März 2016 - Stiftung der Vertriebenen in Sachsen

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März 2016 - Stiftung der Vertriebenen in Sachsen
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Vertriebene und Spätaussiedler in Sachsen
Auftritt des Leipziger Kinderchors der Deutschen aus Russland zum Sächsischen Gedenktag für die Opfer
von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung 2015. Für über eine Million Menschen wurde Sachsen nach
dem Zweiten Weltkrieg zur zweiten Heimat.
Foto: Johanna Zempel
Diese Ausgabe
Zwangsarbeiterentschädigung
kommt
Ungarn begeht Gedenktag zu Ehren
der vertriebenen Deutschen
Rückblick 2015
Sudetendeutsche LM
ist kooperatives LVS-Mitglied
Herbstfest der LM Schlesien
Sachsens erster BdV-Kreisverband
Ostpreußisches Erntedankfest
Ehrung mit Katharinen-Medaille
Preußische Zinnfiguren
Das „Blutgericht“
Termine 2016
Zum 240. Geburtstag:
Königin Luise
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Liebe Heimatfreunde,
allen Lesern unserer Zeitung und den Mitgliedern und Freunden unseres
Verbandes wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2016!
Bei den Vorständen und Aktiven bedanke ich mich für die im vergangenen
Jahr geleistete Arbeit. Sie haben in den Kreis- und Ortsverbänden viele
kulturelle Veranstaltungen durchgeführt und sind mit Ihren Chören in der
Öffentlichkeit aufgetreten. Im Hinblick aufdas fortgeschrittene Alter vieler
unserer Mitglieder war dies wieder eine großartige Leistung. Auch unsere
Verbandsspitzen auf der Bundesebene im BdV waren erfolgreich. Mit
Unterstützung der Vertriebenengruppe in der CDU konnten sie die
Einführung einer Entschädigung für die deutschen Zwangsarbeiter
durchsetzen.
Ich hoffe, dass Sie, liebe Heimatfreunde, auch in diesem Jahr weiter ihren
Gruppen und unserem Landesverband die Treue halten. Der
Landesverband hat wieder einige große Vorhaben geplant: Am 19.3.
werden wir den Landesverbandstag und eine Kulturveranstaltung im
Vogtland durchführen, am 16.4. in Chemnitz an die Verabschiedung des
BVFG erinnern und am 19.6. in Reichenbach das Treffen der Chöre sowie
den Tag der Heimat feiern, am 11.9. im Plenarsaal des Landtages den
Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung
begehen. Das Jahresprogramm beschließen wir mit unserer
Kulturveranstaltung am 25./26.11. - voraussichtlich in Freiberg.
Merken Sie sich diese Termine vor und werben Sie in Ihrem
Bekanntenkreis für eine Teilnahme.
Im neuen Jahr hat uns gleich eine positive Nachricht erreicht. Der
Landesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft hat den Beitritt
zu unserem Landesverband der Vertriebenen beschlossen. Ich begrüße die
neue Gruppe aufdas Herzlichste.
Ihr
Frank Hirche
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
BdV Aktuell
Zwangsarbeiterentschädigung kommt – BdV-Forderung wird erfüllt
Zum Jahresende hat der Deutsche Bundestag endlich die Grundlage für eine humanitäre Geste für
zivile deutsche Zwangsarbeiter geschaffen und damit eine langjährige Forderung des Bundes der
Vertriebenen aufgegriffen. Am 27. November 2015 hat der Bundestag den Bundeshaushalt für 2016
verabschiedet und damit auch den vom Haushaltsausschuss eingebrachten Beschluss einer
symbolischen Zwangsarbeiterentschädigung aufeine finanzielle und rechtliche Grundlage gestellt.
Denkmal zur Erinnerung an das Lager
Moschendorfin der Wunsiedler Straße in
Hof. Hier wurden von 1945 bis 1957 unter
anderen zurückkehrende Zwangsarbeiter
aufgefangen.
Foto: Wikipedia/gemeinfrei
Berlin - Nach dem Beschluss sollen
„ehemalige deutsche Zwangsarbeiter,
die als Zivilpersonen aufgrund ihrer
deutschen Staatsangehörigkeit oder
Volkszugehörigkeit während des Zweiten Weltkriegs und danach zur
Zwangsarbeit herangezogen wurden“,
einen einmaligen Anerkennungsbetrag
erhalten. So sollen in den kommenden
drei Jahren insgesamt 50 Millionen
Euro eingesetzt werden. Für 2016 sind
20 Millionen Euro, für die Jahre 2017
und 2018 jeweils 15 Millionen Euro
Entschädigungsmittel eingeplant.
„Ich freue mich sehr, dass wir es geschafft haben, eines der Hauptanliegen
des Bundes der Vertriebenen endlich
entscheidend voranzubringen“, kommentierte BdV-Präsident Dr. Bernd
Fabritius MdB dies in einer ersten
Stellungnahme.
Seit Jahrzehnten hat der BdV auf das
Sonderschicksal dieser Menschen hingewiesen, das deutlich über das allgemeine Kriegsfolgenschicksal hinausgeht. Es ist Teil vieler deutscher Familiengeschichten. Deutsche Zwangsarbeiter waren vor allem Frauen, alte
Menschen und Kinder, die ohne persönliche Schuld unter unmenschlichen
Bedingungen zur Arbeit gezwungen
wurden.
Die Umstände der Zwangsarbeit waren so verschieden wie die Lebensschicksale dieser Menschen: Manche
wurden an ihren Wohnorten durch
Maßnahmen fremder Staatsgewalt
unmittelbar zwangsverpflichtet, manche von ihrem Wohnort zur Zwangsarbeit in Lager verschleppt, manche auf
der Flucht aufgegriffen und in die Weiten Russlands deportiert und manche
aufgrund staatlicher Weisungen in
Massentransporten weit weg von ihren Heimatorten verbracht.
Für alle diese Schicksale gilt: Tod,
Angst, Kälte, Hunger, Krankheit und
Entkräftung haben viele das Leben,
alle aber Lebenszeit und Lebensqualität gekostet. Diejenigen, die heute noch
leben, können von den unmenschlichen und brutalen Haft-, Lager- und
Lebensbedingungen und ihren bis
heute nicht überwundenen Traumata
berichten. Viele haben ihre Erlebnisse
in Buchform gegossen, um sie der
Nachwelt als Mahnmal zu hinterlassen. Herta Müller z.B. verarbeitete in
ihrem Roman Atemschaukel, nach
dessen Erscheinen sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde,
auch die Erinnerungen des GeorgBüchner-Preisträgers Oskar Pastior.
Fabritius bedauerte, „dass viele Betroffene die nunmehr beschlossene Entschädigung nicht mehr erleben
können.“ Er freute sich aber umso
mehr „mit denen, die diese symbolische Anerkennung ihres Leides noch
erfahren.“ Gerade die zivilen deut2
schen Zwangsarbeiter seien oft als
„menschliche Kriegsreparationen“ verschleppt worden und erführen nun eine späte Wiedergutmachung. Dafür
habe er sich im Bundestag eingesetzt.
Die Rahmenbedingungen der nun beschlossenen Zwangsarbeiterentschädigung werden durch das Bundesministerium des Innern erarbeitet. Der
BdV wird sich als Gesamtverband dafür einsetzen, dass diese schnell erstellt
und ohne formal unerfüllbare Bedingungen umgesetzt werden. Die Richtlinien müssen dem symbolischen
Charakter der Entschädigung, dem
Schicksal sowie dem hohen Lebensalter der Betroffenen und deren Angehörigen gerecht werden und dürfen sie
nicht überfordern. Berücksichtigt werden muss auch, dass Zwangsarbeit
meist nicht bescheinigt wurde und die
Geschehnisse über 70 Jahre zurückliegen. Dies gilt besonders im Hinblick
auf die noch in den Heimatgebieten
verbliebenen Betroffenen.
Sobald die Antragsmodalitäten bekannt sind, wird der BdV darüber informieren und Betroffene bei der
Antragstellung unterstützen.
BdV
Nachdem die ersten Meldungen
über die Einführung einer Zwangsarbeiterentschädigung in der Presse
entschiedenen sind, hat unsere
Kanzlei eine Reihe von Anfragen
nach dem Gang des Verfahrens
erreicht.
Genauere Einzelheiten sind noch
nicht bekannt. Personen, die eine
Entschädigung beantragen wollen,
können sich beim BdVBundesverband, Godesberger Allee
72, 53175 Bonn, registrieren lassen.
Der BdV wird sie dann informieren,
sobald nähere Einzelheiten über das
Antragsverfahren bekannt sind.
Rechtsanwaltskanzlei Neie
und Zempel
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Ungarn begeht vierten Gedenktag
zu Ehren der vertriebenen Deutschen
Am 19. Januar 2016 hat Ungarn
auf dem „Alten Friedhof“ in Wudersch (Budaörs) erneut mit einer
Gedenkveranstaltung an das
Schicksal seiner deutschstämmigen
Bürger erinnert, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entweder verschleppt oder aus dem Land
vertrieben wurden. Nach einer
Kranzniederlegung am Landesdenkmal der Vertreibung der Ungarndeutschen wurde mit einer
Heiligen Messe in der Pfarrkirche
St. Johannes Nepomuk der Vertriebenen gedacht.
Der Ministerpräsident Ungarns,
Viktor Orbán, hielt in diesem Jahr
die Festrede und machte damit
deutlich, dass Ungarn dem Schutz
von Identität sowie der Ächtung
von Vertreibungen und ethnischen
Säuberungen einen hohen Stellenwert einräumt.
„Die offizielle Bezeichnung lautete
Aussiedlung, doch dieses Wort hatte mit der Wahrheit nichts zu tun.
Was Aussiedlung genannt wurde,
bedeutete die Ausplünderung und
die Vertreibung der ungarischen
Schwaben. Sie wurden ihrer Häuser und sie wurden ihrer Heimat
beraubt. Die Ungarndeutschen
können bis auf den heutigen Tag eine Kultur die ihrige nennen, deren
Fäden tief in das Gewebe der ungarischen Kultur eingeflochten sind.
Wenn wir diese Fäden herauszögen, so würde das gesamte Gewebe
zerfallen. Die ungarische schwäbische Gemeinschaft stellt einen organischen und unveräußerlichen
Bestandteil der ungarischen Kultur
dar“, so Orban in seiner eindrucksvollen Rede.
Weitere hochrangige ungarische
Politiker wie etwa der Präsident
des Verfassungsgerichtes Dr. Barnabás Lenkovics und der Minister
für Humanressourcen (zuständig
für Gesundheit, Soziales, Jugend,
Bildung, Kultur und Sport) Zoltán
Balog, aber auch der Vorsitzende
der Landesselbstverwaltung der
Feierliche Kranzniederlegung bei der zentralen Gedenkfeier der
ungarischen Regierung in Wudersch (Budaörs) mit (v.l.n.r.) Dr. Bernd
Fabritius, Zoltán Balog, Hartmut Koschyk und Viktor Orbán.
(Foto: BdV/ungarisches Ministerium für Humanressourcen)
Ungarndeutschen Ottó Heinek und
der Fürsprecher der Deutschen in
der Ungarischen Nationalversammlung Imre Ritter nahmen an
der Veranstaltung teil und steigerten so deren Bedeutung als Symbol
der Wertschätzung für die von Verschleppung und Vertreibung betroffenen Ungarndeutschen und
deren Nachkommen als weiteres
sichtbares Zeichen für die fortschreitende Aufarbeitung der facettenreichen ungarischen Geschichte.
Überdies hatte Ungarn mit dem
Beauftragten der Bundesregierung
für Aussiedlerfragen und deutsche
Minderheiten, Hartmut Koschyk
MdB, und dem Präsidenten des
Bundes der Vertriebenen Dr. Bernd
Fabritius MdB deutsche Politiker
eingeladen, die sich maßgeblich für
eine moderne, grenzüberschreitende europäische Volkgruppenpolitik
einsetzen. Allein damit zeigt das
Land, dass es der deutsch-ungarischen Verständigung sowie dem
damit in Zusammenhang stehenden Einsatz für eine gemeinsame
europäische Idee weiterhin verbun3
den bleibt.
Koschyk etwa lobte in seiner Gedenkansprache in der Pfarrkirche
St. Johannes Nepomuk die Selbstverwaltung der Ungarndeutschen
für ihre wichtige Brückenfunktion
zwischen den Kulturen: „Mit ihren
über 400 lokalen Gliederungen ist
die Landesselbstverwaltung ein
hervorragendes Beispiel für die gelungene Integration in das größere
Ganze, ohne dass durch Assimilation die kulturellen und sprachlichen
Eigenwerte aufgegeben werden“,
erklärte der Bundesbeauftragte.
