Pfarrer Markus Dördelmann, Kamp-Lintfort Predigt vom 26.2.2006

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Pfarrer Markus Dördelmann, Kamp-Lintfort Predigt vom 26.2.2006
Gottesdienstübertragung im ZDF – jeden Sonntag um 9.30
Pfarrer Markus Dördelmann, Kamp-Lintfort
Predigt vom 26.2.2006
Liebe Schwestern und Brüder!
Na, da hat sich ja eine bunte Schar hier versammelt. Tolle Kostüme habt ihr
angezogen, richtig edel sieht mancher Stoff aus. Lasst Ihr mal sehen?
Wer bist du denn heute?
Ein Engel!
Du hast ein schönes Engelskostüm an, so…. (kurz beschreibend) Und wer bist du?
Ein Polizist!
Du trägst ja eine richtige Uniform, damit dich jeder erkennt. Sehr schön! Und wer bist
du?
Eine Krankenschwester!
Ja, das sehe ich an…. Und wen haben wir hier?
Ich bin eine Fee!
Wunderschön, wie du in deinem Kostüm aussiehst – wie eine richtige Fee.
Na, und was ist dein Verein?
Borussia Dortmund – sieht man doch!
Das stimmt, nicht zu übersehen! Wir haben noch viele andere schöne Kostüme, aber
leider können wir euch nicht alle einzeln vorstellen. Doch die meisten sind eindeutig
erkennbar. Eure Kostüme sind prima. Da kommt mir die Frage: gibt es eigentlich
auch ein Kostüm für uns Christen? Ich meine, wenn man sich als alles Mögliche
verkleiden kann – gilt das dann auch für uns Christen? Aber was müsste das für ein
Stoff sein, der für unser Kostüm passend wäre? Ich habe hier unserer Stoffkiste, mal
sehen, ob da was drin ist.
Das Kostüm eines Christen: auf jeden Fall muss der Stoff wertvoll sein, so wertvoll
wie der Glaube selbst, also dieser Stoff ist zu billig, der geht nicht.
Ein wertvoller Stoff – wie dieser Goldstoff hier, der geht wohl. Manchmal sieht auch
der Himmel ganz golden aus. Irgendwie ist gold auch eine göttliche Farbe.
Na, dieser Stoff ist zu dünn. Als Christen müssen wir manchmal auch robust sein, zu
unseren Überzeugungen stehen und dürfen in dieser Welt nicht zu dünnhäutig sein.
Ah – dieser Stoff ist doch robust und grün, was für ein schöner Stoff. Auch die
© Katholische Fernseharbeit beim ZDF 2006
Gottesdienstübertragung im ZDF – jeden Sonntag um 9.30
Hoffnung ist grün – und dafür stehen wir Christen doch ein. Das wir Menschen sind,
die immer eine große Hoffnung in sich tragen. Also dieser Stoff geht auch.
Dieser Stoff ist zu schwarz. Wir sind doch keine Schwarzmaler oder Schwarzseher.
Nein, da müsste es schon eher dieser weiße Stoff hier sein, weiß wie die Unschuld,
das Reine, das Helle und Freundliche. Ein bisschen wirkt das wie Krankenhaus, aber
wir Christen sollen doch auch heilend wirken, heilsam sein - wie Jesus selbst. Also –
das geht auch.
Oh, was ist das denn für ein leichter, changierender Stoff. Wirkt ein wenig wie aus
einer anderen Welt. So ein Stoff hüllt eher Sehnsüchte und Wünsche ein, den wirft
man sich einfach mal um und je nach Lichteinfall wechselt der die Farbe. Sind Gottes
Verheißungen nicht auch ein wenig so: dass sie unterschiedlich aufscheinen, je
nachdem, in welcher Lebenssituation ich mich befinde? Der Stoff passt auch gut.
Dieser Stoff ist zu kitschig, der geht auch nicht, aber der hier, der erinnert mich an
den Fußballfan von Dortmund – schwarz–gelb. Das sind ja ungeheuer treue Fans,
die sich nicht schnell umwerfen lassen und zu ihrer Mannschaft stehen.
