advita Journal 3|2016

Transcrição

advita Journal 3|2016
März 2016
Das advita Haus Radeberg
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Termine
Editorial
Interne Termine im März 2016
01.03.
Tagung der Verantwortlichen Pflegefachkräfte der Intensivpflege
in Leipzig
08.03.
Arbeitsschutzausschuss der Sicherheitsbeauftragten
(ASA Sitzung) im advita Haus Striesen, Dresden
09.03.
Tagung »Speisenversorgung« Westsachen/Thüringen im
advita Haus Goldener Helm in Lichtenstein
10.03.
Tagung der »Speisenversorgung« Ostsachen/Berlin und Sachsen
Anhalt im advita Haus Neumarktschule in Meißen
14.03.
Tagung der kaufmännischen Sachbearbeiter Westsachen/
Thüringen im advita Hof in Zwickau
15.03.
Tagung der Pflegedienstleitungen ambulante Pflege Westsachen/
Thüringen im advita Haus Borna
16.03.
Tagung der kaufmännischen Sachbearbeiter Ostsachen/Berlin
und Sachsen-Anhalt im advita Haus Neumarktschule, Meißen
23.03.
Tagung der Niederlassungsleitungen Westsachsen/Thüringen in
Leipzig **
23.03.
Tagung der Niederlassungsleitungen Ostsachsen/ Berlin und
Sachsen-Anhalt im advita Haus Striesen, Dresden
Impressum
Herausgeber
advita Pflegedienst GmbH
Kantstraße 151
10623 Berlin
Tel 030 4372730
Fax 030 437273114
[email protected]
Redaktion
Dr. Matthias Faensen
Milada Tupová-Faensen
Peter Fischer
Uli Schuppach
[email protected]
Fotos
advita Pflegedienst GmbH
Gestaltung
Petra Bott
V. i. S. d. P.
Dr. Matthias Faensen
Seminare und Fortbildungen der advita Akademie
01.03.
»Sexualität in der Pflege« in Weinböhla *
07.03.
»Tracheostomaversorgung« in Leipzig **
07./08.03. »Pflichtfortbildung für Betreuungskräfte« (09.00 bis 17.00 Uhr)
in Weinböhla *
10.03.
»Handpuppentherapie« in Leipzig **
14.-16.03. »LG1 Schulung« (09.00 bis 17.00 Uhr) in Leipzig **
15./16.03. »Grundkurs Führung und Verantwortung bei advita« (Gruppe 1)
in Berlin ***
17.03.
»Ernährung in speziellen Pflegesituationen« in Weinböhla *
17./18.03. »Aufbaukurs Führung und Verantwortung bei advita« (Gruppe 2)
in Berlin ***
21.–24.03. »advita Basiskurs Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung«
(2016–01) in Leipzig **
22.03.
»Stressbewältigung – Freiräume schaffen und gesund bleiben«
in Berlin ***
30.03.
»Prophylaxen – theoretischer Hintergrund« in Leipzig**
31.03.
»Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen«
(13.00 bis 16.00 Uhr) in Leipzig *
31.03.
»Notfallmanagement in der ambulanten Intensivpflege«
in Berlin ***
* advita Haus Weinböhla, Dresdner Straße 93
** advita Haus Klangwerk, Leipzig-Stötteritz, Melscher Straße 7
*** advita Zentrale in Berlin, Kantstraße 151
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese Ausgabe des advita Journals ist dem advita
Haus Radeberg gewidmet, in das Ende 2015 schon
die ersten Bewohner eingezogen sind. Wir stellen
auf den folgenden Seite das Haus und den Leiter
der neuen Niederlassung in Radeberg vor, Herr
Thorsten Friedrichs. Die Straßenfront des Hauses
wird bestimmt durch die farbigen Fassadenelemente, die sehr gut zur Buntheit unseres advita Logos
passen. Diese frischen Farben geben dem Haus ein
lebensfrohes Gesicht und so wird hoffentlich auch
das Leben und der Alltag der Bewohner des Hauses
zukünftig sein.
Wo wir schon dabei sind: wir haben eine neue
Kolumne: Coming soon – Demnächst bei advita.
Auf dieser Seite stellen wir in loser Reihenfolge und
ohne Anspruch auf chronologische Vollständigkeit
unsere neuen Projekte, Bauvorhaben und Eröffnungen vor.
Und noch einem Thema wollen wir uns regelmäßig
widmen, das in unserer Praxis eine große Rolle
spielt: der Umgang mit Menschen mit Demenz.
Gabriela Prömmel, die sich seit langem und sehr
fokussiert mit dem Thema beschäftigt, wird auf
diesen Seiten ihre Erfahrungen mit Ihnen teilen und
nützliche Anregungen für die altenpflegerische
Praxis geben.
Herr Kaps setzt seine Serie über das Wachkoma
fort. Und eine »Presseschau« haben wir diesmal
auch: CAREkonkret veröffentlichte einen Beitrag
unseres Geschäftsführers Peter Fischer zu den
Leiharbeitskräften.
Viel Spaß bei der Lektüre und bei der Arbeit wünscht
die Geschäftsführung Dr. med Matthias Faensen,
Milada Tupová-Faensen, Peter Fischer
Unter Bezugnahme auf § 174 Satz 2 BGB weisen wir darauf hin, dass der Abteilungsleiter
Personalwesen der advita Pflegedienst GmbH durch die Geschäftsführung bevollmächtigt ist,
ohne nochmalige Vorlage einer Vollmachtsurkunde Kündigungen rechtswirksam
auszusprechen und zu unterzeichnen.
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Neueröffnung
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Bierstadt Radeberg? advita Stadt Radeberg!
Dort, wo man kraft erfolgreichen Marketings bisher
noch an Bier und nicht zuvorderst an Pflege denkt,
wurde im November 2015 das neue advita Haus
Radeberg eröffnet.
Der Rohbau stand fast 20 Jahre unfertig inmitten
eines größtenteils neu gebauten Wohngebietes und
harrte einer neuen Verwendung. Aber niemand
hatte dafür eine Idee und traute sich an die gr0ße
Aufgabe heran.
Was von den Radebergern über viele Jahre als
Radeberger Riegel oder auch schlicht als Schandfleck bezeichnet wurde, hat sich durch das Engagement von Zusammen Zuhause und advita zu einem
richtigen Schmuckstück emporgeschwungen. So
jedenfalls wird das advita Haus mittlerweile von der
lokalen Presse bezeichnet und wir können das nur
bestätigen.
