Agrar- und Ernährungswirtschaft in Vietnam

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Agrar- und Ernährungswirtschaft in Vietnam
Agrar- und Ernährungswirtschaft in Vietnam
Sektorüberblick, Märkte und Investitionsbedingungen
GFA Consulting Group GmbH
Königswintererstrasse 827
D-53227 Bonn
Tel: 0228-97190-30
Fax: 0228-440869
Gutachterin:
Sigrid Giencke
Ihre Ansprechpartner
bei der GFA:
Arno Boerger
Alexandra Burmann
Februar 2009
Inhaltsverzeichnis
1
VORBEMERKUNGEN
1
2
VOLKSWIRTSCHAFTLICHER ÜBERBLICK
4
2.1
Länderkurzinformation
4
1.2
2.1.1
2.1.2
Politische Struktur, Lage und Aussichten
Innenpolitik
Außenpolitik
6
6
7
2.2
2.2.1
2.2.2
Wirtschaftslage und Aussichten
Binnenwirtschaft
Außenwirtschaft
8
8
13
2.3
Wirtschaftspolitik
18
2.4
2.4.1
2.4.2
2.4.3
2.4.4
Investitionen in Vietnam
Land und Landnutzungsrechte
Unternehmensgründung
Investitionsanreize
Das Steuer- und Zollsystem
19
19
20
21
23
3
AGRAR- UND ERNÄHRUNGSSEKTOR
27
3.1
Administrativer Überblick
27
3.2
Wachstum im Agrarsektor
31
3.3
Struktur der Landwirtschaft
33
3.4
3.4.1
3.4.2
3.4.3
3.4.4
3.4.5
3.4.6
3.4.7
3.4.8
3.4.9
Pflanzenproduktion
Reis
Kaffee
Pfeffer
Cashew
Kautschuk/Rubber
Tee
Zuckerrohr
Obst und Gemüse
Biokraftstoffe
3.5
Tierproduktion
3.6
3.6.1
3.6.2
3.6.3
3.6.4
Vorleistungsbereiche - Inputs
Landtechnik
Handel mit Saat- und Pflanzgut
Der Handel mit Düngemitteln
Der Handel mit Pflanzenschutzmitteln
51
51
55
59
633
3.7
Ernährungs- und Verarbeitungsindustrie
666
3.8
Lebensmitteleinzelhandel
3.9
Wichtige Messen
ANNEX
37
37
41
43
45
466
46
46
47
48
48
71
755
76
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AG
Aktiengesellschaft
AHK
Auslandshandelskammer
APEC
Association of South East Asian Nations
AFTA
Asia Free Trade Area
ASEAN
Asia Pacific Economic Conference
BIP
Bruttoinlandsprodukt
CMA
Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen
Agrarwirtschaft mbH
EPZ
Exportzone
EU
Europäische Union
FDI
Foreign Direct Investments
GAP
Good Agricultural Practice
GlobalGAP
Handelsstandard auf Basis von GAP
GSO
General Statistics Office
HCMC
Ho-Chi-Minh-City
IPSARD
Institute for Policy and Strategy for Agriculture
IWF
Internationaler Währungsfonds
IZ
Industriezone
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen
KPV
Kommunistische Partei Vietnam
LN
Landwirtschaftliche Nutzfläche
MARD
Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung
MOIT
Ministerium für Handel und Industrie
MPI
Ministerium für Planung und Investitionen
ODA
Official Development Assistance
PVFCCO
PetroVietnam Fertilizer and Chemical Joint Stock Company
RIAM
Research Institute for Agricultural Machinery
SOE
Staatsbetriebe (state owned companies)
SPS
Sanitary-Phyto-Sanitary Measures
STAMEQ
Directorate for Standards and Quality
UPOV
Internationales Sortenschutzabkommen
VINACHEM Vietnam National Chemical Corporation
WTO
World Trade Organisation
1
VORBEMERKUNGEN
Der vorliegende Überblick zum Agrar- und Ernährungssektor Vietnams
wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt. Er umreißt die wirtschaftliche
Situation des Sektors und beschreibt aktuelle Entwicklungstendenzen. Die
Studie soll einen Einstieg in die Agrarwirtschaft Vietnams bieten sowie die
allgemeinen Rahmenbedingungen für Exporte nach Vietnam und
Investitionen in Vietnam darstellen. Dieser Überblick ist eine Informationsgrundlage für das geplante deutsch-vietnamesische Agrarforum im März
2009 in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Studie kann und soll detaillierte Sektor- und
Marktanalysen nicht ersetzen.
Wesentliche Informationsquellen für die Studie waren neben vor Ort
Recherchen Informationen des Deutschen Auswärtigen Amtes, der
Auslandshandelskammer (AHK) Vietnam, des BfAI, der Konrad-AdenauerStiftung, der CMA, der Weltbank, der EU, der Vietnam News Agency, des
Vietnamesischen Zentralen Statistischen Büros (CSO) sowie des
Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung Vietnams
(MARD) und weiterer Vietnamesischer Institutionen wie die Chamber of
Commerce and Industry (VCCI) und vietnamesische Fachverbände.
Die Studie wurde im November-Dezember 2008 durchgeführt und fiel somit
in die Anfänge der weltweiten Wirtschaftskrise. Die verwendeten Daten
beziehen sich im Wesentlichen auf das Jahr 2007 bzw. die erste
Jahreshälfte 2008. Somit spiegeln sich die Veränderungen, die bereits am
Ende des Jahres 2008 deutlich wurden, nicht in diesen Daten wider. Es
wurde trotzdem versucht, die aktuellen Entwicklungen in dem Bericht
abzubilden.
Der anfängliche Teil zur allgemeinen volkswirtschaftlichen Situation ist für
ein besseres Verstehen der Gesamtzusammenhänge wichtig. Er wurde
daher auch etwas ausführlicher gehalten.
Vietnams Volkswirtschaft ist in den letzten Jahren extrem schnell
gewachsen. Der Export des Landes boomt, vor allem der Export von
Textilien und Schuhen. In Bezug auf den Agrarsektor ist Vietnam führend
im Export von Reis, Kaffee, Pfeffer, Kautschuk etc. Aber auch der
Binnenmarkt hat sich entwickelt. Vietnam zieht ausländische Investoren an,
der Bausektor ist stark gewachsen verbunden mit einer steigenden
Inlandsnachfrage, trotz nach wie vor vergleichsweise niedrigen Löhnen. Die
mit dem schnellen Wachstum verbundenen Risiken (vor allem eine
Überhitzung der Wirtschaft) stellten zu Beginn 2008 das Land vor große
Herausforderungen. Nach dem überdurchschnittlichen Wachstum im
letzten Jahr sieht sich Vietnam nun mit den größten Herausforderungen
seit der „Wirtschaftserneuerung (Doi Moi)“ in 1986 konfrontiert. Das
steigende Handelsdefizit, der unbeständige Wechselkurs, hohe
Agrarinputkosten in Verbindung mit einem Rückgang der inländischen
sowie exportbasierten Nachfrage haben den Warenverkaufswert von
Agrarprodukten in der 2. Jahreshälfte deutlich reduziert. Rückblickend wird
daher 2008 daher als „weniger befriedigendes“ Wirtschaftsjahr eingestuft.
Die Landwirtschaft Vietnams steht, auch wegen des WTO Beitritts in 2007,
vor einem notwendigen Wandel: weg von der kleinstrukturierten
1
Landwirtschaft hin zu großflächiger wettbewerbsfähigerer Produktion. Die
englischsprachige Zeitung VietNam News berichtete dazu im August 2008:
-
“Vietnamese farmers need to join forces to be able to improve their
own economic situation, given most of them are too poor and lack
the needed capital, production materials and tools as well as
professional knowledge and market information to do it by
themselves”.
-
“To ensure large-scale sustainable agricultural production, individual
farm plots must be consolidated to form high-yield farms”.
Die Regierung wird diese Entwicklung in den kommenden Jahren forcieren,
da das Ziel der nationalen Wirtschaftsentwicklung bis 2020 die Schaffung
einer Industrienation ist. Hierzu wünscht die Regierung verstärkt
ausländische Investitionen, die in Nicht-Agrarsektoren bereits sehr stark
sprudeln, im Agrarsektor jedoch nur sehr wenig. Demgegenüber versucht
die Regierung, die Importe zu reduzieren, um das Handelsdefizit zu
verringern. Ziel ist es, Importe durch Eigenproduktion zu ersetzen.
Das Wirtschaftsklima in Vietnam bleibt trotz Wirtschaftskrise insgesamt
positiv. Die vietnamesische Regierung fördert ausländische Direktinvestitionen nicht nur durch die Schaffung geeigneter rechtlicher und
institutioneller Rahmenbedingungen, sondern auch durch umfangreiche
Investitionsförderprogramme. Gründe für das noch bestehende
zurückhaltende Engagement von Investoren im Agrarsektor liegen trotz
objektiver Vorteile (großes Land – großer Markt – günstige Fachkräfte,
exportorientierte Produktion) vor allem in der noch kleinstrukturierten
Landwirtschaft, in Infrastrukturproblemen, in dem schwierigen Zugang zu
Land, der Bürokratie und der Korruption sowie mangelnder
Rechtssicherheit. Dennoch, die Chancen sind immens, wenn man sich auf
neue Märkte einlassen möchte.
Für Vietnam steht Deutschland als Handelspartner innerhalb der
Europäischen Union an Platz 1 und weltweit an sechster Stelle. Das
Handelsvolumen zwischen Deutschland und Vietnam betrug bereits 2007
3,4 Mrd. Euro. Es stieg damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41,1
%. Entscheidenden Anteil hieran hatten die deutschen Ausfuhren, die im
selben Zeitraum um 82 % zunahmen. Hierzu trug der Export von
Airbussen, Schienenfahrzeugen sowie von Maschinen und Anlagen
entscheidend bei. Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach
Deutschland sind Bekleidung, Schuhe und Kaffee.
Bei den ausländischen Direktinvestitionen liegt Deutschland in Vietnam im
Jahre 2008 auf Platz 23. Bundesminister Glos sagte dazu auf dem
Deutsch-Vietnamesischen Dialogforum 2008: "Das Niveau unserer
Direktinvestitionen in Vietnam entspricht noch nicht dem ansonsten
erfreulich hohen Gesamtniveau in den Wirtschaftsbeziehungen. Hier sehe
ich für die kommenden Jahre hervorragende Möglichkeiten, wenn das
Reformtempo in Vietnam erhalten bleibt".
Es besteht Bedarf an Landmaschinen, Düngern, Pestiziden, an
Verarbeitungsmaschinen, an modernen Nahrungsmitteln, vor allem auch
Süßwaren und Backwaren. Darüber hinaus gibt es auch große Potentiale
im Lebensmitteleinzelhandel. Traditionell ist Vietnam stark in der
Pflanzenproduktion; es besteht aber auch großer Entwicklungsbedarf im
Bereich Tierproduktion mit entsprechender Verarbeitung. Die Heraus2
forderung für deutsche Investoren und Exporte des Agrarbereiches liegt in
der Palette der (sub-) tropischen Produkte, in der derzeitig noch
kleinstrukturierten Landwirtschaft sowie bei Exporten nach Vietnam auch in
der Preisstruktur. Deutschland hat ein sehr gutes Image aufgrund der
modernen Technologien. Allerdings sind deutsche Produkte für
vietnamesische Kunden (zu) teuer. Vietnam ist daher eher attraktiv für
Investitionen in Produktion vor Ort. Deutsche Investoren sollten dabei nicht
nur den vietnamesischen Markt im Blick haben, sondern auch die schnell
wachsenden Märkte der unmittelbaren Nachbarn China und Thailand.
3
Basisdaten
2
VOLKSWIRTSCHAFTLICHER ÜBERBLICK
2.1
Länderkurzinformation
Fläche
Bevölkerung
Größte Städte
Administrative
Gliederung
Klima
Ethnien und
Sprachen
330.000 km² (Größe ähnlich der Fläche Deutschlands)
86,16 Millionen (Schätzung per 1. Juli 2008) mit über 25,6 %
unter 15 Jahren, 50% aller unter 30 jährigen.
Bevölkerungswachstum 1,2% p.a. (Stand 2006), für 2010
wird die Bevölkerung auf 88 Million geschätzt.
Bevölkerungsdichte: 260 Einwohner / km² (eine der weltweit
höchsten Dichte für ein Agrarland)
27,4 % städtische und 72,6% ländliche Bevölkerung
Kfz-Bestand: 8 pro 1.000 Einwohner (Stand 2006)
Ho-Chi-Minh-Stadt (HCMC) 5.183.633 Einwohner
Ha Noi
2.648.189 Einwohner
Hải Phòng
1.911.977 Einwohner
Đà Nẵng
832.251 Einwohner
Huế
297.707 Einwohner
Drei Verwaltungsebenen sind zu unterscheiden:
Provinzebene: Vietnam besteht aus 59 Provinzen und
vier zentral verwalteten Städten (Ha Noi, Ho Chi Minh,
Hai Phong und Da Nang)
Distriktebene: Die Provinzen gliedern sich wiederum in
Provinzhauptstädte und in Distrikte. Die
zentralverwalteten Städte unterteilt man in ihre
Stadtdistrikte und die umliegenden ländlichen
Distrikte.
Gemeinde- und Stadtteilebene: Die verschiedenen
Distrikte gliedern sich ihrerseits in distriktverwaltete
Städte, Gemeinden und Stadtteile.
Lage
in
der
tropischen
Monsunzone
mit
sehr
unterschiedlichen Klimazonen bedingt durch unterschiedliche
Höhen (3/4 des Landes sind Gebirge und Wald) und die lang
gestreckte Nord-Süd-Lage mit 1.650 km und 3.444 km
Küstenlinie. Dadurch ergeben sich zwei wesentliche
Klimazonen:
Im Norden mit 4 Jahreszeiten: Frühling April - Mai, heißer
Sommer mit hoher Luftfeuchte Mai - Juli; Herbst August Oktober und den für die Region kalten Winter November Januar. Im Süden des Landes gibt es nur zwei wesentliche
Jahreszeiten: Regenzeit Mai - Oktober und die Trockenzeit
November - April.
Die mittlere Temperaturen liegt zwischen 20 und 30°C. Der
durchschnittliche Niederschlag erreicht in der Trockenzeit
200mm, in der Regenzeit 2.900mm.
Die Bevölkerung besteht aus 54 ethnischen Gruppen, davon
86,2% ethnische Vietnamesen (Kinh). Weitere ethnische
Minoritäten: Tay, Thai, Chinesen, Khmer, Muong, Mnong,
Ede.
Die Landessprache ist Vietnamesisch, deren Ursprung im
4
chinesischen liegt. Die Schrift wurde europäisiert.
Die Bevölkerung ist relativ gut ausgebildet. Nur 8% der
Bevölkerung sind Analphabeten.
Makroökonomische
Kennziffern
2006
2007
2008
974,266
61,0
8,2
3,4
722
1144,015
71,3
8,48
3,4
839
1487,000
85,1
6,23
3,0
1024
6,6
12,6
23
Arbeitslosigkeit in %
4,82
4,4
4,65
Brutto Auslandsverschuldung
In MRD. USD
19,3
21,86
24,41
Import / Export (fob)
Export (Mrd. USD)
Import (Mrd. USD)
39,8
44,9
48,4
60,80
66,5
80,3
BIP Bruttoinlandsprodukt
BIP (nominal in Mrd. VDN)
In Mrd.USD
BIP (realer jährlicher Zuwachs in %)
BIP Wachstum des Agrarsektors (%)
BIP / Kopf (USD)
Inflation %
Hauptexportländer (%)
USA
Japan
Australien
China
Deutschland (Platz 6 in 2007)
21,0
12,4
6,6
6,8
3,7
Hauptimportländer (%)
China
Singapur
Taiwan
Japan
Deutschland (Platz 12 in 2007)
19,7
12,1
11,2
9,9
2,1
Wichtigste Exporte (%)
Öl
Textilien/Bekleidung
Kautschuk/Gummi
Erzeugnisse der Agrar- und
Ernährungswirtschaft
Wichtigste Importe (%)
Maschinen und Einrichtungen
Öl und Gas
Textil/Stoffe
Metalle
Währung Đồng
Wechselkurse
EURO / USD : Đồng (VDN)
(Bfai 05/2008)
Korruption in Vietnam
(Transparency International)
21,6
15,1
3,4
15,1
16
15,2
13,6
4,3
6,8
01/2009
01/2008
01/2007
01/2006
23.801
23.103
22.021
20.335
17.478
16.145
16.074
15.997
Bewertung 2,7 von 10
Platz 121 von 180 untersuchten Ländern
Quelle: General Statistic Office Vietnam, Deutsche AHK Vietnam Dezember 2008
5
1.2
2.1.1
Regierungsform
Politische Struktur, Lage und Aussichten1
Innenpolitik
Vietnam ist ein Einparteienstaat, in welchem die Kommunistische Partei
Vietnams (KPV) das Monopol auf die Macht innehat. Die neue Verfassung
von 2001 benennt in Artikel 4 die Vorherrschaft der Kommunistischen
Partei.
Vietnam wird von einem Kollegium aus drei Personen geführt, das aus dem
Vorsitzenden der KPV (Generalsekretär), dem Premierminister und dem
Staatspräsidenten besteht. Alle Entscheidungen dieses Kollegiums werden
einstimmig gefällt.
Staatspräsident ist seit Juni 2006 Nguyen Minh Triet. Der Präsident ist
gleichzeitig Oberkommandierender der Streitkräfte. An der Spitze der
Regierung steht seit Juni 2006 Premierminister Nguyen Tan Dung. Seinem
Kabinett gehören 5 stellv. Premierminister und 22 Ressortminister an. Das
Amt des Premierministers ist neben dem Amt des Generalsekretärs der
KPV die wichtigste Machtposition im Land.
Der Generalsekretär ist in der Regel auch Vorsitzender des Politbüros der
KPV. Das 15-köpfige Politbüro bestimmt die Richtlinien der Politik. Es wird
seit April 2001 von Generalsekretär Nong Duc Manh geleitet. Das 150köpfige Zentralkomitee als höchstes Parteiorgan tagt in der Regel zweimal
pro Jahr. Auf den alle fünf Jahre stattfindenden Parteitagen werden die
langfristigen Perspektiven der Politik des Landes festgesetzt und generell
ist in Vietnam eine wirkungsvolle Beteiligung an der politischen
Willensbildung
nahezu
ausschließlich
auf
Parteifunktionäre
in
Leitungspositionen beschränkt. Der letzte Parteikongress fand im Mai 2006
statt.
Laut Verfassung ist die Nationalversammlung, das Einkammernparlament
Vietnams, das höchste Organ staatlicher Macht. Die 498 Abgeordneten
werden für eine Legislaturperiode von 5 Jahren gewählt. Mindestens
zweimal jährlich muss die Nationalversammlung eine Vollversammlung
abhalten. Die Nationalversammlung ernennt den Staatspräsidenten, den
Premierminister, die Regierung, den Obersten Volksgerichtshof und das
Obere Volkskontrollamt. Die Nationalversammlung hat seit der letzten
Verfassungsänderung an politischem Einfluss gewonnen; es kann jetzt
Gesetze ändern und Minister zur Verantwortung ziehen. Die eigentliche
politische Macht liegt jedoch bei der kommunistischen Partei. Sie steuert
mit ihrem Zentralkomitee und dem Politbüro die Politik des Landes; alle
hohen Regierungsmitglieder sind auch Mitglieder der KPV.
Wahlen finden in Vietnam auf zwei Ebenen statt: Auf nationaler Ebene (alle
fünf Jahre Wahlen zur Nationalversammlung) sowie auf Distriktsebene
(Wahl der Volksräte). Die Kandidaten, die sich zur Wahl stellen wollen,
werden von der Kommunistischen Partei nach strengen Kriterien
ausgewählt; trotzdem sind jeweils 25% der Abgeordneten keine
Parteimitglieder.
Verfassung
1Weitere Informationen unter www.auswaertiges-amt.de
6
Die erste Verfassung Vietnams wurde im November 1946 verabschiedet.
Sie legte die Unteilbarkeit des Landes sowie die Gleichheit aller Bürger des
Landes fest. Die heutige vietnamesische Verfassung gilt in ihrer Version
vom 15.4.1992, welche 2001 modifiziert wurde. Die heutige Verfassung hat
ihren Schwerpunkt in Richtung von Entwicklung von Wirtschaft, Bildung,
Wissenschaft und Technologie, Schutz des privaten Sektors und von
ausländischen Investoren verschoben.
Administrative
Gliederung
Vietnam ist in 59 Provinzen und fünf Munizipalitäten unterteilt. Unter dieser
Ebene folgen Städte, Distrikte und Dörfer. Die Provinzen und
Munizipalitäten sind direkt der Zentralregierung unterstellt. Die Verwaltung
Vietnams gliedert sich in vier verschiedene Ebenen. Sie ist auf die Zentralebene, die Provinzebene, die Distriktebene und die Kommunalebene
aufgeteilt, wobei den Provinzen eine relativ große Entscheidungs- und
Handlungsautonomie zugebilligt wird. Auf allen diesen drei lokalen
Verwaltungsebenen bestehen ein Volksrat und ein Volkskomitee. Dem
Verständnis des Verwaltungssystems in Vietnam dient der Umstand, dass
sowohl die Provinzen als auch die Distrikte und Gemeinden in ihren
wesentlichen Organen gleich aufgebaut und in ihrer Verwaltungsstruktur
sehr ähnlich sind.
Volksräte sowie Volkskomitees fungieren als Lokalparlamente bzw.
Lokalregierungen auf Provinz-, Distrikt- und Gemeindeebene. Die Volksräte
werden (wie die Nationalversammlung) direkt gewählt und wählen ihrerseits
die Volkskomitees der entsprechenden Verwaltungsebene, wobei das
Volkskomitee das Pendant zur Regierung darstellt. Wie auch die
Nationalversammlung im Vergleich zur Zentralregierung, so spielen auch
die Volksräte in der Praxis eine wesentlich geringere Rolle als die
Volkskomitees, die mit ihren unterstellten Ressorts die Lokalregierungen
bilden. Die Volksräte sind somit Wahl- und Bestätigungsorgan der
Volkskomitees. Volkskomitees und Volksräte gibt es auf allen drei Ebenen.
Die Volkskomitees sind dem nächst höheren Volkskomitee und der
Zentralregierung unterstellt und dem Volksrat auf der gleichen Ebene
rechenschaftspflichtig.
Doi Moi
Mit “Doi Moi“, der Wirtschaftserneuerung, wurden auf dem VI. Parteitag
1986 Signale für einen enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Wandel gegeben. Geplant und durchgeführt wurden die sukzessive
Rücknahme der Kollektivierung und die Zulassung privatwirtschaftlicher
Marktstrukturen,
mit
der
Zielsetzung
der
Verbesserung
des
Lebensstandards. Diese Reformen richteten sich in erster Linie auf die
wirtschaftliche Öffnung.
Rechtssystem
Die oberste Instanz des vietnamesischen Rechtssystems ist der Oberste
Volksgerichtshof, welcher der Nationalversammlung unterstellt ist und
dessen Mitglieder auf Vorschlag des Staatspräsidenten von der
Nationalversammlung ernannt werden. Die Nationalversammlung bestimmt
auch das Budget der Judikative. Dem Obersten Volksgerichtshof sind die
Volksgerichte auf Distrikt- und Provinzebene, die Militärtribunale sowie die
Verwaltungs-, Wirtschafts- und Arbeitsgerichte unterstellt.
2.1.2
Außenpolitik
Während des Vietnamkrieges und danach war Vietnam in Südostasien
weitgehend isoliert. Die USA hatten ein Wirtschaftsembargo verhängt und
7
drängten auch andere Staaten, Vietnam zu boykottieren. Speziell nach
dem Einmarsch in Kambodscha (1978-89) waren auch die Beziehungen
zur Volksrepublik China so gespannt, dass an der vietnamesischchinesischen Grenze ein Krieg ausbrach. Aus der Isolierung kam das Land
erst nach dem Rückzug aus Kambodscha 1991 heraus.
Integration in
internationale
Gemeinschaft
In den 1990er Jahren entspannten sich die Beziehungen zu allen
Nachbarstaaten. Im Jahre 1991 nahm das Land wieder diplomatische
Beziehungen zu den meisten Ländern Europas, China und Ostasiens auf.
Die USA hoben ihr Embargo gegen Vietnam auf und so wurde der Beitritt
zur Weltbank, dem Internationalen Währungsfond und zur Asiatischen
Entwicklungsbank möglich. Im Juli 1995 trat Vietnam der ASEAN bei, 1998
dem APEC. Innerhalb der ASEAN spielt Vietnam eine zunehmend aktive
Rolle. Vietnam hat frühzeitig die ASEAN Charta ratifiziert.
Seit dem 11. Januar 2007 ist Vietnam 150. Mitglied der WTO. 2008/2009
gehört das Land als nicht-ständiges Mitglied dem Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen an. Damit vertritt neben Indonesien ein weiteres
ASEAN-Mitglied die Interessen dieser an Bedeutung gewinnenden
Wirtschaftsregion.
