopag
siehe 2.
-
Herrschaft keine brutale Gewaltherrschaft, jedoch mit
Hilfe von Leibwachen (Söldnern) und Verbannung
rivalisierender Adelsgruppen
→„Peisistratos übernahm die Herrschaft und verwaltete
den Staat eher nach dem Gemeinwohl als tyrannisch„
→„Vergabe„ von politischen Rechten auf der Grundlage
von Einkommen und Besitz = Timokratie
Aristoteles
Aufbau der solon. Verfassung:
-
Areopag
-
Archontat
Heliaia
(Volksgericht)
Wahl auf
ein Jahr
-
4
regelmäßige Wahlen, aber mit Einflussnahme auf die
Aufstellung von Kandidaten→ demos politisch
entmachtet
wirtschaftlicher Aufschwung und Wohlstand durch
günstige Darlehen für Zeugiten und Theten, sowie
„öffentliche Bauprojekte„ u.ä.
positive Entwicklung auch nach dem Tod Peisistratos
(528/527) unter Herrschaft seiner Söhne Hippias und
Hipparch
- nach Attentat auf Hippias Verschärfung des politischen
Klimas, zunehmende Gewaltherrschaft
→510 v. Chr. Vertreibung der Tyrannen mit Hilfe der
Spartaner
Ekklesia
(Volksversammlung)
Wahl auf
ein Jahr
schon seit Ende des 7. Jh. v. Chr. Tyrannis in
anderen griechischen Poleis (Bsp.: Kypselos,
Periandros; Korinth ca. 615 v. Chr.); ebenfalls
aufgrund von wirtschaftlichem Wandel und daraus
resultierenden Spannungen
das ursprüngliche Verständnis vom Begriff Tyrannis:
Tyrannis (griechisch týrannos: Herrscher): Alleinherrschaft, die (frühen) Tyrannen (im 7. und 6. Jh. v.
Chr.) stützten sich im Wesentlichen auf die
Zustimmung des Volkes und richteten sich gegen
die Aristokratie.
Zulassung nur zum
Volksgericht und
zur Volksversammlung
Rat der 400
561/560 v. Chr. erster Versuch der Erichtung einer
Tyrannis durch Peisistratos; DOCH: noch vor
Festigung seiner Macht → Verbannung durch die
beiden anderen, nun verbündeten, Parteien
endgültige Festigung der Herrschaft 546/545 v. Chr.
(nach zwischenzeitlich zweimaliger Vertreibung)
Wahl auf
ein Jahr
Bürgerschaft Athens
Seite 8
Maria Meisel
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens
DOCH: Rückkehr zur Eunomia ausgeschlossen,
Forderung des demos nach gleichen politischen
Rechten →Isonomia
erforderlich
- jeder Stimmberechtigte schreibt Namen des zu
verbannenden auf eine Tonscherbe
- zeitl. begrenzte Verbannung (10 Jahre) des
Bürgers mit den meisten Stimmen
ABER: Verbannung keine Verurteilung, sondern
polit. Vorsichtsmaßnahme
(jedoch auch Hilfsmittel für Ausschaltung polit.
Gegner, Bsp.: Perikles→ Thukydides)
- der Verbannte behält seinen Besitz und seine
Bürgerrechte
-
in späteren Staats- und Verfassungstheorien→
Wandlung des Verständnisses:
Tyrannis= Gewaltherrschaft= schlechteste Herrschaftsform
- Bsp.: Aristoteles: Tyrannis =Entartung der Monarchie
[Ausnahme scheint Tyrannis unter Peisistratos zu sein
(siehe Zitat 4)]
-
4. Reformen des Kleisthenes - Entwicklung zur
attischen Demokratie
-
-
Schwäche der solonischen Verfassung: Beibehaltung
der gentilizischen Phylen
Die neue Verfassung:
Zerstörung der alten gentilizischen Phylen unter
Kleisthenes
Reformen 509/507 v. Chr
Epistates
Prytanie
Grundlage der neuen Einteilung Attikas*:
•
demen (Gemeinden, von demos): lokale
Selbstverwaltung, Führen von Bürgerlisten und
zugleich Kultgemeinschaft
•
ursprünglich 100 demen→ Zuordnung zu den drei
regional festgestzten Einheiten =Trittyen: Athen und
näheres Umland; Binnenland; Küstengebiet
•
jeweils 10 demen =einer der zehn neuen Phylen
•
Zusammensetzung der Phylen: jeweils eine
Trittye
9 Achonten,
1 Ratsschreiber
Wahl
Volksgericht
B
Los
Ekklesia
Wahl
10 Strategen
-
die 4 Vermögensklassen nach Solon bleiben unberührt
Verfassungsänderungen:
•
Zulassung der 2. Vermögensklasse (Hippeis)
zum Achontat
B
Bürgerschaft Athens
Ziel der häufigen Losverfahren: Verringerung
persönlicher Einflußnahme;
beim Achontat sogar erst Wahl einer größeren Anzahl
von Kandidaten, dann Auslosung der endgültigen
Mitglieder←Reform während der Perserkriege(490479 v. Chr.)
5. Vollendung der attischen Demokratie
•
Aufstockung des „solonischen„ Rates der 400 auf
500→ Rat der 500 (50 Mitglieder pro Phyle)
5.1. Ionischer Aufstand und Perserkriege, sowie deren
Bedeutung
•
Geschäftsführung des Rates unter wechselndem
1
Vorsitz durch ausgeloste Reihenfolge für jeweils /10
des Jahres bei den Abgeordneten einer Phyle;
zeitweilige geschäftsführende Phyle= Prytanie
-
•
täglicher Wechsel des Vorsitzenden der Prytanie
(anfangs durch Wahl, später durch Los)
•
Verpflichtung der Prytanie: min. einmal
Einberufung der Volksversammlung, Festlegung der
Tagesordnung für die Volksv., sowie Unterbreitung
von Vorlagen zur Beschlußfassung
expansive Politik des 550 v. Chr. bestehenden
Perserreiches→Folge: direkte Berührung mit dem
Griechentum
546 v. Chr. ionische Poleis unter persischer Herrschaft
(weitere Unterwerfung anderer Städte wie Thrakiens,
Makedoniens→ persische Herrschaft bis an griech.
Siedlungsraum auf dem europ. Festland)
ionischer Aufstand (500-494 v. Chr,):
- Versuch der Auflehnung gegen die persische
Oberhoheit
Niederschlagung des Aufstandes trotz Unterstützung
Athens u.a.
•
seit 501/500 v. Chr. Wahl der 10 Strategen durch
Ekklesia (10 Strategen stehen zunächst unter
Oberbefehl des Achon Polemarchos (Führer im Krieg);
später Verdrängung des Polemarchos, wechselndes
Oberkommando unter den Strategen)
Folge: Perserkriege, weitergehender persischer Vorstoß
gegen alle griechischen Gemeinwesen
•
Erweiterung des Aufgabenbereichs der Eklessia:
Beschlußfassung in sämtlichen Fragen, Kontrolle der
Ämter, letzte Instanz der Rechtsprechung
•
Rat der 500
Wahl und Los
Folge: →durch Aufhebung der Bindung des Bürgerrechts
an Kult und Mitgliedschaft in einer Phratrie→
Schwächung der Einflussmöglichkeit des Adels,
außerdem repräsentiert jede Phyle in sich die gesamte
Region Attikas
-
die bekanntesten verbannten Staatsmänner:
Aristides (483 v. Chr.), Themistokles (471 v. Chr.),
Kimon (461 v. Chr.) u.a.
Perserkriege (490-479 v. Chr.): insges. 3 Perserkriege
- 481 v. Chr. Bildung eines antipersischen
Schutzbündnisses mit Verknüpfung eines
innergriechischem Sonderfriedens, bestehend aus
griechischen Gemeinwesen (u.a.: Athen, Sparta,
Korinth)
- letzlich, Sieg der Griechen über das Perserreich
Einführung des Ostrakismos= Scherbengericht
Ostrakismos (griech. ostrakon: Tonscherbe):
Ziel:
Schutz vor erneuter Tyrannis
Anwendung: bei Verdacht; Machtstreben eines
einzelnen Bürgers
- jedes Jahr Abstimmung innerhalb der
Volksversammlung, ob Notwendigkeit von
Scherbengericht
- bei Zustimmung, Durchführung einer öffentlichen
Abstimmung, Teilnahme von min. 6000 Bürgern
Bedeutung für zukünftige Politik:
- 478/477 v. Chr. Gründung des Delisch-AttischenSeebundes mit Athen, ohne Sparta zum Schutz
gegen die Perser
Seite 9
Maria Meisel
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens
– Folge: athenisch-spartanischer Dualismus (siehe
6.Niedergang der Poleis)
Schiffen, Ausgestaltung der Festspiele etc. durch
vereinzelte Bürger)
5.2. Ephialtes und Perikles
(462 v. Chr.) Reformen des Ephialtes:
- Machtminderung des Areopags
→kein Einfluss mehr auf die Verfassung, keine
Kontrollfunktion; Beschränkung auf Blutgerichtsbarkeit
- Übertragung der ehemal. Befugnisse auf Ekklesia und
Rat der 500
Vollendung der Demokratie
- durch Reformen 458-450 v. Chr. unter Perikles
(495.429 v. Chr.)
- Perikles: Adliger, Gegner der konservativen und
prospartanischen Politik
Ekklesia (allen Bürgern zugängig):
- Entscheidungsgremium: Krieg/Frieden; Ostrakismos
etc.
- Funktion der Rechtsprechung
- Verwendung von Staatseinnahmen
- Gesetzgebung nach Vorlage von Entwürfen
- Wahl bzw. Losung von Beamten
-
Inhalt der Reformen:
•
Zulassung der Zeugiten zum Achontat
•
Einführung von Besoldung für die einzelnen
Ämter
•
ab 403 v. Chr. sogar Tagegeld für Besuch der
Ekklesia→Ermöglichung der Teilnahme für ärmere
Schichten am polit. Leben
•
Festlegung von Kriterien für bürgerlichen Status
(Voraussetzung für Bürgerrechte→Nachweis
attischer Eltern)
•
Bestimmung der Mitglieder des Rats der 500
durch Los
⇒Verwirklichung der Isonomia (Gewährleistung der
Chancengleichheit durch Losverfahren und Besoldung)
Volksgericht (allen Bürgern zugängig):
- bestehend aus mehreren Gerichtshöfen
- Entscheidungsgremium (in Form von Gesetzen und
Dekreten)
- letzte Instanz bei Entscheidung öffentlicher und
privater Prozesse
- Bestimmund der 6000 Geschworenen per Los für ein
Jahr
Rat der 500 (allen Bürgern zugängig):
- „Beirat“ zur Ekklesia
- Einberufung der Ekklesia
- Festsetzung der Tagesordnung
- Zuständigkeit gewisser Gerichts- und
Verwaltungsangelegenheiten (z.B.: Verfahren zur
Amtsenthebung, Instandhaltung der Seestreitkräfte,
Kontrolle über die Staatseinnahmen)
- Iterationsverbot (Iteration-Wiederholung):
der Bürger →nicht mehr als 2mal Ratsmitglied
Perikles- der Demagoge:
Demagoge: ursprünglich Volksführer; erst in späterer Zeit
Negativierung der Bedeutung →
Volksverhetzer, Volksverführer
-
ständige Wiederwahl Perikles` zum Strategen durch
die Ekklesia
Grund: seine persönliche Autorität, Charisma,
politische Erfolge, rethorische Begabung
Thukydides (um 460-400 v.Chr., Befehlshaber während d.
pelopon. Kriege, griechischer Geschichtsschreiber) :
„[…] Das kam daher, dass er, mächtig durch sein
Ansehen und seine Einsicht und in Gelddingen
makellos und unbeschenkbar, die Masse in
Freiheit bändigte, […]„5
-
Areopag (Zugang aller Vermögensklassen bis auf Theten):
- Blutgerichtsbarkeit
Achontat (Zugang aller Vermögensklassen bis auf
Theten):
- höchste Beamte
- Eingriffsmöglichkeit in das Gerichtswesen
- verwaltungsmäßige, richterliche Funktionen innerhalb
des att. Seebundes
durch Ostrakisierung seines Rivalen Kimon
→ Perikles= „monarchische Stellung„
6. Krise und Untergang der Polis
-
eigentlich: Perikles als Stratege keine besonderen
Befugnisse (letzte Entscheidungsinstanz = Ekklesia)
- ABER de facto: im Laufe seiner politischen Karriere
zunehmende Einflussnahme auf die gesamte
Staatsführung
Thukydides: „So war es dem Namen nach Demokratie, in
Wirklichkeit aber Herrschaft des ersten
Mannes„6
athenisch- spartanischen Dualismus:
Delisch-Attischer-Seebund ⇔ Peloponnesischer Bund*
Athen
Sparta
-
-
Auslosung aller Ämter, bis auf Ämter mit Erforderung
von Sachkenntnissen (Militär→Strategen) oder
Vermögen
-
Finanzierung des Staates u.a. durch Steuern und
Tribute der Bündner, Leitourgien (Ausrüstung von
ständige kriegerische Auseinandersetzungen
zwischen Athen und Sparta→ 446 v. Chr. athenischspartanischer Frieden, Festsetzung auf 30 Jahre
trotz Frieden: Weiterbestehenden des Dualismus
Dualismus mündet schließlich in:
5.3. Die politische Ordnung der attischen Demokratie
seit Mitte des 5. Jh. direkte Demokratie
Gewaltenteilung (exek.,judik.,legisl.) unbekannt
3
hegemonielle Stellung
-Phase von 461-429 v. Chr. =Perikleische Zeitalter
⇒WEIL: kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit
(Wiederaufbau zerstörter Tempel und Gebäude)
-
Zusammenkunft: 4 mal während jeder Prytanie (→40
mal im Jahr)
Anwesenheit während einer Sitzung:
1
•
rege Beteiligung der Stadtbewohner ( /3 d.
Demos)
•
seltene Teilnahme der restl. Bürger, weil in
ganz Attika verstreut
Peloponnesischer Krieg (431-404 v. Chr.):
-
Seite 10
Auslöser→ Einmischung in den jeweils anderen
Machtbereich (u.a.: Korinth (Mitglied d.
pelopon. Bundes) Streitigkeiten mit seiner
Kolonie Korkyra→Eingreifens Athens;
Handelssperre d. att. Seebundes gegen
Megera)
Maria Meisel
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens
-
429 v. Chr. „Erschütterung„ Athens durch Ausbruch
der Pest (←Grund: Rückzug eines erheblichen Teils d.
att. Bevölkerung in d. Stadt Athen)
- Blendung der Ekklesia durch Demagogen (Kleon,
Alkibiades)
- zwischenzeitlicher Frieden (421 v. Chr.)
- 415-413 Sizilische Expedition, militär. Katastrophe
- 412 v. Chr. Bündnis Spartas mit Persien
- 404 v. Chr. Kapitulation Athens, Vormachtstellung
Spartas
→Entstehung eines von Sparta nicht lösbaren
Machtvakuums
-
-
-
Sinus Theorie: Aufstieg, Blütezeit, Niedergang
Aufstieg→von Monarchie bis Tyrannis
Blütezeit→Demokratie zur Zeit Kleisthenes,
Ephialtes, Perikles
Niedergang →Beginn bereits unter Perikles
Indikator: die enormen Baumaßnahmen
(Wiederaufbau der Akropolis, weitere Tempelbauten
u.a.), außerdem das Zutreffen der These, dass die
Gesellschaft („Gesellschaftsphänomen„ Demokratie)
aufgrund ihrer Werte untergeht
Beweis: Isonomia (z.B.: Ekklesia)= Bestandteil des
Wertesystems
DOCH: Fehlentscheidung der Ekklesia im
Peloponnesischen Krieg (z.B.: die Entscheidung zur
sizil. Expedition)
404 v. Chr. Abschaffung der Demokratie und
Instalierung einer Oligarchie in Athen durch Sparta
(Herrschaft der „dreißig Tyrannen„)
Prägung der nachfolgenden Zeit durch:
•
soziale Spannungen
•
innergriechische Machtkämpfe
Thydides: „Denn er hatte ihnen gesagt, sie sollten sich
nicht zersplittern, die Flotte ausbauen, ihr Reich nicht
vergrößern während des Krieges und die Stadt nicht aufs
Spiel setzen, dann würden sie siegen. Sie aber taten von
allem das Gegenteilige.„ 8
ab Mitte 4. Jh. Aufstieg und Herrschaft Makedoniens
unter König Philipp II (Persienfeldzug)
334 v. Chr. Alexander der Große Nachfolger Philipps
II (Beendigung der Auseinander durch Eroberung des
Perserreiches)
Zusammenbruch des Alexanderreichs,
Diadochenkämpfe, 277 v. Chr. Errichtung einer
Monarchie unter Antigonos in Makedonien und
Griechenland
7.2. Bewertung der attischen Demokratie
-
letztlich: 146 v. Chr Unterwerfung Griechenlands und
dessen Eingliederung als römische Provinz
Hauptmerkmale dieser Zeit: Verfall der griechischen
Poleis als politische Einheiten
direkte Demokratie, weil Ekklesia in sämtlichen
Belangen maßgebliches Entscheidungsgremium →
Ausübung der Macht des Demos unmittelbar
ABER: Teilnahme am politischen Leben nur wenigen
vorbehalten; Frauen, Metöken, Sklaven waren
ausgeschlossen
- Prinzip der Volksherrschaft gilt also nur für den Demos
→Anzahl der politischen „Aktivbürger„ gering
(auch weil viele Bürger nicht in Athen, sondern auf dem
Land lebten- Mitwirkung der Landbewohner an
Entscheidungsprozessen aus praktischen Gründen auf ein
Minimum reduziert)
7. Fazit
7.1. Demokratieentwicklung im Überblick
Monarchie
(bis 8. Jh. vor Chr.)
-
1
/8 der Gesamtbevölkerung = „Aktivbürger„
-
aufgrund der geringen Anzahl an att. Vollbürgern →
politische Verantwortung des Einzelnen nicht
abwendbar, ständig bestehende Möglichkeit der Wahl
oder Losung in ein Amt
→att. Bürger war politisch informiert
Aristokratie
(bis Anfang 6. Jh. v. Chr.; Einführung der solonische
Reformen)
-
Verhinderung von Einflussnahme einzelner Gruppen
durch häufig angewandte Losverfahren→ Schaffung
von Isonomia (nur für die Vollbürger)
ABER: Gefahr durch Losung →Besetzung von Ämtern
durch nicht kompetente Personen (Risiko bei Wahl
geringer)
Tyrannis
(bis Aufhebung der gentilizischen Ordnung unter
Kleisthenes 509/507 v. Chr)
-
Besoldung= Sicherung der Amtsausführung auch für
untere Vermögensklassen
ABER: Besoldung für Anwesenheit in der Ekklesia
birgt Gefahr→ Teilnahme nicht aus poltischen
Beweggründen, sondern aufgrund finanzieller
Demokratie
(bis zur Herrschaft „der dreißig Tyrannen„ durch Sparta,
404 v. Chr.)
-
da Ekklesia direkt Machtausübung und
Entscheidungskompetenz hat→ Gefahr von
Fehlentscheidungen durch Emotionalität statt
Rationalität in Krisen (Kriegszeiten etc.),
„Augenblicksstimmungen„ oder durch Beeinflussung
von Demagogen u.a.
-
keine Gewaltenteilung, ABER: Gewaltenteilung
Voraussetzung einer Demokratie nach heutigem
Verständnis
Timokratie
(bis zur Errichtung der Tyrannis unter Peisistratos 560 v.
Chr.)
-
Tyrannis notwendiger Bestandteil der
Demokratieentwicklung, weil dadurch Erweckung des
Bewußtseins des Demos und damit verbunden der
Wille nach Isonomia
oben dargestellte Grafik verdeutlicht Ablauf der
Demokratieentwicklung→ Demokratieentwicklung
unterliegt Funktionsmechanismus→Sinus Theorie
Thukdides: „Und nicht die Zugehörigkeit zu einem
bestimmten Volksteil, sondern allein die
Seite 11
Maria Meisel
II. Antike- am griechischen Beispiel Athens
persönliche Tugend verleiht im öffentlichen
Leben einen Vorzug […]„7
-
alle Reformatoren während der Entwicklung der
attischen Demokratie und sogar die herausragenden
Politiker, die an keinen Reformen mitwirkten, waren
Adlige→ Bsp.: Kleisthenes, Perikles, Kimon
→sie alle Verfügten über Reichtum,
überdurchschnittliche Bildung (z.B. in Rhetorik,
aufgrund von zusätzlichem Unterricht durch
Privatlehren) und Popularität durch ihre Herkunft
⇒insgesamt ist die attische Demokratie nach unserem
heutigen Verständnis weniger Demokratie, als mehr
Oligarchie
notwendige Bedingungen für eine Demokratie nach
heutigem Verständnis:
- Prinzip der Gleichheit und damit verbunden die
Beteiligung des gesamten Volkes (bzw. seines
erwachsenen, wahlberechtigten Teiles)
- Rechtsstaatsstaatlichkeit
Mehrheitsprinzip und Pluralismus
Gewaltenteilung
Volkssouveränität
-
Wahrung der Grundrechte
Begriffserklärung
*
1
ionisch→ Ionier: neben den Äoliern, den
Dorern und den Achaiern eine der
Hauptgruppen der Griechen
*
2
Attika: Region, die von den Ioniern bewohnt
ist
*
3
Peloponnesischer Bund: seit etwa 550 v.
Chr. unter Hegemonie Spartas
bestehendes Bündnis aller Staaten der
Peloponnes mit Ausnahme von Argos zur
gemeinsamen Kriegsführung
Seite 12
Doreen Pieper
III. Veränderungen des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter
ökonomische Organisationsform > Grundherrschaft >
Funktionen staatlich-politischer Herrschaft >
Aufgebotsrecht, Gerichtsbann, Militär
•
Ständeordnung: hierarchische Modelle > 1.Stand
König / Klerus, 2.Stand Adel, 3.Stand Volk
•
Unterscheidung zwischen Freien und Unfreien,
Herrschenden und Dienenden
•
Frau oder Juden hatten kein „Ansehen„ oder Rechte
•
Bildung stand nur Reichen zu
•
feudale Gesellschaft > jeder hat seinen „ererbten„
Platz im Leben > Aufstiegsmöglichkeiten für Bauern
etc. kaum gegeben
•
Arbeiten um seine Pflicht gegenüber Grundherr zu
erfüllen und zu überleben > Bauer war der Natur
ausgesetzt (z.B. schlechte Ernten aufgrund von
Trockenheit)
•
hohe Sterblichkeitsrate, niedrige
Alterswahrscheinlichkeit
•
Stütze ist der Glaube an Gott > für jeden Menschen
ist sein Lebensweg vorbestimmt
•
Zehnten zahlen > harte Strafen bei Ausbleiben
•
Kriege bestimmen das Leben
Hochmittelalter
•
Verbesserung von Produktivkräften > agrarische
Nutzung und Produktion gefördert > Ansteigen der
Bevölkerung
•
Dreschflegel, Dreifelderwirtschaft, moderne Mühlen >
zunehmende Technisierung der europäischen LW
•
Anwachsen der Geldwirtschaft > Ware-GeldBeziehung entwickelt sich
•
Bäuerliche Überproduktion gegen Geld getauscht
•
Geld > fördert Beziehung zwischen Arm und Reich
•
Straßen und Meere sind sicherer geworden,
Ernteerfolg verbessert sich
•
Aufschwung für Handel und Gewerbe (Handwerker,
Kaufleute, Geldwechsler)
•
„Stadtluft macht frei„ > Bauern und Unfreie stürmen in
die entstandenen Städten und fliehen somit vor der
Unterdrückung durch den Lehnsherrn
•
gesellschaftliche Arbeitsteilung > Handwerk von
Landwirtschaft getrennt
•
lokale Märkte > Nah- und Fernhandel
•
Veränderung im sozialen System > „Städtische
Umwälzung„ > Stadtwirtschaft im Widerspruch zur
Agrarwirtschaft des Feudalismus
•
Bürgertum als neue soziale Schicht in den Städten >
Bürgertum in sich differenzierbar
•
Burgenbau, Klosterbau
•
Bildung von Territorien durch Adlige > Versuch einer
einheitlichen Verwaltung
•
Kirche verbreitet Mißstimmung in der Bevölkerung >
Personalpolitik, Finanzpolitik, hohe Ausgaben für
internationale Reputation und Kreuzzüge
•
Paris > Zentrum europäischer Gelehrsamkeit >
Anfang 13. Jh. Bildung von Universitäten > rationalen
Geist schärfen (für Kreuzzüge, politische Fragen u.a.)
> fördert Bildungswesen
•
Feudalherren > Aufteilung in niederer und hoher Adel
•
Entstehung der Ministerialität (Reichs-Ministerialität)
•
Ständeordnung: Adel > Klerus > Bauern und Arbeiter
Spätmittelalter
•
Blütezeit der Hanse
•
Hundertjähriger Krieg
•
Zusammenschluss nordeuropäischer Städte >
Sicherung von Handel und Schifffahrt
•
Kolonisation des Ostens > steigert Handel
•
Verweltlichung und Verfall der Kirche >
Reformbewegung der Kirche
•
wirtschaftlicher Aufstieg Europas > steigende
Bevölkerung, Handel und gewerbliche Arbeitsteilung
> entscheidend dafür die geeignete Lage der Städte
an See-, Land- und Flusswegen
•
Stadtrechte, Stadtregiment (Verwaltung, Gericht)
•
Zunftkämpfe mit dem Patriziat
•
Steuern: Vergabe (Nutzungsrechte = Zoll, Münze,
Bergbau), Bede (Bitte), Ungeld (direkte und indirekte
Steuer)
•
III. Veränderungen des Demokratie- und
Diktaturverständnisses im Mittelalter
(Doreen Pieper)
1. Einführung in das Thema
•
•
Mit dieser Arbeit sollen die Erscheinungsbilder
Demokratie und Diktatur im Mittelalter verdeutlicht
werden.
Um dies zu erreichen wird das Mittelalter im
Folgenden veranschaulicht.
1.1. Epocheneinordnung des Mittelalters
•
•
•
•
•
liegt zwischen Antike und Neuzeit
wird in drei Epochen unterteilt:
(1.) Frühmittelalter ( ab ca. 5./6. Jh.), (2.)
Hochmittelalter (ab ca. 10./11. Jh.), (3.)
Spätmittelalter (ca. 14.-16. Jh.)
Mittelalter als Solches nur im Abendland (Europa)
Abwendung vom sozialen, politischen etc. Fortschritt
der Antike nicht geklärt
„dunkles Zeitalter„ aufgrund der Unterdrückung der
Menschen; Elend durch Hunger, Armut und
Krankheiten; Lebensziel: Überleben der Familie
sichern
1.2. Kurze, allgemeine Definition von
Demokratie und Diktatur
Demokratie
•
Volksherrschaft
•
Grundlage von politischer Freiheit und rechtlicher
Gleichheit
•
Rechtsstaatlichkeit: allg., geheimes, freies, gleiches
Wahlrecht; Parteien als Träger d. politischen
Meinungsbildung
•
individuelle Rechte der Menschen (z.B.
Meinungsfreiheit)
•
Regierung als Vertreterin des Volkswillens
•
Würde, Freiheit und Gleichheit des Staatsbürgers
wird garantiert
•
Parlament > Volkssouverän
•
unmittelbare, mittelbare/repräsentative D.
•
Gewaltenteilung
Diktatur
•
mit unbeschränkten Vollmachten im Staatsnotstand
ausgestattet
•
autoritäres, demokratiefeindliches Staatssystem
•
Polizeistaat
•
Gewaltherrschaft

