FP Programmheft 2014

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FP Programmheft 2014
2014
DEUTSCHER FILMPREIS
9. MAI 2014
IM TEMPODROM BERLIN
GRUSSWORT
„I
Foto: © Christof Rieken
2
ch bin die fesche Lola, der Liebling der
Saison!“ – so sang Marlene Dietrich 1930
in Josef von Sternbergs Film DER BLAUE ENGEL
dem zweiten deutschen Tonfilm überhaupt.
Auch die LOLA des Deutschen Filmpreises,
des höchstdotierten deutschen Kulturpreises,
ist jedes Jahr aufs Neue der „Liebling der
Saison“, und ich freue mich, diese Auszeichnung
an herausragende Filmproduktionen und
hervorragende Einzelleistungen zu verleihen.
Filme aus Deutschland sind, bei aller
Vielfalt, unverwechselbar und einzigartig. Das
findet auch das Publikum: Mit 33,6 Millionen
Besuchern gab es ein deutliches ZuschauerPlus von über neun Millionen im Vergleich zum
Vorjahr – jede vierte Kinokarte wurde für einen
deutschen Film gekauft.
Die goldene LOLA ist das Symbol für das
Fest, mit dem wir den deutschen Film feiern
und hochleben lassen. Ich freue mich auf dieses
Fest, auf außerordentliche Werke, die uns
inspirieren und faszinieren – und immer wieder
tief berühren.
Allen Beteiligten, die die Verleihung des
Deutschen Filmpreises in organisatorischer
Hinsicht erst möglich machen, danke ich sehr.
Mein besonderer Dank geht an die Deutsche
Filmakademie und an ihre Präsidentin Iris
Berben. Ich wünsche allen Gästen, Nominierten
und / Preisträgern eine unterhaltsame,
spannende Preisverleihung: Lassen wir uns
von der „feschen LOLA“ umgarnen und in den
Bann ziehen!
—
PROF. MONIKA GRÜTTERS MdB
Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin
GRUSSWORT DER PRÄSIDENTIN
A
ls wir uns im Sommer 2005 in der Berliner
Philharmonie trafen, um zum ersten Mal
den Deutschen Filmpreis zu feiern, dessen
Preisträger von uns selbst gewählt worden
waren, herrschte eine angenehme, entspannte
und durchaus auch euphorische Partystimmung. Es gab viel Grund zur Freude: Das herrliche Wetter, die großartige und für den Anlass
außergewöhnliche Location (übrigens eine Idee
von Michael Ballhaus, der natürlich weiß, wie
Orte wirken) – und nicht zuletzt die Tatsache,
dass die Deutsche Filmakademie nicht einmal
zwei Jahre nach ihrer Gründung in der Lage und
der Verfassung war, eine solche Veranstaltung
inklusive des aufwändigen Wahlverfahrens
aus eigener Kraft zu stemmen. Ein Verdienst
der Gründungsspitze mit Senta Berger, Günter
Rohrbach, Stefan Arndt und Christiane Teichgräber. Und der ersten Künstlerischen Leiter
Nico Hofmann und Thomas Peter Friedl.
In erster Linie aber war der Abend eine Party
für den deutschen Film, für sein neues Selbstbewusstsein, verbunden mit der neu gewonnenen
Fähigkeit zum konstruktiven und selbstkritischen
Diskurs. Der hoch geschätzte und viel zu früh
verstorbene Autor Michael Althen bilanzierte den
Abend in der F.A.Z. treffend: „Der deutsche Film
hat endlich zu sich selbst gefunden.“
Heute feiern wir die mittlerweile zehnte
LOLA-Verleihung durch die Deutsche Filmakademie. Und es stimmt immer noch und immer
wieder: Der deutsche Film ist sich seiner selbst
bewusst wie schon sehr lange nicht mehr.
Das hat natürlich auch damit zu tun, dass
die öffentliche Kritik am Filmpreis und an der
Deutschen Filmakademie in diesen zehn Jahren
konstant geblieben ist, auch wenn sie inhaltlich
variieren musste. Und dabei immer wieder eine
Herausforderung bot.
Vor allem aber hat es damit zu tun, dass die
Kreativen des Kinos auf dem Weg zum Filmpreis
und über die vielfältigen, manchmal anstrengenden, aber stets inspirierenden Aktivitäten und
Aktionen der Deutschen Filmakademie ständig
neue Angebote erhielten, sich ihrer künstlerischen
und gesellschaftlichen Identität zu vergewissern.
Foto: © Mathias Bothor
Der Deutsche Filmpreis 2014 zeigt, dass der
deutsche Film sehr lebendig ist. Das darf ich auch
für die Deutsche Filmakademie gelten lassen, in
deren Auswahl sich diese Lebendigkeit nun schon —
im zehnten Jahr spiegelt.
IRIS BERBEN
Es wird ein schöner Abend.
Präsidentin der Deutschen Filmakademie
3
DER MANN IN WEISS
I
– Senta Berger über Helmut Dietl
ch erinnere mich an einige flüchtige
Begegnungen mit Helmut Dietl in den 70er
Jahren in München: Das war Münchens beste Zeit
und die Stadt war voller Paradiesvögel. Helmut
Dietl war einer der schillerndsten von ihnen.
Wir verkehrten in den selben Kreisen. Helmut
arbeitete an den Münchner Kammerspielen,
erst als Regieassistent und wenig später als
Regisseur. Wenn wir uns trafen, im Vorbeigehen
mehr oder weniger, musterten wir uns
gegenseitig ein wenig spöttisch, wie mir schien,
und das machte mich sehr neugierig auf diesen
Herrn Dietl. Es muss im Sommer 1984 gewesen
sein, als er mich anrief und mich um ein Treffen
bat, er wolle mir ein Projekt vorstellen und mir
eine Rolle darin anbieten. Helmut Dietl hatte
damals die Gewohnheit, sich weiß zu kleiden
und so kam er auch in dieses dunkle Weinlokal,
sehr schön anzusehen, sehr fremdländisch,
sehr elegant. Er gab mir zwei Drehbücher,
mehr hatten er und Patrick Süskind noch nicht
geschrieben, und es gab auch noch keinen
Titel für die sechs Fernsehfilme, die entstehen
sollten. Ein Gesellschaftsbild sollte es werden.
Es war der Beginn der Mediengesellschaft,
deren Auswirkungen und Auswüchse besonders
stark in München zu spüren waren. Es war nicht
nur Eitelkeit, die die Menschen drängte, von der
Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. as
Foto in der Zeitung, die Erwähnung des eigenen
Namens, das Ausbreiten privater, intimster
Momente in den Klatschspalten der Zeitungen
und Fernsehsendungen konnte durchaus zum
Erfolg der beruflichen Existenz, zum Schritt auf
der Karriereleiter beitragen.
Die Gesellschaft bekam Ellenbogen bei
diesem Kampf um einen Platz unter öffentlicher
Sonne. Mehr scheinen als sein. Den Porsche auf
Pump und ein Glas „Kir Royal“ in der Hand.
Ich las die beiden Bücher. Es waren die
besten Drehbücher, die ich seit langem gelesen
hatte. Aber ich zögerte. „Wie soll ich denn diese
Rolle spielen, diese ‚Mona‘? Auf Bayrisch?“,
fragte ich Helmut am Telefon. „Möglichst“, sagte
er. „Aber ich habe schon sehr lange in keiner
deutschen Filmproduktion gespielt“, warnte ich.
„Eben darum“, sagte er und „Sie werden auch
singen, ich weiß ja, dass Sie das können. Aber
Sie sind halt feig.“
Wir blieben lange beim „Sie“. Das war
eigentlich schön. Das war auch ein Spiel.
Vielleicht ein Flirt. Am Drehort flirrte es sowieso
Foto: © Jürgen Olczyk
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jeden Tag. Es war eine aufregende Atmosphäre,
anstrengend und inspirierend.
Ja, er konnte auch rücksichtslos sein, der
Herr Dietl. Seiner Produktion gegenüber, die
seine eigene war, seinen Mitarbeitern gegenüber
und vor allem rücksichtslos zu sich selbst. Daran
hat sich bis heute nichts geändert.
Die Arbeit mit ihm war für mich eine Freude.
Eine einzige Ermutigung. Ich habe viel in der
Arbeit mit ihm gelernt und für meine weitere
künstlerische Arbeit mitgenommen. Ich bin ihm
dankbar und auch für unsere vertraute, wenn
auch vorsichtige Freundschaft, die uns seit
dieser Zeit verbindet.
Natürlich hatte Helmut Dietls Zugriff auf
dieses Thema, auf „Kir Royal“, Biss und eine
Schärfe, die für die damalige Zeit ungewöhnlich
und auch verstörend war.
Helmuts Erzählweise verlangt ein genaues
Timing. Eine Leichtigkeit, die nicht immer mit
Schnelligkeit ausgedrückt werden kann, aber
oft auch damit zu tun hat. Die Tendenz vieler
Schauspieler damals war, ein zu langsames Timing
zu haben. Ein falscher Atmer vor der Pointe, eine
kleine, aber bedeutungsvolle Pause, sozusagen
eine Ankündigung der Pointe, zerstört sie.
Das schmerzt nicht nur den Regisseur Helmut
Dietl, sondern auch den Autor Dietl. Sprache ist
ganz wichtig für ihn. Texte, Dialoge sollen so
gesprochen werden, wie er sie beim Schreiben
gehört hat. Er kann aber auch schreiben!
Für mich ganz in der Tradition eines Ödon
von Horvath, dessen Schattierungen der Sprache,
das bewußte Einsetzen verschiedener Dialekte,
die Herkunft, Schicksal, ja eben die Biographien
seiner Figuren erkennen läßt.
Helmut Dietl verlangt von den Schauspielern
Genauigkeit und ist dankbar, wenn er sie bekommt
und ungeduldig wenn nicht.
Man sagt oft, Helmut Dietl sei ein
„Schauspielerregisseur“. Das stimmt sicher,
sicher auch. Mir käme diese Beschreibung wie
eine unnötige Reduzierung vor. Sein Stil, wenn
es so etwas überhaupt gibt und nicht nur eine
Erfindung der Kritiker ist, die aus dem Zeitgeist
ihrer Generation „Stil“ jeweils neu formulieren,
ist durch Schärfe und Eleganz geprägt. Wer sich
die Eröffnungssequenz von „Rossini“ ansieht,
weiß, was damit gemeint ist. Und wer Helmuts
Filme kennt, sieht auch, dass er meisterlich die
unterschiedlichsten Geschichten erzählt, die sich
in Stil-Schubladen nur schwierig einordnen lassen.
In seinen Sittengemälden ist zwar immer
Ironie zu spüren, auch eine gewisse Süffisanz,
immer aber auch seine Liebe zu den Figuren,
die er erfindet, eine Zärtlichkeit, Mitleid für die
Menschen, die er beschreibt. Es sind die Menschen,
um die es Helmut Dietl geht.
In dem Maße, in dem sich die Zeit und
ihre Gesellschaft verändert hat, haben sich
auch die Filme von Helmut Dietl verändert. Er
ist ein Beobachter, ein Chronist. Seine Bilder
werden schärfer, die Figuren bekommen dunkle
Konturen.
Ob Helmut Dietl deshalb ein Satiriker
genannt werden kann, weiß ich nicht. Für mich
ist er ein Moralist. Skepsis und eine gewisse
Schwermut mögen zu den Grundzügen seines
Charakters gehören. Im Komischen sieht er
das Tragische und im Tragischen entdeckt er
das Komische. Das macht alle seine Komödien,
seine Filme aus. Das ist eine große Kunst. Seine
große Kunst.
Helmut Dietl ist ein unvergleichlicher
Regisseur und Geschichtenerzähler.
Helmut Dietl gibt uns heute die Ehre.
Wir wollen ihn feiern.
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ARENA DES DEUTSCHEN FILMS
Ein Produzent und ein Regisseur sind verantwortlich für die künstlerische Gestaltung beim
Deutschen Filmpreis 2014. Eine Konstellation,
die uns bekannt vorkommt.
Sven Burgemeister: Wir beide haben viele
Verleihungen angesehen und bringen unterschiedliche Erfahrungen ein: Fiktionale Filmund Fernsehproduktionen unterschiedlichster
Genres. Tobi hat konkrete Show-Erfahrung.
Tobi als Regisseur, ich als Produzent – das
macht hoffentlich Sinn. Letztlich spielen die
beiden Berufsbilder aber keine große Rolle
in der inhaltlichen Arbeit, die natürlich als
enges Teamwork funktioniert. Darüber hinaus
hat jeder so seine Kontakte und Ideen. Das
versuchen wir zu kombinieren – aber ohne die
leidenschaftliche, inhaltliche Unterstützung
der Geschäftsführung und den Rückhalt des
Vorstandes der Deutschen Filmakademie ist das
alles nicht der Rede wert.
Foto: © Florian Liedel
Tobi Baumann: Wir sind seit unserer gemeinin Gespräch mit den künstlerischen Leitern des Deutschen Filmpreises 2014, Sven Burge- samen Arbeit an dem Film VOLLIDIOT
meister und Tobi Baumann, über den Ort, den Moderator und das Selbstverständnis der befreundet und viel in Kontakt. Da wir beide
den deutschen Film lieben, wollen wir nun
LOLA im zehnten Jahr der Filmakademie.
E
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auch unseren Beitrag leisten, ihn weiter nach
vorne zu bringen. Wir tun dies aber nicht als
Produzent oder Regisseur. Hier sind wir ein
kreatives Team. Und wir sind beide überzeugt
von der Idee der Deutschen Filmakademie, zu
deren Beitritt mich übrigens Sven seiner Zeit
ermuntert hat. Es geht für uns beim Deutschen
Filmpreis darum, die Leidenschaft für das
Filmemachen, die Solidarität unter den Mitgliedern und den Respekt vor allen Leistungen
sichtbar und erlebbar zu machen.
Deshalb sollen die Filme und ihre
Macher wieder ganz in den Vordergrund
dieses Abends rücken und das Medium Film
mit der entsprechenden Liebe präsentiert und
gefeiert werden.
Der Deutsche Filmpreis ist anders als
andere Preisverleihungen. Er soll eine eigene
Handschrift tragen. Ich glaube, dazu trägt auch
eine solche Konstellation bei.
Die LOLA ist umgezogen ins Tempodrom. Die
Verleihung wird dadurch ein neues Gesicht
bekommen. Gibt es auch neue Köpfe bei der
Arbeit hinter den Kulissen bzw. an und in den
Kulissen? Bühnenbildner? Autoren? Musiker?
Burgemeister: Wir sind begeistert von der
neuen Location. Wir haben sie weit im Vorfeld
der Gala schon besichtigt und Veranstaltungen
besucht, die das Tempodrom in der Zwischenzeit gefüllt haben. Das hat uns sehr motiviert
für die Aufgabe.
Das Tempodrom
ist ideal für die Idee dieser
Veranstaltung…
Das Tempodrom ist ideal und steht für die
Idee dieser Veranstaltung: eine Arena für den
deutschen Film und die Verleihung der höchsten
Auszeichnung für die Filmschaffenden. Im Jahr
2004, bevor die Filmakademie die Preisträger zu
wählen begann, hat die Verleihung dort zuletzt
stattgefunden. So feiern wir am 9. Mai auch ein
kleines Jubiläum. Es ist der zehnte Filmpreis
mit der Filmakademie.
Burgemeister: Wir als Filmakademie müssen
uns jedes Jahr aufs Neue damit konfrontieren,
dass der Deutsche Filmpreis noch eine Stärkung
in der Wahrnehmung und eine klare Positionierung benötigt – gerade im Umfeld anderer
Preisverleihungen und Galas, die jährlich stattfinden. Unsere Aufgabe ist es, im vorgegebenen,
nicht gerade üppig ausgestatteten Rahmen,
das herauszuarbeiten, was den Filmpreis so
unverwechselbar macht: Wir haben die besten
und bekanntesten Stars und die kulturellen
und kommerziellen Highlights eines gesamten
Filmjahres im Programm! Darauf sollten und
müssen wir uns konzentrieren. Es gibt aber
auch wichtige Elemente und vor allem Personen,
die geblieben sind. Allen voran das Team um
unsere Produzentin Claudia Loewe von der DFA
Produktion GmbH und die langjährige, genauso
unentbehrliche Producerin Marion Gaedicke.
Sie halten uns allen den Rücken frei.
Ich habe mir gewünscht, dass so eine
gute Teamarbeit mit allen Beteiligten in der
DFA und der Produktion möglich ist, selbstverständlich ist das aber nicht. Es sind wirklich
alle im Büro mit Seele und Freude bei der Sache
und engagiert.
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Baumann: Natürlich bedeutet der Wechsel von
der Theaterbühne des Friedrichstadt-Palastes
in das Zelt des Tempodroms eine Veränderung
des Erlebnisses für den Zuschauer im Saal wie
auch vor dem Bildschirm. Daraus ergab sich
zu unserer Freude die Chance, zusammen mit
dem Designer Dirk Behrendt eine neue Bühne
für den Filmpreis entwickeln zu dürfen. Er hat
– nach unserer Überzeugung – den gewünschten
Stil ideal getroffen. Elegant und vielseitig wollen wir den Filmpreis in diesem Bühnenbild
zentral und mitten unter den Filmschaffenden
präsentieren.
Eine weitere, sehr erfreuliche Neuerung:
Zum ersten Mal wird die Verleihung vom Filmorchester Babelsberg begleitet. Diese Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie ist
quasi überfällig und wird einen feierlichen, emotionalen und anspruchsvollen Rahmen für die
Verleihung schaffen. Das ist großes Kino. Für 38
Orchestermitglieder und den Dirigenten muss auf
der Bühne Platz geschaffen werden. Dazu müssen
die musikalischen, live gespielten Passagen arrangiert und in den Showablauf integriert werden.
Als kreativer Link zwischen uns und dem
Orchester wie auch als Partner für die musikali8
sche Gestaltung der Show sind wir deshalb sehr
glücklich, Ali N. Askin gewonnen zu haben. Er ist
…eine Show von
Mitglied der Akademie, selber Filmpreisträger,
Filmemachern
für die
ein vielseitiger Musiker.
Filmemacher…
Das Herz der Show bilden natürlich
talentierte Autoren, die mit uns den Ton und
den Unterhaltungswert der Show bestimmen.
Hier konnten wir mit Roland Slawik und Chris
Geletneky zwei der Besten ihres Fachs gewinnen. einfach immer wie eine sehr professionelle
Einzelne Texte werden auch von erwiesenen Kön- Familienveranstaltung.
Wir möchten beim Filmpreis die Brücke
nern wie Ralf Husmann und Heinrich Hadding
schlagen zwischen den intellektuellen Seiten
geschrieben.
des deutschen Films und den kommerziellen.
Ihr seid beide Mitglieder der Filmakademie. Und wir wollen eine Show von Filmemachern
Der von Euch gewünschte und gewonnene für die Filmemacher, die nebenbei auch noch
Gastgeber des Abends, Jan Josef Liefers, ist das den Zuschauer glänzend unterhält.
auch. Zufall oder ein Statement?
Burgemeister: Ja, hier sind große Stars und
Baumann: Von vornherein war unser Wunsch, großartige Könner unserer Branche vereint. Das
die Filmfamilie wieder mehr spüren zu lassen, kann nach meiner Einschätzung keine andere
dass sie eine Gemeinschaft ist. Und aus dieser Veranstaltung dieser Art im Fernsehen von sich
Gemeinschaft sollte auch unser Gastgeber sagen! Wir müssen nicht um jeden Preis Anleihen
von Personalities oder krampfhaft behaupteter
kommen.
Die Präsentation der Oscars© z. B. ver- Prominenz in diesen Abend einladen. Wir schaffen
mittelt uns immer genau diesen Solidaritätsge- das ohne Anstrengung und nur aus unserem Kreis.
danken auch durch den Host. Das Ganze wirkt Das ist die Verleihung eines Preises, der höchst
angesehen und höchst dotiert ist. Darum geht es
uns allen. Und ganz sicher nicht darum, ob wir
die interessantesten und angesagtesten Showacts
zwischen den Preislaudationes an Land ziehen
können. Diesen Wettbewerb müssen wir nicht
antreten. Das passt auch nicht wirklich zu uns.
berrolle fühlt sich Jan Josef Liefers als Filmschaffender der Akademie wohl.
Burgemeister: Wir fanden außerdem, dass es
wieder an der Zeit war, den Abend von einem
Mann alleine hosten zu lassen. Der Letzte, der
das durfte, war der wunderbare Michael Bully
Was war euer Ausschlag gebendes Argument für Herbig. Das ist schon sieben Jahre her. Jan Josef
Jan Josef Liefers und wie seht ihr seine Rolle am Liefers ist wie Bully und wenige andere, ein großer deutscher Filmstar. Er steht leidenschaftlich
Abend der Preisverleihung?
für den deutschen Film ein – im Kino wie im FernBaumann: Nachdem klar war, dass wir mit Jan sehen. Er deckt Mainstream und Arthouse gleiJosef Liefers einen Schauspieler ins Zentrum chermaßen erfolgreich ab. Er ist enorm vielseitig
dieser Show stellen, galt es, diese Rolle zu defi- und immer intensiv. Als Schauspieler, Regisseur
nieren. Diese Forderung kam auch zu Recht von und Musiker integriert Liefers mehrere künstleJan Josefs Seite. Für uns war sehr wichtig: Wir rische Strömungen in seiner Arbeit. Und in der
suchen einen Host, keinen Moderator. Der Host Akademie vereint er höchste Akzeptanz auf seine
ist ein Gastgeber und damit von vielen Pflichten Person. Jan Josef hat alle Qualitäten eines pereines Moderators entbunden. Er muss nicht regel- fekten Gastgebers für diesen Abend.
mäßig erscheinen. Er ist schlagfertig, macht sich
geschickt rar – und bleibt so immer gerne gesehen. In unserem Fall ist es ein Schauspieler, der
Wir suchen einen Host,
ein Schauspieler bleiben soll. Wir wollen keinen
Schauspieler auf der Bühne als Host engagieren
keinen Moderator.
und ihn dann dazu zwingen, einen Moderator zu
spielen. Das ergibt keinen Sinn. In dieser GastgeFoto: © Florian Liedel
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DAS VOLLE PROGRAMM
PREISGEKRÖNTES
DIE VORAUSWAHL 2014 – DAS WAHLVERFAHREN
1. Die Vorauswahl
Es gibt insgesamt drei Vorauswahlkommissionen: Eine alle Sektionen repräsentierende
Vorauswahlkommission Spielfilm, die aus 18
Personen (inklusive zwei Mitglieder des Bundestages) besteht. Eine siebenköpfige Kommission Dokumentarfilm mit drei Vertretern aus
der Sektion Dokumentarfilm, zwei Vertretern
aus anderen Sektionen, einem MdB und einem
branchenerfahrenen
Kommissionsmitglied,
das nicht aus der Filmakademie kommt, sowie
eine Kommission Kinderfilm mit acht Mitgliedern (Vertretern aus allen Sektionen und einem
MdB). Die aus allen Kommissionen vorausgewählten Filme werden ebenfalls für die Einzelleistungen berücksichtigt. Die Vorauswahlkommission Kinderfilm hat auch in diesem Jahr alle
Filme zusammen mit Kindern unterschiedlicher
Altersgruppen angeschaut.
