Die Schlacht um Cholm

Сomentários

Transcrição

Die Schlacht um Cholm
Die Schlacht um Cholm
Buchausgabe in PDF-Format
Autor: Mitglied Fario
www.die-feldpost-2-weltkrieg.org
Copyright © by www.die-feldpost-2-weltkrieg.org
Umschlaggestaltung: www.die-feldpost-2-weltkrieg.org
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks (Vervielfältigungen,
Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in
elektronischen Systemen), behält sich die www.die-feldpost-2-weltkrieg.org
als Herausgeber vor.
Buchausgabe erstellt von Feldpost-Admin
Inhalt
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Vorgeschichte
Der Angriff auf Cholm
Der Partinsanenangriff
Einschließung der Stadt
Deutsche Einheiten im Kessel
Die Luftversorgung von Cholm
Die Luftversorgung von Cholm
Entsatzangriff
Karte
Bilder
Anmerkung
Quellen
Festung Cholm
Vorgeschichte
Die Stadt Cholm ist Hauptstadt des gleichnamigen Rajons im
Oblast Novgorod. Sie liegt am Zusammenfluss von Lovat und
Kunja und wird durch den Lauf dieser Flüsse und ihre Steilufer
geteilt. Die Stadt zählte Anfang 1942 etwa 6.100 Einwohner
und erlangte ihre Bedeutung zum einen als wichtiger
Flussübergang und zum anderen als Kreuzung je einer
befestigten „Rollbahn“ in Nord-Süd sowie in Ost-WestRichtung. Cholm war somit ein Verkehrsknotenpunkt auf der
einzigen witterungsbeständigen Nord-Süd-Verbindung
zwischen Staraja Russa und Toropez, denn der größte Teil der
umliegenden Landschaft war Sumpfgelände. Bereits am 3.
August 1941 war der Ort von Verbänden der Wehrmacht
eingenommen worden. Danach hatte sich in der Umgebung
eine Brigade sowjetischer Partisanen gegründet, die in
geringem Maß gegen die rückwärtigen deutschen
Verbindungslinien operierte In den Monaten von August 1941
bis Januar 1942 diente Cholm den deutschen Truppen
lediglich als Versorgungsbasis und Umschlagplatz, der in
einiger Entfernung von der Frontlinie nur von Trossen,
rückwärtigen Diensten und schwachen Sicherungskräften
besetzt war.
Die Schlacht um Cholm fand während des Zweiten
Weltkrieges an der deutsch-sowjetischen Front im Bereich der
Heeresgruppe Nord statt.
Nachdem der deutsche Vormarsch im Dezember 1941 in der
Schlacht um Moskau zum Stehen gebracht worden war,
schritt die Stavka (sowjetisches Hauptquartier) im Januar
1942 zur Gegenoffensive. Am 8. Januar 1942 begann sie mit
Angriffsoperationen gegen den rechten Flügel der
Heeresgruppe Nord, der von der 16. Armee südlich des IlmenSees gebildet wurde. Bereits am nächsten Tag erzielten die
sowjetischen Verbände erste Einbrüche in die deutsche
Frontlinie und weiteten sie in den folgenden Tagen aus. Da
das Oberkommando des Heeres (OKH) eine Absetzbewegung
kategorisch ausgeschlossen hatte, um den Anschluss zur
Heeresgruppe Mitte nicht zu verlieren, versuchte der neu
ernannte Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord,
Generaloberst Georg von Küchler, die feindlichen Einbrüche
mit anderswo herausgelösten Truppen abzuriegeln. Er
beorderte dazu am 18. Januar 1942 das XXXIX. Panzerkorps,
während für die Sicherung des Verkehrsknotenpunktes Cholm
die 218. Infanterie-Division vorgesehen war. Diese hatte in
Dänemark gestanden; die Verlegung in den Raum Cholm war
zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen Sie traf mit
Teilkräften erst ab dem 28. Januar im Frontgebiet ein.