Dr. Fabritius hatte bereits im Vorfeld die intensiven Kontakte zwischen dem BdV und der
ungarischen Regierung gewürdigt,
wie z.B. zum ungarischen Justizminister Dr. László Trócsányi oder
zum neuen ungarischen Botschafter in Deutschland Dr. Péter Györkös. Die gelungene Gedenkveranstaltung in Wudersch bot daher eine gute Gelegenheit, Kontakte weiter zu vertiefen bzw. neue zu
knüpfen.
Ausgabe 1/2016
BdV
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Verbandsarbeit
Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute
Rückblick 2015
Unser traditionelles Chöretreffen in Reichenbach/OL. Der Kulturkreis „Simon Dach“ erfreute uns zu Arbeitstagung
Foto: mm im November in Chemnitz.
Foto: Jürgen Lienig
gezeigt. Überwiegend handelt es sich um Trachten der früheren
KreisgruppeSchwarzenberg.
Weitere landesweite Veranstaltungen wurden zur Erinnerung an
die Verabschiedungdes BVFG inLeipzigundderChartaderVertriebenen in Dresden jeweils mit rund 200 Teilnehmern durchgeführt.
BesserbesuchtwarennurderGedenktagfürdieOpfervonFlucht,
Vertreibung und Zwangsumsiedlung am 13. September im Plenarsaal des sächsischen Landtages in Dresden und der Tag der
Heimatam19. SeptemberinHoyerswerda. Am28. Novemberfand
die jährliche Kulturveranstaltung des LVS in Chemnitz statt. Sie
wurdevondemKulturkreis “SimonDach“gestaltet. Besonders die
vielenmitwirkendenKinderbegeistertendieTeilnehmer.
DiebeidenWanderausstellungen“IntegrationdurchLeistung“und
"UnsereneueHeimat–Sachsen“konntenwiederinverschiedenen
Institutionengezeigtwerden.
Am5. OktoberwurdeinOppeln/SchlesienimVestibüldes Landtages (Sejmik) die Ausstellung "Unsere neue Heimat" durch Vizemarschall Roman Kolek eröffnet. Die Ausstellung behandelt die
VertreibungundderenUrsachen. Die Resonanz indenpolnischen
Medienwarsehrpositiv.
Im Haus der Heimat in Reichenbach (Niederschlesien) konnte
wiederganzjährigdieSammlungderVertriebenenstiftungSachsen
mit Kulturgütern aus unseren Heimatgebieten besichtigt werden.
AucheinigeSchulklassengehörtenzudenBesuchern.
Alle landesweiten Veranstaltungen wurden aufgrund von §96
BVFGdurchdas Innenministeriumgefördert.
EinHöhepunktwardie Ausstellung“Erzwungene Wege“derStiftung"ZentrumgegenVertreibungen" imsächsischenLandtagEnde August bis Anfang September, die der sächsische Landtag und
dieStaatskanzleigemeinsamorganisierthatten.
NähereInformationenüberdieArbeitderVertriebeneninSachsen
finden Sie in unseren Zeitungen, die alle in das Internetportal
www.vertriebene-in-sachsen.deeingestelltwordensind.
FriedrichZempel
Der "Tag der Heimat" in Hoyerswerda.
Foto: Frank Hirche
Als derBdV-BundesverbandimHerbst2014das Leitwortfür2015
"Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute" festlegte, war
noch nicht abzusehen, welche Aktualität dieses Leitwort einmal
erreichen würde. Dem BdVwurde wieder vorgeworfen, ewiggestrig zu sein. Die Vertreibung der Deutschen wurde, wie seit Jahrzehnten, weiterhin als singuläre Folge der NS-Verbrechen
angesehen.
DerVerlaufdes letztenJahres hatleidergezeigt, dass dieSprecher
derVertriebenenverbändezuRechtimmerwiedergeforderthaben,
dass Vertreibungen, wie am Ende des Zweiten Weltkrieges, sich
nichtwiederholendürfen.
Der LVS, der EuB, die Landesgruppen der Landsmannschaften
und die Kreis- und Ortsverbände des BdVin Sachsen haben auch
im vergangenen Jahr wieder eine Reihe von Veranstaltungen
durchgeführt, überdieindieserZeitungberichtetwordenist.
Besonders hervorheben möchte ich das Treffen der Chöre am 7.
Juni in Reichenbach. Im Begleitprogramm wurde erstmalig die
von unserem Mitglied, Mario Morgner, zusammengestellte Ausstellung mit Trachten aus den Heimatgebieten der Vertriebenen
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Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
1990 – 2015: Vor 25 Jahren wurde der Grundstein für unseren
Landesverband gelegt
Dresden - Bereits Anfang Oktober 1990 mig und alle anwesenden Verbände tra- bereitet. Eingeladen waren dafür auch
trafen sich interessierte Heimatfreunde
in der Rähnitzgasse in Dresden mit der
Zielsetzung, in Sachsen einen BdV Landesverband zu gründen. Zur offiziellen
Gründungsversammlung eingeladen
wurde für den 12. Oktober in die CDUGeschäftsstelle Dresden, die sich damals
in der Lockwitzer Straße 26 befand. Die
insgesamt 16 Gründungsteilnehmer kamen aus Bautzen, Dresden, Hainichen,
Leipzig, Wurzen und Zittau. Beschlossen
wurde die Gründung des Bundes der
Vertriebenen, Vereinigte Landsmannschaften und Kreisverbände - Landesverband Sachsen/Niederschlesien. Die
Annahme der Satzung erfolgte einstim-
ten dem Landesverband bei. Kai
Reimann wurde dann mit der gerichtlichen Anmeldung als eingetragener Verein (e.V.) beauftragt.
Nach der Wahl des Vorstandes mit Rudi
Dombrowski als Vorsitzenden, Kai Reimann als Stellvertreter, Schatzmeisterin
Edith Wellnitz, Pressesprecher Werner
Krawatzeck und Ralph Schreiber als
Schriftführer bildeten sich noch verschiedene Arbeitsgruppen zur Strukturierung und Organisation der
anstehenden Arbeit. Auf der ersten Vorstandssitzung am 25. Oktober 1990
wurde die 1. Mitarbeitertagung für den
17. November des gleichen Jahres vor-
alle Parteien, mit Ausnahme der PDS,
sowie Vertreter der Landesregierung,
Abgeordnete und Vertreter des BdV
Bonn.
Mit Stand vom 17. Juli 1991 zählte der
Landesverband bereits 40 Kreisverbände und Landsmannschaften zu seinen
Mitgliedern.
Den vielen engagierten Menschen und
Unterstützern dieser „ersten Stunden“
gebührt ein besonderer Dank. Ich selbst
füllte mit Freude und Einsatzbereitschaft die Funktion des Schatzmeisters
von 1990 bis 1996 im Landesverband
aus.
Edith Wellnitz/mm
Sudetendeutsche Landsmannschaft als kooperatives Mitglied
des LVS begrüßt
Dresden - Am Rande der letzten Sit- meinsam abgestimmtes politisches menhänge erfolgen und eine Erinnezung im Dezember 2015 des Sächsischen Landtages trafen sich der
Landtagsabgeordnete der CDU und 1.
Vorsitzende des LVS, Frank Hirche,
der 1. Vorsitzender des Vereins "Erinnerung und Begegnung", Friedrich
Zempel sowie der Kreisvorsitzende des
BdV - Kreisverbandes Dresden, Meißen, Sächsische Schweiz, Wolfgang
Fiolka, mit dem Landesvorsitzenden
der Sudetendeutschen Landsmannschaft Sachsen, Dietmar Hübler, und
dem Stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) und gleichzeitig
Stellvertretenden Landesvorsitzenden
der SL und Pressesprecher Sachsens in
Dresden, um die Zusammenarbeit mit
dem LVS auf eine neue verbindlichere
Grundlage zu stellen.
Im Ergebnis des intensiven und offenkonstruktiven Gedanken- und Meinungsaustauschs einigten sich die Beteiligten auf eine kooperative Mitgliedschaft der SL, Landesverband
Sachsen, ab dem 1. Januar 2016. Den
dafür fälligen ersten Jahresmitgliedsbeitrag wird Claus Hörrmann als
zweckgebundene Spende zur Verfügung stellen.
Alle Beteiligten waren sich zugleich in
dem Wunsch einig, dass nur ein ge-
Handeln letztlich den berechtigten Anliegen der Vertriebenen im Land gerecht wird und damit die öffentliche
Wahrnehmung der Vertriebenen im
Bewusstsein Sachsens weiter erhöht
werden kann.
Erfreut zeigten sich die Gesprächspartner auch darüber, dass der 30.
CDU-Landesparteitag Sachsen einen
Beschluss zur Aufarbeitung des Themas "Flucht, Vertreibung und Integration nach 1945" im Rahmen
jährlich dotierter Projekte an Schulen
im Freistaat Sachsen an die CDUFraktion des Sächsischen Landtages
überwiesen hat.
Das Sächsische Staatsministerium für
Kultus soll nun gebeten werden, an
sächsischen Schulen jährlich dotierte
Projekte anzuregen, die das Thema
"Flucht, Vertreibung und Integration
nach 1945" aufgreifen. Dabei soll den
Schulen im Freistaat empfohlen werden, sich mit diesem Theme über die
regulären Lehrpläne, insbesondere in
den Fächern Gemeinschafts- und
Rechtskunde sowie Geschichte, hinaus
zu befassen und beispielsweise auch
Zeitzeugen aus der Region dazu aktiv
einzubinden. Es soll damit eine noch
intensivere Aufarbeitung der damit
verbundenen geschichtlichen Zusam5
rungskultur an die Geschehnisse vor
70 Jahren gepflegt werden. Dabei wird
es auch als sinnvoll angesehen, Parallelen zu den aktuellen Problemen von
Flucht und Vertreibung durch Krieg
und Terror in Teilen der Welt zu verdeutlichen, zugleich aber auch die Unterschiede deutlich herauszuarbeiten.
Die Mitglieder des Landesvorstandes
der SL in Sachsen, Renate Hasert und
Claus Hörrmann, beide aus dem
Schuldienst kommend bzw. noch aktiv
tätig, haben an der Vorbereitung dieses
Beschlusses maßgeblich dadurch mitgewirkt, dass sie der Arbeitsgruppe der
Union der Vertriebenen und Aussiedler, Landesverband Sachsen (OMV
Sachsen), der als Partner der Vertriebenen und Spätaussiedler fungiert,
entsprechende Lehrplananalysen und
Empfehlungen zur Thematik zur Verfügung stellten und somit die Mitglieder des Gremiums von der Notwendigkeit eines entsprechenden Beschlusses auch hinreichend überzeugen konnten.
Jetzt bleibt zu hoffen, dass dieses Thema recht zügig an den Schulen im
Freistaat umgesetzt wird und die noch
lebenden aktiven Zeitzeugen dazu regional intensiv mit eingebunden werden.
Claus Hörrmann/mm
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Berichte aus den Kreisverbänden
Herbstfest der Landsmannschaft Schlesien
Freiberg - Am Sonntag, dem 25. Oktober
2015, fand im „Brauhof“ in Freiberg das
HerbstfestderLandsmannschaftSchlesien
statt. 70 Mitglieder unseres Vereines
nahmen mit ihren Angehörigen und
FreundenandieserVeranstaltungteil. Mit
dabei waren diesmal auch Heimatfreunde
der Ostpreußen und der Sudetendeutschen, da deren Landsmannschaften
nichtmehrfunktionstüchtigsind.
Nach der Begrüßung der Mitglieder und
Gäste durch den Vorsitzenden der
Landsmannschaft Schlesien gab es einen
kurzen Rückblick auf die in diesem Jahr
durchgeführten Beratungen und Reisen,
wie dem Landesverbandstag der
Landsmannschaft Schlesien des Landes
Sachsen im Frühjahr in Freiberg und der
FahrtzumKulturfestivalnachBreslaumit
dem Besuch des internationalen JugendbegegnungszentrumsinKreisau.