Die Vorauswahlkommissionen können aus
den Einreichungen höchstens eine Anzahl von
Filmen auswählen, die 40 Prozent der Anmeldungen entspricht. Die Mitglieder der Spielfilmkommission haben außerdem die Möglichkeit, jeweils
einen Kandidaten für jeweils das Gewerk, das sie
in der Kommission vertreten, nachzubenennen.
Spielfilm
Für Produzenten nicht vorausgewählter
Filme enthalten die Richtlinien das Angebot
einer Dreitagesfrist, ihre Filme für die Wild Card
anzumelden. Diese Filme werden mit den vorausgewählten Filmen an die Mitglieder verschickt
– und können von diesen freiwillig und in allen
Kategorien in die Abstimmung einbezogen werden.
Wichtig ist, dass alle Kommissionen die
Filme gemeinsam im Kino anschauen. Darüber
hinaus wird jedes Kommissionsmitglied mit
DVDs der angemeldeten Filme versorgt, so dass
jedem persönlich genügend Zeit bleibt, alle Filme
angemessen zu sichten.
2. Die Nominierungen
Im nächsten Schritt wählen nun sämtliche Mitglieder der Deutschen Filmakademie in geheimer
Wahl die Nominierungen. Dabei wird in Sektionen
abgestimmt. Beispiel: Regie durch die Mitglieder
der Sektion Regie usw.
3. Wahl der Preisträger
In der dritten Stufe des Wahlverfahrens stimmt
die Gesamtheit der Mitglieder in allen und für alle
Kategorien ab.
v.l.n.r. hintere Reihe:
Gert Wilden Jr.,
Nina Grosse,
Jekaterina Oertel,
Monika Jacobs,
Tom Spieß
mittlere Reihe:
Thomas Wöbke,
Josef Sanktjohanser,
Wolfgang Schukrafft,
Ulla Kösterke,
Thomas Plenert,
Detlef Michel
vordere Reihe:
Jule Ronstedt,
Marie Gruber,
Ralf Huettner,
Gernot Gricksch,
Olivia Retzer
Foto: © Florian Liedel
11
Dokumentarfilm
v.l.n.r. hintere Reihe:
Barbara Hennings,
Jörg Bundschuh,
Annekatrin Hendel,
Ulla Brennecke
vordere Reihe:
Irene von Alberti,
Kathrin Lemme,
Angelika KrügerLeißner, Jana Marsik
Foto: © Florian Liedel
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Kinderfilm
v.l.n.r.
Michaela Hinnenthal,
Christian Steyer,
Hagen Bogdanski,
Christoph Müller,
Adriana Altaras,
Lucia Faust
nicht auf dem Foto:
Veit Helmer,
Johannes Selle
Foto: © Florian Liedel
Ehrenpreis
Der Ehrenpreis wird von einer zehnköpfigen Jury
bestimmt. Die Mitglieder der Deutschen Filmakademie haben zuvor die Möglichkeit, Vorschläge
einzureichen.
ohne Abbildung:
Iris Berben
Domink Graf
Eva Hubert
Michael Kranz
Christoph Ott
Hans Helmut Prinzler
Josef Reidinger
Helge Sasse
Ruth Toma
Joachim von Vietinghoff
Bernd Eichinger Preis
Beim Deutschen Filmpreis 2012 wurde erstmals
der BERND EICHINGER PREIS verliehen. Der
Bernd Eichinger Preis zeichnet Einzelpersonen aus, die durch künstlerische Leidenschaft,
Gemeinschaftssinn, Originalität und Durchsetzungsvermögen einen maßgeblichen Beitrag zur
Kinokultur leisten.
Eine sieben- bis neunköpfige Jury trifft ihre
Entscheidung über die Vergabe des Bernd Eichinger Preises nach gemeinsamer und vertraulicher
Erörterung. Das Ergebnis wird bis zur Verleihung
des Deutschen Filmpreises geheim gehalten und
erst am Tag der Verleihung im Rahmen der feierlichen Gala bekanntgegeben.
Jury Bernd Eichinger
Preis:
Martin Moszkowicz
Katja Eichinger
Bettina Reitz
Publikumspreis
In den Richtlinien für die Wahl zum Deutschen
Filmpreis ist ein Publikumspreis ausdrücklich
als Option vorgesehen. Im Jahr 2013 hat sich
die Deutsche Filmakademie entschlossen, einen
solchen wieder zu vergeben und über einen
Medienpartner ermitteln zu lassen. Auf ihrer
letzten Mitgliederversammlung änderte die
Filmakademie die Definition des Preises. Sie
definierte diese LOLA als Zeichen des Dankes
der Branche an die kreative Leistung des Jahres,
die die meisten Menschen bewegt hat, ins Kino
zu gehen. Darum heißt sie nun „Preis für den
besucherstärksten Film“. Er wird vom Regisseur
entgegengenommen und geht in diesem Jahr an
Bora Dagtekin für FACK JU GÖHTE.
Nina Eichinger
Moritz Bleibtreu
Oskar Roehler
Christiane Paul
Foto: © Mathias Bothor
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NOMINIERUNGEN 2014
Programmfüllende Spielfilme
DIE ANDERE HEIMAT
FACK JU GÖHTE
DAS FINSTERE TAL
FINSTERWORLD
LOVE STEAKS
ZWEI LEBEN
Christian Reitz – Edgar Reitz Filmproduktions GmbH – Regie: Edgar Reitz
Lena Schömann, Christian Becker – Rat Pack Filmproduktion GmbH, Constantin Filmproduktion
GmbH – Regie: Bora Dagtekin
Helmut Grasser, Stefan Arndt – Allegro Film, X Filme Creative Pool – Regie: Andreas Prochaska
Tobias Walker, Philipp Worm – Walker+Worm Film – Regie: Frauke Finsterwalder
Ines Schiller, Golo Schultz – Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ – Regie: Jakob Lass
Dieter Zeppenfeld, Rudi Teichmann, Axel Helgeland – Zinnober Film GmbH, B&T Film GmbH,
Helgeland Film AS – Regie: Georg Maas
Programmfüllende Dokumentarfilme
ALPHABET
BELTRACCHI – DIE KUNST DER FÄLSCHUNG
MASTER OF THE UNIVERSE
Peter Rommel, Mathias Forberg, Viktoria Salcher – Rommel Film, Prisma Film – Regie: Erwin Wagenhofer
Arne Birkenstock, Helmut G. Weber, Thomas Springer – Fruitmarket Kultur und Medien GmbH,
Tradewind Pictures GmbH – Regie: Arne Birkenstock
Marc Bauder, Markus Glaser, Wolfgang Widerhofer – bauderfilm, NGF Geyrhalterfilm
– Regie: Marc Bauder
Programmfüllende Kinderfilme
BIBI & TINA
OSTWIND
SPUTNIK
Christoph Daniel, Marc Schmidheiny, Detlev Buck, Sonja Schmitt – DCM Pictures GmbH,
Boje Buck Produktion GmbH – Regie: Detlev Buck
Ewa Karlström, Andreas Ulmke-Smeaton – SamFilm GmbH – Regie: Katja von Garnier
Marcel Lenz, Guido Schwab, Dorothe Beinemeier, Leontine Petit, Joost de Vries – ostlicht
filmproduktion GmbH, Hamster Film GmbH – Regie: Markus Dietrich
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Beste darstellerische Leistung – weibliche Nebenrolle
Bestes Drehbuch
Bora Dagtekin
Frauke Finsterwalder,
Christian Kracht
Edgar Reitz,
Gert Heidenreich
FINSTERWORLD
Jella Haase
Sandra Hüller
Katja Riemann
DIE ANDERE HEIMAT
Beste darstellerische Leistung – männliche Nebenrolle
FACK JU GÖHTE
Beste Regie
Katrin Gebbe
Andreas Prochaska
Edgar Reitz
TORE TANZT
DAS FINSTERE TAL
DIE ANDERE HEIMAT
Beste darstellerische Leistung – weibliche Hauptrolle
Carla Juri
Juliane Köhler
Jördis Triebel
16
FEUCHTGEBIETE
ZWEI LEBEN
WESTEN
Michael Maertens
Tobias Moretti
Kida Khodr Ramadan
FINSTERWORLD
DAS FINSTERE TAL
UMMAH – UNTER FREUNDEN
Beste Kamera / Bildgestaltung
Michael Bertl
Hagen Bogdanski
Daniel Gottschalk
Thomas W. Kiennast
Gernot Roll
Beste darstellerische Leistung – männliche Hauptrolle
Bester Schnitt
Sascha Alexander Geršak
Dieter Hallervorden
Hanno Koffler
Anne Fabini
Hansjörg Weißbrich
Andreas Wodraschke
5 JAHRE LEBEN
SEIN LETZTES RENNEN
FREIER FALL
FACK JU GÖHTE
FINSTERWORLD
FACK JU GÖHTE
MR. MORGAN’S LAST LOVE
DER MEDICUS
LAUF JUNGE LAUF
DAS FINSTERE TAL
DIE ANDERE HEIMAT
HOUSTON
ZWEI LEBEN
FEUCHTGEBIETE
Beste Filmmusik
Bestes Szenenbild
Claus Rudolf Amler
Toni Gerg,
Hucky Hornberger
Udo Kramer
Matthias Müsse
DAS FINSTERE TAL
DIE ANDERE HEIMAT
DER MEDICUS
LAUF JUNGE LAUF
DIE ANDERE HEIMAT
DAS FINSTERE TAL
DER MEDICUS
Bestes Maskenbild
Helene Lang,
Roman Braunhofer
Kitty Kratschke,
Juliane Hübner
Heike Merker
OSTWIND
TORE TANZT
FINSTERWORLD
DAS FINSTERE TAL
Beste Tongestaltung
Bestes Kostümbild
Esther Amuser
Natascha Curtius-Noss
Thomas Oláh
Annette Focks
Johannes Lehniger,
Peter Folk
Michaela Melián
Matthias Weber
DAS FINSTERE TAL
Michael Kranz,
Stefan Busch,
Roland Winke
Guido Zettier,
Max Thomas Meindl,
Benjamin Rosenkind
Dietmar Zuson,
Christof Ebhardt,
Tschangis Chahrokh
3096 TAGE
DER MEDICUS
DAS FINSTERE TAL
LAUF JUNGE LAUF
DER MEDICUS
17
3096 TAGE
„Können
Sie
sich
irgendwie ausweisen?“
Stille. „Mein Name ist
Natascha Kampusch.
Ich bin vor acht Jahren entführt worden.“
Es ist der 23.
August 2006, der 3096.
Tag ihrer Entführung.
Natascha Kampusch
ist als zehnjähriges
Mädchen von Wolfgang
Priklopil
in
seinen weißen Lieferwagen gezerrt und in ein Kellerverlies in einem
Wiener Vorort eingesperrt worden. Es ist leider
eine wahre Geschichte, die durch das große
Medieninteresse nach Kampuschs Befreiung den
meisten Menschen bekannt ist.
Regisseurin Sherry Hormann hat diese
Geschichte, die der vor drei Jahren verstorbene
Produzent Bernd Eichinger noch in mehreren
Drehbuchfassungen bearbeitet hatte, verfilmt.
Sie erzählt in ihrem Film 3096 TAGE von dem
Verbrechen an Natascha Kampusch, nicht im Stil
eines Thrillers, eher eines Psychodramas, in dem
18
die Beziehung zwischen Täter und Opfer im Mittelpunkt steht. Ihr Mann Michael Ballhaus hat
hier nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder
bei einem deutschen Projekt die Kamera geführt
und durfte sich der Herausforderung stellen,
einen dunklen Keller ohne Tageslichteinfall zu
kontrastieren mit dem grellen Licht der wenigen
Augenblicke, in denen Natascha Kampusch „nach
oben“ durfte. Ähnlich wie Michael Ballhaus eindringliche und unaufgeregte Bildkompositionen
geschaffen hat und dabei ganz bewusst nicht auf
Grusel setzte, vermitteln das Ton-Trio Michael
Kranz, Stefan Busch und Roland Winke (Beste
Tongestaltung) dem Zuschauer eine Ahnung der
Ängste und des Eingeschlossenseins von Kampusch. Gegensätze wie Licht und Dunkel sowie
beängstigende Stille und laute Geräusche bringen dem Zuschauer Natascha Kampuschs Lage
physisch nahe.
Als ihr Entführer den Keller verlässt, nimmt
Kampusch anhand der vielen verschiedenen
Geräusche zum ersten Mal wahr, wie sehr sie von
der Welt abgeschlossen ist. Ein Schloss fällt ein,
eine Tür wird verriegelt, eine weitere wird zugezogen, Bretter werden über ein Loch am Boden
gelegt, ein Schrank wird darüber geschoben. Sie
ist wirklich in einem Verlies. Am Anfang ist das
Zimmer leer, über ihr an der Decke hängt eine
Lampe, deren Glühbirne summt. Sie hört einen
tropfenden Wasserhahn und das Klappern eines
in die Wand eingelassenen Ventilators. Sie klopft
immer wieder mit ihren Fäusten gegen die verschlossene Tür und wartet, dass sie die Schritte
des Entführers hört, der sich dann durch einen
Schacht nach unten bewegt und knarrend ihre
Tür öffnet. Leider kommt er nicht, um sie herauszulassen, er bringt ihr eine Matratze, manchmal
etwas zu essen und zu trinken, irgendwann baut
er eine Sprechanlage ein. Priklopil will absolute
Kontrolle über das Mädchen und fordert von ihr
Gehorsam, immer wieder Gehorsam.
Als Priklopil entscheidet, mit Natascha
ein gemeinsames Schlafzimmer einzurichten,
nimmt er sie zum ersten Mal mit aus dem Haus
und fährt mit ihr in einen Baumarkt. Seit Jahren sieht Natascha wieder andere Menschen,
ist aufgeregt und gleichzeitig völlig überfordert: Sie hört Vogelgezwitscher, lautes Hundegebell, vorbeifahrende Autos, Kindergeschrei.
Im Bauhaus wird gesägt, geschliffen, sie hört
die Kassengeräusche und Marktdurchsagen,
aber findet keinen Mut und keine Gelegenheit,
jemanden anzusprechen und auf sich aufmerksam zu machen.
Sherry Hormann inszeniert die Geschichte
so, dass, trotz schrecklichster Umstände, aus
dem kleinen Mädchen eine erwachsene, selbstbewusste Frau wird, der am 3096. Tag ihrer
Gefangenschaft die Flucht gelingt.
Die Welt um sich herum hat sie, gefesselt an einen einzigen Ort, hauptsächlich
akustisch erfahren. Diese Erfahrungen macht
das Sounddesign des Films auf faszinierende
Weise nachvollziehbar.
STEFAN BUSCH
Beste Tongestaltung
MICHAEL KRANZ
Beste Tongestaltung
ROLAND WINKE
Beste Tongestaltung
Schlafes Bruder (1995),
Der Untergang (2004),
Keinohrhasen (2007),
Der Baader Meinhof
Komplex (2008)
Das Geisterhaus (1993),
Mortal Transfert (2000),
Das Parfum (2007),
Der Baader Meinhof
Komplex (2008)
Der Untergang (2004),
Sophie Scholl (2005),
Das Parfum (2006),
Der Baader Meinhof
Komplex (2008)
Foto: © Jürgen Olczyk
19
5 JAHRE LEBEN
„Fünf Jahre meines
Lebens“ nannte der
Deutschtürke Murat
Kurnaz seine 2007
erschienene
(und
zusammen mit Helmut Kuhn verfasste)
Autobiografie,
die
eine
unglaubliche
Geschichte erzählte.
Zwei Monate nach
den Anschlägen auf
US-amerikanische
Bürger und Gebäude
am 11. September 2001 wurde Kurnaz auf einer
Pilgerreise nach Pakistan verhaftet und den
US-Streitkräften in Afghanistan ausgeliefert.
Danach verbrachte Kurnaz fast fünf Jahre in
amerikanischer Gefangenschaft – hauptsächlich
im Lager Guantanamo auf Kuba. Sein Buch und
der darauf basierende Spielfilm 5 JAHRE LEBEN
von Stefan Schaller erzählen von Verdächtigungen,
Verhören, Demütigungen und Folterungen, denen
Kurnaz permanent ausgesetzt war.
Regisseur Stefan Schaller, der zusammen
mit David Finck das Drehbuch schrieb, hat sich
entschieden, die Geschichte nicht reißerisch Kinodebüt TORE TANZT den „Preis der deutoder dokumentarisch zu erzählen, sondern schen Filmkritik“.
als spannendes und aufschlussreiches Duell
zwischen dem Gefangenen Murat Kurnaz und
seinem Gegenspieler Gail Holford, dem amerikanischen Offizier, der ihn verhört.
Das lässt natürlich den Darstellern einen
ganz besonderen Spielraum im wahrsten Sinne
des Wortes. Für die Rolle des Verhörers fand
Schaller den britischen Action- und Serien-Star
Ben Folds, der seine Rolle als eiskalter Engel
anlegt. Murat Kurnaz besetzte er mit dem seit
zehn Jahren vor allem an deutschsprachigen
Theatern (hauptsächlich Schauspielhaus Zürich)
bewunderten Schauspieler Sascha Alexander
SASCHA ALEXANDER
Geršak (Beste darstellerische Leistung - männGERSAK
liche Hauptrolle). Geršak gibt dem geschundeBeste männliche
nen Kurnaz eine faszinierende charakterliche
Hauptrolle
Bandbreite, die sowohl seine Verzweiflung als
auch seine Entschlossenheit, dieses Schicksal
Im Angesicht des
zu meistern, glaubwürdig erscheinen lässt.
Verbrechens (2010, TV),
Geršak, der übrigens auch durch seine
5 Jahre Leben (2013),
Auftritte in Dominik Grafs legendärer TV-Serie
Tore tanzt (2013),
„Im Angesicht des Verbrechens“ bekannt wurde,
Das Ende der Geduld
erhielt für diesen Film ebenso wie seine Leis(2013, TV)
tung in Katrin Gebbes international beachtetem
Foto: © Nik Konietzny
20
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medienboard
Berlin-Brandenburg GmbH
DIE ANDERE HEIMAT
Es war eine Kulturrevolution, als es vor
genau dreißig Jahren
dem Münchner Filmemacher Edgar Reitz
(Beste Regie) mit einer
so noch nicht dagewesenen Fernsehserie
– die zuvor auf großen
Filmfestivals Furore
machte – gelang, einen
Begriff zu rehabilitieren, der in unserem
Lande einen scheinbar
nicht mehr gut zu machenden Schaden erlitten
hatte: „Heimat“ fühlte sich nach elf unvergesslichen Episoden, von denen jede ein Film war, in
Deutschland wieder echt an und lebensnotwendig als Ursprung persönlicher Identität. Edgar
Reitz, der schon als Mitverfasser des Oberhausener Manifests (1962) und Regisseur von Filmen
wie MAHLZEITEN (1967) und DIE STUNDE
NULL (1977) eine wesentliche Rolle im Neuen
Deutschen Film gespielt hat, definierte nun das
Kino neu – und auch ein altes Genre, den Heimatfilm. Zwei weitere Mehrteiler folgten in den
1990er Jahren und zu Beginn des Jahrtausends.
Das nunmehr vierte Werk über eine Hunsrücker
Familie und einen Hunsrücker Ort entstand als
reiner Kinofilm und erzählt von der Zeit vor den
anderen Geschichten. Ein klassisches, in Hollywood mittlerweile übliches Prequel. Ebenfalls
noch nie dagewesen im deutschen Film.
Wie schon im großen ersten Teil der „Heimat“-Trilogie arbeitete Edgar Reitz (Bestes Drehbuch) beim Projekt DIE ANDERE HEIMAT mit
einem Autor zusammen. Gert Heidenreich (Bestes
Drehbuch), Theaterautor, Lyriker, Romancier und
begnadeter Hörbuch-Interpret, bezeichnet den
Film als „poetisches Epos“, an dem er auch gerne
mitgearbeitet hat, weil er das gesprochene Wort
dem geschriebenen vorziehe. „Ich schreibe laut“,
ist sein Credo. Und so kann für das gemeinsame
Drehbuch mit Edgar Reitz durchaus gelten, was
Reitz schon für seine Zusammenarbeit mit Peter
Steinbach beim ersten Teil in Anspruch nahm:
„Wer den Film gesehen hat, wird das Drehbuch
mit den vom Film her bekannten Gesichtern, Gesten und Orten bevölkern. (...) Wer den Film nicht
kennt, wird dagegen eine Erzählung kennenlernen, die (die Zeit) mit literarischen Bildern und
Figuren durchmisst.“
Der Film, an dessen Entstehung auch der
Gründungspräsident der Deutschen Filmakademie Günter Rohrbach einen starken persönlichen
Anteil hatte (er präsentiert nun den Film im Vorspann), entstand als Produktion von Christian
Reitz, Edgar Reitz Filmproduktions GmbH (Bester Spielfilm). Christian Reitz, 1960 als Sohn von
Edgar Reitz geboren, arbeitete bereits viele Jahre
als Regisseur und Kameramann. Beispielsweise
beim zweiten und dritten Teil der „Heimat“-Trilogie seines Vaters, der ihn als Elfjährigen auch
einmal als Kinderdarsteller besetzte. Er arbeitete darüber hinaus mit Gabriela Zerhau, Steffi
CHRISTIAN REITZ
Bester Spielfilm
Heimat Fragmente
(2006),
Die andere Heimat
(2013)
Foto: © Christian Lüdeke
22
Kammermeier, Jo Baier und Bodo Fürneisen,
bevor er vor etwa zehn Jahren in die Produktionsfirma seines Vaters einstieg und mit diesem
Großprojekt sein Produzentendebüt hinlegte.
