Kultursoziologie + Kunstsoziologie

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Kultursoziologie + Kunstsoziologie
soFid
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst
Kultursoziologie + Kunstsoziologie
2009|1
Kultursoziologie + Kunstsoziologie
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst
soFid
Kultursoziologie + Kunstsoziologie
Band 2009/1
bearbeitet von
Sybille Frickel
mit einem Beitrag von
Ulrich Steuten und Hermann Strasser
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2009
ISSN:
Herausgeber:
bearbeitet von:
Programmierung:
Druck u. Vertrieb:
0176-442x
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Abteilung Fachinformation für die Sozialwissenschaften
Sybille Frickel
Siegfried Schomisch
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Lennéstr. 30, 53113 Bonn, Tel.: (0228)2281-0
Printed in Germany
Die Mittel für diese Veröffentlichung wurden im Rahmen der institutionellen Förderung von GESIS
durch den Bund und die Länder gemeinsam bereitgestellt.
© 2009 GESIS. Alle Rechte vorbehalten. Insbesondere ist die Überführung in maschinenlesbare
Form sowie das Speichern in Informationssystemen, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Einwilligung des Herausgebers gestattet.
Inhalt
Vorwort ................................................................................................................................................. 7
Ulrich Steuten, Hermann Strasser
Lady Di - Die moderne Madonna.......................................................................................................... 9
Sachgebiete
1
Kultursoziologie
1.1
Allgemeine theoretische Ansätze.............................................................................................17
1.2
Kulturgeschichte...................................................................................................................... 41
1.3
Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel...........................................................................47
1.4
Lebensstile, Werte, Normen.....................................................................................................65
1.5
Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde........................................................................ 73
1.6
Kulturindustrie, Kulturpolitik.................................................................................................. 86
1.7
Alltag, Freizeit, Soziokultur.....................................................................................................96
1.8
Kulturelle Identität................................................................................................................. 103
1.9
Politische Kultur.................................................................................................................... 120
1.10
Organisationskultur/Unternehmenskultur.............................................................................. 132
1.11
Kommunikation/ Massenmedien/ neue Medien.................................................................... 142
2
Kunstsoziologie
2.1
Allgemeines........................................................................................................................... 161
2.2
Literatur..................................................................................................................................171
2.3
Bildende Kunst, Musik.......................................................................................................... 174
2.4
Theater, Film, Fotografie....................................................................................................... 196
Register
Hinweise zur Registerbenutzung....................................................................................................... 207
Personenregister................................................................................................................................. 209
Sachregister........................................................................................................................................215
Institutionenregister........................................................................................................................... 233
Anhang
Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur...............................................................................237
Zur Benutzung der Forschungsnachweise......................................................................................... 237
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
Vorwort
7
Vorwort
zum soFid „Kultursoziologie + Kunstsoziologie“
GESIS bietet mit dem „Sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst“ (soFid) zweimal jährlich aktuelle Informationen zu einer großen Zahl spezieller Themenstellungen an. Jeder soFid hat
sein eigenes, meist pragmatisch festgelegtes Profil. Gewisse Überschneidungen sind deshalb nicht
zu vermeiden.
Quelle der im jeweiligen soFid enthaltenen Informationen sind die von GESIS produzierten Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) sowie SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften – bisher FORIS).
Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf Graue Literatur in den
zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. In SOLIS ist bei einigen Hinweisen unter „Standort“ eine Internet-Adresse eingetragen. Wenn Sie mit dieser Adresse im Internet suchen, finden
Sie hier den vollständigen Text des Dokuments.
Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für SOFIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Zur Meldung
neuer Projekte steht unter http://www.gesis.org/SOFIS/Erhebung/ permanent ein Fragebogen zur
Verfügung.
Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F". Im Gegensatz zu Literaturhinweisen, die jeweils nur einmal gegeben
werden, kann es vorkommen, dass ein Forschungsnachweis in mehreren aufeinander folgenden
Diensten erscheint. Dies ist gerechtfertigt, weil Forschungsprojekte häufig ihren Zuschnitt verändern, sei es, dass das Projekt eingeengt, erweitert, auf ein anderes Thema verlagert oder ganz abgebrochen wird. Es handelt sich also bei einem erneuten Nachweis in jedem Falle um eine aktualisierte Fassung, die Rückschlüsse auf den Fortgang der Arbeiten an einem Projekt zulässt.
***
Der sozialwissenschaftliche Fachinformationsdienst „Kultursoziologie + Kunstsoziologie“ spiegelt den Stand der wissenschaftlichen Diskussion in beiden Gebieten wider.
Ausgehend von dem Ansatz, dass Kultur inhärenter Bestandteil des sozialen Geschehens ist, beschäftigt sich das Kapitel Kultursoziologie neben allgemeinen, theoretischen Ansätzen und kulturgeschichtlichen Fragen recht breit mit einzelnen kulturellen Inhalten. In den Gliederungspunkten
„Lebensstile, Werte, Normen“, „Kulturelle Identität“ und „Politische Kultur“ wird die wechselseitige Durchdringung von Kultur und aktuellster Gesellschaftsentwicklung am deutlichsten.
8
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
Vorwort
Bei der inhaltlichen Bearbeitung werden Nachweise aufgenommen, die eindeutig dem Themenkomplex zuzuordnen sind oder wichtige kultursoziologische Aspekte haben. Deshalb sind Überschneidungen zu einzelnen Kapiteln anderer soFid-Dienste nicht zu vermeiden. Im Gliederungspunkt „Kommunikation/Massenmedien/neue Medien“ sind Überschneidungen zu einzelnen Kapiteln des soFid „Kommunikationswissenschaft: Massenkommunikation - Medien - Sprache“ möglich. Gleiches gilt für den Dienst „Sozialpsychologie“, in dem ein Kapitel zu „Einstellung, Wahrnehmung und Verhalten“ existiert. Arbeiten und Projekte zu diesem Schwerpunkt weisen häufig
kultursoziologische Aspekte auf, die eine Aufnahme in einen Gliederungspunkt des Dienstes
„Kultursoziologie + Kunstsoziologie“ rechtfertigen. Die soFids „Osteuropaforschung“ und „Gesellschaftlicher Wandel in den neuen Bundesländern“ als Querschnittsdienste verfügen jeweils
über ein Kapitel zu „Kultur, Kunst, Medien“ mit speziellem geographischen Bezug zu den Länder
Osteuropas bzw. den neuen Bundesländern.
Das Kapitel Kunstsoziologie erfasst allgemeine Betrachtungen über Kunst sowie Nachweise zu
den einzelnen Kunstdisziplinen.
Der soFid „Kultur- und Kunstsoziologie“ kann keine vollständige Bibliographie der Fachdisziplin
sein. Bei der Vielzahl von Veröffentlichungen und Forschungsprojekten ist dies nicht im Rahmen
der soFid-Reihe realisierbar. Der vorliegende Dienst will ein vielfältiges und anregendes Nachschlageinstrument für die Profession sein.
In dieser soFid-Ausgabe erscheint der Beitrag: „Lady Di - Die moderne Madonna“ von Dr. Ulrich
Steuten und Prof. Dr. Hermann Strasser. Wir bedanken uns herzlich bei den Autoren und der Redaktion „Aus Politik und Zeitgeschichte“ für die Veröffentlichungserlaubnis.
Lady Di - Die moderne Madonna1
Ulrich Steuten / Hermann Strasser
Einleitung
In der Nacht zum 31. August 1997 kam die britische Prinzessin Diana Frances Mountbatten-Windsor, geborene Spencer, bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben. Ihr Tod löste weltweit
eine Welle der Trauer und Anteilnahme aus, wie es sie äußerst selten gegeben hat. Nach Schätzungen verfolgten mehr als zwei Milliarden Menschen die Trauerfeierlichkeiten im Fernsehen oder
Rundfunk, über eine Million Menschen versammelten sich in den Straßen entlang des Trauerzugs
zu Londons Westminster Abbey. Und in den folgenden Jahren ist ein Prozess der Glorifizierung von
„Lady Di“, wie die Prinzessin von Wales schon zu Lebzeiten im Volksmund genannt wurde, in
Gang gekommen.
Allenfalls die Ermordung John F. Kennedys dürfte in den vergangenen Jahrzehnten ein vergleichbares Echo der Bestürzung und des Mitgefühls ausgelöst haben. Ähnlich wie bei Kennedy sind die
Spekulationen über die Hintergründe ihres Todes bis heute nicht abgerissen. Verschwörungstheorien oder Gerüchte über die Beteiligung ausländischer Mächte oder des britischen Geheimdienstes
machen in den Gazetten die Runde. Erst vor kurzem kam es zu einer höchstrichterlichen Entscheidung, dass kein Beweis vorliege, „dass Prinz Philip den Mord der Prinzessin von Wales angeordnet
hat“2. Doch anders als nach dem gewaltsamen Tod des amerikanischen Präsidenten ist auch elf Jahre nach Prinzessin Dianas Tod immer noch eine starke emotionale Anteilnahme breiter Bevölkerungsschichten wahrzunehmen.
Die authentischen Bekundungen von Trauer und Wertschätzung, die der Toten weltweit entgegengebracht und seit Jahren von mehreren Seiten instrumentalisiert werden, sind unübersehbar. Das Leben und Sterben der Prinzessin von Wales ist offensichtlich geeignet, einer populären Mythenbildung in der modernen Gesellschaft Substanz zu verleihen. Vor allem bietet es die Möglichkeit,
einen modernen Kult zu etablieren, der sich im Zuge politischer Opportunitäten und kommerzieller
Interessen steuern und nutzen lässt. Doch was macht Lady Di zu einer derart idealen Kultfigur?
Kulte
Soziologisch betrachtet, besteht ein Kult aus einem Objekt der Verehrung und einer verehrenden
Gemeinschaft. Das verehrte Objekt kann ein göttliches Wesen, eine weltliche Person (ein Star), eine
Organisation (Fußballvereine wie Boca Juniors oder Real Madrid), ein Naturphänomen (ein heiliger
Berg) - oder auch der eigene Körper sein. Die Anhängerschaft ist - anders als beim religiösen Kult
in Verbindung mit einer Kirche - meist recht lose strukturiert und oft wenig beständig. Kultgemeinschaften bestehen aus Gruppen oder Individuen, die auf Grund persönlicher Erfahrungen eine ähnliche Gesinnung teilen.3 Bildet ein Gott das Zentrum des Kultes, so umgibt ihn eine ihn „vergötternde“ Gemeinde. In modernen Gesellschaften sind es in der Regel charismatische Personen wie Politiker, Künstler oder Sportler, also irdische Götter, um die sich ein Kult bildet.
1
2
3
Erstmals erschienen in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung DAS PARLAMENT,
52/2008, 22-27.
Die Welt vom 2. April 2008.
Vgl. Anthony Giddens, Soziologie, Graz-Wien 1995, S. 498.
10
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Lady Di - Die moderne Madonna
Bereits Ende der 1940er Jahre thematisierte Karl Jaspers solche Arten der Vergötterung. Neben
dem Nihilismus und der Dämonologie befasste er sich in seinen Betrachtungen der Erscheinungsformen des philosophischen Unglaubens mit der „Menschenvergötterung“: „Es ist ein universales
Phänomen, daß Menschen einen einzelnen Menschen schwärmerisch verehren, ihn zum Übermenschen steigern, in ihm das Ideal des Menschseins verwirklicht sehen. Sie sind geneigt (...) von
ihm Wunder zu erwarten“. Diese Vergötterung, so Jaspers, wirke auf den „als heilig Angeschauten“ zurück.4 Er werde von seinen Anhängern so bedrängt, dass er sich gezwungen fühle, sich so
zu verhalten, wie diese es von ihm erwarten.
Untersuchungen moderner Psychologen weisen heute eine Wirkung auch in der umgekehrten
Richtung nach: Parasoziale Beziehungen, wie sie in der Bewunderung und Glorifizierung von
„Berühmtheiten“, so genannten celebrities, zum Ausdruck kommen, können für Menschen mit
niedriger Selbsteinschätzung positive Effekte im Hinblick auf ihre Persönlichkeitsentwicklung haben. Unbedroht von Zurückweisungen, wie sie in realen sozialen Beziehungen möglich und an der
Tagesordnung sind, kann ihnen die „Menschenvergötterung“ dazu verhelfen, Selbstzweifel abzubauen und ihrem Selbst-Ideal näher zu kommen.5
Den Erwartungen ihrer Millionen Verehrer entsprach die Princess of Wales - und zwar in jeder
Weise, wie noch zu zeigen sein wird. Ihr Kristallisationskern war allerdings kein eng verstricktes
Kollektiv, sondern eine neuzeitliche Fangemeinde von global prayers, keineswegs nur „low selfesteemed individuals“, sondern allesamt unersättliche „Verbraucher von Mythen“, wie der Zeichendeuter Roland Barthes sie einmal beschrieb.6
Die Gejagte und ihre Jäger
Einen Diana-Kult kannten bereits die alten Griechen und Römer. Die römische Diana, die, der
griechischen Artemis gleich, als Mutter-, Tier- und Jagdgöttin verehrt wurde, hatte ihre bedeutendste Kultstätte am Berge Tifata bei Capua. Ovid erzählt in seinen Metamorphosen, dass die
Göttin beim Bade vom übermütigen Aktaion beobachtet worden sei und sie ihn deshalb in einen
Hirsch verwandelt und seine eigenen Hunde auf ihn gehetzt habe.
Lady Diana war zwar keine Göttin der Jagd, aber auch sie wurde beobachtet, von sensationsgierigen Fotografen, die ihr auf Schritt und Tritt, und am letzten Tag ihres Lebens in höllischem Tempo per Auto folgten. Als Princess of Wales war Diana niemals vor den Objektiven der Paparazzi
sicher, von den Agenten der yellow press wurde sie bis in ihre Intimsphäre verfolgt. Während
Griechen und Römer der Göttin Diana Opfer brachten, wurde Lady Di selbst zum Opfer einer
Jagd - ein tragischer Umstand, der jedoch für die gesellschaftliche Konstruktion einer Kultfigur
nicht unerheblich ist, wie die Beispiele von Che Guevara und Martin Luther King, Sissi und Grace
Kelly, Elvis Presley und John Lennon zeigen.7 So verweist man auch gerne auf das Laszive oder
das Tragisch-Komische, wenn es um die Frage geht, was eine Diva zur Diva mache.
Bereits kurz nach ihrem Tod wurden zu ihren Ehren die ersten Kultstätten errichtet. Im Londoner
Harrods, einem der größten Kaufhäuser der Welt, wurde ein frei zugänglicher Altar aufgebaut, an
4
5
6
7
Karl Jaspers, Der philosophische Glaube, Frankfurt/M. 1958, S. 113.
Jaye Derrick et al., Parasocial relationships and self-discrepancies: Faux relationships have benefits for
low self-esteem individuals, in: Personal Relationships, 15 (2008) 2, S. 261 - 280.
Roland Barthes, Mythen des Alltags, Frankfurt/M. 1974, S. 113.
Vgl. Michael Nüchtern, Die (un)heimliche Sehnsucht nach Religiösem, Stuttgart 1998, S. 16ff.
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dem Einheimische wie Touristen aus aller Welt Blumen und andere Opfergaben niederlegen konnten. Ein Jahr später entstand um ihre Grabstätte in Althorp, dem Familiensitz der Spencers, eine
komplette Tempelanlage einschließlich eines Museums mit florierendem Devotionalienhandel.
Am Eingang des Pariser Tunnels, in dem sie starb, wurden die über Jahre wahllos dargebrachten
Huldigungs- und Erinnerungsbekundungen schließlich durch ein Denkmal, der so genannten „Flame of Liberty“, ersetzt. Als sicherlich nicht letzten Akt offizieller Ehrerbietung weihte Königin
Elisabeth II. 2004 im Londoner Hyde Park einen Diana-Gedächtnisbrunnen ein.
Abgesehen von diesen klassisch-konventionellen Formen der Verehrung ist das Leben von „England's Rose“ unter anderem in Liedern („Candle in the Wind“), Büchern, Verfilmungen, einem
Musical („Diana“, 2002 in Görlitz uraufgeführt) und einem Ballett („Diana the Princess“) aufgehoben. Faktisch wirksamer sind die unzähligen Trauerbekundungen, Briefe, Danksagungen und
Bitten, die der Verstorbenen von Millionen Verehrern auf der ganzen Welt bis heute entgegengebracht werden. Noch fünf Jahre nach ihrem Tod wählten Diana-Fans ihr Idol im Rahmen einer
BBC-Umfrage zur drittwichtigsten Figur der britischen Geschichte. Zum zehnten Jahrestag ihres
Unfalltodes fand in London ein pompöser Gedenkgottesdienst statt. Wochen zuvor, am 1. Juli
2007, hatten Dianas Söhne, die Prinzen William und Harry, im neuen Londoner Wembley-Stadion
bereits "mit einem rauschenden Pop-Konzert (...) das Leben unserer Mutter" gefeiert.8
Längst hat der Kommerz von diesem Kult Besitz ergriffen, und ein Princess of Wales Memorial
Fund versorgt die Verehrer mit einer ausufernden Produktpalette. Der Devotionalienhandel umfasst neben Briefmarken und Münzen auch Tonträger, Kaffeetassen, Teller, Löffel, T-Shirts, Teddybären und Duftkerzen mit Bildnis oder Namen der Prinzessin. Versuche, mit Dianas Namen
Margarine zu vermarkten, sie als Superheldin in einem Comic zu platzieren sowie das Computerspiel „Diana Tunnel-Rennen“ lösten Empörung aus und wurden zum Teil juristisch unterbunden.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Briten den Diana-Gedenkmarathon von 2007 als
„Geldmaschine“ bezeichneten.
Am ehesten lässt sich die Vermarktung von Diana als Idol noch mit Elvis Presley vergleichen,
dessen 30. Wiederkehr seines Todestages inzwischen in Memphis zu einem achttägigen Event angeschwollen ist. Die Aktivitäten reichen von einem Elvis Gospel Breakfast über eine BärenSchnitzeljagd in Elvis' Graceland Mansion bis zu Karaoke, Kunstwettbewerben und Veranstaltungen im Elvis Presley Car Museum. Überdies werden jedes Jahr rund 600 000 Menschen durch
Graceland - seit 2006 als National Historic Landmark ausgewiesen - geschleust. Kaum geeignet
für einen Vergleich ist dagegen die selbst ernannte Madonna (Louise Veronica Ciccione), die
Herrscherin des Pop, die als „am härtesten arbeitende Frau im internationalen Showgeschäft“ 9 gilt.
Mit ihrem Hang zur selbstquälerischen Darstellungslust erfindet sie sich als ein Kind der Zeit immer neu, scheinbar alterslos. Sie schaffte es, im wahrsten Sinne des Wortes, den amerikanischen
Traum von der Tellerwäscherin zur Millionärin in wenigen Jahren zu verwirklichen. Ähnlich wie
Lady Di wird sie bereits zu Lebzeiten zur Legende, die von außerordentlichen Leistungen in einem individualisierten Leben kündet - in einer aufmerksamkeitsorientierten Welt Zeichen einer
Art von Erlösung, die für viele Fans zur Nachahmung bestimmt sind.10
8
Frankfurter Rundschau vom 15. Dezember 2006; Ulrich Steuten/Hermann Strasser, Die heilige Diana, in:
Die Welt vom 25. August 2007.
9 Peter E. Müller, Material Girl, in: Die Welt vom 16. August 2008, S. 32.
10 Vgl. Werner Stark, The Social Bond: An Investigation into the Bases of Law-abidingness. Bd. 4: Ethos
and Religion, New York 1983, S. 49ff.
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Lady Di - Die moderne Madonna
Jenseits aller Spielarten des „Kultmarketings“11 erweist sich jedoch bei genauerer Betrachtung,
insbesondere der Formen alltäglicher Ehrbezeugungen, dass die Idolisierung der „Königin der
Herzen“ auffallend der einer christlichen Heiligen ähnelt.
Lady Di - Die moderne Madonna?
Im Grunde genommen hätte eine andere Persönlichkeit der 1990er Jahre größere Chancen haben
müssen. Angesichts ihrer Verdienste um die Armen Indiens wäre Mutter Teresa, die Ordensfrau
aus Kalkutta, sicherlich prädestiniert gewesen, an erster Stelle der aktuellen Heiligenanwärter zu
rangieren. In ihrem langen Leben - sie starb 87-jährig zwei Wochen nach Prinzessin Diana - stand
sie bis kurz vor ihrem natürlichen Tod "an der Front des Elends", 12 nämlich in den Slums von Kalkutta, und kümmerte sich um die Ärmsten der Armen. Obwohl ihr soziales Engagement das des
"kümmerlich entwickelten, verwöhnten Upper-Class-Girls" sicherlich um ein Vielfaches übertroffen haben dürfte,13 fand ihr Tod, verglichen mit dem Dianas, eine sehr viel geringere und bei weitem nicht so nachhaltige Beachtung.14
Wie ist zu erklären, dass der Tod der vom britischen Königshaus verstoßenen Prinzessin die Menschen stärker bewegte als das Lebensende der Friedensnobelpreisträgerin aus Indien? Was macht
die Faszination dieser Frau aus, "die der Menschheit weder ein politisches Programm noch eine
Kurzgeschichte, weder ein Lied noch ein annehmbares Gemälde (...), ja nicht einmal einen einzigen mehr oder weniger bemerkenswerten Gedanken geschenkt hat"? 15 Immerhin galt Mutter Teresa als "das gute Gewissen des 20. Jahrhunderts", und schon sechs Jahre nach ihrem Tod verkündete Papst Johannes Paul II. die Aufnahme Mutter Teresas in den Reigen der Seligen und Heiligen
des Himmels.
Anders als Mutter Teresa, stellte Lady Diana Spencer gleich in mehrfacher Weise und für verschiedene Zielgruppen eine ideale Identifikationsfigur dar. Für die einen war sie die junge, attraktive, fotogene und emanzipierte Frau, für viele andere verkörperte sie das Leitbild der Ehefrau und
Mutter mit all den alltäglichen Nöten und Sorgen, die mit diesen Rollen verbunden sind; für wieder andere war sie die uneigennützige Wohltäterin und für nicht wenige sicher auch eine Art Jeanne d' Arc, eine Vorkämpferin gegen die Verkrustungen des britischen Adels. Wenngleich einige
dieser Zuschreibungen auf den ersten Blick widersprüchlich sein mögen, so erscheint hinter der
persönlichen Gestaltung und medialen Positionierung die Princess of Wales als eine moderne Heilige.
So spiegelt sich in ihrem Erscheinungsbild auch der Wandel der britischen Gesellschaft, in der in
den 1980er Jahren der Starkult den Klassenkult hinter sich ließ. Viele Konservative auf der Insel
sehen vor allem in Diana den Grund für das Entstehen einer celebrity culture, auch wenn Jacqueline Kennedy und Grace Kelly, ja Hollywood schlechthin, und sogar die junge Elisabeth II. im eigenen Land frühe Beispiele für den kommenden Starkult waren. Nur Lady Di stand nicht so sehr „da
11
12
13
14
Vgl. Norbert Bolz/David Bosshard, Kultmarketing. Die neuen Götter des Marktes, Düsseldorf 1995.
Der Spiegel, Jahreschronik 1997, S. 235
Leon de Winter, Lady Madonna, in: ebd., S. 196.
In seiner Jahreschronik 1997 widmet Der Spiegel der verunglückten Prinzessin 13 Seiten (inkl. 13 Fotos);
für Mutter Teresa gibt es gerade zehn Zeilen auf zwei Seiten (inkl. zwei Fotos). In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen in der Woche nach Dianas Tod knapp 80 Beiträge über die britische Prinzessin.
15 Vgl. L. de Winter (Anm. 13), S. 196.
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Lady Di - Die moderne Madonna
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oben“; sie befand sich vielmehr „auf Augenhöhe“, wie auch der Höhepunkt des Zerwürfnisses mit
dem Hause Windsor zu beweisen schien, als ihr der Titel „Königliche Hoheit“ aberkannt wurde
und sie ihn gegen die Hoheit des Menschlichen eintauschte.16
Die attraktive Schönheit
Keine Frau, so wurde oft behauptet, sei so häufig fotografiert worden wie Lady Diana. Wenngleich es für Mitglieder aller Adelsgeschlechter der Welt sicherlich nicht außergewöhnlich ist, begehrtes Ziel von Fotografen zu sein, so liegt im Fall der Princess of Wales doch eine Besonderheit
vor.
Spätestens seit der Bekanntgabe ihrer Vermählung mit Prinz Charles bis zu ihrem Tod galt sie als
eine der besonders attraktiven Erscheinungen innerhalb der adeligen Welt. Sowohl ihre anfängliche Schüchternheit und Verlegenheit im Umgang mit der medialen Öffentlichkeit wie später ihre
selbstbewusste Inszenierung ihrer Person stellten offensichtlich einen hohen fotografischen Anreiz
dar. Die aufwändig arrangierte Hochzeit machte die gerade 18-jährige Kindergärtnerin 1981 in
den Augen Vieler zu einer wunderschönen Märchenprinzessin.17 Doch hätten sich damals nur wenige an den Ausspruch des Malers Mario Cavaradossi „Diese Weiber machen der Madonna Konkurrenz“ in Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ oder daran erinnert, wie sein Gegenspieler, der Polizeichef Scarpio, die Sängerin Tosca mit "Tosca, du lässt mich Gott vergessen" anhimmelt.
Wahrscheinlich war es gerade diese Kombination aus mediengerechter Designerkunst und dem
Charme der Unbeholfenheit von Lady Di, die sie auch für jene, die für ihre Lebensorientierung
ikonenhafter religiöser Leitbilder bedürfen, zu einer attraktiven Gestalt machten. Moderne Heiligengeschichten müssen „massenmedienfähig und darum auch immer Bilder sein“, urteilt der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Michael Nüchtern, denn die Glorifizierung Dianas zeige exemplarisch, wie „Massen und Medien eine Person in einen überirdischen
Zustand erheben“ könnten.18
Die Ehefrau und Mutter
Hätte sich die Princess of Wales als Gattin und Mutter so verhalten, wie dies in der Welt des
Hochadels üblich ist, wäre sie wahrscheinlich nicht zu jener Identifikationsfigur geworden, zu der
sie letztlich aufstieg. Die Besonderheit ihres Verhaltens lag darin, in der Öffentlichkeit mehr als
nur ansatzweise bewusst königliche Distanziertheit und Steifheit aufzuheben.
Wenn sie wie andere Mütter mit ihren Kindern spielte, mit ihnen zu McDonald's ging oder am
Wettlauf mit anderen Kindergartenmüttern teilnahm und dies medienwirksam zur Schau stellte,
dann war sie eine Frau des Volkes, „eine von uns“, scheinbar allen Normalsterblichen gleich.
Wenn sie unter ihrem lieblosen und treulosen Ehemann litt und dies auch öffentlich zeigte, dann
ging es ihr - so mochte man glauben - nicht anders als Tausenden hintergangenen und betrogenen
Frauen im Königreich und anderswo.
16 Thomas Kielinger, Nach Diana, in: Die Welt vom 31. August 2007, S. 10.
17 Tatsächlich inspirierte der Tod von Diana den Schriftsteller Robert Menasse zu einem Märchenbuch über
ihr Leben. Vgl. Robert Menasse et al., Die letzte Märchenprinzessin. Moderne Mythen, reale Märchen,
Frankfurt/M. 1997.
18 Vgl. Frankfurter Rundschau vom 26. August 1998.
14
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Mehr noch, sie erschien Vielen als eine Frau auf der Suche nach ihrem Leben. Denn als dritte
Tochter des Viscount Johnnie Althorp, des 8. Earl Spencer, und seiner zwölf Jahre jüngeren Frau
Frances entpuppte sich Diana Frances Spencer als ein Kind zum falschen Zeitpunkt mit dem
falschen Geschlecht, in der sich eine Katastrophe an die andere reihte, wie einer ihrer Biografen
unlängst ihren Lebenslauf charakterisierte.19 Vielleicht kommt in solchen Lebensläufen, die vom
Scheitern bedroht sind, der Tod einer Erlösung gleich, indem er, wie im Falle Dianas, das irdische
Idol in eine ruhmreiche Legende verwandelt.
Nach Dianas Scheidung von Prinz Charles kam eine weitere Komponente hinzu: Auch als geschiedene Frau, als „alleinerziehende“ Mutter und als vom königlichen Hof Verstoßene war ihr
die Faszination der Massen gewiss, weil sie öffentlich ihre Trauer und Verletztheit zeigte und
eben nicht hinter der Maske adeliger Etikette verbarg. Auch in dieser Rolle nahm Diana madonnenhafte Züge an. Sie offenbarte dem Volk das Leiden einer unschuldigen Mutter, bewahrte trotz
aller Demütigungen Würde und verzieh ihren Peinigern.20
Die Wohltäterin
Die Rolle eines Wohltäters lässt sich in verschiedener Weise ausfüllen. Man kann, wie es der amerikanische Medienmogul Ted Turner getan hat, den Vereinten Nationen demonstrativ eine Milliarde Dollar überlassen. Man kann - dies hat neben Anderen Mutter Teresa getan - systematisch ein
verzweigtes Netzwerk karitativer Zentren aufbauen. Lady Diana ist in keiner dieser Formen philanthropischen Handelns hervorgetreten.
Sicherlich hat auch sie Stiftungen und Fonds ins Leben gerufen, denn sie war Präsidentin oder
Schirmherrin von über hundert Wohltätigkeitsvereinen, doch ist ihr weltweites bürgerschaftliches
Wirken den „kleinen Leuten“ eher in einer anderen Weise im Gedächtnis geblieben. Marita Haibach hat diese „neue Dimension im wohltätigen Engagement“ treffend beschrieben: „Sie zeigte
echte Nähe, ehrliche Gefühle (...). Diana setzte sich auf das Bett von Todkranken, (...) während
sich die anderen königlichen Besucher höchstens auf den Stuhl wagten, der neben dem Bett
stand.“21 Wiederum sind es die menschlichen Züge der Prinzessin, die Abkehr vom distanzierenden Protokoll, Authentizität und Aufrichtigkeit ihrer Gefühle, die eine Identifikation mit ihr so
wünschenswert machen. „Wer auch immer in Not ist, kann auf mich zählen“, so steht es auf ihrem
Schrein in Althorp.
Die Rebellin
Diana galt als unbequem - und war es, gemessen an den Ansprüchen der englischen Königsfamilie, wohl auch. Sie tat sich schwer mit der steifen Etikette am Hofe, besonders unter den wachsamen Augen von Queen Elisabeth. Das unnachgiebige höfische Zeremoniell mit seinen Empfängen
und Besuchen, kurz der weltfremden aristokratisch-distinguierten Lebensführung, entsprach we19 Vgl. Helmut-Maria Glogger, Diana. Eine Frau sucht ihr Leben, München 2007.
20 Vgl. L. de Winter (Anm. 11), S. 200. Zur Mutterrolle vgl. auch Mechthild Jansen, Der feministische Diskurs: Diana und die Emanzipation, in: Sabine Berghahn/Sigrid Koch-Baumgarten (Hrsg.), Mythos Diana
- von der Princess of Wales zur Queen of Hearts, Gießen 1999, S. 193ff.
21 Marita Haibach, Die drei Gesichter der Philanthropie, in: Frankfurter Rundschau vom 22. April 1998, S.
20.
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Lady Di - Die moderne Madonna
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nig ihrem Naturell. Diana litt unter den Spannungen zwischen ihren Neigungen und der Pflicht,
die persönlichen Präferenzen auf dem Altar der Monarchie und deren moralischen Maßstäben opfern zu müssen.
Ihre Rebellion bestand darin, die Entzauberung der britischen Monarchie und speziell der Windsor-Familie eingeleitet zu haben. Tat sie dies anfänglich noch in harmloser Form, etwa indem sie
in einer unprätentiösen Weise ihre Nähe zum gemeinen Volk zeigte und Momente ihres Privatlebens preisgab, so wurde sie im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einer Art unbeauftragter Spionin
des Volkes im Hause der Windsors. Zuletzt offenbarte sie das „in her own words“, indem sie ihrem Biografen Andrew Morton eine öffentliche Beichte ablegte.22 „Sie entsakralisierte die Institution des Königshauses, indem sie die königliche Familie als mehr oder minder durchschnittlich
neurotische Kleinfamilie erscheinen ließ“, wie es Rebekka Habermas auf den Punkt brachte.23
Die heilige Diana
Auch die heilige Maria ist keine tote Heilige. Maria ist in der modernen Gesellschaft unter allen
Heiligen im katholischen Christentum und, wenngleich in etwas geringerem Maß, im Islam eine
begehrte, verehrte und vielfach angerufene Heilige und Schutzpatronin, deren Nähe und Beistand
gesucht wird.
Konkret zeigte sich dies in der jüngeren Vergangenheit in vielfacher Weise, so während des
Streiks der Danziger Werftarbeiter in den 1980er Jahren, als diese zur Schwarzen Madonna von
Tschenstochau pilgerten und Marienbilder auf dem bestreikten Werksgelände aufhängten. Vielleicht noch deutlicher zeigte sich dies im Sommer 1999 in der aufflackernden Marienverehrung im
saarländischen Marpingen, die zu einem kurzzeitigen, allerdings von der katholischen Hierarchie
gestoppten Pilgertourismus führten. Ungebrochen erweist sich die Marienverehrung in der Moderne als Ausdruck von Volksfrömmigkeit in Kapellen, Wegkreuzen, Votivtafeln, Gebeten, Fürbitten
und Wallfahrten. Zentrale Bezugspunkte sind dabei die der Gottesmutter Maria immer wieder zugeschriebenen charakteristischen Eigenschaften: ihre Barmherzigkeit, ihr Verständnis für das
menschliche Leid und allzu menschliche Schwächen, ihre Parteinahme für die Benachteiligten
dieser Welt.
Die Parallelen zwischen Lady Diana und der heiligen Maria sind augenfällig. Als „People's Princess“ erbarmte sie sich im Stil einer advocata der "Unberührbaren" unserer Zeit. Von Landminen
Verkrüppelten und Obdachlosen schenkte sie ihr Mitgefühl, indem sie ostentativ deren - auch körperliche - Nähe suchte. Aidskranken wurde sie zur Fürsprecherin - ohne moralische Verurteilung
und gottväterlich mahnende Worte. Ihr eigenes Leid als betrogene und vom Königshaus verstoßene Ehefrau ertrug sie dem Anschein nach tapfer und ohne falsche Beschönigung. Mit der Inszenierung ihrer offen und öffentlich eingestandenen und mit Würde ertragenen Erniedrigung wie auch
mit dem Eingeständnis ihrer Depressionen, Magersucht und Suizidgefährdung repräsentierte sie,
gleichsam als eine moderne mater dolorosa, das unverdiente Schicksal aller Schwachen und Kranken im Volk.
22 Allerdings räumt eine neue Biografie von Tina Brown (Diana - Die Biografie. München 2007) mit dem
Mythos der "Königin der Herzen" auf und präsentiert sie keineswegs als Unschuldslamm. Sie entlarvt sie
als hintertrieben und berechnend, auch wenn sie, wie die Biografin meint, trotz ihrer Hinterhältigkeit immer noch besser gewesen sei als alle um sie herum.
23 Rebekka Habermas, The People's Princess. Heiligenverehrung und Marienkult, in: S. Berghahn/S. KochBaumgarten (Anm. 20), S. 112.
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
Lady Di - Die moderne Madonna
In jedem dieser mariengleichen Züge wurde sie - freilich unterstützt, überzeichnet und vorangetrieben von Massenmedien und Kommerz - zur Projektionsfläche vielfältiger, auch ambivalenter
Identifikationsbedürfnisse. Massenmediale Modellierung wie auch die drängenden Erwartungshaltungen ihrer Verehrer formten sie zu einer der herausragenden säkularen Heiligen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, posthum zu einer Ikone, die passgenau mit den unspezifischen religiösen
Orientierungen einer modernen Gesellschaft korrespondiert.
Zu den Personen
Ulrich Steuten, Dr. phil., geb. 1957; Dipl.-Pädagoge in der Erwachsenenbildung und Lehrbeauftragter für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen.
E-Mail: [email protected]
Hermann Strasser, Dr. rer. oec., PhD, geb. 1941; em. Professor für Soziologie, Leiter der Forschungsgruppe Sozialkapital an der Universität Duisburg-Essen.
E-Mail: [email protected]
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
1
Kultursoziologie
1.1
Allgemeine theoretische Ansätze
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[1-L] Baecker, Dirk; Kettner, Matthias (Hrsg.):
Über Kultur: Theorie und Praxis der Kulturreflexion, (Sozialtheorie), Bielefeld: transcript
Verl. 2008, 273 S., ISBN: 978-3-89942-965-7
INHALT: "Der aktuelle Kulturbegriff der Kulturwissenschaften definiert die Situation des Menschen als ein Problem, das in der aktuellen Lage der Gesellschaft nach neuen Formulierungen
sucht. Kulturreflexion heißt dann, die Kultur als eine Ressource der Verständigung auf offene
Fragen zu verstehen und sie in dieser Form der Weltgesellschaft bei der Suche nach einer
neuen Selbstbeschreibung zur Verfügung zu stellen. Die Beiträge zeigen, dass bei der Modernisierung des Kulturbegriffs Rückgriffe auf philosophische Begriffe eine ebenso große Rolle
spielen wie Beobachtungen -künstlerischer Projekte und Beschreibungen historischer Prozesse." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Matthias Kettner: Kulturreflexion und die Grammatik kultureller Konflikte (17-28); Karl-Siegbert Rehberg: Der unverzichtbare Kulturbegriff
(29-44); Hans Peter Thurn: Das Projekt "Kultur" - destruktionsanalytisch betrachtet (45-68);
Dirk Rustmeyer: Philosophie als Kulturreflexion (69-98); Thomas Macho: Tiere zweiter Ordnung - Kulturtechniken der Identität und Identifikation (99-118); Oswald Schwemmer:
Selbstsein und Andersheit - Zum kulturellen Verhältnis von Symbol, Form und Sinn (119138); Dirk Baecker: Zur Kontingenzkultur der Weltgesellschaft (139-162); Friedrich Jaeger:
Die Kultur der Neuzeit im Spiegel der historischen Forschung (163-190); Sebastian Manhart:
Vermessene Moderne - Zur Bedeutung von Maß, Zahl und Begriff für die Entstehung der modernen Kultur (191-220); Christian Grüny: Arbeit im Feld des Musikalischen - Cage und Lachenmann als zwei Typen musikalischer Kulturreflexion (221-248); Werner Vogd: Krankenbehandlung als Kultur - Zur Logik der Praxis in der Medizin (249-270).
[2-L] Balla, Bálint:
Die Zahl Drei und die Soziologie, Hamburg: R. Krämer 2008, 147 S., ISBN: 978-3-89622-089-9
INHALT: "Die Zahl Drei hat seit Menschengedenken eine herausragende Stellung. Auch in der
Soziologie ist sie von besonderer Bedeutung. Der Autor spürt in einer spannenden wissenschaftlichen Analyse von Auguste Comte über Karl Marx, Emile Durkheim und weiter bis
heute auffallend viele soziologisch-kulturelle Dreierkombinationen auf und forscht nach den
Gründen für diese Häufigkeit. Die Zahl Drei als ordnender Rahmen für das zu untersuchende
soziale Objekt vermutend, stellt er die Frage, ob die Dreierstrukturen in den Theorien, Systemen und Modellen den sozialwissenschaftlichen Inhalten entsprechen und entwickelt daraus
eine Typologie von Triaden. Schritt für Schritt kommt er dabei dem 'Geheimnis' der Zahl
Drei näher. Seine Recherchen spannen einen weiten Bogen. Sie gehen quer durch die Geschichte und Regionen und berühren neben der Soziologie zahlreiche Nachbarwissenschaften." (Autorenreferat)
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
[3-L] Barfuss, Thomas; Koivisto, Juha; Langemeyer, Ines:
Schlüsselübergabe bei den Cultural Studies: von Raymond Williams' Keywords zu einem
Revised Vocabulary of culture and Society, in: Das Argument : Zeitschrift für Philosophie und
Sozialwissenschaften, Jg. 50/2008, H. 4 = H. 277, S. 497-505 (Standort: UB Bonn(5)-Z70/6; USB
Köln(38)-XG01665; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Begriffe sind keine neutralen Widerspiegelungen der gesellschaftlichen Verhältnisse,
in denen sie gebraucht werden, sondern markieren Konfliktlinien und strukturieren die Wahrnehmung von Konflikten. Die Verfasser ergänzen daher ihre Besprechung der "New Keywords" durch einen kritischen Überblick über eine neue Generation von Wörterbüchern und
Lexika zur Gegenwartskultur und -gesellschaft. Zwar erkennen sie die Bemühungen um eine
Aktualisierung von Raymond Williams Klassiker an, sie bemängeln jedoch das Fehlen einer
zufriedenstellenden Aufnahme des Hegemoniekonzepts im "Revised Vocabulary" und vergleichbaren Werken. Sie sehen es als Risiko, sich zu eng an den herrschenden Gebrauch gewisser Begriffe zu halten und den "edge of consciousness" zu vernachlässigen, der Williams
Klassiker auszeichnete. (ICE2)
[4-L] Berndt, Christian; Pütz, Robert (Hrsg.):
Kulturelle Geographien: zur Beschäftigung mit Raum und Ort nach dem Cultural Turn,
Bielefeld: transcript Verl. 2007, 381 S., ISBN: 978-3-89942-724-0 (Standort: UB Bonn(5)2007/9738)
INHALT: "Der 'Cultural Turn' hat auch in der Humangeographie für eine längst überfällige Verunsicherung gesorgt. Als Reflexivitätsschub raubte er vermeintlichen Gewissheiten ihre
Selbstverständlichkeit. Als konstruktivistisches Projekt machte er deutlich, dass die Räumlichkeit der Welt auf kontingente Weise symbolisch vermittelt ist. Und als Aufforderung zu
konsequent relationalem Denken zwingt er uns endgültig, kreativer über Raum und Ort nachzudenken. In diesem Buch geben Geographinnen und Geographen aus unterschiedlichen
Blickwinkeln Einblicke in geographisches Arbeiten nach dem 'Cultural Turn'. Der Band versteht sich damit auch als ein Plädoyer für ein innovatives und junges Feld der Humangeographie." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Christian Berndt, Robert Pütz: Kulturelle Geographien nach dem Cultural Turn (7-26); Andreas Pott: Identität und Raum. Perspektiven nach
dem Cultural Turn (27-52); Pascal Goeke: Handeln und Erleben im Krieg. Die Differenz zwischen Hier und Dort als legitimierende und entfremdende Sinndimension (53-82); Annika
Mattissek: Diskursive Konstitution städtischer Identität - Das Beispiel Frankfurt am Main
(83-112); Jörg Mose: Zur Dynamik raumbezogener Identität in Spanien von der Nation zur
multi-level-identity? (113-142); Bruno Schelhaas, Ute Wardenga: "Die Hauptresultate der
Reisen vor die Augenzu bringen" - oder: Wie man Welt mittels Karten sichtbar macht (143166); Rainer Kazig: Atmosphären - Konzept für einen nicht repräsentationellen Zugang zum
Raum (167-188); Werner Bischoff: "Korrespondierende Orte" - Zum Erscheinen olfaktorischer Stadtlandschaften (189-212); Christian Berndt, Marc Boeckler: Kulturelle Geographien
der Ökonomie: Zur Performativität von Märkten (213-258); Bastian Lange: Konzeptionalisierungen von "Markt" als Gegenstand der Neuen Kulturgeographie - Der Fall emergierender
Märkte in Kreativökonomien (259-288); Heiko Schmid: Ökonomie der Faszination: Aufmerksamkeitsstrategien und unternehmensorientierte Stadtpolitik (289-316); Ulrich Ermann:
Magische Marken - Eine Fusion von Ökonomie und Kultur im globalen Konsumkapitalis-
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
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mus? (317-348); Marc Redepenning: Eine Ästhetik der Unverbindlichkeit? Kultur als jüngere
Selbstbeschreibung der Geographie (349-378).
[5-L] Burzan, Nicole:
Quantitative Methoden der Kulturwissenschaften: eine Einführung, (UTB, 2714), Konstanz:
UVK Verl.-Ges. 2005, 174 S., ISBN: 3-8252-2714-6 (Standort: THB Aachen(82)-Rf/1883)
INHALT: Die Verfasserin gibt einen Einblick in quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung und zeigt, warum und in welcher Form solche Methoden in den Kulturwissenschaften zum Einsatz kommen. Anhand dreier Themenbeispiele (Moderne, Zivilisationsprozess,
Klassenzugehörigkeit und Geschmack) werden empirische kulturwissenschaftliche Studien
vorgestellt. Die Logik quantitativer Forschung wird erläutert und der Forschungsprozess wird
für verschiedene Erhebungsinstrumente beschrieben: Inhaltsanalyse, Beobachtung, Befragung, Sekundäranalyse empirischer Daten. Darüber hinaus werden Auswahlverfahren und die
Darstellung von Forschungsergebnissen behandelt. Den einzelnen Abschnitten sind Übungsaufgaben beigefügt. (ICE2)
[6-L] Delitz, Heike:
Architektur, Artefakt, Kreativität: Herausforderungen soziologischer Theorie, in: KarlSiegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus
Verl., 2008, S. 5827-5836, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die soziologische Theorie hat in einer historisch plausiblen 'antiästhetischen und antitechnischen Haltung' (W. Eßbach) zwei Dimensionen des Sozialen aus ihrer Handlungstheorie entfernt, die sich für eine soziologische Analyse der Architektur der modernen Gesellschaft als zentral erweisen könnten. Zum einen handelt es sich um Artefakte, um die vielfältigen Dinge, die als hybride 'Quasi-Subjekte' (Latour) fungieren. Die soziologische Theorie hat
keinen Begriff, der die suggestiven Wirkungen der Materialität der Architektur, ihre Positivität zu analysieren erlaubte. Wenn Architektur als 'Anzeiger gesellschaftlicher Strukturen', als
'symbolische Verkörperung' des Sozialen, als 'soziale Morphologie' angesprochen wird, ist sie
als dem Sozialen nachhinkend konzipiert. Sie wird soziologisch nicht in ihrem zuweilen
zwingenden Charakter ansprechbar, in ihren vorgängigen Möglichkeitsräumen für Bewegung,
Interaktion, Wahrnehmung und Denken, den suggestiven Effekten eines körperräumlichen,
nonverbalen Mediums des Sozialen. Zum anderen hat die soziologische Theorie das kreative
Handeln vergessen: neben dem zweck- und wertrationalen, affektuellen und traditionalen
Handeln bezeichnet dies eine Handlungsdisposition, die der Kontingenzkultur, dem gewachsenen Möglichkeitsraum der Moderne spezifisch entspricht, von besonderen Gruppen kultiviert wird und den konstruktivistischen und produktivistischen Charakter der urbanen Gesellschaft ermöglicht und vorantreibt. Architekten sind in ihrer zur massenwirksamen Avantgardepraxis avancierten Disziplin mindestens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentliche Träger dieser Disposition. Sie begreifen sich entsprechend als Gesellschaftsdemiurgen, in
ausgesprochen anti-traditionaler, kreativistischer Haltung. Mit der gesellschaftlichen Funktion
dieses Selbstverständnisses einer Intellektuellengruppe ist auch die Funktion architektonischer Utopien für die moderne Vergesellschaftung bisher kaum reflektiert. Soll das Phänomen Architektur in seiner Komplexität und Relevanz soziologisch fruchtbar werden, ist die
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
soziologische Theorie in beiden Hinsichten zu ergänzen. Der Beitrag versucht, die 'Soziologie
der Artefakte' um die (Kunst und Technik synthetisierende) Architektur zu erweitern und dabei die lebensphilosophische Denkfigur des 'Schöpferischen' einzusetzen. Es geht um das soziologisch keineswegs uninteressante Potential von Architektur, Gesellschaft zu gestalten."
(Autorenreferat)
[7-L] Diaz-Bone, Rainer:
Die Analyse von Marktordnungen im Anschluss an Bourdieu und die "Economics of
convention" (EC), in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft :
Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006.
Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4310-4321, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Mit der soziologischen Theorie Pierre Bourdieus liegt ein Entwurf für eine wechselseitige Durchdringung von Wirtschaftssoziologie und Kultursoziologie vor. Die Bourdieusche
Perspektive auf 'Ökonomie' wird soziologisch 'totalisiert' und die wirtschaftliche Tätigkeit als
eine Form der Kulturproduktion in den Feldern der Wirtschaft analysiert, die umfassende soziale Investitionen materieller und symbolischer Ressourcen erfordert. In verschiedenen Analysen haben Bourdieu und Mitarbeiter die Strukturen und Dynamiken von Märkten als Feldern untersucht. Parallel zu anderen soziologischen Marktanalysen (wie etwa der von Harrison C. White) werden auch hier Märkte als Wahrnehmungsräume konzipiert, in denen Akteure sich gegenseitig beobachten, in denen die kollektive Definition 'vom Markt' erfolgt und in
der die Anerkennung von Wertigkeiten und Wertigkeitsdifferenzen erfolgt. Ein Markt erhält
damit als soziale Ordnung die Qualität einer strukturierenden Realität, die auch die 'SozioKognition' strukturiert. In Frankreich haben zunächst Luc Boltanski und Laurent Thévenot an
die Bourdieusche Theorie der Distinktion angeschlossen, sich später dann kritisch von Bourdieuschen Grundkonzepten wie Habitus und Feld distanziert. Die Arbeiten der beiden sind
eine Grundlage der economics of convention geworden, einem soziologisch beeinflussten
wirtschaftssoziologischen Paradigma. Auch hier sind Qualitätskonventionen soziale Strukturen, die die Wertigkeit nicht nur von Produkten, sondern von Dingen und Akteuren insgesamt
begründen. Der Vortrag versucht, diese Theorieentwicklung in Frankreich als Ausgangspunkt
zu nehmen, um zu fragen, welche soziologische Perspektiven für die Analyse von Märkten
sich damit insgesamt eröffnen. Dabei sollen die Differenzen als auch die unterliegenden Kontinuitäten in der Analyse der Entstehung, der Ordnung und der Dynamik von Märkten aufgezeigt werden. Im Zentrum des Vortrags steht die Analyse der ineinander greifenden Konstruktionen, die die Märkte als 'Wertigkeitsordnungen' ermöglichen." (Autorenreferat)
[8-L] Eder, Klaus:
Die Kulturbedeutung der Natur in postsäkularen Gesellschaften, in: Karl-Siegbert Rehberg
(Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 178-192, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "In diesem Vortrag wird die These einer 'Wiederverzauberung der Welt' einer begrifflichen Überprüfung unterzogen. In einer Gesellschaft, die ihre eigenen säkularen Grundlagen
einer reflexiven Überprüfung unterwirft und damit dem Nicht-Säkularen, sprich dem Religiösen eine autonome Rolle im öffentlichen Diskurs und in der Semantik moderner Gesell-
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
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schaften zuteilt, wird Naturerfahrung und Naturwahrnehmung neu einreguliert. Die Elemente
eines solchen 'postsäkularen Naturverständnisses' werden an einigen Fällen erörtert: an der
Bestimmung menschlichen Natur als eines sozialen Containers historischer Erfahrungen, an
der Bestimmung der technischen Natur als der Materialität des Sozialen und an der Bestimmung der transzendenten Natur als einer Semantik gesellschaftlicher Selbstbestimmung. Die
soziologische Entzauberung dieser 'Naturen' - und hier liegt das theoretisch interessante Problem - zerstört durch 'Objektivierung' nicht diese 'Naturen', sondern forciert den 're-entry' dieser Naturen in die Gesellschaft, was wir - in altmodischer Weise - 'Wiederverzauberung' der
Gesellschaft nennen. In dieser Spannung von sozialwissenschaftlicher Entzauberung und gesellschaftlicher Wiederverzauberung liegt der Schlüssel zur Dynamik von (nicht nur modernen) Gesellschaften." (Autorenreferat)
[9-L] Eisenstadt, Shmuel N.:
Das 'dialogische Moment': Martin Bubers Konzeption sozialer und kultureller Kreativität,
in: Kay Junge, Daniel Suber, Gerold Gerger (Hrsg.): Erleben, erleiden, erfahren : die Konstitution
sozialen Sinns jenseits instrumenteller Vernunft, Bielefeld: transcript Verl., 2008, S. 157-169,
ISBN: 978-3-89942-829-2
INHALT: Die Studie ist dem Werk von Martin Buber gewidmet. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern dessen dialogische Anthropologie aus systematischen Gründen über eine Analyse sozialer Formen hinausweist. Der Verfasser sieht in Bubers Anthropologie einen zentralen Beitrag zur Erforschung der unterschiedlichen Dimensionen des Erlebens. Die Suche nach
Beschreibungsmöglichkeiten von Intersubjektivität und kultureller Kreativität stellt das
Grundanliegen von Bubers sozialphilosophischem Denken dar. Kulturelle Kreativität, so sein
Fazit, setzt nach Buber einen Prozess kontinuierlicher Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen und potentiell gegensätzlichen Elementen von Kultur voraus, einen Prozess, in
dem die Eigenständigkeit der einzelnen Elemente jedoch gewahrt bleibt. Die Dominanz einer
Komponente oder Partei über die andere tendiert dagegen zur Auflösung von Gemeinschaft.
Der Dialog, wie er von Mensch zu Mensch, aber auch zwischen Mensch und Gott beobachtet
werden kann, erlaubt aufgrund der ihm eigentümlichen kommunikativen Offenheit einen
schöpferischen Umgang mit Problemlagen und Spannungen. Der Autor schildert, wie in Bubers sozialem Engagement für den Wiederaufbau des Staates Israel diese Überzeugungen
zum Tragen kamen. Es wird analysiert, wie sich Bubers Ansichten mit denjenigen der soziologischen Klassiker und deren Analysen der Moderne und ihrer Widersprüche vertragen. Vor
allem Bubers Versuch einer systematischen Verschränkung der Kategorien 'Dialog' und 'Intersubjektivität' einerseits und 'Transzendenz' und 'Kreativität' andererseits stellt bis heute, so
die These, eine Herausforderung an die soziologische Theorie dar. (ICF2)
[10-L] Faber, Richard; Ziege, Eva-Maria (Hrsg.):
Das Feld der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften nach 1945, Würzburg:
Königshausen u. Neumann 2008, 277 S., ISBN: 978-3-8260-3869-3 (Standort: UB
Bonn(5)2008/3949)
INHALT: "Beim Begriff, schon Wort 'Feld' denkt man heute zunächst an Pierre Bourdieus 'Feld'
im Plural: an mehr oder weniger autonome Mikrokosmen sui generis. Wir rekurrieren mit unserem Band-Titel jedoch auf den älteren und prinzipiell ethnologischen Wortgebrauch von
22
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
'Feld', der gerade vom hohen Interdependenzgrad eines gewiss nicht einheitlichen - unter Umständen hoch diversifizierten und konfliktgeladenen -, jedoch singulären Feldes ausgeht. Keineswegs nur von der 'Frankfurter Schule' handelnd, möchten wir - soweit irgend möglich - die
Vielfalt der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften präsentieren und analysieren: in ihrem internen Zusammenspiel, aber auch in dem mit anderen kulturellen und sozialen Gruppen
wie Institutionen der Stadt Frankfurt - und über sie hinaus." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Gunzelin Schmid Noerr: Aufklärung und Mythos. Von der "Dialektik der Aufklärung"
zur "Erziehung nach Auschwitz" (17-34); Werner Post: Theodor W. Adornos Vorlesungen
zur Moralphilosophie (35-46); Richard Faber: Autoritärer Liberalismus oder: Dialektik der
Aufklärung. Von Thomas Hobbes zu Carl Schmitt (47-72); Thomas Schneider: Die entscheidende Abstraktion. Zur Theorie des allgemeinen Wertes bei Hans-Jürgen Krahl (73-86); Katrin Meyer: Rational Regieren. Michel Foucault, die Frankfurter Schule und die Dialektik der
Gouvernementalität (87-104); Eckart Goebel: Erschütterung. Adorno über Sublimierung
(105-122); Thomas Schröder: Undeutbarkeit. Annäherungen an Peter Szondi anlässlich seiner
Fragment gebliebenen Celan-Interpretation "Eden, Berlin" (123-138); Tobias Bube: Von der
Kritischen Theorie zur Kritischen Hermeneutik? Jürgen Habermas' Transformationen der
Verstehenslehre (139-166); Hauke Brunkhorst: Die kommunikative Wende der Soziologie.
Jürgen Habermas im Kontext der Nachkriegssoziologie (167-188); Sigrun Anselm: Alexander
Mitscherlich, das Sigmund Freud-Institut und ihr Verhältnis zur Frankfurter Schule (189204); Manfred Lauermann: Gerhard Brandt - der letzte Horkheimer-Schüler (205-234); Wolfgang Bock: Frankfurt in Lüneburg. Zum Motiv der Kritischen Theorie in der Diaspora, samt
Interview mit Christoph Türcke (235-262); Frederik W. Thue: "The autoritarian personality"
and the Oslo-Institute for Social Researche in the 1950s (263-277).
[11-L] Fischer, Peter:
Historische Soziologie als Kultursoziologie?: zur Wiederkehr der "armen Stiefschwester"
der Geschichtswissenschaft, in: Hamburg review of social sciences, Vol. 3/2008, Iss. 2, S. 172192 (www.hamburg-review.com/fileadmin/pdf/03_02/No_2_1_Fischer.pdf)
INHALT: "Historische Soziologie hat in Deutschland keinen großen Stellenwert. Sie erscheint allenfalls als 'arme Stiefschwester' der Geschichtswissenschaft. Dies verwundert aus mindestens zwei Gründen: zum einen war die 'Idee' der Gründerväter der deutschen Soziologie bereits mit einem Konzept von historischer Soziologie verbunden, zum anderen erfährt die historische Soziologie in den USA seit gut zwanzig Jahren ein verstärktes Interesse. Der Aufsatz
fragt nach der gegenwärtigen Bedeutung von historisch-generativer Soziologie und erkennt
Gemeinsamkeiten in der Programmatik der deutschen Kultursoziologie und der neuen amerikanischen historischen Soziologie. Historische Soziologie wird daher als theoretischer und
methodischer Schlüssel zur Erklärung geschichtlicher Prozesse verstanden, der gemeinsam
von Kultursoziologie und historischer Soziologie angewandt werden kann." (Autorenreferat)
[12-L] Fowler, Bridget:
Pierre Bourdieu und Norbert Elias über symbolische und physische Gewalt: ein Vergleich,
in: Robert Schmidt, Volker Woltersdorff (Hrsg.): Symbolische Gewalt : Herrschaftsanalyse nach
Pierre Bourdieu, Konstanz: UVK Verl.-Ges., 2008, S. 75-99, ISBN: 978-3-86764-121-0
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
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INHALT: Die Verfasserin unternimmt eine konzeptuelle Rekonstruktion von Bourdieus Theorem
durch eine Analyse seiner Elias-Rezeption. Sowohl Bourdieu als auch Elias diskutieren das
Auftreten physischer oder symbolischer Gewalt im Kontext von zivilisierenden Befriedungsstrategien. Bourdieus Kultursoziologie lieferte eine bestechende Interpretation eines Feldes
von Praktiken, dem allzu häufig eine "Undersocialised"-Vorstellung von der Menschheit zugrunde lag. 'Die feinen Unterschiede' und 'Der Staatsadel' lösten außerdem ein Wiedererstehen der Klassentheorie aus. In seinem späten Werk nutzt Bourdieu dieses Aufgebot von Konzepten, um die ansteigende Gewaltspirale in den Banlieues der Einwanderer zu theoretisieren.
Er brachte diese Volksproteste einerseits mit der Abwesenheit staatlicher Gewaltentrolle (wie
von Elias definiert) in Verbindung, und andererseits mit der Reduktion des Wohlfahrtstaates
und der Verbreitung von Zeitarbeitsverträgen. Elias' drei wichtigste Werke 'Über den Prozess
der Zivilisation', 'Die höfische Gesellschaft' und 'Studien über die Deutschen' beleuchteten die
Mechanismen des Staates und der Herrschaft, welche die Hofgesellschaften des Absolutismus, ihre bürgerlichen Nachkommen und die entzivilisierende Gegenbewegung des Nationalsozialismus hervorbrachten. In diesen Werken erkundete er die verschiedenen Quellen des
"zivilisierten" Selbst, mit einem feinen Blick dafür, wie Triebhemmung mit dem Spiel der
hierarchischen Ordnung verbunden war. Leider, so die These, hat sein späteres Werk gemeinsam mit einigen früheren Texten das tiefe Verständnis für die materiellen Interessen und ihre
langfristige Verbindung mit kulturellen Bewegungen vermissen lassen, durch das sich sein
größtes Werk auszeichnet. Trotzdem hat er viel zu Bourdieu beigetragen. (ICF2)
[13-L] Gerdsen, Peter:
Natur- und Geisteswissenschaft im Kontext des Interkulturellen: die Scientific Community
als Beispiel kultur- und völkerübergreifender Verständigung, (Interkulturelle Bibliothek, Bd.
32), Nordhausen: Bautz 2007, 124 S., ISBN: 978-3-88309-203-4 (Standort: UB Frankfurt
a.M.(30)-88/524/88)
INHALT: Die Leitfrage der Untersuchung ist, wie die Natur- und Geisteswissenschaften trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere für einen polyphonen Dialog unterschiedlicher Wissenschaftstraditionen inner- und außerhalb Europas fruchtbar gemacht werden können. Hierzu
schlägt der Verfasser - anknüpfend an Snow, Lepenies und Brockman - eine "interkulturelle
vierte Kultur", in der die Idee der Interkulturalität, der gegenseitigen Dialogfähigkeit und
Verständigungsbereitschaft zu einem zentralen Begriff wird. Der Verfasser untersucht zunächst, welche Ansätze es bei den Natur- und Geisteswissenschaften im Hinblick auf die
Leitvorstellung Interkulturalität gibt. Als entscheidend dafür, ob Kulturen einander verstehen
können, werden dann die Formen der Gedankenbildung und die Art und Weise des menschlichen Denkens dargestellt. Sodann wird nach interkulturellen Gesichtspunkten gefragt, die jeder Form von Wissenschaft gemeinsam sind. Eine Untersuchung der Frage nach dem Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften gibt abschließend Antwort auf die Frage, in wie
weit Natur- und Geisteswissenschaften in komplementärer Weise aufeinander bezogen sind.
(ICE2)
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
[14-L] Haltern, Ulrich:
Notwendigkeit und Umrisse einer Kulturtheorie des Rechts, in: Archiv für Rechts- und
Sozialphilosophie (ARSP), Beiheft, 2008, Nr. 113, S. 193-221 (Standort: USB Köln(38)-Fa5;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Beitrag setzt sich kritisch mit der Position des "Rechtsrealismus" auseinander.
Dieser betrachtet Recht als Mechanismus, mit dessen Hilfe Macht zwischen gesellschaftlichen Akteuren aufgeteilt wird. Rechtliche Entscheidungen lassen sich nur aufgrund der dahinterstehenden Interessen (politischer, ökonomischer, psychologischer Art) erklären. Die
Wahrheit liegt in diesen Interessen, nicht in objektiver Vernunft begründet; Recht ist nicht autonom, sondern instrumentell. Die Wissenschaftlichkeit des Rechts wird vehement abgestritten, nur die Sozialwissenschaft erlaubt die wissenschaftliche Ordnung rechtlicher Phänomene.
Für den Autor ist die "Welt des Rechts" jedoch eine solche, die aus sich heraus - das heißt
ohne den notwendigen Rückgriff auf außerrechtliche Erklärungsmuster - etwas zu bieten hat.
Sie ist ein spezifisches "Glaubenssystem, durch dessen Brille man sehen und den Rest der
Welt verstehen kann". Hierin liegt die eigentliche Macht des Rechts. Recht wird hier als
"symbolische Form" begriffen. In Anlehnung an Cassirer ist Rechtswissenschaft insofern
"nicht Erkenntnis äußerer Fakten oder Ereignisse; sie ist eine Form der Selbsterkenntnis". Es
ist Teil des kulturellen Bedeutungs- und Symbolgewebes, in das der Mensch verstrickt ist.
Damit ist Recht integraler Bestandteil dessen, was es regelt. Recht beeinflusst uns nicht von
außen, sondern ist Teil unseres Selbstverständnisses. (ICA2)
[15-L] Harrasser, Karin; Riedmann, Sylvia; Scott, Alan (Hrsg.):
Die Politik der Cultural Studies - Cultural Studies der Politik, (Reihe Kultur.Wissenschaften,
Bd. 12), Wien: Turia & Kant 2007, 271 S., ISBN: 978-3-85132-445-7 (Standort: USB Köln(38)35A3281)
INHALT: "Gegenstand dieses Sammelbandes ist die in den letzten Jahren vermehrt angestellte
Reflexion des Verhältnisses von Cultural Studies und Politik. Ausgehend von der traditionellen Verbindung zwischen Theorie und Politik in den britischen Cultural Studies steht die aktuelle Diskussion von Politikbegriffen. Methoden und Objekten der Cultural Studies im Zentrum der hier versammelten Beiträge." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Vorwort des
Bundesministers (7); Karin Harrasser, Sylvia Riedmann und Alan Scott: Einführung: Die Politik der Cultural Studies - Cultural Studies der Politik (9-26); Teil 1: Die Politik der Cultural
Studies: Günther Sandner: Politische Wissenschaft. Der Austromarxismus und die Bedingungen kritischer Kulturanalyse (29-42); Jim McGuigan: Cultural Studies und "cool capitalism"
(43-66); Frank Webster: Cultural Studies und Soziologie vor und nach der Auflösung der
Schule von Birmingham (67-87); Lutz Musner: Jenseits von Markt und Macht? Zur Politik
der Geistes- und Kulturwissenschaften (88-105); Roman Horak: Prekäre Intellektuelle. Zum
zweifelhaften Erfolg der Institutionalisierung von Cultural Studies in Österreich (106-119);
Ursula Reber: Postkolonialismus zwischen Border-Gnosis und Institutionalisierung (120135); Teil 2: Cultural Studies der Politik: Roberta Sassatelli: Hybridität, Sex und Geschlecht.
Zu einer kulturellen Politik der Identität (139-163); Helga M. Treichl: Körpertechniken des
Politischen. Karnevaleske Ausdrucksformen in neuen "sozialen Bewegungen" (164-180); Oliver Marchart: Auf der Straße nach Damaskus. (Sub-)Cultural Studies, die Gefahr der Kulturalisierung und die Politik der Neuen Protestformationen (181-190); John Street: "Die Lücken
des Schweigens bewohnen." Musik und Politikwissenschaft (191-213); Fran Tonkiss: Kultur-
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
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studien und der "economic turn" (214-226); Kate Nash: Cultural Studies und Menschenrechte
(227-247); Paul Taylor: Die Politik der Literatur. Oder: Warum sie nicht nur das ist, "was ich
im Zuge lese, wenn ich zur Arbeit fahre" (248-267).
[16-L] Hillebrandt, Frank:
Begriff und Praxis des Tausches, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft :
Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006.
Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4279-4291, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die Praxistheorie Bourdieus wird auf die Praxisform des Tausches angewendet. Damit soll zum einen mit einem Seitenblick auf die soziologische Netzwerkanalyse verdeutlicht
werden, dass die Wirtschaftssoziologie gut beraten ist, den Tausch vielschichtig in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen zu modellieren, damit nicht nur der Warentausch, sondern auch der Gabentausch als grundlegende, Strukturen wie Netzwerke bildende Praxisform
der Ökonomie gefasst werden kann. Dazu wird eine Typologie des Tausches benötigt, die unter Weiterentwicklung der Bourdieuschen Ökonomie der symbolischen Güter kultursoziologisch entworfen wird. Diese systematische Anwendung der Paradigmen einer am Praxisbegriff orientierten Soziologie soll zum zweiten Entwicklungsmöglichkeiten einer praxistheoretisch ausgerichteten Soziologie der Wirtschaft verdeutlichen, die insbesondere in einer kultursoziologischen Fundierung der Wirtschaftssoziologie gesehen und im Vortrag systematisch
an zentralen Begriffen soziologischer Forschung diskutiert werden. Der Vortrag verfolgt
demnach nicht nur das Ziel, mit der praxistheoretischen Definition des Tauschbegriffs einen
kultursoziologischen Beitrag zur Soziologie der Wirtschaft zu leisten, sondern sondiert mit
Hilfe eines Entwurfs einer Praxistheorie des Tausches zusätzlich die Möglichkeiten einer notwendigen Weiterentwicklung der Bourdieuschen Theorievorgaben weg von einer zu starken
Fokussierung auf macht- und herrschaftssoziologische Themen hin zu einer allgemeinen soziologischen Theorie, die sich auch auf andere Praxisformen als die der Ausübung und Reproduktion von Herrschaft anwenden lässt." (Autorenreferat)
[17-L] Johler, Reinhard; Tschofen, Bernhard (Hrsg.):
Empirische Kulturwissenschaft: eine Tübinger Enzyklopädie ; der Reader des LudwigUhland-Instituts, (Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen, Bd.
100), Tübingen: Tübinger Vereinigung f. Volkskunde 2008, 707 S., ISBN: 978-3-932512-47-6
INHALT: "Seit 45 Jahren setzten die 'Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts' Maßstäbe.
Die zunächst mit 'Volksleben' überschriebene Reihe hat nicht nur die Fortentwicklung der
Volkskunde zur Empirischen Kulturwissenschaft eingeleitet und bald den Der 100. Band der
'Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts' ist ein Auswahlband mit Texten aus den vergangenen 45 Jahren. Die offene Form der Enzyklopädie kommt dabei auch der Arbeitsweise
der Empirischen Kulturwissenschaft entgegen, "weil die enzyklopädische Ordnung das Nebeneinander von Texten ermöglicht, deren Brennpunkt auf verschiedenen Ebenen liegt und in
denen verschiedene Perspektiven zusammenlaufen. Vielleicht lässt sich gerade darin ein
Merkmal der Forschungsarbeit des Instituts erkennen, dass nämlich die meisten der Texte Gegenstandsnähe und theoretischen Anspruch verbinden." (HS2) Inhaltsverzeichnis: Hermann
Bausinger: Der Adventskranz - Ein methodisches Beispiel (1970) (13-34); Wolfgang Kaschuba: Volkskultur und Arbeiterkultur als symbolische Ordnungen - Einige volkskundliche An-
26
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
merkungen zur Debatte um Alltags- und Kulturgeschichte (1989) (35-60); Wolfgang Kaschuba: Vom Heimwerker zum Arbeiterbauern - Aufstieg und Niedergang der ländlichen Leinenindustrie im Gebiet der Schwäbischen Alb (1991) (61-76); Gottfried Korff: Bemerkungen zur
aktuellen Ikonographie der Armut (1997) (77-96), Konrad Köstlin. DDR-Volkskunde: Die
Entdeckung einer fernen Welt (1991) (97-116); Gudrun M. König: Stacheldraht: Die Analyse
materieller Kultur und das Prinzip der Dingbedeutsamkeit (2004) (117-138); Gottfried Korff:
Namenswechsel als Paradigmenwechsel? Die Umbenennung des Faches Volkskunde an deutschen Universitäten als Versuch einer "Entnationalisierung" (1996) (139-158); Wolfgang Kaschuba, Carola Lipp: Leben in zwei Welten - Probleme sozioökonomischen Wandels und generativer Verhaltensmuster (1980) (159-172); Utz Jeggle: Auf der Suche nach Erinnerung
(1991) (173-186); Utz Jeggle: Eßgewohnheit und Familienordnung. Was beim Essen alles
mitgegessen wird (1988) (187-202); Gisela Welz: Moving Targets - Feldforschung unter Mobilitätsdruck (1998) (203-218); Bernd Jürgen Warneken: "Völkisch nicht beschränkte Volkskunde" - Eine Erinnerung an die Gründungsphase des Fachs vor 100 Jahren (1999) (219246); Martin Scharfe: Scherzernst genommen. Anmerkungen zur Funktion der Kritik in den
Fasnachtsrügebräuchen (1980) (247-256); Utz Jeggle: Geheimnisse der Feldforschung (1982)
(257-272); Hermann Bausinger: Zur Kritik der Folklorismuskritik (1966) (273-284); Gottfried Korff: Zwischen Sinnlichkeit und Kirchlichkeit - Notizen zum Wandel populärer Frömmigkeit im 18. und 19. Jahrhundert (1983) (285-298); Bernd Jürgen Warneken: Kleine Schritte der sozialen Emanzipation - Ein Versuch über den unterschichtlichen Spaziergang um 1900
(1994) (299-320); Carola Lipp: Das Private im Öffentlichen. Geschlechterbeziehungen im
symbolischen Diskurs der Revolution 1948/49 (1992) (321-336); Martin Scharfe: Die groben
Unterschiede. Not und Sinnesorganisation: Zur historisch-gesellschaftlichen Relativität des
Genießens beim Essen (1986) (337-350); Hermann Bausinger: Heimat in einer offenen Gesellschaft - Begriffsgeschichte als Problemgeschichte (1990) (351-366); Herbert Schwedt: Industrialisierung und Brauchtum - Zu den Determinanten der Volkskultur (1966) (367-378);
Utz Jeggle: Erinnerungen an die Dorfjuden heute (1997) (379-392); Kaspar Mause: Kinderkultur als Unterwelt der Arbeitsgesellschaft (2002) (393-408); Christel Köhle-Hezinger: Konfessionelle Vorurteile und Stereotypen: Ausprägungen - Ursprünge - Funktionen (1984) (409422); Gudrun M. König: Der gute schlechte Geschmack - Geschlechterdiskurse und Konsumkritik um 1900 (1999) 8423-436); Sabine Kienitz: Körper-Beschädigungen - Kriegsinvalidität
und Männlichkeitskonstruktionen in der Weimarer Republik (2002) (437-454); Christel Köhle-Hezinger: Der schwäbische Leib (1993) (455-490); Ute Bechdolf: Verhandlungssache Geschlecht: Eine Fallstudie zur kulturellen Herstellung von Differenz bei der Rezeption von
Musikvideos (1997/2006) (491-504); Arno Ruoff: Mundart in der kirchlichen Predigt (1982)
(505-422); Gottfried Korff: Das ethnographische Museum - Schule des Befremdens? (2001)
(523-538); Gottfried Korff: Hase & Co: Zehn Annotationen zur niederen Mythologie des
Bürgertums (1995) (539-556); Rudolf Schenda: Die Lesestoffe der Beherrschten sind die
herrschende Literatur - Bemerkungen zu Klassencharakter und sozialer Schichtung des literarischen Kommunikationsfeldes (1971) (557-578); Hermann Bausinger: Räumliche Orientierung - Vorläufige Anmerkungen zu einer vernachlässigten kulturellen Dimension (1988)
(579-588); Michi Knecht: Höflichkeitsverhalten als öffentliches Ritual - Ansätze ethnologischer Symboltheorie (1990) (589-604); Utz Jeggle: Die Sage und ihre Wahrheit (1987) (605622); Bernd Jürgen Warneken: Ver-Dichtungen: Zur kulturwissenschaftlichen Konstruktion
von "Schlüsselsymbolen" (1997) (623-638), Kaspar Mause: Die soziale Konstruktion der
Massenkünste: Der Kampf gegen Schmutz und Schund 1907-1918 - Eine Skizze (1995) (639654); Arno Ruoff: Sprachvarietäten in Süddeutschland (1997) (655-666); Uli Linke: Die
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
27
Sprache als Körper - Linguistischer Nationalismus und deutsche Sprachpolitik (2002) (667690).
[18-L] Junge, Kay; Suber, Daniel; Gerber, Gerold (Hrsg.):
Erleben, erleiden, erfahren: die Konstitution sozialen Sinns jenseits instrumenteller
Vernunft, (Sozialtheorie), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 510 S., ISBN: 978-3-89942-829-2
INHALT: "Dieses Buch macht in zahlreichen Beiträgen auf Dimensionen des Handelns aufmerksam, die in der Geschichte der Sozialwissenschaften bisher eher ein Schattendasein führten.
'Erleben', 'Erleiden', 'Erfahren' stehen dabei für drei Kategorien, die zwar schon auf eine philosophische Karriere zurückblicken können, in der Soziologie aber noch kaum etabliert sind.
Der prominent besetzte Band leistet im Anschluss an diverse Theorietraditionen erste Übersetzungsversuche. Darüber hinaus werden in empirischen Zugriffen unterschiedliche Modalitäten und Eigenschaften ungeplanter Ereignisse herausgestellt und auf ihre identitätskonstitutive Funktion hin beleuchtet." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Zygmunt Bauman: Eine
Welt voller Erlebnisse (45-62); Arpad Szakolczai: Sinn aus Erfahrung (63-100); Daniel
Suber: Soziologiegeschichtliche Anmerkungen zur Karriere des Lebensbegriffs in der Soziologie (101-132); Karl-Siegbert Rehberg: 'Erlebnis' versus 'Erfahrung'?Motive soziologischer
Krisenbewältigung (133-156); Shmuel N. Eisenstadt: Das 'dialogische Moment'. Martin Bubers Konzeption sozialer und kultureller Kreativität (157-170); Stephan Moebius: Entwurf einer Theorie der Praxis aus dem Geist der Gabe. Die Praxistheorie von Marcel Mauss und ihre
aktuellen Wirkungen (171-200); Johannes Weiss: Freundschaft in Einsamkeit. Eine soziologische Grenzbetrachtung (201-214); Claus Leggewie: Brüder im Geiste. Kleine Soziologie wissenschaftlicher Kollegenschaft (215-228); Heinz Bude: Die Evidenz der Phänomene (229234); Michael Schmid: Rationalität, Emotion und Solidarität. Bemerkungen zum Forschungsprogramm von Randall Collins (235-274); Jeffrey C. Alexander: Ikonisches Bewusstsein: Die
materiellen Grundlagen von 'Gefühls-Bewusstsein' (275-296); Andreas Reckwitz: Elemente
einer Soziologie des Ästhetischen (297-318); Albrecht Koschorke: Nicht-Sinn und die Konstitution des Sozialen (319-332); Günter Oesterle: Unvorhergesehenes Ereignis - unberechenbares 'Punctum' bei Walter Benjamin und Roland Barthes (333-344); Aleida Assmann: Sammeln. Sammlungen, Sammler (345-356); Jan Assmann: Sakralkönigtum und Gemeinschaftskunst. Der Alte Orient und das Politische (357-372); Wolfgang Seibel: Übergangsidentitäten
und Täterbiographien: Verwaltungseliten am Ende der Nazi-Diktatur (373-388); Helmut Dubiel: Das postnationale Syndrom (389-410); Alois Hahn: Zentrum und Peripherie (411-432);
Klaus Eder: Kollektive Identitäten als Netzwerke. Der Fall Europa (433-464); Richard
Münch: Politik in einer entgrenzten Welt: Unerwünschte Folgen guter Absichten (465-482);
Wolfgang Ludwig Schneider: Planungs- und Steuerungsoptimismus als Auslöser für die Evolution ungeplanter Strukturen. Das Beispiel der zentralwirtschaftlichen Planung in der DDR
(483-504).
[19-L] Kohler, Georg; Müller-Doohm, Stefan (Hrsg.):
Wozu Adorno?: Beiträge zur Kritik und zum Fortbestand einer Schlüsseltheorie des 20.
Jahrhunderts, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2008, 331 S., ISBN: 978-3-938808-39-9
INHALT: "Adornos Werk gehört zum Theoriebestand der Moderne wie Platon, Kant und Hegel
zur Geschichte des Denkens gehören. Warum dann dennoch die Frage 'Wozu Adorno'? -
28
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
Ernsthafte Philosophie ist immer radikal, bereit, das scheinbar Selbstverständliche zu untersuchen. Und zweitens ist es eine der elementaren Einsichten Adornos, dass aller geistigen
Wahrheit ein Zeitkern eigen ist. Die Zeitbedingtheit von philosophischer Wahrheit erschließt
sich durch eine Kritik, die das Spannungsverhältnis von Genesis und Geltung entfaltet. Die
Aktualität Adornos liegt in erster Linie im Reflexionsmodus seines Denkens, in seiner Form
von Kritik. Nicht die Diagnose der konkreten geschichtlich-gesellschaftlichen Phänomene der
Epoche, zu denen Adorno Nein sagt, gibt den Ausschlag für den stets erneuerten Erkenntnisgewinn, den die Beschäftigung mit den Figuren des negativen Dialektikers zeitigt. Vielmehr
ist es ihre Erkenntnisweise selbst, die eigentümliche Bewegungsform dieses Denkens, aus der
Adornos Philosophie ihr nach wie vor inspirierendes Anregungspotential schöpft. Im ersten
Teil des Bandes werden Aufsätze präsentiert, die aus wechselnden Perspektiven die unverminderte Zeitgenossenschaft und die kritische Kraft von Adornos Schriften darlegen. Im
zweiten Teil kommt die Gegenposition zu Wort: Überlegungen, die schonungslos und scharf
den Sinn und die Dringlichkeit der Frage 'Wozu eigentlich Adorno?' provozieren sollen. Der
dritte Teil versammelt Essays, die sich entweder mit einzelnen wichtigen Bereichen der Kulturdiagnostik und postmetaphysischen Philosophie Adornos beschäftigen oder detailliert auf
charakteristische Momente seiner dialektisch-sprachsensiblen Theorie Bezug nehmen.
Schließlich bezeugt eine Auswahlbiographie der Literatur zu Adorno seit seinem 100. Geburtstag im Jahre 2003 die Vitalität und Präsenz seines Werks, die der vorliegende Band ausweisen und erörtern will." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Georg Kohler: Wozu
Adorno? Über Adornos Verfahren, Motiv und Aktualität (9-27); Stefan Müller-Doohm: Sagen, was einem aufgeht. Sprache bei Adorno - Adornos Sprache (28-50); Hauke Brunkhorst:
Adorno, Freud und die Ordnung der Freiheit (51-63); Thorsten Bonacker: Erschließende Kritik. Über zwei Arten des Umgangs mit der Kontingenz des Verstehens bei Adorno (64-82);
Ulrich Stadler: Klüger als Condorcet? Über den Fortbestand des "Projekts Aufklärung" bei
Adorno und Alexander Kluge (83-102); Josef Früchtl: Der Künstler als Held der Moderne
(103-118); Martin Meyer: Apokalypse ohne Ende. Theodor W. Adornos "Minima Moralia"
(119-129); Herbert Schnädelbach: Adorno und die Geschichte (130-154); Irving Wohlfarth:
Lager, Nach-Welt, Überleben. Aporie als die Grundfigur von Adornos Ästhetik (155-198);
Franz Schuh: Kulturindustrie (199-222); Angela Keppler-Seel, Martin Seel: Adornos reformistische Kulturkritik (223-234); Gernot Böhme: Der Geschmack des Gewöhnlichen. Über
Distinktionsschicksale im Zeitalter der ästhetischen Ökonomie (235-251); Bernard Böschenstein: Theodor W. Adorno als Deuter Hölderlins (252-266); Emil Angehrn: Kritik und Versöhnung. Zur Konstellation Negativer Dialektik bei Adorno (267-291); Helmut Holzhey:
Hoffnung und Wahrheit. Zu Aphorismus 61 der "Minima Moralia" (292-306); Christian Ziegler: Auswahl-Bibliographie zu Theodor W. Adorno ab dem Jahr 2003 (307-327).
[20-L] Leistyna, Pepi:
Kulturwissenschaft als kapitalismuskritische Theorie erneuern: wider den neoliberalen
Angriff auf die Öffentlichkeit, in: Das Argument : Zeitschrift für Philosophie und
Sozialwissenschaften, Jg. 50/2008, H. 4 = H. 277, S. 506-511 (Standort: UB Bonn(5)-Z70/6; USB
Köln(38)-XG01665; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Die zeitgenössische Kulturwissenschaft lässt eine Analyse kapitalistischer Strukturen
vermissen und ist zu einer intellektuellen Übung ohne politisches Ziel geworden. Der Verfasser plädiert für eine Revitalisierung der Kulturwissenschaften und eine Wiederbesinnung auf
ihr politisches Ethos, das Theorie als strategisches, performatives Instrument zur Behandlung
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
29
wichtiger wirtschaftlicher, sozialer und politischer Probleme gesehen hat. Da Medien, Schulen und Hochschulen in den USA von neoliberalen Kräften beherrscht werden, geht es darum,
Wege zu finden, wie man theoretische Traditionen wiederbeleben kann, die die Verbindung
zwischen Hochschule und Alltagsleben ernst nehmen. Der Kulturwissenschaften muss es darum gehen zu zeigen, wie die Gesellschaft das Leben des Einzelnen beeinflusst. Der neoliberale Angriff auf die Öffentlichkeit sieht sich heute mit Kräften konfrontiert, denen klar ist, dass
Information ein Schlüssel für die Schaffung kollektiver Identitäten und die Mobilisierung von
Menschen ist. Gramscis Denken, eine Kritik des Kapitals und die Verbindung von Theorie
und Praxis sind zentral für die Schaffung einer theoretischen wie praktischen Solidarität, die
alternative politische Räume und gerechtere Verhältnisse schaffen kann. (ICEÜbers)
[21-L] Marchart, Oliver:
Cultural studies, (UTB, 2883), Konstanz: UVK Medien Verl.-Ges. 2008, 277 S., ISBN: 978-38252-2883-5 (Standort: USB Köln(38)-35A6446)
INHALT: Der Verfasser gibt eine Einführung in die Cultural Studies über den Zugang ihres politischen Theorieprojekts. Zunächst wird ein historischer Abriss der Gründungsgeschichte der
britischen Cultural Studies geliefert, der die Entwicklung ihres politischen Theorieprojekts in
den konkreten Kämpfen der Zeit verortet. Ein Beispiel hierfür bietet das Thema "Jugend", die
als Gesamtsubjekt in der Nachkriegszeit neu in Erscheinung tritt. Neben "Jugend" wird als
der zweiten große Forschungszusammenhang der "Birmingham Cultural Studies" das Feld
der "Media Studies" vorgestellt. Rassismusforschung, Klassenanalyse und Geschlechterforschung werden als diejenigen drei Forschungsgebiete genannt, in denen die für die Cultural
Studies zentrale Fragestellung nach der sozialen Identitätsbildung am häufigsten auftritt. Das
Schlusskapitel ist der makropolitischen Seite des politischen Theorieprojekts der Cultural
Studies gewidmet. Hier geht es um Analysen des Rassismus und Thatcherismus und um die
Konzeption der Cultural Studies zur Transformation des Mikropolitischen ins Makropolitische. (ICE2)
[22-L] Moebius, Stephan; Reckwitz, Andreas (Hrsg.):
Poststrukturalistische Sozialwissenschaften, (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1869),
Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 471 S., ISBN: 978-3-518-29469-7
INHALT: "Wie verändern sich die tradierten Konzepte und Forschungsperspektiven der Sozialwissenschaften durch eine Verarbeitung des Poststrukturalismus, der von Theoretikern wie
Foucault und Derrida vorangetrieben wurde? Ausgehend von dieser Frage, skizziert der Band
in einer Kombination von programmatischem Überblick und einem Lexikon zentraler Begriffe eine poststrukturalistische Neukonfiguration des Panoramas der für die Sozialwissenschaften grundlegenden Forschungsfelder. 'Handeln' und 'Moderne', 'Ökonomie' und 'Wissenschaft'
sind dabei nur einige der Stichworte, an denen gezeigt wird, dass der Poststrukturalismus
nicht auf eine spezialisierte Nische beschränkt ist, sondern eine breite, eigenständige sozialund kulturwissenschaftliche Analytik liefert." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Stephan
Moebius, Andreas Reckwitz: Einleitung: Poststrukturalismus und Sozialwissenschaften: Eine
Standortbestimmung (7-26); Thorsten Bonacker: Gesellschaft: Warum die Einheit der Gesellschaft aufgeschoben wird (27-42); Dietmar J. Wetzel: Gemeinschaft: Vom Unteilbaren des
geteilten Miteinanders (43-57); Stephan Moebius: Handlung und Praxis: Konturen einer post-
30
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
strukturalistischen Praxistheorie (58-74); Andreas Reckwitz: Subjekt/Identität: Die Produktion und Subversion des Individuums (75-92); Dirk Quadflieg: Sprache und Diskurs: Von der
Struktur zur 'différance' (93-107); Urs Stäheli: System: Unentscheidbarkeit und Differenz
(108-123); Georg Kneer: Institution/Organisation: Über die Paradoxie des Organisierens
(124-140); Markus Schroer: Raum: Das Ordnen der Dinge (141-157); Stephan Moebius:
Macht und Hegemonie: Grundrisse einer poststrukturalistischen Analytik der Macht (158174); Sven Opitz: Exklusion: Grenzgänge des Sozialen (175-193); Martin Saar: Klasse/Ungleichheit: Von den Schichten der Einheit zu den Achsen der Differenz (194-207); Lars Gertenbach: Geschichte, Zeit und sozialer Wandel: Konturen eines poststrukturalistischen Geschichtsdenkens (208-225); Andreas Reckwitz: Moderne: Der Kampf um die Öffnung und
Schließung von Kontingenzen (226-244); Johannes Angermüller: Postmoderne: Zwischen
Repräsentationskrise und Entdifferenzierung (245-262); Julia Reuter: Globalisierung: Phänomen - Debatte - Rhetorik (263-276); Martin Nonhoff: Politik und Regierung: Wie das sozial
Stabile dynamisch wird und vice versa (277-294); Urs Stäheli: Ökonomie: Die Grenzen des
Ökonomischen (295-311); Rainer Maria Kiesow: Recht: Über strukturelle Irrtümer (312329); Antke Engel: Geschlecht und Sexualität: Jenseits von Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität (330-346); Andreas Hetzel: Religion: Eine postsäkulare Soziologie (347-362);
Eva Horn: Literatur: Gibt es Gesellschaft im Text? (363-381); Sophia Prinz, Hilmar Scher:
Kunst und Architektur: Materielle Strukturen der Sichtbarkeit (382-400) Albert KümmelSchnur: Medien: Protokoll einer Disziplinierung (401-418); Matthias Wieser: Technik/Artefakte: Mattering Matter (419-432); Dominik Schrage: Konsum: Ein Erfolgsthema des Poststrukturalismus? (433-449); Henning Schmidgen: Wissenschaft: Das Labor als Archiv und
Maschine (450-466).
[23-L] Moebius, Stephan:
Gaben der Anerkennung: integrationstheoretische Potenziale der Kulturtheorien nach
Marcel Mauss, in: Sociologia Internationalis : Internationale Zeitschrift für Soziologie,
Kommunikations- und Kulturforschung, Bd. 45/2007, H. 1/2, S. 109-144 (Standort: USB
Köln(38)-XG219; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Betrachtet man die Mauss-Rezeption der französischen Kultur- und Sozialtheorien
seit Erscheinen von Mauss' 'Essai sur le don' im Jahre 1925, so lassen sich insbesondere zwei
größere Diskurszusammenhänge beobachten: Vertreter eines 'anti-utilitaristischen' Denkens
einerseits und eines 'strukturalistisch-symbolischen' Denkens andererseits. Da den beiden Rezeptionspolen unterschiedliche Anerkennungs- und Integrationsformen (System- und Sozialintegration) zugeordnet werden können, geht mit der Ausdifferenzierung dieser Rezeptionsstränge auch eine Ausdifferenzierung der integrationstheoretischen Implikationen des sozialen
Totalphänomens der Gabe einher. Der Beitrag untersucht diese integrations- und anerkennungstheoretischen Implikationen der Kulturtheorien im Anschluss an Marcel Mauss' 'Die
Gabe'." (Autorenreferat)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
31
[24-L] Morikawa, Takemitsu:
Wissen und Konstruktion des Anderen: zwischen Weber und Japan ; gesammelte Aufsätze
zur Philosophie und Soziologie, Kassel: Kassel Univ. Press 2008, 207 S., ISBN: 978-3-89958385-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/6552;
www.upress.uni-kassel.de/online/frei/978-3-89958-385-4.volltext.frei.pdf)
INHALT: Die Texte des Sammelbandes behandeln drei verschiedene Themenstellungen: Wissenschaftstheorie, Max Weber und Japan. Im ersten Beitrag wird eine Abgrenzung der Wissenschaftstheorie Max Webers vom Kritischen Rationalismus vorgenommen. Thema des zweiten
Aufsatzes ist Friedrich Gottls Versuch, den Psychologismus zu überwinden. Der dritte Aufsatz unterstreicht die Modernität des Arguments Gottls über den Individualbegriff im Vergleich zur modernen sprachanalytischen Philosophie. Ein Beitrag zur Neudefinition des Idealtypus als durch Festlegung von logischen Regeln und deren wiederholende Anwendung konstruiert schließt sich an. Weitere Themen sind Nietzsches Wirkung auf Weber im Lichte der
neueren Weber-Forschung in Japan, die wirkungsgeschichtliche Beziehung zwischen Nietzsche und den Sozialwissenschaften und der Stellenwert der Religion in den soziologischen
Theorien. Die abschließenden vier Beiträge behandeln Themen der Japanologie: kulturelle
Moderne und die Romantik in Japan, Fremdbilder und Selbstbilder in der japanischen Öffentlichkeit der Meiji-Zeit, die Entstehung der japanischen Volkskunde und Florian Coulmas'
Buch "Die Deutschen schreien". (ICE2)
[25-L] Musner, Lutz:
Wege aus dem Elfenbeinturm: zur gesellschaftlichen Relevanz der Kulturwissenschaften, in:
Das Argument : Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, Jg. 50/2008, H. 4 = H. 277,
S. 487-496 (Standort: UB Bonn(5)-Z70/6; USB Köln(38)-XG01665; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Verfasser setzt sich kritisch mit dem Mangel an politökonomischer und soziologischer Kulturanalyse in den zeitgenössischen Kulturwissenschaften auseinander. Anknüpfend
an die reflexive Soziologie Pierre Bourdieus und Loic Wacquants sowie an die französische
Variante der ökonomischen Regulationstheorie zeigt er neue, kritische Wege für ein Verständnis der Transformationen des Spätkapitalismus auf. Er schlägt ein heuristisches Modell
vor, das "Kultur als sozialen Text" behandelt und analytische Instrumente bietet, um kulturelle Phänomene als dynamische Schichten in historisch und räumlich definierten kapitalistischen Regulationsweisen zu untersuchen. (ICEÜbers)
[26-L] Niewöhner, Jörg; Kehl, Christoph; Beck, Stefan (Hrsg.):
Wie geht Kultur unter die Haut?: emergente Praxen an der Schnittstelle von Medizin,
Lebens- und Sozialwissenschaft, (VerKörperungen /MatteRealities: Perspektiven empirischer
Wissenschaftsforschung, Bd. 1), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 245 S., ISBN: 978-3-89942-9268
INHALT: "Aktuelle lebenswissenschaftliche Forschungen problematisieren zunehmend die Grenze zwischen Natur und Kultur. Ob Adipositas, Alzheimer, psychiatrische Störungen, Gedächtnisleistung oder Stress - all diese Phänomene entziehen sich simplen biologischen Erklärungsmodellen und erfordern neuartige theoretische wie methodische Ansätze. Die internatio-
32
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
nale empirische Wissenschaftsforschung analysiert diese Entwicklungen und kontextualisiert
sie historisch, praxistheoretisch und biopolitisch. Erstmalig für den deutschen Sprachraum
bietet dieser Band einen Überblick aktueller Analysen führender Wissenschaftler/-innen aus
Deutschland, der Schweiz, Kanada und den USA." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Jörg
Niewöhner, Christoph Kehl, Stefan Beck: Wie geht Kultur unter die Haut und wie kann man
dies beobachtbar machen? (9-30); Allan Young: Kultur im Gehirn: Empathie, die menschliche Natur und Spiegelneuronen (31-54); Margaret Lock: Verführt von "Plaques" und
"Tangles": die Alzheimer-Krankheit und das zerebrale Subjekt (55-80); Christoph Kehl: Die
Verdrängung der Verdrängung. Das Gedächtnis im Spannungsfeld biologischer und psychoanalytischer Deutungsmuster (81-112); Jörg Niewöhner: Die zeitlichen Dimensionen von Fett
- Körperkonzepte zwischen Prägung und Lebensstil (113-142); Harald Kliems: Vita hyperactiva: ADHS als biosoziales Phänomen (143-170); Robert Aronowitz: Framing-Effekte für soziale Verteilungsmuster von Krankheit: ein unterschätzter Mechanismus (171-194); Gerd Folkers: Wie geht Kultur "unter die Haut"? Die Sicht des Apothekers auf die Kultur der Arznei
(195-208); Tobias Esch: Vom Verhalten zu den Molekülen: Ein biopsychosoziomolekularer
Zugang zu Stress- und Schmerzlinderung (209-242).
[27-L] Nünning, Ansgar; Nünning, Vera (Hrsg.):
Einführung in die Kulturwissenschaften: theoretische Grundlagen - Ansätze - Perspektiven,
Stuttgart: Metzler 2008, XV, 392 S., ISBN: 978-3-476-02237-0 (Standort: UB Bonn(5)2008/3773)
INHALT: "Dieser Band bietet Orientierung in einem interdisziplinären Diskussionsfeld, das inzwischen selbst für Fachleute kaum noch überschaubar ist. Er informiert über die gegenwärtigen kulturwissenschaftlichen Diskussionen und gibt einen systematischen und umfassenden
Überblick über die verschiedenen Ansätze sowie deren theoretische Grundlagen und Schlüsselbegriffe. Dazu zählen z.B. Kultursemiotik, Kulturanthropologie, New Historicism, Cultural
Materialism, Cultural Studies, Kulturgeschichte/New Cultural History, Kultursoziologie, Kulturpsychologie, Fremdkulturwissenschaften und Medienkulturwissenschaft. Weitere Kapitel
widmen sich kulturwissenschaftlichen Ansätzen in der Literaturwissenschaft, Fragen des kulturellen Gedächtnisses, interkultureller Kommunikation sowie kulturwissenschaftlicher Geschlechterforschung." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Vera Nünning, Ansgar Nünning:
Kulturwissenschaften: Eine multiperspektivische Einführung in einen interdisziplinären Diskussionszusammenhang (1-18); Claus-Michael Ort: Kulturbegriffe und Kulturtheorien (1938); Roland Posner: Kultursemiotik (39-72); Wilhelm Voßkamp: Literaturwissenschaft als
Kulturwissenschaft (73-85); Doris Bachmann-Medick: Kulturanthropologie (86-107); Harald
Neumeyer: Historische und literarische Anthropologie (108-131); Moritz Baßler: New Historicism, Cultural Materialism und Cultural Studies (132-155); Astrid Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen (156-185); Ute Daniel: Kulturgeschichte (186-204); Rainer
Winter: Kultursoziologie (205-224); Jürgen Kramer: Kulturpsychologie und Psychoanalyse
als Kulturtheorie (225-247); Peter Finke: Kulturökologie (248-279); Alois Wierlacher, Corinna Albrecht: Kulturwissenschaftliche Xenologie (280-306); Hans-Jürgen Lüsebrink: Kulturraumstudien (307-328); Renate Hof: Kulturwissenschaften und Geschlechterforschung (329350); Siegfried J. Schmidt: Medienkulturwissenschaft (351-370).
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
33
[28-L] Plath, Ingrid; Graudenz, Ines; Breit, Heiko (Hrsg.):
Kultur, Handlung, Demokratie: Dreiklang des Humanen ; Festschrift anlässlich der
Emeritierung von Lutz H. Eckensberger, gewidmet vom Deutschen Institut für
Internationale Pädagogische Forschung, (VS research), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.
2008, 246 S., ISBN: 978-3-531-15889-1
INHALT: "Der Band dokumentiert die Beiträge des Symposiums 'Kultur - Handlung - Demokratie'. Die Autoren vertreten primär einen kulturwissenschaftlichen Ansatz, beleuchten den Zusammenhang von Kultur, Handlung und Demokratie aus inhaltlich verschiedenen Blickwinkeln und unterschiedlichen methodologischen und theoretischen Schwerpunktsetzungen. Die
Beiträge spiegeln Forschungsansätze aus der Perspektive der Soziologie, Kulturpsychologie,
Entwicklungspsychologie und der Erziehungswissenschaft wieder, die eine interdisziplinäre
Auseinandersetzung geradezu herausfordern und so ein Weiterdenken erst ermöglichen."
(Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Heiko Breit, Ingrid Plath, Ines Graudenz: Kontext und
Rückblick: Symposium Kultur - Handlung - Demokratie zu Ehren von Lutz H. Eckensberger
(11-24); Ype H. Poortinga: A relativist in pursuit of the truth: Eckensberger's contribution to
the study of psychology and culture (25-42); Heiko Breit: Kultur - Handlung - Demokratie:
Eckpfeiler der kulturpsychologischen Handlungstheorie von Lutz H. Eckensberger (43-66);
Gertrud Nunner-Winkler: Funktional ausdifferenzierte Gesellschaften und keine Moral? Ziviltugendhaftigkeit als notwendige Bedingung der Stabilisierung demokratischer Gesellschaften (67-88); Roland Reichenbach: "Von dem erlaubten moralischen Schein" - zur Bedeutung
von Zivilität und Anstand (89-108); Helen Haste: Constructing competence: discourse, identity and culture (109-134); Jürgen Straub, Maik Arnold: Missionarisches Handeln: das religiöse
Selbst in interkultureller Praxis - handlungs- und kulturpsychologische Analysen autobiographischer Erzählungen von Protestanten (135-194); Lutz H. Eckensberger: Epilog. Dank Rückblick - Diskussion (195-242).
[29-L] Pohlmann, Markus:
Die neue Kulturtheorie und der "Geist des Kapitalismus": Max Weber and beyond, in:
Gabriele Wagner, Philipp Hessinger (Hrsg.): Ein neuer Geist des Kapitalismus? : Paradoxien und
Ambivalenzen der Netzwerkökonomie, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 103-126,
ISBN: 978-3-531-15315-5
INHALT: Kulturelle Werte in ihrer Bedeutung für das Wirtschaften rücken seit einigen Jahren in
den Mittelpunkt des akademischen und öffentlichen Interesses. Die Suche nach funktionalen
Äquivalenten zur protestantischen Ethik ist auf breiter Front eröffnet. Insbesondere in den
USA wurde die Arbeit am Paradigma einer kulturzentrierten Erklärung von wirtschaftlicher
und gesellschaftlicher Entwicklung wieder aufgenommen. Kultur kommt dabei nicht mehr
ungefähr, als Rest- oder Sammelkategorie für Unaufgeklärtes ins Spiel, sondern als klar konturierter, dominant erachteter Erklärungsfaktor. Der vorliegende Beitrag beschreibt zunächst
den Erklärungsanspruch dieser "neuen wirtschaftsethischen Kulturtheorie", um ihn dann auf
sein theoretisches Fundament zu hinterfragen und im dritten Schritt einige Überlegungen zur
Ergänzung, Korrektur und weiteren Fundierung der neuen "Kulturtheorie" US-amerikanischer
Prägung vorzutragen. Dabei rücken auch die Überlegungen von Boltanski und Chiapello zum
"Neuen Geist des Kapitalismus" ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Hintergrund dieser drei
Schritte steht der Versuch, Antworten auf die zentrale Frage der "neuen wirtschaftsethischen
Kulturtheorie" zu diskutieren, wie man den kulturellen Einfluss auf die kapitalistische Ent-
34
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
wicklung heute konzipieren kann, und diese auch unter Rückbezug auf die Weberschen Überlegungen zu klären. (ICA2)
[30-L] Raab, Jürgen; Pfadenhauer, Michaela; Stegmaier, Peter; Dreher, Jochen; Schnettler, Bernt
(Hrsg.):
Phänomenologie und Soziologie: theoretische Positionen, aktuelle Problemfelder und
empirische Umsetzungen, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 415 S., ISBN: 978-3-53115428-2
INHALT: "Der Band erörtert die Bedeutung der Phänomenologie für die Soziologie. 35 Autorinnen und Autoren erkunden und diskutieren die Anregungen, Chancen und Erträge phänomenologischen Denkens für die Sozialtheorie ebenso wie für die empirische Sozialforschung.
Die Beiträge zu soziologischen Begriffs- und Theorieproblemen, zu methodisch-methodologischen Aspekten und zu aktuellen Gegenwartsfragen vermitteln einen umfassenden Überblick über den augenblicklichen Stand einer in der Soziologie in jüngster Zeit wieder verstärkt geführten Auseinandersetzung mit der Phänomenologie - und sie beziehen auch pointiert Stellung innerhalb dieser Debatte. Denn bei aller Unterschiedlichkeit der Fragestellungen
und Herangehensweisen eint die Autoruinen und Autoren die Einsicht in die konstitutive Bedeutung der Subjektivität für aktuelle soziologische Frage und Problemstellungen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Einleitung der Herausgeber: Phänomenologie und Soziologie.
Grenzbestimmung eines Verhältnisses (11-29); I. Theoretische Positionen und Perspektiven:
Thomas Luckmann: Konstitution, Konstruktion: Phänomenologie, Sozialwissenschaft (3340); Ilja Srubar: Die pragmatische Lebenswelttheorie (41-51); Hans-Georg Soeffner: Symbolische Präsenz: unmittelbare Vermittlung - zur Wirkung von Symbolen (53-64); Hubert
Knoblauch: Transzendentale Subjektivität. Überlegungen zu einer wissenssoziologischen
Theorie des Subjekts (65-74); Jo Reichertz: Das Ich als Handlung oder das handelnde Ich?
