Druck und Papierverarbeitung: Ozon im Griff Kopierer und

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Druck und Papierverarbeitung: Ozon im Griff Kopierer und
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Text und Bild
tag für tag 3·2001
O
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Ozon
Wir alle freuen uns auf einen Sommer mit viel Sonne und wenig Regen. Doch wenn die Sonne
zu lange vom Himmel lacht, werden Gesundheitsexperten skeptisch. Dann liegt Ozon in der Luft
und beeinträchtigt, vor allem beim empfindlichen Menschen, das Atmen. Schleimhautreizungen
und Atemwegserkrankungen können die Folge von Sommer-Smog sein. Ozon ist ein aggressives
Gas, das sich in der Stratosphäre der Erde befindet, etwa 20 bis 30 km über der Erdoberfläche.
Bei lange dauernden Schönwetter-Perioden mit hoher UV-Strahlung bildet es sich auch in
Bodennähe. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, z. B. Autoabgase.
Bei Werten über 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter
(= 0,180 Milligramm pro Kubikmeter) sollten empfindliche Menschen im Freien keine anstrengenden Tätigkeiten
ausüben oder gar Sport treiben. Erhöhte Ozonwerte werden vom Umweltbundesamt bekannt gegeben und über den
Rundfunk gemeldet. Ab mittags, 13.15 Uhr, können stündlich aktuelle Messwerte aus den einzelnen Bundesländern
abgerufen werden.
Aber auch »Stubenhocken« ist nicht immer ohne Ozon
möglich. Ozon taucht auch in Innenräumen auf. Das Gas
kann beim Betrieb von Laserdruckern und Kopierern entstehen.
Entstehung von Ozon Kopiergeräte und Laserdrucker
arbeiten nach dem gleichen Funktionsprinzip, dem sogenannten elektrofotografischen Verfahren. Das Herzstück
der Geräte ist die Bildtrommel. Zu Beginn eines Druckoder Kopierprozesses wird die Bildtrommel durch sogenannte Hochspannungs-Corona-Drähte elektrostatisch aufgeladen. Durch Hochspannung werden über eine stille elektrische Entladung Sauerstoff-Moleküle (O2) in zwei Teile
gespalten. Diese Teile, die aus einem Sauerstoffatom bestehen, reagieren mit Sauerstoff-Molekülen zu Ozon (O3).
Auch unter dem Einfluss von kurzwelligem Licht, wie es
in Fotokopierern und Laserdruckern eingesetzt wird, bildet
sich Ozon. Die Reaktionsabläufe sind sehr komplex. Die
Ozonbildung findet nicht im Stand-by-Betrieb, sondern
nur während des Druck- bzw. Kopiervorganges statt. Es ist
dabei besonders zu berücksichtigen, dass die Ozonbildung
überall dort stattfindet, wo das Licht auf Luftmoleküle
trifft. Somit können beispielsweise auch Fehlbedienungen
die Belastungen erhöhen. Wenn z. B. während des Kopiervorgangs die Abdeckung offen bleibt, kann sich außerhalb
des Gerätes Ozon bilden, wenn die Glasscheibe das UVLicht nicht vollständig abschirmt.
Druck und Papierverarbeitung: Ozon im Griff
Auch in der Druckindustrie und Papierverarbeitung gibt
es Verfahren, bei denen Ozon entsteht. Dazu gehören z. B.
UV-Trockner, die mit ultraviolettem Licht arbeiten. Bei
diesen Maschinen muss das entstehende Ozon an der Entstehungsstelle abgesaugt werden. Zusätzlich wird im Rahmen von Maschinenprüfungen Ozon im Arbeits- und Verkehrsbereich gemessen. Bei bestimmungsgemäßem Betreiben wurden bei diesen Anlagen keine gesundheitsgefährdenden Konzentrationen für die Beschäftigten festgestellt.