Christian Reitz wurde im Januar 2014 dafür mit
dem Bayerischen Filmpreis geehrt.
Für die unvergesslichen, eindringlichen und
poetischen Bilder dieses Schwarz-Weiß-Films
mit hinreißenden farblichen Akzenten ist wieder Gernot Roll (Beste Kamera / Bildgestaltung)
zuständig. Der gebürtige Dresdner, der seine
Ausbildung in den Fünfzigern bei der DEFA in
Babelsberg absolvierte und seit Anfang der Sech-
ziger zum Kamera-Stamm der Münchner Bavaria
gehörte, überzeugte bereits beim ersten Teil der
„Heimat“-Trilogie mit seiner starken kinematografischen Vision (die ihm übrigens 1991 für KLEINE
HAIE von Sönke Wortmann einen Deutschen Filmpreis einbrachte). Roll, der u.a. auch mit Helmut
Dietl und Bernd Eichinger bei deren Regie-Arbeiten zusammen arbeitete, hat in den letzten
Jahren immer wieder auch als Auftragsregisseur
reüssiert (MÄNNERSACHE, 2009).
DIE ANDERE HEIMAT erzählt aus der Zeit
Mitte des 19. Jahrhunderts, als mit Beginn der
industriellen Revolution die deutsche Landbe-
GERT HEIDENREICH
Bestes Drehbuch
EDGAR REITZ
Beste Regie,
Bestes Drehbuch
Die andere Heimat
(2013)
Foto: © Isolde Ohlbaum
Die Reise nach Wien
(1973),
Stunde Null (1977),
Heimat - Trilogie
(1984 - 2004, TV),
Die andere Heimat
(2013)
völkerung dramatisch verarmte und in Scharen
in die sogenannte Neue Welt auswanderte – also
nach Südamerika (namentlich Brasilien) und in
die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Film
ist eine faszinierende Zeitreise, die jenseits des
großen erzählerischen Bogens, der fantastischen
Bilder und des authentisch und berührend agierenden Darsteller-Ensembles von der spürbaren
Echtheit des Ambientes lebt. Die Filmarchitekten
Toni Gerg und Hucky Hornberger (Bestes Szenenbild) schufen an originalen Schauplätzen
im Hunsrück (der sich natürlich völlig anders
darstellt) das fiktive Dorf Schabbach in all
GERNOT ROLL
Beste Kamera
Heimat (1984-1993,TV),
Welcome in Vienna
(1985, TV),
Mit meinen heißen
Tränen (1986, TV),
Die Manns - Ein
Jahrhundertroman
(2001, TV)
Foto: © Edgar Reitz Filmproduktion
23
seiner Armut, Enge, Rustikalität und ambivalenten Schönheit. Hucky Hornberger, der an
international entstandenen und beachteten
Großprojekten wie DAS PARFÜM oder DIE DREI
MUSKETIERE mitwirkte, verlor seinen Mitstreiter Toni Gerg während der Dreharbeiten. Gerg,
der sich mit Projekten wie LUTHER (R: Eric Till)
und DIE GESCHICHTE VOM BRANDER KASPER
(R: Josef Vilsmaier) einen Namen gemacht hatte,
verstarb im April 2012 völlig unerwartet.
Auch die Kostümbildnerin Esther Amuser
(Bestes Kostümbild) kam mit auf die Reise in
die Vergangenheit einer deutschen Provinz. Für
24
ihre Kostüme wurden systematisch Stoffe und
Kleidungsstücke aus Privatbeständen in der
Gegend gesammelt, um den Look der Leute aus
ferner Zeit nicht nur sicht-, sondern auch fühlbar
zu machen.
TONI GERG †
Bestes Szenenbild
HUCKY HORNBERGER
Bestes Szenenbild
ESTHER AMUSER
Bestes Kostümbild
Luther (2003),
Die Geschichte vom
Brandner Kaspar
(2008),
Wer ist Hanna? (2011),
Die andere Heimat
(2013)
Die andere Heimat
(2013)
Vision - Aus dem Leben
der Hildegard von
Bingen (2009),
Die andere Heimat
(2013)
FACK JU GÖHTE
Ein Gespenst geht um
im deutschen Kino.
Es trägt den merkwürdigen Namen Zeki
Müller, steckt in dem
allseits und zurecht
bewunderten Körper
des
Schauspielers
Elyas M´Barek, einem
einstigen Mädchenschwarm (TÜRKISCH
FÜR ANFÄNGER), der
ein Kinostar wurde,
den nun alle Generationen und Geschlechter verehren, weil er sich
als dieses Gespenst Bewunderung und Respekt
verschafft hat, indem er den Schülern im Film
aufs Maul und in die Seele geschaut und den
Lehrern im Kinosaal die Augen und Ohren
geöffnet hat.
Christian Becker und Lena Schömann
(Bester Spielfilm) wollten mit FACK JU GÖHTE
an den Erfolg ihrer ersten Kinoproduktion mit
Regisseur und Autor Bora Dagtekin (Bestes
Drehbuch) anknüpfen. Sie hatten 2012 mit TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER gemeinsam den best26
besuchten deutschen Film des Jahres geschaffen, eine leichtfüßige Teenager-Komödie vor
exotischer Kulisse und nach einem bekannten
Fernsehformat. Aber FACK JU GÖHTE hatte
von Anfang an eine andere Anmutung als der
Vorgänger, der schließlich keiner war. FACK JU
GÖHTE schürte schon als Projekt unterschiedliche Erwartungen. Keiner erwartete ernsthaft
den definitiven künstlerischen Kommentar zur
virulenten Bildungsmisere in Deutschland.
Aber auch die Erinnerung an die erfolgreichen
Pauker-Filme der späten sechziger Jahre (DIE
LÜMMEL VON DER LETZTEN BANK – 7 Teile
zwischen 1967 und 1972) war nicht die einzige
Assoziation. Dass die Geschichte vom Bankräuber, der zum Aushilfslehrer mit pädagogischem
Naturtalent wurde, am Ende durchaus viel mit
beidem zu tun hatte, ist dem intelligenten,
unangestrengten, aber sehr präzisen Zusammenspiel zwischen Dagtekin und seinen Produzenten zu verdanken.
FACK JU GÖHTE ist ein Film, der niemals
sein Publikum aus den Augen verliert, sich
dabei aber dennoch einem Thema verpflichtet
fühlt. Er nimmt sich als Projekt bei allem Spaß
(und um diesen Spaß zu erhalten) sehr ernst.
Das hat sich vor allem in der Besetzung
niedergeschlagen. Schon die Tatsache, dass Elyas
M´Barek, dessen Besetzung nicht nur außer
Frage stand, weil Dagtekin gerne und gut mit ihm
arbeitet, sondern weil er Zeki Müller ist, diesmal mit Karoline Herfurth eine Schauspielerin
gegenüberstand, die sich in den letzten Jahren
in die erste Riege der Charakterdarstellerinnen
des deutschen Films gearbeitet hat, gibt einen
neuen Ton vor. Und dass genau diese Karoline
Herfurth dann ihre ganze Erfahrung im seriösen
Fach zusammenbringt, um eine große Komödie
hinzulegen, ist bezeichnend für den ganzen Film.
Einen Film, der sich auch noch den Spaß erlaubt,
den großen Star der erwähnten LÜMMEL-Filme,
Uschi Glas, eine gut genutzte Chance in der
hohen Kunst der Selbstironie zu geben.
Eine ganz besondere Bühne baut Bora
Dagtekin allerdings zwei Schauspielerinnen, die
sich mit ihren sogenannten Nebenrollen einen
sicheren Platz in der Hall of Fame des jüngsten
deutschen Films sichern werden.
Jella Haase (Beste darstellerische Leistung
– weibliche Nebenrolle), die durchaus Komödienerfahrung hat, aber mit Dramen wie LOLLIPOP
MONSTER (R: Ziska Riemann, 2011) oder DIE
KRIEGERIN (R: David Wnendt, 2011) auch schon
dahin gegangen ist, wo es richtig wehtut, macht
aus dem Durchschnitts-Teenie Chantal eine Ikone.
Sie schaut blöd aus der Wäsche, stellt dämliche
Fragen und verbirgt hinter ihrer viel zu auffällig
und geschmacklos geschminkten Gesichts-Fassade eine emotionale Intelligenz, die durch die
Begegnung mit einem Lehrer, der sie versteht,
auch wenn er so tut, als interessiere sie ihn nicht,
gefordert und eingesetzt wird. Jella Haase weiß
in jeder ihrer Szenen, wie man diese Wanderung
zwischen den Welten einer Figur spielt. Aber man
sieht die Anstrengung nicht.
Und Katja Riemann (Beste darstellerische
Leistung – weibliche Nebenrolle) ist wieder einmal eine Klasse für sich. Die Vollblutschauspielerin, die ihre ersten Erfolge in den Beziehungskomödien der Neunziger feierte, große Dramen mit
Margarethe von Trotta drehte, einen Deutschen
Filmpreis für die Darstellung der robusten und
erotischen Ehefrau eines weichgespülten grünen
Politikers (Herbert Knaup) in Oskar Roehlers
AGNES UND SEINE BRÜDER erhielt und in dem
Film DIE RELATIVITÄTSTHEORIE DER LIEBE
(R: Otto Alexander Jahreiss) das Kunststück fertigbrachte, Mutter und Tochter gleichzeitig und
CHRISTIAN BECKER
Bester Spielfilm
LENA SCHÖMANN
Bester Spielfilm
Bang Boom Bang
(1999),
Hui Buh, das Schlossgespenst (2006),
Die Welle (2008),
Wickie auf großer
Fahrt (2011)
Vorstadtkrokodile 1-3
(2009-2011),
Türkisch für Anfänger,
(2012),
Fack Ju Göhte (2013)
Foto: © Robert Haas
überzeugend zu spielen, gibt der Schulleiterin
Gudrun Gerster einen Charakter, in dem sich
nicht nur die komischen und ernsten Elemente
des Films wunderbar treffen, sie setzt inhaltliche,
schauspielerische Akzente, die diesen Film prägen. Wie wichtig ihr dabei der inhaltliche Aspekt
war, bekannte sie in einem Interview mit Torsten
Lorenz zum Filmstart: Gudrun Gerster „steht für
eine schöne Balance zwischen Kopf und Herz.
Sie kann sich gut gegen eine Meute von Kindern
durchsetzen, nutzt ihre Autorität aber in erster
Linie dafür, dass es den Schülern gut geht. Dafür
überschreitet sie auch mal Grenzen“.
BORA DAGTEKIN
Bestes Drehbuch
Wo ist Fred? (2006),
Doctor´s Diary (20082011, TV),
Türkisch für Anfänger
(2012),
Fack Ju Göhte (2013)
Foto: © Mathias Bothor
27
Erfunden hat all diese unvergesslichen Figuren, zu denen ja auch noch der vermeintliche
Klassendepp Danger (Max von der Groeben)
und Zekis beste Freundin Charlie (Jana Pallaske) gehören, der Autor Bora Dagtekin, der
seit TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER auch sein
eigener Regisseur (und Co-Produzent) ist. Bora
Dagtekin hat das Drehbuch-Schreiben zwar
an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert,
aber gelernt hat er es nicht zuletzt im Leben,
welches, wie er, die besten Dialoge schreibt. In
den Erfolgsserien „Doctor´s Diary“ und eben
„Türkisch für Anfänger“ konnte er das kontinuierlich praktizieren. In FACK JU GÖHTE
perfektionierte er es, wie Moritz von Uslar in
einer Sprachkritik des Films in der „Zeit“ nachweist: „Vielleicht weiß zurzeit kein zweiter
deutscher Autor neben Bora Dagtekin so genau,
wie auf deutschen Schulhöfen, in U-Bahnen
und auf Tankstellen gesprochen wird. Es ist
ein grobes, derbes, plastisches, wunderbar
falsches Deutsch, das aber auf Anhieb einleuchtet und richtig klingt: Kiezdeutsch, cooles
Deutsch, Locker-Deutsch, Asi-Deutsch, Multikulti-Deutsch, Balkan-Deutsch, kreolisches
Deutsch. Es ist, genau genommen, natürlich
noch besser: Der Autor Bora Dagtekin weiß, wie
man für einen Kinofilm ein Deutsch erfindet,
das ihm sein Publikum, die Überzwölfjährigen,
als wahrhaftig und authentisch abnimmt und
über das studierte Bildungsbürger amüsiert
staunen können.“
Foto: © Stefan Klüter
28
JELLA HAASE
Beste weibliche
Nebenrolle
KATJA RIEMANN
Beste weibliche
Nebenrolle
Kriegerin (2011),
Lollipop Monster
(2011),
Tatort - Puppenspielerin (2013, TV),
Fack ju Göhte (2013)
Bandits (1997),
Rosenstrasse (2003),
Ein fliehendes Pferd
(2007),
Das Wochenende (2012)
Foto: © Mirjam Knickriem
FEUCHTGEBIETE
Nach dem großen
Erfolg ihres ersten
Romans
„Feuchtgebiete“ wusste Charlotte
Roche
schon
sehr
genau, wem sie die
Verfilmungsrechte dieses Buches vermachen
wollte. Produzent Peter
Rommel sagte in einem
Interview: „Charlotte
Roche hat mich gefragt,
ob ich Interesse hätte,
aber ich war mir nicht
sicher, ob man aus diesem inneren Monolog einen
Film machen kann. Viele große Produzenten haben
ihr viel Geld geboten, aber sie hat mir den Stoff
im Vertrauen auf eine adäquate Verfilmung quasi
geschenkt.“ Als Rommel zugesagt hatte und mit
David Wnendt (KRIEGERIN, 2012) ein Regisseur
für kraftvolle, unkonventionelle Inszenierungen
gefunden war, musste nur noch eine überzeugende
Hauptdarstellerin gefunden werden.
Mit der im Tessin geborenen Carla Juri (Beste
darstellerische Leistung – weibliche Hauptrolle)
fiel beim Casting eine Schauspielerin auf, die
markant, rätselhaft und mit ihrem irritierend
hübschen Lockenkopf ideal zu den Vorstellungen
von der quirligen, nur nach ihren eigenen Regeln
spielenden Helen Memel passte. Die 28-jährige
verwandelte sich erstaunlich überzeugend in ein
18-jähriges Mädchen, das frech, direkt, stolz und
verletzlich zugleich sein konnte. Juri ist natürlich
mehrsprachig aufgewachsen, aber ihr leicht schwyzerdütscher Akzent verleiht ihrer Darstellung eine
kleine, reizvolle Distanz, die Helen auf angenehme
Art anders erscheinen lässt. Oft verschwimmen
Realität und Fiktion in Helens Kopf. Die Bilder sind
überzeichnet, sehr bunt, abwechselnd folgen Erin-
Foto: © Cüneyt Kaya
nerungen auf Visionen. Schnittmeister Andreas
Wodraschke (Bester Schnitt) hat dem Film großes
Tempo gegeben, ohne ihn atem- oder gar kopflos
werden zu lassen. Wodraschke hat an der KHM in
Köln studiert und dort seine Zusammenarbeit mit
Hans Weingartner begründet. Nach KRIEGERIN
hat Wodraschke nun zum zweiten Mal kongenial
einen Film für David Wnendt geschnitten.
CARLA JURI
Beste weibliche
Hauptrolle
ANDREAS
WODRASCHKE
Bester Schnitt
180° - Wenn deine Welt
plötzlich Kopf steht
(2010),
Eine wen iig, dr Dällebach Kari (2012),
Feuchtgebiete (2013),
Finsterworld (2013)
Die fetten Jahre sind
vorbei (2004),
Kriegerin (2011),
Das Mädchen Wadjda
(2012),
Die Erfindung der
Liebe (2013)
Foto: © Tim Lehmacher
29
DAS FINSTERE TAL
Für den aus Österreich
stammenden
Regisseur
Andreas
Prochaska
(Beste
Regie) hat sich ein
Traum erfüllt: „Ich
liebe Genrefilme, weil
man damit subkutan andere Inhalte
übermitteln kann. In
diesem Fall hat das
viel mit Macht und
Autoritätsgläubigkeit
zu tun“, erklärt er in
einem Interview mit dem TIP Magazin sein
konkretes Interesse am Western, den ihm die
Buchvorlage von Thomas Willmann auf dem
Silbertablett servierte. Und die unübersehbaren Vorbilder stammen von Regisseuren
aus dem südlichen Nachbarland Österreichs
und wurden von den großen Sergios gemacht:
Leone und natürlich auch Corbucci, dessen
größtes Werk mit dem so programmatischen
wie poetischen Titel IL GRANDE SILENZIO
ebenfalls in einer schneebedeckten Landschaft spielt. Der deutsche Titel war LEICHEN
PFLASTERN SEINEN WEG und beschreibt nur
reichlich grob, worum es auch in DAS FINSTERE TAL geht.
Der Fotograf Greider (der im Roman ein
Maler ist) kommt aus dem fernen Amerika in
ein Tiroler Bergnest zur unwirtlichsten Zeit
des Jahres. Er will scheinbar den Ort und
seine Bewohner porträtieren. Er macht schnell
Bekanntschaft mit den Söhnen des Brenner-Bauern, die das Dorf – das dem Bauern
sowohl einen gewissen Wohlstand als auch
einige illegitim gezeugte Bewohner verdankt –
terrorisieren. Und sie machen auf rätselhafte
und sehr nachhaltige Weise Bekanntschaft mit
ihm. Der britische Schauspieler Sam Reilly
spielt diesen wortkargen Fremden mit der
überzeugenden Mischung aus Alain Delon
und Clint Eastwood. Sein Gegenspieler ist der
klügste der Brenner-Söhne, Hans, den Tobias
Moretti (Beste darstellerische Leistung – männliche Nebenrolle) so spielt, wie er es besonders
gut kann: rustikal und sophisticated zugleich.
Sein Hans Brenner ist mehr als ein brutaler
Bauern-Bub, der sich auf die Macht des Clans
zurückzieht. Er hat eine eigene Autorität – wie
der frucht- und vor allem furchtbare Vater
(Hans Michael Rehberg). Moretti, der von der
Musik und dem Theater kommt und eine auffällige Fernsehkarriere gemacht hat, glänzte
in den letzten Jahren durch außergewöhnliche
Kinorollen – wie zum Beispiel die Darstellung
des ruhmsüchtigen Schauspielers Ferdinand
Marian in Oskar Roehlers JUD SÜSS - FILM
OHNE GEWISSEN (2010).
Die große Stille ist übrigens bei diesem
Film auch das Thema der Sound-Abteilung.
Dietmar Zuson, Christoph Ebhart und Tschangis Chahrokh (Beste Tongestaltung) bewegten
sich konsequent an Orten, die nur ihre eigenen
STEFAN ARNDT
Bester Spielfilm
Lola rennt (1998),
Good bye Lenin (2003),
Das weiße Band (2009),
Cloud Atlas (2012)
Foto: © Christine Halina Schramm
30
Töne hergeben – und an denen es keine akustischen Ablenkungen gibt. Dass natürliche Töne
nicht automatisch und ausschließlich schön
und versöhnlich sind, ist die erste Botschaft
ihrer Arbeit. Der Klang des Holzes ist vorherrschend und noch angenehm, wenn ein Holzlöffel aus einem Holzteller Suppe löffelt. Wenn
ein Baumstamm zur effektiven Mordwaffe
wird, hört sich das schon anders an.
Und auch die außergewöhnliche Musik
des Komponisten Matthias Weber (Beste
Filmmusik), dessen internationale Karriere
auch US-Serien wie „Baywatch“ oder „Die
Foto: © Petro Domenigg
Sopranos“ und Filme wie das österreichische
Drama MEIN BESTER FEIND beinhaltet, trägt
dazu bei, die den Film beherrschende bedrohliche Atmosphäre zu verstärken. Die Musik ist
impressionistisch – und das erzählt den Horror sozusagen von anderer, unerwarteter Seite.
Claus Rudolf Amler (Bestes Szenenbild),
Natascha Curtius-Noss (Bestes Kostümbild)
und die Make-Up-Artists Roman Braunhofer
und Irene Lang (Bestes Maskenbild) sind
diesem eher minimalistischen Ansatz des
atmosphärischen Erzählens durchaus gefolgt.
Die karge Architektur des verfluchten Ortes in
HELMUT GRASSER
Bester Spielfilm
ANDREAS PROCHASKA
Beste Regie
Hundstage (2001),
We Feed The World Essen global (2005),
In 3 Tagen bist du tot
(2006),
More than Honey
(2012)
Die 3 Posträuber (1998),
In 3 Tagen bist du tot
(2006),
In 3 Tagen bist du tot
2 (2008),
Die unabsichtliche
Entführung der Frau
Elfriede Ott (2010)
Foto: © Petro Domenigg
Tirol von außen verschafft dem Szenenbildner,
dessen Arbeit zuletzt in Matthias Glasners
GNADE zu bewundern war, die Möglichkeit, in
den Innenräumen kleine, aber starke Akzente
zu setzen.
Auch die Kostüme von Natascha Curtius-Noss (SOPHIE SCHOLL, VINCENT WILL
MEER) sind schlicht, aber sie schaffen es, die
Verbindung zwischen Heimatfilm und Western
zu erzählen.