Entstehung der Demokratie und Diktatur ist bereits im
Kompendium 3 erklärt.
2. „Lebensalltag im Mittelalter„
•
•
Leben ist gekennzeichnet von harter Arbeit, Hunger,
Abhängigkeit, Krankheiten und Mißernten
kaum Freiheiten für Bauern oder Unfreie; willkürliche
Herrschaft von König, Fürsten und Kirche
2.1. Die Lebenssituation der Menschen
Das Frühmittelalter
•
Bauern und Unfreie in Abhängigkeit eines Grundherrn
•
Agrarwirtschaft > politische Macht und soziale
Bedeutung beruhen auf wirtschaftlicher Basis (Grund
und Boden)
•
fehlende Arbeitsteilung und Spezialisierung
•
kaum Ware-Geld-Beziehungen
Seite 13
Doreen Pieper
•
•
•
•
•
•
•
•
III. Veränderungen des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter
deutsche Territorialstaaten > Ansätze zur Bildung von
„Staaten im Staate„ (Immunität, Lehnswesen,
Reichspolitik)
Bürgertum etabliert sich gegen feudalen Adel
„Goldene Bulle„ 1356 > Königswahl festgelegt
14. Jh. > Russland im Begriff zu entstehen
15. Jh. > „Wiedergeburt der Antike„ > griechisches
Gedankengut > italienische Renaissance
Ende 15. Jh. Aufbau eines spanischen Reiches unter
Isabella von Kastilien
Höhepunkt der Inquisition (15. Jh.)
Verbreitung der Universitäten > Einsetzen von
gelehrten Beamten oder Geistlichen in Ämter
•
•
2.2. Die Rolle der Kirche
•
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•
•
die Machtposition der Kirche verschiebt sich im Laufe
des Mittelalters
während im Frühmittelalter an die Lehren der Kirche
zweifellos geglaubt wurde, kommen spätestens im
Hochmittelalter durch steigende Rechte der
Menschen und die zunehmende Bildung Zweifel an
der Allmacht der Kirche auf
politische Rechte des Papstes im Frühmittelalter:
Verleihung der Kaiserwürde, neben dem König das
höchste Amt
geistliche und weltliche Politik arbeiten zusammen >
Kirche unterstützt König, König sorgt für Kirche
im 11. Jh. erwächst durch
„Gottesfriedensbewegungen" die Forderung nach
einer Reform der Gesamtkirche
Ende des 11. Jh. beginnt der Investiturstreit (u.a.
Verbot der Priesterehe, Verbot der Laieninvestitur)
Glaube an Wohlwollen der Kirche sinkt >
„Vetternwirtschaft„, Ausgabe der schwer erarbeiteten
Steuern für Prestigesachen der Kirche
Ende 13. Jh. > päpstliche Weltherrschaft zu Ende
Großes Schisma: Europa spaltet sich in die Lager
Häresie (Irrglaube) und Aberglaube (Hexenwahn)
Reformbewegung setzt Anfang des 15. Jh. ein >
beseitigt u.a. das Schisma, verweltlichtes Papsttum
erstarkt, Scheitern innerkirchlicher Reformen
2.4. Das Lehnswesen als gesellschaftliche
Form
•
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Lehen setzt Gehorsam und Treue voraus
soll „Personenverbandsstaat„ darstellen
beeinflusst durch das römische Klientelwesen
Grundherr verleiht Land und Ämter und erwartet dafür
militärische und andere Dienste
Lehen bekam Erblichkeitsrecht > schwächt
Königsstärke als Oberlehensherr
adlige Kronvasallen wurden zu Rittern und die
Untervasallen blieben unfrei
2.5. Die Urbanisierung und ihre fortschrittliche
Auswirkung
•
•
•
2.3. Die Bedeutung der Ständeordnung
•
•
einer muoter alle...„ > später Losung bei
Bauernaufständen
Ordnung des Lehnswesens: der König gibt an adlige
Kronvasallen (Markgrafen, Grafen u.a.) ein Amt,
Lehen und Schutz und bekommt dafür von ihnen
Dienste, Treue, Rat, Hilfe und einen Treueid / die
adligen Kronvasallen geben ihr Eigengut daraufhin an
Untervasallen weiter mit ihrem Schutzversprechen
und erhalten dafür Treue und Treueid, sowie
Kriegsdienste als Reiter
Feudalstaat: innere Funktion (Schutz der
Feudalherrschaft gegen den Widerstand der feudal
abhängigen Bauern) und äußere Funktion
(Erweiterung der feudalen Ausbeuterschaft durch
Verteidigung des Herrschaftsbereiches, Eroberung
fremden Territoriums)
Heerschildordnung im Hochmittelalter: Herrscher
(König) > Kronvasallen (Herzöge, Grafen, Bischöfe,
Reichsäbte) > Aftervasallen (Ritter, Dienstmannen,
Äbte) > unfreie Bauern
•
Grundlage der ständischen Ordnung
Unterscheidung nach politischem Einfluss: Adel >
Klerus > Bürger (Hochmittelalter)
als schöpfungsbedingt angesehen
Gliederung der christlichen Gesellschaft in: „Lehr-,
Wehr- und Nährstand„ > Beter, Kämpfer und Bauern
persönliches Bekenntnis zu einem Stand sagt nicht
unbedingt etwas über soziale und rechtliche Stellung
der Person aus
Rittertum und Ritterstand > spiegelt nicht die Realität
des Mittelalters wieder > Stand für Angriff und
Verteidigung > meist Adlige > erst später für
Nichtadlige zugänglich > Ritterspiele
Feudalherren und Bauern > von Gott gegebene
Stellung
Johann Salisbury (12. Jh.) > Vergleich der
Feudalgesellschaft mit dem menschlichen Körper:
Krieger bilden Arme und Hände, Bauern und
Handwerker stellen Füße dar
> Stände sind aufeinander angewiesen
Honorius Augustodunensis (12.Jh.): Vergleich der
architektonischen Struktur der Kirche mit den
Ständen > Lehrer bilden die Fenster (Lichtquelle,
schützen vor Sturm); Säulen = Bischöfe; Balken des
Dachstuhls = weltliche Fürsten; Ziegel = Ritter
(Schutz vor Regen, Verteidigung); Boden der Kirche
= untere Bevölkerungsschichten > ernähren und
erhalten die Kirche durch ihre Arbeit)
Hugo von Trimberg (13.Jh.) > Dichter > vor Gott sind
alle Stände gleich > „Pfaffen, ritter und gebûre sind
alle gesippe von nature...Nû si wir doch geborn von
•
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Seite 14
Entstehung der Städte seit dem 11. Jh. > Blütezeit
der Feudalgesellschaft
große Einwirkung auf feudale Gesellschaftsstruktur
und Lage der Bauern
„Stadtluft macht frei„ > Stadtfreiheit > frei von
grundherrlichen Abhängigkeiten
Stadtsiegel, Stadtgericht, Schreinsbücher (ähnlich
Grundbücher)
Bildung von Kommunen > oft gewaltsame
Verdrängung oder Tötung der bischöflichen
Stadtherren > kommunale Bewegung im 11. und 12.
Jahrhundert
Kommunen > neue soziale Kräfte mit politischem
Durchsetzungswillen, oft rechtliches Konzept >
Kommune = „Reizwort„ der Zeit > rütteln an
bestehendem herrschaftlichen Strukturen
Bildung von Zünften und Gilden > Entstehung eines
Stadtbürgertums
Bürgertum wird im Laufe des Mittelalters fast so
mächtig wie der Adel
Stadt bedeutete > mehr Menschen auf engem Raum
Stadtsicherung > Mauern, Türme
Städte sind in ihren Rechten und Freiheiten regional
verschieden
mentale Differenzierung zwischen Stadt und Land >
feine, gebildete Lebensart gegen ärmliche,
abhängige, arbeitende Ländler
Kaufleute > soziale Führungsschicht vor Bildung der
Zünfte
Markt und Handel > Wesensmerkmal für Stadt >
Stadtgründer und Marktherr profitierte von den
Einnahmen des Ortes
Bürger > sind nicht alle gleich > aber gleiche Rechte:
Eigentum erwerben und vererben, Freiheit von
grundherrlicher Ehebeschränkung, Schutz und
Frieden der Stadtgemeinde
wenn man als Unfreier in die Stadt kam wurde man
„nach Jahr und Tag„ zum Bürger mit allen Rechten >
Eid leisten und Nachweis eines Mindestvermögens/
Doreen Pieper
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III. Veränderungen des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter
Beispiel Frankfurt am Main 14. Jh.: „Den
Bürgermeistern, Schöffen und dem Rat zu Frankfurt
treu und gehorsam zu sein und Beistand zu leisten
und ihnen und der Stadt Frankfurt Schaden
abzuwenden, ihr Bestes zu fördern und in keiner
Weise gegen sie zu handeln.„
Stadt > bietet Möglichkeiten für soziale Mobilität und
individuelles Glücksstreben
Kluft zwischen armen Handwerkern, Tagelöhnern etc.
und den reichen Patriziern
Markt-, Münz-, Zoll- und Befestigungsrechte
(Stadtmauer)
meist Kleinstädte mit weniger als 2000 Einwohner
sehr schlecht hygienische Bedingungen (Pestrisiko)
Pflicht: Steuern, Verteidigung
Verstädterung Europas veränderte Gesellschaft
Rat der Stadt > seit ca. 12. Jh. > ist das Organ für die
Bürgerschaft (Selbstverwaltung) > Ausschüsse für
z.B. Steuern, Landfrieden
•
•
3.2. Der Begriff des Rechts im Mittelalter
•
•
3. Demokratische und Diktatorische Elemente
im Mittelalter
•
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•
es gilt herauszufinden, ob demokratische oder
diktatorische Elemente im Mittelalter auftreten oder
eine Staatsform der gleichen sogar besteht
hierbei wird nach typischen Merkmalen beider
Regierungsformen gesucht
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3.1. Das Justizwesen und seine Bedeutung
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(Ritterstand und gelehrte Juristen) > nicht vom Kaiser
abhängig
seit 12. Jh. Offizialgerichte > früheste Gerichtsform
des Mittelalters (rechtsgelehrter Richter = Offizial,
Gremium von Assessoren) > stellt ebenfalls Behörde
dar (unteres Gerichtspersonal, z.B. Schreiber)
man wandte sich langsam vom Gottesfrieden ab und
dem Strafgesetz zu > es ging nicht mehr nur darum,
Frieden zu stiften zwischen den verstrittenen
Parteien, sondern Recht walten zu lassen, im Sinne
von Recht sprechen, verurteilen und bestrafen
Frühmittelalter
Germanen: 3 Stände (1. der von den Göttern
abstammende Adel, 2. Freie als werktätige
Bevölkerung mit politischen Rechten, 3. Minderfreie
und Halbfreie)
Oberstes Organ = Landgemeinde (Thing) >
Heerversammlung > Fürsten stellen Antrag > Volk
muss einstimmig zustimmen (z.B. über Krieg und
Frieden) sonst folgt die Ablehnung
Gericht = Landgemeinde > entscheidet über
Kultfrevel, Landesverrat, Kriegsverbrechen, Taten
ehrloser Gesinnung > Täter wird aus der
Gemeinschaft verstoßen, Todesurteil und Art der
Vollstreckung
„Volksgericht„ durch Schöffenverfassung reformiert >
Mitwirkung der gesamten Gerichtsgemeinde unter
Vorsitz des Grafen > Schöffen sprechen das Urteil
Adlige übten oft „Privatjustiz„ aus
Gericht als Institution noch nicht so verbreitet
Verfahren und Recht hatten die Funktion Frieden
herzustellen und eine Fehde zwischen zwei
„Parteien„ zu unterbinden
es gab z.B. das Gaugericht (Gaugraf führt
Verhandlung) > meist Geldstrafen oder Freispruch
durch Zeugenaussagen
und das Königsgericht (in den Pfalzen) >
überwiegend unförmlich > meist bei Mißtrauen gegen
Verfahren des Gaugerichts
Gericht > ein Richter, Vertreter der öffentlichen
Gewalt, Urteiler, Schöffen
Hochmittelalter bis Spätmittelalter
Räte und Gerichte bilden sich heraus
Gründung von Landfriedensgerichten (ein
Hauptmann, Soldaten etc.) > sofortige Verfolgung bei
Landfriedensbruch
Gründung von Blutgerichten
Hoftage mit Reichsvasallen durch den König
abgehalten (Fürstenkollegium, Grafenkollegium,
Städtekollegium) > später Reichstage
Reichstag > Einstimmigkeitsprinzip
Landtage > Prälate (Geistliche), Ritter (Adlige),
Städte
1495 >Errichtung des Reichkammegerichts in
Deutschland > Aufbau: 1 Richter, 16 Beisitzer
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Seite 15
Frühmittelalter
germanische Stammesrechte = leges > umfassende
Gesetze einzelner Volksstämme (z.B. Gesetz über
weiblicher Erbfolge bei Grundbesitz, Gesetz zur
Zahlung einer Buße statt blutige Fehden zu führen)
leges = Volksrechte > Gerichtsprozess: Gesamtheit
der bewaffneten, freien Männer
leges = Stammesrechte > entstanden durch
aufschreiben der Gewohnheitsrechte von
Rechtsgelehrten
Codex Euricianus (ca. 475) > Überbleibsel eines
Westgotengesetzes des Königs Eurich (römisch
angehaucht) > enthält „Zivilrecht„
Lex Salica (507/511) > Bußkataloge, Regelungen für
den Prozess, familien- und erbrechtliche Dinge
Karl der Große > Mängel an Volksrechten > ergänzte
das Volksrecht, Neueinbringung: kaiserliches
Volksrecht (muss vom Volk akzeptiert werden)
Funktion des Rechts = Frieden sichern
heutige Trennung von Strafrecht und Zivilrecht sowie
Strafprozess und Zivilprozess existiert noch nicht
der Gedanke, Straftaten verfolgen oder bestrafen zu
lassen ist kaum vorhanden
Strafrecht > Sühnegeldkatalog von Taten / offene und
heimliche Delikte / Anstiftung oder Beihilfe kein
Tatbestand > Leibesstrafe (z.B. Entmannung),
Todesstrafe
Privatrecht > Erbrecht und Familienrecht (z.B. Frau
kann Besitz oder Grundstück erben) /
Rechtsgeschäfte förmlicher (Bindung an einen
Vertrag) / Möglichkeit Grundstücke an Kirche zu
übertragen
Hochmittelalter
Cluniaszensische Reformbewegung > Verbot der
Laieninvestitur und des Ämterkaufs, Durchsetzung
des Zölibats
1122 Wormser Konkordat > Beendigung des
Investiturstreites (geistliche Würde durch Papst und
Belehrung durch König/Kaiser)
Volksrechte „verlieren an Bedeutung„
Lehensrecht ab ca. 12. Jh. > Heerschildordnung,
Belehnung „von oben nach unten„ (Lehensrecht =
Kaiserrecht)
Stadtrechte > Marktrecht, Gewohnheitsrecht,
Bauvorschriften etc.)
Eigentum, Grundsteuer, Miete etc. werden ein Begriff
Gottesurteile abgeschafft
„Sachsenspiegel„ > vermischt weltliches mit
geistlichem Recht, Rechtssammlung
ab 13./14. Jh. > das römische Recht wird wieder
entdeckt
Spätmittelalter
Steuergesetzgebung > Landtage
1356 Goldene Bulle > Grundgesetz des HRRDN
(Rechtsstellung der Kurfürsten, legt Königswahl fest)
kaiserliches Recht
Prinzip der Öffentlichkeit fällt überwiegend weg
Stadtrechte und städtische Rechtspflege
(Stadtrechte, Stadtbücher etc.)
1495 Reichstag in Worms > ewiger Landfriede mit
dem Ziel die Fehden zu beseitigen, Reichstag wird
Verfassungsorgan, Reichskammergerichtsordnung
Doreen Pieper
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III. Veränderungen des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter
Reichskammergericht > Grundsatz > das Recht des
Einzelnen geht vor dem gemeinen Recht
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3.3. Die Vertretung „moderner„ demokratischer
und diktatorischer Elemente
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Frühmittelalter
keine Form der Regierung > Adel/König und Klerus
herrschen „gemeinsam„ > verteilte
Herrschaftsbereiche
keine Wahlen > Menschen werden in ihre
Lebenssituation hineingeboren oder hineingezwängt
und haben kein Mitbestimmungsrecht an den
Ereignissen ihres Landes
Wahlen finden zwar statt, aber nur als Königswahl >
geistliche und weltliche Vertreter wählen oder setzen
ein
kein Parlament > keine Parteien > keine
Volksvertretung durch die sich die Menschen
„äußern„ können
kein vorhandener Staatshaushalt > unausgeprägte
Staatenausbildung > Zersplitterung der Ländereien
Gewaltenteilung nicht bekannt > Herrschaft des Adels
und des Klerus ist willkürlich und uneingeschränkt
Rechtssystem unausgebildet > Straftaten werden
willkürlich je nach Ausmaß der Straftat vom
Lehnsherr o.ä. „verhandelt„
lockerer Bund von Stämmen > eigene Sprache und
Gesetze, keine Identifikation mit dem Deutschen
Reich > Gemeinsamkeit lediglich der König
Hochmittelalter
trotz wachsender Herrschaftsterritorien > keine
Staatenform
königliche Rechte: Regalien, Verfügung über
Reichsheer, Regalien, Hoftage, Münz- und
Marktrecht, Zölle > Machtmißbrauch abhängig von
König
Herrschaftswechsel in Stadt erblich > nicht wählbar
Gesellschaftsordnung des Bürgertums: Landesherr >
Adel/Klerus > freies Bürgertum > Unfreie
Art Verwaltung > Finanzierung des Schutzes der
Stadt (z.B. Mauer) > selbständig von Bürgern >
Schöffenrat entscheidet bei Streitigkeiten
Stadt: Zensuswahlrecht > zeitweise Grundbesitz
Voraussetzung für Wahlteilnahme, Stimmen je nach
Stand > Schöffenrat durch Vetternwirtschaft der
Patrizier ausgehöhlt
Zünfte > handwerkliche Regelungen, Hierarchie,
familiäre Bindungen
soziale Spannungen: Pest, Missernten > Revolten >
Einführung des Mitspracherechts der Zünfte im
Schöffenrat
niedere Handwerker, Frauen, Juden > kein
Mitspracherecht > dennoch rechtlich bestrafbar
Spätmittelalter
Herrschaftsterritorien verändern ihre Form > leicht
staatliche Gliederung erkennbar
demokratische Züge in Stadtverwaltung und
Steigerung der Bürgerrechte
Nationalbewußtsein bildet sich heraus (z.B.
Kommunen) > Deutschland, England, Spanien etc.
gewisse Steigerung des Lebensstandards > dennoch
hierarchische Struktur der Bevölkerung
15./16. Jh. > Versuch innere Zerrüttung des
Deutschen Reiches zu bekämpfen > „Ewiger
Landfriede„ > Maximilian I. > Interesse an
bürgerlicher Arbeit, fördert Landknechte und Artillerie
dennoch kaum „Rechte„ für Frauen und Juden
Modernisierungsprozess und Entwicklungsprozess
des Gerichtswesens > mit verbesserten
Rechtsgrundlagen etc.
Bildungszentren entstehen > Universitäten > gelehrte
Richter, Juristen, Schreiber etc.
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die Auffassung des Rechtsbegriffes wandelt sich im
Laufe des Mittelalters
anfangs wird willkürlich „gerichtet„, um Fehden
harmlos zu beseitigen
bei kirchlichen oder weltlichen Prozessen lässt man
sich oft von Aberglaube und „Schein„ leiten und es
gibt harte Strafen von Folterung bis Tod
mit der Zeit wird das Recht etwas „humaner„ und die
Gerichte suchen durch Zeugen etc. die Wahrheit zu
finden
das Gerichtswesen wird ab Ende des
Hochmittelalters und im Spätmittelalter immer
komplexer, fortschrittlicher und sicherer und bietet in
Ansätzen die Form der folgenden Justiz (z.B.
Reichskammergericht)
3.4.1. Das Bild der Frauen und Juden
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kein demokratischer Aufstieg der Frau im Mittelalter >
unmündig, von Vater oder Ehemann abhängig >
keine Wahlen oder Mitspracherechte, kaum/kein
Anteil an staatlicher Herrschaft, öffentliche Ämter sind
ihr versagt
im politischen Sinne keine Rechte > dennoch vor
Gericht strafbar (z.B. Hexe, Ketzerin, Kindstötung)
Kirche > frauenfeindliches Bild
Witwe > verfügt über Mitgift, Erbe des Mannes,
Selbstverlobungsrecht
trotz Entbehrung „männlicher Rechte„ > Abgaben,
Steuerlast (Junggesellinnen, Witwen)
gerichtliches Klagerecht eingeschränkt
ab Spätmittelalter beruflicher Aufstieg möglich
abwechselnde Toleranz und Abschiebung der Juden
> nicht wirklich gern gesehen
Dortmund > einzige Stadt mit Synagoge, Frauenbad,
jüdischer Friedhof (14. Jh.)
sozialer Neid auf Juden > Bestätigung in Berufen wie
Kaufleute, Steuereinnehmer, Goldschmiede, Ärzte
nach Kreuzzügen > enorme Judenverfolgung
erhebliches Schutzbedürfnis > keine Rechte, kein
Ansehen in der Bevölkerung
Abgaben zahlen, vor Gericht strafbar
4. Ein Musterbeispiel d. Demokratie: England
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3.4. Recht im Sinne der Gerechtigkeit
Seite 16
Königsmacht früh eingeschränkt
1215 König Johann Ohneland > Magna Charta >
Rechte des Adels, der Bauern und Kaufleute
schriftlich festgehalten
Art Verfassung: Gesetze und Rechte an die sich der
König halten muss
Mitbestimmungsrecht der Barone > wollte der König
Gesetze oder Steuern ändern, brauchte er die
Zustimmung der Barone
Barone > Allgemeiner Rat > ab 13. Jh. in Parlament
umbenannt (hier dürften auch Vertreter des niedrigen
Adels und 2 Bürger aus jeder Stadt teilnehmen)
Parlament teilte sich in Oberhaus (House of Lords) >
nur Barone, erblich (Sitz von Vater auf Sohn),
meistens auf der Seite des Königs und Unterhaus
(House of Common) > Vertreter der Grafschaften und
Städte (vom Volk gewählt, reiche Bürger)
die Grundzüge dieser Verfassungsvorlage sind auch
heute noch in der englischen Verfassung verankert,
sowie sich das House of Lords und House of
Common beibehalten hat (innere Strukturen sicher
etwas „moderner„)
Doreen Pieper
III. Veränderungen des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter
5. Auswertendes Fazit
Am Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung im Mittelalter kann man eine steigende
Tendenz erkennen. Daher ist die Epoche des Mittelalters der Lineartheorie zuzuordnen. Das bedeutet, dass sich
die allgemeine Lebenssituation der Menschen im Laufe der Jahrhunderte zum höheren entwickelt (nach Marx).
Kommunikationsschwierigkeiten und ideologische Barrieren werden allmählich abgebaut, u.a. durch das stete
Anwachsen von Städten, Märkten und Handel. Den Menschen, im Allgemeinen zwar eher den Männern, öffnen
sich durch die Stadtfreiheit neue Möglichkeiten, z.B. im Beruf aufsteigen und nicht mehr Abhängiger eines
Grundherrn/Gutsherrn sein. Dies führt zum Zusammenschluss von Zünften und Gilden und zur Entstehung einer
neuen Schicht im Hochmittelalter: Das Bürgertum. Mit dem Erstarken des Bürgertums (bis zum niederen
Adelstand) eröffnen sich neue Rechte und Einrichtungen im Land. Es entstehen Versammlungen, Räte, Gerichte
(welche sich immer mehr spezialisieren) und Rechte, wobei sich auch die Ahndung von Verbrechen änderte.
Hatte man im Frühmittelalter noch Buße geleistet oder Geld bezahlt, so wurden die Verbrechen spätestens ab
dem Hochmittelalter untereinander differenziert (schwerwiegendes Verbrechen oder kleine Fehde) und je nach
dem mit Folter, Geldstrafen oder sogar Todesstrafen bestraft. Diesen Fortschritt im Justizwesen ist u.a. die
Entstehung von Universitäten zu verdanken. Sie bildeten u.a. Gelehrte für das Justizwesen aus, damit diese ein
formelles, rechtskräftiges Verfahren einleiten konnten.
Doch die Rechte, die sich in der Stadt entwickelten, kamen meist nicht bis aufs Land. Deshalb unterscheidet man
das konservative Landrecht von dem fortschrittlichen Stadtrecht. Umso mehr sind die Zuwanderungsströme in
den Städten zu begreifen.
Durch die verbesserte Wirtschaft, was u.a. neuen „Techniken„ wie der Wind- und Wassermühle zu verdanken ist,
hebt sich der Lebensstandard und die Lebenserwartung der Menschen. Durch das Bestellen der Felder in Form
der Dreifelderwirtschaft steigt die Produktivität der Ernten.
Trotz allen Fortschritts dürfen nicht die mittelalterlichen Kriege vergessen werden (z.B. Kreuzzüge), die
Krankheiten (z.B. Pest in den Städten aufgrund der Enge und mangelnder Hygiene) und auch wetterabhängige
Ernten. Dies alles diente jedoch als Katalysator für die niederen Bevölkerungsgruppen, um für ihre Rechte
einzutreten (überwiegend in den Städten durch die starken Bande der Zunft oder Gilde).
Man kann aufgrund der während des ganzen Mittelalters bestehenden Ständeordnung, oder später
Heerschildordnung, nicht von einem einheitlichen, sondern von einem in sich unterscheidbaren Volk sprechen.
Somit fällt von vornherein der demokratische Hauptfaktor, die Volksherrschaft, aus. Weiterhin sind die Menschen
vor dem Recht, soweit dieses als für alle Menschen geltendes Recht besteht, nicht gleich. Weiterhin gab es keine
direkte Volksvertretung, frei nach dem Motto „Jeder ist sich selbst der Nächste„ wurde sich um die Familie
gekümmert und seiner jeweiligen ständemäßigen Arbeit nachgegangen.
Die Schritte in Richtung des einheitlichen Staates, und somit auch Volkes, werden zwar gemacht (z.B. Trennung
von weltlichem und kirchlichem Bereich), reichen aber bis zum Spätmittelalter noch nicht aus für ein einheitliches
Deutschland. Durch die Zersplitterung, die zwar bis zum Spätmittelalter abnimmt, kommt trotz des gemeinsamen
Königs kein föderaler Staat zustande. Erst ab dem 12. Jahrhundert und danach setzt ein wachsender nationaler
Gedanke ein und ein Bewusstsein des Individuums. Dennoch wurde das Land in eine Vielzahl verschiedener
Gewalten, Grundherren, Großvasallen und Städte „geteilt„, welche sich unterschiedlich und zum Teil lose auf die
monarchische Spitze richteten. Außerdem sind die Ansätze moderner Staatlichkeit von Land zu land verschieden.
Der Adel etc. ist im Mittelalter noch nicht völlig für Zugeständnisse an die Bevölkerung zu haben, aus dem
einfachen Grund, dass sie keinen Machtverlust oder die Kontrolle über ihre Territorien riskieren wollen. Deshalb
entwickeln sich spätestens seit dem Mittelalter in den Städten z.B. Kommunen und auf dem Land
Bauernzusammenschlüsse, welche u.a. um 1524/25 den Deutschen Bauernkrieg führen.
Abschließend kann man sagen, dass es Ansätze für die Demokratie schon gab, aber mehr im Unterbewusstsein
des Menschen. Es mangelte an Bildung und demokratischer Erkenntnis der Menschen und der Zugeständnisse
durch den Adel. Wahlen fanden nur bei der Wahl zum König statt, und hierfür wurden spezielle weltliche und
geistliche Vertreter des Adels und Klerus eingesetzt. Der Begriff des Volkes ist nicht verbreitet, die Staatsform ist
dezentralisiert und in Fürstentümer etc. zersplittert. Es gibt keine Verfassung und keine allgemeingültigen Rechte
und wenn dann nur für Männer. Frauen und Juden werden in ihren persönlichen Freiheiten und Rechten bis auf
das äußerste eingeschränkt. Auch eine Volksvertretung gibt es nicht, schon aus dem Grunde weil der Begriff
„Volk„ kaum relevant ist. Die Menschen sind nur in ihrem Stand gleich und werden danach beurteilt.
Für die Diktatur gibt es eigentlich kaum Möglichkeiten zur Entfaltung, da die Herrschaft verteilt ist auf König, Adel
und vorerst dem Klerus. Es gibt keinen allmächtigen Alleinherrscher, auch in der Monarchie des Mittelalters nicht,
der seine Ideologie an sein Volk geben kann, da es kein einheitliches Volk gibt. Aufgrund des fehlenden
nationalen Bewusstseins gibt es auch kaum diktatorische Ansprüche, jeder will für sich selbst das Beste raus
holen. Weiterhin gibt es keine/kaum exekutiven oder legislativen Institutionen, welche die Ideologie des
Herrschers durchsetzen könnte.
Seite 17
Steve Knitter
IV. Die Veränderung des Demokratie- und Literaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis 1800
1. Einleitung
Auf den folgenden Seiten soll ein Überblick über die Demokratieentwicklung im 16-19
Jahrhundert gegeben werden. Es wird zuerst auf die wichtigen Denker und ihre
Staatstheorien sowie ihr Demokratieverständnis eingegangen. Anschließend werden
3 Beispiele näher erläutert, wie das Volk sich gegen die absolutistische Staatsform
wendet und eine Demokratie oder eine demokratischere Monarchie einführt, dass
soll auch die Probleme deutlich machen, was passieren kann, wenn man gewisse
Sachen nicht berücksichtigt bei der Staats- bzw. Verfassungsbildung.
Im Anschluß an die drei Beispiele, bekommt der Leser eine Darstellung, wie es zu
der Amerikanischen Verfassung kam und welche Probleme bei der Erstellung
berücksichtigt werden mussten.
Diese Ausarbeitung hebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollte als
Aufhänger zu weiteren Überlegungen dienen und auch als solcher verstanden
werden.
•
Die Entwicklung des Demokratie
Diktaturverständnisses 1500-1800
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(Steve Knitter)
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2.Demokratietheorien und andere Staatstheorien
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2.1.)Locke Vorläufer der liberalen
Demokratie
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2.3.)Rousseau
1690 „Zwei Abhandlungen über die Regierung„
gegen die Rechtfertigung der absoluten Monarchie
politische Ordnung = völliger Gleichheit und Freiheit
die durch Rücksicht auf andere und die
Notwendigkeit friedliche Lebens begrenzt ist
Leute schließen sich zum Staat zusammen um
Eigentum zu sichern
Aufgaben der Staatsgewalt beschränkt
Machtmittel des Staates beschränkt
3 Träger der Macht Legislative (Parlament) Exekutive
und Föderative (äußere Sicherheit) vom Monarchen
und seiner Reg.
Die Macht erfordert die Zustimmung der Bürger
Richtet sich die Macht gegen Unversehrtheit der
Person und dem Eigentum ist es eine Tyrannei
Im allg. Machtbegrenzung, Verantwortlichkeit des
Machtträgers dem Volk gegenüber, Bedeutung des
Privateigentums
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Begründer der direkten Demokratie in der Theorie
Nach seiner Theorie Mensch immer gut und in
öffentlichen Angelegenheiten tugendhaft entscheidet
Mensch ist aber durch Gesellschaft, Institutionen und
Konventionen sich selbst entfremdet
Ziel eine Ordnung mit Freiheit Gleichheit und
Gerechtigkeit
Alle schließen sich zum gemeinsamen Schutz
zusammen
Jeder stellt seine Person unter den Allgemeinwillen
Staat soll die Einzelinteressen bis zur Todesstrafe
unterdrücken
Parteien Gewerkschaften gegen Rousseaus
Vorstellungen
Mensch muss gezwungen werden das Richtige zu
wollen da er es selbst nicht erkennt
2.4) Hobbes
2.2.)Montesquieu
•
Die Judikative besteht nur noch aus Volk und Adel
(Volksgericht, Adelsgericht, Volkskammer,
Adelskammer)
Die Wahl der Volksvertreter wird öffentlich
durchgeführt die Stimmabgabe in der legislative und
Regierung erfolgt geheim (umgekehrt wie heute)
Montesquieu versteht unter Volk „nur das
vermögende Bürgertum„(Riklin 1989 Montesquieus
freiheitliches Staatsmodel in PVS 30, 420-442)
Seine Vorstellungen wurden im großen und ganzen
bei der Amerikanische Verfassung beachtet
Montesquieu selbst war für eine konstitutionelle
Monarchie mit demokratischen Elementen
•
menschliche Neigung zum Machtmissbrauch soll
Gewaltenteilung unterbinden
Legislative Exekutive und Judikative
Jede Staatsgewalt hat die andere in Schach zu
halten(„que le pouvoir arrête le pouvoir„(De l‘ esprit
des los XI, 4))
Für die Repräsentation des Volkes durch
Volksvertreter
Legislative besteht aus Volkskammer, Adelskammer
und Monarch wobei das Volk die höchste Stellung
einnimmt
Exekutive besteht wie Legislative aus 3 Kammern
diesmal hat aber der Monarch die höchste Stellung
und die Volkskammer die Schwächste
•
Seite 18
Hobbes unterscheidet in nur 3 Staatsformen, der
Monarchie der Aristokratie und der Demokratie
(„denn es besitzen entweder einer, mehrere oder alle
die gesamte souveräne Gewalt die (...) unteilbar ist„
(Leviathan 145)
Hobbes ist gegen Demokratie da die Vielzahl an
Personen die an der Entscheidungsfindung beteiligt
sind zu groß ist („Die Entscheidung eines Monarchen
sind nur so unbeständig wie die menschliche Natur.
In Versammlungen dagegen kommt zur natürlichen
Unbeständigkeit noch die Zahl„ (Leviathan147)
Steve Knitter
IV. Die Veränderung des Demokratie- und Literaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis 1800
3.Der Weg zur Demokratie
Warum scheiterte die Republik in England?
•
der Sohn Cromwells war nicht in der Lage die Macht
zu behaupten
Warum verlief die Demokratisierung trotzdem
erfolgreich ab?
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Karl II. ließ Puritaner wieder verfolgen
•
Spannungen zwischen Parlament und Krone
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Absetzung Jacob II. Anerkennung seines Bruders
Wilhelm von Oranien
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Er erkannte 1689 das Glaubensfreiheit die Lösung ist
3.1 England
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Schottland: presbyterianische Kirche
England: anglikanische Kirche
Irland: katholisch
Puritanismus: geht aus der anglikanischen Kirche
hervor
Nonkonformisten: protestantisch
Dissenters: Personen die sich weigern, die Autorität
oder die Gesetze einer staatlichen Kirche
anzuerkennen
1603 Jacob I. schottischer König
nennt sich Erbe des britischen Königs stützt sich auf
anglikanische Staatskirche
Bischofskonferenz in Hampton Court verdammt
deswegen den Puritanismus und Katholizismus 1604
1605 Pulverbeschwörung der Katholiken
gegen absolutistischen Neigung des britischen
Salomos (Titel-, Ämterkauf, Steuerauflagen)
bildet sich eine Parlamentsopposition des Landadels
und des Bürgertums zur Wahrung der alten Rechte
1625 Karl I. Verschärfung der Gerichtsbarkeit und
Steuerforderung (1635 Flottenbau)
nach Mehrfacher Auflösung des Parlament verlangt
es 1628 in der Petition of rights mehr Sicherheiten vor
willkürlichen Verhaftungen und Besteuerungen
1629- 40 Parlamentslose Regierung Verfolgung aller
politischen und religiösen Gegner (Nonkonformisten,
Puritaner, Dissenters)
Puritaner (kalvinistische Bewegung) fordern
Reinigung vom kath. Kultus auf Bibelgrundlage die
Independenten (radikale Puritaner) fordern
unbedingte Meinungsfreiheit
1638 Aufstand der Schotten gegen Einführung der
anglikanischen Kirche
zur Kostenbewilligung des Krieges gegen die
Schotten Einberufung der Kurzen Parlaments später
des Langen Parlaments beherrscht von Puritanern
1642-48 Bürgerkrieg zwischen Krone und Parlament
veranlasst durch irischen Volksaufstand und der
Verhaftung einer der Führenden Köpfe des
Parlaments John Pym
entscheidend war das eintreten der schottischen
Truppen sowie des Parlamentsheer unter Führung
Cromwells
1648 Sieg Cromwells über Schotten
1649 Hinrichtung Karl I. Abschaffung Monarchie
Commonwealth wird ohne Oberhaus und Staatsrat
regiert
Cromwell regiert die Republik wie ein Monarch
Hat das Recht das Parlament auflösen
1658 Tod Cromwealth unfähige Sohn dankt ab
General Monk stellt Monarchie wieder her
1660-85 Karl II. Verfolgung der Puritaner und
Restauration der anglikanischen Kirche
führen zu Spannungen zwischen Krone und
Parlament
1672 Indulgenzerklärung (Nachsichtserklärung)
zugunsten der Katholiken und Dissenters
1673 Testakte Ausschluß aller Nichtanglikaner aus
Staatsämtern (als Reaktion auf 1672)
1679 Habeas Corpus Akte Schutz vor willkürlicher
Verhaftung und Sicherung der persönlichen Freiheit
1685-88 Jakob II. versucht kath Restauration
Widerstand der Anglikaner und schottischen Bauern
1688 unerwartete Geburt Jakobs III. ⇒ Gefahr einer
dauerhaften kath. Dynastie
unblutige Revolution Flucht Jakobs II. nach
Frankreich
1689 Declaration of Rights (Steuerbewilligung,
Redefreiheit, kein stehendes Heer mehr)
Einführung der konstitutionellen Monarchie
Legislative, Exekutive und Sicherung der
persönlichen Freiheit und des Eigentums der Bürger
nach John Locke
3.2 Frankreich
3.2.1 Französische Revolution
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Seite 19
Girondisten: vor allem das liberale, wohlhabende
Bürgertum im Westen und Süden Frankreichs
Jakobiner: für konstitutionelle Monarchie nach
Fluchtversuch Ludwigs XVI. gegen jede Form der
Monarchie Befürworter Rousseaus
Royalisten: Anhänger des Königs
Situation in Frankreich vor der Revolution
Schwäche des absolutistischen System
Prestigeverlust und Autoritätsverlust Ludwigs XV.
durch militärische Misserfolge sowie
verschwenderische Lebensweise
Feudalordnung weckt in allen Ständen
Unzufriedenheit
Adel besitzt Steuerfreiheit Ärmsten tragen die
Steuern
Aufklärung kritisiert die sozialen Zustände so das
eine Opposition entsteht die von der priviligierten
Oberschicht und der Bourgeoisie getragen wird
Forderungen: Beschränkung der absoluten
Monarchie und Abschaffung der Kabinettsjustiz der 3.
Stand
fordert politisches Mitbestimmungsrecht und soz.
Gleichberechtigung
1774 Reformtätigkeit Ludwig XVI. Beseitigung der
feudal und Zunftrechte, Aufbau einer
Selbstverwaltung und Einführung der allgemeinen
Grundsteuer
Reformen werden durch die Hofpartei Marie
Antoinettes zu Fall gebracht
1786 Handelsvertrag mit England verschlechtern
Industriekrisen Hungersnöte, Unruhen sind die Folge
1788 Staatsbankrott
Verdopplung der Abgeordneten des 3. Standes
5. Mai 1789 Eröffnung der Generalstände in Paris 3.
Stand fordert Abstimmung nach Köpfen und nicht
nach Ständen
17.Juni Erklärung zur Nationalversammlung
20.Juni Ballhausschwur sich nicht zu trennen bis die
Verfassung steht
14.Juli Sturm auf die Bastille (politische Gefängnis)
daraufhin folgen Bauernerhebungen im ganzen Land
4./5. August 1789 Abschaffung der Feudalordnung
und Bauernbefreiung
Klassenstaat entsteht Ämter und Gewerbefreiheit
26. August 1789 Erklärung der Menschenrechte (
persönliche Freiheit, Rechtsgleichheit und
Weltbürgertum)
10. Okt. 1789 Einziehung kirchlicher königlicher
Besitztümer
Juli 1790 Verstaatlichung der Kirche, Aufhebung der
Klöster und Orden, Wahl der Priester
Wahl der Beamten, Richter, Geschworenen und
öffentlicher Gerichte
Wählen darf der aktiv Bürger (Vermögende)
1791 Fluchtversuch Ludwigs XVI. führt zur völligen
Entmachtung
3.Sept. 1791 Verkündung der Verfassung
konstitutionellen Monarchie
20.April.1792 Kriegserklärung an Österreich um von
soz. Problemen abzulenken
Steve Knitter
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IV. Die Veränderung des Demokratie- und Literaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis 1800
25. Juli 1792 Manifest (Herzog von Braunschweig) zu
Befreiung des Königs ( fordert das sich das
französische Volk dem König unterwirft „Die Stadt
Paris und all ihre Bewohner ohne Unterschied sind
schuldig, sich sogleich ihrem König zu unterwerfen,
ihn in volle Freiheit zu setzen...„ (Lb. Krieg und
Frieden S.95 Z. 12-15)
10. Aug. 1792 kgl. Familie wird im Temple interniert
Girondisten fordern Beseitigung des Königtums und
Neuwahlen eines republikanischen Nationalkonvents
Sept. 1792 Frankreich wird zur Rep. Erklärt
17.Jan. Enthauptung Ludwigs XVI.
Staatsnotstand wird mit Fanatismus begegnet
Juni 1793 absolute Volksherrschaft nach Rousseaus
Theorie
Konflikt zwischen Staat und Kirche da meisten
Geistliche den verlangten Eid auf Verfassung nicht
leisten wollen
Legislative Volksvertretung, schwache Exekutive
Menschenrechte, Rechtsgleichheit und
Privateigentum wird garantiert
Abstimmung für jedes Gesetz und Gewaltenteilung
wird aufgehoben
Rousseau lässt sich nicht praktisch verwirklichen
Nach militärischen Misserfolgen stürzen die
Jacobiner die Girondisten und errichten eine Diktatur
5.Okt. 1795 Niederschlagung des
Royalistenaufstandes
Versuche der Lösung der Finanzprobleme schlagen
fehl ⇒ Staatsbankrott
4.Sept.1797 Staatsstreich Napoleons
-
1793 beschloss Konvent Massenaufgebot um
Bürgerkrieg zu beenden und den äußeren Feind
schlagkräftig begegnen zu können.
Getreidezufuhr nach Paris kam wegen Trockenheit
ins stocken, Volksmassen in Bewegung, sie drangen
in den Konvent ein und zwangen Gesetz zu
beschließen jeder ,,Verdächtige ohne Umstände
verhaftet und eingesperrt werden konnte".
Revolutionsregierung entfernte sich indessen durch
die Ausschaltung der politischen Gegner sowohl auf
der radikaldemokratischen Seite (Club der Cordeliers,
Hinrichtung der Führer am 24. März) als auch auf der
gemäßigten Seite (Hinrichtung Dantons u.a. am 5.
April 1794) von den Massen.Verhaftungswelle
begann ,,Großer Schrecken" · Massenhinrichtungen
Konvent verhinderte Inkrafttreten der neuen
Verfassung
trotz Siege gegen äußere und innere Feinde führte
Robespierre die Politik fort und wollte scheinbar nur
seine eigene Macht festigen.
Voruntersuchung und Verteidigung vor Gericht wurde
abgeschafft und nur Freispruch oder Todesurteil
zugelassen (La Grande Terreur -der große
Schrecken, 10. Juni).
Im Konvent bildete sich eine Opposition aus rechten
Jakobinern und Gemäßigten, die am 27. August eine
Anklageschrift gegen Robespierre ohne
Gegenstimme durchbrachte.
28.Juli Robespierre und 21 seiner engsten Anhänger
ohne Prozess, unter Jubel des Volkes hingerichtet
Bis zum 30. August folgten weitere 105 seiner
Anhänger.
Fazit: Rousseau seine Theorie führte dazu das sich
einzelne Personen an die Spitze des Volkes setzten und
den Allgemeinwillen diktierten. Robespierre war ein guter
Redner und wickelte die anderen ein und konnte so seine
Macht ausbauen bis er Diktator der „Demokratie„ war. Das
Volk erhob sich erst gegen Robespierre als er immer
größenwahnsinniger wurde und die Grundrechte des
Menschen außer Kraft setzte (Recht auf eine
Gerichtsverhandlung)
Französische Verfassung 1791
3.3 Amerika
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Warum schlägt der Versuch fehl?
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die verschiedenen Gruppen wurden sich nicht einig
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die außenpolitischen Probleme wurden zu groß
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Rousseaus Theorie war nicht durchsetzbar da man
den Allgemeinwillen mit Gewalt erzwingen musste
aber es waren zu viele Einzelinteressen vorhanden
•
innenpolitisch traten zu viele Attentate auf (wichtige
Führer wurden vom Gegner umgebracht)
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3.2.2 Diktatur der Jakobiner
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Ziele der Politik des Schreckens waren:
1793 begann eine diktatorische Gewaltherrschaft
28. Juli 1794 unter Führung Robespierres
Jakobiner im Konvent,
Machtkampf mit Girondisten beenden
Aufstand gegen die Bourgeoisie
29 Girondisten Abgeordnete verhaftet
Montaguarden beherrschten den Konvent
Bürgerkrieg gegen Montaguarden und Sausculotten
in der Provinz
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1773 Boston Tea Party
1774 13 Staaten von Amerika beschließen
Einstellung des Englandhandels
1775-83 Unabhängigkeitskrieg
4.Juli.1776 Unabhängigkeitserklärung erste
Formulierung der Menschenrechte
1783 GB erkennt Amerikanische Unabhängigkeit an
17.Sept.1789 Verfassung der Vereinigten Staaten
von Amerika
Einzelstaaten ersetzen Kolonialstatuten durch
Verfassungen
Garantieren Volkssouverenität , Gewaltenteilung und
Wahl zu allen Staatsämtern sowie Trennung von
Kirche und Staat
Gewaltenteilung nach Montesquieu in Judikative
(oberste Gerichtshof), Exekutive (Präsident)und
Legislative (Kongress)
Kongress besteht aus zwei unauflösbaren Kammern
dem Repräsentantenhaus (direkte Wahl auf 2 Jahre)
und dem Senat (2 Vertreter pro Bundesstaat auf
sechs Jahre)
Präsident Oberhaupt wird von den Parteien nominiert
und von Wahlmänner der Staaten indirekt gewählt, er
kann einmal wieder gewählt werden
Der Präsident ernennt die Minister und kann nur
durch eine Staatsanklage abgesetzt werden
Der Oberste Gerichtshof besteht aus 9 unabhängigen
vom Präsidenten auf Lebenszeit berufenden
Mitgliedern
Verantwortlich für die Rechtsaufsicht über Verfassung
und Gesetzgebung
Warum war die Demokratisierung erfolgreich?
Seite 20
Steve Knitter
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IV. Die Veränderung des Demokratie- und Literaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis 1800
weil Amerika sich vom europäischen Einfluss
entzogen hat
weil in Amerika die Gesellschaft erkannt hat das die
Monarchie „die ganze Welt in Blut und Asche
gelegt„(LB Krieg und Frieden. S93 Z. 43) hat
Amerika achtet aber die Rechte des Menschen („alle
Menschen gleichgeschaffen sind„(LB. S.93 Z.14-15))
und somit kommt Monarchie nicht in Frage
4.2 Unterschied zwischen Demokratie und
Republik
•
•
Amerikanische Verfassung
Erstens durch die Übertragung der Regierung auf
eine kleine Anzahl von gewählten Vertretern
zweitens durch die größere Anzahl von Bürgern
sowie das größere Gebiet, über die sich die
republikanische Herrschaft erstreckt.
4.3 Vorteile der großen örtlichen Distanz, Anzahl
der Bürger und des größeren Staatsgebietes
•
•
•
•
Anzahl fachlich kompetenter Repräsentanten nimmt
zu
die Forderungen der Wähler können gebündelt,
kanalisiert und das Wichtigste kann ausgewählt
werden
Zahl der Sonderinteressensgruppierungen nimmt zu
All dies erschwert die Herausbildung stabiler
potentiell tyrannischer Mehrheiten
4.4 Wie und Warum Gewaltenteilung
•
•
4.4.1 die härtesten Argumente der Kritiker der Verfassung:
•
Der Präsident habe Vollmachten wie ein Monarch;
•
das Repräsentantenhaus repräsentiere nicht das
Volk, sondern vor allem die Besitzenden und die
Arrivierten;
•
das richterliche Recht zur Überprüfung von Gesetzen
auf Verfassungskonformität hebe die Richter über die
Stimmberechtigten;
•
die Regierung sei zu zentralistisch und gefährde
aufgrund ihrer Machtfülle die Freiheit;
•
und das Volk schließlich komme nicht genügend zum
Wort.
neue Verfassung zielte auf eine
Repräsentativdemokratie für einen bundesstaatlich
gegliederten Großstaat
Legislative in zwei Kammern
4.Federal Papers Verfassungsentwurf der
Vereinigten Staaten
•
•
•
•
•
•
4.4.2 Die Lösung
Exekutivgewalt sollte auf einen Präsidenten,
übertragen werden
Absicht starke Bundesregierung die sowohl in der
Wirtschafts- und der Innen- sowie Außenpolitik
handlungsfähig sein soll
unabhängige Judikative
•
•
•
•
befürworteten eine einheitliche, handlungsfähige
bundesweite Regierung, die ausreichend stark sein
müsse, um sich gegen äußere Feinde zu verteidigen
und dazu, den Unionsbestand gefährdende Konflikte
zwischen den Gliedstaaten zu verhindern oder zu
überbrücken.
Ferner zielten die Federalists auf die Schaffung eines
einheitlichen Marktes
Eine kraftvolle Regierung ist Voraussetzung für
Gewährleistung von Freiheit, einschließlich des freien
wirtschaftlichen Handelns,
•
4.4.3 Legislative
•
•
•
4.1Gründe gegen Direktdemokratie
•
•
•
System der "Gewaltenteilung durch Gewaltenverschränkung"
Gewaltenaufteilung zur Freiheitssicherung
Bündelung aller Staatsgewalten in einer Einrichtung
oder in einer Person ist die eigentliche Tyrannei
(Federalist Nr. 47).
eine Staatsgewalt muss der anderen Paroli bieten
(Gewaltenteilung nach Montesquieu)
Der Gewaltenaufteilung und -verschränkung zufolge
ist jede der Staatsgewalten einerseits weitestmöglich
unabhängig von den beiden anderen Gewalten
reine
Demokratie
im
Sinne
einer
Versammlungsdemokratie kein Heilmittel gegen das
"Übel der Parteiungen" (Federalist, Nr. 10)
Direktdemokratie besitzt "keinen Mechanismus, um
das leidenschaftsgetriebene Partikularinteresse an
der Durchsetzung zu hindern, wenn es Mehrheiten
findet" (Zehnpfennig 1993: 12, vgl. Federalist Nr. 55)
Die reine Versammlungsdemokratie kann nur in
Kleinstaaten verwirklicht werden.
•
•
•
in der Legislative entsteht am ehesten die tyrannische
Mehrheit
die Legislative in der Republik aufzuspalten und in ein
System der wechselseitigen Kontrolle überzuführen
Zwei
Kammern
mit
unterschiedlichen
Repräsentanten, die auf unterschiedlichem Wege
gewählt werden
Für die Vertretung der gesamten Bürgerschaft ist das
Repräsentantenhaus zuständig
Vertretung der Einzelstaaten obliegt hauptsächlich
dem Senat pro Gliedstaat 2 Sitze (Federalist Papers
Nr. 52-66).
Die Legislative kann durch Amtsklage auf Exekutive
und Judikative Einfluß ausüben; der Senat arbeitet
bei der Ämterbesetzung und dem Vertragsabschluß
mit der Exekutive zusammen
4.4.4 Exekutive
Seite 21
Steve Knitter
•
•
•
•
•
•
•
IV. Die Veränderung des Demokratie- und Literaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis 1800
die Machtfülle des Präsidenten schürt das
"tiefsitzende Misstrauen gegen die Exekutive"
(Hampsher-Monk 1992: 203)
Die Lösung bestehe darin, die Exekutive und den
Präsidenten im Besonderen durch Sicherungen und
Gegenkräfte einzugrenzen ("checks and balances").
Aufteilung
der
Exekutivkraft
durch
vertikale
Gewaltenteilung (zwischen Bundesregierung und den
Regierungen der Einzelstaaten)
und durch horizontale Gewaltenteilung zwischen
Exekutive, Legislative und einer unabhängigen
Judikative andererseits.
Präsident soll nicht machtlos sein
Er soll die Machtbefugnis haben sich notfalls auch
notwendiger Maßnahmen jenseits des Gesetzes zu
behelfen.
Die Exekutive wirkt durch ihr Nominierungsrecht auf
die Judikative, durch ihr Vetorecht auf die Legislative
ein.
verlangten ein Gesetzbuch der Rechte der Bürger
traten für das Recht auf Pressefreiheit ein.
Hauptanliegen Grundlagen der demokratischen
Politik zu schützen.
•
Die Pressefreiheit sollte dazu dienen, die
angemessene Repräsentation, häufige Wahlen und
die Rolle des Volkes bei der Interpretation des Rechts
und der Gesetze sicherzustellen
Fazit: trotz der modernen Verfassung und den
Ausspruch„alle Menschen sind gleichgeschaffen„ (LB
Krieg und Frieden s.93 Z.14) ist es Amerika nicht
gelungen die Sklaverei und den Rassismus zu begrenzen.
•
•
•
4.4.5 Judikative
•
•
•
•
•
•
•
•
Unabhängige Gewalt
Hat die Schiedsrichterfunktionen (zwischen Exekutive
und
Legislative)
und
Befugnis
zur
Gesetzesüberwachung
Bundesrichter nicht vom Volk gewählt sondern vom
Präsidenten auf Lebenszeit ernannt werden und
unabsetzbar sind
Hauptaufgaben der Judikative des Bundes liegen in
der Zuständigkeit für Streitfälle, welche die
Gesamtheit der Vereinigten Staaten betreffen.
Gefragt ist die Judikative des Bundes ferner in Fällen,
in denen eine Einigung auf untergeordneter Ebene
der Staatsorganisation nicht möglich ist, und wenn
die Selbsterhaltung des gesamten Staatswesens in
Gefahr steht.
Gefährdung kann durch innerstaatliche Konflikte
hervorgerufen werden, durch gesetzgeberische
Verstöße der Gliedstaaten gegen die Bundesgesetze
oder durch Verstöße der Legislative des Bundes oder
eines Einzelstaates gegen die Verfassung
Dagegen setzt die Verfassung das Recht des
Obersten Gerichtshofes zur Normenkontrolle, also
das Recht der gerichtlichen Überprüfung der
Gültigkeit von Rechtsvorschriften und im Besonderen
im Verfassungsrecht die Befugnis zur Prüfung der
Vereinbarkeit der Gesetze mit den Normen der
Verfassung.
Die
Judikative
schließlich
kann
durch
ihr
Normenkontrollrecht in die Tätigkeit von Legislative
und Exekutive eingreifen"
4.5 Wahlberechtigte
•
•
•
weiße, besitzende, steuerzahlende Männer
ausgeschlossen
sind
alle
Nichtweißen,
alle
Nichtbesitzenden, alle Nichtsteuerzahler und die
Frauen.
Das Verbot der Sklaverei ist nicht vorgesehen. Mehr
noch: Die Verfassung und ihre Kommentatoren
decken sie (Dahl 1997e: 771f.)da die Südstaaten
drohten aus dem verfassungsvorbereitenden Konvent
von Philadelphia auszuziehen, wenn die Sklaverei in
Frage gestellt würde.
4.6 Kritik an der Verfassung
•
•
•
Antiföderalisten für die Repräsentation möglichst aller
sozialer Klassen in der Politik ein
befürworteten kleine Wahlbezirke, Ämterrotation und
häufige Wahlen, um auf die Repräsentanten
möglichst eng an die Repräsentierten zu binden.
Die Legislative sollte groß sein, ehrenamtlich und
dazu befähigt werden, mit Autorität für das Volk zu
sprechen.
Seite 22
Thomas Pflug
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
V. Veränderungen des Demokratie- und
Diktaturverständnisses im Zeitraum von
1800 bis 1945
•
(Thomas Pflug)
•
1. Einleitung
•
Diese Abhandlung soll zeigen, wie stark dieses Zeitalter
von dem Vormarsch der Gleichheit geprägt war und
inwiefern die vielen Theorien, die man jedoch nicht
allesamt behandeln kann, den Demokratisierungsprozess
der Gesellschaften beeinflusst haben. Jedoch soll dabei
nicht übersehen werden, dass dieser Prozess in einigen
Ländern durch völlig konträre Herrschaftssysteme
unterbrochen wurde (siehe dazu auch den Anhang).
•
•
•
2. Problemaufriss
•
• alte Staatsformenlehre:
Demokratie = eine Direktdemokratie in kleinen,
überschaubaren Gemeinwesen, wie den Stadtstaaten
der griechischen Antike oder den Kommunen der
heutigen Schweiz
• demokratisch waren zunächst nur kleine Staaten oder
Stadtgemeinden
• ansonsten herrschten monarchische, aristokratische
oder gemischte Staatsformen mit demokratischen
Spurenelementen (konstitutionelle Monarchie, wie z.B.
in England)
• Veränderung der alten Staatsformenlehre durch:
♦ Entstehung der USA, da dort erstmals in einem
Großstaat eine Demokratie heranwuchs
♦ ruhige Entwicklung Englands
♦ Vormarsch der Gleichheit der auch für Europa
unausweichlich wurde
• Veränderung des Sprachgebrauchs um 1800:
♦ der Begriff Demokratie wurde jetzt aus einem Wort
der Gelehrtensprache endgültig zu einem
allgemein
verwendeten
selbstverständlichen
politischen Begriff erhoben (Selbstdarstellung von
Parteirichtungen
+
Kennzeichnung
von
Verfassungsinstitutionen)
• Erweiterung des Inhalts: Demokratie wuchs über
ursprünglichen verfassungspolitischen Sinn, der
Kennzeichnung der Staatsform hinaus (Aufnahme von
sozialen und geschichtsphilosophische Gehalte +
Entstehen
neuer
Wortverbindungen
„Sozialdemokratie“)
• neue Sichtweise: Belichtung des Unterschieds von
Demokratie und ständischer Gesellschaft
• der Hunger nach Verbesserungen und das Streben
nach Neuerungen bestimmen auch besonders das
demokratische Zeitalter, in dem sich diverse Theorien
der modernen Massendemokratie entwickelten (Mill,
Marx)
• dieser Zeitraum ist mit Neuerungen konfrontiert:
♦ Vormarsch der Industriegesellschaft
♦ zunehmende gesellschaftliche Gleichheit
♦ allmähliche Erweiterung des Wahlrechts
♦ dem Emporkommen politischer Parteien
♦ Voranschreitung der politischen Mobilisierung der
Mittelklassen
und
der
unteren
Gesellschaftsschichten
⇒ die
Politik
wird
daher
vor
große
Herausforderungen gestellt
• vor dem 20. Jahrhundert genießt die Demokratie
insgesamt keinen guten Ruf
• die Ablehnung wurzelt in der Überzeugung, die
Demokratie bringe notwendigerweise nur Mittelmaß
hervor
•
•
•
•
neben der Arbeiterbewegung, in der man nach
Sozialdemokratie oder revolutionärer Direktdemokratie
strebte, fand man Befürworter der Demokratie vor
allem in liberalen Kreisen
aber nicht nur die Demokratie ist politisches
Phänomen dieser Zeit, sondern auch eine neue Art
von Diktaturen - totalitäre D., die besonders im
Nationalsozialismus und im Leninismus, später
Stalinismus zu finden sind
nämlich: der Vormarsch der Gleichheit gefährdet die
Freiheit, und die Demokratie birgt nun die Gefahr des
1
Umkippens zum Despotismus in sich
die Sehnsucht nach Gleichheit und Erneuerungen
führt zur Überwindung der alten Mächte: aber zugleich
Wegfall der alten Schranken gegen despotische
Herrschaft
ein Beispiel für das ständige wechseln zwischen den
beiden Herrschaftsformen Demokratie und Diktatur
kann man in Frankreich finden, was besonders in
Punkt 5 behandelt wird
die Revolution von 1789 hatte zwar das alte
absolutistische Regime gestürzt, doch es war keine
stabile Herrschaftsordnung an dessen Stelle getreten
unterstützend: der Vormarsch der Gleichheit hat in
Frankreich das Potenzial der Demokratie nicht
ausgeschöpft, die Freiheit wurde nicht vorangebracht
2
und der Zentralismus behinderte stabile Verhältnisse
am Beispiel Amerikas sieht man, das auch für andere
Länder, insbesondere die europäischen Staaten, die
Chance, die Demokratisierung in freiheitsbewahrende
Bahnen zu lenken bestand
die Nationen können dem Vormarsch der Gleichheit
nichts entgegensetzen: "von ihnen jedoch hängt es ab,
ob die Gleichheit sie in die Knechtschaft oder in die
Freiheit, zur Gesittung oder in die Barbarei, zum
Wohlstand oder ins Elend führt" (zitiert nach: 6. , S.
830)
1941 ist nur eine Minderheit der souveränen Staaten
demokratisch verfasst
die große Mehrheit wird autoritär regiert oder steht gar
3
unter der Geißel des Totalitarismus
3. Bedeutsame Demokratietheorien dieser Zeit
3.1. Vorläufer moderner Demokratietheorien
3.1.1. John Stuart Mills „Representative Government“
•
•
1
John Stuart Mill (1806-1873) hat Befürchtungen, dass
4
die älteren Utilitaristen , Unrecht hatten, als sie
Machtmissbrauch
nur
in
nichtdemokratischen
Regimen als erwiesen sahen und von der Demokratie
eine
durchweg
gemeinwohlverträgliche
Politik
erwarteten
Mills „beste“ Regierungsform (1861):
♦ Förderung der Tugend und Intelligenz ihrer Bürger
♦ Befähigung der Gesellschaftsmitglieder dazu, ihre
Rechte und Interessen selbst zu schützen
(Erziehung und Ausbildung sowie durch das Recht
auf
Beteiligung
am
politischen
System der Gewaltherrschaft
eine Form der Verwaltung eines Staates, bei der die
wichtigen Fragen nur von zentralen Stellen entschieden
werden <> Föderalismus
3
diktatorisches Staatswesen, das alle gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen und privaten Lebensbereiche zu umfassen
und beherrschen sucht
4
Theoretiker, die Handlungen u. sittliche Werte nur nach
ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit bewerten
2
Seite 23
Thomas Pflug
•
•
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•
•
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•
•
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•
•
•
•
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
Willensbildungsprozess - "edukativen Prozess"
[zitiert nach 4. , S. 383])
⇒ Schlüsselbegriffe sind politische Beteiligung und
Kompetenz
♦ viele Bürger sollten beteiligt an der Willensbildung
und
Entscheidung
über
öffentliche
Angelegenheiten
werden,
sofern
sie
zur
autonomen Urteilsbildung befähigt sind
♦ es kommt nur die Repräsentativordnung in
Frage
♦ unverzichtbar: Regieren Wenigen zu übertragen,
allerdings im Interesse der Vielen und kontrolliert
durch diese
♦ 3 Probleme müssen von der Regierungsform
gelöst werden:
⇒ Auswahl
einer
qualifizierten
politischen
Führungsschicht