Mit der Europäischen Union wird derzeit ein Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen verhandelt.
Als wichtige Handels- und Investitionspartner spielen Japan, China, die EU,
die USA und Südkorea eine wichtige Rolle.
ODA
Das Gesamtpaket aller bi- und multilateralen Unterstützer liegt bei 5,0 Mrd.
USD Entwicklungshilfezusage für 2009. Mit 1,66 Mrd. USD nimmt die
Weltbank die erste Rangstelle der Förderer ein, gefolgt von der Asiatischen
Entwicklungsbank mit 1,56 Mrd. USD. Die EU schnürte ein Hilfspaket im
Volumen von 893,5 Mio. USD.
In Bezug auf bilaterale Entwicklungshilfe (ODA) kommt Japan als größten
bilateralen Geber eine besondere Bedeutung zu. Deutschland hat Vietnam
seit 1990 über 800 Mio. Euro Entwicklungshilfe zugesagt. Die
vietnamesisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf
folgende drei Schwerpunktbereiche:
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung,
Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher
Ressourcen, insbesondere Abwasser- und Abfallentsorgung,
Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
Schwellenland mit
schnell wachsender
Volkswirtschaft
2.2
Wirtschaftslage und Aussichten2
2.2.1
Binnenwirtschaft
Seit Anfang der 90er Jahre befindet sich die Wirtschaft Vietnams in einem
Übergangsprozess von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft mit
"sozialistischer Orientierung". Diese schrittweise betriebene Erneuerungspolitik hat bemerkenswerte wirtschaftliche Erfolge erzielt, u.a. hohe
2 Auszüge u.a. aus Informationen der AHK Vietnam, der Konrad-Adenauer-Stiftung
8
Wachstumsraten (2007: 8,5%, 2008: 6,23%) und eine enorme Erhöhung
der Exporte sowie der ausländischen Direktinvestitionen.
Quelle: AHK Vietnam
Seit 2006 sind ein neues Unternehmens- und ein neues Investitionsgesetz
in Kraft, wodurch Bürokratie abgebaut und das Investitionsklima verbessert
wurden. Deutlich ist daraus die Absicht der Regierung erkennbar, das
Problem der ungleichen Behandlung von staatlichen und privaten sowie
ausländischen und einheimischen Unternehmen anzugehen.
Auf die im Frühjahr 2008 offensichtlich gewordene Überhitzung der
vietnamesischen Volkswirtschaft hat die Regierung u.a. mit einer
restriktiven
Geldpolitik,
Budgetdisziplin
und
einer
flexibleren
Wechselkurspolitik reagiert. Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen
zeigen Wirkung. Im Ergebnis ist die allgemeine Inflationsrate zuletzt zwar
spürbar zurückgegangen, erreicht am Jahresende aber noch 25%. Die
Bekämpfung der Inflation bleibt eine der Prioritäten der Regierung.
Quelle: AHK Vietnam
9
Das Wirtschaftswachstum, lange Jahre Oberziel vietnamesischer
Wirtschaftspolitik, ist natürlich stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft
abhängig. Das für 2008 prognostizierte Wirtschaftswachstum wurde zuletzt
mehrfach nach unten korrigiert und erreichte letztendlich 6,23%
(ursprünglich waren 9% geplant). Für 2009 liegen die Prognosen im Januar
2009 bei 5,1%.
Nach wie vor bilden die Staatsunternehmen den substantiellen Teil der
Wirtschaft: Obwohl mindestens ein Viertel dieser Unternehmen rote Zahlen
schreibt, erbringen sie 40% des industriellen Outputs und zeichnen für 35%
aller Exporte verantwortlich, allerdings nur für 10% der Arbeitsplätze.
Inzwischen wurden gut 3.000 (von insgesamt ca. 6.000) staatseigenen
Betriebe „equitisiert“ (teilprivatisiert). Betriebe, die in sensiblen Bereichen
wirtschaften (Verteidigung, Verlagswesen, Eisenbahn u.a.), bleiben
allerdings auch in Zukunft zu 100% unter staatlicher Kontrolle. Positiv zu
vermerken ist die feste Absicht der vietnamesischen Regierung, in naher
Zukunft auch profitable Großbetriebe teilprivatisieren zu wollen.
Arbeitsmarkt
Die große Zahl an gut ausgebildeten Arbeitskräften ist nach wie vor
Vietnams Stärke und Anreiz für ausländische Investoren. Der Pool an
Arbeitskräften wächst jedes Jahr um 1,5 Millionen Menschen. Das
Vietnamesische General Statistics Office (GSO) schätzt die Zahl der
Beschäftigten auf 44 Millionen, das entspricht 81,4% der Menschen
zwischen 15-64 Jahren. Für 2009 wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote
weiterhin zwischen 4-6% liegen wird. Die wirtschaftliche Entwicklung
verbunden mit der staatlichen Zielsetzung, ein Industrieland zu werden,
fördert eine Verlagerung der Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft hin zu
Industrie und Dienstleistungen.
GSO schätzt den Anteil der Landwirtschaft an der Beschäftigung in 2006
auf 52%, die Industrie beschäftigt 19% und 25% arbeiten im
Dienstleistungsbereich. Trotz relativ guter Ausbildung besteht für manche
Branchen ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, wodurch die Löhne
steigen. Dazu kommt das neue Einkommenssteuergesetz, das die Kosten
mit in die Höhe treibt; trotz allem bleibt Vietnam im Vergleich ein günstiges
Land.
Die Japan External Trade Organisation (JETRO) hat in einer Untersuchung
Ende 2006 die monatlichen Löhne normaler Arbeiter in Vietnam und auch
außerhalb verglichen:
USD 87-198 in Hanoi im Norden Vietnams,
USD 122-216 in Ho Chi Minh City (HCMC) in der südlichen Mekong
Delta Region,
USD 164 Durchschnittslohn für einen Arbeiter in Thailand,
Zwischen USD 134-446 in China’s Guangzhou Provinz.
Auch wenn die Löhne zwischen April 2007 und März 2008 um 19,5%
gestiegen sind, bleibt Vietnam wettbewerbsfähig.
Wichtigste
Wirtschaftszweige
Gemessen an der Beschäftigung ist Vietnam weiterhin ein Agrarland. Die
Landwirtschaft trägt zwar nur ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei,
doch sind im Agrarbereich noch immer 52% der Bevölkerung tätig wie die
nachfolgende Grafik zeigt.
10
Agrar- und
Ernährungswirtschaft
Quelle: AHK Vietnam
Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist daher ein wichtiger Sektor im
Lande und trägt einen wesentlichen Beitrag zum Export bei. Die hohe
Abhängigkeit vom Export agrarischer Produkte macht das Land allerdings
für Preisschwankungen auf den internationalen Märkten besonders anfällig
(mehr Informationen in den Kapiteln zu Reis-, Kaffee- und Pfefferexporten).
Die Gesamtexporte des landwirtschaftlichen Sektors lagen bei 12,5 Mrd.
USD in 2007 und damit 28% der Gesamtexporte, wohingegen die Importe
von Agrarprodukten unter 10% der Gesamtimporte lagen.
Pflanzliche Produkte stellen 77,9% der gesamten landwirtschaftlichen
Produktion (ohne Fischerei) dar, gegenüber 19,9% Viehzucht und 2,2%
agrarische Dienstleistungen. Die wichtigen Anbauregionen sind die
Flussmündungen des Roten Flusses im Norden und das Mekong-Delta im
Süden des Landes mit
großen Reisproduktionsflächen.
Die
Schlüsselprodukte, die im besonderen staatlichen Fokus stehen, sind Reis,
Kaffee, Kautschuk/Gummi, Cashew, Tee und Pfeffer. Ein wichtiger Bereich
ist auch die Fischerei, die im Wesentlichen auf den Export ausgerichtet ist.
Die Verarbeitungsindustrie, die insbesondere auch Meeresfrüchte für den
Export verarbeitet, stellt einen wachsenden Bereich im Sektor dar.
11
Obwohl der Agrarsektor in 2008 22% des GDP (die obere Grafik zeigt den
Anteil in 2007 von 20%) ausmacht, fließen nach Aussage des Institute for
Policy and Strategy for Agriculture and Rural Development (IPSARD) nur
14% aller Investitionen in den Sektor. Das Wachstum des Agrarsektors
ging in den letzten Jahren zurück. Lag das Wachstum in 2005 noch bei 3,8
% bzw. in 2006 bei 2,8%, so waren es in 2007 nur noch 2,4 %. In 2008 lag
das Wachstum wieder bei 3,79%, bedingt durch die hohen Preise im
Sektor. Für 2009 wird ein geringeres Wachstum von 3%, für 2010 von 2%
erwartet3.
Industrie
Der Beitrag des Industriesektors zum Bruttoinlandsprodukt beträgt in 2008
40% (2007 siehe Grafik oben; current prices). Die Industrie ist in den
Sektoren Textilien, Schuhwaren, Stahl, Zement, Petrochemie und
Schiffsbau besonders ausgeprägt. Die Fertigung von Bekleidung/Textil
bleibt die zentrale Säule.
Textil
Textilerzeugnisse stellen mit einem in 2008 erzielten Exportumsatz von
etwa 9,3 Mrd. USD ca. 15% des gesamten Exportaufkommens Vietnams
dar. Damit nimmt die Branche in der Exportstatistik nach der Öl- und
Gasindustrie die zweite Rangstelle ein, im weltweiten Vergleich belegen
vietnamesische Textilexporte den zehnten Platz. Mit mehr als 50% der
Textileinfuhren sind die USA der mit Abstand größte Handelspartner, auch
Deutschland zählt mit einem in 2007 erzielten Textil-Importvolumen von
350 Mio. USD zu den bedeutenden Partnern Vietnams. Der seitens des
Ministeriums für Handel und Industrie am 19.11.2008 verabschiedete
mittelfristige Entwicklungsplan der vietnamesischen Textilindustrie sieht bis
zum Jahr 2020 erhebliche Investitionen in Modernisierung und
Spezialisierung vor. Zu den Plänen zählt auch, bis 2015 40.000 ha
Baumwolle anzubauen, um 10% des Bedarfs der Industrie an Baumwolle
abzudecken (derzeit 2%).
Dienstleistungen
Auch der Dienstleistungssektor ist im vergangenen Jahr spürbar
gewachsen, sein Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt nun 38%.
Insbesondere der Tourismus nimmt rasch an Bedeutung zu.
Dienstleistungen werden vielfach auch von der offiziell nicht erfassten
Schattenwirtschaft (informeller Sektor) erbracht.
Bankensektor
Die Nationalbank ist die State Bank of Vietnam (SBV). Der Bankensektor
wird dominiert von den 5 staatlichen Banken sowie 36 halb-private Banken.
Ausländische Banken finden sich als Joint-Venture Partner dieser privaten
Banken. Zu den staatlichen Banken zählen die Vietnam Bank for
Agriculture and Rural Development (Agribank), die Bank for Investment and
Development of Vietnam (BIDV), die Vietcombank und die Vietnam Bank
for Industry and Trade (VietinBank). Diese halten 2/3 des
Bankenvermögens. Die Staatsbanken sind noch eng mit den
Staatsunternehmen verwoben.
Der Bankensektor ist aufgrund niedriger Eigenkapitalquoten unzureichend
auf die internationale Konkurrenz vorbereitet, was auch von der WTO
angemahnt wird.
Die staatlichen Banken sind auch die wesentlichen Banken für den Agrarund Ernährungssektor. Die Bereitstellung von Kapital für Investitionen im
Agrarsektor entspricht allerdings nicht den Möglichkeiten im Sektor. Nach
Berichten der Vietnam News blieb die Bereitstellung von Krediten für den
3 Quelle: CSO, The Economist Intelligence Unit Limited 2008
12
Sektor auch in 2008 hinter den prognostizierten Zielen. Auf einer Konferenz
im August 2008 haben die staatlichen Banken daher zugesichert, mehr
Geld für den Agrarsektor bereitzustellen.
2.2.2
Exporte in die EU
Außenwirtschaft4
Mit einem Handelsvolumen von gut 10 Mrd. USD war die Europäische
Union 2007 zweitwichtigster Handelspartner Vietnams, nur knapp hinter
China. Die vietnamesischen Exporte in die EU übersteigen die Importe um
mehr als das Doppelte. Große Bedeutung wird dem neuen Partnerschaftsund Kooperationsabkommen sowie dem Freihandelsabkommen zwischen
der EU und Vietnam zukommen.
obere Grafik: Hauptlieferländer an Vietnam
untere Grafik: Hauptabnehmer Vietnams (untere Grafik), Quelle: BfAI
4 Weiterführende Informationen sowie umfassende volkswirtschaftliche Daten finden sich
auf der Webpage www.vietnam.ahk.de in der Rubrik “News & Downloads.”
13
Deutschland bleibt innerhalb der EU der mit Abstand wichtigste
Handelspartner Vietnams. Bei den Ausfuhren nach Vietnam nimmt
Deutschland zwar „nur“ Rang 14 ein (1. China, 2. Singapur, 3. Taiwan),
steht unter den EU-Mitgliedstaaten aber an der Spitze. Betrachtet man die
vietnamesischen Ausfuhren, nimmt Deutschland - hinter den USA, Japan,
Australien und China - derzeit Rang 5 ein. Wichtigste vietnamesische
Exportprodukte nach Deutschland sind Schuhe, Bekleidung und Kaffee. Bei
letzterem ist Deutschland der größte Abnehmer weltweit. Laut
Statistischem Bundesamt exportierte Vietnam 234.000 Tonnen in 2007
nach Deutschland und steht somit an zweiter Stelle der Lieferanten hinter
Brasilien. Umgekehrt sind es vor allem Maschinen, die das Gros der
deutschen Exporte nach Vietnam ausmachen.
Mitgliedschaft in
Wirtschaftsgruppierungen
Vietnam ist Mitglied in sämtlichen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, ASEAN
(Association of South East Asian Nations), AFTA (Asia Free Trade Area),
APEC (Asia Pacific Economic Conference), der World Customs
Organisation (WCO) und WTO.
WTO Beitritt
Der WTO Beitritt stellt einen ökonomisch weit reichenden Schritt für
Vietnam dar. Vom Beitritt in die WTO erhofft sich Vietnam zunächst, die
zusätzlich notwendigen Auslandsinvestitionen (FDI) ins Land zu holen, um
die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und neue Arbeitsplätze zu
schaffen. Durch berechenbare, transparente und diskriminierungsfreie
Handelsbedingungen werden die Exporte ins Ausland vereinfacht. Vietnam
kann auf neue Märkte vordringen und dies bedeutet höhere
Absatzmöglichkeiten. Darüber hinaus wird Vietnam seine Position in den
internationalen Beziehungen verbessern. Nicht zuletzt erhält Vietnam auch
einen besseren Zugang zu Rohstoffen, zu neuen Technologien und
größeren Angeboten an hochwertigen und preisgünstigen Produkten.
Herausforderung
Um den Vorgaben der WTO zu entsprechen, müssen hauptsächlich
Zollbestimmungen, Handelsrechte, Ausländergleichbehandlung und
Meistbegünstigung neu geregelt werden. Handelshemmnisse sollen
beseitigt und der Vietnamesische Markt dem der übrigen WTO-Mitglieder
angepasst und geöffnet werden.
Bisher erlaubte Hilfen für die heimische Wirtschaft müssen abgebaut
werden. So sind Importzölle zum Schutz vor ausländischen Waren und
Leistungen nur in sehr eingeschränktem Maß erlaubt. Vietnam ist diesem
Erfordernis bereits nachgekommen und hat die meisten Zölle zwischen 0%
und 35% festgesetzt. Mit Rücksicht auf die noch aufstrebende Wirtschaft
sind für bestimmte Produkte noch Übergangsphasen bis 2014 festgelegt
(siehe unten).
In Bezug auf die Gesetzgebung regeln das neue Investitionsrecht (Law on
Investment) und das neue Unternehmensrecht (Law on Enterprises) seit
1.Juli 2006 in weiten Teilen die Gleichbehandlung ausländischer und
inländischer Investoren, so wie es die Nichtdiskriminierungsgrundsätze der
WTO verlangen. Inhalt dieser Regelungen ist unter anderem eine
Aufhebung von Investitionsgrenzen für Vietnamesen und Ausländer. Zu
den Ausnahmebereichen zählen Staatsbetriebe in der Umwandlung zu
Aktienunternehmen (Equitisation).
Auch beim Schutz des geistigen Eigentums wurde bereits 2006 der
rechtliche Rahmen festgesetzt in Form des neuen Gesetzes zum Schutz
geistigen Eigentums. Die enthaltenen Regelungen entsprechen den
14
Vorgaben der WTO-TRIPS (Trade Related Aspects of Intellectual Property
Rights). Jedoch stellt sich in Vietnam eher das Problem der praktischen
Umsetzung. Das Unrechtsbewusstsein bezüglich Produktpiraterie ist kaum
entwickelt, der Nutzen wird andererseits wahrgenommen.
Im Bereich Handel und Vertrieb zeigen sich ebenfalls Liberalisierungen.
Der nächste große Schritt in diese Richtung wird im Januar 2009 erwartet,
wenn die komplette Liberalisierung des Vertriebs in Kraft treten soll (siehe
unten Vertriebsgesetz). Die Reformgeschwindigkeit Vietnams in Bezug auf
die WTO ist ein Zeichen für den Willen Vietnams, eine wichtige Rolle im
weltweiten Handel zu übernehmen.5
Am meisten wird vermutet, dass der Wettbewerb den inländischen
Landwirtschaftssektor lähmen könnte. Die heimische Landwirtschaft in
Vietnam ist zumeist durch kleine, haushaltsorientierte Betriebe geprägt. Der
wichtige und gleichzeitig am meisten von dem WTO Beitritt betroffene
Bereich ernährt noch 70% der Bevölkerung. Um das Ziel der Zugehörigkeit
zu den Industrienationen zu erreichen, muss Vietnam diese Zahl
mindestens halbieren. Zu den bereits jährlich durch das Bevölkerungswachstum ca. eine Mio. zusätzlicher Arbeitssuchenden, werden demnach
noch ein paar Millionen Landwirte hinzukommen.
FDI
Der Beitritt Vietnams zur Welthandelsorganisation hat die Attraktivität
Vietnams für ausländische Investoren weiter erhöht. In den vergangenen
20 Jahren seit Doi Moi wurden mehr als 98 Mrd. USD an
Auslandsinvestitionen registriert, was als zentraler Schritt für die
einheimische Wirtschaftsentwicklung bewertet wird. Der auslandsinvestierte Sektor machte in 2007 über 17% des BIP und 58% der
vietnamesischen Exporte aus. Die in 2008 genehmigten Investitionszusagen in Höhe von 65 Mrd. USD bedeuten eine im Land noch nie
gesehene Größenordnung; auch die geflossenen Investitionsmittel
übersteigen mit etwa 11 Mrd. USD die Vorjahre deutlich.
Das Ministerium für Planung und Investitionen (MPI) ging vor der
Wirtschaftskrise davon aus, dass insbesondere die US-Investitionen in den
nächsten Jahren erheblich stärker zulegen würden als in der
Vergangenheit und die USA auf Platz 2 der ausländischen Investoren
aufrücken könnte. Als zukünftige Nummer 1 wurde Japan gesehen. Diese
Entwicklung muss abgewartet werden.
Wichtige Sektoren für FDI sind Industrie und Baugewerbe, Öl und Gas,
Tourismus und Immobilien (siehe untere Grafik, die die kumulierten
Investitionen der fünf wichtigsten FDI Länder von 1988 – September 2008
ausweist). Auslandsinvestitionen in den Agrarsektor sind eher
unterentwickelt und nur unter „Anderem“ zusammengefasst.
5 Auszüge aus einem Artikel von Oliver Massmann, Hanoi 2008
15
Quelle: AHK Vietnam
Führende Investoren – kumulativ seit 1988 bis 22. Juli 2008
Nr.
Land
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
Taiwan
Japan
Singapur
Süd-Korea
British Virgin Islands
Malaysia
Hongkong
Thailand
Kanada
Brunei
USA
Niederlande
Frankreich
14
15
16
17
18
19
20
21
China
Großbritannien
Cayman Inseln
Samoa
Australien
Luxemburg
Schweiz
Deutschland
Total
1.884
1.004
597
2.022
371
272
492
182
68
62
411
94
206
Registriertes
Kapital in
Mio.USD
19.260
16.934
15.178
15.092
10.909
7.924
6.313
5.687
4.723
4.559
4.165
2.607
2.360
Investiertes
Kapital in Mio.
USD
3.086
5.090
3.863
2.773
1.354
1.083
2.196
833
76
10
746
2.030
1.032
605
108
33
66
178
15
52
106
8.834
1.979
1.966
1.894
1.569
1.038
804
723
607
126.810
270
647
527
29
397
12
531
531
26.868
Anzahl
Projekte
Quelle: AHK Vietnam: Vietnam Investment Review N.881/September 2008
Geringer Anteil
Deutschlands an
FDI
Auffallend ist, dass Deutschland in der Summe der ausländischen
Direktinvestitionen seit 1988 nur auf Platz 21 der 67 investierenden Länder
liegt und somit keinen nennenswerten Anteil hat. Dies steht etwas im
Kontrast zu den Handelsbeziehungen beider Länder.
16
VietNamNet Bridge schreibt dazu: „Der rasanten Wirtschaftsentwicklung des
Landes ist auf deutscher Seite mit einer professionellen Organisation und mit, auf
die spezifischen Bedürfnisse der Handelsbeziehungen ausgerichteten
Dienstleistungen, Rechnung zu tragen. Denn trotz aller positiven Meldungen aus
Vietnam, trotz umfassender Vergünstigungen des Staates bei Investitionsvorhaben: Deutschland hält sich bisher als Investor merkwürdig zurück, und taucht
in der Liste der führenden Investitionsländer des Jahres 2008 – Singapur an erster
Stelle – erst auf Platz 23 auf.“
Die deutschen Direktinvestitionen finden sich vor allem im Textilsektor, in
der Autoindustrie, in der Energieerzeugung und Transportwesen. Im
Einzelhandel ist Metro stark vertreten in Vietnam; auch in der
Nahrungsmittelverarbeitung findet sich deutsches Engagement, z.B. in der
Wurstverarbeitung. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer in
Vietnam gibt in ihrem „Business Handbook&Inventory 2007/8“ einen guten
Überblick über das deutsche Engagement in Vietnam.
Deutsche
Wirtschaftsvertretung in Vietnam
Das Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Vietnam arbeitet von
Hanoi aus6. Aufgrund der starken Präsenz deutscher Unternehmen im
Süden des Landes, operiert die Deutsche Industrie- und Handelskammer
seit 2006 auch von Ho-Chi-Minh-Stadt aus. Seit 1997 findet jährlich
wechselnd in Deutschland und Vietnam das Deutsch-Vietnamesische
wirtschaftspolitische Dialogforum statt.
FDI im Agrarsektor
Der Agrarsektor ist bei den ausländischen Investitionen mit einem Anteil
von 3,3 % in 2008 deutlich unterrepräsentiert. (Dazu im Vergleich das
monatliche FDI Aufkommen: Allein im Monat Januar 2008 erteilte Vietnam
Genehmigungen für 35 auslandsinvestierte Projekte mit einer
Investitionssumme von 1,65 Mrd. USD) 37% der Investitionen gehen in
Produktion und Verarbeitung, 35% in Forst- und Holzprojekte und 21% in
Tierproduktion, Futtermittelproduktion. Es sind vor allem Investoren aus
asiatischen Ländern wie Thailand, Indonesien, Malaysia und China;
Vietnam wünscht sich jedoch auch Investitionen aus Ländern mit hoch
entwickelter Landwirtschaft wie USA, Kanada, Australien und aus der EU.
Als wesentliche Ursache für zurückhaltende Investitionen wird das
komplizierte Lizensierungssystem und der Zugang zu Boden/Land genannt
(die Erlangung der Landnutzungsrechte kann 2-4 Jahre dauern) sowie
auch die mangelnde Bereitstellung von geeigneten Flächen, trotz der
interessanten Investitionsmöglichkeiten in den Agrarsektor wie z.B.
Arbeitskräfte, niedrige Löhne und hohe Nachfrage nach Agrarprodukten.
Handelsbilanzdefizit
Das Handelsbilanzdefizit 2008 wird auf etwa USD 20,0 Mrd. prognostiziert,
für 2009 erwartete man eine ähnliche Größenordnung. Importe übersteigen
die Exporte insbesondere in den vergangenen Jahren. Die boomende
Binnenwirtschaft
benötigt Maschinen und Energie. Aber auch die
Rohstoffe für die Bekleidungsindustrie werden nach Vietnam importiert. Die
Regierung versucht, durch den Aufbau eigener inländischen Produktion in
allen Bereichen Importe abzubauen.
6 www.vietnam.ahk.de
17
Quelle: AHK Vietnam
Quelle: AHK Vietnam
2.3
Wirtschaftspolitik
Der Beginn der Wirtschaftserneuerung (Doi Moi) in 1986 bedeutete, dass
die zentrale Planung aufgegeben, die Kollektivierung schrittweise
abgeschafft und marktwirtschaftliche Reformen eingeführt wurden.