Das Maskenbild muss naturgemäß ein
bisschen im Dreck wühlen und von der Arbeit
der Jahre, der Plagen und der Sünden im
TOBIAS MORETTI
Beste männliche
Nebenrolle
Speer und Er (2005,TV),
Jud Süß - Film ohne
Gewissen (2010),
Mobbing (2012, TV),
Hirngespinster (2014)
Foto: © Niels Starnick/BamS
31
THOMAS W. KIENNAST
Beste Kamera
CLAUS RUDOLF
AMLER
Bestes Szenenbild
NATASCHA
CURTIUS-NOSS
Bestes Kostümbild
Der tote Taucher im
Wald (1999),
In drei Tagen bist du
Tot 2 (2008),
Gnade (2011),
Das finstere Tal (2014)
Napola - Elite für den
Führer (2004),
Sophie Scholl - Die
letzten Tage (2005),
Schwere Jungs (2006),
Vincent will Meer
(2010)
ROMAN BRAUNHOFER
Bestes Maskenbild
HELENE LANG
Bestes Maskenbild
MATTHIAS WEBER
Beste Musik
In 3 Tagen bist du Tot 2
(2008),
Die unabsichtliche
Entführung der Frau
Elfriede Ott (2010),
Blutgletscher (2013),
Ich seh, ich seh (2014)
Fallen (2006),
Balkan Traffic - Übermorgen nirgendwo
(2008),
Das finstere Tal (2014),
Good Morning Kabul
(2014)
Henker (2005),
In 3 Tagen Bist Du Tot
1&2 (2006/2008),
Mein Bester Feind
(2011),
Shouting Secrets (2011)
3faltig (2010),
Hexe Lilli - Die Reise
nach Mandolan (2011),
Gespensterjäger - Auf
eisiger Spur (2014),
Das finstere Tal (2014)
Foto (unten): © Petro Domenigg
32
Foto (unten): © Vera Weber
Gesicht berichten. Das tun Roman Braunhofer
(der regelmäßig mit Erwin Keusch und zuletzt
auch öfter mit Andreas Prochaska gearbeitet
hat) und Helene Lang (die auch schon beim
„Wunder von Kärnten“ zum Prochaska-Team
gehörte) mit Präzision. Den Gesichtern des
exotischen Couples Paula Beer und Sam Reilly
verleihen sie auffällig andere Akzente.
Das alles und die malerische, gefährliche,
geheimnisvolle Landschaft der Tiroler Berge
benutzt der österreichische Kinematograf
Thomas W. Kiennast (Beste Kamera / Bildgestaltung) für seine unvergesslichen Bilder. Im
TSCHANGIS
CHAHROKH
Beste Tongestaltung
Nirgendwo in Afrika
(2001),
Nordwand (2008),
Krabat (2008),
Das finstere Tal (2014)
Foto: © Florian Liedel
Film bezeichnet der alte Brenner die Fotografie als „Spiegel mit Gedächtnis“. Bei Kiennast
kommt zum Gedächtnis noch die Vision hinzu.
Eine Vision von diesem Film hatten auch
der österreichische Produzent Helmut Grasser,
Allegro Film (Bester Film) und sein Berliner
Kollege Stefan Arndt, X Filme Creative Pool
(Bester Film). Grasser, der vor allem mit international erfolgreichen Dokumentarfilmen wie
WE FEED THE WORLD (R: Erwin Wagenhofer,
2005) reüssierte, hatte mit Prochaska bereits
den erfolgreichsten österreichischen Spielfilm
des Jahres 2006 (IN 3 TAGEN BIST DU TOT)
produziert. Stefan Arndt, dessen Kooperation mit anderen österreichischen Partnern
(Michael Haneke, Veit Heiduschka) schon
starke Spuren im Weltkino hinterlassen hat,
war mit Grasser davon überzeugt, dass eben
dieses, einen aufregenden Western aus Tirol,
gut gebrauchen kann.
CHRISTOF EBHARDT
Beste Tongestaltung
DIETMAR ZUSON
Beste Tongestaltung
Das Experiment (2001),
Underworld (2003),
Kirschblüten – Hanami
(2008),
Exit Marrakech (2013)
Falco - Verdammt wir
leben noch (2008),
Tag und Nacht (2010),
Die Lebenden (2012),
Blutgletscher (2013)
Foto: © Jasmin Morgan
33
FINSTERWORLD
Ein Film zwischen
Fiderallala und Simsalabimbambasaladusaladim. Ein Film aus
Deutschland. Und ein
Film über Deutschland. Über
falsch
verstandenes
Kino,
falsches Geschichtsbewusstsein,
über
Fußpflege und Furries.
Ein Film, der seit seiner
Erstaufführung
für
Diskussionen
sorgte und Interpretationen, Kopfschütteln und
heftig zustimmendes Kopfnicken.
Eigentlich sprechen doch die Geschichten,
die sich der gerne für Diskussionen sorgende
Schriftsteller Christian Kracht (Bestes Drehbuch) und seine Ehefrau Frauke Finsterwalder
(Bestes Drehbuch) für diesen Film ausgedacht
und aufgefunden haben, für sich. Die Einsamkeit eines reisenden Fußpflegers, der irgendwann Gefühle für seine ungewöhnlichste Klientin entdeckt, ist ebenso plausibel wie die sich
tot laufenden pseudo-intelligenten Dialoge
eines Upper-Class-Pärchens mit Upgrade-Störungen oder die Verständigungsprobleme
zwischen einem politisch wie pädagogisch
ambitionierten Lehrer und seinen empathiebefreiten Internatszöglingen beim obligatorischen Besuch einer KZ-Gedenkstätte. Finsterwalder und Kracht haben ein Panoptikum
von Befindlichkeiten, Marotten, Gewohnheiten
und Missverständnissen aufgebaut, in dem
deutsche Realität wie mit einem Kaleidoskop
gleichzeitig zerlegt als auch sichtbar gemacht
wird. Dabei war der auch für die Inszenierung
der Geschichten verantwortlichen Frauke Finsterwalder nicht von Anfang an klar, ob und wie
das funktionieren würde: „Ich wollte nach zwei
Dokumentarfilmen einen Spielfilm machen und
war auf der Suche nach einem Autoren, mit
dem ich schreiben könnte. Christian Kracht
meinte, er wäre doch der Richtige, derjenige,
der verstehen würde, ich solle doch ihn nehmen. Und ich dachte, warum eigentlich nicht.
Dann habe ich mich gefreut, aber auch Angst
vor der Enge der Zusammenarbeit gehabt;
ich habe ihn also gezwungen zu einem Anwalt
zu gehen und wir haben einen Vertrag gemacht,
in dem stand, dass er sich nach dem Schreiben
des Drehbuchs aus dem Film heraushalten
müsste. Ich dachte, dass wir uns sehr streiten
würden, aber genau das Gegenteil war der Fall.“
Die Geschichte, die nur episodisch erzählt
werden konnte und doch so lose Verbindungen
herstellt wie das nun einmal im Kino möglich
ist, wird von einem ganzen Dutzend verschiedenartigster Protagonisten und Persönlichkeiten bevölkert, von denen es zwei dem Publikum
besonders angetan zu haben schienen.
Da ist Franziska Feldenhoven (der Name
TOBIAS WALKER
Bester Spielfilm
Alias (2009),
Picco (2010),
Finsterworld (2013),
Wir waren Könige
(2014)
35
ist doch kein Zufall), eine junge Dokumentarfilmerin auf der Suche nach dem wesentlichen
Stoff für ihre Filme und ihr Leben. (Den hat
– nebenbei – ihr Mann, ein Polizist und Tierfell-Fetischist schon gefunden). Filmpreis-Trägerin Sandra Hüller (Beste darstellerische
Leistung – weibliche Nebenrolle) spielt diese
Frau zwischen Frustration, Anspruch und
einer ordentlichen Portion Selbstmitleid als
hinreißendes Nervenbündel mit falschem persönlichen und sozialen Timing und zugleich als
liebevolle Parodie auf eine ganze Generation
von Filmemacherinnen und Filmemachern, die
sich gerne einmal zu oft um die eigene Achse
drehen. Hier beweist Finsterwalder en passant
Spaß an der Selbstironie.
Und da ist Claude Petersdorf, der Handlungsreisende in Sachen Fußpflege, dessen déformation professionelle seltsame kulinarische
Blüten treibt und dessen Beziehung zu seiner
exzentrischsten Klientin (Margit Carstensen)
romantisch eskaliert. Der Theater-Star Michael
Maertens (Beste darstellerische Leistung – männliche Nebenrolle), der vom Thalia in Hamburg bis
zur Burg in Wien auf allen deutschsprachigen
Bühnen zu Hause ist, zeigt hier nicht nur eine
PHILIPP WORM
Bester Spielfilm
FRAUKE
FINSTERWALDER
Bestes Drehbuch
Picco (2010),
Schnee (2012),
Finsterworld (2013),
Wir waren Könige
(2014)
Foto: © Simon Gehrke
36
außergewöhnliche Leinwandpräsenz, er bereitet
dem Publikum Freude an einem Spiel, das die
Tragödie eines lächerlichen Mannes mit Würde
und Witz gleichzeitig erzählt.„Claude Petersdorf
ist ein einsamer, sensibler, liebenswürdiger,
skurriler, trauriger, obsessiver, manischer, reizender Mensch. Ich persönlich finde die Figur
sehr sympathisch in ihrer Skurrilität, ihrer Einsamkeit, ihrer Liebessehnsucht, in ihrem ganzen
Verhalten – und das trotz der im Film auftauchenden Obsession, die ja keine verbrecherische
Obsession ist“, erklärt der Schauspieler seine
Sicht auf den Protagonisten.
CHRISTIAN KRACHT
Bestes Drehbuch
Finsterworld (2013)
Finsterworld (2013)
Foto: © CK
Besonders auffällig in diesem Film ist die
Musikspur in ihrer ganzen Unauffälligkeit, die vor
allem eine Unaufdringlichkeit ist. Der eigenwillig
und anspruchsvoll instrumentierte Soundtrack
wird sparsam eingesetzt, meist als berührende Begleitung atmosphärischer Momente,
manchmal überraschend als akustische Brücke
zwischen den Episoden. Verantwortlich ist die
international agierende Musikerin und Künstlerin Michaela Melián (Beste Filmmusik), die aus
der Punkszene kommt, mit speziellen Projekten
zwischen Musik und Literatur Aufmerksamkeit
erregte und hier ihr Filmmusik-Debüt gibt.
Tobias Walker und Philipp Worm, Walker+Worm Film (Bester Spielfilm) haben bereits
2010 mit Frauke Finsterwalder gearbeitet. Es
entstand der Dokumentarfilm DIE GROSSE
PYRAMIDE. Im selben Jahr hatten die Absolventen der HFF München ihren Durchbruch
mit dem Spielfilm PICCO (R: Philipp Koch), der
auf dem Festival von Cannes präsentiert und in
Deutschland mehrfach prämiert wurde.
SANDRA HÜLLER
Beste weibliche
Nebenrolle
MICHAEL MAERTENS
Beste männliche
Nebenrolle
Requiem (2006),
Der Architekt (2008),
Brownian Movement
(2010),
Über uns das All (2011)
Tiger, Löwe, Panther
(1989),
Die Vermessung der
Welt (2012),
Finsterworld (2013)
MICHAELA MELIÁN
Beste Musik
Finsterworld (2013)
Foto: © Stefan Klüter
Foto: © Steffi Henn
Foto: © Thomas Meinecke
37
FREIER FALL
Erstes Filmbild: das
Gesicht von Hanno
Koffler (Beste darstellerische Leistung
– männliche Hauptrolle), halbnah, in der
Rolle des Polizisten
Marc Borgmann. Er
rennt auf uns zu,
sieht angestrengt aus,
geschürzte
Lippen
vom
konzentrierten
Laufen. Letztes Filmbild: Marc Borgmann
löst sich beim Joggen aus der Gruppe seiner
Kollegen, wir sehen das Gesicht von Hanno
Koffler, halbnah, geschürzte Lippen. Zwischen
den beiden Bildern: „freier Fall“.
Die Geschichte, die Regisseur Stephan
Lacant in seinem Debutfilm FREIER FALL
erzählt, bietet dem Talent des 34-jährigen
Hanno Koffler alle Möglichkeiten. Er spielt
einen Polizisten, dessen Freundin Bettina (Katharina Schüttler) schwanger ist und mit der er
gerade in ein Eigenheim neben seinen Eltern
eingezogen ist. Alles verläuft in geordneten
Bahnen, vorstädtisch, bis er bei einer Fortbildung den schwulen Kollegen Kay (Max Riemelt)
kennenlernt und sich nach und nach in ihn
verliebt. Von nun an ist Marc zwischen seinem
alten Leben und den leidenschaftlichen Auszeiten mit Kay hin- und hergerissen. Er zieht sich
zurück, verstrickt sich in Lügen, schweigt lieber.
Nur sein Gesicht und die Augen sprechen. Dann
wieder glaubt Marc seinen Weg zu kennen und
rastet aus, wenn er auf Kay trifft: „Ich bin nicht
schwul, kapier‘ das endlich, das mit dir war ein
Ausrutscher, also lass mich in Ruhe.“
Dass Koffler seinen Spielpartner Max Riemelt schon lange kennt und dass sie seit dem
Dreh zu AUSLANDSEINSATZ (R: Till Endemann)
in Marokko vor zwei Jahren auch befreundet
sind, ist ein wahrer Glücksfall für die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Hanno Koffler (dessen Karriere in Marco Kreuzpainters GANZ UND
GAR begann) alias Marc Borgmann ist überzeugend in beiden Leben, die er spielt. Man sieht
ihm gern dabei zu, wenn er sich mit dem Daumen versonnen oder auch verschmitzt über die
Oberlippe streicht; wenn er tanzt und wenn er
raucht; wie er schaut, wenn er verlegen ist; beim
Sex mit Frau oder Mann; wie herzlich und laut
er lacht – und wie er handgreiflich wird, wenn er
ausflippt. Klaus Maria Brandauer, sein Mentor
während der Ausbildung am Max Reinhardt
Seminar in Wien, beschreibt Koffler treffend
als eine „einzigartige, höchst leidenschaftliche,
anarchistische Persönlichkeit“.
HANNO KOFFLER
Beste männliche
Hauptrolle
Anatomie 2 (2003),
Sommersturm (2004),
Nacht vor Augen (2008,
TV),
Freier Fall (2013)
Foto: © Stefan Klüter
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Der einzige Moment,
der geradezu nostalgisch noch an die
Wirklichkeit erinnert,
ist die Bestellung
eines Piccolos nach
Abschluss des Deals
zwischen dem Headhunter
Clemens
Trunschka und seinen
Auftraggebern. Danach
wird Trunschka auf
der absurden und
vergeblichen
Suche
nach einem amerikanischen Spitzenmanager in
Houston zum einsamsten Menschen der Welt
und braucht regelmäßig härtere Getränke. Bastian Günther erzählt in seinem zweiten langen
Spielfilm eine erschreckende und exemplarische
Geschichte aus der globalisierten und anonymisierten Finanzwelt als bildgewaltige Parabel auf
eine entmenschlichte Gesellschaft, die man als
solche begreift, weil Ulrich Tukur als Trunschka
als menschliche Tragödie zu erleben ist.
Neben der Kamera und seinem Darsteller war die Editorin des Films, Anne Fabini
(Bester Schnitt), eine wichtige Verbündete des
Regisseurs.
Sie hat erkannt, dass die sorgfältig ausgearbeitete Bildebene eindrücklich von der
Leere und Glätte eines Systems erzählt, das
dem Menschen keinen Halt bietet. Kamerablitzer schleichen sich darum zwischen einzelne
Szenen und unterstreichen Trunschkas nicht
nur alkoholbedingten Filmriss. In delirierenden
Montagen befreit sich die filmische Erzählung
vom puristischen Realismus und lässt hoffen,
dass auch Trunschka die Befreiung aus dem
amerikanischen Albtraum gelingen möge.
Es war die erste Zusammenarbeit zwischen Bastian Günther und Anne Fabini, die als
Schnittassistentin bei Tom Tykwer begann, die
ersten Spielfilme von Hannes Stöhr geschnitten
hat und auch im Dokumentarfilm beachtlich
reüssiert (MORE THAN HONEY). Sie ist begeistert von der ungewöhnlichen Form des Films:
„Die Auflösung mit den sehr langen Einstellungen war für mich ungewohnt. Ich habe sie als
riskant empfunden, weil diese Arbeitsweise die
Eingriffsmöglichkeit des Schnitts zur Korrektur,
z.B. des Rhythmus einer Szene sehr einschränkt.
Tatsächlich standen wir nach dem ersten Roh-
schnitt vor dem Problem, dass wir circa eine
Stunde rauskürzen mussten. Viele schöne Bilder haben wir in die Überblendungssequenzen
einbauen können. Auf der Basis eines starken
Drehbuchs und einer klugen Inszenierung
waren wir im Schnitt frei, eine kompakte Erzählung mit einer verspielten Bildebene verschmelzen zu lassen.“
ANNE FABINI
Bester Schnitt
Berlin is in Germany
(2001),
Berlin Calling (2008),
More Than Honey
(2012),
Return to Homs (2013)
Foto: © Florian Liedel
41
LAUF JUNGE LAUF
Polen, Winter 1942/43.
Der Wind pfeift. Ein
etwa
neunjähriger
Junge liegt zusammengerollt im Schnee
an einer Baumwurzel
(Matthias Müsse :
Bestes
Szenenbild).
Die Kamera (Daniel
Gottschalk:
Beste
Kamera
/
Bildgestaltung)
ist
nah.
Man
sieht
seine
kalten Wangen (Kitty
Kratschke, Juliane Hübner: Bestes Maskenbild),
man sieht wie er friert, die Mütze ist weit ins
Gesicht gezogen. Die Kamera zieht auf und
entfernt sich langsam von dem Jungen. Schnitt.
Eine Totale über ein weites, schneebedecktes
Feld, am Horizont ist der Wald zu sehen. In
großer Entfernung kommt der Junge links ins
Bild, geht wie ferngesteuert über den Acker, ein
kleiner Punkt im Weltall, gefühlte ewige Zeit.
Basierend auf einer wahren Geschichte
erzählen Regisseur Pepe Danquart und seine hinter ihm stehende Produktionsfirma bittersuess
42
von einem Jungen und dessen Überlebensinstinkt während des Zweiten Weltkrieges. Es ist
die Geschichte von Yoram Fridman, die Pepe
Danquart nach dem gleichnamigen Romanbestseller von Uri Orlev verfilmte. Dem Drehbuchautor Heinrich Hadding ist eine Adaption des
Romans gelungen, die sich auf die wesentlichen
Handlungsstränge aus der Originalgeschichte
konzentriert und diesen, an den Kräften zehrenden, Kampf des Jungen konsequent aus den
Augen des Kindes wiedergibt. Pepe Danquart
und sein Team haben für die Rolle des Jungen
Srulik/Jurek die 2001 in Warschau geborenen
Zwillingsbrüder Andrzej und Kamil Tkacz
gefunden, die hervorragend abwechselnd in den
harten Dreh eingebunden werden konnten.
Im Zusammenspiel von Szenenbild, Kostüm und Maske erstanden die historischen
Höfe und Wälder in Polen während des Zweiten
Weltkrieges vor der Kamera wieder. Filmarchitekt Matthias Müsse fand seine Kulissen z.B. in
den Bauernhäusern des fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim, die Waldszenen sind
größtenteils im nordhessischen Reinhardswald
gedreht und die Ghetto-Szenen in einem älteren Stadtviertel von Breslau. Den morbiden
Charme der ehemaligen Lungenheilanstalt in
Beelitz-Heilstätten konnten sie nutzen und ein
gruseliges Krankenhaus entstehen lassen.
Die Kamera bleibt während des gesamten Films meist sehr nah an dem Jungen dran,
bewegt sich mit ihm bei seiner schutz- und nahrungssuchenden Mission und wechselt dann
wieder in eine Totale oder Draufsicht, um das
Alleinsein des Jungen und den aussichtslosen
Kampf gegen den Krieg spürbar zu machen. Dem
Kameramann Daniel Gottschalk gelingt es so,
eine Verbindung zwischen dem Zuschauer und
dem Schicksal des Jungen herzustellen, ohne
DANIEL GOTTSCHALK
Beste Kamera
Sommersturm (2004),
Trade (2007),
Krabat (2008),
Die vierte Macht (2012)
die Distanz zu verlieren, die nötig ist, um sich
von der individuellen Geschichte zu lösen und
die Härte des Krieges als Ganzes wahrzunehmen. Das ist Gottschalks Kunst und in all seinen
Filmen (u.a. TRADE, R: Marco Kreuzpaintner;
DIE VIERTE MACHT, R: Dennis Gansel) auszumachen: Die Bilder sind subjektiv, wenn es um
Gefühl und Spannung geht, und sie sind weit,
wenn man den Überblick behalten soll.
Wie sich so eine Verfolgungs-, Flucht- und
Kriegsgeschichte in den Körper einschreibt, ist
vor allem auch eine Herausforderung an die
Maskenbildnerinnen des Films Kitty Kratschke
und Juliane Hübner gewesen. Wochen und Wunde mit dem Taschenmesser aus und sagt
Monate in der Kälte im Wald zu überleben, dann zu Jurek: „Am wichtigsten ist danach deshinterlässt seine Spuren: dreckverschmiertes infektieren“ und öffnet den Hosenschlitz.
Gesicht, Rotz läuft aus der Nase, zottlige Haare,
Wangen, Ohren, Lippen und Nase sind rot und
aufgesprungen. Am Ende seines alles aufzehrenden Überlebenskampfes verliert der Junge
auch noch den rechten Arm und hat fortan nur
noch einen rechten Stumpf.
Als Srulik/Jurek eine Weile mit ein paar
anderen Kindern durch die Wälder streift, zeigt
ihm ein kleiner Junge wie er eine aufgeschürfte
Kniewunde behandeln muss. Er kratzt die
MATTHIAS MÜSSE
Bestes Szenenbild
JULIANE HÜBNER
Bestes Maskenbild
KITTY KRATSCHKE
Bestes Maskenbild
Napola - Elite für den
Führer (2004),
Hui Buh (2006),
Wickie und die starken
Männer (2009),
Jerry Cotton (2010)
Das kleine Gespenst
(2013),
Lauf Junge Lauf (2013),
Da muss Mann durch
(2014),
Rico, Oskar und die
Tieferschatten (2014)
NVA (2005),
Nordwand (2008),
Rubbeldiekatz (2011),
Who am I (2014)
Foto: © Lena Grass
43
LOVE STEAKS
Im ersten Filmbild,
noch vor den Titeln,
sieht man einen kleinen
Felsen als Schattenbild
gegen die im Meer versinkende Sonne. Langsam bewegt sich der
Schatten-Felsen,
verändert seinen Umriss
und man erkennt eine
menschliche
Gestalt.
Der
junge
Mann
öffnet
seine
Hose
und pisst gen Meer.
