Bewerbungsgespräch vor der Webcam

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Bewerbungsgespräch vor der Webcam
Foto: © Alexander Hauk/www.alexander-hauk.de/pixelio.de
praxistipps
 METHODEN
Bewerbungsgespräch
vor der Webcam
Einige Unternehmen führen inzwischen Vorstellungsgespräche per Skype. Doch beim Video-Chat gibt es viele Stolpersteine. | Benjamin O‘Daniel
F
ür Karsten (34) hörte sich die Stellenausschreibung attraktiv an: Ein
internationales Unternehmen mit
Sitz in München. Doch sollte er jetzt allein
für das Vorstellungsgespräch von Bremen
nach München fahren? Das hieße zwei
bis drei Tage frei nehmen, ohne dass der
aktuelle Chef misstrauisch wird. Doch es
kam anders: Das Münchner Unternehmen lud in der ersten Bewerberrunde
zum Online-Bewerbungsgespräch ein.
Das Instrument wird immer beliebter:
Es spart beiden Seiten Zeit und Kosten
– ähnlich wie das Telefon-Bewerbungsgespräch, das es schon länger gibt.
Besonders bei Stellen, die deutschlandweit oder weltweit ausgeschrieben
werden, ist das Webcam-Gespräch an-
IV
scheinend für viele Unternehmen eine
praktische Alternative. „Es war mindestens so intensiv und anstrengend wie
ein normales Bewerbungsgespräch“,
berichtet Karsten, der zuvor noch keine
Erfahrung in Bewerberinterviews per Video gemacht hatte.
Ganz oben in den Videodiensten, die
es im Internet gibt, liegt Skype. Über die
kostenlose
Kommunikations-Software
können User umsonst übers Internet miteinander telefonieren – mit oder ohne
Videofunktion. Auch Telefonkonferenzen
sind über den Dienst möglich, so dass
sich etwa drei oder fünf Personen in das
Gespräch einklinken. Allerdings ist die
Verbindung nicht immer so gut wie eine
Telefonverbindung. Weihnachten 2010
hielt die Leitung nicht stand – Millionen
Kunden sahen nur Klötzchen auf dem
Bildschirm statt einer flüssigen Übertragung. Welche technischen Tücken sollte
man beachten – und was gibt es noch
für Tipps, damit das Webcam-Bewerbungsgespräch erfolgreich verläuft? Die
Redaktion des Infodienstes hat die wesentlichen Tipps zusammengestellt:
Internetverbindung
Vorab gilt: Haben Sie keine DSL-Leitung
wird es schwierig bis unmöglich, das Gespräch in den eigenen vier Wänden zu
führen. Während des Gesprächs werden
die Daten in Echtzeit durchs Internet gejagt – dafür braucht man eine starke Internetverbindung. Aber das Gespräch absagen müssen Sie deswegen nicht: In vielen
Städten gibt es professionelle Büro- oder
Telefonservice-Unternehmen. Dort kann
man sich einen Raum für ein oder zwei
Stunden anmieten, mit einer entsprechend starken Internetverbindung.
Equipment kaufen
Investieren Sie notfalls in eine gute Kamera und ein ordentliches Headset. Es
nützt nichts, wenn Sie ihr Gegenüber
nicht wirklich verstehen, es die ganze Zeit
rauscht oder das Mikrofon übersteuert.
Anmelden
Melden Sie sich früh genug bei Skype an,
nicht erst auf den letzten Drücker. So
können Sie sich mit dem Programm vertraut machen. Der Kommunikationsdienst ist in der Basis-Version kostenfrei.
Wer allerdings von Skype aufs Festnetz
anrufen möchte, muss dafür zahlen. Achten Sie bei der Anmeldung auf einen seriösen Namen.
Testgespräch führen
Ob die eigene Leitung trotz DSL ausreicht, findet man am besten durch mehrere Probeläufe heraus. Verabreden Sie
arbeitsmarkt BILDUNG | KULTUR | SOZIALWESEN_33|2011
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sich mit einer Freundin oder einem
Freund zum „skypen“. So bekommt man
auch einen Überblick, wie die Software
zu bedienen ist, falls es zu Problemen
kommt. Sie können zum Beispiel die Bewerbungssituation üben und damit ihr
Verhalten vor der Kamera testen und das
eigentliche Gespräch wird keine völlig
neue Erfahrung.