Ausländischen Firmen wurde erlaubt, in Vietnam zu investieren.
Die Regierung erstellt weiterhin mittel- und langfristige Entwicklungspläne
für das Land, in denen auch die Förderung von Sektoren dargelegt wird. So
wurde auf dem X. Parteikongress der KPV, der im April 2006 in Hanoi
stattfand, der Fünf-Jahres-Plan für den Zeitraum 2006–2010 (SocioEconomic Development Plan for the Five Year Period 2006-2010)
verabschiedet. Gemäß dieses Planes soll Vietnam die notwendigen
Schritte einleiten, um bis 2020 ein Industrieland zu werden; das
Wirtschaftswachstum soll bis dahin zwischen 8 und 8,5% bleiben.
Sektoren mit
Prioritäten
Im April 2007 wurden im Rahmen einer Entscheidung des Premierministers
(Decision No. 55/2007/QD-TTg) die prioritären Wirtschaftssektoren des
Landes und ihre Förderung bis 2020 festgelegt. Es wurde dabei
18
unterschieden zwischen prioritären Sektoren und sogenannten
„Vorkämpfer“-(spearhead) Branchen. Zu den Prioritäten zählen
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Textilien und Bekleidung
Leder und Schuhe
Kunststoffe
Land-/Forst-/Fischerei- und Ernährungswirtschaft
Stahl
Aluminium und Bauxit
Chemikalien inkl. Dünger und Pestizide
Zu den sogenannten Spearheads zählen
8. Maschinenbau inkl. Landmaschinen
9. Elektronik, IT
10. Neue Technologien wie erneuerbare Energien etc.
Die Förderung dieser prioritären Branchen bezieht sich vor allem auf
die Bereitstellung von Land (in Form von Industrieparks, Clustern, auch
individuellen Grundstücken)
Trade Promotion auf verschiedenen Ebenen, inkl. finanzielle
Unterstützung über Branchenverbände bei der Einführung vom
Qualitätsmanagementsystemen
Forschung und Entwicklung: Finanzielle Unterstützung sowohl aus
nationalen und lokalen Budgets für Technologietransfer, Ausbildung,
Laborausstattung und Versuche, Erforschung neuer Technologien.
Lokale Budgets werden vor allem die Entwicklung neuer Produkte und
auch neuer Sorten unterstützen, um Importe zu ersetzen.
Sowohl die priorisierten als auch die anderen genannten Branchen
können bis zu 50% Finanzzuschuss für Umweltschutzmaßnahmen und
umweltfreundliche Technologie bekommen.
2.4
Investitionen in Vietnam
Wesentliche Punkte, die für ausländische Investoren und Exporteure von
Interesse sind, werden im Folgenden näher erläutert. Hierzu zählen die
Landnutzungsrechte, die Anforderungen an Investitionen (FDI), das
Steuersystem.
2.4.1
Land kann nicht
gekauft werden
Land und Landnutzungsrechte
Das Land in Vietnam gehört dem Volk und wird vom Staat verwaltet. Land
kann nicht gekauft werden. Das Recht, das Land zu nutzen („land use
rights“ - im Gegensatz zu besitzen) vergibt der Staat durch langjährige und
stabile Verpachtung. Das Landgesetz von 2004 unterscheidet Land in 3
Kategorien:
Agrarland (z.B. für die Produktion sowie Forstflächen);
Nicht-Agrarland (Land für Wohnungen, Büros, Industrieparks, für
staatliche Belange wie Verteidigung, Kultur etc.)
Ungenutztes Land.
Vietnamesen haben das Recht auf Landtausch, Verpachtung,
Unterverpachtung, Aufnahme von Hypotheken, Land als Garantien zu
nutzen etc. Seit 1.Juli 2007 muss ein Landnutzer ein „Land Use Right
Certificate“ vorlegen, um das Land zu nutzen bzw. weiter zu verpachten.
19
Ausländer und Organisationen sind stärker eingeschränkt in der Nutzung
von Land. Ausländer können Land vom Staat pachten, es aber nicht
übertragen bzw. verpachten an andere. Zwei neue Gesetze aus dem Jahre
2006 und 2007 haben den Immobilienmarkt neu geregelt, um Ausländern
einen besseren Zugang zu Immobilien zu ermöglichen.
Die Landnutzungsrechte werden auf 50 Jahre, maximal 70 Jahre vergeben.
Normalerweise wird ein Memorandum of Understanding zwischen dem
ausländischen Investor und dem Landnutzer unterzeichnet vor dem Antrag
einer Investitionslizenz. Ausländer können, im Gegensatz zu Vietnamesen,
die Landnutzungsrechte nicht als Sicherheiten verwenden. Es gibt
allerdings wenige Ausnahmen; möglich soll es auch sein, wenn die Pacht
für die gesamte Laufzeit am Anfang gezahlt wird, anstelle einer jährlichen
Zahlung. Die zu zahlende Pacht ist als eine Grundsteuer zu verstehen, die
Höhe richtet sich nach der Lage und auch dem Sektor, in dem der Investor
tätig ist.
2.4.2
Investitionsformen
Unternehmensgründung
Die Möglichkeiten, sich in Vietnam als Unternehmen niederzulassen, sind
vielfältig. Das Business Handbook der AHK gibt einen guten Überblick über
die verschiedenen Möglichkeiten mit den entsprechenden Anforderungen.
Unter den Gesetzen „Law of Investment“ und „Law on Enterprises“ sind die
wichtigsten Investitionsformen:
Business Cooperation Contract BCC, einer Zusammenarbeit auch
mit ausländischer Investition, allerdings ohne das Recht auf Besitz
GmbH auch als Joint Venture
Aktiengesellschaften
Repräsentanzbüros, Niederlassungen oder
Rein private Unternehmen
oder auch Investment Projekte als Build-Operate-Transfer BOT7
Vereinbarungen.
Ab 2010 fallen auch die SOE’s , die noch staatlichen Unternehmen,
unter das Law of Enterprises und werden zu GmbHs oder
Aktiengesellschaften umgeformt.
In Bezug auf ausländische Investitionen gewinnen die 100%ig
ausländischen Unternehmen an Bedeutung. Investment-Projekte als BOT
haben unter Investoren keine gute Reputation, da sie finanzielle und
administrative Probleme aufwerfen.
Vertriebsrechte
Die bisherige Rechtslage in Vietnam sah eine klare Trennung zwischen
Import- und Vertriebsunternehmen vor. Laut WTO-Beitrittsbedingungen ist
Vietnam in der Pflicht, ab dem 1. Januar 2009, Lizenzen für 100%Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen zu gewähren und
diesen den direkten Vertrieb an Endkunden zu gestatten. Es wird allerdings
erwartet, dass die Umsetzung dieser Verpflichtung wohl dauern wird, da
der Vertriebsbereich einen der am umfassendsten geschützten Bereiche
darstellt.
7 Ein privater Investor errichtet ein Projekt und erhält dafür für einen bestimmten Zeitraum die
Konzession für dessen Betrieb. Anschließend geht das Projekt an den staatlichen
Auftraggeber über.
20
Investment Lizenz
Wenn es um eine Investition geht, ist eine Investitionslizenz erforderlich,
entsprechend dem Law of Investment von 2006. Dieses Prozedere ist
ebenfalls in dem Business Handbook der AHK detailliert beschrieben.
Um ausländische Investitionen zu beschleunigen und auch zur
Korruptionsbekämpfung sind als Anlaufpunkt für FDI one-stop-shops, auch
Internet-unterstützt, eingerichtet worden. Auf der Website der Hanoi
Authority for Planning & Investment wird z.B. das Vorgehen zur
Beantragung einer Lizenz Schritt für Schritt erklärt. So erfordert z.B. die
Gründung einer Firma mit Landnutzungsrechten 45 Schritte bis zur
Überreichung des Land Use Certificate. Die Beantragung einer
Unternehmensgründung bedarf nur 17 Schritte.
One Stop Shop
Request appointment with Hanoi Authority for Planning & Investment
Although it is not mandatory, investors are highly recommended to meet with the
Hanoi Authority for Planning & Investment (HAPI) in order to consult on
requirements and forms. Investors will be attended by a staff of the FDI
Department, headed by Mr. Nguyen Ahn Le (tel. +84 4 8257410 / + 84 4
8260257), but the letter requesting an appointment must be addressed to HAPI's
Director Mr Drieu Dinh Phuc. Letter addressed to Mr. Drieu Dinh Phuc briefly
describing the project and requesting an appointment (for large projects, investors
can present letters of recommendation from relevant agencies in home countries
or form their embassy in Viet Nam).
Auszug aus der Website http://vietnam.e-regulations.org
2.4.3
Investitionsanreize
Das vietnamesische Gesetz sieht eine Reihe von Anreizen vor, um
ausländische Investoren anzuziehen, um das geplante Wachstum und die
Entwicklung zu einem Industriestaat zu erreichen. Die Anreize (Incentives)
sind an bestimmte Sektoren, Regionen, z.B. auch Wirtschaftszonen,
Industrien geknüpft.
Businesszonen
Um günstige Infrastrukturmöglichkeiten anzubieten und um insbesondere
KMU zur Ansiedlung zu motivieren, sind verschiedene Formen von
Businesszonen entwickelt worden:
Industry Zones (IZ) für lokale und Exportproduktion
Export Processing Zones (EPZ) ausschließlich für Exporte
High Tech Zones (HiZ)
Economic Zones (EcZ).
21
Diese Zonen findet sich landesweit: in 2007 gab es 150 IZs inklusive 3
EPZs und eine High Tech Zone mit insgesamt 32.300ha. Einige dieser
Zonen befinden sich noch im Aufbau. Der Vorteil dieser Zonen ist die
Bereitstellung einer funktionierenden Infrastruktur und Anreize für die
Ansiedlung. Ende Juni 2007 hatten sich 2.500 auslandsfinanzierte Projekte
mit einem Gesamtkapital von 24 Mrd. USD angesiedelt. Hinzu kommen
2.700 vietnamesische Projektansiedlungen mit etwa 8,5 Mrd. USD Kapital.
Projekte in den Industriezonen lassen sich schneller implementieren als
außerhalb.
Die Anreize sind8:
Mehrwertsteuerbefreiung in Export Processing Zonen
Für EPZs liegt der Ertragssteuersatz bei 10-12%. Ein- und ausgehende
Waren der EPZs sind von Import- und Exportzöllen befreit und
unterliegen einer schnellen Zollabfertigung.
In IZs werden die Ertragssteuern (10%) erlassen, wenn diese reinvestiert werden.
Insgesamt genießen Unternehmen in diesen Zonen bei der
Beantragung einer Unternehmenslizenz eine Bevorzugung; ihre
Anträge werden in der Regel innerhalb von 15 Tagen bearbeitet,
wohingegen außerhalb der Zonen bis zu 60 Tage gewartet werden
muss.
Weitere Anreize
Weitere Anreize
Befreiung von allen Import- und Exportzöllen, z.B. bei Re-Exporten,
Importe für Investmentprojekte, Technologietransfer etc.
Privilegien für Investment-Projekte (Build-Operate-Transfer BOT; BuildTransfer-Operate BTO; Build-Transfer BT): Befreiung bzw. Reduzierung
der Körperschaftssteuer für die Zeit der Projektimplementierung,
Befreiung von der Grundsteuer, Reduzierung von Importsteuern etc.
Steuerbefreiung auf Technologietransfer: Erfindungen, Patente,
technisches Know-how, eingebracht von der ausländischen Firma in
das Kapital des Unternehmens sind in Bezug auf den Technologietransfer von allen Steuern befreit.
Überweisung der Einnahmen ins Ausland: nach Erfüllung der
Steuerbedingungen können Einnahmen jährlich oder vierteljährlich ins
Ausland transferiert werden.
Befreiung oder Reduzierung der Körperschaftssteuer bzw. vergünstigte
Körperschaftssteuersätze bei Investitionen in „Investment Incentive
Sectors“, in benachteiligte Regionen etc..
LAW ON INVESTMENT
NATIONAL ASSEMBLY OF THE SOCIALIST REPUBLIC OF
VIETNAM
Chapter 5: Investment Sectors and Geographical Areas
Article 27 Incentive investment sectors
1. Manufacture of new materials and production of new energy; manufacture of
high-tech products; bio-technologies; information technology; mechanical
8 Durch die neue Steuergesetzgebung zu Beginn 2009 kann es ggf. zu Änderungen
gekommen sein.
22
manufacturing.
2. Breeding, rearing, growing and processing agricultural, forestry and
aquaculture products; production of salt; creation of new plant and
animal variety.
3. Use of high technology and advanced techniques; protection of the ecological
environment; research, development and creation of high-technology.
4. Labour intensive industries.
5. Construction and development of infrastructure facilities and important
industrial projects with a large scale.
6. Professional development of education, training, health, sports, physical
education and Vietnamese culture.
7. Development of traditional crafts and industries.
8. Other manufacturing and service sectors which require encouragement.
Article 28 Geographical areas of investment incentives
1. Areas with difficult socio-economic conditions; areas with specially difficult
socio-economic conditions.
2. Industrial zones, export processing zones, high-tech zones and economic
zones.
Article 29 Sectors in which investment is conditional
Sectors in which investment is subject to conditions shall comprise:
a) Sectors impacting on national defence and security, social order and
safety;
b) Banking and finance sector;
c) Sectors impacting on public health;
d) Culture, information, the press and publishing; Entertainment services;
e) Real estate business;
f) Survey, prospecting, exploration and mining of natural resources; the
ecological environment;
g) A number of other sectors in accordance with law.
http://www.hapi.gov.vn/portals/default.aspx?portalid=5&tabid=65&docid=684&pag
eid=2839
2.4.4
Das Steuer- und Zollsystem
Das vietnamesische Steuersystem9 befindet sich noch in der
Entwicklungsphase. Aufgrund von mehr als einem Dutzend Steuerarten
und Gebühren, gilt dieses gegenwärtige Steuersystem als eher kompliziert.
9 Quelle: Wirtschaftinformationen des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft Vietnam 04/2008:
RA Oliver Massmann, Partner-Duane Morris Vietnam LLC. Weitere Informationen, auch zu den o.g.
Themen finden sich im Business Handbook der Deutschen AHK.
23
Aufbau des vietnamesischen Steuerbehördensystems
Besteuerung und
Strafvorschriften
Die wichtigsten
Steuern auf
ausländische
Geschäftsaktivitäten in
Vietnam
Das Steuerverwaltungsgesetz, das 2007 in Kraft getreten ist, bietet eine
umfassende Grundlage für die Besteuerung mit wichtigen Punkten:
die Steuererhebung,
die Verwaltung von persönlichen Steuerzahlerdaten: Trotz des
anwendbaren Datenschutzes dürfen persönliche Daten staatlichen
Behörden in dem Maße mitgeteilt werden, wie es von den lokalen
Gesetzen oder Steuerabkommen verlangt wird.
die Steuerprüfung: Eine Überprüfung der Steuererklärungen findet
regelmäßig in den Finanzämtern statt, oder am Sitz des
Steuerpflichtigen, und dauert höchstens 5 Tage. Steuerliche
Außenprüfungen hingegen finden bei Großunternehmen jährlich statt,
oder unangekündigt, wenn Anzeichen für ein Steuervergehen bestehen.
Ab 1.1.2009 gilt ein neues Einkommenssteuer-, Körperschaftssteuer- und
Mehrwertsteuerrecht. Darüber hinaus treten mehrere Anpassungen des
Investitionsrechts in Kraft. Damit wird versucht, die Rechtsvorschriften zu
ordnen und weitere Anpassungen an WTO-Vorgaben vorzunehmen:
Unternehmenseinkommenssteuer bzw. die Körperschaftssteuer wurde zum
1.1.2009 von 28 auf 25 % gesenkt, um mit anderen Ländern Asiens Schritt
zu halten. Hingegen entfällt der bisherige privilegierte Steuersatz von 15 %
bei Investitionen in Industriezonen. Sektorspezifische Steueranreize
bestehen jedoch weiterhin.
Die Mehrwertsteuer (VAT) kommt beim Vertrieb von Gütern und
Dienstleistungen. Daneben fällt Mehrwertsteuer auf den verzollten Wert
von Importgütern an. Man unterscheidet VAT 0% wie z.B. für Exporte und
Lieferungen in Freihandelszonen und VAT Befreiung: einige Güter und
Dienstleistungen sind von der Mehrwertsteuer befreit. Der normale
Mehrwertsteuersatz liegt bei 10%. Luxusgüter sind mit einem MWST-Satz
von 20% belegt, Güter wie land- und forstwirtschaftliche Produkte, Dünger,
Insektizide, Medizin, Bildungs- und Trainingsmaterialen nur mit 5%. Auch
die Mehrwertsteuer ist ab 1.1.2009 von kleineren Anpassungen betroffen.
Die bisherigen Steuersätze bleiben jedoch bestehen.
24
Persönliche
Einkommenssteuer
Ausländer sind in Vietnam grundsätzlich einkommensteuerpflichtig. Für
Aufenthalte bis zu 183 Tagen liegt der einschlägige Steuersatz pauschal
bei 25 %, wenn das erzielte Einkommen aus Quellen in Vietnam stammt.
Ein Aufenthalt von mehr als 183 Tagen führt zu einer unbeschränkten
Steuerpflichtigkeit der betreffenden Person. Zwischen Vietnam und
Deutschland besteht seit 1995 ein Doppelbesteuerungsabkommen.
Erstmals in Vietnam ist seit 1.1. 2009 ein Einkommenssteuergesetz in
Kraft. Bisher war die persönliche Einkommenssteuer lediglich durch
Verordnungen geregelt. Das neue Gesetz setzt In- und Ausländer gleich
und besteuert auch Einkünfte, die nicht aus einer Erwerbstätigkeit erzielt
werden (z.B. Mieteinnahmen, Zinsen, Schenkungen). Durch das neue
Gesetz zur Persönlichen Einkommenssteuer erfolgt eine progressive
Besteuerung des Welteinkommens mit Steuersätzen zwischen 5-35%.
In Abhängigkeit vom Geschäftsfeld können weitere Steuern zur
Anwendung kommen, u.a.:
Steuer auf natürliche Ressourcen (Natural Resources Tax) auf die
Förderung von gewissen Ressourcen wie Mineralien, Erdöl.
Besondere Verbrauchssteuer (Special Consumption Tax) auf
gewisse Luxusgüter, deren Verbrauch die Regierung einschränken
möchte.
Dazu kommt auch die Special Sale Tax: Güter und
Dienstleistungen, die dieser Steuer unterliegen, unterliegen nicht
der Mehrwertsteuer. Diese SST Steuer liegt zwischen 10-75%,
darunter fallen auch Autos. Die geringe Dichte an PKW wird über
derartige Steuern und Zölle geregelt (8 PKW auf 1.000 Einwohner).
Import- und
Exportzölle
A- Importzollraten
Bevorzugte Raten (PR): Länder, die in den Beziehungen mit
Vietnam der MFN (most favoured nation) Behandlung unterliegen,
einschließlich WTO Mitgliedsstaaten.
Besondere Bevorzugte Raten (SPR): Länder, die mit Vietnam
besondere Bevorzugungsabkommen eingegangen sind, wie
ASEAN-Mitgliedsstaaten.
Normale Raten: Alle übrigen Länder.
Im Zuge des Beitritts Vietnams zur Welthandelsorganisation (WTO) hat das
vietnamesische Finanzministerium Zollsenkungen angekündigt bzw. auch
schon durchgeführt, u.a. für
Zollsätze
Produktart
Rindfleisch
Frischmilch
Schweinefleisch frisch
Schweinefleisch gefroren
Fernsehgeräte
Klimageräte
Waschmaschinen
Automobile (über 2.500
Zollsatz nach
WTO-Beitritt
2007
20
20
30
30
40
40
38
90
25
Endzollsatz
Realisierung bis
14
18
25
15
25
25
25
52
2012
2009
2012
2012
2012
2010
2011
2019
ccm, auf Gas)
Automobile (unter 2.500
ccm, auf Gas)
Motorräder
Schuhe und Sandalen
90
70
2014
100
40
40
30
2015
2012
Quelle: Ministerium für Handel und Industrie 2007
Allerdings ist Vietnam in Bezug auf Zollsätze noch kein verlässlicher
Partner. Zur Verringerung des vietnamesischen Handelsbilanzdefizits hat
das Ministerium für Handel und Industrie (MOIT) mit Entscheidung
24/2008/QD-BCT vom 1.8.2008 eine Einfuhrlizenzpflicht zur Überwachung
des Imports bestimmter Waren verfügt. Diese Verordnung war bis
31.12.2008 begrenzt.
Zu dem betroffenen Warenkreis zählten Parfüm, Kosmetika, Lederwaren,
Papiererzeugnisse, Schuhe, Spielzeug, Krafträder und Kraftfahrzeuge,
Mobiltelefone sowie bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse (Gemüse,
Kaffee, Tee, Gewürze, Fette und Öle, Fleisch, Fisch, Zucker und
Backwaren, Getreide, Milchprodukte, Getränke und Alkohol).
So wurde der Importzoll für gefrorenes Fleisch von 15% auf 17%, für
gefrorenes Schweinefleisch von 25 auf 27% angehoben; der Zoll für
Geflügelfleisch wurde von 15% auf 40% erhöht. Diese Anhebungen wurden
nicht als Verstoß gegen die WTO gesehen, da Vietnam im Vorfeld
Zollsenkungen schneller als gefordert umgesetzt hatte. Somit wurden diese
Absenkungen wieder zurückgenommen.
B- Exportzölle
Anwendbar auf einige Güter wie Mineralien, Reis, Dünger,
Walderzeugnisse, etc.. Zollraten schwanken zwischen 0 - 50% der
FOB (free on board)-Preise der exportierten Güter.
Alle Zollsätze, Import- und Exportbestimmungen können auf der
Internetseite der Zollbehörden abgefragt werden, entweder mit HS Code
order auch mit Produktbeschreibungen.
http://www.customs.gov.vn/English/Lists/Tariff/Search.aspx
26
3
AGRAR- UND ERNÄHRUNGSSEKTOR10
3.1
Administrativer Überblick
Das Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung (Ministry of
Agriculture and Rural Development MARD) hat seinen Sitz auf nationaler
Ebene in Hanoi. Der Minister ist Herr Cao Duc Phat, der durch acht
Vizeminister unterstützt wird.
MARD gliedert sich in einen Bereich Politik mit den Fachabteilungen, den
Bereich Dienstleistung mit Forschungsinstituten, Universitäten etc. sowie
den Bereich der sogenannten Business Units.
Letzteres beinhaltet die Staatsunternehmen, die MARD unterstellt sind.
Diese Staatsunternehmen sind sowohl in der landwirtschaftlichen
Produktion (z.B. Kautschukplantagen) als auch Verarbeitung tätig. Der
Verarbeitungssektor ist dabei prioritär, wodurch der Staat eine gewisse
Marktkontrolle ausüben kann. Wie oben erläutert, sollen die SOEs
privatisiert werden. Es wird in bestimmten Sektoren auch die Möglichkeit
ausländischer privater Beteiligungen geben.
Die Fachabteilung, wie in der Übersicht über die Organisationsstruktur auf
der folgenden Seite abgebildet, zeigt das Spektrum der fachlichen
Zuständigkeit, die sehr weit reichend ist. Die beigefügte Broschüre des
Ministeriums gibt ebenfalls einen guten Überblick über die Administration.
In 2007 kam es zu umfassenden Umstrukturierungen/Zusammenfassungen
von Ministerien. Dabei wurde das Ministerium für Fischerei in MARD
integriert. Das Jahr 2007 brachte gleichzeitig eine Reihe von
Herausforderungen für das Ministerium mit den
neu integrierten
Abteilungen mit sich: Flutkatastrophen sowie auch Anti-Dumping Zölle der
USA auf vietnamesische Schrimps sowie Probleme mit der
Lebensmittelsicherheit auf japanischen und australischen Märkten.
WTO/SPS
MARD hat die Zuständigkeit für das WTO/SPS Office und beherbergt somit
den sogenannten SPS Enquiry Point.
Das Department für Pflanzenschutz (Plant Protection) ist zuständig für
Phytosanitäre Inspektion und Zertifizierung von Pflanzen und
Pflanzenprodukten für Im- und Export;
Überwachung der Lebensmittelsicherheit für Pflanzen von der
Produktion, Ernte, Verarbeitung, Lagerung bis zur Verteilung auf die
Märkte;
Produktion, Import, Export, Distribution und Einsatz von Pestiziden.
Das Department für Tiergesundheit (Animal Health) ist zuständig für die
Tiergesundheit einschließlich
Sanitäre Inspektion und Zertifizierung von Tieren und Tierprodukten
für Im- und Export;
Überwachung der Lebensmittelsicherheit für Tierprodukte von der
Produktion, Schlachtung, Verarbeitung, Lagerung bis zur Verteilung
auf die Märkte (Schlachtkontrolle und Veterinärhygieneinspektion);
10 Wichtige Informationsquelle: Vietnam’s Agriculture Report on Development in 2007 and
Prospects for 2008, Vietnam AgroInfo 2008
27
Produktion, Import, Export, Distribution und Gebrauch von
Tiermedizin und Bioprodukten (Mikro-Organismen),
Wachstumsförderer etc.