Großen Anteil haben daran die Verantwortlichen
vor Ort und ganz besonders das Kernteam Frau
Baumgarten, Frau Winter, Herr Friedrichs und Herr
Wiltzsch, die schon vor dem Startschuss ins advita
Haus eingezogen sind. Anfangs in unfertigen
Räumen alle um einen runden Tisch gruppiert, sind
sie jetzt in schmucken, neuen Büros angekommen,
von wo aus sie sich um die neuen Bewohner und
Tagespflegäste kümmern und den Start von advita in
Radeberg organisieren.
Wer einmal das advita Haus Radeberg besucht hat,
wird bestätigen, dass die äußerst großzügigen
Gemeinschaftsräume des Betreuten Wohnens mit
eigener Küche eines der Highlights des neuen
Hauses sind. Denn hier schlägt der Puls des Hauses.
Jeden Mittwoch findet ein gemeinsames Kaffeetrinken mit selbst gebackenem Kuchen statt. Hier
werden die täglich frisch zubereiteten Mahlzeiten
von den Bewohnern verspeist, hier richtet advita
interne Tagungen aus. Und hier werden auch in
Zukunft immer mehr regelmäßige Veranstaltungen,
auch für externe Besucher, stattfinden, um das Haus
als lebendiges advita Haus in Radeberg zu etablieren, in dem immer etwas los ist.
Wer advita in Radeberg noch nicht besucht hat,
kann das am 12. März nachholen. Von 10–16 Uhr
laden die Radeberger Kollegen alle interessierten
Menschen aus Radeberg und Umgebung ein, die
endlich abgeschlossene Ankunft gemeinsam zu
feiern. Und natürlich sind dazu auch alle advita
Kollegen eingeladen.
Da wird ordentlich Rabatz gemacht, so dass auch
der letzte Radeberger bald verstanden haben wird,
dass es bald nicht nur »Bierstadt« sondern auch
»advita Stadt Radeberg« heißen wird.
In diesem Sinne gutes Gelingen allen Radeberger
Kollegen und viel Erfolg für die neue Niederlassung.
Thorsten Friedrichs, Niederlassungsleiter
Uli Schuppach, Leiter Marketing
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Interview
Coming Soon – Demnächst bei advita
Aber Sie sind nicht gleich in Radeberg gestartet,
oder?
Nein, anfangs war ich in der Niederlassung Freital.
Hier hat man mir einen sehr freundlichen Empfang
bereitet und hier konnte ich auch erst einmal ins
Unternehmen advita reinschnuppern. Ich war an
der Organisation des Einzugsmanagements im Haus
Panschau und an weiteren Projekten beteiligt. Aber
dann ging eigentlich alles recht schnell und ich bin
in Radeberg gelandet, worüber ich mich natürlich
sehr freue.
Hallo Herr Friedrichs, wir möchten Sie als neuen
Niederlassungsleiter in Radeberg gerne im Journal
vorstellen. Erzählen Sie uns doch einmal ein
bisschen von sich.
Mein Name ist Thorsten Friedrichs, ich bin 52 Jahre
und verheiratet.
Ok ok – danke für diese ausführliche Antwort.
Und wie sind Sie in der Pflege gelandet?
Begonnen hat alles zwischen 1984 und 1987 mit
einer Ausbildung zum Krankenpfleger. Anschließend war ich als Krankenpfleger auf einer interdisziplinären Intensivstation und habe vier Jahre auf
einer Dialysestation verbracht. Ab 2001 bin ich im
Rahmen eines zentralen Qualitätsmanagements in
die Altenpflege eingestiegen. Und von 2009 bis 2015
war ich Gutachter bei dem von uns allen geliebten
MdK. Während der beruflichen Tätigkeit habe ich
die Qualifizierung zum TQM-Auditor mit Durchführung von Systemaudits durchlaufen.
Und danach kamen Sie dann also zu advita;
richtig?
Genau. Seit Anfang August 2015 bin ich für advita
tätig. Nach einer zweimonatigen Begleitung der
Niederlassung Freital wurde mir seitens der Geschäftsführung die Leitung der Niederlassung
Radeberg übertragen.
Als ich in Radeberg ankam, war das jetzt fertiggestellte advita Haus Radeberg noch eine Baustelle,
das Team war gerade neu zusammengestellt und
mit Frau Winter, Frau Baumgarten und unserem
Haustechniker Herr Wiltsch haben wir gemeinsam
die ersten Schritt in Radeberg unternommen. Mit
Unterstützung von Frau Maiwald erfolgte nach und
nach die weitere Akquise von Mitarbeitern sowie
von zukünftigen Bewohnern und Gästen für die
Tagespflege. Aber natürlich lief auch nicht alles
reibungslos. Insbesondere die Herrschaften vom
Bau und die nicht gerade vorbildliche Termintreue
externer Dienstleister haben uns auch vor die eine
oder andere Herausforderung gestellt. Hier galt es
Ruhe zu bewahren, was uns, so denke ich rückblickend, ganz gut gelungen ist. Die Erfahrungen
jedenfalls waren sehr wertvoll und vor allem haben
sie den Kern unseres Teams zusammengeschweißt.
Die Bauarbeiten sind ja nun weitestgehend abgeschlossen und das Haus sieht wirklich toll aus.
Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht hier im
advita Haus auf der Arbeit sind?
Meine Freizeit verbringe ich vor allem mit meiner
Frau und unseren beiden Hunden Gerlinde und
Helene. Wir machen viele Spaziergänge oder
trainieren gemeinsam – hierzu findet man hier in
Radeberg ja optimale Voraussetzungen. Ansonsten
lege ich auch einmal gerne die Füße hoch oder
verfolge leidenschaftlich die Spiele unserer beider
Lieblingsmannschaft Dynamo Dresden.
Herr Friedrichs, wir wünschen Ihnen und dem
advita Haus einen guten Start in Radeberg und
sind gespannt, wie sich das Haus weiterentwickelt.
Zschopau
Die Bauarbeiten am advita Haus Zschopau (über einen originelleren und treffenderen Namen denken wir
noch nach, Vorschläge sind willkommen) kommen in die entscheidende Phase. Die ehemalige Turnhalle mit
ihren 20 Wohnungen ist bereits fertiggestellt.
Gotha
Das ehemalige Postamt Gotha, das weiterhin eine Filiale der Postbank beherbergt, wird zum advita Haus
Ekhofplatz. Die Immobilie haben wir bereits gekauft und auch der Bauantrag wurde noch Ende des letzten
Jahres eingereicht. Das bestehende Gebäude wird mit einem Neubau für Service-Wohnungen ergänzt, der
die Lücke zum benachbarten Theater schließt. Neben den Service-Wohnungen sind zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz und eine Wohngemeinschaft für Intensivpflege eingeplant. Wir rechnen mit Fertigstellung und Einzug Mitte 2017.