Der Angriff auf Cholm
begann am 18. Januar 1942 mit einem Angriff sowjetischer
Partisanen auf den deutsch besetzten Verkehrsknotenpunkt
Cholm Wenige Tage darauf schloss die Rote Armee die Stadt
samt ihrer Besatzung ein. Cholm wurde über drei Monate lang
aus der Luft versorgt, bevor deutsche Truppen durch einen
Entsatzangriff im Mai 1942 wieder Verbindung mit der
Besatzung aufnehmen konnten.
Während der Schlacht um Cholm wurden zum ersten Mal an
der Ostfront deutsche Truppen über einen längeren Zeitraum
von gegnerischen Verbänden eingekesselt. Nach Abschluss
der Kämpfe diente die Schlacht der NS-Propaganda als
Beispiel für den angeblichen Heldenkampf deutscher Soldaten.
Der Partisanenangriff
Nachdem der sowjetische Großangriff begonnen hatte,
gewann er schnell Raum in Richtung der Lovat, während die
deutschen Truppen ausweichen mussten. Bereits am 17.
Januar 1942 kämpfte nur noch eine deutsche Kampfgruppe in
Regimentsstärke östlich von Cholm. Um diesen wichtigen
Verkehrsknotenpunkt zu erobern, plante der sowjetische
Stabschef der Nordwestfront, Generalleutnant N. F. Vatutin,
eine enge Zusammenarbeit mit der 2. Leningrader
Partisanenbrigade unter dem Kommando von Oberstleutnant
N. G. Vassiljev. Diese sollte die Stadt in der Nacht vom 17.
auf den 18. Januar besetzen und bis zum Eintreffen der
regulären Truppen halten. Nach sowjetischen Angaben
beteiligten sich an der folgenden Aktion acht PartisanenAbteilungen mit ungefähr 800–1000 Mann aus einem Umkreis
von 80 Kilometern
Am Abend des 17. Januar gingen diese in Bereitstellung und
sperrten alle Zufahrts- und Verbindungswege von Cholm. Am
Morgen des 18. Januar um 4:00 Uhr griffen sie schließlich aus
drei Richtungen an, wobei der Hauptstoß von Westen erfolgte,
weil dort die Stadt am wenigsten befestigt war. Der Angriff
war stark genug, um das OKW aufmerksam zu machen.
„Starker Partisanenangriff gegen Cholm“ wurde im
Kriegstagebuch notiert während die sowjetische
Geschichtsschreibung später betonte, dass es sich um die bis
dahin größte sowjetische Partisanen-Operation gehandelt
habe. Die deutschen Soldaten waren davon überrascht und
zogen sich bis 11:00 Uhr ins Zentrum der Stadt zurück. Dort
leisteten sie von der Kirche und dem GPU-Gefängnis aus
erfolgreich Widerstand. Die sowjetische 33. Schützendivision,
welche die Partisanen eigentlich erreichen sollte, wurde durch
deutsche Truppen östlich von Cholm aufgehalten. Ohne
Unterstützung und Munition mussten sich die Partisanen
schließlich am frühen Abend zurückziehen. Vereinzelte
Kämpfe mit den Partisanen dauerten noch bis zum 21. Januar
an.
Einschließung der Stadt
In der Nacht zum 19. Januar 1942 traf der Kommandeur der
281. Sicherungsdivision Generalmajor Theodor Scherer mit
seinem Divisionsstab ein und übernahm den Gesamtbefehl
über die im Raum Cholm stehenden Verbände Die Division
hatte bisher im rückwärtigen Gebiet der Heeresgruppe Nord
Sicherungsaufgaben gegen Partisanen wahrgenommen und
musste mit Teilen nunmehr die Fronttruppen verstärken. Bis
zur Einschließung der Stadt war jedoch nur ihr Kommandeur
Scherer in Cholm eingetroffen. Somit standen zur
Verteidigung des Ortes nur wenige kleinere Einheiten
verschiedener Verbände zur Verfügung. Im Wesentlichen
waren dies drei Kompanien des berüchtigten Reserve-PolizeiBataillons 65, drei Kompanien Infanterie, Teile des InfanterieRegiments 385, Trosse und Angehörige der rückwärtigen
Dienste, die sich im Raum Cholm befanden. Dies waren
zunächst nur etwa 3.500 Mann. Unter dem Druck des
sowjetischen Vormarsches zogen sich weitere
Wehrmachtsverbände von Osten her auf Cholm zurück,
welche in der Folge die „Kampfgruppe Scherer“ verstärkten.