⇒ Zähmung der Mehrheit
⇒ wirksame Vorkehrungen gegen Inkompetenz
unmündiger Bürger bei gesicherter politischer
Beteiligung kompetenter Staatsbürger
Volk, das sich unterwerfen lässt und sich am
Entscheidungsprozess beteilige, eigne sich in
besonderem Maße für eine Repräsentativverfassung
Demokratie mit "expert guidance in political affairs"
(zitiert nach 5. ,S. 239), Demokratie mit
Expertenlenkung in politischen Angelegenheiten, ist
Mills Erfolgsrezept
Verhältniswahlrecht - direkte Wahlen
Wahlrecht wird an bestimmte Qualifikationen
gebunden: wahlberechtigt ist derjenige männlichen
oder weiblichen Geschlechts, der lesen, schreiben und
rechnen kann und Steuern zahlt
Pluralstimmrecht - ein ungleiches Stimmrecht, das
besonders befähigten Wählern zwei oder mehr
Stimmen
zuteilt,
während
die
übrigen
Abstimmungsberechtigten jeweils nur eine Stimme
haben
öffentliche Wahlen: geheime Stimmabgabe, so gibt
Mill zu bedenken, stärke selbstbezügliche Interessen
Wahlkampfausgaben strikt begrenzen, um die Wähler
nicht zu beeinflussen
keine Bezahlung der Parlamentsmitglieder, sonst
rekrutiere man selbstsüchtige, vulgäre Personen und
5
Demagogen ; daher Subventionierung aus den
Portemonees der Wähler
Legislaturperiode zwischen drei und fünf Jahren, je
Tendenz (Aristokratie, Demokratie); 7-Jahresperiode
auch möglich
die Chance der Wiederwahl solle auf jeden Fall
gewahrt bleiben
6
Zweikammersystem nicht unbedingt nötig
Wahl der Minister weder vom Volk noch von der
Abgeordnetenversammlung aufgrund mangelnder
Qualifikation
zentralisierter Staat
die Frauen als wahlberechtigt betrachtete ist aus heutiger
Sicht ebenfalls bemerkenswert.
Jedoch ist nicht zu verschweigen, dass das plurale
Stimmrecht, die offene Stimmabgabe und Bindung des
Wahlrechts an Zahlung von Steuern für die Mehrheit ein
Ärgernis darstellte. Blind scheint Mill gegenüber möglicher
Verselbständigung der politischen Führung zu sein, denn
dafür sieht er außer des Wahlrechtes keine Vorkehrungen
vor.
Dieses Plädoyer für die Wahlrechtsausdehnung hatte weit
reichende Folgen. 1867 wurde dieses in England mit der
7
2. Reform Bill auf die Steuerzahler in den Städten
ausgedehnt, wodurch die Zahl der Wahlberechtigten
erhöht wurde. Dadurch stärkte er die politischen Parteien
und schwächte die Stellung des einzelnen Abgeordneten.
Weltweit wurden seine Ideen, bezüglich der Wahl aufgrund
von Qualifikation, nicht weiter realisiert, wodurch eine
Ständegesellschaft hätte entstehen können.
3.1.2. Formen der Direktdemokratie
3.1.2.1. Marx'
Lehre
Direktdemokratie
der
revolutionären
3.1.2.1.1. Marx’ Auffassung von Demokratie
Karl
Marx
(1818-1883)
vom
Aufstieg
der
Industriegesellschaft in England zutiefst geprägt Zusammenarbeit mit Engels
• Auffassung: echte Freiheit und echte Gleichheit
könnten erst nach Überwindung des Kapitalismus
verwirklicht werden:
"Enteignung der Enteigner" (zitiert nach 3. , S. 491)
• Demokratie
ist
Feld
für
revolutionären
Befreiungskampf und hat darin ihre Bestimmung
• "Die
Demokratie,
das
ist
heutzutage
der
Kommunismus (...) Die Demokratie ist proletarisches
Prinzip" (zitiert nach 1. , S. 612)
• Ziel: Steigerung des Klassenkonflikts und sie wollten
8
mit der Klasse, und zwar mit dem Proletariat , zur
Revolution voranschreiten - in der Hoffnung, von dort
zur Befreiung aller zu gelangen
•
3.1.2.1.2. Gewaltenmonistische revolutionäre
Direktdemokratie
•
Fazit
Hervorzuheben ist, dass Mill die Repräsentativdemokratie
vertritt, obwohl die Volksherrschaft noch keineswegs
anerkannt ist. Des Weiteren war der Vorschlag, das
Wahlrecht zu erweitern, mutig bzw. riskant. Denn niemand
wusste, wie sich dies auf die Zukunft auswirken könnte.
Dass Mill indirekte Wahlen ablehnte, um den Einfluss des
Volkes auf die Staatsgeschäfte nicht zu beschneiden und
Hauptmerkmale:
♦ basisnahe Organisation der Gesellschaft in
überschaubare Einheiten, in denen die politische
Souveränität ihren Ursprung hat
♦ Prinzip der Direktwahl aller Ämter - alle
öffentlichen Ämter sollten durch direkte Wahl der
Kandidaten seitens der Wähler besetzt werden
♦ imperatives Mandat: jeder Amtsträger ist an
Weisungen der Wählerbasis gebunden; er
unterliegt permanenter Kontrolle und kann
jederzeit aus dem Amt abberufen werden
♦ Amtsträgerbesoldung: Durchschnittseinkommen
(Sonderstellung
und
Verselbständigung
verhindern)
♦ institutionelle
Sperren
gegen
die
Verselbständigung der Führungsschicht und
gegen Bürokratie errichten - Ämterrotation
5
jemand, der versucht, andere von seinen politischen
Ideen zu überzeugen, indem er bestimmte Gefühle wie
Neid, Hass in ihnen weckt und Dinge sagt, die nicht zu
beweisen sind
6
parlamentarisches System, in dem die Gesetzgebung
von zwei Kammern wahrgenommen wird. Zumindest eine
dieser Kammern muss direkt vom Volk gewählt sein.
7
eine Reihe von Gesetzen, die im 19. und 20. Jahrhundert
vom britischen Parlament erlassen wurden. Ziel war eine
Stärkung der parlamentarischen Regierungsform und eine
gerechtere Abwicklung des Wahlverfahrens
8
abhängige, wirtschaftlich besitzlose Arbeiterklasse
Seite 24
Thomas Pflug
♦
♦
♦
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
die Räte sollen die Sozialstruktur des Volkes
widerspiegeln - die Mehrheit der Räte ist direkt aus
dem Proletariat zu rekrutieren oder aus dem Kreis
von "anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse"
(zitiert nach 3. , S. 487)
Zerschlagung
von
organisierten
Sonderinteressen in Parteien, Verbänden und
Kirchen („Opium fürs Volk“) sowie die Auflösung
der Gewaltenteilung zwischen Legislative,
Exekutive und Judikative
Basierung auf totaler Politik - Leitidee der
"Totalpolitisierung"
Voraussetzung:
Begehren
von
100.000
Unterschriften der Stimmbürger
• bei Zustandekommen müssen Parlament und
Regierung über den Verfassungsänderungsvorschlag
beraten (gegebenenfalls Gegenvorschlag entwickeln)
und dann den Vorschlag bzw. den Gegenvorschlag
dem Volk zur Abstimmung vorlegen
⇒ (3)
weiterer
Ausbau
1921:
fakultative
Staatsvertragsreferendum  Volksabstimmung für
unbefristete internationale Verträge
•
•
in den Kantonen sind die direktdemokratischen
Einrichtungen sogar noch weiter ausgebaut als auf der
Bundesebene: Gesetzesinitiative + Finanzreferendum
3.1.2.1.3. Fazit
Fazit
Wenn man die Auswirkungen Marx’scher Direktdemokratie
sieht, ist es schwierig viel positives dieser Vorstellung
abzugewinnen. Aber dennoch kann man sagen, dass das
Ziel völlige Gleichheit zu erreichen, erstrebenswert ist,
aber nicht realisierbar. Marx feierte zu seiner Zeit die
Pariser Kommune, die sich 1871 in Frankreich
herausbildete, da sie zur Zerschlagung der politischen
Form der Klassenherrschaft des alten Staates und deren
Ersetzung durch eine "Regierung der Arbeiterklasse"
(zitiert nach 3. , S. 490) beitrug. Aber dem ist
entgegenzuhalten, dass dies nur kurzatmig war und
zudem
auf
ein
kleinräumiges,
überschaubares
Gemeinwesen (Paris) begrenzt war. Sie setzte einen
hohen Informationsstand und ein umfangreiches
Zeitbudget der Wähler voraus, woran sie schließlich
scheiterte.
Marx Theorie ist zugute zu halten, dass er alle Arbeiter als
Wähler betrachtet und dass durch das imperative Mandat
die Amtsträger von den Weisungen des Wählers abhängig
sind, woraus ein hohes Mitspracherecht der Bevölkerung
resultieren sollte.
Dabei darf man allerdings nicht übersehen, dass der
Amtsträger Steuerungs- und Manipulationsmöglichkeiten
besitzt. Durch die weltweite Kommunikation ist es
ebenfalls schwierig, Sonderinteressen zu unterdrücken.
Revolutionäre Direktdemokratie bringt eine öffentliche
Gewalt hervor, die nahezu schrankenlos agieren kann. Für
diese Gefahr sieht Marx keine sonderbaren Regelungen
vor. Daher sieht man die große Anfälligkeit gegen totalitäre
Ausdeutungen, wie im Beispiel des Leninismus und
Stalinismus.
Jedoch ist Marx nicht verantwortlich für das Tun und
Lassen
einiger
Staatsmachten
und
politischer
Organisationen, die sich später auf seine Lehren beriefen.
3.1.2.2.
Die Direktdemokratie weist sowohl Vor- als auch Nachteile
auf, wobei die Vorteile überwiegen. Die Schweiz straft dem
Kritiker
Lügen,
dass
Demokratie
nur
für
Kleinstgemeinwesen anwendbar sei.
Die Direktdemokratie hat die Mitwirkungsgelegenheiten
der Bürger weit über das in den meisten modernen
Demokratien übliche Maß hinaus erweitert. Man spricht
deshalb von einer „full democracy".
Zudem haben die direktdemokratischen Instrumente die
Integrationsfähigkeit des politischen Systems verbessert
und die Bürger politisch relativ zufrieden gemacht sowie
dadurch
maßgeblich
zur
Legitimität
politischer
Entscheidungen beigetragen.
Jedoch sind auch Nachteile aufzuzeigen. Nur besonders
strittige Themen bewegen die Mehrheit der Wähler zur
Wahl.
Außerdem wird
durch den zusätzlichen
Verfahrensweg der politische Entscheidungsprozesses
verkompliziert. Daher fallen hohe Konsensbildungskosten
an.
Volksabstimmungen
können
zudem
gesamte
Gesetzgebungsvorhaben gefährden.
Bei komplexen interventionsstaatlichen Entscheidungen
(wie Abstimmungen über das Stimmrechtsalter, die
Abschaffung oder Beibehaltung der Schweizer Armee und
die Ausländerpolitik) sind jedoch viele Stimmberechtigte
überfordert.
Die Demokratie der Schweiz ist lehrreich. Man kann von
ihr
unter
anderem
lernen,
dass
eine
starke
Direktdemokratie
auch
in
modernen
Gesellschaftssystemen möglich ist und weder in die
Anarchie noch in den Staat der permanenten Reform
führen muss.
Aber auch sie könnte von Demagogen manipuliert werden,
was erstaunlicher Weise in den 20er Jahren des 20.
Jahrhunderts nicht passierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde das direktdemokratische Stimmrecht sogar noch
ausgebaut und das Frauenwahlrecht eingeführt.
Die direktdemokratischen Einrichtungen der
Schweiz
die Direktdemokratie der Schweiz unterwirft die Politik
der direkten Volksherrschaft
• dem Stimmbürger der Schweiz stehen allein auf
Bundesebene 4 direktdemokratische Instrumente zur
Verfügung:
♦ (1) das fakultative Gesetzesreferendum
♦ (2) die Volksinitiative
♦ (3) das fakultative Staatsvertragsreferendum
⇒ (1) Das fakultative Gesetzesreferendum war die erste
direktdemokratische Institution auf Bundesebene
(eingeführt 1874)
• mit ihm können vom Parlament verabschiedete
Gesetze und allgemeinverbindliche Bundesbeschlüsse
dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden, sofern
das durch Unterschrift dokumentierte Begehren von
50.000 Stimmbürgern vorliegt
⇒ (2) die Volksinitiative kam 1891 hinzu
• ermöglicht die Volksabstimmung über eine partielle
Verfassungsänderung
•
3.2. Moderne Demokratietheorien
3.2.1. Max Webers Theorie der Führerdemokratie
•
•
•
•
•
Seite 25
Voraussetzung: Deutschland dürfe den Ersten
Weltkrieg nicht verlieren, in dem auf ihn folgenden
Frieden nicht zu kurz kommen
tritt für eine Strukturreform des Deutschen Reiches
seit 1917 ein
Webers Kritik am Deutschen Reich ist zugleich Kritik
am autoritär verfassten Kapitalismus
dient vor allem der Einmischung in die aktuelle Politik
Deutschlands
will bestmögliche innenpolitische Voraussetzungen für
eine erfolgreiche Weltmachtpolitik Deutschlands
schaffen
Thomas Pflug
•
•
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•
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•
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•
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
9
Weber will eine „plebiszitäre Führerdemokratie" auf
der Basis eines demokratisierten Wahlrechts und der
Parlamentarisierung des Deutschen Reiches sowie
organisierter und miteinander konkurrierender Parteien
des Typs US-amerikanischer „Parteimaschinen"
errichten
Demokratievorstellung: "Ventil für das Bedürfnis nach
Führertum" (zitiert nach 7. , S. 225)
keine Regierung des Volkes, sondern als "Regierung
des Volkes durch eine aus dem Volk hervorgegangene
Elite"
Demokratisierung des Wahlrechts was die gesamte
erwachsene Bevölkerung erfasst (+Abschaffung des
Drei-Klassen-Wahlrechts in Preußen). Ziel: Einheit der
Nation sicherzustellen (politisch und sozial)
volle Parlamentarisierung Deutschlands
Reichspräsident sollte nur vom Volk direkt gewählt
werden (die Wahl F. Eberts entsprach nicht seiner
Vorstellung): "Ein volksgewählter Präsident als Chef
der Exekutive, der Amtspatronage und als Inhaber
eines aufschiebenden Vetos und der Befugnis der
Parlamentsauflösung und Volksbefragung ist das
10
Palladium
der echten Demokratie, die nicht
ohnmächtige Preisgabe an Klüngel, sondern
Unterordnung unter selbstgewählte Führer bedeutet"
Führer an Legitimität und Verfassung gebunden: "Man
sorge dafür, dass der Präsident für jeden Versuch, die
Gesetze anzutasten oder selbstherrlich zu regieren,
Galgen und Strick stets vor Augen sieht" (zitiert nach
8., S. 221)
Parlament soll Stätte der Auslese kompetenter und
verantwortungsbewusster politischer Führer sein
Konkurrenzkampf:
Mechanismus
zur
Herausschälung fähiger politischer Führer und
garantiere deren Wahl
Gegengewicht zur Beamtenherrschaft schaffen
Leitmotiv: "Emanzipation des Kapitalismus aus
feudalpatriarchalischer Bevormundung und Befreiung
der Politik aus bürokratischen Sachzwängen" (zitiert
nach 8. , S. 115)
Politik durchsichtig machen - Kompetenzen
abgrenzen
kein Bundesrat: die Macht des Reichstages und damit
dessen Bedeutung als "Auslesestelle von Führern"
nicht beschränken
Mehrheitswahlrecht - allgemein und gleich
Ziel: Weltmachtpolitik zu praktizieren um somit auf
längere Sicht den Lebensstandard und die
wirtschaftliche Zukunft der gesamten Nation zu sichern
zur Leitung des Staates“ (Weber). Beides drohte
Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg und ist der
Schlüssel
zu
den
Gefährdungen
nach
der
Weltwirtschaftskrise und möglichen Chancen des Landes.
Für seine Weitsichtigkeit spricht auch, dass er sich vom
allgemeinen und gleichen Wahlrecht die Einbindung
politisch potenziell gefährlicher Schichten, vor allem die
Integration der aus dem Krieg heimkehrenden Soldaten
und der Arbeiterschaft, erhofft.
Besonders an Webers Theorie kann man sehen, dass sich
das Demokratieverständnis geändert hat - für ihn war es
selbstverständlich, dass ein Großstaat demokratisiert
werden kann. Besonders erwähnenswert ist eine These
Webers, die bis heute Bestand hat: Weber misst dem
Staatsvolk nur bedingte Rationalität zu. Die Masse kann
nur bis übermorgen denken, so gibt er zu bedenken, denn
sie ist erfahrungsgemäß "stets der aktuellen rein
emotionalen und irrationalen Beeinflussung ausgesetzt".
Seine Theorie hat ebenfalls Mängel, wie z.B. der
Ausleseprozess der Führungspersönlichkeiten kann
mangelhaft oder kontraproduktiv sein, da infolge des
Konkurrenzkampfes fähige Kandidaten herausfallen
können, während Bewerber den Sieg davontragen, die
medienwirksam sind, ansonsten Politik aber bloß als
Inszenierung betreiben.
Der größte Mangel Webers ist, dass jegliche
institutionellen
Sicherungen
gegen
unbedingtes
Machtstreben der Exekutive und Legislative fehlen,
woraus
eine
Unterschätzung
des
Verselbständigungspotenzials
eines
charismatischen
Führers resultiert. Durch die starke Stellung des
Reichspräsidenten und den eben angesprochenen
fehlenden Absicherungen, endete 1933 die erste deutsche
Demokratie
in
der
vom
Reichspräsidenten
zu
verantwortenden Machtübergabe an Adolf Hitler, der den
demokratischen Verfassungsstaat aushebelte und an
seiner Stelle ein totalitäres Regime zu errichten begann.
Jedoch ist anzumerken, dass er in der Periode des
Übergangs vom Wilhelminischen Kaiserreich zur
Demokratie schreibt. Mithin kennt er nicht jene
Verselbständigung einer Führerherrschaft wie im
Deutschland der Jahre von 1933 bis 1945.
3.2.2. Theorie der Sozialen Demokratie
•
•
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Fazit
•
Weber liefert mit seiner Idee der „Führerdemokratie“ eine
kritische Bestandsaufnahme der Strukturschwächen in
Deutschlands politischem Betrieb. Zur Bewältigung dieses
Strukturproblems
sah
er
eine
demokratische
Transformation der Herrschaftsordnung mit starker
führerdemokratischer Komponente vonnöten. Diese
Schwächen des politischen Betriebes des Kaiserreichs
konnten demnach nur durch Demokratisierung des
Wahlrechts,
Parlamentarisierung
und
plebiszitäre
Führerdemokratie überwunden werden.
Daher ist ihm zuzusprechen, dass er der Demokratie mehr
als andere Herrschaftsformen die Fähigkeit zuspricht sich
für Wettbewerb, für Offenheit und für Anpassung an
veränderte Verhältnisse zu eignen. Sehr positiv und
weitblickend ist anzumerken, dass er verhindern will, dass
„eine ökonomisch sinkende Klasse die politische
Herrschaft in der Hand hält." Noch gefährlicher sei es,
wenn gesellschaftliche Klassen, "zu denen hin sich die
ökonomische Macht und damit die Anwartschaft auf die
politische Herrschaft bewegt, politisch noch nicht reif sind
9
10
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auf Volksabstimmung beruhend
Element
Seite 26
politisch-soziale Bewegung
der Begriff entstand 1843 in Frankreich
bezeichnet eine politische Richtung, die die Ideen
und Ziele des Sozialismus mit der Regierungsform
der Demokratie zu verbinden sucht
dem „Anliegen Schwächerer verpflichteten Bewegung“
(von Stein)
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde
"Soziale Demokratie" mehr und mehr zum
Kennzeichen:
♦ einer bestimmten politischen Parteirichtung
(Sozialdemokraten)
♦ Bestrebungen, die auf eine Koalition von
Arbeiterbewegung und bürgerlicher Demokratie
zielten
♦ für die Theorie, Praxis und Organisation der
Sozialdemokratie
Messung der Demokratie nicht nur an den
Beteiligungschancen
sondern
auch
an
den
materiellen Ergebnissen, vor allem für die
Schwächeren einer Gesellschaft
zur Volksherrschaft gehört der Auftrag:
♦ Staat,
Gesellschaft
und
Wirtschaft
in
sozialstaatsfreundliche Richtung zu gestalten
♦ die politische Demokratie zur gesellschaftlichen zu
erweitern
♦ Verteilungs- und Machtstrukturen mit dem Ziel zu
steuern, soziale Ungleichheit zu verringern oder
zumindest ihre Auswirkungen zu lindern
Thomas Pflug
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V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
man will Sozial- und Wirtschaftsdemokratie durch
Erweiterung der politischen Rechte und Pflichten auf
gesellschaftliche und wirtschaftliche Einrichtungen und
Vorgänge
zielt auf Entwicklung der Humanressourcen und
umfassende Verteilung und Umverteilung ab Reformierung des Kapitalismus, jedoch mit den
Mitteln
einer
freiheitlichen,
parlamentarischen
Demokratie
mittlere Ebene zwischen Staat und Gesellschaft soll
demokratisiert
werden,
insbesondere
durch
Selbstverwaltung,
Dezentralisierung
sowie
betriebliche und überbetriebliche Mitbestimmung
Einbau
des
Föderalismus
und
des
Gemeindesozialismus
als
Gegengewichte
zur
zentralstaatlichen
Bürokratie
und
zur
Wirtschaftsplanung
Forderungen nach beständiger Demokratisierung, und
zwar im doppelten Sinne:
♦ Ausweitung demokratischer Gleichberechtigung
auf immer mehr Subjekte
♦ Ausweitung
demokratischer
Entscheidungsverfahren
auf
immer
mehr
gesellschaftliche Funktionsbereiche"
in
progressiven
Demokratietheorien
des
20.
Jahrhunderts behielt man in der Regel das
sozialreformerische
Anliegen
der
"Sozialen
Demokratie" bei, allerdings meist ohne ausdrückliche
Bindung an die Partei der Sozialdemokraten
die „Soziale Demokratie“ entfaltet sich erst nach dem
Zweiten Weltkrieg, aber ihre Wurzeln liegen im späten
19. Jahrhundert
4. Ausbildung von neuartigen Diktaturen in der
Zeit von 1800 bis 1945
4.1. Einleitung
Der Vormarsch der Gleichheit gefährdete die Freiheit, und
die Demokratie birgt die Gefahr des Umkippens zum
Despotismus in sich. Diese Sehnsucht nach Gleichheit
und Erneuerungen führte zur Überwindung der alten
Mächte, aber dadurch fielen zugleich die alten Schranken
gegen despotische Herrschaft weg.
Viele
demokratische
Staaten
waren
den
Massenbewegungen, aufgrund von sozialen Problemen
(Weltwirtschaftskrise) nicht gewachsen. An die Stelle des
zusammengebrochenen
"Pluralismus"
trat
ein
zentralisierter und immer allmächtig werdender Staat.
Diese Entwicklung konnte man in vielen modernen
Staaten beobachten.
Diese neuartigen politischen Bewegungen und die von
ihnen gegründeten Herrschaftsordnungen hatten mit einer
wesentlich größeren Radikalität als frühere autoritäre
Regime die Verbindungen zur liberalen Tradition
politischen Denkens zu zerschlagen versucht. Allein die
sozialistischen Systeme vollzogen einen radikalen Bruch
mit der alten sozialökonomischen Ordnung und allen
Traditionsbeständen der alten Gesellschaft. Gemeinsam
war ihnen eine auf der Nutzung der technischen Mittel
basierende Herrschaftspraxis, die dann auch in der ersten
Phase der theoretischen Auseinandersetzung mit dem
Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus im
Vordergrund stand. Dies unterschied die neuen Diktaturen
des 20. Jahrhunderts von früheren Vorläufern und seien
sie, wie z. B. die "Schreckensherrschaft" der Jakobiner,
noch so radikal gewesen. Die Welt hatte es also seit dem
Aufkommen der großen Massenbewegungen unseres
Jahrhunderts mit einem historisch neuartigen Phänomen,
dem "Totalitarismus", zu tun.
In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20.
Jahrhunderts schritt der Demokratiezerfall in Ländern wie
Deutschland, Österreich, Italien, Portugal, Spanien, Polen
und der Tschechoslowakischen Republik voran. Intakte
Demokratien waren nicht viele übrig geblieben.
Fazit
Zwar hat die soziale Demokratie Ähnlichkeiten zur
Marxschen Idee, aber im Gegensatz zu Marx zielt die
soziale Demokratie nicht auf die "Zerschlagung des
Staates". Hervorzuheben ist weiterhin, dass sie versucht
sich den Schwächeren anzunehmen, was eine Folge der
Industrialisierung ist. Jedoch scheitert sie an der
Reformierung des Kapitalismus, da die Umverteilung ohne
Revolution schwierig zu gestalten ist. Ein Verdienst der
Sozialdemokraten war nach dem Ersten Weltkrieg die
Wiedereinführung
der
Arbeitsschutzbestimmungen,
Aufhebung
der
Gesindeordnung,
Erwerbslosenunterstützung und der 8-Stunden-Tag.
Während des Nationalsozialismus waren sie verboten,
aber bestimmten nach dessen Ende die Politik wieder
aktiv mit.
Der nächste Teil soll zeigen, dass man diese neuartigen
Diktaturen noch unterteilen konnte, dabei sollen die
Länder Sowjetrussland, Deutschland (siehe Anhang) und
Italien eine Rolle spielen.
4.2. totalitäre Diktaturen
4.2.1. Der Begriff Totalitarismus
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11
Seite 27
Begriffe
"totalitär"
und
Totalitarismus"
sind
11
Neologismen , die von italienischen Antifaschisten
erfunden worden sind, um die Faschisten um Benito
Mussolini (ab 28.10.1922) kritisieren und bekämpfen
zu können
Ende 1922 war Mussolinis Partido Nazionale Fascista
zu einem Begriff geworden, der überall Furcht und
Schrecken einflößte (Militanz und Grausamkeit, sog.
Strafexpeditionen (spedizioni punitive), politische
Gegner geschlagen, gefoltert und getötet)
Mussolini wollte die ganze Macht - Mit Druck und
Überredung zog er immer mehr Mitglieder der
bürgerlichen Parlamentsparteien auf seine Seite
er brachte im Parlament ein neues Wahlgesetz durch,
das Legge Acerbo genannt wurde und vorsah, dass
die jeweils stärkste Partei zwei Drittel aller
Parlamentssitze erhalten sollte, wenn sie mindestens
sprachliche Neubildung, Neuwort
Thomas Pflug
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V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
25 Prozent der abgegebenen Stimmen gewinnen
würde (5. April 1924)
trotzdem gab es noch innerhalb und außerhalb des
Parlaments Oppositionelle („Antifaschisten“), die von
dem Liberalen Giovanni Amendola angeführt wurden
A. warf als erster Mussolini vor, ein "sistema totalitario"
- ein totalitäres System - einführen zu wollen (etwas
Neuartiges)
Faschisten haben sich dazu bekannt, einen totalitären"
Staat anzustreben: Rede von Roberto Forges
Davanzati am 28. Februar 1926: "Wenn die Gegner
uns sagen, wir seien totalitär, Dominikaner,
unversöhnlich, tyrannisch, dann erschreckt vor diesen
Adjektiven nicht. Akzeptiert sie mit Ehre und Stolz ( ...
) Weiset keines zurück! Jawohl, wir sind totalitär! Wir
wollen es sein vom Morgen bis zum Abend, ohne
abweichende Gedanken.“ (=erschreckend)
bei Übernahme des Begriffs "totalitär" übersahen
Mussolini und die Faschisten jedoch, daß die
italienischen Antifaschisten ihn auch deshalb
verwandten, um auf Parallelen zwischen dem
italienischen Faschismus und dem russischen
Bolschewismus hinzuweisen (= negativ)
mit dem Begriff wurde vornehmlich immer derjenige
Staat etikettiert, der die "westliche" parlamentarische
Ordnung am stärksten zu bedrohen schien
unüberbrückbarer
Freund-Feind-Gegensatz,
eine
radikale Zweiteilung der Welt in Gut und Böse
• das durch Revolution geschaffene totalitäre Regime
hat meist einen Führer an der Spitze, dem es gelingt,
die Massen in seinen Bann zu schlagen
• "Führer" und "Verführte" bilden eine Gemeinschaft, die
im Kult Bestätigung findet. Ideologisch gehört das
Führerprinzip
zum
Kernbestand
des
Nationalsozialismus, während es mit dem Marxismus
theoretisch kaum vereinbar ist, institutionell und
prozessual aber seit Lenin zum Bestandteil
kommunistischer Herrschaft wurde
• totalitäre Herrschaft kann folglich charismatischer Art
sein, sie muss es aber nicht
• monokratische
Struktur
des
Machtapparates.
Monokratie
("Einherrschaft")
bedeutet
hier
Alleinherrschaft
einer
Person
oder
einer
Führungsgruppe: Ein-Parteien-Diktatur
♦ Machtmonopol
einer
politischen
Partei
Massenpartei NSDAP und Bolschewiki. Beispiel:
1933 zählte die NSDAP ca. 700.000 Mitglieder
und 1935 etwa 2,5 Millionen
• Grundlage der Gewaltbereitschaft ist die Ideologie
• „totalitäte Diktatur" = Phasen, in denen die Parteiführer
eine despotische Stellung erlangten. Dies war in der
Sowjetunion die Ära des Stalinismus (ab Ende der
20er bis Mitte der 50er Jahre) und in Deutschland die
Zeit etwa ab Kriegsbeginn
12
• Dezisionismus des politischen Führers, über den
sehr wenige politische Führer verfügten, wie Lenin,
Stalin und Hitler
• sie entschieden souverän über Freiheit oder
Unfreiheit, Leben oder Tod ihrer Mitbürger - Hitler
sogar über Krieg und Frieden in Europa
• prinzipiell gab es keinen Bereich, in den sie nicht
absolut hätten eingreifen können
• Führer kann Dinge tun, die nicht mit Ideologie
vereinbar sind: Hitler-Stalin-Pakt
⇒ "Totalitäre
Diktatur"
sollte
als
ein
dynamisch-destruktiver Prozess verstanden werden
•
4.2.2. Merkmale von totalitären Diktaturen
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faschistische und kommunistische Regime sind
"totalitär", weil alle "wirtschaftlichen, religiösen und
erzieherischen Institutionen kontrolliert werden und
man sich zugleich auf die Massen" stützen konnte, die
mit Hilfe der Propaganda, der "allgegenwärtigen
Geheimpolizei" und der alles durchdringenden Partei
beherrscht werden."
Unterwerfung und Auflösung des klassischen
staatlichen
Institutionengefüges
(Militär,
Staatsbürokratie, Justiz) durch die Partei, der Primat
von Parteiorganisationen über die Staatsapparate
Zentralelement ist der Terror, dessen Vollstreckung
eine
der
wichtigsten
Aufgaben
der
Sonderexekutivapparate der Partei ist
für die neuen totalitären Staaten seien "Macht und
Gewalt" nicht "Mittel zum Zwecke", sondern
Selbstzweck
daher sei der "diktatorische Totalitarismus" eine
,Revolte gegen die gesamte historische Kultur des
Westens."
der Totalitarismus ist ein politisches Phänomen der
Moderne. Jede totalitäre Ideologie enthält eine
geschlossene Konzeption für die ideale Gesellschaft
und erhebt Anspruch auf absolute Gültigkeit
totalitäre Bewegung und totalitärer Staat wollen alle
Macht konzentrieren, um ihre Ideologie in die Praxis
umzusetzen
Die gesamte Gesellschaft soll unterworfen und
zugleich
mobilisiert
werden,
um
in
einem
revolutionären
Prozeß
das
politische
und
gesellschaftliche System planmäßig völlig neu zu
gestalten
Uniformierung
der
Gesellschaft:
weitgehende
Durchdringung,
Kontrolle
und
Uniformierung
gesellschaftlicher
Lebensbereiche
durch Parteiorganisationen
Die
Ideologie
ist
antifreiheitlich,
der
Staat
antidemokratisch und die Gesellschaft antipluralistisch
die
für
den Totalitarismus
charakteristischen
Ideologien sind Rechtfertigungslehren zur Erhaltung
einer bestehenden Struktur; dogmatische, in sich
geschlossene,
andere Deutungsmuster rigoros
ausschließende Systeme zur Universalerklärung der
Wirklichkeit
formulieren ein Zukunftsideal, eine Utopie, und
zugleich die zur Verwirklichung dieses Ziels
"notwendige" Praxis
4.2.3. Sowjetrussland unter Lenin und Stalin
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12
älteste, bislang dauerhafteste totalitäre System war
der Sowjetstaat
seine ideologischen Grundlagen bildeten die
marxistische
Geschichtsphilosophie
und
deren
Interpretation vor allem durch Lenin, der sich um die
Verbindung von Theorie und (russischer) Praxis
bemühte
von Marx und Engels wurden neben der
materialistischen Geschichtsauffassung und der
ökonomischen Lehre einige politische Konzeptionen
übernommen (Vorstellung von der führenden Rolle der
Arbeiterklasse und der Begriff der Diktatur des
Proletariats, zu dem inhaltlich die Ablehnung der
Gewaltenteilung und des Parlamentarismus gehören)
insofern kann der Marxismus als revolutionäre Theorie
interpretiert werden, die von Lenin und den
Bolschewiki in die Praxis umgesetzt wurde - Art und
Weise=umstritten
Lenins eigener Beitrag:
13
♦ Lehre von der Partei als "Avantgarde
des
Proletariats"
♦ eine Revolutionstheorie, die eine friedliche
Umwälzung der Verhältnisse "ohne einen Krieg im
Innern" ausschließt
♦ in Konzept der "Diktatur des Proletariats"
Entscheidungsfreiheit
die ersten Personen, die eine völlig neue geistige,
künstlerische oder politische Richtung vertreten
13
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Thomas Pflug
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V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
schließlich sollte aus der Sicht Lenins die russische
Revolution nur der Funke für eine Weltrevolution sein
entsprechend nahm der "Marxismus-Leninismus" ab
Ende der zwanziger Jahre eine Schlüsselfunktion im
sowjetischen Wissenschaftsbetrieb ein
Theorie und Praxis der "Partei neuen Typs" wiesen
zwei
Aspekte
auf,
die
hinsichtlich
der
Herrschaftsstruktur prägend wirken sollten, die
Vorstellung von Berufsrevolutionären als einer
Führerorganisation
und
zum
zweiten
das
Organisationsprinzip
des
"demokratischen
Zentralismus"
14
Oligarchisierung
des Staates: bei Konflikten
zwischen demokratischen Forderungen "von untenund zentralistischer Führung von oben" setzte sich
stets letztere durch
während Lenin als Volkstribun der Revolution
charismatisch herrschte, wuchs eine Schicht von
Parteifunktionären heran, die materiell privilegiert war
und die Ressourcen des Landes verwaltete sowie
verteilte
wo sich Widerstand von unten regte, reagierte der
Parteiführer
mit
Druck
oder
Gewalt,
z.B.:
Lunatscharskij mußte als Volkskommissar für das
Bildungswesen hinnehmen, dass Lenin selbstherrlich
auch in den Kulturbetrieb eingriff und die anfängliche
Experimentierfreudigkeit
der
künstlerischen
Avantgarde allmählich beseitigte
bereits 1917 war die Geheimpolizei Tscheka von
Lenin geschaffen worden und operierte unabhängig
vom Rechtssystem als Herrschaftsinstrument der
Parteiführung mit den Mitteln des Terrors
Lenins Repressionspolitik: Kronstädter Aufstand
(1921): Bekämpfung von 5.000 Matrosen, die 1917 zu
den Revolutionären gehört hatten, rebellierten und die
"neue
Sklaverei"
(Parteidiktatur,
entrechtete
Gewerkschaften, Furcht vor Tscheka, Unterordnung
unter die Ideologie) beklagten, durch 50.000 Soldaten
(Mord oder Deportation)
die geistige, politische und materielle Entrechtung
des Individuums schritt fort
Kritik an den Bolschewiki wurde unterdrückt und
verfolgt
die
Propaganda
trat
an
die
Stelle
des
Meinungsstreites
Lenin zentralisierte die Macht im Staat und in der
Gesellschaft
der "Kriegskommunismus" während des Bürgerkriegs
endete im Chaos einer allgemeinen Verelendung und
wurde 1921 durch die Neue Ökonomische Politik
(NEP) abgelöst (Liberalisierung der Wirtschaft)
Stalin setzte später die Kollektivierung entschlossen
durch
die russische Verfassung von 1918 schuf die
Arbeitspflicht in einer neuen Form: "Wer nicht
arbeitet, hat kein Daseinsrecht."
Adlige und Kleriker erhielten keine Lebensmittelkarten
nach dem Bürgerkrieg, während der Hungersnot 1922,
forderte Lenin eine Intensivierung des Terrors: "je
mehr Vertreter der reaktionären Geistlichen und der
reaktionären Bourgeoisie wir (...) erschießen, desto
besser."
alles unterlag der "lenkenden Kraft" der Partei, deren
Führungsgremien
das
Zentralkomitee,
das
Politbüro, das Organisationsbüro und das Sekretariat
waren
schließlich kontrollierte die Partei den gesamten Staat,
die Wirtschaft und alle gesellschaftlichen Institutionen
ideologische Zuverlässigkeit und Parteilichkeit
wurden zu den wichtigsten Eigenschaften der Kader
die "Grundlagen des Leninismus", über die Stalin 1924
an der Swerdlow-Universität referierte, bildeten das
Dogma des Sowjetstaates und seiner späteren
Satellitenstaaten
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dies war das System, das Stalin nach Lenins Tod
1924 schrittweise übernahm
die beiden Primärmerkmale totalitärer Herrschaft,
Ideologie und monokratische Herrschaftsstruktur,
waren in ihm voll ausgebildet, sowie der Terror
Stalins Aufstieg zum Alleinherrscher begann 1922
mit der Übernahme der Position des Generalsekretärs
der Partei sowie des Organisationsbüros und des
Sekretariats
ab 1929/30 hatte er die gesamte Macht auf sich
vereint
durch immer neue "Säuberungen", Schauprozesse
und Terrorwellen wurden Kritiker beseitigt und die
Bevölkerung eingeschüchtert
im "großen Terror" des Jahres 1935 mußten in jedem
Bezirk Sowjetrußlands "Volksfeinde" vernichtet
werden
Chruschtschow stellte zum Begriff "Volksfeind" in
seiner Geheimrede auf dem KPdSU-Parteitag 1956
fest: "Dieser Terminus ermöglichte die Anwendung
grausamster Unterdrückung"
der Befehl zum Terror ging zentral von der
Systemspitze aus
die These über den "Sozialismus in einem Land"
wies einer Politik den Weg, in der Rußland zum
Schlüsselstaat
der
sozialistischen
Bewegung
avancierte
der "Aufbau des Sozialismus" legitimierte die
Konzentration auf die Industrialisierung des Landes
und schuf in Verbindung mit der These von der
"kapitalistischen Umkreisung" die Begründung für die
"Aufbauarbeit der Diktatur", deren Instrumente "die
Organe der Unterdrückung, die Armee und andere
Organisationen" waren
die Kontrolle der Gesellschaft und die durch
Industrialisierung
und
Kollektivierung
der
Landwirtschaft
vorangebrachte
Kontrolle
der
Wirtschaft erreichten nie dagewesene Ausmaße
Beispiel: zum Vorbild geriet Pawlik Morosow, ein
Junge, der seinen politisch nicht linientreuen Vater
denunziert hatte, sodass dieser von der Geheimpolizei
verhaftet werden konnte
die Solidarität aller hatte in erster Linie dem Staat, der
Partei, dem "großen" Stalin zu gelten, und nicht den
engsten Familienangehörigen
1936 verkündete Stalin den Sieg des Sozialismus im
eigenen Land
unter Stalin fand ein gewaltiger Ausbau der staatlichen
Macht statt
der bürokratische Apparat wuchs, die Zahl der
Parteimitglieder nahm zu (1917: 23.600, ,1921:
576.000, , 1945: 5,7 Millionen)
Terror und Personenkult waren allgegenwärtig
Stalin war Rußlands Alleinherrscher (Diktator)
Grundlagen des Systems waren ideologisch verfaßt:
♦ Massenmord an den "Kulaken" ergab sich aus
den Dogmen des Klassenkampfes und des
Kollektivismus
♦ Kollektivierung der Landwirtschaft gehörte zum
Programm der politischen Ökonomie
Resultat:
der
Sowjetstaat
existierte
als
Weltanschauungsstaat, in dem der Pluralismus
beseitigt, die Gewalteneinheit verwirklicht, die
Wirtschaft verstaatlicht waren und das Individuum dem
Kollektiv untergeordnet war
4.2.4. Das faschistische Beispiel Italiens
4.2.4.1. Zum Begriff des Faschismus
14
Oligarchie = Herrschaftsform, in der eine kleine
Personengruppe die Macht in den Händen hält
Seite 29
Thomas Pflug
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V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
Faschismus = von "fasces", Rutenbündel, dem
15
Amtszeichen der altrömischen Liktoren
Faschismus kennzeichnet im weiteren Sinne eine
politische Grundhaltung und im engeren Sinne eine
bestimmte Diktaturform, die sich nach dem Ersten
Weltkrieg in Italien, Rumänien, Ungarn, Österreich,
Spanien und Portugal ausbildeten
ein gemeinsames Merkmal der verschiedenen
faschistischen Bewegungen ist der Totalitarismus
verzichten jedoch auf eine totalitäre Ideologie, die sich
als „wissenschaftliche“ Weltanschauung versteht und
absolute Alleingeltung beansprucht
Auffassung die Voraussetzung jedes echten
Fortschritts
⇒ italienischer Sendungsauftrag im Mittelmeerraum
(„mare nostro“)  gegen Österreich in Südtirol
und die Slowenen an der Adriaküste (Anspruch
zeigte sich während des spanischen Bürerkriegs
und 1940 als man Albanien und Griechenland sich
aneignen wollte)
⇒ zielte darüber hinaus auf die Gewinnung eines
neuen
„Impero
Romano“
und
eine
Selbstbestätigung
des
italienischen
Kolonialgeistes in Afrika (Somaliland, Libyen,
Abessinien)
♦ I.
verstärkte
sich
durch
den
Hitlerschen
Nationalsozialismus, ohne diesen jedoch zur
totalitären Ideologie auszuformen
4.2.4.2. Der italienische Faschismus
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Begründer des autoritären Faschismus war Benito
Mussolini (1883-1945)
wurde 1919 unter dem Eindruck der unerfüllten
Territorialansprüche Italiens durch den Versailler
Vertrag zum Nationalisten
organisierte Kampfbünde (fascio di combattimento),
die dem wachsenden kommunistischen Terror mit
systematischem Gegenterror zu wehren versuchten
am 28. Oktober 1922 unternahmen unter Mussolinis
Führung etwa 40000 "Schwarzhemden" den "Marsch
auf Rom", der zum Sturz der verfassungsmäßigen
Regierung führte
ursprüngliche Minderheit, die jedoch durch ihre
überlegene
Organisation
und
den
Einsatz
terroristischer Mittel bald die Macht in die Hand
bekam
1924
wurden
die
Parlamentsmandate
der
oppositionellen Parteien für ungültig erklärt
Verfassung und monarchische Staatsform blieben
formal
unangetastet,
jedoch
wurde
eine
Einparteienherrschaft errichtet, die sich vornehmlich
auf die Staatsmiliz ("Schwarzhemden") stützte
anstelle des Parlaments trat 1929 ein geschlossenes
Gremium, in das die staatlich organisierten und
geführten "Stände" ihre Vertreter entsandten
Oppositionsmöglichkeiten gab es damit nicht mehr
Gewerkschaften und Unternehmerverbände wurden
der staatlichen Wirtschaftsführung unterstellt
unumstrittener Führer war Mussolini, der "Duce" des
faschistischen Staates, der mit seiner Machtergreifung
eine neue Zeitrechnung einführte
1928: Bildung eines "Faschistischen Großen Rates",
der u.a. die Befugnis erhielt, dem König den
Ministerpräsidenten vorzuschlagen
durch die mit dem Vatikan geschlossenen
Lateranverträge (1929) sicherte sich Mussolini
Duldung und teilweise Unterstützung durch die
katholische Kirche, deren Eigenständigkeit er
ebenso unangetastet ließ wie die der Aristokratie und
des Hofes
systematische Massenliquidation gab es nicht
die Funktionen, die der Nationalmiliz und der
staatlichen Jugendorganisation (Ballila) zukamen,
lassen nur bedingt einen Vergleich mit SA, SS und
Hitlerjugend zu
die größte Machtentfaltung gelang der faschistischen
Diktatur 1936 mit der Annexion Abessiniens und der
damit verbundenen Erhebung des italienischen Königs
zum "Kaiser von Äthiopien"
geringe Bedeutung der Geheimpolizei
Die Ideologie des Faschismus:
⇒ Wille zur Macht
⇒ Ordnung entsteht durch Gewalt
⇒ Elite sei berechtigt, das Volk zu führen und zu
erziehen, notfalls durch diktatorische Mittel
⇒ die dirigistische Funktion des Staates gegenüber
Gesellschaft und Wirtschaft ist nach faschistischer
•
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während des Zweiten Weltkriegs
erlitt das
faschistische Italien in seinen afrikanischen Kolonien
wie im eigenen Land schwere Niederlagen 
Absetzung Mussolinis durch den Großen Rat (1943)
Mussolini wurde von kommunistischen Partisanen
erschossen (1945)
4.3. Zusammenfassung
Das 20. Jahrhundert hat verschiedene Formen
diktatorischer Weltanschauungsstaaten hervorgebracht,
von denen in seiner ersten Hälfte die durch Terror
geprägten dominierten. Es bleibt zu hoffen, dass man aus
diesen grauenvollen Teilen der Geschichte gelernt hat.
Jedoch entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg neue
faschistische
oder
teilfaschistische
Diktaturen
in
Argentinien (bis 1955) und anderen lateinamerikanischen
Staaten. Die totalitäre Diktatur in Sowjetrussland hielt sich
sogar bis zu Stalins Tod, ehe sie zu einer bürokratischen
umgewandelt wurde.
5.
Der Wechsel zwischen Demokratie und
Diktatur am Beispiel Frankreichs
Die Geschichte der Demokratie in Frankreich ist wie in
keiner der anderen klassischen Demokratien wechselvoll
und aufregend. Es hat den Anschein, als werde diese
Staatsform auch heute noch fortwährend durch autoritäre
Kräfte bedroht.
Die Diktatur der Jakobiner (1793/94), die Herrschaft
Napoleons I. (1799-1814) und Napoleons III. (1852 bis
1871), die Präsidentialsysteme der Generäle Petain
(1940-1944) und de Gaulle (seit 1958) erwecken den
Eindruck, als ob Frankreich ebenso stark zur Diktatur wie
zur Demokratie neige.
5.1. Das Erbe des Absolutismus
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15
Amtsdiener der höheren Magistrate, u. a. der Konsuln
und Prätoren im antiken Rom
Seite 30
das "Alte Regime" (ancien regime) des französischen
Absolutismus wurde zwar durch die Große Revolution
1789 gestürzt, seine Erbschaft bestimmt jedoch noch
heute das politische Gesicht Frankreichs
das
entscheidende
Wesensmerkmal
des
französischen Staates ist seine zentralistische Struktur
schon Philipp IV. (der Schöne, 1285-1314) begann mit
der Zentralisierung des Staatsapparates, den
schließlich Ludwig XIV. in Versailles konzentrierte
nach der Revolution von 1789 wurde durch die
Neugliederung
in
Departements
der
Staatszentralismus vollendet
Paris, "der Kopf und das Herz Frankreichs", verfügte
fortan über alle Macht, und die Provinz war von ihm
abhängig
Thomas Pflug
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V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
die staatlich streng kontrollierte und geschützte
Wirtschaft war in weiten Bereichen nationalisiert
französischer Parlamentarismus hat sich während der
absoluten Monarchie ausgebildet
ursprünglich bestanden die Parlamente aus Juristen,
die die Aufgabe hatten, die königlichen Gesetze formal
zu überprüfen und zu registrieren
später
erlangten
diese
hochangesehenen
Versammlungen zur politischen Mitbestimmung
aus der Pflicht zur Gesetzregistrierung entstand
schrittweise
das
Recht,
königliche
Gesetze
abzulehnen bzw. zu ratifizieren
ab 1789 übernahmen die Generalstände als
Verfassunggebende
Versammlung
(Konstituante)
diese Aufgabe
der Anteil der Staatsphilosophen und Schriftsteller an
der Geschichte der Demokratie ist in Frankreich
besonders groß (Charles de Montesquieu, Jean
Jaques Rousseau)
Sturz der Monarchie wurde wirkungsvoll durch die
Philosophie der Aufklärung und politische Publizistik
16
der Enzyklopädisten vorbereitet (Flugblattaktionen)
die
Unterstützung
der
amerikanischen
Unabhängigkeitsbewegung
(1776)
durch
die
Kabinettspolitik von Versailles förderte die Entstehung
der Demokratie in Frankreich, als die zahlreichen
Freiwilligen (Lafayette) aus Amerika in das
absolutistische Heimatland zurückkehrten
•
•
•
•
•
•
5.2. Die "Dialektik" der demokratischen Entwicklung in
Frankreich
•
•
Die Geschichte der demokratischen Staatsform weist in
17
Frankreich eine bemerkenswerte Dialektik
auf. Das
Schwergewicht der Staatsmacht wechselte beinahe
regelmäßig zwischen Legislative und Exekutive. So kam
es, dass die französische Demokratie immer wieder
starke, ja selbst autoritäre Regierungen ertragen konnte.
Diese Darstellung soll am Beispiel Frankreichs zeigen,
dass
Demokratie
und
Diktatur
aufkeimende
Erscheinungen dieser Zeit sind und dass sich die
Demokratie gegen die Diktatur durchgesetzt zu haben
scheint.
•
•
•
•
•
•
•
•
•
das revolutionäre Geschehen der Jahre 1789/90
mündete 1791 in die erste demokratische Verfassung
(konstitutionelle Monarchie)
sie scheiterte an der Unfähigkeit des Königs, ferner an
den Spannungen zwischen den gemäßigten und
radikal republikanischen Kräften und an der zu starken
Betonung
des
Wahlprinzips
(wenigen
Wahlberechtigten mussten zu oft zur Urne)
schließlich gelangten die radikalen Jakobiner mit der
republikanischen Verfassung von 1793 an die Macht
ihr Terror versetzte das Land in Schrecken und Angst
vor der Gewalt des Pöbels (Schreckensherrschaft)
der Sieg der Gemäßigten (Thermidorianer) über die
Jakobiner führte sodann zur "Direktorialverfassung"
(1795), die schon 1799 durch eine neue Diktatur, das
"Konsulat" Bonapartes abgelöst wurde
ermächtigt durch eine Volksabstimmung, ernannte
sich Napoleon I. dann 1804 selbst zum "Kaiser der
Franzosen": autoritäre Staatsführung mit Verknüpfung
von Errungenschaften der Revolution  die
Beteiligung des Volkes an der Entstehung der
Staatsmacht, die Freiheit der Person und des
•
•
•
•
•
•
•
Eigentums sowie die Gleichheit vor dem Gesetz
gehören seitdem zum nationalen Selbstverständnis
der Franzosen
als nach dem Sturz des Korsen (1814) die
restaurativen Monarchen, Ludwig XVIII. und sein
Nachfolger Karl X., die demokratischen Freiheiten
anzutasten versuchten, erhob sich das Bürgertum in
der Julirevolution des Jahres 1830 und setzte den
"Bürgerkönig" Louis Philippe ein, der bewusst an die
Tradition von 1791 anknüpfte (Zensuswahlrecht =
Grundlage der bürgerlichen Mitbestimmung an der
konstitutionellen Monarchie)
18
gegen diese timokratische Ordnung kämpften die
Kleinbürger und Arbeiter an, in deren Kreisen bald
sozialistische und kommunistische Ideen Boden
gewannen
Saint Simon und Proudhon begründeten den
"utopischen Sozialismus" und untermauerten damit
den "Kampf gegen das Eigentum" ideologisch
als das Verlangen nach einem demokratischen
Wahlrecht
mit
den
sozialen
Forderungen
zusammenfloß, kam es erneut zur Revolution - der
"Februar-Revolution" von 1848
Verbot von öffentlichen Demonstrationen für das
Wahlrecht  Nationalgarde weigerte sich dieses mit
Gewalt durchzusetzen. Folge: Abdankung des Königs
(24. 2. 1848) und Flucht nach England
da Frankreich auf den neuen republikanischen Status
kaum vorbereitet war, ergaben sich bald zwischen den
proletarischen und bürgerlichen Kräften schwerste
Spannungen
in der "Juni-Revolution" des Jahres 1848 erhob sich
19
der "Vierte Stand" und wurde blutig niedergeworfen
aus Angst vor den Sozialisten trieb das Bürgertum in
die Arme Louis Napoleons, der zum Präsidenten der
Republik gewählt wurde und mit einem Staatsstreich
am 2. 12. 1851 die Nationalversammlung auflöste
das Volk übertrug ihm plebiszitär das Präsidentenamt
für 10 Jahre ("demokratischer Caesarismus"), wählte
ihn aber schon ein Jahr später - wiederum durch eine
Volksabstimmung zum "Kaiser der Franzosen".
(Napoleon III. 1852-1870)
Folge:
Aufhebung
der
Gewaltenteilung,
Unterdrückung der Presse und autoritäre Regierung;
sicherte
aber
dem
Volke
einen
gewissen
wirtschaftlichen Wohlstand
dieses System war auf die Zustimmung der
Öffentlichkeit angewiesen und begann darum nach
1860
eine
schrittweise
Angleichung
an
parlamentarische Verfassungsformen
infolge außenpolitischer Fehlschläge sank jedoch das
Prestige Napoleons III. ,sodass er bei den Wahlen
1869 zwar 4,3 Millionen Stimmen gewann, aber 3,4
Millionen Gegenstimmen in Kauf nehmen mußte
als sich im Frühjahr 1870 eine Liberalisierung des
Systems anbahnte, kam es gleichzeitig zwischen
Frankreich und Deutschland zu Spannungen und
schließlich zum Ausbruch des Krieges
der Staat Napoleons III. brach zusammen, als der
Kaiser bei Sedan in Kriegsgefangenschaft geriet
im belagerten Paris erhob sich am 18. 3. 1871 erneut
der „Vierte Stand“, die "Pariser Kommune", und
errichtete ein Schreckensregiment
die geflohene Nationalversammlung erteilte dem
bürgerlichen Ministerpräsidenten Thiers weitreichende
Vollmachten  Paris wurde nach einem Blutbad
freigekämpft
die "Dritte Republik" erhielt einen bürgerlichen und
antisozialistischen Charakter
in ihr überwog die Macht des Präsidenten gegenüber
den beiden Häusern der Legislative
16
Mitarbeiter und Herausgeber der großen französischen
Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts, Encyclopédie, ou
dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers
(Enzyklopädie, oder Systematisches Wörterbuch der
Wissenschaften, der Künste und des Handels)
17
innewohnende Gegensätzlichkeit
18
Staatsform, in der die Rechte eines Bürgers von der
Größe seines Vermögens abhängen
19
Stand der Kleinbauern, Landarbeiter, Kleinbürger und
vor allem der Lohnarbeiter und des Industrieproletariats
Seite 31
Thomas Pflug
•
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
bis 1875 übten die Monarchisten noch einen starken
Einfluß auf die Innenpolitik aus, doch wurde keine
neue Verfassung verabschiedet, weil man auf eine
Entscheidung des Volkes zwischen Monarchie und
Seite 32
Thomas Pflug
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
(geänderte Quelle; siehe Literatur - Punkt 14, S. 340)
Republik wartete, die dann mit den Wahlen von 1876
zugunsten der Republik fiel
• die Linkskräfte drängten nach vorn und bestimmten
das politische Gesicht Frankreichs, bis die Dritte
Republik 1940 im Zweiten Weltkrieg zusammenbrach
• nach der militärischen Niederlage Frankreichs bildete
Marschall Pétain für das von den deutschen Truppen
nicht besetzte Gebiet des Landes eine Regierung
• das in Vichy residierende System stellte eine
Notlösung dar
• nach dem Rückzug der deutschen Truppen (1944)
begann die Abrechnung mit den "Verrätern"
•
•
•
•
Seite 33
dem Revancheterror der französischen Kommunisten
fielen unzählige Menschen zum Opfer
General de Gaulles ("Résistance") verhinderte ein
Abgleiten in die Diktatur
der Befreier Frankreichs, ermöglichte die neue
Verfassung der Vierten Republik vom 27. Oktober
1946, die das Schwergewicht der politischen Macht
auf die Nationalversammlung legte
die Exekutive, fast völlig abhängig vom Parlament,
konnte sich auf keine stetige Mehrheit verlassen
Thomas Pflug
V. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
5.3. Schlussfolgerung
Auf eine abschließende Zusammenfassung wird
verzichtet, da ich in der Belegarbeit mehrfach ausführliche
Zusammenfassungen bzw. Wertungen eingefügt habe. Als
Zusammenfassung kann man auch die Thesen
betrachten.
Dieser geschichtlicher Abriss gibt den Anschein, als ob der
Franzose sich nicht zwischen Demokratie und Diktatur
entscheiden kann. Aber in Wirklichkeit widerstrebt dem
französischen
Volk
jede
undemokratische
Herrschaftsform. Seine Vorstellungen von der Demokratie
unterscheiden sich jedoch erheblich von denen der
Engländer oder der Deutschen. Dem Franzosen geht es
bei seinem Verhältnis zum Staat an erster Stelle nicht um
die Formen und das Machtgleichgewicht der Institutionen,
sondern um die konkrete politische Freiheit. Als
ausgeprägtem Individualisten ist dem Franzosen das
Recht auf die freie Äußerung seiner Meinung heilig. Ob
diese von einem parlamentarischen System oder von einer
Diktatur garantiert wird, ist ihm wohl zweitrangig.
6. Demokratieauffassungen im Zeitraum von
1800 bis 1945
6.1. Die Demokratie als Problemlöser
•
•
•
•
•
•
•
•
die Machtwechselchance in der Demokratie um ein
Vielfaches größer ist als in nichtdemokratischen
Systemen
Politikbetroffene haben Sanktionschancen gegen
Politikmacher
wirksame Methode zur Schulung und Auswahl fähiger
Führer
relativ hohe "politische Produktivität" der Demokratie
in Demokratien sind die Chancen politischer
Beteiligung der erwachsenen Bevölkerung viel größer
als anderswo
in Demokratien werden die Legislative und die
Exekutive weit strenger und erfolgreicher gezähmt als
in anderen Regimen
Demokratie erhöht die Transparenz des politischen
Geschehens
nicht das Gedeihen aller wird begünstigt, wohl aber
das der großen Mehrheit
6.2. Die Demokratie als Problemerzeuger
•
•
•
•
•
•
•
•
die
Demokratie
hat
höchst
anspruchsvolle
Voraussetzungen und ist besonders verletzlich
Herrschaft
Inkompetenter,
zumindest
der
gleichberechtigten Mitsprache vieler Unwürdiger
die Demokratie erzeugt eine Lücke zwischen hohen
Erwartungen und relativ geringer Steuerungsfähigkeit
der Politik
der Volkswille, auf den sich die Demokratie stützt, ist
"fiktiv, fehlbar und verführbar" (Offe)
der Konkurrenzkampf um Wählerstimmen und die
Leitung durch schwächliche politische Führungen
erzeugen nicht selten eine "Gefälligkeitsdemokratie",
die
mittels
kostspieliger
Geschenke
und
Vergünstigungen zugunsten von Sonderinteressen die
Wirtschaft und die Gesellschaft überlastet
Kurzsichtigkeit
mangelhafte
Qualifikation
der
Wähler
zur
fachkundigen Beurteilung von Kandidaten und
politischen Problemen, hastig gefällte Entscheidungen
gewählte Regierende sind für Fehler anfällig,
beispielsweise dafür schlechte Gesetze zu machen
Seite 34
Mathias Vogel
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
VI. Die Veränderung des
Demokratie- und
Diktaturverständnisses in der Zeit
der Bipolarität
•
(Mathias Vogel)
1. Einführung
Die Zeit vor 1945 war geprägt von unterschiedlichen
Auffassungen,
einen
Staat
totalitär
oder
demokratisch/pluralistisch zu führen. Besonders auf dem
europäischen
Kontinent
spiegelte
sich
diese
Gegensätzlichkeit wieder. Deutschland und Italien, die
Verantwortlichen für den Zweiten Weltkrieg, wurden von
totalitären
Systemen
beherrscht
(Nationalsozialismus/Faschismus). Sie gingen als Verlierer
aus dem Krieg hervor. Besiegt wurden sie durch
demokratisch geführte Staaten, mit Ausnahme der
UdSSR, dass durch den Kommunismus/Stalinismus
geprägt war.
Nach 1945 polarisierte sich die Welt zwischen den neuen
Weltmächten USA und der UdSSR. Sie waren es, die nun
im internationalen Beziehungsgeflecht den Ton angaben.
Die resultierte pipolare Blockbildung war besonders durch
die unterschiedliche Auffassung politischer Systeme
geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen sich nun
die freiheitliche Demokratie westlichen Typs und die
totalitäre Diktatur stalinistischen Typs gegenüber. Die USA
verfolgte das Ziel to make the world safe for demogracy.
Die Sowjetunion wollte den Kapitalismus westlichen
Vorbilds zurückdrängen. Jeder der beiden Hauptmächte
versuchte mittels politischer Versprechen und Zusicherung
wirtschaftlicher Unterstützung Verbündete für das
Erreichen eigene Ziele zu sichern. Staaten Westeuropas
wie Frankreich, England, Italien oder die BRD stellten sich
auf die Seite der USA. Der gesamte Ostblock
(Bezeichnung für die 1945-90/91 von der Sowjetunion
beherrschten Staaten im östlichen Europa), die VR China
und Kuba wendeten sich an die kommunistische
Sowjetunion.
Dieses Ost-West Verhältnis kann man aber nicht auf alle
Staaten der Welt beziehen. Beispielsweise waren einige
Entwicklungsländer weder Demokratien westlichen Typs
noch totalitäre Diktaturen. Das gleiche galt für Spanien
und Portugal vor ihrem Übergang zur Demokratie. Viele
Staaten Asiens und Afrikas sind Entwicklungsdiktaturen, in
denen
eine
politische
Führungsgruppe
Modernisierungsziele setzt und die Zustimmung der
Bevölkerung durch Propaganda und Ausschaltung jeder
Opposition zu erreichen sucht.

