Praktikum in Alicante (Spanien) bei Proyecto Español

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Praktikum in Alicante (Spanien) bei Proyecto Español
Praktikum in Alicante (Spanien) bei Proyecto Español
Vorkehrungen – Ideen
Schon seit längerem schwebte mir die Idee im Kopf, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Da ich
Spanisch und Französisch auf LAG studiere, halte ich es für besonders wichtig die Sprachen im vor Ort
und für längere Zeit zu lernen. Man lernt nicht nur die Sprache, neue Leute und die Kultur kennen,
sondern bekommt auch ein ganz anderes Gefühl dafür, was man überhaupt lernt und wieso man
etwas lernt.
Als allererstes informierte ich mich im Auslandpraktikumsbüro, für das Herr Johannes Hoch zuständig
ist. Dort erhielt ich erst einmal erste Broschüren wie „Der Weg ins Ausland“. Irrtümlicherweise
dachte ich, es gäbe feste Praktikumspartnerstellen im Ausland, allerdings ist dem nicht so und mir
wurde mitgeteilt, dass ich mir zuerst ein adäquates Praktikum suchen müsse und mit dem Vertrag
oder der Vereinbarung wiederkommen solle. Das Praktikum wird jedoch von ERASMUS nur finanziell
unterstützt, wenn es für das Studium als sinnvoll erscheint, was man aus der jeweiligen Vereinbarung
heraus deshalb erkennen sollte.
Somit machte ich mich im Januar/Februar auf die Suche nach einem Praktikum in Spanien.
Glücklicherweise erhielt ich durch eine Freundin, die ebenso ein Praktikum bei Proyecto Español
absolviert hatte, diesen Tipp. Proyecto Español ist eine Sprachschule in der Ausländer Spanisch
lernen können und Einheimische an Englisch- und Deutschkursen teilnehmen. Sofort kontaktierte ich
die auf der Homepage vorzufindende, verantwortliche Person und schickte eine erste Anfrage. Leider
verzögerte sich der E-Mail Kontakt stetig etwas, was vielleicht ein bisschen auf die spanische
Mentalität zurückzuführen ist. Erfreulicherweise teilte mir etwas später die für mich verantwortliche
Person mit, dass ich bei Ihnen ein Praktikum absolvieren könnte, aber wir zuerst noch ein kurzes
Skye-Meeting vereinbaren müssten. Gesagt getan, das Skype-Gespräch war erfolgreich und sie teilte
mir währenddessen noch mit, dass sich so bald wie möglich kommen könne. Da ich also schon etwas
spät dran war, und ich in 1,5 Monaten in Spanien sein sollte, hieß es zügig alle Papiere zu erledigen.
Ich reichte bei Herrn Joch den ersten Vertrag ein, der mir weitere Papiere (z.B. placement offer)
aushändigte, die von mir und vom Praktikumsgeber auszufüllen waren (teilweise reichte die
gescannte Version, in manchen Fällen musste aber das Original zugesandt werden). Das wichtigste
war dabei, dass die „Agreement of the three parties“ noch vor dem Datum des Praktikumsbeginns
vom Praktikumsgeber, von Herrn Hoch und von mir unterzeichnet waren und rechtzeitig im Original
bei Herrn Hoch eingingen. Um alle notwendigen Papiere zu erhalten musste ich auch zum
Zuständigen meiner Fakultät, der mir, wie immer sehr nett, Empfehlungsschreiben aushändigte. Die
Papiere reichte ich ebenso bei der Studentenkanzlei ein, um für dieses Semester beurlaubt zu
werden. Nun war erst mal Uni-technisch vorerst erledigtund es mussten nur noch am Endes das
Praktikums die letzten Bestätigungen ausgefüllt und zugesandt werden.