Ebenso gelangten noch Teile eines Infanterieregimentes und
des Jagd-Kommandos 8 in den Kessel.
Bereits am 16. Januar hatte die 3. sowjetische Stoßarmee des
Generals M. A. Purkajev den Befehl zur Einnahme Cholms bis
zum 19. Januar erhalten Am 17. Januar, dem Vorabend des
Partisanenüberfalls, standen ihre Verbände 20–25 km östlich
der Stadt in der Nähe des Ortes Krasnij Klin. Purkajev konnte
nur die 33. Schützendivision (Oberst A. K. Makarjevs) von
Osten her auf Cholm ansetzen, denn die Panzer des 146.
Panzerbataillons waren wegen Treibstoffmangels
zurückgeblieben. Allgemein gestaltete sich die Versorgung
auch auf sowjetischer Seite schwierig. Die Division erreichte
den Stadtrand erst am 20. Januar, während die 257.
Schützendivision und die 31. Schützenbrigade die Stadt im
Süden umgingen Bis zum 22. Januar hatten diese drei
Verbände den Ort eingeschlossen.
Noch am 21. Januar begannen das 73. und 82. sowjetische
Schützenregiment der 33. Schützendivision von Süden und
Südwesten her einen ersten Großangriff, der zur Eroberung
des Westteiles der Stadt und der Lovat-Brücke führte. Für die
deutschen Truppen gestaltete sich die Lage dabei schwierig,
da es im Kessel bereits an Granaten und sonstiger Munition
fehlte und sich der Gefechtsstand der Kampfgruppe selbst
schon fast in der vordersten Linie befand.
Am folgenden Tag, dem 23. Januar, erhielten die sowjetischen
Verbände schließlich Verstärkung durch das 146. PanzerBataillon mit dreizehn Panzern (2 T-34, 11 T-60), nachdem
dieses mit Treibstoff versorgt worden war. Die T-34 kamen
aus ungeklärten Umständen nicht zum Einsatz, während die
11 T-60 noch am gleichen Tag zum Angriff auf den östlichen
Stadtteil angesetzt wurden. Diese aufzuhalten, bereitete den
Verteidigern große Schwierigkeiten, da kaum
Panzerabwehrwaffen zur Verfügung standen. Nur unter
Einsatz von sechs Minen in Straßenbarrikaden und geballten
Ladungen konnte dieser Angriff abgewehrt werden. Am 25.
Januar verschlechterte sich die Lage für die deutsche
Besatzung weiter durch den Verlust des Verpflegungsdepots,
welches in Brand geschossen wurde und von dessen
Beständen nur die Hälfte gerettet werden konnte.
Unterdessen sammelten sich westlich der Stadt erste Kräfte
der eintreffenden 218. Infanterie-Division und anderer
deutscher Verbände. Sie wurden unter dem Kommandeur der
Division Generalmajor Horst Freiherr von Uckermann
zusammengefasst und als „Kampfgruppe Uckermann“ zum
sofortigen Entsatz von Cholm angesetzt. Am 26. Januar
gelang diesen Kräften aus südwestlicher Richtung ein
Durchbruch durch die Linien des sowjetischen 73.
Schützenregiments, das von einer Abteilung des 44.
Artillerieregiments unterstützt wurde. Ungefähr 200
Infanteristen (vom MG-Bataillon 10) gelangten als
Verstärkung in den Kessel, bevor dieser von der Roten Armee
wieder geschlossen werden konnte. Später gelang auf dem
gleichen Weg noch einmal die Zuführung einiger
Sturmgeschütze. Mit Hilfe dieser Verstärkungen gelang der
„Kampfgruppe Scherer“ die Rückeroberung des
nordwestlichen Teils der Stadt, der, neben dem Flugfeld
gelegen, unentbehrlich für eine mögliche Luftversorgung war.
Bei diesen Kämpfen wurde das sowjetische 162.