Ähnliches gilt z. B. für Plattenbelichter oder Anlagen zur
Corona-Behandlung, die sehr häufig zur Verbesserung der
Klebefähigkeit oder Farbhaftung eingesetzt werden.
Kopierer und Laserscanner: Probleme mit Ozon
Immer wieder erreichen uns Anrufe, in denen Beschwerden im Zusammenhang mit Druckern oder Kopierern geschildert werden. Dies liegt natürlich auch daran, dass
Ozon eine sehr niedrige Geruchsschwelle hat. Menschen
mit besonders empfindliche Nasen nehmen den typischen,
stechenden Geruch von Ozon schon bei etwa 1/10 des
Grenzwertes wahr. Beschwerden treten bei sehr alten Geräten ohne Ozon-Filter auf, die meist nicht gewartet werden.
Bei Dauerbetrieb in kleinen, schlecht belüfteten Räumen
tag für tag 3·2001
Text und Bild
Ozon in Laserdrucker und Kopierer
Über Laser und Polygonspiegel wird die aufgeladene Bildtrommel z.T. wieder entladen.
An den verbliebenen aufgeladenen Stellen
setzt sich Tonerpulver ab und erzeugt das Bild.
Über komplexe chemische Vorgänge kann sich
an verschiedenen Stellen Ozon bilden.
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Ozon
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Stickstoffmonoxid
N
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Sauerstoffmolekül
aus der Luft
Laser
Polygonspiegel
O
N
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digitales Signal
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Stickstoffdioxid
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Aufladecorona
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Ozon
Toner
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O
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Sauerstoffmolekül
zerfällt in 2 Atome
(Radikale)
Bildtrommel
Sauerstoffmolekül
aus der Luft
Papierbahn
kann dann auch Ozon in höheren Konzentrationen auftreten. Abhilfe ist hier durch verschiedene Maßnahmen
möglich. So kann das Gerät aus dem Arbeitsbereich entfernt und in einem Nebenraum aufgestellt werden. Dies ist
dringend zu empfehlen. Noch besser wäre natürlich der
Ersatz durch ein neues Gerät. Heutzutage gibt es Laserdrucker und Kopierer, die so gut wie kein Ozon ausstoßen.
Tipps für den Umgang mit Kopierern und Laserdruckern In dieser Zeitschrift wurden hierzu wiederholt
Tipps gegeben. Die wichtigsten sind hier nochmals zusammengestellt:
Beim Kauf von neuen Geräten sollte darauf geachtet
werden, dass möglichst wenig Ozon ausgestoßen wird
(erkennbar z. B. am Umweltzeichen »Blauer Engel«). Hierzu gehört ein wirkungsvolles Filtersystem für Ozon. In einigen Geräten ist bereits eine neue Technologie verwirklicht,
die unter Verzicht des herkömmlichen Coronadrahtes die
Ozonentwicklung bei der Aufladung der Bildtrommel weitgehend unterbindet.
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Regelmäßige Wartung neuer Geräte mit Tausch des
Ozonfilters sind Voraussetzung dafür, dass das Gerät
dauerhaft mit niedriger Ozonemission betrieben wird.
Alte, Ozon produzierende Geräte sollten möglichst
ganz aus dem Arbeitsbereich entfernt werden.
Die Räume, in denen Drucker oder Kopierer stehen,
sollten regelmäßig gut durchlüftet werden. Das Gebläse
darf nicht auf den Benutzer oder auf andere Personen
gerichtet sein.
Bei großen Geräten und großen Kopiermengen empfehlen sich direkte Absaugungen.
Bei normalem Kopierbetrieb immer den Deckel über
die Vorlage legen. Dadurch kann auch unnötiger Tonerverbrauch vermieden werden.
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Übrigens: Die allereinfachste Methode, die Ozonemission
durch Kopierer zu reduzieren, ist, überflüssiges Kopieren
zu vermeiden.
– Zi –
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