Wohnung finden / Hinreise
Die nächste Hürde, die eigene Wohnung zu kündigen oder unterzuvermieten und im Ausland eine
neue Bleibe auf Zeit finden, die im besten Fall preislich studententauglich ist. Da mein Praktikum bei
einer Sprachschule stattfand, die auch Zimmer für ihre Sprachschüler vermieten, informierte ich mich
zudem sofort bei Proyecto Espanol, ob ich eventuell für meine Zeit dort auch ein Zimmer mieten
könnte. Leider sind die etwas teurer als die eigentlichen Wohnungen/Zimmer dort, allerdings ist
dabei schon alles inklusive (Wasser, TV, Strom, Internet). Normalerweise beziehe ich Bafög und ich
erklärte ihnen meine finanzielle Situation und sie kamen mir auf liebevolle Art und Weise auch etwas
entgegen. Ich erhielt also ein Zimmer des Praktikumsgebers mit Perfekter Lage in der Nähe vom Plaza
de los Luceros.
Ich buchte also einen Flug der mich überraschenderweise Dank eines guten Buchungstages bei AirBerlin nur 70€ kostete und packte also relativ bald meine sieben Sachen. Es verlief alles reibungslos
und ich kam am Flughafen Alicante an. Dort machte ich mich auf die Suche nach dem Bus (C6) ins
Zentrum (trotz schweren Gepäcks, aber der Geldbeutel freut sich) der nur knapp 4€ kostete.
Aufgrund der ganzen Gesamthektik hatte ich meine Wegbeschreibung vergessen und bat den
Busfahrer mich einfach im Zentrum rauszuwerfen. Nachdem ich mich mithilfe meiner SpanischKenntnisse durchfragen konnte, fand ich das Hotel „La Lonja“ in dem mir meine Schlüssel und
netterweise auch eine Wegbeschreibung hinterlegt wurden. Trotz großer Anstrengung fand ich
endlich meine Wohnung ziemlich am Ende einer starken Steigung, jedoch mit anfänglichen
Schwierigkeiten weil die Wohnungen hier drinnen nicht mit Namen oder Nummern ausgezeichnet
werden. Mit den warmen Klamotten aus Deutschland schön durchgeschwitzt ging es als erste in die
Dusche, danach Kurz in die Schule auf ein erstes „Hola“ und weiter an der Promenade entlang.
Arbeit am Praktikumsplatz
Gleich am ersten Praktikumstag wurde ich sehr herzlich empfangen und erst mal in die leichteren
Dinge, die zu erledigen waren, eingeführt und allen Arbeitskollegen vorgestellt. Von Zeit zu Zeit
steigerte sich jedoch mein Arbeitsfeld und ich musste viele Aufgaben erledigen, bei denen ich
erstmal etwas hilflos dastand. Darunter gehören beispielsweise der Unterricht bzw.
Wiederholungsstunden für Deutschlernende und Englischlernende. Dies fiel mir anfangs etwas
schwer, da ich hinsichtlich der Deutsch und Englisch Didaktik eigentlich keine Erfahrung hatte.