Der Chor der Sängergemeinschaft aus
Lichtenberg gestaltete dann ein sehr
schönesKulturprogrammmitHerbst- und
Volksliedern, beidenendieTeilnehmerder
Veranstaltung auch fleißig mitsingen
konnten. ImAnschlußandasChorkonzert
berichtete Herr Alfred Theisen vom
Senfkorn Verlag aus Görlitz über neue
Entwicklungen in Schlesien. Dieser sehr
interessante Kurzvortrag beinhaltete
insbesonderedieindenletztenJahrensehr
erfolgreiche kommerzielle Entwicklung,
sowohl durch deutsche als auch durch
Heimattreffen der schlesischen
Stadt Sprottau in der Fischerbaude
in Holzhau
Text/Fotos:WolfgangHegenberg
Eintrag in das Silberne Buch der
Stadt Freiberg
Traditionen leben über Ländergrenzen hinweg – so
begleitet Dr. Jerzy Kosmaty die Städtepartnerschaft
Walbrzych (Waldenburg) – Freiberg, an deren Entstehen er maßgeblichen Anteil hat, von Anbeginn bis
heute. Regelmäßige gegenseitige Besuche der Knappschaften beider Städte zu traditionellen Anlässen gehen auf sein Engagement zurück, wie auch die
Vermittlung der Bergbaugeschichte und deren Bewahrung. Längst entspricht die Verbindung beider
Städte auch dank Dr. Kosmaty in besonderer Weise
dem Anspruch eines geeinten Europas. Sein Engagement wurde mit einem Eintrag in das Silberne Buch
der Stadt Freiberg zum Bergstadtfest 2015 gewürdigt.
Das Heimattreffen der früheren Bewohner der Stadt
Sprottau findet am Samstag, dem 25. Juni 2016, in der
Fischerbaude in Holzhau/Erzgeb. statt. Von Freiberg
aus fährt ein Bus nach Holzhau. Anmeldung zur
Mitfahrt bei „Sonnenschein Reisen“ Herderstraße 8 in Freiberg. Tel.: 03731 – 1682708.
Programm: Besichtigung der Brauerei Rechenberg und
Mittagessen. Weiterfahrt nach Holzhau zur Fischerbaude. Heimattreffen mit Kulturprogramm und KaffeeGedeck. 19.00 Uhr Rückfahrt nach Freiberg. Auch das
Ostpreußen Duo und ein schlesischer Mundartsprecher
sowie der Rübezahl persönlich werden das Kulturprogramm bereichern. Interessenten, die mit dem PKW
von außerhalb kommen, können im Parkhaus im Zentrum der Stadt Freiberg neben dem „Kornhaus“ und
der Stadtbibliothek ihr Auto parken. Der Abfahrtsort
ist dann gegenüber aufdem zentralen Busbahnhof.
polnischeInvestoren. Ererwähnteauchdie
in den letzten Jahren verstärkte
Zusammenarbeitzwischenpolnischenund
deutschen Institutionen, sowohl auf
staatlicherals auch aufprivaterEbene für
den Erhalt und den Ausbau von Objekten
der schlesischen Geschichte, wie z. B. von
Kirchen, Schlössern und dem Andenken
anbekannteschlesischePersönlichkeiten.
Herr Theisen hatte auch einiges
Informationsmaterial zu Reisen nach
Schlesien, zuLiteraturüberSchlesienund
Kalender für das Jahr 2016 mitgebracht,
dasgroßesInteressefand.
Schlesischer Tippelmarkt Görlitz
Der Schlesische Tippelmarkt findet in diesem
Jahr vom 16. –17. Juli in Görlitz statt.
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Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Ein großer Schlesier hat uns verlassen
Barbarafest in Waldenburg
Am 19. Dezember starb der langjährige Leiter des
Leipziger Gewandhausorchesters Kurt Masur.
Er wurde am 18. Juli 1927 in Brieg geboren. Neben
seinem Wirken als Gewandhauskapellmeister in Leipzig und Leiter anderer berühmter Orchester gehörte
Kurt Masur zu den sechs prominenten Leipzigern, die
den Aufruf „keine Gewalt“ verfaßten. Dieser Aufruf
wurde mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger
Stadtfunks verbreitet und trug maßgeblich zum friedlichen Verlauf der Leipziger Montagsdemonstrationen
bei. Kurt Masur wurde unter großer Anteilnahme der
Leipziger Bürger und zahlreicher prominenter Trauergäste am 14. Januar auf dem Leipziger Südfriedhof
beigesetzt.
Wolfgang Hegenberg
Am 4. Dezember 2015 fand wieder das Barbarafest in
Waldenburg statt. Daran nahm abermals eine Abordnung der Freiberger Knappschaft mit ihrem Vorsitzenden Knut Neumann teil.
Am Denkmal der Waldenburger Bergleute wurde ein
Blumengebinde niedergelegt. Anschließend wurde im
DFK Kaffee getrunken. Nach dem Gottesdienst führte
eine große Bergparade durch die Stadt Waldenburg
zum Bergbaumuseum, wo dann die Barbarafeier
stattfand.
Auf der Hinfahrt wurde im Schloss Lomnitz der Familie von Küster eine Mittagspause eingelegt.
Wolfgang Hegenberg
Landesverbandstag der
Landsmannschaft Schlesien in
Sachsen
Gedenktafel für den Arzt
Samuel August Zemplin in Szczawno
Zdroj (Bad Salzbrunn)
Am Badehaus des Kurortes Bad Salzbrunn wurde
Ende des vergangenen Jahres eine Gedenktafel für den
Arzt Samuel August Zemplin enthüllt, der im Jahr
1815 die ersten Wasser-Heilkuren durchführte. An den
damit verbundenen Feierlichkeiten nahmen auch
Vertreter des DFK Waldenburg teil.
Wolfgang Hegenberg
Im Frühjahr 2016 findet der Landesverbandstag der
LM Schlesien des Freistaates Sachsen wie bereits im
vergangenen Jahr wieder im „Brauhof“ in Freiberg
statt. Nähere Auskünfte dazu durch Friedemann
Scholz, Tel.: 0351-8483071. Interessierte schlesische
Heimatfreunde können als Gäste an dem Landesverbandstag teilnehmen.
Jahresabschluss der Ortsgruppe Pausa
Pausa – Zum Jahresabschluss hatte
die Ortsgruppe Pausa der Landsmannschaft Schlesien am Donnerstag in die
Gaststäte „Café am Markt“ eingeladen.
Mehr als 20 Teilnehmer konnte Helmut Dittrich zu einer geselligen Zusammenkunft bei Kaffee und Stollen
begrüßen. Zum Auftakt hatte er eine
CD aufgelegt, welche die Schüler der 6.
Klassen der Pausaer Oberschule ange-
fertigt hatten. In abwechslungsreicher
Folge trugen sie darauf Weihnachtslieder, Geschichten und Gedichte vor.
Einen guten Zuspruch fand auch die
Wiedergabe der DVD vom Weihnachtskonzert der Plauener Folkloregruppe
2010.
Dittrich brachte die Geschichte um die
Glocke von Giehren, heute ein Ortsteil
von Mirsk (Friedeberg im Isergebirge),
zum Vortrag. Die 13 Zentner schwere
Hauptglocke des dortigen Geläuts wurde 1942 als Reserve für den Rüstungswahn Hermann Görings eingezogen
und voller Zorn von den Giehrenern
vom Turm gestoßen – die Krone brach
ab, der Glockenkörper bekam einen
Riss. So wurde sie mit vielen Tausend
ihrer Schwestern in Hamburg auf dem
Glockenfriedhof verwahrt, bis der Giehrener Pfarrer nach der Übersiedlung
ins Siegerland auf die Idee kam, die
Glocke wiederherstellen zu lassen. Sie
wurde in Hamburg ausfindig gemacht
und von einer Glockenwerkstatt restauriert und Ende der 70er Jahre erneut geweiht, so dass sie heute in
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Braschoß, einem Stadtteil von Siegen,
in alter Klangfülle ein zweites Leben
hat. Natürlich kamen auch die alten
Erinnerungen an die schlesische Küche
ins Gespräch. Der gebürtigen Breslauerin Jutta Bleess (Jahrgang 1939)
sind aus der frühesten Kindheit die
Mohnkleeß in guter Erinnerung geblieben: „Eigentlich sind das gar keine
Klöße wie aus Kartoffeln, sondern erinnern eher an ´kalten Hund´. Kartoffelklöße waren eher ein Hauptbestandteil
des ´Himmelreichs´, von dem die Erwachsenen behaupteten, ´wer es nicht
kennt, hat umsonst gelebt´.“ Ist das
erste eher ein Schichtdessert, hat das
zweite eine Beilage von geräuchertem
Schweinebauch, der mit Backobst, Zimt
und Zitronenschale gekocht und mit
dem Backobst in einer süßlichen Mehlschwitze gemeinsam serviert wird –
verrät das Kochbuch. Doch auch andere
Gedanken an die Heimat der Kinderzeit sind den nun alten Herrschaften
lebendig geblieben und waren Inhalt
vieler Gespräche beim Zusammentreffen.
Text/Foto: Jochen Pohlink
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Sachsens erster BdV-Kreisverband:
Vor 25 Jahren gründete sich der Kreisverband Vogtland
Am 27. September 1990 trafen sich durch einen Anrufin der Zeitung zum ersten Mal Vertriebene aus den
ehemaligen Ostgebieten. Der Zuspruch unter der Bevölkerung brachte die Räumlichkeiten zum Platzen.
Auerbach - Vor 25 Jahren, am Anfang 1996 trat Frau Gerda Böh- Vorstand auf Wunsch unserer Mit02.10.1990, gründete sich der BdV mer mit dem Anliegen an den Vor- glieder weitere Fahrten. Ziele waren
Kreisverband Vogtland. Es war der 1. stand heran, eine Handarbeits- dabei unter anderem Marienbad und
Kreisverband in Sachsen, der auch gruppe zu gründen. So trafen sich am Kaiserwald sowie das Dreiländereck
noch heute besteht. Zeitweise zählte 23. Januar 1996 interessierte Frauen Sachsen – Bayern – Böhmen. Auch
der Verband ca. 3.000 Mitglieder, zum Häkeln, Stricken und Sticken. wurde 2007 der erste Tag der offenen
heute sind es nur noch ca. 300.
Seit dieser Zeit kommen unsere flei- Tür durchgeführt. Viele Gäste aus
Aus Anlass unseres 25-Jährigen Ju- ßigen Handarbeiterinnen jeden dem öffentlichen Leben unserer
biläums fand eine Festveranstaltung Dienstag im Verein für zwei Stunden Kreisstadt konnten wir an diesem
statt. Die Festrede hielt der Land- zusammen und fertigen viele schöne Tag begrüßen. Jedes Jahr führen wir
tagsabgeordnete Frank Heidan, die Dinge, die zu unseren Veranstaltun- diesen Tag durch und bis heute gibt
unter dem Motto „Vertreibungen sind gen auch ausgestellt und verkauft es eine rege Teilnahme.
Unrecht – früher und heute“ stand. werden.
Seit ca. 15 Jahren treffen sich die
Die Gäste der Veranstaltung dankten Zum Tag der Heimat 1997 wurden Deutschen aus Ungarn jeweils im
in ihren Grußworten dem Verein für das erste Mal die alten Trachten aus Frühjahr und im Herbst zu ihren
die Erhaltung der Tradition und die der Heimat gezeigt und der Ent- Schwabentreffen in Lichtenau. Bei
geleistete Arbeit in den vergangenen schluss gefasst, eine Trachtengruppe ungarischen Klängen der SchützkaJahren. Sie sicherten dem Vorstand zu gründen. Bei vielen Veranstaltun- pelle aus Palotaboszok finden sich
auch weiterhin ihre Unterstützung gen und auch bei anderen Anlässen Besucher aus dem Vogtland, dem
zu.
werden seit dieser Zeit diese Trachten Erzgebirge und dem Zwickauer
Die Chronik wurde von Frau Marika gezeigt.