Schützenregiment bis auf 312 Mann aufgerieben. Noch Ende
Januar gingen die Kämpfe um einen Entsatz Cholms weiter.
Von außen trat noch einmal die „Kampfgruppe Uckermann“ an
und drang bis zum 31. Januar 10–15 Kilometer in Richtung
des Kessels vor, während Generalmajor Scherer einen
Stoßtrupp zur Vereinigung ansetzte. Dagegen führte das
Kommando der 3. Stoßamee aus seiner Reserve die 45.
Schützenbrigade heran, welcher es gelang eine Vereinigung
der deutschen Stoßkeile zu verhindern.
Nachdem die Verbände der Roten Armee diesen Entsatzangriff
abgewiesen hatten und dabei bereits seit zehn Tagen Cholm
selbst angriffen, waren auch sie am Ende ihrer Kräfte. Die
Regimenter der 33. Schützendivision zählten wegen der
hohen Verluste nur noch je 200–300 Soldaten. Deshalb
stellten sie ab dem 1. Februar die Angriffe vorläufig ein.
Insgesamt hatte die Besatzung von Cholm in den Tagen vom
18. bis zum 28. Januar 1942 sechs Angriffe und 15
Gegenstöße sowie 20 Stoß- und Spähtruppunternehmungen
durchgeführt. Dabei hatte sie 27 feindliche Angriffe, von
denen sieben mit Panzerunterstützung stattfanden,
abgewehrt. Diese heftigen Kämpfe hatten bereits zu hohen
Ausfällen geführt. Allein 30 Offiziere, 250 Unteroffiziere und
etwa 1.000 Mannschaften sollen zu diesem Zeitpunkt gefallen
oder verwundet worden sein .Nachdem die Entsatzversuche
des deutschen XXXIX. Panzerkorps mit der „Kampfgruppe
Uckermann“ wegen Kräftemangels nur noch
„Stoßtruppcharakter“ gehabt hatten und gescheitert waren,
war die Besatzung von Cholm seit dem 27./28. Januar
endgültig abgeschnitten.
Deutsche Einheiten im Kessel
Die genaue Stärke der verschiedenen Einheiten, die sich nach
und nach in Cholm zusammenfanden und dann die
„Kampfgruppe Scherer“ bildeten, ist nicht bekannt. Wie
bereits angegeben findet sich in der Literatur die Angabe von
etwa 3.500 Mann zum Zeitpunkt der Einkesselung. Zu diesen
kamen noch diverse kleinere Truppenteile und Verstärkungen
unbekannter Größe durch die ersten Entsatzversuche oder auf
dem Luftweg. Da auch die Zahlen über die Verluste im Verlauf
der Kämpfe ungenau sind, kann keine Aussage hinsichtlich
der konkreten Truppenstärke der Kampfgruppe in den
verschiedenen Phasen der Kämpfe gemacht werden. Einen
Hinweis liefert jedoch die bekannte Zahl von 5.500 nach der
Schlacht verliehenen Cholm-Schilde, wobei zu berücksichtigen
ist, dass diese offensichtlich nur den Überlebenden verliehen
wurden und nicht alle Träger dieser Auszeichnung während
des gesamten Zeitraums im Kessel eingesetzt waren. Neben
der Schwierigkeit die Zahl der Soldaten zu ermitteln lässt sich
auch die Ausrüstung und Kampfkraft der
zusammengeworfenen Kampfgruppe kaum bewerten. Nach
den Kämpfen bis Ende Januar 1942 bestanden die deutschen
Truppen in Cholm im Kern wahrscheinlich aus Teilen des
Infanterie-Regiments 397 der 218. Infanterie-Division, des
Infanterie-Regiments 553 der 329. Infanterie-Division sowie
Teilen der 123. Infanterie-Division Hinzu kamen zahlreiche
kleinere Verbände und Trosseinheiten, sogar eine
Flussschifferabteilung der Kriegsmarine. Insgesamt standen
nach dem Einfliegen von Verstärkungen unter dem
Kommando des Stabes der 281. Sicherungsdivision
Angehörige von etwa 60 verschiedenen Formationen. Mit
diesen Kräften musste eine Fläche von etwa 1½ bis 2
Quadratkilometern (je nach Lage der Hauptkampflinie)
gehalten werden. Dabei war die geringe räumliche
Ausdehnung des Kessels auch ein Vorteil, der es den
Verteidigern ermöglichte die wenigen Verteidigungskräfte
effektiv einzusetzen und schnell an Brennpunkten
zusammenziehen zu können. Allerdings bedeutete es auch,
dass das gesamte Gebiet in der Reichweite sowjetischer
Artillerie lag und jeder tiefe Einbruch eine unberechenbare
Gefahr der Zerschlagung des Kessels darstellte und oft durch
verlustreiche Gegenangriffe wieder wettgemacht werden
musste.