Allerdings hat mir der Wurf ins Kalte Wasser nicht geschadet und ich habe gelernt, mit solchen
Situationen umzugehen. Obwohl mir bereits im Skype- Gespräch mitgeteilt wurde, welche
Aufgabenbereiche ich zu erledigen habe, ist es nochmal anders, mit wenig mündlichen
Sprecherfahrungen einen nativen Spanier am Telefon zu haben, der Auskunft über die Kurse möchte
und mir irgend ein Problem zu schildern versucht. Jedoch habe ich auch damit umzugehen gelernt
und ich gehe mittlerweile unbesorgt ans Telefon. Ich hatte eine große Bandbreite an
Aufgabenbereichen zu erledigen, sie ging von Papier schneiden für den Drucker, die Post
versandfertig zu bereiten, Excel-Listen zu erarbeiten, Übersetzungen ins Deutsche, Englische und
Spanische zu machen, selbst Grafiken/Übungen/Betreuung und Assistieren beim SprachSummercamp/Texte für den Marketingbereich zu gestalten, eigene Texte zu erstellen die im
Marketingbereich verwendet wurden, täglichem Kundenkontakt zu Spaniern und Ausländern,
Unterstützung der Lehrer bis hin zu eigenem Deutsch und Englischunterricht. Auch im
administrativen Bereich wurde mir große Verantwortung zugeteilt, wobei es sich oft um wichtige Emails oder Telefonate in der spanischen Sprache handelte. Zu meinen täglich zu absolvierenden
Aufgaben gehörte: Die Organisation des Intercambios. Dabei handelt es sich um eine Art
Sprachtandem, zwischen Spaniern und Ausländern die Spanisch lernen wollen. Dabei werden die
Sprachen Spanisch, Englisch, Deutsch gesprochen. Nach einem Monat hatte ich dabei für die
Organisation vollste und alleinige Verantwortung. Außerdem galt es immer, die Unterrichtsklassen,
die als freiwillige Übungsstunden bezeichnet wurden, vorzubereiten, auszuarbeiten, zu organisieren,
die Schüler zu informieren und letztendlich auch zwei pro Woche (eine in Deutsch und eine in
Englisch) zu halten.
Da ich ein sehr offener und kontaktfreudiger Mensch bin, legte ich die letzte Scheu, die vor allem
wegen dem spanisch-Sprechen anfangs noch herrschte schnell ab. Das Arbeitsklima war sehr
angenehm, ich konnte mich immer an meine verantwortliche, liebenswürdige Mentorin wenden,
wenn ich Hilfe, Rat oder sonstiges brauchte. Alle waren immer hilfsbereit, aber natürlich, wie es in
jeder Arbeit oft üblich ist, gestresst wegen zu viel Arbeit auf einmal, ja und darunter falle leider auch
ich. Der Andrang ist im Hochsommer aufgrund der Schulferien besonders groß und jeder im Büro
teilte mir teilweise oft gleichzeitig eine Arbeit zu. Wenn mir dann alles unmöglich schien, habe ich die
mir Arbeiterteilenden darüber informiert, dass ich leider auch die anderen „100“ Aufträge erledigen
müsste und ich ihre Arbeit aber gerne später noch fertigstelle. All das ist war überhaupt kein
Problem, was ich anfänglich als Deutsche nicht wusste. Das typisch deutsche „Arbeitstier“ versucht
oder muss sogar alles so schnell wie möglich und so gutwiemöglich in Rekordzeit fertig stellen, ohne
dabei auf das stille Örtchen zu verschwinden. In den nicht so stressigen Monaten wurde mir dann oft
gesagt: „Isabella, tranquila! Manana!“. Ja in Spanien geht es etwas anders zu und man darf sich bei
knurrendem Magen auch gerne mal einen kleinen Snack zwischendrin gönnen. Das Arbeitsleben ist in
Spanien viel lustiger und lockerer. Aber vielleicht hatte ich einfach nur Glück, denn meine
Arbeitskollegen waren wunderbar, stets hilfsbereit und irgendjemand hatte immer einen Witz auf
den Lippen, zumindest gab kaum einen Tag ohne Gelächter. Das war schön.
Während des Praktikums musste man Herrn Hoch ein monatliches Tagesbuch zukommen lassen und
schliesslich noch die restlichen Bestätigungen und Nachweise. Bei jeder kleinen organisatorischen
Frage konnte ich mich stets an Herrn Hoch wenden, der mir sehr freundlich Auskunft gab.
Das Leben
Anders als erwartet ist Alicante besonders günstig, die Mieten sind wirklich absolut zahlbar und
frisches Obst und Gemüse erhält man für so gute Preise, dass man sich am liebsten nur noch von
ihnen ernähren möchte. Hier ganz nah an Sonne und Meer schmecken sie ganz besonders lecker und
saftig und auch den Fisch kann man kaum frischer erhalten.