Raum ein, um bei Polka- und
Trommer als Power-Point-Präsentati- Im Jahr 1998 fanden mehrere Reisen Csárdásmusik und gutem ungarion erstellt und während der Veran- nach Schlesien statt, die unser Wan- schen Essen gemütliche Stunden zu
staltung gezeigt.
derleiter Gerhard Seidel organisierte. erleben. Die Treffen beginnen jeweils
Am diesem Tag konnten viele unserer Die Reisen hatten viele Teilnehmer mittags mit einem originalen Kessellangjährigen Mitglieder geehrt wer- und werden bis heute in jedem Jahr gulasch. Bei Kaffee und Kuchen sowie
den, die sich aktiv in unseren Ver- angeboten.
gutem ungarischen Wein wird dann
band eingebracht haben. Sie erhielten Anlässlich einer Besichtigungstour bis in die Abendstunden gefeiert.
eine Chronik des Vereins als Bro- durch die Region besuchten Dr. Al- Für unsere aktiven Mitglieder veranschüre und eine Urkunde.
bert, Prinz von Sachsen und Herzog stalten wir jedes Jahr eine WeihIm September 1993 wurde eine Wan- zu Sachsen, und seine Gattin Elmira nachtsfeier. Ein besonderer Höhedergruppe gebildet, die bis heute wö- am 12. April 1999 auch das Büro und punkt war hier die Mettenschicht im
chentlich im Vogtland, aber auch in die Heimatstube des BdV-Kreisver- Besucherbergwerk Grube Tannenden angrenzenden Gebieten Thürin- bandes Vogtlandkreis e. V. in Auer- berg. Die Tradition der Mettenschicht
gens, Bayerns und Böhmens unter- bach. Das Prinzenpaar trug sich in liegt in Schlesien begründet, als sich
wegs ist. Auch Fahrten in die alten unser Gästebuch ein und versicherte, die Bergleute wegen eines BergwerkHeimatgebiete wurden unternom- auch künftig mit dem Kreisverband unglücks am Heiligabend fortan weimen. Ein kurzer Rückblick soll das in Verbindung zu bleiben.
gerten, an diesem Tag in die Gruben
vielfältige Vereinsleben etwas illus- Im Jahr 2000 gesellte sich mit dem einzufahren.
trieren.
ersten Auftritt zum „Tag der Heimat“ An der Eröffnung der WanderausIm November 1993 gründete sich die noch eine Tanzgruppe der Deutschen stellung „Unsere neue Heimat –
Regionalgruppe der Deutschen aus aus Ungarn dazu. Die Tänzer traten Sachsen“ am 11. Mai 2009 im SächsiUngarn. 1995 nahm die Gruppe in in einer Festtagstracht aus Kercseli- schen Landtag in Dresden nahmen
Budapest am Welttreffen der Do- get auf, die für alle von Elisabeth Fridolin Herrgeist, Gerda Böhmer,
nauschwaben teil. Mit besonderem Neuchenbauer angefertigt wurde. Zu Eva-Maria Bien und Marika TromStolz können wir darauf verweisen, Klängen von Csardas, Walzer und mer teil. Unser Kreisverband hatte
dass die Mitglieder unserer Auerba- Polka eröffneten sie den kulturellen an der Gestaltung der Ausstellung
cher Reisegruppe die einzigen Teil- Teil unserer Veranstaltungen. Seit- maßgeblichen Anteil. Viele der Tafeln
nehmer aus Deutschland waren, die dem erfreuen sie auch bei kleinen berichten über die Familiengeschichan diesem Welttreffen teilnahmen. und größeren Auftritten immer alle. ten unserer Mitglieder, die Lager, die
Dies war auch der Beginn der Un- Nicht nur im Vogtland sondern auch Kirchengeschichte im Vogtland und
garnreisen, die bis heute jährlich bei Schwabenbällen in Zwickau und über unsere Heimatstube.
stattfinden.
im Erzgebirge sind ihre Auftritte ein Der Vorstand, die AWO und Diakonie
Im Sommer 1995 konnten wir größe- Höhepunkt. Die Gruppe hatte auch organisieren seit mehreren Jahren
re Räumlichkeiten anmieten. Dies einige Auftritte beim Freundeskreis Heimattreffen in den Senioren- heigab uns die Möglichkeit, eine Heimat- Taksony in ihrer ungarischen Hei- men der Stadt Auerbach für unsere
stube und eine kleine Bibliothek zu mat.
Mitglieder und viele andere Interesschaffen. Hier sammelten wir Gegen- 2007 fand die erste Tagesfahrt ins sierte, die gesundheitlich oder aus Alstände aus der alten Heimat. Auch böhmische Erzgebirge statt. Dabei tersgründen nicht mehr in der Lage
wurden viele Dokumente, Schrift- besuchten unsere Mitglieder das sind, unsere Veranstaltungen zu bestücke und Bücher als Spenden und Grab des Erzgebirgsdichters Anton suchen. Mit Bildervorträgen über die
Leihgaben überreicht.
Günther. Danach organisierte der alte Heimat, Musik, Mundartdarbie8
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
sche Dokumente
und Fotos.
Flucht, Vertreibung
und
Neubeginn
nach dem 2. Weltkrieg waren das
Thema eines umfangreichen Projekts
des Bundes der Vertriebenen mit dem
Kirchenbezirk Auerbach, dem Pestalozzi-Gymnasium
Rodewisch,
der
Trützschler-Mittelschule Falkenstein
Die Arbeit mit Jugendlichen liegt dem BdV-KV
Vogtland besonders am Herzen.
Foto: mm und der LessingMittelschule Lentungen und der Vorstellung verschie- genfeld. Ziel war es, unter dem Titel
dener Trachten bereiten wir den Se- „Flucht und Vertreibung – Angekomnioren stets ein paar frohe Stunden. men im Vogtland“ an Hand von EinMit dem MDR und dem BdV-Kreis- zelschicksalen die Geschichte der
verband Vogtland e. V. entstand für Heimatvertriebenen von 1945 bis
die Reihe „Unterwegs bei Sachsens 1949 darzustellen. Ein weiterer
Nachbarn“ eine Publikation über die Schwerpunkt lag in der Aufarbeitung
Maiskirennen in den 30-iger und 40- der Rolle der Kirchen in diesem Zeitiger Jahren im Riesengebirge. Dabei raum. Die Ergebnisse des Projekts
entstanden Kontakte zu Personen in sollten in Form von AusstellungstaTschechien, die gepflegt und ausge- feln und Mappen für Schulen, Musebaut werden. Die weit reichende Re- en und Kirchgemeinden zur
sonanz auf diese Sendung zeigt, dass Verfügung gestellt werden.
sich diese Problematik nicht nur auf Den Bürgerpreis 2011 der Stadt Audie Heimatvertriebenen und deren erbach erhielt am 10. Februar 2012 in
Verbände beschränkt, sondern auch der Nicolaikirche der Vorsitzende unInteresse in weiten Kreisen der Öf- seres BdV-Kreisverbandes, Dr. Herbert Gall. Damit wurde vor allem sein
fentlichkeit findet.
Ein größeres Projekt war die Ausstel- Engagement für die Vertriebenen gelung im Museum Falkenstein unter würdigt. Er nahm den Preis aus der
dem Motto „Das Kriegsende: Flücht- Hand von Oberbürgermeister Manlinge und Vertriebene – Ein Neuan- fred Deckert entgegen und trug sich
fang in Falkenstein und Umgebung“, in das Goldene Buch ein. Seit 22 Jahdie gemeinsam mit dem Museums- ren setzt er sich mit seinen Heimatverein Falkenstein im Frühjahr 2011 freunden im BdV für die Wahrung
gestaltet wurde. Die Resonanz war so des kulturellen Erbes der Vertriebegroß, dass sich nicht nur Vertriebene nen und die Weitergabe der Traditioaus der Region im Museum einfan- nen an die junge Generation ein.
den, sondern auch Dr. Jens Baumann Der Tag der Heimat des Landesvervom Sächsischen Staats- ministerium bandes der Vertriebenen und
des Innern, die Ausstellung besuchte. Spätaussiedler im Freistaat Sachsen
Ein reges Interesse weckte diese Aus- fand am 15. September 2012 in
stellung auch bei jungen Leuten und Chemnitz statt. Auch eine Gruppe
Schülern, das unsere Erwartungen des Kreisverbandes Vogtland nahm
teil und präsentierte sich mit einem
bei weitem übertraf.
Die Broschüre, die vom BdV Vogtland Infostand über die Ergebnisse unseherausgegeben wurde und die Dr. rer Arbeit der letzten Monate und
Herbert Gall zur Eröffnung der Aus- Jahre. Besonders stolz machte es uns,
stellung in Falkenstein vorstellte, dass anlässlich dieser Veranstaltung
widmet sich der Geschichte der Hei- unser Vorsitzender Dr. Herbert Gall
matvertriebenen sowie ihrem schwe- und die stellvertretende Vorsitzende
ren Neuanfang im Vogtland in den Eva Reitzenstein für ihre langjährige
Jahren 1945 – 1949. Mario Morgner ehrenamtliche Arbeit mit der Ehrenaus Rodewisch hat sich dieses The- nadel des BdV in Silber ausgezeichmas angenommen. Als Grundlage net wurden
dienten ihm umfangreiche Unterla- Unter dem Titel „Flucht, Vertreibung,
gen unseres Kreisverbandes und die Neubeginn“ entstand in 18-monatiger
Berichte von Zeitzeugen, die ihm ihre Arbeit eine Dauerausstellung im MuErlebnisse schilderten. Komplettiert seum Auerbach, welche am 14. Sepwurde die Broschüre durch histori- tember 2013 in einem festlichen
9
Rahmen eröffnet wurde. An der Feierstunde nahmen Zeitzeugen, Mitglieder des Bundes der Vertriebenen,
Kommunalpolitiker und Bürger teil.
Die technisch aufwändige Präsentation dokumentiert die dramatische
Geschichte der Heimatvertriebenen
im Vogtland nach 1945. Heimatvertriebene ließen sich als Zeitzeugen
interviewen, filmen und überließen
dem Museum Erinnerungsstücke.
Aus unserer Heimatstube wurden
ebenfalls zahlreiche Dauerleihgaben
zur Verfügung gestellt.
Der zentrale Tag der Heimat des
Landesverbandes der Vertriebenen
und Spätaussiedler im Freistaat
Sachsen am 15. September 2013 in
Wernesgrün stand unter dem Motto
„Unser Kulturerbe – Reichtum und
Auftrag“. Die Liebe zur Heimat kam
auch musikalisch zum Ausdruck. Vier
Chöre erfreuten das Publikum mit
ihren Darbietungen und luden zum
Mitsingen ein. Absoluter Höhepunkt
des Tages war der Auftritt der „Egerländer Blasmusikanten“ aus Bad
Kissingen. Hieran nahm auch der
Staatssekretär des Sächsischen
Staatsministeriums des Innern, Herr
dr. Wilhelm, teil.
Im Jahr 2014 stellte sich die Frage,
wie es mit unserem Verband weitergeht, denn die Räume in Auerbach
konnten aus finanziellen Gründen
nicht gehalten werden. Durch den
Auerbacher
Oberbürgermeister
Manfred Deckert und Stadtrat FritjoffMöckel bekamen wir Hilfe und ein
neues Domizil im ehemaligen Rathaus Rebesgrün. Nach nur zweimonatlichem Ab- und Aufbau konnten
die Heimatstube und ein kleines Büro
eingerichtet werden.
Wir möchten uns bei Herrn Dr. Jens
Baumann vom Sächsischen Staatsministerium des Innern sowie der
Stadt Auerbach für die schnelle Hilfe
bedanken. Durch die rasche Reaktion
aller konnte die Schließung unseres
Vereins abgewendet werden.
Der Bund der Vertriebenen, Kreisverband Vogtland e. V., ist auch weiterhin bemüht, die Erfahrungen der
Heimatvertriebenen zu bewahren
und an die junge Generation weiterzugeben. Das Interesse an unserer
Arbeit führt nicht nur Schüler aus
dem Vogtland sondern auch Studenten von verschiedenen Universitäten,
aus den angrenzenden Bundesländern zu uns in die Heimatstube. Trotz
zunehmenden Alters stellen sich unsere Mitglieder gerne als Zeitzeugen
zur Verfügung und wir hoffen, dass
dies noch lange so bleibt.
Marika Trommer/Eva-Maria Bien
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Ostpreußisches Erntedankfest
Limbach-Oberfrohna - Unser
Ostpreußisches Erntedankfest ist seit
vielen Jahren zu einer lieb gewonnen
Tradition geworden und wir konnten
es schon oft mit vielen fröhlichen
Menschen feiern. Aın 17. 0ktober
2015 war es wieder einmal so weit.
Die Kreisguppe der Ost-Westpreußen
hatte dazu alle Landsleute und viele
Gäste ganz herzlich eingeladen. Die
Vorbereitungen dazu hatten die Vorstandsmitglieder mit viel Liebe schon
lange Zeit vorher getroffen. Unser
Landsmann Horst Braczko hatte
Mais und Getreide auf seinem Feld
angebaut. Daraus fertigte er wunderschönen herbstlichen Schmuck für
die Ausschmückung des Festsaals im
Esche-Museum. Ein ganz großes
Dankeschön von uns allen für diese
Leistung. Er sorgte auch dafür, dass
die Bauernfamilien mit allen Erntearbeitsgeräten einmarschieren konnten. Der von den Vorstandsmitgliedern angefertigte Tischschmuck durfte von den Teilnehmern
als kleines Geschenk mit nach Hause
genommen werden.