Nachdenken über einen lieb gewonnenen Begriff der Phänomenologie (75-84); Martin Endreß: Reflexive Wissenssoziologie als Sozialtheorie und Gesellschaftsanalyse. Zur phänomenologisch fundierten Analytik von Vergesellschaftungsprozessen (85-95); Andreas Göttlich:
Sociologia Perennis? Überlegungen zur Problematik prototheoretischer Aussagen in der Soziologie (97-107); Daniel Silber: Phänomenologie/Lebensphilosophie. Zu einem zentralen
Kapitel im Streit um die Phänomenologie (109-119); Joachim Fischer: Tertiarität. Die Sozialtheorie des "Dritten" als Grundlegung der Kultur- und Sozialwissenschaften (121-130); Ronald Hitzler: Von der Lebenswelt zu den Erlebniswelten. Ein phänomenologischer Weg in soziologische Gegenwartsfragen (131-140); Bernt Schnettler: Soziologie als Erfahrungswissenschaft. Überlegungen zum Verhältnis von Mundanphänomenologie und Ethnophänomenologie (141-149); Thomas S. Eberle: Phänomenologie und Ethnomethodologie (151-161); Armin
Nassehi: Phänomenologie und Systemtheorie (163-173); Rainer Schützeichel: Transzendentale, mundane und operative (systemtheoretische) Phänomenologie (175-183); II. Problemfelder und aktuelle Debatten: Nico Lüdtke: Intersubjektivität bei Schütz - oder: Ist die Frage
nach dem Anderen aus der Phänomenologie entlassen? (187-197); Jens Bonnemann: Wege
der Vermittlung zwischen Faktizität und Freiheit. Zur Methodologie der Fremderfahrung bei
Jean-Paul Sartre (199-209); Ingo Schulz-Schaeffer: Soziales Handeln, Fremdverstehen und
Handlungszuschreibung (211-221); Gregor Bongaerts: Verhalten, Handeln, Handlung und soziale Praxis (223-232); Jürgen Raab: Präsenz und mediale Präsentation. Zum Verhältnis von
Körper und technischen Medien aus Perspektive der phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie (233-242); Michael Kauppert: Wie erschließt sich der Erfahrungsraum? Zur Trans-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
35
formation des Lebenswelttheorems (243-252); Joachim Renn: Emergenz - Das soziologische
Problem heterogener Ordnungsebenen und die Zeit der Phänomenologie (253-261); Peter
Stegmaier: Normative Praxis: konstitutions- und konstruktionsanalytische Grundlagen (263272); Dirk Tänzler: Repräsentation. Brücke zwischen Phänomenologie und Soziologie des
Politischen (273-282); Thilo Raufer: Politik, Symbolismus und Legitimität. Zum Verhältnis
von Konstitutions- und Konstruktionsanalysen in der empirischen Forschung (283-291); III.
Methodische Reflexionen und Analysen: Jochen Dreher: Protosoziologie der Freundschaft.
Zur Parallelaktion von phänomenologischer und sozialwissenschaftlicher Forschung (295306); Darius Zifonun: Widersprüchliches Wissen. Elemente einer soziologischen Theorie des
Ambivalenzmanagements (307-316); Tobias Röhl: Symbole des Unfalltodes. Eine mundanphänomenologisch informierte Analyse privater Erinnerungsmale (317-325); Sebastian Deterding: Introspektion. Begriffe, Verfahren und Einwände in Psychologie und Kognitionswissenschaft (327-337); Michaela Pfadenhauer: Doing Phenomenology: Aufgrund welcher Merkmale bezeichnen wir ein Handeln als "kompetentes Organisieren"? (339-348); Margarethe
Kusenbach: Mitgehen als Methode. Der "Go-Along" in der phänomenologischen Forschungspraxis (349-358); Thorsten Berndt: Das beobachtende Interview. Zur relevanztheoretischen
Rekonstruktion und innovativen Ergänzung qualitativer Interviews (359-368); Ronald Kurt:
Vom Sinn des Sehens. Phänomenologie und Hermeneutik als Methoden visueller Erkenntnis
(369-378); Anne Honer: Verordnete Augen-Blicke. Reflexionen und Anmerkungen zum subjektiven Erleben des medizinisch behandelten Körpers (379-387); Silvana K. Figueroa-Dreher: Musikalisches Improvisieren: Die phänomenologische Handlungstheorie auf dem Prüfstand (389-399); Siegfried Saerberg: Das Sirren in der Dschungelnacht - Zeigen durch Sichwechselseitig-aufeinander-Einstimmen (401-410).
[31-L] Reckwitz, Andreas:
Das "Drinnen im Draußen": Analyseperspektiven poststrukturalistischer
Sozialwissenschaft, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft :
Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006.
Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4152-4157, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die kulturtheoretische Bewegung des Poststrukturalismus, die von Derrida ausgeht,
vermag die sozialwissenschaftliche Grundbegrifflichkeit und ihre Perspektive auf die Moderne dadurch zu verschieben, dass sie dort, wo klassischerweise fixe Einheiten mit eindeutigen
Grenzen angenommen werden - vor allem auf den drei Ebenen von Systemen/ Feldern, Klassen/ Lebensformen und Subjekten/ Identitäten -, die Analyse systematisch für 'Hybriditäten'
sensibilisiert, das heißt für Kombinationen von Sinn- und Codelementen unterschiedlicher
Herkunft, die möglicherweise zu immanent widersprüchlichen Konstellationen führen. Neben
der Hybridität i.e.S. sollen die damit verknüpften Konstellationen der kulturellen Grenzüberschreitung, der historischen Intertextualität und des konstitutiven Außen als 'sensitizing instruments' einer poststrukturalistischen, 'dekonstruktiven' Kulturanalyse skizziert werden."
(Autorenreferat)
[32-L] Reckwitz, Andreas:
Unscharfe Grenzen: Perspektiven der Kultursoziologie, (Sozialtheorie), Bielefeld: transcript
Verl. 2008, 362 S., ISBN: 978-3-89942-917-6
36
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
INHALT: Der Sammelband fasst bereits andernorts publizierte Aufsätze des Verfassers zu den
fünf Themenbereichen Kultur, Praktiken, Subjektformen, Ästhetisierungen und Kulturtheorie
als Kritik zusammen. Im ersten Themenblock geht es um einige grundsätzliche Klärungen,
die den Kulturbegriff, die Kulturtheorien und den Cultural Turn in den Sozialwissenschaften
betreffen. Im Unterschied zu diesen grundbegrifflichen Problemen der Kulturtheorien geht es
in den beiden folgenden Rubriken "Subjektformen" und "Ästhetisierungen" um Fragen einer
materialen Kultursoziologie: um die Relevanz von Medientechnologien für die Subjektkonstitution, den Status von Geschlecht und Männlichkeit, die Diskussion um die "neue Bürgerlichkeit", die Prominenz der Konsumkultur, die Ausbreitung der Semantik der Kreativität und
schließlich die Relevanz von Ästhetisierungsprozessen generell. Die letzten beiden Beiträge
fragen nach der kritischen und dekonstruktiven Funktion der Kulturtheorie und Kultursoziologie, vor allem danach, welche Impulse von an Foucault und Derrida anknüpfende poststrukturalistische Analytiken zu liefern vermögen. (ICE2)
[33-L] Reiche, Reimut:
Vom Handeln der Bilder: Horst Bredekamps Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2007, in:
WestEnd : neue Zeitschrift für Sozialforschung, Jg. 5/2008, H. 2, S. 174-181
INHALT: Wenn man die überall auftauchenden theoretischen Fäden gegen den chronologischen
Gang der Vorlesung zu einem Knoten zusammen zieht, so der Verfasser, dann ergibt sich ein
Entwurf für eine neu gerichtete Aufklärung, die das Bild jenseits des Wortes als eigenständiges Erkenntnismittel anerkennt und in sich aufnimmt. Bredekamp möchte keineswegs gegen
den Sprachprimat der westlichen Kulturen einen Bildprimat errichten, sondern das Bild in die
ihm gebührenden Rechte einsetzen, oder besser: wiedereinsetzen. Bredekamp könnte sich, so
die These, von der Bildgewalt des Traums animieren lassen. Es gibt einen Visualisierungszwang, aber keinen analogen Versprachlichungszwang im Traum. Aber in dem Moment, wo
wir uns aufwachend an den Traum erinnern, setzen wir ein Bild und mit ihm gleichursprünglich ein Sprachprotokoll dieses Bildes ins Werk. Bredekamp hätte sich also den geträumten
Traum als Bundesgenossen für seine Theorie des aktiven Bildes wählen können. Aber auch
dann wäre er alsbald in die Dialektik des geträumten Traums geraten: Im Moment, wo wir
dieses Bild erinnernd bekräftigen, entkräften wir seine magische Macht auch schon durch die
Versprachlichung. (ICF2)
[34-L] Schäfer, Gerd:
Erforschung der deutschen Unkultur: zum Werk von Fritz Stern, in: Merkur : deutsche
Zeitschrift für europäisches Denken, Jg. 62/2008, H. 8 = H. 711, S. 712-716 (Standort: USB
Köln(38)-AP4481; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Autor zeichnet die Biographie und die Werke des Historikers Fritz Stern nach,
welchem im Jahr 1999 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde. Er
geht insbesondere auf die enge Verbindung Sterns zu den großen Romanciers des 19. Jahrhunderts ein, denn Sterns akademische Werke lassen sich wie eine den Gegenständen antwortende Wiedergabe in der Schrift verstehen. Bestimmend sind für Stern - dem rationalen Hermeneutiker der Historie - vor allem spezifische Wirklichkeiten, deren altem Zauber er als
nachgeborener Forscher jedoch nicht verfallen will. "In der Nachbetrachtung kann man die
Veröffentlichungen Fritz Sterns wie eine Rückeroberung von Anschauungen und Begriffen
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
37
auffassen, die andere Möglichkeiten der deutschen Geschichte betont. Vergleichbar einem
Anatom untersucht er Deutschland, geht dem Deutschen als Adjektiv nach und hofft gleichzeitig, dass er keinen Zombie seziere, mit dessen Wiederkehr abermals zu rechnen ist. Sterns
Werk ist eine ständige Bannung alter Schrecken". (ICI)
[35-L] Sigmund, Steffen; Albert, Gert; Bienfait, Agathe; Stachura, Mateusz (Hrsg.):
Soziale Konstellation und historische Perspektive: Festschrift für M. Rainer Lepsius,
(Studien zum Weber-Paradigma), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 491 S., ISBN: 9783-531-15852-5 (Standort: UB Bonn(5)-20086026)
INHALT: "M. Rainer Lepsius hat wie kaum ein anderer die deutsche Soziologie intellektuell und
institutionell geprägt. Die in seinen prägnanten Aufsätzen entwickelten Kategorien und Analysen beeinflussten nicht nur dauerhaft den soziologischen und sozialhistorischen Diskurs,
sondern zeichnen sein Werk auch als ein originäres aus, hinter dem eine besondere soziologische Perspektive deutlich wird. Ausgehend von Überlegungen, die die Originalität des Werkes von M.R. Lepsius im Kontext der Arbeiten Max Webers wie auch der bundesrepublikanischen Soziologie herausarbeiten, gliedert sich dieser Band entlang seiner Forschungsinteressen. Unter den vier seinem Werk entnommenen Kapitelüberschriften 'Die kulturellen Dimensionen sozialer Ungleichheit', 'Demokratie in Deutschland' - und Europa -, 'Interessen, Ideen
und Institutionen' sowie 'Zur Lage der Soziologie' werden seine Begriffsprägungen, Forschungsorientierungen und -beiträge von zahlreichen Kollegen aufgenommen, reflektiert und
weitergeführt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Johannes Weiß: Der Weber-Forscher (917); Paul Nolte: Soziologie als kulturelle Selbstvergewisserung. Die Demokratisierung der
deutschen Gesellschaft nach 1945 (18-40); Tilman Allert: Die Gabe der Rede (41-54); Wolfgang Schluchter: Interessen, Ideen, Institutionen. Schlüsselbegriffe einer an Max Weber orientierten Soziologie (57-80); Steffen Sigmund: Ist Gemeinwohl institutionalisierbar? Prolegomena zu einer Soziologie des Stiftungswesens (81-103); Anton Sterbling: Institutionenwandel
in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens (104-120); Heinz Sahner: Die Bedeutung von
Institutionen: Die Entwicklung von Ost und Westdeutschland, die Wiedervereinigung und zur
Rekonstruktion ostdeutscher Städte am Beispiel von Halle (Saale) (121-148); Claus Wendt:
Leitideen der Gesundheitsversorgung (149-173); Hans-Peter Müller: Lebenschancen und Lebensstile. Die kulturellen Dimensionen sozialer Schichtung (177-206); Gangolf Hübinger:
"Sozialmoralisches Milieu". Ein Grundbegriff der deutschen Geschichte (207-227); Markus
Pohlmann: Der diskrete Charme der Bourgeoisie? - Ein Beitrag zur Soziologie des modernen
Wirtschaftsbürgertums (228-252); Wolfgang Teckenberg: Ständische Ordnung, "neue" Intelligenzija oder Klassenstrukturierung im Postsozialismus? Was aus der Revolte des Umbruchs
geworden ist (253-283); Maurizio Bach: Nationalität und Supranationalität in Europa. Zur
Anwendbarkeit von M. Rainer Lepsius' Institutionensoziologie auf die europäische Einigung
(287-306); Edgar Wolfrum: Das Erbe zweier Diktaturen und die politische Kultur des gegenwärtigen Deutschland im europäischen Kontext (307-322); Bernhard Giesen: Europäische
Identität und intellektueller Diskurs. Eine historische Perspektive (323-340); Peter Graf Kielmansegg: Braucht Europa Grenzen? (341-357); Richard Utz: Die Entstehung charismatischer
Gruppenführung: Hitlers Übernahme der NSDAP-Führung 1919-1921 (358-387); Christian
Fleck: Die Soziologie und ihr Publikum (391-404); Georg Vobruba: Gestaltung und Kritik
der Gesellschaft. Zur Soziologie der Intellektualität (405-426); Hans Albert: Zur Rolle der
Phantasie in der Forschung. Eine methodologische Untersuchung im Anschluss an Max We-
38
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
ber (427-444); Gert Albert: Soziologie mittlerer Reichweite. Die methodologischen Konzeptionen Robert K. Mertons und Max Webers im Vergleich (445-467).
[36-L] Standke, Jan; Düllo, Thomas (Hrsg.):
Theorie und Praxis der Kulturwissenschaften, (Culture - discourse - history, Bd. 1), Berlin:
Logos-Verl. 2008, 257 S., ISBN: 978-3-8325-1534-8 (Standort: THB Aachen(82)-Rf1963-1)
INHALT: "In den deutschsprachigen Kulturwissenschaften lassen sich gegenwärtig kaum homogene Forschungs- und Theorieprogramme lokalisieren. Zwar überschneiden sich die Gegenstandsbereiche einzelner Disziplinen mit Blick auf Gemeinplätze wie 'Gedächtnis und Erinnerung', 'Identität', 'Text' oder 'Bild' auffällig. Die Theorie- und Methodensets der einzelnen Fächer hingegen scheinen ungleich stärker mit den je disziplinären Traditionen verschaltet. Die
fortschreitende Ebenendifferenzierung des 'cultural turns' öffnet einerseits den Blick für neue,
interdisziplinäre Gegenstände, führt andererseits zu den Traditionstheorien der Fächer zurück.
Diese Entwicklung verdeckt zunehmend die diskreten Transformationsprozesse, die kontinuierlich auch die noch immer statisch gedachten Kernidentitäten der Disziplinen ergreifen und
um- bzw. neuschreiben. Der vorliegende Band beleuchtet aus der Perspektive der Literaturund Sprachwissenschaft, der Cultural Studies, der Philosophie sowie der Sport- und Erziehungswissenschaft diese disziplinären Umbauten in zwei übergreifenden Kontexten: der Reflexion auf die Konstitutionsbedingungen der Kulturwissenschaften im Spannungsverhältnis
von Identitätstradierung und disziplinärem Neuentwurf sowie der Anwendungsperspektiven
einzelner Theorien und Methoden." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Aleida Assmann:
Die Unverzichtbarkeit der Kulturwissenschaften (9-34); Jan Standke: Ist der Kulturbegriff
noch zu retten? - Beobachtungen zu einer Kontroverse in den Kulturwissenschaften (35-57);
Thomas Düllo: Zidanes Kopfstoß als Pathosformel - Zirkulierende Energien im kollektiven
Bild-Gedächtnis (58-80); Holger Dainat: Literatur - Theorie: Über den Umgang der Literaturwissenschaft mit ihrem Gegenstandsbereich (81-94); Susan Arndt: Weißsein - zur Genese eines Konzepts: Von der griechischen Antike zum postkolonialen 'racial turn' (95-129); Michael Schilling: Curiositas, Buchmarkt und Literatur in der frühen Neuzeit (130-146); Gesine
Mierke: Kulturtransfer im Frühmittelalter: Ordnung und Wissen am Hof Karls des Großen
(147-167); Kirsten Sobotta: Sprache als Medium - linguistische Aspekte eines kulturwissenschaftlichen Konzepts (168-181); Michael Thomas: Sportgeschichte und Kulturwissenschaft Ein Blick in die Kulturgeschichte des Sports als Teildisziplin der Sportwissenschaft (182204); Georg Lohmann: Universalismus und Relativismus der Menschenrechte - Zur interkulturellen Verständigung über die Menschenrechte (205-219); Winfried Marotzki: Kulturraum
Internet (220-240); Thomas G. Pszczolkowski: Zwischen Anthropologie und Philologie Kulturwissenschaft in Polen (241-258).
[37-L] Staubmann, Helmut:
Ästhetik - Aisthetik - Emotionen: soziologische Essays, (Theorie und Methode :
Sozialwissenschaften), Konstanz: UVK Verl.-Ges. 2008, 154 S., ISBN: 978-3-86764-028-2
INHALT: "Das Leitmotiv des Bandes ist es, die sinnlich-körperliche und ästhetische Konstitution
des Menschen als fundamentale 'soziale Tatsache' zu behandeln. Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit klassischen Entwürfen zu einer soziologischen Ästhetik bei Simmel,
Kracauer und Adorno sowie das Bemühen, die handlungs- und systemtheoretischen Grundlagentheorien von Parsons, Geertz und Luhmann für den ästhetischen Diskurs zu erschließen.
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1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
39
Im Kontext dieser Fragen nach Schönheit, Sinnlichkeit und Emotionalität erweist sich die
Notwendigkeit einer grundlegenden Neuorientierung in basalen Annahmen der Soziologie."
(Autorenreferat)
[38-L] Wetzel, Dietmar J.:
Claude Lévi-Strauss und Jacques Derrida: dekonstruktive Re-Lektüren, in: Karl-Siegbert
Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 4108-4116, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Anhand der derridaschen Dekonstruktion in 'Die Struktur, das Zeichen und das Spiel
im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen' soll die Behauptung geprüft werden, inwiefern es gerechtfertigt erscheint, dass Lévi-Strauss und dessen Strukturalismus einen Verzicht
jeglicher Bezugnahme auf ein Zentrum, auf ein Subjekt, auf eine privilegierte Referenz und
auf einen Ursprung nahe legen würden. Daran anschließend wird der für die Dekonstruktion
entscheidende Begriff der 'De-Zentrierung' unter Berücksichtigung des Natur-Kultur-Verhältnisses erläutert. Was bedeutet der Verzicht auf ein jegliches Zentrum und wie können der Befund der Supplementarität und des aufgepfropften Zusatzes für weitere Analysen genutzt werden?" (Autorenreferat)
[39-L] Willems, Herbert (Hrsg.):
Lehr(er)buch Soziologie: für die pädagogischen und soziologischen Studiengänge. Bd. 1,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 497 S., ISBN: 978-3-531-14977-6
INHALT: "Wesentlicher Hintergrund dieses zweibändigen soziologischen Einführungswerks ist
die Erfahrung, dass die Lehrerbildung an zahlreichen Hochschulen einen, wenn nicht den
Schwerpunkt der soziologischen Lehrtätigkeit ausmacht, ohne dass dem seitens der Lehre und
Lehrtexte ausreichend Rechnung getragen würde. Das 'Lehr(er)buch' soll daher entsprechend
publikumsorientiert zentrale Grundbegriffe, theoretische Ansätze und Themenfelder der Mikro- und Makrosoziologie im Sinne eines einführenden Überblicks darstellen, und zwar im
besonderen Bezug auf pädagogische Praxisfelder, zum Beispiel den Unterricht, und Bedingungen wie schichtspezifische Sozialisationsprozesse oder Adoleszenzkrisen. Durch diese
Ausrichtung ist das 'Lehr(er)buch' insbesondere für alle interessant, die soziologische Lehre
für angehende Pädagogen betreiben oder sich als Studierende oder pädagogische 'Praktiker'
soziologisch informieren wollen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Herbert Willems: Einleitung. Soziologie und die pädagogischen Studiengänge (11-44); Robert Hettlage: Anthropologische Grundlagen der Sozialisation (45-66); Herbert Willems: Figurationen, Felder, Habitus und Kapitaltypen (67-88); Justine Suchanek: Gesellschaft, sozialer Wandel und Gesellschaftstypen (89-110); Petra Deger: Zivilisation und Zivilisationsprozess (111-130); Hubert
Knoblauch: Sinnformen, Wissenstypen und Kommunikation (131-146); Herbert Willems:
Diskurse (147-164); Thomas Loer: Normen und Normalität (165-184); Jens Luedtke: Abweichendes Verhalten (185-228); Daniela Klimke und Rüdiger Lautmann: Soziale Kontrolle und
Strafsanktion (229-252); Robert Hettlage: Totale Institutionen - Organisationsanalyse und
Gesellschaftsperspektive (253-268); Oliver Dimbath: Symbolische Ordnungen (269-288);
Herbert Willems: Stile und (Selbst-)Stilisierungen (289-306); Thomas Müller-Schneider: Lebensstile, Milieus und Szenen (307-330); Christoph Wulf: Rituale (331-350); Klaus R. Schro-
40
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
eter: Sozialer Tausch (351-374); Michael Jäckel: Konsum und Gesellschaft (375-400); Jens
Luedtke: Macht und Herrschaft (401-434); Nicole Zillien und Thomas Lenz: Medien und Gesellschaft (435-454); Manfred Faßler: Globalisierung und Geosozialität (455-486).
[40-L] Wirth, Uwe (Hrsg.):
Kulturwissenschaft: eine Auswahl grundlegender Texte, (Suhrkamp-Taschenbuch
Wissenschaft), Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 559 S., ISBN: 978-3-518-29399-7
INHALT: "Der Band versammelt eine Auswahl grundlegender Texte, die Antwort auf zwei Fragen geben sollen, die sich mit dem sogenannten cultural turn zwangsläufig stellen: Was ist
Kultur? Und: Was ist Kulturwissenschaft? Es geht also gleichermaßen um Vorschläge, wie
der Gegenstandsbereich der Kulturwissenschaft, nämlich 'die Kultur', zu definieren sei, als
auch um die Verfahrensweisen, das heißt darum, wie sich die Kulturwissenschaft mit Kultur
beschäftigt. Neben Texten von prominenten Vertretern der sogenannten ersten Kulturwissenschaft und programmatischen Texten der heftig diskutierten kulturwissenschaftlichen Wende
enthält der Band auch jene Texte des Strukturalismus und Poststrukturalismus, der Wissenschaftsgeschichte und der Medientheorie, die für die heutige Kulturwissenschaft von zentraler
Bedeutung sind. Damit möchte die Anthologie die Prämissen für eine kritische Vermessung
der Grenzen eines unübersichtlichen Forschungsfeldes ausloten und zugleich die Diskussion
über die verschiedenen kulturwissenschaftlichen Herangehensweisen aufnehmen, um so eine
'Logik der Kulturforschung' zu entwickeln." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Giambattista Vico: Poetische Logik (71-77); Karl Marx: Der Austauschprozeß (78-87); Friedrich Nietzsche: "Schuld", "schlechtes Gewissen" und Verwandtes (88-97); Jacob Burckhardt: Die Kultur (98-108); Wilhelm Dilthey: Abgrenzung der Geisteswissenschaften (109-118); Georg
Simmel: Vom Wesen der Kultur (119-127); Max Weber: Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher Erkenntnis (128-136); Aby Warburg: Einleitung zum Mnemosyne-Bildatlas
(137-145); Sigmund Freud: Triebverzicht als Voraussetzung der Kultur (146-154); Ernst Cassirer: Der Gegenstand der Kulturwissenschaft (155-190); Theodor W. Adorno: Kulturkritik
und Gesellschaft (191-199); Hans Blumenberg: Einleitung zu Paradigmen zu einer Metaphorologie (200-208); Claude Lévi-Strauss: Die Bricolage (209-228); Jacques Derrida: Die
Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen (229250); Michel Foucault: Nietzsche, Freud, Marx (251-261); Umberto Eco: Die Enzyklopädie
als Labyrinth (262-267); Charles Sanders Peirce: Raten (268-281); Ludwik Fleck: Weitere
Bemerkungen über das Denkkollektiv (282-288); Charles Percy Snow: Die zwei Kulturen:
Ein Nachtrag (289-295); Thomas S. Kuhn: Revolutionen als Wandlungen des Weltbildes
(296-307); Michel Foucault: Wissenschaft und Wissen (308-317); Bruno Latour: Relativismus (318-336); Sigmund Freud: Notiz über den "Wunderblock" (337-341); Walter Benjamin:
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Dritte Fassung) (342373); Ludwig Wittgenstein: Zwei Verwendungen des Wortes "sehen" (374-384); Warren
Weaver: Ein aktueller Beitrag zur mathematischen Theorie der Kommunikation (385-391);
Vannevar Bush: Wie wir denken sollten (392-416); Marshall McLuhan: Das Medium ist die
Botschaft (417-423); W. J. Thomas Mitchell: Eine kurze Geschichte der sprachlichen Bildlichkeit (424-438); Régis Debray: Für eine Mediologie (439-452); Clifford Geertz: Dichte
Beschreibung. Bemerkungen zu einer deutenden Theorie von Kultur (453-487); Stephen
Greenblatt: Grundzüge einer Poetik der Kultur (488-504); Stuart Hall: Neue Ethnizitäten
(505-516); Judith Butler: Leibliche Einschreibungen, performative Subversionen (517-536);
Niklas Luhmann: Kultur als historischer Begriff (537-559).
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.1 Allgemeine theoretische Ansätze
41
[41-L] Witsch, Monika:
Kultur und Bildung: ein Beitrag für eine kulturwissenschaftliche Grundlegung von Bildung
im Anschluss an Georg Simmel, Ernst Cassirer und Richard Hönigswald, Würzburg:
Königshausen u. Neumann 2008, 99 S., ISBN: 978-3-8260-3759-7 (Standort: UB
Freiburg(Frei129)-PaedB230:91a)
INHALT: Die Verfasserin unternimmt den Versuch, in Anlehnung an Georg Simmel, Ernst Cassirer und Richard Hönigswald den systematischen Grundlagen der Begriffe Kultur und Bildung nachzugehen. Simmel, Cassirer und Hönigswald eint - so begründet sie ihren Ansatz eine kulturwissenschaftliche Fundierung dessen, was das subjektive Leben, das Leben in einer Gemeinschaft und das Leben mit dem ausmacht, was man als Welt bezeichnet. Zudem
zeichnen sie sich durch ein Denken in wechselseitiger Interferenz der Relata aus. Die Verfasserin erläutert zunächst die Begriffe von Kultur und Bildung in der je eigenen Spezifikation,
die sie bei Simmel, Cassirer und Hönigswald finden, um sie dann in der Zusammenschau für
eine interkulturelle Bildung fruchtbar zu machen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie
im Anschluss an den korrelativen Zusammenhang von Kultur und Pädagogik ein Begriff und
auch eine Bildungsidee von interkultureller Bildung entworfen werden kann. (ICE2)
1.2
Kulturgeschichte
[42-L] Breuer, Dieter; Cepl-Kaufmann, Gertrude (Hrsg.):
Das Rheinland und die europäische Moderne: kulturelle Austauschprozesse in Westeuropa
1900-1950, Essen: Klartext-Verl. 2008, 479 S., ISBN: 978-3-89861-943-1 (Standort: UB
Bonn(5)-2008/4795)
INHALT: "Das Rheinland besaß schon immer eine kulturvermittelnde Stellung zwischen dem
deutschen Staatsverband und den westeuropäischen Nachbarländern. Die Beiträge setzen sich
mit den verschiedenen Aspekten des Kulturaustauschs im 20. Jahrhundert auseinander. Sie
geben Auskunft über die Wechselbeziehungen und Austauschprozesse zwischen dem Rheinland und Westeuropa." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Gunther Mai: Der Kampf um die
Moderne in Europa 1919-1939 (13-28); Gerd Krumeich: Bruch der Wissenschaftsbeziehungen im Ersten Weltkrieg und die Schwierigkeiten seiner Überwindung (29-38); Ulrich Tiedau: Rheinländer in der deutschen Besatzungsverwaltung in Belgien während des Ersten
Weltkriegs (39-68); Gaston Mannes: Die Zwischenländler - Luxemburgisch-rheinländische
Verbindungen im Spannungsfeld von Literatur, Kunst und Politik (1917-1920) (69-88); Ulrich S. Soénius: "Freundnachbarschaftliche Beziehungen" - Die IHK Köln und Westeuropa in
der Zwischenkriegszeit (89-110); Beatrix Alexander: Das "Haus der Rheinischen Heimat" auf
der Pariser Weltausstellung von 1937 (111-124); Gertrude Cepl-Kaufmann: Die 'Rheingenössische Vereinigung' als europäisches Netzwerk (125-152); Sabine Brenner-Wilczek: Zur Kontinuität und Diskontinuität der 'Rheingenössischen Vereinigung' nach dem Zweiten Weltkrieg
(153-160); Germaine Goetzinger: Kulturtransfer im Zeichen der persönlichen Begegnung
Ernst Robert Curtius und Aline Mayrisch-de St. Hubert (161-178); Michael Käding: Der 'Aachener Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde' und der luxemburgische Stahlkonzern ARBED
(179-186); Walter Kaiser: Wissenstransfer unter politischen Zwängen - Die erste Generation
der Aachener Aerodynamiker (187-210); Carsten Ruhl: "Die rheinische Art in ihrer weltweiten Humanität und klaren Schönheit" - Neues Bauen im Rheinland (211-230); Wilhelm
42
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.2 Kulturgeschichte
Busch: Industriearchäologie: Industriebauten der Moderne als Denkmäler (231-262); Christiane Heiser: Von der Batik zum Glasfenster: Johan Thorn Prikkers Ueuvre zwischen nieuwe
kunst und Deutschem Werkbund (263-288); Martina Padberg: Holländische und französische
Impulse in der Frühgeschichte der Moderne: Die Krefelder Kunstgewerbeschule (289-308);
Bernd Kortländer: Rheinische Schriftsteller als Vermittler der literarischen Moderne (309322); Karl Riha: Dada-Köln und Dada-Paris (323-334); Anne Ganteführer-Trier: "Und der
Rest der Welt lacht, ..." - Die Kölner Progressiven und ihre Kontakte zu Künstlergruppen in
Frankreich und den Niederlanden (335-342); Helmut Schanze: Verschwinden ohne Wiederkehr? Die Aachener Aufführungen von Alban Bergs Oper 'Georg Büchners Wozzeck' (1930)
und ihr Kontext in der Geschichte der Moderne (343-358); Dieter Breuer: Berichte über Pariser Kulturereignisse der zwanziger Jahre in rheinischen Zeitungen (359-370); Norbert Jers:
Heim ins Rheinland - Die nationalistische Vereinnahmung des Komponisten César Franck
(370-394); Claude Conter: Vom Kulturtransfer zum Kulturexport - Der Bund Rheinischer
Dichter und die Gesellschaft für deutsche Literatur und Kunst (395-420); Hans M. Schmidt:
K. O. Götz und die COBRA (421-446); Hans M. Schmidt: Proteus im Widerspruch, Publikum am Scheideweg - Zur Kölner Picasso-Ausstellung 1955/56 (447-468).
[43-L] Brunotte, Ulrike (Hrsg.):
Männlichkeiten und Moderne: Geschlecht in den Wissenskulturen um 1900, (GenderCodes :
Transkriptionen zwischen Wissen und Geschlecht, Bd. 3), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 291 S.,
ISBN: 978-3-89942-707-3 (Standort: UuStB Köln(38)-35A3382)
INHALT: "Die Rede von der 'Feminisierung der Kultur' beherrschte um 1900 die Wissenscodes
von Männlichkeiten und Modernisierung. Interdisziplinär geht dieser Band den konträren
Diskursen nach, in denen sich die Rhetoriken einer vermeintlichen Krise hegemonialer weißer Männlichkeiten ausbildeten. Betrachtet werden soziokulturelle, ästhetische und politische
Felder sowie auch die Kanonisierung und Dekanonisierung von Wissenschaften. Visionen jüdischer Effeminierung stehen neben solchen des Hypervirilen, wissenschaftliche und poetologische Figuren des Dritten neben rassistischen Maskeraden und technischen Utopien." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Ulrike Brunotte, Rainer Herrn: Statt einer Einleitung. Männlichkeiten und Moderne - Pathosformeln, Wissenskulturen, Diskurse (9-23); Cornelia Klinger: Von der Gottesebenbildlichkeit zur Affentragödie. Über Veränderungen im Männlichkeitskonzeptan der Wende zum 20. Jahrhundert (25-35); Sabine Mehlmann: Das
sexu(alis)ierte Individuum. Zur paradoxen Konstruktionslogik moderner Männlichkeit (3755); Ute Frevert: Das Militär als Schule der Männlichkeiten (57-75); Claudia Bruns: Männlichkeit, Politik und Nation. Der Eulenburgskandal im Spiegel europäischer Karikaturen (7796); Martin Lücke: Komplizen und Klienten. Die Männlichkeitsrhetorik der HomosexuellenBewegung in der Weimarer Republik als hegemoniale Herrschaftspraktik (97-110); Birgit
Dahlke: Proletarische und bürgerliche Jünglinge in der Moderne. Jugendkult als Emanzipationsstrategie und Krisenreaktion um 1900 (111-130); Christina von Braun: Le petit mal du
grand Male (131-141); Bettina Mathes: "Sollte dieser Mann verunglückt sein?" "Doktor
Faust" zwischen Freud und Busoni (Bruchstücke eines Dialogs aus dem Off) (143-156); Jay
Geller: The queerest cut of all: Freud, Beschneidung, Homosexualität und maskulines Judentum (157-172); Rainer Herrn: Magnus Hirschfelds Geschlechterkosmos: Die Zwischenstufentheorie im Kontext hegemonialer Männlichkeit (173-196); Marylin Reizbaum: Die männliche
Kunst der jüdischen "Degeneration" (197-205); Joseph Croitoru: Zwischen Übermacht und
Ohnmacht: Die Figur Simsons in der deutschen, völkischen und zionistischen Literatur um
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.2 Kulturgeschichte
43
1900 als Medium des kulturpolitischen Kampfes um hegemoniale Männlichkeit (207-218);
Ulrike Brunotte: )Große Mutter(, Gräber und Suffrage. Die Feminisierung der Religion(swissenschaft) bei J.J. Bachofen und Jane E. Harrison (219-240); Hubertus Büschel: Im "Tropenkoller" - Hybride Männlichkeit(en) in ethnologischen Texten 1900-1960 (241-256); Tanja
Paulitz: Kämpfe um hegemoniale Männlichkeiten in der Ingenieurkultur um 1900 (257-270);
Inge Stephane: Eisige Helden. Kältekult und Männlichkeit in den Polarphantasien von Georg
Heym (271-285).
[44-L] Heider, Jan:
Die Grauen Herren heute: eine kulturhistorische wie soziologische Betrachtung der UhrZeit, Marburg: Tectum Verl. 2008, 146 S., ISBN: 978-3-822889565-2 (Standort: USB Köln(38)35A5324)
INHALT: "Zeit als alltägliches Geheimnis und Unwissen als eigentliche Triebfeder des Schreibens, begründen diese Arbeit. Das gleichsam selbstverständlich-alltägliche wie geheimnisvoll-mysteriöse Antlitz der Zeit zeugen die Motivation, die folgenden Seiten zu füllen. Zu füllen mit zeitsoziologischen Ausführungen, deren Hauptanliegen die historischen und aktuellen
gesellschaftlichen Abläufe sind, welche die Zeit als eigenständige 'Weltdimension' (Nassehi
1993) konstituieren. Bevor dies angegangen wird, wird im zweiten Abschnitt eine generelle
dezidiert soziologische Blickweise auf das Phänomen 'Zeit' entwickelt und im dritten Abschnitt werden die Veränderungen dieser sozialen Zeit, wie sie historisch zu beobachten sind,
als nicht-intendierte Nebenfolgen von Entscheidungen identifiziert. Diese Erläuterungen ermöglichen dann im vierten Abschnitt, die wichtigsten Begriffsdefinitionen zu entwerfen. Am
Ende des vierten Abschnittes steht somit ein Zeit-Verständnis samt Terminologie zur Verfügung, um das eigentliche Thema mit seinen drei Hauptfragen anzugehen: 1. Wie entwickelt
sich die Zeit zu einer eigenständigen Weltdimension (Abschnitt 5)? 2. Warum setzt sich diese
Zeitform durch (Abschnitt 6 und 7)? 3. Warum erwies sie sich als derart 'mächtig', dass sie zu
einer zweiten menschlichen Natur avancierte (Abschnitt 8)? Der Beantwortung dieser Fragen
folgt das zweite Hauptanliegen dieser Arbeit (Kapitel 9 und 10)." (Textauszug)
[45-L] Jürgens, Tom:
Unser täglich Sibirien gib uns heute: imaginäre Geographie als deutsche Popkultur, in:
Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S.
201-214 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Sibirien ist fester Bestandteil der deutschen Popkultur: Die Romane von Edwin Erich
Dwinger, Ferdinand Ossendowski oder Heinz G. Konsalik prägten das 20. Jahrhundert ebenso sehr wie die erste deutsche Fernsehserie 'So weit die Füße tragen' oder die Reportagen von
Gerd Ruge. Die Bilder, die hier gezeichnet werden, operieren häufig mit Stereotypen, die bereits in den Sibirien-Reiseberichten des späten 17. und in den Publikationen deutscher Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts angelegt sind. Dabei ist das Stereotyp nicht nur 'plattes
Bild', sondern erfüllt eine kommunikative Funktion zwischen Vermittlung und Trauma-Bewältigung." (Autorenreferat)
44
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.2 Kulturgeschichte
[46-L] Löffler, Bernhard:
Moderne Institutionengeschichte in kulturhistorischer Erweiterung: Thesen und Beispiele
aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, in: Historische Zeitschrift, Beiheft : NF,
2007, H. 44, S. 155-180
INHALT: Der Autor untersucht die moderne Institutionengeschichte in kulturgeschichtlicher Erweiterung und knüpft dabei an eigene Forschungsarbeiten zur Geschichte der westdeutschen
Wirtschafts- und Währungspolitik unter Ludwig Erhard an. Er plädiert dafür, die ältere Verwaltungsgeschichte durch eine Aufnahme neuerer kulturgeschichtlicher Fragestellungen zu
ergänzen. Bei der Analyse großer Verwaltungsinstitutionen kommt es seines Erachtens darauf
an, auch die informellen Verfahrensprozesse, die Modifikationen der verwaltungstechnischen
und rechtlichen Vorgaben durch den bürokratischen Alltag sowie die Herausbildung spezifischer Organisationskulturen in den Blick zu nehmen. Hierfür reichen jedoch die traditionellen
Zugangsweisen der klassischen Politik- und Verwaltungsgeschichte nicht mehr aus. Nur in einer erweiterten methodischen Perspektive lassen sich Staat, Gesellschaft und Wirtschaft sowohl als Produzenten wie auch als Produkte einer jeweiligen spezifischen "politischen Kultur" erfassen und begreifen. Der Autor warnt allerdings davor, die Analyse politischer Institutionen - in denen er weiterhin zentrale Bezugspunkte der Politikgeschichte sieht - zum bloßen
Anhängsel kulturalistisch-diskurstheoretischer Erörterungen zu machen. (ICI2)
[47-L] Maurer, Michael:
Feste in Geschichte und Gegenwart: Aspekte, Beispiele, Perspektiven, in: Erwägen Wissen
Ethik, Jg. 19/2008, H. 2, S. 211-222
INHALT: "Der Beitrag diskutiert zunächst einige herkömmliche Elemente der Definition von
Festen, bevor er, nach Akzentuierung der Elemente 'Gemeinschaft' und 'Anordnungskompetenz', Feste angesichts der Herausforderung durch die Vernunft in der kulturhistorisch zentralen Epoche der Aufklärung betrachtet, gipfelnd in einer Neukonstituierung des Festlichen im
Zeichen der Nation. In einem letzten Schritt werden die Ergebnisse der Bemühungen um Definition und bürgerliche Neukonstitution des Festes angewandt auf eine Analyse der vielbeschworenen Krise des Festes in der Gegenwart." (Autorenreferat)
[48-L] Meyer-Renschhausen, Elisabeth:
Von der schwarzen zur weißen Küche: zur Frage des Verschwindens häuslicher Kochkunst,
in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt
am Main: Campus Verl., 2008, S. 5965-5975, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Bereits um 1800 verbannte die Rumfordsche Kochmaschine das offene Herdfeuer.
Ziel war ein sparsamer Umgang mit dem immer knapper werdenden Feuerholz. Das offene
Herdfeuer verschwand unter Eisenringen, statt Funkenhut bekam der Herd einen Rauchabzug.
Erst jetzt lohnte es sich, die ganze Küche weiß zu streichen und die weiße Farbe, die in die
Küchen der nördlichen Hemisphäre einzog, wurde zum symbolischen Zeichen für den Einzug
von Wissenschaft und Hygiene, die nun das 'traditional knowledge' samt Rauch- und Geruchswolken ersetzten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begannen wohlmeinende Ärzte, die
Fehl- und Mangelernährung des gemeinen Volkes als ein Problem zu kommentieren. Frauen-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.2 Kulturgeschichte
45
rechtlerinnen, die berühmt wurden für ihre Suppenküchen, die nicht nur jedermann offen
standen, sondern auch volkstümliche Suppengerichte anboten, schrieben Kochbücher, in denen Fette, Eiweiße samt Kohlenhydrate und - nach dem Ersten Weltkrieg - auch Vitamine
und Spurenelemente die Hauptrolle spielten. Die alte Kochkunst als ein Vermögen, nach Augenmaß und Gefühl die richtige Dosis zu bestimmen, verschwand. Sie wurde durch eine zu
erlernende Küche ersetzt, deren Maßstäbe von den Experten aus Medizinalinstituten und Kliniken stammten. Nicht mehr das Haptische und die richtigen Proportionen bestimmten nun
die Kochkunst, sondern die in Chemielaboren errechnete optimale Zusammensetzung eines
Gerichts. Mit dem Verschwinden des alten Wissens und seiner sinnlichen Seiten schwand
auch der Sinn für die soziale Bedeutung der Mahlzeit als Ritual und herkömmlicher Umgang
mit dem Leiblichen." (Autorenreferat)
[49-L] Oesterdiekhoff, Georg W.:
Kulturgeschichte der Menschheit und kognitive Entwicklung, in: Georg W. Oesterdiekhoff,
Heiner Rindermann (Hrsg.): Kultur und Kognition : die Beiträge von Psychometrie und PiagetPsychologie zum Verständnis kultureller Unterschiede, Münster: Lit Verl., 2008, S. 19-56, ISBN:
978-3-8258-1068-9
INHALT: Der Verfasser leitet den Piagetansatz ein und formuliert Schlussfolgerungen aus der an
Jean Piaget orientierten Kulturvergleichsforschung. Diese hat in den letzten 70 Jahren ein umfangreiches empirisches Material gesammelt, demzufolge die formalen Operationen überwiegend ein Merkmal industriemoderner Populationen sind, während die kognitive Entwicklung
vormoderner Populationen in aller Regel im präformalen Bereich abstoppt. Die vorliegenden
empirischen Untersuchungen zeigen, dass diese Zusammenhänge sozialisationstheoretisch erklärbar sind. Unterschiede in der Früherziehung, in der Schulbildung und andere kulturelle
Merkmale verursachen diese divergenten Verläufe. Es wird argumentiert, dass die ethnographischen und historischen Berichte über das Denken, Verhalten, Weltbild, Religion, Recht,
Aberglauben usw. den Merkmalen entsprechen, die die Entwicklungspsychologie als typisch
für präformales Denken diagnostiziert hat. Die vormodernen Gesellschaften stehen auf einer
einfacheren Stufe des Denkens und Erkennens. Die moderne Industriegesellschaft hingegen
ist in wesentlichen Hinsichten als eine Weiterentwicklung menschlicher Fähigkeiten zu verstehen, als eine im entwicklungspsychologisch greifbaren Sinne "höhere" Kulturstufe. Die
Entwicklungspsychologie ist demzufolge als eine Grundlagentheorie der Kultur- und
Menschheitsgeschichte zu konzeptualisieren. Dies bedeutet, dass die Entwicklungspsychologie die historisch-soziologischen Disziplinen theoretisch fundiert, indem sie ihnen eine seit
200 Jahren gesuchte mikrosoziologische Basis verschaffen kann. (ICF2)
[50-L] Schilling, Elisabeth:
Herausbildung russischer Zeitvorstellungen im Spannungsfeld der Kulturen, in: KarlSiegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus
Verl., 2008, S. 2267-2274, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die Betrachtung russischer Zeitvorstellungen bietet zahlreiche Erkenntnisse zur Natur
und Funktionsweise dieses sozialen Konstrukts, da ihre Herausbildung unter Umständen der
Uneindeutigkeit und Spannung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Teilsystemen ge-
46
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.2 Kulturgeschichte
schah. Diese Einflussfaktoren sind auch in der postmodernen Welt stark präsent und verändern bereits die westeuropäischen Zeitvorstellungen. Dies legt die Hypothese nahe, dass in
der Zukunft sich die westeuropäischen Zeitvorstellungen den russischen annähern werden. In
einer Studie (Schilling 2005), wurden als Kontrollgruppen Vertreter der russischen und der
deutschen Kultur zu ihren Zeitvorstellungen befragt. Als Experimentalgruppen wurden die
Grenzgänger (Deutsche, die in Russland leben und Russen, die in Deutschland leben) befragt.
Ergebnisse der Studie belegen die Unterschiede zwischen russischen und deutschen Zeitvorstellungen, die Herausbildung neuartiger Zeitvorstellungen in Experimentalgruppen und zeigen Faktoren, die eine solche Veränderung von Zeitvorstellungen begünstigen. Besonders bedeutsam war für die Entwicklung von Zeitvorstellungen die Zerrissenheit der russischen Kultur. Im Gegensatz zu westeuropäischen Gesellschaften gab es hier kaum strukturelle Merkmale, die Zeitvorstellungen und den Zeitumgangsstil definierten. Einen starken Einfluss hat auch
die Abgrenzung von öffentlicher und privater Zeit ausgeübt. Die hohe Machtdistanz der russischen Kultur und die bedeutend größeren Möglichkeiten der Machthabern, Zeit anderer zu
kolonisieren, hat eine starke Dialektik der Eigen- und Fremdzeit hervorgerufen. Das permanente Bewusstsein der geographischen Ausdehnung des Landes, verschiedenen Zeitzonen
und dementsprechend der Relativität der eigenen Zeit war ein weiteres prägendes Aspekt. Die
Industrialisierung hat verbindliche Normen und allgemeingültige Regeln in Bezug auf Zeit
etabliert. Jedoch kam diese Entwicklung vergleichsweise spät und hatte in Russland nicht so
weitreichende Folgen wie in Westeuropa. Die Uneindeutigkeit wurde in vielen Bereichen erhalten. Sie wird häufig positiv bewertet und strategisch eingesetzt. Diese Strategien gewinnen
nun mit den Anforderungen der Postmoderne eine neue Bedeutung und werden als das Rezept
des postmodernen Zeitmanagements verkauft." (Autorenreferat)
[51-L] Wehinger, Brunhilde (Hrsg.):
Aufklärung zwischen Nationalkultur und Universalismus, (Aufklärung und Moderne, Bd. 10),
Saarbrücken: Wehrhahn 2007, 178 S., ISBN: 978-3-86525-210-4 (Standort: UB Bonn(5)2008/4843)
INHALT: "Aufklärung beansprucht Universalität. Ihre zentralen inhaltlichen Kategorien sind universalistisch gedacht und gehen mit einem hohen Abstraktionsgrad einher. Da die Aufklärung
zugleich den Anspruch erhebt, emanzipatorisch wirksam zu werden, bedarf es der Übersetzung in verschiedene Sprachen und der Vergegenwärtigung des Universellen in Kunst und
Literatur. Diese Vermittlungsanforderungen erbrachten von Land zu Land unterschiedliche
und wechselhafte Formen der Anschaulichkeit. Dabei stehen Partikularität und Differenz der
Nationalkulturen in einem aufschlussreichen Konkurrenzverhältnis zur Universalität der Aufklärung und rücken nicht nur Vielfalt und Verschiedenheit, sondern auch Abgrenzungsstrategien in den Blick. Diese verweisen auf die kulturräumlichen Differenzierungen, die die Kulturgeschichte Europas im Jahrhundert der Aufklärung kennzeichnen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Thomas Gil: Die lokalen Kontexte der universalistischen Vernunft (17-26);
Thomas Becker: Der Traum von der universalen Sprache des Sehens - Diderot und die andere
Tradition des 'ut pictura poiesis'(27-60); Alexander Nebrig: Gottscheds 'Iphigenia' als Übersetzung des Universalen (61-81) Winfried Engler: Der Herbst der klassischen Komödie im
Frankreich des 18. Jahrhunderts (81-116); Vanessa Agnew: Begegnungen in der Südsee Musik zwischen Nationalkultur und Universalismus (117-130); El Hadj Ibrahima Diop: Afrika und die Rassenfrage in der Diskussion der deutschen Aufklärung (131-154); Lesa Ní
Mhunghaile: James Macpherson und Ossian - Eine literarische Kontroverse zwischen Natio-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.2 Kulturgeschichte
47
nal- und Universalkultur ... (155-166); Iwan D'Aprile: Universalismus und Pluralismus in der
konkreten Situation - Voltaires und Rousseaus Beiträge zu den Debatten um die Erste Polnische Teilung (167-178).
1.3
Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
[52-L] Amiri, Shahrsad:
Narzißmus im Zivilisationsprozeß: zum gesellschaftlichen Wandel der Affektivität,
(Sozialtheorie), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 429 S., ISBN: 978-3-89942-978-7
INHALT: Der Verfasser sieht das Ziel seiner Studie darin, in Auseinandersetzung mit dem Ansatz von N. Elias eine qualitativ-dynamische Sicht auf die Psychogenese in 'individualisierteren'/'zivilisierteren' Gesellschaften durch die Darstellung einer spezifischen Erkenntnisdynamik in Zusammenhang mit einer spezifischen Beziehungs- und Psychodynamik zu entwickeln. Es wird zunächst mit einer Klärung des Begriffs der 'Affektivität' eine Grundlage geschaffen, um nach dem Umgang der Theorien mit Affektivität und nach ihrem Menschenbild
zu suchen. Anschließend werden Aussagen von Elias zum Wandel der Affektivität im Zivilisationsprozess herausgearbeitet, die er unter den Aspekten 'Differenzierung der psychischen
Struktur', 'Psychologisierung und Rationalisierung' und 'Anstieg der Scham- und Peinlichkeitsschwellen' behandelt. Die Frage, die in diesem Kontext im Vordergrund steht, ist, inwiefern die Zivilisationstheorie trotz aller diesbezüglichen Distanzierungen Elias' in einem
triebtheoretischen Denken verfangen ist und inwiefern sie über dieses Denken hinausgeht. Einer Schilderung der Entwicklungslinie der Narzissmustheorie folgt eine Darstellung und Diskussion der 'zivilisationstheoretischen Fortsetzung' der Diagnostik samt ihren Kritikern. Es
wird hervorgehoben, dass sich die Zivilisationstheorie zu einer 'Überlagerungstheorie ' (Zivilisation überlagert Natur) entwickelt hat, die keine Interdependenzdynamik von Psycho- und
Soziogenese mehr konzeptualisiert, sondern dies allenfalls nur noch als ihr exklusives Erkenntnisprivileg postuliert. Insgesamt lässt sich festhalten, so der Verfasser, dass die Zivilisationstheorie samt ihren psychoanalytischen Annahmen schon aus einer bestimmten Entwicklungstendenz des Selbst, und der entsprechenden Betrachtung isolierter 'Triebe' herrührt, letztere wiederum selbst Ergebnis eines spezifischen Zivilisationsprozesses sind, der aber in seiner Eigentümlichkeit noch zu bestimmen bleibt. Der Zivilisationsprozess wird als Ausgestaltung der Affektivität in Zusammenhang mit dem 'Gestaltwandel des Anderen' im Zuge von
Individualisierungsprozessen und dem entsprechenden Wandel der Erfahrung von Macht erörtert. Abschließend werden die Konsequenzen der präsentierten Revision zivilisationstheoretischer Grundannahmen und der daraus resultierenden zivilisatorischen Kriterien für das Verständnis von gesellschaftlicher Entwicklung und für die Soziologie zur Diskussion gestellt.
(ICF2)
[53-L] Baberowski, Jörg; Kaelble, Hartmut; Schriewer, Jürgen (Hrsg.):
Selbstbilder und Fremdbilder: Repräsentation sozialer Ordnungen im Wandel, (Eigene und
fremde Welten : Repräsentationen sozialer Ordnung im Vergleich, Bd. 1), Frankfurt am Main:
Campus Verl. 2008, 415 S., ISBN: 978-3-593-38016-2
48
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1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
INHALT: "Im Mittelpunkt des Bandes stehen die Selbst- und Fremdbilder, Deutungsmuster und
kollektiven Identitäten verschiedener Kulturen und Gesellschaften im historischen und innereuropäischen Vergleich, aber auch im Vergleich zwischen Europa und den Gesellschaften
Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Die Autoren des vorliegenden Bandes nähern sich diesen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie rekonstruieren unterschiedlich weit greifende Beschreibungen des Eigenen und des Fremden als Repräsentationen - und zugleich dynamisierende Faktoren - von Prozessen weltgesellschaftlicher Verflechtung (Teil I); sie gehen
den geradezu dialektischen Verschränkungen nach, aufgrund derer handlungsleitende Selbstdeutungen im Medium von Konstruktionen des Fremden entstehen und sich verfestigen (Teil
II); und sie untersuchen Selbstbeschreibungen und -entwürfe im Zusammenhang mit Formen
kollektiver Identitätsbildung (Teil III)." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Jörg Baberowski: Selbstbilder und Fremdbilder: Repräsentation sozialer Ordnungen im Wandel (9-16); Jürgen Schriewer: Einleitung (17-20); Rudolf Stichweh: Selbstbeschreibung der Weltgesellschaft (21-52); Andreas Eckert: Kolonialismus, Moderne und koloniale Moderne in Afrika
(53-66); Hartmut Kaelble: Eine europäische Geschichte der Repräsentationen des Eigenen
und des Anderen (67-84); Jürgen Schriewer: Einleitung (85-88); Ulrike Freitag: Arabische
Visionen von Modernität im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Die Aneignung von Universalien oder die Übernahme fremder Konzepte? (89-118); Jörg Baberowski: Repräsentationen der
Ausschließlichkeit: Kulturrevolution im sowjetischen Orient (119-138); Ingeborg Baldauf:
Erzählungen über die Fremden und das Fremde: Die Taliban in Nordafghanistan (139-152);
Herfried Münkler: Barbaren und Dämonen: Die Konstruktion des Fremden in Imperialen
Ordnungen (153-190); Bo Strath: Europe and the Other and Europe as the Other (191-204);
Hartmut Kaelble: Einleitung (205-208); Vincent J. H. Houben: Historische Repräsentationen
des Eigenen und Nationenbildungsprozesse in Südostasien (209-234); Sabine Dabringhaus:
Das Eigene in der Fremde: Die chinesische Diaspora und das späte Qing-Reich (235-258);
Luisa Passerini: Ein jüdisch-europäisches Paar in der Zwischenkriegszeit: Liebesdialoge quer
über den Kontinent (259-294); Wolfgang Kaschuba: Deutsche Wir-Bilder nach 1945: Ethnischer Patriotismus als kollektives Gedächtnis? (295-330); Renato Gonzalez Mello: Der Populismus des Anderen: Die Politischen Bilder (331-364); Stefan Beck, Sabine Hess, Michi
Knecht: Verwandtschaftsverhältnisse in Transformation: "Making Kin" in transnationalen
Räumen (365-398).
[54-L] Balasopoulos, Antonis; Mackenthun, Gesa; Tsimpouki, Theodora (Hrsg.):
Conformism, non-conformism and anti-conformism in the culture of the United States,
(European views of the United States, Vol. 1), Heidelberg: Winter 2008, X, 330 S., ISBN: 978-38253-5479-4 (Standort: UB Köln(38)-35A7381)
INHALT: "The essays collected in this volume - the outcome of the EAAS convention in Cyprus
in 2006 - form a crossroads between a number of disciplines (literary theory and criticism,
film studies, history, cultural studies, sociology). What they share, whatever their disciplinary
orientation or point of departure, is a desire to ground the concepts of conformism, nonconformism and anti-conformism within a multiplicity of historical, aesthetic, political and ideological circumstances, strategies and tactics. The conceptual contours of the volume's triptych
are investigated before the topic is then explored in historical perspective, in its textual manifestations, and with regard to its stakes in visual culture. The collection is rounded off with a
critical glance at commercial aspects of conformism and anti-conformism." (author's
abstract). Contents: Marc Chénetier: General Preface to the European Views of the United
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
49
States Series (VII-X); Donald Pease: American Exceptionalism(s) in an Extended Field: The
Inauguration of International American Studies (9-44); Heinz Ickstadt: Conformism and NonConformity as Categories of Literary Criticism (45-66); Susanna Delfino: Acquiescence and
Defiance in Antebellum Southern Manufactories (67-80); Albena Bakratcheva: Between
Nonconformity and Belonging: The New England "Club of the Like-Minded" (81-90); Marek
Wilczynski: From Enthusiasm to Misanthropy: The American Scholar's Coming of Age (91100); Johannes Völz: "The Most Indebted Man": Emerson, Recognition, and the Reconfiguration of Non-Conformity (101-118); Marc Amfreville: Spectral Conformity: The Dilemmas of
Creativity in Melville's Pierre: or the Ambiguities (119-130); Andrew S. Gross: Signs of Violence:Terrorism, (Post-) Modernism, and the Nostalgia for Disaster (131-148); Yves-Charles
Grandjeat: Strange Relations: Descriptive Detours in Annie Dillard's Fraying at the Fringe
(149-164); Thomas Pughe: Ambiguous Beasts: Human-Animal Relations and Poetic Representation (165-176); Susanne Rohr: "Crackpot Realism" at Its Most Radical: The New "Holocaust Comedies" (177-192); Peter Loizos: Bellow, Roth, and the Palestinians: Contexts of
Conformity and Engagement (193-206); Dimitris Liokaftos: Imaging the Reformed Man: An
Exploration of Key Issues in Turn-of-the-Century Physical Culture Photography (207-218);
Hilaria Loyo: Disrupting National Myths in Jim Jarmusch's Dead Man (219-236); Alexandra
Ganser, Karin Höpker: Cruising and Crusades: Productions of Urban Space in Martin Scorsese's Mean Streets and Taxi Driver (237-258); Frank Mehring: From a "New Europe" to a
"New Middle East": Propaganda for Democracy, Public Diplomacy, and Authoritarian Tendencies in Film (259-288); Berndt Ostendorf: Conformism and Non-conformism in Advertising: The Cool Revolution of Doyle Dane Bernbach (289-312); Art Redding: Cyber-Labor:
Work in the Global Digital Economy (313-322).
[55-L] Beckenbach, Niels:
Avantgarde und Gewalt: über ein Schwellenphänomen der Moderne ; Bericht der Ad-hocGruppe, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt
am Main: Campus Verl., 2008, S. 3827-3839, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Im Rahmen einer Soziologie der Gewalt kommt, bezogen auf das 20. Jahrhundert, der
Avantgarde eine wichtige Rolle zu. Die künstlerische Avantgarde war seit dem ersten Drittel
des 20. Jahrhunderts, abgesehen von den Beiträgen für die ästhetische Moderne, Impuls gebend für die Gesellschaftskritik. Der Avantgardismus einer kommunistischen Vorhut bei
Marx, Engels und Lenin und die politischen Splittergruppen in der Weimarer Republik sowie
nach dem Ende des 2. Weltkrieges waren einflussreich innerhalb der politischen Kultur
Deutschlands und anderer europäischer Gesellschaften. Dabei bestanden enge Wechselwirkungen zwischen politischen und künstlerischen Avantgarden. Bezogen auf das 20. Jahrhundert sollen Verbindungen, Parallelen und Wechselwirkungen zwischen politischer und künstlerischer Avantgarde untersucht werden - so z.B. die Verankerung des Avantgarde-Prinzips in
den romantischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, Grenzüberschreitungen zwischen symbolischer und destruktiver Gewalt, utopische, ideologische und eschatologische Aspekte und
soziale Trägerschaften wie etwa die Beziehungen zwischen Intellektuellen und Avantgarde,
Avantgarde und Masse, etc. Es wird diskutiert, wieweit die Ideologiebildungen nach dem
Ende des 2. Weltkrieges (kalter Krieg, Abgleiten von Teilen der 1968er Bewegung in terroristische Gewalt) als Ende eines Avantgardismus mit gesellschaftskritischer Stoßrichtung zu
versehen sind. In den Beiträgen der Ad-Hoc-Gruppe sollen die künstlerische und die politi-
50
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
sche Dimensionen und, auf einer zweiten Ebene, die Aspekte der kreativen Erweiterung des
Handelns und der Ideologiebildung systematisch herausgearbeitet werden. Besondere Aufmerksamkeit soll gelegt werden auf die Diskussion grenzüberschreitender Vorstellungen
(Projektionen) und deren Bedeutung etwa als latente Potentiale Gewalt. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage nach Bedeutung und Einfluss einzelner - verselbständigter Ideologeme aus den Avantgarde-Bewegungen für die charismatische Herrschaft in den diktatorischen Regimes des 20. Jahrhunderts diskutiert werden." (Autorenreferat)
[56-L] Cevasco, Maria Elisa:
Zu jedem Fortschritt ein Rückschritt: globalisierte Kultur aus brasilianischer Sicht, in: Das
Argument : Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, Jg. 50/2008, H. 4 = H. 277, S.
512-522 (Standort: UB Bonn(5)-Z70/6; USB Köln(38)-XG01665; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: "Assimilation oder Autonomie" ist eine der vielen Gegenüberstellungen, in denen die
kulturelle Debatte über die real existierende Globalisierung anscheinend verläuft. Als Produkt
eines peripheren Landes, dessen Dynamik immer von außen bestimmt wurde, hat die brasilianische Kulturtheorie sich mit dieser Frage spätestens seit 1822 befassen müssen, als Brasilien
formell unabhängig wurde. Die Verfasserin fragt, wie eine theoretische Tradition, die Problemaspekte der Globalisierung thematisierte, lange bevor sie in der internationalen Debatte auftauchten, heute von Nutzen sein kann. Sie plädiert für eine Kritik der Schimäre einer Neutralisierung von Opposition in einer globalen kulturellen Hybridität, die die Verhältnisse aktueller Unterordnung ignoriert. (ICEÜbers)
[57-L] Cox, Fiona; Schmidt-Hannisa, Hanz-Walter (Hrsg.):
Money and culture, Frankfurt am Main: P. Lang 2007, 373 S., ISBN: 978-3-631-56790-6
(Standort: UB Bonn(5)-2008/4439)
INHALT: "This interdisciplinary collection of twenty-five essays examines the construction of
national, social and individual identities in response to money, or the lack of it, and the ways
in which such identities are reflected in media as disparate as coins and films, literary texts
and museums, autobiographies and architecture. It takes the reader from Roman Britain to the
consumer society of twenty-first century Ireland, from the coins of the German Middle Ages
to the virtual economies of postmodern America. Money and Culture focuses not only on economic aspects of cultures but also on specific cultural forms to deal with money, and reminds
us of the symbiotic relationship between money and culture" (author's abstract). Inhaltsverzeichnis: Acknowledgements (9-10); Fiona Cox / Hans-Walter Schmidt-Hannisa: Introduction (11-14); Michael Hutter: Visual Credit: The Britannia Vignette on the Notes of the Bank
of England (15-36); Cordula Politis: Wisdom vs Riches: The Discourse of Money in Fortunatus (37-48); Michael Shields: Songs and Money as a Mirror of the Self. Reflections on Ehrenbote von Rhein's Spiegelweise (49-66); Michael Fodor: Diderot and the Play of Money (6776); William Carter: "Uralte und nie gehobne Beschweerde": Goethe, Faust and Taxes (7786); Andres Mortensen: Romantic Critics of Political Economy (87-98); Sheila Dickson: Finding Treasure in the Works of Achim von Arnim (97-116); Kirill Postoutenko: Kapital and
picaresque: Towards the Typology of abstractio in European Culture (117-128); Armin Schäfer: Mad Money: Melville's Doubloon (129-142); Fiona Cox: Pygmalion and the Prostitute:
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
51
Processes of Exchange in Hugo's Les Miserables (143-158); Niamh Sweeney: Strategies of
Potential - The Idea of Gaming in Baudelaire's Aesthetic of Modern Life (159-172); Dick
Collins: The Price of Mrs Lovett's Pies: Blood and Cash in the Penny Dreadful (173-190);
Mary Pierse: George Moore, Sherlock Holmes and the Many Money Questions in Fin-de
Siècle English Fiction (191-204); Hans-Walter Schmidt- Hannisa: Love for Sale. Men, Women and Money in Works by Arthur Schnitzler (205-226); Brian Moloney: Exchange Rates
in Italo Svevo's Later Narrative Fiction (227-237); Guy Snaith: All Because of Money: Money and Culture in Gabrielle Roy's Bonheur d'occasion (237-256); Ekkehard Knörer: Of Signs and Money in Robert Bresson's Film L 'Argent (257-270); Ailbhe Thunder: Filming the
Virtual Economy from Wall Street to Boiler Room (271-284); Joyce Goggin: Casinos and
Sure Bets - Ocean's Eleven and Cinematic Money (285-296) Christina Oldman: Financial
Identities in the American Tycoon Autobiographies by Andrew Carnegie and John D. Rockefeller: Credit Negotiations as Creator of Masculinity (297-302); Matthias Weiss: The Trading
Floor in the Display Case: Stock Exchange Capitalism as Expressed through the Medium of
the Museum Exhibition (303-318); Michael Bzdak: Money in the Bank? Corporate Support
of the Arts in Twentieth Century American Art (319-332); Mary O'Neill: Art and Money: Experience Destruction Exposure (333-342); Sina Vatanpour: Money, Language and Identity in
Paul Auster's City of Glass and Ghosts (343-352); Joachim Schwend: "Pecunia non olet":
Money and Consumer Cultures (353-368).
[58-L] Eickelpasch, Rolf; Rademacher, Claudia; Ramos Lobato, Philipp (Hrsg.):
Metamorphosen des Kapitalismus - und seiner Kritik, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.
2008, 252 S., ISBN: 978-3-531-15780-1
INHALT: "Die Beiträge des Bandes diskutieren die aktuellen Diskursverschiebungen der Kapitalismusanalyse und -kritik, die auf die 'neoliberale' Transformation des kapitalistischen Systems antworten. Sie lassen sich dabei von der Frage leiten, wie eine theoretisch schlüssige
und praktisch aussichtsreiche Kapitalismuskritik zu konzipieren ist, nachdem die klassischen
Instrumente der Gesellschaftskritik in vielfacher Weise diskreditiert sind und sich als stumpf
und überholt erwiesen haben. Der erste Teil des Bandes versammelt Beiträge, in denen wichtige Stränge der aktuellen Kapitalismuskritik vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Die
Arbeiten des zweiten Teiles wenden sich - zentriert um Begriffe wie 'Exklusion', 'Prekariat'
oder 'neue Armut'- den neuen Ungleichheiten und Konfliktlinien im 'postfordistisch' transformierten Kapitalismus zu. Im Mittelpunkt der Beiträge des dritten Teiles steht die Frage nach
praktisch-politischen Widerstandspotenzialen und Gegenentwürfen gegen die schrankenlose
Durchkapitalisierung der Welt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Rolf Eickelpasch, Claudia Rademacher, Philipp Ramos Lobato: Diskursverschiebungen der Kapitalismuskritik - eine
Einführung (9-20); Franz Schultheis: What's left? - Von der Desorientierung zur selbstreflexiven Standortbestimmung linker Gesellschaftskritik (21-28); Tobias Künkler: Produktivkraft
Kritik - Die Subsumtion der Subversion im neuen Kapitalismus (29-47); Karin Priester: Messianischer Populismus von links? Anmerkungen zu dem Werk 'Empire' von Michael Hardt
und Antonio Negri (48-58); Sven Kluge: Affirmativer Protest - Ambivalenzen und Affinitäten
der kommunitaristischen Kapitalismuskritik (59-79); Frigga Haug: "Schaffen wir einen neuen
Menschentyp" - Von Ford zu Hartz (80-92); Berthold Vogel: Die Begriffe und das Vokabular
sozialer Ungleichheit in Zeiten ihrer Verschärfung (93-103); Klaus Kraemer: Alles prekär? Die Prekarisierungsdebatte auf dem soziologischen Prüfstand (104-117); Claudia Rademacher, Philipp Ramos Lobato: "Teufelskreis oder Glücksspirale?" - Ungleiche Bewältigung un-
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
sicherer Beschäftigung (118-147); Olaf Groh-Samberg Armut, soziale Ungleichheit und die
Perspektiven einer "Erneuerung der Sozialkritik" (148-170); Enrico Reuter: Weniger ist mehr
- Plädoyer für einen 'exklusiven' Exklusionsbegriff (171-192); Alessandro Pelizzari: Widerständiges Prekariat? - Probleme der Interessenvertretung in fragmentierten Arbeitsmärkten
(193-215); Hildegard-Maria Nickel, Hasko Hüning: Frauen an die Spitze? - Zur Repolitisierung der Arbeits- und Geschlechterdebatte (216-238); Elisabeth Tuider: Umarmter Protest Soziale Bewegungen in Mexiko zwischen diskursiver Vereinnahmung und eigensinniger Widerständigkeit (239-252).
[59-L] Emmerich-Fritsche, Angelika:
Kulturtranszendenz und kulturkritische Elemente der Menschenwürde, in:
MenschenRechtsMagazin : Informationen, Meinungen, Analysen, Jg. 13/2008, H. 1, S. 28-39
(Standort: USB (Köln)38-XF537; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Obwohl die Menschenwürde als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft bezeichnet wird (Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - AEMR) und in zahlreichen internationalen Verträgen und nationalen Verfassungen festgeschrieben ist, wird die
Universalität der Menschenwürde und der Menschenrechte zum Teil kulturrelativistisch bestritten, wie die Autorin in ihrer Abhandlung näher zeigt. Sie zeichnet in einem Dialog, der
die gegensätzlichen Positionen enthält, einerseits die Kulturtranszendenz nach und erörtert
andererseits die kulturkritische Komponente der Menschenwürde, die zum Beispiel im Diskriminierungsverbot, in der Gewissens- und Religionsfreiheit sowie in der körperlichen Integrität und Selbstbestimmung der Frau zum Ausdruck kommt. Sie erörtert ferner die Frage, ob
die Menschenrechte universell oder nur an die abendländische Tradition gebunden sind. Ihre
weiteren Reflexionen beziehen sich auf den kulturspezifisch materialisierbaren Bereich der
Menschenrechte und auf die Gegenüberstellung von Individualismus und Gemeinschaftsbezogenheit. (ICI2)
[60-L] Erp, Stephan van; Verstricht, Lea (Hrsg.):
Longing in a culture of cynicism: with an introductory essay by David Tracy, (HeyendaalInstitut-Edition ; Interdisziplinäre Forschung zu Religion, Wissenschaft und Kultur, Bd. 3), Wien:
Lit Verl. 2008, 208 S., ISBN: 978-3-03735-920-4 (Standort: Köln Erzb.Diöz.(Kn28)-Fad7175)
INHALT: "Through current expressions of religion, people are confronted with all kinds of longings and desires which have no place in a rationalised and alienated culture. At the same
time, these longings are seeking and finding opportunities for expression. How to understand
this cultural ambiguity? The authors in this volume explore the possibilities of rationality
beyond rationalism, reflecting beyond the borders of human imagination on the hidden God."
(author's abstract). Contents: Stephan van Erp, Lea Verstricht: Longing in a culture of cynicism. Introduction (7-14); David Tracy: On longing. The void, the open, God (15-32); Patrick
Vandermeersch: Reducing faith to belief religion in a cynical culture (33-48); Michael N.
Ebertz: A new stage in the history of religion. Paradoxes of globalized modernity and the religious question (49-68); Marc de Kesel: 'Thou shall not deny the place of a god'. A lacanian
approach of post-modern cynicism (69-90); Ton Zondervan: Prophet of a post-secular culture.
Philip Rieff's meta-sociology of culture (91-108); Ulrike Popp-Baier: What matters in life.
Religion as a source for constructing personal narratives (109-123); Ellen Hijmans: 'The good
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
53
life' according to Oprah. Mass mediated spirituality in a daytime television talk show (124140); Johannes A. Van der Ven: Free at last! Towards a more comprehensive religious freedom (141-166); Anton Van Harskamp: 'Can you stand to say I'm evil?' Theology and the active non-existence of evil (167-183); Erik Borgman: Crossing the boundaries. Theology at the
limits of academic disciplines in search of truth (184-205).
[61-L] Fahlenbach, Kathrin; Klimke, Martin; Scharloth, Joachim:
Anti-Ritual, Medieninszenierung und Transnationalität: kulturwissenschaftliche Aspekte
von "68", in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 21/2008, H. 3, S. 106-117
INHALT: "Historische Bedeutung und Folgen von '68' lassen sich jenseits der Berücksichtigung
kultureller Formen und Praktiken nicht erschließen. Der Beitrag demonstriert daher in drei
Fallstudien die Leistungsfähigkeit eines kulturwissenschaftlichen Ansatzes. Erstens lässt sich
'68' als genuin ritualkritische Bewegung interpretieren. Der Protest operierte mit Ritualstörungen und der Entwicklung von 'Anti-Ritualen' (Umfunktionieren von Vorlesungen, Störungen
von Staatsbesuchen, Verfahren der Vollversammlung und der öffentlichen Diskussion) und
bahnte damit einen kulturellen Wandel an. Wichtige Voraussetzungen der Erzeugung kultureller Resonanzen waren dabei - zweitens - Medieninszenierungen im Kontext einer medienhistorischen Schwellensituation. Mit der Durchsetzung des Fernsehens als Leitmedium stellte
sich die mediale Kommunikation auf Prinzipien der Visualität und die Ausrichtung am Spektakulären um und bot selbst angesichts manifester Abgrenzungen dem Protest einen dankbaren Resonanzboden (Ikonisierung des Nacktfotos der Kommunarden, Dutschke-Interview im
TV). Die Verwebung instrumenteller und expressiver Protestkommunikation verweist dabei drittens - auch auf transnationale Dimensionen. Im Rahmen transnationaler Austauschprozesse entwickelte sich die 'globale Zirkulation eines revoltierenden Lebensstils'. Die US-amerikanische Friedens- und Bürgerrechtsbewegung (Peace-Zeichen, Sit-Ins), aber auch nationale
Befreiungsbewegungen der Dritten Welt (Che Guevara-, Ho Chi Minh-Portraits) fungierten
dabei als symbolisches Reservoir. Die so entstandene internationale Protestidentität stellt ein
wesentliches Charakteristikum der 68er-Bewegung dar. Als Langzeitfolge bleibt jenseits einer mythisierten Avantgarderolle der 68er die erhebliche Erweiterung des soziokulturellen
Spektrums der Bundesrepublik festzuhalten." (Autorenreferat)
[62-L] Gabriel, Karl (Hrsg.):
Technik, Globalisierung und Religion: Gegenmodelle zum Kampf der Kulturen,
(Grenzfragen : Veröffentlichungen des Instituts der Görres-Gesellschaft für interdisziplinäre
Forschung (Naturwissenschaft - Philosophie - Theologie), Bd. 31), Freiburg im Breisgau: Alber
2008, 300 S., ISBN: 978-3-495-48193-6 (Standort: UB Hagen(708)-OQCGAP)
INHALT: "Unbestritten finden heute Naturwissenschaft und Technik als Teil des Globalisierungsprozesses weltweite Verbreitung und Anerkennung. Dies gilt auch dort, wo fundamentalistische Bewegungen die kulturellen Einflüsse der Moderne bekämpfen und zurückzudrängen versuchen. Zur Mobilisierung ihrer Anhänger pflegen sie mit besonderem Nachdruck auf
die modernsten technischen Kommunikationsmittel zurückzugreifen. Insofern scheinen Naturwissenschaft und Technik heute auf dem Weg zu sein, eine einheitliche, homogene Weltkultur zu erzeugen. Mit der technisch-naturwissenschaftlichen, ökonomischen und kulturellen
Globalisierung sind gleichzeitig auch Prozesse der Lokalisierung und Fragmentierung der
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
Kulturen verbunden. Angesichts der verschärften Betonung des Eigenen in Abgrenzung zum
Fremden stellt sich die Frage, wie ein Zusammenleben der verschiedenen Religionen und
Kulturen in einer zunehmend technisch homogenisierten und ökonomisch verflochtenen Welt
möglich erscheint. In einem interdisziplinären Zugang von Natur- und Kommunikationswissenschaft, Philosophie, Soziologie und Theologie werden in dem Band die Fragen und Probleme von technischer Globalisierung und religiösem und kulturellem Konflikt analysiert, bewertet und auf Lösungsmöglichkeiten hin reflektiert." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Karl Gabriel: Technik, Globalisierung und Religion: Zur Einführung (7-24); Gerhard Wegner: Die Vereinheitlichung der Welt durch Wissenschaft und Technik - Wissenschaft und
Technik als Motoren der Globalisierung (25-58); Willi Jäger: Die Rolle der Kommunikationstechnologien und des Wissens im Prozess der Globalisierung - Einheitskultur durch weltweite
Kommunikation? (59-100); Claude Ozankom: Weltkulturen unter Globalisierungsdruck: Reaktionen der Dritte-Welt-Kulturen auf den Globalisierungsprozess (101-122); Gerhard
Schurz: Kampf der Kulturen? Eine empirische und evolutionäre Kritik der Huntington-These
(123-172); Karl Gabriel: Religion und Globalisierung - Die öffentliche Präsenz der Religionen in der Weltgesellschaft und die (europäische) Säkularisierungsthese (173-204); Stefan
Nacke: Von 'wahr oder falsch' zu 'näher und ferner' - Das Zweite Vatikanische Konzil und die
religiöse Globalisierung des Katholizismus (205-270); Gregor M. Hoff: Konfession und
Zwang: Die Erfahrungen der christlichen Religion mit Konflikt und Konfliktlösung (271288).
[63-L] Haarmann, Harald:
Foundations of culture: knowledge construction, belief systems and worldview in their
dynamic interplay, Frankfurt am Main: P. Lang 2007, 311 S., ISBN: 978-3-631-56685-5
(Standort: UB Bochum(294)-CYA3298)
INHALT: "Constructing culture means constructing knowledge and making it operational for the
benefit of sustained community life. As a cognitive process, knowledge-construction does not
evolve in a vacuum but rather interacts with belief systems and worldview. Cultural knowledge is modulated by key factors such as time (linear versus non-linear), conceptions of reality
(physical, imagined, virtual), identity, and intentionality. The critical investigation and comparison of cultures in space and time call for a revision of several concepts. These include utility (as the maxim of modern Euro-American society), prototype (as an allegedly unified concept of culture evolution), and replacement (as a generalizing signifier for the exchange of old
items for new ones). The working of cultural memory is understood as the storage capacity of
items of knowledge (relating to the past, present and future) according to parameters of experienced rather than absolute time. This study discusses a wide selection of the variables shaping the foundations and fabric of culture, starting with the human capacities for symbol-making and using sign systems. The impact of knowledge-construction on the culture process is
articulated in 30 postulates concerning the dynamics of communal life and patterns of sustenance, the relationship between the natural environment and cultural space, and the life cycle
of cultures." (author's abstract)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
55
[64-L] Herrmann, Sebastian M.; Kanzler, Katja; Koenen, Anne; Kusmierz, Zoe A.; Schmieding,
Leonard (Hrsg.):
Ambivalent Americanizations: popular and consumer culture in Central and Eastern
Europe, (American Studies: A Monograph Series, Vol. 165), Heidelberg: Winter 2008, 281 S.,
ISBN: 978-3-8253-5488-6 (Standort: UB Köln(38)-35A9514)
INHALT: "This volume explores the 'Americanization' of Central and Eastern Europe during and
after the Cold War. It seeks to revisit and expand this critical concept by investigating previously overlooked perspectives and new comparative constellations. The Iron Curtain has
frequently been seen as a tightly sealed border between East and West. However, as the contributions to this collection illustrate, it proved remarkably permeable for American goods
and lifestyles which generated and gratified a range of often ambivalent desires and fantasies.
This book attends to the ensuing 'messiness' of cultural transfer and mixing, as well as to the
role 'America' has played in these processes. In twelve case studies, a broad spectrum of disciplinary angles and diverse geo-biographical horizons come together to examine the elusive
dynamics of ambivalent Americanizations in areas such as music, television, and material
culture." (author's abstract). Contents: Sebastian M. Herrmann, Leonard Schmieding: Ambivalent Americanizations (7-24); Reinhold Wagnleitner: Jazz - The Classical Music of Globalization (25-50); Thomas Kolitsch: The Monotony of the Yeah, Yeah, Yeah - Official Ways
of Dealing with Western Popular Music in the GDR (51-64); Leonard Schmieding: Of Windmills, Headspins, and Powermoves: Hiphop in the GDR 1983-1989 (65-88); Katja Kanzler:
Kansas, Oz, and the Magic Land: A Wizard's Travels Through the Iron Curtain (89-104); Nevena Dakovic: City Foxes / East-West Soap (Belgrade / New York) (105-120); Nadine Swibenko: "Because I'm an 'Ossi'..." Asserting Identity by Consuming East German Goods (121138); Ewa Grzeszczyk: American Models of Consumption and their Presence in Poland (139166); Sebastian M. Herrmann: A Plastic Modernity? (167-186); Anne Koenen: Superior Taste
- Mail Order in the GDR (187-210); Magdalena Ziolek: American Smiles on Polish Faces:
American Culture in the Discourse of Globalization from the Perspective of the Polish Young
Generation (211-232); Malgorzata Gajda-Laszewska: Why We Loved What They Told Us to
Hate: Miscalculations of the Anti-American Propaganda in the Polish Posters of the Stalinist
Period (233-252); Zoe A. Kusmierz: "The glitter of your kitchen pans": The Kitchen, Home
Appliances, and Politics at the American National Exhibition in Moscow, 1959 (253-272).
[65-L] Koch, Lars (Hrsg.):
Modernisierung als Amerikanisierung?: Entwicklungslinien der westdeutschen Kultur 19451960, (Kultur- und Medientheorie), Bielefeld: transcript Verl. 2007, 323 S., ISBN: 978-3-89942615-1 (Standort: USB Köln(38)-35A2200)
INHALT: "Die kulturwissenschaftlich orientierten Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich anhand weit gefächerter Analysen mit der Frage, inwieweit für die westdeutsche Kultur der Jahre 1945-1960 von einer Tendenz der Amerikanisierung gesprochen werden kann. Sind die
Transformationen der kulturellen Felder jener Zeit wirklich alleine auf einen intentionalen
wie auch informellen Einfluss des angloamerikanischen Diskursraums zurückzuführen? Oder
vollzieht sich hier eine nachholende 'Normalisierung' der während des Dritten Reiches vom
internationalen Austausch weitgehend abgekoppelten kulturellen Produktion, die man retrospektiv als verspäteten Durchbruch zur kulturellen Moderne bezeichnen könnte?" (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Lars Koch, Petra Tallafuss: Modernisierung als Amerikanisierung?
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
Anmerkungen zur diskursiven Dynamik einer Analysekategorie (9-22); Axel Schildt: Zur so
genannten Amerikanisierung in der frühen Bundesrepublik - einige Differenzierungen (2344); Sabine Kyora: "Swing, Film, Hemingway, Politik: stinkt mich an." Die Neupositionierung der westdeutschen Literatur zwischen 1945 und 1960 (45-61); Waltraud 'Wara' Wende:
Beschützer kritisiert man nicht - oder vielleicht doch? Zum Bild Amerikas in der westdeutschen Publizistik der späten 1940er und 1950er Jahre (63-87); Lars Koch: Zwischen Kontinuität und Innovation: Der westdeutsche Spielfilm 1945-1960 (89-109); Knut Hickethier: Das
Fernsehen - Vehikel der Amerikanisierung oder Agentur der Modernisierung? (111-127); Andreas Käuser: Adorno - Gehlen - Plessner. Medien-Anthropologie als Leitdiskurs der 1950er
Jahre (129-153); Irmela Schneider: Zur Relationierung von Medialisierung/Amerikanisierung
und Globalisierung/Lokalisierung in Mediendiskursen des 20. Jahrhunderts (155-180); Erika
Fischer-Lichte: Unterhaltung - Verstörung - Orientierung. Zur Funktionsbestimmung des
Theaters in der Nachkriegszeit (bis 1960) (181-213); Albrecht Riethmüller: Deutsche Leitkultur Musik und neues Leitbild USA in der frühen Bundesrepublik (215-232); Sabiene Autsch:
"Die Welt schmeißt mit Farben" - Abstraktion und Amerikanisierung auf der documenta 2
(1959) (233-254); Friedhelm Scharf: Design und modernistische "Formgebung" der jungen
Bundesrepublik im Fokus deutsch-amerikanischer Beziehungen (255-276); Kaspar Maase:
Massenkultur, Demokratie und verordnete Verwestlichung. Bundesdeutsche und amerikanische Kulturdiagnosen der 1950er Jahre (277-317).
[66-L] Konersmann, Ralf:
Kulturkritik, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 135 S., ISBN: 978-3-518-58499-6 (Standort:
UB Bonn(5)-2008/4872)
INHALT: "Von jeher prägt die Ausdrucksvielfalt der Kulturkritik das Erscheinungsbild der westlichen Kultur. Die Spottgebärde des Diogenes, des Faßbewohners, gehört ebenso hierher wie
die Bergpredigt oder die Pose des Unzeitgemäßen, das große Kino ebenso wie Rap, Grunge
und Punk. Längst haben die Medien das Repertoire der Kulturkritik entdeckt und für jedermann verfügbar gemacht.Kulturkritik, so zeigt Ralf Konersmann in seinem konzisen neuen
Buch, ist jene Haltung des Zweifels und der Abweichung, mit der die Kultur sich selbst gegenübertritt. Die Struktur des Zerwürfnisses mit sich selbst erweist sich jedoch nicht als Defekt, sondern als Normalität. Die heutige Kultur der Massen und der Metropolen ist die Erfinderin ihrer selbst, sie verwirklicht sich als schrilles Panorama der Parodien, der Ironien und
Karikaturen. In den Gesellschaften der Moderne ist Kritik somit nicht mehr nur Recht, sondern Pflicht. An die Stelle einer festgefügten »Leitkultur«, hoher Ideale und ewiger Werte,
über die diese Lebensformen nicht mehr verfügen, treten beträchtliche Anforderungen: die einer spielerischen, informellen und zutiefst demokratischen Urteils- und Kritikkultur." (Autorenreferat)
[67-L] Kröll, Tobias:
Die Ideologie des Neoliberalismus als kulturelles Kapital, in: Blätter für deutsche und
internationale Politik, Jg. 53/2008, H. 2, 70-78 (Standort: UB Bonn(5)-Z59/69; USB Köln(38)FHM XE00157; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Im Mittelpunkt der Ideologie des Neoliberalismus stehen, so der Verfasser, Individualismus und Wettbewerb - so unhinterfragt wie das Ptolemäische Weltsystem vor der koperni-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
57
kanischen Wende. Der Wirtschaftsliberalismus hat sich auf diese Weise im Lauf der letzten
zwei Jahrzehnte von einem wissenschaftlichen Ansatz zu einem weitgehend akzeptierten gesellschaftlichen Paradigma mit gestalterischer Macht gewandelt. Es wird argumentiert, dass
wirtschaftsliberale Theoretiker auch weiterhin behaupten werden, die auftretenden Probleme
lägen nur an der unzulänglichen Umsetzung ihrer Theorie. Während in ihrer Theorie weiter
davon ausgegangen wird, dass egoistisches Handeln und mehr Wettbewerb quasi hinter dem
Rücken der Akteure den allgemeinen Wohlstand fördern, appellieren derzeit zugleich viele
Wirtschaftsliberale an das ethische Bewusstsein der Menschen und fordern einen starken
Staat, der zwar nicht die Schwachen, aber ihre "Chancen" schütze. Gleichzeitig arbeiten sie
weiter unermüdlich an der wirtschaftsliberalen Umgestaltung der Infrastruktur. Von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird bedingungslose Flexibilität gefordert und gleichzeitig
der Zusammenhalt der Familie beschworen. Diese wirtschaftsliberale Politik wird, so die
These, auch in Zukunft jedes gesellschaftliche, solidarische Handeln massiv gefährden. Brennende Aufgabe bleibt es, die vielen Widersprüche und Fehler wirtschaftsliberaler Argumentationen aufzuzeigen und die "Komplizen der Sachzwänge" vehement zu kritisieren. (ICF2)
[68-L] Langenohl, Andreas:
Tradition und Gesellschaftskritik: eine Rekonstruktion der Modernisierungstheorie,
(Campus Forschung, Bd. 926), Frankfurt am Main: Campus Verl. 2007, 421 S., ISBN: 978-3-59338426-9 (Standort: UuStB Köln(38)-35A3880)
INHALT: Die vorliegende Untersuchung versteht sich als Beitrag zur modernisierungstheoretischen Debatte innerhalb der Soziologie. Sie versteht Tradition als definierenden Bestandteil
hochmoderner Gesellschaften, in so fern sie Praktiken der Kritik ausgesetzt wird. Die Kritik
der Tradition schlägt in eine Kritik der Gesellschaft um. Darin liegt die Konvergenz hochmoderner Gesellschaften, die allerdings auf historisch divergenten Wegen erreicht worden ist.
Sie bildet die maßgebliche und generalisierbare kulturelle Rahmenbedingung für weitere gesellschaftliche Wandlungsprozesse. Die Tendenz der Kritik der Tradition, in hochdifferenzierten Gesellschaften in Kritik der Gesellschaft umzuschlagen, ist durch den spezifischen
Verständigungsmodus intellektueller Kommunikation in der Öffentlichkeit besonders pointiert abbildbar, weil diese Kommunikation ihre eigene gesellschaftliche Institutionalisierung
notwendig mit reflektiert. Daher stellen intellektuelle Debatten das empirische Material dar,
das untersucht wird, um die Konsequenzen von kritikreflexiver Tradition und Strategien ihrer
Aneignung zu veranschaulichen. Dies geschieht hier an den Fallbeispielen der akademischen
Postcolonial Studies an angelsächsischen Universitäten und der demokratischen Kritik im
postsowjetischen Russland. In beiden Fällen zeigt sich die Kritikreflexivierung von Tradition
als kulturelle Problemlage hochreflexiver Gesellschaften besonders drastisch. Die Untersuchung schließt mit Überlegungen, auf welcher Grundlage gesellschaftliche Modernisierungsprozesse nach der Kritikreflexivierung von Tradition voneinander unterschieden werden können. (ICE2)
[69-L] Lindner, Rolf; Musner, Lutz (Hrsg.):
Unterschicht: kulturwissenschaftliche Erkundungen der "Armen" in Geschichte und
Gegenwart, (Rombach Wissenschaften - Edition Parabasen, Bd. 8), Freiburg im Breisgau:
Rombach 2008, 141 S., ISBN: 978-3-7930-9519-4 (Standort: UB Bonn(5)-2008/5008)
58
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
INHALT: "Der vorliegende Band versammelt aktuelle wie historische Analysen der 'Armen' und
der sozialen Unterschichten und untersucht diese Phänomene unter einem kulturwissenschaftlichen Blickwinkel. Damit soll nicht nur ein besseres Verständnis der gesellschaftlichen Erscheinungsformen von Armut und sozialer Ausgrenzung ermöglicht werden, sondern auch
jene Formen von Macht, Herrschaft und struktureller Ungleichheit in ihren diskursiven und
symbolischen Artikulationen sichtbar gemacht werden, die es in geschichtlichen und zeitgenössischen Kontexten ermöglichen, gesellschaftliche Unterschichten sozial und kulturell zu
klassifizieren, zu marginalisieren und staatlich zu verwalten: als 'Residuum', als 'Subproletariat', als 'Underclass' und als 'abgehängtes Prekariat'. Der Band versteht sich somit auch als
ideologiekritischer Beitrag zur gegenwärtigen Debatte über die Flexibilisierung und Prekarisierung der Arbeitsmärkte, das Hartz IV-Programm und das Entstehen einer neuen breiten
Schicht der 'working poor', die die Schieflagen, Risiken und Formen struktureller Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt in eine Rhetorik subjektiver Defizite und individuellen Versagens
übersetzt und dadurch entpolitisiert." (Textauszug). Inhaltsverzeichnis: Rolf Lindner: "Unterschicht" - Eine Gespensterdebatte (9-18); Sighard Neckel: Die gefühlte Unterschicht - Vom
Wandel der sozialen Selbsteinschätzung (19-40); Martin Kronauer: Von der Ausgrenzung aus
der Stadt zur Ausgrenzung in der urbanisierten Gesellschaft - Zur neuen Qualität von Exklusion heute (41-58); Loic Wacquant: Die städtische 'underclass' im sozialen und wissenschaftlichen Imaginären Amerikas (59-78); Lutz Musner: Prekarisierung und Überforderung - Leben
jenseits der Arbeitsgesellschaft (79-96); Rebekka Habermas: Wie Unterschichten nicht dargestellt werden sollen: Debatte um 1890 oder "Cacatum non est pictum!" (97-122); Wolfgang
Maderthaner: Anspruchsvolle Schäbigkeit' - Zur Wiener Unterschicht um 1900 (123-142).
[70-L] Müller, Hans-Peter:
Über das Verhältnis von Tradition und Modernität, in: Merkur : deutsche Zeitschrift für
europäisches Denken, Jg. 62/2008, H. 10 = H. 713, S. 903-910 (Standort: USB Köln(38)-AP4481;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Beitrag befasst sich mit der Frage, was heute Tradition und was Modernität heißt.
Den Ausgangspunkt bildet der Leitsatz von L. Kolakowski: 'Erstens, hätten nicht die neuen
Generationen unaufhörlich gegen die ererbte Tradition revoltiert, würden wir noch heute in
Höhlen leben; zweitens, würde die Revolte gegen die ererbte Tradition einmal universell, befänden wir uns wieder in den Höhlen. Eine Gesellschaft, in der die Tradition zum Kult wird,
verurteilt sich zur Stagnation, eine Gesellschaft, die von der Revolte gegen die Tradition leben will, zur Vernichtung.' In den Ausführungen finden unter anderem die Positionen von F.
Rückert, J. R. Bergmann, I. Kant, G. Duby, M. Weber, H. Blumenberg und T. Peters Berücksichtigung. Wohin die Reise der sekundären Rationalisierung - Hilfe für das Individuum aus
der Selbstverwirklichungspatsche durch Experten und deren Ratgeberliteratur - führt, ist nach
Ansicht des Autors noch ungewiss. Angesichts dieser Art des Managements von Innovation,
dem Gegenteil von echter Wissbegierde und Kreativität, sind wir zwar noch nicht ganz zurück in den Höhlen, wie Kolakowski befürchtet hat. Aber der sekundären Rationalisierung
entspricht eine sekundäre Neugier, die gegenüber neuen Ideen und Praktiken häufig blind
bleibt. Gerade wenn alle das gleiche Neuartige im mimetischen Gleichmaß begeistert verfolgen, wird das kollektive Resultat dieser Erneuerungsversuche überraschungsfrei ausfallen:
Die Substitution des Neuen durch das Neuartige. Gesellschaft als Betrieb und Betriebsamkeit
als oberste Tugend legen eine neue unheimliche Koalition nahe, nämlich die Ehe von 'ewiger
Wiederkehr des Neuen' und 'ewiger Wiederkehr des Gleichen'. (ICG2)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
59
[71-L] Müller-Schneider, Thomas:
Glück, Vorlieben und Talente: zur wachsenden soziokulturellen Relevanz der menschlichen
Natur im innengerichtetem Modernisierungsprozess, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die
Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 1183-1197,
ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "In seinem Beitrag argumentiert der Verfasser sowohl grundlagentheoretisch als auch
inhaltlich. Der Kern der grundlagentheoretischen Argumentation besteht darin, dass sich mit
dem vorhandenen soziologischen Denkinstrumentarium in Gestalt der Situationsanalyse eine
Gegenposition zum Konstruktivismus beschreiben lässt, die die menschliche Natur einbezieht
und gleichzeitig dem historisch und kulturell variablen soziologischen Gegenstand gerecht
werden. Mit Hilfe des grundlegenden soziologischen Konzepts der Situation und ihrer Definition lassen sich äußere (u.a. Institutionen und kulturelle Symbolwelt) und innere Bedingungen
(u.a. biologische Anlagen) der menschlichen Existenz miteinander verknüpfen. Durch Sozialisationsprozesse werden biologische Anlagen - vermittelt durch die 'Genotyp-Umwelt-Korrelation' - verstärkt oder auch abgeschwächt. Im Laufe der Biografie entwickeln sich so biosoziale Dispositionen, die sich in kulturell definierten (typischen) Situationen handlungswirksam manifestieren oder diese auch ändern können. Unter Verwendung der entwickelten Gegenposition vertritt er die inhaltliche These, dass im Verlauf der aktuellen innengerichteten
Modernisierung bestimmte Aspekte des menschlichen Genoms (Glücksstreben, Vorlieben
und Talente) soziokulturell an Bedeutung gewinnen und sich verstärkt in sozialen Strukturen
niederschlagen. Besonders relevant ist das evolutionspsychologisch begründbare Streben
nach Wohlbefinden und Glück, das unter den Bedingungen enorm gesteigerter materieller
und sozialer Handlungsspielräume zum unmittelbaren Impulsgeber sozialer Strukturbildung
wird. Neben dieser allen Menschen gemeinsamen Anlage treten auch interindividuelle Unterschiede des Genoms (Vorlieben und Talente) im Laufe der innengerichteten Modernisierung
sozialstrukturell stärker hervor. Bei den genannten Prozessen hat man es mit einer globalen
Entwicklung zu tun, die sich unabhängig von der 'westlichen' Kultur vollzieht." (Autorenreferat)
[72-L] Oesterdiekhoff, Georg W.; Rindermann, Heiner (Hrsg.):
Kultur und Kognition: die Beiträge von Psychometrie und Piaget-Psychologie zum
Verständnis kultureller Unterschiede, (Strukturgenese und sozialer Wandel, Bd. 5), Münster:
Lit Verl. 2008, IX, 264 S., ISBN: 978-3-8258-1068-9
INHALT: "Kognitive Fähigkeiten werden innerhalb unterschiedlicher, oft als disparat betrachteten Forschungstraditionen untersucht. Unter ihnen stellen die Ansätze kognitive Entwicklung
(Piaget), Intelligenztests (Psychometrie) und Schulleistungsmessung (PISA, TIMSS, IGLU)
nur die bekanntesten dar. Eine Zusammenführung dieser versucht der vorliegende Band, der
das Wechselspiel von Denken, Kultur und Entwicklung auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene mit dem Fokus kultureller Modernisierungsprozesse thematisiert" (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Georg W. Oesterdiekhoff & Heiner Rindermann: Paradigmen kognitiver Kompetenz (1-18); Georg W. Oesterdiekhoff: Kulturgeschichte der Menschheit und kognitive Entwicklung (19-56); Ilona Bachmann: Strukturgemeinsamkeiten ontogenetischer und
hominider Intelligenzentwicklung (57-78); Marianne Kutzner: Kognitive Strukturen und
mentale Entwicklung in vormodernen Gesellschaften (79-92); Eberhard Schröder: Kognitive
60
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in einer modernen Gesellschaft (93-110); James
R. Flynn: Lurija und das Paradox massiver IQ-Gewinne längs der Zeit (111-132); Heiner Rindermann & Georg W. Oesterdiekhoff: HIV, AIDS und vormodernes Denken: Die kognitiven
Ursachen einer Epidemie (133-164); Heiner Rindermann: Wechselwirkungen zwischen Intelligenz und Gesellschaft aus Perspektive der psychometrischen Intelligenzforschung (165208); Gerhard Meisenberg: Intelligenz- und Wertentwicklung in Gesellschaften an der
Schwelle zur Moderne (209-242); Erich Weede: Intelligenz, kapitalistische Kultur und wirtschaftliche Entwicklung (243-261).
[73-L] Raab, Josef; Wirrer, Jan (Hrsg.):
Die deutsche Präsenz in den USA, (Literatur : Forschung und Wissenschaft), Berlin: Lit Verl.
2008, 848 S., ISBN: 978-3-8258-0039-0 (Standort: UB Duisburg(464)-E11BOMC1094)
INHALT: "Die Einwanderung von mehr als sieben Millionen Deutschen in die USA und ihr Einfluss auf Geschichte und Kultur der Vereinigten Staaten haben in der Forschung noch nicht
die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die sie verdient hätten. Indem dieser Band Forschungen aus der Linguistik, der Literatur-, der Geschichts-, der Wirtschafts- und der Musikwissenschaft sowie aus den Bereichen der Architektur, des Rechts, der Folkloristik und den Kulturwissenschaften zusammenführt, bietet er eine umfassende Analyse zur deutschen Präsenz in
den USA." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Josef Raab, Jan Wirrer: Introduction (13-24);
Stefan Rinke: Nach Norden oder Süden? - Deutsche Auswanderer in den Amerikas im langen
19. Jahrhundert (25-56); Heike Bungert: Deutschamerikanische Ethnizitätsbildungsprozesse
in San Antonio und San Francisco, 1848-1914 (57-94); Ansgar Reiß: Paraden, Demonstrationen, Krawall: Deutsche Einwanderer im New York des 19. Jahrhunderts (95-116); Timothy
G. Anderson: The Proto-Industrial Background of Westphalian Immigrants in Missouri (117138); Walter D. Kamphoefner: Chain Migration and Diaspora: The Settlement Patterns of Immigrants from "Greater Westphalia" across the U.S.A. (139-164); Wolfgang Helbich: German
Immigrants in the American Civil War (165-188); Anke Ortlepp: Die Entstehung einer
deutschamerikanischen Frauenbewegung (189-210); Hartmut Keil: Die Auswirkungen der
deutschen Auswanderung auf den amerikanischen Arbeitsmarkt (211-248); Hans-Jürgen
Grabbe: Die politischen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland seit dem Zweiten
Weltkrieg (249-266); Gerd Hurm: Deutschland in der politischen Rhetorik der USA: George
W. Bush und die Geschichte(n) deutschen Wandels (267-290); Peter Freese: "What Is Really
at Stake Is One's Image of Oneself," or, The Function of American Deutschlandbilder (291314); Erhard U. Heidt: "The Krauts" und "Die Amis": Gegenseitige Stereotypen im Spiegel
der Zeit (315-330); James P. Leary: "The Irish and the Dutch, they don't amount to much":
Germans and Irish in Wisconsin's Folk Humor (331-356); Hermann Josef Schnackertz: Historische Lektionen für Amerika: James Fenimore Cooper Deutschland-Roman 'The Heidenmauer' (1832) (357-380); Josef Raab: "Ich bin ein Fremder - aber hier, unter Ihnen, habe ich
es ganz vergessen": Mark Twain's Assessments of the 'Sivilized' German Other (381-396);
Tomás Christ: Uses of German Characters and Language in 20th-Century American Fiction:
Some Examples from Stein, Hemingway, O'Brien and DeLillo (397-416); Chris Lippard:
Murnau and Germany in Hollywood and the South Seas (417-434); Carol Renner: The German-Hollywood Connection (435-450); Hans J. Kleinsteuber: Deutsche Welle und German
TV in den USA: Auswärtige Kulturpolitik auf einem schwierigen Markt (451-478); Anna
Schwan: Das Deutschlandbild in den amerikanischen Medien: Der Bundestagswahlkampf
2002 und die Irak-Frage im Spiegel der US-Presse (479-512); Thomas Schmidt-Beste: The
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
61
Germanization of American Musical Life in the 19th Century (513-538); Waldemar Zacharasiewicz: Southern Alumni of German Universities: Fashioning a Tradition of Excellence
(539-560); Madlen Simon: Tracing Bauhaus Influence on Current American Architectural
Education (561-580); Oliver Lepsius: Der Einfluss deutscher Rechtsideen in den USA (581614); Melissa Knox-Raab: The Culinary Heritage: German Ingredients in American Cooking
(615-626); Alexandra Jacob: American Pommersch - Pommern im linguistischen Erbe Wisconsins (627-642); Jan Wirrer: "Denn bünt wi na St. Libory henmovet" - Sprachkontakt,
sprachliche Stabilität, Sprachverfall. Niederdeutsche Sprachinseln im Mittleren Westen der
USA (643-670); Mark L. Louden: Synthesis in Pennsylvania German Language and Culture
(671-700); James R. Dow: Language Policy and German in America: Unwritten Law versus
Statute Law in Iowa (701-722); Jürgen Macha: Between the Language Varieties: Writing Behavior of German Emigrants to the U.S. (723-744); Dilara Tepeli, Joseph Salmons und Thomas Purnell: Was bleibt bestehen? - Der deutsche Einfluss auf das Amerikanische (745-764);
Michael Ossar: The Reception of German Literature in the United States: A Survey of the Canon in American Schools and Universities and of German Books in English Translation (765780); Wolfgang Braungart: Germanistik in den USA und in Deutschland - Zehn Thesen im
Anschluss an Michael Ossar, "The Reception of German Literature in the United States"
(781-786); Reinhold Wolff: Mit Karl May auf den Spuren von "Deutsch-Texas" (787-810);
Thomas Meinecke: Nördlich von Harper 's Ferry (811-820); Alexandra Jacob: Zur Ausstellung "Die Deutsche Präsenz in den USA in Vergangenheit und Gegenwart" im Zentrum für
interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld vom 20.10.-10.11.2004 (821-834);
Udo Schäfer: Zeugnisse der deutschen Auswanderung in die Neue Welt (835-840).