Ein unkonventioneller Anfang für einen
unkonventionellen Film. Ein Film, der das Kino
nicht neu erfindet, aber in den Figuren und Szenen nach Momenten sucht, die nur das Kino bietet. Regiestudent Jakob Lass (FRONTALWATTE)
drehte seinen neuen Film LOVE STEAKS zusammen mit den Produktionsstudenten Ines Schiller und Golo Schultz (Bester Spielfilm) von der
Hochschule für Film- und Fernsehen „Konrad
Wolf“ ohne Sender- und Förderbeteiligung – mit
viel Kreativität und einer in jedem Bild spürbaren besonderen Energie. Es ist eine kleine,
44
nicht sehr romantische, aber spannende Liebesgeschichte zwischen zwei Hotelangestellten:
dem vernünftigen Clemens und der alles auskostenden Lara. Eine Geschichte, die durch die
anarchistische, leicht irritierend geschnittene
Erzählung und durch die Spielfreude der beiden Hauptdarsteller Franz Rogowski und Lana
Cooper besonders wird. Das Filmteam drehte
inmitten des laufenden Betriebs eines Kurhotels
in Ahrenshoop an der Ostsee und konfrontierte
die beiden Hauptdarsteller in einem überschaubaren dramaturgischen Skelett mit den alltäglichen Verrichtungen der Hotel-Mitarbeiter. Lass
verzichtete auf geschriebenen Dialog und gab
sich und den Darstellern so die Freiheit, die
Erzählung in ein dokumentarisches Umfeld
einzufügen. Das macht die Frische und Originalität des Films aus. „Es geht uns um eine
Öffnung für vielfältige und narrative Mittel
und nicht um eine Beschneidung der filmischen
Möglichkeiten“, kommentiert Ines Schiller
ihren Ansatz.
INES SCHILLER
Bester Spielfilm
GOLO SCHULTZ
Bester Spielfilm
Love Steaks (2013)
Love Steaks (2013)
DER MEDICUS
„Von Knochenbrüchen
über verfaulte Zähne,
die nutzlose Stumpen sind, bis hin zu
Pusteln am Arsch
und schwarzer Galle
in den Lungen, egal
mit welchem Leid
der Teufel uns arme
Christen heimsucht,
ich, und nur ich,
habe das Heilmittel“,
so wirbt der Bader
auf dem mittelalterlichen Jahrmarkt für seine Heilkunst. „Bei
Vergesslichkeit tragt die getrocknete Zunge
eines Wiedehopfs um euren Hals. Und hier ein
besonderer Trank, ich sammelte die Kräuter
bei Vollmond. Hiermit bekommt euer Weib
keine Bälger mehr, weder von euch noch vom
Nachbarn.“
Im 11. Jahrhundert ist England arm
und düster. Die meisten Menschen arbeiten
in Minen oder auf den Feldern, die wenigsten
haben genug zu essen. Eine medizinische
Versorgung gibt es nur durch umherfahrende
Wanderheiler oder Bader, die, mit oft derben
Werkzeugen und mysteriösen Wundermitteln,
die nötige Hilfe leisten. Robert Cole und seine
beiden Geschwister wachsen hier bei ihrer
Mutter auf. Als die Mutter eines Nachts mit
starken Bauchschmerzen aufwacht und Rob
sie schützend und tröstend berührt, hat er
eine schreckliche Vision: Sie stirbt. Es ist, als
würde für einen Moment die Zeit stehen bleiben, er fühlt, dass der Tod kommt. Diese Gabe
wird ihn sein ganzes Leben begleiten. Von nun
an möchte er den Menschen helfen, er möchte
wissen, welche Krankheit seiner Mutter das
Leben nahm und wie man bei schrecklichen
Qualen helfen kann. DER MEDICUS (R: Philipp
Stölzl), nach der Romanvorlage von Noah Gordon, erzählt die Geschichte von Rob Cole (Tom
Payne), der aus dem mittelalterlichen England
ins ferne persische Isfahan reist, um bei dem
berühmten Arzt und Gelehrten Ibn Sina (Ben
Kingsley) Medizin zu studieren.
Regisseur Philipp Stölzl hat eine Vorliebe
für historische Filme (NORDWAND, 2008;
GOETHE, 2010) und ist ein Meister der Kombination von historischen Motiven mit großer
Kinounterhaltung. Er sagt von sich, dass er
sehr gern Kostümfilme anschaue, in denen eine
gesamte Welt neu oder wieder erschaffen wird.
Schließlich hat er Szenen- und Bühnenbildner
an den Münchner Kammerspielen gelernt. In
DER MEDICUS lässt er mit Hilfe seines kreativen Teams das Mittelalter in atmosphärisch
bestechenden Bildern wieder auferstehen. Ben
Kingsley sagt über Regisseur Philipp Stölzl:
„Ich habe das Gefühl, dass er eine überlebensgroße Leinwandrealität erschaffen will. Er ist
nicht an Naturalismus interessiert, sondern er
strebt nach etwas Größerem: Er macht Kino. Er
sucht Bilder und haucht ihnen Bewegung ein:
HAGEN BOGDANSKI
Beste Kamera
Die Unberührbare
(2000),
Das Leben der Anderen
(2006),
Hilde (2009),
Hotel Lux (2011)
45
Moving Pictures, im besten Sinne.“ Kameramann Hagen Bogdanski (Beste Kamera / Bildgestaltung) arbeitete zum ersten Mal mit Philipp Stölzl zusammen und lieferte wie gewohnt
(DIE UNBERÜHRBARE, R: Oskar Roehler; DAS
LEBEN DER ANDEREN, R: Florian Henckel von
Donnersmarck; HILDE, R: Kai Wessel) große
Kinobilder. Die Aufnahmen wurden im hochauflösenden HD-Format gedreht, was umso mehr
eine absolute Detailgenauigkeit bei Szenenbild (Udo Kramer, Bestes Szenenbild), Kostüm
(Thomas Oláh, Bestes Kostümbild) und Maske
(Heike Merker, Bestes Maskenbild) erforderte.
Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, möglichst viele historische Bauelemente zu verwenden, um sie dann mit nachempfundenen
Oberflächen perfekt zu kombinieren. Es sollte
eine Phantasiewelt erschaffen werden, die
gleichzeitig märchenhaft und historisch genau
ist. Gedreht wurde in den Hallen der MMC Studios in Köln, in Sachsen-Anhalt, in Thüringen
und in Marokko. Deutsche Landschaften wie
der Harz verwandelten sich in eine englische
Feld- und Küstenlandschaft. Die orientalische
Welt wurde in vor Ort gebauten Filmkulissen
und an Originalschauplätzen in der Sahara
UDO KRAMER
Bestes Szenenbild
THOMAS OLÁH
Bestes Kostümbild
HEIKE MERKER
Bestes Maskenbild
Knallhart (2006),
Nordwand (2008),
Huhn mit Pflaumen
(2011),
The Voices (2014)
Transsiberian (2008),
Jud Süss (2010),
Die Vermessung der
Welt (2012),
Eliza Graves ( 2014)
John Rabe (2009) ,
Goethe! (2010),
Anonymus (2011),
Cloud Atlas (2012)
Foto: © Jeff Mangione
46
gedreht. Viele Aufnahmen entstanden in
Marokko. Und in der Postproduktion fertigte
die Spezialeffektfirma Pixomodo die persische
Stadt Isfahan und andere visuelle Elemente.
Um den Zuschauer in diese aufregende
Welt des Mittelalters zu versetzen, musste
jeder Schauspieler, jeder Komparse natürlich
entsprechend eingekleidet und maskiert werden. Das bedeutete, dass neben den hunderten
Gewändern, die entworfen und genäht werden
mussten, eine komplette MEDICUS-Garderobe
für die wichtigsten Rollen und Parts entstand,
sodass man immer auf einen Fundus zurück-
greifen konnte. Vor allem die vielen chirurgischen Eingriffe, die im Film vorgenommen
werden, waren eine große Herausforderung für
das Maskenbild von Heike Merker.
Weil es keine lebendige Erinnerung an
den Klang des Mittelalters gibt, waren auch
die Tongestalter Guido Zettier, Max Thomas
Meindl und Benjamin Rosenkind (Beste Tongestaltung) gefordert, ein eigenes, ein künstliches und doch glaubhaftes Sound-System
zu erschaffen. Alle anderen, ebenfalls nominierten gestalterischen Elemente dieses Films
liefern dazu reichlich Inspiration.
MAX THOMAS
MEINDL
Beste Tongestaltung
BENJAMIN
ROSENKIND
Beste Tongestaltung
Effi Briest (2009),
Tom Sawyer (2011),
Zwischen Welten
(2014),
Tod den Hippies, es
lebe der Punk (2014)
Der Baader Meinhof
Komplex (2008),
Hotel Lux (2011),
Am Ende eines viel zu
kurzen Tages (2011),
Iron Sky (2012)
GUIDO ZETTIER
Beste Tongestaltung
Nordwand (2008),
Die Fremde (2010),
Die geliebten Schwestern (2014),
Zwischen Welten (2014)
Foto: © Thomas H. Loewe
47
MR. MORGANS LAST LOVE
Ein Amerikaner in
Paris – gespielt von
einem der größten
Stars des britischen
Kinos. Michael Caine
ist Matthew Morgan,
ein emeritierter Professor der Princeton
Universität, der seinen Lebensabend mit
seiner geliebten Frau
Joan in einem großzügigen Apartement im
Pariser Künstlerviertel Saint Germain verbringen wollte. Nachdem
Joan tot ist, begreift Matt, wie einsam und
verloren er in dieser Stadt ist, die er als seine
Heimat bezeichnet, obwohl er nicht mal in
der Lage ist, ein Sandwich auf Französisch zu
bestellen. Die Begegnung mit der jungen Tanzlehrerin Pauline (Clemence Poésy), die in jeder
Beziehung das Gegenteil von ihm ist, holt ihn
aus dieser Verlorenheit – und schafft und löst
neue Probleme zugleich.
Die deutsche Regisseurin Sandra Nettelbeck, die zuletzt mit dem radikalen Depres-
sions-Drama HELEN internationale Aufmerksamkeit erregte und mit ihrem großartig und
überraschend erzählten Familienfilm BELLA
MARTHA (2001) – mit Martina Gedeck – einem
größeren Publikum bekannt wurde, hat diese
Geschichte dem Roman „Die letzte Liebe des
Monsieur Armand“ der Autorin und Schauspielerin Francoise Dorner entliehen.
Sie erzählt die Geschichte von Matthew
Morgan und Pauline, die später auch zur
Geschichte von Pauline und Matts Sohn Miles
wird, als romantisches und durchaus intimes
Drama – und kann sich dabei, wie immer, auf
den Blick des Kameramanns Michael Bertl
(Beste Kamera / Bildgestaltung) verlassen. Seit
ihrem Langfilmdebüt UNBESTÄNDIG UND
KÜHL (1995) dreht Nettelbeck mit dem gebürtigen Bayern Michael Bertl, der neben seiner sehr
aktiven Tätigkeit als Kameramann (DIE DÜNNEN MÄDCHEN, WINTERTOCHTER) als Studienleiter für Kinematografie an der Deutschen
Film- und Fernsehakademie Berlin arbeitet.
Bertls Bilder von Morgans Verlorenheit und
den nahen Begegnungen zwischen den wenigen
Protagonisten des Films sind impressionistisch
und konkret zugleich. Bertl kann Gefühle sicht-
bar machen, weil sich seine Instrumente (wie
Linse und Licht) für die Figuren vor der Kamera
persönlich interessieren. „Als Mittler befindet
sich die Kamera im Dialog von Spiel und Regie,
sie wirkt mit, atmet mit“, ist sein theoretisches
Credo, das er praktisch umzusetzen vermag.
MICHAEL BERTL
Beste Kamera
Con Amore Fabia (1993,
TV),
Bella Martha (2001),
Helen (2009),
Wintertochter (2011)
Foto: © Valeria J. Bertl
48
SEIN LETZTES RENNEN
Im
Seniorenheim
Kastanien-Männchen
zu bauen, ist nun
wirklich keine Option
für den Olympia-Veteranen Paul Averhoff,
dem Dieter Hallervorden (Beste darstellerische Leistung - männliche
Hauptrolle)
in Kilian Redhoffs
Tragikomödie
SEIN
LETZTES
RENNEN
noch mal Beine macht.
Paul Averhoff war in den fünfziger Jahren ein Star auf der längsten Langlaufstrecke
und hat 1956, als die Sommerspiele zwischen
November und Dezember in Australien (Melbourne) stattfanden, die Goldmedaille gewonnen. Deshalb kann er bei seiner aktuellen
Anmeldung im hohen Alter die Frage, ob er die
Strecke schon mal unter 2 Stunden 40 geschafft
habe, souverän mit Ja beantworten. Paul hört
auf sein immer noch fittes Herz und nicht auf
die Heimleiterin, als er sich vornimmt, am Berlin Marathon teilzunehmen und ihn in Würde zu
Ende zu laufen. Notfalls auch als Sieger. „Sonst
brauche ich ja nicht anzutreten.“
Für die Berliner Kabarett-, Theater-, TVund Kinolegende war dieser Film eine ganz
besondere Herausforderung. Und das sicher
nicht nur, weil er wirklich viel gelaufen ist. Vor
den Dreharbeiten (zur Vorbereitung) noch mehr
als während derselben. Hallervorden, vielen
Zuschauern vor allem als Fernsehkomödiant
zunächst bei den Öffentlich-Rechtlichen („Nonstop Nonsens“), dann auch im Privatfernsehen
(„Spottschau“) ein Begriff, hat in den letzten
Jahren vor allem als Theaterintendant reüssiert.
2008 übernahm er das private Schlosspark Theater in Berlin Steglitz und hat in kurzer Zeit „ein
gutes Sprechtheater mit namhaften Künstlern“
(so sein Plan) daraus gemacht.
Dass Hallervorden, der im Kino der
achtziger als Didi Komödienerfolge (DIDI DER
DOPPELGÄNGER, R: Reinhard Schwabenitzky)
feierte, auch anders konnte und kann, ist nicht
erst in SEIN LETZTES RENNEN unübersehbar.
Bereits in Tom Toelles und Wolfgang Menges
TV-Klassiker „Das Millionenspiel“ verschaffte
Hallervorden als Killer Köhler dem Zuschauer
eine Gänsehaut. Damals hatte man Angst.
Heute lässt er echte Empathie entstehen. Man
leidet, lacht und weint mit diesem Mann, der
würdig altert, anstatt alberne Seniorenspielchen spielen zu müssen.
DIETER
HALLERVORDEN
Beste männliche
Hauptrolle
Didi und die Rache der
Enterbten (1985),
Der Experte (1988),
Alles Lüge (1992),
Das Mädchen und der
Tod (2012)
Foto: © DERDEHMEL
49
TORE TANZT
Tores Taufe ganz zu
Beginn
des
Films
besteht aus Bildern
des Neuen Testamentes. Auch wenn das
Personal dieser Szene,
deren Musik klingt, als
höre man sie – wie ein
Täufling eben – unter
Wasser, eher aussieht
wie Fans beim Rock am
Ring. Die Jesus Freaks
sind gepierct, tragen
löchrige T-Shirts und
tanzen Pogo. Tore steigt also zu Beginn des Films
in einen Fluss. Dort hat der berühmteste Baptist
der christlichen Religionsgeschichte, Johannes
der Täufer, die Menschen auch getauft. Das Wasser als Element der Erlösung, das ist nicht nur ein
christliches Bild, es ist auch ein filmisches. Am
Ende des Films liegt Tore wieder im Wasser. Das
Wasser steht. Und eine Erlösung sieht anders aus.
Tores – nicht ganz unfreiwilliges – Martyrium hat
ein Ende. Es ist das berühmte Ende mit Schrecken.
Aber diesem ging ein Schrecken ohne Ende voraus.
Tore, dessen ganze Physis in ihrer Unschuld und
50
in ihrem Leid das Bild dieses Films prägt, wird
gespielt von dem jungen Theaterschauspieler
Julius Feldmeier, den der Regisseur Matthias
Glasner für die Kamera entdeckte. Glasner beriet
die Autorin und Regisseurin Katrin Gebbe (Beste
Regie) übrigens beim Drehbuch.
TORE TANZT ist das Langfilmdebüt der
Hamburger Filmemacherin Katrin Gebbe, die
an der niederländischen Acedemy of Visual Arts
and Design und der School of the Museum of the
Fine Arts in Boston studiert hat, bevor sie an die
Hamburg Media School ging und dort mit ihrem
Abschlussfilm SORES & SIRIN reüssierte – unter
anderem in Saarbrücken und bei den FIRST STEPS
Awards. Er basiert auf einer wahren Geschichte,
die die Regisseurin in der Zeitung fand, und
erzählt von der Konfrontation eines jungen, labilen,
freundlichen, orientierungslosen, aber gottesfürchtigen Mannes mit Benno, dem tyrannischen
Oberhaupt einer Patchworkfamilie (beängstigend
gut gespielt von 5-JAHRE-LEBEN-Hauptdarsteller
Sascha Alexander Geršak). Benno, dessen Sadismus
auch schon seine Familie infiziert hat, sieht in Tore
gleich ein willkommenes, aber so noch nie dagewesenes Opfer. Tore ist von Benno fasziniert, weil er
wohl hofft, das Böse in ihm überwinden zu können.
Eine schaurige Beziehung, die Katrin Gebbe mit
beachtenswerter Konsequenz inszeniert. Dabei ist
sie in keiner Sekunde des Films spekulativ oder
polemisch. Weil sie so sicher ist in der Wahl ihrer
visuellen Mittel, weil sie weiß, was man zeigen und
spielen kann, ohne die Geschichte, die Figuren und
die Zuschauer zu verraten bzw. zu betrügen, ist
dieser Film unvergesslich.
Kontrovers ist er übrigens auch. Er war
– eine bemerkenswerte Tatsache – der einzige
deutsche Film im offiziellen Programm der Filmfestspiele von Cannes 2013. Er lief in der Reihe
„Un Certain Regard“ und löste heftige Reaktionen
aus. Buhrufe, Applaus, Verrisse und Lobeshymnen im deutschen Feuilleton. Aber: „Mir gefällt
der Gedanke, den verwöhnten Zuschauer aus
dem Hochland der medialen Verköstigung ins
Tal dieser tragischen Ereignisse zu ziehen und
zu wissen, dass nachher ein Stachel zurückbleibt.
Jedenfalls ist es offenbar schon mutig, wenn man
gewisse Dinge nicht beschönigt, kein befriedigendes Ende erzählt oder mit Erzählkonventionen
bricht. Eigentlich ist alles mutig, was Zuschauer
vergraulen könnte, aber im Endeffekt auch dafür
sorgt, dass ein Film sich von der Masse abhebt.
Wir haben Entscheidungen nicht danach getrof-
fen, ob wir durch bestimmte Szenen die Altersbeschränkung erhöhen oder die Zuschauerzahlen
minimieren. Wir haben riskiert, umstritten zu
sein“, so das selbstbewusste Credo der Regisseurin, die gleich noch ein weiteres Risiko einging:
Katrin Gebbe hat sich nämlich auch für eine rare
Form der Musikdramaturgie entschieden.
Mit dem Soundtrack des Jenaer Komponisten- und Musikerduos Peter Folk und Johannes
Lehniger (Beste Filmmusik) ist kein symphonischer
Konzertabend zu bestreiten. Die Musiker, die seit
einigen Jahren (2009) unter dem Namen TROPIC
auch als Band produzieren und auftreten, haben
wenige, aber wichtige Möglichkeiten erhalten,
vorsichtige, aber starke musikalische Akzente zu
setzen. Und die Möglichkeiten sind selten da, wo
sie erwartet werden. Besonders.
KATRIN GEBBE
Beste Regie
PETER FOLK
Beste Musik
JOHANNES LEHNIGER
Beste Musik
Tore tanzt (2013)
Tore tanzt (2013)
Tore tanzt (2013)
Foto: © Berit von Enoch
Foto: © Matthias Horn
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UMMAH – UNTER FREUNDEN
Abbas (Kida Khodr
Ramadan: Beste darstellerische Leistung –
männliche Nebenrolle)
hat einen Handyladen
in Berlin-Neukölln, in
dem er auch andere
gebrauchte technische
Geräte,
Fernseher,
Radios etc., verkauft.
Als Daniel (Frederick
Lau) in seinen Laden
kommt, um einen
neuen Fernseher zu
kaufen, für den er 150 Euro" ausgeben würde,
empfiehlt ihm Abbas einen alten Röhrenfernseher, den er für 50 Euro haben kann. Daniel versteht das Angebot nicht, bis Abbas ihm lachend
erklärt: „150-Euro-Fernseher gibt es nicht in
dieser Umgebung hier. Es gibt nur 50-Euro-Fernseher oder 500-Euro-Fernseher, mehr gibt es
nicht. Wer dir was anderes gesagt hat, hat dich
angelogen.“ Daniel hat fünf Jahre als verdeckter
Ermittler beim Verfassungsschutz gearbeitet und
musste jetzt für drei Monate untertauchen. Keiner kennt ihn in seiner neuen Heimat Neukölln,
Die taz ließ er unlängst wissen, dass ihn
und ganz offensichtlich kennt er auch nicht die
Gesetze der Gegend. Abbas schafft es jedenfalls, Filmpreise nur bedingt interessieren. „Wenn dir
ihm den Fernseher zu verkaufen, voller Herzlich- aber jemand auf der Straße für den Film dankt:
keit und Freude beim Deal – so wie er alles bei Das ist wie Orgasmus.“
der Arbeit und im Leben angeht.
In seinem Debütfilm UMMAH – UNTER
FREUNDEN schickt Regisseur und Drehbuchautor Cüneyt Kaya den Verfassungsschutzmitarbeiter Daniel in eine ihm unbekannte Welt, in die
islamische Community in Berlin. „Ich habe Anfang
2012 das Buch geschrieben und es dann Kida,
einem meiner zwei Hauptdarsteller, geschickt,
denn ich habe die Rolle von Daniels arabischem
Freund (Abbas) extra für ihn geschrieben. Er
hat es gelesen und mir zugesagt.“ Kida Khodr
KIDA KHODR
Ramadan, Jahrgang 1976, ist mit Mitte zwanzig
RAMADAN
zum Schauspiel gekommen. Regisseur Neco Celik
Beste männliche
hatte ihn in einem Jugendtreff in Kreuzberg für
Nebenrolle
seinen Film ALLTAG (2002) entdeckt. Sein erster
großer Film war 2004 KEBAB CONNECTION (R:
Kebab Connection
Anno Saul), danach war er jedes Jahr mindestens
(2004),
einmal in einem deutschen Kinofilm zu sehen,
Knallhart (2006),
2006 z.B. in KNALLHART von Detlev Buck. Sein
Underdogs (2007),
schauspielerisches Spektrum beinhaltet, wie in
Ummah - Unter
dem literarischen Klassiker, die Charaktere von
Freunden (2013)
Dr. Jekyll und Mr. Hyde in einer Person.