Sehr stolz sind wir auf die junge Generation, die uns mit ihrer großen
Unterstützung hilfreich zur Seite
steht. Die Kinder, Enkel und Urenkel
der Familie Weihe leisten vollen Einsatz bei der Vorbereitung und Durchführung unserer Veranstaltungen.
Herzlichen Dank euch allen.
Ein wunderbares Herbstwetter lockte viele Teilnehmer zu unserem Erntedankfest. Unser Saal erstrahlte in
bunter Farbenpracht des Herbstes.
Der Raum wurde bis auf den letzten
Platz gefüllt. Nicht nur von Limbach
Oberfrohna kamen die Leute. Aus
Berlin konnte Frau Dr. Ingeborg
Christoph ganz herzlich begrüßt
werden. Sie unterstützt seit langer
Zeit die Arbeit der Jugend. Eine
großzügige finanzielle Spende wurde
von ihr für die weitere Arbeit mit der
Jugend übergeben.
Der Vorsitzende der Kreisgruppe
Leipzig, Herr Peter Wolf, brachte neben Grußworten einen fröhlich geschmückten Kürbis als Geschenk mit
und übergab eine Spende für die weitere Arbeit unserer Gruppe. Herzlichen Dank! Weitere Ehrengäste
konnten mit Freude begrüßt werden,
so der Landesvorsitzende Alexander
Schulz; der Vorsitzende der KG Torgau, Reinhold Beierling und der
Vorsitzende der KG Oelsnitz im
Vogtland, Herr Kurt Jurgeit. Nach
der Begrüßung durch Kurt Weihe
gab es den Einmarsch der Bauernfamilien in ihrer bäuerlichen Kleidung
und mit Erntewerkzeugen. Helga
Büchner rezitierte das Gedicht „Ein
Stückchen Brot“ und in ihrem Körbchen hatte sie sogar ein frisches Brot.
Nun wurde die Erntekrone von Elli
Springwald und Hannelore Kedzierski gebracht. Beide trugen voller
Stolz ihre Ostpreußentracht.
Die Schüler der Gerhart-Hauptmann-Oberschule Limbach-Oberfrohna führten ein buntes
Kulturprogramm durch. Sie erfreuten uns mit frohen Liedern vom
Herbst. Die Kinder erhielten großen
Beifall. Eine zweite Gruppe der
Schüler hatte ihre Bernsteinarbeiten
ausgestellt und man konnte ihnen
bei der Arbeit zusehen. Seit langer
Zeit gibt Herr Weihe den Kindern
Anleitung und Unterstützung zur
Verarbeitung des Bernsteins.
Der gemischte Chor Langenberg,
unter der Leitung von Frau Gladen,
führte uns nun weiter durch den
bunten Herbst mit frohen Herbstund Heimatliedern. Wir durften unsere bekannten Lieder fröhlich mitsingen.
Zum Kaffee hatten die Frauen frischen Kuchen gebacken. Es gab belegte Brote mit frisch geschlachteter
Wurst und Schmalzbrote standen auf
den Tischen. Die Teilnehmer waren
begeistert und fühlten sich sehr wohl.
Zwei Frauen, die erstmals an unserer
Veranstaltung teilnahmen, gefiel es
so gut, dass sie gerne unserer Kreisgruppe beitreiten wollen.
H. Kedzierski/mm
Spendenkonto des Landesverbandes:
Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz
Ostsächsische Sparkasse Dresden
IBAN: DE10 8505 0300 0221 0036 57
BIC: OSDDDE81XXX
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Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Ehrung mit Katharinen-Medaille
Evgenija Wolf (links) und Lene Tschechlov (rechts) erhalten die Katharinen-Medaille der Deutschen aus Russland vom Landesvorsitzenden Florian Braun. Im Hintergrund der Chor „Silberklang“.
Foto: Elvira Tetzlaff
Dresden - Am Nachmittag des mannschaft geehrt.
15. Dezember 2015 fand in der
Kirchgemeinde auf der Dresdner Bernhardstraße die weihnachtliche
Brauchtumsveranstaltung der Ortsgruppe
Dresden statt. Der Einladung
folgten neben den Mitgliedern
der Landsmannschaft auch
zahlreiche Gäste – unter ihnen
Vertreter der Vertriebenenverbände aus Leipzig und Dresden.
Nach dem Auftritt des Chores
„Silberklang“ der Ortsgruppe
Dresden, der in gewohnter ausgezeichneter Qualität verschiedene Weihnachts-, Volks- und
Heimatlieder darbot, das Publikum zum Mitsingen animierte
und damit in eine vorweihnachtliche Stimmung versetzte,
gab es einige Grußworte der
Gäste.
Danach wurden vom Vorsitzenden der Landesgruppe Sachsen,
Florian Braun, zwei Frauen für
ihr langjähriges ehrenamtliches
Engagement in der Lands-
Die Auszeichnung mit der Katharinen-Medaille der Deutschen aus Russland erhielten
Lene Tschechlov und Evgenija
Wolf.
Florian Braun würdigte in seiner Ansprache das große Engagement der beiden Frauen.
Lene Tschechlov ist Gründungsmitglied der Landsmannschaft in Dresden und seitdem
in all den Jahren intensiv im
Einsatz für ihre Landsleute.
Seit mehreren Jahren fungiert
sie auch als Leiterin der
Deutsch-Übungskurse für Seniorinnen und Senioren in der
Geschäftsstelle der Ortsgruppe
Dresden.
Evgenija Wolf ist seit der Gründung des Chores „Silberklang“
vor zehn Jahren dessen künstlerische Leiterin. Als ehemalige
Opernsängerin aus Kasachstan
bringt sie genügend Erfahrungen mit, die sie an die Chormitglieder weitergibt. Der Chor ist
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heute – vor allem Dank Evgenija Wolf – qualitativ auf sehr hohem Niveau angekommen. Er
bestreitet jedes Jahr zahlreiche
Auftritte im In- und Ausland
und wird jedes Mal mit sehr
viel Applaus vom Publikum belohnt.
Nach dem feierlichen offiziellen
Teil der Veranstaltung gab es
dann bei Kaffee und Kuchen intensive Gespräche an den Tischen, die alle liebevoll gedeckt
waren. Hier sei an dieser Stelle
ein Dank an die Organisatoren
und fleißigen Helfer gesagt.
Ein ganz besonderes Dankeschön geht aber an Irina Betz
und den Vorsitzenden des Vereins Euro-Bridge e. V., Dr. Josef
Schneider, die beide der Ortsgruppe Dresden eine Spende
übergaben. Mit dieser Spende
war es möglich, jedem Gast ein
kleines weihnachtliches Geschenk zu überreichen.
Birgit Matthes
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Landsmannschaft Schlesien: Rundbrief 1/ 2016
Liebe Mitglieder der Orts- und Kreisgruppen des Landesverbandes Sachsen/ Schlesische Lausitz, ich hoffe, Sie sind alle gut in das neue Jahr 2016 gekommen!
Dieses Jahr wird für uns Deutsche ein Schicksalsjahr. Die „Flüchtlingskrise“ und deren dramatische Auswirkungen
auf unser Land beschäftigen Sie sicher selbst. Hoffen wir, dass die verantwortlichen Politiker endlich diesen Zustrom
an Menschen fremder Kulturen regeln können und ebenso für den Schutz und das Wohl seiner eigenen Bürger eintreten.
Auch in diesem Jahr gedenken wir der völkerrechtswidrigen Vertreibung der Bewohner unserer Ostprovinzen und der
anderen Siedlungsgebiete vor 70 Jahren. Viele von Ihnen, auch meine Eltern, wurden 1946 ihrer schlesischen Heimat
verwiesen. Im Laufe der Jahre haben vor allem Sie, die Vertriebenen, eine Brücke zu ihrer alten Heimat aufgebaut.
Sie reisten oft in die Herkunftsorte und stellten Kontakte zu den jetzt dort lebenden Einwohnern her. Immer enger
wurden die Bindungen. Viele Gedenksteine wurden aufgestellt, Denkmale restauriert - alles in Zusammenarbeit mit
den politischen und gesellschaftlichen Kräften vor Ort. Natürlich gibt es trotzdem noch viele Probleme und Widerstände. Doch die jetzigen Bewohner unserer historischen Ostgebiete nehmen sich vermehrt der Geschichte ihrer Wohnorte
an, akzeptieren deren deutsche Vergangenheit. Leider sind die Beziehungen der deutschen Heimatvertriebenen zu ihrer alten Heimat bedroht. Nach der Wahl der neuen polnischen Regierung wurde diese ausgerechnet von zwei deutschen EU-Politikern scharf angegriffen. Die neu erlassenen Gesetze der rechtsstaatlich gewählten Regierung trügen
„Staatsstreichcharakter“, Polen müsse gar unter Aufsicht gestellt werden. Gerade unsere Politiker, die immer wieder
über eine notwendige „Versöhnung“ mit Polen sprechen, schaden dieser mit ihren gewählten Worten. Sie vergessen,
dass diese Regierung mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde, weil das polnische Volk seine nationale Identität
in christlich - abendländischer Tradition, gerade auch durch das Verhalten der deutschen Seite in der „Flüchtlingskrise“, bedroht fühlt. Ein wenig von diesem Patriotismus wünschte ich unseren Politikern und: Kehren wir erst vor unserer eigenen Tür! Reichen wir Schlesier der neuen Regierung in Warschau die Hand zur Zusammenarbeit und zeigen
so, dass wir treu zu unserer verlorenen Heimat mit ihrer reichhaltigen Kultur stehen. Beteiligen wir uns nicht an den
Vorverurteilungen. Wir schaden sonst unserem mühsam erarbeiteten Ansehen und erschweren die Lage unserer
Landsleute in Polen.
Auch 2016 gibt es vielfältige Veranstaltungen für uns Schlesier. Das erste wichtige Ereignis wird unser eigener Landesverbandstag mit Neuwahl des Vorstandes am 2. April in Freiberg sein. Im Vorfeld fand am 5. Februar unsere erste
Vorstandssitzung in Dresden statt. Dabei wurden die organisatorischen Fragen rund um den Landesverbandstag besprochen, der Haushalt- und Finanzplan 2016 vorbereitet.
Der Bundesvorstand trifft sich am 27. Mai in Fulda, wo am 28. Mai auch die Bundesdelegiertenkonferenz tagt. Weitere
Termine sind bereits in dieser Ausgabe unserer Zeitschrift veröffentlicht.
Zum Abschluss des Rundbriefes noch die „Betrachtung der Zeit“ von Andreas Gryphius, dem schlesischen Barockdichter, dessen 400. Geburtstag wir im Oktober gedenken:
Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Ich hoffe, Sie zahlreich bei unserem Landesverbandstag zu sehen und freue mich darauf.
Mit heimatlichen Grüßen,
Friedemann Scholz
Vorsitzender
Hilferuf:
Historische Gesellschaft Liegnitz sucht dringend Vorstand
Nach dem altersbedingten Rückzug des bisherigen Vorsitzenden der Historische Gesellschaft Liegnitz (HGL), Sigismund Freiherr von Zedlitz, konnte bisher noch kein Nachfolger gefunden werden.
Die HGL setzte sich seit ihrer Gründung 1970 zur Aufgabe, die Geschichte der Stadt und des Herzogtums Liegnitz und seines niederschlesischen Umlandes durch wissenschaftliche Bearbeitung zu
erschließen und so deren kulturhistorische Bedeutung zu pflegen. Dazu wird jährlich ein Band zur
Reihe „Beiträge zur Liegnitzer Geschichte“ herausgegeben. „Der Arbeitsaufwand sollte sich daher
im Rahmen halten“, teilt HGL-Mitglied Christian Kirchner mit.
Nähere Informationen zur Gesellschaft und zur Mitarbeit unter: Christian Kirchner, Burgstädter
Straße 7, 09212 Limbach-Oberfrohna, Tel. 03722/599194, Email: [email protected]
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Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Sudetendeutsche feiern besinnlich Advent
Der Radeberger Posaunenchor erfreut die Herzen.
Radeberg - Die Festtafeln im Saal
des "Forsthauses" Radeberg waren
an diesem Nachmittag liebevoll von
den Frauen weihnachtlich geschmückt und Christstollen, selbstgebackene Plätzchen und Kaffee
luden zum letzten Adventstreff der
Kreis- und Ortsgruppe Radeberg
und Umgebung der Sudetendeutschen Landsmannschaft in diesem
Jahr ein.