[74-L] Robertson-von Trotha, Caroline Y. (Hrsg.):
Kultur und Gerechtigkeit, (Kulturwissenschaft interdisziplinär, Bd. 2), Baden-Baden: Nomos
Verl.-Ges. 2007, 241 S., ISBN: 978-3-8329-2604-5 (Standort: UB Bonn(5)-2007/5007)
INHALT: "Recht ist ein Kulturgut par excellence, gewissermaßen das normative Gedächtnis der
Werte, die unser Leben prägen und lebenswert machen. Dass Recht untrennbar mit Gerechtigkeit zusammenhängen sollte, ist ein oft uneingelöster oder uneinlösbarer Anspruch von
Rechtssystemen. Im schönen Wort der, Rechtskultur' klingt dieser Umstand als zivilisatorische Errungenschaft an. Im vorliegenden Band werden Recht und Gerechtigkeit auf ihre Gemeinsamkeiten und auf ihre kulturellen Grundlagen und Bedingungen hin untersucht." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Alfred Grosser: Die Frage nach der Leitkultur (13-24); Natan
Sznaider: Die negative Begründung der Menschenrechte (25-32); Benjamin R. Barber:
Schwächt oder stärkt E-Technologie die Demokratie? (33-42); Bruno Latour: Whose cosmos,
which cosmopolitics? Comments an the Peace Terms of Ulrich Beck (43-56); Armin Pongs:
In welcher Welt wollen wir leben? US-amerikanische Konzeptionen der Gegenwartsgesellschaft und europäische Perspektiven (57-78); Franz Nuscheler: Das Ende des 'Zeitalters der
Menschenrechte'. Wie der 'Krieg gegen den Terror' die Freiheitsrechte bedroht (79-92); Wolfgang S. Heinz: Menschenrechte und der Kampf gegen den Internationalen Terrorismus (93102); Barbara Lochbihler: Menschenrechte und Terrorismusbekämpfung sind kein Nullsummenspiel (103-112); Elisabeth Beck-Gernsheim: "Ein Türke geht nicht in die Oper" - was
Deutsche über Türken wissen (113-122); Rita Süssmuth, Hermann Glaser: Bildung als globale Herausforderung. Zwei Statements - ein Gespräch (123-132); Dieter Sturma: Bildung und
Menschenrechte (133-140); Verena Metze-Mangold: Zum Verhältnis von Recht und Kultur
und idealen Werten im Zeitalter der Globalisierung und der allgemeinen Vernetzung (141-
62
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
154); Siegfried Broß: Grundwerte und Grundrechte in Europa. Systematische und konstruktive Überlegungen. (155-170); Olaf Schwencke: Gesetz kann werden, was Kultur ist (171174); Jean-Baptiste Joly: Kultur und Gerechtigkeit aus der Sicht einer Institution (175-180);
Kurt Siehr: Kulturgüter im Spannungsfeld von Rückforderung und Verbleib. Fremde Kulturgüter in Europa und Rückforderung durch Herkunftsstaaten (181-212); Halima Alaiyan: Die
lange Flucht aus Palästina und die Sehnsucht nach Heimat und Frieden (213-216); Wolde Yohanes Hundee Huriso: Persönliche Erfahrungen mit der wechselvollen Geschichte Eritreas
(217-222); Jürgen Wacker: Die verlorenen und verstoßenen Frauen von Dori. Zusammenhalt
von Familien und Zerrüttung von Beziehungen am Beispiel der Frauen mit vesicovaginaler
Fistel (VVF) (223-234).
[75-L] Schilling, Elisabeth:
Zeitkollage: Erfassung subjektiver Zeitvorstellungen, in: Udo Kuckartz; Universität Marburg,
Institut für Erziehungswissenschaft, Arbeitsbereich Empirische Pädagogik (Hrsg.): CAQD 2006 :
Computergestützte Analyse Qualitativer Daten ; winMAX/MAXqda Anwenderkonferenz,
Philipps-Universität Marburg, 9. und 10. März 2006 ; Tagungsband, 2006, S. 51-56, ISBN: 38185-0428-8 (Graue Literatur; vt-app.bonn.iz-soz.de/ssoar/files/2008/222/band2006.pdf)
INHALT: Es wird ein Überblick gegeben über die Dissertation "Die Zukunft der Zeit: Vergleich
von Zeitvorstellungen in Russland und Deutschland im Zeichen der Globalisierung". Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung geht es dabei um den Versuch, den bisher nur theoretisch beschriebenen Wandel von Zeitvorstellungen zu operationalisieren und zu erfassen. In
Anlehnung an das Konzept der Zeitkollage als eine Zusammensetzung aus verschiedenen nationalen und sozialen Zeitkulturen wird die These aufgestellt, dass Zeitkollage keine selbständige neue Form von Zeitvorstellungen, sondern ein Zeichen des Übergangs von den modernen, von der Industrialisierung geprägten Zeitvorstellungen zu neuen, bisher noch nicht etablierten Formen ist, der zudem durch intensiven Kulturaustausch beschleunigt wird. Mit Hilfe
eines Leitfadeninterviews wurden 42 Berufsmigranten (Deutsche und Russen, die in Russland
und Deutschland arbeiten) zu den Themen Planung, Zeitnot, Zeitverschwendung und Zeitsparen befragt. Die Interviews wurden nach Richtlinien der qualitativen Inhaltsanalyse transkribiert und in MAXQDA eingelesen. Die Ergebnisse geben zum einen Hinweise auf die Faktoren, die die Herausbildung der Zeitkollage begünstigen, zum anderen verdeutlichen sie, dass
moderne Zeitvorstellungen und reflexive Zeitvorstellungen nebeneinander existieren. (ICH)
[76-L] Schnettler, Bernt:
Mundanphänomenologie und "Ethnophänomenologie", in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die
Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 5884-5896,
ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Ausgangspunkt ist der zeitdiagnostische Befund einer ausdrücklichen Erfahrungszentriertheit unserer Gesellschaft. Gemeint sind damit freilich nicht die alltagstypischen, sondern
die massenhafte Kultivierung solcher den Rahmen des Alltäglichen übersteigenden Erfahrungen, die in der Gegenwart zu einem breiten kulturellem Thema avanciert sind. Die Mundanphänomenologie bietet mit der Theorie mannigfacher Wirklichkeiten einen Ansatz, der es erlaubt, die Formen allgemein menschlicher Erfahrungen zu beschreiben - der alltäglichen
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1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
63
ebenso wie die jener, die den Rahmen der geschlossenen Sinnprovinz der intersubjektiven
Wirkwelt des Alltags transzendieren. Offen bleibt allerdings, inwiefern diese anderen Sinnprovinzen selbst Teil der universellen Matrix der Strukturen der Lebenswelt sind oder aber
das Ergebnis kultureller Konstruktion darstellen. Daran anknüpfend ist am Beispiel der außeralltäglichen Erfahrungen zu fragen, wie mithin das Verhältnis von Kultur und Natur, von Bewusstseinsprozessen und leiblichen Vorgängen einerseits und deren Deutungen andererseits
gefasst werden kann. Die Beantwortung dieser Frage soll unter Berücksichtigung empirischer
Materialien erfolgen, die ethnophänomenologische Beschreibungen enthalten. Der Begriff der
Ethnophänomenologie bezeichnet die von Betroffenen selbst produzierten Beschreibungen
der Formen ihres nichtalltäglichen Erlebens. Denn die Phänomenologie ist als egologische
Methode eine Art der philosophischen Reflexion über die Formen des eigenen Erlebens.
Doch obwohl sie das Resultat größerer reflexiver Anstrengungen darstellt, ist die Zuwendung
auf das eigene Erleben alles andere als ein exklusives philosophisches Privileg. Zugang zu
den Formen des eigenen Erlebens haben immer die Subjekte selbst, wenngleich deren Darstellung mit den Schwierigkeiten der sprachlichen Artikulation behaftet ist. Weil also die Vergemeinschaftung subjektiver Transzendenzerfahrungen kommunikative Formen erfordert,
setzen an dieser Stelle gattungstheoretische Überlegungen an. Insgesamt zielt der Beitrag damit auf die Entfaltung einer Soziologie der Erfahrung als empirisch wissenssoziologischer
Anknüpfung an die Schütz-Luckmannsche Theorie mannigfacher Wirklichkeiten." (Autorenreferat)
[77-L] Schönherr-Mann, Hans-Martin:
Miteinander leben lernen: die Philosophie und der Kampf der Kulturen, München: Piper
2008, 368 S., ISBN: 978-3-492-05104-0 (Standort: UB Bonn(5)-2008/1631)
INHALT: Der Verfasser setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Philosophie im 20. Jahrhundert mit dem Konflikt der Kulturen umgehen kann, wie man - in Gadamers Worten - lernen kann, miteinander zu leben. Zunächst geht es um Antworten auf den Krieg der Weltbilder
unter pluralistischen Bedingungen - um den Pluralismus als soziale Grundstruktur im Denken
Hannah Arendts, um die pragmatische Suche von James, Rorty und Dewey nach Toleranz
und Partizipation, um Cassirers Suche nach einer kulturellen Kraft der Versöhnung und um
Blochs Suche nach der versöhnenden Kraft der Natur. Sodann wird Verantwortung als neue
Perspektive der Ethik im 20. Jahrhundert diskutiert - Max Webers Tugenden der Sachlichkeit
und Verantwortung als Abkehr von der traditionellen Ethik, Sartres Verantwortungsethik,
Lévinas' Begriff der Verantwortung aus der zwischenmenschlichen Situation heraus und Jonas' Konzept der Verantwortung für die Biosphäre. Kommunikation als Voraussetzung des
Weltethos-Diskurses wird in Jaspers' "grenzenloser Kommunikation", in Gadamers Vorstellung von Verstehen und Gespräch, in Heideggers Suche nach der Einheit von Ethik und Ontologie und in Arendts Suche nach Kompetenzen für verantwortungsvolle Kommunikation thematisiert. Für die Suche nach Konsens im Zeitalter der Globalisierung ergeben sich abschließend folgende Perspektiven: Diskursethik und Konsensorientierung einer kommunikativen
Vernunft (Apel, Habermas), die Kooperation zwischen den Weltanschauungen (Rawls) und
Michael Walzers Differenzierung von universeller Kernmoral und partikularistischer Maximalmoral. (ICE)
64
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
[78-L] Stagl, Justin (Hrsg.):
Soziokulturelle Metamorphosen, (Wissenschaft und Kunst, Bd. 5), Heidelberg: Winter 2007,
204 S., ISBN: 978-3-8253-5401-5 (Standort: UB Marburg(4)-Ws2008/0179)
INHALT: "Soziale Metamorphosen sind Verwandlungen der Stellung, des Aufgabenkreises oder
der Zugehörigkeit eines Individuums bzw. eines Kollektivs. Kulturelle Metamorphosen sind
Verwandlungen der Gestalt oder des Zwecks kultureller Erscheinungen. In diesem Sammelband werden sie als sozio-kulturelle Metamorphosen zusammengefaßt, mit der Entwicklung
des menschlichen Körpers und mit Verwandlungen im Reiche der Imagination in Beziehung
gesetzt und an Beispielfällen dargestellt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Justin Stagl:
Einleitung: Soziale und kulturelle Metamorphosen (7-20); Josef Franz Thiel: Geburt und Tod
als soziale Metamorphosen (21-36); Konrad Koston: Der gleiche Schein bei prinzipieller Andersartigkeit. Re-Enacting History: Dialekt, Sternsingen und Volkslied (37-50); Andrea D.
Bührmann: Metamorphosen des Sozialen im Spiegel des SexuellenOder: Von der sexuellen
Befreiung zur Befreiung vom Sexuellen (51-64); Daniel Carey: Identity and Its Transformation in the Context of Travel (65-78); Karl Müller: Vier Leben in einem - Hans Schneider/Hans
Schwerte. Die Literaturwissenschaft als Selbsterkenntnis- und Zufluchtsraum (79-118); Judith
Moser-Kroiss: Memorias del infierno - Enric Marco und der Versuch einer kontrafaktischen
Geschichte (119-128); Claudia Jeschke: Person und Rolle. Zu Praktiken der Körper-'Maskierung' im theatralen Tanz (129-144); Susan Jones: Transformations in Modernism and Dance:
Apollonian or Dionysian? (145-158); Sabine Coelsch-Foisner: The Doppelganger as a Literary Strategy in Fantastic Literature (159-174); Markus Oppolzer: Denied Rites of Passage: Social Puberty in the Gothic Novel (175-186); Markus Niederwimmer: Mind the Gap: Transgendered Characters in Contemporary British Fiction (187-200).
[79-L] Wittek, Bernd:
Der Preis des Behavioristischen: Kultur - Marketing - Geschichte, Marburg: Tectum Verl.
2008, 118 S., ISBN: 978-3-8288-9597-3 (Standort: USB Köln(38)-35A6160)
INHALT: Der nachlässige Umgang mit den Details, so der Verfasser, illustriert den Verlust an
Genauigkeit und Tiefe, der viele Gesellschaftsbereiche erfasst. Es wird damit langfristig eine
problematische kulturelle Prägung erzeugt. Spätestens mit dem Zusammenbruch Osteuropas
begann das Kapitel im Zeitalter der Ökonomie, das vermeintlich keine zusätzliche Legitimation mehr bedarf. Wenn Werbetexte grundsätzlich so formuliert sind, dass sie auch von mittelmäßig geprägten Lesern verstanden werden können, dann wirkt sich dies auf Dauer auch auf
unsere Rezeptionsgewohnheiten aus, selbst wenn dies nicht unmittelbar nachweisbar sein
sollte. Sprachlich gesehen bleiben wir wohl immer häufiger hinter den Möglichkeiten zurück.
Wir behaupten immer mehr und begründen immer weniger. Wie in der Produktgestaltung und
Architektur, in der Form immer weniger für Inhalt steht, sondern Gestalt an sich ist, "designen" wir unsere Kommunikation ganz auf Kosten des Inhalts. Es wird argumentiert, dass
keine Wertevermittlung erfolgen kann, wenn Werte lediglich postuliert werden. Dies würde
auf überholte idealistische Konzepte zurückgreifen. Das Thema, das auf die Tagesordnung
gehört, heißt dem reizintensiven Alltag gegensteuern. Wir sollten nicht nur über Schulformen,
sondern intensiv auch über Inhalte nachdenken. Das historische Faktenwissen muss, so die
These, ganz speziell und intensiv gefördert werden. Die Achtundsechziger zerschlugen den
bis dahin existierenden bürgerlichen Bildungskanon mit dem Argument, dass jener einen linearen Fortschrittsbegriff tradiere. Wer jedoch nicht weiß, wer er/sie ist und woher er/sie
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.3 Kulturwandel, Kulturkritik, sozialer Wandel
65
kommt, weiß auch nicht, was er/sie leisten kann und tun sollte. Uns selbst zu betrachten,
warum nicht mit Selbstironie, Verständnis für die eigene Geschichte zu erlangen, heißt zugleich die Voraussetzung für die Kompetenz in der Begegnung mit dem Fremden zu erwerben durch das Begreifen von Zusammenhängen. Ein historisches Selbstverständnis zu erreichen ist nicht konservativ. So wie wir aus historisch-kultureller Prägung heute handeln, gezielt oder zufällig, wird die Welt morgen sein. Diese grundlegende Erkenntnis der Sozialwissenschaften allmählich aufzugeben wäre ein zu hoher Preis für die schön und aufregend gestaltete Welt des Konsums. (ICF2)
1.4
Lebensstile, Werte, Normen
[80-L] Bilsky, Wolfgang:
Die Struktur der Werte und ihre Stabilität über Instrumente und Kulturen, in: Erich H.
Witte (Hrsg.): Sozialpsychologie und Werte : Beiträge des 23. Hamburger Symposions zur
Methodologie der Sozialpsychologie, Lengerich: Pabst, 2008, S. 63-89, ISBN: 978-3-89967-451-4
(Standort: UB Siegen(467)-31OCY3424)
INHALT: "In der Literatur besteht nur bedingt Einigkeit darüber, wie Werte zu definieren und zu
messen sind. Daher können Forschungsergebnisse nicht ohne weiteres miteinander verglichen
werden, und der Leser bleibt im Unklaren darüber, ob und in welchem Umfang die jeweiligen
Ergebnisse generalisiert werden können. Aus diesem Grund bedarf es eines theoretisch soliden und empirisch bewährten Ansatzes, der als Referenzrahmen für den Vergleich und die Integration von Forschungsergebnissen dienen kann. Der vorliegende Beitrag geht davon aus,
dass Schwartz' (1992) Theorie über den Inhalt und die Struktur von Werten dies leisten kann.
Zunächst wird auf die psychologische Wertforschung im Allgemeinen und den theoretischen
Ansatz von Schwartz im Besonderen eingegangen. Danach werden mehrere Studien skizziert,
in denen Assessmentinstrumente unterschiedlicher Autoren verwendet wurden - von Allport
und Vernon, Morris, McCelland, Kilmann und O'Reilly. Ihre Ergebnisse werden auf dem
Hintergrund der Strukturtheorie von Schwartz (1992) interpretiert. Dabei kann gezeigt werden, dass die beiden Basisdimensionen der Wertetheorie von Schwartz (1992) einen brauchbaren Interpretationsrahmen für die Darstellung, den Vergleich und die Integration der Forschungsergebnisse dieser Studien bieten." (Autorenreferat)
[81-L] Cerci, Meral:
Daten, Fakten, Lebenswelten: Annäherung an eine (noch) unbekannte Zielgruppe ;
Datenforschungsprojekt Interkultur, in: Tina Jerman (Hrsg.): Kunst verbindet Menschen :
interkulturelle Konzepte für eine Gesellschaft im Wandel, Bielefeld: transcript Verl., 2007, S. 5083, ISBN: 978-3-89942-862-9 (Standort: ULB Münster(6)-3K5181)
INHALT: Der Verfasser präsentiert Ergebnisse eines Projektes, das im Auftrag der Kulturabteilung der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW bearbeitet wird. In der ersten Phase des Datenforschungsprojekts Interkultur sind eine systematische Bestandsaufnahme von Daten und Fakten zum Thema "Interkultur" sowie Interviews mit Interkulturfachleuten durchgeführt worden. Ein Ergebnis der
Bestandsaufnahme ist, dass zur Soziodemografie (Alter, Geschlecht, Bildung etc.) Daten und
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
Fakten aus dem Mikrozensus 2005 vorhandensind. Im Anschluss an die Bestandsaufnahme
sind weitere Forschungsprojekte angestoßen worden, darunter eine Pilotuntersuchung in
Dortmund. Die Studie erfasst erstmals systematisch in einer Kommune kulturelle Präferenzen
und Gewohnheiten von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Das Landesamt für
Datenverarbeitung und Statistik NRW hat sich auch an der qualitativen MultiClient-Studie
"Lebenswelten und Milieus von Menschen mit Migrationshintergrund" der Sinus Sociovision
GmbH beteiligt. Sie fasst Menschen mit vergleichbaren Lebensauffassungen und Lebensweisen in "Milieus" zusammen. In der Analyse werden, neben Wertorientierungen und Lebensstil
der Befragten, auch ihre Einstellungen zu Kunst und Kultur berücksichtigt. Ein wichtiger Befund der Studie ist, so der Autor, dass die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland keine soziokulturell homogene Population sind. Vielmehr zeigt sich eine vielfältige und
differenzierte Milieulandschaft. Insgesamt acht Migranten-Milieus mit jeweils ganz unterschiedlichen Lebensauffassungen und Lebensweisen konnten identifiziert werden. Dabei unterscheiden sich die Migranten-Milieus weniger nach ethnischer Herkunft und sozialer Lage
als nach ihren Wertvorstellungen, Lebensstilen und ästhetischen Vorlieben. Abschließend
werden die bevorstehenden Forschungsaktivitäten erläutert. (ICF2)
[82-L] Hagedorn, Jörg:
Jugendkulturen als Fluchtlinien: zwischen Gestaltung von Welt und der Sorge um das
gegenwärtige Selbst, (Erlebniswelten, Bd. 13), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 170
S., ISBN: 978-3-531-15982-9
INHALT: Die Untersuchung schlägt in einem ersten Schritt einen rekonstruktiv-hermeneutischen
Weg ein, in dem ein Sinn verstehender Zugriff auf jugendkulturelle Handlungspraxen möglich wird, und stellt die gewonnenen Ergebnisse in einem zweiten Schritt in den Kontext einer
Theorie der Vielheiten. Der Verfasser gibt zunächst einen Überblick über den Stand der Forschung in Bezug auf Jugendkulturen und stellt die Methode der Objektiven Hermeneutik detailliert dar. Es schließt sich eine ausführliche Auseinandersetzung mit zwei Texten aus dem
Internet an, deren Ziel es ist, aus je spezifischen Fallstrukturen "gewissermaßen das GesetzesAllgemeine des jugendkulturellen Phänomens Techno herauszuarbeiten und aber auch des
Gesetzes-Allgemeine einer Welt fallspezifisch herzuleiten, in die Techno als soziales Gebilde
hineingestellt ist". Diese Rekonstruktion wird im Folgenden unter sieben Aspekten theoretisch aufgearbeitet: (1) Gelassenheit, (2) Entscheidungszwang und Begründungspflicht, (3)
jugendkulturelle Handlungspraxen als raumaneignende Praktiken, (4) Inszenierung des gegenwärtigen Selbst im Erscheinenlassen von Sinngestalten, (5) Rhythmus als spezielles Ordnungs- und Strukturierungsprinzip jugendkultureller Praxen, (6) Einschreiben rhythmischer
Ordnungen und Gesetze auf den Körper eines Volkes, (7) Techno als Fluchtlinie und jugendkultureller Widerstand in den Zwischenräumen segmentierter Linien und Quantenströmungen. (ICE2)
[83-L] Lauenburg, Frank:
Jugendszenen und Authentizität: Selbstdarstellungen von Mitgliedern aus Jugendszenen
und szenebedingte Authentizitätskonflikte, sowie ihre Wirkungen auf das (alltägliche)
Szene-Leben, (Jugendsoziologie, Bd. 8), Wien: Lit Verl. 2008, 232 S., ISBN: 978-3-03735-919-8
(Standort: Kaiserslautern UB(386)-556172)
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
67
INHALT: Der Verfasser setzt sich einleitend auf theoretischer Ebene mit den Begriffen Jugendkultur, Subkultur und Jugendszene auseinander. Er legt im Folgenden die Ergebnisse qualitativer Interviews mit Jugendlichen vor, die über ihre Szene berichten. Die Interviews informieren über den Einstieg in die Szene, die politische Orientierung der Szene, die Kommunikationsstrukturen, das Verhältnis zu anderen Jugendszenen, das Ziel der Szene, geschlechtsspezifische Szeneaspekte und die Zukunftsperspektiven der Befragten. Behandelt werden Punk,
Straight Edge, Gothic, Metal, Rockabilly, Skinhead, Cable Street, Jesus Freaks, Studenten
und rechte Jugendszenen. Abschließend wird die Wirkung szenebedingter Authentizitätskonflikte auf das alltägliche Szeneleben thematisiert. (ICE2)
[84-L] Menzel, Birgit; Schmid, Ulrich:
Der Osten im Westen: Importe der Populärkultur, in: Osteuropa : interdisziplinäre
Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte in
Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S. 3-22 (Standort: USB
Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Zahlreiche Produkte der westlichen Populärkultur sind aus Osteuropa importiert. Dies
wird oft übersehen, bestimmt doch die bereits von der Kritischen Theorie angestimmte Klage
über die 'McDonaldisierung' der europäischen Kultur bis heute die Debatte. Wertfreie Einzelstudien beschränken sich bei der Analyse der Populärkultur hingegen in der Regel auf einen
bestimmten nationalen Kontext. Verfolgt man aber die Importwege prominenter Erscheinungen in der westlichen Populärkultur, so zeigt sich, dass osteuropäische Traditionen und Prägungen auf ganz unterschiedliche Weise präsent sind: Sie können sich unter einer sorgfältigen
Camouflage verbergen, durch kulturelle Transformation an den Publikumsgeschmack angepasst werden oder auch als plakative Exotik auftreten." (Autorenreferat)
[85-L] Meyerrose, Anja:
The fashion revolution?: transformation of men's clothing in Germany's '1968', in: Agata
Stopinska, Anke Bartels, Raj Kollmorgen (Hrsg.): Revolutions : reframed - revisited - revised,
Frankfurt am Main: P. Lang, 2007, S. 285-295, ISBN: 978-3-631-57197-2
INHALT: Die Verfasserin interpretiert die Mode als eine Chiffre gesellschaftlicher Transformation. Sie analysiert die sogenannte "Mode-Revolution" der späten 1960er Jahre auf dem Gebiet
der Männerkleidung und argumentiert, dass diese "Revolution" nicht zu einer tatsächlichen
Überwindung der hegemonialen Standards hinsichtlich der Bekleidung geführt habe. Sie bewirkte lediglich eine Abweichung von den tradierten Normen. Durch die Vervielfältigung der
Wahlmöglichkeiten diente sie der Steigerung des Verbrauchs und der Stabilisierung der Produktion. (ICF)
[86-L] Möller, Kurt:
Körperpraxen und Männlichkeit bei Skinheads: Hegemonialansprüche, Marginalisierung
und Rebellion, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen
des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2,
Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 5199-5210, ISBN: 978-3-593-38440-5
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
INHALT: "Die Demonstration von körperlicher Präsenz und körperliche Inszenierung haben von
je her im Kontext jugendkultureller Praxis eine hohe, ja zentrale Bedeutung. In besonders auffälliger und zugespitzter, d.h. an die Grenzen sozialer Akzeptanz stoßender Weise gilt dies für
die Angehörigen der Jugendkultur der Skinheads. Körpergestalt(ung) (z.B. 'Massigkeit', Muskelkraft u.a. maskulinistische Inszenierungen), Haarmode (Kahlköpfigkeit bzw. extrem kurze
Haarborsten), Körperästhetik (z.B. Tatoos), Mimik, Gang und Gestik, Kleidungspräferenzen
(Bomberjacken, DocMartens u.a. Zitate aus dem Fundus soldatischer bzw. proletarischer Bekleidung), riskanter Umgang mit dem eigenen Körper (Alkohol, Gewalt), expressive Tanzstile (z.B. körperbetonter Pogo), provokante Sexualisierungen (neben der Sprache auch des Körperausdrucks), Aspekte von 'Kollektiv-Körperlichkeit' im Gruppenauftreten u.ä. Momente
mehr signalisieren nicht nur den hohen Stellenwert der Kultur des Körpers und der Maskulinität innerhalb dieser Jugendkultur, sondern zugleich auch Versuche des Sich-Auflehnens und
Verstoßes gegen Körpernormen. Welche politisch-soziale Haltung von Männlichkeit drückt
sich in dieser Art von Körperlichkeit aus und wie wird sie öffentlich, zumal in Diskursen über
soziale Kontrolle, wahrgenommen und konnotiert? Welche allgemeinen und männlichkeitsspezifischen sozialen Probleme thematisiert und produziert sie? In welchem Verhältnis stehen
die jugendkulturellen Körperpraxen von Skins zu weiter verbreiteten sozial-kulturellen
Trends von Umgangsweisen mit dem (männlichen) Körper? Antworten auf Fragen wie diese
können zum einen aus theoretischen Reflexionen, zum anderen aber auch mit Bezug auf empirische Erkenntnisse aus einem dreijährigen BMBF-finanzierten Forschungsprojekt über
Ein- und Ausstiegsprozesse von Skinheads (2002-2005) gewonnen werden. " (Autorenreferat)
[87-L] Mrozek, Bodo:
Halbstark!: aus der Urgeschichte der Popkultur, in: Merkur : deutsche Zeitschrift für
europäisches Denken, Jg. 62/2008, H. 7 = H. 710, S. 630-635 (Standort: USB Köln(38)-AP4481;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Autor zeichnet die Entstehung und Verbreitung der Jugendkultur der "Halbstarken" in der Bundesrepublik Deutschland und der ehemaligen DDR gegen Ende der 1950er
Jahre nach. Es ist seines Erachtens nicht die angebliche Gewalttätigkeit der jugendlichen Rocker und Motorradfahrer, sondern ihr generationeller Stil, der die Halbstarken deutlich von
der älteren Generation abgrenzt. Dennoch haben sie bei ihrem Lebensstil vieles von vorangegangenen Generationen übernommen, z.B. die Musik von den Swings, die bunte Kleidung
von den "Zoot Suiters" und die Straße von den wilden Cliquen der vierziger Jahre. Die Halbstarken waren jedoch die erste Generation, die sich weltweit identisch unter den Zeichen einer
neuen Zeit formierte. Ihre an technischen Innovationen orientierte Kultur erhob den Rhythmus und die Geschwindigkeit zum Paradigma. Nachfolgende Generationen praktizieren unter
Namen wie Mods, Rocker oder Punks nur Variationen dieses erstmals in den 1950er Jahren
verbreiteten, transnationalen Identitätskonzeptes im Namen des Pop. Es spricht somit nach
Meinung des Autors einiges für die These, dass die Popkultur mit den Halbstarken erst richtig
begann. (ICI2)
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
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[88-L] Mühlichen, Andreas; Blasius, Jörg:
Der "soziale Raum" der Lebensstile und Prominenten, in: Dominik Schrage, Markus R.
Friederici (Hrsg.): Zwischen Methodenpluralismus und Datenhandel : zur Soziologie der
kommerziellen Konsumforschung, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 113-139, ISBN:
978-3-531-15470-1
INHALT: "Die Autoren regen an, einen bislang fast ausschließlich in der akademischen Konsumforschung verwendeten quantifizierenden Ansatz für die Zwecke kommerzieller Anwendungen fruchtbar zu machen. Sie schlagen vor, ein von Pierre Bourdieu inspiriertes Verfahren der
Korrespondenzanalyse anstelle des in der kommerziellen Konsumforschung gebräuchlichen
SINUS-Lebensstilansatzes zu verwenden und machen in ihrer detaillierten Darstellung auf
seine Vorteile aufmerksam" (Autorenreferat).
[89-L] Müller, Hans-Peter:
Lebenschancen und Lebensstile: die kulturellen Dimensionen sozialer Schichtung, in: Steffen
Sigmund, Gert Albert, Agathe Bienfait, Mateusz Stachura (Hrsg.): Soziale Konstellation und
historische Perspektive : Festschrift für M. Rainer Lepsius, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.,
2008, S. 177-206, ISBN: 978-3-531-15852-5 (Standort: UB Bonn(5)-20086026)
INHALT: Der Verfasser erläutert die Relevanz des Ungleichheitskomplexes in modernen, egalitär orientierten Gesellschaften, die den Theoriekontext beleuchten, in dem die ganze Debatte
seit den Tagen von Marx steht. Vor diesem Hintergrund wird Lepsius' Überlegungen zu Sozialstruktur, Politik und Kultur im Bereich sozialer Ungleichheit und sozialer Schichtung nachgegangen, um der Konzeptualisierung von Lebenschancen und Lebensstilen in seinem Denken auf die Spur zu kommen. Schließlich wird an seinen Überlegungen zum Bürgertum als
einer sozialen Stratifikationskonstellation demonstriert, wie die Formation einer selbstständigen Mittelklasse gebildet wurde, welche Dynamiken und Prozesse daran beteiligt sind und
was uns das über das Verhältnis von sozialer Schichtung und Kultur sagt. Es wird argumentiert, dass Lepsius in vielversprechender Weise Webers Nahtstellen als Baustellen in seinen
gesellschaftsanalytischen Ansatz zu sozialer Ungleichheit aufnimmt. Er diskutiert das Verhältnis von Sozialstruktur und Parteien, er konzeptualisiert gewinnbringend das Verhältnis
von sozialer Ungleichheit und sozialen Klassen, er klärt das Verhältnis von sozialer Ungleichheit und Kultur. Die Schwachstellen in Webers Klassentheorie, wie die Beziehung zwischen
Klassen bzw. Marktlagen und sozialen Klassen, die Unterscheidung von Klasse und Stand sowie das Verhältnis von Lebenschancen und Lebensstilen kann er mit Hilfe seiner eigenen
theoretischen Überlegungen und empirischen Analysen beseitigen. Er hat in diesem Sinne das
soziologische Vermächtnis Webers paradigmatisch umgesetzt. (ICF2)
[90-L] Müller-Schneider, Thomas:
Lebensstile, Milieus und Szenen, in: Herbert Willems (Hrsg.): Lehr(er)buch Soziologie : für die
pädagogischen und soziologischen Studiengänge. Bd. 1, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.,
2008, S. 307-329, ISBN: 978-3-531-14977-6
INHALT: "Der Beitrag behandelt das soziologische Lebensstilkonzept und zwei eng damit verbundene Typen sozialer Gruppen, nämlich soziale Milieus und (jugendliche) Szenen. Ausgangspunkt ist der soziale Wandel der vergangenen Jahrzehnte, der die Lebensverhältnisse in
70
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
unserer Gesellschaft nachhaltig veränderte. Individualisierung und gestiegener Wohlstand
schufen einen neuen Möglichkeitsraum, den die Menschen zur Stilisierung ihres Lebens nutzen. Lebensstile werden als ästhetische Wiederholungstendenzen mit den drei Bedeutungsebenen Genuss, Identifikation und Distinktion beschrieben. Soziale Milieus unterscheiden
sich heute wesentlich durch ihre Lebensstile. Im Beitrag werden das Sinus-Milieumodell sowie das Modell der Erlebnismilieus vorgestellt. Das Sinus-Modell verortet zehn Milieus nach
sozialer Schicht und Wertorientierung, wohingegen das Modell der Erlebnismilieus fünf Milieus umfasst, die sich nach Alter und Bildung unterscheiden. Im Vergleich der beiden Modelle zeigt sich, dass sie nicht unvereinbar sind, sondern aufeinander bezogen werden können.
Szenen sind thematisch ausgerichtete Lebensstilnetzwerke, die sich vor allem unter jungen
Menschen ausbreiten. Jenseits traditioneller Sozialisationsinstanzen, die viel von ihrer ehemals prägenden Bedeutung verloren haben, bieten Szenen den unverbindlichen und individuellen Erfahrungs- und Erlebnishorizont, den junge Menschen heute suchen. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht sind Lebensstile, Milieus und Szenen in verschiedener Hinsicht relevant. Vier ausgewählte Gesichtspunkte werden angesprochen: Herkunftsmilieus und Bildungsungleichheit, Schule als Ort der Stilsozialisation, soziale Milieus und Weiterbildung,
außerschulischer Kompetenzerwerb." (Autorenreferat)
[91-L] Opaschowski, Host W.:
Welche Werte wirklich wichtig sind - heute und in Zukunft, in: Erich H. Witte (Hrsg.):
Sozialpsychologie und Werte : Beiträge des 23. Hamburger Symposions zur Methodologie der
Sozialpsychologie, Lengerich: Pabst, 2008, S. 131-148, ISBN: 978-3-89967-451-4 (Standort: UB
Siegen(467)-31OCY3424)
INHALT: "Jahrzehntelang hat die westliche Welt die Auseinandersetzungen mit Werten und ethischen Zielen vernachlässigt. Es ist an der Zeit, eine wertorientierte Standortbestimmung vorzunehmen und sich zu fragen, wie die Lebensziele in der Gesellschaft aussehen sollen. Definierte sich bis in die 1970er Jahre ein wachsender Anteil der Bevölkerung noch über den materiellen Konsum, hat sich in den letzten Jahrzehnten immer stärker eine Orientierung an
Selbstverwirklichung und Sinnhaftigkeit im Leben entwickelt. Die Omnipräsenz dieser Werte
in Öffentlichkeit und Medien ('Sintflut der Sintflut') birgt allerdings die Gefahr der Orientierungslosigkeit und der Sinnkrise bei der Suche nach gemeinsamen Werten: Nichts scheint beständig, aber alles beliebig zu sein. Daten des BAT-Freizeit-Forschungsinstitut aus dem Jahr
2006 belegen nun eine beginnende Renaissance bürgerlicher Werte und Tugenden wie Selbstdisziplin, Hilfs- und Verantwortungsbereitschaft. Das Zeitalter des Individualismus der
1980er und 90er Jahre scheint sich daher dem Ende zuzuneigen, die Gesellschaft sich von einer Ellenbogen- zu einer Verantwortungsgesellschaft zu entwickeln. Überaschenderweise machen die 'traditionellen Werte' nicht zulasten der 'modernen Werte' Boden gut, sondern werden mit diesen gemeinsam integriert. Ein zukunftsfähiges Lebenskonzept muss im Sinne dieser Wertesynthese - neben der materiellen Absicherung - die persönliche Freiheit zu einem
selbstbestimmten Leben, die Erfahrung von Halt und Geborgenheit durch ein soziales Netz
sowie Frieden und Toleranz ermöglichende gesellschaftliche Rahmenbedingungen garantieren." (Autorenreferat)
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
71
[92-L] Pelka, Anna:
Jugendmode und Politik in der DDR und in Polen: eine vergleichende Analyse 1968-1989,
(Edition Ost-Mittel-Europa, 1), Osnabrück: fibre Verl. 2008, 334 S., ISBN: 978-3-938400-35-7
(Standort: UB Dortmund(290)-Yb865)
INHALT: "In der Volksrepublik Polen wie in der DDR war Jugendmode eine politische Angelegenheit und ein Indikator der differenzierten Situation in den beiden Gesellschaften. Dabei
treten neben vielen systembedingten Gemeinsamkeiten auch signifikante Unterschiede zu
Tage. Ihre Ursachen liegen nur teilweise in verschiedenen mentalen und kulturhistorischen
Traditionen, in der abweichenden Haltung zu ideologischen Postulaten oder in der besonderen Rolle Westdeutschlands für die DDR. Die Studie untersucht die Entwicklung der Jugendmode in den beiden Ländern in der Zeit zwischen den sechziger Jahren und dem Systemwechsel 1989/90. Dabei wird das Angebot modischer Kleidung für junge Menschen in den jeweiligen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Kontext gerückt. Der Blick auf
das Modebewusstsein der Jugendlichen selbst konterkariert durchgängig die Perspektive der
Macht und mündet in der Frage, ob es nicht am Ende die Jugendlichen selbst waren - und
nicht westliche Vorbilder, staatliche Mode-Ideologen oder einheimische Designer - die die
Jugendmode in beiden Ländern bestimmten." (Autorenreferat)
[93-L] Reichardt, Sven:
Authentizität und Gemeinschaftsbindung: Politik und Lebensstil im linksalternativen Milieu
vom Ende der 1960er bis zum Anfang der 1980er Jahre, in: Forschungsjournal Neue Soziale
Bewegungen, Jg. 21/2008, H. 3, S. 118-130
INHALT: "Die öffentliche Diskussion über die Folgen der 68er-Bewegung leidet unter einer Verengung auf K-Gruppen und die RAF. Jenseits ausgedehnter linkssozialdemokratischer und
gewerkschaftsorientierter Gruppierungen beleuchtet der Beitrag daher das antiautoritäre und
linksalternative Milieu. Im Spiegel zeitgenössischer Umfragen erweist es sich als eine - zumal
für Jugendliche - enorm anziehende und auch zahlenmäßig umfangreiche 'Leitkultur' eigener
Art. Linksalternativität bezeichnet dabei nicht nur eine politische Programmatik. Erst der
Blick auf die Lebenspraxis der Beteiligten erschließt das Phänomen, für das 'Politik in erster
Person', die Veränderung des Alltagslebens sowie eine negative Abgrenzung gegen die etablierte Kultur des Bürgertums kennzeichnend waren. Der linksalternative Habitus kann prägnant mit Motiven wie Betroffenheit und 'Wärme', Provokation und Humor, Spontaneität und
Unmittelbarkeit, Ganzheitlichkeit und Natürlichkeit, Unkonventionalität und Kreativität gefasst werden. Zur Orientierung von Prozessen der Abgrenzung und Selbstveränderung nahm
insbesondere 'Authentizität' einen großen Stellenwert ein. Die ihrerseits nicht unambivalente
Authentizitätskultur lässt sich mit Foucaults Konzept der, Gouvernementalität als Selbstführungstechnik der Subjekte entschlüsseln. Ihre Ausbreitung reagierte auf Sinnlücken und Unsicherheiten einer modernisierten, individualisierten Massengesellschaft, deren Konsummuster,
Medien, Produktions- und Verhaltensformen von den Linksalternativen aufs Korn genommen
wurden, um Freiheitsspielräume und politische Perspektiven zu gewinnen. Allerdings befeuerte eben diese Konsumkultur das Begehren nach Authentizität kräftig mit, was die 68er-Bewegung als ostentative Stilisierung eines sie selbst geschaffen habenden Prozesses erscheinen
lässt." (Autorenreferat)
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
[94-L] Scheiper, Petra:
Textile Metamorphosen als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels: das Bekleidungsverhalten
junger Männer und Frauen als Phänomen der Grenzverschiebung von Sex- und GenderIdentitäten, (VS research), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 198 S., ISBN: 978-38350-7012-7 (Standort: UuStB Köln(38)-35A4199)
INHALT: "Liegt in den textil inszenierten Körperbildern eine tiefer gehende symbolische Aussagekraft, über die Probleme und Tendenzen einer spätmodernen Gesellschaft thematisiert und
kommuniziert werden? Oder sind sie nur ein oberflächlicher ästhetischer Ausdruck einer
kommerzialisierten und medialisierten Jugendkultur? Petra Scheiper analysiert fotografisches
Datenmaterial und berücksichtigt dabei das Konzept der Szene sowie das Habitus-, Mimesisund Performativitätskonzept. Sie arbeitet heraus, inwiefern die textile Metaphorik seismografisch auf gesellschaftliche Veränderungen verweist und welche Rolle die Kleidung in den
Selbstinszenierungen, Körpertechniken und in den Prozessen der Identitätsentwicklung
spielt." (Autorenreferat)
[95-L] Schiffauer, Werner:
Parallelgesellschaften: wie viel Wertekonsens braucht unsere Gesellschaft? ; für eine kluge
Politik der Differenz, (transcript XTEXTE), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 147 S., ISBN: 9783-89942-643-4
INHALT: Der Idee der Leitkultur liegt ein nachvollziehbarer Gedanke zu Grunde: Die Verfassung und das Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland sind vor einem bestimmten kulturellen und religiösen Hintergrund entstanden. Auch wenn sie sich von diesem Hintergrund
gelöst und sich sozusagen universalisiert haben, wird doch die Entstehungsgeschichte noch
mitgetragen - sie drückt sich aus in einem bestimmten Verständnis von Werten wie Gleichheit
oder Freiheit. Der Gedanke, dass jemand mit einem anderen Hintergrund die Normen und
Werte der Verfassung anders konnotiert, ist nicht auszuschließen. Durch die Suche von Kooperationen, Koalitionen, durch das Zugestehen von Freiräumen, durch Anerkennung in Partnerschaften entwickelt sich, so der Verfasser, kulturelle Gemeinsamkeit - man beginnt, zunehmend Begriffe wie "Gleichheit" und "Freiheit" ähnlich zu verwenden, ohne dass es jemals
zu einer Verschmelzung kommen würde. Das zentrale Problem der Leitkulturtheoretiker ist,
so die These, dass sie diesen Prozess des Zusammenwachsens erzwingen wollen. Dies mag
aus der Sorge um den sozialen Zusammenhalt gespeist sein - es ist jedoch zu befürchten, dass
er sich eher kontraproduktiv auswirkt. Zunächst verprellt die Insistenz auf eine Leitkultur gerade die wichtigsten Personengruppen, die eine Brückenfunktion wahrnehmen könnten, nämlich die Mitglieder der zweiten und dritten Generation. Mit der Forderung nach Leitkultur und
dem damit einhergehenden Bekenntnis zu gewachsenen Normen und Werten wird eine Eindeutigkeit abverlangt, die für die Phänomene, die sich im Zwischenraum von Familie, muslimischer Gemeinde und deutscher Gesellschaft entfaltet haben, keinen Raum lässt. Es wird argumentiert, dass das Anliegen, ein über die Gesetze hinausgehendes "Mehr" einzufordern,
prinzipiell mit den verfassungsmäßig garantierten Rechten kollidiert. Von einem Teil der Bevölkerung wird im Namen der Anpassung an die Leitkultur ein Verzicht auf die ihm verfassungsmäßig zustehenden Rechte erwartet und dementsprechend Druck ausgeübt. Der Gedanke einer einzufordernden Leitkultur, so die zentrale These, ist kontraproduktiv: Er wird nicht
das "Ja" zur Gesellschaft herbeiführen, sondern das Gefühl von grundsätzlicher Distanz. Gerade wenn man den Gedanken teilt, dass Kultur eine wichtige Rolle für den Integrationspro-
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1.4 Lebensstile, Werte, Normen
73
zess und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt, ist man gut beraten, den Gedanken
der Leitkultur aufzugeben und ihn durch den Gedanken der kulturellen Vernetzung zu ersetzen. (ICF2)
[96-L] Wortmann, Sabine:
Lebensstilkonflikte sozialer Minderheiten im Berliner Quartiersmanagementgebiet
Schöneberger Norden, Berlin 2008, III, 314 S. (Graue Literatur;
deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=989394549&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=9893945
49.pdf)
INHALT: "Die Arbeit über Lebensstilkonflikte sozialer Minderheiten im Berliner Quartiersmanagement Schöneberger Norden widmet sich einem Konflikt zwischen zwei Gruppen in einem
Quartier. Es handelt sich um die Angriffe vor allem arabischer Jugendlicher gegen Homosexuelle und Einrichtungen von Homosexuellen-Initiativen im Schöneberger Norden. Im Kontext der Diskussion um kulturelle Desintegrationstendenzen steht hier die Frage im Mittelpunkt, wie ein konfliktfreies Zusammenleben von sozialen Gruppen mit extrem unterschiedlichen Auffassungen zur sexuellen Freiheit gelingen kann. Simmels Theorie einer gleichgültigen Toleranz als Garant eines friedlichen Nebeneinanders verschiedener Individuen mit unterschiedlichen Lebensstilen in Großstädten wird als Basiskonzept der Untersuchung angenommen. Lebensstile als Integrationsmomente werden darüber hinaus zum zentralen theoretischen Bezugsrahmen der Arbeit. Die an Fallbeispiele geknüpfte These, dass die Integration
der Stadtgesellschaft im Untersuchungsgebiet nicht länger gelingt, wird in Bezug auf die o.g.
Minderheiten mit Hilfe von Experteninterviews qualitativ überprüft. Die Auswertungen der
Experteninterviews und eines Gruppeninterviews mit arabischen Jugendlichen führt zum Ergebnis, dass das hier zu konstatierende Misslingen des Integrationsprozesses vor allem an
eine stark akzeptierte Gewaltanwendung der sozial benachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund geknüpft ist. Verschiedene niedrig schwellige Angebote zur Förderung wechselseitiger Akzeptanz gewaltfreier Kommunikation der unterschiedlichen Minderheiten folgen der Ergebnisdarstellung." (Autorenreferat)
1.5
Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
[97-L] Beck, Stefan:
Natur - Kultur: Überlegungen zu einer relationalen Anthropologie, in: Zeitschrift für
Volkskunde : Halbjahresschrift der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Jg. 104/2008, Hjb. 2,
S. 161-199 (Standort: UB Bonn(5)-Z55 131)
INHALT: Im Zentrum des Interesses der relationalen Anthropologie steht, so der Verfasser, die
Analyse von "Beziehungen zwischen Beziehungen". Es geht darum, "human and non-human
relations" ethnografisch zu folgen ohne vor wissenschaftshistorisch erzeugten, künstlichen
Grenzen zwischen Physischem und Sozialem zurückzuschrecken. Die Haut bietet sich jedenfalls nicht als geeignete Beobachtungsgrenze an, soll "Körper" zum ethnografischen Gegenstand gemacht werden; hingegen sollte die Analyse der Herstellung dieser Demarkationslinie
und ihre alltagspragmatischen Folgen zum Thema gemacht werden. Das Konzept einer relationalen Anthropologie bezeichnet, so die These, nicht nur, dass Materialität, Sozialität und
74
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
Symbolisches symmetrisch zum Thema gemacht werden müssen, sondern es erfordert auch
eine neuartige, systematisch auf interdisziplinäre Kooperation angelegte Forschungspragmatik, die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Wissenssystemen, Denk- und Forschungsstilen (etwa der Medizin und der Ethnologie) organisiert und fruchtbar macht. Relationale
Anthropologie in diesem Sinne meint, die eigenen Forschungsweisen in Hinblick auf andere
Systeme von Expertise zu rekonzipieren. Solche interdisziplinären Kooperationen im Modus
der Forschung erfordern weiter, dass empirische Materialien, wenn möglich, gemeinsam erzeugt und interpretiert werden und Ergebnisse - nicht nur, aber auch - in gemeinsamen Publikationen zur Diskussion in den jeweiligen Fachkontexten gestellt werden. Nur so kann die
Herausforderung, in Ethnografien zunehmend in das abstrakt organisierte Wissenssystem der
Forschungssubjekte "verwickelt" zu werden, in produktiver Form aufgegriffen werden.
(ICF2)
[98-L] Binder, Beate:
Heimat als Begriff der Gegenwartsanalyse?: Gefühle der Zugehörigkeit und soziale
Imaginationen in der Auseinandersetzung um Einwanderung, in: Zeitschrift für Volkskunde :
Halbjahresschrift der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Jg. 104/2008, H. 1, S. 1-17
(Standort: UB Bonn(5)-Z55 131)
INHALT: Die Autorin plädiert für eine erneute Auseinandersetzung mit dem Begriff und Konzept der Heimat. Gerade weil Heimat so komplex erscheint und mit spezifischen Gefühlslagen und Imaginationen verbunden wird, ist das mit dem Begriff transportierte Konzept geeignet, um aktuelle Problemlagen - insbesondere im Kontext von Einwanderung und Migration in spezifischer Weise in den Blick zu nehmen. Die Autorin zeichnet in ihrem Beitrag die verschiedenen Facetten der Thematisierung von Heimat nach und diskutiert mögliche Forschungsperspektiven für die Europäische Ethnologie/Volkskunde. Sie zeigt, dass das HeimatHaben eine Praxis von Positionierung und Grenzziehung ist, und spricht sich für eine offene,
grenzüberschreitende Konzeptualisierung von Heimat aus, um auch die verschiedenen Praxen
der Beheimatung zu erfassen, welche nicht notwendig an einen bestimmten Ort gebunden ist.
Aus der Perspektive von Mobilität und Migration weist sie ferner auf Verbindungen zu den
Diskursen in den Postcolonial Studies und der Transnationalismus- und Geschlechterforschung hin. (ICI)
[99-L] Butler, Sarah:
Performance, art and ethnography, in: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative
Social Research, Vol. 9/2008, No. 2, 11 S. (nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802346)
INHALT: "Die Geschichte von Performance und Kunst lässt sich vergleichen mit dem Interesse
sozialwissenschaftlicher Forschung an Kulturkritik und Kommentierung. Verfahren und theoretische Anlehnung hierfür findet die Verfasserin in der anthropologischen Feldforschung, die
sie bemüht, um die Performance Salle C der in Montreal ansässigen Künstlerin Olivia Boudreau zu analysieren. Die Erforschung von Performances durch Ethnografie ermöglicht eine
reflexive, kontext- und zeitabhängige Annäherung, die sowohl den Perspektiven der
Künstler/innen als auch der Besucher/innen Rechnung trägt. Es geht dabei um Interpretationen, die nicht auf das traditionelle Feld formaler und materialer Kulturanalysen beschränkt
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1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
75
sind, sondern eine ethnografische Annäherung an Performances und eine performative Wertschätzung von Publikum und Künstler/in beinhalten." (Autorenreferat)
[100-L] Douglas, Mary:
An aesthetic view of the relation between culture and nature, in: Karl-Siegbert Rehberg
(Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 109-124, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: Die Autorin erörtert in ihrer Vorlesung zunächst einige Fragen nach dem Wesen und
Verständnis eines Bias in der Anthropologie sowie die Probleme von wissenschaftlicher Objektivität. Sie wirft anschließend die Frage auf, warum es nicht gelingt, eine starke, weltweite
Bewegung zum Schutz der Umwelt vor globaler Erwärmung zu mobilisieren. Dies verweist
ihrer Meinung nach auf die grundsätzliche Frage, wie Solidarität unter den Menschen ohne
eine damit einhergehende Autorität und Macht möglich ist. Sie berichtet hierzu ausführlich
über das Volk der Pygmäe (Zwergmenschen), die in den Urwäldern des Äquators leben und
in der Region Kasai der Demokratischen Republik Kongo eine Jagdgesellschaft gegründet haben, in denen sich eine starke Solidarität ohne Machtstrukturen beim Kampf gegen die Umweltgefahren herausgebildet hat. Die Autorin diskutiert anhand dieses Beispiels neue ästhetische Methoden und Perspektiven bei der Untersuchung des Verhältnisses von Kultur und Natur. (ICI)
[101-L] Dreher, Jochen:
Über die "natürlichen" Grenzen der Sozialwelt: phänomenologische und philosophischanthropologische Grundlegungen der Soziologie, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur
der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 1143-1156, ISBN: 978-3593-38440-5
INHALT: "Wie viel 'unsoziologische' Natur kann die Soziologie zulassen bzw. inwiefern kann
die Soziologie durch eine Auseinandersetzung mit ihren 'natürlichen' Grundlagen insbesondere mittels Anleihen bei verwandten Disziplinen profitieren? Wie erfolgt die Einteilung unserer menschlichen Wirklichkeit in einen sozialen und nicht-sozialen Bereich? Wie kann sinnvollerweise eine Differenzierung zwischen 'Natur' und 'Kultur' des Menschen vorgenommen
werden und welchen Erkenntnisgewinn erzielt die Soziologie durch eine Berücksichtigung ihrer 'natürlichen' Grundlagen? Mit diesen Fragestellungen befasst sich vorliegender Beitrag anhand der Diskussion bestimmter Positionen der Phänomenologie und philosophischen Anthropologie aus soziologischer Perspektive, wobei insbesondere die Argumentationen von
Edmund Husserl, Helmuth Plessner, Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann
zu Rate gezogen werden. Die entscheidenden Anknüpfungspunkte für eine Bestimmung der
Grenzen der Sozialwelt bilden das phänomenologische Konzept der 'Lebenswelt' sowie der
für die philosophisch-anthropologische Beschreibung der Sphäre des Menschen verwendete
Strukturzusammenhang der 'exzentrischen Positionalität'. Mit dem Begriff der 'Lebenswelt'
werden allgemeine, unveränderliche Strukturen in Bewusstseinsabläufen gekennzeichnet, an
die alles Seiende gebunden ist. Thomas Luckmann vertritt die Ansicht, dass es sich bei den
Grenzen des Sozialen nicht um wesentliche Strukturen der Lebenswelt handelt, so dass bei-
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
spielsweise der Gleichsetzung von 'sozial' und 'menschlich' kein analytischer Status zukommt,
wie etwa der Artikulation der durée (Henri Bergson) oder der universalen Struktur einer faceto-face-Situation. In Luckmanns Kritik an Edmund Husserls transzendentalphänomenologischer Position wird auf das Problem hingewiesen, dass das 'transzendentale ego', in dessen
Bewusstsein die ganze Welt einschließlich des 'alter ego' konstituiert wird, 'heimlich seine
menschliche Qualität beibehält'. Nur das empirische und weltliche Ich könne Menschlichkeit
erlangen; die Menschlichkeit des Ich sei konstituiert und nicht konstitutiv und sie sei darüber
hinaus auf die Menschlichkeit des 'alter ego' gegründet. Die Bedeutung 'Mensch' ist dieser
Argumentation zufolge eine Modifizierung der Bedeutung 'Leib' - Leiblichkeit wird in diesem
Sinne als phänomenologischer Ausgangspunkt für die Bestimmung von Sozial- und Menschenwelt hervorgehoben. Die philosophische Anthropologie Helmuth Plessners verweist mit
der Bezeichnung 'exzentrische Positionalität' auf die Selbstreflexivität des menschlichen Lebenssystems. Dieser Konzeption zufolge hat der Mensch einen Leib und ist zugleich Körper;
der Körper als Zentrum der Positionalität des Menschen hat zudem eine Distanz zum eigenen
Leib, wodurch Selbstreflexivität und Selbstbewusstsein ermöglicht werden. Aufgrund seiner
exzentrischen Lebensform und Ergänzungsbedürftigkeit ist der Mensch dazu gezwungen,
Kultur 'künstlich' im 'tätigen' Vollzug von Handlungen zu schaffen - deshalb kann 'Kultur' als
'zweite Natur des Menschen' betrachtet werden. Für die Bestimmung der Grenzen der Sozialwelt erweist es sich deswegen insbesondere als relevant, dass der Mensch aufgrund seiner 'exzentrischen Positionalität' zum Ausdruck gezwungen ist. Soziologisch gewendet ist er sozusagen, um 'überleben' zu können, auf die Kommunikation mit anderen Menschen angewiesen.
Vorliegende Analyse zeigt nun - ausgehend vom dargestellten anthropologischen Strukturzusammenhang - wie der Mensch als Individuum ausgestattet mit einer Zeichen- und Symbolfähigkeit, die über 'Leib' und 'Ausdruck' erklärt werden kann, Intersubjektivität konstituiert. Gemäß der Überlegungen von Alfred Schütz ist er aufgrund dieser 'natürlichen Voraussetzungen' in der Lage, seine subjektiv festgelegte Lebenswelt als intersubjektive zu konstituieren,
wodurch die Herausbildung sozialer Entitäten, von Kollektiven wie soziale Gruppen, Gemeinschaften oder Gesellschaften, abgeleitet werden kann, die mit Hilfe der Objektivierung
'symbolischen Sinnwelten' (Berger/ Luckmann) ihre Wirksamkeit erhalten. Im Rahmen der
Präsentation wird verdeutlicht, inwiefern explizit soziologische Fragestellungen in Bezug auf
die 'natürlichen' Grenzen der Sozialwelt systematisch erklärt werden können, wenn erkenntnistheoretische Positionen der Phänomenologie und philosophisch-anthropologische Konzeptionen konsultiert werden. Es soll gezeigt werden, dass die 'natürlichen' Grenzen der Sozialwelt vor allem in einer Auseinandersetzung mit den phänomenologischen und philosophischanthropologischen Grundlegungen aus soziologischer Sicht bestimmt werden können, damit
ein Theoriegewinn erzielt werden kann: Die Entwicklung einer soziologischen Symboltheorie, die auf der Basis dieser Überlegungen andeutungsweise erfolgen soll, wird als 'Schlüssel'
einer Definition der 'natürlichen' Grenzen der Sozialwelt unterbreitet." (Autorenreferat)
[102-L] Dücker, Burckhard:
Rituale: Formen - Funktionen - Geschichte ; eine Einführung in die Ritualwissenschaft,
Stuttgart: Metzler 2007, VI, 250 S., ISBN: 978-3-476-02055-0 (Standort: RWTH Aachen(82)Ae1787)
INHALT: Der Verfasser legt einen Entwurf zu einer empirisch ausgerichteten Ritualwissenschaft
vor. Er verweist eingangs auf die hohe Aktualität des Rituellen im öffentlichen Diskurs und
stellt Nachbarbegriffe von Ritual vor (Brauch, Sitte, Fest, Spiel, Zeremonie, Event). Vor die-
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1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
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sem Hintergrund werden zentrale Komponenten der Formung rituellen Handelns vorgestellt
und deren Zusammenwirken am Beispiel des Einschulungsrituals exemplifiziert. Rituelles
Handeln wird als eigener Handlungstyp sui generis begriffen. Die Perspektive erweitert sich
im Folgenden und bezieht die allgemeinen Grundlagen ritueller Handlungen innerhalb von
Kulturen mit ein. Rituelle Handlungsformen werden vorgestellt und typologisch geordnet
(Gabentausch, Initiationsrituale, Militärrituale, Karneval und Rausch). Abschließend wird die
Geschichte der Ritualforschung skizziert und das Konzept einer allgemeinen Ritualwissenschaft und einer Ritualgeschichte wird vorgestellt. (ICE2)
[103-L] Fischer, Norbert:
Landschaft als kulturwissenschaftliche Kategorie, in: Zeitschrift für Volkskunde :
Halbjahresschrift der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Jg. 104/2008, H. 1, S. 19-39
(Standort: UB Bonn(5)-Z55 131)
INHALT: Der Begriff der Landschaft erfährt seit Mitte der 1990er Jahre eine wissenschaftliche
Konjunktur und wird in unterschiedlichen Disziplinen zwischen Geografie, Geschichte und
Gartenarchitektur kontrovers diskutiert, konzeptualisiert und theoretisch neu ausgeleuchtet.
Dem steht jedoch nach Meinung des Autors ein erstaunliches Desiderat in der Volkskunde
gegenüber und es mangelt hier an einer historisch fundierten volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Forschungskategorie "Landschaft". Der Autor thematisiert in seinem Beitrag den
Landschaftsbegriff im neuzeitlichen Wissen, der die Veränderungsprozesse zwischen Stadt
und Land widerspiegelt. Er umreißt ferner die Themen und Konzepte eines offenen Landschaftsbegriffs, welcher neue Erkenntniswege hervorbringt, die mit üblichen Quellen und
Methoden nur schwer zu erfassen sind. Konkrete Untersuchungsobjekte dieses neuen Landschaftsverständnisses sind z. B. City-Center und Shopping Mall, Verkehrsknoten und "Park
and Ride"-Anlagen, Mülldeponien, Gewerbegebiete, Industrie- wie auch Naturbrachen. Als
Artefakte postmoderner Lebenswelten können sie zu den Aktionsradien ihrer Akteure in Beziehung gesetzt werden. Gleichwohl ist in diesem Kontext das historische Reservoir klassischer Landschaftsvorstellungen keineswegs vergessen, denn auch die Produktion von Mikrolandschaften schöpft aus der Schatzkammer des Pittoresken. (ICI2)
[104-L] Geertz, Clifford:
"Deep play" - Ritual als kulturelle Performance, in: Andrea Belliger, David J. Krieger (Hrsg.) 4. Aufl.: Ritualtheorien : ein einführendes Handbuch, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008,
S. 97-115, ISBN: 978-3-531-16109-9
INHALT: Auf Bali hat der Hahnenkampf eine immense Bedeutung. In einer Gesellschaft, in der
Mann und Frau in fast jeder Hinsicht gleichberechtigt sind, stellt der Hahnenkampf eine ausgesuchte soziale Form dar, an der nur Männer teilnehmen und unter sich sind. Sehr viele
Männer halten und pflegen Hähne hingebungsvoll und stellen ihre Tiere zum Kampf. Die
Kämpfe folgen ausgefeilten Ritualen und strengen Regeln. Es zeigt sich, dass in den Kämpfen
Themen wie Stolz, Wut, Männlichkeit und sozialer Status verarbeitet werden - wobei insbesondere der soziale Status ein für Bali sehr wichtiges Thema ist. Offen können diese Themen
im Alltag jedoch nicht behandelt werden; sie werden vielmehr durch ein System komplexer
sozialer Formen ausgeblendet. Der Hahnenkampf bringt so seelische und soziale Tendenzen
der balinesischen Gesellschaft in eine kulturelle Form, erlaubt ihnen einen versteckten Aus-
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1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
druck - und führt den Balinesen dabei Eigenschaften ihrer Gesellschaft vor Augen. Das gesamte Kampfgeschehen ist mit starken Affekten des Stolzes, der Scheu und Demütigung aufgeladen, was noch durch Geldwetten verstärkt wird. Zudem haben die Balinesen eine tiefe
Verachtung für alles Animalische, was sich etwa im Verbot des Babykrabbelns, einem verschämten Umgang mit Essen und einem oft quälerischen Verhalten gegenüber Haustieren
ausdrückt. Der Hahn hingegen ist hochgeschätzt - sofern er im Kampf gewinnt. Im Hahnenkampf drückt sich so auch die Ambivalenz gegenüber dem Animalischen aus. All dies macht
den Hahnenkampf für die balinesische Kultur und Gesellschaft zu einem äußerst wichtigen
Ritual - bringt er doch Kernprobleme dieser Gesellschaft auf den Punkt. (ICB)
[105-L] Hausschild, Thomas:
Ritual und Gewalt: ethnologische Studien an europäischen und mediterranen
Gesellschaften, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 258 S., ISBN: 978-3-518-58491-0
INHALT: Der Sammelband fasst teilweise bereits andernorts publizierte Aufsätze des Verfassers
zusammen, die Rituale, religiöse Ideen, Texte und Kulte sowie magische Praktiken aufspüren
und in Profile des religiösen Habitus einordnen. Um die Hartnäckigkeit des Religiösen in einer scheinbar säkularisierten Welt zu erschließen, wird ein Umweg über Materialien zur mediterranen Folklore beschritten. Basales Feldmaterial aus Süditalien wird mit den "religiösen
Höhenkammliteraturen" aus Judentum und Christentum konfrontiert, um die "Produktion des
Heiligen" zu erhellen. Die Betrachtung von "Ritual, Bild und Trance in mediterranen Religionen" macht Ähnlichkeiten zwischen Volksreligion und Aberglauben in weit voneinander entfernten Gebieten des Mittelmeerraums sichtbar, die von den Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam beherrscht werden. Mediale und rituelle Traditionen der Cosa Nostra finden
sich in rituellen Grundlagen des mediterranen Alltagslebens wieder. Wie im italienischen
Fallmaterial werden regionale und landschaftliche Motive auch in den Spuren einer Ethnographie von al-Qa'ida sichtbar. In einer Betrachtung von Ehrenmorden wird die Kontinuität zwischen migratorischen materiellen Praktiken und in der Migration erworbenen Habitus mit den
"extended case histories" von Gewalt und moralischem Diskurs sichtbar. Abschließend werden Schlussfolgerungen in Hinblick auf Zivilgesellschaftlichkeit einerseits und materielle
Grundlagen von Kultur andererseits formuliert. (ICE2)
[106-L] Kauppert, Michael; Funcke, Dorett (Hrsg.):
Wirkungen des wilden Denkens: zur strukturalen Anthropologie von Claude Lévi-Strauss,
(Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1892), Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 446 S.,
ISBN: 978-3-518-29492-5
INHALT: "Kein anderer Anthropologe hat das Denken des 20. Jahrhunderts so geprägt wie Claude Lévi-Strauss. Seine Arbeiten sind nicht nur interdisziplinär angelegt, sie überschreiten
auch den engeren wissenschaftlichen Rahmen. Ein weltweites Publikum hat fasziniert verfolgt, wie Lévi-Strauss in den Traurigen Tropen die Ethnologie auf einen elegischen Grundton gestimmt, im Wilden Denken die Rationalität des Bastlers rehabilitiert und die Mythologica nach musikalischem Vorbild komponiert hat. Anlässlich seines 100. Geburtstags am 28.
November 2008 würdigen namhafte Autoren aus dem In- und Ausland die Wirkungen seines
Oeuvre auf Zeitgenossen, andere Disziplinen sowie einzelne Problemstellungen und erörtern
dabei auch die Anschlussfähigkeit einer strukturalen Anthropologie an aktuelle Debatten."
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
79
(Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Michael Kauppert, Dorett Funcke: Zwischen Bild und
Begriff - Wildes Denken nach Lévi-Strauss (9-33); Claude Lévi-Strauss: Mythisches Denken
und wissenschaftliches Denken (34-42); Hans von Fabeck: Ursprung und Zukunft des wilden
Denkens - Claude Lévi-Strauss und Maurice Merleau-Ponty (43-64); Hermann Lang: Claude
Lévi-Strauss und Jacques Lacan (65-80); James D. Faubion: Homo absconditus: Levi-Strauss
und Foucault (81-97); Franz Schultheis: Bourdieu und Lévi-Strauss: eine ambivalente Beziehung (98-110); Dietmar J. Wetzel, Silja Thomas: Jacques Derrida und die (un-)möglichen
Gaben der Dekonstruktion (111-138); Emmanuel Désveaux: Lévi-Strauss und das Schicksal
der Anthropologie (139-157); Michael Oppitz: Unter den Plejaden (158-174); Joachim Fischer: Lévi-Strauss und die deutsche Soziologie: Strukturalismus, Philosophische Anthropologie und Poststrukturalismus (175-191); Iris Därmann: Lévi-Strauss und die Philosophie
(192-226); Philippe Descola: Die zwei Naturen bei Lévi-Strauss (227-247); Marcel Hénaff:
Lévi-Strauss und die Frage des Symbolismus (248-274); Erhard Schüttpelz: Der magische
Moment - Mit einem Beitrag von Martin Zillinger (275-303); Axel T. Paul: Zeitreisen - LéviStrauss und die Geschichte (304-334); Boris Wiseman: Struktur und Empfindung (335-363);
Ferdinand Zehentreiter: "Das höchste Geheimnis der Wissenschaften vom Menschen" - Claude Lévi-Strauss' methodologische Huldigung an die Musik (364-380); René Leibowitz: Die
Poesie von Lévi-Strauss (381-394); Dorett Funcke: Die elementaren Strukturen der Inseminationsfamilie (395-322); Michael Kauppert: Das Haus oder "der Knecht meines eigenen
Herrn" (423-444).
[107-L] Kauppert, Michael:
Ein romantisches Gehirn: zum 'cerebral turn' der strukturalen Anthropologie, in: Berliner
Journal für Soziologie, Bd. 18/2008, H. 2, S. 307-333 (Standort: USB Köln(38)-XG07112; Kopie
über den Literaturdienst erhältlich; www.bjs-digital.de/)
INHALT: "Die Ergebnisse der neurobiologischen Forschung werden in der Soziologie bisher vorwiegend in zweierlei Hinsicht diskutiert: normativ, als Frage nach der Handlungsurheberschaft, und methodologisch, als Frage nach deren Relevanz bei der Erklärung sozialen Handelns. Dabei wird oft übersehen, dass der neurobiologische Naturalismus insbesondere die
theoretische Soziologie dazu herausfordert, über (sozial-)ontologische Konstitutionsfragen
Rechenschaft abzulegen. Im Aufsatz wird vorgeschlagen, dass die Sozialtheorie dabei den
Naturwissenschaften von sich aus entgegenkommt. Am Beispiel der strukturalen Anthropologie von Claude Lévi-Strauss wird aufgezeigt, aus welchen Gründen und mit welcher Reichweite diese Forderung eingelöst wird. Zu Beginn wird dargelegt, inwiefern der programmatische Naturalismus bei Lévi-Strauss romantisch motiviert ist. Im Anschluss wird die Frage
verfolgt, inwieweit sich aus dem Gesamtzusammenhang der empirischen Untersuchungsfelder in der strukturalen Anthropologie eine naturalistische Position tatsächlich ableiten lässt.
Im abschließenden Teil wird am Beispiel von Lévi-Strauss die sozialtheoretische Kardinalfrage nach dem Verhältnis von Emergenz und Reduktion diskutiert." (Autorenreferat)
[108-L] Kohl, Karl-Heinz:
Erstbegegnungen: über den Umgang mit Neuem in indigenen Kulturen, in: Merkur : deutsche
Zeitschrift für europäisches Denken, Jg. 62/2008, H. 9 = H. 712, S. 848-858 (Standort: USB
Köln(38)-AP4481; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
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1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
INHALT: Der Autor, Professor der Ethnologie, erörtert die These, dass indigene Kulturen sich
Neuerungen gegenüber keineswegs verschließen. Erklärungsbedürftig bleibt indes, weshalb
sie keine grundlegenden Änderungen der überlieferten sozialen und ökonomischen Verhältnisse zur Folge hatten, während z.B. die Einführung der Kartoffel aus Südamerika in Europa
zu erheblichen ökonomischen und demographischen Umwälzungen führte. Die Ausführungen
umfassen in erster Linie europäische Reise- und Forschungsberichte seit dem 18. Jahrhundert,
wobei vor allem auf die Erlebnisse des britischen Seefahrers und Entdeckers James Cook
(1728-1779) während seiner Südseereisen zurückgegriffen wird. Ferner werden die ethnographischen Befunde von Connolly und R. Anderson über australische Goldsucher in Neuguinea
(1933), der Ansatz des Ethnopsychoanalytikers M. Erdheim sowie die Unterscheidung zwischen 'heißen' und 'kalten' Gesellschaften von C. Levi-Strauss herangezogen. Demnach mag
die Auffassung, dass traditionelle Gesellschaften um Widerstand gegen historische Veränderungen bestrebt sind, dem Selbstbild indigener Kulturen entsprechen. Ihre von Europäern
schriftlich fixierte Geschichte belehrt uns jedoch eines Besseren. Gerade ihre vermeintlich so
fest gefügten Traditionen waren schon immer dem Wandel unterlegen. (ICG2)
[109-L] Koloss, Hans-Joachim:
Traditional institutions in Kembong (Cameroon), (Baessler-Archiv : Beiträge zur Ethnologie ;
N.F. , Beih., 11), Berlin: Reimer 2008, 239 S, ISBN: 978-3-496-02811-6 (Standort: UB Köln(38)16L3009)
INHALT: Der Verfasser legt eine ethnographische Beschreibung einer traditionellen afrikanischen Stammesgesellschaft im Kamerun vor, in der Gemeinschaft einen höheren Wert hat als
der Einzelne. Eine Gemeinschaft, die in Frieden, Harmonie und Einheit mit den Vorfahren
lebt und über Normen und Institutionen verfügt, die mit diesem Ziel übereinstimmen, ist das
traditionelle gesellschaftliche Ideal. Prozesse der Modernisierung haben solche Prinzipien allerdings inzwischen weitgehend zerstört. Der Verfasser beschreibt diese traditionelle Gesellschaft mit ihren Sozialstrukturen und ihrem religiös geprägten Weltbild. Im Mittelpunkt der
Darstellung stehen die Geheimgesellschaften "Akum", vor allem die 32 Mgbe-Logen in Kembong, und die magischen Medizinen "Ajom", vor allem der "Gott der Medizinen", Obasinjom. Außerdem werden Institutionen für Frauen behandelt. Hier geht es vor allem um die Elite-Organisation "Ndem". Abschließend wird die Bedeutung der magischen Masken angesprochen. (ICE)
[110-L] Laukötter, Anja:
Von der "Kultur" zur "Rasse" - vom Objekt zum Körper?: Völkerkundemuseen und ihre
Wissenschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Bielefeld: transcript Verl. 2007, 385 S., ISBN:
978-3-89942-792-9 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2288)
INHALT: "In dieser interdisziplinär ausgerichteten historischen Arbeit soll die Verschiebung eines Argumentationsschemas an den deutschen Völkerkundemuseen sowie den damit verbundenen wissenschaftlichen Disziplinen der Völkerkunde und der Anthropologie im späten Kaiserreich und der Weimarer Republik überprüft werden: von dem der "Kultur" zu dem der
'Rasse'. Es soll aufgezeigt werden, wie und unter welchen Bedingungen Völkerkundemuseen,
Völkerkunde und Anthropologie während der 'kolonialen' und 'postkolonialen' Epoche funktionierten und in welcher Weise die 'fremde Welt' in Publikationen, Ausstellungen und For-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
81
schungen jeweils dargestellt wurde. Dabei sollen soweit als möglich Verbindungen zwischen
diesen Analyseebenen und damit dem Visuellen, Diskursiven und Praktischen aufgezeigt
werden. Die hier ausgewählten Personen, Felix von Luschan (1854-1924) und Georg Thilenius (1868-1937) werden hier als eine repräsentative Figuration des damaligen Völkerkundemuseums und der entsprechenden Wissenschaften begriffen, da sie mit den Völkerkundemuseen in Berlin und Hamburg den bedeutendsten der Zeit vorstanden sowie die wissenschaftliche Debatte nicht nur an den entsprechenden Wissenschaftsstandorten wesentlich mitprägten.
Allerdings sollen keine 'Persönlichkeitsbilder', sondern ihre verschiedenen, miteinander verbundenen Forschungsfelder dargestellt werden. Ebenfalls ist es nicht der Anspruch der Arbeit, die Genese des 'Völkerkundemuseums' schlechthin zu definieren, da davon ausgegangen
wird, dass es mannigfache Ausformungen des Kolonialismus, der Wissenschaft der Völkerkunde oder der Anthropologie gab. Da beide Akteure in einer Zeit wirkten, die durch die verschiedensten Herausforderungen der 'Moderne' (Urbanisierung, Mobilisierung, soziale Differenzierung etc.), durch eine Kriegssituation und ihre Folgen sowie durch einen politischen
Systemwechsel gekennzeichnet war, gilt es zu prüfen, ob auch ihr wissenschaftlicher und musealer Ansatz Entwicklungen durchlaufen hat und im gegebenen Fall, welcher Art diese waren. Ausgangspunkt der Arbeit sind daher folgende Fragen: Wie beantworteten die Protagonisten die Frage nach dem Aufbau der Menschheit vor und nach dem Ersten Weltkrieg, d. h.
in einer kolonialen und in einer nach-kolonialen Situation? Wie suchten sie diese Antworten
jeweils? Aus welchen Ergebnissen leiteten sie sie her und mit welchen Theorien legitimierten
sie sie? Und wie präsentierten sie diese letztlich in den Völkerkundemuseen? Wie verhielten
sie sich gegenüber dem Phänomen der zunehmenden 'Biologisierung des Menschen'? Welche
Antworten fanden sie gegenüber diesen Ansätzen bzw. in welcher Weise gestalteten sie dahingehende Fragestellungen mit? Was waren die Gründe für einen Wandel bzw. für Kontinuitäten in ihrer theoretischen und praktischen Arbeit?" (Autorenreferat)
[111-L] Lindemann, Gesa:
Lebendiger Körper, Technik, Gesellschaft, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der
Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 689-704, ISBN: 978-3593-38440-5
INHALT: "In der Wissenschafts- und Technikforschung steht das Verhältnis von intentional handelnden Menschen und Technik im Mittelpunkt. Natur i.S. der körperlich-organismischen Natur von menschlichen (oder nichtmenschlichen) Primaten-Akteuren kommt nicht vor. Wenn
man diese einbezieht, so ergibt sich eine weitere Komplikation, denn jetzt muss nicht nur das
Verhältnis von Technik und Gesellschaft, sondern darüber hinaus auch das 'Körperlich-Organismische' im Verhältnis zum Technischen und Gesellschaftlichen bestimmt werden. Im Vortrag soll dargelegt werden, dass eine Theorie des Körpers das entscheidende Vermittlungsstück darstellt, das es überhaupt erst erlaubt, Technik und Gesellschaft systematisch aufeinander zu beziehen. Der Grundgedanke dieser These ist so einfach, dass er in der Techniksoziologie implizit als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Sinnhaft handelnde Akteure müssen
verkörperte Akteure sein, ansonsten wäre Technik für sie vollkommen überflüssig. Nur körperliche Akteure benötigen für die schnelle Fortbewegung Maschinen wie etwa Flugzeuge.
Nur physisch ortsgebundene Akteure, benötigen für eine Fernkommunikation technische Arrangements wie das Internet. Auf der Grundlage einer kritischen Auseinandersetzung mit den
Positionen der Wissenschafts- und Technikforschung wird in dem Vortrag eine Theorie des
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
organisch differenzierten Körpers vorgestellt, die sich an die Positionalitätstheorie Helmuth
Plessners anlehnt und empirisch durch eigene Forschungen in der Intensivmedizin und neurobiologischen Forschungslabors gestützt wird. Der in der Soziologie vorherrschende verstehend-interpretative Zugang zum Handeln des verkörperten Akteurs wird unter Bezug auf
Plessners Theorie der Positionalität theoretisch und methodisch zu einem 'Verstehen' des physischen Körpers weiterentwickelt. Im Rahmen einer solchen Theorie lässt sich sowohl die
Differenz als auch das Zusammenspiel des Technischen, des Natürlichen und des Gesellschaftlichen erfassen." (Autorenreferat)
[112-L] Moebius, Stephan:
Über die kollektive Repräsentation des Lebens und des Sakralen: die Verknüpfung von
Durkheim und Nietzsche in Geschichte und Gegenwart der Soziologie und
Kulturanthropologie, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft :
Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006.
Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4673-4683, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Wirft man einen genaueren Blick auf Durkheim und seine Schüler, so stellt man fest,
dass diese nicht - wie vielfach vermutet - reine Antipoden lebensphilosophischen Denkens
sind, sondern rationalitätskritische Elemente der Lebensphilosophie aufnehmen und soziologisch zu überwinden versuchen. Durkheims Begeisterung für Schopenhauer zum Beispiel
ging soweit, dass er von Studenten 'Schopen' genannt wurde. Lebensphilosophische Motive
finden sich ferner in der kollektiven Efferveszenz oder in den von Mauss beschriebenen
Tauschformen des Potlatsch, die Züge des Dionysischen tragen. Noch deutlicher ist die Verbindung zwischen Lebensphilosophie und Durkheimscher Soziologie bei dem DurkheimSchüler Robert Hertz, der ein begeisterter Leser von Friedrich Nietzsche ist. Es ist vor allem
die von Hertz vorbereitete Verknüpfung von Nietzsche und Durkheim-Schule, die die theoretische Basis für die 'Sakralsoziologie' des 1937 von Bataille, Klossowski und den MaussSchülern Caillois und Leiris gegründeten Collège de Sociologie bildet. Diese verfolgen das
Ziel, die vom Zivilisationsprozess zurückgedrängten, aber in den Tiefenschichten des Sozialen noch schlummernden Lebensenergien kollektiver Erregung, die die Durkheim-Schule lediglich in 'primitiven' Gesellschaften untersucht habe, für moderne Vergemeinschaftungsformen (politisch) nutzbar zu machen. Sie interessieren sich insbesondere für die in Durkheims
Soziologie aufblitzenden vitalistischen Momente schöpferischer Lebensgestaltung, wie sie
Nietzsche in seiner Geburt der Tragödie dem Dionysischen zugeschrieben hat. Auch die Zeitschrift des Collège, Acéphale, forciert eine 'Wiedergutmachung Nietzsches', um dessen Denken vor faschistischer Vereinnahmung zu retten. Damit nehmen sie nicht nur die NietzscheRezeption postmoderner Theoretiker (wie Foucault, Deleuze) um Jahrzehnte vorweg, sondern
legen auch die Grundsteine späterer soziologischer Theorien, die an Durkheim und Nietzsche
anknüpfen, wie jüngst die umstrittene Soziologie Maffesolis. Der Vortrag wird die skizzierten
Verbindungen zwischen der Durkheim- und Nietzsche-Rezeption in Geschichte und Gegenwart der Soziologie analysieren und vertiefen." (Autorenreferat)
[113-L] Moser, Johannes:
Volkskundliche Perspektiven, in: Zeitschrift für Volkskunde : Halbjahresschrift der Deutschen
Gesellschaft für Volkskunde, Jg. 104/2008, Hjb. 2, S. 225-243 (Standort: UB Bonn(5)-Z55 131)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
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INHALT: Im Mittelpunkt des Interesses steht die analytische Perspektive der Volkskunde/der Europäischen Ethnologie. Einer der Schlüsselbegriffe, der diese Disziplin auszeichnet, so der
Verfasser, ist jener der Kultur. Dabei wird Kultur als ein Begriff verstanden, mit dem man zu
erklären versucht, erstens wie Menschen Bedeutungen schaffen und ihrerseits wieder von diesen Bedeutungen beeinflusst werden und zweitens wie sie diese Bedeutungen in ihrem täglichen Lebensvollzug - also in der Praxis - bestätigen oder transformieren. Es wird verdeutlicht,
dass es sich um ein Orientierungs- und Handlungssystem handelt, das nicht in Modi von Einheit und Abgeschlossenheit gedacht werden kann. Die Volkskunde/Europäische Ethnologie
mit ihrem ethnografisch-kulturanalytischen Vorgehen soll, so die These, der Komplexität kultureller Phänomene in den europäischen Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart ebenso
nachspüren, wie sie das Denken, Fühlen und Handeln der jeweils untersuchten Menschen in
den Blick nehmen muss. (ICF2)
[114-L] Röschenthaler, Ute; Diawara, Mamadou (Hrsg.):
Im Blick der Anderen: auf ethnologischer Forschung in Mali, (Wissen und Praxis, 147),
Frankfurt am Main: Brandes & Apsel 2008, 166 S., ISBN: 978-3-86099-3 (Standort: UB
Trier(385)-sn49414)
INHALT: "'Der Fremde hat große Augen, aber er sieht nicht viel', sagt ein malisches Sprichwort.
Um dem entgegen zu wirken haben deutsche Ethnologen und Malier gemeinsam geforscht
und sich gegenseitig ergänzt. Im Blick der Anderen zeigt, wie internationale Politik und globale Entwicklungen lokale Lebenswelten beeinflussen. Ein Buch für Studierende der Ethnologie, für an Mali Interessierte sowie für Leser aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Melanie Gärtner: "Milagros in Mali" oder "die
Wahrnehmung des Fremden" (22-47); Kathrin Schreivogl: Finkòrò marayòrò - "Aufbewahrungsort alter Dinge" - Ausstellungen lokaler Museen in ruralen Regionen Malis (48-69);
Lena Kroeker: "Ich war wie eine Schlafwandlerin" - Sonderbehandlung von HIV/ AIDS-Betroffenen in ihrer Familie (70-89); Francis Djomeda: "Der Mittelsmann behält für seinen
Bauch, was uns zusteht." Die Dezentralisierung der Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel des Mangosektors in Mali (90-117); Dörte Rompel: Heimat oder Exil? Identitätsentwicklung und Integration jugendlicher Repatriierter in Sikasso (118-141); Imke Schulte-Löbbert: Rapattaque. HipHop in Mali (142-163).
[115-L] Rust, Rebekka:
Beschneidung im Geheimbund: weibliche Genitalbeschneidung in Sierra Leone aus
kulturwissenschaftlicher Sicht, (Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag. Reihe
Sozialwissenschaften, Bd. 8), Marburg: Tectum Verl. 2007, 168 S., ISBN: 978-3-8288-9453-2
(Standort: UB Heidelberg(16)-2008A2182)
INHALT: Ziel der Untersuchung ist es, ein differenziertes Bild der Komplexität der Tradition der
weiblichen Genitalbeschneidung in Sierra Leone zu zeichnen. Theoretische Referenzpunkte
sind Foucaults Begriffe Diskurs, Macht und Widerstand. Die empirische Basis bilden 58 qualitative Interviews. Zwei Fragestellungen liegen der Untersuchung zu Grunde: (1) Wie funktioniert die Tradition der weiblichen Genitalbeschneidung in ihrer Einbettung in die Bundo
Society und wie ist sie gesellschaftlich verankert? (2) Welchen Aushandlungsprozessen und
Prozessen gesellschaftlichen Wandels ist die Tradition unterworfen und welchen Einfluss ha-
84
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
ben diese Prozesse auf die Stabilität der Tradition? Im ersten Teil der Untersuchung werden
landeskundliche Hintergründe der Tradition der weiblichen Genitalbeschneidung in Sierra
Leone aufgezeigt und entsprechende Praktiken erläutert. Im zweiten Teil wird die Funktionsweise und die Stabilität der Tradition der weiblichen Genitalbeschneidung verdeutlicht und
die weibliche Genitalbeschneidung sowohl in den Geheimbund der Frauen eingeordnet als
auch in ihrer gesellschaftlichen Verankerung dargestellt. Der dritte Teil der Untersuchung behandelt Formen von Widerstand, gesellschaftliche Entwicklungen sowie deren Auswirkungen
auf die Tradition und die Aushandlungsprozesse, die sich zwischen Kritikern und Befürwortern der Tradition ergeben haben. (ICE2)
[116-F] Seidler, Christoph, M.A. (Bearbeitung); Herbert, Ulrich, Prof.Dr. (Betreuung):
Deutsche Ethnologie 1920-1970. Kontinuität und Wandel einer Wissenschaft im internationalen Kontext (im Rahmen der DFG-Forschergruppe zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1920-1970)
INHALT: Die "Völkerkunde" (Ethnologie) wurde in Deutschland etwa um die 1920er Jahre zur
eigenständigen akademischen Disziplin, womit sie aus dem Schatten der Nachbarwissenschaft Anthropologie herauszutreten begann. In der Folgezeit entwickelt die vielerorts von
überzeugten Radikalnationalisten getragene Wissenschaft eine unterschiedlich ausgeprägte,
aber unübersehbare Nähe zur nationalsozialistischen Herrschaftspraxis: so z.B. im Zusammenhang mit den bis 1942 betriebenen Plänen zur "kolonialen Erneuerung" auf dem afrikanischen Kontinent, oder mit Forschungen zu "Umvolkung und Assimilation" in Osteuropa. Der
Neuanfang der Ethnologie nach 1945 steht dabei unter dem Vorzeichen einer ungebrochenen
personellen Kontinuität, die bis in die 1960er Jahre hinein anhält. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Kontinuität und Wandel in der ethnologischen Wissenschaft zwischen 1920 und
1970 - insbesondere nach 1945 - herauszuarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei das Werk der
drei "Größen" der deutschen Nachkriegsethnologie - W.E. Mühlmann, H. Baumann und A.E.
Jensen -, die alle bereits vor 1945 wissenschaftlich herausragend aktiv waren. Kernfrage dabei ist, inwieweit die veränderten politischen Rahmenbedingungen der entstehenden Bundesrepublik auch Veränderungen innerhalb der (deutschsprachigen) Ethnologie evoziert haben.
D.h. inwieweit wurden tradierte Denkfiguren weitergeführt oder modifiziert, wie wirkte sich
die politische Zäsur von 1945 auf das Verhältnis zum Forschungsobjekt der "fremden
Völker" aus, entwickelten sich für die Beteiligten andere Optionen als in den Jahren zuvor?
Durch einen Vergleich mit den Hauptströmungen der US-amerikanischen und britischen "cultural" bzw. "social anthropology" soll dabei die Frage erörtert werden, inwieweit die deutsche
Ethnologie, die sich selbst nach 1945 innerhalb der internationalen Forschergemeinde als
"isoliert" ansah, einen "Sonderweg" gegangen war, worin er evtl. bestanden hatte und ob und
wie der gewünschte "Anschluss" an das internationale Forschungsniveau erreicht werden
konnte. ZEITRAUM: 1920-1970 GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland
ART: ENDE: 2008-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Freiburg, Philosophische Fakultät, Historisches Seminar Lehrstuhl
für Neuere und Neueste Geschichte (Werthmannplatz, KG IV, 79085 Freiburg im Breisgau)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0761-203-9187,
e-mail: [email protected])
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.5 Kulturanthropologie, Ethnologie, Volkskunde
85
[117-L] Wettich, Jana:
Migration und Alter: kulturelle Altersbilder im Wandel, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller
2007, 125 S., ISBN: 978-3-8364-4876-5 (Standort: UB Köln(38)-35A7111)
INHALT: "Obwohl Migration und Alter Themen der Ethnologie sind, wurde die Situation der alternden Migranten in Deutschland innerhalb der gerontologischen Forschung vor allem aus
soziologischer, erziehungswissenschaftlicher, psychologischer und medizinischer Perspektive
untersucht. In diesem Buch werden Migration und Alter, am Beispiel der in Deutschland lebenden älteren Türkinnen und Türken, aus ethnologischer Sicht betrachtet. Im Mittelpunkt
der Forschung steht die Frage, wie sich das Altersbild der Migranten verändert hat. Die Autorin gibt zunächst eine Einführung in die wissenschaftliche Beschäftigung mit Alters- und Migrationsforschung und einen Überblick über die Hintergründe türkischer Arbeitsmigration
und die Situation türkischer Migranten in Deutschland. Vor dem Hintergrund des grundsätzlichen Wandels von Altersbildern im Herkunfts- und Zielgebiet stellt sie den Wandel kultureller Altersbilder von Türkinnen und Türken in Deutschland dar. Die vorhandene Literatur wird
durch Informationen, die in Interviews gewonnen wurden ergänzt." (Autorenreferat)
[118-L] Zakharine, Dmitri:
Kulturell bedingte Differenzen in der Wahrnehmung der Distanz im interkulturellen
Verkehr Ost- und Mitteleuropas, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft
: Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006.
Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 2191-2198, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Der Vortrag geht von der These aus, dass anthropologisch bedingte und kulturell geformte Wahrnehmungsmodi wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten im zeitgenössischen ost-/ westeuropäischen Integrationsprozess eine bedeutsame interaktions- und
kommunikationsrelevante Funktion besitzen. In diesem Zusammenhang stellt sich als erste
die Frage danach, wie sich die Entwicklung der Distanz-Wahrnehmung in Ost- und Mitteleuropa vollzog und wie die Grenzen der Nähe-/ Ferne-Erfahrung im deutschen, angelsächsischen vs. russischen Kulturkontext historisch definiert und gehandhabt wurden. Als zweites
soll überprüft werden, inwiefern die kulturell bedingten Differenzen, die sich auf die Wahrnehmung der Distanz beziehen, eine Erklärung für immer wiederkehrende Verständigungskrisen im interkulturellen Verkehr geben können. Schwerpunktmäßig befasst sich der Vortragende mit der kulturellen Handhabung der sozial-konsultativen Distanz im ost- und mitteleuropäischen Kulturkontext und der Bedeutung des entsprechenden körperlichen Abstandes für
binneneuropäische Integrationsprozesse. Getrennt durch die symbolische Linie der Ladentheke, des Beratungstisches oder des Tresens sprechen heute Käufer und Verkäufer, Versicherungsagent und Kunde, Kneipenwirt und Gast europaweit und auch weltweit auf eine geschäftliche und gleichzeitig sozial-konsultative Distanz miteinander, wobei sie ihre symmetrisch angelegten Annäherungsbemühungen im Rahmen der jeweiligen sozial definierten
'Rolle' deuten und die eigentlichen Geschäftsinteressen dabei latent halten. Die vorzunehmende Untersuchung setzt sich zum Ziel, unterschiedliche Modelle der Wechselwirkung zwischen den wahrnehmbaren Markierungen der Tauschsituationen und dem habitualisierten
Rollenverhalten der Tauschpartner herauszuarbeiten." (Autorenreferat)
86
1.6
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
Kulturindustrie, Kulturpolitik
[119-L] Bayer, Waltraud:
Der legitimierte Raub: der Umgang mit Kunstschätzen in der Sowjetunion, 1917-1938, in:
Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 56/2006, H. 1/2,
S. 55-70 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Oktoberrevolution löste im Kulturbereich die weltweit umfangreichsten Enteignungen aus. Die Verstaatlichungen betrafen primär den Hof, den Adel, das Bürgertum und
die Kirche. Armee, Miliz und Museumsexperten beschlagnahmten privaten Besitz: Kunst,
Antiquitäten, Juwelen, Interieur. Die Bol'seviki legitimierten die Requisition, die den Museen
und den Staatsfinanzen zugute kam, mit der ökonomischen und kulturellen Relevanz für den
Aufbau der neuen Gesellschaft. Das seit Ende der 1980er Jahre zugängliche Archivmaterial
dokumentiert, dass die ideologische Komponente, die Abrechnung mit dem 'Klassenfeind',
von zentraler Bedeutung war. Die Einnahmen aus dem Export der Kulturgüter waren gering.
Heute ist Russland bemüht, den kulturellen Aderlass partiell zu kompensieren: Wertvolles nationales Kulturgut wird zurückgekauft." (Autorenreferat)
[120-L] Berzins, Ivars:
Privatisierung im Kulturbereich: Lettland auf dem Wege vom Staatsapparat zur freien
Kulturlandschaft, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2007, VII, 257 S., ISBN: 978-3-83642317-5 (Standort: UB Greifswald(9)-MG59930B553)
INHALT: "Die Frage nach der Rolle der Kultur im Transformationsprozess in Lettland impliziert
schon die Idee eines politischen Gebrauchs der Kultur. Man soll die parlamentarische Demokratie entwickeln. Derzeit vollzieht sich auch eine zeitgleiche Verwaltungsmodernisierung.
Kultur war Medium und Austragungsort bei der Entwicklung von bürgerlichem Selbstbewusstsein und nationaler Identität sowie Kampfplatz um die politische Hegemonie in Lettland. Eine der größten politischen Herausforderungen des unabhängigen und demokratischen
Lettland wird im 21. Jahrhundert dessen multinationale Gesellschaft sein. Deshalb ist es auch
die wichtigste zukünftige Aufgabe der Gesellschaft, bei aller Verantwortlichkeit des Staates
für die kulturpolitischen Ziele und kulturellen Angebote, zu beweisen, wie flexibel sie sich
zwischen kultureller Identität und zukunftsorientierten Strategien bewegen kann." (Autorenreferat)
[121-L] Börger, Angela:
Corporate social responsibility und Kulturförderung: eine empirische Untersuchung am
Beispiel des Staatsballetts Berlin, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2007, 123 S., ISBN: 9783-8364-2889-7 (Standort: UB Frankfurt am Main(30)-8855128)
INHALT: "In Deutschlands Chefetagen erklingt das Hohelied auf die Zivilgesellschaft. Von Corporate Social Responsibility ist die Rede, der Verantwortung der Konzerne für das Gemeinwesen. Meist konzentriert sich das Engagement der Unternehmen auf geschäftsnahe Bereiche
wie den Umweltschutz oder das Gesundheitswesen. Doch wie steht es mit der Förderung von
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
87
Kultur aus? Die Autorin Angela Börger gibt einen Überblick über wesentliche Merkmale des
Kulturbereichs in Deutschland und beschreibt Motive und Maßnahmen für Kulturförderung
im Rahmen von Corporate Social Responsibility-Engagement. Die Thesen der Arbeit untersucht sie mithilfe einer qualitativen und quantitativen Befragung 30 namhafter Unternehmen.
Am Praxisbeispiel des Staatsballetts Berlin leitet sie praxisrelevante Empfehlungen und Maßnahmen ab, wie das Ballettensemble Kooperationen mit der Wirtschaft eingehen kann. Das
Buch richtet sich an Entscheidungsträger im Bereich Kunst und Kultur, Manager engagierter
Unternehmen und CSR-Spezialisten." (Autorenreferat)
[122-L] Braune-Steininger, Wolfgang:
Germanistische Perspektiven der deutschen auswärtigen Kulturpolitik seit 1945: historischdiskursive Studien zu einem Thema der Zukunft, in: Zielsprache Deutsch : eine internationale
Zeitschrift für Deutsch als Fremdsprache, Jg. 34/2007, H. 3, S. 3-10 (Standort: USB Köln(38)EWA-Z2252)
INHALT: "Erst in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Wechselwirkungen zwischen der Germanistik und der deutschen auswärtigen Kulturpolitik zu einem weithin beachteten Thema im Wissenschaftsdiskurs geworden. Neben der historischen Darstellung der Beteiligung von Germanisten an außenkulturpolitischen Programmen der Mittlerorganisationen
ist eine Theoriebildung der auswärtigen Kulturpolitik in germanistischer Perspektivierung nötig. Als Quellentexte sollten die Reden von Akteuren der Kulturdiplomatie (u.a. Präsidenten
und Kulturamtsleiter im Auswärtigen Amt) intensiver genutzt und die Programmatik der
Mittlerorganisationen auf ihre Zielsetzungen hin erforscht werden. Leitende Fragestellungen
sind die nach dem Bestand eines literarischen Kanons in der auswärtigen Kulturarbeit, der
Bedeutung der deutschen Sprache und der kulturpolitischen Funktionalisierung der Germanistik. Um am Dialog der Kulturen wirksam teilnehmen zu können, muss die Germanistik ihr
disziplinäres Selbstverständnis ändern: von der Nationalphilologie zur interkulturellen Wissenschaft." (Verlag, adapt.)
[123-L] Dorscheid, Sabine:
Staatliche Kunstförderung in den Niederlanden nach 1945: Kulturpolitik versus
Kunstautonomie, (Studien zur Kulturpolitik, Bd. 3), Frankfurt am Main: P. Lang 2005, 284 S.,
ISBN: 3-631-52905-8 (Standort: UB Wuppertal(468)-35AFMN100)
INHALT: "Am Beispiel der Niederlande erläutert die Studie Probleme, die durch starke Eingriffe
staatlicher Kunstpolitik entstehen können. Seit Ende der 1980er Jahre setzen die Niederlande
auf eine inhaltlich lenkende Förderpolitik. Das Kulturministerium strukturiert seitdem die
staatliche Kunstförderung anhand von Vierjahresplänen, die neben Haushaltsvorgaben auch
gesellschaftspolitische Zielsetzungen für die zu fördernde Kunst umfassen. Diese Trendwende war eine Reaktion auf die jahrzehntelange breitgestreute Förderung ohne inhaltliche Vorgaben, die zwar eine hohe Quantität von Künstlern, jedoch vergleichsweise wenig Qualität
hervorbrachte. Bei der heute praktizierten Einforderung gesellschaftsrelevanter Kunst diagnostiziert die Arbeit ein neues Risiko: die Einschränkung der Kunstautonomie." (Autorenreferat)
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1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
[124-L] Fehervary, Helen; Fischer, Bernd (Hrsg.):
Kulturpolitik und Politik der Kultur: Festschrift für Alexander Stephan, (German life and
civilization, Vol. 47), Oxford: P. Lang 2007, 489 S., ISBN: 978-3-03911-076-6 (Standort: UB
Heidelberg(16)-2008A5038)
INHALT: "Dieser Band ist Alexander Stephan gewidmet und spiegelt dessen wissenschaftliche
Interessengebiete und Leistungen wider. Das Buch enthält Aufsätze von führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Politik und Kultur deutsch-amerikanischer Beziehungen sowie zur Tradition der Kulturvermittlung. Die Themen reichen von der aktuellen Politik, Kulturdiplomatie und Amerikanisierung bis zur historischen Auseinandersetzung mit
mitteleuropäischen Künstlern und Schriftstellern, die als Intellektuelle einen wesentlichen
Einfluss auf die Kulturpolitik der 20er Jahre und auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
ausübten." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Volker R. Berghahn: U.S. Cultural Diplomacy and the Ford Foundation during the Cold War: Fighting Totalitarianism and Fighting AntiAmericanism (17-37); John Mueller: Extrapolations from a Book about Nothing (39-45); Richard Ned Lebow: Sarastro, Meet Mao Zedong (47-54); Dorothy Noyes: Cultural warming?
Brazil in Berlin (55-75); Paul Michael Lützeler: Germany today, or the Atlantic dream (7793); Edith Wenzel, Horst Wenzel: Rückkehr ins Mittelalter? Zum 'Heiligen Krieg' aus mediävistischer Perspektive (95-111); Bernd Greiner: Die Dritte Linie: Der Schriftsteller Don DeLillo als Historiker (113-122); Jörn Rosen: Strukturwandel der kulturellen Öffentlichkeit:
Folgen für die Kulturpolitik (123-136); Hans Berkessel: Rechtsextremismus im Alltag: Erscheinungs- und Ausdrucksformen der rechten Subkultur und ihre Wirkung auf Jugendliche
(137-154); Mo-Di: Wahre Geschichten aus dem westchimesischen Literaturbetrieb (19501980) (155-165); Therese Hörnigk: Christa Wolf: Leibhaftig (169-173); Hannes Krauss: Was
ist geblieben? Rückblicke auf einen (Literatur-)Streit (175-190); Sonja Hilzinger: 'Prinzip
Hoffnung': Biblische Motive im Werk von Christa Wolf (191-209); Dieter Sevion: Frauenschicksal und Schreibprozess in Ost und West: Christa Wolfs Nachdenken über Christa T.
und Peter Handkes Wunschloses Unglück (211-220); Kathleen L. Komar: Exiles in their own
lands: women writers and linguistic exclusion (221-235); Anne Saint Sauveur-Henn: Exil als
Fluch und Chance? Am Beispiel Lenka Reinerovas (237-250); Wolfgang Nehring: Tschechisch, böhmisch, zentraleuropäisch - unsterblich: wohin gehört Milan Kundera? (251-262);
Heinz Ludwig Arnold; Hans Magnus Enzensberger: Notiz zu einem Intellektuellen (263266); Siegfried Mews: Brecht's posthumous fame and its consequences: Charles L. Mee's The
Berlin Circle (267-280); Jürgen Scheberah: Hanns Eislers Hollywood-Filmmusiken - wirklich
nur 'Brotarbeit'? (281-296); Ian Wallace: The unadulterated truth? Feuchtwanger's Der Teufel
in Frankreich and the Literature of Internement (297-311); Wulf Koepke: Eine Kritik von
Mein Kampf und die Folgen: Lion Feuchtwangerund Adolf Hitler im Kampf um die deutsche
Sprache (313-322); Steven P. Remy: Hans Habe, Stefan Heym, and Guy Stern as 'Citizen
Soldiers' and Cultural Mediators (323-339); Guy Stern: The American legacy of Kurt Weill:
spotlight an street scene (341-356); Sigrid Thielking: Reisen, Lesen, Aufschreiben: Thomas
Manns Essay Meerfahrtmit Don Quijote (357-372); Erhard Schütz: 'Freiheit des Einzelnen in
dieser Welt': Historischer Kontext und ästhetische Folge - Texte zu Ernst Jüngers Gestalt des
'Waldgängers' (373-390); Sigrid Bock: Anna Seghers, Schreibende Hausfrau und Mutter: die
ersten Ehejahre (391-415); Frank Hörnigk: Die Entdeckung der ästhetischen Moderne: eine
neue Lektüre des 'Grischa'-Romans von Arnold Zweig (417-437); Alan Keele, Leslie Norrisa:
Translation of Goethe's 'Mahomets Gesang' (439-441); Thedore Ziolkowski: Der Stein des
Nachdenkens (443-456); Jochen Vogt: Unlikely company: Brecht and Dante (457-472).