Bsp.: Demokratien Westeuropas und der USA
2.2. Gelenkte Demokratie
•
•
•
•
•
•
•
•
2.3. Modernisierte Oligarchie
Oligarchie: (griechisch: "Herrschaft der wenigen");
Bezeichnung für die Herrschaft einer kleinen Gruppe, die
ihre Macht aus eigennützigen Interessen gebraucht
•
Unterscheidung politischer Systeme in Typen durch den
Amerikaner E. Shils (1962). Er versucht die
Entwicklungsländer
zu
berücksichtigen
und
mit
einzubeziehen
•
•
•
•
2.1. Politische Demokratie
•
Ist modifizierte Form der Demokratie
Handlungsspielräume vom Parlament und den
Parteien sind geschwächt, politische Freiheitsrechte
sind eingeschränkt
Pressefreiheit existiert nicht oder nur im geringen
Maße
Politische Opposition kämpft im Chancengleichheit,
da ihr Zugang zu den Massenmedien beschnitten
wird oder ihr ganz untersagt wird
Rechtsprechung ist unabhängig von der Regierung
Verwaltung ist an das Gesetz gebunden ?
Rechtstaatlichkeit ist begrenzt gesichert
Voraussetzung für gelenkte Demokratie ist:
•
Politische Elite (sie ist sich einig über politische
Grundsätze und Verfahrensweisen)
Gelenke Demokratie ist instabil:
•
Versagen von Einschränkung der politischen
Freiheitsrechte
•
Opposition kann sich durchsetzen (starke
Führung durch die Regierung der herrschende
Elite kann geschwächt werden)
Bsp.: Indonesien
2. Versuch einer Unterscheidung für Typen
politischer Systeme in der Bipolarität
•
•
Unabhängige Justiz
•
Freie öffentliche Meinungsbildung
Voraussetzungen für die Funktionsfähigkeit der
politischen Demokratie sind:
•
Legitimität der Regierung (ihr Recht zur
Entscheidung muss von der Bevölkerung
größtenteils anerkannt sein)
•
Politische Opposition muss zur konstruktiven
Kritikausübung vorhanden sein und von der
Regierung respektiert werden
•
Loyale und kompetente Bürokratie zur
Ausführung
der
Entscheidungen
(Beamtenapparat); muß frei von Korruption sein
•
Möglichst breite Schicht von informierten und
politisch interessierten Bürgern
•
Interessenverbände begrenzen die Macht der
Regierung
kein bestehendes politisches System erfüllt diese
Bedingungen komplett
Es ist eine Herrschaft durch repräsentative
Institutionen
(Kanzler/Ministerpräsident
oder
Parlament)
Sie zeichnet sich durch politische Freiheitsrechte aus
wie:
•
Gesetzgebung durch ein aus allgemeinen
Wahlen entstandenes Parlament
•
Kontrolle der Regierung durch Parlament
•
Handlungsund
Meinungsfreiheiten
für
politische
Oppositionen
und
politische
Minderheiten
•
•
Entstehung: Kluft zwischen konservativer Mehrheit
und einer zur Modernisierung entschlossenen
politischen Führung ist zu groß? repräsentative
Institutionen werden funktionsunfähig
System verlangt eine gut organisierte und
untereinander loyale Elite (Partei, Kampfverbände)
Parlament
ist
machtlos;
Parteien
werden
gleichgeschaltet oder gar aufgelöst
Öffentliche Meinungsbildung wird unterbunden
Medien
(Presse,
Rundfunk,
TV)
sind
gezwungenermaßen in Abhängigkeit von Regierung
Polizei/Armee/Verwaltung stehen fest im Dienste der
politischen Führung
Die Beteiligung der Bürger ist durch Akklamation
(öffentliche Zustimmung ohne Einzelabstimmung) in
Form von Volksabstimmungen beschränkt
Bsp.: Pakistan, Sudan, Ghana
Seite 35
Mathias Vogel
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
2.4. Totalitäre Oligarchie
•
•
•
•
•
•
Wird durch geschaffene Ideologie legitimiert
Die politische Elite ist organisiert in einer
disziplinierten Partei und überzeugt von ihrer Mission,
die ihr die Ideologie vorschreibt
Ziel: Durchdringung und Gleichschaltung in
Bereichen des sozialen Lebens, religiösen Gruppen
und traditionellen Autoritäten
Bürger sind durch Akklamation beschränkt? Wahrung
demokratischer Fassade; es können politische
Maßnahmen (Repression) zur Durchsetzung der
Ziele erfolgen
Ihr Ziel, alle Bereiche der Gesellschaft zu
kontrollieren lässt sich durch eine umfangreiche
Bürokratie erreichen
•
•
Bsp.: VR China, Kuba, Vietnam
2.5. Traditionelle Oligarchie
•
•
•
•
•
•
Legitimiert durch eine Religion; Exekutive ist ein
Herrscher
Es existiert kein Parlament mit wirklichen
Handlungsspielraum, sondern sorgfältig kontrollierte
Versammlungen (Beraterfunktion)
Unterentwickelter Beamtenapparat
Meinungsbildung ist zensiert
Beherrschte haben höchstens auf regionaler Ebene
politischen Einfluss
•