Obmann Jürgen Schmidt ging nach
der Begrüßung der fast vollständig
anwesenden Gruppe auf das
Brauchtum im Advent ein und stellte die Bedeutung des Adventskranzes, den Barbaratag, der
insbesondere in seiner Erzgebirgischen Heimat ein Rolle spielte, vor
und schilderte Bräuche zum Heiligen Nikolaustag und seines Auftretens mit dem Krampus bzw. Knecht
Ruprecht. Die früher tägliche Roratemesse zu Ehren Marias und der
Kienspan als lebendiges Licht in den
Zeiten ohne Elektrizität in den
Bergdörfern des Sudetenlandes
wurden ebenfalls von ihm bedacht.
Landsfrau Olga Schmidt rezitierte
die Geschichte "Alte Freunde kommen" und stellte dabei typische Figuren der Adventszeit, wie
Nussknacker, Bergmann und Lichterbraut, Räuchermannl, Chorknaben und die Striezelmarktkinder
vor. Anschließend erfreute sie die
Anwesenden mit dem Gedicht
"Weißt du noch" von Ursula Beckert.
Festlicher Höhepunkt war dann die
Blumen für die 90jährige Alice Andrich.
Lesung aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas. Dafür hatte Obmann Schmidt seine mehr als 100
Jahre alte Bibel mitgebracht, die für
ihn von besonderer persönlicher Bedeutung ist.
Heiter ging es dann mit der
Schmunzelgeschichte von Landsfrau Mechthilde Freier weiter. Darin spielten die leckeren Plätzchen
der Frauen eine herausragende Rolle.
Eine besondere Überraschung war
der Auftritt des Radeberger Posaunenchors, der zuvor den Radeberger
Weihnachtsmarkt eröffnet hatte
und jetzt die Frauen und Männer
mit weihnachtlichen Liedern zum
Mitsingen einlud. Anschließend erzählte Landsmann Frank Ulrich
noch vom eigenen Weihnachten als
Kind im Isergebirge.
Geburtstagsgrüße und Blumen gab
es für das älteste Mitglied der Ortsgruppe Alice Andrich, die mit 90
Jahren die Gruppe anführt und
noch regelmäßig am Vereinsleben
teilnimmt.
Mit Anteilnahme wurde auch der
von Landsmann Fred Menzel verlesene handgeschriebene Brief von
Maria Hörnig aus Leppersdorf aufgenommen. Sie kann zwar nicht
mehr selbst an den Veranstaltungen
teilnehmen, nimmt aber durch Briefe und Gedichte noch regelmäßig
Anteil. Menzel erinnerte an ihre unvergesslichen Harmonikaauftritte
ebenso wie ihren beeindruckenden
13
Zeitzeugenauftritt in der Schule von
Landsmann Claus Hörrmann. Anschließend rezitierte er noch Joseph
von Eichendorffs "Geschichte aus
dem Riesengebirge".
Für die Jahresübersicht 2016 hatten
sich die Landsmänner Schmidt und
Menzel dieses Mal etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Neben der
Terminübersicht der Veranstaltungen für das kommende Jahr waren
zahlreiche Back- und Kochrezepte
für typische sudetendeutsche Gerichte beigefügt, nicht zuletzt auch
als Anregung, den Kindern und Enkeln auch auf diese Art und Weise
die Heimat ihrer Vorfahren nahe zu
bringen.
Der Stellvertretende Bundesvorsitzende und Stellvertretende Landesobmann Claus Hörrmann hatte für
alle Teilnehmer wieder einen persönlichen Weihnachtsbrief verfasst
und in einer festlich-ansprechenden
Mappe mit der Weihnachtsgeschichte verpackt. Dabei bedankte
er sich für die einmütige Unterstützung seines politischen Kurses innerhalb des Bundesvorstands der
Sudetendeutschen Landsmannschaft in München und versicherte,
durch sein Engagement - durch die
Mitglieder gestärkt - auch weiterhin
dieser Richtungsentscheidung treu
zu bleiben. Zum Abschluss dankte
er auch der Wirtin des Forsthauses,
Frau Hofmann, für die seit vielen
Jahren gewährte Gastfreundschaft.
Text/Fotos: Claus Hörrmann
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Ost- und Westpreußen des KV Chemnitz unternehmen eine
musikalische Winterreise durch Ostpreußen
Chemnitz - Nachdem alle an den
weihnachtlich geschmückten Tischen
Platz genommen hatten, sangen wir
gemeinsam „Land der dunklen Wälder“. Danach erfolgte die Begrüßung
aller Anwesenden durch die Vorsitzende.
Für diese Veranstaltung hatten wir
den „Männerchor Rottluff“ eingeladen.
Gegründet wurde dieser Chor bereits
1839. Chorleiter ist Herr Dr. G.
Herold, der für unseren Verein
ein Weihnachtskonzert einstudiert hatte, das keine Wünsche
offen ließ. Dargeboten wurden:
Oh du Fröhliche; Oh du Weihnacht, laß es klingen; Herbei oh
Ihr Gläubigen; An die Macht
der Liebe; Wenn´s Raachermännel nabelt; Oh Tannenbaum; Ihr Leite freit eich alle; Oh
Erzgebirg, du mei Heimatland; Jingle
Bells; Süßer die Glocken nie klingen;
Aber Heitschi bumbeitschi; Am Weihnachtsbaum die Lichterbrennen;
Sind die Lichter angezündt; Stille
Nacht, heilige Nacht; Gloria, Gloria,
Gott in der Höh; Ihr Kinderlein kommet; Kommet Ihr Hirten und Männer
und Frauen.
Diese Lieder singt man auch heute
noch überall zur Weihnachtszeit.
In der Pause danach wurde bei Gebäck und Kaffee ausgiebig geplaudert.
Auch Frau Labuhn stimmte mit allen
Anwesenden nochmals Weihnachtslieder an, die alle freudig mitsangen.
Viel Beachtung fand auch die Handarbeitsausstellung der fleißigen Frauen aus der Frauengruppe. Alle hatten
viele nützliche Sachen wie Handschuhe, Mützen, Schals und Kinderpullover und noch vieles mehr
fertiggestellt. Herzlichen Dank für die
vielen Stunden Handarbeit und die
reichhaltige Ausstellung.
Herzlichen Dank sage ich auch Herrn
Dr. Baumann und den Mitarbeitern
des SMI für die gute Unterstützung.
Text/Foto: Sieglinde Langhammer
Preußische Zinnfiguren
Dr. Wienzeck mit einer
Auswahl an bemalten (im
Bild Friedrich der Große) und
unbemalten Zinnfiguren.
Chemnitz - Zu dieser Veranstaltung
hatten wir Herrn Dr. Wienzeck, der
selbst Zinnfiguren bemalt und sammelt, als Referent eingeladen. In seinem Vortrag erläuterte er uns die
verschiedenen Herstellungsverfahren
und das Bemalen bis zur fertigen Zinnfigur. Die Geschichte der Zinnfiguren
begann bereits im antiken Griechenland, wobei die „Vorläufer“ der heutigen Zinnfiguren meist sogenannte
Pilgerabzeichen aus dem 14. und 15.
Jahrhundert waren. Mit der Zeit wurden diese weiterentwickelt und es entstanden die Voll- und halbplastischen
Zinnfiguren. Damit die Zinnfiguren
möglichst echt aussahen, wurden auch
Künstler mit der Gestaltung beauftragt. Heute werden Flachfiguren mit
einer Größe von 30mm bevorzugt. Diese hielten als „Lernspielzeug“ in die
Kinderzimmer Einzug und wurden zur
Darstellung historischer Ereignisse
verwendet. Ab 1920 wurden die Zinnfiguren realistischer gestaltet und Erwachsene begannen,
historische
Zinnfiguren zu sammeln. Hierzu zeigte uns Herr Wienzeck verschiedene Dioramen mit Darstellungen des Lebens
am Preußischen Hof, aber auch Jagdszenen sowie die Begegnung der Königin Luise mit Napoleon. Wir sahen
Heeresdarstellungen mit den Bannerträgern der Schlacht von Tannenberg,
14
aber auch Dioramen vom Leben der
Bevölkerung auf dem Land wurden
gezeigt. Am Ende des interessanten
Vortrags gab es noch viele Fragen zur
Maltechnik und Gestaltungsweise, die
Herr Wienzeck gerne beantwortete.
Die Zuhörer dankten dem Referenten
für seinen Vortrag mit viel Applaus
und werden sich noch lange daran erinnern. Auch der Kulturkreis „Simon
Dach“ war aktiv und erfreute uns mit
seinen Liedern.
Abschließend bedanke ich mich bei
Herrn Dr. Baumann und den Mitarbeitern des SMI für die geleistete Unterstützung.
Text/Fotos: Sieglinde Langhammer
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Das „Blutgericht“ im Königsberger Schloß
Unsere Referentin Frau Ingrid Labuhn erläuterte die Entstehung und Nutzung des Feinschmecker
und Weinlokals Blutgericht bis zur Vernichtung während des 2. Weltkriegs.
Schlosshof
mit Eingang
zum Blutgericht etwa
1934 (links)
und nach
dem Krieg.
Bilder:
Archiv mm
Chemnitz - Der mit den Salzburgern eingewanderte David Schindelmeißer ließ sich in Königsberg nieder
und gründete 1738 ein Weinlokal im
Königsberger Schloß. Sowohl die Königsberger als auch die Studenten
und Touristen kehrten gern dort ein.
Zunächst wurde nur Rotwein getrunken. Die Kellner bedienten die Gäste
in blauen Kitteln mit vorgebundenen
Lederschürzen. Ausgestattet war das
Lokal mit groben Holzmöbeln und
geschnitzten Prunkfässern im Hintergrund. Hinein gelangte man über
eine schmale Kellertreppe im
Schlosshof unterhalb des Marstalls.
Im Jahr 1738 gründete der aus dem
Salzburgischen eingewanderte Balthasar Schindelmeißer in der Kneiphöfischen Langgasse eine Weinhandlung. Die günstige Lage Königsbergs ermöglichte ihm Filialen in
Warschau und Wilna. Das steigerte
die Erträge, so dass er sich 1760 das
Gut Luisenthal in Juditten kaufen
konnte. Johann Christoph Richter
betrieb seit 1799 im Schlosskeller eine kleine Weinhandlung mit Weinlager.
Gemeinsam mit den Nachfahren des
Balthasar Schindelmeißer gründete
der Kommerzienrat Johann Christoph Richter eine Handelsgesellschaft. Das ermöglichte die
Anmietung der weiträumigen Kellergewölbe als Lagerhallen mit Weinlokal, das immer beliebter wurde.
Unter der Leitung von Karl Matzdorf konnte der Weinhandel auch
auf das Rhein-Main-Gebiet ausgedehnt werden. In den Gasträumen
fand der Rhein- und Moselwein regen Zuspruch und die Gäste sangen
emsig Rheinlieder z.B.: „Warum ist
es am Rhein so schön“ oder „Es zogen
drei Burschen“. Für die hungrigen
Gäste des Lokals wurden auch Gerichte angeboten und es duftete nach
Königsberger Fleck und Königsberger Klops. Im Laufe der Zeit besuchten das Lokal auch Prominente, so
auch die Schauspieler Paul Wegener
und Heinrich George, auch Graf
Luckner und Großadmiral Prinz
Heinrich von Preußen, die Schriftsteller Fritz Skowronnek und Ernst
von Wolzogen, Thomas Mann, Joachim Ringelnatz, auch Außenminister Gustav Stresemann, der Maler
Lovis Corinth und Richard Wagner,
der viele Opern schrieb, die in Ostpreußen spielten, jedoch nicht mehr
aufgeführt werden. Der Name „Blutgericht“ bezog sich möglicherweise
auf die Gasträume, die in den unterirdischen Tonnengewölben mit den
gewölbten Decken und spitzen Bögen lagen. Die grottenartigen Räume hatten furchteinflößende
Namen, die an mittelalterliche Folterkammern erinnerten: Diebesgefängnis, Marterkammer, große
Glocke, Peinkammer, Pfefferstub´
oder Spanische Nadel. Zur feuchten
Kelleratmosphäre passten die groben
Holzmöbel sowie die schmiedeeisernen Wandleuchter und die Modelle
alter Hansekoggen an der Decke. Bis
April 1945 wurde das „Blutgericht“,
trotz der Zerstörung des Schlosses
durch die britischen Luftangriffe Ende August 1944, gastronomisch ge15
nutzt. Nach der Eroberung
Königsbergs durch die Rote Armee
war das Schloß schwer beschädigt
und die Stadt wurde umbenannt in
Kaliningrad. Erst 1969 wurde die
Ruine des Schlosses gesprengt und
abgetragen. Damit endete auch die
Geschichte einer gastronomischen
Einrichtung, die sich im Bekanntheitsgrad in Deutschland durchaus
mit „Auerbachs Keller“ in Leipzig
vergleichen konnte.