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1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
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[125-L] Heßler, Martina; Zimmermann, Clemens (Hrsg.):
Creative urban milieus: historical perspectives on culture, economy, and the city, Frankfurt
am Main: Campus Verl. 2008, 435 S., ISBN: 978-3-593-38547-1 (Standort: UB Köln(38)35A5933)
INHALT: "Recently there has been excited debate centering on 'creative milieus', the 'creative
class' (Richard Florida), the 'creative City' (Charles Landry) or the 'cultural economy' (Allen
Scott), which are Said to stand for a renaissance of urbanity. This debate is the starting point
for an international and interdisciplinary collection of papers which seeks to explore the historical dimension to the relationship of culture and the economy in towns and cities. The contributors discuss 'cultural economies' and 'creative industries' from the 16th century to the present day from a comparative international perspective. They write about London, Venice,
Berlin, Helsinki and many other cities. In this way - thanks to its historical dimension - the
volume will contribute to a deeper understanding of the cultural economy." (author's
abstract). Contents: Martina Heger, Clemens Zimmermann: Introduction: Creative Urban Milieus - Historical Perspectives on Culture, Economy, and the City (11-40); Clemens Zimmermann: The Productivity of the City in the Early Modem Era: The Book and Art Trade in Venice and London (41-76); Peter Borsay: Invention, Innovation, and the "Creative Milieu" in
Urban Britain: The Long Eighteenth Century and the Birth of the Modern Cultural Economy
(77-100); Simon Gunn: "How Manchester is Amused": The Cultural Economy of the Industrial City, 1860-1920 (101-118); Sandra Schürmann: Advertisers, Commercial Artists, and
Photographers in Twentieth Century Hamburg (119-136); Habbo Knoch: Life on Stage:
Grand Hotels as Urban Interzones around 1900 (137-158); Christopher Breward, David Gilbert: Anticipations of the New Urban Cultural Economy: Fashion and the Transformation of
London's West End, 1955-1975 (159-178); Jörn Weinhold: Port Culture: Maritime Entertainment and Urban Revitalisation, 1950-2000 (179-208); Jan Andreas May: "Queen of the Arts"
- Exhibitions, Festivals, and Tourism in Fascist Venice, 1922-1945 (209-228); Thomas Höpel: Economic Effects of Urban Cultural Policy in the Interwar Period in France and Germany (229-254); Jill Steward: The Attractions of Place: The Making of Urban Tourism, 18601914 (255-284); Giacomo Bottà: Urban Creativity and Popular Music in Europe since the
1970s: Representation, Materiality, and Branding (285-310); Martina Heer: Science Cities,
Creativity, and Urban Economic Effects (311-334); Marjatta Hietala: Helsinki - Examples of
Urban Creativity and Innovativeness (335-352); Gert-Jan Hospers: What is the City but the
People? Creative Cities beyond the Hype (353-378); Birgit Metzger: Creative Milieus: Concepts and Failures (379-408); Alexa Färber: Flourishing Cultural Production in Economic
Wasteland: Three Ways of Making Sense of a Cultural Economy in Berlin at the Beginning
of the Twenty-first Century (409-428).
[126-L] Höpel, Thomas:
Von der Kunst- zur Kulturpolitik: städtische Kulturpolitik in Deutschland und Frankreich
1918-1939, (Beiträge zur Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung, Bd. 7), Stuttgart: Steiner
2007, 516 S., ISBN: 978-3-515-091
INHALT: "In den zwei Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg durchlief die Kulturpolitik einen
tiefgreifenden Wandel - angetrieben durch die Demokratisierung, die sich ausbreitende Populär- und Massenkultur und das vergrößerte Freizeitangebot in der Stadt. Dabei bildeten sich
auch die Vorläufer der seit den 1960er Jahren in (West-) Deutschland wie Frankreich verfolg-
90
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1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
ten 'neuen', d.h. aktiv gestaltenden, partizipativen und integrativen Kulturpolitik heraus, die
transparente Bewertungskriterien und politisch-rationale Entscheidungsverfahren erfordert,
um die relativ hohen Ausgaben der öffentlichen Haushalte für 'Kultur' zu rechtfertigen." (Autorenreferat)
[127-L] Hüneke, Andreas:
Verhöhnt - verkauft - vernichtet: die "Entartete Kunst" und die Radikalisierung der NSKunstpolitik, in: Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik,
Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und
Südosteuropa, Jg. 56/2006, H. 1/2, S. 223-234 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über
den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Nach anfänglichen Unklarheiten bezüglich der Richtung der NS-Kunstpolitik, die aus
dem Machtkampf der Führungskräfte resultierten und manche illusorische Hoffnung aufkeimen ließen, verschärfte sich der Kurs seit 1936 zu einer radikalen Ablehnung aller modernen
Strömungen. Den propagandistischen Höhepunkt bildete die Ausstellung 'Entartete Kunst' in
München 1937. Weit folgenreicher waren jedoch Beschlagnahme, Verkauf und teilweise Vernichtung von fast 20.000 Kunstwerken in den folgenden Jahren." (Autorenreferat)
[128-F] Ittstein, Daniel (Bearbeitung); Stampfl, Inka, Prof.Dr. (Betreuung):
Potenziale der Musik als strategisches Instrument auswärtiger Kultur- und Bildungspolitik
am Beispiel der deutsch-indischen Beziehungen
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland, Indien
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Passau, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Musikpädagogik
(94030 Passau)
KONTAKT: Institution (Tel. 0851-509-2882, Fax: 0851-509-2886,
e-mail: [email protected])
[129-L] Kleinsteuber, Hans J.:
'Deutsche Welle' und 'German TV' in den USA: Auswärtige Kulturpolitik auf einem
schwierigen Markt, in: Josef Raab, Jan Wirrer (Hrsg.): Die deutsche Präsenz in den USA,
Münster: Lit Verl., 2008, S. 451-478, ISBN: 978-3-8258-0039-0 (Standort: UB Duisburg(464)E11BOMC1094)
INHALT: Der Beitrag untersucht, welche Initiativen die deutsche auswärtige Kulturpolitik in den
letzten Jahren ergriffen hat, um auf dem amerikanischen Medienmarkt präsent zu sein. Im
Mittelpunkt stehen die Bemühungen um die Etablierung des 24-h-Programms German TV
von ARD/ZDF/DW, ein deutschsprachiger Auslandskanal, der seit April 2002 als Pay-TV in
den USA präsent ist. Im Jahre 2004 erhielt er seine Lizenz für Kanada und wird inzwischen
auch in Lateinamerika vermarktet. Gleichwohl ist die Resonanz auf dem amerikanischen
Markt auf dieses Angebot bisher eher verhalten, angestrebte Verkaufszahlen wurden nicht erreicht. Seit Sommer 2004 wird vehement der Abbruch des Projekts gefordert. Zur Vorgeschichte dieses Projekts wird einleitend die bisherige mediale Präsenz Deutschlands auf dem
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
91
US-amerikanischen Rundfunkmarkt über den Auslandssender Deutsche Welle (DW) dargestellt. Darauf folgt die Vorgeschichte und der gegenwärtige Stand von German TV. Die Darstellung endet mit dem Versuch, einige Gründe dafür zu benennen, warum dieses Projekt in
unruhige Fahrwasser geraten ist. Der Autor resümiert: "Ein Land, das sich gern als 'Exportweltmeister' etikettiert und eine breit angelegte und kostspielige auswärtige Kulturpolitik betreibt, scheitert jämmerlich bei der Errichtung einer inzwischen weit verbreiteten Einrichtung,
einem TV-Auslandskanal". (ICA2)
[130-L] Liu, Haifang:
China-Africa relations through the prism of culture: the dynamics of China's cultural
diplomacy with Africa, in: China aktuell : Journal of Current Chinese Affairs, Vol. 37/2008, No.
3, S. 9-44
(/eu.clickandbuy.com/newauth/premium-6vfux8c81fyg9j.eu.clickandbuy.com/ca-2008-03-StudieLiu_Haifang.pdf$$$www.giga-hamburg.de/index.php?file=cha_0803.html&folder=publikationen/
archiv/ch_aktuell)
INHALT: "Chinas Gebrauch von Kulturdiplomatie geht fast bis in die Gründungszeit der Volksrepublik China zurück. Damit handelt es sich nicht um eine Neuerfindung der chinesischen
Regierung in den letzten Jahren, wie ein populärer Mythos suggeriert, der Chinas Engagement in Afrika im Rahmen einer 'großen geopolitischen Strategie' lokalisiert. Die vorliegende
Studie liefert zunächst ein tieferes Verständnis von Chinas Diplomatie und Chinas Afrikapolitik im historischen Kontext und diskutiert ausführlich die Rolle von Kulturdiplomatie als
Wegbereiter und anhaltendem Instrument von Außenpolitik. Die zweite Hälfte des Aufsatzes
konzentriert sich auf gegenwärtige Fälle von Kulturdiplomatie und erklärt die Hintergründe
und Funktionen dieser prominenten Beispiele. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Kulturdiplomatie eine nützliche Perspektive darstellt, um die sino-afrikanischen Beziehungen in
ihrem eigentlichen Wesen zu erfassen, und dass das Erforschen der Kulturdiplomatie den
richtigen Weg darstellt, um die diplomatische Kultur zu erkunden, wie sie von der chinesischen Regierung praktiziert wird." (Autorenreferat)
[131-L] Makropoulos, Michael:
Architektur und Konsum als Medien objektvermittelter Vergesellschaftung, in: Karl-Siegbert
Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 3942-3951, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Eine weitere Besonderheit konsumvermittelter Vergesellschaftung ist der Bezug auf
Objekte, jedenfalls wenn es sich im klassischen Sinne um materielle Güter, also Waren handelt, was zumindest in historischer Perspektive lange Zeit ausschlaggebend gewesen ist. Das
charakteristische und kulturkritisch oft hervorgehobene Moment der Unverbindlichkeit des
Konsums erwächst aus der Warenform, also der Dekontextualisierung der Konsumobjekte,
die somit auf Märkten disponibel werden. Aber auch die von der Soziologie früh bemerkte
symbolische Dimension des Konsums (aus der soziale Mechanismen wie Mode oder Distinktion abzuleiten sind) ist objektvermittelt: Es sind die konsumierten oder begehrten Objekte,
welche sozial wirksam werdende Bedeutungen transportieren. Vor diesem Hintergrund steht
in Michael Makropoulos' Vortrag der Vergleich des Konsums mit einem weiteren, für die
92
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
Moderne charakteristischen Medium objektvermittelter Vergesellschaftung - der Architektur." (Autorenreferat)
[132-L] Mittag, Jürgen (Hrsg.):
Die Idee der Kulturhauptstadt Europas: Anfänge, Ausgestaltung und Auswirkungen
europäischer Kulturpolitik, Essen: Klartext-Verl. 2008, 240 S., ISBN: 978-3-89861-960-8
(Standort: UB Bochum(294)-DYB5785+1)
INHALT: "Seitdem 1985 Athen zur ersten Kulturhauptstadt Europas gekürt wurde, hat die Kulturhauptstadtinitiative der Europäischen Union ständig an Popularität und Profil gewonnen.
Was einst als Instrument europäischer Identitätsstiftung mit einem Sommerfestival begann, ist
längst zum wichtigen Imagefaktor für die beteiligten Städte, vielfach sogar zum Investitionsprogramm für urbane Räume geworden. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten sowohl historische Vorläufer und Ursprünge der Kulturhauptstadtidee als auch die Ausgestaltung der Initiative im Zeitraum zwischen 1985 und 2010. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die politische und programmatische Entwicklung gelegt, die das Konzept in seinem ersten Vierteljahrhundert genommen hat. Verbunden damit ist die Frage nach dem grundlegenden Potenzial, das Kultur als Triebfeder von Wandel entfalten kann." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Jürgen Mittag: Einleitung: Die Kulturhauptstadt Europas (9-18); Lorenz Richter: Die
Kunstausstellungen des Europarats: Kunst und Kultur als Basis europäischer Identität seit den
1950er Jahren (19-54); Jürgen Mittag: Die Idee der Kulturhauptstadt Europas: Vom Instrument europäischer Identitätsstiftung zum tourismusträchtigen Publikumsmagneten (55-96);
Kathrin Oerters: Die finanzielle Dimension der europäischen Kulturhauptstadt: Von der Kulturförderung zur Förderung durch Kultur (97-124); Elisabeth Mettler: Nachhaltige Effekte
oder Strohfeuer für ein Jahr? Die Kulturstadtjahre Glasgow 1990, Luxemburg 1995 und Weimar 1999 (125-143); Gudrun Quenzel: Repräsentationsformen und Konstruktionsprozesse europäischer Kultur: Nationales Erbe und europäische Zukunft in den Kulturhauptstädten Salamanca 2002 und Graz 2003 (145-166); Jörg-Uwe Nieland: Europa braucht Kultur - braucht
die Kultur Europa? Beobachtungen und Anmerkungen zur medialen Wahrnehmung des Kulturhauptstadtjahres 2007 der Großregion Luxemburg (167-189); Gregor Betz: Von der Idee
zum Titelträger: Regionale Kooperationsprozesse des Ruhrgebiets bei der Bewerbung zur
Kulturhauptstadt Europas 2010 (191-213); Jörn Rüsen: Europäische Identitätsbildung durch
Kultur? Die Rolle der Kultur für die europäische Erinnerung (215-228).
[133-L] Sánchez de la Barquera Arroyo, Herminio:
Die Föderalisierung der Kulturpolitik in Mexiko: Deutschland als Modell?, Heidelberg 2008,
252 S. (Graue Literatur;
deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=989470660&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=9894706
60.pdf)
INHALT: "Es geht um den Föderalisierungsprozess der mexikanischen Kulturpolitik und um die
Frage, ob das deutsche Modell als Orientierungspunkt dienen könnte. Die Kontext-Variablen
beider Bundesrepubliken werden untersucht und verglichen. Auch die politischen Voraussetzungen werden erörtert, die einen Transfer ermöglichen könnten. Das deutsche kulturpolitische Modell hat sich aber nicht als 'exportfähig' erwiesen, vor allem wegen der sehr unterschiedlichen Kontextfaktoren beider Länder." (Autorenreferat)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
93
[134-L] Schanze, Wolfgang:
Die Entwicklung der kulturellen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland
von 1945 bis zur Gegenwart, (Europäische Hochschulschriften. Reihe 3, Geschichte und ihre
Hilfswissenschaften, Bd. 1054), Frankfurt am Main: P. Lang 2008, 240 S., ISBN: 978-3-63157313-6 (Standort: UB Bonn(5)-2008/3940)
INHALT: Der Verfasser stellt die kulturellen Beziehungen zwischen den Niederlanden und der
Bundesrepublik Deutschland seit 1945 in sechs Phasen dar. Die erste Phase umfasst die Jahre
bis 1951 und ist auf niederländischer Seite vom Wunsch nach "Wiedereinschaltung" Deutschlands, aber auch von Kompetenzstreitigkeiten geprägt. Die zweite Phase bis 1961/62 war eine
Phase der blockierten bilateralen Zusammenarbeit, belastet durch die nicht gelösten Probleme
der "Generalbereinigung". In der dritten Phase (bis 1968/70) standen der Aufbau kultureller
Beziehungen auf institutioneller Basis, Sprachförderung und Jugendaustausch im Mittelpunkt. Die vierte Phase (bis 1979) war durch eine kulturpolitische Umorientierung auf beiden
Seiten, einen erweiterten Kulturbegriff und den Ausbau der grenzüberschreitenden soziokulturellen Zusammenarbeit gekennzeichnet. In der fünften Phase (bis 1989) kam es zu einer
Normalisierung und Ökonomisierung der Kulturpolitik; medien- und alltagskulturelle Kontakte gewannen an Bedeutung. Seit 1990 beteiligten sich die Niederlande am kulturellen Aufbau in den neuen Bundesländern. Nach dem Schock der Clingendael-Studie, die ein Wiedererwachen antideutscher Ressentiments unter der niederländischen Jugend zeigte, wurden
Maßnahmen zur Verbesserung der bilateralen Kulturbeziehungen ergriffen. Insgesamt wertet
der Verfasser die kulturellen Beziehungen zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland als "im besten Sinne normal". (ICE2)
[135-F] Scherstjanoi, Elke, Dr. (Bearbeitung):
SED-Kulturpolitik 1961-1989
INHALT: Das Projekt untersucht - konzentriert auf die Konflikte 1963/65, 1976 und 1989/90 die Veränderungen in der SED-Kulturpolitik, hier auf 'Kunstpolitik' beschränkt. Es beschreibt
weltanschauliche, ideologische und tagespolitisch-taktische Erwägungen kulturpolitischer Instanzen in der DDR sowie Wandlungen im spannungsreichen Umgang der Machthaber mit
den Künstlern. In einer ersten Arbeitsphase wird nach sowjetischen Einflüssen auf die Kulturpolitik im Ostblock gefragt, danach geht es um nationale Eigenheiten und deutsch-deutsche
Wechselwirkungen, schließlich um das reale Entwicklungspotential einer langsam schwindenden Interessenidentität zwischen kommunistischen Herrschaftsträgern und sozialistischen
Intellektuellen (speziell Künstlern) in der DDR. Die Untersuchung soll verschiedenartige
Teilergebnisse bringen, neben Aufsätzen vor allem Dokumenteneditionen. Sie nimmt sowjetische Einschätzungen kulturpolitischer Entwicklungen in den sogenannten Bruderländern und
den herrschaftsbezogenen Meinungsaustausch dazu in den Blick. Sie dokumentiert zugleich
die Bemühungen um internationale Akzeptanz sowjetischer Kunst und Kultur. Die in die vergleichsweise liberale chruschtschowsche Kultur- und Außenpolitik eingebundenen Bestrebungen der Hegemonialmacht nahmen seinerzeit eine widerspruchsvolle Entwicklung und
schlugen 1968-70 endgültig in eine neue 'Kultur-Eiszeit' um. Es bestätigt sich, dass die sechziger Jahre für die Kulturpolitik des Ostblocks eine besondere Phase darstellten, der als solcher noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Kenntnis der Details ist notwendige Voraussetzung für eine spätere Betrachtung der spezifischen Konflikte in der DDR. ZEIT-
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
RAUM: 1961-1990 GEOGRAPHISCHER RAUM: DDR, Bundesrepublik Deutschland,
UdSSR
VERÖFFENTLICHUNGEN: Scherstjanoi, Elke: Kulturpolitik im Ostblock. Die 60er Jahre (geplant).
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Institut für Zeitgeschichte -IfZ- Abt. Berlin (Finckensteinallee 85-87, 12205
Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 030-843705-34, e-mail: [email protected])
[136-L] Schölzig, Krista:
Öffentliche Kulturförderung in Deutschland und den USA: ein Vergleich vor dem
Hintergrund leistungsstaatlicher und gewährleistungsstaatlicher Modelle, Frankfurt am
Main: P. Lang 2007, 261 S., ISBN: 978-3-631-56045-7
INHALT: Die jahrelange Knappheit der Finanzmittel bleibt nicht ohne Folgen für die Strategien
der Kulturförderung in Deutschland: Ist vor diesem Hintergrund eine Angleichung zwischen
US-amerikanischer und deutscher Politik in diesem Bereich feststellbar? Die Autorin unterscheidet den gewährleistungsstaatlichen vom leistungsstaatlichen Ansatz und identifiziert den
ersten in der US-amerikanischen und den zweiten in der deutschen Kulturpolitik: Der Hauptunterschied besteht in der Frage, ob dem Staat die Kompetenz zugebilligt wird, wie in
Deutschland das 'Was' der Kulturpolitik - letztlich also das Gemeinwohl - zu definieren, oder
ob auf einem zugrunde liegenden weiteren Kulturbegriff eher das 'Wie' in den Vordergrund
rückt, wie in den USA. Die Entscheidung für das gewährleistungsstaatliche Modell als nachahmungswürdige Strategie wird von der Autorin zuvörderst auf der Grundlage finanzpolitischer Überlegungen getroffen, da in der praktischen Konsequenz die Einbindung privaten Engagements stärker in den Vordergrund rücke. Der ausführlichen Identifizierung der deutschen
Kulturförderung als leistungsstaatlich organisiertes Politikfeld folgt der Vergleich mit den
USA in unterschiedlichen Bereichen von historischer Entwicklung über steuerrechtliche Anreize bis hin zum Fallbeispiel der geplanten Hamburger Elbphilharmonie. Die Autorin stellt
fest, dass das leistungsstaatliche Prinzip im Zuge finanzieller Knappheit zunehmend aufgeweicht worden ist, der Staat aber letztendlich immer noch dazu tendiert, diesen Ansatz zu verfolgen. Die präferierte gewährleistungsstaatliche Strategie erscheint somit als Möglichkeit,
die sich zwar (noch) nicht vollends durchgesetzt hat, deren Chancen sich aber in den letzten
Jahren verbessert haben. (ZPol, NOMOS)
[137-L] Schrage, Dominik:
Konsum: Ein Erfolgsthema des Poststrukturalismus, in: Stephan Moebius, Andreas Reckwitz
(Hrsg.): Poststrukturalistische Sozialwissenschaften, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 433449, ISBN: 978-3-518-29469-7
INHALT: In der englischsprachigen Soziologie ist die Konsumforschung seit den 1990 Jahren zu
einem zentralen Forschungsfeld geworden, dessen Relevanz oft mit der Zeitdiagnose einer
postmodernen Konsumkultur begründet wird. Der vorliegende Beitrag zeigt einerseits, dass
Konsum - anders als in der herkömmlichen Verbraucherforschung - als ein Kulturphänomen
wahrgenommen wird, und stellt andererseits einen Bezug zur Modernitätskritik des französischen Poststrukturalismus her. Der Beitrag betrachtet die Neufiguration der Konsumfor-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.6 Kulturindustrie, Kulturpolitik
95
schung unter dem Einfluss poststrukturalistischer Konzepte in einer epistemologischen Perspektive: Gefragt wird, welche Konstellationen die Rezeption des Poststrukturalismus, trotz
erheblicher Unterschiede in Gegenstand und Denkgestus, gerade im Bereich der Konsumforschung begünstigt haben. Es geht also um die sowohl im Feld der Konsumforschung als auch
in der Realgeschichte des Konsums liegenden Rezeptionsbedingungen des Poststrukturalismus, mit Akzent auf der britischen Soziologie der 1990er Jahre. Die Frage nach dem Einfluss
des Poststrukturalismus auf die Konsumforschung wird aber auch um die naheliegende Frage
ergänzt, inwieweit sich die poststrukturalistischen Konzepte durch ihre Adaption in der Konsumforschung selbst verändert haben. (ICA2)
[138-L] Stratmann, Lutz:
Kunst und Landespolitik, (Schriftenreihe der Juristischen Studiengesellschaft Hannover, 42),
Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2007, 22 S., ISBN: 978-3-8329-2828-5
INHALT: Im Rahmen der Vortragsreihe 'Rechtliche Gesichtspunkte der Landespolitik' der Juristischen Gesellschaft Hannover referiert der niedersächsische Minister für Wissenschaft und
Kultur über die Kulturpolitik Niedersachsens. Wie im Grundgesetz und den Landesverfassungen bestimmt, sei es das Ziel des modernen Staates, der Kultur und Kunst Planungssicherheit
bei gleichzeitiger Autonomie zuzusichern. So baue die regionalisierte Kulturpolitik Niedersachsens bei der Vergabe der Fördermittel auf der Meinung von fachlichen Gremien und
Kunstvereinen auf. Besonders betont Stratmann die Förderungen in den Bereichen Literatur
und Musik. Sein Ministerium betrachtet der Minister dabei eher 'als Schnittstelle, als Berater
und Vermittler für lokale Akteure, Verbände und Träger von Kultureinrichtungen' (14). Die
zukünftige Kulturpolitik solle von 'Creative Governance' getragen werden, die sich auf die
'Vermittlung und Steuerung dieser vielen unterschiedlichen Interessen im kulturellen Feld'
(20) konzentriere. (ZPol, NOMOS)
[139-L] Wostrak, Annette:
Kooperative Kulturpolitik: Strategien für ein Netzwerk zwischen Kultur und Politik in
Berlin, (Studien zur Kulturpolitik, Bd. 6), Frankfurt am Main: P. Lang 2008, 354 S., ISBN: 9783-631-57605-2 (Standort: BSB München(12)-2008.22820)
INHALT: Die Untersuchung basiert auf der Annahme, dass zur Stabilisierung der Berliner Kulturpolitik und zur Lösung ihrer umfangreichen strukturellen und finanziellen Probleme kooperative Strategien im Dialog zwischen Kultur und Politik entwickelt werden müssen. Nach
einer einleitenden Auseinandersetzung mit dem Begriff "Kultur von gesamtstaatlicher Bedeutung" wird gezeigt, welche kulturpolitischen Interessenkonflikte sich durch die unterschiedlichen politischen Kompetenzen und kulturellen Ansprüche von Bund, Land Berlin und den
übrigen Bundesländern in der Hauptstadt ergeben und wie Kulturförderung im Zusammenspiel zwischen Bund, Land und Kommunen gegenwärtig gestaltet ist. Kulturpolitische Strategien von Bund und Land Berlin seit den 1990er Jahren werden vorgestellt. Perspektiven und
Instrumentarien der Berliner Kulturpolitik werden am Beispiel von zwei Akteuren im Netzwerk zwischen Kultur und Politik in Berlin vorgestellt, dem "Rat für die Künste" und dem
"Forum Zukunft Berlin". Auf dieser Basis werden abschließend Schlussfolgerungen für eine
kooperative Kulturpolitik in Berlin formuliert, die sich auch auf andere Regionen übertragen
lassen. (ICE2)
96
1.7
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
Alltag, Freizeit, Soziokultur
[140-L] Bachleitner, Reinhard; Kagelmann, H. Jürgen (Hrsg.):
Kultur, Städte, Tourismus, (Tourismuswissenschaftliche Manuskripte), München: Profil-Verl.
2008, 220 S., ISBN: 978-3-89019-648-0 (Standort: LB Detmold(51)-OLQ101)
INHALT: "Städtetourismus - insbesondere Kulturstädtetourismus - zählt seit Jahren zu den wachsenden Segmenten in Deutschland und Europa. Kulturstädte bieten erlebbare Geschichte und
erfahrbare Tradition, sie garantieren Vielfalt und Abwechslungsreichtum zugleich. Kulturstädte sind ein Spiegelbild dessen, was in Gesellschaften vor sich geht, ein Faktum, das wohl
auch zu ihrer Faszinationskraft beiträgt. Kulturstädte entwickeln dabei ihre typischen Atmosphärefaktoren und ihr spezifisches Flair mit eigenen Zeitrhythmen, die es ermöglichen, sowohl als Flaneur als auch als Information und Kultur Suchender einzusteigen. Kurz: Das urbane 'Geistes- und Gesellschaftsleben' der Kulturstädte mit seinen zahlreichen Erlebnisnischen bietet jedem etwas - 'hohe' und 'populäre' Kulturangebote. Aber der intensive Kulturstädtetourismus hat auch Nachteile; besonders in kleinräumig gestalteten Zentren führt er zu
erheblichen Belastungen für die Altstadtkerne einschließlich der dort ansässigen Bevölkerung. Der vorliegende Band sichtet Problemlagen und -perspektiven zum Kulturstädtetourismus und sensibilisiert für den Bewusstseinsbildungsprozess der Städte-Touristifizierung. Neben Tourismuswissenschaftlern verschiedener Disziplinen kommen auch mit der Kulturpflege
und Stadtentwicklung befasste Praktiker aus wichtigen Kulturstädten Europas zu Wort." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Franz Kolland: Konfliktlinien im Kulturtourismus (9-20);
Karlheinz Wähler: Kulturstadt versus Stadtkultur: Zur räumlichen Touristifizierung des Alltagsfremden (21-34); Mirjam Jansen-Verbeke: Parameter für die Touristifizierung von städtischen Reisezielen (35-45); Andreas Voigt: Planung in Kulturstädten zwischen Kontinuität
und Wandel (47-60); Reinhard Bachleitner, Hanns Haas, Martin Weichbold: Städtische Lebenswelten und ihr Wandel durch Tourismus (61-77); Kurt Luger, Barbara Köstler-Schruf:
Kulturerlebnis Salzburg (79-92); Roland Scherer, Franz-Martin Riklin, Thomas Bieger: Langfristige Wirkungen von Kulturevents: Das Beispiel Lucerne Festival (93-108); Hasso Hohmann: Graz, Unesco-Weltkulturerbe und neue Architektur (109-117); Erich Marx: Innovative
Museumskonzepte für Salzburg (119-125); Alexander G. Keul, Richard Feierle: Salzburger
Tourismusstudien - ein Resümee (127-137); Thomas Kraft, Alexander G. Keul, Richard Feierle: Leben in historischen Altstädten Salzburg, Österreich, und Pavia, Italien (139-155);
Christoph Becker: Aktuelle Arbeiten zum (Kultur-)Städtetourismus aus Trier (157-163); H.
Jürgen Kagelmann, Nico Scherle, Marlen Schlaffke: Städtetourismus und populäre Kultur
(165-176); Christian Hlavac: Garten-Spaziergänge. Historische Gärten und Parks ein kulturtouristisches Angebot von Städten (177-191); Heinz-Günter Vester: Terror und Tourismus
(193-198).
[141-L] Berger, Sven:
Entertainment auf unterschiedlichem Niveau: eine vergleichende Analyse der
Unterhaltungsindustrien von Deutschland und den USA, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller
2007, 108 S., ISBN: 978-3-8364-1111-0 (Standort: ULB Münster(6)-3K74)
INHALT: "Die Unterhaltungsindustrie der USA ist ungleich größer und weltweit wesentlich präsenter als es die deutsche Unterhaltungsindustrie ist. Teile der amerikanischen Entertainment-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
97
Industrie werden nahezu in die ganze Welt exportiert, während das deutsche Pendant sich fast
ausschließlich auf das Landesinnere beschränkt. Der Autor Sven Berger stellt die Märkte beider Länder vor, und analysiert in welchen Segmenten die Unterschiede am größten sind. Außerdem wird festgestellt, wie gravierend die Diskrepanzen zwischen den Industrien beider
Länder wirklich sind, und inwiefern einige Entwicklungen der Entertainmentbranche eines
Landes von der gleichen Branche des anderen Landes beeinflusst wird. Da die einzelnen Segmente der Unterhaltungsindustrie sehr zahlreich und verschieden sind, war es nötig, einzelne
Märkte auszuwählen, um diese genauer untersuchen zu können. Die Einschränkung fiel auf
die Bereiche des Fernsehmarktes, des Heimkino/ DVD-Marktes, sowie des Kinomarktes. Außerdem wurden Freizeitparks Teil dieses Werkes, um einen Bereich abzudecken, der nicht direkt von den Medien beeinflusst wird." (Autorenreferat)
[142-L] Engelbert, Arthur:
Normalkultur: Kulturen im Dialog, Würzburg: Königshausen u. Neumann 2008, 99 S., ISBN:
978-3-8260-3905-8 (Standort: USB Köln(38)-36A1027)
INHALT: Der Verfasser unternimmt den Versuch, verschiedene Aspekte von Kultur aufeinander
zu beziehen, um eine Antwort auf die Frage zu geben, wie interkulturelle Dialoge zustande
kommen. Ziel ist es auch herauszufinden, ob im europäischen Raum die Idee der kulturellen
und künstlerischen Freiheit noch eine Chance hat, angesichts des verlockenden Zwangs in
vorhersehbaren Regeln immer besser funktionieren zu können - Freiheit als Indikator der Effizienz in gut funktionierenden Systemen. Faktoren wie Austausch, Bildung, Identität oder
soziale Netzwerke bestimmen die alltäglichen Voraussetzungen der Kultur. Sie erlauben Perspektiven auf die Normalkultur, die anhand von Beispielen aus verschiedenen Diskursen intermedial diskutiert werden. Kulturelle Grundlagen der Gegenwartskultur werden anhand von
zwölf Faktoren erörtert: Austausch, Durchmischung, Identität, kulturelle Netzwerke, Theorie
und Praxis, Wettbewerb, Bildung, Kolonisierung des Alltags, Utopie, soziale Wahlverwandtschaften, global/lokal und Entbalkanisierung. Der Verfasser fragt nach kulturellen Voraussetzungen, Entwicklungen und Perspektiven mit dem Ziel, Normalkultur als einen Ort der Phantasie wiederzuentdecken. (ICE2)
[143-L] Hofer, Manfred; Schmid, Sebastian; Zivkovic, Ilija:
Schule-Freizeit-Konflikte, Wertorientierungen und motivationale Interferenz in der
Freizeit: eine kulturübergreifende Studie, in: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und
Pädagogische Psychologie : Organ der Fachgruppen Entwicklungspsychologie und Pädagogische
Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Jg. 40/2008, H. 2, S. 55-68
(Standort: USB Köln(38)-XB132; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In einer Untersuchung an jugendlichen Schülern1 aus fünf Ländern wurden Zusammenhänge zwischen individuellen Wertorientierungen auf der einen Seite und der Häufigkeit
von Konflikten zwischen einer schulischen und einer Freizeittätigkeit, Entscheidungen in solchen Konflikten, Erleben motivationaler Interferenz während der anschließenden Ausübung
der Freizeittätigkeit und investierter außerschulischer Lernzeit andererseits ermittelt. An der
Fragebogenstudie nahmen 491 deutsche, 202 italienische, 168 kroatische, 221 mexikanische
und 200 indische Schüler, meist aus katholischen Schulen, teil. Die Stichproben unterschieden sich deutlich in 'moderner' und 'postmoderner' Wertorientierung, dem Interferenzerleben
98
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
bei der Freizeittätigkeit nach einem Schule-Freizeit-Konflikt und der außerschulischen Lernzeit. Unter Konstanthaltung von Alter und Geschlecht ging postmoderne Wertorientierung
mit der Entscheidung für die Freizeittätigkeit in Schule-Freizeit-Konflikten, niedrigem Interferenzerleben in der Freizeit sowie geringem Zeitinvestment für Lernen einher. Trotz erheblicher Mittelwertunterschiede zwischen den Stichproben waren die Zusammenhangsmuster
über die Stichproben relativ konsistent, was für deren Generalisierbarkeit spricht." (Autorenreferat)
[144-L] Hübner, Kerstin:
Kulturinteresse, Kulturnutzung, kulturelle Aktivität: ein Verhältnis in Abhängigkeit von
Bildungsniveau und Sozialstatus Jugendlicher, in: Jan Maedler (Hrsg.): TeilHabeNichtse :
Chancengerechtigkeit und kulturelle Bildung, München: KoPaed, 2008, S. 38-49, ISBN: 978-386736-034-0 (Standort: UB Duisburg(464)-E11OIP1918+1)
INHALT: Wenn Zugänge zur Kultur beschrieben werden, darf, so die Verfasserin, nicht vergessen werden, dass auch so genannte Benachteiligte Kultur nutzen und erschaffen - häufig nicht
in der Form, die mit klassischer Kultur identifiziert wird. Insofern sollte durchaus die Frage
gestellt werden, was mit der Vermittlung von Kultur gemeint ist: Es geht für Kinder und Jugendliche aller Bildungs- und Sozialniveaus nicht um die Leitkultur oder den Kulturkanon,
sondern viel eher um die bewusste Begegnung und Erweiterung kreativer und wahrnehmender Kompetenz. Denn die Wirkung kultureller Bildung entfaltet sich besonders, wenn neben
dem kulturellen Grundwissen die kulturell-rezeptiven und vor allem die künstlerisch-kreativen Erfahrungen gestärkt werden. Grundlegende Fragen ergeben sich auch nach den Vermittlern und deren Verantwortung bzw. strukturellen Möglichkeiten: zum einen der Schule, zum
anderen der Eltern und nicht zuletzt der außerschulischen Angebote. Letztere spielen eine
(noch) auffallend geringe Rolle als Motivator für bildungs- und sozialbenachteiligte Jugendliche. Da gerade auch die Schule einen wichtigen Beitrag für die optimale Vermittlung kultureller Bildung leistet - v.a. mit Blick auf die Chancengerechtigkeit -, wäre beispielsweise eine
stärkere Vernetzung der Schule mit Institutionen der außerschulischen kulturellen Bildung
wünschenswert. Je mehr (Bildungs-)Partner des sozialen Umfelds Jugendliche bei Kulturbesuchen begleiten bzw. sie dazu motivieren, desto mehr Interesse zeigen diese für Kunst und
Kultur. Gerade weil die hier vorgestellten Ergebnisse nur ein Ausschnitt sind, darf nicht vergessen werden, dass kulturelle Bildung zwar ein wichtiger Faktor ist, wenn Chancengerechtigkeit erreicht werden soll, diese aber nicht als Allheilmittel gelten kann. Bildungs- und soziale Benachteiligungen zu verringern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. (ICF2)
[145-L] Klein, Gabriele; Meuser, Michael (Hrsg.):
Ernste Spiele: zur politischen Soziologie des Fußballs, (Materialitäten, Bd. 6), Bielefeld:
transcript Verl. 2008, 275 S., ISBN: 978-3-89942-977-0 (Standort: UB Bonn(5)-2008/6503)
INHALT: "Wie kaum ein anderer Sport ist Fußball geeignet, das Verhältnis des Sports zu anderen gesellschaftlichen Feldern wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien zu analysieren. Als
Mikroskop der komplexen Verflechtungen des Sozialen wird Fußball zu einem ernsten Spiel,
in dem zentrale gesellschaftliche Themen und Konflikte aufgeführt und stellvertretend ausgefochten werden. Als Feld sozialer In- und Exklusionen ist der Sport zugleich ein Medium von
Gemeinschaftsbildungen. 'Fußball-Gemeinden', so die These dieses Buches, sind nicht nur
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
99
Sportgemeinschaften; sie können auch als politische Gemeinschaften verstanden werden.
Fußball ist insofern immer auch eine politische Praxis. Die in diesem Band versammelten
Beiträge untersuchen die gemeinschafts- und identitätsstiftenden Funktionen von Fußball. Sie
leisten einen Beitrag zu einer Soziologie des Sports und zugleich zu einer politischen Soziologie, indem Fußball als ein soziales Feld sichtbar gemacht wird, in dem sich politische Formen
von Vergemeinschaftung vollziehen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Gabriele Klein,
Michael Meuser: Fußball, Politik, Vergemeinschaftung - Zur Einführung (7-16); Ulrich Bielefeld: Die Gemeinschaft auf dem Platz und die Gemeinschaften (17-30); Gabriele Klein:
Globalisierung, Lokalisierung, (Re-)Nationalisierung - Fußball als lokales Ereignis, globalisierte Ware und Bilderwelt (31-42); Darius Zifonun: Imagined Diversities - Migrantenmilieus
in der Fußballwelt (43-58); Nikola Tietze: Zinedine Zidane - Dribbelkunst sub- und transnationaler Zugehörigkeit gegen nationalstaatliche Einheitsverteidigung (59-86); Thomas Alkemeyer: Fußball als Figurationsgeschehen - Über performative Gemeinschaften in modernen
Gesellschaften (87-112); Michael Meuser: It's a Men's World - Ernste Spiele männlicher Vergemeinschaftung (113-134); Martina Althoff, Jan Nijboer: Fußball, Spiel und Kampf - Zur
politischen Dimension des Hooliganismus (135-154); Markus Schroer: Vom 'Bolzplatz' zum
'Fußballtempel' - Was sagt die Architektur der neuen Fußballstadien über die Gesellschaft der
Gegenwart aus? (155-174); Doris Blutner, Uwe Wilkesmann: Hidden Games - Vergemeinschaftungs- und Fragmentierungsprozesse im Profifußball (175-200); Mike S. Schäfer, Jochen Roose: Die gesellschaftliche Bedeutung von Fußballbegeisterung - Vergemeinschaftung
und Sozialkapital-Bildung auf dem Prüfstand (201-226); Moritz Ballensiefen, Jörg-Uwe Nieland: "Wir sind mitreißend" - Von der Schwierigkeit, Vergemeinschaftung zu fixieren (227250); Andreas Hütig: Bewegte Körper, berührte Seelen - Versuch über Transzendenz und Gemeinsinn im Fußball (251-270).
[146-L] Pott, Andreas:
Orte des Tourismus: eine raum- und gesellschaftstheoretische Untersuchung, (Sozialtheorie),
Bielefeld: transcript Verl. 2007, 326 S., ISBN: 978-3-89942-763-9 (Standort: UB Bonn(5)20083991)
INHALT: Der Verfasser entwickelt eine systemtheoretische Konzeption des Raums, die der Kontextualisierung raumbezogener Beobachtungen dient. Er fragt nach dem Verhältnis von Tourismus und Gesellschaft, um vor diesem Hintergrund und in diesem Kontext den Städtetourismus systematisch als spezifischen Sinnzusammenhang der modernen Gesellschaft zu untersuchen und zu zeigen, dass und in welcher Weise Städte im Tourismus und mit ihnen der Städtetourismus primär auf dem Beobachtungsschema Kultur beruhen. Die Städte des Tourismus
werden als besondere, kultur- und raumbezogene Semantiken gedeutet. Die Frage nach der
strukturbildenden Funktion des Raumes kann so in zwei Richtungen vertieft werden: zum
einen stellt sich die Frage nach der Beziehung zwischen städtetouristischen Kommunikationen und Städtetouristen, zum anderen die Frage, in wie fern städtetouristische Semantiken
auch die Entwicklung und (Re-)Produktion städtetouristischer Destinationen strukturieren.
Dieser Frage wird exemplarisch durch die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte des
städtetouristischen Reiseziels Wetzlar nachgegangen. Auch die Fallstudie zu Wetzlar verfolgt, wie die Untersuchung des Städtetourismus insgesamt, eine theoretisches Ziel - die Klärung der Frage nach der Bedeutung des Raums für das Verhältnis von städtetouristischer Semantik und Struktur. (ICE2)
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
[147-L] Pühl, Harald; Schmidbauer, Wolfgang (Hrsg.):
Eventkultur, (Organisation, Beratung, Mediation), Berlin: Leutner 2007, 235 S., ISBN: 978-3934391-38-3 (Standort: LB Detmold(51)-OLM114)
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Wolfgang Schmidbauer: Annäherung an den Event (13-39); Peter
Heintel: Event als Angebot einer "Großgruppenkultur" in der Übergangsgesellschaft (40-82);
Gudrun Brockhaus: Aber die Fackelzüge! - Der Nationalsozialismus als Vorläufer der Eventkultur (83-110); Harald Pühl: Wir sind alle Helden: Der Triumph und das Glück (111-125);
Rainer Lucas: Unternehmenskommunikation in der Erlebnisgesellschaft (126-136); Wolfgang
Schmidbauer: Events im psychosozialen Feld (137-160); Klaus Ottomeyer: Event und Trauma (161-176); Heiner Keupp: Vom Elfenbeinturm zum Leuchtturm - Die Entkernung und
Neuerfindung der Universitäten durch Eventisierung (177-194); Jochen Wagner: Göttlich
ausschaun, tierisch abgehn (195-233).
[148-L] Rautenberg, Michael; Tillmann, Angela; Böhnisch, Lothar (Hrsg.):
Doppelpässe: eine sozialwissenschaftliche Fußballschule, Weinheim: Juventa Verl. 2008, 292
S., ISBN: 978-3-7799-1739-7
INHALT: "Dass sich in der Entwicklung des Fußballs, vor allem des Profifußballs, gesellschaftliche Tendenzen abbilden, ist nicht neu. Dieser Band geht einen Schritt weiter: Er schließt Leserinnen und Lesern über die Bühne des Fußballs gleichsam spielerisch soziale Zusammenhänge nicht nur auf, sondern thematisiert diese auch sozial- und erziehungswissenschaftlich.
So ist eine kleine Fußballschule sozialer und pädagogischer Fragestellungen entstanden. Über
den Fußball als der gemeinsamen Welt von Spieler/innen, Fans und Zuschauer/innen werden
Einblicke in die Auswirkungen des globalen Kommerzes, die gewandelten Formen von Migration oder die Gesetze der Mediengesellschaft vermittelt. Genauso lassen sich sowohl soziale Beziehungen wie Freundschaft oder Gewalt als auch geschlechtstypische Handlungsmuster beschreiben." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Roman Horak: Game without
Frontiers? Fußball zwischen Atavismus und Modernität (10-23); Michael Rautenberg: Fußball als milieubildende Kraft im Wandel der Zeit (24-29); Marek Naumann: Zur Geburt des
deutschen Fußballs aus dem Geiste des Turnens (30-51); Matthias Stiehler: Fußball als Religion? (52-73); Lothar Böhnisch: Kleine Fußballschule der Männlichkeit (74-90); Angela Tillmann: Frauen und Ballgefühl?! - Wie sich Frauen in einer Männerdomäne bewegen (91-110);
Steve Stiehler: Elf Freunde müsst ihr sein! (111-120); Christian Kabs: Fußball ist das ganze
Leben. Die Welt unter Fans (121-131); Carmen Borggrefe, Klaus Cachay: "... wir müssen die
Spieler überzeugen!" - Zur Bedeutung von Sozialkompetenz für Trainer im Profifußball (132149); Michael Büser: Gewalt im Amateurfußball - Präventive und interventive Handlungsstrategien in Konfliktsituationen (150-170); Michael Rautenberg: Merchandise Me! Die
Kommerzialisierung des Fußballs und ihre Folgen (171-196); Richard Krisch: Abstiegskampf
- Fußball als Medium sozialer Reintegration (196-207); Christian Reutlinger, Lothar Böhnisch: Raumdeckung - Die Viererkette oder der "spatial turn" im Fußball (208-222); Thorsten
Schauerte, Jürgen Schwier: Wie kommen die Emotionen ins Spiel? - Die Inszenierung und
Kommentierung des Fußballsports (223-243); Andreas Hettiger: Ein Gott wird Mensch. Oliver Kahns mediale Inszenierung biografischer Bewältigungsstrategien (244-257); Wolfgang
Schröer: Zu viele Ausländer im Team? - Fußball und Migration (258-270); Lothar Mikos:
Fernsehen und Globalisierung der Fankultur (271-290).
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
101
[149-L] Rohr, Elisabeth:
Körpermanipulationen in der weiblichen Adoleszenz am Beispiel von Piercings und Tattoos,
in: Psychosozial, Jg. 31/2008, H. 2 = Nr. 112, S. 13-22 (Standort: USB Köln(38)-XG5196; Kopie
über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Körpermodifikationen wie Piercings und Tattoos werden zunächst in einem historischen Zusammenhang anthropologischer Initiationsriten seit dem Altertum betrachtet, bei denen sie stets ein verbindendes Element sozialer Verbände waren. Angesichts einer massiven
Verbreitung dieser schmerzhaften Modifikationen des eigenen Körpers heutzutage besonders
bei jungen Frauen wird ein Zusammenhang hergestellt zu Problemen der weiblichen Individuation und Abgrenzung in der Adoleszenz: Piercing und Tattoo bringen die gewünschte
"Besonderheit" und "Einzigartigkeit" und dienen so der Ausformung von Identität - wie auch
der Verarbeitung narzisstischer Krisen und adoleszenter Ablösungsprobleme. Im Zeitalter der
Globalisierung und Moderne bieten Körpermodifikationen Formen der Abgrenzung und
Selbstvergewisserung - die von vielen jungen Frauen nicht allein seelisch ausgetragen werden
können, sondern die Abhandlung am eigenen Körper benötigen. Der eigene Körper wird so
zu einem Teilobjekt, an dem psychische Konflikte abgearbeitet werden, wobei das autoaggressive Moment dieser Körperveränderung und die oft beträchtlichen Schmerzen verleugnet
werden - oder gar als "neuer Abschnitt" unbewusst gewünscht sind. Im Hintergrund stehen
häufig sehr konflikthafte Beziehungen zwischen Mutter und Tochter, die um Identifikation
und Abgrenzung kreisen. Junge Frauen leben dabei intensiv Probleme der Rollendiffusion
durch, die auch für die Gesellschaft eine Rolle spielen: Probleme von Intimität, Identität und
Verunsicherung in einer sich ständig verändernden Welt. Jedoch ist es das autoaggressive
Moment der Abhandlung am eigenen Körper, das diese "Lösung" als problematisch erscheinen lässt und manchmal gar suchthaften Charakter entwickeln kann. (ICB)
[150-L] Schwier, Jürgen:
Inszenierungen widerspenstiger Körperlichkeit: zur Selbstmediatisierung jugendlicher
Sportszenen, in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Jg. 28/2008, H. 3, S.
271-282 (Standort: USB Köln(38)-XG02735; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Nicht zuletzt aufgrund seiner traditionell engen Verbindungen zum Erziehungssystem
werden mit dem modernen Sport einerseits weitreichende Sozialisationshoffnungen verbunden. Andererseits scheint es gerade im Rahmen von informellen jugendlichen Sportengagements zu facettenreichen Selbstsozialisationsprozessen zu kommen. Mit Blickrichtung auf jugendliche Trendsportszenen und die Ultras - eine in Deutschland relativ junge Fraktion von
Fußballfans - werden die für solche Gruppierungen charakteristischen Inszenierungen widerspenstiger Körperlichkeit und Sportlichkeit sowie deren ausgeprägte Tendenz zur medialen
Selbstdarstellung diskutiert." (Autorenreferat)
[151-L] Vinnai, Gerhard:
Eigentore - zur ideologischen Funktion des Fußballsports, in: Psychosozial, Jg. 30/2007, H. 4,
S. 99-115 (Standort: USB Köln(38)-XG5196; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Die kulturelle Bedeutung des organisierten Fußballsports wird sozialpsychologisch
analysiert. Der Fußballsport wird als emotional besetzbare Kraft aufgefasst, die in einer durch
102
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.7 Alltag, Freizeit, Soziokultur
den Zerfall sozialer Bindungen gekennzeichneten Gesellschaft einen illusionären Zusammenhalt der Menschen und eine stark narzisstisch getönte Identifikation mit den Akteuren einer
erfolgreichen Mannschaft ermöglicht. Die sozialpsychologischen Elemente der fiktiven Gemeinschaftsbildung und Identifikation werden mithilfe der psychoanalytischen Massenpsychologie erklärt. Es werden für das Verständnis der Popularität des organisierten Fußballsports bedeutende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Sport und Arbeit aufgezeigt.
Die enge psychologische Verknüpfung zwischen modernen Ballsportarten und der Arbeit
wird anhand einer Variante der psychoanalytischen Theorie des Kinderspiels von Waelder
verdeutlicht, die auf die Spiele der Erwachsenen übertragen wird. Aus einer entwicklungspsychologischen und erziehungswissenschaftlichen Perspektive wird auf problematische Aspekte
der Beziehung zwischen Adoleszenz und Fußballbegeisterung hingewiesen. Als Grund für die
zunehmende Fußballbegeisterung wird ein Mangel an Alternativen zum bestehenden Gesellschaftssystem heausgearbeitet, der dazu führt, dass Wünsche nach Verbesserung der sozialen
Verhältnisse von der kommerziell organisierten Scheinwelt der Unterhaltungsindustrie eingefangen werden.
[152-L] Vorlaufer, Johannes:
Zeitvertreib und Langeweile: die Last der "langen Weile" und die Sehnsucht nach Muße, in:
Soziale Arbeit : Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete, Jg. 57/2008, H. 8, S. 292-298
(Standort: UuStB Köln (38)-Haa1082; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Langeweile ist ein vielschichtiges Phänomen, das sowohl in gesellschaftstheoretischer
wie in phänomenologischer Weise im Hinblick auf eine angemessene Weise sozialarbeiterischen Handelns gedeutet werden soll. Dabei erhält der überlieferte Begriff von Muße zunehmend eine kritisch-aktuelle Bedeutung." (Autorenreferat)
[153-L] Zifonun, Darius:
Imagined Diversities: Migrantenmilieus in der Fußballwelt, in: Gabriele Klein, Michael
Meuser (Hrsg.): Ernste Spiele : zur politischen Soziologie des Fußballs, Bielefeld: transcript Verl.,
2008, S. 43-57, ISBN: 978-3-89942-977-0 (Standort: UB Bonn(5)-2008/6503)
INHALT: Der Beitrag entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts, das die Teilhabe von Migranten an der Fußballwelt untersucht. Mit dem Ausdruck von "imagined diversities" bezieht
sich der Autor auf die Frage der Vielfalt (diversity) innerhalb des Prozesses ethnischer Gemeinschaftsbildung (community) in Einwanderungsgesellschaften. Zunächst steht die Pluralität kultureller Orientierungen und Aktivitäten innerhalb von Migrantengruppen und die Art
und Weise, wie diese Vielfalt erhalten und stabilisiert wird, im Vordergrund. Der anschließende Abschnitt fokussiert die Konstruktion von Unterschieden zwischen Gruppen und die
Bildung alltagsweltlicher Wir-Gruppen. Gezeigt wird dann, dass diese symbolisch stabilisierte Vielfalt insofern "nur eingebildet" ist, als die vermeintlichen ethnischen Differenzen sozialstrukturell wie kulturell nicht auf ethnospezifischen, sondern auf postmodernen Hybridisierungen beruhen. Diese Modernität "ethnischer" Vergesellschaftung, so das Fazit des Autors,
tritt deutlich hervor, wenn man sie statt im Rahmen einer speziellen Migrationssoziologie im
Rahmen einer allgemeinen, differenzierungstheoretisch angelegten "Soziologie sozialer Welten" analysiert. (ICA2)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
1.8
103
Kulturelle Identität
[154-L] Arenhövel, Mark:
Europe's memory: communal experience or a mix of disparate national recollections?, in:
Reimund Seidelmann, Andreas Vasilache (Hrsg.): European Union and Asia : a dialogue on
regionalism and interregional cooperation, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2008, S. 119-127,
ISBN: 978-3-8329-3433-0 (Standort: UB Bonn(5)-2008/4816)
INHALT: Der Beitrag geht der Frage nach, ob und in wie weit Europa als eine Gemeinschaft mit
einem gemeinsamen Gedächtnis begriffen werden kann, also als eine Gesellschaft, die sich
durch kollektive Repräsentation (Mythen, Legenden, Narrrationen) der Geschichte konstituiert. In Anlehnung an Jan Assmanns Konzept des "kulturellen Gedächtnisses" zeigt der Autor,
dass der "Blick zurück" für die "Erfindung der Nation" von entscheidender Bedeutung ist und
auch die "dunklen Seiten" in der Geschichte eines Volkes (z. B. NS-Diktatur und Menschlichkeitsverbrechen der Deutschen) das Selbstverständnis und die politische Kultur eines Landes
prägen. Erst das Zusammenspiel von Erinnerung und Vergessen ermöglicht in einer fortschreitenden Gegenwart so etwas wie "Vergangenheitsbewältigung" und eventuell eine neue
Sicht der Ereignisse. Das "Gedächtnis Europas" zerfällt für den Autor - vielleicht bis auf den
Ursprungsmythos Griechenland - eher in eine Vielzahl von Einzelnarrationen. (ICA)
[155-L] Bruter, Michael:
In the face of Europe: citizens, symbols and European identity, in: Thomas Meyer, Udo
Vorholt (Hrsg.): Identität in Europa, Dortmund: Projekt-Verl., 2008, S. 31-58, ISBN: 978-389733-187-7 (Standort: ULB Düsseldorf(61)-his/d/2924)
INHALT: Der Beitrag präsentiert und interpretiert mehrere Umfragergebnisse, die die Existenz
einer europäischen Identität empirisch belegen. Europa als symbolische Form und Einheit
zeigt sich als Werte- oder Kulturgemeinschaft, die sich aus geteilten europäischen Erfahrungen, Ereignissen und Erinnerungen ableiten lässt. Grundannahme ist hierbei, dass sich eine
politische Gemeinschaft auf eine Art vorpolitischen (kulturellen) Raum gründet und ihre spezifische Identität wie gemeinsame Sprache, Geschichte und Kultur findet. Die Formeln vom
"kulturellen Erbe" und den "christlichen Wurzeln" Europas sind in diesem Sinne zugleich
Ausdruck einer spezifisch europäischen Identität und Quelle gemeinsamer Werteorientierungen. Europäische Identität basiert auf der Annahme, dass die europäische Geschichte und
Kultur wesentliche Quelle für eine kollektive Identität ist. Die Ausführungen zeigen weiterhin, dass die beiden in der Forschung dichotomisch angesetzten Identitätskonzepte (kulturelle
vs. politische) auf der Ebene individueller Identitätskonstruktion, d. h. im Selbstverständnis
der Europäer empirisch koexistieren. (ICA)
[156-L] Döbner, Heidemarie (Redakteur); Lichtenegger, Theresa-Maria (Redakteur):
Identität(en): GLOBArt Academy 2007, Wien: Springer 2008, X, 138 S., ISBN: 978-3-21175715-4 (Standort: Bayer. SB München(12)-2008.38922)
INHALT: "Die brennenden Fragen unserer Zeit, wie die Frage nach der europäischen Identität
und der damit in Verbindung stehenden Verfassung, Demokratiedebatten in Ländern des Sü-
104
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
dens, Fragen zu Migration, Immigration und Ghettobildung, der Zivilisationskrieg zwischen
dem Islam und dem Westen, Auseinandersetzungen mit Vorurteilen, Feindbildern, Mythen
und Legenden, Sprache, Musik und Kunst der Werbung von Übermorgen, die Frage nach Toleranz, Respekt und Anerkennung - sie alle basieren auf dem umfassenden Thema 'Identität'.
Fachleute aus unterschiedlichsten Disziplinen, u.a. der Physiker und Nobelpreisträger HansPeter Dürr, der Molekularbiologe Josef Penninger oder die Kulturjournalistin Koschka Hetzer-Molden stellen sich diesen Fragen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Hans-Peter
Dürr: Lebendige Identität (1-11); Josef Penninger: Können Gene träumen? (12-17); Rainer
Bischof: Identität(en) (18-22); Zafer Senocak: Das Land hinter den Buchstaben (23-31); Günther Bartl: Identität finden, wahren und verlieren (32-39); Kurt Mayer: Fremde Spiegel - Das
Entschiedene und das Unentschiedene (40-42); John von Düffel: Die erste, zweite und dritte
Person - Rollenspiele des Erzählens (43-56); Christian Helmenstein: Österreich neu erfinden
(57-72); Manfred Prisching: Im Zeitalter der flüchtigen Identität (73-85); Manfred Wagner:
Identität (86-88); Koschka Hetzer-Molden: Kunst und Kultur. Vielfalt statt Einfalt (90-93);
Susanne Granzer: Der babylonische Logos (95-98); Udo Jesionek: Werbung für Übermorgen
(100-101); Herbert Böhm: 10 Anregungen zum Thema (103-104); Hannah Rieger: "Identität
von Unternehmen" (105-108); Leopold Seiler: Wie man sich an einer Konzern-Spitze verletzten kann oder Über den wahren Kern der unternehmerischen Identität(en) (109-113).
[157-L] DuBois, Inke:
Germans in the United States: reinventing cultural identities in discourse, Saarbrücken: VDM
Verl. Dr. Müller 2007, 137 S., ISBN: 978-3-8364-1240-7 (Standort: Bayer. SB München(12)2008.33755)
INHALT: "Identities are formed within specific cultural and societal contexts, and language is a
very important tool for the formation and communication of these identities. Before people
emigrate, they are usually not aware of how much their identities are products of one particular society, culture and language. Identities are not only expressed through language, but they
are also shaped, confirmed and challenged by others within these particular societal and linguistic contexts. This book explores how acculturation levels and cultural identities of German immigrants are conveyed in discourse. The analysis of the data from group interviews
with sixteen German immigrants who have resided in the San Francisco Bay Area for one,
five, ten and twenty years, demonstrates how time influences the construct of the immigrant
identity. This book examines code-switching and deixis of person, place and time to show the
relationship between acculturation, multicultural identity formation and discourse analysis.
Applying discourse analysis to acculturation studies, this book offers the concept of cultural
reinvention of immigrant" (author's abstract)
[158-L] Eder, Klaus:
Kollektive Identitäten als Netzwerke: der Fall Europa, in: Kay Junge, Daniel Suber, Gerold
Gerger (Hrsg.): Erleben, erleiden, erfahren : die Konstitution sozialen Sinns jenseits
instrumenteller Vernunft, Bielefeld: transcript Verl., 2008, S. 433-463, ISBN: 978-3-89942-829-2
INHALT: Der Verfasser argumentiert, dass Europa, bzw. die EU, als Fall einer ausdifferenzierten, modernen Gesellschaft eine Identität 'braucht'. Vor diesem Hintergrund sucht er nach einer erklärenden soziologischen Theorie der Entstehung der kollektiven Identität in Europa. Er
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
105
bedient sich zweier Ansätze, der Evolutionstheorie und der narrativen Theorie, um so das Ziel
zu erreichen, Prozesse kollektiver Identitätskonstruktion in Netzwerke sozialer Beziehungen
einzubetten. Er geht von zwei Annahmen aus. Erstens, dass die Evolution sozialer Beziehungen Netzwerke erzeugt, die ihre Grenzen kontrollieren müssten. Kollektive Identitäten erscheinen so als Modus der Kontrolle dieser Grenzen, d.h. als Mechanismus, Netzwerke sozialer Beziehungen gegen deren dauernden Wandel als etwas Stabiles, Identisches festzuschreiben. Zweitens geht der Autor von einer narrativen Organisation der Grenzen von Netzwerken
sozialer Beziehungen aus. Kollektive Identitäten werden demnach auf der Basis von Stories
(Texten, Liedern, Bildern) konstruiert, die von professionellen "Arbeitern an der
Abstraktion", also Intellektuellen und Geisteswissenschaftlern, erarbeitet werden. Kollektive
Identitäten sind demzufolge narrative Netzwerke. Das Besondere an postnationalen Konstellationen wie im Falle Europas ist, dass diese mit dem Problem der Koexistenz mehrerer hegemonialer Narrative konfrontiert sind, die sich nicht mehr ohne Weiteres in ein Metanarrativ
einbinden lassen. Das Zusammenspiel dieser multiplen Geschichten bringt, so die These, eine
europäische Identität, hervor. Europa ist so die auf Dauer gestellte Kombination von Geschichten. Einziges Kriterium, um eine Identität auszumachen, ist die permanente Fortsetzung
des Erzählens. In diesem Narrativ kann Europa seine kollektive Identität finden. (ICF2)
[159-L] Ehs, Tamara:
Staat - Volk - Leitkultur: über Säkularisierung als Sakralisierung und ihre Wirkung in der
Integrationsdebatte, in: Vorgänge : Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Jg.
47/2008, H. 3 = H. 183, S. 122-130 (Standort: USB Köln(38)-XG2258; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Essay kritisiert eine Integrationspolitik, die das Maß der Toleranz an der Höhe der
Minarette misst (Stoibers Diktum: "Kathedralen müssen größer sein als Moscheen"). Im Zentrum der Kritik der Autorin stehen die Konzepte "Leitkultur" und "Wertegemeinschaft". Das
letztere spricht den Menschen die Fähigkeit und Bereitschaft ab, sich trotz divergierender
Werte zu einigen und damit "zivilisiert" miteinander umzugehen. Werte als "Grenzwärter einer kollektiven Identität" verengen den politischen Raum, um Wertdiskussionen als solche
auszutragen. Sich auf "Grundwerte" zu versteifen bedeutet, sich mit den Denkmustern eines
theologischen Fundamentalismus gleich zu stellen, gegen den die beschworenen Werte doch
gerade ein Bollwerk sein sollen. Mit Robert Spaemann erkennt die Autorin in der Rede von
der "Wertegemeinschaft" insgesamt nur einen Euphemismus für "Gesinnungsdiktatur".
(ICA2)
[160-L] Gerlich, Peter:
Europa veranschaulichen: Lehren durch Reisen, in: Anton Pelinka, Fritz Plasser (Hrsg.):
Europäisch Denken und Lehren : Festschrift für Heinrich Neisser, Innsbruck: Innsbruck Univ. Pr.,
2007, S. 139-148, ISBN: 978-3-902571-36-6 (Standort: UB Siegen(467)-31PEN12000)
INHALT: Die Verbesserung der europäischen Identität in den Mitgliedstaaten setzt, so der Verfasser, Anschauung voraus. Europäer müssen einander kennen lernen, um einander verstehen
zu können. In einem derartigen Prozess kann man lernen, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten,
unvermeidliche Konflikte auszutragen und Befürchtungen nachhaltig abzubauen. Identität ist
kein Nullsummenspiel: Man tauscht nationale Identität nicht gegen europäische Identität aus.
106
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
Die Bürger Europas können ihren Nationalstolz bewahren, zugleich aber auch ein Europabewusstsein aufbauen. Jedes Individuum hat multiple Identitäten. Es geht nur darum, wie diese
aufgebaut und erlernt werden können. Europadidaktik muss, so die These, im öffentlichen
Raum ansetzen. Die Union muss sich bemühen, eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen.
Dazu bedarf es europäischer Medien (oder zwischenstaatlicher Medienverbände) und einer
professionellen, nicht nur bürokratisch inspirierten Öffentlichkeitsarbeit. Schließlich könnte
man für die Bürger Anschaulichkeit und Erfahrbarkeit auch im Politischen schaffen. Europaweite Referenden über Fragen allgemeinen Interesses (und nicht allerhöchster politischer Relevanz), etwa über eine Frage wie Rauchverbote, kann die Bürger mehr als die second-orderWahlen zum Europäischen Parlament mobilisieren und kann für sie die EU erlebbar machen.
(ICF2)
[161-L] Grosser, Alfred:
Die Frage nach der Leitkultur, in: Caroline Y. Robertson-von Trotha (Hrsg.): Kultur und
Gerechtigkeit, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2007, S. 13-24, ISBN: 978-3-8329-2604-5
(Standort: UB Bonn(5)-2007/5007)
INHALT: Der Verfasser argumentiert, dass das Verständnis für die Leiden der anderen ein europäischer Grundwert ist. Aber um ihn wirklich anzuwenden, sollte ein anderer Grundwert formuliert und anerkannt werden. Es geht um die Aufklärungsarbeit an sich selber, um die Distanznahme zu den eigenen Zugehörigkeiten, um den notwendigen ständigen Versuch festzustellen, ob man nicht denkt wie man denkt, urteilt wie man urteilt, nur weil man Deutscher ist
oder Katholik, oder Gewerkschaftler oder Unternehmer. Zunächst muss eingesehen werden,
dass jeder eine Vielfalt von Identitäten hat. Jede ausschließliche Identität ist Quelle von Unverständnis und Intoleranz, besonders wenn man auf eine Identität reduziert wird durch den
Finger, der auf einen zeigt. Das beste Mittel, um die Distanznahme zu erleichtern, ist der Vergleich - insbesondere für die Identitäten. (ICF2)
[162-L] Hanshew, Kenneth (Hrsg.):
EU=Europe?: Euroskepticism and European identity, (forost Arbeitspapier, Nr. 45), München
2008, 42 S., ISBN: 978-3-9810703-9-2 (Graue Literatur;
www.forost.lmu.de/fo_library/forost_Arbeitspapier_45.pdf)
INHALT: "Schon in seinen letzten Arbeitspapieren hat forost sich verstärkt den Fragen der europäischen Integration und dem umstrittenen Begriff der 'Europäisierung' zugewandt. Während
unmittelbar nach 'der Wende' die Mitgliedschaft in der Europäischen Union für viele der ehemaligen Mitglieder des 'Warschauer Pakts' als Garantie für Freiheit und Wohlstand galt, wird
in zunehmendem Maß Kritik an dieser Union laut. Die Integration stellt sich in den Augen ihrer Kritiker häufig als Einbahnstraße dar: eine Art der Zwangsanpassung an die fest geschriebenen Inhalte des Acquis Communautaire, des 'gemeinsamen Besitzstands', die ihrer Meinung
nach keine Chance auf Neubestimmung aufgrund der veränderten Bedingungen in Gesamteuropa zulassen. So scheint es, als ob diese Länder vom Regen in die Traufe gekommen wären.
Europa, so die Forderung, darf nicht gleichgesetzt werden mit der Europäischen Union und
die Besonderheit einzelner Nationen nicht der 'Gleichmacherei' westlicher Prägung geopfert
werden. Auch wenn man diese Meinung nicht teilt, so setzt eine rationale Diskussion doch
die Kenntnis der kritischen Argumente und Positionen voraus und der Quellen, aus der die
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
107
Kritik gespeist wird. Im vorliegenden Band finden sich höchst unterschiedliche Perspektiven
und Interpretation zur Frage was die oft beschworene 'Einheit in Vielfalt' denn ausmacht.
Gleichzeitig ist die Heterogenität, die in den einzelnen Beiträgen zum Ausdruck kommt, ihrerseits Zeichen der vielfältigen Variationen dieser Diskussion." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Vladimir Gvozden: Some remarks on the relationship between European identity
and the European Union (9-18); Andrej Nosko: Euroskepticism in Slovakia (19-26); Kenneth
Hanshew: "Europeanism" Czech-style (27-34); Christoffer Gronstad: Norway and the EU:
will Norway become a member? (35-40); Kenneth Hanshew: Reviewing Euroskepticism (4142).
[163-L] Hörnle, Tatjana:
Strafrechtliche Verbotsnormen zum Schutz von kulturellen Identitäten, in: Archiv für
Rechts- und Sozialphilosophie (ARSP), Beiheft, 2008, Nr. 113, S. 315-337 (Standort: USB
Köln(38)-Fa5; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Beitrag zeigt, dass es sich nur beschränkt empfiehlt, im strafrechtlichen Kontext
über "kulturelle Identität" zu sprechen. Dies nicht deshalb, weil der Begriff Kultur zu unscharfe Konturen hätte. Als Instrument zu deskriptiven Zwecken ist die Bezugnahme auf kulturelle Faktoren und kulturelle Identitäten durchaus von Nutzen. Manche Tatbestände, die mit
dem modernen Dogma "Strafrecht nur zum Rechtsgüterschutz" schwerlich zu vereinbaren
sind, werden verständlicher, wenn man erkennt, dass diese die Abwehr kulturell unerwünschten Verhaltens und den Schutz von kulturellen Identitäten i. e. S. bezwecken. Die Autorin rät
jedoch davon ab, diese Argumentation auch zur normativen Rechtfertigung von strafrechtlichen Verboten heranzuziehen. Ein solcher Rekurs auf "kulturelle Identität" ist schon deshalb
problematisch, weil der Begriff sich aus zwei Elementen zusammensetzt, die beide den Nachteil aufweisen, sprachlich "zwischen deskriptiver und normativer Funktion zu oszillieren". In
dem Begriff "Kultur" schwingt mit, dass es sich um ein positives und deshalb grundsätzlich in
Abgrenzung zu Negativem schützenswertes Gut handle (etwa, wenn man 'Unkultur' als Gegensatzbegriff zu 'Kultur' bildet). Dieselben Schwierigkeiten entstehen für den Begriff "Identität". (ICA2)
[164-L] Isensee, Josef:
Europas christliche Wurzeln: Prägekräfte der europäischen Identität, in: Die Politische
Meinung : Monatsschrift zu Fragen der Zeit, Jg. 54/2008, H. 4 = Nr. 461, S. 19-24 (Standort: USB
Köln(38)-EP15460; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.kas.de/wf/doc/kas_13364-544-1-30.pdf)
INHALT: Die Werte, auf die sich die Europäische Union beruft - die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte -, sind , so der Verfasser, säkulare Derivate des Christentums. Das Christentum, so wie es
in der Spätantike politische Wirksamkeit erlangt, wirkt kraft seines geistlichen Anspruchs auf
die bestehende staatliche Ordnung ein und verwandelt diese von Grund auf. Es sprengt die
staatlich-religiöse Einheit, innerhalb deren Religion und Kult im Dienst des Imperiums stehen, und unterwirft die staatliche Herrschaft dem Wort des Christentums. Die Revolution
vollzieht sich jedoch nicht im ganzen Wirkungskreis des Christentums, sondern allein in seiner westlichen, der lateinischen Hemisphäre. Sie erfasst nicht die östliche Hemisphäre, die
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
griechische und die russische Orthodoxie. Es wird die These vertreten, dass im Menschenbild
des Christentums, das auf Schöpfung und Erlösung gründet, wesentliche Züge der modernen
Menschenrechte angelegt sind: die Einheit des Menschengeschlechts, das auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeht, die Gleichheit aller, die von Gott erschaffen sind, die Einmaligkeit
jedes einzelnen Menschen, in dem sich ein Gedanke Gottes verkörpert, seine Personalität und
Eigenverantwortung. Der Verfassungsstaat lebt weiter auf dem europäischen Kulturboden,
auf dem er entstanden ist, aus dem Humus seiner Geschichte, und er zehrt von den Substanzen, zu denen das Christentum gehört, das diesen Boden im Laufe der Jahrhunderte durchdrungen und geprägt hat. Säkularisiert und vielfältig vermittelt, wirken christliche Elemente
in Psyche und Verhalten der Gesellschaft, in Ethos und Normen. (ICF2)
[165-L] Jordan, Peter:
EU-Erweiterung und die europäische Identität, in: Iskra Schwarcz, Arnold Suppan (Hrsg.):
Quo vadis EU? : Osteuropa und die EU-Erweiterung, Münster: Lit Verl., 2008, S. 41-55, ISBN:
978-3-8258-1240-9 (Standort: LB Speyer (107)-1084267)
INHALT: Der Verfasser analysiert Kultur- und Gesellschaftstraditionen der Erweiterungsländer,
die sich auf den Charakter der EU und ihre Identität auswirken. Es wird gezeigt, dass die Erweiterung der EU in das östliche Europa hinein nicht einfach eine Fortschreibung der westlichen Werte- und Sozialsysteme bedeutet. Es sind schwierige, vielleicht auch konfliktreiche
kulturelle Anpassungsprozesse zu erwarten, wodurch die Weiterentwicklung der EU auf ihre
politisch-gesellschaftlichen Ziele hin zumindest verzögert wird. Auch der Charakter und die
Identität der bisherigen Union werden sich wahrscheinlich verändern. Infolge dessen wird es
schwerer werden, eine gemeinsame und ausgeprägte europäische Identität zu entwickeln. Vor
diesem Hintergrund wird der Frage nachgegangen, warum es überhaupt so wichtig ist, eine
gemeinsame europäische Identität zu haben (oder zu entwickeln), und darauf zu achten, dass
die Erweiterung nicht Identitäten einbezieht, die zur Identität der bisherigen Union in zu
großer Spannung stehen. Innerhalb der EU werden, so der Autor, beträchtliche finanzielle
Mittel horizontal umverteilt (von reicheren in ärmere Staaten und Gebiete). Von allen Mitgliedern kann (auch militärische) Solidarität in Krisenfällen eingefordert werden, auch wenn
diese Krise das eine oder andere Mitglied nicht wirklich berührt oder betrifft. Es wird argumentiert, dass ohne einen geistigen Überbau in Form einer ausgeprägten Identität die dafür
benötigte Solidarität auf Dauer nicht zu erwarten ist. Denn es sind Solidarität, Zusammengehörigkeitsgefühl oder Wir-Gefühl notwendig, um weniger entwickelte Teile der EU auf längere Sicht und auf Kosten des eigenen Wohlstands finanziell zu unterstützen. Erfahrungen
zeigen, dass derartige Solidarität auf Dauer oft schon innerhalb des eigenen Landes kaum aufgebracht werden kann. Im Falle der EU werden aber Solidarität, Zusammengehörigkeitsgefühl, Wir-Gefühl nicht nur für den sozioökonomischen Disparitätenausgleich bis aufs Äußerste gefordert. Sie müssen notfalls auch dazu reichen, Gebiete der EU mit militärischen Mitteln,
d.h. unter Einsatz des eigenen Lebens oder des Lebens der eigenen Kinder zu verteidigen
oder sich in entscheidenden Fragen überstimmen zu lassen. Es ist kaum vorstellbar, so die
These, dass dies ohne Rückbezug auf eine starke europäische Identität möglich ist. (ICF2)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
109
[166-L] Jungbluth, Konstanze; Meierkord, Christiane (Hrsg.):
Identities in migration contexts, (Mannheimer Beiträge zur Sprach- und Literaturwissenschaft,
Bd. 69), Tübingen: Narr 2007, 179 S., ISBN: 978-3-8233-6317-0 (Standort: UB DuisburgEssen()-E11ODB2477+1)
INHALT: "Der vorliegende Band greift das Thema Identitätskonstruktion anhand von Beispielen
aktueller Formen der Migration und in Bezug zu Theorien des Kulturkontakts und des Kulturwandels auf. Zum einen untersuchen die Autorinnen Prozesse individueller Selbstdefinition,
zum anderen die gesellschaftliche Platzierung eines Individuums im sozialen System und seinen unterschiedlichen Gruppierungen. Die Beiträge gewähren Einblick in die Identitätskonstruktion amerikanischer Emigranten in Deutschland, internationaler Bildungsmigranten in
Großbritannien und Frankreich, junger Erwachsener in Katalonien aus ein- und mehrsprachigen Herkunftsfamilien, Arbeitsmigranten in Chile, marokkanischer Migranten in Südspanien,
sowie in sprachliche Folgen der Binnenmigration südafrikanischer Parlamentarier." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Inke Du Bois: Hiding and struggling with national identity. American expatriates in Germany (11-34); Christiane Meierkord: (De)Constructing national identities in international student migration (35-49); Sigrid Behrent: Identities in interalloglot
communication (51-73); Konstanze Jungbluth: Doing identities in regional, national and global contexts: the Catalan case in Spain (75-98); Emili Boix: Encoding Catalan identities (99111); Isabel A. Knoerrich: Languages, identities and cultures between Spain and Morocco:
questions in modern hispanoarabistics (115-127); Bettina Kluge: Negotiating regional identity
in conversation: a chilean case study (129-156); Liesel Hibbert: (Re)Contextualization of traditional repertoires in parliamentary discourse in South Africa (157-173).
[167-L] Klausa, Ekkehard:
Deutsche Leitkultur - Wende eines Tabuthemas?, in: Hans-Jörg Bücking, Eckhard Jesse
(Hrsg.): Deutsche Identität in Europa, Berlin: Duncker & Humblot, 2008, S. 17-34, ISBN: 978-3428-12760-3 (Standort: UBL Münster(6A)-MG15070/188)
INHALT: "Ekkehard Klausa untersucht, was das Reizwort 'Deutsche Leitkultur' sinnvoll bedeuten kann. Grundlage für ein friedliches Miteinander von Einheimischen und Zuwanderern sei
ein Kulturpluralismus - im Gegensatz zur 'Multikultur'. Den Unterschied bewirkt die integrative Leitkultur im Sinne Bassam Tibis als Einverständnis über zivilgesellschaftliche Gemeinsamkeiten. Die Alternative wären unverbundene Parallelkulturen und eine Balkanisierung der
Gesellschaft. Den Zuwanderern müsse eine Identifikation mit Deutschland ermöglicht werden, was nicht Assimilation heiße. Dazu verhilft eine Leitkultur, die drei Elemente verbindet:
erstens deutscher Spracherwerb und Gesetzestreue; zweitens Förderung durch Integrationskurse und vorschulisches kostenloses Sprachtraining; und drittens die Einladung an die Migranten, sich mit ihrer neuen Heimat zu identifizieren. Das werde nur gelingen, wenn die
Deutschen mit sich selbst einigermaßen im Reinen sind. Seit einigen Jahren zeigen Artikel in
liberalen Zeitungen allmählich ein realistisches Problembewusstsein, auch wenn der Begriff
der 'deutschen Leitkultur' eher gemieden wird." (Autorenreferat)
110
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
[168-L] Krell, Gertraude; Riedmüller, Barbara; Sieben, Barbara; Vinz, Dagmar (Hrsg.):
Diversity studies: Grundlagen und disziplinäre Ansätze, Frankfurt am Main: Campus Verl.
2007, 260 S., ISBN: 978-3-593-38478-8 (Standort: UB Bonn(5)-2008/2735)
INHALT: "Diversity - Vielfalt, Differenz - ist zu einem zentralen Thema gesellschaftlicher und
wissenschaftlicher Auseinandersetzung geworden. Dabei wird in Diversity ein Potenzial gesehen, das es nicht zuletzt aus Gründen der Effizienz zu nutzen gilt. Mit Fokus auf Geschlecht, Alter und Ethnie werden in diesem Band Theorieansätze innerhalb dieser Forschungsrichtung vorgestellt und gezeigt, welche Anregungen sie für den praktischen Umgang
mit sozialer und kultureller Vielfalt liefern." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Gertraude
Krell, Barbara Riedmüller, Barbara Sieben und Dagmar Vinz: Einleitung - Diversity Studies
als integrierende Forschungsrichtung (7-16); Martin Fuchs: Diversity und Differenz - Konzeptionelle Überlegungen (17-34); Wolfgang Benz und Peter Widmann: Langlebige Feindschaften - Vom Nutzen der Vorurteilsforschung für den Umgang mit sozialer Vielfalt (3548); Annedore Prengel: Diversity Education - Grundlagen und Probleme der Pädagogik der
Vielfalt (49-68); Christoph Wulf: Kulturelle Diversität aus der Sicht historischer Anthropologie (69-86); Ute Luig: Diversity als Lebenszusammenhang - Ethnizität, Religion und Gesundheit im transnationalen Kontext (87-108); Martina Dören: Gender, Diversity und Intersektionalität als Herausforderung für die Medizin (109-122); Hans-Joachim von Kondratowitz: Diversity in alternden Gesellschaften - Beiträge der Alternsforschung (123-142); Barbara Riedmüller und Dagmar Vinz: Diversity Politics (143-162); Karen Schönwälder: Diversity und
Antidiskriminierungspolitik (163-178); Frank Bayreuther: Diskriminierungsschutz und
Gleichbehandlung im Arbeitsleben -Eine rechtswissenschaftliche Analyse der Diskussion
über das AGG (179-200); Pakize Schuchert-Güler und Martin Eisend: Diversity und Antidiskriminierung im Privatversicherungsrecht (201-216); Christian Armbrüster: Ethno-Marketing
- Eine kritische Betrachtung (217-234); Gertraude Krell und Barbara Sieben: Diversity Management und Personalforschung (235-254).
[169-L] Krienke, Markus; Belafi, Matthias (Hrsg.):
Identitäten in Europa - europäische Identität, (Sozialwissenschaft), Wiesbaden: Dt. Univ.Verl. 2007, VII, 391 S., ISBN: 978-3-8350-6050-0 (Standort: UB Bonn(5)-2008/6492)
INHALT: "Zu den vornehmsten Zielen des Deutsch-Italienischen Zentrums Villa Vigoni gehört
die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Um diesem Ziel näher zu kommen, organisiert die Villa Vigoni seit einigen Jahren 'Europäische Doktorandenkolloquien'. Dank der
finanziellen Unterstützung durch private oder öffentliche Geldgeber wie die Gerda HenkelStiftung oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat sich die Reihe der 'Europäischen
Doktorandenkolloquien' als fester Bestandteil des Programms der Villa Vigoni einen Namen
gemacht. Daher freut es uns besonders, dass zwei junge Wissenschaftler, Markus Krienke und
Matthias Belafi, die an einem solchen Villa Vigoni-Kolloquium teilgenommen haben, dessen
Ergebnisse nun als Buch vorlegen und damit einen wichtigen Mauerstein zum gemeinsamen
'Haus Europa' setzen. Denn darin sehen wir ein Hauptanliegen der Förderung, die wir vermitteln: Wir wollen eine Infrastruktur bereitstellen, die das wissenschaftliche Gespräch exzellenter junger Leute auf europäischer Ebene ermöglicht. So entspricht es der aktuellen europapolitischen Forderung, Europa müsse als 'Wissensraum' zusammenwachsen und sich als 'Wissenschaftsraum' stärker profilieren. Zugleich lebt unsere Initiative aber von dem Bewusstsein,
dass dieser Wissensraum nicht erst erfunden, sondern permanent ausgebaut, vertieft und kri-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
111
tisch reflektiert werden muss. Schließlich ist er so alt wie Europa selbst, das niemals nur Feld
politischer Aktionen, Kriegschauplatz oder Rechtsraum war, sondern immer auch ein ideeller
Ort der Freude am Denken und am Austausch von Wissen. 'Geist begeistert', lautet ein Motto
im Jahr der Geisteswissenschaften', welches das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das auf Seiten der Bundesrepublik für das Deutsch-Italienische Zentrum
Villa Vigoni zuständig ist, 2007 ausrichtet. Das zeitliche Zusammentreffen dieser Initiative
mit der Veröffentlichung der Beiträge des 'Europäischen Doktorandenkolloquiums' der Villa
Vigoni war zwar nicht geplant, ist aber doch auch mehr als ein schöner Zufall. Es ist das Ergebnis eines gemeinsamen Enthusiasmus für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit
den Traditionen, Kulturen und Wissensbeständen, die unser Denken, Handeln und Zusammenleben prägen. Sie sind Gegenstand des 'Europäischen Doktorandenkolloquiums', das traditionell 'europäische Identität' und 'Identitäten in Europa' thematisiert. Natürlich ist uns klar,
dass der Begriff der 'Identität' seine Tücken hat. Benutzt man ihn jedoch kritisch, erweist er
sich als durchaus brauchbares Vehikel, um nach den Praktiken und Konzepten zu fragen, mit
denen sich einzelne und Gruppen in ihrer Besonderheit konstituieren und legitimieren. Dazu
gehören Narrative von der gemeinsamen Vergangenheit ebenso wie Entwürfe für eine gemeinsame Zukunft. Insofern versteht sich die Rede von der 'europäischen Identität' auch nicht
als exklusiver Normkatalog von Eigenschaften und Errungenschaften, sondern als Möglichkeit der Reflexion über das eigene Selbstverständnis und die eigenen Lebensbedingungen. Im
Idealfall eines europäischen Gesprächs wird man sich auf friedliche, kollegiale Weise befragen und auch in Frage stellen lassen. Das gilt für die nationalen Wissenschaftskulturen ebenso wie für das europäische Selbstverständnis. Denn wenn auch gewiss zutrifft, was der Potsdamer Historiker Martin Sabrow scheibt, dass sich 'die historische Europäisierung als ein Entwicklungstrend von paradigmatischer Kraft' erweist, so sind Beharrungsvermögen und Plausibilität der nationalen oder regionalen Perspektiven nicht einfach leichthändig beiseite zu
schieben. Es gilt denn auch weniger, die eine Perspektive zugunsten der anderen zu 'überwinden', als sie miteinander vertraut zu machen." (Textauszug). Inhaltsverzeichnis: Carsten
Kretschmann und Christiane Liermann: Identitäten in Europa - Europäische Identität: Anmerkungen zu einem kontroversen Begriff (9-16); Markus Krienke: Der Rechtsbegriff als Kategorie europäischer Identität (17-46); Matthias Belafi: Die christliche Identität Europas - Die
Anerkennung einer Tatsache und ihr Nutzen für die Gesellschaft (47-76); Lazaros Miliopoulos: Die Frage der atlantischen Dimension politischer Identität Europas (77-102); J. Erika von
Rautenfeld: Den neuen Europäer bilden - EU-Identitätspolitik an Universitäten (103-126);
Stefan Raueiser: Europäische Identitäten - cusanische Perspektiven (127-148); Reiner Marcowitz: Europäisierung Westdeutschlands? - Europabewusstsein und Europadebatte in der Bundesrepublik Deutschland 1945/49-1970 (149-166); Marie-Emmanuelle Reytier: Katholikentage als Instrumente der Identitätsbildung der deutschen Katholiken 1848-2004 (167-188);
Heléna Tóth: "Keine bloßen Memoiren" - Ludwig Simon im Exil (189-208); Eva Oberloskamp: Geschichtsbild und Identität - Die historische Einordnung der Sowjetunion durch deutsche und französische Linksintellektuelle (1917-1939) (209-230); Márta Fazekas: Einige
Überlegungen zum Zusammenhang zwischen der ungarischen Identität und Autonomiekonzeptionen im geographischen Raum "Karpatenbecken" (231-248); Bernd Sösemann: Transnationale Kommunikation als Faktor eines differenzierten Integrationsprozesses in der Europäischen Union - Überlegungen zur Öffentlichkeit und europäischen Identität, zum "Eigensinn"
der politischen Kulturen und zur Selbstmarginalisierung Europas (249-276); Ute Pannen:
Dem deutschen Volke - Der Bevölkerung. Hans Haackes Reichstagsprojekt und das deutsche
Selbstbild (277-302); Valerie Popp: Amerika in der Literatur deutschsprachiger Exilierter in
den USA im Spannungsfeld von nationaler Identität und Alterität (303-324); Leonhard Herr-
112
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
mann: Europa, die Deutschen und ihre Klassiker - Zum Verhältnis von nationaler und europäischer Identität in der deutschen Literaturgeschichtsschreibung (335-346); Irene Vogt: Babylon neu entdecken - Ein Versuch zur Bestimmung der Rolle der Sprache(n) im europäischen Identitätsdiskurs und daraus resultierende Konsequenzen für den wissenschaftlichen
Kommunikationsraum (347-366); Cornelia Bruell: EU à venir - Die Europäische Identität aus
poststrukturalistischer Perspektive (367-388).
[170-F] Maehler, Débora, Dipl.-Psych. (Bearbeitung); Schmidt-Denter, Ulrich, Prof.Dr. (Leitung);
Schmidt-Denter, Ulrich, Prof.Dr. (Betreuung):
Identität und Akkulturation bei eingebürgerten Migranten
INHALT: Die Frage, wie das Zusammenleben gesellschaftlicher Gruppen mit unterschiedlichem
kulturellen und ethnischen Hintergrund zu beiderseitigem Vorteil gestaltet werden kann, ist
immer wieder Gegenstand in der politischen Diskussion. Um angemessen handeln und politisch notwendige Entscheidungen treffen zu können, sind jedoch weitere wissenschaftliche
Erkenntnisse erforderlich, die Aufschluss darüber geben, welche Faktoren eine erfolgreiche
Integration in Deutschland begünstigen. Im Rahmen der Forschungsarbeit wird der Prozess
der Identifizierung eingebürgerter Mitgranten innerhalb der Aufnahmegesellschaft Deutschland untersucht. Um der zentralen Frage nachzugehen, ob die Staatsbürgerschaft Einfluss auf
die Identifikation mit Deutschland mit sich bringt, soll die soziale und personale Identität des
Individuums mit Migrationshintergrund untersucht werden. Es wird überprüft, inwieweit insbesondere individuelle Dispositionen, spezifische Akkulturationsstrategien, der Grad der soziokulturellen Anpassung oder der soziodemografische Hintergrund eine Identifizierung mit
der Aufnahmegesellschaft beeinflussen oder von dieser bedingt werden. Dabei sollen die Besonderheiten unterschiedlicher Migrantengruppen bei diesem Prozess berücksichtigt werden.
GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Theoretischer Ansatz: Akkulturationstheorien, Identitätstheorien; methodischer Ansatz: multivariate Analysemethoden. Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe; Querschnitt
DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, schriftlich; Standardisierte Befragung, online; Standardisierte Befragung, telefonisch (Stichprobe: ca. 500; eingebürgerte Migranten;
Auswahlverfahren: Zufall). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: BEGINN: 2006-02 ENDE: 2009-04 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution;
Wissenschaftler
INSTITUTION: Universität Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Department Psychologie
Professur Entwicklungs- und Erziehungspsychologie (Bernhard-Feilchenfeld-Str. 11, 50969
Köln)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0221-470-4475, e-mail: [email protected])
[171-L] Maehler, Débora; Schmidt-Denter, Ulrich; Bergmann, Jana; Pöhls, Katharina; Balkowski,
Anna-Linda; Radchenko, Tatiana:
Identität und Akkulturation bei Migranten unterschiedlicher Herkunftskulturen,
(Forschungsbericht zum Projekt "Identität und Akkulturation von Migranten", Nr. 2), Köln 2008,
78 S. (Graue Literatur; nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-27737)
INHALT: Im vorliegenden Forschungsprojekt wurden MigrantInnen und bereits eingebürgerte
Personen über einen längeren Zeitraum hinweg (zunächst ca. ein Jahr) untersucht. Der Be-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
113
richt stellt erste Ergebnisse einer Befragung aus dem Jahr 2007 nicht eingebürgerter MigrantInnen deutschlandweit dar, wobei ausführlich gezeigt wird, inwieweit individuelle Dispositionen, Auswanderungsgründe, spezifische Akkulturationsorientierungen, der Grad der soziokulturellen Anpassung, Einbürgerungsmotive und der soziodemografische Hintergrund mit
der Integration der Befragten einhergehen. Die im Rahmen der Untersuchung eingesetzten
Skalen wurden anhand einer Pilotstudie (N=48) und einer Stichprobe eingebürgerter MigrantInnen (N=272) validiert, deren Kennwerte im Forschungsbericht Nr.1 zum Projekt "Identität
und Akkulturation von Migranten" (Maehler et al., 2008) dargestellt sind. Es werden zunächst
der Untersuchungsverlauf skizziert und die Stichprobe beschrieben. Danach folgt die Darstellung der Kennwerte für die einzelnen Variablen und die dazugehörigen Items der gemessenen
Konstrukte. Es werden ferner die Zusammenhänge zwischen den gemessenen Konstrukten
analysiert und weiterführende Analysen mit ausgewählten Variablen vorgestellt. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung und Diskussion der bisherigen Ergebnisse. (ICI2)
[172-L] Maehler, Débora; Schmidt-Denter, Ulrich; Skuballa, Irene; Cetin, Eda; Pöhls, Katharina;
Stuppy, Anika; Bergmann, Jana; Kacharava, Tea; Gogodze, Nino:
Identität und Akkulturation bei eingebürgerten Migranten und Migrantinnen,
(Forschungsbericht zum Projekt "Identität und Akkulturation von Migranten", Nr. 1), Köln 2008,
103 S. (Graue Literatur; nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-27728)
INHALT: Der vorliegende Bericht enthält eine Einführung in das laufende Forschungsprojekt
"Identität und Akkulturation von Migranten", in welchem vor allem der Stellenwert der Einbürgerung als Integrationsmaßnahme untersucht wird. Der Bericht stellt die Ergebnisse der
Hauptanalysegruppe dar, die sich aus im ersten Halbjahr des Jahres 2007 eingebürgerten Migranten und Migrantinnen zusammensetzt. Es wurden hierzu ca. 300 Neu-Deutsche regional
breit gestreut zu ihrer individuellen Disposition und Identität, zu spezifischen Akkulturationsorientierungen, ihrem Einbürgerungsprozess, ihren Einwanderungsmotiven und ihren soziokulturellen Differenzen befragt. Es waren Personen zwischen 16 und 70 Jahren vertreten, die
aus verschiedenen Herkunftskulturen stammen und sich unterschiedlich lang in Deutschland
aufhalten. Die Untersuchung widmet sich insbesondere der Rolle der Staatsbürgerschaft:
Werden zum Beispiel Zugehörigkeitsgefühl zur und Integrationsbereitschaft in die deutsche
Gesellschaft durch den Prozess der Einbürgerung gefördert oder ist der deutsche Pass nur ein
"Stück Papier" und der/die "Neue Deutsche" bleibt weiterhin ein Türke/eine Türkin mit deutschem Pass? (ICI2)
[173-L] Makarova, Elena:
Akkulturation und kulturelle Identität: eine empirische Studie bei Jugendlichen mit und
ohne Migrationshintergrund in der Schweiz, (Prisma : Beiträge zur Erziehungswissenschaft aus
historischer, psychologischer und soziologischer Perspektive, Bd. 8), Bern: Haupt 2008, 201 S.,
ISBN: 978-3-258-07318-7 (Standort: Hess. LB Wiesbaden(969)-NBO000121)
INHALT: "Wie gehen Jugendliche mit der kulturellen Vielfalt ihrer Lebens- und Entwicklungsräume um? Die Diskussion dieser Frage wird eingeleitet durch die Auseinandersetzung mit
dem Verständnis des Kulturbegriffs sowie durch die Darstellung der Zusammenhänge zwischen Individuum, Gruppe und Kultur im zeitgenössischen Kontext. Vor diesem Hintergrund
prüft die vorliegende Studie die Rolle des familiären und des schulischen Lebensbereiches für
114
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
die Akkulturation und die kulturelle Identität. Von innovativer Bedeutung ist dabei, dass der
Fokus nicht ausschliesslich auf Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt, sondern auch
auf einheimischen Jugendlichen und solchen aus bi-kulturellen Familien. Die Autorin zeichnet ein differenziertes Bild der soziokulturellen Zugehörigkeit von Jugendlichen im Spannungsfeld von tradierter und durch Migration bedingter Kultur. Die Ergebnisse verdeutlichen,
dass die Polarisierung zwischen den beiden oft als homogen aufgefassten Kategorien 'Migranten' und 'Einheimische' die soziale Realität verzerrt. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur
Grundlagenforschung im Bereich der kulturellen Heterogenität geleistet. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse werden Folgerungen für die Schule als Integrationsinstanz von kulturellen und sozialen Minderheiten abgeleitet." (Autorenreferat)
[174-L] Meyer, Thomas; Vorholt, Udo (Hrsg.):
Identität in Europa, (Dortmunder politisch-philosophische Diskurse, Bd. 6), Bochum: ProjektVerl. 2008, 101 S., ISBN: 978-3-89733-187-7 (Standort: ULB Düsseldorf(61)-his/d/2924)
INHALT: "Vier Politikwissenschaftler befassen sich in diesem Band mit der viel diskutierten
Frage nach einer 'europäischen Identität'. Thomas Meyer stellt ausgehend von der politischen
Identität und der Rolle der kulturellen Unterschiede Projektidentität und Zugehörigkeit als die
zwei Säulen einer europäischen Identität vor. Neben der Entwicklung von sieben Dimensionen einer europäischen Projektidentität wird die soziale Identität der Europäischen Union besonders hervorgehoben. Cäcilie Schildberg gibt einen Überblick über die europäische Identitätsdebatte und stellt dabei verschiedene theoretische Ansätze europäischer Identität vor. Das
Konzept einer kollektiven politischen Identität wird als das für den europäischen Kontext geeignetste vorgestellt. Michael Bruter präsentiert seine umfangreichen empirischen Forschungsergebnisse, die die Existenz einer europäischen Identität belegen können. Interessant
dabei ist vor allem, dass die beiden in der Forschung dichotomisch betrachteten Identitätskonzepte (kulturelle vs. politische) auf der Ebene individueller Identitätskonstruktion durchaus
koexistieren. Werner Weidenfeld stellt grundlegende Überlegungen einer europäischen Reflexion vor. Ausgehend von einer Darstellung des Wesens Europas und der europäischen Geschichte, stellt er die Frage einer Integration der erweiterten Union." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Thomas Meyer: Europäische Identität (11-30); Michael Bruter: In the Face of
Europe: Citizens, Symbols and European Identity (31-58); Cäcilie Schildberg: 'Wurzeln' für
ein politisches Europa? Ein Überblick über die europäische Identitätsdebatte (59-77); Werner
Weidenfeld: Reden über Europa - die Neubegründung des europäischen Integrationsprojekts
(78-100).
[175-L] Meyer, Thomas:
European Identity, in: Reimund Seidelmann, Andreas Vasilache (Hrsg.): European Union and
Asia : a dialogue on regionalism and interregional cooperation, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges.,
2008, S. 103-118, ISBN: 978-3-8329-3433-0 (Standort: UB Bonn(5)-2008/4816)
INHALT: Der Beitrag argumentiert für die These, dass die europäische Identität bzw. die der EU
"konstruiert" wird bzw. als politisches Konzept konstruiert werden muss. Es handelt sich damit nicht um etwas kulturell Substanzielles, das aus dem historischen Erbe und der Tradition
des Abendlands gewonnen werden kann. Der Autor zeigt dies am Scheitern der Diskussion
um die "christlichen Grundlagen" der EU und den Gottesbezug im Verfassungsentwurf zur
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
115
Fundierung einer gemeinsamen "Werteordnung" der politischen Kultur der EU. Um die Diskrepanzen und Missverständnisse in dieser Auseinandersetzung zu klären, werden drei prinzipielle Dimensionen und Aspekte des Kulturbegriffs unterschieden: (1) die religiös-metaphysische Ebene von kollektiven Glaubenssystemen (belief systems bzw. ways of believing); (2)
die soziokulturelle Ebene des Alltagslebens (ways of living); (3) die polit-kulturelle Ebene
der politischen Grundüberzeugungen und Wertorientierungen (ways of living together). Der
Autor verdeutlicht diese generellen Unterscheidungen an einem Vergleich von europäischer
und islamischer "Identitätspolitik". (ICA)
[176-L] Nauck, Bernhard:
Akkulturation: theoretische Ansätze und Perspektiven in Psychologie und Soziologie, in:
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft, 2008, H. 48, S. 108-133
(Standort: UB Bonn(5)-Einzelsign; USB Köln(38)-M Einzelsign; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: "Der Beitrag zielt auf eine konzeptuelle und theoretische Integration der Akkulturations- und Assimilationsforschung, wie sie sich in der kulturvergleichenden Psychologie und in
der Migrationssoziologie entwickelt haben. Obwohl beide unabhängig voneinander entstanden sind und selten voneinander Notiz genommen haben, ist die Konvergenz der Forschungsprogramme und die konzeptuelle Äquivalenz der jeweils verwendeten Terminologie beträchtlich. Akkulturation ist ein longitudinales Mehrebenen-Explanandum und ein interdisziplinärer
Forschungsgegenstand. Exemplarisch werden Akkulturations-Adaptations-Modelle (Berry)
und Assimilations-Modelle (Esser) unter dem Gesichtspunkt verglichen, wie sie das Mehrebenen-Problem der Verknüpfung von individuellem (Akkulturations-/ Assimilations-)Handeln und sozialem Kontext lösen. Hierzu wird 'Kultur' als Mehrebenen-Konzept der Akkulturationsforschung eingeführt und auf Kapital-Investitions-Theorien und auf InstitutionenTheorien von Migrationsregimes bezogen, die beide vielversprechende Ansätze für die zukünftige Akkulturationsforschung darstellen." (Autorenreferat)
[177-F] Saxer, Antoinette, M.A. (Bearbeitung); Maissen, Thomas, Prof.Dr. (Betreuung):
Ferne Nähe. Das Konzept der orientalischen Despotie und die Bildung politischer, sozialer
und kultureller Identitäten im Europa der frühen Neuzeit
INHALT: Wegen seiner Fremdheit und Alterität wirkte der Orient bereits in der frühen Neuzeit
als ein konzeptueller Ort der Konfrontation. Er erlaubte eine genauere Bestimmung von Werten, Anschauungen und Systemen, die es zu erhalten oder zu kritisieren galt. Durch seine abgrenzende Wirkung trug er zur Entstehung der europäischen Identität(en) bei, welche sich in
dialektischen Prozessen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, zwischen Kritik an den
eigenen lebensweltlichen Verhältnissen und Verwerfung des Anderen immer deutlicher ausbildeten. Das vorliegende Dissertationsprojekt befasst sich mit solchen Prozessen politischer,
gesellschaftlicher und kultureller Selbstwahrnehmung, Positionierung und Behauptung in der
frühneuzeitlichen Staatenwelt Europas. Spezifisch geht es um die Analyse der Wechselwirkungen zwischen Selbst- und Fremdkritik, welche im Konzept der orientalischen Despotie in
besonderer Weise konvergierten. Freiheit in all ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit, Freiheit, welche in den frühneuzeitlichen Auseinandersetzungen mit fernen und nahen Despoten
eingefordert wurde, löste das Christentum als Proprium des Abendlandes allmählich ab. Kul-
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1.8 Kulturelle Identität
turell vermittelt wurde der orientalische Despot als Feindbild dieser Freiheit in verschiedenen
Medien - insbesondere in Texten, musikalisch-theatralischen Inszenierungen und Bildern deren Eigenheiten, Traditionen und Zusammenspiel untersucht werden sollen. GEOGRAPHISCHER RAUM: Europa
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Heidelberg, Philosophische Fakultät, Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften -ZEGK- Historisches Seminar Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Postfach 105760, 69047 Heidelberg); Universität Heidelberg, Philosophische Fakultät, Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften -ZEGK- Promotionskolleg "Das Konzert der Medien in der Vormoderne - Gruppenbildung und Performanz" (Grabengasse 3-5, 69117 Heidelberg)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[178-L] Schildberg, Cäcilie:
'Wurzeln' für ein politisches Europa?: ein Überblick über die europäische Identitätsdebatte,
in: Thomas Meyer, Udo Vorholt (Hrsg.): Identität in Europa, Dortmund: Projekt-Verl., 2008, S.
59-77, ISBN: 978-3-89733-187-7 (Standort: ULB Düsseldorf(61)-his/d/2924)
INHALT: Das ursprüngliche Ziel des Verfassungsgebungsprozesses war die stärkere Anbindung
an den Bürger. Dies wurde bisher nicht erreicht. Die Autorin konstatiert, dass nur ein Rückgriff auf die "alte" Methode erfolgte: die europäischen Akteure handeln einen Kompromiss
aus, der - soweit dies mit nationalem Recht vereinbar ist - keiner Zustimmung der Bürger in
Form von Referenden bedarf. Dies hat sich als Irrtum erwiesen, da die EU eine politische
Qualität erlangt hat, die die Frage aufwirft, worin diese eigentlich wurzelt. "Wurzeln" wird
verstanden als eine tragfähige Grundlage, im Sinne von Gründen, die das politisch gewordene
Europa zu legitimieren und in den Köpfen der Bürger zu verankern vermögen. In der Europaforschung wird die Frage nach den Gründen und Begründungen, Wurzeln und Grundlagen
unter den Begriffen der Legitimität, Identität und Demokratie diskutiert. Diese Hinwendung
der Europaforschung zu normativen Fragen des Europäischen Integrationsprozess wird im
vorliegenden Beitrag in den wesentlichen Zügen nachgezeichnet. Dabei erweist sich das Konzept einer kollektiven politischen Identität als das für den europäischen Kontext tragfähigste.