MARD’s Struktur setzt sich bis in den ländlichen Raum auf
Gemeindeebene durch: wie die untere Übersicht zeigt, findet sich
auf Provinzebene: das Department for Agriculture and Rural
Development (DARD),
auf Distriktsebene: ein entsprechendes Office (OARD) und
auf kommunaler Ebene Extension Workers (Beratungsdienst).
Beratungsdienst
Der staatliche Beratungsdienst, der entsprechend auf diesen drei
genannten Ebenen tätig ist, ist mit den Entwicklungen in der Landwirtschaft
und auch den zukünftigen Herausforderungen stark gefordert bzw.
überfordert. ODA Vorhaben im Agrarsektor arbeiten trotzdem oft eng mit
dem Beratungsdienst aufgrund der guten Vernetzung zusammen.
Organisierten großflächigeren privaten Beratungsdienst gibt es in Vietnam
nicht. Beratung wird punktuell z.B. von Händlern angeboten oder auch über
Verarbeitungsunternehmen, aber es existieren keine Beratungsringe
(außer initiiert/finanziert durch ODA Vorhaben).
Auf kommunaler Ebene finden sich eine Vielzahl von sogenannten
Agricultural Extension Clubs (auf der Übersicht links unten positioniert), in
denen Produzenten spezifischer Produkte zusammengefasst sind und
beraten werden (Cocoa Clubs, Cassava Clubs, Coffee Clubs etc.). Diese
Clubs sind nicht als feste Produzentengruppen zu verstehen, sondern
dienen dem fachlichen Austausch.
Ländliche
Entwicklung
Die Zusammenlegung der beiden Ministerien wird auch als wichtigen
Schritt zur Integration der ländlichen Entwicklung gesehen. Seit Beginn des
Reformprogramms „Doi
Moi“
1986 hat
Vietnam
beachtliche
Entwicklungserfolge erzielt und den Anteil der unter der Armutsgrenze
lebenden Haushalte von 58% (1993) auf ca. 20% in 2005 reduzieren
können. Die Einkommensdisparitäten zwischen Stadt und Land verstärken
sich trotzdem zunehmend. Einem Weltbankbericht zufolge leben ca. 35%
der Landbevölkerung unter der Armutsgrenze, während nur 6,6% der
Stadtbevölkerung betroffen sind. Ein Schlüsselinstrument zur Armutsminderung im ländlichen Raum Vietnams war bislang insbesondere die
Vergabe von landwirtschaftlichen Flächen an die lokale Bevölkerung. Diese
Entwicklung ging mit einer großflächigen Umwandlung von Waldland in
landwirtschaftliche Flächen einher. Während in den sechziger Jahren noch
ca. 90% der Landfläche mit Wald bedeckt war, sind es heute wenig mehr
als 40%. Der Staat will der Zerstörung Einhalt gebieten. Nach den Vietnam
Development Goals von 2002 soll die Armut bis 2010 um 40% reduziert
werden, die Anzahl der Haushalte mit einer unsicheren Ernährungsgrundlage um 75%. Gleichzeitig hat sich Vietnam vorgenommen, verstärkt
die nachhaltige Umweltentwicklung zu fördern. Als ein wesentlicher
Indikator führt sie dabei die Ausdehnung der Waldfläche von 33% in 1999
auf 43% in 2010 an.
Die nachfolgenden Grafiken zeigen (1) die Organisationsstruktur von MARD sowie
(2) die Organisation des Ministeriums auf den verschiedenen Ebenen: zentrale,
Provinz-, Distrikt- und kommunale Ebene.
28
Ministerial
Leaders
Business
Units
Coffee Corp
Administrative
Units
Training and
Education
Science Research
State Policy
Units
Committees
Mekong River
Committee
Others
Functional
Departments
Professional
Departments
Rubber Corp
VN Academy of
Agri Science
Water Resources
University
IT Center
SPS Vietnam
Planning
Department
Cultivation
Department
Southern Food
Corp
VN Academy of
Forestry Science
Forestry
University
Today Agriculture
Newspaper
Administr. Reform
Committee
Finance
Department
Animal Husbandry
Department
Northern Food
corp
VN Academy of
Water Resource
College of Agri &
Rural Develop.
Center for Fresh
Water
Bio-Technology
Development
Science and
Technology Dept
Plant Protection
Department
Vietnam Tea
Corp
IPSARD (Policy
and strategy)
College of Agri
and Forestry
Institute For Water
Resources
Planning
Investment
Committee
International
Relation
Dept
Veterinary
Department
Viet Animal
Husbandry Corp
Nat. Inst. of
Animal &
Husbandry
Vocational
College of Agri./
Forestry
Agri Hospital
Committee for
Women progress
Legislation
Dept
Forestry
Department
Vietnam Forestry
Corp
Animal Health
Institute of VN
Vocational Center
of Agri/Forestry
Marketing Cen. for
Agri/Rural Dev.
Others
Human Resource
Dept
Forest Protection
Department
Vietnam Salt
Corp
VIAEP
(Postharv. Tech)
Ministry’ Office
Water Resources
Department
Viet.Sugarcane
Corp
Others
Manag.Board of
Agri Enterprises
Coop./ Rural
Develop.Dep.
Inspection
Department
Construction
Manag. Dep.
Others
Viet Agri Materials
Corp
Agri, forestry/
aquatic proc. Dep.
Others
Dyke Manag./
Storm Control
29
30
3.2
Wachstum im Agrarsektor
Der landwirtschaftliche Sektor hat das prognostizierte Wachstum in 2008
mit 3,79% knapp erreicht. Angestrebt war ein Wachstum von 3,8%.
Innerhalb der drei Subsektoren zeigte insbesondere der Bereich Fischerei
ein deutliches Wachstum11:
Landwirtschaft + 5,4% in 2008
Forst + 2,2% und
Fischerei + 6,7%.
Am Gesamtausstoß des Sektors ist Forst mit 3,6%, Fischerei mit 21,6%
und Landwirtschaft mit 75,1%, beteiligt. In Bezug auf die einzelnen
Produktbereiche der Landwirtschaft entfallen in 2007 77,9% auf Pflanzen-,
19,9% auf Tierproduktion und 2,2% auf Dienstleistungen.
Vietnam ist durch den WTO Beitritt gezwungen, seinen Agrarsektor
liberaler zu gestalten, was auf drastische Kürzungen der Subventionen
hinausläuft. Diese kommen aber hauptsächlich Kleinbauern zugute. Den 14
Mill. Farmhaushalten stehen im Schnitt nur 0,7 Hektar Land zur Verfügung,
auf denen Subsistenzwirtschaft betrieben wird bzw. verstärkt versucht wird,
an der rentableren Produktion von exportfähigen “Cash Crops“ wie Kaffee
oder Reis teilzunehmen. Die Besitzer großer Anbauflächen werden von den
Subventionskürzungen weniger getroffen, da sie über Sicherheiten für
Kredite verfügen und besseren Zugang zu technischem Know-How und
günstigeren Inputs haben. Die vietnamesische Landwirtschaft und
Ernährungsindustrie müssen mit günstigeren, besseren Produkten aus dem
Ausland konkurrieren, insbesondere bei Milch- und Fleischprodukten. Eine
breite Qualitätsverbesserung wird daher notwendig, um national und
international Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Zielsetzung bis
2020
Im Vorfeld des WTO Beitritts 2007 wurde ein Plan zur Entwicklung der
Landwirtschaft und des Ländlichen Raums formuliert, dessen mittelfristige
Ziele von 2006 – 2010 gesetzt sind, die langfristigen Ziele bis 2020.
Die Planung zielt eine schnelle und nachhaltige Entwicklung des Sektors
schon zu Beginn der WTO Mitgliedschaft. Die Vorgabe ist, die
Möglichkeiten und Chancen zu nutzen und die negativen Effekte zu
minimieren.
Spezielle Ziele sind:
Die vollständige Umsetzung der WTO Vereinbarungen im Agrarsektor ;
Den Sektor zu industrialisieren und modernisieren und den ländlichen
Raum zu entwickeln;
Ernährungssicherheit sowie auch Lebensmittelsicherheit herzustellen;
Landwirtschaftliche Produkte zu verbessern und zu diversifizieren;
Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums;
Eine Wertsteigerung von 4-4,5% pro Jahr zu erzielen und einen Beitrag
zum BIP von 3,3 – 3,5% zu erreichen;
Das Wachstum im ländlichen Raum um 7,5-8% steigern;
Im Export von Agrar-, Forst und Meeresprodukten 15 Mrd. USD pro
Jahr zu erzielen;
11 Quelle CSO, Output value at 1994 constant prices
31
Den Exportumsatz jährlich um 13-14% zu steigern;
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern;
Die Struktur im Export auf Wertsteigerung und nicht nur auf eine
Steigerung des Volumens auszurichten;
Verbesserung der Integration, besonders von armen Bevölkerungsschichten, in die Wertschöpfungsketten;
Eine effektive Implementierung der administrativen Reformen, Entwicklung von e-Management
Förderung von Transparenz in der Politik und in der Gesetzgebung um
günstige Bedingungen für die Produktion, den Handel und Investitionen
zu erreichen.
Schlüsselprodukte des Landes sind Reis, Kaffee, Kautschuk, Cashew, Tee
und Pfeffer, so genannte „Hard-Currency-Earner“, wichtig zur Reduzierung
des Handelsdefizits.
Reis: Die langfristige Zielsetzung für Reis ist das Halten eines
Produktionsvolumens von 40 Millionen Tonnen Paddy-Reis
(ungeschält). Neue Sorten mit hohen Erträgen werden gefördert. Die
Reisflächen in 2008 beliefen sich auf insgesamt 4,1 Millionen ha, wobei
die Felder mehrmals bestellt werden. Ziel ist es, diese 4 Millionen ha zu
halten, auch mit Blick auf Ernährungssicherung. Derzeit reduziert sich
Fläche jährlich um einige Prozentpunkte.
Kaffee: MARD zielt auf Ertragssteigerungen auf 1,1 Millionen Tonnen
Kaffeebohnen jährlich bis 2020 unter Beibehaltung der derzeitigen
Anbauflächen von 500.000 ha. MARD plant, 2 Mrd. USD in die
Verbesserung der Produktion, der Ernte- und Verarbeitungsverfahren
zu investieren.
Auch bei Kautschuk sollen die derzeitigen Flächen gehalten werden,
wobei es auch hier zu einer Konsolidierung und Intensivierung kommen
sollte.
Die Flächen für Cashew, Pfeffer und Tee sollen ausgeweitet werden,
um die nationale und internationale Nachfrage zu erfüllen.
Vietnam möchte auch in die Produktion von Kakao einsteigen und plant
mit Unterstützung der USA, bis 2020 80.000 ha Produktion mit einem
Exportwert von 100 - 120 Mio. USD aufzubauen. Derzeit liegt die
Produktion noch in den Anfängen mit 250 Tonnen Exportmenge in
2008.
Darüber hinaus sollen auf 5 Millionen ha neue Forstpflanzen gepflanzt und
eine Diversifizierung der Baumarten angestrebt werden.
Im Fokus der Entwicklung der Tierproduktion steht die Produktion von
magerem Fleisch verbunden mit dem Aufbau entsprechender Viehherden.
Weiter als relevant angesehen werden die Entwicklung ölhaltiger Pflanzen
sowie Faserpflanzen sowie der Export von verarbeiteten Produkten, der
Ausbau der Zuckerrohranbauflächen und insgesamt die Intensivierung der
Landwirtschaft.
Allerdings gibt es auch Stimmen, die die große Bedeutung des Reissektors
im Lande kritisieren. So werden im Lande 4,1 bzw. 7 Millionen ha (3 Ernten
pro Jahr) für Reis genutzt, aber nur 1,8 Millionen ha für Kokos, Kautschuk,
Cashew, Pfeffer, Tee und Kaffee und 1,4 Millionen ha für Obst, Gemüse
32
und Blumen. Mit Blick auf die Importe der anderen WTO Mitgliedsstaaten
wird kritisiert, dass diese nur etwa für 10 Mrd. USD Reis importieren,
allerdings über 100 Mrd. USD für Obst und Gemüse, wie Vietnam News im
Mai 2007 berichtet.
3.3
Klimazonen
Struktur der Landwirtschaft
Vietnam liegt in der tropischen Monsunzone mit sehr unterschiedlichen
Klimazonen bedingt durch unterschiedliche Höhen (3/4 des Landes sind
Gebirge und Wald) und die lang gestreckte Nord-Süd-Lage mit 1.650 km
und 3.444 km Küstenlinie. Dadurch ergeben sich zwei wesentliche
Klimazonen:
Im Norden mit 4 Jahreszeiten: Frühling April - Mai, heißer Sommer
mit hoher Luftfeuchte Mai - Juli; Herbst August - Oktober und den
für die Region kalten Winter November - Januar.
Im Süden des Landes gibt es nur zwei wesentliche Jahreszeiten:
Regenzeit Mai - Oktober und die Trockenzeit November - April.
Die mittleren Temperaturen liegen zwischen 20 und 30°C. Der
durchschnittliche Niederschlag erreicht in der Trockenzeit 200mm, in der
Regenzeit 2.900mm.
Flächenverteilung in Vietnam, in 1000 ha
Gesamtfläche
2007
Davon
übertragen/verpachtet
33.121,2
23.763,8
Agrarland
24.696
21.262,7
Landwirtschaftliche Produktion
9.436,2
9.319,4
6.348,2
6.254,2
4.130,9
4.107,4
Viet Nam
Einjährige Feldfrüchte
Reisanbau
Weidefläche für Vieh (auf Ackerland)
53,4
27,2
2.163,8
2.119,6
3.088
3.065,1
14.514,2
1.1210
Bewirtschaftet
5.672,5
4.735,9
Geschützt
6.766,3
4.648,8
Speziell genutzter Forst
2.075,5
1.825,4
715,1
704,3
Land für die Salzproduktion
14,1
13,2
Anderes
16,5
15,8
andere einjährige Feldfrüchte
Dauerkulturen
Forst
Wasserflächen für Fischerei
Quelle: CSO 2007
Das Land gliedert sich in 8 Regionen nach der geografischen Lage. Die
wichtigsten Anbauregionen sind
Reisanbau im südlichen Mekongdelta und im Delta des Roten
Flusses im Norden
Kaffeeproduktion im zentralen Hochland und im Südosten
33
Tee im Nordosten und Nordwesten
Kautschuk im Norden, Osten und im Süden
Obst im Norden, Osten und im Süden und Mekongdelta.
Anbauregionen
Landnutzung, in 1000 ha (1. Januar 2007)
Regionen
VIET NAM
Roter Fluss Delta
Nord-Osten
Nord-Westen
Norden Zentrale
Küste
Süden Zentrale Küste
Zentrales Hochland
Süd-Osten
Mekong Fluss Delta
Bevölkerungs
-dichte
Personen/qk
m
257
1238
149
71
Gesamtfläche
2007
Agrarproduktio
n
Forst
Bauer
nHäus
er
33121
1487
6402
3753
9.436
757
984
502
14.514
127
3581
1823
612
119
81
33
208
5156
812
2884
101
271
90
408
432
3317
5466
3481
4060
591
1616
1609
2567
1451
3050
1250
349
55
42
72
109
Quelle: CSO 2007
Struktur der
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft in Vietnam ist überwiegend kleinstrukturiert: etwa 80%
der landwirtschaftlichen Produktion erfolgt auf Haushaltsebene. Im Schnitt
verfügt jede Familie über 0,7 ha. Die Flächen der kleinen Betriebe belaufen
sich nach Informationen von MARD im Norden Vietnams nur auf
durchschnittlich 0,23 ha und 0,7 ha im Süden des Landes.
Zu den mittleren
Agrarunternehmen,
und
großen
Betrieben
zählen
über
310.000
davon geschätzte 130.000 Farmen mit größeren Flächen:
o 3 ha große Farmen in den Deltaregionen und
o 7 ha große Farmen in den Gebirgsregionen.
o Die Betriebe erzielen ein Einkommen von etwa 3.500 USD pro
Jahr (60 Mio. VND).
Sowie über 180.000 große landwirtschaftliche Unternehmen; hierzu
zählen Staatsbetriebe, private Unternehmen, etwa 6.500 Genossenschaften und 600 – 700 große Staatsfarmen und Forstbetriebe.
Es finden sich darunter auch private Bauern mit 50 ha Flächen. Die
Flächen sind jedoch häufig nicht zusammenhängend und schließen oft
auch Forstgebiete mit ein. Meist waren die privaten Bauern Pioniere in der
Besiedelung neuer Flächen im Rahmen der unten beschrieben
Migrationswelle in die dünner besiedelten Gebiete.
Die Zuständigkeit für die Staatsbetriebe ist unterschiedlich:
Die SOEs umfassen auch die sogenannten „Corp 91“, die direkt dem
Premierminister unterstellt sind;
390 SOEs, die MARD unterstellt sind (siehe auch das Organigramm
von MARD) sowie
34
SOEs, die den Provinzregierungen unterstellt sind (die Anzahl ist
unklar).
SOEs verfügen z.T. über sehr große Flächen (mehrere 1.000 ha) und oft
über eine integrierte Produktionslinie, d.h. Produktion plus Verarbeitung
(siehe auch Kapitel 3.6 Ernährungsindustrie). Diese SOEs dominieren den
Nahrungsmittelsektor sowohl im Inland als auch im Export.
Die Großbetriebe, vorwiegend sind es noch SOE’s, verfügen nicht über
vollständig zusammenhängende Flächen. Vielmehr sind die Flächen um
den Standort des Agrarunternehmens in der Region verteilt (siehe auch
das unter Kapitel 3.7 dargestellte Beispiel eines Verarbeitungsunternehmens mit entsprechender Produktion). SOE’s finden sich überall im
Land, vor allem in den Hauptanbaugebieten der jeweiligen Produkte (siehe
oben unter Anbauregionen). Unternehmen mit Schwerpunkt in der
Tierproduktion, vor allem Schweine und Rinder, liegen eher im nördlichen
Teil des Landes.
Flächenzerstückelung
Die kleinen Flächen von 0,7 ha sind wiederum im Durchschnitt auf 5
verschiedene Flächen verteilt, jede Fläche mit 0,14ha. Die 10 Millionen
Hektar landwirtschaftlicher Fläche sind somit auf 70 Millionen Einzelflächen
verteilt, bearbeitet von geschätzten 14 Millionen Familien (es liegen hierzu
unterschiedliche Zahlen vor).
Eine Ursache für die Flächenstückelung ist auch in der Armutsbekämpfung
der vergangenen Jahrzehnte zu sehen. Ein Schlüsselinstrument zur
Armutsminderung im ländlichen Raum Vietnams war bislang insbesondere
die Vergabe von landwirtschaftlichen Flächen an die lokale Bevölkerung.
Die verteilten Nutzungsrechte beinhalteten meist Flächen auf
verschiedenen Standorten. Die Möglichkeit, Nutzungsrechte zu erwerben
bzw. zu erhalten, hat nach der Wiedervereinigung Vietnams eine
Migrationswelle in dünnbesiedelte Gegenden ausgelöst. Gleichzeitig führte
die Regierung gezielte Umsiedlungsprogramme durch12. Diese Entwicklung
ging mit einer großflächigen Umwandlung von Waldland in
landwirtschaftliche Flächen einher. Während in den sechziger Jahren noch
ca. 90% der Landfläche mit Wald bedeckt war, sind es heute nur noch
wenig mehr als 40%.
Flächenkonsolidierung
Die vietnamesische Regierung zielt auf eine Konsolidierung der Flächen.
Es wird angestrebt, Haushalte zusammenzufügen, so dass mindestens 5
ha konsolidierte Agrarfläche entsteht. Auch mit Blick auf WTO und seine
Wettbewerbfähigkeit wird die Konsolidierung der Flächen und auch die
Zusammenführung von Farmen zu Genossenschaften/Produzentengruppen als wesentlich angesehen. Ein Problem stellen derzeit noch
gesetzliche Barrieren zur Landkonsolidierung dar, die jedoch ausgeräumt
werden sollen. Mit dieser Gesetzesänderung bestehen allerdings auch
Befürchtungen, dass konsolidiertes Agrarland zum Spekulationsobjekt für
andere Sektoren wird.
12 Ein Gebiet war z.B. das zentrale Hochland. Allein auf dem Gebiet der heutigen Provinzen Dak Lak
und Dak Nong entstanden innerhalb von etwa 10 Jahren ca. 260.000 ha Kaffeepflanzungen, etwa
80% davon in kleinbäuerlicher Hand. Heute ist diese Region der wichtigste Lieferant
vietnamesischen Kaffees und ein echtes Schwergewicht auf dem Weltmarkt. Neben der
Anpflanzung von Kaffee wurden in dieser Region z.B. die Einführung weiterer Kulturen wie
Gummibäume, Pfeffer und Cashewnuss gezielt gefördert.
35
Bildung von
Produzentengruppen
Aus der Provinz Dak Lak berichtete der staatliche Beratungsdienst von
Pilotprojekten, in denen 1.000 Bauern zu kleineren und auch größeren
Produzentengruppen (maximal 50 Personen) zusammengeschlossen
werden sollen. Diese Pilotprojekte basieren auf freiwilliger Basis, da das
Interesse an Gruppen relativ gering ist.
Genossenschaften
Es gibt 6.400 landwirtschaftliche Genossenschaften in Vietnam, deren
Performance allerdings als relativ schwach beschrieben wird (hohe
Abhängigkeit von staatlichen Subventionen) und dadurch auch ihre Zahl
und Attraktivität nicht steigt. Es fehlt nach Aussage des Southern Institute
of Agricultural Studies auch an einer konsistenten Gesetzgebung für
Genossenschaften.
Produktivität
Bei der geplanten Flächenkonsolidierung wird auch berücksichtigt, dass
sich die Zahl der Bauern bis 2020 deutlich reduzieren wird. Man geht von
einem Rückgang auf 9,5 Millionen Bauern gegenüber 17,5 Millionen heute
aus. Die Diskussion der Konsolidierung geht nicht allein um die Struktur,
sondern auch um die Frage der Mechanisierung. Untersuchungen der
Weltbank im Mekongdelta Vietnams haben gezeigt, dass die Produktivität
im Reisanbau bei einer Produktionsfläche von mehr als 3 ha um 5-6 mal
höher ist als bei einer Fläche geringer einem Hektar. Andere
Untersuchungen haben gezeigt, dass die Produktivität auf einer Fläche <
0,25 ha um das 2,5fache geringer ist als auf einer Fläche von mindestens 2
ha.
Die begrenzte Produktivität spiegelt sich insbesondere im Reisanbau wider.
Dort stagniert die Produktivität seit 5 Jahren bei etwa 5,4 Tonnen pro
Hektar, obwohl die Produktionskosten für Reis in den vergangenen 3
Jahren um das 1,5 fache gestiegen sind. Reisbauern nutzen heute meist
neue ertragreichere Sorten, arbeiten auf dem Feld zum Teil mit Ochsen
und manuellen Geräten.
Investitionen
Das Fehlen größerer Flächen wird auch als ein wesentliches Hindernis für
Auslandsinvestitionen in die Landwirtschaft gesehen. Die weiterhin
problematische Gesetzgebung erschwert auch den gewillten lokalen
Verwaltungen eine Zusammenlegung.13
Es fehlt nach wie vor an einer Strategie zum Anwerben von ausländischen
Investoren im Agrarsektor, obwohl die Pläne zur Entwicklung der
Landwirtschaft ausländisches Kapital benötigen. Ziel ist es, bis 2010 1,5
Mrd. USD FDI für den Agrarsektor anzuwerben.
Investitionen staatlicher Seite in den Agrarsektor gehen seit 2001
kontinuierlich zurück und belaufen sich heute nur noch auf 6,7% aller
staatlichen Investitionen.
Aber auch der Anteil der inländischen Investitionen im Agrarsektor beläuft
sich nur auf 14% der Gesamtinvestitionen. Dies wird mit der nach wie vor
kleinstrukturierten Landwirtschaft erklärt. Es fehlt an Großunternehmen, die
die vorhandenen Potentiale nutzen. Die kleineren privaten Agrarunternehmen leiden unter Kapitalmangel, Zugang zu Krediten, einem
Mangel an Technologie, moderner Infrastruktur, geringer Produktivität,
wodurch die Landwirtschaft nur eine geringe Wertschöpfung erzielen kann.
13 Aus Dak Lak wurde ein Beispiel einer malaysischen Erdnussfabrik berichtet, die zu Beginn ihrer
Aktivitäten mit Kleinbauern zusammengearbeitet hat, doch diese Zusammenarbeit aufgrund der zu
geringen Produktivität 2007 einstellte. Der Antrag auf Flächen zur Eigenproduktion liegt vor, aber es
wird mit mehrjähriger Wartezeit bis zur Genehmigung gerechnet.