•
Bsp.: Marokko oder Nepal
3. Pluralismustheorie
•
diese Theorie lässt sich auf die heutige Demokratie und
deren
Parlamentarismus
beziehen.
Dient
zur
Kennzeichnung
von
Strukturmerkmalen
politischer
Systeme (Demokratie- Diktatur)
•
•

•
•
•
•
Gegensatz zur Theorie, die nur ein Individuum oder
eine politische Ordnung als Träger der Staatsgewalt
wünschte und akzeptierte
Pluralistische Demokratietheorie erkennt, dass die
Vielfalt gesellschaftlicher Gruppen unvermeidlich und
dies nur wünschenswert ist
Entscheidungen werden durch Mehrheiten getroffen
Der Pluralismus von Gruppen hindert eine
konzentrierte
Staatsmacht
?Gefahr
von
Totalitarismus ist gering
Das Allgemeinwohl wird durch Abstimmung und
Kompromiß hergestellt
Kritik an der Pluralismustheorie:
•
Sie ist konservativ, d.h. Veränderungen müssen
durch Abstimmungen betroffener Gruppen
legitimiert werden
•
Verhärtet
gesellschaftliche
Gruppen,
da
Meinungen und Vorurteile einzelner Gruppen
schwer zu verändern sind, gerade in einer
Kompromissfindung
•
Pluralismus reduziert den Volkswille auf den
kleinsten gemeinsamen Nenner erreichbarer
Kompromisse
4. Regierungssysteme
"politische Demokratie"
innerhalb
des
Deutschland wird aufgrund der Strukturen aus
Konkurrenz- und Konkordanzdemokratie als Mischform als
ein von Mehrheits- und Konkordanzdemokratieelementen
geprägtes politisches System bezeichnet.
4.2. Parlamentarische und präsidentielle Demokratie
Beide Typen sind Grundformen des im weiten Sinne
definierten
Parlamentarismus,
also
des
Regierungssystems, in dem das Parlament der
Gesetzgeber ist und das Staatsbudget kontrolliert und in
dem das Volk oder von ihm gewählte Repräsentanten über
Wahl und gegebenenfalls Abwahl der Regierungen
entscheiden.
4.2.1. Hauptunterscheidungsmerkmale
•
Typs
4.1. Konkordanzdemokratie
•
•
An der Stelle des Mehrheitsprinzips bestimmen
Kompromisstechniken den Weg der Verhandlung
zum Herbeiführen eines Konsenses über strittige
Angelegenheiten.
Die
Konkordanzdemokratie
geht
von
einer
Gesellschaft mit unterschiedlichen Interessen aus,
welche gekennzeichnet ist durch:
•
gemeinschaftlicher
Willensbildungsund
Entscheidungsprozeß
in
Angelegenheiten
allgemeiner
Bedeutung,
und
zwar
mit
Beteiligung der Abgeordneten aller wichtigen
Bereiche der Gesellschaft (Bsp. Regierung)
•
Ernennung von Beamten
•
gesicherte Vetorechte für die Mitglieder der
Konsoziation (politisches Gemeinwesen einer
tief zerklüfteten Gesellschaft) in allen Belangen
Die
Konfliktregelung
unterscheidet
die
Konkordanzdemokratie
von
der
Konkurrenzdemokratie (die Konkurrenzdemokratie
bewältigt Konflikte im Wesentlichen mit Hilfe des
Mehrheitsprinzips)
Die
Konkordanzdemokratie
regelt
Konflikte
hauptsächlich
in
der
Anwendung
von
Entscheidungsmaximen des gütlichen Einvernehmen
(Einstimmigkeitsprinzip)
Minderheiten
werden
an
den
Entscheidungsprozessen
mit
gesicherten
Vetorechten beteiligt (Bsp. Einbindung oppositioneller
Parteien in die Regierung einer großen Koalition)
politische Minderheiten besitzen somit mehr oder
weniger entscheidende Vetorechte
Beispiele für Konkordanzdemokratie:
•
Schweiz
•
Niederlande
•
(Österreich und Belgien galten lange als
Paradebeispiele)
Im politischen System der Bundesrepublik spielen
konkordanzdemokratische Strukturen ebenfalls eine
Rolle. (Bsp.: Bereiche des Bildungswesen; Besetzung
oberster
Bundesgerichte;
verfassungsändernde
Gesetzgebung
Als Konkordanzdemokratie wird ein politisches
System jedoch in der Regel nur bezeichnet, wenn
"wichtige Entscheidungsprozesse auf der Ebene der
Zentralregierung formal oder durch informelle
Prozeduren außerparlamentarischer Verständigung
von der Maxime des gütlichen Einvernehmens
1
beherrscht sind"
Der Begriff Konkordanz entstammt dem lateinischen
concordantia (Übereinstimmung)
Konkordanzdemokratie hieße demnach wörtlich
Übereinstimmungsdemokratie. Sinngemäß ist jedoch
eine Verhandlungsdemokratie gemeint
Das
Hauptunterscheidungsmerkmal
der
parlamentarischen Demokratie und der Präsidialform
ist die Abberufbarkeit im Unterschied zur
Nichtabberufbarkeit der Regierung oder des
Regierungschefs durch die Legislative
Parlamentarische
Präsidentielle Demokratie
Demokratie (Kennzeichen: (Kennzeichen: die Regierung
Abberufbarkeit
der ist nicht abberufbar und die
Seite 36
Mathias Vogel
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
Regierung und die doppelte Exekutive ist geschlossen)
Exekutive)
•
•
Amtsdauer
und •
Amtsführung
der
Regierung
ist
vom
Vertrauen
der
Parlamentsmehrheit
abhängig
(Parlamentsmehrheit
hat Recht, Regierung •
abzuberufen)
Meistens besteht enge
Verbindung (Vertrauen)
zwischen
Regierung
und
Parlamentsmehrheit
•
•
•
•
Gegenüber stehen sich •
die
parlamentarische
Opposition und die
Parlamentsmehrheit,
welche
durch
die
Regierung gestützt ist
(Ausnahme
bildet
Minderheitsregierung)
Oppositionsführer hat •
entscheidenden
Einfluss
Exekutive besteht aus •
dem
Regierungschef
(Kanzler/
Ministerpräsident) und
dem Staatsoberhaupt
(Präsident)
2.
Parlament
und
Regierung
sind
voneinander
relativ
unabhängig (Amtsdauer
der
Regierung
ist
meistens
in
der
Verfassung festgelegt)
Parlamentsmehrheit
kann aus politischer
Hinsicht die Regierung
nicht
abberufen
(Ausnahme bildet ein
grober Amtsmissbrauch)
?Parlament kann die
Exekutive nicht stürzen,
ungeachtet
der
Mehrheitsverhältnisse
im Parlament
Direktwahl der Exekutive
durch das Volk (USA:
Wahlmänner)
Gegenüber stehen sich
Parlament
und
Regierung
Eine
starke
Oppositionspartei
im
Parlament hat keinen
Einfluss
auf
die
Exekutive
(bezeichnet
als
"divided
2
government" )
Regierung ist vereint in
dem
Amt
des
Staatsoberhauptes und
des Regierungschefs
3.
4.2.3. Politische Prozesse
Parlamentarische
Demokratie
•
Relativ
gut
organisierte Parteien
und
disziplinierte
Parteifraktionen sind
unerlässlich
•
Regierung stützt sich
meist
auf
die
Parlamentsmehrheit;
Voraussetzung
ist
eine
relativ
geschlossene
Fraktion
der
Regierungspartei/en
•
Opposition tritt in der
Regel
geschlossen
auf
 Es kommt meist zu
Konfrontation
von
Regierungsund
Oppositionsparteien
•
Regierungschef ist an
den
Vorstellungen
einer
Partei/Parteienkoaliti
on gebunden
•
4.2.2. Typen parlamentarischer und präsidentieller
Systeme
•
Präsidialform
•
•
•
•
Die Präsidialform kommt auch in abgeschwächtere
Konstruktionen
(ein
Ministerrat
setzt
der
Präsidialgewalt Grenzen, indem sich der Präsident
mit dem Rat über wichtige Entscheidungen ins
Benehmen setzen muss)
Bsp.: Brasilien, Mexiko, Argentinien
•
•
•
•
Parlamentarische Form
•
Man unterscheidet aufgrund der Kompetenzverteilung
zwischen Staatsoberhaupt und Regierung in drei
Untertypen: (20. Jh.)
1. Exekutivkooperation
(Kompetenzbalance
zwischen
Staatsoberhaupt/Regierung;
Bsp.
Italien)
•
Seite 37
•
•
•
Parteien sind weniger
geschlossen wie bei
der parlamentarischen
Demokratie; Fraktionsund Parteidisziplin ist
weniger erforderlich
Parteien sind locker
strukturiert, schwach
organisiert
Exekutive hat
Initiativfreiheit
hohe
5.1. historischer Hintergrund
•
•
Präsidentielle Demokratie
5. Demokratie in der bipolaren Zeit am Beispiel
Italien
Parlamentarische Demokratie und Präsidialform sind
Grundformen, die in Untertypen gegliedert werden
können. Eine Zuordnung hat Winfried Steffani
vorgeleg.
(er
unterscheidet
zwischen:
parlamentarischer/präsidentieller
Demokratie;
Abberufbarkeit der Regierung/ des Regierungschefs;
der
Konstellation
zwischen
Regierungschef/Staatsoberhaupt
•
Kompetenzverlagerung
(zu
Gunsten
des
Regierungschefs ? Kanzlerdominanz; Bsp. BRD
"Kanzlerdemokratie")
Präsidialdominanz
(zu
Gunsten
des
Staatspräsidenten
?
Dominanz
des
Staatsoberhauptes;
Bsp.
Finnland;
auch
Weimarer Republik)
Vor und während des zweiten Weltkrieges war Italien
geprägt durch den Faschismus Mussolinis (seit 1922)
Mussolinis Diktatur war zum Teil geprägt von
Zerschlagung
gefährdender
Oppositionen
(Kommunisten/Sozialisten) unter dem Deckmantel
einer konstitutionellen Monarchie
Mussolini schloss sich Hitler an und trat mit Italien als
Verbündeter Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg
ein
Nach dem Sieg der Alliierten wurde das faschistische
Regime gestürzt
Mit 12,7 Mio. gegen 10,7 Mio. Stimmen sprach sich
die italienische Bevölkerung am 2. Juni 1946 für eine
Republik aus
Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung
am 2. Juni 1946
Am 18. Juni 1946 proklamierte der Oberste
Gerichtshof die Republik Italien
Eine parlamentarisch- demokratische Verfassung
wurde verabschiedet (in Kraft seit 1. Januar 1948)
Durch Hilfe des Marshallplans leitete die Regierung
den Wiederaufbau der Wirtschaft ein (1945-53)
Resultierend aus einer Agrarkrise vollzog die
Regierung eine Sozial- und Bodenreform; zudem
wurde eine nationale Entwicklungsbank eingerichtet
(Planung/Finanzierung von Entwicklungsvorhaben in
Industrie, Landwirtschaft und Verkehr)
Seit dem Ende der 60er Jahre wurde die innere
Sicherheit durch steigenden Terrorismus rechts- und
linksextremer Gruppe bedroht
Mathias Vogel
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
5.2. Italienische Verfassung
•
•
•
•
Die Verfassung wurde am 22. Dezember 1947
verabschiedet und trat am 1. Januar 1948 in Kraft
Italien ist eine demokratische Republik (Art. 1)
Sie bewahrt bürgerliche Freiheitsrechte und billigt der
Kirche in ihrem Bereich Autonomie
6. prägende Elemente der Demokratie, die eine
eindeutige Unterscheidung von der Diktatur
gestatten
Legislative
•
•
•
•
•
•
Diese Thesen beziehen sich größtenteils auf die Politik
eines demokratischen Staates? Unterscheidung zur
totalitären Systemen soll vereinfacht werden
Nach Art. 55 der Verfassung wird die politische
Vertretung des Volkes durch zwei gleichberechtigte
Versammlungen repräsentiert (Kammer/Senat) "Das
Parlament besteht aus der Abgeordnetenkammer
und dem Senat der Republik"
Die Kammer umfaßt 630 Mitglieder (wählbar sind
Bürger mit einem Mindestalter von 25 Jahren); aktiv
wählen dürfen Bürger ab 18 Jahren
Mitglieder des Senats (315), die auf regionaler Ebene
gewählt werden, müssen mindestens 40 Jahre alt
sein; aktiv wählen dürfen Bürger ab 25 Jahren
Zu den Senatoren kommen Senatoren auf Lebenszeit
hinzu (ehemalige Staatspräsidenten und fünf vom
Staatsoberhaupt ernannte Persönlichkeiten)
Beide Institutionen haben gleiches Initiativ- und
Beschlußrecht
Senat/Kammer wird auf fünf Jahre nach dem
Verhältniswahlrecht gewählt
6.1. Presse
•
•