Die Luftversorgung von Cholm
Ab Anfang Februar lief die Luftversorgung der
eingeschlossenen Besatzung von Cholm an. Es gab zwar ein
kleines Flugfeld von ungefähr 200 x 500 Metern Größe
westlich der Stadt, doch dieses lag unter ständigem
sowjetischen Artilleriebeschuss. Zunächst konnten dort in den
ersten Tagen im Februar noch Transportmaschinen vom Typ
Ju 52 des Kampfgeschwaders z.b.V. 172 und teilweise auch
der Kampfgruppe z.b.V. 4 landen, um Truppen und Güter
auszuladen. Allerdings erlitten diese dabei hohe Verluste.
Allein am 3. Februar wurden drei Flugzeuge am Boden durch
sowjetische Bomber zerstört. Insgesamt verlor das
Geschwader fünf von seinen sieben eingesetzten Maschinen.
Deshalb mussten diese Versorgungsflüge nach knapp einer
Woche am 9. Februar wieder eingestellt werden. Stattdessen
verlegte man sich auf das Abwerfen von Versorgungsbomben
(V-Bomben) mittels Bomber des Typs Heinkel He 111 der
Kampfgeschwader 4 und 53 und später zusätzlich auf den
Einsatz von Lastenseglern vom Typ Gotha Go 242 und DFS
230. Die Versorgung der Besatzung konnte auf diese Weise
durch die Luftwaffe jedoch nicht sichergestellt werden. Die
Versorgungslage wurde schnell so prekär, dass trotz der
damit verbundenen hohen Verluste Ende Februar und Mitte
März sporadisch wieder
Ju 52 eingesetzt werden mussten, um die gröbsten
Versorgungsengpässe zu überwinden und Verstärkungen
heranzubringen.
Die Methode Luftversorgung mittels V-Bomben hatte
Nachteile, denn viele von ihnen landeten vom Wind
abgetrieben im Fluss oder im sowjetischen Feuerbereich. Um
diese Versorgungsgüter zu bergen, mussten jeweils am Abend
regelrechte Stoßtruppunternehmen durchgeführt werden. Die
sowjetischen Truppen versuchten ihrerseits, die Bergung
durch Schrapnellfeuer zu behindern Problematisch war es
auch, dass diese Methode der Versorgung sehr
wetterabhängig war. Besonders im März erreichte deshalb nur
ein Bruchteil der benötigten Versorgungsgüter die
eingeschlossenen Verbände. Manchmal explodierte die
transportierte Munition beim Aufprall auf den Boden.
Insgesamt erreichten während der Belagerung um die 7.000
Versorgungs-Bomben die Besatzung von Cholm. Um die VBomben ins Ziel zu bringen, waren die He 111 gezwungen
unter 400 Meter Tiefe zu fliegen und erlitten dabei hohe
Verluste. Anfang Februar 1942 mussten drei Bomber hinter
den sowjetischen Linien notlanden. Insgesamt gingen bei der
Versorgung von Cholm 55 Flugzeuge verloren (27 Ju 52 und
28 He 111).
Der Einsatz von Lastenseglern erwies sich aufgrund ihrer
höheren Ladekapazität als effektiver, doch auch sie waren
stark wetterabhängig. Mit ihrer Hilfe konnte wichtiges Material
und Verstärkung in die Stadt gebracht werden, so unter
anderem eine Panzerabwehrkanone (Pak) mit Bedienung, eine
Flugabwehrkanone (Flak), ein schwerer Ladungswerfer, eine
Funkstelleneinrichtung, ein Sanitätsoffizier, ein
Artillerieoffizier sowie 19 Mann Verstärkung. Insgesamt
landeten 80 Lastensegler mit mehr als 200 Tonnen Material.