36
Die Weiterverarbeitung
Verarbeitungsbetrieben.
erfolgt
im
Ausland
oder
in
großen
Allerdings ließ sich in den vergangenen zwei Jahren beobachten, dass
hohe Agrar(export)preise die Bauern in der Lage versetzen, sich technisch
besser auszustatten. Auf den Straßen im ländlichen Raum ist es
offensichtlich, dass die Zahl der Motorräder und Kleintraktoren/Einachser
deutlich zugenommen hat. Der Wunsch nach Mobilisierung ist generell
hoch, doch aufgrund der hohen Importzölle auf PKW auf Motorräder oder
landwirtschaftliche Fahrzeuge begrenzt. Aufgrund der Flächenzersplitterung und auch aufgrund weiter Wege zu den Agrarflächen ist eine
Motorisierung für die Bauern unumgänglich, auch wenn die Straßenverhältnisse in manchen Regionen, z.B. den Bergregionen oder auch im
Mekongdelta, noch unzureichend sind.
Wichtigstes
Produkt
3.4
Pflanzenproduktion
3.4.1
Reis
Reis ist das wichtigste Produkt in der landwirtschaftlichen Produktion
Vietnams. Es lässt sich in den letzten 5 Jahren beobachten, dass die
Anbaufläche rückläufig ist: so wurden in 2007 noch auf 7,2 Millionen ha
Reis angebaut, ein Rückgang gegenüber 2006 um 2% oder 141.000 ha.
Die 7,2 Mio. ha umfassen mehrere Ernten (Frühling, Herbst, Winter).
Die tatsächliche Fläche für den Reisanbau in 2008 liegt bei 4,1 Mio. ha. Ziel
ist es, diese 4 Millionen ha zu halten, auch mit Blick auf
Ernährungssicherung. Derzeit reduziert sich Fläche jährlich um einige
Prozentpunkte. Um die Produktion von Reis bis 2020 auf 40 Millionen
Tonnen jährlich zu halten, sollen neue qualitativ gute ertragreiche Sorten
eingeführt werden, vor allem in den beiden Hauptanbaugebieten des
Mekongdeltas und des Deltas des Roten Fluss.
37
Produktion
Die Produktionsmengen blieben aufgrund des Flächenrückgangs in 2007
auf einem Niveau von 35,9 Millionen Tonnen und damit geringer als die
drei Vorjahre. 2008 wurde mit 37 Millionen Tonnen ein Plus von 1 Million
Tonnen erzielt. Die Ernte pro ha beläuft sich im Durchschnitt über die drei
Ernten auf 5,4 Tonnen/ha. Eine Steigerung ist, wie bereits oben
beschrieben, in den vergangenen Jahren nicht erreicht worden. In Bezug
auf die Produktionskosten nehmen die Lohnkosten einen immer größeren
Stellenwert ein und erreichen in der Reisproduktion nach Informationen von
ISPARD bis zu 40% der Kosten gegenüber 60% Materialkosten, je nach
Anbauregion. Unter den Materialkosten (=100%) liegen die Ausgaben für
Dünger etwa bei 40%,
Maschineneinsatz etwa 18%,
Pestizide bis zu 20%,
Bewässerung etwa 10% und
Saatgut etwa 9%.
Seit 2005 haben sich die Produktionskosten mindestens um das 1,5fache
erhöht, wie ISPARD in 2008 berichtet.
Um mehr zu produzieren haben Bauern aus dem Mekongdelta begonnen,
Reis im benachbarten Kambodscha anzubauen, weshalb die Regierung in
2007 die Einfuhrzölle aus Kambodscha auf Null gesetzt hat.
Entwicklung des Reisanbaus in Vietnam
bepflanzte Flächen
Produktion
davon
Total
Frühj.
Herbst
davon
Total
Winter
1000 ha
Frühj.
Herbst
Winter
1000 t
1990
6043
2074
1216
2754
19225
7866
4091
7269
2000
7667
3013
2293
2360
32530
15571
8625
8333
2001
7493
3057
2211
2226
32109
15474
8329
8306
2002
7504
3033
2294
2178
34447
16720
9189
8539
2003
7452
3023
2320
2109
34569
16823
9400
8345
2004
7446
2979
2366
2101
36149
17078
10431
8640
2005
7330
2942
2349
2038
35832
17332
10436
8065
2006
7324
2996
2317
2012
35850
17588
9694
8568
2007
7201
2989
2205
2008
35868
17024
10112
8732
Quelle: CSO 2007
38
Reisproduktion in den Regionen Vietnams in 1000 Tonnen
Regionen
2000
2001
2002
2004
2005
2007
32530
32108
34447
36149
35833
35868
Roter Fluss Delta
6587
6419
6752
6710
6184
6298
Nord-Osten
2065
2250
2375
2491
2537
2517
404
441
458
549
543
574
Norden Zentrale Küste
2824
2967
3156
3378
3170
3239
Süden Zentrale Küste
1682
1707
1711
1891
1759
1912
587
646
607
781
717
858
1679
1681
1680
1782
1625
1832
16703
15998
17710
18568
19299
18637
VIET NAM
Nord-Westen
Zentrales Hochland
Süd-Osten
Mekong Fluss Delta
Quelle: CSO 2007
Handel
Die Strukturen im lokalen Handel sind zum Teil ebenfalls kleinstrukturiert,
abhängig von den Produktionsstandorten und Destination der Ware. Oft
handeln lokale Händler mit mehreren Produkten, so dass an dieser Stelle
beispielhaft die Strukturen dargestellt werden. Standortabhängig nutzen
Händler, die an die Verarbeitungs- und Exportunternehmen liefern, so
genannte „Collectors“, um auf kleinster Dorfebene die Waren (kleine
Mengen) einzusammeln. Mit zunehmender Mobilität und besserer
Infrastruktur verkaufen die Bauern auch direkt an die Händler oder auch
Verarbeiter in den Distrikt- oder Provinzzentren. Je nach Produkt erfolgt die
Verarbeitung zum Teil auch erst am Exportstandort. In der Lieferkette
können daher bis zu 5 Stufen bis zum Export liegen. Es lässt sich
allerdings feststellen, dass sich diese Zahl in den vergangenen Jahren
aufgrund der Mobilität und der verbesserten Straßen reduziert. Insgesamt
ist das Handelsnetz in den Produktionszentren Vietnams effizient, auch
wenn es zum Teil kleinstrukturiert aufgestellt ist. Hinzuzufügen ist, dass
Händler/Collectors vielfach auch in die Vorfinanzierung der Betriebsmittel
gehen und diese dann nach der Ernte mit Warenlieferungen verrechnen.
Exporte
Reis ist das bedeutendste Agrarexportprodukt Vietnams. In 2007 wurden
4,4 Millionen Tonnen exportiert; 4,4% weniger als im Vorjahr, aber
aufgrund höherer Preise wurden 1,45 Mrd. USD erzielt und damit knapp
14% mehr als in 2006. Die Schlüsselexportmärkte sind die Philippinen
(33%), Malaysia (10%), Kuba (8%), Indonesien (8%), Japan (3%) und
Südafrika (2%).
In 2008 wurde aufgrund einer befürchteten Ernährungskrise bedingt durch
hohe Preise und zur Senkung der Inflation (hohe Reispreise gelten als
wesentlichen Faktor der hohen Inflationsrate in 2008) die Ausfuhr von Reis
gestoppt; mit dem Ergebnis, dass 700.000 Tonnen am Ende des Jahres in
den Lagern lagen und kaum verkäuflich waren. Dazu kam ein deutlicher
Preisverfall zum Frühjahr, so dass das Ergebnis für die Bauern
insbesondere im Mekongdelta enttäuschend war.
Die Qualität des Exportreises entspricht nicht immer den geforderten
Standards, ähnlich wie bei anderen Agrarprodukten. MARD weist darauf
39
hin, dass in der Reisproduktion auf Sorten mit höherer Produktivität
umgestellt wurden (z.B. die Sorte IR 50404), die allerdings schlechteren
Qualitäten hervorbringen können, die im Export nicht akzeptiert werden.
Vietnam bekommt für seine verschiedenen Reisqualitäten 3-5% niedrigere
Preise als Thailand, Benchmark auf dem internationalen Reismarkt.
Das Schälen/die Verarbeitung von Reis erfolgt für den Export in großen
Verarbeitungsunternehmen, unter denen die Staatsbetriebe weiter
dominant sind. Es finden sich allerdings auch ausländische Unternehmen
in der Verarbeitung sowie kleinere und mittlere Unternehmen zur
Bedienung des lokalen Marktes (im Folgenden zwei Beispiele).
Bild oben: Lokale Reismühle mit einer Kapazität von 10 Tonnen Rohware pro
Tag, Ausstoß 6,5 Tonnen. Anschaffungskosten der vietnamesischen Maschinen
etwa 2.000 USD.
Bild nächste Seite: Verarbeitungskapazität 100 Tonnen pro Tag. Ebenfalls
Vietnamesische Technologie. Kosten etwa 1,5 Mio. USD.
40
3.4.2
Produktion
Kaffee
Ende 2008 erreichte die gepflanzte Fläche für Kaffee 488.000 ha; ein
Rückgang um 13% seit 2001 (Produktionsfläche 565.000 ha). Aufgrund der
gestiegenen Produktivität sind die Ernten jährlich um 1,1% gestiegen. Nach
Schätzungen des Department of Cultivation and Planting (MARD) wird für
2010 von einer Erntefläche von 460.000 ha mit einer Produktivität von 2
t/ha ausgegangen. Wichtigstes Anbaubaugebiet ist die Provinz Dak Lak mit
einer Produktion auf 178.000 ha.
Um bis 2020 das Ziel von 1,1 Millionen Tonnen Kaffee auf einer Fläche von
500.000 ha jährlich zu erreichen, plant MARD etwa 2 Mrd. USD in neue
Sorten, Ernte- und Verarbeitungstechnologien sowie in eine Kampagne zur
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Produktion zu investieren.
Exporte
Kaffee ist das zweitwichtigste Agrarexportprodukt. In 2007 exportierte
Vietnam über 1 Mio. t Kaffeebohnen im Wert von 1,85 Mrd. USD; ein
monetärer Anstieg von 52.3% zu 2006. Europa als wichtigster
Handelspartner importiert 40% des Kaffees aus Vietnam: an erster Stelle
Deutschland (deutsche Kaffeeimporteure sind in Vietnam präsent), gefolgt
von Spanien und Italien. Die USA importieren 9% und die asiatischen
Länder etwa 8%. Vietnam ist führend in der Welt im Export von RobustaKaffee mit einem Marktanteil von 43% im globalen Kaffeemarkt.
Preisentwicklung
Der wesentliche Grund für den hohen Umsatz in 2007/Beginn 2008 waren
die hohen Kaffeepreise. Der durchschnittliche Weltmarktpreis für Robusta
lag bei 1.718 USD (1.335 USD in 2006) pro Tonne in 2007. Der Höhepunkt
der Preisentwicklung lag im Februar 2008, aber mit der Finanzkrise hat sich
der Preis wieder deutlich nach unten entwickelt wie die Grafik unten zeigt.
41
Quelle: ICO, Coffee market Report November 2008
Die Kaffeebauern sind von dieser Entwicklung hart getroffen, insbesondere
aufgrund der hohen Inputpreise. Die Produktionskosten von Kaffee haben
sich nach Aussage des staatlichen Beratungsdienstes in Dak Lak von
15.000 VDN in 2007 auf 22.000 VDN pro kg in 2008 gesteigert. Dünger und
auch Arbeitslöhne haben sich deutlich erhöht, auch getrieben durch die
hohe Inflation im Lande. Im Februar 2008 erzielten die Bauern bis zu
40.000 VDN pro kg, im November 2008 nur noch 23.-25.000 VDN/kg.
Ernte 2009
Nach Aussage der Vietnam Coffee and Cocoa Association wird für die
Saison 2008-2009 eine geringere Produktion erwartet wegen der
Wetterbedingungen (erst Trockenheit, dann große Regenfälle während der
Ernte), aber auch wegen hoher Düngerkosten. Die Bauern verringern den
Einsatz von Dünger. Gleichzeitig klagen die Bauern über gestreckte
Düngerprodukte, die z.B. statt 16% N nur 5% enthalten. Die erwartete
Produktion für diese Saison, die im September 2009 endet, könnte bei
950.000 Tonnen liegen.
Qualitätsprobleme
Vietnam sieht sich seit Jahren mit Qualitätsproblemen in der Kaffeeproduktion bzw. dem Export konfrontiert. Vietnam ist unter den
Exportländern am stärksten von Reklamationen in Bezug auf die
Warenqualität im Export betroffen. Seit Oktober 2007 ist es erforderlich,
dass der Kaffee vor der Verzollung dem vietnamesischen Standard TCVN
4193:2005 entspricht. Der Standard bezieht sich u.a. auf den
Feuchtigkeitsgehalt, Verunreinigungen und Anzahl gebrochener Bohnen.
Dieser Standard konnte als obligatorisch nicht durchgesetzt werden und
erweist sich heute als schwierig umzusetzen. Da die erste
Verarbeitungsstufe des Kaffees auf Haushaltsebene erfolgt (Schälen,
Trocknung), wird dort der Grundstein für die Qualität gelegt.
42
Bild: Trocknung von Kaffee auf einem kleinbäuerlichen Betrieb, im Hintergrund
Kaffeepflanzen
Bild links:
Lokale Kaffeeschälmaschine
Bild rechts:
Kaffeesortierung am Lager des Großhändlers
Die Röstung des (Export-)Kaffees findet im Ausland statt, vor allem in
Deutschland. Vietnam selbst ist aber auch Kaffeekonsument und verfügt
heute über eigene Kaffeeverarbeitung (Instant) und –marken, wie z.B.
Ngyhen oder G7. Es werden 80 Mio. USD in drei neue Kaffeeverarbeitungsanlagen zur Produktion von löslichem Kaffee investiert. Damit wird die
Produktion von löslichem Kaffee auf 15.000 Tonnen jährlich steigen.
3.4.3
Pfeffer
Vietnam ist der weltgrößte Pfefferproduzent, gefolgt von Indien und
Brasilien. Die Produktionsfläche für Pfeffer in Vietnam stieg im Zeitraum
von 2001 bis 2006 um durchschnittlich 6,8% und erreicht heute etwa
50.000 ha. Die Produktivität liegt bei 1,4 t/ha. Die wichtigsten
Anbauregionen sind die Provinzen im zentralen und südöstlichen Vietnam
Binh Phuoc (14.200ha), Dong Nai (4.200 ha), Dak Lak (8.400ha), Ba Ria
Vung Tau (8.100ha), Gia Lai und Binh Thuan mit jeweils 2.200 ha.
In der nationalen Strategie zur Entwicklung des Pfeffersektors plant MARD
bis 2010 Anbauflächen von 40.000 bis 50.000 ha, vor allem in den oben
43
genannten Regionen des zentralen Hochlands, der südöstlichen und der
südlichen Küstenregion.
Produktionsmengen
Die Produktion von Pfeffer ist ebenfalls stark den Klimabedingungen
ausgesetzt: so war z.B. aufgrund von Trockenheit die Ernte in 2007 mit
90.000 Tonnen deutlich niedriger als im Vorjahr. 2008 wurden wiederum
aufgrund der Wetterbedingungen und Krankheiten nur 80.000 Tonnen
geerntet, ein erneuter Rückgang um 10.000 Tonnen.
Einige der Hauptanbaugebiete mussten partiell Rückgänge bis 40-45%
aufgrund von Pflanzenkrankheiten (Phytophtera, Nematoden, Fusarium)
hinnehmen. Es fehlt den Bauern und auch dem Beratungsdienst oft das
Wissen, diese Krankheiten fachgerecht zu bekämpfen. In Provinzen mit
geringerer Produktion sind zum Teil entsprechende Pflanzenschutzmittel
aufgrund geringer Nachfrage nicht verfügbar, wie Pflanzenschutzmittelhändler berichteten.
Exporte
Trotzdem bleibt Pfeffer eines der erfolgreichsten Produkte Vietnams
(Weltmarktanteil 50%), insbesondere aufgrund der hohen Preise in den
vergangenen beiden Jahren. In 2007 lag das Exportvolumen z.B. nur bei
84.000 Tonnen, 26,6% geringer als in 2006; doch der Umsatz stieg im
selben Zeitraum um 47,8% auf 282 Millionen USD. Die Saison 2007/2008
erlebte weltweit einen Rückgang um 15-20% aufgrund schlechter
Wetterbedingungen
und
Krankheiten,
wodurch
es
zu
einer
Unterversorgung des Weltmarktes kam. Dieser Effekt wurde verstärkt
durch hohe Nachfrage der Verarbeitungsindustrie aus Russland, China und
Indien. Dadurch kam es zu hohen Preisen von über 3.000 USD per Tonne
für schwarzen Pfeffer und 4.000 USD für weißen Pfeffer. Der Preis der
Pfefferexporte aus Vietnam lag am Ende der Saison 2007/2008 zwischen
3.500 USD bis 3.700 USD pro Tonne. Wichtigste Märkte sind die EU, vor
allem Deutschland, USA, und asiatische Staaten.
Die Weltmarktkrise, die zu einem Preisrückgang bei Agrarprodukten führte,
erfasste auch den Handel mit schwarzem Pfeffer. Der Marktpreis z.B. in der
Provinz Dak Lak fiel von Ende Februar 2008 von 62.000 VDN auf 25.400
VDN pro kg Ende November 2008.
Qualität
Der Pfeffer aus Vietnam wird vorwiegend als Rohware exportiert; die
Qualität für den Export ist über Qualitätsstandards (Standard FAQ)
geregelt. Die Anpassung an diese Standards erfolgt im Wesentlichen in
den vietnamesischen Verarbeitungsunternehmen; auf bäuerlicher Ebene
wird nur getrocknet. Weitere Qualitätsverbesserungen werden aufgrund der
kleinen individuellen Mengen von Händlern nicht nachgefragt. Somit fehlt
der Anreiz, Qualität zu verbessern. Wie auch bei Kaffee gibt es erste
Bemühungen, GAP (Good Agricultural Practice) bzw. auch den GlobalGAP
Standard einzuführen, noch eine Herausforderung für die Produzenten.
44
Produktion der Agrarindustrie in 1.000 Tonnen
Tee
(frisch)
Kaffee
(Bohnen)
Kautschuk
(Dry latex)
Peffer
Cashew
nuss
Zuckerrohr
1990
145,1
92,0
57,9
8,6
2000
314,7
802,5
290,8
39,2
67,6
15.044
2001
340,1
840,6
312,6
44,4
73,1
14.656
2002
423,6
699,5
298,2
46,8
128,8
17.120
2003
448,6
793,7
363,5
68,6
164,4
16.854
2004
513,8
836,0
419,0
73,4
204,7
15.650
2005
570,0
752,1
481,6
80,3
240,2
14.449
2006
648,9
985,3
555,4
78,9
273,1
16.720
2007
704,9
961,2
601,7
90,3
301,9
17.378
Quelle: CSO 2007
3.4.4
Cashew
Die Produktion und Verarbeitung von Cashewnüssen spielt in Vietnam eine
wichtige Rolle. Die Produktion umfasst in etwa 400.000 ha mit einer Ernte
von 350.000 Tonnen. Die inländische Produktion kann die Nachfrage der
Verarbeitungsindustrie nicht decken, so dass jährlich etwa 250.000 Tonnen
nicht-verarbeiteter Cashew importiert werden müssen
Die Produktion von Cashew ist kleinstrukturiert und wenig produktiv und
kann dadurch den Bedarf der Verarbeitung nicht decken. Da das Produkt
oft extensiv angebaut wird, wird die Pflege und Behandlung der Bäume
vernachlässigt und bewirkt
somit niedrige Erträge.
Krankheiten
beeinträchtigen vielfach die Produktion und führen zu einem
Ausstieg aus dem Anbau.
Bei lokalen Händlern werden vielfach nur Kleinstmengen angeliefert.
Die Verarbeitungsindustrie
fordert Maßnahmen von
der Regierung zur Steigerung der Produktion und
auch zur Einführung von
GAP zur Verbesserung der Produktionsbedingungen.
Vietnam versucht die Produktion von Cashew deutlich zu steigern, um die
Importe von jährlich etwa 250.000 Tonnen nicht verarbeiteten Cashew zu
verringern. Der Export von Cashewnüssen erreicht über 160.000 Tonnen
jährlich und damit ist Vietnam weltweit der wichtigste Exporteur mit einem
Exportumsatz von 850 Mio. USD vor Indien. Vietnam hat 220 Cashew
Verarbeitungsunternehmen mit einer Produktionskapazität von 600.700.000 Tonnen, die 40% der Weltmarktnachfrage abdecken.
45
3.4.5
Kautschuk/Rubber
Kautschuk ist ebenfalls ein wichtiges Exportprodukt Vietnams. Die
Produktionsflächen liegen bei 512.000 ha mit einem jährlichen Wachstum
von 4,3%. Die Kautschukproduktion erreicht über 620.000 Tonnen, auch
hier ein jährlicher Zuwachs von 12,2%. Im Export Vietnams belegt
Kautschuk den dritten Platz mit einem Umsatz von 1,4 Mrd. USD.
Wichtigster Exportmarkt ist China mit einem Anteil an den Exporten von
60%. Andere Länder sind Malaysia, Korea, Taiwan und Deutschland mit
jeweils etwa 5 %.
Da Kautschuk zu 60% auf großen Plantagen (SOEs) angebaut wird, ist es
für Maschineneinsatz, Dünger und Pestizide ein interessantes Produkt. Die
staatliche Vietnam Rubber Group, zu der 80 Filialen, 22 SOEs und über 50
privatwirtschaftlich agierende Unternehmen gehören, vereinigt die
wesentlichen Unternehmen unter ihrem Dach.
3.4.6
Tee
Auch bei Tee ist Vietnam unter den Top 5 der Produzenten und
Exporteure. Die Produktionsflächen umfassen 123.000 ha mit einer
Produktion von 600.00 Tonnen frischem Tee, gleichbedeutend mit etwa
140.000 Tonnen getrockneten Tee, von denen 114.000 Tonnen im Jahre
2007 exportiert wurden.
In Bezug auf den Preis lag dieser im Inland in den vergangenen Jahren
deutlich über dem Exportpreis. Importe aus dem Ausland, vor allem China,
haben für gesorgt, dass diese Different sich nicht vergrößert.
Grundsätzlich liegt der Preis für Grünen Tee über dem des Schwarzen
Tees (2007 28.-32.000 VDN gegenüber 14.-16.000 VDN).
Nach Informationen der Vietnam Tea Association (VITAS) soll die
Anbaufläche 2020 140.000 ha umfassen; mit einer Produktion von 9
Tonnen pro ha. Offizielles Ziel für 2020 ist eine Produktion von 300.000
Tonnen getrocknetem Tee.
3.4.7
Zuckerrohr
In der Versorgung mit Zucker ist das Land kein Selbstversorger mehr. In
den Jahren 2001 bis 2004 gab es umfangreiche Exporte und kaum
Importe. Dieses Bild hat sich gedreht.
Der Import von Zucker liegt 2008 etwa bei 58.000 Tonnen. In den
Vereinbarungen zum WTO Beitritt wurde ein durchschnittlicher Import von
46
55.000 Tonen festgelegt. Probleme bereiten Vietnam illegale
Zuckerimporte, die zulasten der Nachfrage nach lokal produziertem Zucker
führen.
Die Anbaufläche belief sich 2007/2008 auf etwa 310.000 ha. Die
Schätzungen für 2008/2009 liegen laut World Sugar Research Organisation
bei 290.000 ha und somit unter dem Wert der Vorsaison. Trotzdem wird der
Ausstoß 2008/2009 auf 1,28 Mio. Tonnen geschätzt (0,14 Mio. Tonnen
mehr als in der vorhergehenden Saison), womit die lokale Nachfrage in
2009 gedeckt werden könnte. Insgesamt ist die Produktion von Zuckerrohr
sehr schwankend. Gerade auch in der letzten Saison haben hohe
Inputpreise zu einem Rückgang der Produktion beigetragen. Die
Verarbeitung erfolgt in 40 Fabriken mit einer Kapazität von 105.750 Tonnen
pro Tag. Es gibt im Land noch stillgelegte Fabriken, von denen in dieser
Saison wieder zwei Fabriken aktiviert wurden. Die Politik plant den Ausbau
der Zuckerproduktion bis 2020, allerdings nicht den Aufbau neuer
Zuckerfabriken.
Salz
Ebenfalls keine Selbstversorgung erzielt Vietnam bei der Produktion von
Salz. Für das Jahr 2008 wurde ein Importbedarf von 200.000 Tonnen
geschätzt, da die Produktion mit etwa 900.-950.000 Tonnen deutlich unter
dem gesetzten Ziel von 1.1 Mio. Tonnen Salz lag. Die Ursachen liegen in
den schlechten Wetterverhältnissen im Süden Vietnams.