•
•
•
•
•
•
•
Die italienische Regierung besteht aus dem
Ministerpräsidenten und den Ministern (Ministerrat)
Der Staatspräsident ernennt den Ministerpräsident
und auf dessen Vorschlag die übrigen Mitglieder der
Regierung
Art. 95 besagt: "Der Präsident des Ministerrates
bestimmt
die
allgemeinen
Richtlinien
der
Regierungspolitik
und
übernimmt
dafür
die
Verantwortung. Er sorgt für die einheitliche Führung
der Politik und Verwaltung, indem er die Amtstätigkeit
der Minister fördert und koordiniert." 2
•
•
•
•
•
•
Demokratien sind schwerfälliger in ihrer politischen
Aktionsfähigkeit; sie sind aus Verfassungsgründen
gehalten, sich in politischen Entscheidungen mit
wichtigen gesellschaftlichen Institutionen (Partei;
Verbänden, Parlament,..) abzustimmen
Die Konsequenz daraus ist ein längerer Zeitaufwand
In einem kleinen Kreis (Führungselite) kommt es zu
schnellen Entscheidungen und diese können
wiederum in einem hohen Grad geheim gehalten
werden
6.3. Wertvorstellungen
•
Das Staatsoberhaupt der Republik ist der
Staatspräsident
Er wird alle sieben Jahre von den Mitgliedern des
Parlaments und von 58 Vertretern der 20
italienischen Regionen gewählt (Zweidrittelmehrheit
erforderlich)
Er gibt als Staatsoberhaupt (muss mindestens 50
Jahre alt sein) den Auftrag zur Regierungsbildung;
kann Parlament auflösen; verfügt über ein
aufschiebendes Vetorecht; Oberbefehlshaber der
Streitkräfte; hat Sitz im obersten Rat des
Richterstandes
Stellvertreter
des
Staatspräsidenten
ist
der
Senatspräsident
•