Da mit jedem einzelnen Segler auch drei Mann FlugzeugBesatzung im Kessel eintrafen, die nicht wieder ausgeflogen
werden konnten, wurde die Kesselbesatzung auch personell
verstärkt. Als das Vorgelände und das Flugfeld des Kessels
zeitweise verloren gingen landeten die Lastensegler auf den
breiteren Straßen der Stadt. Nachdem auch ein Teil des
Stadtgebietes von der Roten Armee erobert worden war, blieb
nur noch eine einzige Straße für diese Zwecke übrig.
Allerdings konnten dort keine „Gothas“ mehr landen, weil die
Strecke dafür zu kurz war. Man musste sich deshalb umso
mehr auf die Versorgung mittels V-Bomben verlegen.
Entsatzangriff
Nach der Einschließung von Cholm war das Oberkommando
der Heeresgruppe Nord nicht in der Lage, sofort
Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die sowjetischen Truppen
waren entlang der gesamten Front zur Offensive
übergegangen, so dass im Januar und Februar 1942 im
Bereich der Heeresgruppe Nord ernste Krisen am Volchov (→
Schlacht am Volchov) und um Demjansk entstanden, welche
die geringen Reserven der Heeresgruppe beanspruchten.
Obwohl die „Kampfgruppe Uckermann“ weiterhin um den
Entsatz von Cholm bemüht war, konnten ihr dafür nur kleine
hastig zusammengezogene Einheiten zur Verfügung gestellt
werden. Für den 5. März plante das Oberkommando der
Heeresgruppe schließlich einen weiteren großen
Entsatzangriff. Dieser scheiterte jedoch bei -40 °C durch die
Witterungsumstände. Außerdem erlitten die vorgesehenen
Truppen schon während der Bereitstellung große Verluste
durch sowjetische Artillerie. Inzwischen übernahm der neu
ernannte Kommandeur der 218. Infanterie-Division, Oberst
Viktor Lang am 20. März 1942 die Führung der Entsatzkräfte,
die nun als „Gruppe Lang“ bezeichnet wurden. Ab Mitte April
wurde Langs Kampfgruppe selbst von mehreren sowjetischen
Bataillonen angegriffen und musste sich zunächst verteidigen.
Erst Ende des Monats war ein weiterer Versuch zum Entsatz
des Kessels möglich.
Der neuerliche Entsatzangriff wurde mit der Masse der 218.
Infanterie-Division, dem Infanterie-Regiment 411 der 122.
Infanterie-Division und der Sturmgeschütz-Abteilung 184
durchgeführt. Die sowjetische Führung reagierte darauf,
indem sie versuchte, den Kessel zu überrennen, bevor die
„Gruppe Lang“ ihn erreichen konnte. Am Abend des 30. April
begann deshalb von sowjetischer Seite ein Trommelfeuer auf
das gesamte Kesselgelände. Dies wiederholte sich am Morgen
des 1. Mai um 3:45 Uhr erneut, bevor die Rote Armee gegen
5:45 Uhr einen konzentrischen Angriff begann.