Foto: © Nadja Klier
53
WESTEN
Eine Unpolitische, die
in den Westen will?
Das glaubte ihr zuvor
die Stasi nicht. Jetzt
glauben es CIA und
BND nicht. Jördis
Triebel (Beste darstellerische Leistung
– weibliche Hauptrolle)
spielt in Christian
Schwochows Drama
WESTEN diese Frau
(Nelly), die beharrlich
darauf besteht, aus
ganz privaten Gründen ausgereist zu sein. Vor
drei Jahren hat sich ihr russischer Freund und
Vater ihres Kindes zu einer Dienstfahrt nach
Moskau verabschiedet und ist dort bei einem
Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Einen
Abschied, ein Begräbnis gab es nie. Die Stasi hegt
Zweifel an dem Unfalltod in der Sowjetunion und
spekuliert über ein verdecktes Spionageleben.
Nelly hat genug. Wegen ihres Ausreiseantrags hat sie ihren Job als Chemikerin in der
Akademie der Wissenschaften verloren und
arbeitet nun seit zwei Jahren auf dem Friedhof.
Sie will raus aus der DDR, frei sein, um endlich
wieder als Wissenschaftlerin arbeiten zu können.
Glaubt sie noch an eine letzte Demütigung durch
die DDR, als sie sich am Grenzübergang für eine
Untersuchung nackt machen muss, erlebt sie
das Gleiche wieder, als sie im Notaufnahmelager
Marienfelde angekommen ist und ihre Lagertauglichkeit geprüft wird.
Jördis Triebel spielt die sich wandelnde
Nelly anfangs euphorisch, mit viel Wärme
und Humor ihrem Sohn gegenüber, aber auch
als Reaktion auf die Dreistigkeiten des neuen
Systems. Je länger sie im Lager ist, desto mehr
schwindet ihre Fröhlichkeit und weicht einer
Unsicherheit, der sie mit Entschlossenheit entgegensteuert. Sie will sich nicht vereinnahmen
lassen, von nichts und niemandem. Ihre Würde
verbietet es ihr. All das sieht man in Nellys Blick,
an ihrem Gang über den Lagerhof, an der Art,
ihren Sohn beschützend an die Hand zu nehmen
und daran, wie sie Nähe und Distanz zu anderen
Menschen immer wieder neu ausbalanciert.
Ihren Durchbruch feierte Jördis Triebel
2006 gleich mit ihrer ersten großen Hauptrolle
in Sven Taddickens Film EMMAS GLÜCK, mit der
sie schon einmal für den Deutschen Filmpreis
nominiert war. Damals verteidigte sie als zärtliche Schweinezüchterin Emma ihren bankrotten
Bauernhof mit der Flinte, jetzt findet sie als Nelly
mit einer ähnlichen Mischung aus Verletzlichkeit
und Stärke den Weg für ein neues Leben.
JÖRDIS TRIEBEL
Beste weibliche
Hauptrolle
Emmas Glück (2006),
Die Päpstin (2009),
Ein guter Sommer
(2011, TV),
Meine Schwestern
(2013)
Foto: © Mathias Bothor
54
ZWEI LEBEN
Die Geschichte ist
nicht leicht wiederzugeben. ZWEI LEBEN
erzählt von einer
Frau, die mit ihrer
Familie ein scheinbar
perfektes Leben in
einem norwegischen
Küstenort führt. Doch
mit der politischen
Neuordnung Europas
1989 holt sie ihre
Vergangenheit
ein:
Als Tochter einer Norwegerin und eines deutschen Soldaten wurde
sie als Kind von den Nazis in ein Kinderheim
nach Sachsen verschleppt und wuchs dort auf.
Als Mittzwanzigerin floh sie aus der DDR nach
Norwegen, zu ihrer leiblichen Mutter Åse (Liv
Ullmann). Diese Geschichte stimmt so, und sie
stimmt auch wieder nicht. Hier vermischen
sich zwei Leben, das Leben der ostdeutschen
Spionin Katrine Evensen Myrdal (Juliane Köhler, Beste darstellerische Leistung – weibliche
Hauptrolle), die irgendwann das Leben der Norwegerin Katrine Evensen (Klara Manzel) über-
nommen hat, um der Stasi Informationen aus
dem Westen liefern zu können. Regisseur und
Autor Georg Maas verknüpft in seinem Film das
labyrinthische Zeitgeschichtsdrama einer Frau
mit der Frage nach Wahrheit und Lüge, Schuld
und Unschuld.
Dass sich die Geschichte dem Zuschauer
einleuchtend nach und nach zusammensetzt,
liegt vor allem auch an dem gekonnten Schnitt
von Hansjörg Weißbrich (Bester Schnitt). In
verfremdet grobkörnigen Rückblenden fächert
sich Katrines Vorgeschichte langsam auf
und das Lügengerüst zerfällt. Juliane Köhler
gelingt es, ihre geheimnisvolle Figur in ihrer
Widersprüchlichkeit zu zeigen, sie ist die
Antiheldin. Ihre beherrschte Mimik wechselt
zu einem panischen Blick, als sich ihr lang
gehütetes Geheimnis lichtet. Und als sie sich
am Ende der Mutter öffnet, vermag Köhler in
kleinen Gesten den tiefen Schmerz ihrer Figur
auszudrücken. Dass sie die Rolle der Katrine
übernehmen muss, stand für Georg Maas, der
schon bei seinem letzten Film NEUFUNDLAND
in einer kleinen Rolle mit ihr gedreht hatte,
von Anfang an fest. Nachdem sie die erste
Drehbuchfassung gelesen hatte, war sie so
AXEL HELGELAND
Bester Spielfilm
RUDI TEICHMANN
Bester Spielfilm
Pan (1995),
Mendel (1997),
I am Dina (2002),
Appelsinpiken (2009)
Der Ball (1999),
Science Fiction (2002),
Max manus (2008),
Taxi (2014)
55
begeistert, dass sie sich in der Finanzierungsphase sehr für das Zustandekommen des Films
eingesetzt hat.
ZWEI LEBEN ist eine deutsch-norwegische Gemeinschaftsproduktion von Zinnober
Film in Aachen (Dieter Zeppenfeld, Bester
Spielfilm), B&T Film GmbH in Hamburg und
Berlin (Rudi Teichmann, Bester Spielfilm)
und der norwegischen Helgeland Film (Axel
Helgeland, Bester Spielfilm). Produzent Dieter
Zeppenfeld hatte bei einem Empfang der Filmund Medienstiftung NRW die Autorin Hannelore Hippe wiedergetroffen, die er viele Jahre
nicht gesehen hatte. Sie erzählte ihm von ihrem
neuen, noch unveröffentlichten Roman, dessen
deutsch-norwegische Geschichte einen Bogen
von der Nazizeit über die DDR bis in die Gegenwart spannt. Das war ein Stoff fürs Kino und der
Startschuss für eine weitere Zusammenarbeit
mit dem Regisseur Georg Maas.
DIETER ZEPPENFELD
Bester Spielfilm
NeuFundLand (2003),
Familie Sonnemann
(2004),
Zwei Leben (2012),
Taxi (2014)
Foto: © Ruth Kappus
56
JULIANE KÖHLER
Beste weibliche
Hauptrolle
HANSJÖRG
WEIßBRICH
Bester Schnitt
Aimée und Jaguar
(1999),
Nirgendwo in Afrika
(2001),
Mein erstes Wunder
(2002),
Mondkalb (2007)
Requiem (2006),
John Rabe (2009),
Sturm (2009),
Nachtzug nach
Lissabon (2013)
Foto: © Marco Nagel
PROUD TO HAVE SERVICED
WIR DRÜCKEN DEN NOMINIERTEN DIE DAUMEN.
www.arri.com/ams
ALPHABET
Ein Film, der sich mit
einem der wichtigsten und drängendsten
Probleme unserer Zeit
beschäftigt – nämlich
der Bildung bzw. ihrer
virulenten Misere –,
kann weder mit einer
These beginnen, noch
mit
einer
enden.
Regisseur
Erwin
Angst oder Liebe
Wagenhofer
begibt
sich mit seinem Film
auf
eine
globale
Exkursion durch die Systeme und Theorien der
menschlichen Edukation. Er trifft unterschiedlichste Protagonisten vom Bildungsexperten
über Bildungsbürokraten bis zu Bildungsopfern.
Zu letzteren gehören sicherlich die
Teilnehmer der „Mathematik Olympiaden“ in
China – beängstigende Zahlen-Wettkämpfe, bei
denen Schüler zu Leistungssportlern des Hirns
werden. Dass Bildung anders aussehen muss,
betont natürlich der Pädagogik-Guru Sir Ken
Robinson aus Liverpool, für den die Fähigkeit
zu unangepasstem Denken zur Voraussetzung
Nach
WE FEED THE WORLD
und
LET! S MAKE MONEY
Der neue Film von
artwork: esterer und horn foto: thomas röher, www.H2OFoto.de
ERWIN WAGENHOFER
58
Kamera und Regie ERWIN WAGENHOFER Assistenz SABINE KRIECHBAUM Ton LISA GANSER, NILS KIRCHHOFF, TONG ZHANG Sounddesign DANIEL WEIS Tonmischung ANSGAR FRERICH Musik ANDRÉ STERN
Montage MICHAEL HUDECEK, MONIKA SCHINDLER, ERWIN WAGENHOFER Buch SABINE KRIECHBAUM, ERWIN WAGENHOFER Produktionsleitung PETER JANECEK, KATHLEEN REINICKE, CLAUS FALKENBERG
Produzenten MATHIAS FORBERG, VIKTORIA SALCHER, PETER ROMMEL
www.alphabet-! lm.com
eines menschlichen Bildungssystems gehört.
Für Robinson ist die Bildung auf dem richtigen
Weg, wenn sie – wie übrigens bei Kindern im
Vorschulalter üblich – mehr als eine Antwort
auf eine Frage zulässt. Schwer kompatibel mit
einem Rennen im Rechnen. Auch eher auf seiner Seite der jüdische Exilant Arno Stern, der
direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in
Frankreich mit Kindern pädagogisch zu arbeiten begann, indem er sie malen ließ. Daraus ist
sein spielerisch-pädagogisches Konzept des
„Malortes“ entstanden, das er selbst als völlig
neues, universell funktionierendes sozusagen
kognitives Alphabet ausgemacht hat.
Irgendwo dazwischen liegt der beflissene
deutsche Statistiker Andreas Schleicher, der in
der ganzen Welt als „Mister Pisa“ geachtet und
gefürchtet ist. Er hat dieses nicht unumstrittene
Programm zur Messung des Bildungsstandes
international koordiniert. Dabei kann er liberale oder noch offener denkende Pädagogen und
Wissenschaftler nicht auf seine Seite bekommen.
Auch nicht den deutschen Hirnforscher
Gerald Hüther, der wenig davon hält, Menschen
zu ihrem Glück zur Bildung zu zwingen.
Regisseur Erwin Wagenhofer wurde nach
einigen Kurzfilmen in den letzten Jahren vor
allem mit aufklärerischen Dokumentarfilmen
bekannt, von denen WE FEED THE WORLD
(2005) über die Zustände in der Ernährungsindustrie und LET`S MAKE MONEY (2008) über
den Zustand des internationalen Finanzwesens die wichtigsten sind. Mit ALPHABET will
Wagenhofer nach eigenem Bekunden der Frage
nachgehen, wie es grundsätzlich zu den in
diesen Filmen beschrieben „Verwerfungen und
Fehlentwicklungen“ kommen konnte. Und dafür
hat er dann doch eine These: „Es liegt daran, wie
wir auf dieses Leben vorbereitet werden, wie wir
erzogen, sozialisiert und letztlich gebildet werden – mit anderen Worten, welches Alphabet wir
übergestülpt bekommen, mit dem ausgerüstet
wir dann auf und in die Welt losgehen.“
Nachdem Wagenhofer die beiden Vorläufer
von ALPHABET (und auch die Liebesgeschichte
BLACK BROWN WHITE mit Fritz Karl) mit
dem renommierten österreichischen Produzenten Helmut Grasser und dessen Allegro Film
zusammen gemacht hatte, fand die Produktion
von ALPHABET in neuer produzentischer Konstellation statt. Matthias Forberg und Viktoria
Salcher, Prisma Film (Bester Dokumentarfilm)
auf österreichischer und der von Berlin aus
agierende Peter Rommel, Rommel Film (Bester
Dokumentarfilm) auf deutscher Seite stemmten
die aufwändigen Vorbereitungs-, Finanzierungsund Dreharbeiten zu einem erneut globalen
Projekt. Forberg ist seit 2003 Geschäftsführer der
Prisma Film, die unter anderem auch Spielfilme
wie von Götz Spielmann (REVANCHE, 2008) produziert hat. Seit 2008 ist die Filmkauffrau und
Produktionsleiterin Viktoria Salcher ebenfalls
Produzentin bei der Prisma.
Der mehrfache Filmpreis-Träger Peter
Rommel hat das Projekt in enger Zusammenar-
Foto: © Christiano Tekirdali
beit mit seinen österreichischen Kollegen auf
deutscher Seite entwickelt und vorangetrieben.
Rommel, der 2012 als Produzent von Andreas
Dresens HALT AUF FREIER STRECKE eine
Spielfilm-LOLA gewann und im letzten Jahr mit
der Bestseller-Verfilmung FEUCHTGEBIETE (R:
David Wnendt) einen großen künstlerischen und
kommerziellen Erfolg landen konnte, war bereits
mit dem deutsch-österreichischen Dokumentarfilm BACK TO AFRICA von Othmar Schmiderer
bilateral unterwegs.
MATHIAS FORBERG
Bester Dokumentarfilm
PETER ROMMEL
Bester Dokumentarfilm
VIKTORIA SALCHER
Bester Dokumentarfilm
Revanche (2008),
Am Ende des Tages
(2011),
Grenzgänger (2012),
Alphabet (2013)
Angels of the Universe
(2000),
Halbe Treppe (2002),
Sie haben Knut (2003),
Halt auf freier Strecke
(2011)
Am Ende des Tages
(2011),
Grenzgänger (2012),
Alphabet (2013),
Blick in den Abgrund
(2013)
Foto: © Peter Hartwig
Foto: © Ruth Ehrmann
59
BELTRACCHI – DIE KUNST DER FÄLSCHUNG
„Ich wage zu behaupten,
dass es leichter ist,
ein Bild für eine halbe
Million zu verkaufen
als für 10.000. Warum?
Na, da glaubt einfach
keiner mehr, dass es
nicht echt ist.“
Wolfgang
Beltracchi spricht gern
von seinen Gemälden
und
seiner
Fälscher-Kunst. Er lacht
schelmisch, wenn er
seine Lebensgeschichte erzählt. Regisseur und
Produzent Arne Birkenstock, Fruitmarket Kultur
und Medien Produktion (Bester Dokumentarfilm)
war auf Beltracchi aufmerksam geworden, weil
sein Vater in dem Prozess gegen den Fälscher und
seine Frau Helene der Strafverteidiger war. Arne
Birkenstock erkannte ihn als eine spannende Kinofigur, recherchierte und bemühte sich sowohl bei
den Beltracchis als auch bei den Geschädigten um
das Vertrauen, diesen Film machen zu dürfen. Mit
den beiden Kölner Produzenten Helmut G. Weber
und Thomas Springer, Tradewind Pictures (Bester
60
Dokumentarfilm), mit denen Arne Birkenstock seit
seinem ersten Kino-Dokumentarfilm 12 TANGOS –
ADIOS BUENOS AIRES (2005) zusammenarbeitet,
entwickelte er das Projekt und begann nach Prozessende im Herbst 2011 zu drehen.
Beltracchi ist in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Malen zum Alltag gehörte. Sein Vater
war Kirchenrestaurator, und Beltracchi half ihm
gelegentlich aus. Er interessierte sich sehr für
Kunst, Gemälde, zog über die Flohmärkte, erstand
alte Bilder und verkaufte sie teurer weiter. Mit
falschen Bildern Geld zu verdienen, begann er, als
ihm die Flohmarkthändler beim Weiterverkauf
von Bildern mit einer Winterlandschaft erklärten,
dass Bilder grundsätzlich wertvoller würden,
wenn auch Menschen darauf zu sehen seien. Also
malte Beltracchi Schlittschuhläufer ins Winterbild
– und verdiente prompt mehr. Er übte sich in der
Anpassung des Stils, fand die Bilder trotzdem oft
nicht gut und malte in der Konsequenz die Bilder
irgendwann einfach neu. Das war der Anfang seiner Fälscher-Karriere. Schritt für Schritt. Schnell
hatte er auch die verschiedenen Künstler-Signaturen erlernt und lieferte neue Bilder aus den vermeintlichen Lücken im Lebenswerk großer Maler.
Alle waren glücklich: Beltracchi selbst, weil es ihm
Spaß machte und er obendrein eine Menge Geld
damit verdiente, der Kunst-Experte freute sich
über eine neue Entdeckung, und Galeristen oder
Kunstsammler jubelten, dass endlich wieder ein
neues Gemälde auf dem Markt war.
Dass alles so einfach gehen würde, niemand
hätte das vorher geglaubt. Niklas Maak, Kunstkritiker und Redakteur der FAZ, schüttelt den Kopf
über so viel Gutgläubigkeit im Kunstbetrieb: „Wie
er es geschafft hat, ohne großes Team, sämtliche
vermeintliche Zentralen der Kompetenz und Macht
in der internationalen Kunstszene auszuschalten,
eine nach der anderen – wie ein schlechter Cowboyfilm. Einer kommt und mäht einen Sheriff nach
dem anderen weg. Das ist ja selten so gesehen
worden – wie in dem Fall Beltracchi.“
BELTRACCHI – DIE KUNST DER FÄLSCHUNG sieht manchmal aus wie ein kleiner
Fälscher-Kurs. Gearbeitet wird mit einem 50-EuroBild vom Flohmarkt. Beltracchi beizt die Farbe von
der Leinwand ab und bemalt diese neu. Später
trocknet er das fertige Bild, bügelt es, stopft den
vorher gesammelten, alten Dreck wieder hinter
den Rahmen und testet zum Schluss den Geruch.
„Bilder riechen ja nach den Räumen, in denen sie
gehangen haben. Früher habe ich mir mal einge-
bildet, ich rieche, ob ein Bild aus Belgien oder aus
Deutschland kommt“, erklärt Beltracchi – nicht
unbescheiden – seine Vorgehensweise.
Dass viele, Experten und Liebhaber, durch
Beltracchi und seine Fälscher-Werkstatt stark
geschädigt wurden, ist im Strafprozess verhandelt
und verurteilt worden. Dass das Kino solche Typen
wie Beltracchi liebt, ist eine andere Geschichte und
liegt in der Natur der Sache. Arne Birkenstock und
sein Team wussten, dass das Kino, die große Kunst
der Illusion, der ideale Ort für diese Geschichte ist.
Wenn Helene Beltracchi sich für ein Beweisfoto zu
einem Gemälde als ihre eigene Großmutter ver-
kleidet, dann wirkt das so unbekümmert wie der
Umgang des frühen Kintopp mit Realität und Fake
– und erinnert uns einmal mehr daran, dass Wahrheit hinter jedem Bild verschwindet.
ARNE BIRKENSTOCK
Bester Dokumentarfilm
THOMAS SPRINGER
Bester Dokumentarfilm
HELMUT G. WEBER
Bester Dokumentarfilm
12 Tangos - Adios
Buenos Aires (2005),
Chandani und ihr
Elefant (2010),
Sound of Heimat
(2012),
Die Moskauer Prozesse
(2014)
Freundinnen und
andere Monster (1998),
Mein Bruder ist ein
Hund (2004),
Chandani und ihr
Elefant (2010),
Pettersson & Findus
(2014)
Mein Bruder ist ein
Hund (2004),
Das Orangenmädchen
(2009),
Chandani und ihr
Elefant (2010),
Pettersson & Findus
(2014)
61
MASTER OF THE UNIVERSE
„Wir leben in einem
kapitalistischen
System. Wenn ich also
meine Welt verstehen
möchte, muss ich mich
auch mit der Wirtschaftswelt
beschäftigen.
Ich
wollte
herausfinden, wer sich
eigentlich hinter dem
ominösen Begriff die
‚Märkte‘ verbirgt. Das
sind Menschen. Und
Menschen
funktionieren nach gewissen Mechanismen. Diese haben
mich interessiert.“
Regisseur und Produzent Marc Bauder, bauderfilm (Bester Dokumentarfilm) lässt in seinem
neuen Film MASTER OF THE UNIVERSE einen der
Master, den ehemaligen Investmentbanker Rainer
Voss, zu Wort kommen, dessen Erfahrungen und
Interpretationen einen tiefen Blick in den Abgrund
des entfesselten Finanzkapitalismus ermöglichen.
Für Bauder war es ein purer Glücksfall, Rainer
Voss gefunden zu haben. Als er für sein Spielfilmprojekt RAZZIA recherchiert hat, ist er auf einen
62
Abgeordneten im Bundestag gestoßen, der sich bei
speziellen Kapitalmarktfragen Rat von einem hochrangigen Investmentbanker einholte – das war der
richtige Mann. Für einen Testdreh suchte Bauder
dann mit seinem Kameramann Börres Weiffenbach
einen idealen Ort und fand ihn in einem der vielen komplett leerstehenden Bankgebäude. Das 15.
Stockwerk mit Blick auf die Frankfurter Finanzwelt
war der passende Reflexionsraum für Rainer Voss
als Prototyp des erfolgreichen Investmentbankers.
Schnell waren Esther Schapira und der Hessische
Rundfunk von der Tragweite dieses Unternehmens
überzeugt und unterstützten das Projekt sofort.