Altenberg
So wird einmal das advita Haus Altenberg aussehen. Das Grundstück in zentraler Lage der Berg- und
Wintersportstadt Altenberg im Erzgebirge ist bereits erworben, der Bauantrag wurde ebenfalls noch Ende
2015 eingereicht. Auch hier rechnen wir mit der Fertigstellung im Sommer 2017.
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Presse
qualitätsmanagement
Qualitätsprüfungen
Endlich mal wieder eine Qualitätsprüfung! Nach
mehr als 3 Wochen Ruhe, ungewöhnlich für den
Jahresbeginn, führte der Medizinische Dienst der
Krankenversicherung am 09.02.2016 im ambulanten
Pflegedienst Berlin-Treptow eine Qualitätsprüfung
durch. Geprüft wurden neben der Strukturqualität
die Ergebnisqualität bei fünf Pflegebedürftigen,
darunter auch zwei Patienten aus der ambulanten
Intensivpflege. Hierbei sichteten die Prüfer sowohl
soDoku Akten als auch Mappen nach dem »alten«
AEDL Modell. In keinem der Qualitätsbereiche
wurde eine Empfehlung seitens der Gutachter
ausgesprochen. Der ambulante Pflegedienst erhält
somit eine glatte 1,0 im Transparenzbericht.
Revisionen der (Pflege-) Dokumente –
Sachgerechter Umgang mit Medikamenten
Im Rahmen von internen Audits oder auch externen
Qualitätsprüfungen zeigen sich hinsichtlich der
sachgerechten Dokumentation der Medikamente
des Öfteren Lücken auf dem sog. Medikamentenblatt. Grundsätzlich müssen folgende Informationen auf diesem nachvollziehbar dokumentiert sein:
>Name des Patienten
>Datum der Verordnung bzw. Absetzdatum
>vollständiger Name des Medikamentes/Wirkstoff
>Dosierung und Häufigkeit der Gabe
>tageszeitliche Zuordnung der Gabe
>Applikationsform
>sowie bei Bedarfsmedikamenten die Einzel und Höchstdosis und die Indikation
Die Unterschrift des Arztes auf dem Medikamentenblatt ist nicht zwingend erforderlich, solange Sie
anhand einer Verordnung oder einer Telefon- oder
Visitennotiz die Anordnung nachweislich belegen
können. Bei telefonischer Anordnung durch den
Arzt an eine Pflegefachkraft nutzen Sie die Abkürzung VUG (vorgelesen und genehmigt).
Dokument
Revision/ Datum
MedikamentenblattRev.0/01.03.2016
Fischer, Peter: Eine zweifelhafte Subkultur. In: CAREkonkret, 26.02.2016, Ausgabe 9, S. 11
Bei advita gibt es verschiedene Möglichkeiten, die
notwendigen Informationen zur Medikamentengabe
vorzuhalten. Sie können entweder direkt den
Medikamentenplan des behandelnden Arztes
nutzen und diesen ggf. mit Handzeichen sinnvoll
ergänzen (z.B. die Wirkstoffe) oder Sie übertragen
die Angaben in den in Medifox hinterlegten Medikamentenplan und drucken diesen aus.
Die dritte Möglichkeit ist das per Hand ausgefüllte
Medikamentenblatt. Dieses haben wir für Sie neu
erstellt. Auf der Vorderseite notieren Sie die Dauerbzw. Festmedikation und die Rückseite nutzen
Sie für die Bedarfsmedikamente, egal in welcher
Form z.B. Tabletten oder Salben. Bedenken Sie, dass
es beim Übertragen der Medikamentenpläne zu
Fehlern kommen kann.
Marie-Luise Mangelsdorf,
Leiterin advita Qualitätsmanagement
Quelle
QM\3. Dienstleistungserbringung\
4. Pflegedokumentation (Nummer 36)
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Jubilare
Fasching
Jubilare 1. Quartal 2016
Auch im ersten Quartal 2016 beglückwünschen
wir wieder eine ganze Reihe von Mitarbeitern, die
schon viele Jahre bei advita tätig sind. Allen voran
Frau Schoppe, die auf 20 Jahre bei advita zurückblicken kann. Ihr ebenso wie den vielen, die jetzt ihr
10jähriges oder 5jähriges Jubiläum begehen, spre-
chen wir unseren Dank für die geleistete Arbeit und
die Treue zu Kollegen und Unternehmen aus, und
wünschen Ihnen allen noch viele erfolgreiche Jahre
bei advita.
Dr. Matthias Faensen, Geschäftsführer
Helau und Alaaf!
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Pfannkuchen und Bowle
im advita Haus Rundling Wahren, Leipzig
»Da gännsche bleede wärn«
Polonaise im Betreuten Wohnen im advita Haus
Am Speicher, Großenhain
20
Karin Schoppe, Niederlassungsleiterin, Großenhain
10
Tamara Simon, Kreischa, Pflegefachkraft Jana Witt, Pflegefachkraft, stellv. Pflegedienstleiterin, Borna
Kerstin Franzky, Pflegefachkraft, Dresden · Petra Hübner, Pflegefachkraft, Dresden
Petra Göhrig, Pflegekraft, Dresden
Ilka Heinz, Pflegefachkraft, Pflegedienstleiterin, Freital · Bettina Lachmann, Pflegefachkraft, Freital
Doreen Jüttner, Pflegefachkraft, Freital · Petra Schubert, Pflegefachkraft, Freital
Kerstin Buckan, Niederlassungsleiterin, Freital · Ute Tack, Pflegefachkraft, Kreischa
Ines Hänsel, Pflegekraft, Freital
5
Zdenka Wolff, Finanzbuchhalterin, Zentrale
Monika Wellenbrock, Lohn- und Gehaltsbuchhalterin, Zentrale
Henry Thormeyer, Pflegekraft, Dresden · Clemens Kausch, Pflegekraft, Dresden
Jean Reimann, Pflegefachkraft, Leipzig
Martina Schreiter, Pflegefachkraft, Leipzig · Christina Dietrich, Pflegekraft, Leipzig
Heidi Träger, Pflegekraft, Leipzig · Roy Klausnitzer, Pflegefachkraft, Leipzig
Lorina Eiselt, Pflegefachkraft, Zwickau · Katja Gründl, Pflegefachkraft, Chemitz
Simone Klemm, Pflegekraft, Chemitz · Kathrin Boragk, Pflegefachkraft, Freital
Beata Kovacs, Pflegekraft, Freital · Ines Hanke, Pflegekraft, Freital
Ingrid Schellenberg, Pflegekraft, Zschopau
Katja Schreiter, Kaufmännische Mitarbeiterin, Zschopau
Martin Rose, Pflegefachkraft, Jena · Aileen Streibart, Pflegefachkraft, Jena
Justine Laure Nowak, Pflegekraft, Jena · Gabriele Hannewald, Pflegefachkraft, Kreischa
Kathrin Müller, Pflegefachkraft, Kreischa · Katja Lenz, Pflegekraft, Suhl
Dorit Birke, Niederlassungsleiterin, Weinböhla
Wilde Vögel, Pippi Langstrumpf und ein Frosch
im advita Schloß Gröba, Riesa
Närrisches Treiben
in der Tagespflege
im advita Haus Am
Speicher, Großenhain
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Intensivpflege
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Wachkoma Teil 2
Im ersten Artikel hatte ich mich mit dem Thema
Wachkoma, der Definition aus verschieden Sichtweisen und der Einteilung der Wachkomaphasen
beschäftigt. Die Versorgung von Wachkomapatienten ist für uns Pflegende eine große Herausforderung. Folgend möchte ich euch Konzepte mit
Handlungsanleitung vorstellen. Als erstes möchte
ich mich der »Basalen« Stimulation widmen. Basale Stimulation
1. Begriff Basale Stimulation
Das Konzept der Basalen Stimulation bietet eine
Strukturierung für unsere Patienten innerhalb ihrer
Lebenswelt. Solange ein Mensch im Körper anwesend ist, nimmt er wahr!