Sie stieß mit Infanterie und fünf Panzern aus dem
„Panzernest“ (Bodenvertiefung, in der die sowjetischen Panzer
vor Angriffen bereitgestellt wurden) heraus in den Ostteil der
Stadt vor und griff mit weiteren fünf Panzern von der Gerberei
her auch den Nordwestteil sowie mit Infanterie von Westen
her das Flugfeld an. Während dessen lag schweres
Artilleriefeuer auf der „Roten Ruine“ und der Kirche sowie auf
der „Haarnadelkurve“, wo das deutsche Hauptmunitionslager
getroffen wurde und ausbrannte. Obwohl der Angriff im
Nordwesten bis 7:00 Uhr gestoppt werden konnte, kam es im
Osten zu einer Krise. Dort fiel zu Beginn des Kampfes das
einzige Pak-Geschütz durch Feindeinwirkung aus. Bis 9:00
Uhr ging auch die Munition für die schweren Waffen aus und
gegnerische Panzer waren durch die Hauptkampflinie
gebrochen. Generalmajor Scherer bat deshalb dringend um
Luftunterstützung und Verstärkung sowie den beschleunigten
Durchbruch der „Gruppe Lang“. Tatsächlich erschienen nun
stündlich Sturzkampfflugzeuge und per Lastensegler wurde
ein neues Pak-Geschütz eingeflogen, welches die Panzer im
Ostteil der Stadt bekämpfte. Bereits um 12:45 Uhr meldete
Scherer die Abwehr des gegnerischen Angriffs. Allerdings
kostete das verheerende Artilleriefeuer weiterhin schwere
Verluste. Auf die kaum
2 km² große Fläche fielen an diesem Tag etwa 1.500
Granaten. Bei den Kämpfen fielen nach zeitgenössischen
deutschen Schätzungen etwa 100 deutsche und 600
sowjetische Soldaten
Am 2. Mai erfolgten zwar wieder Angriffe und
Bombardierungen, jedoch in geringerem Umfang als zuvor. An
den beiden Tagen konnten die deutschen Verteidiger acht
Panzer abschießen. Erst am 3. Mai setzte der sowjetische
Großangriff gegen Cholm wieder ein, wobei erneut Einbrüche
in die Hauptkampflinie durch die Rote Armee erreicht wurden.
Allerdings verlor sie dabei wiederum mehrere hundert
Soldaten und 13 Panzer. Am Abend des Tages waren bereits
die ersten Fahrzeuge der „Gruppe Lang“ nahe dem 2 km
entfernten Ort Kusemkino zu sehen. Doch auch am 4. Mai
konnte die Verbindung trotz weiterer schwerer Kämpfe nicht
hergestellt werden. Die „Gruppe Lang“ traf nach wie vor auf
„zähen Feindwiderstand“ und kam nur langsam voran. Erst
am Morgen des 5. Mai um 6:20 Uhr konnte ein Stoßtrupp mit
Sturmgeschützen unter Oberleutnant Freiherr von
Hohenhausen Cholm erreichen. Bis 16:10 Uhr konnte eine
Fernsprechleitung gelegt werden und um 16:25 Uhr traf das
erste vollständige Bataillon der „Gruppe Lang“ in der Stadt
ein. Nach dem Entsatz des Kessels kamen umgehend der
Kommandierende General des XXXIX. Panzerkorps, General
der Panzertruppe Hans-Jürgen von Arnim, und der
Befehlshaber der 16. Armee, Generaloberst Ernst Busch, zur
Inspektion nach Cholm, doch die Stadt blieb nach wie vor
umkämpft. Erst am 18. Mai zogen sich die sowjetischen
Verbände aus dem Südostteil der Stadt zurück, während der
Nordostteil erst am 8. Juni 1942 von deutschen Truppen
eingenommen werden konnte. Die Stadt Cholm blieb danach
unter deutscher Besatzung, bis sie schließlich am 21. Februar
1944 kampflos geräumt wurde. Insgesamt verloren 1.550
deutsche Soldaten ihr Leben während der Kämpfe um den
Kessel. Etwa 2.200 weitere wurden verwundet
Während der Kämpfe war die deutsche Öffentlichkeit nicht
über die Existenz des Kessels von Cholm unterrichtet worden.
Im Wehrmachtbericht hieß es lediglich lapidar:
„Im nördlichen Abschnitt der Ostfront wehrte vorgeschobene
Kräftegruppe erfolgreich überlegene Feindkräfte ab.“
Ende März 1942 wurde bekannt gegeben, dass Generalmajor
Scherer
am 21. Februar das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
verliehen worden war, ohne jedoch Konkretes zu verraten:
Erst am 6. Mai, nach dem erfolgreichen Entsatz der
Besatzung, teilte der Wehrmachtbericht mit, dass die
„Kampfgruppe Scherer“ mehr als drei Monate lang
eingekesselt gewesen war:
„Generalmajor Theodor Scherer hat Ende Januar mit
verhältnismäßig geringen Kräften eine größere Ortschaft
gegen dauernde schwere Angriffe der Sowjets verteidigt.