Produziert hat Marc Bauder den Film zusammen mit der österreichischen Produktionsfirma
NGF Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion, die 1994
von Nikolaus Geyrhalter in Wien gegründet wurde
und seit 2003 mit den Teilhabern Markus Glaser
(Bester Dokumentarfilm), Michael Kitzelberger
und Wolfgang Widerhofer (Bester Dokumentarfilm)
Dokumentar- und Spielfilme fürs Kino sowie Arbeiten mit hohem qualitativen Anspruch fürs Fernsehen herstellt. Marc Bauder kennt und schätzt die
Produktionen von NGF schon länger und war an
einer Zusammenarbeit sehr interessiert. Umgedreht war Bauder den österreichischen Filminte-
ressierten schon 2004 bei der ersten Ausgabe des
nunmehr jährlich in Linz stattfindenden Filmfestivals Crossing Europe mit seinem Dokumentarfilm
GROW OR GO aufgefallen.
Marc Bauder hat ursprünglich Betriebswirtschaftslehre studiert und kennt sich mit finanzpolitischen Themen sehr gut aus. Für ihn war immer
klar, dass er die Geschichte über die nebulösen
Praktiken, die mit dem Zusammenbruch der New
Yorker Investmentbank Lehman Brothers zur internationalen Krise führten, nur von innen heraus und
mithilfe der realen Akteure erzählen könne. Dass er
2008, zur Zeit der Lehman-Pleite, Vater wurde, war
für ihn großer Ansporn, diesen Film zu machen:
„Mir wurde klar, dass es vor allem die Generation
meines Sohnes sein wird, die die vollen Konsequenzen der heutigen Krise zu spüren bekommt.“
Regisseur Marc Bauder entwickelt und
dreht sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme,
produziert aber nur seine Dokumentarfilme
auch selbst. Im Laufe der Arbeit sucht er sich
dann Sender und Co-Produktionspartner, die
ihn unterstützen. Wenn dann alles schon in den
richtigen Bahnen ist und man anfangen kann
zu drehen, holt sich Bauder noch einen ausführenden Produzenten mit an Bord, bei MASTER
OF THE UNIVERSE war das Gunther Hanfgarn.
Marc Bauder erzählte, dass er beim Dreh zu
MASTER OF THE UNIVERSE das erste Mal viel
Geld für eine Location bezahlt hat, Protagonisten
von Dokumentarfilmen bekommen bei ihm generell kein Geld. Er findet, dass beide, Regisseur
und Protagonist, eine Abmachung miteinander
eingehen, gemeinsam ein gewisses Risiko zu
tragen. Deshalb fließt kein Geld für Gespräche
und Informationen. Wenn aber ein leerstehendes
Bankgebäude zum zweiten Protagonisten im Film
wird, muss auch Geld fließen. Am Anfang sollten
es 1000 Euro pro Tag sein. Im Nachhinein bemerkt
Bauder scherzhaft: „Mit dem Protagonisten
konnte man ja auch nicht verhandeln, der war
hart wie Stein.“ Am Ende hat es aber doch noch
Spielraum gegeben und sie haben für die 15 Drehtage letztlich 7000 Euro bezahlt. Im Finanzkapitalismus wird selbst aus Ruinen bares Geld.
MARC BAUDER
Bester Dokumentarfilm
MARKUS GLASER
Bester Dokumentarfilm
Grow or go (2003),
Jeder schweigt von
etwas anderem (2006),
Das System (2011),
Master of the Universe
(2013)
Unser Täglich Brot
(2005),
Mein halbes Leben
(2008),
Donauspital (2012),
Population Boom (2013)
WOLFGANG
WIDERHOFER
Bester Dokumentarfilm
Unser täglich Brot
(2005),
Der Räuber (2010),
Michael (2011),
Abendland (2011)
63
BIBI & TINA
Mit Pferden kennt sich
Regisseur Detlev Buck
mittlerweile recht gut
aus. Besonders, wenn
sie echt enge Freundschaften mit den jungen Protagonistinnen
und
Protagonisten
seiner
Kinderfilme
geschlossen
haben.
In Bucks frühen Tragikomödien aus dem
Norden der Republik
hatten es ihm eher die
Vierbeiner angetan, die Milch und Fleisch spendeten und mal als Hauptfiguren wie in SCHWARZBUNT MÄRCHEN (1988) und mal als Opfer wie
in KARNIGGELS (1991) auftrampeln durften. Mit
der LOLA-gekrönten Verfilmung des erfolgreichen
Romans HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI, der
fraglos zum inoffiziellen Kanon des deutschen
Kinderfilms gehört, bewies er sein emotionales
Verständnis, die besondere Beziehung zwischen
Kindern und Tieren filmisch überzeugend umzusetzen. Für seinen zweiten Kinderfilm griff er
zwar nicht direkt auf ein konkretes Kinderbuch,
aber auf eine bekannte Figurenkonstellation
zurück: Die Freundschaft zwischen der sprunghaften Nachwuchshexe Bibi Blocksberg und ihrer
irdischen Freundin Tina Martin – bekannt aus der
Hörspielserie „Bibi & Tina“, bei der einige Folgen
auf einem Reiterhof spielen.
Zusammen mit Christoph Daniel und
Marc Schmidheiny von DCM Pictures (Bester
Kinderfilm) haben sich Detlev Buck und Sonja
Schmitt von der Boje Buck Produktion GmbH
(Bester Kinderfilm) daran gemacht, aus diesen
beliebten akustischen Vorlagen eine optisch wirkungsvolle und für etwas ältere Kinder attraktive
Geschichte zwischen einer Fantasiewelt und der
emotionalen Realität entstehen zu lassen. Das
Drehbuch schrieb die erfahrene Fernseh-Autorin
Bettina Börgerding („Liebe, Babys und Familienglück“, „Sexstreik“, „Die Rosenheim-Cops“),
für das Casting der jungen Darstellerinnen und
Darsteller (Lina Larissa Strahl, Lisa-Maria Koroll
und Louis Held) war die Berliner Spezialistin
Jacqueline Rietz verantwortlich, die auch die
Besetzung für TOM SAWYER, HANNI UND NANNI
oder TEUFELSKICKER besorgt hatte.
DCM Pictures vereinigt die Initialen der
Vornamen seiner Gründer Dario Suter, Christoph
Daniel und Marc Schmidheiny zu einem neuen
Markenzeichen in der deutschen Filmbranche. Die
drei Geschäftsfreunde (im doppelten Wortsinn)
stammen aus der Schweiz und begannen 2008 mit
der Produktion des Irak-Kriegs-Drama WAFFENSTILLSTAND (R: Lancelot von Naso) ihr filmisches
Engagement mit der Gründung einer Produktionsfirma in Berlin. Es folgten die internationalen
Koproduktionen KON-TIKI (R: Joachim Ronning,
Espen Sandberg) und QUARTETT, das Regiedebüt
von Dustin Hoffman. Mittlerweile betreiben sie
auch einen international aufgestellten Filmverleih, für den maßgeblich Dartio Suter zuständig
DETLEV BUCK
Bester Kinderfilm
Sonnenallee (1999),
Knallhart (2006),
Same same but different (2009),
Die Vermessung der
Welt (2012)
Foto: © DCM/Monic Johanna Schmidheiny
64
ist, der bei BIBI & TINA als Koproduzent fungierte.
Der Verleih brachte diesen Film auch in die Kinos.
Detlev Buck und Sonja Schmitt sind schon seit vielen Jahren ein eingespieltes Team. Sonja Schmitt
arbeitet bereits seit 1992 mit Detlev Buck zusammen. Damals war sie Produktionsassistentin in
der von Buck und Claus Boje gegründeten Firma
Boje Buck. Danach war sie bei fast allen Produktionen der Firma als Herstellungsleiterin aktiv. Bei
Leander Haußmanns ROBERT ZIMMERMANN
WUNDERT SICH ÜBER DIE LIEBE (2008), JONAS
von Robert Wilde (2011) und nun BIBI & TINA
ist sie Produzentin. Nach dem Publikumserfolg
dieses Films bereitet das Team nun einen zweiten
Teil vor. Bei Filmen mit Protagonistinnen und Protagonisten in diesem Alter muss so etwas immer
schneller gehen.
CHRISTOPH DANIEL
Bester Kinderfilm
MARC SCHMIDHEINY
Bester Kinderfilm
SONJA SCHMITT
Bester Kinderfilm
Waffenstillstand
(2009),
Kon-Tiki (2011),
Quartett (2012),
A long way down (2013)
Waffenstillstand
(2009),
Kon-Tiki (2011),
Quartett (2012),
A long way down (2013)
Robert Zimmermann
wundert sich über die
Liebe (2008),
Jonas – stell‘ dir vor es
ist Schule (2011),
Bibi & Tina (2014)
Foto: © DCM/Monic Johanna Schmidheiny
Foto: © DCM/Monic Johanna Schmidheiny
Foto: © DCM/Monic Johanna Schmidheiny
65
OSTWIND
„Er trägt seinen Namen
nicht umsonst – der
Ostwind. Das ist ein
unberechenbarer Wind:
Mal bringt er Sonne,
lässt alles blühen,
dann wieder Kälte und
Sturm, der die Felder
verwüstet.“
Als Mika (Hanna
Binke) für die Ferien
von ihren Eltern (Nina
Kronjäger und Jürgen
Vogel) auf das Gut
Kaltenbach, das Pferdegestüt ihrer strengen Großmutter (Cornelia Froboess), geschickt wird, um dort
ohne alltägliche Ablenkungen für das neue Schuljahr lernen zu können, trifft sie in der dunkelsten
Box des Pferdestalls auf den rebellischen Hengst
mit dem programmatischen Namen. Er ist eingesperrt und allein, sie empfindet sofort Empathie.
Weil sie wegen ihrer schlechten Noten nicht mit
der Schulfreundin ins Feriencamp fahren durfte,
fühlt sie sich von den Eltern verraten – und als
Außenseiterin. Was soll sie hier auf dem Pferdehof?
Sie kann ja nicht mal reiten. Und die vielen Schul66
bücher, die sie mitschleppen musste, interessieren
sie am allerwenigsten. Die einzigen Momente, in
denen sie sich wohlfühlt, sind im Stall, wenn sie
bei Ostwind ist. Der Hengst gilt als gefährlich, lässt
niemanden an sich heran. Die Großmutter, der
Stalljunge, alle meiden das Pferd. Nur Mika findet
einen magischen Draht zu ihm: Sie spricht mit ihm,
sie reinigt ihn, manchmal schläft sie auch bei ihm
in der Box. Als sie heimlich belauscht, dass ihre
Oma und der Tierarzt (Detlev Buck) schon einen
Abdecker für das Pferd bestellt haben, beschließt
sie Ostwind zu retten.
Die Produzenten Ewa Karlström und Andreas
Ulmke-Smeaton von SamFilm (Bester Kinderfilm)
hatten schon lange mit dem Gedanken gespielt,
einen richtigen Pferdefilm zu machen. „Es gibt eine
riesige Pferdefangemeinde, gerade bei den jungen
Mädchen. Und einen Film, der auf die Bedürfnisse
dieser Gemeinde zugeschnitten ist, gab es einfach
nicht in Deutschland, wenn man einmal von Detlev
Bucks HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI absieht, der
sehr schön, aber auch kein typischer Pferdefilm ist.
Wir fanden also, dass es Zeit war für ein richtiges
Pferdeabenteuer für die ganze Familie“, beschreibt
Ewa Karlström ihre Intention. Sie erzählten den
beiden Drehbuchautoren Lea Schmidbauer und
Kristina Magdalena Henn, mit denen sie bereits bei
GROUPIES BLEIBEN NICHT ZUM FRÜHSTÜCK
(2010, R: Marc Rothemund) zusammengearbeitet
hatten von ihrem Vorhaben und bekamen bald eine
Drehbuchfassung, in der schon alle wichtigen Figuren und Handlungsstränge von OSTWIND angelegt
waren. Als sich Regisseurin Katja von Garnier, die
selbst zwei Pferde hat und seit ihrer Kindheit gern
reitet, für das Projekt interessierte, war es bald ihr
Film. Ewa Karlström und Katja von Garnier sind
schon sehr lange befreundet, sie haben Ende der
80er Jahre zusammen an der HFF München studiert und gründeten 1990 auch ihre erste Produktionsfirma miteinander – die Vela-X Filmproduktion.
Katja von Garniers knapp einstündiger Abschlussfilm ABGESCHMINKT! war ihre erste gemeinsame
Produktion, mit der sie über eine Million Zuschauer
ins Kino lockten.
Geschichten zu entwickeln und Filme zu
produzieren, die ihren Zuschauer ernst nehmen
und ihm etwas bieten wollen, ist das Credo von
SamFilm, die auch die Publikumserfolge DIE
WILDEN KERLE (2003, R: Joachim Masannek)
und FÜNF FREUNDE (2012, R: Mike Marzuk)
produziert haben. Karlström und Ulmke-Smeaton
haben SamFilm 1996 in München gegründet und
konnten ihren ersten großen Kinoerfolg 1998 mit
der Beziehungskomödie DAS MERKWÜRDIGE
VERHALTEN GESCHLECHTSREIFER GROßSTÄDTER ZUR PAARUNGSZEIT (R: Marc Rothemund)
feiern. Mit Annette Focks (Beste Filmmusik), die
die Instrumentalmusik zu OSTWIND komponiert,
arrangiert, orchestriert und produziert hat, haben
SamFilm und Katja von Garnier zum ersten Mal
zusammen gearbeitet. Die gebürtige Münchnerin
schreibt seit 15 Jahren Filmmusiken, sie hat u.a.
die Kompositionen zu VIER MINUTEN (R: Chris
Kraus), EIN FLIEHENDES PFERD (R: Rainer Kaufmann), KRABAT (R: Marco Kreuzpaintner), POLL
(R: Chris Kraus), JOHN RABE (R: Florian Gallenberger) und DREIVIERTELMOND (R: Christian
Zübert) gemacht und ist nun zum dritten Mal für
den Deutschen Filmpreis nominiert.
EWA KARLSTRÖM
Bester Kinderfilm
ANDREAS
ULMKE-SMEATON
Bester Kinderfilm
Abgeschminkt! (1993),
Das merkwürdige
Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur
Paarungszeit (1998),
Die wilden Kerle 1-5
(2003-2008),
Groupies bleiben nicht
zum Frühstück (2010)
Foto: © SamFilm GmbH
Das merkwürdige
Verhalten […] (1998),
Die wilden Kerle 1-5
(2003-2008),
Es ist ein Elch
entsprungen (2005),
Fünf Freunde 1-3
(2012-2014)
ANNETTE FOCKS
Beste Musik
Vier Minuten (2006),
Poll (2010),
Nachtzug nach
Lissabon (2013),
Silent Heart / Stille
Hjerte (DK) (2014)
Foto: © SamFilm GmbH
67
SPUTNIK
So hätte es natürlich
auch sein können.
Statt einer friedlichen
Revolution auf den
Straßen von Leipzig
und Berlin hat eine
kleine Erfindung von
Kindern in der fiktiven
Kleinstadt
Malkow
dafür gesorgt, dass
die Mauer im November 1989 durchlässig
wurde. „Beam me up,
Kiddie!“ statt „Wir
sind das Volk!“. Für einen originellen Kinderfilm
mit historischer Dimension ist diese Idee nicht
nur frappierend und vorstellbar, sie ist Wirklichkeit. Der Berliner Drehbuchautor und Regisseur Markus Dietrich, Absolvent der Bauhaus
Universität Weimar und Schüler des legendären
unlängst verstorbenen DEFA-Regisseurs Günter
Reisch, hat sie sich ausgedacht und mit beachtlicher Besetzung für das Kino umgesetzt. Sein
Film SPUTNIK erzählt vom fieberhaften Versuch
dreier fantasiebegabter Kinder, eine Maschine
zu erfinden, mit der sie ihren geliebten Onkel
68
Mike (Jacob Matschenz) wieder aus dem Westen
zurückholen wollen. Dummerweise, aber ohne
dass die Kinder es wissen, wollen ihre Eltern
(Yvonne Catterfeld und Maxim Mehmet) genau
dorthin. Beide Vorhaben werden durch die Präsenz des strammen VoPo Mauder (Devid Striesow) nicht einfacher. Und am Ende, nämlich am
9. November, kommt dann sowieso alles anders.
Die Produzenten Marcel Lenz und Guido
Schwab, ostlicht filmproduktion GmbH und ihre
Kollegen Dorothe Beinemeier, Leontine Petit und
Joost de Vries, Hamster Film GmbH (Bester Kinderfilm) hatten erkannt, dass es auch fünfundDOROTHE
BEINEMEIER
Bester Kinderfilm
KussKuss – Dein Glück
gehört mir (2005),
Sputnik (2013),
Boy 7 (2014)
zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer noch keinen Kinderfilm gegeben hatte, der den November
zum Thema hatte. Dabei war ihnen klar, dass sie
mit dieser Herangehensweise gleich die ganze
Familie bei der Rezeption des Films in die Pflicht
nehmen würden. „Dieser Film wird bei Kindern
viele Fragen aufwerfen und Lust darauf machen,
sich mit diesem Teil der deutsch-deutschen und
europäischen Geschichte auseinander zu setzen.
Die Notwendigkeit einer ‚Nachbesprechung‘ mit
Eltern und Großeltern ist nicht nur erwünscht,
sondern beabsichtigt!“, betonen sie auf der offiziellen Homepage zum Film.
MARCEL LENZ
Bester Kinderfilm
Meer is nich (2007),
White White World
(2009),
Für Elise (2012),
Sputnik (2013)
Die beiden gemeinsam agierenden Produktionsfirmen haben übrigens jenseits des
Projektes durchaus unterschiedliche Ausrichtungen. Während sich die in Leipzig ansässige
Hamster Film auf Filme aus dem Bereich des
Family Entertainment spezialisiert hat, stellt
sich die Firma ostlicht mit Hauptsitz in Weimar
etwas breiter auf. Sie produzierten beispielsweise im letzten Jahr das Arthouse-Drama FÜR
ELISE (R: Wolfgang Dinslage) und engagierten
sich auch in internationalen Koproduktionen
dieses Segments.
LEONTINE PETIT
Bester Kinderfilm
GUIDO SCHWAB
Bester Kinderfilm
JOOST DE VRIES
Bester Kinderfilm
A Christmoose Story /
Midden in De Winternacht (NL) (2013),
Taking Chances /
Patatje Oorlog (NL)
(2011),
Eep! / Iep! (NL) (2010),
Frogs & Toads /
Kikkerdril (NL) (2009)
Meer is nich (2007),
White White World
(2009),
Für Elise (2012),
Sputnik (2013)
A Christmoose Story /
Midden in De Winternacht (NL) (2013),
Taking Chances /
Patatje Oorlog (NL)
(2011),
Eep! / Iep! (NL) (2010),
Frogs & Toads /
Kikkerdril (NL) (2009)
Foto: © Falco Hassink
69
Gastgeber aus Leidenschaft
EVENT ORGANISATIO N | G ÄSTEM ANAGEMENT | PUBLIC RELATIONS | HOSTESSEN
www.hardenberg-concept.de
70
71
FÖRDERMITGLIEDER & FREUNDE
ARRI Arnold & Richter Cine
e27.berlin
Paramount Pictures
Germany GmbH
Technik GmbH & Co Betriebs KG
Estée Lauder
CineStar-Gruppe CMS Cinema
Companies GmbH
PKF
Fasselt Schlage Partnerschaft
Management Service GmbH
& Co. KG
FPS Fritze Wicke Seelig
Saxonia Media
Filmproduktion GmbH
Concorde Filmverleih GmbH
Highlight Communications AG
Senator
Film Produktion GmbH
Constantin Film AG
HKR Hollmann Knappe Reimert
DCM Film Distribution GmbH
SIXT AG
Just Publicity GmbH
DFG Deutsche
FilmversicherungsGemein-
Mast-Jägermeister SE
SKW Schwarz Rechtsanwälte
schaft
maz & movie GmbH
72
Dolby Europe
Sony Pictures
Licensing Limited
Releasing GmbH
Studio Hamburg GmbH
Walt Disney Studios Motion
Pictures Germany GmbH
STUDIOCANAL GmbH
Warner Bros.
Entertainment GmbH
Telepool GmbH München
Watchever
Twentieth Century Fox
X Verleih AG
Universal Pictures
International Germany GmbH
Universum Film GmbH
upperleveltravel
Upper Level Travel
Immer mehr Personen und Firmen, die zur
Entstehung, Vermarktung und Präsentation
eines deutschen Films beitragen, fühlen
sich der Filmakademie sehr verbunden. Sie
sind Fördermitglieder und unterstützen die
gemeinsame Arbeit auch materiell.
In einem kleineren finanziellen Rahmen,
aber mit ebenso viel Engagement, sorgt auch
der größere Kreis der Freunde der Deutschen
Filmakademie dafür, dass die Akademie
lebens- und handlungsfähig bleibt. Denn
aus den Mitgliedsbeiträgen allein könnte
die Filmakademie nicht so aktiv sein wie sie
ist. Durch die jährlichen Zuwendungen der
Fördermitglieder und der Freunde kann die
Akademie lebendig arbeiten, also Personal
bezahlen, Projekte initiieren, Veranstaltungen
organisieren, ihre Außenwirkung verstärken.
Freunde und Förderer werden in das
aktive Leben der Filmakademie mit einbezogen. Sie können viele Veranstaltungen
besuchen, erhalten den Akademie-Newsletter
„Extrablatt“, können die nominierten Filme
kostenlos im Kino sehen und nehmen immer
wieder gerne an Treffen der Filmakademie-Mitglieder teil. Sie sind auch dabei, wenn
die Akademie gemeinsam mit dem BKM
einmal im Jahr den DEUTSCHEN FILMPREIS
verleiht.
Freunde und Fördermitglieder tun das,
was ihre Namen sagen: Sie fördern die Arbeit
der Deutschen Filmakademie und erweisen
damit dem deutschen Film und seinen Kreativen einen großen Freundschaftsdienst.