Wohnung vorbereiten
Ein Online-Bewerbungsgespräch unterscheidet sich nicht von einem Gespräch
im echten Leben! Also sollte der Schreibtisch aufgeräumt werden und darauf geachtet werden, was im Hintergrund alles
zu sehen ist. Soll der zukünftige Chef
wirklich das Metallica-Poster oder den
pinkfarbenen Bademantel sehen? Natürlich nicht. Also weg damit. Sorgen Sie
auch dafür, dass genug Licht vorhanden
ist. Auch wenn es taghell ist, schadet es
nicht, zusätzlich für Licht zu sorgen. Sie
müssen sich buchstäblich ins richtige
Licht rücken.
schwer genug, über ein Videogespräch
eine natürliche Situation herzustellen,
Störungen geben der angespannten Situation schnell einen Todesstoß. Notfalls
stellen Sie eine „Wache“ auf, die andere
Personen abhält, das Zimmer zu betreten
oder Mitbewohner ermahnt, Musik nicht
zu laut zu drehen. Schließen Sie das
Fenster, bevor in wenigen Minuten die
Müllabfuhr vorbeifährt und Sie ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen.
Schicke Kleidung anziehen
Auch wenn bei Skype meistens nur der
Kopf zu sehen ist, sollte man sich von
Kopf bis Fuß angemessen kleiden. Stellen Sie sich vor: Sie haben ein schickes
Hemd an, aber Pantoffeln an den Füßen
Sich über den Job informieren
Wie sieht die Arbeitsstelle aus, für die ich
mich interessiere? Welche Kunden hat das
Unternehmen, wo möchte es in den
nächsten Jahren hin, wie stelle ich mir meine zukünftige Arbeit vor? Fragen über Fragen, die man sich bei einem üblichen Bewerbungsgespräch auch stellen würde. Informieren Sie sich vorher über ihren potenziellen Arbeitgeber. Hängen Sie definitiv
keine „Spickzettel“ hinter ihrem Laptop auf.
Es wird Sie nur ablenken und Ihr Gegenüber merkt es sofort, wenn Sie über die Kamera hinweg auf die Wand schauen.
Störungen verhindern
Habe ich meine Ruhe zum Video-Termin?
Falls Sie einen Hund haben, Kinder oder
Mitbewohner – bereiten sie alles vor,
dass sie nicht gestört werden. Jede Unterbrechung bringt Sie und Ihren Gesprächspartner aus dem Takt. Es ist
ren Programme – Mails, Webseiten, offene Chats. Die anderen Programme brauchen Speicherplatz und machen Ihren
Rechner langsam. Außerdem lenkt es ab,
wenn irgendwelche Fenster „aufpoppen“.
Organisatorische Dinge klären
Was passiert, wenn die Leitung zusammenbricht? Wer ruft an und wer wartet
auf den Rückruf? Klären Sie solch organisatorischen Dinge gleich zu Beginn. Dann
geraten Sie nicht in Panik, wenn die Leitung zusammenbricht.
In die Kamera gucken
Es ist der Knackpunkt eines jeden VideoGesprächs: Man schaut sich nie wirklich
in die Augen. Entweder Sie schauen in
die Kamera und Ihr Gegenüber sieht Ihre
Augen. Oder Sie schauen auf den Bildschirm, dann sieht Ihr Gegenüber sie mit
gesenktem Blick. Schauen Sie möglichst
oft in die Kamera – auch wenn es ihnen
ungewohnt erscheint. Ihre Kamera ist das
Auge des anderen.
Ruhig bleiben
Umgebung und Kleidung sollen zum Gespräch passen, Foto: © olga meier-sander/
pixelio.de
– und plötzlich klopft es an der Tür und
Sie müssen aufstehen. Außerdem hilft
ein schicker Dresscode, sich mental auf
das Gespräch vorzubereiten. Denn die
größte Gefahr lauert in der eigenen Wohnung: Weil man ein Bewerbungsgespräch
im vertrauten Umfeld führt, neigt man
schneller dazu, in den „privaten“ Modus
umzustellen und flapsig zu werden, obwohl es nicht passt.
PC-Programme schließen
In wenigen Minuten beginnt das Bewerbungsgespräch. Schließen Sie alle ande-
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Auch wenn die Leitung stabil ist, kommen ruckartige Bewegungen oft zeitversetzt beim Gegenüber an. Wenn Sie viel
gestikulieren, sieht der andere also nur
verschwommene Arme. Das Bild hakt
und die Gesprächssituation auch. Bleiben Sie einfach ruhig sitzen – der Rest
ergibt sich von selbst.
Sie haben das Gespräch hinter sich gebracht? Glückwunsch! Doch jetzt geht es
erst richtig los. Die wenigsten Unternehmen entscheiden alleine auf Basis eines
Video-Interviews, mit welcher Person sie
die Stelle besetzen. Oft ist das OnlineGespräch für eine erste Auswahl gedacht.
Doch jetzt wissen sowohl Sie als auch Ihr
potenzieller Arbeitgeber, ob es sich lohnt,
Kosten und Mühe für ein persönliches
Gespräch auf sich zu nehmen.
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