3.4.8
Obst und Gemüse
Der Anbau von Obst stieg seit 2001 jährlich um 5% auf 774.000 ha in 2006
mit einem Produktionsvolumen von etwa 2.72 Mio. Tonnen Obst. Die
wichtigsten Anbaugebiete sind im Mekongdelta, im Nordosten und im
Südosten des Landes. In den südlichen Regionen liegen 60% der
Anbauflächen.
Die Produktionsfläche für Gemüse lag in 2007 bei 658.000 ha und damit
etwas unter dem Vorjahr. Die Gemüseproduktion der Wintersaison war
stark durch die schlechten Wetterbedingungen (Taifune und Überschwemmungen) beeinträchtigt. Die Mengen beliefen sich auf 12 Mio. t.
Da Obst und Gemüse sehr wichtig für den einheimischen Speiseplan sind,
zielt die Produktion auf den Inlandsmarkt. Obst und Gemüse sind aber
auch wichtige Exportprodukte und erzielten in 2007 einen Exportumsatz
von 300 Mio. USD. Allerdings gab es in 2003 einen deutlichen Einbruch der
Exporte auf 150.000 USD, von dem sich dieser Subsektor allerdings stetig
erholt. Die Exporte gingen in 50 Länder der Welt; allerdings gingen nur
geringe Exporte (Wert 90.000 USD) in die EU. Wichtige Obstexportprodukte sind Rambutan, Longan und Drachenfrüchte. Es werden
allerdings auch verstärkt Äpfel z.B. nach Russland exportiert.
Produktionsverbesserungen in Richtung GAP und HAACP finden
insbesondere im Obst- und Gemüsesektor Eingang, da die Importländer
dieses fordern. Importe von Obst finden sich verstärkt auf dem Markt,
bedingt durch zum Teil günstigere Preise, bessere Qualität und
Verpackung.
Der Anbau von organischem Obst und Gemüse steht in Vietnam noch am
Anfang. Es gibt Bestrebungen, unterstützt durch ODA Vorhaben, diese
Produktion auszuweiten.
47
3.4.9
Biokraftstoffe
Im November 2007 hat die vietnamesische Regierung ein BiokraftstoffEntwicklungsprogramm genehmigt, mit dem bis 2015 aus verschiedenen
Quellen erneuerbare Energien gewonnen werden sollen, um die
Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Als Teil des Programms ist die
Produktion von Äthanol und Pflanzenöl im Umfang von 250.000 Tonnen bis
2015 geplant, um 1% des Erdölbedarfs zu ersetzen. Bis 2025 sollen 5%
ersetzt werden.
Vietnam hat ein Technologietransferprojekt mit einem führenden
Äthanolproduzenten aus Brasilien unterzeichnet. Das Staatsunternehmen
Petrovietnam plant zusammen mit der japanischen Itochu Corp. den Bau
einer Äthanolfabrik auf Basis von Tapioka: Kosten 100 Mio. USD.
Vietnam verfügt über verschiedene Möglichkeiten, Biokraftstoffe
herzustellen, z.B. aus Zuckerrohr, Tapioka, Jatropha, Rizinus, Algen sowie
auch durch Abfallprodukte von Reis, Kautschuk, Fischöl, Schmierstoffe etc.
So wurde z.B. Jatropha aus Südamerika nach Vietnam eingeführt und den
Standortbedingungen angepasst. Die japanische Regierung unterstützt
Vietnam derzeit in einem Projekt zur Nutzung von Biomasse aus der
Reisproduktion zur Herstellung von Biokraftstoff.
3.5
Tierproduktion
In der Tierproduktion steht Vietnam vor zwei Problemen: zum einen kann
die Nachfrage nach Fleisch nicht gedeckt werden; zum anderen stehen für
die bestehende Produktion nicht genügend Futtermittel zur Verfügung, so
dass Importe für Futtermittel und Futtermittelzusätze stetig steigen.
Entwicklung des Tierbestands in Vietnam, in 1000 ha
Büffel
Rinder
Milchkühe
Schweine
Ziegen,
Schafe
Geflügel
(in Mio.)
1990
2854,1
3116,9
11,0
12260,5
372,3
107,4
2000
2897,2
4127,9
35,0
20193,8
543,9
196,1
2001
2807,9
3899,7
41,2
21800,1
571,9
218,1
2002
2814,5
4062,9
55,9
23169,5
621,9
233,3
2003
2834,9
4394,4
80,0
24884,6
780,4
254,6
2004
2869,8
4907,7
95,8
26143,7
1022,8
218,2
2005
2922,2
5540,7
104,1
27435,0
1314,1
219,9
2006
2921,1
6510,8
113,2
26855,3
1525,3
214,6
2007
2996,4
6724,7
130,0
26560,7
1777,6
226,0
Quelle: CSO
Futtermittel
Seit 2001 wuchs dieser Markt jährlich im Schnitt um 35% und belief sich in
2007 auf 986 Mio. USD. Dies entspricht fast 10% des Wertes der
Agrarexporte. Vietnam kann etwa 70% der Rohstoffe für Futtermittel selbst
aufbringen, 30% müssen zugekauft werden. In Vietnam sind 214
Futtermittel produzierende Unternehmen tätig, davon sind 50 Unternehmen
48
ausländische Investitionen bzw. Joint Venture. Diese Unternehmen decken
60% der Produktion ab.
Industrielle Futtermittelproduktion in Vietnam, in 1000 t
Futtermittel
1995
2000
2003
2004
2005
2006
2007
632
2.700
3.850
3.900
4.512
6.600
7.690
Quelle: Livestock Production in Vietnam and Development Plan to 2020“
Laut CSO sind die Futtermittelpreise in den asiatischen Nachbarländern oft
niedriger als in Vietnam. Um den hohen Importkosten zu begegnen, hat die
Regierung in 2007 einige Maßnahmen zur Einfuhrerleichterung erlassen,
u.a. eine Senkung des Zollsatzes einiger Futtermittelprodukte auf 0%.
Vietnam ist ein Nettoimporteur für Produkte tierischer Herkunft. Die
heimische Produktion kann nur etwa 45% der Nachfrage nach Fleisch im
Land decken. In 2007 erreichten die Importe 378 Mio. USD. Der Import von
Fleischwaren unterliegt zum Schutz der heimischen Produktion allerdings
hohen Zöllen, wie in Kapitel 2.4.4 dargestellt. Nach Auskunft des Animal
Health Departments in MARD gibt es allerdings keine offiziellen
Verordnungen zu den Standards für importiertes Fleisch.
In der ersten Jahreshälfte 2008 hat Vietnam monatlich etwa 10.000 Tonnen
Hühnerfleisch aus Brasilien, den USA und Mexiko importiert. Die Importe
sind deutlich günstiger als die einheimischen Produkte. Weitere
Lieferländer für Fleisch sind Australien und auch Argentinien. Bei den
Fleischimporten handelt es sich um Tiefkühlware, meist importiert über
große Produktions- und Importunternehmen (siehe unten).
Neben den Importproblemen steht Vietnam auch vor größeren
Tiergesundheitsproblemen: Blue-ear-Disease bei Schweinen, Maul- und
Klauenseuche, Vogelgrippe setzen der heimischen Produktion zu.
Die lokale Produktion von Tieren ist vergleichsweise teuer, wie die
vietnamesische „Animal Feed Association“ berichtet:
im August 2008 lagen die Kosten für ein kg Futtermittel für
Schweine bei 8.500 VDN.
Zur Produktion von einem kg Schweinefleisch werden 2,6 kg
Futter benötigt, so dass die Kosten für Futtermittel sich auf
22.100 VDN belaufen.
Das Kilo Lebendgewicht lag im August 2008 bei etwa 30.000
VDN.
Da für die Vorfinanzierung der Produktion (Inputs) meist Kredite
aufgenommen werden (Bank oder Händler), die mindestens
20% Zinsen beinhalten, ist die Produktion von Schweinefleisch
daher nicht mehr profitabel.
Der Ausbau der Tierhaltung und der Fleischproduktion ist ein wichtiges Ziel
für die vietnamesische Regierung. Von deutscher Seite könnten diese
Bestrebungen mit dem Export von Zuchtmaterial, Stallausrüstung,
Veterinärmedizin, Futtermittel sowie auch Know-How unterstützt werden.
49
Zukünftige Entwicklung des Tierbestands in Vietnam
(geschätzt)
Tierart
Schweine
Sauen
Geflügel
Rinder
- Milchkühe
Büffel
Ziegen
Futtermittelindustrie
Einheit
Mio.
Mio.
Mio.
Mio.
1.000
Mio.
Mio.
Mio. Tonnen
2010
29,94
4,5
280,0
7,0
200
3,2
1,8
7,5
2015
32,86
4.8
311,6
9,0
250
3,2
2,5
11,5
2020
34,75
4,8
358,6
12
500
3,2
3,98
12,45
Quelle:„Livestock Production in Vietnam and Development Plan to 2020“
Fleischverarbeitung
Milch
Vietnam produziert im Jahr 3,134 Mio. Tonnen Fleisch (Lebendgewicht),
darunter 2,55 Mio. Tonnen Schweinefleisch (80% des gesamten
Gewichts)14. In der Fleischverarbeitung sind ebenfalls Staatsunternehmen
aktiv: unter anderem VISSAN Vietnam Animal Industry Corporation und
ANIMEX Corporation. In 2006 gab es laut CMA insgesamt 22 relevante
fleischverarbeitende Unternehmen in Vietnam.
Fleisch wird als
Tiefkühlware oder zu Wurst bzw. Konserven verarbeitet. Das Angebot an
Fleischwaren in den Supermärkten konzentriert sich auf diese Produkte.
Auf den Frischemärkten wird Fleisch überwiegend roh verkauft.
Die lokale Milchproduktion kann die Nachfrage nach Milch nicht decken.
80% der Milch muss importiert werden. Die Nachfrage wird auch über
Milchpulver abdeckt, dessen Nachfrage allerdings durch den auch Vietnam
betreffenden Melaminskandal betroffen war (50% Rückgang). Die Preise
für Milchpulver liegen bei etwa 90.-100.000 VDN für eine 400g Dose. Diese
Preise sind trotz des Preisverfalls am Weltmarkt Ende des Jahres nicht
gesunken. Der Konsument verbindet mit einem hohen Preis gute Qualität,
so dass eine Preissenkung nicht vom Konsumenten gefordert wird.
Lokale Bauern bekamen im November 2008 für einen Liter Frischmilch von
den Molkereien etwa 5.400 – 7.300 VDN pro kg. Ein Liter Frischmilch
kostete im selben Zeitraum im Supermarkt 22.4000 VDN.
Die Regierung möchte in der Milchproduktion im Jahre 2010 40% der
Nachfrage decken und dafür den Milchkuhbestand von derzeit 130.000 auf
200.000 erhöhen. Bis 2020 soll der Bestand bei 500.000 Milchkühen
liegen. Allerdings fehlt es an entsprechenden Voraussetzungen, eine
höhere Milchleistung sowie auch die notwendigen Hygienemaßnahmen zu
erfüllen. Es fehlt an Kontrollen im Verteilungssystem.
Zu den bedeutendsten Unternehmen im Milchsektor zählt das
Unternehmen Vinamilk mit einem Marktanteil von 75%. Vinamilk ist heute
eine Aktiengesellschaft mit starker staatlicher Unterstützung und zählt zu
den größten Lebensmittelkonzernen Vietnams (www.vinamilk.com.vn/ENG).
Ein weiterer wichtiger Anbieter ist Dutch Lady, zur niederländischen
Friesland Food gehörend. (www.dutchlady.com.vn).
Die Einfuhrbestimmungen von Lebensmitteln sind im Kapitel 3.7. erläutert.
Biogas
14
Information aus „Livestock Production in Vietnam and Development Plan to
2020“
50
Biogas ist ein schnell wachsender Sektor in Vietnam und gewinnt
insbesondere an Bedeutung für Farm- und Haushalts-Hygiene, die
Entwicklung der ländlichen Kleinindustrie, die Versorgung mit Düngemitteln
und die ländliche Tierhaltung. Mit Unterstützung ausländischer
Regierungen (ODA) sind größere Projekte zur Installierung von
Biogasanlagen, vor allem auf Bauernhöfen, implementiert worden. In
Kooperation mit der vietnamesischen Regierung hat ein holländisches
Biogas-Programm bis heute über 40.000 Biogas-Kleinanlagen auf Basis
von Tierfäkalien errichtet. Ziel des Programms ist es, eine marktorientierte
Biogas-Wirtschaft aufzubauen und so fossile Brennstoffe einzusparen und
die CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis 2011 sollen in 50 Provinzen
insgesamt bis zu 140.000 Anlagen aufgebaut werden.
3.6
Vorleistungsbereiche - Inputs
3.6.1
Landtechnik
Es fehlt an aktuellen Zahlen zur Ausstattung der Landwirtschaft mit
Landmaschinen. Die Zollstatistik integriert Landmaschinen in den
Gesamtbereich Maschinen, ohne besondere Differenzierung. Die offizielle
Statistik bietet Daten aus dem Jahre 2003. In Untersuchungen aus 2004
wurde von über 310.000 Traktoren und über 1 Millionen Motorfräsen
(power tillers) berichtet. Man muss davon ausgehen, dass diese Zahlen
längst überholt sind.
Mechanisierung
Das Vietnam Institute of Agricultural Engineering and Post Harvest
Technology (VIAEP) schätzt heute, dass die Mechanisierung der
Bodenvorbereitung im Lande 40% der Flächen erreicht hat. Im
Landesdurchschnitt geht man von einer Mechanisierung der
Bodenvorbereitung bei einjährigen Kulturen (außer Reis) von 50% aus, bei
Reis von 68% aus. 36% der gesamten Agrarfläche in Vietnam ist
bewässert, davon 63% der Reisanbauflächen sowie 50% der einjährigen
Kulturen.
In dem Hauptreisanbaugebiet des Mekongdelta werden fast die gesamten
Flächen heute maschinell gepflügt (90%). Die Anzahl der
Reispflanzmaschinen im Delta wird auf 50.000 geschätzt. Die Zahl der
Dreschmaschinen im gesamten Land wird auf 500.000 geschätzt. Neben
der Zeitersparnis durch maschinelle Ernte (3-5 ha können pro Tag geerntet
werden) werden Verluste reduziert, die durch manuelle Ernte einstehen: bei
Reis werden diese Verluste auf 5% geschätzt.
Es wird davon ausgegangen, dass der Bedarf an Landmaschinen
insgesamt erst zu 20-30% gedeckt ist. Berücksichtigt man die gewünschte
Flächenkonsolidierung, wird auch die Nachfrage nach größeren Maschinen
steigen. Der Markt für Landmaschinen wird nach Aussagen der Experten in
den kommenden Jahren schnell wachsen.
Überbetriebliche
Nutzung
Maschinen werden von den Bauern zur Nutzung auf dem eigenen Betrieb
gekauft, aber auch als Dienstleistungen für andere Bauern. Allerdings
existieren keine organisierten Maschinenringe oder ähnliche Einrichtungen.
Finanzierung
Es wird berichtet, dass es derzeit eine Reihe von Förderungen für den
Einsatz von Landmaschinen gibt, zum großen Teil finanziert über ODA.
Hinzu bieten viele Provinzen den Bauern zinsgünstige Kredite an, um in
51
Mechanisierung zu investieren. In der Regel finanzieren die Bauern die
Anschaffungen selbst oder durch Bankkredite. Die Händler geben im
allgemeinen keine Kredite.
Vietnam verfügt über eine eigene Landmaschinenfabrikation; dominiert wird
diese Produktion durch den staatlichen Betrieb VEAM (siehe unten). Eine
Übersicht über weitere vietnamesische Anbieter findet sich auf der
Internetseite http://www.agmachine.com, zusammengestellt von APCAEM,
dem Asian and Pacific Centre for Agricultural Engineering and Machinery.
WTO-Zölle
Mit dem Beitritt zur WTO hat sich Vietnam verpflichtet, die Eintrittszölle
auch für Landmaschinen zu reduzieren. Im Bereich Maschinenbau wird es
zu einer Reduzierung von 16,1 auf 12,6% in 5 Jahren kommen (die
einzelnen Zollsätze sind je nach Produkt sehr unterschiedlich). Für die
Einfuhr von Landmaschinen wird keine Importlizenz benötigt. Die Einfuhr
muss nur den allgemeinen Zollbestimmungen entsprechen, Informationen
dazu sind auf einer CD Rom zusammengefasst. Informationen liefert auch
diese Internetseite.
http://www.customs.gov.vn/English/Lists/CustomsFormalities/ImporterCommercial-Details.aspx?ID=106.
Importe aus China
Bereits heute sieht sich Vietnam starker Konkurrenz aus China ausgesetzt,
das günstigere Produkte auf den vietnamesischen Markt bringen kann. Ein
Motor, wie unten abgebildet, kostet 8,75 Mio. VDN (der dazugehörige
Anhänger kostet 9 Mio. VDN), ein ähnlicher Motor aus China kostet 7 Mio.
VDN. Die Preisunterschiede liegen nach Aussagen von VIAEP, dem
Verband der Agrarmaschinenindustrie, bei 15-30%. Diese Fahrzeuge
bestimmen das Bild auf den Straßen im ländlichen Raum Vietnams.
52
China dominiert den vietnamesischen Markt. Inländische Produkte sind
deutlich weniger gefragt. VEAM geht davon aus, dass im Norden des
Landes überwiegend chinesische Maschinen im Angebot und Einsatz sind.
Im Süden des Landes liegt mittlerweile der Anteil bei bis zu 30%, da die
vietnamesischen Produkte nach Aussage von VEAM weniger Kraftstoff
(minus 20-25%) benötigen und langlebiger sind als die chinesischen
Fabrikate. Die Attraktivität chinesischer Maschinen liegt nach Aussagen
von Dr. Nguyen Tuong Van, Direktor des Research Institute of Agriculture
Machinery (RIAM), im Wesentlichen im Preis.
Andere Anbieter
Japanische Anbieter sind ebenfalls auf dem vietnamesischen Markt
vertreten, vor allem im Süden des Landes, z.B. Kubota mit Kleintraktoren
(Kosten 70 - 80 Mio. VDN) oder auch die japanische Marke Sconhen.
Allerdings wird berichtet, dass diese trotz guter Qualität aufgrund des
höheren Preises verstärkt durch günstigere Maschinen ersetzt werden.
Schutz des
geistigen
Eigentums
Bei Traktoren findet sich auch John Deere mit kleineren und mittleren
Fahrzeugen. Allerdings finden sich auch eine Vielzahl von nachgebauten
Traktoren, z.B. mit dem Firmenzeichen von John Deere oder Massey
Ferguson. Vietnam hat wie China ein großes Problem mit „Intellectual
Property Rights“. Das Kopieren von Produkten findet sich in allen
Branchen.
Deutschland
Andere Länder wie z.B. Indien sind bei Importen nur begrenzt von
Bedeutung. Die Frage nach der Attraktivität deutscher Produkte wird von
RIAM als auch interviewten Händlern als hoch bezeichnet. Deutschland hat
ein sehr gutes Image aufgrund der modernen Technologien. Allerdings sind
deutsche Maschinen für vietnamesische Kunden zu teuer.
Im Vergleich der potentiellen Anbieter ist China in der Lage, Millionen
Stückzahlen kleiner Maschinen herzustellen. Europäische Anbieter sind
nach Meinung vietnamesischer Experten auf große Maschinen mit
hochleistungsstarken Motoren spezialisiert, für die es in Vietnam noch
keine Nachfrage gibt.
Handelsstrukturen
Nach Informationen von RIAM sind die Handelsstrukturen für
Landmaschinen bzw. Maschinen für den Agrar- und Ernährungssektor
unterschiedlich, je nach Maschinen und Sub-Sektoren. Generell lässt sich
die Struktur wie folgt beschreiben:
53
Traders
Farmers
Local
Manufacturers
Showrooms
Processing
Companies
Exclusive
Agents
Food Companies
Importers
Landmaschinenhändler aus Vietnam schauen sich international um; es
wurden in Gesprächen auch über Traktorenimporte aus Belarus berichtet.
Die Firma AgroMas z.B. importiert aus China, Belarus, Japan, in der
Vergangenheit auch Bewässerungssysteme aus Deutschland.
Die
abgebildete chinesische Reiserntemaschine kostet 220 Mio. VDN (<10.000
Euro) und kann 15-20 t pro Tag ernten. Die Flächen müssen mindestens 510 ha betragen für einen rentablen Maschineneinsatz. AgroMas verkauft
bis zu 800 Reiserntemaschinen pro Jahr; ein Großteil wird über ODA
Projekte finanziert.
Vietnamesische
Produktion
Es findet sich eine Reihe von Maschinenherstellern in Vietnam. Verstärkt
werden auch Kleinstmaschinen individuell in kleinen lokalen Werkstätten
hergestellt (z.B. Kaffeeschälmaschinen oder auch Anhänger). Dominiert
wird die vietnamesische Produktion von dem Staatsbetrieb VEAM „Vietnam
Engine and Agricultural Machinery Corporation“15.
15
http://www.veam.com.vn/default_e.htm
54
VEAM wurde 1990 gegründet und ist auf den Maschinenbau und Handel
von Landmaschinen, Traktoren, aber auch Autos, Motorrädern und
Transportfahrzeugen für Land und Wasser spezialisiert. VEAM hat 15
Tochterfirmen und insgesamt 7.000 Mitarbeiter.
Im Inlandsgeschäft mit Landmaschinen liegt VEAM deutlich hinter der
chinesischen Konkurrenz abgeschlagen. Die Exportaktivitäten von VEAM
mit Landmaschinen belaufen sich demgegenüber in 2008 auf 80 Mio. USD.
Wesentliche Märkte sind Philippinen, Indonesien, Malaysia und Myanmar
sowie Thailand, Laos und Kambodscha. Darüber hinaus wird auch in
andere Länder Asiens sowie Lateinamerika, die USA und auch die EU
exportiert.
Kleine Maschinen mit 10-50 PS sind die wichtigsten Produkte, z.B.
Dieselmotoren als Antrieb für kleine Landmaschinen sowie auch andere
kleine Maschinen wie Wasserpumpen, Generatoren oder kleine Traktoren.
VEAM Product List (Auszug aus der Website):
Tilling machines: power tiller bs8, bs10, bs12 equipped with harrow, plough
or trailer.
4 wheel tractor bs20 equipped with harrow 1.3m, plough or trailer.
Farm transporter 1.5 tons pay load.
Rice cutter, paddy thresher, corn thresher, paddy dryer, tea, coffee
processing machine…
Rice processing machine 500kg - 2002 kg paddy/hr, rice milling plant of
24, 48tons/day.
Electric generator set of 2kva - 500kva.
Insecticide sprayers of 12 litres and 16 litres.
Marine gearboxes of 6hp - 15 hp.
Water pumps, water spray nozzle within a radius of 7m - 10m
Electric fans
Ball bearings.
Ingot and rolled steel with diameter of 6 - 130mm.
Anchors and chains for vessels and tankers.
Rubber rolls for paddy hullers
Spare parts for automobiles, motorcycles, tractors, engines, and
agricultural machinery
Non standard equipment and other mechanical products.
Industrial investment consultation and technical services.
LIST OF MAIN PRODUCTS OF COMPANY MEMBER:
http://www.veam.com.vn/html/thanhvien_e.htm
3.6.2
Gesetzlicher
Rahmen
Handel mit Saat- und Pflanzgut
Der gesetzliche Rahmen für Saatgutproduktion und -verkehr und der
Sortenschutz werden in dem Beschluss vom 5. April 2004 „ORDER No.
03/2004/L-CTN OF APRIL 5, 2004” und der Verordnung “The Ordinance on
Plant Varieties” (No. 15/2004/L - UBTVQH) geregelt.
Es gibt dazu allerdings noch eine Vielzahl weiterer ergänzender
Regelungen, die im Folgenden aufgelistet sind:
Decree no. 13/2001/nd-cp of 20 april 2001 of the Government on
the protection of new plant varieties and the Circular no.
119/2001/TT-BNN of 21 December 2001 of MARD on the
implementation of decree no. 13/2001/nd-cp of 20 april 2001 of the
government on the protection of new plant varieties
55
Decrees No 172/2007/ND-CP: “Revision and supplementing of
some Articles of the Decree No 57/2005/NĐ-CP on 27th April, 2005
of the Government on penalties for the administrative violations in
the field of Plant Varieties.”
Circular No 92/2002/TT-BTC: “The stipulation on collecting, the
payment and the management of the use for examination fee, to
supply the information, services and registered, granting,
maintenance fees for the new plant variety protection certification”
Decree No. 104 /2006/ND-CP on “detailed regulations to implement
some articles in the Intellectual Property Law, chapter on Plant
Variety Rights”
Das Gesetz No. 50/2005/QH11 on “INTELLECTUAL PROPERTY”.
Decrees No.105/2006/ND-CP: “Making detailed provisions and
providing guidelines for implementation of certain Articles of the Law
on Intellectual Property regarding Protection of Intellectual Property
Rights and State management of intellectual property”.