(ICA2)
[179-L] Starek, Jana:
Die Tschechische Republik zwischen nationaler Identität und europäischer Integration, in:
Iskra Schwarcz, Arnold Suppan (Hrsg.): Quo vadis EU? : Osteuropa und die EU-Erweiterung,
Münster: Lit Verl., 2008, S. 145-177, ISBN: 978-3-8258-1240-9 (Standort: LB Speyer (107)1084267)
INHALT: Die Tschechische Republik hat, so die Verfasserin, seit 1989 einen umfassenden
Transformationsprozess durchschritten und erreichte fünfzehn Jahre nach der Wende bei im
Einzelnen unterschiedlichen Auffassungen, aber dem Grundkonsens der Zugehörigkeit zu Europa, das angestrebte Ziel der EU-Mitgliedschaft und wird nach weiteren fünf Jahren den
Vorsitz in der EU führen. Das Ringen um die eigene Identität und die gleichzeitige Stellung
in Europa standen auch im Vordergrund der Überlegungen, mit denen sich der spätere Mitbegründer und erste Präsident der Tschechoslowakei, Tomas G. Masaryk, auseinander setzte.
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
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Im 20. Jahrhundert war der Aufbau des Staates nach zwei Jahrzehnten durch das "Münchner
Abkommen" jäh beendet, gefolgt von sechs Jahren "Protektorat Böhmen und Mähren". Die
Weichen zur politischen Linksorientierung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren
gestellt. Nach der Errichtung der "Volksdemokratie" 1948 folgten vier Jahrzehnte totalitären
Systems. Reformversuche wie der "Prager Frühling 1968" wurden niedergeschlagen. Mit der
Wende 1989 wurde der Zerfall des kommunistischen Regimes besiegelt und der Weg zum
Aufbau eines unabhängigen und demokratischen Staates frei. Durch die Verselbständigung
der Slowakischen Republik war die Situation der Tschechischen Republik eine neuerlich andere geworden. Die Suche nach nationaler Identität bei gleichzeitiger europäischen Integration ist, so die These, eine große Herausforderung an die Politik, da noch immer Ängste und
Vorbehalte, die nur aus der historischen Entwicklung zu verstehen sind, bestehen. Neue
Chancen eröffnen sich für die im 21. Jahrhundert heranwachsende Generation, die frei von
traumatischen Erfahrungen und Deformationen ihrer Vorfahren ein Leben als selbstbewusste
TschechInnen und EuropäerInnen mit einer erweiterten Identität führen kann. (ICF2)
[180-L] Suber, Daniel:
"Natur" und "Geschichte": kulturwissenschaftliche Aspekte der Konstruktion nationaler
Identität in Serbien, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft :
Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006.
Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 2241-2251, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: Der Autor zeigt in seinem Vortrag, dass die Dichotomie von Natur/Geschichte auch im
Hinblick auf die Definition von sozialen Gemeinschaften von Bedeutung ist. Ein analoger
Gegensatz zwischen Natur und Geschichte kann zum Beispiel aus der politischen Mythologie
serbischer Kulturträger abgeleitet werden. In diesen symbolischen Beschreibungen erscheint
der Naturzustand als derjenige, in welchem die Bewohner ihre authentischen, von Gott gegebenen Lebensformen bewahrt haben. Im Gegensatz dazu stehen die urbanen, multi-ethnischen
Ballungszentren. Folglich ließen sich die Wurzeln der nationalen Identität nicht im politischkulturellen Zentrum der Hauptstadt, sondern in der ländlichen Peripherie auffinden. Der Autor konzentriert sich bei seinen Ausführungen auf eine besondere, von Ernst Cassirer ausführlich untersuchte Welterschließungsfunktion: den Mythos. Denn diese Wahrnehmungsform
wird häufig mit einem engen Verhältnis zum natürlichen Ursprung der sozialen Vorstellungswelten in Verbindung gebracht. Der Autor wendet Cassirers Beobachtungen über die Wirkungsweisen und politischen Mobilisierungsfunktionen des mythischen Bewusstseins exemplarisch auf das Verhältnis von Mythos und Krieg der Serben seit Ende der 1980er Jahre an,
um einige soziokulturellen Dynamiken, die mit einer mythologischen Wahrnehmung in Verbindung stehen, zu verdeutlichen. (ICI2)
[181-L] Theisen, Heinz:
Ein dritter Weg für Europa: die kulturelle Erweiterung der Europäischen Union, in:
Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 55/2005, H. 2, S.
3-14 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Mit der geplanten Erweiterung in den orthodoxen und den islamischen Raum wird aus
der bis dahin westlich geprägten Europäischen Union eine multikulturelle Union. Durch eine
118
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
kulturelle Überdehnung könnte es zu dem Verlust eines für die Handlungsfähigkeit der Union
notwendigen Wir-Gefühls kommen. Andererseits sollte aber auch die 'soft power' der Anziehungskraft der Union für die Stabilisierung Ost- und Südosteuropas genutzt werden. Dieses
Dilemma kann nicht im Entweder-Oder einer vollständigen Mitgliedschaft, sondern nur durch
Abstufungen zwischen einer Integrations-, Assoziations- und einer Kooperationszone aufgehoben werden. Die kulturellen Zugehörigkeiten sollten bei der Zuordnung eine wesentlich bedeutendere Rolle erhalten. Im interkulturellen Lehren und Lernen müsste an Differenzierungen und Übergängen gearbeitet werden." (Autorenreferat)
[182-L] Veelken, Ludger:
Kulturelle Identität, Werte und Wertewandel im interkulturellen und intergenerationellen
Kontext, in: Monika Reichert, Eva Gösken, Anja Ehlers (Hrsg.): Was bedeutet der demografische
Wandel für die Gesellschaft? : Perspektiven für eine alternde Gesellschaft, Münster: Lit Verl.,
2007, S. 99-115, ISBN: 978-3-8258-0178-6 (Standort: UB Köln(38)-35A4472)
INHALT: "Ludger Veelken untersucht die Frage des Wertewandels im interkulturellen und intergenerationellen Kontext, basierend auf einer deutsch-indischen Vergleichsuntersuchung zum
Wertewandel bei Jung und Alt in beiden Ländern. 'Westernisation' und zunehmende Wertkonflikte zwischen Jung und Alt, wie sie in Indien zu beobachten sind, auf der einen Seite,
Entwestlichung als Tendenz, die sich z.B. in neuen Formen einer 'magischen', aufklärungsfeindlichen Religiosität zeigt, auf der anderen Seite, markieren Konfliktlinien im Miteinander
verschiedener Kulturen und Generationen und werfen die Frage nach Formen toleranten Zusammenlebens auf. Über den Milieubegriff werden Differenzierungen im Modernisierungsprozess und Wertewandel auf nationaler und globaler Ebene zu erfassen versucht. Letztlich,
so Ludger Veelkens Fazit, lässt sich kulturelle Identität nur noch als 'Betweenness-Identität'
fassen - interkulturell wie intergenerationell." (Autorenreferat)
[183-L] Volkmann, Uwe:
Kulturelles Selbstverständnis als Tabuzone für das Recht?, in: Archiv für Rechts- und
Sozialphilosophie (ARSP), Beiheft, 2008, Nr. 113, S. 245-262 (Standort: USB Köln(38)-Fa5;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Beitrag diskutiert die Frage, ob der Umgang mit verschiedenen kulturellen, weltanschaulichen Differenzen und Selbstverständnissen angesichts des Umstands, dass sich diese
immer weiter voneinander entfernen, nicht wieder stärker von jenem Pragmatismus geprägt
sein muss, mit dem der Respekt vor ihnen im Sinne der Idee der Toleranz einst begründet
worden ist. Der Autor verweist hier auf drei elementare Einsichten, "von denen schwer zu sehen ist, wie man sie bestreiten sollte". Die erste Einsicht ist, dass der freiheitliche Staat, zu
dessen freiheitlicher Verfasstheit es unter dem "Faktum des Pluralismus" keine vernünftige
Alternative gibt, stärker als der autoritäre Staat darauf angewiesen ist, dass seine Regeln "aus
Einsicht" befolgt werden und seine Institutionen von den Bürgern auch innerlich angenommen werden. Weiterhin scheint klar, dass gerade ein Staat, in dem verschiedene kulturelle
Gruppen koexistieren, um so stabiler ist, je stärker er auf eine gemeinsame politische Kultur
zurückgreifen kann, in die die unterschiedlichen koexistierenden Gruppen eingebettet sind.
Umgekehrt und drittens gilt, dass es unter Gesichtspunkten der sozialen und politischen Kohäsion erfahrungsgemäß problematisch ist, wenn sich ein Staat in verschiedene Gruppen zer-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
119
gliedert, die völlig isoliert voneinander existieren. Es muss dann neben einer Welt, in der der
einzelne für sich und in seiner Gruppe sein kann, auch eine "gemeinsame Welt" im Sinne einer politischen, kulturellen und geistigen Struktur geben. (ICA2)
[184-L] Weidenfeld, Werner:
Reden über Europa - die Neubegründung des europäischen Integrationsprozesses, in:
Thomas Meyer, Udo Vorholt (Hrsg.): Identität in Europa, Dortmund: Projekt-Verl., 2008, S. 78100, ISBN: 978-3-89733-187-7 (Standort: ULB Düsseldorf(61)-his/d/2924)
INHALT: Der Beitrag stellt die Frage nach der Europäischen Identität und der Integration der erweiterten Union. Während kulturorientierte Ansätze eine europäische Geschichtsschreibung
und die Festschreibung kultureller Werte und Symbole befürworten, betonen Vertreter einer
politischen Identität die Notwendigkeit einer Demokratisierung und Politisierung der EU, da
erst im demokratischen Prozess und in der Auseinandersetzung um die politische Ausgestaltung der EU ein Identitätsbewusstsein entstehen kann. Erfahrbarkeit, Öffentlichkeit und Partizipation sind hier wesentliche Stichworte. Europa als wirtschaftliches, politisches und sicherheitspolitisches Projekt, das in einem dynamischen Umfeld gleichermaßen nach innen und
außen mitgestaltend wirkt: Diesen Begründungszusammenhang zu konkretisieren ist dabei
entscheidend für die Vermittlung künftiger Integrationsschritte. Gleichzeitig müssen Kanäle
geschaffen werden, die eine dialogische Rückkoppelung der öffentlichen Meinung an das
strategische Entscheidungszentrum der Europäischen Union erlauben. (ICA2)
[185-L] Winkelmann, Christine:
Kulturelle Identitätskonstruktionen in der Post-Suharto-Zeit: chinesischstämmige
Indonesier zwischen Assimilation und Besinnung auf ihre Wurzeln, (Opera Sinologica, 21),
Wiesbaden: Harrassowitz 2008, 246 S., ISBN: 978-3-447-05683-0 (Standort: USB Köln(38)11W2342a)
INHALT: Ziel der Untersuchung ist es, die Neuverhandlung kultureller Identität chinesischstämmiger Indonesier beobachtbar und damit analysierbar zu machen. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Forderung, dass die historischen Gegebenheiten nicht einfach eine Konstruktion von chinesischer Identität erfordern, sondern vielmehr als vorgeschalteten Schritt
eine Dekonstruktion von "Chinesischsein" (Chineseness), wie es bisher in Indonesien verstanden wurde. Zurückzuführen ist diese Notwendigkeit darauf, dass viele der als charakteristisch
begriffenen Markierungen chinesischer Identität eigentlich auf ein feindliches bzw. diskriminierendes Fremdbild zurückzuführen sind, mit denen es sich auseinanderzusetzen gilt. Daran
schließen sich zwei Leitfragen an, die im Zentrum der Studie stehen: (1) Wie (de-)/(re-)konstruiert die chinesische Minderheit eine kulturelle Identität, vor allem vor dem Hintergrund
eines einflussreichen Fremdbilds und wirksamer Fremdzuschreibungen, und (2) welche
Merkmale werden als konstituierend für die eigene kulturelle Identität begriffen? Die Leitfragen werden exemplarisch an zwei Feldern beantwortet, womit gleichzeitig die kulturellen
Identitätsdebatten in der chinesischen Gemeinschaft in Indonesien zwischen 1998 und 2003
nachgezeichnet werden. Der erste Untersuchungsgegenstand sind Kurzgeschichten chinesischstämmiger Autoren zwischen 1997 und 2002. Der zweite ist das nach 1998 neu entstandene chinesische Pressewesen Indonesiens. Die Analyse basiert auf knapp 200 Kurzgeschichten, die allesamt in chinesischer Sprache verfasst wurden und zwischen 1996 und 2000 er-
120
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.8 Kulturelle Identität
schienen sind. Anhand der 200 Kurzgeschichten werden thematische Gemeinsamkeiten erarbeitet, die hinsichtlich einer kulturellen Identitätskonstruktion von Relevanz sind. Entsprechend einer thematischen Gewichtung werden die Erzählungen einer oder mehreren Kategorien zugeordnet. Das so gewonnene Analyseraster ist ein Hilfsmittel, um die Fülle von Material
zu sortieren und thematische Schwerpunktbildungen sichtbar zu machen. Analysiert und vorgestellt werden nicht die 200 Kurzgeschichten, sondern eine Auswahl, die die jeweiligen Themen illustriert. Des weiteren bietet die Analyse der ausgelassenen Themen einen Einblick in
die Befindlichkeit der chinesischen Minderheit. Die so gewonnenen Informationen liefern den
Hintergrund zu einer Inhaltsanalyse der Zeitungen und Zeitschriften mit dem Ziel, die Leitfragen zur (Re)Konstruktion kultureller Identität und ihrer konstituierenden Merkmale zu beantworten. (ICF2)
1.9
Politische Kultur
[186-L] Bachner, Henrik:
Politische Kulturen der Verleugnung?: Antisemitismus in Schweden und Skandinavien, in:
Lars Rensmann, Julius H. Schoeps (Hrsg.): Feindbild Judentum : Antisemitismus in Europa,
Potsdam: Verl. f. Berlin-Brandenburg, 2008, S. 147-179, ISBN: 978-3-86650-642-8 (Standort:
ULB Münster(6)-MS3400/471)
INHALT: Die Kernidee des modernen Antisemitismus ist der Glaube an eine "jüdische Weltverschwörung". Der vorliegende Beitrag identifiziert dieses Ideologem an Hand der Befunde
qualitativer und quantitativer Untersuchungen in Schweden und den anderen skandinavischen
Ländern. Publikationen - auch im Internet - propagieren die Anschauung, dass Juden die Medien und die Politik kontrollieren, dadurch Immigration und "Multikulturalität" vorantreiben,
um so die westlichen Gesellschaften zu schwächen und die "Weltherrschaft" zu erlangen.
Während die meisten Rechtsextremisten dieser "Verschwörungstheorie" anhängen, gibt es inzwischen auch die Variante, dass Juden hinter den terroristischen Anschlägen auf die USA
am 11. September 2001 stehen. Andere wiederum - vor allem Muslime - begrüßen den Angriff als erfolgreichen Schlag gegen das Zentrum jüdischer Weltmacht. Obwohl es schwierig
ist, festzustellen, ob Antisemitismus in Schweden und Skandinavien seit dem Jahr 2001 angestiegen ist, so weist insgesamt vieles darauf hin, dass Vorurteile und negative Einstellungen
gegenüber Juden im öffentlichen Diskurs präsenter geworden sind. (ICA2)
[187-L] Dubin, Boris:
Simulierte Macht und zeremonielle Politik: Elemente der politischen Kultur in Rußland, in:
Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 56/2006, H. 3, S.
19-32 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Seit Beginn der Putin-Ära inszenieren die staatlichen Medien in Russland eine zeremonielle Politik, simulieren Machtfiguren und entwerfen Bedrohungsszenarien. Eine solche
symbolische Politik soll Solidarität mobilisieren und die Nation zusammenschmieden. Doch
kann sie nicht verdecken, dass die Männer an Russlands Staatsspitze schwach und verantwor-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.9 Politische Kultur
121
tungslos sind, die Elite entweder dienstfertig oder gelähmt ist und die Bevölkerung in Angst
verharrt." (Autorenreferat)
[188-L] Ekman, Joakim; Berglund, Sten:
Patterns of political attitudes in Europe, in: Petra Huse, Ingmar Dette (Hrsg.): Abenteuer des
Geistes - Dimensionen des Politischen : Festschrift für Walter Rothholz, Baden-Baden: Nomos
Verl.-Ges., 2008, S. 271-293, ISBN: 978-3-8329-3461-3 (Standort: UB Bonn(5)-2008/4818)
INHALT: Der vorliegende Beitrag untersucht an Hand der Ergebnissen von Umfrageforschungen, ob sich in den politischen Einstellungen der Europäer so etwas wie eine gemeinsame europäische Identität oder politische Kultur identifizieren lässt. Dazu werden in einem ersten
Schritt die politischen Wertorientierungen, d. h. die Einstellungen zur Demokratie, in den 27
EU-Mitgliedsstaaten verglichen. Danach werden die ablehnenden Haltungen gegenüber der
EU erfasst und auf den ersten Komplex bezogen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es
innerhalb der EU "innere Grenzen" gibt, an Hand derer eine Typologie politischer Kulturen in
Europa aufgestellt werden kann. Unterscheiden lassen sich zwei Konfliktlinien: ein NordSüd-Gefälle und ein erheblich stärkeres West-Ost-Gefälle hinsichtlich Demokratieverständnis
und der Unterstützung der europäischen Integration. (ICA)
[189-L] Geißel, Brigitte:
Bürger-, Eliten- oder Institutionenwandel?: das Phänomen politische Kritik als Problem
oder Lösung, in: Dieter Gosewinkel, Gunnar Folke Schuppert (Hrsg.): WZB-Jahrbuch 2007 :
politische Kultur im Wandel von Staatlichkeit, Berlin: Ed. Sigma, 2008, S. 319-336, ISBN: 978-389404-007-9
INHALT: Die Politische-Kultur-Forschung befasst sich mit der Frage, so die Verfasserin, ob und
welche Einstellungen für das Überleben und die Leistungsfähigkeit eines politischen Systems
notwendig sind. Dabei wurde in der älteren Forschung vor allem politische Unterstützung als
eine wichtige Ressource herausgestellt. Allerdings wachsen in vielen Demokratien seit Jahren
politische Unzufriedenheit, Kritik und Kritikbereitschaft. Als Reaktion auf diese Entwicklung
fordern Wissenschaftler, Politiker und Bürger eine ganze Reihe von Reformen, wobei sich
zwei Richtungen identifizieren lassen: Gilt politische Kritik als problematisches Krankheitsbild und Gefahr, so zielen die Reformansätze darauf, diese zu minimieren bzw. zu neutralisieren. Wer politische Kritik dagegen als Indikator für die Gesundheit demokratischer Systeme
und als Ressource betrachtet, hebt mit seinen Vorschlägen auf deren "Nutzung" für demokratische Reformen ab. Entsprechende Konzepte werden vorgestellt und auf der Basis empirischer Ergebnisse diskutiert. Es wird die These vertreten, dass Gesellschaften mit sehr kritischer Bevölkerung den Prozess der Demokratisierung am weitesten vorangetrieben haben und
sich durch besonders hohe Leistungsfähigkeit auszeichnen. (ICF2)
[190-L] Gosewinkel, Dieter; Schuppert, Gunnar Folke (Hrsg.):
WZB-Jahrbuch 2007: politische Kultur im Wandel von Staatlichkeit, Berlin: Ed. Sigma 2008,
402 S., ISBN: 978-3-89404-007-9
122
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.9 Politische Kultur
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Dieter Gosewinkel, Gunnar Folke Schuppert: Politische Kultur.
Auf der Suche nach den Konturen eines schillernden Begriffs (11-40); Jürgen Kocka, Jürgen
Schmidt: Politische Kultur aus historischer Perspektive (41-64); Arthur Benz: Über den Umgang mit der Verfassung. Anmerkungen zur Verfassungskultur im deutschen Bundesstaat
(65-84); Richard Münch: Republikanismus versus Verfassungspatriotismus. Politische Kulturen zwischen national divergenten Entwicklungspfaden und globaler Konvergenz im Pluralismus (85-104); Wolfgang Merkel: Was die Gesellschaft zusammenhält: Freiheit, Gerechtigkeit
und Solidarität (105-120); Franz C. Mayer: Europäisierung als Veränderung nationalstaatlicher Institutionen- und Governance-Kultur. Die Umpolung und Neutralisierung von Hierarchien (121-140); Thomas Groß: Zum Entstehen neuer institutioneller Arrangements: das Beispiel der Europäischen Verbundverwaltung (141-162); Patrick Kenis, Andreas Nölke, Jörg
Raab: Transnationale Politiknetzwerke. Institutionenkultur jenseits des Nationalstaates (163180); Katharina Gräfin von Schlieffen: Der Mediationsstaat (181-204); Gralf-Peter Calliess,
Moritz Renner: Rechtssicherheit ohne Staat? Eine empiriegestützte Theorie (205-222); Jürgen
Neyer: Externe Demokratisierung in Mittel- und Osteuropa und die Beständigkeit der politischen Kultur (223-238); Ulrich Haltern: Kultur. Konflikt. Konfligierende Demokratieverständnisse als unterschiedliche Imaginationen des "body politic" in Deutschland, der EU und
den USA (239-266); Martin Morlok: Gefährdungen demokratischer Entscheidungskultur
durch Informalisierung und Entparlamentarisierung politischer Entscheidungen (267-280);
Holger Straßheim: Kulturen der Expertise und politischen Wissensproduktion im Wandel:
vergleichende Beobachtungen (281-302); Birger P. Priddat, Alihan Kabalak: Politische Kultur. Zur politischen Ökonomie des Social Capital (303-318); Brigitte Geißel: Bürger-, Elitenoder Institutionenwandel? Das Phänomen politische Kritik als Problem oder Lösung (319336); Dieter Rucht: Protest als Kommunikation (337-356); Wolfgang van den Daele: Streitkultur. Über den Umgang mit unlösbaren moralischen Konflikten im Nationalen Ethikrat
(357-386); Max Kaase: Perspektiven der Forschung zur politischen Kultur (387-398).
[191-L] Green, David A.:
Political culture and incentives to penal populism, in: Helmut Kury (Hrsg.): Fear of crime punitivity : new developments in theory and research, Bochum: Brockmeyer, 2008, S. 251-276,
ISBN: 978-3-8196-0695-3 (Standort: UB Bielefeld(361)-IB570F2C9P)
INHALT: "Differences in political culture, or in ways of doing politics, help to account for differences in national appetites for punishment. The distinction between majoritarian and consensus democracy is explored in this chapter by comparing responses to two child-an-child homicides from the 1990s - the James Bulger case in England and the Silje Redergard case in Norway. In England, politicians had incentives to politicise the Bulger case, and were pressed to
act demonstrably and swiftly by emotive and condemnatory press coverage. The Labour Party
rhetorically enlisted the Bulger case in order to indicate its new and tougher approach to law
and order and to make the party more electable in the face of rising public concern about crime. Simplistic tabloid rhetoric went largely unchallenged by political leaders, and the public's
press-fuelled fears about crime were legitimated by traditionally left-leaning politicians eager
to distance themselves from elite expertise. These responses contrast with those to the Norwegian case, none of which appear to be politically motivated. The consensual nature of Norwegian politics seems to have decreased incentives to politicise the Redergard homicide in the
ways seen in England. Explanations for differing levels of cultural and political enthusiasm
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.9 Politische Kultur
123
for punishment are not complete until the implications of political culture are fully considered. " (author's abstract)
[192-L] Jaeger, Friedrich; Joas, Hans (Hrsg.):
Europa im Spiegel der Kulturwissenschaften, (Denkart Europa, 7), Baden-Baden: Nomos
Verl.-Ges. 2008, 334 S., ISBN: 978-3-8329-3414-9 (Standort: UB Bonn(5)-2008/4159)
INHALT: "Europa ist in den letzten Jahren zu einem Leitthema der Kultur- und Sozialwissenschaften geworden. In der Konjunktur dieses Themas spiegeln sich aktuelle Entwicklungen
und Transformationen der europäischen Gesellschaften wider, deren politischer Integrationsprozess eine Herausforderung des kulturellen Selbstverständnisses und der überlieferten Formen europäischer Identität darstellt. Es stellen sich neue Fragen nach Gemeinsamkeiten und
Unterschieden, die den gegenwärtigen Sozial- und Kulturwissenschaften eine Weiterentwicklung ihrer Forschungsperspektiven und methodischen Zugriffe abverlangen, um den Erfordernissen einer kulturellen Orientierung angesichts des Wandels europäischer Verhältnisse und
Lebensformen gerecht werden zu können. Die deutlich wahrnehmbare 'Europäisierung' ihrer
leitenden Fragestellungen, Inhalte und Forschungskonzepte ist in diesem Kontext zu sehen.
Wer sich über die wichtigsten Entwicklungen in den verschiedenen Disziplinen informieren
möchte, findet in den Beiträgen dieses Bandes eine aktuelle Bestandsaufnahme der verzweigten Diskussionen und eine zuverlässige Orientierung über den gegenwärtigen Stand der sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschung zum Thema Europa." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Friedrich Jaeger und Hans Joas: Europäisierung der Kulturwissenschaften - Eine
interdisziplinäre Bestandsaufnahme (7-16); Beate Kohler-Koch: Die Europäisierung der politikwissenschaftlichen Europaforschung (17-43); Gunnar Folke Schuppert: Europa - Politische
Kultur und Recht (44-72); Richard Münch: Von der Familie europäischer Nationen zur europäischen Gesellschaft - Soziologische Zugänge zur Europaforschung (73-96); Gerhard Wegner: Integrationsalternativen für Europa - Kontroversen in der ökonomischen Theorie (97116); Jürgen Straub: Psychologie in Europa - Europa in der Psychologie (117-155); Hans G.
Kippenberg: Europäisierung von Religionen (156-182); Hartmut Kaelble: Die Europaforschung der Historiker (183-203); Wolfgang Kaschuba: Europäisierung als kulturalistisches
Projekt? Ethnologische Beobachtungen (204-225); Wolfgang Nieke: Bildung für Europa zwischen geopolitischem Wirtschaftsblock und abendländischer Wertegemeinschaft (226244); Stefan Orgass: Auseinandersetzung mit musikalischer Vielfalt als Idealtypus einer kulturellen Praxis in Europa (245-273); Hans-Jürgen Lüsebrink: Interkultureller Kommunikationsraum Europa - Problemstellungen und Forschungsansätze aus der Sicht einer interkulturell
ausgerichteten Kulturwissenschaft (274-287); Roland Kanz: Kunst in Europa als Konstrukt
einer europäischen Kunstgeschichte (288-298): Dieter Thomä: Philosophische Spiegelungen
Europas (299-237).
[193-L] Jesse, Eckhard:
Historikerstreit und Patriotismus - politische Kultur im Wandel, in: Hans-Jörg Bücking,
Eckhard Jesse (Hrsg.): Deutsche Identität in Europa, Berlin: Duncker & Humblot, 2008, S. 35-49,
ISBN: 978-3-428-12760-3 (Standort: UBL Münster(6A)-MG15070/188)
INHALT: "Eckhard Jesse behandelt im Zusammenhang mit Patriotismus den 'Historikerstreit',
der vor über 20 Jahren die Gemüter bewegte, heute aber kaum mehr bekannt ist. Diese 'Groß-
124
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1.9 Politische Kultur
kontroverse' hatte viele Facetten; es ging nicht nur um die Frage nach einem kausalen Nexus
zwischen den kommunistischen und den nationalsozialistischen Verbrechen. Ein Streitpunkt
betraf die Frage, ob sich Verfassungspatriotismus als ein angemessenes Mittel zur Integration
eignet. Heute hat sich auch wegen der deutschen Einheit vielfach ein tief greifender Wandel
vollzogen. Patriotismus, der mehr als Verfassungspatriotismus ist, gilt weithin als akzeptabel.
Der Autor fragt nach den Gründen für die fundamentalen Veränderungen. Der Beitrag
schließt mit zehn Thesen zum Patriotismus, der eben kein Nationalismus ist. Patrioten erheben sich nicht über andere Länder." (Autorenreferat)
[194-L] Kaase, Max:
Perspektiven der Forschung zur politischen Kultur, in: Dieter Gosewinkel, Gunnar Folke
Schuppert (Hrsg.): WZB-Jahrbuch 2007 : politische Kultur im Wandel von Staatlichkeit, Berlin:
Ed. Sigma, 2008, S. 387-397, ISBN: 978-3-89404-007-9
INHALT: Die Erweiterung der theoretisch-analytischen Perspektive in Richtung Dynamisierung
einerseits und der systematischen Einbeziehung zivilgesellschaftlicher und institutioneller
Variablen in Form von Mehrebenenanalysen andererseits weist, so der Verfasser, auf ein bisher bei weitem nicht ausgeschöpftes Potenzial der "klassischen" Politische-Kultur-Forschung
hin. Hinzu kommt jedoch noch ein anderer, in den bisherigen Debatten nur kursorisch angesprochener Gesichtspunkt. Nichts spricht aber gegen eine Ausweitung dieses Forschungsparadigmas auch auf nicht demokratisch verfasste Gesellschaften. Was immer man gegen die einstellungsbezogene mikroanalytische Politische-Kultur-Forschung einwenden mag: Sie zeichnet sich durch eine klare politikwissenschaftliche und methodische Perspektive aus, indem sie
die Performanz und Legitimitätsgeltung politischer Ordnungen und der in ihnen tätigen Akteure sowie die Determinanten der politischen Orientierungen mit repräsentativen Umfragen
bei - in der Regel wahlberechtigten - Staatsbürgern im zeitlichen Verlauf erfasst. Das setzt sowohl eine theoriebasierte Operationalisierung der Messinstrumente als auch deren kontinuierliche empirische Anwendung im jeweiligen Forschungsfeld voraus, Bedingungen, die die mikroanalytische Politische-Kultur-Forschung im Prinzip erfüllt oder die zumindest erfüllbar
sind. Nun muss gefragt werden, so die These, ob mit diesen beiden Bedingungen Voraussetzungen definiert sind, die dem Konzept der von den Herausgebern in den Mittelpunkt gestellten fünf hinzugefügten Bedeutungsschichten politischer Kultur und ihrer Erforschung angemessen, ja überhaupt zu realisieren sind. Hinzu tritt noch das gravierende allgemeine, auch
für die mikroanalytische Forschung geltende Problem, wie und ob überhaupt die unterschiedlichen theoretischen Dimensionen zu einem Gesamtkonzept politischer Kultur aggregiert werden sollen und können. (ICF2)
[195-L] Kittel, Manfred:
"Steigbügelhalter" Hitlers oder "stille Republikaner"?: die Deutschnationalen in neuerer
politikgeschichtlicher und kulturalistischer Perspektive, in: Historische Zeitschrift, Beiheft :
NF, 2007, H. 44, S. 201-235
INHALT: Der Autor setzt sich in seinem Beitrag mit der Geschichte der parlamentarischen Kultur in der Weimarer Republik am Beispiel der neueren Debatte um den politischen Stellenwert und die programmatisch-ideologische Ausrichtung der Deutschnationalen Volkspartei
(DNVP) auseinander. Er wendet sich vor allem kritisch gegen die von Thomas Mergel kultur-
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1.9 Politische Kultur
125
historisch und symboltheoretisch begründete These einer "stillen Republikanisierung" der
DNVP. Eine solche Deutung unterschätzt seiner Meinung nach nicht nur die politischen
Funktionsdefizite des Weimarer Reichstages, sondern wird auch durch neuere Forschungsergebnisse zur Entwicklung dieser Partei auf regionaler Ebene innerhalb und außerhalb Preußens (Pommern, Württemberg, Bayern) eindeutig widerlegt. Die inhaltlichen Fragen, die der
Autor in seinem Forschungsüberblick erörtert, beziehen sich einerseits auf das Verhältnis der
DNVP zur Weimarer Republik und andererseits auf die völkische Bewegung und die NSDAP. Obwohl sich anhand der Entwicklung nach 1945 belegen lässt, dass das konservative
Deutschland keineswegs prinzipiell unfähig zur Demokratie gewesen ist, so zeigen doch die
politische Praxis wie auch die Verfassungsvorstellungen der Weimarer Deutschnationalen,
dass von einer "stillen Republikanisierung" nach 1919 nicht die Rede sein kann. (ICI2)
[196-L] Leontidou, Lila:
Memories of citizenship founded on the city: spatialities in Early Urban Europe and modern
mediterranean political cultures, in: Paolo Foradori, Simona Piattoni, Riccardo Scartezzini
(Hrsg.): European citizenship : theories, arenas, levels, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2007, S.
151-165, ISBN: 978-3-8329-2940-4 (Standort: UB Bonn(5)-20083186)
INHALT: Die postmodernen Städte sind offene Siedlungen mit wechselnden Grenzen und ausufernden Umrissen. Ihre Bevölkerung ist mobil und kosmopolitisch mit hybriden und wechselnden Räumlichkeiten. Gleichzeitig gewinnen die Städte wieder mehr an Bedeutung in Hinblick auf die Frage der Bürgerschaft. Die Autorin thematisiert vor diesem Hintergrund den
Gegensatz zwischen dem anglo-amerikanischen Anti-Urbanismus und den mediterranen politischen Kulturen. Sie geht insbesondere auf die widersprüchlichen Entwicklungen der urbanen Räume in einer Demokratie und in einer Diktatur ein und beleuchtet das Zusammenspiel
zwischen Bürgerschaft und seiner Behauptung in Zeiten einer Diktaturherrschaft. Sie skizziert
zuvor die Kulturen der "Polis" und den Urbanismus in den Stadtstaaten des Mittelmeerraums
sowie ihre Entwicklung von der "Agora" zur "Piazza". (ICI)
[197-L] Lorig, Wolfgang H.:
Politische Kultur, in: Wolfgang H. Lorig, Mario Hirsch (Hrsg.): Das politische System
Luxemburgs : eine Einführung, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 31-44, ISBN: 9783-531-14182-4 (Standort: UB Köln(38)-35A5596)
INHALT: Der Beitrag liefert eingangs eine Definition und ein Konzept der Politischen Kultur,
das fünf Dimensionen umfasst: (1) die Einstellung zur politischen Gemeinschaft, (2) die Einstellung zum politischen System, (3) Umfang und Formen der politischen Beteiligung, (4) die
politischen Entscheidungsmuster und (5) den Homogenitätsgrad der Politischen Kultur. Ferner wird Luxemburg als ein Grenzland zwischen 'Ost und West' mit einer traditionellen
Mehrsprachigkeit (Deutsch, Französisch, Luxemburgisch) beschrieben, das vor allem als
Makler zwischen Frankreich und Deutschland fungiert, aber auch zwischen den EU-Mitgliedsstaaten insgesamt. Auf dieser Grundlage werden anschließend empirische Befunde zu
folgenden Aspekten politischer Kultur für den Zeitraum 2003 bis 2006 dargestellt: (1) politisches Interesse und politische Partizipation, (2) die Einstellung der Bürger gegenüber Europa
sowie (3) Cleavages in der Konsensdemokratie. Vergleichende Analysen mit anderen EULändern qualifizieren Luxemburg als eine relativ konfliktarme Gesellschaft, in der demokrati-
126
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1.9 Politische Kultur
sche Institutionen traditionell und bislang ohne relevante Veränderungen eine umfassende
Akzeptanz erfahren. Das Großherzogtum Luxemburg erfüllt die Kriterien des Typus Konsensdemokratie. Die hohe Akzeptanz des politischen Systems wird auch bei den Grundeinstellungen zur Gesellschaft offensichtlich: 92 Prozent der Bürger Luxemburgs sind zufrieden
mit ihrem Leben. (ICG2)
[198-L] Mayer, Franz C.:
Europäisierung als Veränderung nationalstaatlicher Institutionen- und Governance-Kultur:
die Umpolung und Neutralisierung von Hierarchien, in: Dieter Gosewinkel, Gunnar Folke
Schuppert (Hrsg.): WZB-Jahrbuch 2007 : politische Kultur im Wandel von Staatlichkeit, Berlin:
Ed. Sigma, 2008, S. 121-139, ISBN: 978-3-89404-007-9
INHALT: Die Mehrsprachigkeit im Kontext der europäischen Integration, so der Verfasser, bedingt für das vielleicht bedeutsamste Element kultureller Einbettung von Institutionen, Sprache, Veränderungseffekte sowohl auf europäischer wie auf nationaler Ebene. Daneben lässt
sich ein Funktionswandel bei den für die Herrschaftsausübung zentralen Institutionen beobachten, der sich mit dem Austausch des Handlungsparadigmas verbindet und eine Verlagerung von der aktiven Politik zur reaktiven Politik beinhaltet. Betrachtet man diesen Funktionswandel näher, gelangt man zu dem Phänomen der Umpolung und Neutralisierung von
Hierarchien. Mit der Tendenz zur Schwächung des Konzepts Hierarchie entwickelt sich Institutionenkultur anders als zuvor. Die Stichworte, die diese Veränderungen am besten erfassen,
sind Unübersichtlichkeit, Gleichordnung und Mehrpoligkeit von Aushandlungsprozessen.
(ICF2)
[199-L] Neyer, Jürgen:
Externe Demokratisierung in Mittel- und Osteuropa und die Beständigkeit der politischen
Kultur, in: Dieter Gosewinkel, Gunnar Folke Schuppert (Hrsg.): WZB-Jahrbuch 2007 : politische
Kultur im Wandel von Staatlichkeit, Berlin: Ed. Sigma, 2008, S. 223-238, ISBN: 978-3-89404007-9
INHALT: Die dritte Welle der Demokratisierung, so der Verfasser, ist in den 1990er Jahren nicht
ausgelaufen, sondern hat ihre eindrucksvolle Dynamik beibehalten. Alle zehn mittel- und osteuropäische Beitrittsländer gelten heute in der Literatur als rechtsstaatlich-pluralistische Demokratien. In einem ersten Schritt wird die transformationstheoretische Literatur der letzten
Jahre analysiert und die zentrale Rolle internationaler Faktoren für die Erklärung des Transformationsbefunds betont. Vor diesem Hintergrund wird die These demokratischer Konsolidierung untersucht und kritische Nachfragen bezüglich der zu erwartenden Reichweite von
extern beförderten Transformationsprozessen werden gestellt. Abschließend werden die Befunde resümiert und offene Fragen für die weiterführende empirische Forschung formuliert.
(ICF2)
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1.9 Politische Kultur
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[200-L] Oettler, Anika:
Politische Kultur und ethnische Inklusion: zur historiographischen Bedeutung der
"Wahrheitskommissionen" in Guatemala und Peru, in: Christian Büschges, Joanna PfaffCzarnecka (Hrsg.): Die Ethnisierung des Politischen : Identitätspolitiken in Lateinamerika, Asien
und den USA, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2007, S. 248-283, ISBN: 978-3-593-38327-9
INHALT: Der Beitrag untersucht am Beispiel Guatemalas und Perus das vergangenheitspolitische Instrument der "Wahrheitskommission" als Mechanismus der diskursiven Inklusion multiethnischer politischer Neuordnungen. Die Autorin deutet Wahrheitskommissionen als Instrument einer "invention of tradition", somit als Instrument der Herstellung von historischer
"Wahrheit". Im Falle Guatemalas und Perus zielt diese Argumentation auf die im Kontext der
Wahrheitskommissionen sichtbare politische Intention der Schaffung einer neuen demokratischen und partizipativen Nation, die ihren multi-ethnischen und plurikulturellen Charakter
achtet. Ungeachtet der in den ausgewählten Länderbeispielen unterschiedlich gelagerten Gewaltexzesse, die im Mittelpunkt der Untersuchung standen - einerseits die Frage der Genoziddiagnose des guatemaltekischen Staatsterrors, andererseits die Frage nach der politischen oder
terroristischen Natur der Aufstandsbewegung des "Leuchtenden Pfades" in Peru -, nahmen
beide Kommissionen eine ethnische Interpretation der "bewaffneten Auseinandersetzungen"
vor. Die "ethnische Frage" und das Projekt einer multikulturellen Nation standen somit auch
im Zentrum des didaktischen Anspruchs der Abschlussberichte der Wahrheitskommissionen.
Die Autorin betont weiterhin den transnationalen Rahmen der politischen Kommunikation, in
dem sich diese "invention of tradition" vollzieht, da die Aufarbeitungsbewegung mittlerweile
zu einem globalen Phänomen geworden ist, in dem sich eine diskursive Angleichung hinsichtlich der verfolgten Intentionen und Ziele feststellen lässt. (ICA2)
[201-L] Preuss, Ulrich K.:
Die Auswirkung von Wertvorstellungen auf die politische Kultur, in: Bernd M. Scherer, Sven
Arnold (Hrsg.): Die alte und die neue Welt : transatlantische Gespräche, Göttingen: Wallstein,
2008, S. 123-126, ISBN: 978-3-8353-0125-2 (Standort: Württ. LB Stuttgart(24)-58/4120)
INHALT: Der Beitrag befasst sich mit Rechten und Werten im transatlantischen Transfer. Dabei
geht es um die Frage, welche Rolle das Recht und die ihm zugrunde liegenden Wertvorstellungen für die Art und Weise des gesellschaftlichen Zusammenlebens und damit letztlich für
den Charakter des politischen Gemeinwesens haben. Um die Zukunftsfähigkeit der Politikund Rechtssysteme westlicher Gesellschaften einschätzen zu können, gilt es - so die These
des Autors - sich klarzumachen, dass diesen in den USA und Europa unterschiedliche Freiheitsvorstellungen und Individualitätsbegriffe unterliegen. Die amerikanische Kultur besitzt
einen individualistischen Kern, und deshalb geht es darum, die Freiheit des Individuums, seine individuellen Rechte zu schützen. Dagegen wird das Individuum in Europa immer eingebettet in gemeinschaftliche Beziehungen gesehen. Aus diesem Denken entwickelte sich der
europäische Wohlfahrtsstaat, der von vielen Amerikanern, so der Autor, als "reinster Sozialismus" wahrgenommen wird. (ICA2)
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1.9 Politische Kultur
[202-L] Schissler, Jakob:
Politische Kultur in Hessen im Wandel, in: Wolfgang Schroeder (Hrsg.): Parteien und
Parteiensystem in Hessen : vom Vier- zum Fünfparteiensystem?, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss., 2008, S. 56-73, ISBN: 978-3-531-16003-0 (Standort: UB Bochum(294)-DPA14520)
INHALT: Der Autor zeigt in seinem Beitrag, in welcher Weise die politische Kultur in Hessen
von den ersten Nachkriegsregierungen unter Führung der SPD geprägt worden ist und eine
besondere Identität entwickelt hat. Hessen ist heute seiner Einschätzung zufolge nicht mehr
ein rotes Fortschritts- und Gegenmodell zum Bund. Denn die Wähleridentifikationen haben
sich seit den 1960er Jahren verschoben, die politische Kultur hat sich ausdifferenziert und die
politischen Diskurse haben sich entsozialdemokratisiert. Dennoch kann mit Blick auf die
jüngste Landtagswahl im Januar 2008 festgestellt werden, dass eine hessenspezifische weltoffene, gerechtigkeitsbezogene und links-sozialdemokratische Kultur auch heute noch fester
Bestandteil des hessischen Mentalitätshaushalts ist. Der Autor beschreibt unter anderem die
politischen Symbole, Mythen und Rituale in der hessischen Parteienlandschaft sowie die Zeiten des Umbruchs und der allgemeinen Politikverdrossenheit. Er geht außerdem näher auf die
politisch-kulturellen Muster der hessischen Parteien ein, indem er die liberale Bürgergesellschaft, die "Herren der Netze", die Partei der sozialen Netze und die Entwicklungen bei den
Grünen, der Linken und den freien Wählern thematisiert. (ICI2)
[203-L] Schwan, Gesine:
Demokratische politische Kultur in nachdiktatorischen Gesellschaften, in: Christian Joerges,
Matthias Mahlmann, Ulrich K. Preuß (Hrsg.): Schmerzliche Erfahrungen der Vergangenheit und
der Prozess der Konstitutionalisierung Europas, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S.
335-346, ISBN: 978-3-531-15414-5 (Standort: Bibl. Ruhgebiet(Bm 3/2 BO)-AG 262/468)
INHALT: Die Autorin berichtet in ihrem Epilog zum vorliegenden Sammelband aus einer vergleichenden Untersuchung in Polen, Frankreich und Deutschland, deren Ergebnisse im Januar
2006 veröffentlicht worden sind. Im Mittelpunkt des langjährigen Forschungsprojekts standen
folgende Fragen: Wie konstituiert sich nach dem Ende einer Diktatur eine demokratische politische Identität? Wie und aufgrund welcher Einflussfaktoren entsteht sie empirisch nach
dem Ende diktatorischer Regime? Zu welchen alternativen Konsequenzen führt es, wenn Diktaturen institutionell Demokratien oder erneut Diktaturen folgen? Wie unterscheiden sich also
nachdiktatorische Gesellschaften je nachdem, ob sie institutionell pluralistisch-demokratisch
oder erneut hierarchisch-diktatorisch organisiert sind? Welche Rolle spielt dabei die Abfolge
der Generationen? Die Autorin erläutert zunächst die grundlegenden Begriffe zur individuellen und kollektiven Identität sowie zur demokratischen politischen Identität. Sie diskutiert anschließend anhand ausgewählter Forschungsergebnisse die Verläufe und Faktoren der Konstitution demokratischer politischer Identität in den drei untersuchten Ländern, wobei sie insbesondere auf den Pluralismus demokratischer Institutionen und den Generationenwechsel bei
der Vergangenheitsbewältigung eingeht. (ICI2)
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[204-L] Siebeneichner, Tilmann:
Die Wirkungsmächtigkeit der Gewalt: zu Georges Sorels "Mythos der Gewalt" in der
politischen Kultur der frühen Weimarer Republik, in: Internationale wissenschaftliche
Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Jg. 42/2006, H. 4, S. 468-488
(Standort: FES Bonn(Bo133)-X1850; USB Köln(38)-XG298; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: Anhand kommunistischer Periodika - der "Roten Fahne", des offiziellen Organs der
KPD, und des "Klassenkampfes", der Zeitung der kommunistischen Bezirksorganisation Halle-Merseburg - wird die von der Partei entfaltete Beschwörung des Sorelschen Gewaltmythos
im Hinblick auf die sogenannte Märzaktion, den gescheiterten Aufstandsversuch der KPD in
Mitteldeutschland im März 1921, der gewissermaßen den Höhepunkt der kommunistischen
"Kampfzeit" darstellte, rekonstruiert. Die "Märzaktion" eignet sich hierfür insofern besonders, so der Verfasser, weil sie nicht nur den Kristallisationspunkt der kommunistischen
"Kampfzeit" darstellt, sondern auch intensiv erforscht ist. War der "Mythos der Gewalt" für
die kommunistische Avantgarde Instrument einer finalen, alles aufs Spiel setzenden Mobilmachung für die Sache der proletarischen Revolution, trübte er jedoch den Blick dafür, dass
die Gewalt an der gesellschaftlichen Basis in erster Linie Ausdruck eines "totalen Protestes"
war, Indiz individueller wie kollektiver Krisenbewältigungsstrategien, die zwischen sozialem
Protest und politischem Engagement hin- und herchangierten und dabei vor allem die Bereitschaft zum Ausdruck brachten, durch die Anwendung von Gewalt die bisher respektierten
Grenzen 'normalen' sozialen und politischen Verhaltens zu überschreiten. (ICF2)
[205-L] Überall, Frank:
Der Klüngel in der politischen Kultur Kölns, Bonn: Bouvier 2007, 271 S., ISBN: 978-3-41603125-7 (Standort: USB Köln(38)-35A3387)
INHALT: Einleitend gibt der Verfasser einen Überblick über den Stand der kommunalpolitischen
Forschung, über aktuelle Macht- und Elitenforschung auf kommunaler Ebene und über den
Ansatz der Mikropolitik. Ein Abriss vorliegender Arbeiten über Kölner Kommunalpolitik und
Klüngel schließt sich an. Sodann wird das Untersuchungsgebiet "Stadt Köln" vorgestellt. Die
Rahmenbedingungen der politischen Kultur Kölns, die kommunalpolitische sowie die Medienlandschaft werden dargestellt. Anhand von Fallbeispielen wird eine Abgrenzung von
Klüngel und Korruption vorgenommen und dabei besonders auf die Situation der politischen
Akteure rund um die "Amtsträger-Eigenschaft" eingegangen. Exemplarische Fallstudien zur
politischen Entscheidungsfindung in Köln behandeln den Kölner Müll- und Spendenskandal,
die Kölnarena, die Verteilung von Schulleiterposten, die Etat-Beratungen, den Streit um den
Straßenstrich, die Personalpolitik in der Verwaltung und den Skandal um die Köln-Messe.
Vertrauen, so der Verfasser resümierend, ist die "Währung" des Klüngels. Gerade in der politischen Kultur Kölns ist der Klüngel eine Gratwanderung zwischen Allgemeinwohlorientierung und Privatinteressen. (ICE2)
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[206-L] Universität Münster, Zentrum für Niederlande-Studien (Hrsg.):
Jahrbuch / Zentrum für Niederlande-Studien: 16/2005, Politische Kultur, Partizipation und
Bürgergesellschaft, Münster: Aschendorff 2006, 257 S., ISBN: 3-402-04204-5 (Standort: USB
Köln(38)-16.2005/XC1129)
INHALT: Der erste Hauptteil geht auf ein Kolloquium des Herausgebers vom Dezember 2005
zurück, mit dem die öffentliche Diskussion um den Reformbedarf im Verhältnis zwischen Politik und Gesellschaft aufgegriffen und unter verschiedenen Fragestellungen bearbeitet wurde.
Zur Sprache kommen Themen wie Zivilgesellschaft, Parteiensystem oder Gender-Mainstreaming, die zumeist im deutsch-niederländischen Vergleich betrachtet werden, sowie eine Einschätzung zur politischen Lage in den Niederlanden. Sie befänden sich in einer Phase, 'in der
die Politik selbst zu einem wichtigen Instabilitätsfaktor geworden ist', schreibt Wallage mit
kritischem Blick auf die Islamkritik der niederländischen Medien nach dem Mord an den Filmemacher Theo van Gogh. Demgegenüber zeige sich die deutsche Demokratie viel widerstandsfähiger 'gegen große Erschütterungen' (41). Der zweite Hauptteil betrifft die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg; in drei Beiträgen wird über die niederländische und
deutsche Forschungstätigkeit der letzten 60 Jahre berichtet. In weiteren Beiträgen werden u.
a. Dissertationsprojekte zu ausgewählten Themen der niederländischen Geschichte und der
kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden vorgestellt. (ZPol, NOMOS). Aus dem Inhalt: Marc Frey: Zivilgesellschaft in historischer Perspektive: Die Niederlande und Deutschland im 19. Jahrhundert (11-32); Jacques Wallage: Verwirrung im Polder
(33-44); Peter Lösche: Das Parteiensystem und die Herausforderungen direkter Demokratie
(45-56); Bart Tromp: Zur Lage der politischen Landschaft der Niederlande (57-72); Mareike
Blömker: Politische Partizipation in Deutschland und den Niederlanden im Vergleich (7384); Gabriel van den Brink: Der mündige Bürger in der Zivilgesellschaft - Wege in die niederländische Partizipationsdemokratie(85-96); Paul Schnabel: Die Zukunft im Blick (97108); Joyce Outshoorn: Ein mühseliger Kampf. Gender Mainstreaming in den Niederlanden
(109-122); Claudia Neusüß: Gender Mainstreaming in Deutschland - Eine Gleichstellungsstrategie zwischen Vorbehalten und Hoffnungen (123-126); Hans Blom: Die Besatzungszeit
1940-1945 in der niederländischen Historiografie (127-140); Gerhard Hirschfeld: Niederländische Zeitgeschichte: Fragen und Perspektiven der Forschung (141-158); Chris Lorenz: Der
Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und die deutsche Geschichtsschreibung nach 1945
(159-170); Peter Rohs: Spinoza - Wege in eine moderne Identität (171-182); Karsten Hinrichs: Ein weites Leben im Exil - Felix Nussbaum und Belgien(183-194).
[207-L] Vollmer, Frank:
Die politische Kultur des Faschismus: Stätten totalitärer Diktatur in Italien, Köln: Böhlau
2007, 816 S., ISBN: 978-3-412-23106-4
INHALT: Vor dem Hintergrund des politischen Erbes und Umgangs mit dem Faschismus seit
den neunziger Jahren entwirft Vollmer ein Bild des lokalen Faschismus anhand zweier ausgewählter Städte (Arezzo und Terni). Er zeigt exemplarisch den Aufstieg und Erfolg faschistischer Rituale in Verbindung mit lokalen Traditionen. Dabei fragt Vollmer kritisch, inwieweit
ein faschistischer Kulturbegriff in sich widersprüchlich und überhaupt auf seine Untersuchungsobjekte anwendbar ist. Er plädiert deshalb er für ein weit gefasstes Konzept, 'das Kultur als Prozess der Bedeutungsermittlung' (109) und als Erzeugen von Meinungen versteht. In
diesem methodischen Rahmen gelingt es Vollmer, die verwendeten Mythen, Symbole und Ri-
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1.9 Politische Kultur
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tuale als Teil faschistischer Wirklichkeitskonstruktionen herauszuarbeiten und aufzuzeigen,
wie sich diese politischen Erzeugnisse faschistischer Kultur mit den lokalen Besonderheiten
(Feste, Trauer- und Totenfeiern) verbinden konnten. Dem faschistischen Regime schlugen in
Arezzo nachweislich ab 1929 Hingabe und Zustimmung entgegen, bis hin zu Patriotismus
und Zusagen, dem 'Duce' uneingeschränkt zu folgen. Die Durchdringung von faschistischen
Doktrinen erfolgte auch im stärker vom Arbeitermilieu geprägten Terni, wo jedoch die Massenarbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise zu größerem Misstrauen gegenüber der Regierung führte und auch der Kult um Rom und Mussolini insgesamt weniger Eindruck hinterließen. Detail- und kenntnisreich schildert Vollmer die weiteren Phasen stärkerer und abnehmender Zustimmung in den beiden italienischen Städte bis zum Ende des Krieges und gelangt
damit zu einem differenzierten Bild von der Gefolgschaft der Italiener gegenüber der faschistischen Diktatur. Neben dieser exzellenten Analyse lokaler Bedingungen für die Ausbreitung
des Faschismus überzeugt auch die profunde Untersuchung des Romkultes, der von den lokalen Machthabern zur Anschlussfähigkeit an das faschistische Selbstbild einer Romanita gewinnbringend instrumentalisiert wurde. (ZPol, NOMOS)
[208-F] Wimmer, Kathrin, Dipl.-Pol. (Bearbeitung); Nida-Rümelin, Julian, Prof.Dr. (Betreuung):
Die öffentliche Rolle des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien - Essenz und Triebfeder der politischen Kultur in Deutschland
INHALT: Welche kommunikativen, repräsentativen und symbolischen Maßnahmen setzten die
Amtsträger Naumann und Nida-Rümelin um? Ist dieser 'Output' verdichteter Ausdruck der
politischen Kultur in Deutschland oder versuchten die Amtsträger, durch Kulturpolitik auf
Werte, Einstellungen, Erinnerungskulturen, Diskursstile einzuwirken? GEOGRAPHISCHER
RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität München, Sozialwissenschaftliche Fakultät, Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Theorie und Philosophie Prof.Dr.
Nida-Rümelin (Oettingenstr. 67, 80538 München)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected]); Betreuer (Tel. 089-2180-9020,
Fax: 089-2180-9022, e-mail: [email protected])
[209-L] Wolfrum, Edgar:
Das Erbe zweier Diktaturen und die politische Kultur des gegenwärtigen Deutschland im
europäischen Kontext, in: Steffen Sigmund, Gert Albert, Agathe Bienfait, Mateusz Stachura
(Hrsg.): Soziale Konstellation und historische Perspektive : Festschrift für M. Rainer Lepsius,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 307-322, ISBN: 978-3-531-15852-5 (Standort: UB
Bonn(5)-20086026)
INHALT: Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen die Rückwirkungen, welche die Enttabuisierungswelle in Ost- und Ostmitteleuropa auf den deutschen und europäischen Umgang
mit den diktatorischen Vergangenheiten hat und darauf, welche Wahrnehmungsblockaden
aufgebrochen oder auch neu errichtet werden. Ständige Begleiter sämtlicher Vergangenheitsdebatten sind, so der Verfasser, Normierungsprozesse, seien es solche nationalen Zuschnitts,
seien es solche europäischer Provenienz. Als eine Folge der doppelten Vergangenheitsbewältigung, also des Umgangs mit der braunen wie mit der roten Diktatur, feiert die Totalitaris-
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1.9 Politische Kultur
mustheorie fröhliche Urstände, und zwar in Deutschland wie in ganz Europa, wobei ein Gefälle sichtbar wird: Während im Westen des Kontinents der Nationalsozialismus wie bisher
als größte Katastrophe betrachtet wird, erscheint er im Osten gegenüber dem Kommunismus
als die kleinere. Nach wie vor bestehen, so die These, mit Blick auf Nationalsozialismus und
Kommunismus Asymmetrien und Spaltungen zwischen West- und Ostdeutschland, die es berechtigt erscheinen lassen, von einer geteilten deutschen Geschichtskultur zu sprechen. Diese
Spaltungen sind ihrerseits wiederum der gesamteuropäischen Erinnerungslandschaft geschuldet, auf die sie verweisen. (ICF2)
1.10
Organisationskultur/Unternehmenskultur
[210-L] Artus, Ingrid:
Unternehmenskulturen pro und contra Betriebsrat: ein interessentheoretisch fundierter
Zusammenhang, in: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und
Mitbestimmung : betriebliche Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main:
Campus Verl., 2008, S. 147-175, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Der Beitrag vertritt die These, dass das interessenpolitische Deutungsmuster des Managements eine zentrale Determinante dafür ist, ob eine Unternehmenskultur pro oder contra
Betriebsrat existiert. Ein Überblick über typische manageriale Deutungsmuster zum Thema
Mitbestimmung zeigt, dass mitbestimmungsfeindliche Unternehmenskulturen wesentlich verbreiteter sind als es im Rahmen des kooperativen deutschen Modells industrieller Beziehungen gemeinhin unterstellt wird. Ein empirisches Fallbeispiel gibt Einblick in ein solches Unternehmen: In dem Paketdienstunternehmen 'American Transport' existiert ein ausgeprägtes
'corporate identity'-Unternehmenskulturkonzept, in dessen Rahmen abweichende Belegschaftsinteressen als illegitim gelten, deren Vertretung massiv negativ sanktioniert wird. Es
existieren zwar partiell Betriebsräte, diese passen ihre Vertretungstätigkeit jedoch überwiegend in die homogenisierte Interessendefinition des Unternehmens ein, indem sie sich als Instanz eines vermittlungsorientierten Co-Managements betrachten. Die Betriebskultur von
'American Transport' entspricht dem dominanten personalpolitischen Trend, weshalb der Betriebsfall Anlass zu einigen skeptischen Gedanken über die Zukunft der deutschen Mitbestimmung gibt. Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus nach Frankreich zeigt jedoch, dass
selbst bei Firmen wie 'American Transport' die Etablierung interessenbetonterer Strategien
der Belegschaftsvertretung nicht unmöglich ist." (Autorenreferat)
[211-L] Behr, Michael; Engel, Thomas; Hinz, Andreas:
Blockierte Modernisierung ostdeutscher Unternehmenskulturen als Standortrisiko: wie die
Erosion des "Nachwendepaktes" die weitere Konsolidierung der Industrie gefährdet, in:
Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und Mitbestimmung :
betriebliche Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008,
S. 259-283, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Unternehmenskulturen in den neuen Bundesländern waren nach der Wende stark geprägt durch die Besonderheiten des externen Arbeitsmarkes und das primäre Beschäftigteninteresse am Verbleib im Unternehmen. Weitergehende Ansprüche der Beschäftigten wurden
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1.10 Organisationskultur/Unternehmenskultur
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nur selten formuliert und noch seltener durchgesetzt. Dieser 'notgemeinschaftliche' Konsens,
die Schwäche der betrieblichen und überbetrieblichen Interessenvertretungen und die dominanten autokratisch-paternalistischen Orientierungen der Führungskräfte erschwerten die Modernisierung der Unternehmenskulturen und damit nicht zuletzt die Innovationsfähigkeit der
Betriebe. Inzwischen zeichnen sich bei einer größeren Zahl von Unternehmen deutliche Erosionstendenzen des Nachwendepaktes, eine Abkühlung der betrieblichen Sozialbeziehungen
und Defizite aufgrund fehlender Beteiligungschancen im Betrieb ab. Die betrieblichen Sozialund Austauschbeziehungen werden in den nächsten Jahren voraussichtlich mit dem Umbruch
der personalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen - also dem Ende des Nachwendearbeitsmarkts - unter erheblichen Anpassungsdruck geraten. Bei solchen Unternehmen, die nur auf
den Integrationsmodus des 'erzwungenen Arrangements' setzen - so eine zentrale These dieses Beitrags - werden die Modernisierungsdefizite über kurz oder lang zu echten Entwicklungs- und Innovationsblockaden werden. Bei solchen Unternehmen indes, die sich als 'produktive Leistungsgemeinschaften' identifizieren lassen, könnten kollektive Lernprozesse der
betrieblichen Akteure eine Innovations- und Wachstumsdynamik freisetzen. Die Zukunft der
ostdeutschen Industrie wird auch davon abhängen, welche der in diesem Beitrag identifizierten fünf Betriebstypen sich unternehmenskulturell durchsetzen werden." (Autorenreferat)
[212-L] Benthin, Rainer; Brinkmann, Ulrich (Hrsg.):
Unternehmenskultur und Mitbestimmung: betriebliche Integration zwischen Konsens und
Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl. 2008, 394 S., ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Unternehmenskultur und Mitbestimmung sind zwei Konzepte betrieblicher Integration mit unterschiedlicher Tradition, die in Theorie und Praxis nicht selten im Widerspruch zueinander stehen. Vor dem Hintergrund eines 'neuen Marktkapitalismus' und einer strategischen Neuausrichtung vieler Unternehmen loten die Beiträge des Bandes die spezifischen
Wechselbeziehungen, Spannungsfelder und Potenziale beider Konzepte aus." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann: Unternehmenskultur und Mitbestimmung - betriebliche Praxis und wissenschaftlicher Diskurs: Einleitung (11-22); Ulrich
Brinkmann, Rainer Benthin, Klaus Dörre: Culture Club oder demokratische Teilhabe? - Unternehmenskultur und Mitbestimmung im neuen Marktkapitalismus (23-72); Rudi Schmidt:
Belegschaft als Objekt: Unternehmerische Integrationsstrategien in interessentheoretischer
Perspektive (73-96); Sonja A. Sackmann, Birte Horstmann: Unternehmenskultur und Mitbestimmung - eine integrative Perspektive (97-120); Alexandra Scheele: Organisation und Geschlechterkultur - Ist Diversity Management ein geeignetes Instrument zur Realisierung betrieblicher Gleichstellung? (121-146); Ingrid Artus: Unternehmenskulturen pro und contra
Betriebsrat - Ein interessentheoretisch fundierter Zusammenhang (147-176); Dorothea Alewell, Sven Hauff: Personaldienstleistungen im Spannungsfeld von Unternehmenskultus und
Mitbestimmung (177-212); Karina Becke, Katharina Bluhm, Bernd Martens: Unternehmensführung in Zeiten des "Shareholder Value" - Zum Wandel des industriellen Mittelstands (213242); Michael Schumann, Martin Kuhlmann, Hans Joachim Sperling: Zwischen Toyota und
Tradition: Das VW-Projekt "Auto 5000" als mitbestimmungsjustierte Unternehmenskultur
(243-258); Michael Behr; Thomas Engel, Andreas Hinz: Blockierte Modernisierung ostdeutscher Unternehmenskulturen als Standortrisiko (259-284); Thomas Steger: Unternehmenskultur und Mitbestimmung in Mitarbeiterkapitalbeteiligungs-Unternehmen (285-308); Matthias
Meifert: Ist Vertrauenskultur machbar? Vorbedingungen und Überforderungen betrieblicher
Personalpolitik (309-328); Horst-Udo Niedenhoff: Der Betriebsrat als Produktionsfaktor -
134
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1.10 Organisationskultur/Unternehmenskultur
Modelle der Zusammenarbeit und Konfliktlösungsstrategien (329-356); Martin Dieckmann:
Ein gebrochener Blick aufs Ganze: Mitbestimmung und Wirtschaftsdemokratie - eine Kritik
in historisch-emanzipatorischer Perspektive (357-372); Werner Fricke: Demokratische Beteiligung - Fundament einer Unternehmenskultur von unten (373-390).
[213-L] Benthin, Rainer; Brinkmann, Ulrich:
Unternehmenskultur und Mitbestimmung: betriebliche Praxis und wissenschaftlicher
Diskurs, in: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und Mitbestimmung
: betriebliche Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 11-21, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: Das Verhältnis von Unternehmenskultur und Mitbestimmung ist Gegenstand der Beiträge des von den Verfassern herausgegebenen Sammelbandes, den dieser Aufsatz einleitet.
Drei Aspekte und Wechselbeziehungen bilden den "roten Faden" der Beiträge: (1) Managementkonzepte und Unternehmensstrategien setzen heute stärker auf eine innerbetriebliche
Konsensorientierung und Vergemeinschaftung über gemeinsame Interessen, Werte und Normen. Mitbestimmungskonzepte zielen dagegen auf das rationale Aushandeln auch unterschiedlicher Interessen im Betrieb. (2) Legitimation, Akzeptanz, Integration, Innovation und
Partizipation stellen Gemeinsamkeiten dieser unterschiedlichen Perspektiven dar. (3) In einer
beteiligungsorientierten und emanzipatorischen Perspektive ist dabei neben den Dimensionen
der Produkt- und Prozessinnovation auch die Qualität von Arbeit zu berücksichtigen. Vor
dem Hintergrund dieser Themenstellungen geben die Verfasser einen kurzen Überblick über
die Einzelbeiträge des Sammelbands. (ICE2)
[214-L] Brettschneider, Jenny:
Frauen in Führungspositionen: Anspruch und Wirklichkeit von Chancengleichheit ; eine
empirische Untersuchung in Hamburger Unternehmen im Kontext der Organisationskultur,
(Schriften zur Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Bd. 38), Hamburg: Kovac 2008,
289 S., ISBN: 978-3-8300-3594-7
INHALT: "Die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen ist nach wie vor ein Faktum, auch wenn sich in den letzten Jahren eine Werteverschiebung und ein Wandel in der Gesellschaft hin zu mehr Chancengleichheit vollzogen haben. Die öffentliche Diskussion, die
auch in den Medien geführt wird, gibt wenig Aufschluss darüber, wie mit dem Thema Chancengleichheit bezogen auf Führungspositionen innerhalb der Organisationen umgegangen
wird. Die Vermutung, die der Studie zugrunde liegt, ist die, dass Anspruch und Wirklichkeit
in Bezug auf Chancengleichheit in Organisationen nicht übereinstimmen, sondern eher weit
auseinanderklaffen. Ziel ist es, diese Thematik aus Unternehmensperspektive näher zu beleuchten, indem die Unternehmen selbst zu Wort kommen. Das Forschungsanliegen ist die
Betrachtung der Chancengleichheit mit dem Fokus auf der Organisationskultur in den jeweiligen Organisationen. Dabei ist die Forschungsfrage erkenntnisleitend, welche Vorstellungen
von Geschlechterpolitik in den Unternehmen vorhanden sind und wie die betriebliche Wirklichkeit diesbezüglich beurteilt wird. Es soll Aufschluss darüber erlangt werden, ob und inwiefern das Geschlecht in Organisationen wahrgenommen wird. Die Wahrnehmungen, Meinungen und Einstellungen in Bezug auf Chancengleichheit von Mann und Frau stehen im
Mittelpunkt der Untersuchung. Einen wichtigen Aspekt in diesem Zusammenhang stellen die
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1.10 Organisationskultur/Unternehmenskultur
135
Probleme und auch Vorteile dar, die die Unternehmen für sich im Kontext des Themas 'Frauen in Führungspositionen' erkennen. Die empirischen Ergebnisse geben Aufschluss über die
Wahrnehmung davon, ob Chancengleichheit in den befragten Unternehmen herrscht, über die
Probleme, die durch die (Be-)Förderung von Frauen für die Unternehmen entstehen, über das
Frauenbild und über Gender-Sensibilisierung in den teilnehmenden Organisationen. Darüber
hinaus werden aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für Organisationen abgeleitet,
die als Grundlage für künftige Gender-Prozesse in Organisationen zu verstehen sind." (Autorenreferat)
[215-L] Brinkmann, Ulrich; Benthin, Rainer; Dörre, Klaus:
Culture Club oder demokratische Teilhabe?: Unternehmenskultur und Mitbestimmung im
neuen Marktkapitalismus, in: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur
und Mitbestimmung : betriebliche Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am
Main: Campus Verl., 2008, S. 23-72, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Unternehmenskultur und Mitbestimmung können in ihrer jeweiligen Funktionslogik
als unterschiedliche, aber auch wechselseitig eingeschriebene betriebliche Integrations-Modi
verstanden werden, die in Theorie und Praxis nicht selten in Widerspruch zueinander geraten.
Während unternehmenskulturelle Modelle und Strategien gemeinsame Werte, Anschauungen
und Ziele in der betrieblichen Integration betonen (Kohäsion), basiert die institutionalisierte
Mitbestimmung eher auf der Idee der Kompromisslösung als Ergebnis mikropolitischer Aushandlung von konvergierenden oder widerstreitenden Interessen. Der Beitrag unternimmt den
Versuch, die beiden Koordinationslogiken in ihren Schnittmengen und Bruchstellen miteinander in Beziehung zu setzen. Die Frage lautet dabei, welche Rollen normative und demokratische betriebliche Integration vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Umbrüche, insbesondere der Entwicklung zu einem 'neuen Marktkapitalismus' spielen. Unsere zentrale
Überlegung, die wir mit empirischen Beispielen aus klein- und mittelständischen Unternehmen ausleuchten, lautet: Die Folgen der fortschreitenden Marktzentrierung lassen sich mit
Kohäsion stiftenden Unternehmenskulturprojekten kaum mehr bändigen. Verlässliche und
universelle Beschäftigteneinbindung und -teilhabe kann dagegen nur mit einer nicht-instrumentell praktizierten Ausweitung von betrieblichem Voice (Partizipation, Mitbestimmung) sicher gestellt werden." (Autorenreferat)
[216-L] Fricke, Werner:
Demokratische Beteiligung - Fundament einer Unternehmenskultur von unten:
Erfahrungen (nicht nur) mit dem Programm "Humanisierung des Arbeitslebens", in: Rainer
Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und Mitbestimmung : betriebliche
Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 373-390,
ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Im ersten Humanisierungsprogramm gab es von 1974 bis 1980 die Möglichkeit, Verfahren demokratischer Beteiligung der Arbeitenden an der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen zu erproben. Einige wenige Sozialwissenschaftler und Gewerkschafter sowie Betriebsräte
und abhängig Beschäftigte haben diese Chance damals ergriffen. Demokratische Beteiligung,
Element einer Unternehmenskultur von unten, wirkte als Erweiterung und Stärkung der institutionalisierten Mitbestimmung. Aus unterschiedlichen Gründen haben weder die Gewerk-
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1.10 Organisationskultur/Unternehmenskultur
schaften noch die Unternehmer in den 1970er Jahren Beteiligungsprozesse akzeptiert oder gefördert: Die Gewerkschaften, insbesondere die damalige IG Metall, betrachteten Beteiligung
als Konkurrenz zu den etablierten Formen der Mitbestimmung, während sich die Unternehmer gegen die Ausweitung der Mitbestimmung allgemein und mit Mitteln des Humanisierungsprogramms im Besonderen wehrten. Schon in den 1990er Jahren allerdings haben die
Unternehmer das Beteiligungsinteresse der Beschäftigten in marktgesteuerten Organisationen
instrumentalisiert (abhängige Autonomie), während die Gewerkschaften erst seit einigen Jahren versuchen, ihre gegenwärtige Schwäche durch Beteiligungsangebote an ihre Mitglieder zu
überwinden. Demokratische Beteiligung ist nach wie vor ein elementares Interesse aller abhängig Beschäftigten. Sie zu praktizieren, ist an eine Reihe von Voraussetzungen gebunden,
zu denen vor allem die Stärkung innovatorischer Qualifikationen der Arbeitenden durch Bildung und reflexives Handeln gehören. Beispiele aus Skandinavien zeigen, dass das skandinavische Konzept des demokratischen Dialogs dabei hilfreich sein kann." (Autorenreferat)
[217-L] Hauser, Frank; Schubert, Andreas; Aicher, Mona:
Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in
Deutschland, Berlin 2008, 240 S. (Graue Literatur; doku.iab.de/externe/2008/k080311f10.pdf)
INHALT: "Der Zusammenhang von Unternehmenskultur, Arbeitsqualität, Mitarbeiterengagement und Unternehmenserfolg ist aufgrund gewonnener Erkenntnisse aus aktuellen Studien
wieder in den Fokus der Unternehmer gerückt. Da zu dieser Thematik in Deutschland bisher
keine repräsentativen Studien veröffentlicht wurden, zielt das Projekt 'Unternehmenskultur,
Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland' darauf ab,
diese Forschungslücke zu schließen und den Status Quo von Unternehmenskultur in Deutschland darzustellen. Des Weiteren wird der Zusammenhang von Unternehmenskultur und Arbeitsqualität mit dem Mitarbeiterengagement und dem Unternehmenserfolg aufgezeigt, wobei
die durchgeführten Analysen ergeben, dass ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur, Mitarbeiterengagement und Unternehmenserfolg besteht. Es kann gezeigt
werden, dass hinsichtlich der Größen von Unternehmen nur geringfügige Unterschiede bestehen, während zwischen verschiedenen Branchen etwas deutlichere Unterschiede bezüglich
des Niveaus verschiedener Dimensionen der Unternehmenskultur zu finden sind. Erfolgsförderliche Merkmale von Unternehmenskultur sowie Maßnahmen aus der Personalarbeit werden präsentiert. Aus den Ergebnissen können aus Unternehmenssicht hilfreiche Interventionsmaßnahmen zur Förderung von Unternehmenskulturen abgeleitet werden. Nach der Einleitung (Kap. 1) werden in diesem Bericht die theoretische Grundlage und das Konzept der daraus entwickelten Studie erläutert (Kap. 2 und Kap. 3). Hierauf basierend werden die erstellten
Erhebungsinstrumente und die gewonnene Datengrundlage beschrieben (Kap. 4 und Anhang).
Es folgt eine Darstellung der Ergebnisse für die Unternehmen bzw. die Beschäftigten in
Deutschland insgesamt (Kap. 5), sowie eine Differenzierung nach verschiedenen Betriebsgrößen (Kap. 6) und Branchen (Kap. 7). Ein Fazit und die Feststellung des weiteren Forschungsbedarfs schließen den Bericht ab (Kap. 8)." (Autorenreferat)
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[218-L] Kotthoff, Hermann; Wagner, Alexandra:
Die Leistungsträger: Führungskräfte im Wandel der Firmenkultur - eine Follow-up-Studie,
(Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung, 93), Berlin: Ed. Sigma 2008, 302 S., ISBN: 978-38360-8693-6
INHALT: Die Verfasser stellen fest, dass es den meisten untersuchten Firmen heute besser als
vor zwölf Jahren geht und dass die über Jahre sich hinschleppende ökonomische Krise ohne
erkennbare Aussicht auf ein Ende auf der sozialen Welt der Fach- und Führungskräfte wie
eine Depression lastet. Die Fach- und Führungskräfte berichten über die Erfahrungen in der
Arbeit, die sie in der Zeit zwischen der Erst- und der Wiederholungsuntersuchung gemacht
haben, in der Weise eines ganzheitlichen Erlebens. Eine überraschende neue Erkenntnis ist,
dass sie dabei den Mikrobereich ihrer Arbeit und ihres unmittelbaren Arbeitsumfeldes in
einen Zusammenhang bringen mit zentralen Problemen und Entwicklungen des Unternehmens. Sie ordnen ihre Arbeit in den größeren Zusammenhang des Kollektivs Unternehmen
ein. Die strukturierenden Kategorien ihres Arbeiterlebens sind aufgeladen mit Stoff aus der
großen Firmengeschichte. Die Art der Arbeitssteuerung und Leistungsregulierung hat sich
verändert: Die Arbeit wird kaum noch über Vorgaben und Anweisungen der Vorgesetzten
oder durch die vorgegebene Länge der Arbeitszeit kontrolliert, sondern durch ergebnisbezogene Kennzahlen und interne Vermarktlichung. Ein zentrales Steuerungsinstrument ist die
Zielvereinbarung mit quantifizierten "harten" Kennziffern. Dies ist eine neue Stufe der Delegation von Verantwortung. Die Simulation des Marktes in den internen Beziehungen lenkt
den Blick auf den Vergleichspreis einer Dienstleistung auf dem externen Markt und erzieht
auf diesem Wege die Hochqualifizierten zu einem "realistischen" Kostenbewusstsein. Mit der
Ergebnissteuerung hat die Ergebniskontrolle, d.h. die Funktion Controlling an Bedeutung gewonnen. Die Transparenz der Wertschöpfungsbeiträge ist dadurch erheblich gesteigert worden. Das wertschöpfungsorientierte, hochkonzentrierte effektive Arbeiten hat zugenommen.
Aus der Leistungskultur ist, so die These, eine Hochleistungskultur geworden. Das bedeutet
vor allem eine personalpolitische Veränderung: Ein anderer Menschentyp wird zur Norm erhoben - der Hochleistungssportler. Der bisherige "Normalleister" wird als brauchbarer Wissensarbeiter und gute Kraft toleriert, jedoch nicht mehr als Normalitätstyp geschätzt. Er wird
Fachkraft bleiben und nicht mehr Führungskraft werden. Das Niveau ist um eine Stufe angehoben worden: 'befriedigend' ist nicht mehr normal, und 'ausreichend' reicht nicht mehr aus.
Wer eine Distanz zu dieser Kultur einnehmen will, muss sich neu und anders als durch den
Hinweis auf "Normalität" legitimieren. (ICF2)
[219-L] Langenohl, Andreas:
Börse, Profession und Organisation: kulturelle Bezüge zwischen Finanzmarkt und
Gesellschaft, in: Sociologia Internationalis : Internationale Zeitschrift für Soziologie,
Kommunikations- und Kulturforschung, Bd. 45/2007, H. 1/2, S. 5-36 (Standort: USB Köln(38)XG219; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die professionelle Tätigkeit von FinanzmarktexpertInnen weist nicht nur einen ökonomischen, sondern auch einen kulturellen Zusammenhang mit der Integration hochdifferenzierter und posttraditionaler Gesellschaften auf. Dieses Argument wird zunächst in Auseinandersetzung mit der soziologischen Professionalisierungs- und Organisationsforschung theoretisch vorbereitet. Sodann wird begründet, warum Finanzprofessionelle als Professionelle im
soziologischen Sinne gelten können, obwohl sie meist nicht als solche angesehen werden. In
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einem inhaltsanalytischen Teil werden Ergebnisse eines Interviewprojekts mit Finanzprofessionellen vorgestellt, die die Implikationen einer professionssoziologischen Sicht auf finanzmarktliches Handeln darstellen, indem sie den Bezug der Professionellen auf gesellschaftlich
integrierende Werte und Wahrnehmungsmuster in der Kritik identifizieren, die sie an ihren eigenen Unternehmen üben. Hierdurch wird gezeigt, dass die gesellschaftlich integrative Bedeutung finanzprofessionellen Handelns nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell zu
denken ist. Abschließend wird dieses Ergebnis als Grundlage einer immanent-gesellschaftlichen Kritik der Finanzwirtschaft reartikuliert." (Autorenreferat)
[220-L] Lewinski-Reuter, Verena; Lüddemann, Stefan (Hrsg.):
Kulturmanagement der Zukunft: Perspektiven aus Theorie und Praxis, Wiesbaden: VS Verl.
für Sozialwiss. 2008, 342 S., ISBN: 978-3-531-15553-1
INHALT: "Als wissenschaftliche Disziplin und Praxisfeld gleichermaßen ist das Kulturmanagement seit Anfang der neunziger Jahre etabliert. Der Konflikt zwischen kultureller Sinnsetzung
sowie ökonomischen Rahmenbedingungen und Handlungsmaximen dauert an und wird für
das Kulturmanagement zunehmend zum Problem. Vor diesem Hintergrund bietet das Buch
Impulse für eine neu zu führende Debatte um Zustand und Perspektiven des Kulturmanagements. In den Beiträgen werden Wege zu einer fortgeschriebenen theoretischen Begründung
aufgezeigt, kulturpolitische Diskurse auf einen aktuellen Stand gebracht sowie Handlungsfelder einer zeitgemäßen Praxis des Kulturmanagements beschrieben. Zu den Themen gehören
dabei unter anderem Fragen nach den Akteuren der Kultur, Techniken von Vermittlung und
Marketing, Formen des Selbstmanagements und Perspektiven des Kulturtourismus." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Verena Lewinski-Reuter und Stefan Lüddemann: Einleitung:
Kulturmanagement - Wege in die Zukunft (7-18); Theoretische Ansätze: Otto F. Bode: Kulturmanagement - Tätigkeiten an der Schnittstelle von kulturellen Ansprüchen, betrieblicher
Rationalität und politischer Regulierung (21-45); Stefan Lüddemann: Kulturmanagement als
Bedeutungsproduktion. Plädoyer für die Neuausrichtung einer Disziplin und ihrer Praxis (4678); Günther Görtz: Kulturmanagement in konstruktivistischer Sicht (79-102); Programmatische Konzepte: Bernd Wagner: Die Kultur von der Stadt her denken. Eine neue Phase der Reflexivität und kulturellen Planung (105-120); Oliver Scheytt: Aktivierendes Kulturmanagement (121-134); Handlungsfelder: Verena Lewinski-Reuter: Bürgerschaftliches Engagement
-Bürger als Akteure der kommunalen Kultur und Ausblicke für das Kulturmanagement (137163); Saskia Reither: Selbstmanagement im Kulturbetrieb. Kulturunternehmer zwischen Unabhängigkeit und Prekariat (164-181); Olaf Thelen: Change Management im Theaterbetrieb
(182-199); Katharina Jörges-Süß: Leistungsbezogene Bezahlung in öffentlich-rechtlichen
Kulturbetrieben - Möglichkeiten und Grenzen (200-218); Carola de Teffé und Lothar MüllerHagedorn: Zur Wirkung von emotional und sachlich gestalteten Audio-Guides in Museen
(219-247); Christian Heinze: Kunstfreiheit und Vertragsrecht (248-267); Inga Samii: Der
Sponsoringvertrag der Zukunft in steuerlicher Hinsicht (268-290); Christa Eichbaum: Kulturtourismus in Mecklenburg-Vorpommern und die Synergien durch die Entwicklung des Kulturmanagements seit Mitte der 90er Jahre (291-320); Stefan Lüddemann: Nachwort: Profession der Grenzgänger. Thomas Heinzes "reflexives Kulturmanagement" - weiter gedacht (321328).
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[221-L] Lucas, Rainer:
Unternehmenskommunikation in der Erlebnisgesellschaft, in: Harald Pühl, Wolfgang
Schmidbauer (Hrsg.): Eventkultur, Berlin: Leutner, 2007, S. 126-136, ISBN: 978-3-934391-38-3
(Standort: Lipp. LB Detmold(51)-OLM114)
INHALT: Es ist nach der These des Autors eine neue reflexive Ökonomie der Zeichen und Symbole entstanden, die von einer eigenen Kulturindustrie getragen wird. Zur Verbreiterung und
Vertiefung der Ästhetisierungsprozesse entwickelt die Kulturindustrie eigene Stilmittel (z.B.
Mythenbildung, symbolische Markenwelten, Vermischung der Ausdrucksformen, Szenenbildung), die zu den Wesensmerkmalen postmoderner Gesellschaften werden. Hierbei werden
Individualisierungstendenzen in der Gesellschaft aufgenommen und weiter "modelliert". Szenen gruppieren sich um neue Symbole und ehemals festgefügte Konsummuster erodieren zu
"Patch-Work-Lebensformen", in denen ALDI und Designer-Möbel, Selters und Champagner
zu einem neuen Mix kombiniert werden. Es entsteht eine konsumgeleitete Eventkultur, die
sich nicht nur durch gemeinsame Werte, sondern durch ein gemeinsames Lebensgefühl der
Beteiligten und den damit verbundenen Ausdrucksformen Geltung verschafft. Der Trend zur
Erlebnisgesellschaft scheint nach Einschätzung des Autors ungebrochen und er wird inzwischen durch eine eigene Marktdynamik vorangetrieben. Gegen die Grenzenlosigkeit einer solchen Entwicklung gibt es jedoch eine Reihe von Einwänden, die der Autor in seinem Beitrag
kurz umreißt. Seine kritischen Ausführungen beziehen sich auf die Entwicklung der traditionellen Kultur zur nachhaltigen Kommunikationskultur, auf die verschiedenen Facetten der
Eventpraxis und auf die Kommunikationskultur der Unternehmen. (ICI2)
[222-L] Meifert, Matthias:
Ist Vertrauenskultur machbar?: Vorbedingungen und Überforderungen betrieblicher
Personalpolitik, in: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und
Mitbestimmung : betriebliche Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main:
Campus Verl., 2008, S. 309-327, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Der Beitrag 'Ist Vertrauenskultur machbar? Vorbedingungen und Überforderungen
betrieblicher Personalpolitik' vertritt die These, dass jedes Unternehmen eine Vertrauenskultur hat. Ausgehend von der Definition von Vertrauen als eine plurale Erwartungshaltung mit
den drei Dimensionen Kompetenz, Integrität und Gesinnung bedeutet dies, dass in jedem Unternehmen weitgehend unbewusst aus funktionaler Notwendigkeit heraus alltäglich in die
Kompetenz und die Zuverlässigkeit anderer vertraut wird. Darüber hinaus werden aber - oftmals gleichzeitig und untrennbar damit verbunden - normativ aufgeladene Vertrauenserwartungen im Hinblick auf die Gesinnung anderer Organisationsmitglieder gehegt. Diese normativ aufgeladenen Vertrauenserwartungen werden jedoch immer wieder enttäuscht, da Unternehmen durch Interessenkonflikte geprägt sind. In diesem Sinne sind Vertrauenserwartungen
dysfunktionale Überforderungen mit motivationaler und desintegrativer Relevanz und insofern für Unternehmen erfolgskritisch. Insofern ist Hierarchie übergreifendes Vertrauen in der
Gesinnungsdimension die Messlatte für die Frage, ob eine Unternehmenskultur auch eine
Vertrauenskultur besitzt bzw. wie ausgeprägt diese ist. Der Beitrag zeigt auch auf, wie man
diese normativen Vertrauenserwartungen managen kann und skizziert, welche Rolle die alltägliche Personalarbeit dabei spielt." (Autorenreferat)
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[223-L] Sackmann, Sonja A.; Horstmann, Birte:
Unternehmenskultur und Mitbestimmung - eine integrative Perspektive, in: Rainer Benthin,
Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und Mitbestimmung : betriebliche Integration
zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 97-120, ISBN: 9783-593-38428-3
INHALT: "'Mitbestimmung' und 'Unternehmenskultur' sind in Forschung und Praxis zentrale Begriffe, wenn über den 'Betriebsfaktor' Mensch in der Arbeitswelt diskutiert wird. Dabei unterscheiden sich die Perspektiven, die hinter diesen Begriffen stehen, stark. Betriebliche Partizipation kann als Summe der Mitgestaltungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer im Unternehmen
verstanden werden. Eine Art Sonderfall stellt die in Deutschland dominierende Form der gesetzlich geregelten institutionellen Mitbestimmung dar. Sie wurde im Zuge der sozialen
Marktwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg forciert entwickelt und im Laufe der Zeit den
sich verändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst.
Dabei ist das Konzept bis heute umstritten. Infrage gestellt wird immer wieder der eigentliche
- vor allem wirtschaftliche - Nutzen. Im Zeitalter der Globalisierung, in dem die Grenzen zwischen Arbeit und Kapital immer mehr verschwimmen, wird darüber hinaus diskutiert, inwieweit das Konzept flexibel genug ist, um die ökonomischen und organisationalen Herausforderungen der Zukunft anzupassen. Unter Unternehmenskultur versteht man die von den Mitarbeitern eines Unternehmens gemeinsam getragenen grundlegenden Überzeugungen, die deren
Denken und Handeln steuern. Unternehmenskultur entwickelt sich durch das Handeln der
Mitarbeiter und Führungskräfte über die Zeit. Sie ermöglicht unter anderem koordiniertes
Handeln und unterstützt die Integration im Unternehmen. Damit bildet sie den Kontext, in
dem Mitbestimmung gelebt wird. Je nach Ausprägung der spezifischen Unternehmenskultur
können Mitbestimmung bzw. Partizipation unterschiedlich gelebt werden. Eine bejahende Position kulturprägender Persönlichkeiten (z.B. Unternehmensgründer) kann Partizipation positiv in der Unternehmenskultur verankern. Die bisherigen Studien zeigen unter diesen Bedingungen auch eine positive Verbindung freiwilliger Partizipation zum Unternehmenserfolg,
während die Ergebnisse im Bereich der institutionellen Mitbestimmung uneinheitlich sind.
Mitbestimmung allgemein ist eine Möglichkeit, Mitarbeiterpotenziale zu nutzen, indem die
Mitarbeiter eine aktive Rolle in Entscheidungsprozessen einnehmen. Dabei sind gesetzliche
Minimalforderungen sinnvoll. Diese schaffen jedoch nicht das für eine kooperative Zusammenarbeit notwendige Vertrauen sondern bieten den Beteiligten lediglich eine gewisse
Grundsicherheit." (Autorenreferat)
[224-L] Scheele, Alexandra:
Organisation und Geschlechterkultur: ist Diversity Management ein geeignetes Instrument
zur Realisierung betrieblicher Gleichstellung?, in: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.):
Unternehmenskultur und Mitbestimmung : betriebliche Integration zwischen Konsens und
Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 121-145, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Der Beitrag diskutiert den Ansatz der 'Unternehmens'- bzw. 'Organisationskultur' dahingehend, inwiefern er die Kategorie 'Geschlecht' aufgreift und Ansatzpunkte für eine Überwindung von Geschlechterungleichheit eröffnet. Im Anschluss an die theoretisch-analytische
Diskussion des Zusammenhangs von Organisation, Organisationskultur und Geschlecht wird
auf der Basis der Ergebnisse aus einer Forschungskooperation mit einer Organisation des Öffentlichen Dienstes argumentiert, dass erst über eine institutionalisierte und rechtlich veran-
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kerte Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik die Grundlagen dafür geschaffen werden, Geschlecht als kulturelle Frage zu diskutieren. Die dem Beitrag zugrunde liegende These
lautet, dass Annahmen über Geschlecht die grundlegenden Überzeugungen der Organisationsmitglieder beeinflussen, dass ihre Veränderung allerdings nur auf der Basis betrieblichen
Interessenhandelns möglich ist. Es bedarf der aktiven Gestaltung eines organisationalen Rahmens, der mit flexiblen Arbeitszeitregelungen und -verkürzungen, Freistellungsmöglichkeiten
für Eltern, Gender Mainstreaming Maßnahmen oder mit der Vermittlung von neuen Leitbildern zur Verteilung von Familien- und Erwerbsarbeit etc. eine geschlechteregalitäre Geschlechterkultur fördert." (Autorenreferat)
[225-L] Schramm, Michael:
Ökonomische Moralkulturen: die Ethik differenter Interessen und der plurale
Kapitalismus, (Ethik und Ökonomie, Bd. 5), Marburg: Metropolis-Verl. 2008, 238 S., ISBN:
978-3-89518-640-0 (Standort: ULB Münster(6)-3F72243)
INHALT: Der Kapitalismus war siegreich, so der Verfasser, und bislang ist kein alternatives
Wirtschaftssystem am Horizont zu sehen. Dennoch wird diese Erde (in ökonomischer Hinsicht) nicht nur durch eine Form des ("neoliberalen") Kapitalismus angloamerikanischer Prägung regiert. Es wird argumentiert, dass in mehrerer Hinsicht ein "pluraler Kapitalismus" zu
konstatieren ist. Deutlich erkennbare Unterschiede bestehen zwischen dem ("neoliberalen")
Kapitalismus angloamerikanischer Prägung, dem deutschen Konzept der "Sozialen Marktwirtschaft", dem chinesischen "Netzwerk"-Kapitalismus, oder den heterogenen Formen eines
islamisch geprägten Kapitalismus. In der jeweils anderen Mischung von ökonomischen, (moral)kulturellen, rechtlichen und organisatorischen Faktoren zeigt sich, dass es keine monokausalen Zusammenhänge in Bezug auf den Erfolg einer Wirtschaft gibt. Es wird argumentiert,
dass man moralkulturellen Einflüssen nur schwerlich eine empirische Relevanz absprechen
kann. Doch muss man sich vor allzu linearen und/oder monokausalen, also allzu simplen Wirkungshypothesen verabschieden. So wie Moralkultur und Kultur nicht als deckungsgleich angesehen werden können, so muss auch die moralkulturelle Dimension in den unterschiedlichen Kulturebenen der Ökonomie differenziert werden. Es wird festgestellt, dass die allgemeinen lokalen Kulturen, also die allgemeinen informalen Institutionen einer lokalen Gesellschaft mit ihren religiösen, moralischen, wissenschaftlichen oder ästhetischen Hintergrundvorstellungen und Werten, einen prägenden, aber nicht determinierenden Einfluss auf die lokalen" Wirtschaftskulturen" und die in diesen Kulturkreisen operierenden Individuen und Organisationen ausüben. Obwohl es auf der Ebene der ökonomischen Organisationen durchaus
moralkulturell bedingte Gemeinsamkeiten gibt, leben die je spezifischen Unternehmenskulturen vom Unterschied. Dies bedeutet, dass es ein zentrales Anliegen des jeweiligen Managements sein muss, eine möglichst singuläre und unverwechselbare Unternehmensidentität zu
kreieren, um eine Unterscheidbarkeit von Unternehmen und Marken mit Leben zu erfüllen.
Insbesondere die Globalisierung hat uns, so die These, mit der Tatsache konfrontiert, dass der
moralkulturelle Faktor auch ökonomisch relevant ist. Er begründet den "pluralen Kapitalismus", der die Wirtschaftswelt auf unserem Erdenrund bunt färbt und eine produktive Vielfalt
"ökonomischer Moralkulturen" hervorbringt. (ICF2)
142
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.10 Organisationskultur/Unternehmenskultur
[226-L] Steger, Thomas:
Unternehmenskultur und Mitbestimmung in Mitarbeiterkapitalbeteiligungs-Unternehmen,
in: Rainer Benthin, Ulrich Brinkmann (Hrsg.): Unternehmenskultur und Mitbestimmung :
betriebliche Integration zwischen Konsens und Konflikt, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008,
S. 285-307, ISBN: 978-3-593-38428-3
INHALT: "Obwohl die materielle Beteiligung der Mitarbeiter am Kapital ihres Arbeit gebenden
Unternehmens in jüngster Zeit verstärkte Beachtung erfährt, sind die in diesem Zusammenhang entwickelten (komplexen) Modelle noch immer wenig erforscht und ergründet. Eine
wichtige Frage ist die nach dem Zusammenspiel zwischen Unternehmenskultur und Mitbestimmung in solchen Unternehmen. Auf der Basis von vier Fallstudien aus mittelständischen
ostdeutschen Unternehmen soll ein Beitrag zur Klärung dieser Frage geleistet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass eine breite Vielfalt von Mitarbeiterkapitalbeteiligungs-Unternehmen
(MKB) mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen von Unternehmenskultur und Mitbestimmung vorliegt, die sich insgesamt deutlich von den bekannten Modellen in Großunternehmen
unterscheidet. Darüber hinaus wurde auch die ältere Vermutung bestärkt, wonach zumindest
im deutschen Kontext eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung auf einer funktionierenden betrieblichen Mitbestimmung aufbauen muss, soll sie denn längerfristig 'funktionieren' und Bestand
haben." (Autorenreferat)
1.11
Kommunikation/ Massenmedien/ neue Medien
[227-L] Banse, Gerhard:
Internet, Kultur, Demokratie, in: Peter Fleissner, Vicente Romano (Hrsg.): Digitale Medien neue Möglichkeiten für Demokratie und Partizipation?, Berlin: Trafo Verl. Weist, 2007, S. 41-56,
ISBN: 978-3-89626-553-1
INHALT: "In this article the results of two studies of the Bureau of Technology Assessment
(TAB) of the German Parliament, 'New Media and Culture' and 'Analysis of Internet based
communication in cultural perspective', are discussed. The results of the studies recommend
that one should not look for pure positive results. Instead, one should always consider the relativity of advantages and disadvantages of new media. Technology depends also on the disposition of the individual, on values, norms, expectations and on the general societal framework, which creates a selective environment for the choice of specific types of technologies."
(author's abstract)
[228-F] Bishara, Nina; Tafreshi, Agnes, Dr. (Bearbeitung); Nöth, Winfried, Prof.Dr. (Leitung):
Darstellung des Fremden in den Medien: vergleichende interkulturelle Untersuchung Brasilien/ Deutschland
INHALT: Die Strategien der Darstellung des Fremden in den brasilianischen und deutschen Medien, Film und Werbung sollen aus semiotischer Sicht interkulturell erforscht werden. Vor
dem Hintergrund der philosophischen Diskurse der Postmoderne über das Andere und das
Fremde geht es um die Darstellungsformen des Fremden und die Einstellungen ihnen gegenüber. Nach Erhebungen relevanten Datenmaterials in Brasilien und Deutschland werden die
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.11 Kommunikation/ Massenmedien/ neue Medien
143
Formen der medialen Repräsentation des Fremden in beiden Ländern mit kultursemiotischen
Ansätzen im Detail verglichen und bewertet. GEOGRAPHISCHER RAUM: Brasilien, Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Das Projekt ist auf den Gebieten der Mediensemiotik und der interkulturellen Kulturforschung angesiedelt. Die anzuwendende Methodologie basiert insbesondere auf der Semiotik von Charles S. Peirce, deren phänomenologische, ästhetische und ethische Implikationen besonders themenrelevant sind. Dabei soll jedoch auch der Dialog mit der Philosophie
des Anderen, wie sie sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, nicht aus
den Augen verloren werden. DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, offen; Aktenanalyse, offen; Beobachtung, nicht teilnehmend; Sekundäranalyse von Individualdaten. Feldarbeit durch
Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Nöth, Winfried: Towards a semiotics of the cultural other. in:
American Journal of Semiotics, 17, 2001, 2, pp. 239-251.+++Nöth, Winfried: The spatial representation of cultural otherness. in: Sun, Hee; Gertz, Kim; Valsiner, Jan; Breaux, J.-P.
(eds.): Semiotic rotations in cultural worlds. Advances in cultural psychology. Greenwich,
CT: Age 2007.+++Nöth, Winfried; Santaella, Lucia: Otherness at the roots of cultural semiosis. in: Petrilli, S. (ed.): La filosofia del linguaggio come arte dell'ascolto / Philosopy of language as the Art of Listening - on Augusto Ponzio's scientific research. Bari: Ed. Da Sud
2007, pp. 117-129. ARBEITSPAPIERE: Forschungsantrag, 20 S.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Kassel, Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Kulturforschung (34109
Kassel)
KONTAKT: Leiter (e-mail: [email protected])
[229-L] Bohrmann, Thomas:
Religion und Moral im Unterhaltungsprogramm des Fernsehens, in: tv diskurs :
Verantwortung in audiovisuellen Medien, Jg. 12/2008, H. 2, S. 60-65
INHALT: "Das Fernsehen ist nach wie vor das Leitmedium gegenwärtiger Medienkultur. Es informiert, bildet und unterhält. Auch religiöse, kirchliche und moralische Themen werden mit
seiner Hilfe verbreitet und einem größeren Publikum medial vor Augen geführt. Verstärkt
kommen solche Inhalte im Unterhaltungsbereich des Fernsehens zur Sprache. Neben den
Pfarrer- und Nonnenserien behandeln vor allem auch alltägliche Fernsehserien und Daily
Soaps grundlegende moralische Fragen des Menschen. Indem das Fernsehen anhand verschiedener Unterhaltungsformate (besonders Serien und Soaps) Wertmaßstäbe und Moralvorstellungen thematisiert, präsentiert es - so die zugrunde liegende These des Beitrags - eine besondere Form der 'Alltagsethik' und trägt somit zum Wertediskurs innerhalb einer wertpluralen Gesellschaft bei." Seine Thesen stellt der Autor am Beispiel der seit 2002 in der ARD
ausgestrahlten Serie "Um Himmels Willen" dar. Im zweiten Schritt werden kurz die vier populärsten deutschen Daily Soaps (Gute Zeiten, schlechte Zeiten; Unter uns; Verbotene Liebe;
Mariendorf) untersucht. Auch durch diese Serien, die nicht in der kirchlichen Nähe angesiedelt sind, werden moralische und ethische Werde vermittelt. (PT2)
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soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.11 Kommunikation/ Massenmedien/ neue Medien
[230-L] Demont-Heinrich, Christof:
The death of cultural imperialism - and power too?: a critical analysis of American prestige
press representations of the hegemony of English, in: International Communication Gazette,
Vol. 70/2008, Nr. 5, S. 378-394 (gaz.sagepub.com/content/vol70/issue5/)
INHALT: Der Beitrag ist ein gekürztes Kapitel einer kürzlich fertiggestellten Dissertation und
untersucht kritisch ausgewählte Texte aus einem Pool von insgesamt 275 Berichten zum globalen Aufstieg der englischen Sprache, die von 1991 bis 2003 in den fünf amerikanischen
Qualitätszeitungen "Los Angeles Times", "International Herald Tribune", "The New York Times", "The Wall Street Journal" und "The Washington Post" erschienen sind. Speziell werden
Äußerungen hinterfragt, die den Tod des Kulturimperialismus verkünden. Der Beitrag dekonstruiert und problematisiert diese Äußerungen entlang einer Anzahl theoretischer und analytischer Leitlinien. Nach Feststellung des Autors besteht eine starke Neigung dazu, Globalisierung durch die Brille des kulturellen Konsums zu betrachten. Er hält dagegen, dass man,
wenn sich zu sehr auf kulturellen Konsum und kreative Aneignung fokussiert und zu leichtfertig mit dem Gebrauch des Schlagworts vom "cultural flow" umgeht, Gefahr läuft, die spezifischen und erheblichen Ungleichheiten bei der Produktion und Distribution aus dem Blick
zu verlieren, die die heutige globale gesellschaftliche Ordnung charakterisieren. Der Autor
wendet sich auch gegen die Aufwertung individuellen Handelns in den Texten und einen
Blick auf die Globalisierung von unten nach oben, der die Auflösung globaler Machtunterschiede impliziert. (RGübers.)
[231-L] Harcourt, Wendy:
Politische Frauenorganisationen: neue Kulturen im Cyberspace schaffen, in: Johanna Dorer,
Brigitte Geiger und Regina Köpl (Hrsg.): Medien - Politik - Geschlecht : feministische Befunde
zur politischen Kommunikationsforschung, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 140154, ISBN: 978-3-531-15419-0
INHALT: Der Beitrag nimmt den Cyberspace in den Blick und untersucht die Möglichkeiten und
Chancen von Frauenorganisationen, sich mittels der neuen Kommunikationstechnologie Internet besser zu vernetzen und international zu kooperieren. Anhand von Beispielen von Frauenorganisationen in Afrika, Asien oder dem arabischen Raum wird gezeigt, dass das Internet
zu einer neuen Qualität in deren politischen Arbeit geführt hat. Vor allem für Frauenorganisationen im nicht privilegierten "Westen" erfährt die lokale Frauenarbeit durch internationale
mediale Vernetzung eine wesentliche Unterstützung. (RG2)
[232-L] Hoffmann, Dagmar:
Kult und Kultur, Spaß oder auch Ernst?: Inszenierung und Kommunikation in sozialen
Online-Netzwerken, in: Medien und Erziehung : Zeitschrift für Medienpädagogik, Jg. 52/2008,
H. 3, S. 16-23
INHALT: "Soziale Netzwerke im Internet erfreuen sich steigender Beliebtheit bei Kindern und
Jugendlichen. Sie dienen ihnen nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Selbstdarstellung und -inszenierung. Anhand einer Analyse des Online-Portals schülerVZ werden Formen,
Möglichkeiten und Risiken dieser Aspekte beleuchtet." In ihrem Beitrag konzentriert sich die
Autorin auf zwei Aspekte - die Inszenierungs- und die Kommunikationspraktiken der Schüle-
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1.11 Kommunikation/ Massenmedien/ neue Medien
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rinnen und Schüler im Netz. In der explorativen teilnehmenden Beobachtung sollte untersucht
werden, "inwieweit die jeweiligen Formen der Präsentation und Kommunikation im schülerVZ sowohl jugendtypisch und damit reizvoll als auch verständlich und gleichwohl ethisch
bedenklich sein können". (PT2)
[233-L] Jäckel, Michael; Mai, Manfred (Hrsg.):
Online-Vergesellschaftung?: mediensoziologische Perspektiven auf neue
Kommunikationstechnologien, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2005, 224 S., ISBN: 3-53114583-5 (Standort: UuStB Köln(38)-32A3906)
INHALT: "Der soziologische Begriff der Vergesellschaftung ist unter anderem eng verbunden
mit den Arbeiten von Max Weber und Georg Simmel. Anknüpfungen an diese Klassiker finden sich zunehmend in aktuellen Untersuchungen zu technisch vermittelten Sozialbeziehungen. Ob die sozialen Prozesse in 'virtuellen Gruppen', Chatforen, Videokonferenzen oder
Mailinglisten jedoch mit den Begrifflichkeiten der klassischen Gemeinschaft-GesellschaftDebatte angemessen erfasst werden können, ist umstritten. Die teils kontroversen Beiträge
des Bandes verfolgen das gemeinsame Ziel, die Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien als Prozesse der Vergemeinschaftung oder Vergesellschaftung zu untersuchen. Der Band stellt entsprechende systemtheoretische, netzwerkanalytische, informationswissenschaftliche und techniksoziologische Ansätze vor und gibt auf diese Weise einen
umfassenden Überblick zum Themenkomplex der 'Online-Vergesellschaftung'." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Michael Jäckel, Manfred Mai: Online-Vergesellschaftung? Mediensoziologische Perspektiven auf neue Kommunikationstechnologien - eine Einführung (7-11);
Tilmann Sutter: Vergesellschaftung durch Medienkommunikation als Inklusionsprozess (1332); Ruth Ayaß: Interaktion ohne Gegenüber? (33-49); Jochen Gläser: Neue Begriffe, alte
Schwächen: Virtuelle Gemeinschaft (51-72); Udo Thiedeke: Programmiere Dich selbst! Die
Persona als Form der Vergesellschaftung im Cyberspace (73-90); Gerd Sebald: Vergesellschaftungsprozesse in der "Free/ Open Source-Softwareentwicklung" (91-103); Roger Häussling: Neue Kommunikationstechnologien und Prozesse der Vergemeinschaftung im Unternehmen. Netzwerktheoretische Interaktionsanalyse in einem Sales Support Center (105-135);
Andreas Schelske: Computerunterstützte Vergesellschaftung (137-154); Nicole Zillien: "PowerPoint makes you dumb". Ein Klärungsversuch mit Hilfe der Theorie der Strukturierung
(155-174); Uwe Matzat: Die Einbettung der Online-Interaktion in soziale Netzwerke der Offline-Welt (175-199); Christian Stegbauer: Soziale Formen im Internet (201-221).