Das zeigt, wie durch sinnlose Kriege
über Jahrhunderte gewachsene
Kulturgüter und Traditionen vernichtet werden und Millionen
Menschen durch Flucht und
Vertreibung heimatlos werden, wie
wir es auch heute wieder erleben.
Leider sind Politiker noch immer
nicht in der Lage, für einen
dauerhaften Weltfrieden zusammen
zu arbeiten.
Der Kulturkreis „Simon Dach“ hat
passend zum Thema die entsprechenden Lieder und Gedichte vorgetragen.
Damit ging ein interessanter und
inhaltsreicher Nachmittag zu Ende.
Die Anwesenden dankten der
Referentin und dem Kulturkreis
„Simon Dach“ mit viel Beifall für
ihren Beitrag. Auch allen anderen
Helfern ein herzliches Danke für Ihre
Mühe. Bedanken wollen wir uns
auch bei den Mitarbeitern des SMI
und Herrn Dr. Baumann für ihre
Unterstützung, ohne die wir die
Veranstaltung nicht durchführen
könnten.
Sieglinde Langhammer/mm
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Termine 2016
Landsverband der Vertriebenen und Spätaussiedler
im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz
19.03.2016:
11.00 Uhr
16.04.2016:
14.00-16.00 Uhr
19.06.2016:
9.30 Uhr
25./26.11.2016:
Landesverbandstag
Hotel Lengenfelder Hof, Auerbacher Str. 2, 08485 Lengenfeld
64 Jahre Bundesvertriebenengesetz
Platner Hof, Platnerstraße 34, 09119 Chemnitz
Treffen der Chöre/ Tag der Heimat/ Chartatag/
Sächsische Gedenktag für die Opfer von Flucht,
Vertreibung und Zwangsumsiedlung (Gemeinschaftsveranst.)
Kirchplatz 2, 02894 Reichenbach/Oberlausitz
Jahresabschlussveranstaltung in Freiberg oder Leipzig
Landsmannschaft Ost- und Westpreußen Landesgruppe Freistaat Sachsen
03.04.2016:
9.30-15.00 Uhr
04.06.2016: 10.00-18.00 Uhr
08.10.2016: 10-15 Uhr
05.-06.11.2016:
Kirchentag der Gemeinschaft der ev. Ostpreußen
Kirche St. Matthäus/Chemnitz
4. Regionaltreffen in Leipzig
Tag der Heimat
Jahresabschluss
Infos zu den Veranstaltungen erteilt Herr Alexander Schulz unter Telefon (0371) 301616.
Landsmannschaft Ost- und Westpreußen/ KG Limbach-Oberfrohna
07.05.2016:
23.06.2016:
08.10.2016:
10.12.2016:
11.09. bis 17.09. 2016
Flucht, Vertreibung u. Integration
Tagesfahrt mit Besuch der Vertriebenengedenkstätte in Freiberg
Erntedankfest
Heimatliche Weihnacht wie in Ostpreußen
Urlaubsfahrt nach Stolpmünde/Ustka - Pommern
Veranstaltungen mit der G. - Hauptmann - Schule:
04.08.2016:
Fahrt mit allen Lehrern zum Haus der Heimat
Fahrt mit den 9. Klassen der Schule in der Woche vom 26.09. bis 30.09.2016 zum Haus der Heimat nach
Reichenbach/OL
03.08. 2016:
Brauchtumsnachmittag in der G. – Hauptmann-Schule
Landsmannschaft Ost- und Westpreußen KV Chemnitz
28.05.2016
14 Uhr
03.09.2016
14 Uhr
15.10-2016
11 Uhr
14 Uhr
9.11.2016
12 Uhr
03.12.2016
14 Uhr
Ostpreußisches Weltkulturerbe – Tragik um die Kirche in Arnau
Referent: Dr. Walter T. Rix; Chemnitz, Leipziger Str. 167
Landwirtschaft in Ostpreußen – Erntedank
Gestaltung: Frau Labuhn; Chemnitz, Leipziger Str. 167
Gottesdienst - kleiner Saal
Königsberg - Ostpreußens Hauptstadt
Referent: Herr Grimoni, Leiter des Museums „Haus Königsberg“
Chemnitz/Platner Hof
Gedenkveranstaltung am Gedenkstein auf dem Friedhof in
Reichenbrand
Marzipan aus dem Haus „Schwermer“
Gestaltung: Frau Labuhn; Chemnitz/Platner Hof
Frauenzirkel: AWO Leipziger Straße 167, Beginn 13.00 Uhr
Termine:
19.02. 22.04. 17.06. 19.08. 21.10. 16.12.
Spielezirkel: AWO Leipziger Straße 167, Beginn 13.00 Uhr
Termine:
22.01. 18.03. 20.05. 22.07. 16.09. 18.11.
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Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Leserbriefe
Veranstaltung der Vertriebenen im Haus der Heimat
Reichenbach ist eine Kleinstadt vor den Toren von Görlitz und liegt an der alten
Handelsstraße Via Regia. Bis nach dem 2. Weltkrieg gehörte die an der Grenze
liegende Stadt zu Schlesien, blieb von den Kriegsereignissen im wesentlichen
verschont, nahm aber eine große Zahl Vertriebener aus den Ostgebieten auf.
Der Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen
hat mit dem Haus der Heimat eine zentrale Einrichtung geschaffen. Dies geschah mit großer Initiative der Verbandsmitglieder und mit Unterstützung des
Sächsischen Staatsministeriums des Innern. In einer Ausstellung werden Zeitzeugenberichte über Flucht, Vertreibung, Zwangsarbeit, Deportation sowie Gegenstände und Trachten aus der alten Heimat ausgestellt. Hauptsächlich
kommen diese Dinge aus Schlesien, aber auch aus den Ländern Osteuropas
liegen Exponate vor, so auch von den Ungarndeutschen. Dieses Haus bietet sich
für Besuche von Schülern im Ethikunterricht an. Die herausgegebene Broschüre enthält im Anhang Fragebögen, mit denen die Schüler ihre Großeltern
über die Vergangenheit und ihren Erlebnissen befragen können. Kürzlich fand
im Haus, im vollen Versammlungsraum, wieder eine Gesprächsrunde statt, an
der auch die Bürgermeisterin Frau Carina Dittrich teilnahm.
Der Vortrag von Prof. Dr. Frank-Lothar Knoll von der Universität Chemnitz
gab einen interessanten Überblick über die Beziehungen zwischen Polen und
Sachsen zur Zeit August des Starkenr. So wurde auch klar, wie groß Polen früher einmal war und wie spezifisch die polnische Geschichte ist. Nach dem Vortrag kam es zu einer regen Fragestunde, bei der nichts offen blieb.
Frau Karolina Tryzna aus Sorau/Zary stellte in ihrem Vortrag die Vertreibung
in der deutschen und polnischen Erinnerungskultur dar. Dies war auch das
Thema ihrer eben erfolgreich verteidigten Magisterarbeit gewesen. Sie verglich
dabei die beiden Heimatausstellungen in Sorau und Reichenbach und ging auf
die in Polen wohl falsch verstandenen Worte von Erika Steinbach ein. Sie stellte
aber auch klar, dass 70% der Polen gegen eine Vertreibung der Deutschen waren.
Das Haus der Heimat sollte viel mehr von den Schulen in Anspruch genommen Bilder: Prof: Dr. Frank-Lothar Knoll;
werden, denn hier wird an das Erbe unser Großeltern erinnert und gerade in Prof. Dr. Winfried Schirotzek, der Leiter
derheutigenZeitistdas Flüchtlingsproblem besonders aktuell.
Text/Fotos: HeinzNoack des Hauses der Heimat und Frau
Karolina Tryzna (v.o.n.u.).
Was geschah in Potsdam 1945?
Verbindliches Abkommen oder unverbindliches Protokoll?
Wenn in den Medien oder Schulbüchern über die
Vertreibung der Deutschen geschrieben wird,
taucht immer wieder der Begriff von dem “Potsdamer Abkommen“ auf. Daraus wird dann fälschlicherweise der Schluss gezogen, dass die
Alliierten die Vertreibung der Deutschen in einem
Vertrag geregelt haben. Tatsächlich waren sich
die Alliierten in Potsdam bereits nicht mehr über
die Behandlung Deutschlands und der Deutschen
einig. Die Konferenz in Potsdam endete nicht mit
einem Abkommen oder Vertrag, sondern nur mit
einem Protokoll, in dem die verschiedenen Parteien erklärten, wie sie mit Deutschland zukünftig
umgehen wollten. Dies betraf auch die "ÜberfühDie „Großen Drei“: Attlee, Truman und Stalin; dahinter Bevin, rung" der in ihren Heimatgebieten verbliebenen
Byrnes und Molotow zur Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis Deutschen in "ordnungsgemäßer und humaner"
zum 2. August 1945 im Potsdamer Schloss Cecilienhof.
Friedrich Zempel
Foto: Wikipedia/gemeinfrei Weise.
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Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Besuch meiner Heimatstadt Breslau
Ich habe heute die Verbandszeitschrift „Vertriebene und
Spätaussiedler in Sachsen“ erhalten. Diese hat mich animiert,
von meinem Besuch in Breslau im September 2015 zu berichten. Ich fahre seit 1967 regelmäßig nach meiner Geburtsstadt
Breslau/Wrocław. In den letzten Jahren zum Teil zweimal im
Jahr. In Zwickau, meinem Wohnsitz seit 1949, bin ich mit ein
Organisator von der sogenannten „Breslauer Runde“. Wir
treffen uns 2x im Jahr (März und Oktober) und sind im
Durchschnitt 25 Leute, welche sich für das Neueste aus dem
heutigen Breslau interessieren. Ich mache dazu auch eine
kleine Broschüre (DIN A4 –16 Seiten).
Im September war ich bei dem Kulturfestival der Deutschen
Minderheit in Polen – welches zum 5. Mal stattfand. Ich war
auch 2012 zum IV. Festival in Breslau. Die Eröffnung begann
9.30 Uhr in der Sandkirche mit einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst. In der Vergangenheit war der Gottesdienst immer im Dom, aber diesmal war im Dom eine Heiligsprechung von 10 Ordensschwestern des Elisabeth-Ordens,
welche 1945 von Rotarmisten erschossen wurden. Dazu waren auch aus Deutschland und anderen europäischen Ländern
Verwandte dieser ehemaligen Schwestern angereist. Das Kulturprogramm wurde um 12 Uhr in der Jahrhunderthalle eröffnet und es traten non stop bis gegen 19 Uhr deutsche Volksgruppen und Solisten aus allen Teilen von Polen auf– aus Masuren, Pommern und natürlich Ober- und Niederschlesien. Aber es nahmen auch deutsche Gruppen aus Dänemark, Rumänien
und der Ukraine teil. Höhepunkt des Tages war der Auftritt von Andy Borg. 7000 Zuschauer waren begeistert von den Darbietungen. Es nahmen auch viele Polen als Gäste in der Jahrhunderthalle teil, die begeistert waren von den Darbietungen der
deutschen Gruppen.
Ich nahm die Gelegenheit wahr, „Diana“, der Königin der Jagd, im Scheitniger Park einen Besuch abzustatten. Das Denkmal,
die „Diana-Gruppe“, war bei den Festungskämpfen zerstört worden und wurde im Jahr 2015 wieder aufdem alten Platz originalgetreu aufgestellt. Ein Bild von Diana mit ihren Jagdhunden und von mir sende ich im Anhang mit.
Ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag für das Informationsblatt zu leisten.
Es grüßt eine echte Breslauer Lerge aus der Tschepine, Ihr Gerhard Schuster .
Die „Breslauer Rundschau“ mit vielen aktuellen und historischen Informationen um die schlesische Metropole erscheint
zweimal im Jahr, jeweils im März und Oktober. Informationen zum Bezug der privat herausgegebenen 16-seitigen Zeitschrift erteilt Gerhard Schuster, Ludwig-Krebs-Weg 15, 08062
Zwickau, Tel.: 0375 – 78 17 86.
Gedanken…
von Heimatfreund Erhard
Joseph
Nun ist schon lange die Zeit
vorbei,
Wo es gab Deutschland
zweierlei.