Das ist doch auch für uns Christen wichtig: uns nicht umwerfen zu lassen und
unseren Überzeugungen treu zu bleiben, auch wenn es mal schwierig ist. Der Stoff
passt also auch gut.
Und, was machen wir jetzt für ein Kostüm daraus? Gar nicht so leicht? Ich meine,
wenn ich darüber nachdenke, dann stehen die Stoffe eher für innere Haltungen als
für äußere Formen. Wie hieß es noch in der Lesung: Unser Empfehlungsschreiben
seid ihr; es ist eingeschrieben in unser Herz und alle Menschen können es lesen und
verstehen. Ihr seid der Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem
Geist des lebendigen Gottes.
Also nicht ein äußeres Schreiben, was ich jedem unter die Nase halten kann,
sondern ich selber bin in meiner Art und Weise, wie ich lebe, rede und handle ein
Brief Christi, an dem andere ablesen können, wer Gott ist für mich und für sie. Ob
das mit dem Kostüm eines Christen nicht genauso ist? Dann geht es also nicht um
äußere Verkleidung, sondern um meine innere Haltung, die sich aber nach außen
zeigt. Dann können mich diese Stoffe an wichtige Haltungen erinnern, aber mein
Leben ersetzen sie nicht.
Und wie war das im Evangelium mit dem neuen Stoff auf dem alten Kleid? Niemand
näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid… Mit Jesus hat diese Welt einen
neuen Stoff bekommen. Er hat die alten Verheißungen wieder neu sichtbar gemacht
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durch sein Reden, Handeln und Leben. Er hat sich auf überraschende Weise wieder
neu den Menschen zugewandt und uns vorgelebt, worauf es im Leben ankommt.
Das sollen wir mitleben! Das dürfen wir mitleben! Daran sollen andere erkennen,
dass wir zu Jesus gehören.
Wenn ich das alles so höre, dann merke ich, dass wir als Christen kein eigenes
Kostüm tragen, eines, was wir nach Karneval wieder ablegten. Vielmehr tragen wir
die Botschaft Jesu in uns und die soll nach außen sichtbar werden. Das ist viel mehr
und viel Größeres, als ich vermutet habe. Das ist ein Auftrag, aber auch ein großes
Geschenk Gottes an uns.
Wo Menschen das miteinander leben, da wird Gottes neue Welt sichtbar und
spürbar, da bleibt Jesus in unserer Welt lebendig.
Amen.
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Meditation
Du Engel, wir haben gerade das Mahl gefeiert, das Himmel und Erde miteinander
verbinden. Du bist auch ein Bote des Himmels für diese Welt.
Bald wirst du dein Kostüm wieder ausziehen. Denke dann daran, dass dein Auftrag
weitergeht, dass du den Menschen ein Stück Himmel schenkst.
Du Polizist, Dienstagabend wirst du deine Uniform wieder wegpacken. Aber deinen
Einsatz für Gerechtigkeit, deine Sorge für Menschen, die unterdrückt werden in
deiner Klasse oder deiner Nachbarschaft – die lege nicht weg. Dafür schenkt dir Gott
die Kraft.
Du Krankenschwester wirst keine echten Spritzen setzen oder Menschen operieren.
Aber gut behandeln kannst du sie, dass dein Umgang sie nicht verletzt und ihnen die
guten Worte Gottes weitersagen, die für sie heilsam sind.
Du Fee, wirst dich von deinem tollen Kostüm trennen, aber nicht von deinen
Sehnsüchten und Wünschen und sage den Menschen die Hoffnung weiter, die wir
hier immer wieder gemeinsam feiern.
Du, BvB-Fan, kannst dein Trikot immer wieder tragen und zeigen, für wen du bist.
Zeige auch immer wieder anderen Menschen, dass du an Jesus glaubst und ihm treu
bleibst.
Gleich werden wir alle mit Gottes Segen nach Haus gehen. Aber das, was wir hier
entdeckt und geschenkt bekommen haben, dass lasst uns mitnehmen im Einsatz für
eine bessere Welt.
© Katholische Fernseharbeit beim ZDF 2006