Grundsätzlich knüpfen wir mit der Basalen Stimulation an den vorhandenen Erfahrungshintergrund an,
der zusätzlich angesprochen wird und anhand der
Fähigkeiten auch Ansätze zur Kommunikation
geben kann. Es gilt auch in der Basalen Stimulation zu testen,
welche Arten der Anwendung für unseren Patienten
bedeutsam sind.
2. Interaktion
Voraussetzung für Pflegende und Therapeuten zur
Interaktion ist die Bereitschaft, unseren Patienten
innerhalb der veränderten Situation kennenzulernen
und die Möglichkeiten der veränderten Interaktion
zu nutzen.
Die Interaktion erfordert Flexibilität und Handlungsmöglichkeiten um auf Äußerungen des Patienten zu
reagieren, auf sie einzugehen und die Aktivität der
Kommunikation gestalten zu können. Grundsätzlich
werden unseren Patienten Angebote unterbreitet
und der Patient bestimmt die Pflege mit. Zum Beispiel:
Beim Waschen der Finger zeigt der Patient sichtbare Reaktionen auf die Berührung der Hände,
möglich als Folge eines Schmerzreizes in den
Fingern. Daraufhin wird kurz inne gehalten um dem
Patienten zu vermitteln, dass wir das wahrgenommen haben und seine Botschaft verstanden haben. Unsere Reaktion darauf ist es, die Finger mit
sanftem Druck abtupfen, damit das Waschen reizund schmerzfreier wird. Diese Vorgehensweise vermittelt unseren Patienten
den Eindruck, respektiert und interessiert beachtet
zu werden. Dadurch wird Vertrauen aufgebaut und
der Patient erfährt seine eigene Selbstbestimmung.
Die Angebote orientieren sich an der Biografie, sie
sind verständlich und haben eine Bedeutung für den
Patienten, laden ihn ein mitzumachen und aktiv zu
werden. Ziel ist es, die eigene physische und psychische
Identität wahrzunehmen und zu aktualisieren, die
Umwelt zu erleben und verändern zu können,
Sinneszusammenhänge begreifen zu können und
letztendlich das Leben verantwortungsvoll gestalten
und bestimmen zu können.
3. Körpererfahrung
Die Körpererfahrung beinhaltet die Kommunikation
über und mit dem Körper des Patienten. Der eigene
Körper ist das Körper-Ich, was unteilbar von der
eigenen Identität erlebt wird. Der Weg der Körpererfahrung ist besonders für die Patienten geeignet,
welche vor allem über ihren Körper kommunizieren.
Erschwerende Faktoren, die das Spüren des eigenen
Körpers stören, sind lange Liegezeiten, die gleiche
Position im Bett sowie die Grunderkrankung selbst. Ein langes ruhiges Liegen im Bett führt zu Wahrnehmungsstörungen des eigenen Körpers.
Ziel der Körpererfahrung ist eine intensive, deutliche Erfahrung des Körpers, die unterstützend wirkt,
um die eigene, bisher verschwommene Identität des
Körpers wahrzunehmen.
Angenehme Körpererfahrungen sind beispielsweise
das Tragen von Kleidung, eindeutige großflächige
Berührungen, Waschen und Eincremen, aber auch Körperkontakt wie Anlehnen und Umarmen.
Berührungen haben in der basalen Stimulation einen
großen Stellenwert. Es ist darauf zu achten, dass sie
großflächig und eindeutig erfolgen. Flüchtige
Berührungen, welche gut gemeint sind, können als
Reaktion Angst, Abwehr und Rückzug bei dem
Patienten auslösen.
Die Hand sollte sich dabei mit geschlossenen
Fingern der jeweiligen Körperregion anpassen und
ggf. dort verweilen. So kann der Patient die Berührung erfassen und nachspüren, wie sich der eigene
Körper dabei anfühlt bzw. verändert.
Beide Bilder zeigen einen Wachkoma
Patienten in Suhl, sitzend und auf einem
Stehbrett. Durch die Veränderung der
Lage/Position ist auch die Aufmerksamkeit und Reaktion des Patienten auf sein
Umfeld verändert. Aus Erfahrung
können wir sagen, dass sich die Vigilanz
(Wachheit) des Patienten mit jedem
Schritt der Vertikalisierung steigert.
Die Initialberührung – also die Kontaktaufnahme
zum Patienten sollte eindeutig und vertrauenswürdig sein. Sie sollte ritualisiert und strukturiert sein:
> Um den Kontakt vorzubereiten, wird der Patient
mit seinem Namen angesprochen.
> Hat der Patient einen intakten Sehsinn, sollte sich
die Pflegekraft in Reichweite seines Gesichts feldes positionieren. > Als Nächstes erfolgt eine eindeutige, behutsame
und absichtsvolle Berührung.
>Erst dann beginnt nach weiteren notwendigen Informationen die Aktivität am Patienten.