Pluralistisch geführte Staaten werden sich in
außenpolitischen
Handlungen
(militärische
Intervention)
streng
an
innenpolitische
Wertvorstellungen halten (Grund: Rechtfertigung vor
dem Volk)
Autoritär geführte Staaten lassen sich nicht leiten
durch Wertvorstellungen in ihrer Außenpolitik (Grund:
Unterdrückung der öffentlichen Kritik)
Diese Systeme gefährden den internationalen
Frieden/Sicherheit mehr als demokratische
7 Diktaturen im "Kalten Krieg"
7.1. Diktaturbegriff in der Gegenwart:
•
5.3. Italienisches Recht (Judikative)
•
Demokratische Regierung wird für außen- und
innenpolitische Fragen auf die öffentliche Meinung
Rücksicht nehmen müssen
Totalitäre
Regierungen,
die
über
ein
Informationsmonopol
verfügen
können
somit
Tatsachen verfälschen und Kritik verhindern
größere Auswahl der Mittel zur Verfolgung politischer
Ziele
6.2. Interessen
Exekutive
•
Das Privatrecht ist im Codice Civile seit 1942
niedergeschrieben
Das höchste Gericht ist der 1956 eingerichtete
Verfassungsgerichtshof (Corte Costituzionale)
Es ist ein unabhängiges Verfassungsorgan über die
Einhaltung der Verfassung
An der Spitze der Straf- und Zivilgerichtsbarkeit steht
der Oberste Kassationsgerichtshof (Corte Suprema di
Cassazione);
(Kassation:
Aufhebung
eines
Gerichtsurteils)
Unter dieser Ebene sind für die Strafgerichtsbarkeit
Institutionen wie:
•
Berufungs- und Berufungsassisengericht
•
Assisengericht
•
Magistratsgericht
Für die Zivilgerichtsbarkeit sind Berufungsgerichte
und verschiedene Untergerichte eingerichtet
•
In der heutigen Zeit versteht man unter einer Diktatur
eine
auf
unbestimmte
Dauer
angelegte
Herrschaftsform
Insbesondere versteht man in der Gegenwart unter
dem Begriff Diktatur den absoluten Gegensatz zur
Demokratie
Äußerlichkeiten der gegenwärtigen Diktaturen sind sehr
unterschiedlich, doch gibt es ähnliche Strukturmerkmale.
•
•
•
•
•
Seite 38
Die Staatsgewalt ist auf eine Person (Diktator) oder
Gruppe (Partei, Militär, Klasse) verteilt
Unterdrückung der politischen und gesellschaftlichen
Opposition
Aufhebung und Verzicht auf Gewaltenteilung
Gleichschaltung von autonomen Teilgewalten um
Macht auszubreiten und zu zentralisieren
Verzicht auf politischen und gesellschaftlichen
Pluralismus
Mathias Vogel
•
•
•
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
Einschränkung der Menschenrechte
Rechtsstaat wird durch Polizeistaat ersetzt
Bürokratie kontrolliert die Gesellschaft
Unterscheidung
zwischen
Entwicklungsdiktatur:
Beharrungsdiktatur
•
und
•
Beharrungsdiktatur:
•
möchte bestehenden gesellschaftlichen Zustand
bewahren (Status quo) oder einen früheren Zustand
(Status que ante) wiederherstellen

1962-1965 scheiterte von Mao Zedong der Versuch,
mit Hilfe der Armee über eine sozialistische
Erziehungskampagne
die
Partei
auf
seine
idealistisch- revolutionäre Linie ein zu schwören.
Mao Zedong war gezwungen sich auf das Amt des
Partei- Vorsitz (KPCh) zu beschränken und die
Staatspräsidentschaft an Liu Shaoqi abzugeben
Mao Zedong löste von Schanghai Ende 1965 die
Kulturrevolution aus
8.2. Maoismus
Entwicklungsdiktatur:
•
revolutioniert
gewaltsam
politische
und
gesellschaftliche
Strukturen;
Sicherung
vor
Restauration
abgeschaffter
politischer/gesellschaftlicher Strukturen
•
•
7.2. Volksdemokratie
•
Nach 1945 entstanden im Verlauf der Sowjetisierung
(staatliche Organisation nach sowjetischen Vorbild)
kommunistische Einparteiensysteme im Gewande
repräsentativer Verfassungsmodelle
•
•
•
•
Begriff der Volksdemokratie:
•
Ist nach marxistisch-leninistischen Theorie eine
Variante der Diktatur des Proletariats (errichtet durch
proletarische Revolution)
•
Regierungssystem, dass auf ein Bündnis von
Arbeitern und Bauern beruht
•
Unter Führung der kommunistischen Partei soll der
Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus
gesichert werden
•
Ausschaltung einer selbstständigen Opposition
•
•
8. Diktaturen nach dem Zweiten Weltkrieg am
Beispiel China:
•
8.1. Historischen Hintergrund bildet die Entstehung
und Entwicklung der Volksrepublik China
•
•
•
•
•
•
•
•
Träger der Revolution ist die unterdrückte
Landbevölkerung
Die Führung ist in der Hand der KPCh
Ländliches
Proletariat
erobert
sich
in
militärischen
und
politischen
Auseinandersetzungen
die
Macht
über
herrschende Elite
Errichtung einer Diktatur des Proletariats
Weltrevolution hat den Ursprung in den
unterentwickelten Agrarländern der dritten Welt
8.2.1. Die Rolle der Gesellschaft im Maoismus
•
•
es ist eine auf den Marxismus-Leninismus entwickelte
Vorlage einer sozialen Revolution. Es berücksichtigt
besonders die gesellschaftlichen Bedingungen der
dritten Welt
Sie unterscheidet sich zum Marxismus-Leninismus in
der Ausführung einer Revolution und der nach
sowjetischen
Vorbild
entwickelnden
sozialen
Gesellschaft
Inhalt des Maoismus:
•
Mit Unterstützung der Sowjetunion gelang es den
Kommunisten, unter Führung Mao Zedong, über die
Mandschurei nach China einzudringen (1947)
In Bürgerkriegsähnlichen Zuständen eroberten die
Kommunisten bis Ende 1949 das restliche China. Der
chinesische Staatspräsident Chiang Kai- Shek zog
sich 1949 mit seinen Truppen nach Taiwan zurück
Am 1. Oktober 1949 rief Mao Zedong (Tsetung) die
VR China aus und trat als Präsident des Zentralrates
der Volksregierung an die Spitze des Staates
Eine spezifische Deutung des Marxismus-Leninismus
durch Mao Zedong (Maoismus) prägte die radikale
Umgestaltung von Staat und Gesellschaft
1954 trat eine neue Verfassung nach dem Prinzip des
demokratischen Zentralismus (Organisations- und
Leitungsprinzip eines Staates, gekennzeichnet durch
die Konzentration aller Kompetenzen bei einer
zentralen, obersten Instanz) in Kraft:
•
Zentralrat mit 56 Mitgliedern mit absoluter
Vollmacht
unter
Vorsitz
des
KPCh
(Kommunistische Partei China) Chefs Mao
Zedong
Sog. Säuberungswellen schalteten politische Gegner
und alte Führungseliten aus (10 Mio. Menschen
starben dabei)
Bodenreform
(1950-56);
Verstaatlichung
der
Schwerindustrie und den Außenhandel (1950)
Indoktrination (Beeinflussung) und Gedankenreform
von Seiten der KPCh sollten dazu dienen, die
Chinesen ideologisch umzuerziehen
1958-60/61 startete die Kampagne des Großen
Sprungs nach vorn; Ziel war die Weiterentwicklung
des sozialistischen Gesellschaftssystems
Der Maoismus schwört auf die ideologische Einheit
im Sinne des Kommunismus? daraus folgt ein
verschärfter Klassenkampf von Seiten der sich
entfaltenden sozialistischen Gesellschaft
Einheit der Produktionsverhältnisse und des
kommunistischen Gedankenguts innerhalb der
Bevölkerung
Volksmassen sollten demzufolge ständig Bereitschaft
zeigen, revolutionäre Klassen mit Hilfe der KPCh zu
unterdrücken
8.3. proletarische Kulturrevolution 1965/66-76)
In den Jahren 1962/65 mißlang der Versuch Mao
Zedongs, mit Hilfe der Armee die Partei von innen her auf
seinen Maoismus einzuschwören
?Kulturrevolution
•
Säuberungskampagnen
gegen
antimaoistische
Intelektuelle in Literatur, Pädagogik und Publizistik
•
Gebildete
Rote
Garden
(bestehend
aus
Schülern/Studenten) griffen 1966 die antimaoistische
Parteizentrale in Peking an? Entmachtung von
Staatspräsident Liu Shaoqi
•
Zerschlagung von Partei- und Staatsapparat
•
Im April 1969 wurde die Kulturrevolution von der
KPCh als beendet betrachtet und offiziell legalisiert
•
1976 starb Mao Zedong
Nach dem Tod Mao Zedong und dem Sieg der
Pragmatisten (orientiert sich an Handlungen der
Menschen) änderte sich wenig am radikalen Kurs der
Partei und des Staates
•
Parteivorsitz wurde durch Generalsekretariat abgelöst
•
Westlich orientiertes Rechtswesen
Beibehalten wurde:
•
•
•
Seite 39
Diktatur des Proletariats
Führende Rolle der KPCh in Staat und Gesellschaft
Unumstößlicher Primat des Marxismus-Leninismus
Mathias Vogel
VI. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
deutlich, wie ein fehlendes Recht auf internationales
Reisen zu revolutionären Verhältnissen führten. Der Punkt,
dass in manchen Fällen Grund- und Menschenrechte noch
gewaltsam beschnitten wurden, bestätigt meine Ansicht,
dass die Demokratie westlichen Vorbilds positiver für den
Menschen ist.
Zudem gibt es Einflüsse, die den Menschen anfällig für
Veränderung machen. Ich rede von gesellschaftlichen,
politischen und wirtschaftlichen Bedürfnissen, die
unbewusst geweckt wurden und resultierend daraus
befriedigt werden wollten. Der Charakterzug Neid, welcher
aus Mangel an Bedürfnisbefriedigung entsteht, ist nur zu
menschlich. Jedes Individuum kann sich diesem
Empfinden nicht erwehren.
Wenn wir dies nun übertragen in die bipolare Zeit, könnte
man sagen, dass es auf der einen demokratischen Seite
Menschen
mit
befriedigten
Bedürfnissen
(Menschenrechte,...) gab, und auf der anderen totalitären
Seite
diejenigen
waren,
die
nach
dieser
Bedürfnisbefriedigung strebten und begannen darum zu
kämpfen.
Die Demokratie westlichen Vorbilds kam der breiten
Bevölkerung besser entgegen, indem sie versuchte die,
menschlichen Grundlagen bestmöglich zu sichern und
individuelle Freiheiten zu gewähren. Sie konnten in Form
von Abgeordneten Einfluss auf die Politik nehmen und
durch Meinungsfreiheit Kritik am Staat üben.
8.4. Äußerungen eines Pekinger Deutschstudenten
bezüglich Meinungsfreiheit und Demokratie:
Der Student beginnt seinen Aufsatz mit der Feststellung:
•
In allen Gesprächen und Diskussionen (innerhalb der
Universität) geht es in erster Linie um das Thema
Meinungsfreiheit. Die allermeisten sind dafür, dass
2
wir Meinungsfreiheit in unserem Land brachen.
Auf die Frage, warum China Meinungsfreiheit gebrauche,
schrieb er:
•
Die Meinungsfreiheit gehört zu den grundlegenden
2
demokratischen Rechten eines Volkes.
Warum eine Demokratie für ein Land gut wäre begründet
er wie folgt:
•
Die Demokratie westlicher Länder bringt einen hohen
2
Lebensstandard und fördert die Wirtschaft.
In seiner Ausführung über Meinungsfreiheit stellt er weiter
fest:
•
Nach der Theorie von Marx soll der Sozialismus zwei
Grundlagen
haben,
das
sozialistische
Gemeineigentum und die Demokratie. Leider haben
wir bemerkt, dass in den allermeisten sozialistischen
Staaten passiert, was ganz das Gegenteil von dem
2
ist, was Marx sagte.
Dieser Mutmaßung fügt er gleich die Äußerung hinzu:
•
Wir wollen das ändern. Die meisten Bürger bei uns
haben
deshalb
den
starken
Wunsch,
Meinungsfreiheit zu verwirklichen. Sie ist uns in der
2
Verfassung garantiert, aber nicht in der Wirklichkeit.
Er ist fest der Ansicht:
•
Ist man unzufrieden, soll man es ganz offen sagen
können. Auch für den Fall, dass diese Meinung der
Regierung nicht paßt."..."Ich glaube, dieses Problem
ist nur zu lösen, wenn wir ein entsprechendes
Rechtssystem bekommen, wirkliche Gesetze, die
2
unsere Meinungsfreiheit schützen.
9. Schlußwort
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Erde gespalten,
besonders in Hinsicht gesellschaftlicher und politischer
Systeme. Die Blockbildung zwischen den Großmächten
UdSSR und den USA sollte bis in die 90er Jahre Bestand
haben. Ihre unterschiedlichen Wertsysteme aber auch die
atomare Bedrohung machten eine Annäherung fast
unmöglich. Somit war es möglich, dass totalitäre Systeme,
beispielsweise nach kommunistischen Vorbild, bis in die
Gegenwart existieren konnten und noch immer existieren,
wie z.B. Afrika.
Wenn man sich auf die Aussagen des Pekinger
Deutschstudenten bezieht, konnte es nur eine Frage der
Zeit sein, dass Diktaturen zusammenbrechen. Die
Meinungsfreiheit
gehört
zu
den
grundlegenden
2
demokratischen Rechten eines Volkes. Wenn man diese
Meinung als richtig erachtet und sie auf die Allgemeinheit
bezieht, müsste die Demokratie die bessere Staatsform
sein. In der Tat ist es so. Ein Staat besteht aus einem
Staatsvolk, einem Staatsgebiet und der Gewaltenteilung.
Die Bevölkerung ist die zentrale Kraft, ohne sie geht
nichts. Deswegen sollte es an jeder Regierung liegen,
politische Entscheidungen zu Gunsten des Volkes zu
treffen und nicht zu versuchen, sie nach ideologische
Gedankengut zu manipulieren. Es wird immer Intellektuelle
und Andersdenkende geben, die sich nicht mit dem
System identifizieren und es hinter fragen. Deswegen
schließe ich mich den Äußerungen des Deutschstudenten
und dem Sinn der Pluralismustheorie und der Demokratie
an. Meines Erachtens war der grundlegende Fehler der
totalitären Systeme des 20. Jh. die Unterbindung von
Menschenrechten. Meinungsfreiheit, Recht auf Leben und
körperliche
Unversehrtheit,
Berufsfreiheit
oder
Unverletzlichkeit des Eigentums sind treibende Kräfte
eines jeden Individuums, gerade in einem Zeitalter, wo
diese Rechte in einem Nachbarland gelten und in der
Heimat nicht. Am Beispiel der DDR wurde besonders
Seite 40
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Antike (Maria Meisel)
1.1. Sekundärquellen:
1, 2, 3, 4
Übersetzt nach: Aristoteles, „Athenaion Politeia„
Hrsg. N.Tsouyopoulous und E. Grassi, Reinbeck 1965, S. 171ff, 175f 192ff
5, 6, 7, 8
Übersetzt nach Thukydides, Geschichte des Peloponnnesischen Krieges II, 65. G. P.
Landmann, Zürich 1976
1.2. Literaturverzeichnis:
Olaf Gigon, Politik und Staat der Athener, Artemis Verlag, Zürich 1955, S. 22ff.
Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung, Information zur politischen Bildung. Demokratie, Bonn
1992, S.2-3
Hrsg. Franz-Josef Schütz, Geschichte Dauer und Wandel. Von der Antike bis zum Zeitalter des
Absolutismus, Cornelsen Verlag Hirschgraben, Frankfurt/Main 1990, S. 6-36
W. Grüttner und R. H. Tenbrock, Zeiten und Menschen. Der geschichtliche Weg unserer Welt bis
1776. Schöningh-Schroedel, Paderborn 1976, S. 12ff, 17-28
Autorenkollektiv (Drechsler, Hilligen, Neumann), Gesellschaft und Staat. Lexikon der Politik, SignalVerlag, Baden-Baden 1989, diverse Seiten u.a. 42, 161, 188, 681
www.encarta.msn.de/reference/default.asp
www.dadalos.org/deutsch/Demokratie/demokratie/grundkurs2/antike.html
2. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter (Doreen
Pieper)
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Dr. Helmut Müller, Professor Dr. Karl F. Krieger, Professor Dr. Hanna Vollrath, Meyers
Lexikonredaktion: Deutsche Geschichte in Schlaglichtern, Meyers Lexikonverlag, 1990
Horst Fuhrmann: Deutsche Geschichte im hohen Mittelalter, Vandenhoeck & Ruprecht, 1993
Siegfried Epperlein: Der Bauer im Bild des Mittelalters, Urania Verlag Leipzig, 1975
Autorenkollektiv: Deutsche Geschichte Band 1, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1965
Karl Mittermaier/Meinhard Mair: Demokratie, WBV Verlag, 1995
Toucan Books Limited, London, Nick Yapp: Lebensalltag im Mittelalter, Verlag Das Beste, 1995
Hermann Kinder / Werner Hilgemann: dtv Atlas zur Weltgeschichte Band 1, Deutscher
Taschenbuch Verlag, 1990
Serges Medien: 2000 Jahre Weltgeschichte, 2000
ECO Verlag und Brepols Graphic Industries N.V., Belgien: Grundstock des Wissens in
Geschichte, ECO Verlag, 2000
Microsoft Encarta 98, Enzyklopädie
Internet: www.uni-bielefeld.de / www.jura-light.de / home.t-online.de / www.mordor.ch /
www.eduvinet.de / hoszkult..hu-berlin.de / www.dadalos.de / www.tu-harburg.de
3. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis
1800 (Steve Knitter)
Seite 41
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3.1. Sekundärquellen:
Schroedel Verlag: LB „Krieg und Frieden„ S. 93 f. M 3.10
„4. Juli 1776 – Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika„
Schroedel Verlag: LB „Krieg und Frieden„ S.95 M 3.13
„25.Juli 1792 – Aus dem Manifest des Herzogs von Braunschweig an die Bewohner Frankreichs„
3.2. Literaturverzeichnis
Encarta 97 Enzyklopädie
Lehrbuch Krieg und Frieden Band 6
dtv Atlas Weltgeschichte (Zeitwende, Zeitalter der Glaubensspaltung, Zeitalter der Vernunft, Zeit der
großen Revolutionen)
Schmidt Demokratietheorie 3.A (Hobbes, Locke, Montesquieu, Federalist Papers)
Informationen zur politischen Bildung Heft 165 Demokratie (S.3f.)
4. Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
(Thomas Pflug)
4.2. Sekundäre Quellen
1. Engels, Friedrich (1845/46): Das Fest der Nationen in London, in: MEW Bd.2, Berlin, 1958; S. 612
2. Hildebrandt, Horst: Die deutschen Verfassungen des 19. und 20. Jahrhunderts; Verlag Ferdinand
Schöningh; 14. Auflage; 1992; S. 111-115
3. Marx, Karl (1871): Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Marx, Karl - Friedrich Engels. Ausgewählte
Schriften in zwei Bänden, Bd. 1, Berlin-Ost, 1970; S. 487
4. Mill, John Stuart (1861): Considerations on Representative Government; New York; 1958; S. 383
5. Robson, John M.: The Improvement Of Mankind. The Social And Political Thought Of John Stuart
Mill; Toronto; 1968, S. 239
6. de Toqueville, Alexis (franz. 1835/40): Über die Demokratie in Amerika, München, 1976; S. 830
7. Weber, Max (1921): Gesammelte politische Schriften, Tübingen, 1988; S. 225
8. Weber, Max (1919): Der Reichspräsident, in: Max Weber, Zur Neuordnung Deutschlands. Schriften
und Reden 1918-1920, hrsg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Wolfgang
Schwentker (MWG, Abt. I:, Schriften und Reden, Bd. 16), Tübingen, 1988a; S. 220-224
4.2. Literatur
9. Autorenkollektiv: Encarta 99; Microsoft; 1998
10. Autorenkollektiv: Geschichte und Geschehen 10 - Ausgabe N Gymnasium; Ernst Klett
Schulbuchverlag GmbH; 2. Auflage; 1996; S. 6-103
11. Glaeßner, Gert-Joachim: Kommunismus - Totalitarismus - Demokratie, in: Berliner Schriften zur
Demokratieforschung; Europäischer Verlag der Wissenschaften; 1. Auflage; 1995; S. 81-141
12. Jesse, Eckhard/Kailitz, Steffen (Hrsg.): Prägekräfte des 20. Jahrhunderts - Demokratie,
Extremismus, Totalitarismus; Nomos Verlagsgesellschaft; 1. Auflage; 1997; S. 11-40, 251-273
13. Kinder, Hermann/Hilgemann, Werner: dtv-Atlas - Weltgeschichte; Deutscher Taschenbuch
Verlag; 25. Auflage; 2001; S. 412-474
14. Klein, J. Kurt: Demokratien und Diktaturen - Zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert;
Kölner Universitätsverlag GmbH; 1970; S. 336-346, 352-379, 401-403
15. Liepach, Martin: Geschichte von 1789 bis heute; Cornelsen Verlag; 1. Auflage; 2000; S. 6-23, 5077
16. Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien; Leske+Budrich; 3. Auflage; 2000; S. 130-194, 240242, 355-371
17. Waschkuhn, Arno: Demokratietheorien; R. Oldenbourg Verlag; 2. Auflage; 1998; S. 229-241
18. Wippermann, Wolfgang: Totalitarismustheorien - Die Entwichlung der Diskussion von den
Anfängen bis heute; Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Band 291; 1997; S. 8-20
5.
Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität
(Mathias Vogel)
Seite 42
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur:



Politik im 20. Jahrhundert; Westermann Verlag GmbH, Braunschweig; 1985
Frau und Familie in China; Verlag C.H.Beck München; 1988
Chinesen über ihr eigenes Leben; Goldmann Verlag; 1983
5.2. Sekundärliteratur:




Metzler Handbuch für den politischen Unterricht; J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung Stuttgard; 1987
Enzyklopädie; Brockhaus Verlag Mannheim; 1989
Dtv- Atlas Weltgeschichte; Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, 1991
Geschichte der Staatsideen von Reinhold Zippelius
VII Gegenwart
Seite 43
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3.
Definitionen
3.3. Demokratiedefinitionen
3.4. Diktaturdefinition
3.5. Vergleich von Demokratie und Diktatur
4.
Republik Kuba - Diktatur?
4.3. Vorgeschichte und kurze Beschreibung der Revolution von 1958/59
4.4. Der Staatsaufbau von Kuba
4.5. System des Überwachungsapparates
4.6. Die Situation nach dem Zusammenbruchs des Ostblocks/RGW
4.7. Gegenüberstellung der demokratischen und diktatorischen Elemente innerhalb des Systems von Kuba
4.8. Nachweis der Sinustheorie
5.
Bundesrepublik Deutschland – Demokratie?
5.3. Die Grundsätze der Verfassung von 1949
5.4. Der Pluralismus – Kritik von Links und Rechts
5.4.1. Die Konservative Kritik am Einfluß der Verbände
5.4.2. Die Linke Kritik am Pluralismus
5.5. Der Staatsaufbau der BRD
5.5.1. Die Legislative
5.5.2. Die Exekutive
5.5.3. Die Judikative
5.6.
Ist Deutschland ohne Plebszit eine Demokratie?
5.6.1. Warum keine plebiszitären Elemente in Deutschland?
5.6.2. Argumente für plebiszitäre Elemente
5.6.3. Argumente gegen Plebiszit
5.6.4. Die Bürgergesellschaft oder Parteiendemokratie
5.6.5. Versuche die Sinustheorie an der BRD zu belegen
Seite 44
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3. Definition
3.3. Demokratiedefinition
nach Wolfgang Fikentscher
-
Regierte regieren sich selbst
Demokratie ist von unten nach oben aufgebaut
Horizontal organisiert
nach Dahl
-
ist diejenige Ordnung der Institution zur Erreichung politischer Entscheidungen, bei welcher einzelne die
Entscheidungsbefugnis vermittels eines Konkurrenzkampfes um die Stimmen des Volkes erwerben
3.4. Diktaturdefinition
-
Konzentration der politischen Gewalt in der Hand einer einzelnen Person oder Personengruppe
Auftreten als befristete, verfassungsmäßige Institution zur Überwindung einer inneren und /oder äußeren Krisenlage
Unbeschränkte Herrschaft ohne zeitliche Grenzen
3.5. Vergleich Demokratie und Diktatur
Diktatur
Konzentration der Gewalt in einer Person bzw. Personen
↓ Aufhebung der Gewaltenteilung
westliche Demokratie
Prinzip der Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative,
Judikative)
-
Keine Kontrolle der Machtausübung gewährleistet
Rechtlosigkeit des Bürgers versus Machtkonzentration
Oft Einparteienstaatlichkeit
-
-
Staats- und Parteiämter werden in Personalunion erfüllt
-
Keine Foren von legaler Opposition
Noch bestehende Volksvertretungen
⇒keine Zustimmungsorgane
Vertikale Org.
-
Seite 45
Allgemeines, geheimes Wahlrecht
Prinzip des Pluralismus
Gegenüber der Mehrheitsherrschaft ⇒ Schutz der
industriellen Freiheit
Schutz der Minderheiten durch Grundrechte und
Gewaltenteilung
Horizontale Org.
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3. Republik Kuba- Diktatur
2.1. Zustandekommen und Gelingen der Revolution von Fidel Castro
-
1952 General Batista y Zaldivar löste durch Staatsstreich die gewählte Regierung ab
obwohl Aufschwung der Wirtschaft
Zunahme von Korruption und sozialen Unruhen
Entstehung einer Guerillabewegung unter dem Anwalt Fidel Castro Ruz
Nur möglich durch Rückhalt innerhalb der Landbevölkerung
Von 1957 – 1959: Guerillakrieg – Sturz der Regierung
Castro ruft Revolution aus
Hinrichtung von ca. 500 Abgeordneten und Militärs
Hohe Emigrationsrate von Kubanern (Bourgeoisie)
Ziele der Revolution:
-
Reformen nach sozialistischen Prinzipien, aber zu dem Zeitpunkt noch keine ausdrückliche sozialistische Revolution
Landwirtschaftsreform (70 % staatlich)
Verstaatlichung der Industrie (90 %)
Alphabetisierungskampagne (96,4 %)
Ein für alle Bürger offenes Schul- und Erziehungswesen
Bis heute kostenloser Besuch bis zur Hochschule, Bedingung ist Eignungstest
Kostenloses Gesundheitswesen mit hohem Standard erfolgreich durchgeführt
Statistik
Ärzte
Kliniken
Krankenhäuser
Kindersterblichkeit auf 1.000
Menschen
Lebenserwartung
-
1958
6.000
160
96 (1 ländlich)
50 Jahre
1978
14.000
370
261 (64 ländlich)
22,3
2000
71 Jahre
75,9 Jahre
5
Allerdings Medikamentenmangel
Nachdem die Enteignungen in Landwirtschaft und Industrie, die hauptsächlich die USA betrafen, vollzogen waren,
beschlossen die USA am 29.01.1960 eine Ankündigung, die kubanische Zuckerquote auf dem US-Markt auszusetzen
Auf Grund dieser massiven Einschränkungen geriet Kuba in Bedrängnis, d.h. Verlust
2.2. Der Staatsaufbau von Kuba
-
Einparteienstaat (kommunistische Partei Kuba PCC)
Zentralistische Führung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft
Fidel Castro Ministerpräsident
Modifizierung der Verfassung: Legislative-Judikative-Exekutive in der Hand vom Ministerpräsident
Alle 5 Jahre Wahl der Nationalversammlung/Volkskongress (510 bzw. 601 Mitglieder)
Alle 2 Jahre Wahl des Staatsrates (30 Mitglieder)
Vorsitzender des Staatsrates = Staatsoberhaupt Fidel Castro seit 1976
Reform innerhalb des Wahlsystems seit 1992:
Freie und direkte Wahlen
Wählbar sind ausschließlich Mitglieder der PCC
Kandidaten werden von Sonderkommissionen bestimmt
Wahlberechtigt alle ab dem 16. Lebensjahr
Seite 46
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
2.3. System der Überwachung
-
An der Spitze: Kommunistische Partei Kubas ca. 600.000 Mitglieder und Anwärter mit Fidel Castro als Lider maximo
Massenorganisationen: Komitees zur Verteidigung der Revolution (Comite de Defensa de la Revolucion, CDR) ca. 7,7 Mio
Mitglieder
Frauenvereinigung (Federacion de Mujeres Cubanas, FMC) ca. 3,6 Mio. Mitglieder
Gewerkschaften haben 3 Mio Mitglieder
Kommunistischer Jugendverband (Union Jorenes Communistas, UJC) ca. 600.000 Mitglieder
-
Bevölkerung straff durchorganisiert, so z.B. das CDR, welches in jedem Straßenblock in La Habana ein Büro besitzt
Daraus folgt absolute Kontrolle
2.4. Wirtschaftliche Situation in Kuba nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1989/90
-
Bis 1989 Unterstützung durch die RGW-Staaten (besonders SU) in Form von Forschung, Materialien und Geld
Ergebnisse: Mechanisierung der Landwirtschaft und Entwicklung der Industrie
In den 80er Jahren 80 % des Exportes von Kuba in die RGW-Staaten
Daraus folgte die Krisensituation nach Abbruch der Beziehungen , es entstanden Versorgungsengpässe und der Abfall des
Lebensstandardes
Lösungsansätze: Notprogramm beinhaltet Rationalisierung nahezu aller Produkte
Dazu Fidel Castro 1991: „Was wir in diesem Moment haben, ist praktisch eine Kriegswirtschaft“.
Öffnung der Wirtschaft für US-Dollar 1993 und Weltmarkt
Forcierter Ausbau des Tourismus auf internationaler Ebene
Ursprünglich: Abschaffung des Tourismus ist ein erklärtes Ziel der Revolution
Durch Tourismus gelangen US-Dollar, sprich Devisen, nach Kuba
Devisen führen zur Erholung der Wirtschaft
Also: hohe Menge von staatlichen Devisengeschäften und Dollarshops
In Dollarshops ist alles frei erhältlich für jeden Kubaner/in
Kubas Entwicklung ist ambivalent
1. starke Rationalisierung der Produkte
2. Öffnung für US-Dollar, die Bevölkerung hat Möglichkeit, alles zu kaufen, was sie benötigen
Aber: nur diejenigen kommen in den Besitz von US-Dollar, die auch Beziehungen im Ausland und/oder im Tourismus tätig sind
Trotz aller wirtschaftlichen Probleme wird an der sozialistischen Planwirtschaft festgehalten
-
2.5. Gegenüberstellung der demokratischen und dikatorischen Züge im System Kubas
demokratische Merkmale
-
Einparteienstaat; nur PCC
Zentralistische Führung
Castro seit 1976 gewähltes Staatsoberhaupt
Personalunion von Legislative und Exekutive
Verwehrung von Bürgerrechten und Grundfreiheiten; Opposition ist illegalisiert
Menschenrechtssituation noch nicht ausreichend geklärt, z.B. Todesstrafe, zu wenig transparent bei Hinrichtungen für
Weltöffentlichkeit
Bevölkerung eingebunden in unterschiedliche Massenorganisationen
Medien – Fernsehen und Radio unter Staatsmonopol, d.h. Kontrolle durch den Staat
Demokratische Merkmale ab 1990
-
Allgemeines, freies und geheimes Wahlrecht
Genauer betrachtet: wählbare Personen sind genauestens selektiert worden (vgl. 3.2)
Bevölkerung kann nur begrenzt Einfluss auf die Politik ausüben
Übernahme, in begrenztem Maße, von liberalen Wirtschafttheorien, um Existenz zu sichern
Annäherung an kapitalistisch orientierte Länder (Handelsbeziehungen) wie Kanada, Spanien, Japan und Italien
2.6. Nachweis der Sinustheorie
-
einleuchtendste Methode um Situation in Kuba zu beschreiben
eindeutiger Aufstieg seit 1959 zu verzeichnen
Blütezeit bzw. Pseudoblütezeit in den Jahrzehnten bis 1989
Niedergang ab 1989 mit Verschwinden der Bündnis- und Wirtschaftspartner
Prozess des Niedergangs stellt keine klare Zäsur dar
Fest steht das Kuba nicht in der Staatsform, von 1959 – 1989, im modernen Kapitalismus überlebensfähig ist
Notwendigkeit von Reformen enorm hoch: - Beseitigung des seit 1960 bestehenden Handelsembargos von Seiten der
USA, weil enorme Hemmung der eigenen Wirtschaft
Unterbindungen von Menschenrechtsverletzungen → höhere Möglichkeiten Absatzmärkte in bisher zurückhaltenden
Ländern zu gewinnen
Seite 47
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3. Beispiel für Demokratie in der BRD
3.1. Grundsätze der BRD
-
3.3.
Achtung und Schutz der Menschenwürde durch Grundrechte als Schutz und Abwehrrechte gegenüber dem Staat (Artikel
1/79)
Republikprinzip: Organisation des Staates als Republik und nicht als Monarchie (Präambel, Artikel 20, 28 GG)
Demokratieprinzip: Parlamentarische Demokratie (Artikel 20, 28 und 79 GG)
Föderalismusprinzip: Organisation als Bundesstaat mit Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer (Art. 20, 28 ,79 GG)
Rechtsstaatsprinzip: Grundsätze – Gerechtigkeit, Rechtsbindung, Rechtssicherheit, Verhältnismäßigkeit, Rechtsgleichheit
(Art. 1, 19, 20, 28, 79 GG)
Sozialstaatsprinzip: Fürsorge für Hilfsbedürftige, soziale Sicherungssysteme, Chancengleichheit, gerechte Sozialordnung
(Art. 1, 19, 20, 28, 79 GG)
Frieden: Verbot eines Angriffskrieges (Präambel, Art. 1, 9, 24, 26 GG )
Europa/Supranationalität: Staatsziel – vereintes Europa (Präambel, Art. 23, 24, 28, 45, 50, 53, 76, 88, 115 GG)
Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht: Stabilität und Wachstum in der Wirtschaft (Art. 104, 109, 115 GG)
Umweltschutz: Prinzip der Politik (Art. 20 a)
Gleichberechtigung: Diskriminierungsverbot (Art. 3 GG)
Behindertenschutz: Diskriminierungsverbot (Art. 3 GG)
Der Pluralismus – Kritik von Links und Rechts
3.2.1. Konservative Kritik am Einfluss der Verbände
-
Bedeutender Kritiker Carl Schmitt (1888 – 1985)
„Homogenität des Volkes“ geht aus politischer Existenz, nationaler Einheit und Geschlossenheit hervor
homogene und mit sich selbst einige Bevölkerung – Entwicklung eines exakten Volkswillens (siehe auch Identitätslehre
von J.J. Rousseau)
allein der Staat bzw. dessen Führer in der Lage, Gemeinwohl zu erkennen und umzusetzen
daraus folgt, Pluralismus geprägt durch egoistische Individualinteressen, dadurch Gefährdung des Gemeinwohles
Ziel: Verbändegesetz, damit Reduzierung und Kanalisierung des Einflusses der Verbände auf den Staat
3.2.2. Linke Kritik am Pluralismus
-
Seit 60er Jahren Frage, ob überhaupt die Struktur von Staat und Gesellschaft pluralistisch sein soll
Welche Interessen im gegenwärtigen Pluralismus von Belang sind wurde untersucht - nicht alle Interessen werden
gleichmäßig repräsentiert, nicht umsetzbar, weil z.B. Kinder und Alte nicht organisierbar sind
Konfliktfähigkeit bestimmter Interessengruppen unterentwickelt (Verbraucherverbände)
Chancengleichheit und Macht der konfliktfähigen Interessen unverhältnismäßig verteilt
Seite 48
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3.3. Der Staatsaufbau der BRD
-
Organe der Verfassung repräsentieren die rechtsstaatliche, demokratische und bundesstaatliche Ordnung des
Grundgesetzes
3.3.1.
-
Legislative
Oberstes gesetzgebendes Organ ist der deutsche Bundestag
Die Wahl: alle 4 Jahre in allgemeiner, geheimer, freier und gleicher Wahl unmittelbar durch das Volk
Föderatives Element: Bundesrat, Mitwirkung der Länder zur Gesetzgebung
Seine Zustimmung ist notwendig bzw. Einspruch möglich
3.3.2.
Exekutive
Bundespräsident: Vertretung des Bundes in völkerrechtlichen Angelegenheiten
Wahl: durch Bundesversammlung mit absoluter Mehrheit auf 5 Jahre
Bundesversammlung: zu gleichen Teilen aus Bundestagsabgeordneten und Mitgliedern der Länderparlamente
Bundeskanzler: 1. Vorschlag durch den Bundespräsidenten
2. Wahl durch Mehrheit des Bundestages
Bundesregierung: 1. Auswahl durch den Bundeskanzler
2. Vorschlag zum Bundespräsidenten – Entscheidung über Ernennung und Entlassung
-
Bundeskanzler bestimmt Richtlinien der Politik
Abwahl nur durch konstruktives Misstrauensvotum möglich
Aber: Bundestag muss mit Mehrheit neuen Bundeskanzler bestimmen
3.3.3.
-
Judikative
Bundesverfassungsgericht: rechtsprechende Gewalt, sowie Bundesgerichte, Ländergerichte, Amtsgerichte
Besteht aus 2 Senaten zu je 8 Richtern
Wahl: Hälfte vom Bundestag und Bundesrat
3.4. Ist Deutschland ohne Plebiszit eine Demokratie?
3.4.1.
a)
b)
c)
Ausdruck der Enttäuschung über das Verhalten der Massen zum Ende der Weimarer Republik und im Dritten Reich
Beschränkung der Möglichkeiten, des Volkes in Politik einzugreifen, auf ein Minimum: Wahl des Bundestages alle 4 Jahre
Jeder Volkswille weist 3 Problemaspekte auf: Fiktivität, Verführbarkeit und Fehlbarkeit
Fiktivität: - zur Menge aller Probleme existiert kein homogener Volkswille
Bürger besitzen weder die temporären Möglichkeiten, noch das Interesse um am politischen Geschehen teilzunehmen
Fehlbarkeit: - Unterscheidung zwischen Bedauern ( ohne besseres Wissen ) und Bereuen ( trotz besseren
Wissens) von politischen Entscheidungen mit Volkswillen muss getroffen werden
Verführbarkeit: - Konstruktion des Volkswillens durch Medien, Parteien, Verbände und Bildungsträger durch
Appelle an Ängste, Vorurteile, Interessen, Leidenschaften und Hoffnungen kann logisches Urteil unterstützen, aber
ebenso irreführen
3.4.2.
-
Warum keine plebiszitären Elemente in Deutschland?
Argumente für Plebiszite
Möglichkeit für Bevölkerung unmittelbar Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen zu können
Aufhebung des Zustandes der politischen Entfremdung ⇒ niedrige Wahlbeteiligung der Bevölkerung hervorgerufen durch
ungenügende Repräsentationen durch Parteien, etc.
Vorschlag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen:
-
Volksintiative: - Einbringen von Gesetzesentwurf mit Begründung
Befassung des Bundestages mit bestimmten Gegenständen der Politik
Bei Überschreiten der Fristen für Bewilligung des Entwurfes durch Bundestag ⇒ Volksbegehren:
Bei Zustimmung durch Wahlbevölkerung ⇒ Volksentscheid über Gesetzesentwurf: bei Mehrheit ist Gesetzesentwurf
angenommen
Ergebnis der Reform: Effektivitätssteigerung der Politik durch Bearbeitung unpopulärer Themenbereiche
Zum Schutz vor Minderheiten: Festlegung einer bestimmten unteren Grenze bei Wahlbeteiligung
Möglichkeit des Bundestages für alternative Vorschläge
3.4.3.
-
Argumente gegen Plebiszite
Antwort der CDU/CSU, FDP auf Antrag von SPD, Bündnis 90 /Die Grünen
Gegen die Aufnahme von Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid
Verfassungssystematische- und politsche Gründe: - Scheitern der Weimarer Republik
Nicht zeitgemäß → nur Ja/Nein- Antworten möglich → Entrationalisierung von Entscheidungen
Mittel für aktive Minderheiten ihre Interessen durchzusetzen
Abstimmungsmüdigkeit der Bevölkerung
Seite 49
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
3.4.4.
-
Plebiszite sind verfassungssystematisch nicht problematisch → Artikel 20: die Staatsgewalt übt das Volk durch „ Wahlen
und Abstimmungen“ aus
Deutschland ist ein zu großes Land für plebiszitäre Elemente → größerer Medieneinsatz erforderlich, bei Wahlen auch
möglich
Reduzierung der Themen auf Ja/Nein – Antworten → jede Abstimmung läuft auf Zustimmung bzw. Veto hinaus
Gefahr der Diktatur durch Mehrheiten → im GG Schutz für Minderheiten, keine Möglichkeit GG, Rechtsstaat abzuschaffen
bzw. Todesstrafe einzuführen
3.4.5.
-
Bürgergesellschaft oder Parteiendemokratie?
Versuch die Sinustheorie an der BRD zu belegen
Klarer Anstieg des Demokratiestrebens innerhalb Deutschlands nach dem II Weltkrieg
Blütezeit → Stabilisationsphase in den 60ern/70er Jahren
Trotz unterschiedlicher Krisen (Notverordnungen, friedliche Revolution in der DDR) → starker Demokratiewillen
Verlangen der Bevölkerung nach politischer Weiterentwicklung (Wahlmüdigkeit, Politikverdrossenheit)
Anprangerung prinzipieller Unmündigkeit der Bürger
Absprache der Fähigkeit politisch wichtige Entscheidungen treffen zu können
Nach 40jährigem Demokratisierungsprozess in Deutschland Reformen notwendig in Bezug auf unmittelbare
demokratische Elemente
Schwierige Einordnung in eine Geschichtstheorie, weil das Ende des Entwicklungsprozesses der BRD noch nicht
abzusehen ist
Seite 50
VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis
4. Thesen
-
Der Grund für das Handelsembargo der USA gegen Kuba ist die nahezu vollständige Enteignung von us-amerikanischem
Großgrundbesitz auf Kuba.
Die sofortige Einflussnahme der UdSSR auf die kubanische Entwicklung stellt eine offene Provokation für die USA dar.
Durch plebiszitäre Elemente wären die BRD-Bürger von ihrer relativen politischen Unmündigkeit enthoben.
Die BRD ist eine parlamentarisch - repräsentative Demokratie aufgrund von Minderheitenschutz, Gewaltenteilung etc.
Der Entwicklungsprozess der kubanischen Diktatur verläuft gemäß der Sinustheorie.
5.Literaturverzeichnis
Encarta Enzyclopädie 2001
Geschichte Kubas
Cubanet.de
Das politische System der BRD, Franz Floren
6.Quellenverzeichnis
-
Cubanet.de
Claus Offe, wider scheinradikale Gesten. Die Verfassunspolitik auf der Suche nach dem „Volkswillen“. In Gunter
Hofmann/Werner A: Perger [Hrsg.], Die Kontroverse. Weizsäckers Parteienkritik in der Diskussion, Frankfurt a.
M.1992,s.127-132
Wolfgang Fischer, Formen unmittelbarer Demokratie im Grundgesetz. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale
für Politische Bildung, S.16-18
Ute Watermann/ Uwe Jean Heuser/Gero von Randow: Jetzt werden wir direkt, in die Zeit 16/1998,8.4.1998
Carl Böhret, u. a., Innenpolitik und politische Theorie. Ein Studienbuch, Westdeutscher Verlag, Opladen 1979,S. 202
Grundgesetz der BRD
Seite 51
IX. Thesenblätter
IX. Thesenblätter
1. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Antike (Maria
Meisel)
1.
Voraussetzung für die Entwicklung von Demokratie (Demokratievorstellungen, D.-ideen etc.)
ist das Entstehen der griechischen Polis.
2.
Das Aufbegehren des Volkes während der sozialen Krise im 7. Jh. v. Chr. bewirkte die
Verfassungsänderungen unter Solon.
3.
Die Reformen Solons stellen einen Kompromiss zwischen der bis dato herrschenden Klasse
und der aufbegehrenden dar.
4.
Die Tyrannis der Peisistraten schafft die notwendigen Voraussetzungen für die sich
entwickelnde attische Demokratie.
5.
Durch die Entscheidungskompetenz der Ekklesia kam es häufg zu Fehlentscheidungen.
(Kompetenz=Zuständigkeit, Befähigung)
6.
Der Untergang der Poleis in Griechenland sicherte die Verbreitung der griechischen
Staatsphilosophie und dadurch auch die kritische Auseinandersetzung mit selbiger.
7.
Die griechische Demokratie war im Vergleich zur Bevölkerungsanzahl (einschließlich Frauen,
Metöken, Sklaven) keine Herrschaft der Mehrheit, sondern eine Herrschaft weniger,
privilegierter Bürger- sie ist daher als Oligarchie zu bezeichnen.
8.
Den „unpolitischen„ Bürger nach unserem heutigem Verständnis gab es in Athen, aufgrund
der vielen Ämter die auf die wenigen Personen mit Bürgerrecht aufgeteilt wurden, nicht.
9. Die griechische Demokratieentwicklung in der Antike folgt der Sinustheorie.
Seite 52
IX. Thesenblätter
2. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Mittelalter (Doreen
Pieper)
1. Gleichheits- und Mitbestimmungsforderungen überwiegend in den Städten, während die Bauern
und Unfreien auf dem Land weiterhin abhängig sind.
2. Als relativ demokratisches Element ist der Schöffenrat zu sehen. Undemokratisch war daran
jedoch, dass für die Wahlen zum Schöffen oft ein bestimmter Grundbesitz o.ä. vorhanden sein
musste.
3. Undemokratisch ist die Gliederung des Volkes in Stände oder Heerschildordnung. Dies lässt die
Volksherrschaft als solche nicht zu.
4. Zersplitterung des Landes in verschiedene Fürstenterritorien etc. lassen keine einheitliche
Staatsverwaltung, z.B. mit Verfassung oder Rechtsstaat, zu.
5. Diktatur des Monarchen oder Landesfürsten kam nicht vor, da kein nationales einheitliches Volk
hinter den Ideen desjenigen stand.
6. Bildung des Gerichtswesens ist ein Schritt in Richtung der Ausbildung der Gewaltenteilung. Im
Mittelalter jedoch kaum als wertbares demokratisches Element zu sehen, da die Rechte von
Fürstenterritorium zu Fürstenterritorium verschieden waren.
7. Zumindest im Frühmittelalter gab es kaum Potential für die Herausbildung einer Demokratie oder
Diktatur. Dies ist auf fehlende Bildung, Anerkennen der Zustände (z.B. Gottesgnadentum des
Königs, Auslieferung der unteren Stände in Abhängigkeit etc.) und den Glauben an das durch Gott
gegebene Schicksal zurückzuführen.
8. Fehlendes Nationalbewusstsein aufgrund der Ständehierarchie und das in Territorien
aufgegliederte Land.
9. Demokratiebewusstsein ist von Land zu Land verschieden. England und Frankreich sind z.B. sehr
fortschrittlich, u.a. durch königliche Exekutivbeamte (sheriffs oder baillis) oder zentrale
Verwaltungs- und Finanzbehörde.
Seite 53
IX. Thesenblätter
3. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1500 bis
1800 (Steve Knitter)
1. Die Unterdrückung der Einzelwillen eines jeden mit Gewalt, in Rousseaus Theorie ,führt
Zwangsweise irgendwann zu einer Auflehnung der Unterdrückten.
2. Durch die Gewaltenverschränkung in der Demokratie dauert es länger bis ein Gesetz in Kraft tritt.
3. Sind die sozialen Probleme größer, ist die Bereitschaft des Volkes eine Revolution durchzuführen
ebenfalls größer.
4. Hätte man in England die Glaubensfreiheit früher erlassen, wäre es vorerst bei einer absoluten
Monarchie geblieben.
5. Durch geschickte Beeinflussung des Volkes können sich in Rousseau seiner Theorie Leute an die
Spitze des Staates setzten und die Demokratie in eine Diktatur verwandeln.
6. Das Aufzwingen des Allgemeinwillens verstößt gegen das Recht der persönlichen freien
Entfaltung.
7. Rousseau seine Theorie funktioniert nur in einem kleinen Kreis ,in welchem die Mitglieder
gleichberechtigt sind.
8. In der repräsentativen Demokratie in einem förderalem Staat ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine
extremistische Partei an die Macht kommt geringer als in der Direkten Demokratie.
Seite 54
IX. Thesenblätter
4. Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses im Zeitraum von 1800 bis 1945
(Thomas Pflug)
1. Der Vormarsch der Gleichheit wird auch zum unausweichlichen „Schicksal“ der europäischen
Nationen werden.
2. Der Vormarsch der Gleichheit gefährdet die Freiheit, und die Demokratie birgt die Gefahr des
Umkippens zum Despotismus in sich.
3. Mit der Überwindung der alten Mächte fielen zugleich die alten Schranken gegen despotische
Herrschaft weg.
4. Vom allgemeinen, freien und gleichen Wahlrecht ist in keiner der klassischen Demokratietheorien
die Rede. Überdies hängen die meisten klassischen Lehren der Auffassung an, die Demokratie
gedeihe nur in Kleinstaaten.
5. Vor dem 20. Jahrhundert genießt die Demokratie insgesamt keinen guten Ruf.
6. Ende des 19. Jahrhunderts stand das Wahlrecht nur relativ wenigen zu.
7. Regierungswechsel sind in Demokratie nicht mit der Last von Regimewechseln verknüpft.
8. Die Demokratie erhöht die Transparenz des politischen Geschehens.
9. Demokratie ist Problembewältiger sowie Problemerzeuger zugleich.
10. Die Diktaturen geben im Durchschnitt einen größeren Anteil ihres Wirtschaftsproduktes für
Militärausgaben aus als die Demokratien.
11. Die Wirtschaft der Nichtdemokratien kann sogar schneller wachsen als in den wirtschaftlich
fortgeschrittenen Ländern, vor allem im Falle eines technologischen Aufholprozesses, den die
wirtschaftlich entwickelten Staaten schon hinter sich haben.
12. Gefährlich für die Demokratie wäre eine Machtverteilung, welche den Antisystemkräften entweder
die Vorherrschaft im Parteiensystem oder im Parlament verschafft und somit zur
Gesetzesänderung befähigt wären.
13. Jede Diktatur ist zum Scheitern verurteilt.
14. Das faschistische Italien war weniger totalitär als der Nationalsozialismus und der Bolschewismus.
15. Keines der oft gegensätzlichen Regime in Frankreich hat den Staatszentralismus seitdem in Frage
gestellt.
16. Die totalitären Staaten Europas stellten einen Rückfall in das 16. und vor allem 17. Jahrhundert mit
seiner geistigen Unduldsamkeit und seiner politischen Despotie dar
17. Voraussetzung für die Errichtung der Diktatur war die Massendemokratie.
18. Demokratien werden langfristig die Diktaturen ablösen.
19. Demokratien sind zukunfts- und entwicklungsfähiger.
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IX. Thesenblätter
5. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Zeit der Bipolarität (Mathias
Vogel)

Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben die Weltmächte USA und UdSSR den Ton an und nahmen
weit reichend Einfluss auf die Staatsformen einzelner Länder

Die Pluralismustheorie bildet den Gegensatz zu Systemen die totalitär durch eine Partei/Elite
geführt ist

Die Konkordanzdemokratie lässt sich nur in kleineren Staaten wie der Schweiz verwirklichen, da
dort die Wahrscheinlichkeit, Entscheidungen einstimmig zu treffen, hoher ist, als in einem
Bevölkerungsreichen Land

In einer präsidentiellen Demokratie ist die Wahrscheinlichkeit höher, in ein totalitäres System zu
verfallen

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Demokratie in Italien sehr instabil, vergleichbar mit der
Weimarer Republik

Der Maoismus ist eine Abwandlung der marxistisch- leninistischen Theorie

Nicht alle Chinesen ging mit dem Plan, eine Diktatur des Proletariats zu errichten konform
Seite 56
IX. Thesenblätter
6. Die Veränderung des Demokratie- und Diktaturverständnisses in der Gegenwart (Stefanie Hansche,
wird später nachgereicht; siehe Anhang.doc)
Seite 57
X. Anhang
X. Anhang
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XI. Eidesstattliche Erklärung
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