Die einzelnen Gesetze sind auf einer CD Rom zusammengefasst. Im
Folgenden wird ein Überblick über die Marktsituation der Saatgutindustrie
gegeben.
Marktsituation
Die vietnamesische Saatgutindustrie ist vergleichsweise jung. So wurde
erst 1960 die National Seed Company gegründet sowie entsprechende
Forschungsinstitute. Seit 1996 hat sich die Saatgutindustrie rapide
entwickelt. Im Jahre 2006 gab es 260 Saatgutunternehmen, bestehend aus
folgenden staatlichen Einrichtungen
2 Unternehmen auf nationaler Ebene,
99 Saatgutzentren,
54 Saatgutunternehmen auf Provinzebene,
5 Unternehmen, die zu Forschungsinstituten gehören
sowie
92 private Unternehmen und
8 ausländische bzw. Joint Venture Unternehmen.
An diesen Zahlen wird deutlich, dass der Staat die Produktion von Saatgut
noch stark kontrolliert bzw. dominiert, auch wenn staatliche Einrichtungen
nur etwa 30% der Saatgutnachfrage abdecken.
Es gibt heute 18 Forschungsinstitute und 6 Universitäten, die sich mit
Forschung und Entwicklung von Saatgut beschäftigen. Hinzukommen die
Forschungen der Saatgutunternehmen. Vietnam arbeitet in der Saatgutentwicklung bisher relativ traditionell. Die Nutzung von Biotechnologie
steckt noch am Anfang; die Regierung hat kürzlich ein nationales
Programm hierzu aufgelegt, auch um sich einen Standpunkt zu GMO zu
verschaffen. Aufgrund fehlender Ausbildung ist dieses Programm noch
nicht weit fortgeschritten. Die Nachfrage hängt daher nach wie vor stark
von Importen ab.
Der Bedarf an Saatgut im Lande ist sehr groß. Wichtigstes Produkt ist
dabei der Reis.
Jährlich besteht eine Nachfrage nach 1 Mio. Tonnen Reis,
18.- 20.000 Tonnen F1 Reissaatgut,
16. -17.000 Tonnen F1 Maissaatgut und
56
5.000 Tonnen Gemüsesaatgut.
Nach Information des National Seed Program kann Vietnam nur einen Teil
der Nachfrage aus nationaler Produktion abdecken (folgende Zahlen
beziehen sich auf 2006):
15% des Reissaatguts (132.000 Tonnen), Bauern lagern den
größten Teil des Reissaatgutes ein (Nachbau)
25% der Hybridreissaat,
62% der Maissaat (38% wurden importiert zu 13 Mio. USD)
18% des Gemüsesaatguts. Es gibt 14 Farmen, Stationen und
Forschungsinstitute mit einer Produktion von 865 Tonnen der
jährlichen Produktion. Der Rest (4.135 Tonnen) wird importiert.
Wesentliche Lieferländer von Saatgut sind Japan, Thailand, Taiwan,
Korea, USA und Europa im Wert von 200 Mio. USD in 2006.
Es wird davon ausgegangen, dass langfristig mindestens 10.000 Tonnen
Saatgut (in hard currency) jedes Jahr eingeführt werden müssen, wenn die
nationale Produktion nicht verbessert wird. Die Zölle für Saatgutimporte
(z.B. Mais und Gemüse) sind auf 0% gesetzt, um die Entwicklung nicht zu
behindern.
Viet Nam Seed
Trade Association
Im April 2007 wurde die Viet Nam Seed Trade Association (VSTA)16
gegründet mit dem Ziel, den heimischen Saatgutsektor zu entwickeln. Zu
den Forderungen von VSTA zählen u.a.:
Verbesserung der Qualitätskontrolle bei Saatgut
Reform der staatlichen Politik zur Subvention von Saatgutpreisen
für Bauern, die in entlegenen Regionen leben, da diese Politik nicht
durch Training und Beratung zum Anbau begleitet wird
Gleichstellung des privaten Sektors mit dem staatlichen Sektor in
der Saatgutproduktion, um einen gesunden Wettbewerb zu erzielen
Einhergehend mit einer Marktliberalisierung sollte eine bessere
Zusammenarbeit von Forschung und Industrie erfolgen.
Einbindung von VSTA in politische Entscheidungen zum Sektor
Investitionen in Saatgutteststationen und in das System zur
Zertifizierung
Verbesserung der Saatgutverarbeitungstechnologie, auch durch
staatliche Unterstützung
Anerkennung und Förderung der Saatgutproduktion auf Bauernebene, die bisher durch ODA Vorhaben unterstützt werden und
einen wesentlichen Beitrag zur Saatgutversorgung leisten.
Produktion auf
Bauernebene
Die Saatgutproduktion von Reis auf Bauernebene ist im Februar 2008
durch eine Verordnung „On production management of farm households’
plant varieties Regulation of Decision 35_2008“ geregelt worden. In Bezug
auf den Sortenschutz verursacht diese Regelung allerdings auch Probleme.
Die Erlaubnis, Saatgut auch von Bauern produzieren zu lassen, birgt die
Gefahr der fehlenden Qualitätskontrolle und auch des fehlenden Brandings
(Markennamen und -schutz).
16Website
des Verbandes bzw. eine Übersicht der Mitgliedsfirmen.
http://www.vietnamseed.com.vn/WebUI/Web/Master/Default.aspx?TabID=AboutVs
ta&Item=12
57
Sortenschutzabkommen
Vietnam hat das internationale Sortenschutzabkommen (UPOV) 2006
ratifiziert, auch um die Einfuhr von hochwertigem Saatgut zu erleichtern.
Mit dem Beitritt zu UPOV 2006 hat sich Vietnam verpflichtet, das
Sortenschutzprogramm bis 2016 zu erfüllen. Dies stellt Vietnam vor eine
große Herausforderung; bisher (Stand Oktober 2008) waren nur 38 Sorten
registriert und geschützt. Staatliche Einrichtungen decken nur etwa 30%
der Saatgutnachfrage ab. Die Privatindustrie im Sektor zeigt noch wenig
Verständnis für das Thema Sortenschutz. Das National Office of Intellectual
Property wünscht mehr Anstrengungen, private qualifizierte Einrichtungen
und ausländischen Institutionen in den Sektor einzubinden. Sortenschutz
ist von hoher Bedeutung für Vietnam, um die Qualität und Quantität der
Sorten zu verbessern.
Importbestimmungen
Zur Einfuhr wird eine Importlizenz benötigt, die das Department of
Cultivation unter MARD ausstellt.17 Die Anforderungen bzw. Abläufe sind
wie folgt:
Die Lizenz zum Import muss von einem lokalen Unternehmen
gestellt werden.
Es gibt keine spezifischen Anforderungen an bestimmte
Exportländer. Die Importabläufe sind für alle Länder gleich.
Es gibt vier Arten des Imports:
o Einfuhr von Saatgut für Testzwecke (Voraussetzung für die
Anerkennung in Vietnam)
o Einfuhr von Saatgut für Feldversuche
o Einfuhr von Saatgut für die Produktion
o Einfuhr von Saatgut für Forschung, Messebeteiligungen etc.
Die Einfuhrbestimmungen sind unter dieser Website allerdings nur
auf Vietnamesisch aufgeführt, da nur Vietnamesen einführen dürfen.
(http://www.cuctrongtrot.gov.vn/?index=XNKG). Dort findet sich das
Antragsformular in vietnamesischer Sprache als Download.
Wesentliche Inhalte sind:
o Antragsformular Saatgutimport
o Formular für Spezifikationen
o Unternehmenslizenz des Importeurs
o für Feldversuche: Entscheidung/Erlaubnis von MARD zur
Durchführung der Feldversuche
o für Produktion: Investmentlizenz
o für Forschung: Entscheidung/Erlaubnis der Forschung
o für Messebeteiligung: Messeeinladung.
Im Anschluss werden die Unterlagen beim Department of Cultivation
eingereicht und innerhalb von 5 Arbeitstagen bearbeitet.
Die Zollabwicklung erfolgt über SPS and das Zollamt ähnlich der Einfuhr
von Lebensmitteln. Informationen liefert auch diese Internetseite.
http://www.customs.gov.vn/English/Lists/CustomsFormalities/ImporterCommercial-Details.aspx?ID=106.
17 Eine Übersicht über Einfuhr- und Phytosanitäre Regelungen findet sich auch unter
http://www.jki.bund.de/cln_044/nn_933804/DE/Home/pflanzengesundheit/regelungenStandards/nic
ht__eu__staaten/aussereuLaender/Vietnam__tab.html
58
3.6.3
Versorgung des
Marktes
Der Handel mit Düngemitteln
Düngerimporte Vietnams 2001
- 2008
Wert (1.000 USD)
Menge (1.000 tons)
Quelle: aus VDSC Report on Vietnam Fertilizer 200
Mit der schnell wachsenden Agrarwirtschaft und dem Fokus auf
Pflanzenproduktion steigt der Bedarf an Dünger in Vietnam ständig. Nach
Informationen von MARD benötigt Vietnam jährlich zwischen 7,5 bis 8,5
Mio. Tonnen Düngemittel. Die lokale Produktion kann nur etwa 50% des
Bedarfs decken. Das Land muss importieren: der gesamte Bedarf an
Diammoniumphosphat (DAP) Dünger, Kali und Ammoniumsulfat- (SA)
Dünger muss importiert werden, Harnstoff kann nur zur Hälfte lokal
produziert werden.
Der überwiegende Teil der Importe entfällt auf preiswerte Massenprodukte,
hochwertige Dünger werden noch vergleichsweise selten eingesetzt. Ihr
Anteil lag 2005 bei geschätzten 10% des Gesamtvolumens. Die Abnehmer
gelten als sehr preissensibel und nur schwer von neuen Produkten zu
überzeugen. Düngemittel liefern daher hauptsächlich China (60%), deutlich
abgeschlagen gefolgt von Kanada, Japan, Taiwan, Singapur. Deutsche
Düngemittel finden sich kaum auf dem Markt. Händler sprechen von der
sehr guten Qualität deutscher Produkte und hoher Wirksamkeit. Doch der
hohe Preis z.B. von NPK Düngern (100% teurer), führt dazu, dass dieser
Dünger nach Aussagen eines Händlers nur in der Jungpflanzenvermehrung
eingesetzt wird.
Importe
Die VR China erhöhte für den Zeitraum vom 20.4. bis 30.9.2008 die
Exportsteuer auf Düngemittel von 35 auf 135%, um die Versorgung der
eigenen Landwirtschaft zu sichern. Damit dürften die chinesischen
Lieferungen in 2008 zurückgegangen sein.
59
Düngemittelimporte 2005 - 2007 und in den ersten 7 Monaten 2008
2005
Lieferanten
Total
China
Kanada
Japan
Malaysia
Singapur
Taiwan
Litauen
Finnland
Norwegen
Belgien
Australien
Indien
Thailand
Süd-Korea
USA
Großbritannien
Russland
Philippinen
Qatar
Januar –
November
2007
2006
Wert
in Mio
USD
650,8
273,8
21,8
32,1
Wert
in Mio
USD
696,1
306,2
32,2
32,0
27,8
22,4
Wert
in Mio USD
Januar-Juli 2008
In Tonnen
862,3
496,6
38,0
38,4
24,2
26,6
31,6
29,5
42,8
41,9
53,4
45,5
54,1
39,6
Wert
in Mio
USD
1.253.168
112.138
110.748
16.103
41.302
607,8
58,3
30,0
7,0
22,1
75.806
2.821
2.488
10.495
5.939
1.814
7.660
4.607
114.044
606
516
237.488
73.900
31.678
20,1
2,1
1,9
6,6
4,0
1,1
5,2
1,7
71,6
1,6
1,1
98,1
42,6
13,0
Quelle: www.vinachem.com.vn/English/ViewTinThiTruongDetail.asp?ThitruongID=1522&CateID=1
Zukünftige
Investitionen in
die Produktion
von Dünger und
Pflanzenschutzmittel
Wie German Trade & Invest18 berichtet, strebt die vietnamesische
Regierung deshalb prioritär den Ausbau der Produktion von Dünge- und
Pflanzenschutzmitteln sowie von petrochemischen Erzeugnissen an. Die
vietnamesischen Chemiehersteller planen bis 2010 vor allem den Ausbau
der Kapazitäten für die Düngemittelproduktion (u.a. fünf neue Fabriken), die
Modernisierung der Pflanzenschutzmittelerzeugung sowie die Errichtung
neuer Werke. Dabei richtet Vietnam sein Interesse auf modernste
Technologien, insbesondere den Einsatz energiesparender und umweltfreundlicher Produktionsverfahren sowie eine weitgehend automatische
Steuerung
der
Herstellungsprozesse.
Für
deutsche
Anbieter
entsprechender Ausrüstungen könnten sich hier neue Liefer- und
Kooperationsmöglichkeiten ergeben. Allerdings dürfte sich der Wettbewerb
verschärfen, da mit einer verstärkten Aktivität der Konkurrenten aus Italien,
18 German Trade und Invest legte in 2006 eine interessante Studie zu der Chemischen
Industrie von Vietnam vor, aus der Auszüge genommen wurden.
60
Dänemark, Japan und Korea zu rechnen ist. Bereits in der Vergangenheit
hatten diese einige Düngemittelanlagen nach Vietnam geliefert.
Der Agrarchemiesektor wird von einer Reihe von staatlichen
Großunternehmen dominiert, so zum Beispiel PetroVietnam Fertiliser and
Chemical Company (PVFCCo), Mitglied der National Viet Nam Oil and Gas
Group (PetroVietnam) sowie auch das größte Staatsunternehmen im
Agrarchemiesektor
Vietnam
National
Chemical
Corporation
19
(VINACHEM) . Beide Konzerne produzieren und importieren eine Vielzahl
entsprechender Produkte. Im Bereich der Düngermittelproduktion arbeiten
die Konzerne mit einer Vielzahl von Tochterunternehmen zusammen.
Um die Abhängigkeit von China als Lieferant abzubauen, beginnt Vietnam
auf andere Lieferländer ausweichen. So konnte die PetroVietnam Fertilizer
and Chemical Joint Stock Company einen mehrjährigen Liefervertrag mit
der Qatar Fertilizer Company abschließen. PVFCCO veröffentlichte Mitte
2008 seine Planungen, neben dem Ausbau der Kapazitäten im Lande, ein
Joint Venture in Marokko zur Produktion von 1 Mio. Tonnen
Diammoniumphosphat. Das Werk soll 2011 seine Arbeit beginnen.
Unternehmen und aktuelle Vorhaben in der
Düngemittelindustrie
Unternehmen
Standort
Investition
VINACHEM
Hai Phong
Provinz
172 Mio.
USD
Jahreskapazität
330.000
DAP
VINACHEM
Ninh Binh
Provinz
687 Mio.
USD
560.000 t
Harnstoff
Petro Vietnam
Ca Mau
Provinz
900 Mio.
USD
Cong Than Group
Thanh
Hoa
Provinz
Marokko
k.A.
800.000t
Stickstoffdünger
560.000
Harnstoff
PVFCCO und Office
Cherifien
des
Phosphates Marokko
60
Mio.
USD
Status
t
660.00 – 1
Mio. t DAP
Geplante
Fertigstellung
2008
Geplante
Fertigstellung
2011
Geplante
Fertigstellung
2012
Genehmigungsverfahren läuft
Geplante
Fertigstellung
2011
Quelle: AHK Vietnam: Vietnam Brief Juli 2008
Staatlicher Eingriff
Zur Sicherung der Versorgung hat der Staat 2008 in den Sektor
eingegriffen. Das Staatsunternehmen PetroVietnam Fertiliser and Chemical
Company (PVFCCo) wurde angewiesen, seinen Harnstoffdünger zu einem
festen Preis über das Händlernetz zu verkaufen. Lagen Importpreise bei
15.000 VND/kg wurde das lokal produzierte Produkt für 9.500 VND/kg an
die Bauern verkauft.
Da gleichzeitig trotz des hohen Importbedarfs die lokale Düngemittelindustrie in der ersten Jahreshälfte 2008 bereits 100.000 Tonnen
exportiert hat, forderte MARD Mitte 2008 ein befristetes Ausfuhrverbot für
19 www.vinachem.com.vn/English/GioiThieuChung.asp
61
alle o.g. Düngemittel sowie eine Anhebung der Exportzollsätze für diese
Produkte. Der Importzoll für Dünger liegt bei 0%. Mittlerweile sind die
Preise entsprechend dem Weltmarkt wieder gesunken: Harnstoff kostete
Ende 2008 im Schnitt etwa 6.000VDN/kg (Information von VINACHEM).
Die Handelsstrukturen im Düngemittelsektor sehen wie folgt aus:
IMPORT
EXPORT
Prod.
Rohstoff
Handel
Zoll
Fabrik
Dünger
Endprodukt
Dünger
Endprodukt
Dünger
Endprodukt
Rohstoff
Quelle: aus VDSC Report on Vietnam Fertilizer 2008
Handel
Der Handel ist bei der Vermarktung von Dünger sehr unterschiedlich
strukturiert:
In den Anbauregionen handeln Aufkäufer auch mit Dünger; so wird
der Dünger zum Teil vorfinanziert und nach der Ernte mit der Ware
verrechnet.
In den Städten finden sich spezialisierte Händler, die auch
vorfinanzieren, allerdings Barzahlung nach der Ernte erwarten.
Je nach Standort werden Händler beliefert oder beziehen den Dünger
direkt ab Fabrik oder Importeur.
Fälschungen
Der Handel mit Düngemittel bringt
aufgrund der hohen Weltmarktpreise
auch
große
Probleme
für
die
vietnamesische Landwirtschaft. Bauern
düngen weniger, Importe werden
gestoppt
aufgrund
der
hohen
Weltmarktpreise und stagnierender
Nachfrage. Aber es werden auch im
größeren Stile Dünger gestreckt bzw.
Produkte geringerer Qualität, z.B. aus
China, als hochwertige kanadische
Markenprodukte verkauft. So wird
berichtet, dass im Mekongdelta in der
Reisproduktion 20% weniger gedüngt
62
wird; im Hochland wurden mehrere hundert Hektar Kaffeeproduktion
aufgrund gestreckter Dünger beschädigt. Der Anteil gestreckter /
nachgemachter Produkte wird von MARD auf 5-10% geschätzt, der
Verband der Düngemittelhersteller kam bei eigenen Untersuchungen zu
höheren Werten.
Da hunderte von Düngermarken in Vietnam auf dem Markt sind, scheinen
die Kontrollbehörden (die Zuständigkeit liegt auf Provinzebene bei DARD
Departments of Agriculture and Rural Development) überfordert, die
Probleme zu lösen. 61 Hersteller gestreckter Produkte wurden bereits
identifiziert, allerdings fällt die Bestrafung nur gering aus. Bei diesen
Herstellern handelt es sich meist um kleine und mittlere Unternehmen. Die
Bestrafung belief sich bisher auf 500 - 2.000 USD. Hersteller und Händler
von Düngemitteln bekommen ihre Lizenz auf Provinzebene vom
„Department of Investment and Planning“. Die Herstellung ist über von
MARD erlassenen Verordnungen geregelt. Es wird davon ausgegangen,
dass ein Teil dieser Unternehmen ohne Registrierung arbeitet.
3.6.4
WTO und SPS
Der Handel mit Pflanzenschutzmitteln
Vietnam hat mit dem Beitritt zur WTO selbstverständlich auch die
Strukturen der sanitären und phytosanitären Kontrollen übernommen.
Insgesamt sind 7 Ministerien in SPS Themen eingebunden; MARD ist
zuständig für Tier- und Pflanzengesundheit und beherbergt den SPS
Enquiry Point.
Auch wenn Vietnam mit großen Anstrengungen versucht, die Auflagen des
WTO Beitritts zu erfüllen, sind gerade die sanitären und phytosanitären
Anforderungen eine Herausforderung. Positiv lässt sich sagen, dass die
gesetzlichen Bestimmungen (z.B. Pflanzenschutz und Quarantäne)
überarbeitet und angepasst wurden, um der SPS Vereinbarung sowie auch
IPPC und anderen internationalen Standards zu entsprechen. Darüber
hinaus gibt es ein Beobachtungsnetzwerk für Pflanzenkrankheiten, das auf
63 Provinzpflanzenschutzdepartments ruht, die eng mit dem National
Institute of Plant Protection und der Plant Protection Division des
ministeriellen Departments for Plant Protection zusammenarbeiten. Diese
Struktur auf nationaler und Provinzebene mit etwa 3000 Mitarbeitern ist
eingebunden in die Überwachung der wichtigsten Kulturen wie Reis, Mais,
Kaffee und Gemüse. In der Praxis ist dieses System allerdings überfordert.
Praxis im Markt für
Pflanzenschutzmittel
Nach Informationen von MARD importiert Vietnam jährlich mehr als
300.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel. Der Gesamtverbrauch im Land lässt
sich nur in etwa angeben, aber es muss davon ausgegangen werden, dass
weniger als die Hälfte des Gesamtverbrauchs aus der heimischen
Produktion stammt.
Nach Informationen des Plant Protection Department finden sich im Land
etwa 150 Unternehmen sowie über 70 kleinere Werkstätten, die
Pflanzenschutzmittel herstellen. Der Vertrieb der Mittel geht über mehr als
20.000 Geschäfte. Im Schnitt finden sich in jeder Provinz mehr als 300
Geschäfte; in einigen Schwerpunktregionen gibt es mehr als 1.000
Einzelhändler für Pflanzenschutzmittel.
Unzureichende
Kontrollen
Demgegenüber stehen nur 700 Inspektoren landesweit. MARD sieht das
Wachsen des Marktes und den Mangel an Inspektoren und Defizite in der
Gesetzgebung zu den Aufgaben der Inspektoren als wesentlichen Grund
63
für einen etwas aus der Kontrolle geratenen Markt. Die gesetzlichen
Regelungen zu den Inspektionen definieren nur die Aufgaben und Rechte
der Inspektoren direkt unter MARD, aber nicht derer unter DARD auf
Provinzebene oder auf den unteren Ebenen. Ein Indiz für die
Unzufriedenheit ist die relativ geringe Quote der jährlichen
Berichterstattung an das Plant Protection Department: nur 47 der 63
regionalen Büros hat in 2007 Bericht erstattet.
Gesetzgebung
MARD hat Listen mit zugelassenen und begrenzt zugelassenen bzw.
verbotenen Chemikalien veröffentlicht. Seit Mai 2004 gilt die Verordnung
von MARD “Decree No. 15/2004-QD-BNN promulgating the list of plant
protection drugs permitted for use, restricted from use or banned from use
in Vietnam”. Diese Liste umfasst zugelassene Stoffe sowie die
Handelsmarken.
Darüber hinaus gibt es spezifische Verordnungen für Unternehmen, die mit
Chemikalien handeln („Decision No: 89/2006/QD-BNN, 02.10.2006 –
Management of Plant Production Drugs“- findet sich auf einer separaten
CD Rom). Diese Verordnung gilt für in- und ausländische Anbieter und
regelt die Abläufe für
Registrierung
Produktion
Verarbeitung
Abfüllung und Verpackung
Import und Exporthandel
Lagerung und Transport
Vernichtung
Etikettierung und Verpackung.
Darüber hinaus ist die Werbung und auch die Durchführung von Seminaren
zu Pflanzenschutzmitteln in der Verordnung geregelt.
Verstöße im Markt
Trotzdem zeigen die durchgeführten Kontrollen, dass es regelmäßig zu
Verstößen kommt, vor allem hinsichtlich unzureichender Produktions- und
auch Handelsbedingungen, niedriger Produktqualitäten, gefälschter
Marken, illegal importierten Produkten, insbesondere über die Grenzen im
Norden und Süden des Landes, über das Verfallsdatum hinaus
abgelaufener Produkte und Chemikalien mit nicht identifizierbaren
Substanzen.
… und in der
Landwirtschaft
Ein weiteres Problem stellen der Umgang und der Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln dar. Es wird kaum gezielt gespritzt und bevorzugt mit
Breitbandmitteln, insbesondere bei Insektiziden, um eine höhere Effektivität
zu erreichen. Ein Mangel an Ausbildung der Bauern ist sicherlich ein
wesentlicher Grund dafür. Initiativen zu integrierter Produktion, GAP und
GlobalGAP stecken noch in den Anfängen, werden allerdings von dem
Beratungsdienst in Zusammenarbeit mit ODA Vorhaben unterstützt.
Die Entsorgung von Verpackungsmaterial ist gesetzlich ebenfalls in der o.g.
Verordnung geregelt, allerdings ist die Umsetzung in der Praxis fraglich.
Das generelle Problem der Produktionsabfälle in ländlichen Regionen wird
bereits in Vietnam diskutiert. Umweltschutz wird von staatlicher Seite
propagiert, allerdings werden noch wenig Lösungen angeboten.
Handel
Der Handel mit Pestiziden ist trotz der o.g. Zahlen straffer organisiert als
der Verkauf von Dünger, da z.B. auch Einzelhändler gewisse Auflagen
64
erfüllen müssen. Sie müssen im Pflanzenschutz ausgebildet sein und
benötigen eine entsprechende Erlaubnis des Pflanzenschutzamtes von
DARD. Auch die Geschäfte müssen über eine Zulassung der örtlichen
Behörden verfügen.