> Die Verabschiedung nach Abschluss der Aktivität erfolgt in gleicher Art und Weise wie die
Begrüßung. 4. Durchführung einer beruhigenden Waschung
Beide Hände der Pflegeperson passen sich der
Körperform des Patienten an und streichen dessen
Konturen in Haarwuchsrichtung nach. Geeignete
Materialien hierbei sind Waschhandschuhe, Socken
und ein nasses Handtuch, welches an beiden Enden
gefasst wird.
Die Wassertemperatur ist abhängig vom Temperaturempfinden des Patienten sowie von der Umgebungstemperatur. Sie sollte entspannend warm sein.
Es sollte sowohl für den Patienten als auch für die
Pflegeperson eine entspannte Atmosphäre ohne
Zeitdruck gegeben sein. Die Waschrichtung folgt
der Haarwuchsrichtung und kann jeweils mehrfach
wiederholt werden.
Je nach Reaktion des Patienten erfolgt die Anpassung der Reihenfolge des Waschens, der Berührungsdruck und die gesamte Vor- und Nachbereitung.
5. Diametrale, Spastik lösende Waschung
Langes, unbewegliches Liegen im Bett, fehlende
sensorische Informationen und Reibung der Kleidung auf der Haut, verringert das Spüren des
eigenen Körpers. Die diametrale (gegenläufige)
Waschung beruht auf dem Prinzip der deutlichen
Körpererfahrung. Es wird gegen das Muster der
Spastik gewaschen, d.h., die Waschrichtung erfolgt
entgegengesetzt der Beuge- (Flexoren) und Streckmuskulatur (Extensoren).
Die Berührungsqualität sollte hier großflächig und
eindeutig sein, sollte mehrfach wiederholt werden,
sodass sich ein beruhigender Rhythmus, parallel zur
Atmung entwickeln kann.
Vermieden werden sollten punktuelle Berührungen,
wie direktes Greifen in die Ellen- und Kniebeuge,
Hand- oder Fußflächen, da diese eine Spastik
auslösen können.
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Intensivpflege
Vorgehen bei Beugespastik
> Mit beiden Händen an der Schulter mit kreisen den Bewegungen beginnen, um die Schulter zu
lockern und die Beweglichkeit zu fördern.
> Den gesamten Arm mit beiden Händen nach modellieren. Waschhand setzt an Schulter an, die
andere am Handgelenk.
> Beide Hände bewegen sich gleichzeitig.
> Die Waschhand bewegt sich in Richtung Hand gelenk über Arminnenseite (Flexoren).
> Die andere Hand bewegt sich in Richtung Schul ter über Armaußenseite (Extensoren)
> Der Berührungsdruck der Waschhand verstärkt
sich am Unterarm.
> Der Berührungsdruck der anderen Hand verstärkt
sich am Oberarm.
Vorgehen bei Streckspastik
> Ansetzen der Hände umgekehrt
> an Flexoren nach oben waschen
> an Extensoren nach unten waschen
Die Beine werden ähnlich wie die Arme gewaschen,
wobei die Hüfte der Ansatzpunkt ist. Hände und
Füße werden aufgrund der hohen Sensibilität
separat gewaschen. Das Waschen ist auch im Sitzen
an der Bettkante möglich. Dabei sitzt eine zweite
Pflegeperson hinter dem Patienten und gibt dem
Rumpf Stabilität und Sicherheit. Auf diese Weise
sind eine erleichterte Gesichts- und Mundpflege
sowie Hand- und Fußbäder möglich. Der Startpunkt der Grundpflege ist individuell, es sollte aber
beachtet werden, dass wir immer damit begonnen
wird, zuerst die Hände anzufeuchten, um dem
Patienten das Signal zu geben, dass wir mit der
Grundpflege beginnen. Die Grundpflege wird somit
zu einem kommunikativen Prozess. 6. Körperschwerkraft erfahren
Die eigene Körperschwerkraft zu spüren, erfahren
unsere Patienten selten. Aus diesem Grund versuchen wir, ihnen das Gefühl der Schwere des eigenen
Körpers zu vermitteln
> Die oberen oder unteren Extremitäten werden in
Handtücher eingewickelt.
>Nachfolgend werden die Arme angehoben und wieder auf das Bett gelegt.
> Das Handtuch gibt den Druck der Extremität wieder.
> So wird ermöglicht, dass die Körperschwerkraft
erlebt werden kann
Demenz
7. Über Gleichgewichtsinn kommunizieren
Manche unserer Patienten neigen dazu, stereotype,
diffuse Kopfbewegungen durchzuführen. Hin- und
Herdrehen des Kopfes auf der Unterlage. Dies kann
ein mögliches Zeichen von Langeweile und erhöhter
Sensibilität sein. Unser Angebot: die Hin- und Herbewegung des
Kopfes:
> Der Pflegende steht seitlich oder hinter dem Bett
oder dem Rollstuhl des Patienten.
> Der Kopf des Patienten wird in beide Hände
genommen (darauf achten, dass die Finger
ineinander greifen und keine Lücken entstehen, da sonst der Patient das Gefühl bekommt, dass der Kopf aus der Hand fällt).
>Zu Beginn in kleinen Bewegungen nach links und
rechts drehen.
> Hierbei auf die Atmung des Patienten achten,
sodass ein atemsynchrones Hin- und Herwiegen
des Kopfes entsteht.
Ziel ist es, unruhige Patienten zu beruhigen, Interesse wecken, Vertrauen aufzubauen, die eigene
Entwicklung anregen. 8. Umwelt des Patienten
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten die Umwelt
des Patienten zu gestalten. Die Umweltgestaltung in
der Basalen Stimulation bezieht sich auf die eigene
Wohnung bzw. das Zimmer in der Wohngemeinschaft. Aus diesem Grund, sollte alles vom Bett aus
erkennbar sein. Daher stehen wir in beratender
Funktion den Angehörigen bei der Zimmergestaltung zur Seite. Wir achten darauf, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendigen und günstigen Umgebungsreizen herrscht. Die Reize in der
Umfeldgestaltung sollten auch nicht zur Gewöhnung führen, um die Anregung des Patienten nicht
zu vernachlässigen. Bei der Raumgestaltung sollte
grundsätzlich die Frage beantwortet werden »Was
nützt dem Patienten?«.
Generell ist es wünschenswert, wenn auch Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden. Diese sind
zum Beispiel durch einen Vorhang zu realisieren.