[234-L] Karenovics, Ilja:
Fallende Ost-Blöcke: 'Tetris' oder wie die Sowjetunion den Game Boy zum Superstar
machte, in: Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft,
Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg.
57/2007, H. 5, S. 83-94 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: "Wohl kein anderes Computerspiel kann es punkto Erfolg und Bekanntheit mit Tetris
aufnehmen. Weitaus weniger bekannt ist, dass das Knobelspiel die Erfindung eines russischen
- damals noch sowjetischen - Mathematikers aus dem Jahr des Regierungsantritts von Michail
Gorbacev ist. Seine Geschichte kann in mehrfacher Hinsicht als symbolisch für die Zeit der
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Perestrojka gelten: Mit Tetris nimmt die 'Russen-Popkultur' im Westen ihren Anfang - aber
auch der kommerzielle Welterfolg von Nintendos Handheld-Konsole Game Boy. Hinter den
Kulissen dieser Geschichte spielte sich ein internationaler Wirtschaftskrimi ab, in dem Akteure und Institutionen der zusammenbrechenden Sowjetunion eine Hauptrolle spielen." (Autorenreferat)
[235-L] Käuser, Andreas:
Adorno - Gehlen - Plessner: Medien-Anthropologie als Leitdiskurs der 1950er Jahre, in: Lars
Koch (Hrsg.): Modernisierung als Amerikanisierung? : Entwicklungslinien der westdeutschen
Kultur 1945-1960, Bielefeld: transcript Verl., 2007, S. 129-153, ISBN: 978-3-89942-615-1
(Standort: USB Köln(38)-35A2200)
INHALT: In diskurshistorischer und -analytischer Absicht zeigt der Verfasser, wie die Anthropologie der Medien zum deutschen Leitdiskurs der 1950er Jahre wird und welche Denkfiguren
und Begriffskonstellationen dabei entfaltet werden. Dabei scheint ein Diskurs auf, der seit
1900, verstärkte aber seit den 1920er Jahren, die modernen Fortschritte kontrastierend und
konterkarierend begleitet. Die Modernität der massenmedialen Innovationen der 1950er Jahre
wurden im Diskurs der gesellschaftsdeutenden Soziologie als Moment des regressiven Rückschritts umgedeutet. Bei Adorno, Gehlen und Plessner erkennt der Verfasser Traditionslinien,
die dem kulturkritischen Denkstil der 1920er Jahre entstammen. Was Adorno als Regression
und Reproduktion bezeichnet, heißt bei Gehlen Primitivität. Die reale Modernisierung des
medientechnischen Fortschritts wird durch eine gegenläufige Primitivisierung gekennzeichnet, in der neben den Fortschritt ein kultureller Konservatismus tritt, der sich mit Entwicklungen der Medienkultur verbindet. (ICE2)
[236-L] Kinnebrock, Susanne; Knieper, Thomas:
Männliche Angie und weiblicher Gerd?: visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen
auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen, in: Christina Holtz-Bacha (Hrsg.):
Frauen, Politik und Medien, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 83-103, ISBN: 978-3531-15693-4
INHALT: Geschlecht und Macht werden nicht nur über Sprache, sondern auch über Bilder vermittelt. Deren schwer erfassbarer polysemischer Charakter hat jedoch dazu geführt, dass sich
kommunikationswissenschaftliche Inhaltsanalysen überwiegend der Analyse sprachlicher Geschlechter- und Machtcodierungen widmen. Der vorliegende Beitrag versucht hingegen, die
sprichwörtliche "Macht der Bilder" aufzuzeigen, indem visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen mit Hilfe einer standardisierten Inhaltsanalyse erfasst werden. Es werden die
Ergebnisse einer Pilotstudie vorgestellt, die Personenabbilder auf den Titelseiten der Nachrichtenmagazine "Der Spiegel" und Focus" danach untersuchte, wie Geschlecht und Macht
visuell konstruiert wurden. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich auf das Wahljahr 2005,
in welchem Angela Merkel die Titelseiten dominierte. Am Beispiel der Kanzlerkandidatin
und späteren Kanzlerin wird verdeutlicht, wie visuelle Geschlechterstereotypen durchbrochen
werden, sobald die Machtdimension interveniert. Nach einem Überblick über den theoretischen Hintergrund der Studie, die Erkenntnisse aus der Stereotypenforschung, der kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung und dem Dekonstruktivismus aufgreift,
werden die Ergebnisse für folgende Bereiche bzw. Aspekte dargestellt: Geschlechtervertei-
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lung, Darstellungsaspekte, Figurenaspekte entlang der Geschlechterdimension, Machtdimension und "Merkel-Effekt". (ICI2)
[237-F] Kneip, Veronika, Dipl.-Medienwirtin (Bearbeitung); Baringhorst, Sigrid, Prof.Dr.Dr.
(Leitung):
Protest- und Medienkulturen im Umbruch. Transnationale Corporate Campaigns im Zeichen digitaler Kommunikation
INHALT: Analyse der Auswirkungen von medialem Wandel auf die Veränderung von politischen Protestformen am Beispiel von transnationalen Anti-Corporate-Campaigns im deutschsprachigen Raum. ZEITRAUM: 1995-2005 GEOGRAPHISCHER RAUM: deutschsprachiger
Raum
METHODE: qualitative Analyse von Webauftritten; qualitative Interviews mit Campaignern und
Protestakteuren DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, offen (Stichprobe: 109; Kampagnen Websites; Auswahlverfahren: total). Qualitatives Interview (Stichprobe: 30). Standardisierte
Befragung, online (Stichprobe: 6). Medienresonanzanalyse (Stichprobe: 10). Feldarbeit durch
Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Baringhorst, Sigrid: Kuluttajakansalaisten poliittinen voimaantuminen - Verkon korporaatiovastaisen kampanjoinnin mahdollisuuksia ja ongelmia. in: Politiikka (ISSN 0032-3365), vol. 50, 2008, issue 1, pp. 37-50.+++Baringhorst, Sigrid: Branded
Communication - Euro-Asian Campaigns for Global Citizenship. in: Banerjee, Indrajit; Rao,
Madanmohan (eds.): Media and Development in Asia: Regional Perspectives. Singapore, pp.
173-189.+++März, Annegret: Von der Straße ins Netz und zurück - Culture Jamming als Medien- und Konzernkritik in Protestkampagnen. in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und
Kulturwissenschaften (ISSN 1619-1641), Jg. 8, 2008, H. 2, S. 73-91.+++Müller, Daniel;
März, Annegret: Öffentlichkeit(en) und Internet. Umbruch in der politischen Kommunikation? in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften (ISSN 1619-1641),
Jg. 8, 2008, H. 2, S. 7-13.+++Niesyto, Johanna: Europäische Öffentlichkeit im Internet? in:
Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften (ISSN 1619-1641), Jg. 8,
2008, H. 2, S. 27-47.+++Baringhorst, Sigrid: Medialisierung und Demokratie im 20. Jahrhundert. in: Rundfunk und Geschichte (ISSN 0175-4351), Jg. 33, 2007, H. 3/4, S. 102-103 (Rezension).+++Niesyto, Johanna: Der Bürger zwischen Politik und Konsum. in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (ISSN 0933-9361), Jg. 20, 2007, H. 2, S. 216-218 (Rezension).+++Niesyto, Johanna: PR-, Ziel- und NGO-Kampagnen als strategische Kommunikation. in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (ISSN 0933-9361), Jg. 20, 2007, H. 3,
S. 140-144 (Rezension).+++Kneip, Veronika: Legitimationsfaktor Bürgerschaft. Die kommunikative Vermittlung von Corporate Citizenship. in: Baringhorst, Sigrid; Kneip, Veronika;
März, Anne; Niesyto, Johanna (Hrsg.): Politik mit dem Einkaufswagen. Unternehmen und
Konsumenten in der globalen Mediengesellschaft. Bielefeld: Transcript-Verl. 2007, S. 223244. ISBN 978-3-89942-648-9.+++Kneip, Veronika; Niesyto, Johanna: Politischer Konsum
und Kampagnenpolitik als nationalstaatliche Steuerungsinstrumente? Das Beispiel der Kampagne Echt gerecht. Clever kaufen. in: Baringhorst, Sigrid; Kneip, Veronika; März, Anne;
Niesyto, Johanna (Hrsg.): Politik mit dem Einkaufswagen. Unternehmen und Konsumenten in
der globalen Mediengesellschaft. Bielefeld: Transcript-Verl. 2007, S. 155-180. ISBN 978-389942-648-9.+++Baringhorst, Sigrid: Sweet Charity. Zum moralischen Ethos zeitgenössischer Sozialkampagnen. in: Röttger, Ulrike (Hrsg.): PR-Kampagnen. Über die Inszenierung
von Öffentlichkeit. 3., überarb. und erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2006, S.
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247-266. ISBN 978-3-531-42950-2.+++Baringhorst, Sigrid; Holler, Simon: Medienindustrie Die vergessene Theorie' der politischen Ökonomie der Massenkommunikation. in: Schröter,
Jens; Schwering, Gregor; Stäheli, Urs (Hrsg.): Media Marx. Ein Handbuch. Bielefeld: Transcript-Velr. 2006, S. 369-381. ISBN 978-3-89942-481-2.+++Baringhorst, Sigrid: Strategic framing - Deutungsstrategien zur Mobilisierung öffentlicher Unterstützung. in: Kreyher, Volker
J. (Hrsg.): Handbuch Politisches Marketing. Baden-Baden 2004.+++Baringhorst, Sigrid: Solidarität ohne Grenzen? Aufrufe zu Toleranz, Mitleid und Protest in massenmedialen Kampagnen. in: Bergmann, Jörg; Luckmann, Thomas (Hrsg.): Zur kommunikativen Konstruktion
von Moral. Bd. 2. Wiesbaden 1999, S. 236-259. ARBEITSPAPIERE: Baringhorst, Sigrid;
Kneip, Veronika; Niesyto, Johanna: Wandel und Kontinuität von Protestkulturen seit den
1960er Jahren - eine Analyse ausgewählter Anti-Corporate Campaigns. Fachtagung 'Bürgergesellschaft - Wunsch und Wirklichkeit', Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
(WZB), 19.10.-20.10.2006. Unter: www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/PDF/aktuelles/veranstalt
ungen/wzb_protestkulturen.pdf abrufbar.+++Baringhorst, Sigrid: New media and the politics
of consumer activism. Opportunities and challenges of Euro-Asian anti-corporate campaigns.
Paper presented at the Annual Conference of the European Consortium of Political Research,
Workshop 'New Directions in Cultural Politics', Granada, 14.-19.04.2005. Unter: www.politik-konsum.de/pdf/baringhorst_ecpr.pdf abrufbar.+++Kneip, Veronika; Niesyto, Johanna:
'Echt gerecht. Clever kaufen' - politischer Konsum und Kampagnenpolitik als Reaktion auf
nationalstaatliche Steuerungsverluste. Nachwuchstagung des SFB 'Staatlichkeit im Wandel',
Universität Bremen, 31.03.-02.04.2006. Unter: www.staatlichkeit.uni-bremen.de/download/
de/aktuelles/petzold_niesyto_Paper.pdf abrufbar.+++Baringhorst, Sigrid: Medien, Politik und
Demokratie - Ambivalenzen der Medialisierung. Key Note Speech auf der Tagung "Governance. Multi-Level or Post-Democratic?", Univ. Innsbruck, Obergurgl, 18.-20.10.2007, Podcast erhältlich unter: www.uibk.ac.at/wuv/podcasts.html .+++Baringhorst, Sigrid: Political
empowerment of citizen consumers - chances of anti-corporate campaigning on the internet.
Open international research and graduate seminar 'Politics on the Internet: New Forms and
Media for Political Action', Univ. Tampere, 24.11.-25.11.2006.+++Kneip, Veronika: Multinational corporations and anti-corporate campaigns - corporate reaction to anti-corporate protest. Konferenz 'The 'Establishment' Responds: the Institutional and Social Impact of Protest
Movements During and After the Cold War', veranstaltet von dem Heidelberg Center for
American Studies (HCA), Univ. Heidelberg, 22.11.-24.11.2007.+++Kneip, Veronika: Interconnectivity of the 'public of publics' - the example of anti-corporate campaigns. Konferenz
'Changing politics through digital networks. The role of ICTs in the formation of new social
and political actors and actions', veranstaltet von der Fak. für Politikwissenschaft der Univ.
Florenz, Italien, 5.10.-06.10.2007.+++Kneip, Veronika: CSR und Discountpolitik - das Beispiel Lidl. Tagung 'Corporate Social Responsibility im Einzelhandel', veranstaltet von den
Univ. Hamburg und Kassel in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik, Berlin, 01.06.-02.06.2007.+++Niesyto, Johanna: Transnational anti-corporate campaigns on the Net, Workshop 'Webcampaigning @ public sphere(s)', Univ. Siegen,
9.11.2007.+++Niesyto, Johanna: Comparative study of transnational anti-corporate campaigns - research design and preliminary results. Workshop 'Campaign Analysis in a Globalizing World', veranstaltet vom SFB 536 "Reflexive Modernisation" und dem Lehrstuhl für
Vergleichende Politikwissenschaft des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft
der LMU München am Starnberger See, 27.04.-28.04.2007, erhältlich unter: www.protestcultures.uni-siegen.de/pdf/Niesyto%2520Comparative%2520Study.pdf .+++Niesyto, Johanna: Networking campaigns - towards a new era of transnationalism? Workshops 'European
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Protest Movements', Univ. Halle, 22.11.-25.11.2006 und Univ. Zürich, 7.3.-10.3.2007, erhätlich unter: www.protest-cultures.uni-siegen.de/pdf/Networking%20Campaigns.pdf .
ART: BEGINN: 2005-08 ENDE: 2009-07 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche
Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Siegen, FB 01 Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Geschichte, Geographie, Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl Politische Systeme, Vergleichende
Politikwissenschaft (57068 Siegen)
KONTAKT: Leiterin (Tel. 0271-7404510,
e-mail: [email protected])
[238-L] Kümmel-Schnur, Albert; Schröter, Jens (Hrsg.):
Äther: ein Medium der Moderne, (Medienumbrüche, Bd. 19), Bielefeld: transcript Verl. 2008,
401 S., ISBN: 978-3-89942-610-6 (Standort: UB Bonn(5)-2008/4998)
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Albert Kümmel-Schnur: Einleitung. Äther als Thema der Medienwissenschaft? (13-28); Stefan Kramer: Äther: Und es gibt ihn doch... Desontologisierte Überlegungen zur Immanenz der Medien (33-53); Frank Furtwängler: An Nichts denken müssen.
Über den Äther und die Medienwissenschaft vor einer Medienwissenschaft (57-70); Tristan
Thielmann: Die Wiederkehr des Raummediums Äther (75-95); Christian Kassung, Marius
Hug: Der Raum des Äthers. Wissensarchitekturen - Wissenschaftsarchitekturen (99-129);
Antje Pfannkuchen: Ezra Pounds Vortex im Äther der Kunst (133-157); Jürgen Stöhr:
"Äther" und "Sinn" - Ein Sprung als Präzedenzfall (161-200); Alexandra Lembert: Nebulose
Gefilde. Äther in der britischen Literatur um 1900 (205-222); Holger Steinmann: "Der Pfad
ist keinem bezeichnet". Zur Umschreibung des Äthers bei Hölderlin und Poe (227-250); Laurence A. Rickels: Dem Schleier gleich (255-272); Wolfgang Hagen: Veronica on TV. Ikonographien im Äther - Baraduc... Beckett (277-310); Stefan Rieger: Im Äther der Intuition. Reichenbachs Lehre vom Od und die Kulturtheorie (315-335); Albert Kümmel-Schnur: "Ein
Körnlein war's" - Fechners Totengeister (1836/1866) (339-362); Jens Schröter: Der Äther des
Sozialen. Anmerkungen zu Bruno Latours Einstein-Rezeption (367-393).
[239-L] Lange, Andreas; Theunert, Helga:
Popularkultur und Medien als Sozialisationsagenturen: Jugendliche zwischen souveräneigensinniger und instrumentalisierender Subjektivierung, in: Zeitschrift für Soziologie der
Erziehung und Sozialisation, Jg. 28/2008, H. 3, S. 231-242 (Standort: USB Köln(38)-XG02735;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Popularkultur und Medien stellen aufgrund unterschiedlichster gesellschaftlicher Entwicklungen zusehends wichtiger werdende Sozialisationsagenturen dar. Der Beitrag untersucht auf der Angebotsseite das derzeit entstehende 'Medien-Kultur-Ökonomie-Konglomerat'
und rollt die dazu korrespondierenden Entwicklungen auf. Als wichtige, auf das Aneignungshandeln Jugendlicher bezogene Merkmale werden die Medienkonvergenz und Interaktivität
herausgearbeitet. Um das Aneignungsgeschehen konzeptionell zu rahmen, werden sozialisationstheoretische Überlegungen verbunden mit neueren Ansätzen zur Subjektivierung im Jugendalter. Als oftmals übersehene Resultate der Aneignung wird auf die Herausbildung von
Kompetenzen eingegangen, bevor rekonstruiert wird, dass auch der Bereich der Medienaneignung im Jugendalter nicht losgelöst von Strukturen sozialer Ungleichheit zu denken ist. Im
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Resümee wird daher für ein Monitoring von Risiken und Chancen der Erweiterung medialer
Räume plädiert." (Autorenreferat)
[240-L] Loewy, Hanno:
The survivor as villain: X-men, comic culture and Auschwitz fantasies, in: Martin Liepach,
Gabriele Melischek, Josef Seethaler (eds.): Jewish images in the media, Wien: Verl. d. Österreich.
Akad. d. Wiss., 2007, S. 247-267, ISBN: 978-3-7001-3878-5
INHALT: Es kann kaum überraschen, dass Auschwitz auch Einfluss auf die Alltagskultur in
Film, Comics und Science Fiction genommen hat. Comics und Film sind seit Beginn es 20.
Jahrhunderts Teil der amerikanischen Alltagskultur. Schon in den 1930er Jahren wurden Comicserien, die voll von amerikanischen Träumen und Fantasien der Übertragung von Verantwortung auf die Schwachen waren, zu Spielstätten einer jüdischen Einwanderungskultur. Als
man begann, den Dimensionen von Auschwitz mit Mitteln der Kunst nachzuspüren, war der
Film zur Stelle und die Comic-Kultur folgte kurz darauf. Während Untersuchungen zum Thema Film und Holocaust sich weitgehend an den Höhepunkten der "Hochkultur" orientieren,
wird in dem Beitrag der Versuch unternommen, zu untersuchen, aus welcher Perspektiv die
Alltagskultur auf den Holocaust blickt. Er untersucht solche Medien, in denen sich das "Ernste" und das "Populäre" begegnen und vermischen, von Comicserien und Filmen wie den "Xmen" bis zu Science Fiction, Abenteuern und Fernsehserien wie "Star Trek". Der fiktionale
Film und Comics sind die herausragenden zeitgenössischen Medien zum Geschichteerzählen
- sie projizieren eine traumähnliche Welt der Wunscherfüllung in Narrative, die sowohl realistisch als auch magische Märchen sind. Diese Erzählungen sprechen die Sehnsüchte des Publikums an und enthüllen mehr über den öffentlichen Diskurs zur Erinnerung an den Holocaust als viele andere Quellen. (RGübers.)
[241-L] Makropoulos, Michael:
Theorie der Massenkultur, München: Fink 2008, 170 S., ISBN: 978-3-7705-4597-1 (Standort:
UB Bonn(5)-2008/3961)
INHALT: Der Begriff der "Massenkultur" verweist auf einen Bedeutungsüberschuss, der mehr signalisiert als die Summe der industrialisierten Freizeit-, Konsum- und Medienwelten. Massenkultur ist auch nicht nur "Kulturindustrie" im Sinne Max Horkheimers und Theodor W.
Adornos, die die zureichende Bedingung für die Unterwerfung der gesamten Wirklichkeit unter das kapitalistische Verwertungsprinzip in ihr gesehen haben. Massenkultur, so lautet die
These der vorliegenden Studie, ist eine "Kontingenzkultur" im Sinne der Systemtheorie und
Hans Blumenbergs. Sie ist eine Kultur, die Kontingenz nicht nur und nicht in erster Linie als
Unsicherheit problematisiert, sondern sie als Möglichkeitsofferte positiviert (Multioptionsgesellschaft) und damit als Gewinn menschlicher Freiheit bewertet. Massenkultur wird damit
eine Kultur des "Möglichkeitssinns" - wie der Autor mit Robert Musil sagt. Dieser "Möglichkeitssinn" ist allerdings nicht an technische oder ästhetische Kontingenzexperten wie Ingenieure oder Künstler gebunden; er ist vielmehr generalisiert, verallgemeinert und gewissermaßen "demokratisiert". Technisierung, Ökonomisierung und Ästhetisierung sind die Medien
struktureller Kontingenzsteigerung, die das (post)moderne konstruktivistisch-technische
Weltverhältnis charakterisieren, ihm eine gesellschaftliche Form zu geben. (ICA2)
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[242-L] McRobbie, Angela:
Make-over-TV und postfeministische symbolische Gewalt, in: Robert Schmidt, Volker
Woltersdorff (Hrsg.): Symbolische Gewalt : Herrschaftsanalyse nach Pierre Bourdieu, Konstanz:
UVK Verl.-Ges., 2008, S. 169-192, ISBN: 978-3-86764-121-0
INHALT: Die Verfasserin untersucht eine auf den Erfordernissen des zeitgenössischen sozioökonomischen Systems beruhende 'Frauenbewegung' und zeigt, dass der Ort für die Durchführung und Orchestrierung dieser Bewegung auf dem Terrain der Populärkultur, insbesondere
des Genres der sogenannten Make-over-TV-Programme zu finden ist. Die Schlüsselfunktion
dieser Stilberatungs-Programmformate ist es, Frauen von einem momentan als unakzeptabel
betrachteten Zustand in einen anderen zu versetzen, nämlich einen stark verbesserten Zustand
des guten Aussehens und des Wohlbefindens. Diese 'Frauenbewegung' bezieht sich auf die
Notwendigkeit für Frauen, insbesondere die unter 50-Jährigen, welche noch immer einen potenziellen Wert für den Arbeitsmarkt darstellen, als aktive Teilnehmerinnen auf diesem Markt
sowie in der Konsumgesellschaft aufzutreten bzw. sich daran zu orientieren, da das dann verfügbare Einkommen neue Bereiche des Kaufens und Shoppens erschließt. Diese Fernsehprogramme eröffnen für diese Frauen, insbesondere denen aus der Arbeiter- oder der unteren
Mittelklasse, nicht nur einfach das Feld der Konsumgesellschaft, sondern sie leiten sie aktiv
an, sodass sie lernen, die richtige Auswahl zu treffen. Dieser transformative Effekt führt zu
einer gesünderen Subjektivität, zu Frohsinn, einem besseren 'Selbstwertgefühl' und einer verbesserten Qualität sexueller Beziehungen. Das landesweite Fernsehen beschäftigt sich damit,
an den Selbstbildern von Frauen zu arbeiten, die in der Vergangenheit leicht hätten übersehen
oder unsichtbar gemacht werden können, während sie den Lebenszyklus von Heirat, Kinderkriegen und Älterwerden durchschritten. Heute jedoch ist es zu einem Charakteristikum, beinahe einem Anspruch im Leben der Frauen geworden, aus dem Schatten ins Rampenlicht der
Sichtbarkeit zu treten, in eine Helligkeit, die eine geradezu dramatisierende Wirkung des Individuums nach sich zieht, eine Art Spektakularisierung femininer Subjektivität, die zur
Norm wird. (ICF2)
[243-L] Paul, Heike; Ganser, Alexandra (Hrsg.):
Screening gender: Geschlechterszenarien in der gegenwärtigen US-amerikanischen
Populärkultur, (Erlanger Studien zur Anglistik und Amerikanistik, Bd. 9), Berlin: Lit Verl. 2007,
244 S., ISBN: 978-3-8258-0598-2 (Standort: UuStB Köln(38)-35A5620)
INHALT: "Geschlechterrollen und Geschlechterbeziehungen in der gegenwärtigen US-amerikanischen Populärkultur - in Fernsehserien, Filmen, Computerwelten und Literatur - stehen im
Mittelpunkt dieses Bandes. Wie haben Dekaden feministischer und gesellschaftspolitischer
Debatten das Männer- und Frauenbild in der Populärkultur verändert? Welches Spektrum
männlicher und weiblicher Identitätsentwürfe lässt sich in gegenwärtigen populärkulturellen
Diskursen ausmachen und welche Vorstellungen von Partnerschaft, Gemeinschaft und Familie leiten sich davon ab? Sind populärkulturelle Repräsentationen von Geschlecht und Geschlechterdifferenz in ihrer ästhetischen und politischen Dimension als tendenziell subversiv
oder affirmativ im Hinblick auf bestehende Strukturen und aktuelle Diskussionen zu bewerten? Anhand einer Vielzahl von Fallbeispielen, die sich von der Fernsehserie 'Sex and the
City' bis hin zu virtuellen Schönheitswettbewerben erstrecken, gehen die Autoren und Autorinnen des Bandes diesen und ähnlichen Fragestellungen nach." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Heike Paul, Alexandra Ganser: Einleitung: Screening Gender: Geschlechterszenari-
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en in der gegenwärtigen US-amerikanischen Populärkultur (1-5); Zoe Antonia Kusmierz:
Carries im Wunderland: Konsum, Raum und gender von Carrie Meeber bis Carrie Bradshaw
(6-17); Vanessa Künnemann: 'Sex and the City' zwischen puritanischem Erbe und Provokation: eine amerikanische Serie im Spannungsfeld von Pornografie, sexuellem Diskurs, Zensur
und Prüderie (18-32); Sabine Sielke: Postfeminismus und kulturelle Amnesie: zur Serialität
feministischer Perspektiven oder: sind 'Sex and the City', 'Fear of Flying' und 'The Feminine
Mystique' Episoden ein und derselben Seifenoper? (33-58); Heike Paul: 'Feminist Chicks?:
Chick lit' als (post)feministische Populärliteratur (59-74); Karin Höpker, Andrea Kuhn: Making over 'The Stepford Wives': gender, nostalgia, and irony in the Hollywood remake (7596); Karin Esders: 'Trapped in the Uncanny Valley': von der unheimlichen Schönheit künstlicher Körper (97-115); Katja Kanzler: 'Sex in Outer Space: Star Trek' (116-129); Markus
Rheindorf: Split masculinities and homosocial desire in 'Nip Tuck' and 'Six Feet Under' (130147); Ralph J. Poole: Forever young, beautiful, and troubled? Hedonism, youth cult, and family planning in 'Dawson's Creek' and 'Queer as Folk' (148-174); Bernd Elzer: "Real Men
Watch Soaps": constructing masculinities in and through American daytime drama (175-202);
Alexandra Ganser: 'Good Girls Go to Heaven, Bad Girls Go Everywhere Else!?' Mütter und
Töchter in US-amerikanischen Road Movies (203-218); Silvia Bauer: Schwarze Körper des
Aufbegehrens und das Begehren des weißen Künstlers: reflexive Ästhetik und ironische Ethnographie in David LaChapelles 'Rize' (219-241).
[244-L] Pranz, Sebastian:
Theatralisierung von Raum-Präsentationen in den digitalen Medien am Beispiel des
Videospiels, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des
33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2,
Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4357-4371, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die so genannten 'neuen Medien' sind in den letzten Jahren zunehmend zu Alltagsmedien geworden. Damit einher ging und geht ein Prozess der Habitualisierung und Normalisierung diverser Handlungsformen, die sich im digitalen Raum gebildet haben und sich auf diesen beziehen. Alltagshandeln wie das (Auf-)Suchen eines Ortes, das Sich-Orientieren in einer
räumlichen Umgebung oder das Verfolgen eines Weges erfolgt nicht mehr als auf materielle
Objekte im Raum ausgerichtetes Körperhandeln, sondern wird in einem symbolbezogenen
Auswahlprozess vollzogen, der eine Landkarte aus bookmarks und visited links hinterlässt.
Dass sinnvolles Handeln in der 'ortslosen' Raumfiktion des Cyberspace möglich ist (und in einem intuitiven Lernprozess von 'Trial & Error' erschlossen werden kann), ist dabei nicht zuletzt auch auf glaubhafte Raum- und Körperpräsentationen zurückzuführen, die sich als interaktive Oberflächen über eine ansonsten undurchsichtige technische Struktur legen. Diese Zusammenhänge lassen sich am empirischen Beispiel des Videospiels aufzeigen und eingehend
analysieren. Seit ihrer Geburtsstunde in den 50er Jahren sind Videospiele auf Sichtbarkeit
spezialisierte Inszenierungen: Bereits Jahrzehnte bevor graphische Benutzeroberflächen für
Personal Computer einen Massenmarkt erobern, bieten sie dem Nutzer die (audio-)visuelle
Präsentation eines (Spiel-)Raumes mit (Spiel-)Figuren an. Darüber hinaus stellen sie als games einen Ordnungsrahmen zur Verfügung, in dem sich Handlungen (als Züge) sinnvoll planen, ausführen und auswerten lassen. Seit diesem Zeitpunkt haben sich Videospiele jedoch
maßgeblich weiterentwickelt. Mit dem wachsenden Fundus an Spielmedien, der zunehmenden Ausgestaltung des Raumes, dem Loslösen von Spielzielen, -zeiten und -feldern und der
Ausgestaltung von Spielfiguren zu menschlichen Körpern entsteht ein Bedeutungsüberschuss,
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der nicht mehr im Spielrahmen verwertet werden kann. An die Stelle seiner Abstraktionslogik, der unterscheidbare Spielfiguren und klar abgegrenzte Felder genügen, um sinnvolles
Handeln zu ermöglichen, tritt hier zunehmend eine theatrale Konkretionslogik, deren Produkt
grenzenlose Bildwelten sind, die zwar bespielbar bleiben, deren Sinn aber nicht mehr im
Spiel aufgeht." (Autorenreferat)
[245-L] Rath, Matthias; Erdemir, Pinar:
"Denn sieh', das Fremde liegt so nah!": der Einbruch kultureller Heterogenität in die
nationale Medienethik, in: Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik, Jg.
19/2007, Nr. 1, S. 62-68
INHALT: Der Beitrag untersucht am Beispiel der von türkischen Jugendlichen in Deutschland
via Satellit rezipierten türkischen Fernsehsendungen, wie Kulturgrenzen übergreifende Medienangebote unter den Bedingungen der Globalisierung zu bewerten sind. Anknüpfend an eine
kurze Skizzierung der Globalisierung der Medien im allgemeinen, wird der Transkulturalität
von Medieninhalten unter Fokussierung auf die Bedingungen der Verwertung kultureller Heterogenität nachgegangen. Daran anschließend wird versucht, mit ethischen Begründungen
die Notwendigkeit und Möglichkeit einer formalen Moralisierung medialer Angebote unter
den Bedingungen kultureller Heterogenität nachzuweisen. Dabei dient die Kantische Definition von Aufklärung als inhaltliches Prinzip formaler Kritik. Abschließend werden diese Überlegungen im Hinblick auf das in Deutschland via Satellit zu empfangende türkische Fernsehen konkretisiert. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass das türkische Fernsehen in
Deutschland den Rezipienten, v.a. den türkischen Jugendlichen, nur unvollständige Anschlüsse an die deutsche Gesellschaft ermöglicht. Jugendliche müssen sich zwischen den transkulturellen und kulturell heterogenen Angeboten weitgehend allein orientieren. Es ist die Aufgabe
der Medienerziehung, "in Zeiten der Globalisierung" ein formales Beurteilungskriterium zur
Verfügung zu stellen, das zugleich die Zielrichtung medialer Angebote berücksichtigt. "Medienerziehung für globalisierte Medienmärkte muss trans- und multikulturelle Aspekte berücksichtigen. Die Bildungsinstitutionen sind dafür noch nicht ausreichend vorbereitet." (RG)
[246-L] Roth-Ebner, Caroline E.:
Identitäten aus der Starfabrik: jugendliche Aneignung der crossmedialen Inszenierung
'Starmaina', Opladen: Budrich UniPress 2008, 210 S., ISBN: 978-3-940755-10-0
INHALT: Formate wie "Starmania" und "Deutschland sucht den Superstar" sind - neben vielen
anderen Dingen, die dazu gesagt werden können - Orte der Identitätskonstruktion Jugendlicher. Die Autorin untersucht in ihrer Studie die crossmediale Aneignung der Castingshow
"Starmania" (ORF) und deren Relevanz für die Identitätskonstruktionen von Jugendlichen. Im
ersten Kapitel werden die theoretischen und methodischen Grundlagen der Studie entwickelt.
Auf theoretischer Seite stellen postmoderne Diskurse und konstruktivistische Annahmen die
Basis der Arbeit dar. Die beiden zentralen Begriffe der Arbeit, "Crossmedia" und "Postmoderne Identitäten", werden ebenfalls im ersten Kapitel definiert und in ihrer Bedeutung für die
Studie erläutert. Außerdem wird das Verhältnis von Medien und Identität theoretisch anhand
vorhandener Forschungsarbeiten in diesem Bereich dargestellt. Der kurze Abriss belegt einen
starken Zusammenhang zwischen Medien- und Subjektscripts. Dem methodischen Zugang ist
ein eigener Abschnitt gewidmet, in welchem das Forschungsdesign dargestellt sowie das ver-
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wendete Instrumentarium an Methoden begründet und erläutert wird. Zentral ist dabei ein an
der Grounded Theory (Glaser/Strauss 1967) orientiertes Beziehungsnetz zur Schlüsselkategorie "Identität", welches die empirischen Daten in ihrer Relation zueinander sichtbar macht.
Dieses Modell liefert die Grundlage für die Entwicklung der Theorie dieser Arbeit. Im zweiten Kapitel wird die crossmediale Inszenierung Starmania detailliert beschrieben. Dabei stehen die Inszenierungen von "Wirklichkeit" unter den Bedingungen eines crossmedialen Designs sowie die Rezeption des Formats in seiner crossmedialen Ausprägung im Fokus des Interesses. Eine kritische Reflexion über die Show rundet das zweite Kapitel ab. Die Handlungsstrategien der Identitätsbildung am Beispiel von Starmania im dritten Kapitel bilden den
Hauptteil der Arbeit. Dazu werden zuerst die Rahmenbedingungen der jugendlichen Identitätsbildung erläutert, um die Forschungsergebnisse in einen gesellschaftlichen, biografischen
und medialen Kontext zu stellen. Danach wird gezeigt, welche Strategien die Jugendlichen
für die Entwicklung von personaler und sozialer Identität aus dem Repertoire von Starmania
schöpfen, bzw. wie Starmania bereits vorhandene Strategien beeinflusst. Dazu wird auf das
gesamte empirische Datenmaterial zurückgegriffen sowie auf die dargestellten theoretischen
Diskurse verwiesen. Am Ende wird die zentrale Fragestellung der Forschungsarbeit beantwortet, indem die Resultate in Hinblick auf die wesentlichen Konsequenzen komprimiert
werden. Die Reflexion der Forschungsergebnisse hinsichtlich praktischer und theoretischer
Schlussfolgerungen setzt den Schlusspunkt der Arbeit. Dabei werden aus den Forschungsergebnissen medienpädagogische Handlungskonsequenzen abgeleitet sowie Desiderate für weitere Forschungsarbeiten formuliert. Zur Struktur dieser Arbeit sei angemerkt, dass Theorie
und Empirie nicht in voneinander getrennten Texten abgehandelt werden, sondern empirische
Ergebnisse und theoretische Ausführungen fortlaufend miteinander verknüpft werden. Der
methodische Ansatz der Triangulation, welchen ich für meine Studie gewählt habe, erfordert
es, ein Geflecht zwischen rezipierten Arbeiten, eigenen Daten und Interpretationen herzustellen, das nicht durch pragmatische Einteilung entsteht, sondern durch inhaltliche Kohärenz.
(FR2)
[247-F] Santaella, Lucia, Prof.Dr. (Bearbeitung); Nöth, Winfried, Prof.Dr.; Ludes, Peter, Prof.Dr.;
Kramer, Stephan, Priv.Doz. Dr. (Leitung):
Mediale Schlüsselbilder im interkulturellen Vergleich
INHALT: Die Bildschirmmedien bestimmen wesentlich die Prozesse multimedialer Globalisierung. Weltweit kommunizierte Bilder strahlen in alle Medien aus, von der Tageszeitung über
die Zeitschriften bis hin zu den Internetseiten der Nachrichtenanbieter, und sie bilden einen
globalen Pool von teils kulturspezifischen, teils transkulturellen Schlüsselbildern, die international als Key Visuals erforscht werden. Ziele dieses Projektes sind die systematische Erfassung von Key Visuals, die Analyse ihrer Botschaften, die Bestimmung ihrer transkulturellen
Gemeinsamkeiten und ihrer kulturspezifischen Unterschiede. Gegenstand der Untersuchungen sind Fernsehberichte aus Brasilien, China, Deutschland und den USA über Naturkatastrophen und Weltereignisse in Politik und Sport. Das Untersuchungsmaterial entstammt dem
weiterzuentwickelnden IUB-Archiv von Jahresrückblicken maßgeblicher Fernsehanstalten
dieser Länder. Die in ihrer Bedeutung und Funktion bestimmten Key Visuals werden hinsichtlich ihrer erwünschten und tatsächlichen Wirkung bei der Vermittlung kultureller und
politisch-ideologischer Botschaften analysiert. Das Länderspektrum, auf welches sich die Untersuchungen bezieht, steht exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen Hegemonieansprüchen der neuen und alten "ersten" Welt (USA und Deutschland) sowie der Globalisierung ei-
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nerseits und den eigenen medialen und kulturellen Wegen andererseits in der alten und neuen
Welt der Schwellenländer (China und Brasilien). Die Ergebnisse der Untersuchungen zu den
medial und kulturell halb antipodischen halb benachbarten vier Ländern versprechen Einsichten in das Maß an Globalisierung der Schlüsselbilder und in die Formen der Resistenz gegen
sie. Leitfragen der Analysen sind: Wie kommunizieren transnationale Medienanbieter welche
Weltereignisse? Wie wird in den einzelnen Ländern das globale Medienangebot produziert,
rezipiert, politisch gewichtet und kulturell bewertet? Wie differenzieren sich Key Visuals unter den Bedingungen der medialen Dispositive in den unterschiedlichen Aneignungsräumen
aus? Wie erzeugen die Medienbilder in unterschiedlichen Kontexten Key Visuals, und wie
tragen sie zur Bildung kollektiver Gedächtnisse bei? Welche transkulturellen Übereinstimmungen und welche kulturspezifischen Ausprägungen und Differenzen gibt es in den Erinnerungsbildern? Wie und wo wird die Verbreitung globaler Key Visuals als Bedrohung des Eigenen durch das Fremde empfunden, welche Formen kultureller Resistenz werden dabei mobilisiert? Wie entstehen globale Key Visuals und deren Hybridformate aus kulturellen und
transkulturellen Repräsentationsstrategien? Welche Wahrnehmungen generieren, und auf
welche medialen und kulturellen Dispositive verweisen sie? Welche Key Visuals reflektieren
und repräsentieren etwa gleiche und unterschiedliche Werte in verschiedenen Kulturen? Welche Einflüsse haben die medialen Veränderungen auf die Key Visuals? GEOGRAPHISCHER
RAUM: Brasilien, China, Deutschland, USA
METHODE: keine Angaben DATENGEWINNUNG: Aktenanalyse, offen; Beobachtung, nicht
teilnehmend; Qualitatives Interview. Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Ludes, P. (ed.): Visual hegemonies: an outline. The world language of key visuals, Vol. 1. Münster: Lit Verl. 2005, 145 p. (Translation into Portuguese: Boccia, Leonardo: Hegemonias visuais - uma introducao. With an introduction by Paulo César
Alves. Salvador Bahia: Hexis 2007). (Translation into Chinese: Liu, Zhimin with an introduction by Stefan Kramer. Beijing: China Radio and Television Pr. 2008).
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Kassel, Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Kulturforschung (34109
Kassel); Jacobs University Bremen gGmbH, School of Humanities and Social Sciences, Professorship Mass Communication Prof.Dr. Ludes (Postfach 750561, 28725 Bremen)
KONTAKT: Nöth, Winfried (Prof.Dr. e-mail: [email protected])
[248-L] Schauer, Thomas (Hrsg.):
Leben im Cyberspace: die Bildung von Sozialkapital in virtuellen Welten ; Dokumentation
eines Symposiums in Kooperation mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 26. Juni
2007 im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Wien, Bonn: Protext-Verl. 2007, 42
S., ISBN: 978-3-929118-66-7 (Standort: UB Bonn(5)-P2008/618)
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Peter Fleissner: Soziales Leben in virtuellen Welten? (6-13); Jutta
Croll: Salto Mortale im Netz: Welche Werte gelten in der digitalen Welt? (14-23); Thomas
Schauer: Wechselwirkungen zwischen Virtualität und Realität (24-28); Anton Fricko: Digitale Communities - soziale, wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen in einer zunehmend
virtuellen Gesellschaft (29-36); Martin Bredl: Sozialkapital in virtuellen Welten (37-38);
Ernst Gehmacher: Sozialkapital im Internet - Empirische Resultate (39-41).
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[249-L] Schierl, Thomas (Hrsg.):
Prominenz in den Medien: zur Genese und Verwertung von Prominenten in Sport,
Wirtschaft und Kultur, Köln: Halem 2007, 359 S., ISBN: 978-3-938258-61-3
INHALT: Prominenz ist längst nicht mehr ein nebensächlicher Berichterstattungsgegenstand, der
lediglich auf Gesellschaftsseiten und in TV-Boulevardmagazinen eine Rolle spielt. Prominenz ist vielmehr ein wichtiger Faktor in der aktuellen Medienlandschaft. Prominenz als Medieninhalt ist ein wertvolles Gut geworden, das Rezipienten eine ganze Reihe unterschiedlicher Gratifikationen bietet. Für Medienunternehmen wiederum ist Prominenz ein zunehmend
ökonomisch wichtiger Rohstoff, der auf Grund der hohen Nachfrage nach Prominenzberichterstattung verstärkt zur Nachrichten- bzw. Unterhaltungsproduktion genutzt wird, um Rezipienten zu binden. Trotz der steigenden Relevanz in den Massenmedien hat sich die Forschung,
insbesondere die Kommunikationsforschung, diesem Untersuchungsgegenstand bisher nur in
geringem Maße angenommen. Mit dem Reader wird der Versuch unternommen einen grundlegenden multiperspektivischen Beitrag zu diesem Forschungsfeld zu leisten und weitere Forschungsperspektiven aufzuzeigen. Zu den untersuchungsleitenden Fragestellungen gehören
u.a.: Wie entsteht Prominenz? Wer profitiert wie von Prominenten in Zeitschriften, Hörfunk
und Fernsehen? Welchen Preis zahlen Prominente für ihre Bekanntheit? Wie hat sich die Prominenzberichterstattung verändert? (RG) Inhaltsverzeichnis: 1. Prominenz als Medieninhalt Thomas Schierl: Prominenz in den Medien. Eine empirische Studie zu Veränderungen in der
Prominenzberichterstattung im Zeitraum 1973 bis 2003 (11-41); Louis Bosshart, Carole Witmer: Medien-Prominenz: die Wahl der Miss Schweiz als eine Win-Win-Situation? (42-59);
Christoph Jacke: Stars und Prominenz. Kulturprogrammwender in der Medienproduktion
zwischen Tradition und Abversion (60-80); Jan Räker: Die Veröffentlichung von Abbildungen Prominenter ohne deren Zustimmung - führt das 'Caroline-Urteil' des EGMR zu einem
neuen juristischen Prominenzbegriff? (81-97). 2. Prominenz aus medienökonomischer Perspektive - Thomas Schierl: Ökonomie der Prominenz: Celebrity sells. Zur medialen Produktion und Reproduktion von Prominenz (98-121); Max Ringlstetter, Stephan Kaiser, Susanne
Knittel, Philipp Bode: Der Einsatz von Prominenz in der Medienbranche: eine Analyse des
Zeitschriftensektors (122-141); Kerstin Fröhlich, Helena Johansson, Gabriele Siegert: Einmal
'Star' und zurück. Der Einfluss der Medien auf den Produktlebenszyklus von Prominenz (142163); Daniela Schaaf: Celebrity Placement. Die medienökonomischen Konsequenzen des
Einsatzes von Prominenten als kommunikatives Marketinginstrument in den Massenmedien
(164-183). 3. Rezeption von Prominenz - Gregor Daschmann: Der Preis der Prominenz. Medienpsychologische Überlegungen zu den Wirkungen von Medienberichterstattung auf die
dargestellten Akteure (184-211); Holger Schramm: Prominenz aus Rezipientensicht. Zur
Tragfähigkeit des Konzeptes parasozialer Interaktionen und Beziehungen für die Prominenzforschung (212-234); Tilo Hartmann, Christoph Klimmt: Virtuelle Medienfiguren: Stars auf
Tastendruck? (235-255); Ingrid Paus-Hasebrink: Genial? In jedem Fall crossmedial? Die
Stars und Helden der Kinder (256-278). 4. Prominenz im Sport - Markus Stauff: Prominente
Gesichter, Schweiß und Tränen. Zum Stellenwert des Sports im Prominenten-System (279301); Alan Tomlinson, Christopher Young: A time for heroes? The nature of the heroic in
past and present, with particular reference to selected cases from football (soccer) (302-327);
Christoph Bertling: Medienpräsenz in People-Magazinen als produktpolitische Strategie für
Hochleistungssportler (328-352).
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[250-L] Schmidt, Siegfried J.:
Systemflirts: Ausflüge in die Medienkulturgesellschaft, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft
2008, 229 S., ISBN: 978-3-938808-41-2
INHALT: Soziale Systeme nutzen den Spielraum, den ihnen "die Medien" eröffnen, für ein kreatives Austesten von Interaktionen mit anderen sozialen Systemen. Systemflirts, so der Verfasser, sind angesagt, und die Flirtpartner finden sich in unterschiedlichen Bereichen: Werbung
und Politik, Kunst und Werbung, Wirtschaft und Kunst, Medien und Religion oder Medien
und Öffentlichkeit. Die Beziehungen zwischen diesen Partnern sind nicht völlig neu. Neu ist
aber, dass Systemflirts in Medienkulturgesellschaften unter den Bedingungen voller Einsicht
in die Medialität aller Weltverhältnisse geführt werden. Diese Einsicht dominiert seit einiger
Zeit den medientheoretischen wie den medienphilosophischen Diskurs. In den gesellschaftlichen Entwicklungen stehen, so der Autor, Fragen nach den Konditionen von Öffentlichkeitskulturen im Vordergrund: Welche Rolle spielen Gefühle bei allen Teilnehmern in/von Medienprozessen, welche Bedeutsamkeit kommt dem Erzählen zu, wie wirken operativen Fiktionen in den verschiedenen Bereichen von Medienkulturgesellschaften? Wie beeinflussen die
Bedingungen medialer Öffentlichkeit besonders sensible gesellschaftliche Systeme wie etwa
Kunst und Politik? Systemflirts erhalten besonderen Reiz, wenn an den Rändern von Systemen experimentiert wird. In diesem Kontext bekommt etwa die von vielen bereits totgesagte
"Konkrete Dichtung" insofern eine neue Bedeutung, als sie im Lichte medienkultureller Beobachtung als ein Literatur- und Kunstprogramm erscheint, in dem schon Medialitätsbedingungen exploriert worden sind. Die technischen Möglichkeiten der Erzeugung von Virtualitäten haben nicht nur die Differenz real/virtuell dauervirulent werden lassen, sondern auch die
Differenz authentisch/virtuell. Es wird der Frage nachgegangen, ob der Mensch in Zeiten des
Internet noch eine Chance auf Authentizität hat. Diese Frage macht nicht etwa an der Schwelle des Todes halt. Das neue Motto, so die These, lautet: Virtuell bis in den Tod und über den
Tod hinaus in das Leben im virtuellen Friedhof. Dem Verfasser geht es nicht um den Entwurf
einer neuen "großen Theorie", sondern darum, Beobachtungs- und Beschreibungsperspektiven auszuprobieren. Es wird argumentiert, dass alle Medien- und Kulturtheorie kultürlich
Kinder von Medienkultur-Gesellschaften sind und keine neutralen Beobachtungen und Beschreibungen. (ICF2)
[251-L] Siegert, Paul Ferdinand:
Die Geschichte der E-Mail: Erfolg und Krise eines Massenmediums, (Technik, Körper,
Gesellschaft, Bd. 2), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 360 S., ISBN: 978-3-89942-896-4
INHALT: Als kulturwissenschaftliche Untersuchung versucht die Studie, technische, techniksoziologische und historische Ebenen miteinander zu vermitteln. Der Begriff der Technik wird
zunächst techniksoziologisch problematisiert und als doppelte Disposition zwischen Sachtechnik und Tatsache vorgestellt. Es schließen sich Überlegungen zu Technikgeneseprozessen
an, die in den aktuellen systemischen Modellen soziotechnischer Netzwerke münden. Auf
dieser Grundlage wird die Frage behandelt, wie sich aus den frühen Rechenanlagen zum Lösen komplexer mathematischer Probleme ein Kommunikationsmedium entwickeln konnte.
Dabei werden die sozialen, technischen und diskursiven Ausweitungen eines ständig wachsenden und sich verfilzenden Netzes beschrieben. Am Ende der Entwicklung steht die Redefinition der Rechenmaschine als Informations- und Kommunikationsmedium. Sodann wird die
Entwicklung des Email-Dienstes im Internet als asynchrone, schriftliche computergestützte
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Kommunikation angefangen mit den frühen Formen des Nachrichtenaustauschs innerhalb der
Mainframes der Time-Sharing-Systeme über den Boom von Email-Software Ende des 1970er
Jahre bis zur Etablierung des SMTP-Standards nachgezeichnet. Anhand der Emails der MsgGroup wird die enge Kopplung des Standards an seinen sozialen Kontext verdeutlicht. Die
Untersuchung beschreibt insgesamt, wie sich das soziotechnische Netz der computergestützten Kommunikation etablierte und Email als Kulturhybrid ausbildete. (ICE2)
[252-L] Srubar, Helena:
Zauber aus dem Osten: Pan Tau erobert die westdeutschen Bildschirme, in: Osteuropa :
interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und
Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S. 69-82
(Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der sympathische Kinderheld Pan Tau war das wichtigste populärkulturelle Exportprodukt der sozialistischen Tschechoslowakei. In den frühen 1970er Jahren revolutionierte
die Serie das westdeutsche Kinderfernsehen. Mit ihrer Mischung von Alltag und Phantastik
bot sie kindgerechte Unterhaltung und filmische Qualität. Vor allem aber galt sie als konsumkritisch, anarchisch und subversiv - zu dieser Zeit Attribute höchster Wertschätzung. Gleichzeitig erfüllte sie in Prager Lesart den Kanon der humanistischen Moralvorstellungen und
fügte sich in die sozialistische Staatsideologie." (Autorenreferat)
[253-L] Strehle, Samuel; Szabo, Sacha (Hrsg.):
Unterhaltungswissenschaft: Populärkultur im Diskurs der cultural studies, (Studien zur
Unterhaltungswissenschaft, Bd. 1), Marburg: Tectum Verl. 2008, 163 S., ISBN: 978-3-82889635-2 (Standort: UB Duisburg(464)-E11NZX7668)
INHALT: "Unterhaltungswissenschaft bringt zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört:
Sie verknüpft Theorien mit Gegenständen, auf die Theorien nur selten oder nie angewandt
wurden. Die Beiträge dieses Bandes untersuchen die medientheoretische Bedeutung der Graffitis an den Wänden, die Identitätsprobleme Commander Datas auf dem Raumschiff Enterprise, den kolonialen Diskurs im 'Dschungelbuch' und die postmoderne Geschlechterkonstruktion im Online-Rollenspiel 'World of Warcraft'. Mit Hilfe kultursoziologischer Theorien beantworten sie, ob man 'Herr der Ringe' als Kriegserklärung gegen die Moderne verstehen muss
und was es mit dem Phänomen Zeit in 'Terminator 2' auf sich hat." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Institut für Theoriekultur: Manifest der Unterhaltungswissenschaft (7-10); Samuel Strehle: Fortsetzung des Aufstands mit anderen Mitteln? Eine kultursoziologische und medientheoretische Analyse des Graffiti-Writings (11-38); Elke Regina Maurer: Maschinen und
Menschen. Phänomene einer Beziehung in der Science-Fiction-Serie "Star Trek" (39-68);
Stephanie Bethmann: Ringkrieg gegen die Moderne? Ein soziologischer Zugang zu R. R.
Tolkiens "Der Herr der Ringe" (69-94); Daniel Bultmann: Moglis Bestimmung im Garten der
Arten. Führerlose Massen, Artentrennung und Familienwerte im "Dschungelbuch" (95-120);
Sacha Szabo: Die "A-N-T-Wort" des Terminators. Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie
und das Aktantennetzwerk in "Terminator 2" (121-134); Christian Schmieder: World of
QueerCraft vs. World of TravestyCraft? Kommunikation und Geschlecht im Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (135-160); Martin Dornberg: Unterhaltung, Wissenschaft, Unterhaltungswissenschaft Theorie, Kultur, Theoriekultur (161-163).
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[254-L] Strehle, Samuel:
Fortsetzung des Aufstands mit anderen Mitteln?: eine kultursoziologische und
medientheoretische Analyse des Graffiti-Writings, in: Samuel Strehle, Sacha Szabo (Hrsg.):
Unterhaltungswissenschaft : Populärkultur im Diskurs der cultural studies, Marburg: Tectum
Verl., 2008, S. 11-36, ISBN: 978-3-8288-9635-2 (Standort: UB Duisburg(464)-E11NZX7668)
INHALT: Der Verfasser beschreibt die verschiedenen Erscheinungsformen, Kontextbedingungen
und Motivationslagen des Graffiti-Writings. Die Fragen "Wie sieht Graffiti aus, und welcher
subjektive Sinn verbirgt sich hinter dem Vandalismus der Sprayer?" stehen im Mittelpunkt
seines Forschungsinteresses. Es werden aus einer soziologischen Perspektive die sozialen
Strukturen und Normen der Graffiti-Subkultur analysiert. Vor diesem Hintergrund wird anhand eines medienarchäologischen Streifzugs in die Geschichte des Writings der Entstehungskontext der Graffiti-Kultur beleuchtet. Der Autor gibt Baudrillards medien- und zeichentheoretische Interpretation von Graffiti wieder, mit deren Hilfe nach seiner Meinung sich
die kultursoziologische Analyse des Writings auch über die Dimension der handelnden Akteure hinaus ausdehnen und erweitern lässt. Zum Schluss wird noch einmal nach der tieferen
kulturellen Bedeutung des Graffiti-Writings gefragt. Graffiti, so die These, sind eine - wenn
auch mitunter unbewusste - Fortsetzung des politischen Aufstandes auf der Ebene des Symbolischen. Sie streuen leere Signifikanten in das urbane Zeichennetz ein, die als sinnfreie Flächen eine radikale Alterität verkörpern, die insbesondere die Werbung frontal angreift. Als
symbolische Rückeroberung von Handlungsmacht im öffentlichen Raum tragen die Graffitis
den unter der Oberfläche der Gesellschaft schwelenden Krieg der Zeichen auf die Straßen zurück und machen ihn dadurch überhaupt erst sichtbar. (ICF2)
[255-L] Trebbe, Joachim; Schönhagen, Philomen (Hrsg.):
Fernsehen und Integration: eine Studie zur sprachregionalen und ethnischen
Repräsentation in der Schweiz, (Kommunikationswissenschaft), Konstanz: UVK Verl.-Ges.
2008, 202 S., ISBN: 978-3-86764-109-8 (Standort: UB Duisburg-Essen()-E11KNSE1069+1)
INHALT: "Die Schweiz ist seit Jahrhunderten eine viersprachige Nation, die heute einen der
höchsten Ausländeranteile in Westeuropa hat. Aufgrund dessen bestehen bei Schweizern eine
sprachregionale und eine nationale Identität und bei ethnischen Minderheiten im (Schweizer)
Migrationskontext eine doppelte Identität durch die Heimat- und Ankunftskultur. Die Studie
untersucht, inwieweit diese doppelten Identitäten aus Sicht der Zuschauer massenmedial repräsentiert sind und inwieweit die Fernsehprogramme zur Integration beitragen. Dazu wurden
in drei Sprachregionen Gruppendiskussionen mit Schweizern und Migranten durchgeführt.
Als Ergebnis zeigt sich, dass das Schweizer Fernsehen der doppelten Multikulturalität des
Landes nur bedingt gerecht wird und dass sein Integrationspotenzial nicht ausgeschöpft
wird." (Autorenreferat)
[256-L] Wang, Georgette:
Reconceptualizing the role of culture in media globalization: reality television in greater
China, in: Journal für Entwicklungspolitik, Vol. 24/2008, No. 1, S. 82-98
INHALT: "Der behauptete Niedergang amerikanischer Medien am Weltmarkt, die Entstehung
von sprachlich-kulturellen Märkten und die Entstehung neuer Zentren lassen die Diskussion
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über kulturelle Homogenisierung versus Heterogenisierung in einem neuen Licht erscheinen.
Dieser Aufsatz untersucht die Rolle von Kultur in Bezug darauf, wie die Präferenzen der ZuseherInnen die Produktionsentscheidungen beeinflussen und damit das Genre von importierten Medien transformieren. Als Beispiel wird die Transformation von Realitiy-Shows in China herangezogen. Es wird argumentiert, dass die Notwendigkeit besteht, über den konzeptionellen 'Entwederoder'-Rahmen hinauszugehen und kulturelle, ökonomische und mediale
Macht sowie die Macht der ZuseherInnen eher als bewegende Kräfte anstatt als dualistische
Dichotomie mit einer linearen, vorgegebenen Beziehung zu sehen." (Autorenreferat)
[257-L] Wegener, Claudia:
Medien, Aneignung und Identität: "Stars" im Alltag jugendlicher Fans, Wiesbaden: VS Verl.
für Sozialwiss. 2008, 419 S., ISBN: 978-3-531-15442-8 (Standort: USB_Köln(38)-35A2586)
INHALT: "Medienstars und -sternchen sind oftmals die Vorbilder heutiger Jugendlicher. Welche
Rolle diese populären Bezugspersonen tatsächlich im Lebensalltag ihrer Fans spielen, zeichnet das Buch anschaulich und differenziert nach. Vor dem Hintergrund eines Modells medialer Beziehungen wurde mittels eines komplexen methodischen Designs untersucht, wer die
Idole der Jungendlichen sind, welche Bedeutung Jugendliche diesen medialen Bezugspersonen zuweisen, welche Umgangs- und Aneignungsformen sie ihnen gegenüber entwickeln und
welchen Nutzen jugendliche Fans aus 'medialen Beziehungen' ziehen. Dass die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Medienfiguren durchaus konstruktiv zur Selbstbindung im
Sinne eines Identitätsgefühls bzw. zur Identitätskonstruktion beitragen kann, belegen ausführliche Interviews mit 13-18jährigen Fans." (Autorenreferat)
[258-L] Willems, Herbert (Hrsg.):
Weltweite Welten: Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 387 S., ISBN: 978-3-531-15314-8
INHALT: "Auf allen Ebenen (kulturell, ökonomisch, politisch u.s.w.) verbindet sich mit der Entwicklung des Internets ein bedeutsamer Wandel von Handlungs- und Erfahrungsbedingungen. Im Zuge der 'Online-Vergesellschaftung' (Jäckel/Mai) ändern sich Voraussetzungen, Potentiale, Zwänge und Probleme der Wirklichkeitskonstruktion grundlegend und systematisch.
Der Band versammelt Untersuchungen, die diesem Wandel mit wissenssoziologischen Mitteln nachgehen. Privilegiert wird eine Perspektive, die alle relevanten sozialen Ordnungsebenen einschließt (Interaktion, Feld/Subsystem, Gesellschaft), ein Netzwerkkonzept beinhaltet,
den Akteur fokussiert und historisch-differenzierungstheoretisch ausgerichtet ist." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Ernst von Kardorff: Virtuelle Netzwerke - neue Formen der
Kommunikation und Vergesellschaftung? (23-56); Tilmann Sutter: "Interaktivität" neuer Medien - Illusion und Wirklichkeit aus der Sicht einer soziologischen Kommunikationsanalyse
(57-74); Julian Gebhardt: Die Telematisierung kommunikativen Handelns. Umrisse einer
Konstitutionsanalyse interpersonaler Telekommunikation im Alltag (75-102); Christina
Schachtner: Virtualität, Identität, Gemeinschaft. Reisende im Netz (103-118); Hans Geser:
Vom Brockhaus zum WorldwideWiki (119-142); Christian Stegbauer: Verteilte Wissensproduktion aus netzwerkanalytischer Perspektive (143-166); Tina Guenther, Jan Schmidt: Wissenstypen im "Web 2.0" - eine wissenssoziologische Deutung von Prodnutzung im Internet
(167-188); Herbert Willems, Sebastian Pranz: Formationen und Transformationen der Selbst-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
1.11 Kommunikation/ Massenmedien/ neue Medien
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thematisierung. Von der unmittelbaren Interaktion zum Internet (189-222); Michaela Goll:
Professionalisierungs- und Inszenierungsstrategien in der beruflichen Netzkommunikation
(223-246); Ernst von Kardorff: Zur Veränderung der Experten-Laien-Beziehung im Gesundheitswesen und in der Rehabilitation (247-268); Antonia L. Krummheuer: Zwischen den Welten. Verstehenssicherung und Problembehandlung in künstlichen Interaktionen von menschlichen Akteuren und personifizierten virtuellen Agenten (269-294); Udo Thiedeke: Spiel-Räume. Zur Soziologie entgrenzter Exklusionsbereiche (295-318); Sebastian Pranz: Die Präsentation des Raumes im Videospiel (319-340); Niels Werber: Sehnsüchtige Semantik. Neue Medien, neue Literatur im Word Wide Web (341-362); Josef Wehne: "Taxonomische Kollektive" - Zur Vermessung des Internets (363-382).
[259-L] Wittmann, Frank:
Medienkultur und Ethnographie: ein transdisziplinärer Ansatz ; mit einer Fallstudie zu
Senegal, (Cultural studies, Bd. 29), Bielefeld: transcript Verl. 2007, 422 S., ISBN: 978-3-89942747-9 (Standort: ULB Münster(6)-3K7001)
INHALT: Der Verfasser führt verschiedene theoretische und empirische Reflexionsstränge zur
Aktualität der Medienkultur und zu Afrika im Wandel so zusammen, dass ein eigener medienkulturwissenschaftlicher Ansatz entwickelt und in Fallstudien zur Medienkultur des westafrikanischen Landes Senegal angewendet werden kann. Die Untersuchung ist in drei Teile
gegliedert. Der erste Teil führt in das theoretische Konzept der Untersuchung ein und behandelt vergleichend neuere Ansätze der Medienkulturwissenschaft wie soziokulturellen Konstruktivismus, Mediendispositivforschung, Theatralitätsansatz, Medienethnologie und Cultural Studies. Auf der Basis einer Kritik an den Cultural Studies im Allgemeinen und dem Circuit of Culture im Besonderen wird im zweiten Teil auf der Grundlage des Kreislaufmodells
ein Ansatz für die ethnographische Analyse von transnationalen Medienkulturen entwickelt.
Der ethnographische Ansatz der Medienkulturwissenschaft konzipiert Medienkultur als einen
Kontext, der sich aus den Praktiken von Kommunikatoren, Rezipienten und Regulationsakteuren sowie den ihnen inhärenten Identitäten und Repräsentationen konstituiert. Der dritte
Teil der Untersuchung basiert auf einem Feldforschungsprojekt im Senegal und stellt an den
Beispielen Konflikt, Konfliktlösung und Plurimedialität dar, wie der ethnographische Ansatz
der Medienkulturwissenschaft für die Analyse einer westafrikanischen Medienkultur verwendet werden kann. (ICE2)
2
Kunstsoziologie
2.1
Allgemeines
[260-F] Berg, Karen van den, Prof.Dr.phil. (Bearbeitung); Berg, Karen van den, Prof.Dr.phil.
(Leitung):
Politik des Zeigens
INHALT: Forschungsprojekt zur Theoriebildung des Ausstellens (theory of displaying, exhibiting and staging) In dem Forschungsvorhaben sollen die epistemologischen Möglichkeiten
162
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
des Ausstellens und öffentlichen bildlichen Präsentierens am Leitbegriff des Zeigens kritisch
untersucht werden. Ausgehend von theoretischen Überlegungen aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven (Philosophie, Soziologie, Pädagogik, Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaften, Anthropologie, Theologie, Kommunikations- und Medienwissenschaften) geht es
dabei um die speziellen Erkenntnischancen und Vermittlungsmöglichkeiten von Ausstellungen und bildlichen Inszenierungen und damit um eine spezifischen Modus des Zeigens, der
vielfach mit dem Begriff des "Displaying" beschrieben wurde. Leitend für das hier entwickelte Forschungsvorhaben sind vier Fragerichtungen: 1. Welche Bedeutung und Funktion hat das
Zeigen und das öffentliche Präsentieren von Objekten und Bildwerken in gegenwärtigen und
vergangenen Kulturen für Subjektivierungspraktiken, Bildungs- und Kulturalisierungsprozesse? Welche Form von Bildungsprozessen und welche Wissensformen erzeugen heutige Museen und Ausstellungshäuser? 2. Welche Geltungen und Machtverhältnisse werden durch
welche Ausstellungsformierungen, -konstellierungen und -inszenierungen erzeugt? Kann der
Akt des Zeigens überhaupt diskursiv oder aufklärend sein oder enthält er immer schon eine
Dimension von Bevormundung oder gar Überwältigung? Ist die kommunikativ-soziale Seite
des deiktischen Aktes (displaying, exhibiting, staging), in welchem "jemand" "etwas" immer
im Hinblick auf einen potentiellen "Anderen" zeigt überhaupt ohne ein autoritäres Gefälle
denkbar? 3. Inwieweit kann das Präsentieren, Ausstellen und Zeigen von Gegenständen,
selbst zu einer Forschungsstrategie werden, so dass im Displaying Wissen nicht nur illustriert
und popularisiert, sondern selbst generiert wird? Lässt sich im Zeigen als einer performativen
Technik auf spezifische Weise etwas In-Beziehung setzen? Lassen sich Modi des analytischen Zeigens denken? Eine Tagung, die sich mit dem epistemologischen Status des Zeigens
befasst, soll als Eröffnung des länger angelegten Forschungsprojekts dienen. Für den Lehrstuhl für Kulturmanagement sind die hier bearbeiteten Fragen insofern relevant als sie die gesellschaftliche Funktion von Ausstellungen betreffen und ein theoretisches Fundament für die
Fragen nach dem Selbstverständnis von Ausstellungen bilden.
ART: BEGINN: 2008-01 ENDE: 2009-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Zeppelin University Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik, Department communication & cultural management, Lehrstuhl für Kulturmanagement & inszenatorische Praxis (Am Seemooser Horn 20, 88045 Friedrichshafen)
KONTAKT: Institution (Tel. 07541-6009-1300, Fax: 07541-6009-1399,
e-mail: [email protected])
[261-L] Burri, Regula Valérie:
Bilder als soziale Praxis: Grundlegungen einer Soziologie des Visuellen, in: Zeitschrift für
Soziologie, Jg. 37/2008, H. 4, S. 342-358 (Standort: USB Köln(38)-XG01232; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Bilder sind in sämtlichen Bereichen gesellschaftlichen Lebens omnipräsent; die
(post-)moderne Gesellschaft ist eine Gesellschaft der 'visuellen Kultur'. Die Soziologie hat es
jedoch bis heute versäumt, Bilder und Visualität theoretisch zu reflektieren. Der Aufsatz unternimmt den Versuch, dieses Desiderat nicht nur zu diagnostizieren, sondern gleichzeitig die
Anforderungen an eine Soziologie des Visuellen zu formulieren. Darüber hinaus wird mit den
Begriffen 'visuelle Logik' und 'visuelle Rationalität' ein konzeptuelles, praxistheoretisches Instrumentarium für eine soziologische Bildanalyse entwickelt und anhand einer ethnografischen Untersuchung medizinischer Bildpraktiken empirisch illustriert." (Autorenreferat)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
163
[262-L] Dehnel, Regine:
Die Täter, die Opfer und die Kunst: Rückblick auf den nationalsozialistischen Raubzug, in:
Osteuropa : interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
Kultur und Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 56/2006, H. 1/2,
S. 7-22 (Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Zwischen 1933 und 1945 wurden zunächst in Deutschland, dann in ganz Europa
Kunstwerke, Bücher und Archivalien aus privatem wie öffentlichem Besitz abgepresst, 'arisiert', 'sichergestellt', geraubt. Spezielle Ämter und Organisationen waren damit befasst. Zu
den Opfern der Raubzüge zählten politische Gegner: Gewerkschafter, Sozialisten, Freimaurer, Kirchen. Besonders brutal wurde die jüdische Bevölkerung ausgeraubt. Mit dem Überfall
auf Polen und dem Einmarsch in die Sowjetunion begann die Beraubung der als 'rassisch
minderwertig' eingestuften osteuropäischen Völker. Die nationalsozialistischen Kulturgutraubzüge sind nicht nur Gegenstand historischer Forschung, sie belasten die europäische
Verständigung bis heute." (Autorenreferat)
[263-L] Freitag, Gabriele:
Angriff auf Athene: NS-Kulturraub im Zweiten Weltkrieg, in: Osteuropa : interdisziplinäre
Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte in
Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 56/2006, H. 1/2, S. 23-41 (Standort: USB
Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Bei dem nationalsozialistischen Kulturraub in den von Wehrmacht und deutscher Zivilverwaltung besetzten Gebieten handelte es sich um einen umfassenden Zugriff militärischer und ziviler Dienststellen auf das eroberte Kulturgut. Die NS-Besatzungspolitik unterschied sich in West- und Osteuropa erheblich. Frankreich, Belgien und die Niederlande verzeichneten nach ihrer Befreiung vornehmlich den Verlust privater Kunstsammlungen, häufig
aus jüdischem Besitz. In Osteuropa plünderten die unterschiedlichen deutschen Dienststellen
wie das Sonderkommando Linz, der Kunstschutz, das Sonderkommando Künsberg, der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und das Ahnenerbe auch Kirchen, Museen, Kunstgalerien
und Bibliotheken und schafften das Raubgut zum Teil nach Deutschland." (Autorenreferat)
[264-L] Haak, Carroll:
Wirtschaftliche und soziale Risiken auf den Arbeitsmärkten von Künstlern, Wiesbaden: VS
Verl. für Sozialwiss. 2008, 259 S., ISBN: 978-3-531-16142-6
INHALT: "Das Ziel der Studie ist es, die gegenwärtige wirtschaftliche und soziale Situation der
Künstler in ihrer Gesamtheit darzustellen. Dabei werden die spezifischen Strukturmerkmale
und Risiken für die Berufsgruppen der Musiker, der darstellenden Künstler und der bildenden
Künstler herausgearbeitet. Außerdem wird die Bedeutung der Institutionen sowie die der verschiedenen Akteure für die wirtschaftliche und soziale Sicherung dieser Künstlergruppen dargestellt und analysiert. Die Arbeit basiert sowohl auf quantitativen Auswertungen mit den Daten der amtlichen Statistik (Mikrozensus, IAB-Beschäftigtenstichprobe, Rentenzugangsstatistik), als auch auf qualitativen Interviews, die mit Spitzenfunktionären ausgewählter Künstlerverbände und aller Künstlergewerkschaften durchgeführt wurden." (Autorenreferat). Aus dem
Inhalt: Einleitung; Forschungsstand; Daten und Methoden; Strukturmerkmale und Risiken auf
164
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
den Künstlerarbeitsmärkten; Institutionelle Arrangements; Kollektive Arrangements; Individuelle Strategien; Zusammenfassung und Schlussfolgerungen.
[265-L] Jerman, Tina (Hrsg.):
Kunst verbindet Menschen: interkulturelle Konzepte für eine Gesellschaft im Wandel,
(Kultur und soziale Praxis), Bielefeld: transcript Verl. 2007, 262 S., ISBN: 978-3-89942-862-9
(Standort: ULB Münster(6)-3K5181)
INHALT: "Deutschland ist von Zuwanderung geprägt, ca. 20 Prozent der Menschen haben schon
jetzt einen Migrationshintergrund. Die vielfältigen Kulturen bereichern unser Land und bringen internationale Akzente in unser Alltagsleben. Wie lassen sich die Brücken zwischen der
zugewanderten und einheimischen Kulturszene ausbauen? Wie kann man Migrantinnen und
Migranten den Zugang zu Kultureinrichtungen, Veranstaltungen und Förderprogrammen erleichtern? Wie kann man den Zugang zu den kulturellen Szenen der Zugewanderten für die
Mehrheitsgesellschaft öffnen? Dieses Buch stellt Konzepte und Projekte vor, die institutionelle und freie Kultureinrichtungen und -verwaltungen sowie Künstler/-innen mit Migrationshintergrund in ihrer Arbeit vor Ort unterstützen. Gezeigt wird ein Perspektivenwechsel: Kulturelle Vielfalt ist eine gesellschaftliche Ressource und Chance, denn die Innovationskraft und
neue Perspektiven der Künstler/-innen mit Migrationshintergrund sind wichtige Impulsgeber
für die Zukunft der Kommunen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Ulla Harting: Interkultureller Klimawandel. Kulturpolitik in Nordrhein-Westfalen: die integrierende Wirkung der
Künste fördern (23-49); Meral Cerci: Daten, Fakten, Lebenswelten. Annäherung an eine
(noch) unbekannte Zielgruppe. Datenforschungsprojekt Interkultur (50-83); Tina Jerman,
Meinhard Motzko: Kunst und Kultur für alle: Pilotprojekt "Kommunales Handlungskonzept
Interkultur" (87-120); Peter M. Kleine: Stadt Arnsberg. Dornige Wege lohnen sich Entwicklung des Handlungskonzeptes Interkultur (121-128); Christian Scholze: Stadt Castrop-Rauxel.
Pilotprojekt mit Schönheitsfehler (129-132); Claudia Kokoschka: Stadt Dortmund. Das "10
Schritte-Programm" - ein gesamtstädtisches Handlungskonzept (133-141); Petra Thetard:
Stadt Essen. Vom Nebeneinander zum Miteinander (142-147); Rita Viehoff: Stadt Hagen.
Guter Mix aus Theorie und Praxis (148-153); Angelika Langenohl-Weyer: Stadt Hamm. Bestandsaufnahme als Orientierung für die weitere Arbeit (154-161); Tina Jerman: Die Sehnsucht nach Ebene II. Hagener Kunstprojekt für eine Brücke (165-171); Geoffrey V. Davis:
Bunte Vielfalt statt "überwiegend weiß". Minderheiten-Theater in Großbritannien (172-179);
Christian Scholze: Theater macht Schule. Interkulturelle Bildung in Castrop-Rauxel (180186); Christel Schwiederski: Shakespeare mit Straßentänzern. Rumble - Hip-Hop aus Herne
(187-191); Birgit Ellinghaus: Die Klänge des 21. Jahrhunderts. creole - Wettbewerb für Weltmusik aus Deutschland (192-198); Tayfun Demir: Literaturen aus Deutschlands Nischen.
Ausstellungs- und Internetprojekt zur deutsch-türkischen Literatur (199-294); Sefa Inci Suvak: Die Geschichte der Migration ist vielstimmig. Das migration-audio-archiv sammelt Biografien von Einwanderern (205-210); Viktor Ostrowski: Wie Phönix aus der Asche. Russischsprachige Migrantinnen und Migranten in Köln (211-217); Svetlana Acevic: Weg aus
der sozialen und exotischen Nische. Forum der Kulturen Stuttgart (218-224); Gualtiero Zambonini: Das unbekannte Millionenpublikum. Menschen mit Migrationshintergrund und Medien (225-231); Svetlana Avecic, Meral Cerci, Kira Funke: Die UNESCO-Konvention zur Kulturellen Vielfalt zum Leben bringen. Empfehlungen junger Expertinnen und Experten aus Europa (232-238); Ulla Harting, Jürgen Lange: Ein Kulturprogramm der besonderen Art. Professionalisierung des Interkultur-Managements (241-255).
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
165
[266-L] Kagan, Sacha; Kirchberg, Volker (Hrsg.):
Sustainability: a new frontier for the arts and cultures, (Higher education for sustainability,
Vol. 3), Frankfurt am Main: Verl. f. Akad. Schriften 2008, 570 S., ISBN: 978-3-88864-440-5
INHALT: "The search for sustainable futures calls forward a cultural change process. The cultural dimension of (un)sustainability stands at the core of the global crisis, pointing at the roots
of unsustainable development and exploring alternatives. While sustainability offers an inspiring research field for artists and other cultural actors, the arts and other cultural sectors constitute experimental, reflexive and transformative fields for the advancement of sustainability.
This book explores the manifold dimensions of that new mutual frontier: The twenty-one selected texts offer interdisciplinary insights from sociology, economics, phenomenology and
philosophy, and from artists actively contributing to the search process of sustainability. The
twenty-one authors share their experiences from Europe, Asia, North and Central America
and Africa." (excerpt). Contents: Günther Bachmann: Gatekeeper - a foreword (8-13); Sacha
Kagan: Sustainability as a new frontier for the arts and cultures (14-24). Chapter 1: Culture of
sustainability - Davide Brocchi: The cultural dimension of sustainability (26-58); Oleg Koefoed: Zones of sustension - an exploration of eventality, culturality, and collective intuition in
life and work (59-92); Volker Kirchberg: Angst and unsustainability inpostmodern times (93105). Chapter 2: The reflexives artist and the ethics of sustainability - Hand Dielemann: Sustainability, art and reflexicity - why artists and designers may become key chance agents in
sustainability (108-146); Sacha Kagan: Art effectuating social change - double entrepreneurship in conventions (147-193); David Haley: The limits of sustainability - the art of ecology
(194-208). Chapter 3: Discourses, practices and search processes in the Arts - Felicia Herrschaft: Reflections on vulnerability - aspects of sustainability of art in post-war and conflict
societies, the examples of Kosovo and Afghanistan (210-241); Julien Knebusch: Art an climate (change) perception - outline of a phenomenology of climate (242-262). Chapter 4: Voices from the field - Aviva Rahmani: The butterfly effect of hummingbirds - environmental
triage disturbance theory, triggerpoints, and virtual analogs for physical sites (264-288); Jan
Jordaan: Art, advocacy and social development designing and implementing art-based human
rights advocacy campaigns at the organisation art for humanity (290-319); Insa Winkler:
Chances and limits of art and sustainability (320-322). Chapter 5: Unsustainable art worlds or
unsustainable uses of the arts? Caterina Pizanias: Manifesta 2006 - when art met politics
(324-350); Arild Bergh: Everlasting love - the sustainability of top-drown versus bottom-up
approache to music and conflict transformation (351-382); Kubilay Akman: Artist's ego-trip framing the self-destructive dimensions of contemporary arts through Alem Korkut's work
(383-398). Chapter 6: Cultural heritage, creative cities and development - Pier Luigi Sacco,
Guido Ferilli, Sabrina Pedrini: System-wide cultural districts - an introduction form the Italian viewpoint (400-460); Annie Tubadji: Sustainable utilization of cultural heritage resources
for socio-economic development purpose - what has to be done by institutions organizations?
(461-496). Chapter 7: Fashion an ethics (or how does sustainability enter the creative industries?) - Laura Verdi: From art & fashion homo civicus (498-528); Emanuela Mora: The symbolic and material space of fair fashion (529-558); Sacha Kagan, Hans Dielemann: Seven
points for an agenda - research and action on cultures and arts for sustainability (560-564).
166
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
[267-L] Klitzing, Isabel von; Simmons, Lucian J.:
Die Zerstörung einer Kultur: von Sammlern, Mäzenen und Räubern, in: Osteuropa :
interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und
Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 56/2006, H. 1/2, S. 43-54
(Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Kriege und gewaltsame Regimewechsel sind oft mit der Umverteilung von Kulturgütern und Kunstwerken verbunden. Seit der Antike werden in Kriegszeiten öffentliche und private Kunstschätze entwendet. Ein Umstand allerdings zeichnet die Zeit zwischen 1933 bis
1948 besonders aus: die Gründlichkeit, mit der Angriffe auf private Kunstsammlungen erfolgten und die zielgerichtete Zerstörung der Kultur des Mäzenatentums und der Expertise,
die zwischen 1890 und 1930 aufgeblüht waren. Die Wertschätzung des Sammelns in den 50
Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg bot die Grundlage für die nachfolgenden Plünderungen
und bietet viele Hinweise, die eine Rekonstruktion der verschiedenen Eigentümer eines
Kunstwerkes ermöglichen." (Autorenreferat)
[268-L] Küsters, Ivonne:
"Das ist ein reiner Käufermarkt": Kulturmanager und die Ökonomisierung der Kunst, in:
Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses
der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main:
Campus Verl., 2008, S. 3859-3864, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Obwohl von einer Ökonomisierung der Kunst fast durchgängig ausgegangen wird, ist
bislang soziologisch nur unbefriedigend geklärt, wie weit sie praktisch tatsächlich fortgeschritten ist und wer - oder: wie sich - die Finanzlogik in der Kunst durchsetzt. Ebenso ungeklärt ist, wie sich die Kunst selbst unter ökonomischen Maßgaben wandelt und in welches
Verhältnis Kunst und Finanzdinge zueinander treten. Die Diskussion über die Ökonomisierung des gesellschaftlichen Teilbereichs Kunst bedarf deshalb einer empirischen Rückbindung. Dazu erscheint es vielversprechend, diejenige Akteurgruppe im künstlerischen Feld in
den Blick zu nehmen, deren Aufgabe gerade die Vermittlung zwischen Kunst und Ökonomie
ist: die Kulturmanager und Kulturmanagerinnen. Die Ergebnisse der mittels Leitfadeninterviews durchgeführten Untersuchung ermöglichen eine differenzierte Kartographie der Ökonomisierung von Kunst. Im Durchsetzungsgrad der Marktlogik und in den identifizierten
Handlungsstrategien der Kulturmanager zeigt sich eine hohe Varianz: Die Typologie reicht
von der Anwendung avanciertester Managementstrategien im Dienste autonomer Kunst bis
hin zur Übersetzung aller Kunstphänomene in die Sprache der Betriebswirtschaftslehre ('Das
ist ein reiner Käufermarkt') unter einer Maxime wie: 'Ich mache niemals Minus'. Der Vortrag
wird folgende Fragen empirisch fundiert beantworten: Dient die Arbeit der Kulturmanager
der Sicherung der Autonomie von Kunst oder treiben gerade sie ihre innere Durch Ökonomisierung voran? Wie unterscheiden sich wirtschaftsorientierte von primär künstlerisch orientierten Kulturmanagern in ihren Handlungszielen, -strategien und -ergebnissen? Haben die
Kulturmanager eine schicksalhafte Auffassung von Marktprozessen im Kunstbereich? Welches Stadium der Ökonomisierung von Kunst ist bisher erreicht und welche Mechanismen
sind dabei maßgeblich wirksam?" (Autorenreferat)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
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[269-F] Landkammer, Joachim, Dr.phil. (Bearbeitung); Berg, Karen van den, Prof.Dr.PHIL: (Leitung):
Wie arbeiten Künstler im 21. Jahrhundert?
INHALT: Das Projekt untersucht, wie in heutigen Gesellschaften die Figur des Künstlers konstitutiert wird. Betrachtet man gegenwärtig kursierende Entwürfe und Bilder der gesellschaftlichen Rolle, des sozialen Status und des Selbstverständnisses von Künstlern, so zeichnet sich
ein eigentümliches Spannungsfeld zwischen Überbewertung und Marginalisierung ab. Merkwürdig ist dabei zunächst, dass zwar einerseits der Mythos vom "durch Kühnheit und Erfindung gesonderte(n) Künstler" (Conrad Fiedler) längst entzaubert wurde und Künstler seither
nicht mehr als exemplarische Subjekte mit besonderen Eigenschaften gelten, andererseits aber
"der Künstler" durch die ihm zugeschriebene Freiheit und Kreativität immer noch als Prototyp einer viel beschworenen "creative class" (Richard Florida) gehandelt wird. Mehr noch: Es
sind vor allem künstlerische Strategien, denen bei der Entwicklung innovativer Arbeitsformen
und neuer Ökonomien eine besondere Transformations- und Innovationskompetenz zugetraut
wird (Currid 2007). Dabei fand insb. in den 1990er Jahren eine Dekonstruktion der Avantgarde- und Vorreiterposition von Künstlern statt - nicht zuletzt, um künstlerische Praxis näher
ans alltägliche Leben zu rücken; so waren es vor allem die Künstler selbst, die darauf bestanden, künstlerisches Schaffen als eine Produktionsform unter anderen zu etablieren und den
emphatischen Werk- und Schöpferbegriff beiseite zu räumen. Vor diesem Hintergrund bedeutet die im Rahmen dieses Forschungsprojekt heute neu zu stellende Frage, worin das Besondere und Eigene künstlerischer Arbeit besteht, zugleich auch vorherrschende Kunstbegriffe
einer Überprüfung zu unterziehen. Der spezifischen Eigenlogik des künstlerischen Arbeitens
nachzuspüren impliziert dabei eine Auseinandersetzung nicht nur mit produktionsästhetischen
Fragestellungen (Weltzien 2003), sondern auch mit dem Umfeld des Betriebssystems Kunst,
das bestimmte künstlerische (Werk-)Strategien (Sönmez 2003) nahe legt, hervorbringt, ermöglicht bzw. verhindert. Allererst in diesem Feld bildet sich eine Identität des Künstlers aus.
Identität ist, so verstanden, nicht naturgegeben, sondern auch eine Frage des Identitätsmanagements (im Sinne Goffmans) und der Kräfteverhältnisse in einem Bezugsfeld. Damit stellen
sich auch machttheoretische Fragen bezüglich der Definitionsgewalt des Kunstfeldes (Bourdieu/ Haacke), wie auch Fragen zu den Voraussetzungen gelingender (Selbst-)Zuschreibungen und zu den Möglichkeiten und Grenzen künstlerischer Netzwerke und Diskurse. Insofern
kommt in dem Forschungsvorhaben das Problem der gesellschaftlichen Funktion und des Status von Künstlern und ihrem Tun in den Blick. Damit ist zugleich eine prominente kuratorische bzw. kulturmanageriale Frage angesprochen, sind es doch nicht zuletzt die Kulturmanager, die u.a. potentiell die künstlerischen Arbeitsbedingungen und einen Rahmen erzeugen.
Insgesamt geht es dem Projekt um eine an den konkreten (Entstehungs-)Praktiken, den Institutionalisierungsformen und dem formulierten Selbstverständnis von Künstlern orientierte
Perspektivierung. Dies kritisch zu beleuchten dürfte wegen der gerade heute stattfindenden
Umbrüche besonders lohnenswert sein; hierauf verweist etwa der aktuelle Umbau vieler
Kunstakademien und Ausbildungsinstitutionen (Umbenennung von Akademien in Universitäten, usw.). GEOGRAPHISCHER RAUM: 21. Jahrhundert
METHODE: Das Forschungsdesign des Projekts beruft sich auf qualitativ hermeneutische und
diskurs- und kontextanalytische Vorgehensweisen. Es werden drei Ansätze verfolgt: 1: In
qualitativen, problemorientierten Interviews, die an das Bourdieusche Modell der Sozioanalyse angelehnt sind, werden circa 40 Experten des Kunstbetriebs aus den vier Focusgruppen
Künstler, Kurator, Kritiker, Händler befragt. Ziel ist es Antworten auf einen Rahmen von Fragen zu erhalten, um zu erfahren, a) wie man aus der jeweiligen Sicht des Befragen Künstler
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2.1 Allgemeines
wird und bleibt, b) welche Institutionen man hieran beteiligt glaubt, c) welchen beruflichen
und institutionellen Strukturen und Absicherungen (z.B. Künstlersozialkassse) man eine
wichtige Rolle zuschreibt und welche Reichweite man ihnen zutraut, d) welche Rolle man
dem Markt und Verdienstmöglichkeiten - der Kritik und - den Kollegen beimisst: 2: Eine
zweite Untersuchungsstrategie besteht in der Auswertung kunsttheoretischer und kunstkritischer Texte und Diskurse zum künstlerischen Selbstverständnis. Dabei sollen unterschiedliche Regime von Selbstbeschreibungen und Fremdbeschreibungen herausgearbeitet werden.
Der Schwerpunkt liegt in einer Analyse des Diskurses seit den 90er Jahren. Dabei kommt den
Diskursen im Kunstfeld und innerhalb der Kunstkritik eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. Eine
der entstehenden Frage ist bspw., wie sich die Begriffsverschiebung erklärt, die sich in den
Termini feststellen lässt, mit denen künstlerische Produkte beschrieben werden (künstlerische/s Werk/ Arbeit/ Prozesse/ Praxis usw.). Eine andere zentrale Debatte ist die um Autorenschaft. 3: In Anlehnung an den Foucaultschen Begriff der Subjektivierungspraktiken soll darüber hinaus eruiert werden, welche Praktiken welche Wahrheitssysteme und Selbstverständnisse erzeugen. Insofern wird das, was heute als das genuin Künstlerische beschrieben wird,
aus Materialien, Umgebungen und Produkten im Kontext ihrer Entstehungsbedingungen abgeleitet. Dieser Teil soll in Kooperation mit künstlerischen Forschungen an Kunstakademien
stattfinden und auf teilnehmender Beobachtung basieren.
ART: BEGINN: 2008-07 ENDE: 2010-07 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER:
keine Angabe
INSTITUTION: Zeppelin University Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik, Department communication & cultural management, Lehrstuhl für Kulturmanagement & inszenatorische Praxis (Am Seemooser Horn 20, 88045 Friedrichshafen)
KONTAKT: Institution (Tel. 07541-6009-1300, Fax: 07541-6009-1399,
e-mail: [email protected])
[270-L] Reckwitz, Andreas:
Elemente einer Soziologie des Ästhetischen, in: Kay Junge, Daniel Suber, Gerold Gerger
(Hrsg.): Erleben, erleiden, erfahren : die Konstitution sozialen Sinns jenseits instrumenteller
Vernunft, Bielefeld: transcript Verl., 2008, S. 297-317, ISBN: 978-3-89942-829-2
INHALT: Der Autor erörtert Grundelemente einer im Entstehen begriffenen Soziologie des Ästhetischen. Sie muss sich ihm zufolge dem Ästhetischen als einer alles Soziale konstituierenden Dimension widmen. Die bereits zu den Zeiten Webers, Simmels und Durkheims um die
Aufteilung des Sinnlichen konkurrierenden Strategien der Soziologisierung und Ästhetisierung bedürften einer anders gelagerten Integration. In den großen Erzählungen der Klassiker
des Fachs bis noch hin zu Habermas und Luhmann erscheint das Ästhetische aus systematischen Gründen als das "Andere der Moderne". Ein konstitutiver Stellenwert wird ihm abgesprochen. Demgegenüber identifiziert der Verfasser unter Verweis auf den späten Durkheim
das Ästhetische als das "geheime Fundament" des Sozialen und bestimmt die Analyse ästhetischer Praktiken als den zentralen Gegenstand einer Soziologie des Ästhetischen. Solche Praktiken finden sich nicht nur im Bereich der Kunst, sondern sind heute ein wesentliches Element der Konsumkultur. Sie stellen einen zentralen Bezugspunkt moderner Lebensführung
dar und müssen nicht nur als Komplement zu Rationalisierung und Differenzierung Ernst genommen werden: Sie bilden heute sogar den Hintergrund für Prozesse wirtschaftlicher Neuorganisation. Mit diesem Fokus auf ästhetische Praktiken rücken, so die These, fünf Aspekte
der sozialen Welt deutlicher ins Zentrum der Aufmerksamkeit soziologischer Analyse: das
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
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Erleben und die Innenorientierung als Komplement zum an äußeren Zwecken ausgerichteten
instrumentellen Handeln, die gezielt gesuchte Intensivierung und Subjektivierung des Erlebens im Prozess ästhetisch kreativer Gestaltung, die gezielt angestrebte und kultivierte Besetzung bestimmter Praktiken mit Gefühlen und Affekten, die Semiotisierung der Körper- und
Dingwelt sowie eine genuin spielerisch-experimentelle Dimension im sozialen Miteinander.
(ICF2)
[271-L] Roberts, Brian:
Performative social science: a consideration of skills, purpose and context, in: Forum
Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Vol. 9/2008, No. 2, 44 S.
(nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802588)
INHALT: "Dieser Beitrag beschäftigt sich mit aktuellen Arbeiten, die sich um das 'Performative'
bei der Untersuchung und Darstellung von sozialer Wirklichkeit bemühen. Hierzu versucht
der Verfasser zunächst einige der wesentlichen Konzepte - wie Performanz, Perfomativität
und performativ - ebenso zu präzisieren wie das Spektrum möglicher Ansätze (z.B. andere
künstlerische Ansätze neben dem Drama) und die Beziehung zwischen den 'Forschungssubjekten', den 'Forschenden' und dem 'Publikum'. Ein besonderes Anliegen ist die Reflektion auf
die Rolle der Forschenden - der Verfasser fragt nach (beim Forschen, Schreiben, Dokumentieren und Analysieren, Präsentieren) erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten und erforderlichem Wissen, nach dem Involviertsein in (zumindest tendenziell) künstlerische Aktivitäten, nach dem Wechseln zwischen unterschiedlichen Rollen und sozialen Beziehungen (zu
den 'Beforschten', dem Publikum, der Gesellschaft). Eine sehr wichtige Frage beim Verbinden von Wissenschaft und Kunst in den Sozialwissenschaften und im Rahmen performativer
Ansätze ist: 'Was ist/bleibt das Besondere an Sozialwissenschaft in diesen Zusammenhängen?' Zur Beantwortung dieser Frage zieht der Verfasser - als Quelle für Vergleiche und zur
Inspiration - die Arbeit von Kandinsky heran, der als Ethnograf, Maler, Lehrer, Designer,
Theoretiker und Dichter ein Grenzgänger zwischen verschiedenen Disziplinen und Künsten
war. Es ist, zu diesem Schluss kommt der Verfasser, ein möglicherweise weitgehenderer
Wende, die duch die 'Wende zum Performativen' bei der Untersuchung sozialer Wirklichkeit
sichtbar wird, eine Wende zu einem 'vollständigeren Porträt' des Individuums als einem aktiven, kommunikativen und sinnlichen Wesen." (Autorenreferat)
[272-L] Stiegler, Bernd:
Montage als Kulturtechnik, in: WestEnd : neue Zeitschrift für Sozialforschung, Jg. 5/2008, H. 2,
S. 22-54
INHALT: Der Verfasser konzipiert Montage erstens als Praxis, Verfahren oder Technik, vorgegebenes, vorgefertigtes oder angefertigtes Material so zusammenzusetzen, dass ein neues "Produkt" entsteht. Dabei bleibt der "technische" Charakter des Montierten noch erkennbar und
sind die Schnitte oder Einzelteile noch identifizierbar. Montage ist in diesem Sinne ein konstruktives Verfahren, dessen konstruktiver Charakter noch in seinem Produkt wahrnehmbar
ist. Montage ist zweitens auch in dem Sinne eine Kulturtechnik, dass sie es ausschließlich mit
Artefakten, also kulturellen Produkten zu tun hat oder mit kulturell codierten Gegenständen.
Der Autor schlägt drittens vor, Montagetechniken mit unterschiedlichen Funktionen und epistemischen Reichweiten zu unterscheiden. Diese können nicht selten konfliktuelle Konfigura-
170
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.1 Allgemeines
tionen ausbilden, bei denen eine Montagetechnik gegen eine andere ausgespielt wird. Dies ist
nicht zuletzt eines der wesentlichen Charakteristika der Montage: Montagen werden als Kulturtechniken eingesetzt, um heterogenes Material zu einer neuen Einheit zusammenzusetzen
oder Heterogenität nur zu suggerieren und diese in einem vermeintlich homogenen Feld als
narrative Strategie einzusetzen. Wenn man bei der Montage ästhetische, epistemische, soziale
und technische Verfahren unterscheidet, so sind damit zugleich unterschiedliche Montagestrategien benannt, die sich überschneiden, aber eben auch voneinander abgrenzen. Anhand
von zwei Fallbeispielen, die zeitlich weit auseinanderliegen - den Galeriebildern Teniers' und
Charlie Chaplins Film 'Modern Times' - werden exemplarisch unterschiedliche Montagestrategien und mögliche Konfliktkonstellationen vorgestellt. (ICF2)
[273-L] Werber, Niels (Hrsg.):
Schriften zu Kunst und Literatur, (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1872), Frankfurt am
Main: Suhrkamp 2008, 490 S., ISBN: 978-3-518-29472-7
INHALT: "Die traditionelle Frage an die Kunst war und ist die nach ihrem Wesen - die ehrwürdigen Antworten, die gegeben wurden, waren jedoch von kurzer Halbwertszeit. Denn Kunst
verändert sich - ganz im Gegensatz zu den Wesensdefinitionen ihrer Beobachter. Im Jahr
1976 stellt allerdings der Wegbereiter der Systemtheorie eine neue, überraschende Frage: 'Ist
Kunst codierbar?' Dahinter steht die völlig anders ansetzende These, daß Kunst sich im Unterschied zu wirtschaftlichen, politischen oder wissenschaftlichen Operationen durch die spezifische Codierung ihrer Kommunikationen auszeichne. Dieser Neuansatz hat eine äußerst
fruchtbare und weltweit wie interdisziplinär geführte Diskussion angestoßen. Dieser Band
versammelt Luhmanns maßgebliche Beiträge zur Systemtheorie der Kunst und Literatur und
einige unpublizierte Texte aus dem Nachlaß. Eine Skizze dieses Ansatzes und seiner Wirkungsgeschichte bietet dabei das Nachwort zu dieser Textsammlung." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Lesen lernen (9-13); Ist Kunst codierbar? (14-44); Ist Kunst codierbar? Ausschnitte aus der Diskussion (45-101); Das Problem der Epochenbildung und die Evolutionstheorie (102-122); Das Medium der Kunst (123-138); Das Kunstwerk und die Selbstreproduktion der Kunst (139-188); Weltkunst (189-245); Wahrnehmung und Kommunikation an
Hand von Kunstwerken (246-257); Die Evolution des Kunstsystems (258-275); Literatur als
fiktionale Realität (276-291); Schwarze Löcher schwarze Kleckse (292-295); "Ohne Titel" wie so? (296-298); Die Welt der Kunst (299-315); Die Ausdifferenzierung des Kunstsystems
(316-352); Eine Redeskription "romantischer Kunst" (353-372); Literatur als Kommunikation
(373-388); Sinn der Kunst und Sinn des Marktes - zwei autonome Systeme (389-400); Ausdifferenzierung der Kunst (401-415); Die Autonomie der Kunst (416-427); Die Kunst der Gesellschaft (428-437).
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.2 Literatur
2.2
171
Literatur
[274-L] Bethmann, Stephanie:
Ringkrieg gegen die Moderne?: ein soziologischer Zugang zu J.R.R. Tolkiens "Der Herr der
Ringe", in: Samuel Strehle, Sacha Szabo (Hrsg.): Unterhaltungswissenschaft : Populärkultur im
Diskurs der cultural studies, Marburg: Tectum Verl., 2008, S. 69-93, ISBN: 978-3-8288-9635-2
(Standort: UB Duisburg(464)-E11NZX7668)
INHALT: Ein soziologischer Blick auf die Gesellschaften in unserer zeitgenössischen und in Tolkiens fiktiver Welt kann, so die Verfasserin, einiges zum Verständnis der Faszinationskraft
von 'Der Herr der Ringe' beitragen. Sie analysiert die Krise der modernen Gesellschaft. Dabei
stehen die Verunsicherungen, die Individualisierung und Modernisierung für den und die Einzelne/n mit sich bringen, im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund werden den jeweiligen Dimensionen der Krise entsprechende fiktive Lösungen, die Tolkiens Mittelerde als eine vermeintlich vormoderne Gesellschaft anbietet, gegenübergestellt. 'Der Herr der Ringe', so die
These, übt Faszination aus, indem er spezifische Sehnsüchte und Ängste des Individuums in
der Moderne anspricht. Mittelerde scheint so betrachtet nicht der Entwurf einer Vormoderne,
sondern eher der einer ausgewiesenen Antimoderne zu sein - mit allen Widersprüchen und Inkonsistenzen, die solch eine 'Anti-Fiktion' mit sich bringt. Gleicht die Vernichtung des Ringes
am Ende einem Anschlag auf eine dämonisierte Moderne mit Hobbits als Attentätern? Ohne
das Bild überstrapazieren zu wollen, lassen sich doch aus modernisierungstheoretischer Perspektive einige Ursachen der Popularität von 'Der Herr der Ringe' verdeutlichen. (ICF2)
[275-L] Gephart, Werner:
Goethe als Gesellschaftsforscher und andere Essays zum Verhältnis von Soziologie und
Literatur, (Gesellschaft und Kommunikation : soziologische Studien, Bd. 5), Berlin: Lit Verl.
2008, 234 S., ISBN: 978-3-8258-1284-3 (Standort: USB Köln(38)-35A7383)
INHALT: Der Sammelband fasst Aufsätze des Verfassers zusammen, die Literatur als "andere
Art" von Soziologie verstehen. Im Einzelnen werden folgende Fragestellungen thematisiert:
(1) Rousseaus Pathos der Subjektivität als literarisch verkleidetes "fait social"; (2) Goethes
"Italienische Reise" als Gesellschaftsbeobachtung; (3) die Codierung des "discours amoureux" in Deutschland und Frankreich - Durkheim, Simmel, Weber; (4) die "heimliche Soziologie" des Sainte-Beuve; (5) die Bedeutung der Literaturen für die Konstitution einer europäischen Identität; (6) Komödie, Tragödie und die theatralische Inszenierung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft; die Schauspielmetapher in der Rollentheorie; die Tragödie der modernen Kultur; die Geburt der Komödie aus dem Geist der Religion; (7) Literatur und Soziologie bei Ernst Robert Curtius; (8) Brechts Dreigroschenoper als soziologisches Experiment.
(ICE2)
[276-L] Hardin, Richard F.:
Ritual und Literaturwissenschaft, in: Andrea Belliger, David J. Krieger (Hrsg.) - 4. Aufl.:
Ritualtheorien : ein einführendes Handbuch, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 337361, ISBN: 978-3-531-16109-9
172
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.2 Literatur
INHALT: Der Beitrag vertritt die Auffassung, dass viele Literaturwissenschaftler sich immer
noch nicht mit "Ritualen" auseinandergesetzt haben. Dies, obgleich es eine enge Beziehung
zwischen Ritual und Kunst gibt. Rituale können nicht in einem ästhetischen oder formalen
Vakuum bestehen, sie benötigen einen sozialen Kontext. Ritual und Kunst haben die gleiche
symbolische Natur, jedoch bieten Rituale eine andere Form der Befriedigung. Der Artikel
widmet sich zunächst den neueren Erkenntnissen, die hinsichtlich der Beziehung zwischen
Literatur und Ritual in den letzten Jahrzehnten gewonnen wurden. Schließlich greift er die literaturwissenschaftlichen Arbeiten auf, die sich seit den 1970er-Jahren mit Ritualen beschäftigt haben. (ICB)
[277-L] Khapaeva, Dina:
Geschichte ohne Erinnerung: zur Moral der postsowjetischen Gesellschaft, in: Merkur :
deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Jg. 62/2008, H. 12 = H. 715, S. 1081-1091
(Standort: USB Köln(38)-AP4481; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Sowohl Erzählliteratur wie Filme lassen sich, so die Verfasserin, als eine Quelle für die
Untersuchung historischer Repräsentationen der stalinistischen Vergangenheit analysieren.