Wir im Osten durften nicht
nüber,
die Anderen hatten
Schwierigkeiten rüber.
Unsere Meinung durften wir
nicht sagen,
so vergingen Jahre, Monate,
Wochen und Tage.
Die erste Zeit sollten wir nicht
unsere Heimat erkunden.
Es gab seelische Wunden.
So ist es jahrelang geblieben,
durften nicht sagen wir sind
worden vertrieben
Umsiedler sollten wir sagen,
dass konnten wir nicht
18
ertragen.
Nach der Wende taten wir
Busreisen buchen,
um unsere Heimat zu
besuchen.
Wir nahmen uns Zeit,
denn Schlesien ist ja nicht
weit.
Wurde uns auch mal in der
Heimat bange,
wir halten der Heimat bis
heute die Stange.
Wurden in der Heimat
empfangen empfindlich und
gut,
„kochte“ uns auch manchmal in
Schlesien das Blut.
Haben uns hier in Deutschland
ein neues Zuhause gebaut,
denn viele haben sich es
zugetraut.
Sehr gealtert sind wir jetzt
schon
und ertragen diese Situation.
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Zum 240. Geburtstag: Der Mythos um die preußische Königin Luise
Für die Identität eines Volkes spielten in der Vergangenheit Mythen eine wichtige Rolle. Auch heute sind in manchen Ländern Mythen noch im Bewusstsein der Menschen gegenwärtig, z. B. der Mythos um Jeanne d’Arc in
Frankreich. In Deutschland ist dagegen kein (positiver) Mythos mehr im kollektiven Gedächtnis vorhanden.
Königin Luise, Ölgemälde von
J. M. Grassi, 1802.
Quelle: Wikipedia, gemeinfrei
Hier soll an den Mythos um die preußische Königin Luise erinnert werden, die
als Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz
am 10. März 1776 geboren wurde. Nach
dem frühen Tod der Mutter wuchs sie in
Darmstadt bei ihrer Großmutter auf, die
ihr das Einfügen in die strenge Hofetikette
weitgehend ersparte. So entwickelte sich
Luise zu einer unbeschwerten Frohnatur.
Mit 17 Jahren wurde sie die Gemahlin des
preußischen Kronprinzen. Mit dessen
Krönung (1797 als Friedrich Wilhelm III.)
wurde sie Königin von Preußen. Von Beginn an verinnerlichte die bis dahin eher
unbedarfte junge Frau ihre Rolle. Sie begleitete den König auf seinen zahlreichen,
oft beschwerlichen Reisen. Dabei bezauberte sie die Menschen nicht nur mit ihrer
Anmut und Schönheit sondern auch mit
ihrer Natürlichkeit und freundlichen Zuwendung. In Staatsangelegenheiten suchte der entscheidungsschwache König
immer wieder ihren Rat. Eine besondere
Rolle wuchs ihr in der Stunde der Not und
Gefahrzu.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte
Napoleon große Teile Europas erobert.
Preußen stellte sich überstürzt den Eindringlingen entgegen und erlitt 1806 in
der Schlacht bei Jena und Auerstedt eine
vernichtende Niederlage. Die preußische
Armee löste sich nahezu auf, gut befestigte
Stellungen wurden kampflos aufgegeben.
Das Königreich Preußen konnte seine Bevölkerung nicht mehr schützen - es war
an einem Tiefpunkt seiner staatlichen
Ordnung angekommen. Vor der nachrückenden napoleonischen Armee floh die
königliche Familie zunächst nach Königsberg und im Januar 1807 weiter über die
Kurische Nehrung nach Memel. Obwohl
Luise schwer an Typhus erkrankt war,
bestand sie darauf, ihren Gemahl und ihre Kinder zu begleiten. Napoleon war
schließlich bis Tilsit vorgestoßen. Dort verhandelte er mit dem russischen Zaren
Alexander I., der mit dem preußischen
König befreundet war. Dieser wurde zu
den Verhandlungen aber nicht eingeladen. Als sich abzeichnete, dass Napoleon
äußerst harte Bedingungen zu Lasten
Preußens stellte, bat Friedrich Wilhelm
III. seine Gemahlin, Napoleon mit ihrer
Anmut zu milderen Konditionen zu bewegen. Die noch geschwächte und (erneut)
schwangere Luise folgte diesem Wunsch
ohne Zögern. Doch der letztlich geschlossene Friedensvertrag von Tilsit zeigte,
dass Napoleon um kein Jota von seinen
Forderungen abgewichen war. Preußen
verlor die Hälfte seines Territoriums und
wurde zu immensen Reparationszahlungen verpflichtet. Das war eine tiefe Demütigung für Preußen und seine Königin.
Doch das steigerte ihre Verehrung im
Volk umso mehr. Das hatte es noch nicht
gegeben: eine Königin, die ohne eigenen
Machtanspruch und ungeachtet ihres
persönlichen Befindens den verabscheuten Sieger um Milde für ihr Land bat. In
den folgenden Jahren wurde Preußen
umfassend reformiert. Luise stand in engem Kontakt zu den führenden Reformern Stein, Hardenberg und (auf
militärischem Gebiet) Scharnhorst. Das
langfristige Ziel war die Befreiung von der
französischen Fremdherrschaft. Doch diese sollte Luise nicht mehr erleben. Am 19.
Juli 1810 verstarb sie im Alter von nur 34
Jahren an einer schweren Lungenkrankheit.
Das ganze Land war schockiert, der König
tief erschüttert. Im Park von Schloss
Charlottenburg ließ er ein Mausoleum errichten. Dort wurde Luise in einem marmornen Sarkophag beigesetzt. Darauf
schufChristian Daniel Rauch, unter ständiger Einflussnahme des Königs, eine
Skulptur von berührender Vollkommenheit. Sie zeigt Luise nicht als entrückte
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Tote sondern als Schlafende, die jederzeit
aufwachen und wieder bei König und Volk
sein konnte. Tatsächlich wirkte Luise über
ihren frühen Tod hinaus. Sie wurde überhöht und verklärt: Die Demütigung Preußens habe ihrHerz gebrochen, hieß es.
Als Napoleon mit den Resten seiner Armee Ende 1812 geschlagen aus Russland
zurückkehrte und die Grenze zu Ostpreußen überschritt, kam es zu einer denkwürdigen Begegnung. In der Nähe von
Tauroggen in Ostpreußen trafen sich der
aus Schlesien stammende, in russischen
Diensten stehende Generalmajor Hans
von Diebitsch und der preußische General
Ludwig Yorck von Wartenburg. Letzterer
befehligte ein von Napoleon erzwungenes
preußisches Hilfskorps in der napoleonischen Armee. Die beiden Offiziere vereinbarten, dass das Hilfskorps die russischen
Truppen ungehindert preußisches Territorium passieren lassen werde, so dass
diese die fliehenden Franzosen verfolgen
können (Konvention von Tauroggen).
Yorck ersuchte Friedrich Wilhelm III.,
ihm den Befehl zur Unterzeichnung der
Konvention zu erteilen, aber der König
reagierte nicht. Dennoch unterzeichnete
Yorck die Vereinbarung. Das war eine
schwerwiegende Entscheidung. Aus patriotischer Verantwortung handelte Yorck,
ein seinem König treu ergebener Offizier,
gegen dessen mutmaßlichen Willen. Yorck
musste mit dem Schlimmsten rechnen.
Doch seine Handlung beschleunigte die
Entwicklung hin zu einem Bündnis mit
Russland für den Kampfgegen Napoleon.
Schließlich stimmte der lange zaudernde
König zu. In dem in Breslau am 17. März
1813 verkündeten Aufruf „An Mein Volk“
bat er um Unterstützung dieses Kampfes.
Zugleich stiftete er als Tapferkeitsorden
das Eiserne Kreuz; das Stiftungsdatum
legte er auf den 10. März – den Geburtstag der verstorbenen Königin. Yorck blieb
letztlich unbehelligt.
Der weitere Gang der Geschichte ist bekannt: In der Völkerschlacht bei Leipzig
im Oktober 1813 wurde Napoleon vernichtend geschlagen. Die Voraussetzung
für Preußens Teilnahme an dem Befreiungskampf war die Rückbesinnung auf
die eigene Identität und dazu hatte der
Mythos um Königin Luise maßgeblich
beigetragen. Luise sei nun gerächt, sagte
man. Mythen sind eben mehr als GuteNacht-Geschichten.
WinfriedSchirotzek
Ausgabe 1/2016
Informationsblatt des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Zum Schmunzeln
Ahmad der Mutige -Willkommenskultur 1970
Nomen est omen - sagten bereits die alten Lateiner.
Wenn eine Frau auf den Vornamen Helene (Fischer) hört, kommt sie sicher nicht aus Schlesien, denn dort heißen die Frauen
Barbara (Genscher), sondern aus Russland. Nicht anders ist es bei den Männern. Bei Heinrich (Winkler) oder Udo (Lattek) weiß
man sofort, dass ihre Wurzeln in Ostpreußen liegen. Die Pommern gaben und geben ihren Söhnen gerne die Namen der GreifenHerzöge, beispielsweise Wartislaw, Bogdan oder Bogislaw. (Das slawische Herzogsgeschlecht der Greifen regierte Pommern bis
1637. Bogislaw XIV, derletzte regierende Greif, verstarb ohne männliche Nachkommen undsetzte die Hohenzollern zu Erben ein.
Pommern wurde ohne Eroberungpreußisch.)
Dieses Wissen hatte ich 1970 im Hinterkopf, als unsere ostdeutsche Studentengruppe (ODS) in Göttingen von der evangelischen
Studentengemeinde (ESG) “eingeladen“ wurde, einen Vertreter zu einem Diskussionsabend über die "neue Ostpolitik" zu
entsenden. Eigentlich sollte ich statt “eingeladen“ besser sagen “vorgeladen“; denn die gegenseitigen Positionen waren von
vornherein klar. Die ESG hatte die deutsche Kollektivschuld verinnerlicht – der ODS natürlich nicht. Ich war ziemlich ratlos.
Immerhin war die ESG bereit, mit uns zu sprechen, auch wenn sie uns als Revanchisten betrachtete, wie alle anderen
Studentengruppen. Andererseits wares nicht einfach jemandzu finden, derden Mut hatte, mit einem Auditorium von vielleicht 70
Studenten zu diskutieren, das von vornherein kritisch eingestellt war. Außerdem warman nicht sicher, dass an derVeranstaltung
Linksextreme teilnehmen würden. Ein älteres Mitglied machte den listigen Vorschlag, den - mir noch nicht bekannten Vorsitzenden derPommerngruppe aus derBergakademie Clausthal-Zellerfeldzu entsenden.
Als wir unseren Freund vom Bahnhof abholten, erwartete ich einen Wartislaw, Bogdan oder Otto. Einen blonden Hünen, bei
dessen Anblick die frommen Studenten vor Schreck erstarren würden. Aber dann kam ein kleiner schwarzhaariger Student, der
mir als Ahmad aus Persien vorgestellt wurde. Ich war perplex. Aber nicht nur ich war überrascht, auch die Studenten in der ESG.
Ahmadwurde äußerst höflich behandelt. Man hört ihm zu undniemandkam aufdie Idee, ihn als Revanchisten zu bezeichnen. Ich
nehme an, dass kein andererVertretereinerVertriebenengruppe von derESG so respektvoll behandelt worden ist wie Ahmad.
Friedrich Zempel
Kurz vor Redaktionsschluss:
Am 9.4.2016 feiert der Bund der Vertriebenen Leipzig Stadt und Land den 25. Jahrestag
seiner Gründung.
Der Vorstand und die Leipziger Mitglieder laden alle Vertriebenen und deren Angehörige zu dieser
Veranstaltung ab 11 Uhr in den Festsaal des Leipziger Neuen Rathauses herzlich ein.
Weitere aktuelle Informationen und Termine des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen / Schlesische Lausitz e. V., des Vereins Erinnerung und Begegnung e. V. (EuB) sowie des Hauses der
Heimat erhalten Sie im Internet unter:
www.vertriebene-in-sachsen.de.
Impressum:
Redaktionsschluss der kommenden Ausgabe: 1. Mai 2016
Die nächste Ausgabe erscheint im Juni 2016!
Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Geschäftsstelle: Lingnerallee 3, PSF 127 • 01069 Dresden
Tel.: 0351 82 122 730
Fax: 0351 82 122 731
E-Mail: [email protected]
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Unsere Arbeit und die Herausgabe dieser Zeitschrift werden
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Ausgabe 1/2016

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