Auf der Suche nach dem Supermarkt, fragte ich mich durch und sofort begleiteten mich die
aufgeschlossenen Spanier und Spanierinnen direkt vor mein Wunschziel. Ich habe dort wirklich eine
Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft erlebt, die ich jedem nur wärmstens ans Herz legen möchte
und ich wünschte, dass wir in Deutschland ein bisschen oder vielleicht auch viel mehr davon hätten.
Mein liebster Supermarkt war der Mercadona, einer in der Nähe vomPlaza de los Luceros und der
andere in der Nähe von Proyecto Español. Leitungswasser trinken sollte man allerdings nicht, ich
habe so eine Wasseranalyse einmal mit angesehen und ich würde davon in jedem Falle abraten. Viele
Läden sind allerdings während der typischen Siesta (meist 14-17 Uhr), was ich aufgrund der großen
Hitze nun verstehe, geschlossen.
Als Handykarte empfehle ich eine Prepaidkarte von Orange, mit der man für weniger als 10€ im
Monat Internet verfügt.
Das Barrio (links gelegen von der großen Straße „Rambla“ ist das typische Weggehviertel, auch am
Hafen kann man gut und lange feiern. In der Hochsaison gibt es leider sehr viele trunkene Touristen,
die sich nicht beherrschen können und verderben einem das ein und das andere Mal die Laune. Auch
Achtung vor Taschendieben. Es gibt im Süden, vor allem mit der Krise viele arme Leute aber auch
Banditen. Leider wurde mir auch mein Handy bei einem Spaziergang an der Strandpromenade mein
Handy aus der geschlossenen Tasche entwendet. Das ging so schnell, dass ich es kaum bemerkte.
Trotz Polizei ist da meistens leider nichts mehr zu machen. Also: VORSICHT!.
Der Stadtstrand ist für ein kurzes „Abkühlungsbad“ im Meer gut zu nutzen. Im Sommer ist er leider
völlig überfüllt und die Touristen und weniger die Einheimischen sind. Deshalb empfehle ich mit der
Metro, Linie 4 zu den San Juan Playas zu fahren, oder direkt etwas weiter an die Costa Blanca. Das
lohnt sich vor allem am Wochenende. Kilometerlange Strände, türkisfarbenes Wasser, jedoch achte
auf deine Haut, die Sonne ist hier sehr, sehr aggressiv und der Sonnenbrand kommt manchmal erst
später. Schütze dich mit Schatten und Sonnencreme!
Die typische Sehenswürdigkeit das Castillo de Santa Barbara, sollte man sich auch auf jeden Fall
ansehen, der harte Aufstieg ist es Wert. Außerdem finden eigentlich ständig Feste, oft auch religiöse
Züge statt „Hogueras, Santa Cruz“, etc. Das spanische Leben findet in Alicante auf der Straße statt
und genau das finde ich wunderbar.
Es gibt ein ca. 1,5 Stunden mit dem Bus und Taxi entfernt wunderschöne Wasserfälle zu sehen, die
sogenannten „Fuentes del Algar“. Ansonsten solltet ihr auch einen kleinen Tagesausflug auf die Insel
Tabarca machen. Auch ein Auto zu mieten ist dort nicht sehr teuer und so kann man flexibel alle
umliegenden Städte besuchen, oder vielleicht wie ich durch Andalusien reisen. Wenn man kein Auto
mieten möchte, kann man auch auf „Blablacar“ einen Fahrer in die gewünschte Stadt suchen.
Abschluss
Ich habe meinen Aufenthalt in Alicante sehr genossen, es war eine wunderschöne Zeit in der ich
unheimlich viel gelernt habe. Meine Sprechfertigkeiten haben sich extrem verbessert, da ich
vermutlich auch viele Einwohner kennengelernt habe. Ich habe die spanische Kultur, die Sprache, das
Leben und die Leute kennen und lieben gelernt (Ausnahmen gibt es immer;)) und möchte auf jeden
Fall wieder zurück in dieses schöne Land, vielleicht sogar für immer.