Unter diesen Genres, so die Autorin, ermöglichen die spezifischen Merkmale der postsowjetischen Fantasy-Literatur einen tiefen Einblick in den Zustand der postsowjetischen Moral. Bei
der Analyse der in der postsowjetischen Fantasy-Literatur zum Ausdruck kommenden neuen
Moral muss zunächst festgehalten werden, dass die unerwartetste Folge des Untergangs des
Sowjetregimes ein Gefühl moralischer Orientierungslosigkeit war. Der Zusammenbruch des
Kommunismus, ob dieser nun gefeiert oder verdammt wurde, hinterließ das Gefühl eines moralischen Vakuums, des Mangels an einem kohärenten Wertesystem als Kriterium des moralischen Urteils. Die neue Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens brachte neue Formen
menschlicher Beziehungen hervor, die moralisch beurteilt werden mussten. Das wichtigste
Merkmal des propagierten Gesellschaftsbildes ist, so die These, die Verwandlung der "zona",
der spezifischen Form des sowjetischen Lagers, in ein Gründungsprinzip der postsowjetischen Gesellschaft. Das völlige Fehlen von Widerstand gegen die Lagerkultur und die mangelnde Bereitschaft zur Reflexion über die Geschichte der Konzentrationslager machen das
heutige Russland besonders anfällig für einen solchen Entwicklungsweg. (ICF2)
[278-L] Rustchky, Michael:
Das Ende des schönen Schreibens: 68 und die Literatur, in: Merkur : deutsche Zeitschrift für
europäisches Denken, Jg. 62/2008, H. 7 = H. 710, S. 624-629 (Standort: USB Köln(38)-AP4481;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Autor beleuchtet die Hintergründe der sogenannten "Kulturrevolution" in der Bundesrepublik, die im Jahr 1968 auf dem Höhepunkt der Studentenbewegung ein Ende der Literatur verkündete. Der Gesellschaftskritiker Hans Magnus Enzensberger und die anderen Kulturrevolutionäre wollten "raus aus dem Kulturbetrieb, der Literaturwelt, aus den symbolischen Zusammenhängen, die von literarischer Arbeit bloß kompliziert werden. Raus aus der
Literatur in die Wirklichkeit". Den Tod der Literatur auszurufen ist nach Meinung des Autors
jedoch "selber zu viel Literatur" und "bloß eine weitere symbolische Geste". Darüber hinaus
führt die Sehnsucht nach Authentizität und nach Offenbarung der "wirklichen wahren Wirklichkeit" in die Irre, denn ein unmittelbarer Zugriff auf die Wirklichkeit jenseits aller Symbo-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.2 Literatur
173
lisierungen ist unmöglich, wie der Autor in seinem kursorischen Streifzug durch die Belletristik der 1960er Jahre zeigt. (ICI)
[279-L] Rutten, Ellen:
Tanz um den roten Stern: die Russendisko zwischen Ostalgie und SozArt, in: Osteuropa :
interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und
Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S. 109-124
(Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Vladimir Kaminers Russendisko hat Kultstatus. Sie ist kein Tanzabend für Ostalgiker
und Exil-Russen. Sie dekonstruiert nationale Stereotypen und spielt mit westlichen RusslandKlischees. Sie schließt damit an Praktiken osteuropäischer Künstler wie Vitalij Komar & Melamid oder Oleg Kulik an." (Autorenreferat)
[280-L] Tommek, Heribert:
Die Durchsetzung einer ästhetisch-symbolischen Exzellenz: der Aufstieg des Dichters Durs
Grünbein in den 1990er Jahren, in: Robert Schmidt, Volker Woltersdorff (Hrsg.): Symbolische
Gewalt : Herrschaftsanalyse nach Pierre Bourdieu, Konstanz: UVK Verl.-Ges., 2008, S. 147-167,
ISBN: 978-3-86764-121-0
INHALT: Der Autor verwendet das Konzept der symbolischen Gewalt, um die Instrumente im
Kampf um Distinktion und Kanonisierung auf dem literarischen Feld zu beschreiben. Er veranschaulicht dies an der Person und dem Werk Durs Grünbeins, der sich mit seiner ästhetischen Situierung im literarischen Feld geschickt ein gesellschaftlich erfolgreiches Alleinstellungsmerkmal erschrieb und im Zusammenspiel mit Feuilleton und Literaturbetrieb die Klassifizierung als "Nationaldichter für das wiedervereinigte Deutschland" gegenüber Konkurrenten durchsetzen konnte. Der Verfasser versteht seine Studie als Beitrag zur Untersuchung der
Durchsetzung einer ästhetisch-symbolischen Exzellenz, verstanden als Instrument symbolischer Gewalt, die hier in sublimierter, ästhetischer Form auftritt. Die erfolgreiche Durchsetzung einer Exzellenz-Position soll hier zum einen innerhalb des literarischen Feldes, zum anderen im Kontext eines die Felder übergreifenden "Zeitgeistes" untersucht werden. In beiden
Fällen geht es um Abgrenzungen und um Konvergenzen von Habitus-, Feld- und Diskursstrukturen, die in sublimierter Form zum Ausdruck kommen und sich ins literarische Werk
(über-) setzen. Dabei werden insbesondere drei Verfahren der 'stillen' symbolischen Gewalt
behandelt: die mythologisierenden Oppositionsbildungen, durch die geschichtliche und soziale Abstände in eine Generierung 'naturhafter' Äquivalenzketten transformiert werden, die souveräne Formgebung des Autors, durch die die sozialen Prägungen und Spannungen des modus operandi in einem Akt symbolischer Magie verschleiert und in ein sich selbst auf innere
Autorität (Form) gründendes Werk (opus operatum) transformiert werden, und eine wechselseitige symbolische Ermächtigung durch homologe dominante Positionen und homogenisierte
hegemoniale Diskurse. (ICF2)
174
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.2 Literatur
[281-L] Türk, Johannes:
Zur immunologischen Funktion literarischer Kommunikation, in: Soziale Systeme :
Zeitschrift für soziologische Theorie, Jg. 13/2007, H. 1/2, S. 317-328 (Standort: USB Köln(38)-M
XG 07784; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Eine Möglichkeit, die Funktion von Kunst zu bestimmen, liegt darin, in ihr ein Medium zu sehen, das Konflikte beobachtet. Literatur induziert Sensibilität, lenkt Aufmerksamkeit
und bildet Gefühle, die Widersprüchen bearbeiten. Sie gibt Konflikten eine Form, die in der
Lage ist, strukturelle Risiken zu antizipieren und abzufedern. Kontradiktorische Ereignisse
blockieren das System nicht mehr, vielmehr werden sie zu einer Sequenz seiner Fortsetzung.
Daher hat Literatur eine Immunfunktion, die an der Grenze von Kommunikation und Bewusstseinssystem angesiedelt ist. Ausgehend von Niklas Luhmanns Überlegungen zur Immunologie lassen sich insbesondere die Tragödie und der Bildungsroman als immunologische
Einrichtungen beschreiben." (Autorenreferat)
[282-L] Zimmer, Matthias:
Staatsräson und die Ordnung der Macht bei Shakespeare, in: Volker Kronenberg, Jana
Puglierin, Patrick Keller (Hrsg.): Außenpolitik und Staatsräson : Festschrift für Christian Hacke
zum 65. Geburtstag, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2008, S. 268-276, ISBN: 978-3-83293281-7 (Standort: UB Bonn(5)-2008/3359)
INHALT: Die Idee einer Großmacht, auch einer Gemeinschaft europäischer Großmächte, ist, so
der Verfasser, bei Shakespeare durchaus angelegt. Der Aufstieg und Fall der großen Mächte,
die Bedingungen der Vorherrschaft, die Gründe für das Scheitern von Großmächten und Imperien, all diese Fragen spielen eine wesentliche Rolle für eine historisch informierte, normativ verwurzelte und realistisch ausgerichtete Analyse von Staaten und internationaler Politik.
Hier erscheint Shakespeare mehr als Machiavelli und Hobbes durch seine Einsichten in die
Psychologie der Macht und die Notwendigkeit ihres weisen Gebrauchs, aber auch durch die
sich der Generalisierung und Berechenbarkeit entziehenden Betrachtung internationaler Politik Ahnherr der realistischen Schule zu sein. Erfolgreiche Politik - und erfolgreiche Außenpolitik allemal - stellt an die Qualität der politisch Handelnden hohe Ansprüche. Das ist eine
zentrale Einsicht bei Shakespeare, die auch Christian Hacke teilt. Für Shakespeare bleiben
Realität und Utopie aufeinander bezogen, ineinander verschränkt. (ICF2)
2.3
Bildende Kunst, Musik
[283-L] Bachleitner, Reinhard; Schreuer, Mynda:
Kunstkonsum und Kunstsozialisation: zur Frage von sozialer Ungleichheit und
Besucherstrukturen im Kunstbereich, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie :
Vierteljahresschrift der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, Jg. 33/2008, H. 3, S. 65-80
(Standort: USB Köln(38)-XH2528; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Abhängigkeit des Kunstkonsums von der Schichtzugehörigkeit zählt zu den klassischen Befunden der Kunstsoziologie. In den letzten Jahrzehnten haben sowohl die Diskurse
zur sozialen Ungleichheit als auch die Differenzierungen innerhalb der Kunstsektoren eine
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
175
deutliche Veränderung erfahren. Beide Prozesse sollten auf den Kunstkonsum wirken. Die
empirische Analyse zur Besucherstruktur von Galerien und Museen zeigt nun verschiedenste
Effekte: Die Bildungszugehörigkeit determiniert zwar nach wie vor den Kunstkonsum, es ergibt sich jedoch eine Hierarchie der besuchten Kunstorte. Die Typologie der Besucher über
eine Clusteranalyse zeigt, dass die Bildung in den einzelnen Clustern eine unterschiedliche
Bedeutung erhält." (Autorenreferat)
[284-L] Böning, Holger:
Das politische Lied der sechziger Jahre, in: Der Deutschunterricht : Beiträge zu seiner Praxis
und wissenschaftliche Grundlegung, Jg. 60/2008, H. 1, S. 14-20 (Standort: USB Köln(38)-EWA
Z109)
INHALT: "In der Bundesrepublik markieren seit 1960 die Lieder der Ostermarschbewegung den
Neubeginn einer politischen Liedkultur, in der DDR sind es die sogenannten HootenannyVeranstaltungen, aus denen die Singebewegung hervorgeht. Wie ein Seismograph verweisen
die frühen Lieder auf 1968, sie begleiten die kulturellen Umbrüche dieser Zeit und sind mitverantwortlich dafür, dass das neue kulturrevolutionäre Gedankengut weit über die Studentenbewegung hinaus Verbreitung findet." (Autorenreferat)
[285-L] Dauss, Markus:
Architektur als Konstruktion sozialer Naturwüchsigkeit: das Berliner Reichstagsgebäude
als Beispiel baulicher Körpermetaphorik, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der
Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 5870-5878, ISBN: 978-3593-38440-5
INHALT: "Die Rede von der Architektur als 'Natur der Gesellschaft' bedeutet einen Grenzgang:
Sie ist nur solange unbedenklich, wie reflexiv-distanzierendes Eingedenken den Konstruktionscharakter dieser Metaphorik transparent macht. Vielfach soll allerdings die Artifizialität
architektonischer Konstruktionen intentional vergessen gemacht werden, um nicht nur das architektonische Werk, sondern auch die sich darin 'verkörpernde' Gesellschaftsformation mit
apologetischer Absicht zu naturalisieren und deren zentrale institutionelle Arrangements darüber mit mythischer (Barthes) Unangreifbarkeit zu versehen. Vor allem über metaphorische
Konzepte von symbolischer 'Verkörperung' institutioneller Gefüge als besondere Form der
Präsenzmachung gesellschaftlicher Formationen soll dabei eine unmittelbare Essentialität
suggeriert werden und sozialen Ordnungsansprüchen direkt anschauliche Evidenz verliehen
werden. Als Zuspitzung architektonischer Körpermetaphorik werden Geschlechtermetaphoriken eingesetzt, um als Musterform vermeintlicher 'Naturwüchsigkeit' überzeitliche Stabilität
zu suggerieren und die stereotype Erkennbarkeit von Ordnungsarrangements zu sichern. Insbesondere in monumentalen öffentlichen Bauten des 19. Jahrhunderts haben derartige Naturalisierungsentwürfe des Sozialen Gestalt angenommen. Sie stellen damit die Gegenfolie zur
postmodernen Dekonstruktion dar, die artistische Künstlichkeit und Durchbrechung vermeintlich 'natürlicher' oder sogar 'metaphysisch' begründeter Ordnungsmuster baulich ausstellt. Exemplarisch lässt sich dies mit Blick auf ein zentrales Bauwerk der Deutschen Parlamentsarchitektur, den Berliner Reichstagsbau, verdeutlichen. Folgende Grundthesen sollen im Vortrag valide gemacht werden: Nach dem Umbau durch Lord Norman Foster stellt das Gebäude
176
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
historische Versehrungen seiner Einheitlichkeit zwar wie Narben bzw. Stigmata oder als musealisierte Inszenierung bewusst aus, verweist durch gezielte Verfemdungseffekte auf die
Künstlichkeit seiner Konstruktion und, so der Anspruch, die grundsätzliche Kontingenz der es
tragenden politischen Bedingungen. Im Kaiserreich aber wurde das Monument vielfach als
bauliche Inkarnation, als eine ins Architektonische umcodierte Vitalform der selbst metaphorisch als 'Körper' überhöhten Nation gedeutet. Die neu errungene, lang 'erträumte' politische
Einheit des im imperialen Nationalstaat zusammengefassten Kollektivs sollte, einem Naturereignis analog, materiell anschaulich gemacht werden. Exzessiv und in häufig artistischer Verknüpfung kamen daher im zeitgenössischen Deutungsdiskurs emphatische Körper- und Gendermetaphern zum Einsatz, um ein doppeltes, symbolisches und institutionelles, Problem,
aufzufangen: Die auffallende stilistische Heterogenität des eklektizistischen Baus und die
zentrifugalen Kräfte des auf föderaler Grundlage beruhenden Reichsgebildes bedrohten den
baulichen sowie politischen Einheitsmythos, in dem die Institution des Parlements selbst, die
im Bau doch ansässig werden sollte, konsequenter Weise kaum einen Platz fand." (Autorenreferat)
[286-L] Dolata, Ulrich:
Das Internet und die Transformation der Musikindustrie: Rekonstruktion und Erklärung
eines unkontrollierten Wandels, in: Berliner Journal für Soziologie, Bd. 18/2008, H. 3, S. 344369 (Standort: USB Köln(38)-XG07112; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Musikindustrie befindet sich seit Ende der 1990er Jahre in einer tiefen und anhaltenden Restrukturierungskrise, die maßgeblich durch ein neues Set an Technologien - Digitalisierung, Datenkomprimierung und das Internet - angestoßen worden ist. In diesem Aufsatz
werden die Wirkungen dieser neuen technologischen Konstellation auf die sozioökonomischen Strukturen und Institutionen des Sektors sowie auf die Handlungsorientierungen seiner
Kernakteure untersucht. Die Rekonstruktion des technikgetriebenen Wandels der Musikindustrie zeigt, dass die wesentlichen Impulse der Restrukturierung von den Rändern des Sektors beziehungsweise von sektorexternen Akteuren ausgingen - und nicht von den etablierten
Musikkonzernen. Diese haben die neuen technologischen Herausforderungen sehr zögerlich
aufgenommen, darauf zunächst vor allem mit Blockadehaltungen und Eindämmungsstrategien reagiert und erst vor dem Hintergrund eines massiven und unabweisbaren Veränderungsdrucks damit begonnen, sich strategisch neu zu positionieren. Die geringe Antizipations- und
Adaptionsfähigkeit der zentralen Akteure der Musikindustrie wird aus dem Zusammenspiel
mehrerer Faktoren erklärt. Neben 1. generellen Schwierigkeiten der Antizipation grundlegend
neuer technologischer Möglichkeiten und 2. aufwändigen Prozessen der Etablierung neuer, zu
ihnen passender institutioneller Rahmenbedingungen haben 3. der technologische Konservatismus und 4. die oligopolistische Struktur des Sektors zusammen mit 5. den hierarchischen
Organisationsstrukturen seiner fahrenden Unternehmen einen vom Kern des Sektors ausgehenden und durch ihn kontrollierten Wandel blockiert." (Autorenreferat)
[287-L] Dolata, Ulrich:
Das Internet und die Transformation der Musikindustrie: Rekonstruktion und Erklärung
eines unkontrollierten sektoralen Wandels, (MPIfG Discussion Paper, 08/7), Köln 2008, 40 S.
(Graue Literatur; www.mpi-fg-koeln.mpg.de/pu/mpifg_dp/dp08-7.pdf)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
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INHALT: "Die Musikindustrie befindet sich seit Ende der 1990er-Jahre in einer tiefen und anhaltenden Restrukturierungskrise, die maßgeblich durch ein neues Set an Technologien - Digitalisierung, Datenkomprimierung und das Internet - angestoßen worden ist. In diesem Aufsatz
werden die Wirkungen dieser neuen technologischen Konstellation auf die sozioökonomischen Strukturen und Institutionen des Sektors sowie auf die Handlungsorientierungen seiner
Kernakteure untersucht. Die Rekonstruktion des technikgetriebenen Wandels der Musikindustrie zeigt, dass die wesentlichen Impulse der Restrukturierung von den Rändern des Sektors beziehungsweise von sektorexternen Akteuren ausgingen - und nicht von den etablierten
Musikkonzernen. Diese haben die neuen technologischen Herausforderungen sehr zögerlich
aufgenommen, darauf zunächst vor allem mit Blockadehaltungen und Eindämmungsstrategien reagiert und erst vor dem Hintergrund eines massiven und unabweisbaren Veränderungsdrucks damit begonnen, sich strategisch neu zu positionieren. Die geringe Antizipations- und
Adaptionsfähigkeit der zentralen Akteure der Musikindustrie wird aus dem Zusammenspiel
mehrerer Faktoren erklärt. Neben (1) generellen Schwierigkeiten der Antizipation grundlegend neuer technologischer Möglichkeiten und (2) aufwendigen Prozessen der Etablierung
neuer, zu ihnen passender institutioneller Rahmenbedingungen haben (3) der technologische
Konservatismus und (4) die oligopolistische Struktur des Sektors zusammen mit (5) den hierarchischen Organisationsstrukturen seiner führenden Unternehmen einen vom Kern des Sektors ausgehenden und durch ihn kontrollierten Wandel blockiert." (Autorenreferat)
[288-L] Dreyer, Ursula; Isenberg, Hans-Georg:
Krieg - das Ende von Welt?: Erinnerung an Pablo Picassos Werk "Guernica", in: Arbeit und
Politik : Mitteilungsblätter der Akademie für Arbeit und Politik an der Universität Bremen, Jg.
20/2008, Nr. 33/34, S. 94-99
INHALT: Das Wissen um die konkret geschichtlichen Bezüge und Hintergründe des Spanischen
Bürgerkrieges, um die Auslöschung des baskischen Städtchens Guernica und die fatale Beteiligung des nationalsozialistischen Deutschland ist, so die Verfasser, kaum noch im historischen Bewusstsein der Weltgesellschaft verankert. Es mangelt insbesondere an einer von
Spanien und Deutschland gemeinsam getragenen Aufarbeitung ihrer Geschichte und der damit verbundenen Würdigung ihrer Opfer. Auch innerhalb Spaniens zeigt sich, dass der wenig
sensible Umgang mit der eigenen Geschichte neue Konflikte produziert. Dies wird an der
Tatsache deutlich, dass Picassos Werk noch nie in jener Stadt ausgestellt wurde, deren tragische Geschichte Auslöser für seine Entstehung war: Guernica. Im Ringen um eine Werkpräsentation im Baskenland spiegelt sich exemplarisch das widersprüchliche Verhältnis von Spaniern und Basken wider: das bis heute ungelöste Problem der baskischen Autonomie. Guernica gilt heute, so die These, als überzeitliches Mahnmal der aufschreienden Anklage und der
aufrüttelnden Erinnerung auch an nachfolgende, durch Kriege völlig sinnlos zerstörte Orte
und Städte. Es ist eines der wenigen Kunstwerke mit einer politischen Botschaft, dessen aufklärerischer Anspruch alle Zeiten überdauert hat und gleichsam als Ikone für eine übergreifende Idee steht - für eine Welt ohne Krieg, Terror und Gewalt. (ICF2)
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2.3 Bildende Kunst, Musik
[289-L] Figueroa-Dreher, Silvana:
Musikalisches Improvisieren: Die phänomenologische Handlungstheorie auf dem Prüfstand,
in: Jürgen Raab, Michaela Pfadenhauer, Peter Stegmaier, Jochen Dreher, Bernt Schnettler (Hrsg.):
Phänomenologie und Soziologie : theoretische Positionen, aktuelle Problemfelder und empirische
Umsetzungen, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2008, S. 389-399, ISBN: 978-3-531-15428-2
INHALT: Die Reflexionen der Autorin verstehen sich als Beitrag zur sozialwissenschaftlichen
Handlungstheorie, deren Ziel es ist, die allgemeine Struktur, d.h. die konstitutiven Elemente
des menschlichen Handelns und deren Zusammenhang zu untersuchen. Die Autorin erläutert
zunächst die Ansätze der phänomenologisch orientierten Handlungstheorie von Alfred Schütz
und dessen Schüler Thomas Luckmann, um sie anschließend auf ihre Anwendbarkeit beim
Phänomen des musikalischen Improvisierens hin zu überprüfen. Sie bezieht sich dabei auf Ergebnisse, die im Rahmen des von ihr geleiteten empirischen Forschungsprojektes "Improvisation als neuer Handlungstypus: Eine handlungstheoretische Exploration der musikalischen
Improvisation" gewonnen worden sind. Im Rahmen des Projektes wurden free-jazz-Musiker
beim Improvisieren in Bild und Ton aufgenommen sowie unmittelbar danach zu ihrem improvisatorischen Handeln befragt. Die Improvisation liefert nach den Forschungsergebnissen
ein gutes Anschauungsbeispiel für den weitgehend unmittelbaren Ausdruck von Impulsen, die
jedoch auf die gleichfalls impulsiven Ausdruckshandlungen der Mitmusizierenden hin abgestimmt sein müssen. Alles menschliche Handeln enthält der Autorin zufolge improvisierende
Anteile, jedoch werden hierdurch keine neuartigen Ordnungen geschaffen, sondern vorhandene Ordnungskonstruktionen partiell aufgelöst. (ICI2)
[290-L] Figueroa-Dreher, Silvana K.:
Vom "Impuls" zur Sozialität: Reflexionen über die "Natur" des musikalischen
Improvisierens, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen
des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2,
Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4865-4874, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Das Phänomen der musikalischen Improvisation stellt für die Sozialwissenschaften
eine Herausforderung dar, nicht zuletzt deshalb, weil das 'Spielen aus dem Stegreif' - anders
als das Interpretieren und Spielen komponierter Musikstücke - die zentrale Frage der Beziehung zwischen a) Natur, b) dem Ausdruck der Individualität und c) Sozialität unter einen neuen Blickwinkel stellt. Der Musiker ist beim Improvisieren in der Lage - anders als beim Interpretieren komponierter Musik -, seine musikalischen, 'impulshaften' und individuellen Gedanken in 'Echtzeit' zu offenbaren. Darüber hinaus ist das Problem der Koordination - und somit
der Sozialität - zwischen den Musikern beim Improvisieren vor allem relevant, weil die Unvorhersehbarkeit dessen, was er/ sie selbst und die Mitmusiker spielen werden, die Komplexität eines möglichen gelungenen gemeinsamen Musizierens erhöht. Wie sind die erhöhte Ausdrucksmöglichkeit der Individualität mit der gesteigerten Komplexität der Sozialität beim Improvisieren zu vereinbaren? Im Rahmen des empirischen Forschungsprojektes 'Improvisation
als 'neuer' Handlungstypus. Eine handlungstheoretische Exploration der musikalischen Improvisation' stellte sich heraus, dass die Kategorie des 'Impulses' (Kategorie erster Ordnung)
eine zentrale Stellung in der Erklärung dieser Fragen einnimmt. So ist der Impuls für die untersuchten Free Jazz Musiker einerseits ein ummittelbarer, spontaner Ausdruck ihrer Individualität aber auch ein Mittel der Erzeugung des Gruppenausdrucks auf der Basis des 'gemeinsamen Atmens' und des 'Gruppen-Pulses'. Der körperliche, 'natürliche' 'Impuls', einen Klang
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
179
zu erzeugen, vereinigt somit Natur, Individualität und Sozialität. In der Präsentation wird die
Verfasserin sich mit dieser Kategorie auseinandersetzen und erklären, wie die prozesshafte
Entwicklung vom musikalischem 'Impuls' bis zur Sozialität des gemeinsamen Musizierens die
'Natur' der Improvisation beleuchten kann." (Autorenreferat)
[291-L] Friedrich, Malte:
Imaginäres und Reales: Popmusik in der postindustriellen Stadt, in: Gabriele Klein (Hrsg.):
Stadt. Szenen : künstlerische Praktiken und theoretische Positionen, Wien: Passagen-Verl., 2005,
S. 129-142, ISBN: 3-85165-710-1 (Standort: UB Essen(465)-OBC4086)
INHALT: Im Popdiskurs werden meistens die Produktion und der Konsum von Popmusik getrennt voneinander betrachtet. So gilt die Stadt entweder als Ursprungsort von Popmusik oder
die Stadtbewohner als ihre primäre Konsumentengruppe. Der Autor interpretiert den Pop hingegen als ein Phänomen, in dem Produktion und Konsum im urbanen Raum in ein produktives Wechselverhältnis zueinander gesetzt werden. Pop wird nach seiner These durch einen
urbanen Entstehungskontext geprägt, provoziert aber zugleich eine urbane Kultur, in der sich
Medieninszenierungen und lokale Adaptionen vermischen. Erst aus dem Zusammenspiel von
Musikproduktion, der Ästhetik von Musik, den visuellen und diskursiven Rahmungen sowie
ihrem Konsum erklärt sich die Konstitution von Musikszenen. Diese bestehen gleichermaßen
aus einer Ansammlung von Musik, Mode und Verhaltensweisen, die die Imagination ihrer
Nutzer beeinflusst und ihrer jeweiligen konkreten Umsetzung in lokalen Räumen, bei der die
Imagination zur Realität wird und die Realität eine Imagination. Da dies aber mit einer Vergemeinschaftung und einer Aneignung des urbanen Raumes einhergeht, kann der Konsum
von Popmusik nicht auf ein narzisstisch motiviertes Spektakel auf den Bühnen des urbanen
Raumes reduziert werden. (ICI2)
[292-L] Gebesmair, Andreas:
Die Fabrikation globaler Vielfalt: Struktur und Logik der transnationalen
Popmusikindustrie, (Texte zur populären Musik, 5), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 367 S.,
ISBN: 978-3-89942-850-6
INHALT: Gegenstand der Untersuchung ist die Frage, unter welchen industriellen und organisationalen Bedingungen musikalische Vielfalt realisiert werden kann. In einem ersten Teil werden zwei zentrale Begriffe der Untersuchung, Popmusik und Globalisierung, einer dimensionalen Analyse unterzogen. Die Institutionalisierung der Popmusik in der Musikindustrie und
die Dimensionen der musikindustriellen Globalisierung werden herausgearbeitet. Im zweiten
Teil wird der Strukturwandel der transnationalen Musikindustrie analysiert, also der Strukturwandel der Tonträgerindustrie sowie der Strukturwandel jenseits der Tonträgerindustrie in
Gestalt von Radio, Musikfernsehen und Digitalisierung, und es werden die transnationale
Musikindustrie und die von ihr produzierte musikalische Vielfalt und Homogenität behandelt.
Abschließend wird in einem dritten Teil nach dem Zusammenhang von strukturellen Bedingungen und musikalischer Vielfalt gefragt. Unter der Überschrift "Rationalität und Irrationalität in der Musikindustrie" wird gezeigt, unter welchen ökonomischen und organisationalen
Bedingungen Vielfalt ermöglicht oder verhindert wird. Im Kapitel "Strukturen der Nachfrage
und reflexive Kulturindustriekritik" wird untersucht, in wie weit die Nachfrage nach musikalischer Vielfalt selbst wiederum Ergebnis gesellschaftlicher Veränderungen ist und welchen
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2.3 Bildende Kunst, Musik
Beitrag die Kulturindustrie zur Stabilisierung der Präferenzen und damit zur Zementierung
sozialer Positionen leistet. (ICE2)
[293-L] Gebhardt, Bettina:
Musikdownloads von Jugendlichen: eine empirische Studie zur Zukunft der Musikindustrie,
(Medienmanagement, Bd. 2), Bergisch Gladbach: Eul 2006, XII, 89 S., ISBN: 3-89936-543-7
INHALT: Die Musikindustrie wie wir sie heute kennen, wird so auf lange Sicht nicht mehr bestehen können. Seit Jahren sind die Umsatzzahlen rückläufig. Ein ganzer Wirtschaftszweig wurde fast über Nacht durch die Entwicklung einer neuen Technologie ins Aus katapultiert.
Durch die Ausbreitung des Internets, des mp3-Formats und daraus resultierend des Filesharings war es nun zum ersten Mal möglich, Musik kostenlos und jederzeit zu bekommen. Die
klassische Distributionspolitik der Musikindustrie war außer Kraft gesetzt. Seit Mitte der 90er
Jahre bröckelt nun deren Image. Klagewellen gegen Filesharing-Börsen-Nutzer und Raubkopierer, Gesetzesnovellierungen und intensive Aufklärungskampagnen seitens der Musikindustrie sollen die Konsumenten wieder zu "ehrlichen Käufern" bekehren. Insbesondere bei den
Jugendlichen unter 20 Jahren scheitern diese Maßnahmen zunehmend. Das vorliegende Buch
beschäftigt sich daher mit der Frage der Erreichbarkeit der jungen Zielgruppe der 12- bis 19Jährigen. Zunächst erfolgt eine gründliche Analyse der derzeitigen Marktstruktur sowie der
am häufigsten genannten Krisenursachen. Im Mittelpunkt steht die Studie zum Musikkonsum- und Musiknutzungsverhalten Jugendlicher. Hierfür wurden über 1.500 Schülerinnen
und Schüler zu ihrem Umgang mit Musik, insbesondere mit digitaler Musik in Form von
mp3s, befragt. Die so gewonnenen Erkenntnisse liefern entscheidende Impulse für die Neuausrichtung einer Industrie, welche anderenfalls weiter dramatisch an Bedeutung verlieren
wird. (DIPF/Verlag)
[294-L] Gembris, Heiner (Hrsg.):
Musik im Alter: soziokulturelle Rahmenbedingungen und individuelle Möglichkeiten,
Frankfurt am Main: P. Lang 2008, 309 S., ISBN: 978-3-631-57809-4 (Standort: UB Köln(38)35A5890)
INHALT: "Dem stark wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung entsprechend nimmt auch das
Interesse an musikalischen Aktivitäten im Alter zu. Musikalische Kompetenzen, Interessen
und Lernfähigkeiten im Alter sind bislang jedoch kaum erforscht. Der Band skizziert die Rahmenbedingungen musikalischer Aktivitäten wie Singen, Instrumentalspiel und Musikhören
aus entwicklungspsychologischen, soziologischen und medizinisch-gesundheitlichen Perspektiven. Neben den Bereichen des professionellen Musizierens und des Laienmusizierens
wird auch der Einsatz von Musik in Einrichtungen der Altenpflege und in der Musiktherapie
anhand von Beispielen beleuchtet. Damit verbunden sind neue Aufgabenfelder in der Musikpädagogik und in der Ausbildung an den Hochschulen, die in weiteren Beiträgen dargestellt
werden." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Harald Künemund: Bildung und Produktivität
im Alter - Ergebnisse der Alterssurveys (13-30); Dietmar Köster: Entwicklungschancen in alternden Gesellschaften durch Bildung: Trends und Perspektiven (31-52); Helmut Heseker:
Alter und Gesundheit (53-68); Matthias Kliegel, Theodor Jäger: Die kognitive Leistungsfähigkeit im mittleren und höheren Erwachsenenalter aus Sicht der Entwicklungspsychologie
(69-94); Heiner Gembris: Musikalische Entwicklung im mittleren und höheren Erwachsenen-
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2.3 Bildende Kunst, Musik
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alter (95-130); Bernhard Richter: Die Stimme im Alter (131-138); Claudia Spahn: Instrumentales Musizieren im Alter (139-150); Theo Hartogh: Musizieren und Musikhören im Alter ein
Aufgabenfeld der Musikpädagogik (151-162); Hans Hermann Wickel: Und wo bleibt die Seele? Plädoyer für eine Ausbildung zur Musik in der Altenarbeit - auch als Hochschuldisziplin
(163-172); Thomas Schmidt-Ott: Altern im Orchester: Altersbezogene Leistungseinbußen
und der Umgang damit (173-194); Thomas K. Hamann: Der Einfluss der Bevölkerungsentwicklung auf Publikum und Konzertwesen (195-214); Astrid Söthe: Musikalische (Lern-)Fähigkeiten im Alter und mit Alzheimerdemenz (215-252); Dorothea Muthesius: Wer wohl am
besten sänge: Pflege und Musiktherapie im Streit um die besten Konzepte (253-264); Thomas
Grosse: Interaktives Musizieren in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (265-280); Heiner Gembris, Gerhard Nübel: Musik in Altenheimen: Eine Bedarfsanalyse (281-298); Christian Höppner: Musikpolitische Aspekte der alternden Gesellschaft: Perspektiven des Deutschen
Musikrats (299-304).
[295-L] Gerigk, Horst-Jürgen:
Zwei Russen in Amerika: Irving Berlin und Dimitri Tiomkin, in: Osteuropa : interdisziplinäre
Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte in
Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S. 43-56 (Standort: USB
Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Irving Berlin und Dimitri Tiomkin haben der amerikanischen Unterhaltungsmusik
bleibende Leistungen geliefert. Berlins White Christmas und Tiomkins Titelsong zu High
Noon sind Klassiker. Beide Komponisten stammen aus Russland und sind mit ihren Karrieren
Musterbeispiele für den kulturellen Dialog zwischen Amerika und Europa. Dies darf aber
nicht den Eindruck aufkommen lassen, hier kommunizierten zwei verschiedene Kulturen miteinander in der Unterhaltungsmusik. Vielmehr existiert seit dem 18. Jahrhundert eine kohärente europäisch-amerikanische Kulturlandschaft. Nur in ihr konnten Berlin und Tiomkin ihre
Wirkung entfalten." (Autorenreferat)
[296-L] Gropp, Eckhard:
Neue musikalische Wirklichkeiten: Funktionalisierungen von Musik in der
Erlebnisgesellschaft, (Monolithographien, Bd 3), Stuttgart: Steiner 2007, 240 S., ISBN: 978-3515-07781-1 (Standort: UB Siegen(467)-05ZZA412729)
INHALT: "Musik ist zu einem zentralen Parameter von Lebensstil-Definitionen geworden. Sie
dient als prägendes Mittel der Emotionalisierung, Ästhetisierung, Sakralisierung, Alltags- und
Event-Gestaltung. Während sich die Musikwissenschaft bislang mit Beschreibungen bzw.
Analysen dieser veränderten Konstellationen noch weitgehend zurückgehalten hat, wendet
sich die vorliegende Untersuchung den mannigfaltigen Verflechtungen der Musik mit dem
soziokulturellen Umfeld der postmodernen 'Erlebnisgesellschaft' zu. Die eingehenden Betrachtungen des Quellenmaterials zur Präsentation von Musik in Hörfunk, Fernsehen, LiveEvents und Alltagssituationen führen dabei zu einer breiten Bestandsaufnahme der engen
Korrelationen zwischen musikalischen Phänomenen und gesellschaftlichen Tendenzen. Diese
Beobachtungen werden durch Einblicke in soziologische, philosophische und medientheoretische Ansätze sowie durch zahlreiche Experten-Interviews des Verfassers mit Verantwortlichen aus den Bereichen der Medien und der Werbung ergänzt." (Autorenreferat)
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2.3 Bildende Kunst, Musik
[297-L] Helbig, Adriana:
The cyberpolitics of music in Urkaine's 2004 Orange Revolution, in: Ingmar Bredies, Andreas
Umland, Valentin Yakushik (Eds.): The context and dynamics of the 2004 Ukrainian presidential
elections, Stuttgart: Ibidem-Verl., 2007, S. 176-199, ISBN: 978-3-89821-803-0 (Standort: UB
Bonn(5)-2008/4206)
INHALT: Die Verfasserin führt den Begriff einer 'kybernetischen Musikalität' ein, um die Verbindung von Musik und Internet, die beide eine prominente Rolle im Verlauf der orangefarbenen Revolution spielten, zu betonen. Sie präsentiert den Hintergrund der Revolution als
einen Kampf um die Technologie und um die 'Ukrainische Wahrheit'. Es wird gezeigt, dass
mit Hilfe dieser Kommunikationstechnologie ein kultivierter Weg mit musikalischen Aktivitäten gefunden wurde, um die beträchtliche Energie für gesellschaftliche Mobilmachung zu
gewährleisten. Vor der orangefarbenen Revolution hatte das Internet nur einen geringfügigen
Einfluss auf die Formen öffentlicher Meinung in Ukraine. Während Zeitungen und Rundfunk
nur unter beträchtlichen Zwängen funktionierten, stellte sich heraus, dass das Internet den
einzigen Weg darstellt, regierungsfeindliche Positionen und Meinungen zum Ausdruck zu
bringen. (ICF2)
[298-L] Herrschaft, Felicia:
Performing proximity: "learning to fly", in: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum:
Qualitative Social Research, Vol. 9/2008, No. 2, 18 S.
(nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802629)
INHALT: "Dieser Beitrag beschäftigt sich mit experimentellen und performativen Arbeits- und
Handlungsweisen bildender Künstler und Künstlerinnen. Weil Künstler und Künstlerinnen
diese Prozesse in ihren Kunstwerken problematisieren, hat der Verfasser mit performativ arbeitenden Künstlern Interviews in einem Radiostudio durchgeführt. In diesem Beitrag diskutiert er die Fallbeispiele von 'Lawrence' und 'Micky', zwei Künstlern, die unterschiedliche Ansätze in ihren Performances verfolgen, um Nähe zu den Betrachtenden und Teilnehmenden
einer Arbeit herzustellen oder diese abzulehnen. Dass Künstler und Künstlerinnen Handelnde
sind, wird bisher in der philosophischen Ästhetik, die sich mit Performativität beschäftigt,
missachtet. Die Verbindung aus performativer Sozialforschung und Biografieanalyse stellt
deshalb eine Möglichkeit dar, um die Komplexität künstlerischer Erkenntnisprozesse und
Handlungsweisen wahrzunehmen. In der Forschung über experimentell und performativ arbeitende Künstler und Künstlerinnen kann 'Fliegen lernen' eine Strategie darstellen, an den
Handlungs- und Erkenntnisprozessen von Künstlern und Künstlerinnen teilzunehmen, weil
performativ arbeitende Künstler und Künstlerinnen zwischen den unterschiedlichen Sozialwelten hin und her wandern: Sie haben schon längst fliegen gelernt." (Autorenreferat)
[299-L] Hoffmann, Dagmar; Schmidt, Axel:
"Geile Zeit" und "Von hier an blind": Bedeutung und Potenziale musikalischer
Erprobungen im Jugendalter am Beispiel der Aneigung von Popularmusik, in: Zeitschrift für
Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Jg. 28/2008, H. 3, S. 283-300 (Standort: USB
Köln(38)-XG02735; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
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2.3 Bildende Kunst, Musik
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INHALT: "Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der sozialisatorischen Funktion und Relevanz von Popmusik im Jugendalter. Es wird herausgestellt, wie das Konfrontiert-Werden
mit Musik sowie deren Auswahl, Nutzung und Aneignung Prozesse der Identitätsbildung anleitet, indem Jugendliche mittels musikalischer respektive musikstilistischer Geschmackspräferenzen tentativ (an-)zeigen können, 'wer sie sind bzw. sein möchten'. Zunächst wird anhand
jugendtypischer Entwicklungsbelange aufgezeigt, welche Potenziale die Nutzung von populärer Musik für die Persönlichkeitsentwicklung hat. Im Weiteren wird erörtert, wie sich im Laufe der Entwicklung die musikalische Auswahl zu Komplexen verdichten kann, welche im
Hinblick auf Lebensstil lesbar sind bzw. sein sollen. Es wird zudem der Frage nachgegangen,
inwiefern Popmusik soziale Inklusion bzw. Exklusion über Distinktionen vor dem Hintergrund zunehmender situationsflexibler Nutzung heute (noch) erlaubt. Dies wird am Beispiel
der zunehmenden (Tele-)Visualisierung (etwa in Form von Musikcastings-Shows) populärer
Musik diskutiert." (Autorenreferat)
[300-L] Klein, Gabriele (Hrsg.):
Stadt. Szenen: künstlerische Praktiken und theoretische Positionen, (Passagen Kunst :
steirische herbst themen), Wien: Passagen-Verl. 2005, 195 S., ISBN: 3-85165-710-1 (Standort:
UB Essen(465)-OBC4086)
INHALT: "Die Stadt - das ist nicht nur der ökonomische, politische, kulturelle und soziale Knotenpunkt, sondern auch der symbolische Ort von Kunst, Kultur, Medien und Sport in der Moderne. Seit den 1970er Jahren durchlebt die Stadt einen radikalen wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Umbau: Suburbanisierung, Segregation, Verwahrlosung von Randbezirken
und theatrale Gestaltung der Innenstädte - diese komplexen urbanen Transformationsprozesse
sind nicht nur in Fotografie und Film, in der bildenden Kunst und der Musik verarbeitet worden. Auch die szenischen Künste haben in performativen Experimenten und Interventionen
alltägliche Augenblicke dieses Umbauprozesses hervorgehoben. 'Stadt. Szenen' präsentiert
künstlerische und theoretische Positionen zur zeitgenössischen szenischen Kunst im Stadtraum. Das Buch lädt ein zu einem Dialog zwischen theatraler Kunst und Wissenschaft. Es
bietet ein Forum für Interviews mit Künstler/innen und Beiträge von Wissenschaftler/innen."
(Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Peter Oswald: Vorwort: Stadt. Szenen. Ein Lesebuch.
Nicht nur für Städtebewohner (11-12); Gabriele Klein: Die Stadt als Szene. Zur Einführung
(13-34); Lieben Sie Graz? Ein Gespräch mit Helmut Köpping (35-40); Hermann Korte: Urbanität? Ein Zwischenruf (41-50); Dieter Mersch: Action! (51-60); Georg Schöllhammer:
Transformationsenergie und sozialistischer Alltag (61-72); Kerstin Evert: Zwischen Museum
und Hausdach. Tanz im öffentlichen Raum (73-86); Alltagskörper. Urbane Körper - Ein Gespräch mit Martin Nachbar und Jochen Roller (87-92); Straßenszenen. Theaterorte - Ein Gespräch mit Johanna Freiburg und Bastian Trost (93-98); Peter Stamer: Peking, Kunst und
Körper. Zu Gast bei Gesten (99-106); Herzschritt: Dance Different - Ein Gespräch mit Jutta
Hell und Dieter Baumann (107-114); Regina Bittner: Body Movies. Szenerien in urbanen
Netzwerken (115-128); Malte Friedrich: Imaginäres und Reales. Popmusik in der postindustriellen Stadt (129-142); Urban Dance - Street Dance? - Ein Gespräch mit Niels Storm Robitzky (143-148); Gemeinschaft als Utopie - Ein Gespräch mit Mieke Matzke und Sebastian
Bark (149-154); Nina Möntmann: Partizipatorische Kunst-Projekte und die Politik des Imaginären (155-162); Klaus Ronneberger: Der selbstaktivierte Raum. Die Neoliberalisierung der
Stadt (163-172); Postdramatische Theatersubjekte - Ein Gespräch mit Rene Pollesch (173-
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2.3 Bildende Kunst, Musik
178); Eleonora Fabiao, Andre Lepecki: Out of order: local provocations to performance (179190).
[301-L] Koenen, Elmar J.:
Spielende Kulturbeherrschung: Herrschaft und Freiheit im musikalischen Handeln, in: KarlSiegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus
Verl., 2008, S. 4855-4864, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die zweite - oder dritte - Moderne sieht sich v.a. konfrontiert und beschäftigt mit den
Folgen und Folgeproblemen der instrumentellen Form ihres gattungsgeschichtlichen Naturbeherrschungs-Projekts. Diesem Versuch, äußere Natur zu beherrschen, entspricht eine ebenso
lange Geschichte von Selbstbeherrschungs-Versuchen auf Seiten der gesellschaftlichen Akteure. Die dabei entwickelten Habitus, Kompetenzen und Qualifikationen gelten als Voraussetzungen für erfolgreiche Naturbeherrschungen. Solche Naturen-Beherrschung geht einher
mit der Entwicklung von Medien, Sprachen und Kommunikationen. Sie erscheinen als 'Kulturen', genauer: als Dispositive, die 'Natur' und 'Kultur' in jeweils neue Verhältnisse setzen.
Auch Medien, Sprachen und Kommunikationen, obwohl von der Gattung selbst erzeugt, müssen immer wieder neu angeeignet werden. In Kulturen muss eingeführt werden, Sprachen,
Stimmen und Instrumente wollen 'beherrscht' sein. Und wie die Naturen-Beherrschung (äußere und innere), so zeigt auch die produktive Beschäftigung mit Sprache, Stimme oder Instrument zwei Seiten: die Beherrschung des Organ(um)s und die des Selbst. Äußerste Selbst-Beherrschung gilt seit je als Voraussetzung für eine anspruchsvolle Beherrschung der Stimmorgane wie der instrumentalen Kulturobjekte. Aber auch die Rezeption weist innere und äußere
Beherrschungsmomente auf. Selbstbeherrschung (andauernde äußerliche Ruhe und Schweigen) und Kompetenzen (z.B. strukturelles Hören oder Meditation) gelten als Voraussetzungen
bestimmter Musikrezeptionen. Bezugspunkt sowohl der produktiven wie der rezeptiven Konzentration ist die Beherrschung der Verschränkung von Naturbasis und ihren kulturellen
Überformungen. Noch die moderne Ästhetik diskutiert solche Probleme anhand von Konzepten wie der 'Mimesis' und dem des 'Naturschönen'. In allen Fällen geht es offenbar um eine
produktive oder rezeptive Teilhabe an einer v.a. nicht-sprachlichen, gleichwohl anspruchsvollen Kommunikation, die ohne Einübung, Vorkenntnisse, Qualifizierungen, Kompetenzen etc.
nicht gelingt. Kurz: es geht um etwas, das man im Unterschied zu 'Naturberrschung' als Kulturbeherrschung bezeichnen könnte. Das gilt selbst noch für jene Produkte, deren Sammelkategorie 'Easy listening' zu Unrecht behauptet, dass sie voraussetzungslos rezipierbar seien.
Der Vortrag versucht anhand einer Reihe von historischen, zeitgeschichtlichen und aktuellen
Beispielen einige Veränderungstendenzen innerhalb der skizzierten Struktur aufzuweisen."
(Autorenreferat)
[302-L] Kremp, Werner; Sirakov, David (Hrsg.):
Globaler Gesang vom Garten der Freiheit: anglo-amerikanische Populärmusik und ihre
Bedeutung für die US-Außenpolitik, (Atlantische Texte, Bd. 28), Trier: Wissenschaftl. Verl.
Trier 2008, 338 S., ISBN: 978-3-86821-012-5 (Standort: Bayer. SB München(12)Mus.th.2007.2679)
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INHALT: "Das Bewusstsein, dass Musik auf die Menschen eine sanfte, aber nahezu unbezwingliche Macht ausübt, gehört gewissermaßen zum Weltkulturerbe der Menschheit. Auf der ganzen Welt, in allen Gesellschaften, versuchen Menschen, ihren individuellen, ganz persönlichen oder ihren politischen Zielen mithilfe der Musik Nachdruck zu verleihen. Soft power ist
das Zauberwort, mit dem der amerikanische Politikwissenschaftler Joseph Nye seit einiger
Zeit versucht, seine eigene Nation und ihre Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass
soft power allein nicht genügt, Weltordnung zu betreiben. Zu dieser 'weichen Macht' Amerikas zählt Nye neben der Diplomatie insbesondere seine Populärkultur. Und so liegt die Frage
nahe: Ist die anglo-amerikanische popular music tatsächlich ein Träger und Überträger von
amerikanischen (oder allgemein 'westlichen') Werten, insbesondere von Freiheit, Demokratie,
Pluralismus und Toleranz - und ganz generell von Sinn und Sinnhaftigkeit? Bereitete und bereitet sie insofern (unfreiwillig oder freiwillig) den Boden für die Expansion der USA in der
Welt? Und welche Interaktion mit der 'klassischen' US-Außenpolitik besteht? In neunzehn
Beiträgen, gegliedert in vier Kapitel, gehen die Autorinnen und Autoren des Bandes den Wirkungen des 'Globalen Gesangs vom Garten der Freiheit' nach, also der Wechselwirkung der
anglo-amerikanischen Populärmusik mit der amerikanischen Außenpolitik und der Rolle der
USA in der Welt. Im ersten Teil werden dazu einige theoretische Grundlagen gelegt. Der
zweite Teil enthält Beiträge zur Rolle der Populärmusik im inneramerikanischen außenpolitischen Diskurs. Die Wirkung der amerikanischen Populärmusik in beiden deutschen Staaten
ist Gegenstand des dritten Abschnitts. Und im letzten Teil wird anhand ausgewählter Länder Sowjetunion/Russland, Slowenien, China, Iran - den Wirkungen und Grenzen der amerikanischen soft power Populärmusik nachgegangen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Udo M.
Metzinger: "Mit Musik geht alles besser": Popular Music als soft-power-Instrument amerikanischer Außenpolitik in den internationalen Beziehungen? Eine politikwissenschaftliche Annäherung (17-32); Winfried Fluck: Wie Alexis de Tocqueville uns helfen kann, die weltweite
Resonanz der populären amerikanischen Musik zu verstehen (33-50); Tom Fritz, Stefan Koelsch: Musik und Emotion - Gibt es unterschiedliche Musikperzeption in verschiedenen Kulturen? (51-58); Manfred Siebald: "The party in Berlin is over": Cabaret und die politischen
Kulturen eines amerikanischen literarischen Musicals (59-70); Matthias S. Fifka: Der Protest
gegen den Vietnamkrieg in der amerikanischen Populärmusik der 60er und 70er Jahre (7188); Martin Genetsch: "Soft Power?": Zur Geschichte und Bedeutung von MTV im Kontext
der Populärkultur (89-102); Ulfried Reichardt: Globalisierung, amerikanische (populäre) Musik und das Versprechen von Freiheit: Cage, Madonna, Rap (103-116); Lutz Schowalter: Paradoxically In and Out Of this World: Christliche Popular Music (117-134); Patrick Keller:
Die Außenpolitik George W. Bushs im Spiegel amerikanischer Rockmusik: Die konservative
Perspektive Neil Youngs, Bruce Springsteens, Steve Earles und T Bone Burnetts (135-148);
Sonja Schwarz: Die Suche nach einer nationalen Identität in der amerikanischen Popular Music nach dem 11. September (149-170); Kaspar Maase: Zwischen Exotik, Amerikanizität und
Globalität: Zum Bedeutungswandel amerikanischer Populärkultur in der Bundesrepublik
(171-186); Wolfgang Rumpf: Music in the Air. AFN und die Jugendkultur in Deutschland
(187-198); Frank Mehring: Tanzbare Demokratie? Die performative Unabhängigkeitserklärung des Gangsta-Rap als Chance für die globale Jugendkultur des HipHop (199-230); Michael Rauhut: Schwarz-weiße Netze. Afroamerikanische Musik als politisches Medium in der
DDR (231-252); David Sirkaov: More than Music? Anglo-amerikanische Populärmusik in
der Sowjetunion und Russland (253-272); Alenka Barber-Kersovan: Slowenischer Punk zwischen fremden musikalischen Einflüssen und heimischen politischen Unstimmigkeiten (273292); Andreas Steen: Protest und Vergnügen zwischen Nationalismus und Globalisierung:
Zwanzig Jahre Rockmusik in der Volksrepublik China (293-314); Saba Farzan: Nur Britney
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2.3 Bildende Kunst, Musik
Spears auf Radio Farda? Zur Rolle eines populären Radiosenders im Iran (315-326); Christian Riethmüller: "The World Won't listen" - US-Hits ohne Hörer? (327-332).
[303-L] Künzler, Daniel:
The "Lost Generation": African Hip Hop movements and the protest of the young (male)
urban, in: Mark Herkenrath (Ed.): Civil society : local and regional responses to global
challenges, Münster: Lit Verl., 2007, S. 89-127, ISBN: 978-3-8258-0533-3 (Standort: UB
Bielefeld(361)-HU410/C5S6)
INHALT: "Hip Hop movements based on Rap music are spread all over the globe and are also
very popular in Africa south of the Sahara. Their contribution to the political change of power
in Senegal (2000) as well as in Kenya (2002) is uncontested and well documented. This contribution is going to discuss Hip Hop movements in Africa based on the analysis of Hip Hop
lyrics and written documents. It views the Hip Hop movements as parts of African civil societies. While at the beginning the Hip Hop movements were dominated by the children of the
urban petty bourgeois in the environment of universities and secondary schools, the social
base has extended to the urban lower classes, thus conserving the urban bias (as well as its
gender bias). The Hip Hop movements are protest movements of young urban (male) Africans. Although Hip Hop movements are less instrumentalized by the neopatrimonial state
than many NGOs, they are threatened as well, as they also depend on economic resources and
as one can hardly survive on music in Africa. Especially in French speaking countries, the
French Cultural Centers representing the dominant culture, offer foreign assistance. Likewise
sometimes other development agencies involve Rap music to raise awareness for their topics.
African Rap music is also under pressure to fit into the folkloristic 'world music' scene if the
artists want to sell their music abroad; the local market is not sustainable due to low income
and piracy. Critical content is restricted in many mass media run by the state, although there
is a growing number of private media offering more open platforms. At the moment, the Hip
Hop movements are powerful in raising protest, but generally limit themselves to this critical
corrective function. Although the stand for different values and norms, they do not present a
counter-concept to the neopatrimonial state and are unlikely to become the bases of an alternative society." (author's abstract)
[304-L] Kurt, Ronald; Näumann, Klaus (Hrsg.):
Menschliches Handeln als Improvisation: sozial- und musikwissenschaftliche Perspektiven,
(Kultur- und Medientheorie), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 234 S., ISBN: 978-3-89942-754-7
(Standort: USB Köln(38)-35A5385)
INHALT: "Improvisieren ist menschlich. Weil das Leben zum Umgang mit dem Unvorhersehbaren herausfordert, ist das Improvisieren eine Kompetenz, die nicht nur in der Kunst, sondern
auch im Alltag eine wichtige Rolle spielt. Jedes menschliche Handeln enthält ein Improvisationspotenzial. Wenn diese Annahme richtig ist, dann müsste der Begriff Improvisation ein
Kernbegriff kulturwissenschaftlichen Denkens sein - allein: Er ist es nicht, jedenfalls noch
nicht. Die Autorinnen und Autoren dieses Buches nähern sich dem Phänomen des Improvisierens aus sozial- und musikwissenschaftlicher Sicht. In fachübergreifender Perspektive fragen
sie nach der Bedeutung des Improvisierens in den Bereichen Musik, Tanz und Theater, nach
den sozialen Bedingungen und kulturellen Kontexten improvisatorischen Handelns und nach
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dem Sinn, den Mitglieder anderer Kulturen mit dem Phänomen des Improvisierens verbinden." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Roland Kurt und Klaus Näumann: Einleitung (716); Roland Kurt: Komposition und Improvisation als Grundbegriffe einer allgemeinen Handlungstheorie (17-46); Oliver Kozlarek: Theoretisch-begriffliche Anschlussstellen für ein Verständnis menschlichen Handelns als Improvisation (47-66); Ulrich Bielefeld: Die Form der
Freiheit (67-98); Markus Schmidt: 'Es improvisiert' Improvisation in der nordindischen
Kunstmusik (99-132); Klaus Näumann: Improvisation: Über ihren Gebrauch und ihre Funktion in der Geschichte des Jazz (133-158); Silvana K. Figueroa-Dreher: Musikalisches Improvisieren: Ein Ausdruck des Augenblicks (159-182); Stefan Orgass: Improvisation als Merkmal und Gegenstand des Musikunterrichts (183-214); Constanze Rora: Vom Sinn der Improvisation als Spiel (215-232).
[305-L] Kurt, Ronald:
Klangkulturen in Europa und Indien: vom subjektiven und objektiven Sinn musikalischen
Handelns, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt
am Main: Campus Verl., 2008, S. 3091-3102, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Musik macht Sinn. Die Frage ist nur: welchen? In der Geschichte der Menschheit sind
auf diese Fragen sehr unterschiedliche Antworten gegeben worden. Das Charakteristische der
europäischen Antwort zeigt sich im kontrastiven Vergleich mit der indischen Musikauffassung. Hier gleichtemperierte Stimmung, Notenschrift, Komposition und Mehrstimmigkeit,
dort mikrotonal strukturierte Melodietypen, mündliche Wissensvermittlung und grundtonorientierte Improvisation. Diese Merkmale kodieren nicht nur Klang-, sondern auch Kulturunterschiede. Dementsprechend manifestiert sich in Indien und Europa der Sinn musikalischen
Handelns in unterschiedlichen Arten der Produktion, Performanz und Rezeption von Musik.
Im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts galt der Komponist als Inbegriff souveräner Subjektivität: aus dem toten Material der Töne schuf er lebendige Werke, mit denen er seine Subjektivität für sich und für andere zum objektiven Ausdruck brachte. Die Wirkkraft dieser Idee ist
auch der gegenwärtigen Pop- und Jazzmusik noch anzuhören. In der klassischen indischen
Musik steht das Verhältnis zwischen dem Musiker und der von ihm hervorgebrachten Musik
unter anderen Vorzeichen. Hier dienen die Töne nicht als Medium zur Objektivierung von
Subjektivität, sondern hier dient umgekehrt der Musiker den Tönen als Medium. Das Ziel des
Musizierens besteht demgemäß in der subjektlosen Verkörperung von objektivem musikalischem Sinn. Vor diesem Hintergrund stellt sich das Problem der Handlungsträgerschaft in
den Musikkulturen Indiens und Europas sehr verschieden dar. Die Handlungsträgerschaft ist
der Punkt, den europäische Musiker auf ihr Selbst und indische Musiker auf ihre Selbstlosigkeit verweisen. Die Entstehung dieser unterschiedlichen Auffassungen von musikalischem
Handeln wird in Kulturvergleichender Perspektive anhand der Geschichte der Notenschrift
und der Bedeutung der Improvisation rekonstruiert. Zur Darstellung der Differenz zwischen
der europäischen und indischen Musikkultur werden darüber hinaus Videobeispiele gezeigt."
(Autorenreferat)
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2.3 Bildende Kunst, Musik
[306-L] Lecke, Mirja:
Exportschlager!: die russische Mädchenband t.A.T.u., in: Osteuropa : interdisziplinäre
Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte in
Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S. 125-136 (Standort: USB
Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "t.A.T.u. ist die erfolgreichste russische Popband aller Zeiten. Dieser Erfolg ist kein
Zufall, er beruht auf der geschickten Anpassung des lesbischen Images der Band an verschiedene kulturelle Umgebungen. t.A.T.u. wurde als Provokation für die russische Gesellschaft
erdacht, in Westeuropa und den USA erreichte das Popduo durch öffentliche Küsse publicityträchtige Verbote. An seiner Geschichte lässt sich beobachten, wie Strukturen der westlichen
Konsumindustrie auf russische Verhältnisse appliziert werden, sich dabei verändern und anschließend wiederum die Wahrnehmung Russlands im Westen prägen." (Autorenreferat)
[307-L] Lidia, Guzy (Hrsg.):
Religion and music: proceedings of the interdisciplinary workshop at the Institute for
Scientific Studies of Religions, Freie Universität Berlin, May 2006, (Religionen in Kultur und
Gesellschaft, Bd. 1), Berlin: Weißensee Verl. 2008, 155 S., ISBN: 978-3-89998-116-2 (Standort:
Zentral. und LB(109)-Rel779)
INHALT: "From the comparative perspective on cultures one can observe that music is used not
only in religious adoration and worship but also in rituals of personal and collective crisis.
Music as non-verbal religious communication acts as a social form of cultural consolation,
commemoration, recollection and the representation of ideas and values as well as a marker
of cultural and personal identity. This collected volume aims to formulate impulses for the
study of religions, rituals and the aesthetics of religions." (author's abstract). Contents: Hartmut Zinser: Welcoming Address "Religion and Music" (11-14); Annette Wilke: Sound and
Sense: Sonic Perception in Hindu India (15-60); Lars-Christian Koch: Raga-Music in North
India between Religious Meaning and Courtly Culture (61-74); Nicolas Prévot: How Musical
Is God? A Pantheon and Its Music in Bastar, Central India (75-88); Lidia Guzy: 'Thea phony'
- an Music, Religion and the Goddess in Western Orissa (89-106); Daniela Weber: Gospel,
Sacro-Pop and White Metal - when the Organ is Jazzing and Rocking: Popular Music in
Christian Church Services in Berlin ; A Report from Inside (107-122); Isabel Laack: The Relation between Music and Religious Meaning - Theoretical Reflections (123-154).
[308-L] Prinz, Sophia; Schäfer, Hilmar:
Kunst und Architektur: Materielle Strukturen der Sichtbarkeit, in: Stephan Moebius,
Andreas Reckwitz (Hrsg.): Poststrukturalistische Sozialwissenschaften, Frankfurt am Main:
Suhrkamp, 2008, S. 382-400, ISBN: 978-3-518-29469-7
INHALT: Im Gegensatz zur Feld- oder Systemtheorie, für die eine klare Trennung zwischen Ästhetischem und Außerästhetischem grundlegend ist, lässt sich im Poststrukturalismus eine
Tendenz feststellen, die Unterschiede zwischen Kunst und nichtkünstlerischen Objekten sowie Kunst und Philosophie verwischt und tendenziell die Grenze zwischen bildender Kunst,
Alltagsästhetik und Textualität unterläuft. Eine poststrukturalistische Kunstsoziologie sieht
sich somit vor die Aufgabe gestellt, dieses ästhetische Moment der Sinnbrüche und -instabili-
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
189
täten als heuristisches Instrument in ihre Analyse des Kunstfeldes zu integrieren. Einige poststrukturalistische Ansätze interpretieren ferner Raum, Materialität und kulturelle Sichtbarkeiten als Faktoren der Subjektivierungs- und Vergesellschaftungsprozesse und ermöglichen dadurch eine Analyseperspektive, die nicht nur die diskursive Bedeutungsproduktion, sondern
auch die soziale Relevanz von konkreten ästhetischen Objekten, Displays und Architektur berücksichtigt. Für diese doppelte "Reästhetisierung" der Kunst- und Architektursoziologie werden im vorliegenden Beitrag zunächst die ästhetischen Konzepte der Poststrukturalisten allgemein beschrieben, ihre Aufwertung der Rezeption als produktives Moment und ihr Einbezug
des ästhetischen Affekts im besonderen dargestellt als auch ihre Beiträge zur Theorie von
Materialität, Sichtbarkeit und Räumlichkeit beziehungsweise Architektur rekonstruiert.
(ICA2)
[309-L] Raussert, Wilfried; Jones, John Miller (Hrsg.):
Traveling sounds: music, migration, and identity in the U.S. and beyond, (Transnational and
Transatlantic American Studies, Vol. 8), Berlin: Lit Verl. 2008, 356 S., ISBN: 978-3-8258-1328-4
(Standort: UB Köln(38)-35A9528)
INHALT: "Within their approach to trace the routes of music and music's impact on identity formation the editors take the popularity of American music more or less for granted. Most genres addressed in this study have emerged within the multiethnic United States or the Americas
on a larger scale, most have traversed through the Americas and, in different adaptations,
through different parts of the world. Tracing the migration of sounds, the editors see American music at home and abroad as an intricate part of a historical process of globalization and
as embedded in complex and multidirectional processes of exchange and transformation.
They understand the migration of American forms of music not as a one-dimensional, homogenizing process of Americanization but rather as a multidirectional journey with diverse and
multi-layered forms of music emerging in different and shifting locales. The contributors cover a broad range of musical genres, ranging from sacred music and avantgarde music to jazz,
reggae, and rock. Moreover, crossovers between film, theater, video art and music are explored. In its interdisciplinary and international orientation this book will contribute to the new
direction American Studies has taken recently and expand a cultural studies approach to the
field of music at the same time." (author's abstract)
[310-L] Redepenning, Dorothea:
Broadway cum Rachmaninov: Komponisten aus Osteuropa in Hollywood, in: Osteuropa :
interdisziplinäre Monatszeitschrift zur Analyse von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und
Zeitgeschichte in Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa, Jg. 57/2007, H. 5, S. 23-42
(Standort: USB Köln(38)-M-AP04813; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Hollywoods Filmmusik ist ein 'Melting Pot' aus populären Schlagern und Jazz, aus
europäischer Symphonik, aus Oper, Ballett und Broadway-Show. Vor allem Emigranten aus
Europa haben diese Musik kreiert, die zur kulturellen amerikanischen Identität gehört. Im
Schaffen von Rachmaninov und Cajkovskij fanden sich die melodischen Modelle und orchestralen Effekte zur klanglich-emotionalen Inszenierung melodramatischer Szenen. Es entbehrt
nicht einer feinen Ironie, dass die schönsten 'amerikanischen Heimatlieder', die populärsten
190
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
Western-Songs, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges aus der Feder Dimitri Tiomkins
stammen, der sein Handwerk in Sankt Petersburg gelernt hatte." (Autorenreferat)
[311-L] Rehbein, Boike:
Natur und Metaphysik in Mahlers Neunter, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der
Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4875-4883, ISBN: 978-3593-38440-5
INHALT: "Musik scheint in der menschlichen Natur begründet zu sein. Im anthropologischen
Sinne ist sie eine existentiale Möglichkeit, im biologischen Sinne ist sie mit dem menschlichen Körper verwoben. Ferner scheint sie kulturübergreifend zu sein, da alle Menschen Musik machen und verstehen können. Ein konkreter interkultureller Vergleich zeigt jedoch, dass
Musikstücke sehr unterschiedlich interpretiert werden. Auch wenn einige Aspekte von Musik
eine Art universale Sprache zu bilden scheinen, kann man sich in dieser Sprache nicht universal verständigen, weil die jeweiligen kulturellen Muster stark voneinander abweichen. Bei
Grundstimmungen (im Sinne Bollnows) ist die Variation geringer. Werden Trauer und Glück
musikalisch ausgedrückt, schränkt sich die Bandbreite musikalischer Möglichkeiten offenbar
ein, zumindest insofern sie gesellschaftlich sanktioniert sind. Vor dem Hintergrund biographischer Erfahrungen beschäftigte sich Gustav Mahler in seinem Spätwerk mit Alter, Krankheit
und Tod. Die Phänomene sind anthropologische Konstanten und veranlassten den Buddha
dazu, seine metaphysisch-religiöse Lehre zu entwickeln. Ähnlich wie die buddhistische Metaphysik lässt sich auch Mahlers 9. Symphonie deuten: eine zugleich heitere, entschuldigende
und melancholische Absage ans Diesseits. Ist diese Deutung interkulturell verständlich und
annehmbar? Was ist das Besondere an Mahlers Interpretation der Phänomene Alter, Krankheit und Tod? Ist die Interpretation unabhängig von Natur zum einen und von einer bestimmten sozialen Perspektive zum anderen denkbar?" (Autorenreferat)
[312-L] Rhein, Stefanie; Müller, Renate; Calmbach, Marc:
Der soziale Gebrauch von Musik und musikalische Selbstsozialisation: Musiksoziologie
zwischen Klassen- und Individualisierungstheorie, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die
Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4884-4895,
ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Die soziologischen Perspektiven auf Musik als symbolische Form gesellschaftlicher
Praxis sind vielfältig: An die strukturalistische Sicht, die das Umgehen mit Musik als das Resultat von Klassen- oder Schichtzugehörigkeiten auffasst, schließt sich die kulturalistische
These der Reproduktion sozialer Ungleichheitsstrukturen durch den sozialen Gebrauch von
Musik an. Aus individualisierungstheoretischer Perspektive besteht der soziale Gebrauch von
Musik demgegenüber darin, soziale und kulturelle Differenzierungen erst herzustellen. Die
von kulturellen und sozialen Vorgaben frei gesetzten Einzelnen können - und müssen - musikalische Umgehensweisen, Zugehörigkeiten zu Musikkulturen und musikbezogene Identitäten wählen, sich musikalisch selbst sozialisieren. Insofern ist die Frage nach der sozialen Natur der Musik die Frage danach, ob und inwieweit Musik eher als ein Mittel der Reproduktion
alter sozialer Ungleichheiten, als ein Mittel der Produktion neuer sozialer Ungleichheiten
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
191
oder als ein Mittel der Überschreitung gesellschaftlicher Grenzen aufgefasst werden kann.
Auch für eine eher individualisierungstheoretisch ausgerichtete Musiksoziologie stellt sich
somit die Aufgabe, die erweiterten musikbezogenen Handlungsspielräume und Wahlmöglichkeiten auszuloten, d.h. die gewonnenen Gestaltungsmöglichkeiten des Umgehens mit Musik
auf ihre Voraussetzungen und ihre Ressourcengebundenheit zu hinterfragen. Der Beitrag widmet sich der Verortung der Musiksoziologie in dem genannten Spannungsfeld der Ungleichheitsdebatte. Dazu wird das Konzept des sozialen Gebrauchs von Musik zunächst u.a. unter
Rückgriff auf die Theorie Bourdieus konkretisiert. Kontrastierend dazu wird musikalische
Selbstsozialisation als Entscheidungsprozess für soziomusikalische Praktiken dargestellt, der
der soziokulturellen Verortung und somit der Orientierung dient. Konkretisiert werden die
dargelegten theoretischen Erörterungen anhand empirischer musiksoziologischer Befunde."
(Autorenreferat)
[313-L] Rieger, Matthias:
Vom musikalischen Gehör zur akustischen Expertise: über die Verwissenschaftlichung des
Hörens und die Entsinnlichung des Sozialen, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der
Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 5985-5991, ISBN: 978-3593-38440-5
INHALT: "Ende des 19. Jahrhunderts gelang es erstmals, Sprache und Musik auf Walzen zu bannen oder via Kabel von einem Ort zum anderen zu übertragen. Die Erfindung des Fonografen
und des Telefons ermöglichten es, eine Stimme ohne Sprecher und Musik ohne Musiker hörbar - und damit auch denkbar - zu machen. Mit dieser Trennung von Sprechenden und Sprache, Musik und Musizierenden läuteten Edison und Bell eine Ära ein, in der nicht mehr Tradition und Erfahrung, sondern die technogene Synthese und Speicherung von Schall den Rahmen bestimmen, in dem Musik produziert, gehört und erforscht wird. Grundlegend für die
Technologisierung von Musik und Sprache waren die Forschungen des Physiologen Hermann
von Helmholtz. In seiner Lehre von den Tonempfindungen (1863) macht er seinen Lesern
deutlich, dass nicht das musikalische Gehör, auf das Musiker und Gelehrte vertrauten, sondern nur das vom Akustiker gelenkte Ohr hört, was wirklich erklingt. Mit Helmholtz wird das
Ohr des Akustikers und nicht mehr das Gehör des Musikers grundlegend für die musikalische
Forschung und Praxis. Anhand von Briefen, theoretischen Schriften und Nachschlagewerken
lässt sich zeigen, wie seit Helmholtz Hören nicht mehr auf musikalischem Erleben, sondern
auf naturwissenschaftlicher Expertise beruht." (Autorenreferat)
[314-L] Schneider, Beate; Weinacht, Stefan (Hrsg.):
Musikwirtschaft und Medien: Märkte - Unternehmen - Strategien, (Praxisforum
Medienmanagement, Bd. 7), München: R. Fischer 2007, 297 S., ISBN: 978-3-88927-421-2
INHALT: Der Sammelband untersucht aus unterschiedlichen Perspektiven, wie Musikwirtschaft
und Musikmanagement funktionieren und welche Rolle die Massenmedien in diesem Prozess
spielen. Künstler, Produzenten, Labelmanager der verschiedensten operativen Bereiche und
Unternehmenstypen sowie Konzertmanager geben auf der Grundlage langjähriger Berufserfahrungen Einblicke in die Musikproduktion. Chefs von Marketingagenturen, Promotionmanager und Lobbyisten erläutern, wie Musik vermittelt und vermarktet wird. Zu rechtlichen
192
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2.3 Bildende Kunst, Musik
und institutionellen Bedingungen des Musikgeschäfts äußern sich Vertreter des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, der GEMA, der Hitparaden-Macher bei Media
Control/ GfK international und Fachanwälte. Die Sicht der Medien auf Musik und Musikwirtschaft liefern Programmmanager, Redakteure und Marketingchefs von Fernseh-, Radio-, und
Printunternehmen. Abschließend wird ein Überblick über den kommunikationswissenschaftlichen Forschungsstand zur Musikrezeption gegeben. (UN) Inhaltsverzeichnis: Stefan Weinacht, Beate Schneider: Kooperation und Konkurrenz: zum Verhältnis von Musik und Medien
(5-13); Vito C.: Eine Bandgeschichte im Spiegel der Medien (15-24); Mousse T.: Entstehungsgeschichte eines deutschen Erfolgsproduzenten (25-31); Johannes Cordes: Artist-AndRepertoire, Majorlabels und Musikmanagment (33-47); Christian Handke: Indies im Aufwind? Die Krise am Tonträgermarkt und ihr Verteilungseffekt (49-72); Mareile Seifert: Arbeitsbereiche des Musik-Marketing (73-82); Manfred Schütz, Kurt Erping: Herstellung und
Distribution (83-93); Jürgen Reichert: Promotion (95-108); Hartmut Spiesecke: Der Musikmarkt und die Aufgaben der Deutschen Phonoverbände (109-119); Hans-Herwig Geyer: Die
GEMA - eine Verwertungsgesellschaft (121-128); Katharina Berneike, Lena Rohde, Björn
Pitzschke, Stefan Weinacht: Urheberrecht in der Musikwirtschaft (129-145); Kay Speckelsen:
Piraterie und Strafverfolgung (147-160); Ulrike Altig: Die media control Charts (161-169);
Stephan Balzer: Künstler als Werbeträger (171-181); Peter James: Musikexportbüro (183196); Achim Köller: Concertbooking (197-210); Manfred Teubner: Musik-Shows im Fernsehen (211-224); Uli Kniep: Musik, die sich sehen lässt: Formate im Fernsehen (225-236); Magnus von Zitzewitz: Musikvermarktung im Fernsehen (237-246); Lars Peters: Radio und Musik (247-264); Holger Schramm: Wirkungen von Musik (265-297).
[315-L] Schuppener, Georg (Hrsg.):
Sprache des Rechtsextremismus: Spezifika der Sprache rechtsextremistischer Publikationen
und rechter Musik, Leipzig: Ed. Hamouda Wiss.-Verl. 2008, 197 S., ISBN: 978-3-940075-14-7
(Standort: UB Bochum(294)-HYA/9370)
INHALT: "Identitätsstiftung, Selbstdarstellung und Propaganda des Rechtsextremismus erfolgen
im Wesentlichen mit sprachlichen Mitteln. Dennoch hat die Sprache des Rechtsextremismus
bislang noch keine hinreichende Aufmerksamkeit gefunden. Zudem sind sprachliche Codes
oftmals schwerer zu entschlüsseln als beispielsweise grafische Symbole. Aus diesen Gründen
lohnt es sich, die Spezifika der Sprache in rechtsextremen Medien näher zu betrachten. Der
vorliegende Band versammelt Beiträge, die sich dieser Thematik auf sehr unterschiedliche
Weise nähern. Im Zentrum des Interesses stehen dabei vor allem rechtsextreme Fanzines und
Texte rechtsextremer Musik. Die Grundlage der Untersuchungen stellt authentisches Quellenmaterial dar, das außerhalb der rechtsextremen Szene nicht oder nur sehr schwer zugänglich
ist" (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Georg Schuppener: Die Sprache des Rechtsextremismus - Ein lange vernachlässigter Bereich der Forschung - Anstatt eines Vorwortes (9-14);
Katrin Schulz: Einige Gedanken zur Thematik - "Sprache des Rechtsextremismus" (15-17);
Volker Scholz: Rechtsextremismus und Mythologie aus Sicht des Verfassungsschutzes (1825); Juliane Lohmann: Die Sprache des Rechtsextremismus am Beispiel des Fanzines "Sachsens Glanz" (26-38); Maxi Konang: Die Untersuchung der Sprache des Rechtsextremismus
anhand des "Freien Rundbriefs Dresden" (38-49); Gesche Gerdes: Die Sprache im rechtsextremen Fanzine - "Der Foiersturm" (50-58); Laura Hörold: Der Aufbruch #2 (59-77); Marcus
Engert: Sprache des Rechtsextremismus - Merkmalsbestimmung auf der Grundlage der
sprachlichen Analyse von vier sächsischen Magazinen (78-95); Nora-Maria Jakubetz und
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
193
Kristin Narr: Die Mitteldeutsche Jugendzeitung - Vorstellung und sprachliche Analyse (96111); Julia Opitz: Die rechtsextremistische Musikszene im Überblick (112-126); Nadja Ritter:
Inhalte von rechtsextremistischem Liedgut (127-133); Jolien van de Laar: Beziehungen zur
germanischen Mythologie in Liedtexten rechtsextremer Bands (134-140); Christina Bouse:
Sprache der Gewalt und der Fremdenfeindlichkeit in Texten rechtsextremer Musik (141-146);
Florian Sieber: Szeneinterne Skinheadströmungen im Vergleich - Eine Analyse anhand ausgewählter Musikbeispiele (147-162); Kateryna Prasol: Rechtsextremismus in der Ukraine
(163-175); Florian Müller, Mira Sommer und Franziska Thiel: Funktionen der Sprache in
rechtsextremen Medien - Eine Zusammenfassung (176-182).
[316-L] Tessin, Wulf:
Ästhetik des Angenehmen: städtische Freiräume zwischen professioneller Ästhetik und
Laiengeschmack, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2008, 174 S., ISBN: 978-3-531-16082-5
INHALT: Das Buch geht von der These aus, dass das "Angenehme" die zentrale Kategorie für
das rezeptionsästhetische Verhalten der Bevölkerung in städtischen Freiräumen ist: der öffentliche Raum wird in der Regel nicht wie ein Kunstwerk rezipiert bzw. nicht so, wie man
ein Kunstwerk rezipieren sollte, sondern wie ein (hübsches, angenehmes) Gebrauchsgut. Die
Untersuchung versucht, diese These empirisch an bestimmten Freiraumtypen, Personengruppen oder Aufenthaltsanlässen in städtischen Freiräumen zu belegen. Dazu wurden Personen
in den unterschiedlichen Freiräumen beobachtet bzw. befragt, teils aber auch (und ganz bewusst) zu Hause oder an anderen Orten aufgesucht und dort interviewt. Die Arbeit gliedert
sich in vier Bereiche: (1) In einem ersten Teil wird eine kurze Einführung in die Rezeptionsästhetik bzw. in ihre wahrnehmungspsychologischen Grundlagen gegeben. (2) Im zweiten
Teil wird die "Ästhetik des Angenehmen" vorgestellt und in einigen Facetten empirisch überprüft. (3) Im dritten Teil geht es darum, an exemplarischen Beispielen (und auch hier wieder
empirisch) die typischen Unterschiede zwischen der neueren professionellen Ästhetik und
dem Laiengeschmack herauszuarbeiten. (4) In einem Schlusskapitel wird schließlich die Frage untersucht, ob und inwieweit eine rezeptionsästhetisch ausgerichtete Entwurfspraxis in der
Landschaftsarchitektur (wieder) vorstellbar ist. Dabei geht es um ein Plädoyer für eine entsprechende Entwurfshaltung, die das "Angenehme" überhaupt erst einmal als legitimes Ziel
von Landschaftsarchitektur und professioneller Ästhetik anerkennt. (ICA2)
[317-L] Weinacht, Stefan; Scherer, Helmut (Hrsg.):
Wissenschaftliche Perspektiven auf Musik und Medien, (Musik und Medien), Wiesbaden: VS
Verl. für Sozialwiss. 2008, 226 S., ISBN: 978-3-531-15274-5 (Standort: UB Bonn(5)-2008/6997)
INHALT: "Für das boomende Forschungsfeld 'Musik & Medien' beansprucht dieser Band einen
Überblickscharakter. Er ist in die drei Bereiche Musikwirtschaft, Musik als Medieninhalt und
Rezeption von Musik gegliedert. Für jeden dieser Bereiche gibt einer der enthaltenden Beiträge einen Überblick über mögliche Forschungsfragen und den Stand der bisherigen Forschung
(Bsp.: Musik als Medieninhalt in den verschiedenen Gattungen). Der zweite Beitrag greift
beispielhaft einen Vertiefungsbereich heraus (Bsp.: Musikjournalismus). Und der dritte Beitrag stellt eine aktuell bearbeitete Fallstudie dar (Bsp.: Eurovision Song Contest). So sollen
vorhandenes Wissen zusammengetragen und Desiderata benannt werden." (Autorenreferat).
Inhaltsverzeichnis: Stefan Weinacht, Helmut Scherer: "Musik und Medien" auf dem Weg aus
194
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
dem Niemandsland der Disziplinen (7-18); Mike Friedrichsen: Musik im Spannungsfeld von
Wirtschaftsgut und kulturellem Angebot (19-38); Stephan Kaiser, Max Ringlstetter: Die Krise
der Musikindustrie: Diskussion bisheriger und potenzieller Handlungsoptionen (39-56); Michael Becker: Am Anfang war mal das Wort... Aktuelle Trends in der Produktpolitik der Kultur-Radios (57-64); Ines Vogel, Uli Gleich: Music's in the air - and everywhere... Musik als
Teil des Medienangebots (65-84); Gunter Reus: Musikjournalismus - Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Forschung (85-102); Irving Wolther: Mehr als Musik: Die sieben Dimensionen des Eurovision Song Contests (103-118); Holger Schramm: Rezeption und Wirkung von
Musik in den Medien (135-154); Dagmar Hoffmann: "Lost in Music" oder "Musik für eine
andere Wirklichkeit"? Zur Sozialisation Jugendlicher mit Musik und Medien (155-176); Dagmar Unz, Frank Schwab, Jelka Mönch: Filmmusik und Emotionen (177-192); Christoph
Hempel: Visualisierung von Musik (193-206); Holger Schramm, Stefan Weinacht: Musik und
Medien - eine Auswahlbiografie (207-226).
[318-L] Wolther, Irving:
Mehr als Musik: die sieben Dimensionen des "Eurovision Song Contests", in: Karl-Siegbert
Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 4896-4905, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Der Eurovision Song Contest (ESC) ist der weltweit größte internationale Wettbewerb
für populäre Musik und das erfolgreichste Fernsehunterhaltungsprogramm in Europa. Obwohl der ESC ursprünglich das Ziel verfolgte, die Entstehung neuer Lieder zu fördern, handelte es sich doch stets um ein von den Fernsehanstalten inszeniertes Medienereignis, das erst
nachrangig musikökonomischen Zwecken dient. Für das Publikum ist der ESC auf Grund seiner Periodizität, seiner spezifischen Programmstruktur und nicht zuletzt des Zugehörigkeitsgefühls der Zuschauer, das auf Schemata nationaler und kultureller Identifikation beruht, zu
einem hochgradig ritualisierten Medienereignis geworden. Seine Bedeutung geht daher weit
über die eines bloßen Musikwettbewerbs hinaus, und viele Länder nutzen den ESC als Mittel
national-kultureller Repräsentation. Somit bietet die Veranstaltung eine einmalige Möglichkeit zur Gegenüberstellung unterschiedlicher Nutzungsmodelle von Popularmusik für die Präsentation und Konstruktion nationaler Identitäten, da sie bereits in der Anlage auf einen internationalen (und damit interkulturellen) Vergleich von Musik ausgelegt ist. Der Erfolg der
Darbietungen hängt letztlich davon ab, wie die kulturspezifisch geprägten Darstellungsformen von Popmusik mit den Hörgewohnheiten der Zuschauer in anderen Ländern resonieren.
Die Ergebnisse einer Befragung der 36 Delegationsleiter beim 49. Eurovision Song Contest in
Istanbul 2004 bestätigen, dass der ESC eine Fernsehsendung mit einem ausgesprochen hohen
national-kulturellen Repräsentationspotenzial ist, das von den Programmgestaltern erkannt
und aktiv genutzt wird. Sie bestätigen auch die Vorreiter-/ Nachzügler-Theorie von Reinhard
Bendix (1996): Je stärker sich ein Land als 'Nachzügler' gegenüber den demokratischen und
industriellen Standards der westeuropäischen 'Vorreiter' begreifen muss, desto eher wird es
seine national-kulturelle Diversität beim ESC zur Schau stellen, da es in der nationalen Kultur
die Quelle seines künftigen Erfolgs sieht. Ein Ende dieses 'Kampfes der Kulturen' ist nicht abzusehen, da die Aufteilung zwischen Vorreitern und Nachzüglern nicht statisch ist, sondern
einem kontinuierlichen Wandlungsprozess unterliegt." (Autorenreferat)
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.3 Bildende Kunst, Musik
195
[319-L] Zehentreiter, Ferdinand:
"Das höchste Geheimnis der Wissenschaften vom Menschen": Claude Lévi-Strauss'
methodische Huldigung an die Musik, in: Michael Kauppert, Dorett Funcke (Hrsg.): Wirkungen
des wilden Denkens : zur strukturalen Anthropologie von Claude Lévi-Strauss, Frankfurt am
Main: Suhrkamp, 2008, S. 364-380, ISBN: 978-3-518-29492-5
INHALT: Der Beitrag geht der Frage nach, welche Bedeutung die Musik für Levi-Strauss in methodologischer Hinsicht hat. Die Analogien, die Levi-Strauss zwischen Mythos und Musik
sieht, veranlassen ihn einerseits dazu, die Musik als das Erbe des Mythos zu bestimmen, sowie andererseits, die musikalische Analyse für die Mythenanalysen zu nutzen. Dies beleuchtet exemplarisch die mythische Funktion der Musik, die "Modelle eines glückenden Lebens"
konstruiert. Levi-Strauss schreibt: "Nun aber hat für den Menschen jeder mühevolle Weg bewusst oder unbewusst existentielle Anklänge. Der wahre mühevolle Weg, auf den er alle Enttäuschungen bezieht, ist sein Leben selbst mit seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, seinen
Prüfungen und Erfolgen, seinen Erwartungen und Leistungen. Die Musik zeigt ihm das Bild
und zugleich das Schema von ihm, jedoch in Form eines verkleinerten Modells, das diese
Wechselfälle des Schicksals nicht nur nachahmt, sondern auch beschleunigt und in einer kurzen Zeitspanne verdichtet, die das Gedächtnis als ein Ganzes zu erfassen vermag, und das zudem sie zu einem erfolgreichen Abschluss leitet. So könnte man mit Recht sagen, dass die
Musik auf ihre Weise eine Rolle vergleichbar der der Mythologie erfüllt. Als Mythos, der in
Tönen statt in Worten codiert ist, liefert das musikalische Werk ein Entzifferungsraster, eine
Matrix von Beziehungen, welche die erlebte Erfahrung filtert und organisiert, an ihre Stelle
tritt und die heilsame Illusion verschafft, dass Widersprüche überwunden und Schwierigkeiten gelöst werden können". (ICA2)
[320-L] Zehentreiter, Ferdinand:
Die Musik als paradigmatischer Gegenstand der Strukturtheorie des Geistes von Claude
Lévi-Strauss, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des
33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2,
Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 4099-4107, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Der Vortrag versucht, drei Themenkomplexe miteinander zu verbinden: 1. Die theoretische Phasenentwicklung, die Lévi-Strauss zum Gegenstand Musik geführt hat, entlang der
Hauptbereiche: Verwandtschaftssysteme, Zeichenkommunikation bzw. das dialektische Verhältnis von Sprache und Kultur, Denksysteme schriftloser Völker und Mythen. 2. Die sukzessive Zuspitzung einer materialen Theorie des Geistes als leitende Dimension dieser Entwicklung und Hauptgebiet des strukturalistischen Denkens. Die zentrale Bedeutung von Musik für
dieses Denken durch ihre Verklammerung von Geist und Natur. 3. Die innere Spannung von
Romantik und Szientismus im Denken von Lévi-Strauss und ihre Folgen für seinen strukturalen Begriff von Musik." (Autorenreferat)
196
2.4
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.4 Theater, Film, Fotografie
Theater, Film, Fotografie
[321-L] Bergmann, Wolfgang:
Theater im Fernsehen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung Das
Parlament, 2008, H. 42, S. 28-34 (www.bpb.de/files/IEKWKZ.pdf)
INHALT: Das Theater und das Fernsehen sind zwei Medien, die sich elementar voneinander unterscheiden: Das Theater setzt das Live-Erlebnis, die physische Anwesenheit des Publikums
im Zuschauerraum und der Schauspieler auf der Bühne voraus, während das Fernsehen der
berühmten "vierten Wand", der unsichtbaren Wand am Bühnenrand, eine fünfte hinzufügt eine aus Glas, die undurchdringlich ist für die Unmittelbarkeit des Theatererlebnisses. Der
Autor zeigt in seinem Beitrag, dass die Beziehung zwischen Bewegtbildmedien und dem
Theater mit der Erfindung des Films beginnt. Er zeichnet die Entwicklung und den Erfolg des
Theaterfilms in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland nach und beleuchtet die engen Beziehungen zwischen Theater, Film und Fernsehen. Das Bild vom "Sex ohne
Anfassen" ist seiner Meinung nach falsch, wenn es um die Beschreibung der komplexen Zusammenhänge zwischen Bewegtbildmedien und theatralen Ausdrucksformen und deren
wechselseitiger Durchdringung geht. Theater, Film und Fernsehen haben mehr miteinander
zu tun, als manchem Genre-Separatisten lieb ist. (ICI2)
[322-L] Billerbeck, Ulrich:
Der "Fototermin": der Fotoapparat als Fokus der Welterschließung, in: Arbeit und Politik :
Mitteilungsblätter der Akademie für Arbeit und Politik an der Universität Bremen, Jg. 20/2008,
Nr. 33/34, S. 44-51
INHALT: Aller Voraussicht nach, so der Verfasser, wird die Nachfrage nach Fotosafaris weiter
zunehmen: der Boom von Fernreisen ist weltweit, unabhängig von wirtschaftlichen Konjunkturen, ungebrochen. Er könnte sogar zunehmen, da die Sehnsüchte, die die Bewohner grauer
Industrieländer in ferne, bunte Welten treiben, eher stärker werden. Parallel zum steigenden
Erlebnishunger von Touristen sinkt jedoch, so die These, der fotografische Erlebniswert ferner Welten infolge einer weltweiten Ökonomisierung, wie an Tibet zu sehen ist. Diese Entwicklung wird das Interesse der Touristen an einer Fotosafari langfristig mindern. Sieht die
ferne Welt, in die man/frau mit viel Mühe (und Geld) gelangt ist, mehr und mehr so ähnlich
aus wie die, der man/frau wegen des alltäglichen Einerleis gerade entflohen ist, werden das
Zuhause und ferne Welten ununterscheidbar, wird der Begriff des Reisens selbst fragwürdig,
wird er zum Synonym eines bloßen inhaltsleeren Ortswechsels. (ICF2)
[323-L] Davis, Geoffrey V.:
Das Imperium schreibt zurück: postkoloniales Drama, in: Aus Politik und Zeitgeschichte :
Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 2008, H. 42, S. 22-28
(www.bpb.de/files/IEKWKZ.pdf)
INHALT: Der Autor befasst sich mit dem postkolonialen Drama in englischer Sprache, das seiner
Meinung nach zu den bedeutendsten Erscheinungen des zeitgenössischen Theaters zählt. Es
handelt sich um eine Form des Dramas, welche weitgehend politisch ist, sich mit westlichen
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2.4 Theater, Film, Fotografie
197
Texten und Aufführungspraktiken kritisch auseinandersetzt und somit auch zu einer Herausforderung für das herkömmliche westeuropäische Drama wird. Obwohl diese Theaterform
einen erheblichen Einfluss ausübt, wurde sie nach Meinung des Autors von Theaterkritikern
und -wissenschaftlern bisher zu Unrecht vernachlässigt. Er bezeichnet das Drama als "postkolonial", weil er es in Bezug zur imperialistischen Geschichte Großbritanniens, zum kolonialen
System sowie zum Prozess der Entkolonisierung betrachtet. Dabei handelt es sich um Dramen, die sich als Auseinandersetzung mit dem Diskurs der Kolonisation verstehen, sich als
Intervention in gesellschaftliche Verhältnisse gestalten und daher im Wesentlichen politisch
sind. Der Autor thematisiert unter anderem das Bestreben des Dramas, die koloniale Geschichte neu zu interpretieren, sowie das Zusammenwirken europäischer und indigener Theaterformen. (ICI2)
[324-L] Ebell, Kathrin; Heinitz, Frederike; Loenenbach, Anna; Tietke, Fabian:
"Mit 13 Mark 20 die Woche ist die Freiheit nen Dreck wert ...": Film, Theorie und
Prekarisierung, in: Claudio Altenhaun, Anja Danilia, Erik Hildebrandt, Stefan Kausch,
Annekathrin Müller, Tobias Roscher (Hrsg.): Von "Neuer Unterschicht" und Prekariat :
gesellschaftliche Verhältnisse und Kategorien im Umbruch ; kritische Perspektiven auf aktuelle
Debatten, Bielefeld: transcript Verl., 2008, S. 183-194, ISBN: 978-3-8376-1000-0
INHALT: Die Autoren zeigen anhand von drei ausgewählten Filmbeispielen, was der Film als
Medium für eine Theoretisierung politischer Vorgänge leisten kann. Der Film bietet ihrer
Meinung nach die Möglichkeit, Beispiele von Arbeitskämpfen und Widerstandsformen auch
jenseits von Streiks sichtbar zu machen. Da die vorgestellten Filme "Kuhle Wampe oder
Wem gehört die Welt?" (1931/32), "Eine Prämie für Irene" (1971) und "Waldmeister" (2007)
in unterschiedlichen historischen Kontexten die Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Protagonisten an den Rändern des Normalarbeitsverhältnisses thematisieren, lassen sich Schnittmengen zwischen den dargestellten Verhältnissen und den derzeitigen Debatten um Prekarisierung erkennen. Die Autoren zeigen, wie die Filme jeweils spezifische Praktiken von Arbeitskämpfen erzählerisch aufgreifen und wie sich einerseits im Film reale Widerstandsformen repräsentieren lassen und andererseits, wie mittels des kritischen Impetus filmischer Medien durch agitativ eingesetzte Bilder "die Gedanken zum Tanzen" gebracht werden können.
(ICI2)
[325-L] Engel, Lis:
The dance of the now: poetics of everyday human movement, in: Forum Qualitative
Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Vol. 9/2008, No. 2, 16 S.
(nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802355)
INHALT: "Gestaltung und Körperlichkeit, Subjektivität und Kultur. Zu deren Verständnis bemüht die Verfasserin einen Körperlichkeit berücksichtigenden und auf Erfahrung beruhenden,
phänomenologischen Ansatz. Auf welche Weise sind Körperlichkeit, als Ausführung expressiver Formen, und kulturelle Identität verflochten? Wie werden Intersubjektivität und Kultur
durch das Leben produziert? Hierzu werden lebendige Körperbilder aus einer ästhetisch-phänomenologischen Perspektive analysiert, die diese als inter-subjektives, 'schwingendes' Feld
versteht, das eine erfahrungsbasierte Annäherung an Bewegung im Sinne eines dynamischen
198
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2.4 Theater, Film, Fotografie
Daseinsrepertoires eröffnet. Diese werden als alltägliche Geschehnisse rekonstruiert, die im
Tanz des Präsenz ausgedrückt werden." (Autorenreferat)
[326-L] Filk, Christian; Ruchatz, Jens:
Frühe Film- und Mediensoziologie: Emilie Altenlohs Studie "Zur Soziologie des Kino" von
1914, (Veröffentlichungen des Forschungsschwerpunkts Massenmedien und Kommunikation an
der Gesamthochschule Siegen, 164/165), Siegen: Univ.-Verl. Siegen 2007, 102 S. (Standort: UB
Bonn(5)-2007/4500)
INHALT: Die Verfasser behandeln Altenlohs Studie "Zur Soziologie des Kino" als "Diskursereignis der Medienbeobachtung". Ihre Re-Lektüre des Textes von 1914 zeigt, dass Altenloh
das Verhältnis von gesellschaftlicher Differenzierung und Medienkonsum ebenso behandelt
wie sie Kino im Sinne einer Film- und Mediensoziologie avant la lettre als Ort der Gemeinschaftsstiftung und soziale Institution in der Industriegesellschaft vorstellt. Produktion wie
Rezeption des neuen Mediums Film zeugen für Altenloh gleichermaßen von der industriellen
Moderne. Die historische Bedeutung von Altenlohs Studie auf methodologischer Ebene sehen
die Verfasser in der Vermittlung zwischen qualitativem und quantitativem Zugriff. Schwerpunkte in Altenlohs Studie sind die industrielle Produktion von Unterhaltung, der moderne
Mensch im Kino sowie Arbeit, Freizeit und gesellschaftliche Einheit. Eine Auswahlbiographie Emilie Kiep-Altenlohs ist beigefügt. (ICE2)
[327-L] Friedrich, Kathrin:
Film. Killing. Gender: Weiblichkeit und Gewalt im zeitgenössischen Hollywoodfilm,
Marburg: Tectum Verl. 2008, 164 S., ISBN: 978-3-8288-9562-1 (Standort: UB Köln(38)35A5986)
INHALT: "Von Rachsucht und einer neuen Kaltblütigkeit angetriebene Frauen bevölkern in jüngerer Zeit die Kinoleinwände. Gewalt wird dabei in enger Weise mit der Geschlechtskonstruktion verschränkt, aber auch als Spektakel' ausgestellt. Die Autorin untersucht anhand der
Filme Kill Bill Vol. I/II sowie Monster und Domino, inwiefern die Protagonistinnen in ihrer
Gewalttätigkeit als 'weiblich' gekennzeichnet werden und ob darin Potentiale zur Durchbrechung traditioneller Geschlechterbilder liegen. Die detaillierten Filmanalysen sind eingebettet
in einen theoretischen Kontext aus postfeministischen Grundannahmen, Überlegungen zum
Gewaltbegriff und der Verbindung dieser durch ein Bricolage-Konzept." (Autorenreferat)
[328-L] Kaczmarek, Jerzy:
Soziologischer Film - theoretische und praktische Aspekte, in: Forum Qualitative
Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Vol. 9/2008, No. 3, 12 S.
(nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0803343)
INHALT: "Der Artikel beschäftigt sich mit einem neuen Begriff in der visuellen Soziologie, dem
soziologischen Film. Er ist definiert als autonome wissenschaftliche Arbeit, die soziale Wirklichkeit mithilfe soziologischen Wissens analysiert. Es werden die charakteristischen Merkmale und eine Typologie des soziologischen Films dargestellt. Analysiert wird auch der spezifische soziale Prozess des Filmens, in dem die Kamera einen Einfluss auf das Verhalten der
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2.4 Theater, Film, Fotografie
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gefilmten Personen ausübt. Einen integralen Teil des Artikels bilden drei beigefügte Filme als
Beispiele für verschiedene Kategorien soziologischer Filme." (Autorenreferat)
[329-L] Kröner, Stephan; Lüdtke, Oliver; Maaz, Kai; Trautwein, Ulrich; Köller, Olaf:
Wer geht ins Theater?: künstlerisches Interesse und Offenheit für Erfahrung als
Prädiktoren für Veränderungen kultureller Partizipation in der Emerging Adulthood, in:
Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie : Organ der Fachgruppen
Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie (DGPs), Jg. 40/2008, H. 2, S. 100-110 (Standort: USB Köln(38)-XB132; Kopie über
den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In welcher Wechselwirkung stehen die Persönlichkeitsmerkmale Offenheit als Big
Five-Faktor und künstlerisches Interesse als Faktor des RIASEC-Modells sowie die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten bei jungen Erwachsenen im Übergang von Sekundarstufe II in
das Studium bzw. in die berufliche Erstausbildung? Bei Kontrolle des sozialen Hintergrundes
und unter Bezugnahme auf Selbstselektions- und Sozialisationsmodelle wurden diese Fragen
anhand der zu zwei Messzeitpunkten erhobenen Daten von N=2204 jungen Erwachsenen untersucht. Zu Messzeitpunkt 1 am Ende der Sekundarstufe II zeigten sich Zusammenhänge
zwischen sozialem Hintergrund, Offenheit, künstlerischem Interesse und kulturellen Aktivitäten. Darüber hinaus fanden sich bei Kontrolle von sozialem Hintergrund neben hohen Stabilitäten der erhobenen Variablen Effekte von Offenheit und künstlerischem Interesse zu Messzeitpunkt 1 auf kulturelle Aktivitäten zu Messzeitpunkt 2. Die Befunde belegen die besondere
Bedeutung der Persönlichkeit in Übergangsphasen." (Autorenreferat)
[330-L] Mädler, Kathrin:
Broken men: sentimentale Melodramen der Männlichkeit - Krisen von Gender und Genre
im zeitgenössischen Hollywood-Film, Marburg: Schüren 2008, 335 S., ISBN: 978-3-89472-6218 (Standort: SLUB Dresden (14)-AP47950M184)
INHALT: "Gibt es eine Krise der Männlichkeit und wie zeigt sie sich in aktuellen HollywoodFilmen? Die Autorin greift in ihrem Buch Überlegungen zu diesem Thema auf und stellt anhand der Analyse der Filme 'American Beauty', 'The Shipping News', 'Magnolia', 'Mystic River' und 'Boys Don't Cry' die Konstruktion und Dekonstruktion von Männlichkeit und Gender
im Genre des Melodramas dar. Die Grenzen zwischen den Geschlechtern verwischen zusehends. Männlichkeit als performatives Konstrukt tritt an Stelle des weiblichen Subjekts in den
Identitätskonflikt im Melodrama ein. Männlichkeit wird daher immer öfter zum Diskussionsgegenstand. Diese Problemstellungen werden in den angeführten Hollywoodfilmen thematisiert und spiegeln so die tatsächliche gesellschaftliche Aktualität des Themas wieder." (Autorenreferat)
[331-L] Moldenhauer, Benjamin:
Die Befreiung der Klassenkörper: Wunsch und Untergangsphantasie in James Camerons
"Titanic", in: Arbeit und Politik : Mitteilungsblätter der Akademie für Arbeit und Politik an der
Universität Bremen, Jg. 20/2008, Nr. 33/34, S. 14-23
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INHALT: Form und Größe des Körpers sind, so der Verfasser, nicht allein biologisch determiniert, sondern Effekte der Sozialisation des Körpers, welche wiederum von der Klassenzugehörigkeit abhängt, von der Position also, die ein Mensch im sozialen Raum einnimmt. Auch
und vor allem die Körperhaltung, die Art, in der jemand steht, geht, isst oder jemandem die
Hand schüttelt, ist abhängig von sozialer Prägung und Erziehung. Es wird argumentiert, dass
jeder Klassenkörper eine klassenspezifische Sehnsucht hat. Somit sind die Körper der anderen immer auch Projektionsflächen. Der wahrgenommene Mangel - das, was der eigene Körper aufgrund der Klassensozialisation nicht sein darf oder nicht sein kann: stark und ungehemmt oder fein und ästhetisiert oder gelockert und befreit - ist das Einfallstor für die Wünsche und Phantasmen, die die Wahrnehmung der realen klassenspezifischen Unterschiede der
Körper verzerren und erotisch aufladen. In der Welt der Titanic kann, so die These, die Klassenzugehörigkeit ohne weiteres abgestreift werden, sie ist nicht mehr als ein überkommenes
Zeichen einer alten, zum Untergang verdammten Welt. In diesem Sinne spielt der Film mit
dem "democratic desire" des Publikums, dem Wunsch nach einer klassenlosen Gesellschaft,
der sich nicht in einem politischen Diskurs artikuliert, sondern auf der Ebene des Imaginären
und der Phantasie. (ICF2)
[332-L] Moldenhauer, Benjamin:
On rules and monsters: Essays zu Horror, Film und Gesellschaft, Hamburg: Argument-Verl.
2008, 191 S., ISBN: 978-3-88619-472-8 (Standort: UB Bonn(5)-20086332)
INHALT: Inhaltsverzeichnis: Benjamin Moldenhauer, Christoph Spehr, Jörg Windszus: Law of
the Dead. 10 Thesen zum modernen Horrorfilm (6-19); Udo Franke-Penski: Kettensägen,
Lust und Toleranz. Zur Konsumierbarkeit von Horrorfiktionen (20-41); Dieter Wiene: Pleasure, Pain and Puberty. Die Schmerzen und Freuden des Aufwachsens im Buffyverse (42-59);
Benjamin Moldenhauer: Teenage Nightmares. Jugend und Gewalt im modernen Horrorfilm
(60-83); Jakob Schmidt: Vom Entsetzen, einen Körper zu haben. Das bedrohte Ich in George
A. Romeros Zombiefilmen (84-99); Verena Kuni: Un-Ordnung schaffen. Das Labor als Ort
der Transgression (100-121); Tim Schomacker: Im Innern ein lebhaftes Bild. Über Inszenierungen von Angst - ein Brief (122-135); Dietrich Kuhlbrodt: Idealerweise Nazihorror. Blutige
Exzesse im Führerbunker (136-145); Linnie Blake: "Everyone will suffer" - national identity
and the spirit of subaltern vengeance in Nakata Hideo's 'Ringu' and Gore Verbinski's 'The
Ring' (146-171); Uche Nduka: Horror and the African tradition. Two frames (172-173); Christoph Spehr: Honeycomb World. Gesellschaft und Utopie im zeitgenössischen Horrorfilm
(174-187).