Der Verkauf erfolgt an alle Personen über 15 Jahre; es bedarf keiner
Legitimation des Käufers. Der Händler berät die Bauern über den Einsatz
der Mittel. Allerdings äußerten sich Händler in Interviews besorgt über den
niedrigen Kenntnisstand der Bauern. Die vom Beratungsdienst
angebotenen Schulungen hängen auch von der Qualität der Ausbildung der
Berater ab. Es besteht großer Bedarf an Schulungen auf allen Ebenen.
Die Einzelhändler mit Pflanzenschutzmitteln beziehen ihre Produkte über
ein festes Händlernetz von Importeuren und Herstellern mit Sitz vor allem
in HCMC. Für Markenprodukte gibt es beispielsweise feste Preislisten, in
denen die Preise der „Primary Agents“, der „Secondary Agents“ auf
Provinzebene sowie der Einzelhändler festgelegt sind.
Entsprechend der Situation im Handel mit Dünger, ist auch der Handel mit
Pestiziden in Vietnam stark von Importen abhängig. Die Chemieindustrie
des Landes ist schwach, es werden aber, wie oben beschrieben, große
Investitionen auch in die Agrochemie fließen. Wichtigstes Exportland ist
wiederum China, Deutschland liegt als Lieferant unter den ersten 5
Ländern. Am stärksten sind Produkte von Bayer vertreten, die auch über
eine Repräsentanz in HCMC verfügen. Deutsche Produkte haben einen
guten Ruf aufgrund der hohen Qualität, aber wiederum einen hohen Preis
zur Folge hat. Entsprechend den Düngemittelmitteln ist bei Pestiziden der
Preis der entscheidende Kauffaktor.
Produktion und Import von Pflanzenschutzmitteln wird trotz der Vielzahl an
Herstellern im Wesentlichen (60-70%) von den gleichen o.g. staatlichen
Großbetrieben getätigt, so dass auch dieser Bereich stark staatlich
dominiert ist. VINACHEM, als wichtigstes Unternehmen in dr
Agrarchemieindustrie, hat 42 Tochterfirmen und 12 ausländische Joint
Ventures mit China, USA, Japan, Niederlande, Korea, ASEAN im Bereich
Dünger, Pflanzenschutzmittel, Kautschuk, Farben und Petrochemische
Produkte. VINACHEM hat mehr als 30.000 Mitarbeiter. Aufgrund der
Privatisierung der SOEs und einer Reorganisation von VINACHEM
empfehlen einige Experten den Einstieg in die lokale Produktion in Vietnam
über eine Beteiligung an dem Staatsunternehmen, da deren Anteile als
relativ günstig eingestuft werden.
Importlizenz
Importlizenzen für Pflanzenschutzmittel stellt das Department of Plant
Protection (DPP), unter MARD aus. Der lokale Importeur stellt dort einen
Antrag auf Basis eines Formulars mit detaillierten Angaben zu dem
Produkt. (http://www.ppd.gov.vn/htvbphapluat02.htm?module=about_us).
65
Wichtigste Lieferländer für Importe von Pflanzenschutzmitteln in
den ersten 7 Monaten 2008
Länder
Import - Wert in USD
Insgesamt
327.817.231
China
149.756.388
Singapur
58.741.827
Indien
27.129.488
Deutschland
18.313.953
Malaysia
15.352.351
Japan
11.746.999
Süd-Korea
8.656.973
USA
8.842.930
Thailand
8.601.304
Indonesien
7.183.520
Niederlande
1.368.688
Quelle:
www.vinachem.com.vn/English/ViewTinThiTruongDetail.asp?ThitruongID=1496&cateID=10
3.7
Ernährungs- und Verarbeitungsindustrie
Vietnam’s Verarbeitungsindustrie umfasst eine Reihe von Sub-Sektoren:
Süßwaren, Obst- und Gemüseverarbeitung, Fleischverarbeitung, Getränke,
Gewürze, Fischverarbeitung etc. In Bezug auf die Zuständigkeiten für
diesen Sektor sind mehrere Ministerien eingebunden: Handel & Industrie,
MARD, Gesundheit und Planung & Investition.
Die Möglichkeiten in der Ernährungs- und Verarbeitungsindustrie in
Vietnam können in drei Bereiche gegliedert werden, (1) Maschinenlieferungen, (2) Investitionen in die Ernährungsindustrie, (3) Warenlieferungen nach Vietnam.
Investitionen/
Maschinenbedarf
Mit dem Ausbau des Agrar- und Exportsektors und dem Wachstum der
Bevölkerung steigt auch die Bedeutung der Ernährungsindustrie, die auch
für MARD zu einem Schwerpunktbereich der Investitionstätigkeit zählt.
Ausländische Investitionen sind vor allem im Obst- und Gemüseverarbeitungsbereich gewünscht, wie u.a. in einer Studie des BfAI zum
Zukunftsmarkt Vietnam 2006 hervorgehoben wird.
Interessante Produkte zur Weiterverarbeitung sind Ananas, Bananen,
Longan, Mangos, Litschi, Aprikosen, Papaya sowie Gurken und Tomaten;
diese Produkte sollen vorwiegend exportiert werden. Einen weiteren
wichtigen Zweig der Nahrungsmittelverarbeitung stellt die Verarbeitung von
Meeresfrüchten dar, die in 2006 in rund 260 Verarbeitungsbetrieben
erfolgte. Wie bereits erwähnt, steigt auch die Bedeutung der
Kaffeeverarbeitung/-röstung in Vietnam. Fleisch- und Milchverarbeitung
wird ebenfalls in Zukunft von zunehmender Bedeutung sein.
66
Diese Branche bietet Möglichkeiten sowohl für Investoren als auch
Maschinenlieferanten. Der Maschinenbedarf wird als hoch eingeschätzt, da
die Nahrungsmittelhersteller in Vietnam einen großen Investitions- und
Modernisierungsbedarf haben. Aufgrund des unzureichenden Angebots der
inländischen Industrie werden Maschinen für die Lebensmittelverarbeitung
importiert. Es geht um Verarbeitungs-, Verpackungsmaschinen,
Abfüllanlagen, Lager-, Kühl- und Tiefkühlanlagen etc.
Wichtige Abnehmer in Vietnam sind die staatlichen Unternehmen SOE’s,
die zu den wichtigsten Exporteuren von Nahrungsmitteln sowie Lieferanten
des Binnenmarktes zählen. SOE’s finanzieren ihre Maschinenimporte über
Mittel aus dem öffentlichen Haushalt (MARD), haben aber auch guten
Zugang zu den staatlichen Banken. Kleinere Privatunternehmen (KMU)
haben begrenzt die Möglichkeit, derartige Investitionen über ODA
(günstigste Kredite, z.T. auch Beihilfen) zu finanzieren. Nach Informationen
des BfAI erwarten private vietnamesische Käufer von Nahrungsmittelmaschinen eine längerfristige Finanzierung von bis zu 3 Jahren.
Eines der größten Obst- und Gemüseverarbeitungsunternehmen in Vietnam ist
Dong Giao Food Stuff Export Joint Stock Company Doveco. Dieses
Unternehmen bewirtschaftet 5.500ha Land, aufgeteilt auf 19 Niederlassungen.
Obst und Gemüse bilden den Schwerpunkt der Produktion, wesentliches
Produkt ist Ananas. Dieses Unternehmen ist ISO zertifiziert und verfügt bereits
über
moderne Verarbeitungsanlagen, z.b. IQF Tiefkühlanlagen, für die
Saftkonzentratproduktion (5.000 Tonnen p.a.) ausgestattet mit einer TetraPakAnlage, für Konserven (10.000 t Verarbeitungskapazität) ausgestattet mit
Maschinen aus Deutschland und den USA. Dieser Standard ist allerdings nicht
die Regel.
Quelle: Auszug aus der Broschüre des Vietnamesischen Unternehmens
DOVECO
Die Maschinenimporte aus Deutschland unter dem HS Code 8438 beliefen
sich auf 11 Mio. USD im Jahre 2003, damit ist Deutschland führend bei den
67
Importen in dieser Kategorie20. Die Importzölle für Maschinen der
Nahrungsmittelindustrie dieser Kategorie sind niedrig (z.B. 0 - 5%).
Einfuhr von
Lebensmitteln
Die Ausgaben für Lebensmittel wurden für 2007 auf 5,5 Mrd. USD
geschätzt, die Importschätzungen liegen bei 330 Mio. USD für das Jahr
2005. Der Bedarf an importierten Agrarprodukten lässt sich in vier
Kategorien aufteilen:
Rohwaren für die Weiterverarbeitung wie z.B. Weizen oder auch
Milch, Zutaten zur Bierbrauerei, Margarine und Öle für die
Weiterverarbeitung, Additive sowie auch Häute/Leder für die
Schuhindustrie, aber auch Futtermittel und Agrarchemie.
Hinzukommen Mastrinder und Milchkühe, Zuchtmaterial
Günstige „Massenware“, die auf Märkten und in kleinen Geschäften
verkauft wird
Lebensmittel wie Milchprodukte (Milch, Butter, Käse, Milchpulver),
Getränke (Wein, Fruchtsäfte), Süß- und Backwaren für die
aufstrebende Mittelschicht Vietnams, die in Supermärkten einkauft
Markenprodukte für Ausländer und Touristen
(Premiumprodukte für Hotels und Restaurants).
in
Vietnam
Der Bedarf an Importen wird bestimmt durch das Wachstum der Inlandsund Exportmärkte, durch steigendes Einkommen der Mittelschicht und
Veränderungen der Essgewohnheiten.
Konsumentenverhalten
Die vietnamesischen Konsumenten geben etwa 40% ihrer Ausgaben für
Lebensmittel aus, vor allem für Grundnahrungsmittel. Höherwertige
Produkte sind in der Nachfrage begrenzt; aber es steigt die Nachfrage nach
Milch und Fleischprodukten, sowie auch nach Süßwaren und Snacks. Dies
gilt insbesondere für den urbanen Bereich.
Vietnamesen kaufen fast täglich ein - die Vorliebe liegt bei
Frischprodukten – da Kühlschränke noch nicht in jedem Haushalt
stehen.
Früchte sind eine bedeutende Komponente im Speiseplan.
Schweinefleisch ist traditionell das wichtigste Fleischprodukt (80%
des Fleischkonsums, Huhn 11-12%, Rind 3-4%).
Aufgrund von Problemen mit der Lebensmittelsicherheit von
Hühnerfleisch steigt die Nachfrage nach Rindfleisch, vor allem in
Hotels, Restaurants und großen Supermärkten.
Erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln, vor allem auch nach
Fleisch, besteht zu den Festtagen wie Weihnachten, Neujahr und
Tet, dem vietnamesischen Neujahrsfest.
Die Nachfrage nach Fertiggerichten steigt, z.B. auch InstantNudelsuppen und ähnliches.
Die Nachfrage nach alkoholischen Getränken ist hoch, die
Biernachfrage steigt stetig.
Vietnam wird als eine "snack-happy" Gesellschaft bezeichnet.
Snacks werden gern und überall konsumiert. Da importierte
Produkte hochpreisig sind (auch wg. hoher Zölle), nimmt die
20 Maschinen zum industriellen Auf- und Zubereiten oder Herstellen von Lebensmitteln,
Futtermittel und Getränken
68
Interessante
Produkte
ausländische Produktion vor Ort zu. Dies erlaubt auch eine
Anpassung der Produkte an den nationalen Geschmack.
Die Präferenz für westliche Produkte ist hoch, vor allem bei jungen
Konsumenten.
Allerdings ist die Markentreue und auch das (Wieder-)Erkennen von
Marken noch gering in Vietnam. Gern werden neue Produkte und
Marken ausprobiert.
Zu den wesentlichen Lebensmittelimporten zählen Milchprodukte,
frisches
Obst,
Süßwaren,
gekühlte
und
tiefgefrorene
Fleischprodukte, Snacks und Konserven (z.B. Obst. Gemüse,
Fleisch).
Produkte aus Deutschland finden sich in den Supermärkten des Landes:
z.B. Babykost (z.B. Hipp), Kekse (z.B. Bahlsen), Bonbons (z.B. Werthers),
Pralinen (z.B. Ferrero), Schokolade (z.B. Merci, Ritter). Allerdings berichten
Deutsche, die in Vietnam leben, dass es auch von diesen Produkten
äußerlich gutgemachte Fälschungen auf dem Markt gibt, die eine genaue
Identifizierung nicht zulassen. Die Warenqualität erreichen die Kopien
allerdings nicht.
Einen Markt für deutsche Produkte gibt es insbesondere bei Süßwaren und
Backwaren, wie auch eine entsprechende CMA Studie belegt. Die
Annäherung Vietnams an den westlichen Lebensstil ändert auch die
Essgewohnheiten und weckt Interesse an diesen Produkten.
Die Studie der CMA aus dem Jahre 2006 hat die Märkte für Süß- und
Backwaren, Milch- und Fleischprodukte in Vietnam untersucht. Daher wird
an dieser Stelle nicht weiter auf die einzelnen Produkte eingegangen. Die
gesamte Studie liegt diesem Bericht als Datei bei.
Importbedingungen
für Nahrungsmittel
Importzölle sind sehr unterschiedlich. Zollsätze liegen zwischen 20 – 50%,
Alkohol bis zu 65%. Sie sind geringer, wenn es sich um Produkte handelt,
die nicht in Vietnam hergestellt werden können, so wie Weizen oder
Milchprodukte und Produkte, die der Weiterveredelung im Lande dienen.
Die Zollämter arbeiten mit Minimum Taxable Prices (MTP), um zu niedrig
angegebenen Preisen vorzubeugen. Für die Einfuhr gibt es zwei
Einrichtungen, die Inspektionen am Zoll durchführen:
Directorate for Standards and Quality (STAMEQ) ist für
Inspektionen und Abfertigung in Bezug auf Qualitätskontrollen,
Gesundheit und Hygiene zuständig. Eingeführte Produktproben
werden am Zolllager von dem “Quality Assurance and Testing
Centre” (QA&TC) unter STAMEQ untersucht. Importe können
schwierig und auch langwierig sein. Wenn das Produkt den
nationalen Qualitätsstandards entspricht, wird ein Qualitätszertifikat
für das Import-Export Unternehmen ausgestellt, um die
Zollformalitäten
innerhalb
von
3
Tage
zu
klären.
www.tcvn.gov.vn/en/index.php
General Department of Customs prüft das Produkt und erhebt die
Zollgebühren
im
Auftrage
des
Handelsund
des
Finanzministeriums.
Erfahrene Importeure registrieren ihre Produktproben bereits im voraus
jeder Verschiffung mit STAMEQ, um den Ablauf zu beschleunigen.
Importeure
nutzen
zur
Qualitätskontrolle
auch
ausländische
Kontrollunternehmen wie SGS Vietnam.
69
Qualitätsstandard
Die wesentliche Institution zur Veröffentlichung von Standards ist STAMQ
unter dem Ministry of Science and Technology. STAMEQ ist verantwortlich
für Standardisierung und Formulierung der nationalen Standards, für das
Messwesen sowie für Qualitätsmanagement. Sowohl das Gesundheitsministerium als auch MARD können ebenfalls Importe in ihrem
Zuständigkeitsbereich überwachen sowie
bestimmte sektorbezogene
Standards setzen.
Lebensmittelsicherheit
Lebensmittelsicherheit ist ein sehr großes Problem in Vietnam. Es tauchen
Probleme in der Produktion, in der Ausstattung der Betriebe, in der
Lagerung auf sowie auch durch verbotene Additive. Kontrollen und
Gesetzgebung sind unzureichend, es fehlt an Hygienebewusstsein. Die
Vietnam Food Safety Association (VINAFOSA) fordert von der Regierung
mehr Aufklärung in der Bevölkerung. Mit der in 2008 erlassenen
Verordnung “Decree No. 79-2008 of 18 July” ist die Regierung den WTO
Anforderungen nachgekommen und hat das System für das Management,
die Inspektionen und Kontrolle der Lebensmittelsicherheit und Hygiene
geregelt.
Etikettierung
Durch die Vorschrift für die Kennzeichnung/Etikettierung erfordert ein
(zusätzliches) Etikett in vietnamesischer Sprache mit folgenden
Informationen:
Produktname
Name und Adresse des Herstellers oder verantwortlichen Händlers
Mengen
Zusammensetzung
Qualitätsstandard
Herstellungsdatum und Mindesthaltbarkeit
Instruktionen für die Zubereitung/Gebrauch und Haltbarkeit
Herkunftsland.
Distributionskanäle
Wie in Kapitel 2.4.2 erläutert ist es seit 1. Januar 2009 ausländischen
Unternehmen erlaubt, ihre Waren bis an die Endkunden zu verkaufen. Wie
dies in der Praxis aussehen wird, muss sich noch zeigen. Die wachsende
Zahl von Supermärkten wird auf jeden Fall den Absatz an die lokale
Bevölkerung enorm steigern lassen.
Weitere Informationen finden sich unter anderem auf folgenden
Internetseiten:
Vietnam Trade Information Center
www.vietnam-trade.com/vinanet.htm
Vietnam Development Information Center – www.vdic.org.vn
International Logistics Management Vietnam Ltd.
www.ilm-vietnam.com
70
3.8
Lebensmitteleinzelhandel21
Grundsätzlich findet der Einzelhandel mit Lebensmitteln in einer Vielzahl
kleiner
Geschäfte,
Kioske
sowie
auf
den
Märkten
(wet
markets/Frischemärkte) in Dörfern und Städten statt.
In den urbanen Zentren gewinnen Supermärkte mehr und mehr an
Bedeutung. Die Bedeutung von verarbeiteten/verpackten Nahrungsmitteln
im Verkauf auf den Frischmärkten nimmt zu. Da davon ausgegangen wird,
dass die Bedeutung der Supermärkte drastisch steigen wird, wird im
folgenden deren Entwicklung dargestellt. (Heute wird der Marktanteil der
Supermärkte beim Verkauf von Lebensmitteln auf 10% geschätzt).
Eine Änderung des Lebensmitteleinzelhandels wird durch die Änderung
des Vertriebsgesetzes zum 1. Januar 2009 erwartet. Nach derzeitigen
Schätzungen gab es Ende 2008 400 Supermärkte, 60 Shoppingcenter und
etwa 2.000 so genannte Minimärkte (kleine Supermärkte) im Lande. Bis
2010 wird ein Zuwachs an Supermärkten von über 60% und von
Shoppingcenter von 150% erwartet. Die wichtigsten ausländischen Ketten
sind:
Metro Cash&Carry mit 7 Großhandelsmärkten in HCMC (3
Märkte), Hanoi, Can Thao, Hai Phong, Da Nang.
Big C, ein Ableger der französischen Casino-Gruppe, hat 5
Verbrauchermärkte in Vietnam: in Hanoi, Hai Phong, Da Nang,
Bien Hoa, HCMC.
Giant South Asia aus Singapur hat Supermärkte unter dem Dach
der vietnamesischen Kette Citimart eröffnet.
Die Südkoreanische Kette Lotte Mart Group eröffnet zwei Märkte
in HCMC und
ein weitere südkoreanische Kette GS Retail plant 10 Shopping
Center bis 2011.
21 Einen interessanten Überblick über die Verarbeitungsindustrie und den
Lebensmitteleinzelhandel gibt der Vietnam Food & Drink Report 2009, zu bestellen
unter: http://www.businessmonitor.com/vietnam_food.html (Preis 875 USD)
71
Die wichtigsten lokalen Supermarktketten sind:
Citimart
Saigon Coop Mart
Fivimart
Maximart.
Der stärkste lokale Kette ist Saigon Co-op, mit den Geschäften Co-op Mart
und Co-op Stores mit 34 Coop Mart Supermärken im Süden des Landes,
vor allem HCMC. Die Coop Mart Gruppe hat von den angekündigten 10
weiteren Supermärken bisher nur 5 eröffnet. Vinatex hatte angekündigt, bis
2010 80 neue Supermärkte zu eröffnen, allerdings nach Informationen der
Vietnam News wurde bisher noch kein einziger Markt eröffnet. Es ist davon
auszugehen, dass es für die lokalen Supermärkte schwierig ist, finanziell
vergleichbar mit den internationalen Ketten zu agieren.
Die Ausgaben in den Supermärkten sind nach wie vor relativ gering. So
beziffert Citimart die durchschnittlichen Ausgaben pro Kunde auf 200.000
VDN (< 10€). Ausgaben von 500.000 VDN (>20€) für einen Einkauf sind
eher die Ausnahmen. Die Zurückhaltung wird allerdings auch mit der hohen
Inflation und den steigenden Preisen erklärt.
Preise
Im November wurde durch die „Directive No 104/2008/TT-BTC“
angeordnet, die Preise von 15 Produkten zu kontrollieren. Dazu zählen
Veterinärmedizin, Dünger, Futtermittel sowie Reis, Salz, Milch, Zucker.
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Ausgewählte Einzelhandelspreise im Supermarkt Big C am
13.11. 2008
Hipp Babykost aus Ungarn
Merci Petit aus Deutschland
Storck Werther’s Toffee
Bahlsen Leibnitz Keks
Kartoffelchips lokal
Kürbis
Tomaten
Chinakohl
Karotten
Milchpulver VinaMilk
Punica Frischmilch
VinaMilk Yoghurt
Gläser, versch. Größen
Tüte 125g
Tüte 255g
200g
20g
1 kg
1 kg
1 kg
1 kg
400g
1 Liter
4x 100g (unterschied.
Geschmacksrichtungen)
Dutch Lady Trinkmilch
4x180g
Wurst fermented Firma CP
200g
Nescafe
20x17g (Tassenportion)
G7
20x16g (Tassenportion)
Reis
1 kg
Speiseöl
1 Liter
Zucker
1 kg
Salz
1 Kg
Umtauschrate 1 €= 21.393 VDN am 12.11.2008
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25. - 43.000 VDN
52.500 VDN
80.000 VDN
37.000 VDN
3.800 VDN
10.000 VDN
15.500 VDN
14.000 VDN
10.000 VDN
90.000 VDN
22.400 VDN
35.000 – 40.000
VDN
17.600 VDN
15.800 VDN
30.000 VDN
30.000 VDN
14. - 18.000 VDN
35.400-37.500 VDN
10. – 12.000 VDN
12.000 VDN
Big C Supermarkt in Hanoi
Frischebereich - Milchprodukte - Wurstwaren - Frisches Obst und Gemüse
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3.9
Wichtige Messen
In Vietnam finden eine Vielzahl von lokalen und internationalen Messen
statt. Wichtige Messeveranstalter in Vietnam sind
Vinexad http://www.vinexad.com.vn/en/
Vietnam ExpoCenter
http://www.vietnamexpocenter.com/home/?lang=eng
Vietrade http://www.vietrade.gov.vn/
Die AHK in Vietnam ist ebenfalls ein wichtiger Kontakt für Messen in
Vietnam www.vietnam-ahk.de.
Im folgenden eine Auswahl von Messen an den Standorten Hanoi und
HCMC (die Termine können sich ggf. ändern):
Standort Hanoi
Vietnam Food Processing & Pharmaceutic Industry Fair
o
o
10. - 13. März 2009
http://www.biztradeshows.com/trade-events/vietnam-foodprocessing-pharmaceutical.html
Vietnam Plastic Rubber Packaging Printing & Food Processing
o
o
20. April 2009
http://www.biztradeshows.com/trade-events/plastic-packagingfood.html
The 3rd Chinese (Vietnam) Commodities Fair 2009 in Hanoi
o
9. – 12. Juli 2009
International Industrial Machinery Exhibition u.a. FOODPACK
o
9.- 12. September 2009
VIETSTOCK Expo & Forum Vietnam's No.1 International Feed &
Livestock Industry Show
o
o
Standort Ho-ChiMinh-City HCMC
18.-20.November 2010
http://www.biztradeshows.com/trade-events/vietstock-expoforum.html
International Exhibition on Food Packaging Machinery &
Technology FOODPACK
o
12. – 15. Mai 2009
VietFood-Ho Chi Minh leading trade fair for Food & Beverage, Food
Processing, Packaging Technology
o
o
12. -15. August 2009
http://www.biztradeshows.com/trade-events/vietfoodhochiminh.html
Food & Hotel Vietnam 2009: International Food & Drinks, Hotel,
Restaurant, Bakery & Foodservice Equipment, Supplies & Services
o
1. – 3. Oktober 2009
Vietnam Food Processing Fair
o
o
22.-25.10.2009
http://www.biztradeshows.com/trade-events/vietnam-foodprocessing.html
The 13th International Exhibitions for Food and Beverage Industry –
VietFood & Beverage 2009 FOOD, DRINK, SEAFOOD
o 9.- 12. Dezember 2009
www.vietfood.org.vn
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Annex
Annex 1 Politische Machtstrukturen in Vietnam
Annex 2 Export- und Importdaten Informationen der AHK Vietnam
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Annex 2: Export und Importdaten Quelle: AHK Vietnam
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