Es ist auch auf die Position des Bettes achten. Der
Patient sollte Personen, die den Raum betreten, vom
Bett aus sehen können. André Kaps,
Fachbereich Intensivpflege
Menschen mit Demenz
auf Augenhöhe begegnen
Ich heiße Gabriela Prömmel und arbeite seit fünf
Jahren bei advita. Meine ersten Erfahrungen mit
Menschen mit Demenz machte ich vor 13 Jahren.
Ich engagierte mich ehrenamtlich und betreute
Menschen mit Demenz in deren Zuhause. Ich war
von deren Welt beeindruckt und immer wieder
fasziniert. Diese Menschen weckten meine Neugier.
Ich erkannte, dass es bei Menschen mit Demenz viel
zu entdecken gibt. Die Sehnsucht nach Nähe und
Distanz, der Drang nach Bewegung und nach
Rückzug, Verzweiflung und Gefühlslosigkeit,
Unruhe und Hochspannung …
Aus dem Ehrenamt wurde mehr. Anfänglich betreute, pflegte und begleitete ich demente Menschen in
einer Wohngemeinschaft. Ich bekam von advita die
Möglichkeit, mich auf dem Gebiet Demenz weiterzubilden. Mittlerweile sieht mein Aufgabengebiet
anders aus. Jetzt bin ich Leiterin der sozialen
Betreuung im Haus Klangwerk in Leipzig, schule für
die advita Akademie und bin als Demenzbeauftragte
für die Niederlassung Leipzig tätig.
Eine Episode während meiner Tätigkeit in der
Demenz Wohngemeinschaft
In der Wohngemeinschaft gab es eine Dame, die
mich in ihrer Art sehr faszinierte. Frau F. war trotz
fortgeschrittener Demenz sehr lebendig. Sie war
neugierig, stand gern im Mittelpunkt, summte die
Melodie, wenn wir sangen und wenn wir erzählten,
erzählte sie mit, auf ihre eigene Art und Weise,
denn für uns verständliche Worte fand sie keine
mehr. Frau F. räumte gern Dinge hin und her, war
immer in Bewegung. Selbst dann, als sie nicht mehr
allein laufen konnte, signalisierte sie uns ihren
Drang nach Bewegung durch Laute, Schnalzen mit
der Zunge und Bewegung ihres Oberkörpers. Durch
Frau F. verstand ich es, was es heißt, nonverbal zu
kommunizieren. Gefühle ließen sich sehr gut in
ihrem Gesicht ablesen. Wenn sie mit einer Handlung einverstanden war, unterstrich sie ein leises
»Ja« mit einem sanften Nicken des Kopfes. Gab sie
keine Erlaubnis, schüttelte sie nur sanft, fast unsichtbar, ihren Kopf.
Frau F. wollte laufen. Sie saß in ihrem Sessel und
signalisierte ihren Wunsch nach Bewegung. Ich ging
zu ihr und kniete mich vor sie. Unsere Blicke trafen
sich. So konnte ich sehen, dass sie mich wahrnahm.
Auf meine Frage: »Frau F. möchten sie laufen?«, sah
sie mich mit großen Augen an. Schließlich »brummelte« sie etwas. Es war kein eindeutiges Signal. Ich
fragte erneut: »Laufen?«. Daraufhin reagierte sie
mit einem ganz tiefem und entschlossenem »Ja«
und unterstrich ihre Antwort mit einem leichten
Nicken. Ich stand langsam auf und half ihr behutsam
in den Stand. Sie hielt meine Hand und wir liefen
langsam durch die WG. Frau F. bestimmte das
Tempo, den Weg, wann wir stehen bleiben und
wann wir weiter gingen. Schließlich blieben wir an
einem Bild, welches im Flur hing, stehen und
schauten es uns an. Frau F. brummelte unverständliche Worte und schnalzte ihre Zunge. Etwas schien
sie sehr zu beschäftigen. Das Bild, welches wir uns
anschauten, war eine Collage mit Fotos von den
Bewohnern der Wohngemeinschaft. Ich verstand
ihr »Brummeln« so, als wollte sie erzählen, wer auf
den Bildern zu sehen war. Also formte ich ihre
Äußerungen in Worte um. Wieder schaute sie mich
mit großen Augen an und sagte. «Ja, ja!«. Wir
standen eine Weile, erzählten und schauten.
Eine Kollegin kam vorbei und sprach mich an, ich
drehte mich zu ihr um und wir sprachen kurz
miteinander. Während diesem kurzen Moment
wollte Frau F. weitergehen. Ich hielt sie davon ab,
denn schließlich war die Unterhaltung mit der
Kollegin noch nicht beendet.
Als ich mich Frau F. wieder zuwandte, schaute sie
mich an, hob ihren linken Arm und gab mir eine
Ohrfeige. Die saß! Sie war total aufgelöst. Ihre
Stimme wurde lauter und sie lief auf der Stelle.
Ich war total erschrocken. Mir schossen tausend
Gedanken durch den Kopf. Ich war so erschrocken,
entsetzt, verletzt und auch enttäuscht. Eigentlich
wollte ich meinen Gefühlen eine Stimme geben,
aber im gleichen Moment waren diese Gefühle auch
wieder aufgehoben. Mir war irgendwie bewusst,
dass ich falsch gehandelt hatte.
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Demenz
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erweisen bedeutet,
deren Gefühlswelten
zu erkennen, zu achten
und zu akzeptieren.
Würde erweisen heißt
auch, die besonderen
Bewältigungsstrategien
zu erkennen und zu
berücksichtigen.
Würde hat viel mit
Ernstnehmen und
Echtheit, mit »AufGleicher-Höhe-Sein«
zu tun.
Wenn wir uns fragen,
was für uns wichtig
und richtig ist, was wir
uns wünschen, wie
möchten wir angesprochen werden, wie
möchten wir BERÜHRT
werden, bekommen
wir schnell eine
Antwort: »Was du
nicht willst, was man
dir tut, das füg auch
keinem andern zu.«
Ich entschuldigte mich bei Frau F. für mein Handeln. Meine Entschuldigung beruhigte sie. Ich
umarmte Frau F. und hielt sie eine Weile in meinen
Armen, bis sie wieder ganz zur Ruhe kam. Erst dann
konnten wir unseren »Spaziergang« fortsetzen.
Was war passiert, was hatte ich übersehen?
Frau F. fühlte sich ab einem gewissen Punkt von mir
nicht wertgeschätzt und geachtet. Zwei wichtige
Punkte hatte ich missachtet. Erstens meine uneingeschränkte Zuwendung, die ich unterbrach durch die
Unterhaltung mit der Kollegin. Zweitens meine
Aufmerksamkeit. Frau F. wollte weiterlaufen.