[333-L] Radojevic, Nadja:
Der Film in Europa und die europäische Integration: das Medium Film und die European
Film Awards im Kontext der Herausbildung einer postmodernen europäischen Identität,
Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2008, 99 S., ISBN: 978-3-8364-6993-7 (Standort: UB
Konstanz(352)-tff714r12)
INHALT: "Die europäische Union wächst wirtschaftlich immer mehr zusammen, doch jenseits
der Ökonomie scheint das Konstrukt Europa bei seinen Bürgern wenig Akzeptanz zu finden.
Der Prozess der europäischen Integration steht noch am Anfang. Das Buch geht der Frage
nach, welchen Beitrag das Medium Film im Prozess der europäischen Integration und der
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Herausbildung einer europäischen Identität leisten kann. Die Autorin erarbeitet die kulturtheoretischen Grundlagen dieser Thematik und definiert eine postmoderne europäische Identität, die sich durch den steten Dialog der Vielfalt konstituiert. In diesem Kontext werden die
jährlich verliehenen European Film Awards als Instrument zur Filmförderung auf europäischer Ebene und hinsichtlich ihres möglichen Beitrags für die Herausbildung einer solchen
postmodernen europäischen Identität untersucht." (Autorenreferat)
[334-L] Schechner, Richard:
Ritual und Theater: Rekonstruktion von Verhalten, in: Andrea Belliger, David J. Krieger
(Hrsg.) - 4. Aufl.: Ritualtheorien : ein einführendes Handbuch, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss., 2008, S. 413-431, ISBN: 978-3-531-16109-9
INHALT: Der Beitrag bringt den Begriff des "rekodierten Verhaltens" ein, der als lebendiges
Verhalten "wie in einem Streifen Film" bezeichnet wird. Rekodiertes Verhalten findet sich in
allen Arten von Aufführungen: Beschriebene Handlungen, bekannte Texte und festgelegte
Bewegungen werden dabei als vom Darsteller getrennt verstanden. In einer Bezugnahme auf
den britischen Psychoanalytiker D.W. Winnicott wird das Konzept des "Übergangsobjektes"
und von "Ich und Nicht-Ich" aufgegriffen. Es wird schließlich dargelegt, dass viele Menschen
eine weltweite kulturelle Monokultur befürchten, die als schädlich eingeschätzt wird: Vielmehr sollte ein variierender "Kulturpool" erhalten werden. Rekodierung von Verhalten wird
dabei als ein wichtiger Baustein begriffen, um diesen Kulturpool zu erhalten, kulturelle Formen in eine Weltkultur einzufügen - und dabei doch vielschichtige und einzigartige Elemente
verschiedener Kulturen zu erhalten. (ICB)
[335-L] Schmidtke, Adrian:
"Sportstudentin beim Diskuswurf": die Konstruktion des Frauenkörpers in der Fotografie
des Nationalsozialismus, in: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social
Research, Vol. 9/2008, No. 2, 21 S. (nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802152)
INHALT: "Fotografien waren zur Zeit des Nationalsozialismus ein wesentliches Machtinstrument, welches sowohl der propagandistischen Inszenierung von Idealtypen, als auch der Lenkung der visuellen Wahrnehmung diente. Anhand von historischen Fotografien untersucht der
Artikel mittels ikonografisch-ikonologischer und serieller Fotoanalysen die Genese der jeweiligen Idealtypen am Beispiel des Frauenbildes und zeigt dabei Brüche und Ambivalenzen bei
der Darstellung auf." (Autorenreferat)
[336-L] Schmidtke, Oliver:
Zur soziologischen Interpretation ästhetischer Ausdrucksgestalten:
Architekturdarstellungen in Hitchcocks 'North by Northwest', in: Karl-Siegbert Rehberg
(Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl.,
2008, S. 5837-5845, ISBN: 978-3-593-38440-5
INHALT: "Architektur gehört unbezweifelbar zu den ästhetischen Ausdrucksgestalten. Wenn
man die Analyse von ästhetischen Gebilden bei der Rekonstruktion von sozialer Praxis für re-
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levant hält, ist auch die Architektur ein interessanter Gegenstand. Ästhetik wird jedoch in der
Moderne wesentlich auf die autonome Kunst bezogen. Die Interpretation von ästhetischen
Ausdrucksgestalten führt in der Soziologie ein Schattendasein. Sie wird eher als das Geschäft
der Geisteswissenschaften betrachtet, während es die Kultursoziologie vermeintlich nur mit
der Einbettung von Werken in einen ihnen äußerlichen Zusammenhang zu tun hat oder aber
statistische Untersuchungen vollzogen werden, in deren Rahmen der komplexe Sinngehalt ästhetischer Werke kaum angemessen berücksichtigt werden kann. Der Sinngehalt der Ausdrucksgestalten von Kunstwerken lässt sich nur hermeneutisch rekonstruieren. Dies bedeutet,
dass der Einzelfall im Zentrum auch der soziologischen Analyse stehen muss. Dabei kann
man es sich zu Nutze machen, dass der Künstler in seinem Werk selbst eine Interpretation gesellschaftlicher Verhältnisse leistet und verdichtet gestaltet. Diese kunstsoziologischen Überlegungen sollen auf die Analyse von Architektur übertragen werden. Dabei ist zu beachten,
dass sich die Architektur grundlegend von der autonomen Kunst unterscheidet. Sie realisiert
keine selbstgenügsamen Kunstwerke, sondern ästhetische Gebilde, die einerseits bestimmten
praktischen und technischen Funktionen dienen müssen. Andererseits stehen die Werke der
Architektur nicht für sich selbst, sondern repräsentieren die in ihr beheimatete Praxis. Dies
muss die Analyse der Ästhetik von Architektur berücksichtigen. Die Ästhetik der Architektur
ist nicht selbstgenügsam, wie die eines Gemäldes, sondern ist immer der ästhetische Ausdruck der Abgrenzung eines Innen von einem Außen sowie der Darstellung der Privatheit einer Praxis in der Öffentlichkeit einer Siedlung. Somit unterscheiden sich - bei aller Gemeinsamkeit - soziologische Kunstwerkanalyse und Architekturinterpretation grundlegend voneinander. Im Vortrag soll es darum gehen, diesen Unterschied genauer auszuleuchten und am
Beispiel einer exemplarischen Gebäudeanalyse herauszuarbeiten." (Autorenreferat)
[337-L] Schneider, Thomas:
Der 11. September 2001 im amerikanischen Kino: zur filmischen Verarbeitung eines
kollektiven Traumas, Marburg: Tectum Verl. 2008, 149 S., ISBN: 978-3-8288-9655-0 (Standort:
UB Bielefeld(361)-15/WU875/S359)
INHALT: "Die Terroranschläge von New York und Washington am 11. September 2001 sorgten
aufgrund ihres enormen Zerstörungspotenzials für weltweite Bestürzung. Für die amerikanische Bevölkerung war dieser Angriff besonders schockierend und brannte sich als kollektives
Trauma in die Volksseele ein. Entsprechend heftig wurde das Ereignis in den darauf folgenden Monaten diskutiert. Ob Fernsehen, Radio oder Zeitung, überall bemühten sich Journalisten um eine Deutung des Geschehens. Auch die Filmindustrie entdeckte den 11. September
für sich und produzierte mit zeitlicher Verzögerung diverse Spielfilme über das Ereignis. Auf
diese Weise entstand in kurzer Zeit sogar ein eigenständiges Genre, das sich bewusst mit den
Anschlägen und deren Verarbeitung befasst. Thomas Schneider beleuchtet dieses Phänomen
der 11.-September-Filme und liefert eine Bestandsaufnahme aller bisherigen Produktionen.
Dabei beantwortet er nicht nur die Frage, wie der 11. September im amerikanischen Spielfilm
inszeniert wird, sondern überprüft außerdem mithilfe der Ritualtheorie, wie die Filme der
amerikanischen Gesellschaft bei der Verarbeitung ihres Traumas helfen." (Autorenreferat)
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[338-L] Schößler, Franziska:
Politisches Theater nach 1945, in: Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung
Das Parlament, 2008, H. 42, S. 16-22 (www.bpb.de/files/IEKWKZ.pdf)
INHALT: Ein politisches Theater irritiert eingespielte, automatisierte Rezeptionsformen, es bricht
mit Erwartungen und stellt vorhandene Normalitäten in Frage. Die Wirklichkeit unmöglich zu
machen bzw. ihre Gewaltförmigkeit und ihre Ausschlüsse sichtbar, und umgekehrt das Unmögliche als utopischen Horizont aufscheinen zu lassen - so lautete das Programm des politischen Theaters nach 1945, wie die Autorin in ihrem Beitrag näher zeigt. Sie stellt drei verschiedene Spielarten des politischen Theaters nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor:
die "Theaterrevolution" auf den Westbühnen der 1960er Jahre, das DDR-Theater mit Bertolt
Brechts Konzept des "eingreifenden Denkens" sowie die Bemühungen um ein repolitisiertes
Theater. Die historische Skizze der Autorin verdeutlicht, dass ein politisches Theater vor allem den Auftrag hat, die Norm zu stören, zu unterbrechen und die gewaltvollen Ausgrenzungen sichtbar zu machen, welche die Normalität erst produzieren. Ein politisches Theater zielt
letztlich auf das Unmögliche, zum Beispiel auf die Utopie einer solidarischen Gesellschaft,
die zunehmend in unerreichbare Ferne zu rücken droht. (ICI2)
[339-F] Schroer, Markus, Priv.Doz. Dr. (Bearbeitung):
Soziologie des Visuellen/ Soziologie des Films
INHALT: Es ist mittlerweile zum Allgemeinplatz geworden, unsere Gesellschaft als eine stark visuell orientierte Gesellschaft zu beschreiben. Die Soziologie scheint davon aber insgesamt
nur wenig Notiz genommen zu haben. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle untersucht
die Soziologie textliche Repräsentationen der Gesellschaft und nicht bildliche. Es sind aber
gerade die bildlichen Repräsentationen, die im zunehmenden Maße bestimmen, wie die Gesellschaft über sich selbst nachdenkt. Deshalb gilt es im Sinne einer visuellen Soziologie (wie
sie etwa von Norman K. Denzin, Uwe Flick, Hans-Georg Soeffner oder Jürgen Raab zu konstituieren versucht wird), sich stärker als bisher den optischen Repräsentationen zuzuwenden.
Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage: Wer fotografiert/ filmt wen? Konnte man bis in die
jüngste Vergangenheit von einem Machtgefälle ausgehen, das beispielsweise Eltern und Kolonialherren so selbstverständlich zu Fotografen machte wie es Kinder und Eingeborene zu
Fotografierten machte, so erleben wir heute ein Aufbrechen dieses Gefälles. Nicht zuletzt
durch die Zunahme von Digitalkameras und Fotohandys steigt nicht nur die Anzahl der Bildproduktion, vielmehr fällt auch die starre Einteilung in Fotografen und Fotografierte und damit die von Beobachtern und Beobachteten. Heute beobachtet, fotografiert und filmt gewissermaßen jeder jeden. Darüber hinaus ist ebenso die Frage zentral: Wer fotografiert was?
Schon in Bourdieus "Die feinen Unterschiede" und seinen Schriften zur "illegitimen Kunst"
der Fotografie wird deutlich, dass die gleichen Objekte sehr unterschiedlich fotografiert werden, je nachdem, ob es sich bei den Fotografen um Männer oder Frauen, junge oder alte Menschen usw. handelt. Zu den visuellen Formen und Artefakten, in denen eine Gesellschaft sich
darstellt, gehört auch der Film. Beim Film haben wir es mit einem Medium zu tun, das bisher
noch viel zu wenig in die empirische Sozialforschung einbezogen wird. Dabei handelt es sich
bei Filmen um eine bestimmte Deutung von Wirklichkeit. An Filmen lässt sich ablesen, wie
kulturelle Erfahrungen wie Krieg, Drogenmissbrauch, Liebe, Familie, Arbeit, Geburt, Kindheit und Tod reflektiert werden. Dabei werden Vergleiche zwischen unterschiedlichen Ländern möglich, denen sich womöglich die gleichen Themen stellen, ohne dass sie deshalb auch
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in der gleichen Manier behandelt werden. Anbieten würde sich eine Verknüpfung mit dem
Thema Grenze, Grenzkonflikte, Wahrnehmung von Grenzen usw. hinsichtlich der Frage: Wie
werden Grenzen im Film thematisiert? Welche Bedeutungen werden ihnen zugeschrieben?
Die visuelle Soziologie ist zum einen gleichsam theoretisch als empirisches Verfahren zu entwickeln, zum anderen aber auch selbst hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen empirisch zu erproben.
ART: AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Technische Universität Darmstadt, FB 02 Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, Institut für Soziologie Prof.Dr. Martina Löw (Residenzschloss, 64283 Darmstadt)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 06151-163266, Fax: 06151-166035,
e-mail: [email protected])
[340-L] Schroer, Markus (Hrsg.):
Gesellschaft im Film, (Wissen und Studium : Sozialwissenschaften), Konstanz: UVK Verl.-Ges.
2007, 397 S., ISBN: 978-3-89669-684-7
INHALT: "Der Film gilt als Leitmedium unserer Zeit, spielt in der Soziologie jedoch eine eher
marginale Rolle. Dabei sind Filme längst nicht nur zum zentralen Bestandteil des Alltagslebens avanciert, vielmehr eröffnen sie auch Einblicke in die Verfassung und den Wandel sozialer Wirklichkeit. In Beiträgen über Architektur, Stadt, Familie, Gewalt, Geschlecht, Sexualität, Körper, Jugend, Medien, Politik, Sport, Sterben, Tod, Überwachung, Utopie, Wissenschaft und Wohnen im Film überprüfen die Autoren, wie das filmische Nachdenken über Gesellschaft zur Quelle soziologischer Erkenntnis gemacht werden kann." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Markus Schroer: Einleitung: Die Soziologie und der Film (7-13); Alexa M.
Kunz, Bernhard Schäfers: Architektur und Stadt im Film (14-48); Markus Schroer: Beobachten und Überwachen im Film (49-86); Thies Albers, Matthias Grundmann: Familie im Film Die Familie im filmischen Wandel (87-110); Jörg Metelmann: Gewalt im Film (111-128);
Udo Göttlich: Jugend und Jugendlichkeit im Film (129-147); Lothar Mikos: Medien im Film
(148-170); Jürgen Raab, Hans-Georg Soeffner: Politik im Film. Über die Präsentation der
Macht und die Macht der Präsentation (171-198); Dagmar Hoffmann: Sexualität, Körper und
Geschlecht im Film (198-229); Robert Gugutzer: Sport im Film (230-263); Stephan Moebius,
Tina Weber: Tod im Film. Beitrag über die mediale Repräsentation des Todes (264-308); Sebastian Nestler, Rainer Winter: Utopie im Film (309-332); Peter Weingart: Wissenschaft im
Spielfilm (333-355); Thomas Düllo: Wohnen im Film (356-392).
[341-L] Schulze, Brigitte:
Kino im interkulturellen Kontext, (Interkulturelle Bibliothek, Bd. 56), Nordhausen: Bautz 2008,
140 S., ISBN: 978-3-88309-227-0 (Standort: ThULB Jena(27)-2008A3030)
INHALT: Die Verfasserin behandelt Dimensionen kultureller Globalisierung am Beispiel des Kinos. Sie fragt nach sozio-historischen und theoretischen Dimensionen von Interkulturalität in
der Postmoderne Indiens und Europas und verbindet in ihren hermeneutisch-buddhistischen
Reflexionen über Kino im interkulturellen Kontext Bekanntes und Fremdes, Unbekanntes und
Vertrautes, Gemeinsames und Trennendes zwischen Philosophie und Kino in ihren jeweiligen
Suchbewegungen nach dem Menschen. Starre Perspektiven auf gewaltsam wie friedlich verlaufende Begegnungen zwischen Angehörigen verschiedener Nationalkulturen werden in ih-
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rer Konstruiertheit gezeigt, sozio-historisch kontextualisiert und mobilisiert. Im Mittelpunkt
des Buches stehen somit Sinnlichkeit, Emotionalität, Ethik und ganzheitliches Menschsein.
(ICE2)
[342-L] Weber, Tina:
Codierungen des Todes: Zusammenhänge von filmischen Inszenierungen des Todes und
kulturellen Umgangsformen mit dem Tod, in: Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Die Natur der
Gesellschaft : Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008, S. 3485-3494, ISBN: 978-3593-38440-5
INHALT: "Der Tod, so der Befund von Aries, (1986) verliert seine gesellschaftliche Bedeutung
im Zuge von Säkularisierungs- und Modernisierungsprozessen und findet im öffentlichen Leben keinen Platz mehr, da er in funktionalisierte Bereiche wie etwa der Medizin oder den
Rechtswissenschaften abgeschoben und kaum noch wahrgenommen wird. (vgl. Hahn, 1976)
Diese These blieb nicht unkritisiert (vgl. Feldmann, 1977), gleichwohl kann nicht bestritten
werden, dass das konkrete Sterben dem alltäglichen Anblick entzogen scheint. Dennoch liegen für bestimmte Fernsehprogramme in den USA bereits Untersuchungen vor, in denen festgestellt werden konnte, dass innerhalb dreier Jahrzehnte (70-90er Jahre) die Themen Tod und
Sterben mit einer steigenden Verwissenschaftlichung, Offenheit und 'Tiefe' dargestellt wurden. (vgl. McIllwain, 2005) Die Ergebnisse zeigen eine Zunahme der Todesdarstellung und
der Kontextualisierung von Todeserfahrungen sowie individueller und kollektiver Trauerarbeit. Seit 2000 treten jedoch besonders Serien hervor, die die Toten nicht nur als Ausgangspunkt für Ermittlungen betrachten. Das Besondere an diesen Serien ist die explizite Fokussierung auf den Tod, tote Körper und das Sterben. Die Toten stehen im Mittelpunkt, körperliche
Zeugenaussagen und thanatologische Maßnahmen bestimmen die Szenerie. Diese neuartigen
Serien sind u.a. Six Feet Under (SFU), Crime Scene Investigation (CSI Las Vegas und Spin
offs), Medical Detectives, Crossing Jordan oder Autopsy. Mit Ausnahme von Six Feet Under
konzentrieren sich die Serien auf Verbrechen, wobei die Leiche meistens im Mittelpunkt der
Spurensuche steht. Detaillierte Untersuchungen auf Spuren am toten Körper oder das Nachstellen des Tatherganges und des konkreten Sterbemoments bezeugen die Spurensuche. Six
Feet Under hingegen zeigt das Leben einer amerikanischen Durchschnittsfamilie, die ein Bestattungsgeschäft besitzt. Das Promotionsprojekt befasst sich mit der aktuellen amerikanischen TV Serie Six Feet Under und setzt sich mit den filmischen Inszenierungen von toten
Körpern auseinander. Welche Codes vom toten Körper werden vorausgesetzt bzw. welche
vorhandenen Codes von toten Körpern werden vom Film aufgegriffen, mit filmischen Codes
generiert und erweitert? Welche gesellschaftlichen Symptomatiken im Umgang mit dem Tod
lassen sich aus der filmischen Inszenierung von Toten ableiten?" (Autorenreferat)
[343-L] Winter, Rainer; Niederer, Elisabeth (Hrsg.):
Ethnographie, Kino und Interpretation - die performative Wende der Sozialwissenschaften,
(Cultural studies, Bd. 30), Bielefeld: transcript Verl. 2008, 295 S., ISBN: 978-3-89942-903-9
INHALT: "Norman K. Denzin hat in den letzten Jahrzehnten entschieden dazu beigetragen, dass
sich unser Verständnis von qualitativer Forschung und auch von Soziologie erheblich verändert hat. Zum einen hat er gezeigt, dass erst eine Abwendung von (post-)positivistischen Kri-
206
soFid Kultursoziologie + Kunstsoziologie 2009/1
2.4 Theater, Film, Fotografie
terien deutlich macht, dass im Zentrum jeder Art von sozialwissenschaftlicher Forschung die
Interpretation steht, die gerade nicht formalisierbar ist, sondern unter ästhetischen Perspektiven beschrieben werden kann. Die Interpretation ist aber nicht nur eine Kunst, sondern hat
auch immer politische Implikationen. Denzin dekonstruiert die Logiken traditioneller Sozialforschung und zeigt, wie sie in interpretative Gemeinschaften eingebunden sind, deren verborgene kulturelle Grundlagen er explizit macht. Zum anderen demonstriert er, wie mit qualitativen Methoden (z.B. der interpretativen Biographieforschung oder der Performance-Ethnographie) nicht nur Gesellschaftskritik geübt werden kann, sondern auch die Möglichkeit zum
radikaldemokratischen Handeln eröffnet wird. An die Stelle der traditionellen Soziologie soll
so eine neue Sozialwissenschaft treten, die sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst ist.
Der Reader versammelt - in deutscher Erstübersetzung - die wichtigsten Texte von Norman
K. Denzin zur Begründung einer neuen qualitativen Sozialforschung, so zur performativen
Wende der Sozialwissenschaften, zur Performance-Ethnographie, zum reflexiven Interview,
zur Geburt der Kinogesellschaft und zum Rassismus im zeitgenössischen Hollywood-Kino."
(Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Norman K. Denzin: Programmatische Ansprache des
Vorsitzenden: Ein neuer Blick auf C. Wright Mills' "The Sociological Imagination" (11-48);
Harold und Agnes: Eine feministische narrative Dekonstruktion (49-87); Die Geburt der Kinogesellschaft (89-136) Das reflexive Interview und eine performative Sozialwissenschaft
(137-168); Ein Plädoyer für die performative Dimension (169-202); Lesen und Schreiben als
performativer Akt (203-238); Rassendarstellungen auf der Leinwand (239-270); Rainer Winter und Elisabeth Niederer: Die poststrukturalistische Transformation der Soziologie - Zur
kritischen Analyse der Gegenwart im Werk von Norman K. Denzin (271-290).
Register
207
Hinweise zur Registerbenutzung
Sachregister
Grundlage für das Sachregister sind die Schlagwörter, die zur gezielten Suche der Literatur- bzw.
Forschungsnachweise in unseren Datenbanken SOFIS und SOLIS vergeben wurden.
Um eine differenzierte Suche zu ermöglichen, werden dabei nicht nur die Haupt-, sondern auch
Nebenaspekte der Arbeiten verschlagwortet.
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Manche Begriffe machen erst in Verbindung mit anderen Sinn oder wechseln ihren Sinn in Abhängigkeit vom jeweiligen Zusammenhang.
●
Solche Zusammenhänge gehen aber bei einem einstufigen Register typischerweise verloren.
Vermeintliche Fehleintragungen gehen fast immer aufs Konto eines dieser beiden Effekte, die sich
bei der maschinellen Registererstellung grundsätzlich nicht vermeiden lassen.
Personenregister
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bei Literaturnachweisen: alle aktiv an dem Werk beteiligten Personen;
●
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(„Autoren“) eines Projekts angegebenen Personen.
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Register.
Sortierung
Die Sortierung folgt den lexikalischen Regeln, d.h. Umlaute werden wie der Grundbuchstabe sortiert. Numerische Angaben (z.B. „19. Jahrhundert“) sind ganz ans Ende sortiert, also hinter Buchstabe Z.
Nummerierung
Alle in den Registern angegebenen Zahlen beziehen sich auf die laufenden Nummern der Literatur- und Forschungsnachweise.
Personenregister
209
Personenregister
A
Aicher, Mona 217
Albert, Gert 35
Amiri, Shahrsad 52
Arenhövel, Mark 154
Artus, Ingrid 210
B
Baberowski, Jörg 53
Bachleitner, Reinhard 140, 283
Bachner, Henrik 186
Baecker, Dirk 1
Balasopoulos, Antonis 54
Balkowski, Anna-Linda 171
Balla, Bálint 2
Banse, Gerhard 227
Barfuss, Thomas 3
Baringhorst, Sigrid 237
Bayer, Waltraud 119
Beck, Stefan 26, 97
Beckenbach, Niels 55
Behr, Michael 211
Belafi, Matthias 169
Benthin, Rainer 212, 213, 215
Berg, Karen van den 260, 269
Berger, Sven 141
Berglund, Sten 188
Bergmann, Jana 171, 172
Bergmann, Wolfgang 321
Berndt, Christian 4
Berzins, Ivars 120
Bethmann, Stephanie 274
Bienfait, Agathe 35
Billerbeck, Ulrich 322
Bilsky, Wolfgang 80
Binder, Beate 98
Bishara, Nina 228
Blasius, Jörg 88
Böhnisch, Lothar 148
Bohrmann, Thomas 229
Böning, Holger 284
Börger, Angela 121
Braune-Steininger, Wolfgang 122
Breit, Heiko 28
Brettschneider, Jenny 214
Breuer, Dieter 42
Brinkmann, Ulrich 212, 213, 215
Brunotte, Ulrike 43
Bruter, Michael 155
Burri, Regula Valérie 261
Burzan, Nicole 5
Butler, Sarah 99
C
Calmbach, Marc 312
Cepl-Kaufmann, Gertrude 42
Cerci, Meral 81
Cetin, Eda 172
Cevasco, Maria Elisa 56
Cox, Fiona 57
D
Dauss, Markus 285
Davis, Geoffrey V. 323
Dehnel, Regine 262
Delitz, Heike 6
Demont-Heinrich, Christof
Diawara, Mamadou 114
Diaz-Bone, Rainer 7
Döbner, Heidemarie 156
Dolata, Ulrich 286, 287
Dörre, Klaus 215
Dorscheid, Sabine 123
Douglas, Mary 100
Dreher, Jochen 30, 101
Dreyer, Ursula 288
Dubin, Boris 187
DuBois, Inke 157
Dücker, Burckhard 102
Düllo, Thomas 36
230
E
Ebell, Kathrin 324
Eder, Klaus 8, 158
Ehs, Tamara 159
Eickelpasch, Rolf 58
Eisenstadt, Shmuel N. 9
Ekman, Joakim 188
Emmerich-Fritsche, Angelika
Engel, Lis 325
59
210
Engel, Thomas 211
Engelbert, Arthur 142
Erdemir, Pinar 245
Erp, Stephan van 60
F
Faber, Richard 10
Fahlenbach, Kathrin 61
Fehervary, Helen 124
Figueroa-Dreher, Silvana 289
Figueroa-Dreher, Silvana K. 290
Filk, Christian 326
Fischer, Bernd 124
Fischer, Norbert 103
Fischer, Peter 11
Fowler, Bridget 12
Freitag, Gabriele 263
Fricke, Werner 216
Friedrich, Kathrin 327
Friedrich, Malte 291
Funcke, Dorett 106
G
Gabriel, Karl 62
Ganser, Alexandra 243
Gebesmair, Andreas 292
Gebhardt, Bettina 293
Geertz, Clifford 104
Geißel, Brigitte 189
Gembris, Heiner 294
Gephart, Werner 275
Gerber, Gerold 18
Gerdsen, Peter 13
Gerigk, Horst-Jürgen 295
Gerlich, Peter 160
Gogodze, Nino 172
Gosewinkel, Dieter 190
Graudenz, Ines 28
Green, David A. 191
Gropp, Eckhard 296
Grosser, Alfred 161
H
Haak, Carroll 264
Haarmann, Harald 63
Hagedorn, Jörg 82
Haltern, Ulrich 14
Hanshew, Kenneth 162
Harcourt, Wendy 231
Personenregister
Hardin, Richard F. 276
Harrasser, Karin 15
Hauser, Frank 217
Hausschild, Thomas 105
Heider, Jan 44
Heinitz, Frederike 324
Helbig, Adriana 297
Herbert, Ulrich 116
Herrmann, Sebastian M. 64
Herrschaft, Felicia 298
Heßler, Martina 125
Hillebrandt, Frank 16
Hinz, Andreas 211
Hofer, Manfred 143
Hoffmann, Dagmar 232, 299
Höpel, Thomas 126
Hörnle, Tatjana 163
Horstmann, Birte 223
Hübner, Kerstin 144
Hüneke, Andreas 127
I
Isenberg, Hans-Georg
Isensee, Josef 164
Ittstein, Daniel 128
288
J
Jäckel, Michael 233
Jaeger, Friedrich 192
Jerman, Tina 265
Jesse, Eckhard 193
Joas, Hans 192
Johler, Reinhard 17
Jones, John Miller 309
Jordan, Peter 165
Jungbluth, Konstanze 166
Junge, Kay 18
Jürgens, Tom 45
K
Kaase, Max 194
Kacharava, Tea 172
Kaczmarek, Jerzy 328
Kaelble, Hartmut 53
Kagan, Sacha 266
Kagelmann, H. Jürgen 140
Kanzler, Katja 64
Karenovics, Ilja 234
Kauppert, Michael 106, 107
Personenregister
Käuser, Andreas 235
Kehl, Christoph 26
Kettner, Matthias 1
Khapaeva, Dina 277
Kinnebrock, Susanne 236
Kirchberg, Volker 266
Kittel, Manfred 195
Klausa, Ekkehard 167
Klein, Gabriele 145, 300
Kleinsteuber, Hans J. 129
Klimke, Martin 61
Klitzing, Isabel von 267
Kneip, Veronika 237
Knieper, Thomas 236
Koch, Lars 65
Koenen, Anne 64
Koenen, Elmar J. 301
Kohl, Karl-Heinz 108
Kohler, Georg 19
Koivisto, Juha 3
Köller, Olaf 329
Koloss, Hans-Joachim 109
Konersmann, Ralf 66
Kotthoff, Hermann 218
Kramer, Stephan 247
Krell, Gertraude 168
Kremp, Werner 302
Krienke, Markus 169
Kröll, Tobias 67
Kröner, Stephan 329
Kümmel-Schnur, Albert 238
Künzler, Daniel 303
Kurt, Ronald 304, 305
Kusmierz, Zoe A. 64
Küsters, Ivonne 268
L
Landkammer, Joachim 269
Lange, Andreas 239
Langemeyer, Ines 3
Langenohl, Andreas 68, 219
Lauenburg, Frank 83
Laukötter, Anja 110
Lecke, Mirja 306
Leistyna, Pepi 20
Leontidou, Lila 196
Lewinski-Reuter, Verena 220
Lichtenegger, Theresa-Maria 156
Lidia, Guzy 307
211
Lindemann, Gesa 111
Lindner, Rolf 69
Liu, Haifang 130
Loenenbach, Anna 324
Loewy, Hanno 240
Löffler, Bernhard 46
Lorig, Wolfgang H. 197
Lucas, Rainer 221
Lüddemann, Stefan 220
Ludes, Peter 247
Lüdtke, Oliver 329
M
Maaz, Kai 329
Mackenthun, Gesa 54
Mädler, Kathrin 330
Maehler, Débora 170, 171, 172
Mai, Manfred 233
Maissen, Thomas 177
Makarova, Elena 173
Makropoulos, Michael 131, 241
Marchart, Oliver 21
Maurer, Michael 47
Mayer, Franz C. 198
McRobbie, Angela 242
Meierkord, Christiane 166
Meifert, Matthias 222
Menzel, Birgit 84
Meuser, Michael 145
Meyer, Thomas 174, 175
Meyer-Renschhausen, Elisabeth 48
Meyerrose, Anja 85
Mittag, Jürgen 132
Moebius, Stephan 22, 23, 112
Moldenhauer, Benjamin 331, 332
Möller, Kurt 86
Morikawa, Takemitsu 24
Moser, Johannes 113
Mrozek, Bodo 87
Mühlichen, Andreas 88
Müller, Hans-Peter 70, 89
Müller, Renate 312
Müller-Doohm, Stefan 19
Müller-Schneider, Thomas 71, 90
Musner, Lutz 25, 69
N
Nauck, Bernhard 176
Näumann, Klaus 304
212
Personenregister
Neyer, Jürgen 199
Nida-Rümelin, Julian 208
Niederer, Elisabeth 343
Niewöhner, Jörg 26
Nöth, Winfried 228, 247
Nünning, Ansgar 27
Nünning, Vera 27
Rohr, Elisabeth 149
Röschenthaler, Ute 114
Roth-Ebner, Caroline E. 246
Ruchatz, Jens 326
Rust, Rebekka 115
Rustchky, Michael 278
Rutten, Ellen 279
O
Oesterdiekhoff, Georg W. 49, 72
Oettler, Anika 200
Opaschowski, Host W. 91
S
Sackmann, Sonja A. 223
Sánchez de la Barquera Arroyo, Herminio
133
Santaella, Lucia 247
Saxer, Antoinette 177
Schäfer, Gerd 34
Schäfer, Hilmar 308
Schanze, Wolfgang 134
Scharloth, Joachim 61
Schauer, Thomas 248
Schechner, Richard 334
Scheele, Alexandra 224
Scheiper, Petra 94
Scherer, Helmut 317
Scherstjanoi, Elke 135
Schierl, Thomas 249
Schiffauer, Werner 95
Schildberg, Cäcilie 178
Schilling, Elisabeth 50, 75
Schissler, Jakob 202
Schmid, Sebastian 143
Schmid, Ulrich 84
Schmidbauer, Wolfgang 147
Schmidt, Axel 299
Schmidt, Siegfried J. 250
Schmidt-Denter, Ulrich 170, 171, 172
Schmidt-Hannisa, Hanz-Walter 57
Schmidtke, Adrian 335
Schmidtke, Oliver 336
Schmieding, Leonard 64
Schneider, Beate 314
Schneider, Thomas 337
Schnettler, Bernt 30, 76
Schölzig, Krista 136
Schönhagen, Philomen 255
Schönherr-Mann, Hans-Martin 77
Schößler, Franziska 338
Schrage, Dominik 137
Schramm, Michael 225
Schreuer, Mynda 283
P
Paul, Heike 243
Pelka, Anna 92
Pfadenhauer, Michaela 30
Plath, Ingrid 28
Pohlmann, Markus 29
Pöhls, Katharina 171, 172
Pott, Andreas 146
Pranz, Sebastian 244
Preuss, Ulrich K. 201
Prinz, Sophia 308
Pühl, Harald 147
Pütz, Robert 4
R
Raab, Josef 73
Raab, Jürgen 30
Radchenko, Tatiana 171
Rademacher, Claudia 58
Radojevic, Nadja 333
Ramos Lobato, Philipp 58
Rath, Matthias 245
Raussert, Wilfried 309
Rautenberg, Michael 148
Reckwitz, Andreas 22, 31, 32, 270
Redepenning, Dorothea 310
Rehbein, Boike 311
Reichardt, Sven 93
Reiche, Reimut 33
Rhein, Stefanie 312
Riedmann, Sylvia 15
Riedmüller, Barbara 168
Rieger, Matthias 313
Rindermann, Heiner 72
Roberts, Brian 271
Robertson-von Trotha, Caroline Y. 74
Personenregister
Schriewer, Jürgen 53
Schroer, Markus 339, 340
Schröter, Jens 238
Schubert, Andreas 217
Schulze, Brigitte 341
Schuppener, Georg 315
Schuppert, Gunnar Folke 190
Schwan, Gesine 203
Schwier, Jürgen 150
Scott, Alan 15
Seidler, Christoph 116
Sieben, Barbara 168
Siebeneichner, Tilmann 204
Siegert, Paul Ferdinand 251
Sigmund, Steffen 35
Simmons, Lucian J. 267
Sirakov, David 302
Skuballa, Irene 172
Srubar, Helena 252
Stachura, Mateusz 35
Stagl, Justin 78
Stampfl, Inka 128
Standke, Jan 36
Starek, Jana 179
Staubmann, Helmut 37
Steger, Thomas 226
Stegmaier, Peter 30
Stiegler, Bernd 272
Stratmann, Lutz 138
Strehle, Samuel 253, 254
Stuppy, Anika 172
Suber, Daniel 18, 180
Szabo, Sacha 253
T
Tafreshi, Agnes 228
Tessin, Wulf 316
Theisen, Heinz 181
Theunert, Helga 239
Tietke, Fabian 324
Tillmann, Angela 148
Tommek, Heribert 280
Trautwein, Ulrich 329
Trebbe, Joachim 255
Tschofen, Bernhard 17
Tsimpouki, Theodora 54
Türk, Johannes 281
213
U
Überall, Frank
205
V
Veelken, Ludger 182
Verstricht, Lea 60
Vinnai, Gerhard 151
Vinz, Dagmar 168
Volkmann, Uwe 183
Vollmer, Frank 207
Vorholt, Udo 174
Vorlaufer, Johannes 152
W
Wagner, Alexandra 218
Wang, Georgette 256
Weber, Tina 342
Wegener, Claudia 257
Wehinger, Brunhilde 51
Weidenfeld, Werner 184
Weinacht, Stefan 314, 317
Werber, Niels 273
Wettich, Jana 117
Wetzel, Dietmar J. 38
Willems, Herbert 39, 258
Wimmer, Kathrin 208
Winkelmann, Christine 185
Winter, Rainer 343
Wirrer, Jan 73
Wirth, Uwe 40
Witsch, Monika 41
Wittek, Bernd 79
Wittmann, Frank 259
Wolfrum, Edgar 209
Wolther, Irving 318
Wortmann, Sabine 96
Wostrak, Annette 139
Z
Zakharine, Dmitri 118
Zehentreiter, Ferdinand 319, 320
Ziege, Eva-Maria 10
Zifonun, Darius 153
Zimmer, Matthias 282
Zimmermann, Clemens 125
Zivkovic, Ilija 143
Sachregister
215
Sachregister
A
abhängig Beschäftigter 264
Abstraktion 244
abweichendes Verhalten 39
Adoleszenz 149
Adorno, T. 10, 19, 37, 40, 52, 152, 235
Affektivität 52, 308, 316
Afghanistan 53
Afrika 51, 74, 100, 109, 114, 115, 130,
166, 231, 259, 303, 309, 332
Afrika südlich der Sahara 74, 100, 109,
114, 115, 166, 259, 303
AIDS 114
Akkulturation 157, 170, 171, 172, 173,
176
Akkumulation 25
Akkumulationstheorie 25
Akteur 7, 23, 67, 111, 118, 208, 211, 220,
225, 227, 234, 258, 262, 286, 332
Akustik 313
Alltag 76, 114, 142, 187, 229, 239, 244,
257, 296, 300
Alltagsbewusstsein 67, 244
Alltagskultur 93, 175, 229, 240, 291
Alltagswissen 175
Altenheim 294
Alter 90, 117, 168, 294, 311
alter Mensch 117, 294
Altern 294
Alterskrankheit 26, 294
Altersstruktur 264
Amateur 148
Ambivalenz 64
Amerikanisierung 64, 65, 124
amtliche Statistik 81
Andenraum 166, 200
anglophones Afrika 115, 303
Anthropologie 97, 100, 101, 106, 107,
110, 111, 168, 235, 319
antiautoritäre Erziehung 85
Antikapitalismus 20, 54
Antike 2, 36
Antimilitarismus 288
Antisemitismus 186
Araber 96
arabische Länder 53, 231
Arbeit 213, 298
Arbeiterklasse 324
Arbeitnehmer 212, 216, 226, 264
Arbeitnehmerbeteiligung 216
Arbeitnehmervertretung 264
Arbeitsbedingungen 218, 324
Arbeitsgesellschaft 69
Arbeitskampf 324
Arbeitslosenversicherung 264
Arbeitslosigkeit 264
Arbeitsmarkt 73, 264
Arbeitsmigration 75, 117, 166
Arbeitsplatz 217
Arbeitsplatzsicherung 222
Arbeitssituation 211, 218
Arbeitsverhältnis 324
Arbeitswelt 218
Arbeitszeitflexibilität 224
Arbeitszufriedenheit 211, 217
Archäologie 254
Architekt 6
Architektur 6, 131, 145, 285, 308, 336
ARD 129
Arendt, H. 77
Argumentation 67
Armut 58, 69
Artefakt 6
Arzneimittel 26
Asien 9, 24, 53, 108, 128, 130, 182, 185,
186, 231, 245, 247, 256, 302, 305,
332, 341
Assimilation 159, 173, 176
Ästhetik 19, 32, 37, 100, 103, 241, 261,
270, 280, 291, 298, 300, 308, 316,
325, 332, 336
Attentat 337
Aufklärungszeitalter 10, 51
Aufmerksamkeit 221, 280
Ausgaben 126
Ausland 166
Ausländer 159, 171, 172, 255
Ausländerfeindlichkeit 315
Außenpolitik 122, 129, 130, 302
Aussteiger 86
216
Ausstellung 99, 110, 127, 260, 272, 283
Austromarxismus 15
auswärtige Kulturpolitik 122, 124, 128,
134
Authentizität 93, 250
Autonomie 14, 169, 273
Autor 280
autoritäre Erziehung 10
Avantgarde 55, 280
B
Baltikum 120, 189, 263
Bank 218
Bankgewerbe 57, 219
Barbarei 53
Baudrillard, J. 254
Beck, U. 274
Bedarf 294
Befragung 5
Begleitmedium 97
Behaviorismus 79
Belastung 140
Belegschaft 210
Belgien 42
Belletristik 278
Berger, P. 101
Berichterstattung 230, 249
beruflicher Aufstieg 218
Berufsbild 269
berufstätige Frau 214, 264
Berufsverband 264
Berufsverlauf 214
Besatzungsmacht 267
Beschäftigungssystem 264
Besucher 283
Beteiligung 216, 226, 232
Betrieb 212, 215, 220, 222, 223, 224
Betriebsklima 211
Betriebsrat 210, 212, 226
Bevölkerung 91, 188, 337
Bewusstsein 18, 63
Bezugsperson 257
Bibliothek 126, 262, 263
Bild 33, 106, 236, 247, 260, 261, 273,
288, 332
bildende Kunst 264, 283, 288
Bildung 41, 74, 90, 142, 294
Bildungsangebot 144
Bildungsideal 79
Sachregister
Bildungsniveau 79, 144, 283
Bildungspolitik 79, 126, 128
Bildungswesen 173
Binnenwanderung 166
Biographie 71, 79, 265, 298, 343
Biopolitik 26
Bloch, E. 77
Boulevardisierung 249
Bourdieu, P. 7, 12, 16, 22, 25, 67, 88, 106,
242, 312, 331
Brasilien 56, 228, 247
Brecht, B. 275
Buber, M. 9
Buchhandel 36
Buddhismus 311
Bulgarien 189
Bundeskanzler 236
Bürger 89, 155, 189, 196, 220
Bürgerbeteiligung 184
Bürgerkrieg 180, 288
bürgerliche Gesellschaft 32
Bürgerrecht 51, 74, 170
bürgerschaftliches Engagement 54, 220
Bürgertum 35
C
Cassirer, E. 14, 40, 41, 77, 180
Chancengleichheit 89, 214
Charisma 35, 55
Chat 227
chemische Industrie 217, 218
Chile 166
China 53, 130, 185, 247, 256, 302
Christentum 105, 164, 169, 174, 175, 181
Comic 240
Computer 144, 227
Computerspiel 234, 244
computervermittelte Kommunikation 227,
232, 233, 251
Comte, A. 49
Corporate Citizenship 121
Corporate Identity 156, 210
Cultural Studies Approach 4, 15, 21, 29,
54, 137, 259, 308
D
Daily Soap 229
Dänemark 189
Datenaufbereitung
265, 287
Sachregister
DDR
64, 87, 92, 135, 209, 284, 302, 321,
338
Definition 16, 40, 44, 47, 71, 210, 222,
296
Dekonstruktivismus 22, 31, 32, 38, 106,
272, 343
deliberative Demokratie 199
demographische Alterung 168
demographische Faktoren 171, 172
Demokratie 28, 74, 155, 178, 184, 189,
191, 196, 197, 199, 203, 227
Demokratieverständnis 188, 189
Demokratische Republik Kongo 100
Demokratisierung 174, 190, 199, 212,
216, 331
Derrida, J. 22, 31, 38, 40, 106, 272, 308
Despotie 177
Deutscher 45, 50, 157
deutscher Sprachraum 36
Deutsches Kaiserreich 285
deutsche Sprache 122
Deutsches Reich 42, 125
Deutsche Welle 129
Deutschland 51, 73, 116, 275
Deutschnationale Volkspartei 195
Dezentralisation 9
Diagnose 52
Dialektik 10, 19
Dialog 9, 216
Dichtung 278, 280
Dienstleistungsgesellschaft 239
Dienstleistungsunternehmen 212, 226
Dilthey, W. 40
Diplomatie 122, 130
Diskothek 279
Diskriminanzanalyse 168
Diskriminierung 168, 186, 214
Diskussion 33, 91, 193, 273, 312
Distinktion 7, 90, 131
Dorf 114
Drama 281, 282, 323
Drittes Reich 116, 127, 240, 262, 263,
267, 335
Dritte Welt 62
Durkheim, E. 9, 49, 112, 270, 275
DVD 141
E
Ehre
105, 282
217
Eigentumsdelikt 262
Eigentumsrecht 263
Einbürgerung 170, 171, 172
Einfluss 12, 33, 170, 204, 208, 277
Einschulung 102
Einwanderung 73, 98, 157, 171, 172
Electronic Government 74
elektronische Medien 237
Elfenbeinküste 114
Elias, N. 12, 49, 52
Elite 189
Eltern 144
Eltern-Kind-Beziehung 185
E-Mail 227, 251
Emanzipation 52, 92
Emergenz 107
Emigration 310
Emotionalität 18, 37, 52, 148, 250, 311,
317, 322, 341
Empathie 322
empirische Forschung 5, 17, 97
empirische Sozialforschung 30, 298, 325
englische Sprache 230
Enkulturation 173
Enteignung 119, 262, 267
Entgrenzung 196, 308
Entkolonialisierung 323
Entscheidung 143, 194
Entscheidungsprozess 223
Entwicklungsland 53, 56, 58, 74, 100, 108,
109, 114, 115, 128, 130, 133, 166,
182, 185, 200, 228, 231, 245, 247,
256, 259, 302, 303, 305, 309, 341
Entwicklungspsychologie 28, 72, 294
Erfindung 313
Erfolg-Misserfolg 226
Eritrea 74
Erkenntnis 298, 341
Erkenntnisinteresse 34
Erkenntnistheorie 106
Erlebnisgesellschaft 147, 221, 296
Ernährung 48
Ernährungswissenschaft 48
Erster Weltkrieg 42
Erzählung 158
Erziehung 90, 126
Erziehungswissenschaft 28
Essverhalten 48
ESVP 165
218
Ethik 10, 19, 54, 91, 225, 232, 341, 343
ethnische Beziehungen 73, 163, 168, 183,
200
ethnische Gruppe 100, 255
ethnische Struktur 200
Ethnizität 168
Ethnographie 97, 99, 259, 343
Ethnologie 98, 113, 114, 116
EU 18, 154, 155, 160, 162, 165, 174, 175,
179, 181, 212
EU-Beitritt 162, 179, 199
EU-Erweiterung 162, 165, 179, 181, 184
EU-Politik 132, 165, 169
Europa 42, 51, 53, 57, 64, 74, 84, 98, 118,
132, 154, 155, 158, 162, 164, 169,
174, 177, 188, 190, 192, 196, 197,
199, 201, 209, 252, 262, 279, 295,
300, 305, 306, 310, 318, 333, 341
Europäer 155, 160, 162, 165, 174, 178,
179
europäische Identität 35, 132, 155, 160,
162, 165, 169, 174, 175, 177, 178,
179, 184, 188, 197, 275, 333
europäische Institution 184
europäische Integration 132, 162, 165,
178, 179, 188, 333
Europäisierung 113, 169, 179, 190, 198,
209
Europaparlament 184
Europapolitik 132, 174, 184
EU-Staat 179, 197
Event 147, 221
Evolution 49, 63, 71, 72, 158
Evolutionstheorie 273
Exklusion 22, 58, 69, 145, 299
Experte 81, 198, 313, 316
Export 141, 306
F
Fachkraft 218
familiale Sozialisation 331
Familie 106, 114, 331, 340
Familie-Beruf 264
Familienpolitik 217
Fan 150, 246, 257
Faschismus 207
Feldforschung 99, 113
Feldtheorie 39
Feminismus 73, 242, 243, 327
Sachregister
Fernsehen 60, 65, 88, 141, 144, 148, 227,
229, 238, 242, 243, 245, 246, 252,
255, 256, 292, 296, 299, 318, 321
Fernsehproduktion 253, 318
Fernsehprogramm 252
Fernsehsendung 141, 245, 246, 247, 317,
318
Fernsehserie 229, 252, 342
Figuration 39, 258
Film 54, 57, 113, 227, 228, 243, 252, 272,
321, 324, 326, 327, 328, 330, 332,
333, 334, 337, 339, 340, 341, 342,
343
Filmforschung 54, 328, 334
Filmmusik 124, 310, 317
Finanzmarkt 219
Finanzpolitik 136
Finanzwirtschaft 219
Finnland 125, 189
Flüchtling 81, 114
Föderalismus 133
Folklore 73
Förderungsmaßnahme 123, 136, 138
Förderungsprogramm 123
Forschung 111, 176, 206, 271, 298, 313
Forschungsansatz 18, 21, 28, 30, 34, 46,
89, 98, 100, 176, 194, 195, 271, 289,
298, 343
Forschungsergebnis 313
Forschungsgegenstand 17, 34, 103, 194
Forschungsprozess 97
Forschungsstand 30, 46, 72, 194, 195, 226
Forstwirtschaft 100
Fotograf 322, 339
Fotografie 236, 322, 335, 339
Foucault, M. 10, 22, 40, 106, 112, 308
frankophones Afrika 100, 109, 114, 259,
303
Frankreich 7, 23, 42, 51, 126, 137, 166,
189, 197, 203, 275
Französische Revolution 178
Frau 48, 92, 99, 115, 214, 224, 236, 242,
298, 335
Frauenbewegung 242
Frauenbild 148, 185, 214, 242, 243, 335
Frauenförderung 224
Frauenpolitik 74
Freiheit 19, 60, 74, 161, 177, 190, 201,
297, 331
Sachregister
Freizeit 64, 143, 144, 147, 152
Freizeitangebot 141
Freizeitorientierung 144
Freizeitsektor 141
Freizeitverhalten 143, 294
Fremdbild 24, 53, 156, 160, 177, 187
Fremdheit 177, 228
Freud, S. 19, 40, 49, 52
Frieden 91
Friedensbewegung 54, 284
Fromm, E. 52
frühe Neuzeit 125, 177
Führer 253
Führungskraft 211, 214, 217
Führungsstil 211, 217
Fundamentalismus 159
funktionale Differenzierung 14, 69, 153,
183, 308
Funktionsträger 208
Fußball 145, 148, 150, 151
G
Gadamer, H. 77
Geburt 78
Gedächtnis 26, 27, 53, 154
Gefühlsarbeit 52
Gegendarstellung 254
Geheimbund 109, 115
Gehirn 107
Gehlen, A. 235
geistige Behinderung 26, 294
Gemeinwohl 205
Gender Mainstreaming 206, 214, 224
Generation 70, 85, 203
generatives Verhalten 70
Genre 330
Geographie 4
Geopolitik 130
Gerechtigkeit 74, 190
Germanistik 73, 122
Geschichtsbewusstsein 200
Geschichtsbild 169, 193, 200
Geschichtswissenschaft 11, 34, 46, 192,
195
Geschlecht 15, 21, 144, 212, 224, 253,
327, 330, 340
Geschlechterforschung 98
Geschlechterverhältnis 83, 224, 243
Geschlechtsrolle 43, 214, 236, 243, 299
219
geschlechtsspezifische Faktoren 58, 94,
144, 145, 214, 236, 243, 257, 327
Gesellschaft 3, 6, 8, 14, 22, 28, 44, 57, 58,
66, 69, 70, 71, 73, 76, 91, 92, 101,
106, 108, 111, 112, 145, 146, 153,
163, 180, 183, 197, 214, 219, 233,
241, 248, 266, 269, 273, 285, 290,
301, 308, 312, 319, 332, 336, 339,
340
gesellschaftliches Bewusstsein 197
Gesellschaftskritik 58, 66, 68, 278, 343
Gesellschaftsordnung 70, 104
Gesellschaftstheorie 21, 37, 152
Gesetz 167
Gesundheit 168, 294
Gesundheitsfürsorge 217
Gesundheitswesen 35, 217
Gewalt 12, 55, 105, 148, 204, 288, 315,
327, 332, 340
Gewaltbereitschaft 87
Gewerkschaft 216, 218, 226, 264
Glaube 60, 163
Glaubensfreiheit 163
Gleichbehandlung 168, 179
Gleichstellung 212, 224
Globalisierung 18, 56, 62, 64, 75, 145,
148, 149, 168, 182, 230, 245, 247,
256, 292, 309, 341
Global Player 75
Globalsteuerung 74
Glück 71
Goethe, J. 57, 275
Gouvernementalität 10, 29
Governance 190, 198, 225
Graffiti 253, 254
Großbritannien 15, 57, 118, 125, 132, 137,
166, 189, 191, 238, 265, 323
Großmacht 187, 282
Großveranstaltung 147
Grundbegriff 31, 37
Grundrecht 74, 161
Grünfläche 140
Guatemala 200
H
Habermas, J. 10, 77, 193
Handlungsorientierung 6, 161, 219, 239,
277, 282, 286, 298
Handlungsspielraum 6, 71, 290, 312
220
Handlungstheorie 6, 22, 23, 28, 107, 289,
304
Harmonisierung 322
Hauptstadt 132, 139
Hedonismus 81
Heidegger, M. 77, 152
Heimat 98, 185
Hermeneutik 10, 27, 82
Herrschaftsapparat 135
Hessen 202
Hierarchie 198, 322
Historiker 34, 193
historische Sozialforschung 11
Historismus 27
Hobbes, T. 10, 282
Hochschule 67, 160
Holismus 23, 97
homo oeconomicus 225
Homosexualität 96
Hören 313
Hörer 313
Hörfunk 238, 292, 296, 317
Hörfunkprogramm 317
Horkheimer, M. 10
Horrorfilm 332
Humanisierung der Arbeit 216
Humanismus 252
Humanität 288
Humanwissenschaft 107
Huntington, S. 62
Husserl, E. 101
Hygiene 48
I
Idealtypus 335
Ideengeschichte 35, 54
Identifikation 52, 79, 95, 151, 167, 170,
246, 257
Identität 4, 15, 21, 31, 61, 63, 79, 114,
142, 149, 156, 157, 158, 161, 166,
167, 169, 170, 177, 181, 202, 218,
243, 246, 250, 257, 299, 309, 310,
312, 330
Identitätsbildung 21, 35, 94, 95, 132, 149,
156, 158, 161, 166, 169, 181, 185,
225, 246, 250, 280
Ideologie 3, 29, 67, 119, 127, 186, 209
Ideologiekritik 67
IG Metall 216
Sachregister
immaterielles Wirtschaftsgut 119, 263, 267
Imperialismus 53
Import 84, 141, 234, 279
Indien 128, 182, 305, 341
indigene Völker 100, 108, 200
Individualismus 52, 59, 201
Individualität 290, 312
Individualkommunikation 232
Individuum 24, 71, 173, 176, 271, 305,
312
Indonesien 185
Industrialisierung 44, 119
Industrie 42, 211
Industriegesellschaft 326
industrielle Beziehungen 210, 211
informelle Struktur 46
Inhaltsanalyse 5
Inklusion 145, 299
Innovationsfähigkeit 70, 108, 211
Innovationspotential 70
Institutionalisierung 68, 89, 119, 190, 198
institutionelle Faktoren 126, 264
Institutionstheorie 176
Instrumentalisierung 85, 127, 297
Inszenierung 61, 82, 86, 148, 150, 232,
246, 260, 275, 291, 300, 321, 342
Integrationsbereitschaft 95
Integrationspolitik 95
Integrationsstrategie 95
Integrationstheorie 23
Intellektueller 6, 55, 67, 68, 124, 158
Intelligenz 35, 72
Intention 111
Interaktion 239, 244
interaktive Medien 258
Interdisziplinarität 97
Interessenpolitik 210, 212
interkulturelle Erziehung 41
interkulturelle Faktoren 36, 41, 79, 81,
118, 181, 265, 304, 341
interkulturelle Kommunikation 13, 79, 81,
122, 142, 181, 265
interkulturelle Kompetenz 79, 81, 265
interkultureller Vergleich 11, 50, 80, 92,
118, 126, 141, 216, 228, 247, 305,
311, 318
internationale Beziehungen 116, 122, 130,
199, 206
internationaler Wettbewerb 318
Sachregister
internationales Abkommen 59
internationale Zusammenarbeit 231
Internationalisierung 98, 173, 292
Internet 36, 82, 144, 150, 227, 231, 232,
233, 251, 258, 286, 287, 297
Intersubjektivität 325
Interview 343
Investition 176
Iran 302
Islam 95, 105, 159, 175
Israel 9, 186
Italien 125, 140, 207
Italiener 207
J
Japan 24, 332
Jaspers, K. 77
Jazz 289, 290, 307, 309
Jonas, H. 77
Journalismus 259, 317
Jude 267
Judentum 105, 186
Judenverfolgung 240
Jugend 82, 83, 85, 144, 173, 332, 340
Jugendarbeit 95
Jugendaustausch 134
Jugendbewegung 87
Jugendkultur 21, 64, 82, 83, 86, 87, 90,
92, 94, 150, 239, 299, 302, 303
Jugendlicher 80, 82, 83, 86, 87, 90, 92,
94, 96, 114, 143, 150, 173, 239, 245,
246, 257, 293, 299, 303, 315
Jugoslawien 64
junger Erwachsener 94, 329
K
Kamerun 109
Kampagne 237
Kanada 26
Kant, I. 70
Kapital 12, 57, 88, 176
Kapitalbeteiligung 212, 226
Kapitalismus 4, 15, 20, 29, 44, 54, 58, 72,
225, 270, 324
Karibischer Raum 309
Katastrophe 331
Katholizismus 62
Kausalanalyse 49
Kenia 303
221
Kibbuz 9
Kind 72, 80, 173, 191, 252
Kino 141, 227, 253, 272, 326, 341, 343
Kirche 161, 263, 307
Klassenbewusstsein 89, 242
Klassengesellschaft 331
Klassenherrschaft 331
Klassenlage 331
Kleidung 85, 94
Kleinbetrieb 212, 215
Koalitionsbildung 202
kognitive Fähigkeit 294
Kollektivbewusstsein 27, 240
kollektive Identität 154, 158, 160, 174,
187, 203
kollektives Wissen 160
Kollektivverhalten 147
Kolonialismus 108, 116, 200, 323
Kommerzialisierung 145, 148, 221, 234,
239
Kommission 200
Kommunalpolitik 4, 125, 205
Kommunalverwaltung 126
Kommunikation 9, 33, 37, 39, 45, 62, 76,
77, 83, 169, 194, 198, 208, 221, 232,
241, 250, 258, 273, 281, 301, 307,
320, 322
Kommunikationsmedien 33, 237, 251, 322
Kommunikationssoziologie 326
Kommunikationsverhalten 258
Kommunikationswissenschaft 238
kommunistische Partei 204
Kommunitarismus 58
Kompensation 267
Kompetenz 28, 72, 90, 301
Komplexität 153, 241, 290
Komponist 295, 310
Konflikt 62, 89, 143, 148, 160, 190, 193,
194, 259, 263, 274, 330
Konfliktbewältigung 148, 281
Konfliktlösung 62, 259
Konformismus 54
Konfuzianismus 225
Konsolidierung 199, 280
Konstrukt 33
Konsum 4, 32, 39, 91, 131, 137, 242, 291
Konsumforschung 88, 137
Konsumgesellschaft 57, 137, 221, 306
Konsumverhalten 64
222
Kontextanalyse 9
Kontingenz 6, 153, 225, 241, 250
Kontinuität 116
Konvention 7
Konvergenz 68
Konzentrationslager 19, 277
Koordination 215
Körper 12, 26, 37, 48, 52, 86, 94, 97, 101,
111, 145, 149, 242, 244, 325, 331,
332, 335, 342
Körperlichkeit 118, 150, 325
Korrespondenzanalyse 88
Korruption 205
Kosmopolitismus 53, 81
Kracauer, S. 37
Kraftfahrzeugindustrie 217
Krankenhaus 294
Krankenstand 217
Krankheit 26, 311
Kreativität 6, 9, 18, 32, 125, 144
Kriminalpolitik 191
Krise 79, 91, 274, 293, 330
Krisenbewältigung 274
Krisenverhalten 274
Kritik 19, 20, 35, 57, 58, 59, 62, 67, 68,
162, 189, 211, 219, 278, 323, 338
Kritiker 162
Kritischer Rationalismus 24
Kritische Theorie 10, 19, 32, 241, 292
Kulturanthropologie 27, 49, 111, 112
kulturelle Beziehungen 8, 42, 45, 84, 96,
108, 122, 130, 134, 144, 166, 181,
252, 279, 295, 306, 310
kulturelle Einrichtung 134, 136, 138
kulturelle Faktoren 14, 29, 50, 72, 75, 95,
96, 107, 118, 137, 142, 158, 163,
174, 181, 185, 206, 207, 208, 219,
227, 231, 247, 249, 256, 261, 303,
304, 305, 307, 309
kulturelle Identität 32, 73, 96, 142, 153,
154, 155, 157, 159, 162, 163, 167,
170, 171, 172, 173, 174, 177, 178,
181, 182, 183, 185, 207, 250, 307,
325, 333, 334
kulturelle Integration 181, 255
kulturelles Kapital 67, 88
kulturelles System 96, 120
kulturelles Verhalten 79, 108, 329
kulturelle Vielfalt 63, 79, 96, 137, 162,
Sachregister
167, 173, 292, 333, 334
Kulturerbe 103
Kulturgeographie 4
Kulturgeschichte 2, 27, 36, 44, 46, 47, 49,
51, 195, 301
Kulturimperialismus 230, 334
Kulturindustrie 19, 220, 241, 292, 293
Kulturkampf 62, 250, 318
Kulturkonflikt 77
Kulturkritik 19, 40, 65, 66, 137, 235
Kulturlandschaft 295
Kulturphilosophie 41
Kulturpolitik 42, 121, 123, 124, 125, 126,
129, 132, 133, 134, 135, 136, 138,
139, 208, 220, 266
Kulturrelativismus 59
Kulturrevolution 53, 278, 284
Kulturwandel 1, 4, 27, 43, 61, 64, 78, 117,
166, 237, 253, 266
Kulturwissenschaft 1, 3, 5, 14, 15, 17, 20,
25, 27, 36, 40, 41, 69, 103, 113, 180,
192, 259
Kunde 118
Kunst 19, 42, 43, 55, 57, 63, 99, 106, 119,
123, 126, 127, 132, 138, 156, 238,
241, 250, 254, 262, 263, 265, 266,
267, 268, 269, 270, 271, 272, 273,
281, 283, 288, 298, 300, 304, 308,
316, 321, 325, 329
Kunsterziehung 127
Kunstgeschichte 273
Kunstkritik 123
Künstler 19, 33, 99, 135, 139, 238, 264,
266, 269, 271, 272, 279, 280, 288,
298, 303, 336
künstlerischer Beruf 264
Kunstmaler 272
Kunstproduktion 254, 269
Kunstwerk 119, 127, 263, 267, 273, 298,
336
L
Lacan, J. 106, 308
Laie 316
Landespolitik 138
Landschaft 103, 316
Landtagswahl 202
Landwirtschaft 114
Langeweile 152
Sachregister
Lateinamerika 56, 58, 108, 133, 166, 200,
228, 247, 309
Leben 112
Lebensalter 257
Lebensbedingungen 90, 324
Lebenslauf 34, 44
Lebenssituation 117
Lebensstil 26, 35, 87, 88, 89, 90, 93, 96,
296, 299
Lebensweise 66, 108
Lebenswelt 30, 81, 101, 103, 140, 289
Lehre 160
Leistungsfähigkeit 294
Leitbild 65, 95, 161, 224
Lernfähigkeit 294
Lernprozess 160, 244, 298
Lesen 343
Lettland 120
Levinas, E. 77
Levi-Strauss, C. 12, 38, 40, 49, 106, 107,
319, 320
Liberalisierung 85, 303
Liberalismus 10
Liebe 275
Lied 284, 315
Linksradikalismus 186
Litauen 189
Literatur 15, 19, 36, 42, 43, 51, 54, 65, 78,
122, 124, 138, 169, 185, 227, 238,
273, 275, 276, 277, 278, 280, 281,
303, 315, 338
Literaturgeschichte 54
Literaturkritik 54
Literatursoziologie 27
Literaturwissenschaft 27, 36, 73, 276
Logik 19, 244, 261, 343
Logistik 217
Lohn 217
Loyalität 95
Luckmann, T. 76, 101, 289
Luhmann, N. 37, 40, 273, 281
Luxemburg 42, 132, 197
Lyotard, J. 308
M
Machiavelli, N. 282
Machtkampf 127
Machtpolitik 282
Mädchen 306
223
Magazin 236, 315
Magie 33, 105, 109
Makroebene 23
Mali 114
Management 211, 217, 220, 260, 268, 314
Managementansatz 213, 220, 224
Manager 35
Managing Diversity 224
Mann 85, 86, 87, 214, 298
Männlichkeit 32, 43, 86, 148, 330
Mannschaftssport 151
Marginalität 218
Markenpolitik 4
Marketing 79, 168, 221, 314
Markt 4, 7, 67, 131, 141, 273
Marktanteil 141
Marktordnung 7
Marktwirtschaft 225
Marx, K. 9, 40, 89, 270
Marxismus 10
Maschine 111, 253
Massenkommunikation 236, 321
Massenkultur 19, 151, 152, 241, 243, 291
Massenmedien 21, 61, 145, 228, 235, 240,
245, 249, 314, 326
Maßnahme 208
Mecklenburg-Vorpommern 220, 257
Mediation 190
Mediatisierung 65, 150
Medien 27, 36, 39, 88, 91, 141, 228, 235,
238, 239, 244, 246, 250, 253, 256,
257, 259, 265, 291, 296, 299, 300,
303, 317, 318, 324, 327, 340
Mediengesellschaft 250
Medienkompetenz 129, 239
Medienökonomie 249
Medienpolitik 129
Medienrecht 249, 314
Medientechnik 231
Medientheorie 21, 40
Medienwirtschaft 314, 317
Mehrebenenanalyse 194, 225
Mehrfachbeschäftigung 264
Mehrsprachigkeit 166, 197, 198, 255
Meinung 194
Melodram 330
Menschenbild 85, 101, 164, 253, 341
Menschenrechte 15, 36, 59, 74, 178
Menschenwürde 59, 164
224
Mensch-Umwelt-Beziehung 71, 100
Merton, R. 35
Messinstrument 194
Metallindustrie 217
Metapher 33, 285
Metaphysik 152, 175, 311
methodologischer Individualismus 23
Mexiko 58, 133
Migrant 75, 81, 113, 117, 148, 153, 167,
170, 173, 265
Migration 98, 113, 114, 145, 153, 166,
171, 172, 255, 309
Migrationsforschung 265
Migrationspolitik 81, 265
Mikroebene 23, 194
Mikropolitik 205
Mikrosoziologie 194
Militärpolitik 263
Minderheit 96, 113, 185, 265
Minister 138
Mittelalter 2, 36, 57
Mittelamerika 58, 133, 200, 309
Mittelbetrieb 212, 215
Mitteleuropa 118, 188
Mittelmeerraum 105, 196
Mittelstand 212, 226
Mobilisierung 297
Mobilität 98, 111
Mode 85, 92, 94, 131
Moderne 1, 8, 12, 24, 31, 32, 42, 43, 55,
60, 63, 66, 72, 78, 89, 147, 148, 158,
221, 238, 241, 253, 270, 272, 274,
291, 300, 301
Modernisierung 1, 43, 62, 65, 68, 70, 71,
120, 211, 274
Modernisierungstheorie 68
Montagearbeit 272
Moral 28, 66, 225, 229, 232, 252, 274,
277
Motiv 18, 322
Motivation 143, 171, 172
multidimensionale Skalierung 80
multikulturelle Gesellschaft 73, 81, 95,
157, 163, 181, 255
Multimedia 247
Museum 110, 114, 126, 127, 140, 220,
260, 262, 267, 283
Musik 15, 65, 73, 82, 106, 114, 126, 128,
136, 138, 192, 227, 286, 287, 289,
Sachregister
290, 292, 293, 294, 295, 296, 297,
299, 301, 302, 303, 304, 305, 306,
307, 309, 310, 311, 312, 313, 314,
315, 317, 318, 319, 320
Musiker 264, 290, 305
Musikgeschichte 295, 305
Musikkanal 296
Musikpädagogik 294
Musiksoziologie 296, 312, 318
Mutter 149
Mystik 2
Mythologie 106, 154, 180, 315, 319
Mythos 10, 12, 107, 154, 180, 204, 207,
277, 319
N
Nachbarschaft 160
nachhaltige Entwicklung 266
Nachhaltigkeit 132, 221
Nachkriegszeit 10, 116, 262, 267
Nahost 9, 186, 245, 302
Nahostpolitik 186
Nahrungs- und Genussmittelgewerbe 217
Narration 158, 343
Nationalbewusstsein 165, 179, 185, 193
nationale Identität 154, 165, 169, 179, 180,
183, 302, 318
Nationalsozialismus 18, 116, 127, 195,
203, 209, 262, 263, 267, 335
Nationalstaat 51, 190, 199, 285
NATO 179
Natur 8, 38, 52, 63, 71, 76, 97, 100, 101,
106, 107, 111, 180, 285, 290, 301,
311, 316, 319, 320
Naturalismus 107
Naturwissenschaft 13, 107, 238, 313
negative Dialektik 19
Neofaschismus 186
Neoliberalismus 20, 58, 67
Neonazismus 86, 315
Netzgemeinschaft 231, 232
Netzwerkanalyse 16
neue Bundesländer 211, 226, 280
neue Medien 227, 233, 244, 258
Neuzeit 2, 36, 57
nichtstaatliche Organisation 199
Niederlande 42, 123, 134, 189, 206, 267
Niedersachsen 138
Nietzsche, F. 24, 40, 112
Sachregister
nonverbale Kommunikation 6
Nordamerika 11, 26, 29, 54, 57, 65, 69,
73, 116, 129, 136, 141, 157, 165,
201, 225, 230, 240, 243, 247, 295,
302, 306, 309, 310, 330, 332, 337
Nordeuropa 188
Nordrhein-Westfalen 81, 205, 257, 265
Norm 39, 86, 164, 219, 242, 254, 270,
277
Normalisierung 244
Normalität 39, 66, 338
Normativität 161
Norwegen 189, 191
NSDAP 195
O
öffentliche Ausgaben 126
öffentliche Förderung 121
öffentliche Meinung 191
öffentlicher Haushalt 126
öffentlicher Raum 147, 196, 291, 300
öffentliche Verwaltung 217
Öffentlichkeit 20, 24, 91, 124, 169, 285,
288, 336
Ökonomie 4, 7, 16, 192, 239
ökonomische Entwicklung 108
ökonomische Faktoren 15, 88, 141, 314
ökonomisches Verhalten 7
Ökonomisierung 268
Online-Medien 233
Opfer 209, 262
Opposition 280, 297
Organisation 39, 224, 262
Organisationsentwicklung 195
Organisationskultur 80, 224
Organisationsstruktur 286
organisierte Kriminalität 105
orthodoxe Kirche 164
Ostafrika 74, 303
Ostasien 24, 53, 130, 185, 247, 256, 302,
332
Österreich 15, 132, 140, 156, 237, 246,
248, 262, 283
Österreich-Ungarn 69
Osterweiterung 162, 165, 184
Osteuropa 64, 84, 118, 188, 190, 199,
209, 252, 279, 310
Ostmitteleuropa 64, 209, 262
Ost-West-Beziehungen 84
225
P
Pädagogik 41, 168
pädagogische Theorie 173
Palästina 74
Papst 62
Pareto, V. 49
Parsons, T. 9, 37, 219
Partei 179, 202
Parteianhänger 197
Parteiensystem 197, 202, 206
Parteipolitik 202
Partizipation 223, 329
Partnerschaft 181
Patriotismus 53, 193
Pay-TV 129
Peer Group 299
Personalentwicklung 168, 214, 217
Personalpolitik 214, 222
Personalwesen 222
Persönlichkeitsentwicklung 299, 329
Perspektive 179, 194
Peru 200
Pfadabhängigkeit 190
Pflege 294
Phänomenologie 30, 76, 101, 289, 325
Philologie 122
Philosophie 2, 22, 51, 77, 112, 192
philosophische Aufklärung 51
Physik 238
Piaget, J. 49, 72
Planung 18
Planungsmethode 266
Plessner, H. 101, 111, 235
Pluralismus 51, 73, 77, 79, 85, 153, 154,
159, 163, 167, 168, 181, 183, 201,
203, 225, 265, 274
Polarisierung 274
Polen 64, 92, 203, 262, 263
Political Correctness 159
Politik 15, 22, 34, 42, 119, 127, 139, 145,
168, 180, 187, 195, 321, 323, 338
Politikfeld 136
Politikwissenschaft 174, 192
politische Aktivität 197, 204, 254, 297
politische Bewegung 93, 195, 204, 254
politische Bildung 189
politische Einstellung 83, 116, 188, 197,
297
226
politische Elite 205
politische Entscheidung 197, 205
politische Entwicklung 204
politische Ethik 54
politische Faktoren 177, 294
politische Folgen 204
politische Führung 202
politische Ideologie 55, 92
politische Institution 46, 203, 285
politische Kommunikation 231
politische Kultur 34, 35, 46, 55, 73, 95,
154, 159, 169, 175, 178, 184, 186,
188, 189, 190, 191, 193, 194, 196,
197, 198, 199, 200, 201, 202, 203,
204, 205, 207, 208, 209, 302, 338
politische Linke 93, 202
politische Ökonomie 25, 54, 57
politische Partizipation 139, 197, 237
politischer Einfluss 116, 135, 323
politischer Wandel 120, 189, 193, 202
politisches Bewusstsein 284
politisches Handeln 282
politische Situation 303
politische Soziologie 145
politisches System 92, 197, 207
politische Steuerung 220
politische Strategie 128
politisches Verhalten 54
Popkultur 45, 64, 84, 87, 114, 234, 239,
243, 252, 257, 279, 299, 302, 306
Popmusik 64, 87, 125, 257, 279, 291, 292,
299, 302, 303, 306, 307, 318
Popularität 234, 252, 306
Populismus 53, 191
Postfordismus 58, 324
postindustrielle Gesellschaft 291
postkommunistische Gesellschaft 68, 179,
199, 277
Postmoderne 50, 60, 103, 112, 327, 341
postsozialistisches Land 45, 50, 64, 68,
75, 92, 118, 120, 169, 179, 187, 189,
199, 203, 262, 263, 277, 297, 302,
306, 315
Poststrukturalismus 22, 29, 31, 32, 40,
106, 137, 169, 308, 343
Pragmatismus 77
Präsident 187
Praxis 1, 16, 32, 82, 261, 270, 271, 312,
336
Sachregister
Preisverleihung 333
Prekariat 58, 69, 220
Presse 185, 227, 230, 236, 259
Prestige 69, 89
Privatisierung 120
Privatsphäre 336
Privatwirtschaft 92
Problembewältigung 337
Problembewusstsein 167
Produktionsfaktor 216
Produktionssteigerung 85
Professionalisierung 145, 219, 265
Propaganda 335
Protest 87, 204, 237, 278, 297, 302
Protestant 28
Protestbewegung 15, 237
Protestverhalten 61
Psyche 49
psychische Faktoren 282
psychische Folgen 337
psychischer Konflikt 149
Psychoanalyse 10, 26, 52, 149, 151
Psychologie 72, 80, 176, 192
psychologische Theorie 151, 176
Psychometrie 72
Pubertät 332
Publikation 45, 193, 315
Publikum 35, 88, 294
Publizistik 65
Publizität 249
Q
Qualifikationsanforderungen
quantitative Methode 5
301
R
Radikalismus 204
Rahmenbedingung 116, 286, 294
Rasse 21, 110
Rassenproblem 51
Rassismus 21, 36, 242
Rationalisierung 52, 274
Rationalität 18, 220, 225, 261, 282, 292
Raumwirksamkeit 196
Realismus 282
Realität 63, 76, 153, 187, 207, 248
Reality-TV 256
Rechtsbewusstsein 201
Rechtsnorm 59
Sachregister
Rechtspositivismus 14
Rechtsradikalismus 86, 124, 186, 315
Rechtsschutz 59
Rechtswesen 73
Rechtswissenschaft 14, 168, 192
Reduktionismus 107
Reflexivität 8, 52, 79, 220, 250, 282, 343
Reform 199, 206
Regelung 67, 254, 270
Regierung 297
Regierungspolitik 197
Regime 207
regionaler Unterschied 255
Regression 235
Regulationstheorie 25
Regulierung 220
Reise 45, 160, 309, 322
Religion 8, 19, 22, 24, 60, 62, 81, 102,
105, 109, 112, 148, 163, 164, 175,
192, 225, 229, 275, 307
Religionssoziologie 112
religiöse Faktoren 72, 169
religiöser Konflikt 183
Religiosität 28, 229, 307
Rente 264
Reportage 45
Repräsentation 126, 208, 228, 255, 285,
318, 335
Republikanismus 190
Republik Südafrika 166
Rezeption 23, 24, 33, 112, 137, 245, 289,
301, 305, 308, 316, 317, 321, 338
Reziprozität 23
Rheinland 42
Rheinland-Pfalz 140
Ritual 39, 48, 61, 102, 104, 105, 109, 187,
207, 276, 307, 334, 337
Rolle 118, 126, 215, 222, 269, 271
Rollenbild 43
Roman 34, 45, 57, 78, 243, 277, 281
Romantik 24, 45, 273, 320
Rousseau, J. 51, 275
Rundfunk 141, 227, 297, 314
Russe 50, 279, 295
russische Sprache 265
Russland 45, 50, 68, 75, 118, 187, 263,
277, 302, 306
227
S
Sachsen 226, 315
Sachsen-Anhalt 257
Sachzwang 67
Säkularisierung 60, 62, 159, 164
Salzburg 140, 283
Sartre, J. 77
Satellit 245
Satire 280
Schauspieler 257
Schichtzugehörigkeit 312
Schifffahrt 331
Schleswig-Holstein 214
Schmerz 26, 332
Schmitt, C. 10
Schopenhauer, A. 112
Schriftsteller 34, 124, 278, 323, 338
Schule 44, 67, 90, 143, 144, 173
Schüler 143, 232, 257, 293, 329
Schülerin 257, 293
Schütz, A. 76, 101, 289
Schweden 186
Schweiz 26, 140, 173, 237, 255
Schweizer 173
Science Fiction 253, 274, 332
Scientific Community 13
Segregation 69
Sekundäranalyse 5
Selbständiger 264
Selbstbeobachtung 79
Selbstbestimmung 8
Selbstbewusstsein 104, 209
Selbstbild 24, 52, 53, 156, 177
Selbstdarstellung 94, 150, 232, 280
Selbsteinschätzung 69
Selbstorganisation 312
Selbststeuerung 150
Selbstverständnis 79, 155, 163, 174, 178,
183, 187, 260, 269, 272
Selbstverwirklichung 91
Selbstzerstörung 149
Semantik 8, 146
Semiotik 27, 228
Senegal 259, 303
Serbien 64, 180
Sexualität 78, 96, 114
Sexualverhalten 78, 96
Sibirien 45
Sierra Leone 115
228
Simmel, G. 37, 40, 41, 275
Sinnlichkeit 37, 341
Situationsanalyse 71
Skandinavien 186, 216
Slowenien 302
Sozialdemokratie 202
soziale Anerkennung 23
soziale Bewegung 15, 58, 303
soziale Beziehungen 16, 100, 114, 118,
233, 248, 271
soziale Differenzierung 35, 37, 69, 89,
183, 258, 326, 331
soziale Distanz 118
soziale Entwicklung 70, 71, 108
soziale Folgen 114
soziale Gerechtigkeit 74
soziale Herkunft 171
soziale Indikatoren 171
soziale Institution 326
soziale Integration 23, 159, 170, 171, 172,
173, 200, 255
soziale Klasse 21, 312
soziale Konstruktion 76, 153, 180, 236,
335
soziale Kontrolle 39
soziale Marktwirtschaft 7
soziale Position 104
sozialer Code 104
sozialer Prozess 328
sozialer Raum 88, 95, 113, 254, 322
sozialer Status 269
sozialer Wandel 32, 39, 44, 68, 75, 78, 91,
94, 115, 190, 258, 265, 266, 296,
303, 318
soziale Schicht 69
soziale Schichtung 69
soziale Sicherung 264
soziales Milieu 69, 83, 93, 125, 182
soziales Netzwerk 142, 264
soziales Problem 86
soziales System 1
soziales Verhalten 214
soziale Umwelt 339
soziale Ungleichheit 22, 58, 239, 283,
312, 331
soziale Verantwortung 91, 121
soziale Wahrnehmung 180
soziale Wirklichkeit 101, 271, 278, 291,
298, 338, 339
Sachregister
Sozialforschung 325, 343
Sozialgeschichte 54, 69
Sozialisation 39, 90, 150, 239, 283, 299,
312, 317
Sozialisationsinstanz 299
Sozialisierung 119, 233
Sozialismus 209
Sozialkapital 88, 190, 218, 248
Sozialpolitik 174
sozialpsychologische Faktoren 147, 151
Sozialstruktur 69, 89, 109, 114
Sozialversicherung 264
Sozialversicherungspflicht 264
Sozialwesen 217
Sozialwissenschaft 10, 22, 23, 26, 31, 271,
343
Sozialwissenschaftler 238
soziokulturelle Entwicklung 61, 71
soziokulturelle Faktoren 71, 72, 147, 172,
296
sozioökonomische Entwicklung 303
sozioökonomische Struktur 286
soziotechnisches System 233, 251
Spanien 166, 288
Spätkapitalismus 25
Spencer, H. 49
Spiel 38, 145, 151, 244
Spielfilm 65, 337, 341
Spiritualität 60, 182
Sponsoring 121, 220
Sport 36, 145, 150, 151, 335, 340
Sportsoziologie 145
Sportwissenschaft 36
Sprache 19, 22, 33, 36, 63, 76, 157, 166,
167, 169, 198, 313, 315, 320
Sprachgebrauch 166, 198, 230, 315
Sprachkenntnisse 198
SS 263
staatliche Einflussnahme 119, 127, 187
Staatsangehörigkeit 170, 171, 172
Staatsfunktion 12
Staatsräson 282
Stadt 4, 69, 125, 140, 146, 196, 207, 300,
316, 340
Stadtbevölkerung 140, 207, 316
Stadtentwicklung 44, 196
Stadtforschung 4
Stadt-Land-Beziehung 103
Stadtplanung 140, 316
Sachregister
Stadtteil 96, 316
Stalin, J. 119
Stalinismus 277
Stammesgesellschaft 109
Standardisierung 79, 85
Star 145, 246, 257
Statusbewusstsein 81
Statusinkonsistenz 69
Sterben 342
Stereotyp 43, 45, 117, 236, 279
Stichprobe 5
Stiftung 35
Streik 324
Stress 26
Strukturentwicklung 71
Student 329
Studentenbewegung 61, 278, 284
Studentin 335
Studium 166
Subjekt 31, 32, 76, 242, 304
Subjektivität 22, 30, 75, 270, 275, 305
Subkultur 81, 83, 86, 87, 113, 153, 183
Subsidiaritätsprinzip 165
Südamerika 56, 108, 166, 200, 228, 247
Südasien 53, 128, 182, 305, 341
Südeuropa 188
südliches Afrika 166
Südostasien 53, 185
symbolische Politik 155, 174, 187, 207,
208
symbolisches Kapital 12
Symbolismus 106
Systematik 2
Systemtheorie 44, 146, 241, 273
T
Tabu 209
Tageszeitung 230
Tanz 78, 121, 279, 304, 325
Tätowierung 149
Tausch 12, 16, 23, 39, 118, 142, 322
Technik 62, 108, 111, 272, 274, 313
Technikfolgen 293
Technikgenese 251
Techniksoziologie 44, 111
technische Entwicklung 44, 250, 286, 313
technischer Wandel 237, 286, 287
Technisierung 241
Technokultur 82
229
Technologie 287
Telefon 227, 313
Telekommunikation 226
Terrorismus 74, 140, 186, 274, 337
Textilindustrie 92
Thatcher, M. 21
Theater 65, 78, 126, 220, 275, 300, 304,
321, 323, 329, 334, 338
Theaterwissenschaft 334
Theologie 60
Theorievergleich 176
Therapie 294
Tochter 149
Tod 78, 311, 340, 342
Toleranz 91, 96, 161, 201
Tonträger 292
totale Institution 39
Totalitarismus 193
Tötungsdelikt 105, 191
Tourismus 125, 140, 146, 316, 322
Tradition 51, 68, 70, 73, 81, 84, 85, 90, 91,
115, 174, 178, 332
traditionelle Gesellschaft 72, 108, 109, 274
traditionelle Kultur 59, 85, 332
transatlantische Beziehungen 65, 73, 124,
169, 201
Transfer 201
Transformation 53, 84, 85, 113, 120, 189,
199, 209, 239, 256
Transkulturalität 245, 247
transnationale Beziehungen 61, 158, 169,
190, 237
Transport 322
Transzendenz 23, 59, 76, 145, 164
Trauer 311
Traum 33
Trauma 337
Tschechische Republik 179, 262
Tschechoslowakei 252
Türke 74, 95, 117, 265
Türkei 245
Typologie 16, 88, 102, 283, 328
U
Übersetzung 322
UdSSR 53, 64, 119, 135, 169, 234, 302
UdSSR-Nachfolgestaat 45, 50, 68, 75,
118, 120, 187, 189, 263, 277, 297,
302, 306, 315
230
Ukraine 263, 297, 315
Umsatz 141
Ungarn 169
Universalismus 51, 53, 59
UNO 59
Unterhaltung 126, 147, 229, 252, 253,
295, 306
Unterhaltungsindustrie 141, 151, 253,
286, 292, 295, 306, 317, 326
Unternehmen 121, 156, 211, 214, 216,
217, 221, 222, 223, 226, 286, 287
Unternehmensführung 212
Unternehmenskultur 210, 211, 212, 213,
214, 215, 216, 217, 218, 221, 222,
223, 224, 226
Unternehmenspolitik 213
Unternehmer 216
Unterschicht 69, 144
Urbanisierung 69, 196, 291, 300
Urbanität 6, 254
Urheberrecht 264, 314
USA 11, 26, 29, 54, 57, 65, 69, 73, 116,
129, 136, 141, 157, 165, 201, 225,
230, 240, 243, 247, 295, 302, 306,
309, 310, 330, 332, 337
US-Amerikaner 166
Utopie 142, 332, 338
V
Validierung 88
Verantwortung 77, 161, 232, 343
Verantwortungsethik 77
Verbraucher 64, 137
Verdrängung 186
Verfahren 272
Vergangenheitsbewältigung 68, 154, 185,
187, 193, 200, 203, 209, 240, 277
vergleichende Forschung 160, 194
Verkauf 119, 127, 267
Verkäufer 118
Vernetzung 74, 95, 237, 258
Vernunft 51
Verständnis 8, 161
Verstehen 10, 250
verstehende Soziologie 24
Vertrauen 212, 222
Verwaltung 46, 120
Verwandtschaft 107, 320
Verwissenschaftlichung 313
Sachregister
Video 244
Virtualisierung 218, 248, 250
virtuelle Gemeinschaft 232, 248
virtuelle Realität 231, 233, 244, 248, 258
Visualisierung 261, 299, 317, 335
visuelle Wahrnehmung 236, 240, 261, 335,
339
Völkermord 240
Volkskunde 17, 24, 98, 103, 110, 113, 116
Volkskunst 263
vorindustrielle Gesellschaft 274
W
Wahl 303
Wahlergebnis 303
Wahrnehmung 6, 7, 8, 76, 114, 118, 185,
214, 225, 241, 261, 270, 273, 306,
316
Ware 131
Weber, M. 9, 24, 29, 35, 37, 40, 49, 70, 77,
89, 225, 275
Weiblichkeit 327, 330
Weimarer Republik 116, 126, 195, 204,
324
Weißrussland 263
Weiterbildung 216
Weltanschauung 63, 77, 163, 319
Weltausstellung 42
Weltbild 49, 77, 109
Weltgeschichte 53
Weltgesellschaft 1, 53, 62, 258
Werbung 221, 228, 250, 296
Wert 66, 72, 80, 91, 182, 208
Wertorientierung 66, 74, 95, 143, 144,
155, 159, 164, 174, 175, 178, 183,
184, 188, 201, 213, 225, 229, 248,
253
Wertsystem 91, 164
Werttheorie 80
Wertwandel 91, 182
Westafrika 114, 115, 259, 303
Westdeutscher Rundfunk 296
Westeuropa 42, 188, 306
Wettkampf 104
Wiederaufbau 9
Wiedervereinigung 35, 209, 280
Wirtschaftsdemokratie 212
Wirtschaftsethik 29
Wirtschaftsgeschichte 73
Sachregister
231
Wirtschaftssektor 286
Wirtschaftssoziologie 7, 16
Wirtschaftszweig 42, 286
Wissen 30, 39, 48, 63, 67, 97, 103, 258,
271, 288
Wissenschaft 2, 38, 42, 48, 62, 76, 116,
122, 125, 238, 261, 271, 313, 319
Wissenschaftler 26, 45, 116, 238
Wissenschaftlichkeit 13
Wissenschaftsdisziplin 101, 110, 116
Wissenschaftsforschung 26, 111
Wissenschaftsgeschichte 23, 40, 112, 238
Wissenschaftssoziologie 101
Wissenschaftstheorie 24, 37
Wissenschaftsverständnis 116
Wissenssoziologie 27, 44
Wissenstransfer 42
Wohlbefinden 71
Wohlfahrtsstaat 174, 184
Wohnen 340
Work-life-balance 218
Wörterbuch 3
Z
ZDF 129
Zeitfaktor 75
Zeitgeist 275
Zeitgeschichte 34, 46, 84, 180, 195
Zeitkultur 50, 152
Zeitung 204, 297, 315
Zentralafrika 100, 109
Zentralisierung 9
Zentralismus 165
Zielgruppe 293
Zielsetzung 165
Zivilgesellschaft 167, 174, 199, 206
Zivilisation 9, 12, 27, 39, 49, 52
Zufallsauswahl 5
Zufriedenheit 197
Zukunft 138, 154, 210, 211, 293, 322
Zuschauer 88, 318
Zuwanderung 167
Zwang 62
Zweiter Weltkrieg 42, 203, 206, 240, 267
Zwischenkriegszeit 42, 53, 204
17. Jahrhundert
18. Jahrhundert
45
45, 51, 125
19. Jahrhundert 34, 43, 48, 56, 110, 125,
285, 313
20. Jahrhundert 42, 43, 55, 56, 110, 116,
125, 130, 134
21. Jahrhundert 269
Institutionenregister
233
Institutionenregister
Institut für Zeitgeschichte -IfZ- Abt. Berlin
135
Jacobs University Bremen gGmbH, School of Humanities and Social Sciences, Professorship
Mass Communication Prof.Dr. Ludes 247
Technische Universität Darmstadt, FB 02 Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, Institut
für Soziologie Prof.Dr. Martina Löw 339
Universität Freiburg, Philosophische Fakultät, Historisches Seminar Lehrstuhl für Neuere und
Neueste Geschichte 116
Universität Heidelberg, Philosophische Fakultät, Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften -ZEGK- Historisches Seminar Lehrstuhl für Neuere Geschichte 177
Universität Heidelberg, Philosophische Fakultät, Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften -ZEGK- Promotionskolleg "Das Konzert der Medien in der Vormoderne
- Gruppenbildung und Performanz" 177
Universität Kassel, Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Kulturforschung
228, 247
Universität Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Department Psychologie Professur Entwicklungs- und Erziehungspsychologie 170
Universität München, Sozialwissenschaftliche Fakultät, Geschwister-Scholl-Institut für Politische
Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Theorie und Philosophie Prof.Dr. Nida-Rümelin
208
Universität Passau, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Musikpädagogik
128
Universität Siegen, FB 01 Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Geschichte, Geographie,
Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl Politische Systeme, Vergleichende Politikwissenschaft
237
Zeppelin University Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik, Department communication & cultural management, Lehrstuhl für Kulturmanagement & inszenatorische Praxis
260, 269
ANHANG
Hinweise
237
Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur
Die in der Datenbank SOLIS nachgewiesene Graue Literatur enthält nahezu vollständig einen Bibliotheksstandort zur Erleichterung der Ausleihe; dies gilt auch für einen Teil (40%) der nachgewiesenen Verlagsliteratur. In SOLIS nachgewiesene Zeitschriftenaufsätze sind zu über 60% mit
einem Standortvermerk versehen.
Beschaffung von Literatur über den Deutschen Leihverkehr
Die Standortvermerke in SOLIS (Kürzel, Ort und Sigel der besitzenden Bibliothek sowie Signatur
der Arbeit) beziehen sich auf Bibliotheken, die dem normalen Fernleihverkehr angeschlossen sind.
Sollte die gewünschte Arbeit bei Ihrer örtlichen Bibliothek nicht vorhanden sein, ersparen Ihnen
die Standortvermerke für die Fernleihe („Direktbestellung“) den u.U. sehr zeitraubenden Weg
über das Bibliothekenleitsystem.
Elektronische Bestellungen sind ebenfalls möglich, z.B. über subito - einen bundesweiten Dokumentlieferdienst der deutschen Bibliotheken für Aufsätze und Bücher.
Literaturdienst der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Aufsätze aus Zeitschriften, die für SOLIS ausgewertet werden und in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln vorhanden sind, können über den Kölner Literaturdienst (KÖLI) als Kopie bestellt
werden. Diese Aufsätze enthalten den Standortvermerk „UuStB Koeln(38) - Signatur der Zeitschrift“ sowie einen Hinweis auf den Kopierdienst. Die Bestellung kann mit gelber Post, per Fax
oder elektronisch erfolgen
Kosten für den Postversand bis zu je 20 Kopien pro Aufsatz betragen 8,- Euro, für Hochschulangehörige 4,- Euro (bei „Normalbestellung“ mit einer Lieferzeit von i.d.R. sieben Tagen); gegen
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chancengleichheitsrelevanten Themen
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Kooperation mit der Wissenschaft
● Nationales Referenzzentrum für das Politikfeld „Gleichstellung in der Wissenschaft“ gegenüber
Wissenschaftsorganisationen, Bundes- und Landesministerien, Politik und Medien in Bezug auf
Konzept- und Programmentwicklung, Monitoring und Evaluation von Politiken und Maßnahmen
Basisprodukte der Abteilung sind Informationen über Forschungsstrukturen, -aktivitäten und -ergebnisse, die in Datenbanken aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden. Neben den nachfolgend skizzierten Datenbanken zu sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten und Publikationen
werden Datenbanken mit Informationen zu nationalen und internationalen sozialwissenschaftlichen
Forschungseinrichtungen, Zeitschriften, Netzwerken, Veranstaltungen und Internetquellen aufgebaut und gepflegt. Sie sind Bestandteil einer von GESIS entwickelten und zur Verfügung gestellten
integrierten Suche, die weitere internationale Informationssammlungen und solche externer Partner
mit einbezieht.
Datenbanken
Die von der Abteilung Fachinformation produzierten Datenbanken SOLIS und SOFIS bilden die
Grundlage für den sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst soFid.
SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften)
Inhalt: SOFIS informiert über laufende, geplante und abgeschlossene Forschungsarbeiten der letzten zehn Jahre aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Österreich und der Schweiz. Die
Datenbank enthält Angaben zum Inhalt, zum methodischen Vorgehen und zu Datengewinnungsverfahren sowie zu ersten Berichten und Veröffentlichungen. Die Namen der am Projekt beteiligten Forscher und die Institutsadresse erleichtern die Kontaktaufnahme.
Fachgebiete: Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpolitik, Sozialpsychologie, Psychologie, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft, Kommunikationswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Demographie, Ethnologie, historische Sozialforschung, Sozialgeschichte, Methoden der Sozialforschung, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie weitere interdisziplinäre Gebiete der Sozialwissenschaften wie Frauenforschung, Freizeitforschung, Gerontologie, Sozialwesen oder Kriminologie.
Bestand der letzten 10 Jahre: rund 47.000 Forschungsprojektbeschreibungen
Quellen: Erhebungen bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. In
Deutschland wird die Erhebung von GESIS durchgeführt, in der Schweiz von FORS - der
Schweizer Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften. Für Österreich hatte bis
2001 die Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien diese Aufgabe inne; ab
2006/07 wurde diese vom Wiener Institut für Sozialwissenschaftliche Dokumentation und
Methodik - WISDOM - übernommen.
Die Ergebnisse der GESIS-Erhebung werden ergänzt durch sozialwissenschaftliche Informationen fachlich spezialisierter IuD-Einrichtungen sowie von Forschungsförderern; ein nicht
unerheblicher Teil an Ergänzungen wird schließlich durch Auswertung von Internetquellen
sozialwissenschaftlicher Forschungsinstitute gewonnen.
SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem)
Inhalt: SOLIS informiert über die deutschsprachige fachwissenschaftliche Literatur ab 1945, d.h.
Aufsätze in Zeitschriften, Beiträge in Sammelwerken, Monographien und Graue Literatur
(Forschungsberichte, Kongressberichte), die in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich
oder der Schweiz erscheinen. Bei Aufsätzen aus Online-Zeitschriften und bei Grauer Literatur ist im Standortvermerk zunehmend ein Link zum Volltext im Internet vorhanden.
Fachgebiete: Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpolitik, Sozialpsychologie, Bildungsforschung,
Kommunikationswissenschaften, Demographie, Ethnologie, historische Sozialforschung,
Methoden der Sozialforschung, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie weitere interdisziplinäre Gebiete der Sozialwissenschaften wie Frauenforschung, Freizeitforschung, Gerontologie oder Sozialwesen.
Bestand: Anfang 2009 ca. 385.000 Literaturnachweise
Jährlicher Zuwachs: zwischen 16.000 und 18.000 Dokumente
Quellen: Zeitschriften, Monographien einschließlich Beiträgen in Sammelwerken sowie Graue Literatur. SOLIS wird von GESIS in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, den Herausgebern der Zeitschrift
für Politikwissenschaft und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hergestellt. Absprachen über einen regelmäßigen Datenaustausch bestehen darüber hinaus mit dem
Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation in Trier und mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt/Main.
Zugang zu den Datenbanken
An nahezu allen Hochschulstandorten sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der
Schweiz sind SOLIS und SOFIS in der Bibliothek oder über Institutsrechner für die Hochschulangehörigen frei zugänglich. Des Weiteren stehen SOLIS und SOFIS über von GESIS betriebene Portale
für Recherchen zur Verfügung:
www.sowiport.de
SOLIS und SOFIS können im sozialwissenschaftlichen Fachportal sowiport einzeln oder gemeinsam mit 13 weiteren Datenbanken durchsucht werden. sowiport enthält zurzeit folgende Datenbanken:
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Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem SOLIS
Sozialwissenschaftliches Forschungsinformationssystem SOFIS
Literaturdatenbank DZI SoLit des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen
Katalog der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
Katalog des Sondersammelgebietes Sozialwissenschaften der Universitäts- und Stadtbibliothek
Köln
Katalog der Bibliothek des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
Datenbank GeroLit des Deutschen Zentrums für Altersfragen
Publikationen der Bertelsmann Stiftung
ProQuest-CSA-Datenbanken (im Rahmen von DFG-Nationallizenzen): Sociological Abstracts,
Social Services Abstracts, Applied Social Sciences Index and Abstracts, PAIS International,
Worldwide Political Science Abstracts, Physical Education Index
Fachinformationsführer SocioGuide mit Informationen zu Institutionen, Fachzeitschriften,
Sammlungen, Netzwerken und Veranstaltungen
Insgesamt sind in und über sowiport mehr als 2,5 Millionen Quellen zu Literatur, Forschungsprojekten, Institutionen, Zeitschriften, Veranstaltungen sowie Themenschwerpunkte und Links zu Portalen
erreichbar.
www.infoconnex.de
Der interdisziplinäre Informationsdienst infoconnex bietet Individualkunden günstige Jahrespauschalen für den Zugang zur Datenbank SOLIS – singulär oder im Verbund mit den Literaturdatenbanken zu Pädagogik (FIS Bildung) und Psychologie (Psyndex). Im infoconnex-Bereich „Sozialwissenschaften“ kann darüber hinaus in der Forschungsdatenbank SOFIS und in der Literaturdatenbank DZI SoLit recherchiert werden; zudem stehen auch hier im Rahmen von DFG-Nationallizenzen die sechs Datenbanken des Herstellers ProQuest/CSA zur Recherche an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung.
Auftragsrecherchen und Beratung bei der Datenbank-Nutzung
In Ihrem Auftrag und nach Ihren Wünschen führt GESIS kostengünstig Recherchen in den Datenbanken SOFIS und SOLIS durch. Darüber hinaus werden Informationen aus weiteren nationalen
und internationalen Datenbanken zu sozialwissenschaftlichen und/oder fachübergreifenden Themengebieten zusammengestellt.
Zur Unterstützung Ihrer eigenen Suche beraten wir Sie selbstverständlich jederzeit bei der Umsetzung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen in effektive Suchstrategien in unseren Datenbanken.
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst – soFid
Regelmäßige Informationen zu neuer Literatur und aktueller sozialwissenschaftlicher Forschung
bietet GESIS mit diesem Abonnementdienst, der sowohl in gedruckter Form als auch auf CD-ROM
bezogen werden kann. Ältere Jahrgänge stehen unter www.gesis.org/sofid zum kostenfreien Download zur Verfügung. Der Dienst ist vor allem konzipiert für diejenigen, die sich kontinuierlich und
längerfristig zu einem Themenbereich informieren wollen.
soFid ist zu folgenden Themenbereichen erhältlich:
● Allgemeine Soziologie
● Berufssoziologie
● Bevölkerungsforschung
● Bildungsforschung
● Familienforschung
● Frauen- und Geschlechterforschung
● Freizeit - Sport – Tourismus
● Gesellschaftlicher Wandel in den neuen
Bundesländern
● Gesundheitsforschung
● Industrie- und Betriebssoziologie
● Internationale Beziehungen / Friedensund Konfliktforschung
● Jugendforschung
● Kommunikationswissenschaft: Massenkommunikation – Medien – Sprache
● Kriminalsoziologie + Rechtssoziologie
● Kultursoziologie + Kunstsoziologie
● Methoden und Instrumente der Sozialwis●
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senschaften
Migration und ethnische Minderheiten
Organisations- und Verwaltungsforschung
Osteuropaforschung
Politische Soziologie
Religionsforschung
Soziale Probleme
Sozialpolitik
Sozialpsychologie
Stadt- und Regionalforschung
Umweltforschung
Wissenschafts- und Technikforschung
Recherche Spezial und sowiport-dossiers: aktuelle Themen im Internet
Zu gesellschaftlich relevanten Themen in der aktuellen Diskussion werden in der Reihe „Recherche
Spezial“ Informationen über sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte und Veröffentlichungen
zusammengestellt. In den Dossiers in sowiport (hervorgegangen aus der Reihe sowiPlus bzw. den
thematischen Dokumentationen der Virtuellen Fachbibliothek Sozialwissenschaften) werden solche
Informationen darüber hinaus mit Internetquellen unterschiedlichster Art (aktuelle Meldungen, Dokumente, Analysen, Hintergrundmaterialien u.a.m.) angereichert. Alle Themen sind inhaltlich gruppiert zu finden unter www.sowiport.de/themen.
Informationstransfer von und nach Osteuropa
Der Bereich Informationstransfer Osteuropa fördert die Ost-West-Kommunikation in den Sozialwissenschaften. Er unterstützt die internationale Wissenschaftskooperation mit einer Vielzahl von Informationsdiensten.
Eine wichtige Informationsquelle für Kontakte, Publikationen oder Forschung bietet in diesem Zusammenhang auch der Newsletter „Sozialwissenschaften in Osteuropa", der viermal jährlich in englischer Sprache erscheint.
Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung – CEWS
Als integraler Bestandteil der Fachinformation bietet CEWS disziplinenübergreifend Zugänge zu
Themen, Informationen und aktuellen Fragen der Gleichstellung in der Wissenschaft. Durch das
Sichtbarmachen des Potentials hoch qualifizierter Wissenschaftlerinnen unterstützt die Datenbank
FemConsult die Erhöhung des Frauenanteils bei der Neubesetzung von Professuren und Führungspositionen in Wissenschaft und Forschung und die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen.
Das CEWS-Themenportal integriert Informationen zu allen gleichstellungsrelevanten Themen im
Bereich Wissenschaft und Forschung (z.B. Chancengleichheit im Hochschul- und Wissenschaftsprogramm HWP, Statistik und Gleichstellungsrecht an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen).
Internet-Service der GESIS
Umfassende Informationen zu GESIS und zum Angebot an Dienstleistungen finden Sie unter
www.gesis.org
GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Abteilung Fachinformation für die Sozialwissenschaften
Lennéstraße 30
GESIS-Servicestelle Osteuropa
53113 Bonn
Schiffbauerdamm 19 • 10117 Berlin
Tel.:+49 (0)228-2281-0
Tel.:+49 (0)30-23 36 11-0
E-mail:[email protected]
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