Obwohl er verwundet wurde, leitete er mit ungeschwächter
Energie unter Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit Wochen
hindurch die erfolgreiche Abwehr.
Während die beteiligten Soldaten mit dem „Cholmschild“ und
Generalmajor Scherer mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz
ausgezeichnet wurden, erschienen einige Berichte von
Kampfteilnehmern in der Zeitschrift Die Wehrmacht. Bald
darauf erschien der Bildband Kampfgruppe Scherer - 105
Tage eingeschlossen des Kriegsberichterstatters Richard
Muck. Dieser war Anfang März 1942 mit einem Lastensegler
im Kessel eingetroffen und hatte etwa 2.500 Fotos gemacht,
welche das Geschehen im Kessel von Cholm zu einem bis
heute bildlich sehr gut dokumentierten Ereignis machen.
Unter den Gefallenen der Schlacht befanden sich auch 105
Angehörige des Reserve-Polizei-Bataillon 65. In Anerkennung
des Beitrages der Einheit zur erfolgreichen Verteidigung des
Kessels durfte sich das Bataillon folglich Reserve-PolizeiBataillon 65 „Cholm“ nennen.
Im Jahre 1944 erschien dann ein weiterer Band von Otto
Karsten in der Reihe Schriftenreihe zur Truppenbetreuung,
der sich mit der Schlacht um Cholm beschäftigte. Dieses Buch
war offensichtlich dazu gedacht, den Durchhaltewillen der
soldatischen Leser zu stärken, indem ihnen jener
„Heldenkampf der Gruppe Scherer“ als Beispiel dienen sollte.
Danach blieb die Schlacht um Cholm eine Randnotiz in den
Überblickswerken zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges,
zumal es sich nur um einen kleinen Kessel gehandelt hatte.
Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema steht
noch aus. Die größte Schwierigkeit stellt dabei die schlechte
Quellenlage dar, denn während der Kämpfe wurden
umfangreiches Aktenmaterial, Teile des Kriegstagebuches,
Lagekarten und Befehle vernichtet. Ein Forschungsinteresse
besteht jedoch, wie zuletzt im März 2005 die öffentliche
Suchanzeige des amerikanischen Historikers Dirk Burgdorf
nach Zeitzeugen der Schlacht zeigte.
Karten
Bilder
Anmerkungen
Die Flugzeuge, Transporter wie Bomber, starteten vom Flugplatz
Pskov und ab April Riga,
Eingeflogen wurden vor allem: III./ Lw.Feld.Rgt. 1 (Major Thoms),
IR 553 (329. ID), IR 386 (218 ID); siehe: Werner Haupt: Demjansk
– Ein Bollwerk im Osten, Bad Nauheim 1961, S. 92
3. Die DFS 230 konnte 10 Soldaten oder eine Tonne Nutzlast
transportieren. Die „Gotha“, die bei Cholm zum ersten Mal
eingesetzt wurde, konnte 21 Mann oder vier Tonnen Material an
Bord nehmen.
Quellen
Otto Karsten: Cholm, 1944 (= Schriftenreihe zur Truppenbetreuung,
Bd.55).
Kurt Mehner (Hrsg.): Die geheimen Tagesberichte der deutschen
Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Bd. 4, BiblioVerlag, Osnabrück 1992. ISBN 3-7648-1284-2.
Richard Muck: Kampfgruppe Scherer - 105 Tage eingeschlossen,
Originalausgabe: Gerhard Stalling, Oldenburg 1943. Neuauflage:
Arndt, Kiel 2007. ISBN 978-3-88741-091-9
Günter Wegmann: "Das Oberkommando der Wehrmacht gibt
bekannt ..." Der deutsche Wehrmachtbericht, Bd. 2, Biblio-Verlag,
Osnabrück 1982. ISBN 3-7648-1282-6
Percy E. Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der
Wehrmacht, Bechtermünz, Augsburg 2002. ISBN 3-8289-0525-0
Oskar Perro: Fortress Cholm, Kurland Publ., Toronto 1992.
Bundesarchiv

Documentos relacionados