Obwohl sie es signalisierte und ich es auch erkannte, hinderte ich sie am Weiterlaufen und bat um
Geduld. Frau F. fühlte sich mit Sicherheit in ihrer
Würde verletzt. Ich bin ihrem Bedürfnis und
Wunsch nicht nachgegangen. Frau F. reagierte in
ihrer einzig möglichen Art, indem sie mir eine
Ohrfeige gab. Demente Menschen kennen kein
später oder dann, kennen keine Zukunft. Sie leben
in der Gegenwart. Also im JETZT.
Demente Menschen sind sehr feinfühlig. Sie spüren
sehr deutlich, ob ihnen mit Würde und Wertschätzung begegnet wird oder nicht.
Die Würde, den Menschen zu achten, zu unterstützen und immer wieder zu stärken, ist ein roter
Faden, der sich durch jede Begegnung und Begleitung mit dementiell veränderten Menschen hindurchziehen muss, der in jeder konkreten Tätigkeit
Geltung verdient.
Würde erweisen beginnt, indem wir den dementiell
veränderten Menschen Beachtung schenken, innehalten und ihm zuhören, auf Augenhöhe begegnen
und ihn als gleichwertig wahrnehmen. Würde
Was brauchen Menschen mit Demenz
Dementielle Menschen brauchen empathische
Pflege – Pflegende, die bereit sind, sich auf dieses
Krankheitsbild einzulassen. Die einfühlsam, aufmerksam, neugierig, achtsam, wertschätzend sind,
zuhören können, sich Zeit nehmen, kreativ und
reflektierend arbeiten, die ihnen ein ressourcenorientiertes, angstfreies, normales und wertfreies
Leben gestalten. Pflegende, welche die wichtigsten
psychischen Bedürfnisse von Menschen mit
Demenz (vgl. Kitwood 2008, S.121 ff. ) erfüllen,
beachten:
> Das Bedürfnis nach Trost, Zärtlichkeit und Nähe
gibt Wärme und Stärke.
> Die Bindung gibt ihnen Sicherheit im unendlichen Meer der Unsicherheiten.
> Die Identität, zu wissen, wer man ist.
> Die Beschäftigung, die Fähigkeiten nutzen um
sich selbst zu erfahren und zu bestätigen.
> Die Einbeziehung, ein Teil der Gruppe zu sein.
Die Grenzen dieser fünf Bedürfnisse gehen fließend
ineinander über. Bei der Arbeit mit den Menschen
mit Demenz ist die Haltung und Einstellung der
Pflegenden sehr wesentlich. Sie ist wichtiger als die
pflegerische Leistung selbst. Ist die Haltung und
Einstellung dem Menschen zugewandt, kann Pflege
und Begleitung gelingen. Menschen mit Demenz
fühlen sich verstanden, angenommen und aufgehoben.
Eine kleine Reise in die Gefühlswelt dementer
Menschen
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sitzen in
einem Zug, machen es sich bequem, denn Sie
werden einige Stunden unterwegs sein. Irgendwann
schlafen Sie aber ein. Sie schlafen tief und fest und
bemerken nicht, dass der Zug längst Ihren Zielbahnhof passiert und Sie eigentlich hätten aussteigen
müssen. Sie schlafen. Plötzlich wachen Sie auf. Sie
bemerken, dass etwas nicht stimmt. Draußen ist es
dunkel, neblig und regnerisch. Viele grelle Lichter
sind zu sehen und einige blenden Sie und Sie
müssen immer wieder die Augen zukneifen. Der
Zug fährt gerade einen Bahnhof an. Sie werden
nervös. Alles erscheint Ihnen fremd. Hastig packen
sie Ihre Sachen zusammen, hören nicht auf die
Ansagen im Zug, stürmen aus dem Zug. Sie werden
panisch, Sie wissen nicht, wo Sie sind und laufen
aufgeregt hin und her. Sie nehmen wie durch einen
Nebel viele Stimmen wahr und sehen viele Gesichter, aber keines bleibt klar vor Ihnen stehen. Ihr
Atem ist schnell, Ihre Bewegungen sind hastig und
kantig. Sie fragen vorbeikommende Menschen, wo
Sie sind, aber niemand kann Sie verstehen. Alle
schauen Sie an und gehen weiter, nur wenige
antworten Ihnen. Diese sprechen aber irgendwie
eine andere Sprache. Sie hören nur dumpfe, verzerrte Laute. Die Informationstafeln können Sie nicht
lesen, Ihr Blick findet keinen Halt. Die Buchstaben
fliegen vorbei. Alles wirkt düster und grau, manchmal blendet Sie ein grelles Licht ... Alles ist so fremd
... Eine Bank ... Erschöpft setzten Sie sich und ...
Können Sie sich einfühlen?
Gabriela Prömmel,
Leiterin der sozialen Betreuung im Haus Klangwerk in
Leipzig, Demenzbeauftragte
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Guten Appetit!
Freude am gesunden Essen
Deutsches Kaiserreich bis Weimarer Republik (1900–1933)
Die Geschichte der Ernährung – Teil 1
1900
1914
1920
1929
1900
In der Novemberausgabe 2015 des advita Journals
gab es zunächst einen Einblick in die grobe Entwicklung der Ernährungstrends. In dieser Ausgabe
starten wir eine kleine Zeitreise in Form einer
Trilogie. Dabei werden die letzten 116 Jahre beleuchtet und hoffentlich auch so manche Hintergründe
dargelegt. Also, anschnallen und los geht’s!
Während der Industrialisierung stieg die verarbeitende Produktion im deutschen Kaiserreich um das
sechsfache. Die Entwicklung vom Agrarstaat zum
produzierenden Land ging also sehr schnell vonstatten. Immer mehr Frauen suchten sich aufgrund
steigender Lebenshaltungskosten eine Erwerbstätigkeit. So stiegen zum Beispiel die Lebensmittelkosten
innerhalb von n um ein Drittel. Dies hatte zur Folge,
dass die klassische Rollenverteilung bald nicht mehr
möglich war. Die frische, stundenlang selbstgekochte Hausmannskost war aus finanziellen und zeitlichen Gründen kaum noch realisierbar. Es mussten
also Innovationen her, welche es ermöglichten die
Familie mit knappen Ressourcen gesund und kräftig
zu erhalten. Die Lebensmittelindustrie, welche
ebenfalls von der Konjunktur profitierte, begegnete
den veränderten Ansprüchen mit den ersten Fertigprodukten wie Erbswurst (Trockenprodukt, welches
mit Wasser aufgekocht wird, wodurch eine sämige
Erbsensuppe entsteht), Tütensuppen oder Brühwür-
feln. Die Kunst der Konservierung wurde auch in
Haushalten populär. Obst, Gemüse und Fleisch
konnten nun selber durch Einmachen haltbar
gemacht werden. Dies war zu der damaligen Zeit
ein großer Schritt in Richtung Versorgungssicherung, denn Kühlschränke wurden erst später
erfunden und der Einzug in die Haushalte verzögerte sich auch nochmal um einige Jahre.
Die wirtschaftliche Entwicklung sorgte für ein
Bevölkerungswachstum in den Städten, während in
ländlichen Regionen immer weniger Arbeitskräfte
zur Verfügung standen. Um die Versorgung sicherzustellen, war ein Ausbau der Infrastruktur notwendig. So kam es, dass die Eisenbahn zum wichtigen
Bestandteil der Versorgung wurde und die Grenzen
der Regionalität sich ausweiteten.
Mit Beginn des ersten Weltkrieges im Jahr 1914,
begann eine jahrelange Unterversorgung in weiten
Bevölkerungsteilen. Die eh schon knappen Ressourcen müssen nach Notwendigkeit und Möglichkeit
verteilt werden. So kam es zu einer staatlichen
Rationierung, welche oftmals zu Lasten der weniger
Wohlhabenden ging. Bereits ein Jahr nach Kriegsbeginn kam es zu Hungerkrawallen. Der Schwarzmarkt boomte, die dort vorherrschenden hohen
Preise waren allerdings kaum erschwinglich, so dass
hier vor allem die Kriminalität florierte. Nur mit viel
Kreativität und Geschick konnte die Familie versorgt werden. Als bewährte Streckzutaten haben
sich Kohl und Steckrüben etabliert. Aber auch
Eicheln, Stroh und Wurzeln wurden eingesetzt, die
Hauptsache war das überleben. Bis 1918 sind
schätzungsweise über 700.000 Menschen kriegsbedingt an Hunger und Unterernährung gestorben.
Der Unmut der deutschen Bevölkerung gegenüber
dem Staat sowie der Monarchie, führte zur Ausrufung der Republik, auch als Weimarer Republik
bekannt. Der Anfang war schwer: Die Nachkriegszeit war überall spürbar, Krankheiten und Hunger
griffen um sich. Die noch junge Republik sah sich
von Beginn an rechten und linken Extremisten
ausgesetzt, welche diese Staatsform für unzumutbar
hielten. Hohe Reparationszahlungen verzögerten
den wirtschaftlichen Aufschwung, woraus zahlreiche gewaltsame Aufstände und Putsche resultierten. In Zeiten größter Inflation kostet ein Kilo
Kartoffeln 90 Milliarden Reichsmark, ein Ei sogar
320 Milliarden. Erst ab 1924 begannen die »Goldenen Zwanziger«, eine legendäre Zeit in der wohlhabende Menschen – insbesondere in den Städten
– in Saus und Braus leben konnten. Ob Kino,
Revuen, Tanztees oder Sportveranstaltungen, alles
was Spaß macht, wurde gelebt! Mit dem Wirtschaftsboom stieg auch die Vielfalt in der Ernäh-
rung. Endlich konnten wieder Lebensmittel importiert werden, kaum jemand musste noch Hunger
leiden. Vor allem tierische Produkte kamen wieder
vermehrt auf den Tisch und auch der Alkohol wurde
gesellschaftsfähig. Insbesondere Champagner
und Absinth gehörten zu den ultimativen PartyGetränken, welche man sich von der französischen
Bohème abgeschaut hat.
Das ausschweifende und kulturträchtige Leben
dauerte leider nur fünf Jahre an. Ende des Jahres
1929 kam der »schwarze Freitag«, der Zusammenbruch der New Yorker Börse, welcher die Weltwirtschaftskrise nach sich zog. Innerhalb von nur drei
Jahren stieg die Arbeitslosenzahl von 1,3 auf
6 Millionen an (zum Vergleich: Aktuell sind es in
Deutschland ca. 2,6 Millionen). Diese erneute
Erbitterung gegenüber der Politik zog Konsequenzen nach sich: Die rechtsextremistische Partei
NSDAP konnte mit ihren propagandistischen
Parolen viele Wähler auf ihre Seite ziehen und
übernahm im Jahr 1933 die Regierung.
In der nächsten Ausgabe des advita Journals wird
die Zeit des Nationalsozialismus sowie der Nachkriegszeit (1933–1959) behandelt. Allen Lesern einen
angenehmen März!
Ihre Juliane Wonschik, Fachbereich Ernährung
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Entwickeln Sie
sich weiter.
Für unsere neue Niederlassung
advita Haus Matthiasgärten
suchen wir zum 01.06.2016 eine
Pflegedienstleitung (m/w) in Berlin-Friedrichshain
Im Herbst 2016 eröffnen wir ein weiteres Objekt in
Berlin. Ausgestattet mit 48 Servicewohnungen,
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Tagespflege mit eigener Küche, bietet unser
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durch Ihr Auftreten und Ihre Persönlichkeit.
Sie sind ein Verkaufstalent und verstehen es Kunden
zu begeistern. Ein sensibler Umgang mit Menschen,
hohe Flexibilität, überlegtes Handeln auch in Stresssituationen und ein offenes Ohr für die Mitarbeiter
Ihres Teams sind Garant dafür, dass Sie gemeinsam
die Ihnen gesetzten Ziele erreichen.
Sie verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Alten- oder Krankenpflege sowie
eine abgeschlossene Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. Erfahrungen als Führungskraft und kaufmännische Kenntnisse sind weitere wichtige Voraussetzungen für diese Position.
Das können Sie von uns erwarten
>Positives Arbeitsklima in einem wachsenden
Unternehmen
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>einen eigenen Dienstwagen, auch für die
private Nutzung
>arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge
>unbefristeter Arbeitsvertrag
>flexibles Arbeitszeitmodell
>zahlreiche Fort- und Weiterbildungen innerhalb der Arbeitszeit in unserer eigenen advita Akademie
>entbürokratisierte Dokumentation und ein
etabliertes QM-System
>eine abwechslungsreiche, eigenverantwortliche Aufgabe mit Entwicklungspotenzial
Wenn Sie gerne mitgestalten und auch Verantwortung übernehmen möchten, dann freuen wir uns
über Ihre aussagekräftige Bewerbung.
Werden Sie Teil unseres Teams und senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen an [email protected]
Bei Fragen steht Ihnen die Personalabteilung unter 030 437273130 gerne zur Verfügung.
Wir freuen uns auf Sie.

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