73
Nicole Ackermann, Geschäftsführerin | Wally Ahrweiler, Agentin | Sarah Alles, Schauspielerin | Katrin Anders, Agentin | Sigrid Andersson, Schauspielcoach | Christian
Angermayer, Unternehmer | Elke Apelt, Agentin | Gabriela Bacher, Produzentin | Silke Bacher, Agentin | Simone Bachofner, Publicist | Rolf Bähr, ehem. FFA Vorstand | Anke
Balzer, Agentin für Schauspieler | Frank Barner, Steuerberater, Rechtsanwalt | Julia Bartelt, PR-Agentin | Regine Baschny, PR Beraterin | Iris Baumüller, Casting Director
| Joachim Behnke, Wahlforscher | Caroline Beil, Schauspielerin | Marein Beissel von Gymnich, Geschäftsführerin | Astride Bergauer, Agentin | Frank Betzelt, Filmcoach
| Evi Bischof, Agentin | Gero von Boehm, Regisseur, Filmproduzent | Rüdiger Böss, SVP Group Programming Acquisitions | Mathias Bothor, Fotograf | Oliver Boy, Produzent | Elke Brand, Medienagentin | Karin Brandner, Agentin | Nicole Braun, Schauspielagentin | Frank Brauner, Rechtsanwalt | Alice Brauner, Produzentin | Wolfgang
Brehm, Filmanwalt | Bettina Breitling, Leitung Lizenzen, Filmrechte | Wolf Dietrich Brücker, Redakteur | Christoph Caesar, PR-Agent | Bernd Capitain, Schauspieler |
Christina Capitain, Schauspielerin | Xavier Chotard, Marketingberater | Daniel Tobias Czeckay, Rechtsanwalt | Cathy de Haan, Dramaturgin, Dozentin | Winfried
Demuss, Herstellungs- und Produktionsleiter | Gitta Deutz, PR-Agentin für Film und Fernsehen | Inga Dietrich, Schauspielagentin | Ulf Dobberstein, Rechtsanwalt |
Jochen Doell, Agent | Marion Döring, Geschäftsführerin | Alexander van Dülmen, CEO | Michael Düwel, Geschäftsführer | Thomas Eckelkamp, Film-/TV-Produzent |
Katharina Elias, TV-Redakteurin | Matthias Elwardt, Gesellschafter | Lilly-Draga Engel, Regisseurin | Andreas Erfurth, Agent | Andrea Etz, Agentin | Jürgen Fabritius
Lutz Fassbender, CEO | Cordula Fassbender, Wissenschaftlerin | Dirk Fehrecke, Agent für Film, TV und Theater | Claudia Fehrenbach Fitz, Schauspielagentin | Annic-Barbara Fenske, Schauspielerin | Milena Fessmann, Musicsupervisor | Alex Fiebig, PR & Promotions Manager | Cordula Fink, Agentin | Pamela Fischer, Agentin | Philipp
Fleischmann, Trailer-Produzent, Regisseur | Susanne Franke, Geschäftsführerin Theaterkunst GmbH Berlin | Egon F. Freiheit, Drehbuchautor/TV-Consultant | Mattias
Frik, Agent | Stefan Gärtner, Leiter Koproduktion und Kofinanzierung | Nicola Galliner, Festivalleiterin | Christina Gattys, Agentin | Georg Georgi, Schauspielagent |
Reinhard Gerharz, Rechtsanwalt | Max Gertsch, Schauspieler | Norbert Ghafouri, Schauspieler | Maren Gilzer, Schauspielerin | Ralph Oliver Graef, Rechtsanwalt | Nico
Grein, Producer | Gerhard Groß, Filmtheaterbetreiber | Heinke Hager, Agentin für Filmrechte | Winfried Hammacher, Produzent | Britta Hansen, Produzent | Birgit Hass,
Geschäftsführerin | Harro von Have, Rechtsanwalt | Christa Hedderich, Künstlerische Leiterin Kostüm Theaterkunst GmbH Berlin | Hemma Heine, Agentin | Franziska
Heller, Verkaufsleiterin | Alexandra Helmig, Produzentin | Marlis Heppeler, Agentin | Katharina Hiersemenzel, Rechtsanwältin | Madgar Hische, Regieassistentin | Max
Höhn, Hair & Make Up Artist | Alexandra Hölzer, Rechtsanwältin | Bernhard Hoestermann, Agent für Schauspieler | Gerti Hofmann, Gastronomin | Alexander von
Hohenthal, TV-Produzent | Mechthild Holter, Inhaber/Geschäftsführerin Players | Eva Hubert, Geschäftsführerin | Sissi Hüetlin, Filmemacherin | Britta Imdahl, Schauspielagentin | Marielouise Janssen-Jurreit, Filmautorin | Nicole Joens, Autorin | Anja Joos, Agentin | Bianca Junker, Presseagentin | Christine Kabisch, Regisseurin | Julia
Kainz, PR-Beraterin | Siegfried Kamml, Produzent | Till Kaposty-Bliss, Werbegrafiker | Anja Karmanski, Schauspielerin | Ringo Kaufhold, Schauspielagent | Uschi Keil,
Agentin | Rainer Keller, Lobbyist, Strategisches Management | Nicole Kellerhals, Dramaturgin | Dagmar Kempf, Mitarbeiterin MdB | Doris Kick, Schauspielagentin | Senta
Dorothea Kirschner, Schauspielerin | Miriam Klein, Filmproduzentin | Georg Kloster, Yorck Gruppe | Thomas Kluge, Fotograf | Henning Kober, Schauspieler | Michael
Konstabel, Archivrechercheur | Heide Kortwich, Maskenbildnerin | Bernd Krause, Producer | Detlev Krüger, Sprecher der GF Martin-Braun-Gruppe | Hildburg Krüger,
74
Fachbereichsleiterin Kunst & Kultur | Angelika Krüger-Leißner, MdB a.D. | Kathrin Kruschke, Schauspielagentin | Karin Kruse, Manager/Agent | Dagmar Kusche, Filmproduzentin | Adrian Kutter, Diplom-Kaufmann | Hilde Läufle, PR-Agentin | Sandra Lampugnani, Agentin | Renate Landkammer, Agentin | George Lenz, Schauspieler |
Thomas Letocha, Autor | Gabriele Leuter, Leitung Kostüm Kostümfundus Babelsberg GmbH | Tobias Licht, Schauspieler | Silvana Liebich, Agentin für Schauspieler |
Amélie Linder, PR-Berater | Yutah Lorenz, Schauspielerin und Artistin | Stefan Lütje, Rechtsanwalt | Lars Meier, Künstlermanager | Franz Meiller, Filmproduzent | Henner
Merle, Rechtsanwalt | Delia Merten, Schauspieler-Agentin | Susanne Mertins, Geschäftsführerin | Günther Mertins, Kinobetreiber | Philipp von Mettenheim, Rechtsanwalt | André Meyer, Geschäftsführer bei Bagainpark GmbH | Kristin Meyer, Schauspieler | Carsten Meyer-Grohbrügge, Regisseur | Caroline Millahn, Agentin | Benedict
Mirow, Regisseur, Produzent | Marketa Modra, Agentin | Stefan von Moers, Rechtsanwalt | Stefan Müller, Geschäftsführer | Petra Maria Müller | Jutta Müller, Produzentin | Katrin Näher, Agentin | Azizeh Nami, PR-Agentin | Sigrid Narjes, Agentin | Till Neumann, Rechtsanwalt | Jelka Niebling, Agentin | Michaela Niemeyer | Christoph Ott,
Verleiher | Volker Otte, Rechtsanwalt für Filmförderungsrecht | Erik Paulsen, Dialogautor & Synchronregisseur | Katharina Pauly, Agentin | Andreas Pense, Rechtsanwalt
| Michal Pokorny, Produzent | Margit Preiss, PR-Agentin | Julia Preisser, Grafik Designerin | Peter Preisser, Filmrechte Einkäufer | Hans Helmut Prinzler, Filmhistoriker
| Inga Pudenz, Manager/Agentur | Wiebke Reed, Agentin | Monika Reichel, Geschäftsleitung | Josef Reidinger | Kate Reitzenstein, Agentin | Mario Rempp, Filmtheaterbetreiber | Mariette Rissenbeek, PR Managerin | Renate Roginas, Geschäftsführerin der Villa Kult OHG | Renate Rose, European Film Promotion | Stefan Rüll, Rechtsanwalt | Anette Sack, Schauspieler-Agentin | Klaus Schaefer, FilmFernsehFonds Bayern | Friedhelm Schatz, Filmpark Babelsberg | Thorsten Schaumann, Filmkaufmann
| Harald Schernthaner, Head of Digital Filmworks | Christian Schertz, Rechtsanwalt | Thomas Scheuble, Bankkaufmann (Prokurist) | Antje Schlag, Agentin für Schauspiel,
Regie, Filmkomponisten | Heribert Schlinker, Filmkaufmann | Michael Schmid-Ospach | Marie-Luise Schmidt, Agentin | Steffen Schmidt-Hug, Rechtsanwalt | Sonja
Schmitt, Verleihchefin | Lutz Schmökel, Agent | Marc Schötteldreier, Casting Director | Frank Schubert, Schauspieler | Oliver Schündler, Geschäftsführer | Gabriela
Schultze, Vertriebsleiterin CinePostproduktion | Peter Schulze, PR-Manager | Maria Schwarz, Agentin | Petra Schwuchow, PR-Agentin | Sibylle Seidel-Gieth, Agentin |
Christian Senger, Schauspieler | Rita Serra-Roll, Produzentin | Stefanie van Hees, Moderatorin | Manuel Siebenmannm Regisseur, Autor und Produzent | Sebastian
Sieglerschmidt, Geschäftsführer | Brigitte Simons, Schauspielcoach & Schauspielerin | Ulla Skoglund, (Schauspieler)agentin | Gisela Spiering, Agentin | Inka Stelljes,
Agentin für Schauspieler | Volker Störzel, Agent Theater, Film und Fernsehen | Christiane Stützle, Rechtsanwältin für Film- und Medienrecht | Conny Suhr, PR-Agentin
| Judith Sutter, Schauspielagentin | Gisela Tatsch-Daust, Schauspielagentin | Johannes Thielmann, Produzent, Regisseur, Autor | Achim Thielmann, Bankkaufmann |
Michael Töteberg, Agent | Sonya Tuchmann, Schauspielerin | Michaela von Unger, Filmproduzentin | Margret Völker, Schauspielerin | Magnus Vortmeyer, Marketingleiter
Tobis Film | Matthias Voß, Geschäftsführer Kostümfundus Babelsberg GmbH | Christiane von Wahlert, Geschäftsführerin SPIO | Christiane Waldbauer, Schauspieleragentin | Anja Walter-Ris, Coach | Katrin Wans, Agentin | Steffen Weihe, Agent | Anne Wels, Agentin | Simone Wernet, Lektorin & Dramaturgin | Martin Wieandt,
Geschäftsführer bei LimeLight PR | Albert Wiederspiel, Filmfestleiter | Rafaela Wilde, Rechtsanwältin | Harald Will, Agent für Film Fernsehen & Theater | Max-Elmar
Wischmeyer, Agent | Sylvia Wolf, Medienberater | Beate Wolgast, Agentin | Ute Zahn, Geschäftsführerin | Sebastian Zembol, Produzent, Geschäftsführer
75
10 JAHRE DEUTSCHER FILMPREIS
Ein Rückblick auf die erste FilmpreisDekade mit der Deutschen Filmakademie
— von Günter Rohrbach
S
chon gleich zu
Anfang drohte
uns der Filmpreis
um
die
Ohren
zu fliegen. Dabei
war er doch das
Kernstück dieser
Akademie,
das
leidenschaftlich
verfochtene
und
heftig
umstrittene Motiv ihrer
Gründung. Auch
wir wollten endlich einen Filmpreis, wie ihn andere große
Filmnationen längst hatten, einen Preis, den
nicht eine kleine, mehr oder weniger anonyme Jury vergibt, sondern die große Zahl
der arrivierten Filmschaffenden im Lande.
Auch wir wollten unseren Oscar.
Helmut Dietl, Ulrich Felsberg und Bernd
Eichinger, die Gründerväter der Filmakademie, mit Reinhard Hauff (2.v.r.),
dem ersten Ehrenpreisträger der Akademie
2005 in der Philharmonie
2006
Foto: © Florian Liedel
2005
Neue Heimat 2006: Die Messe Berlin am
Funkturm mit großem Rotem Teppich
Foto: © Florian Liedel
77
Aber so einfach ging das nicht, war doch der
Deutsche Filmpreis auch ein wichtiges Förderinstrument, mit staatlichen Geldern, deren
Verlust die Branche hart getroffen hätte. Aber
wie verwandelt man einen Staatspreis mit
seinen lebenswichtigen Segnungen in einen
Akademiepreis, der die für seinen Status unerVier Filmpreise für Fatih Akin und sein
Drama AUF DER ANDEREN SEITE im Jahr
2008
2007
lässliche Autonomie, also die volle Freiheit der
Entscheidung umfasst? Es war der gordische
Knoten, den der damalige Staatsminister für
Kultur, Julian Nida-Rümelin, bereit war zu
zerschlagen. Es gab nur eine Bedingung: Die
Akademie musste garantieren, dass alle Filme
eines Jahrgangs Berücksichtigung finden.
Nach der erfolgreichen Moderatorenzeit:
Bully Herbig ist auch ein charmanter
Laudator 2009
Foto: © Florian Liedel
2008
Monica Bleibtreu als gefeierte LOLAGewinnerin
Foto: © Michael Tinnefeld
78
Foto: © babiradpicture
2009
Foto: © Florian Liedel
Warm Up mit dem Präsidentenpaar:
Senta Berger und Günter Rohrbach begrüßen das Publikum
Foto: © Florian Liedel
Der passt so gut zu meinem Kleid:
Filmpreis-Siegerin Sophie Rois 2009
Damit lag der Zankapfel im Feld. Die Geburtsstunde der Akademie war auch die Geburtsstunde der Vorauswahl. Schon gab es wieder
Jurys, die wir doch eigentlich nicht wollten,
und in diesen Jurys alle ebenso liebenswerten
wie enervierenden Widerborstigkeiten, für die
dieses merkwürdige Metier so typisch ist. Sollte
es, ja darf es eine Rolle spielen, dass ein Film
besonders erfolgreich war beim Publikum? Darf
umgekehrt ein Film benachteiligt werden, den
im Kino nahezu niemand sehen wollte? Was
sind unsere Kriterien, was ist ein guter Film,
was ein preiswürdiger? Darf die Vorauswahl so
tun, als treffe sie bereits Entscheidungen, die
doch dem Plenum vorbehalten sein sollten?
Eigentlich soll sie doch bloß die Spreu vom
Weizen trennen, doch was, bitte, ist da Spreu?
In der Vorauswahljury für die Kategorie Bester
Film gab es damals, im ersten Jahr, eine heftige
Auseinandersetzung um den Film DER UNTERGANG. Es war zu diesem Zeitpunkt schon klar,
dass der Film ein Welterfolg war, er hatte eine
Oscarnominierung, in den wichtigen Filmländern nicht nur hohe Zuschauerzahlen, sondern
auch gute Kritiken. Gleichzeitig erregte er
79
Ein Ständchen für die Regie: Alexander
Fehling, Florian David Fitz und August
Diehl beim ersten Filmpreis im Friedrichstadt-Palast 2010
Merkel in der Mitte: Beim großen Abend
für Michael Haneke, Stefan Arndt und dem
Ehrenpreisträger Bernd Eichinger war
auch die Kanzlerin dabei
heftige ideologische Aversionen, und in der
Vorauswahljury schien sich eine Mehrheit für
seinen Ausschluss zu bilden. Am Ende siegte
dann die Vernunft und die Einsicht, dass man
den Mitgliedern die Entscheidung über diesen
Film nicht vorenthalten dürfe. Ähnliche Probleme hatte es bei den Schauspielern gegeben.
Gerade gegründet, stand die Akademie bereits
am Abgrund. Der Sturz konnte vermieden werden, aber es war knapp.
Dennoch ist die Vorauswahl über all die Jahre
Dynamit geblieben. Die Folge waren immer
wieder Austritte, öffentlicher Streit, zahlreiche
Renovierungen des Verfahrens. Inzwischen
scheint sich die Lage beruhigt zu haben, freilich auf Kosten der Mitglieder, deren Auswahlkiste, die keine Kiste mehr ist, von Jahr zu
Jahr voller wird. Wann wird es darüber einen
Aufschrei geben?
2010
Kann man sagen, dass sich jetzt, nach zehn
Jahren, der Preis etabliert hat? Ist das überhaupt wünschenswert? Kein Streit mehr, nicht
einmal mehr mit jenen Journalisten, die immer
noch nicht akzeptieren wollen, dass diese
Foto: © Florian Liedel
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Foto: © Michael Tinnefeld
2012
Foto: © Florian Liedel
Proben für den Staatsminister:
Akademie-Präsidentin Iris Berben mit
Kulturstaatsminister Bernd Neumann und
TV-Regisseur Utz Weber bei der Probe 2012
Foto: © Florian Liedel
Der amerikanische Freund:
Roland Emmerich vergibt 2012 die LOLA
für den Besten Dokumentarfilm
Akademie auch über staatliche Mittel verfügen darf, wohlgemerkt in voller Freiheit. Oder
ist paradoxer Weise gerade diese Freiheit für
manche das Problem? Das böse Wort von der
Selbstbedienung ist da schnell zur Hand. Doch
wer bedient sich da, wenn 1500 Mitglieder, die
ja nicht nur Kollegen, sondern sehr viel mehr
Foto: © Florian Liedel
Bester Hauptdarsteller:
Kein Halten für Milan Peschel beim Preis
für HALT AUF FREIER STRECKE (2012)
auch Konkurrenten sind, entscheiden? Und
auch das wird in der öffentlichen Diskussion
häufig vergessen, dass man nämlich, um abzustimmen, Mitglied sein muss, um den Preis zu
bekommen aber keineswegs. Niemand fragt
danach. Die Wahrheit ist, zahlreiche Preisträger
waren keine Mitglieder der Akademie, und
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nicht wenige von ihnen sind es bis heute nicht.
Der Deutsche Filmpreis wird von den beiden
öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten übertragen, nicht live wie beim Oscar, aber nur
wenig später zu einer noch akzeptablen Sendezeit. Die Quote ist nicht gut, oder sagen wir,
für die Ansprüche der Sender nicht gut genug.
Man könnte das verbessern, wenn man darauf
verzichten würde, den sogenannten Nebenkategorien einen angemessenen Raum zu
geben. Dies haben wir bisher verweigert, und
daran sollten wir festhalten. Beim Deutschen
Fernsehpreis hat man die entsprechenden
Leistungen der Quote geopfert. Den Deutschen
Fernsehpreis wird es nicht mehr geben. Zu
recht.
Der große Gwisdek-Moment:
Beste Dankesrede für die Beste Nebenrolle
2013
Locker bleiben:
Friederike Kempter (2.v.l.) und Tom Schilling (M.) vor der Verleihung 2013
Foto: © Florian Liedel
2013
Warten auf das Publikum:
Blick ins Auditorium des FriedrichstadtPalastes 2012
Foto: © Florian Liedel
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Foto: © Florian Liedel
WIR DANKEN
Der Präsidentin Iris Berben – sowie Thomas den beteiligten Produzenten für ihre HilfsKufus, Dorothee Schön, Sven Burgemeister und bereitschaft bei der Beschaffung und Bereitstelallen weiteren Vorständen für ihr unermüdli- lung des Filmmaterials,
ches Engagement,
den Akademiemitgliedern für ihren Einsatz
den Künstlerischen Leitern Tobi Baumann und in der Deutschen Filmakademie und für den
Sven Burgemeister für ihre nicht nachlassende Deutschen Film,
Freude daran, ein spannendes Filmjahr in
der Berlinale und German Films für ihre Untereiner einzigen Abendgala spiegeln zu wollen.
stützung bei [email protected],
Jan Josef Liefers für den Mut und den Spaß,
sich als Gastgeber vor die versammelte der Filmakademieband A.K.A. & The Demics
(Ali N. Askin, Helmut Zerlett, Christoph Zirngibl,
Branche zu stellen,
Beckmann und Jochen Schmidt-Hambrock) für
den Paten für ihr persönliches Engagement für ihre großartige musikalische Unterstützung auf
die nominierten Kollegen,
der Bühne der Filmpreisverleihung,
der ASTOR FILM LOUNGE, insbesondere HansJoachim Flebbe, den Verleihern, Institutionen
und beteiligten Filmschaffenden, die aktiv AUF
DEM WEG ZUR LOLA dabei waren und damit
die LOLA VISIONEN und das LOLA FESTIVAL
geprägt haben,
unserem Team für die beständige Motivation,
Leidenschaft und die nicht enden wollende
Einsatzbereitschaft
und Kirsten Niehuus, Elmar Giglinger, Peter
Dinges, Frank Völkert, Christine Berg und dem
Präsidium der FFA für ihre wirklich großartige
Unterstützung.
83
DAS TEAM
VERANSTALTER/AUFTRAGGEBER
Der DEUTSCHE FILMPREIS ist eine Veranstaltung der Deutschen Filmakademie in Zusammenarbeit mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, produziert
von der DFA Produktion GmbH.
Deutsche Filmakademie e.V.
Präsidentin: Iris Berben
Vorstandsvorsitzender: Thomas Kufus
Geschäftsführung: Alfred Holighaus, Anne Leppin
Team: Jule Bartram, Kathi Gormasz, Katja
Hevemeyer, Karina Pasternak, Stephan Pless
Teamassistenz: Gesine Ploen
BKM/Filmreferat K35
Sandra Wemmel, Verena Kaufmann
Pressereferat BKM
Hagen Philipp Wolf
MODERATION
Jan Josef Liefers
KÜNSTLERISCHE LEITUNG
Tobi Baumann, Sven Burgemeister
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PRODUZENTIN
Claudia Loewe
PRODUCERIN
Marion Gaedicke
PRODUKTIONSLEITUNG
MBTV Produktions GMBH
Carsten F. Lehmann
PRODUKTIONSKOORDINATION
Verena Herfurth, Dodo Hufschmidt
KOORDINATION REISEN
Caroline Riggert, Janina Schafft
AUTOREN
Roland Slawik, Chris
Hadding, Ralf Husmann
Geletneky,
Heinrich
ZUSPIELER
THE SCREENERS,
Arnd von Rabenau, Sascha Crone
ON AIR DESIGN
Stefan Stöckle
BÜHNEN- UND MEDIENDESIGN
Mediastyles GmbH,
Dirk Behrendt
LICHTSETZENDER KAMERAMANN
Jerry Appelt Lichtdesign
AUFNAHMELEITUNG
Julia Haupt, Katharina Knieling, Chris Gruber,
BILDMISCHERIN
Martin Hoffmann, Stella Thieß
Dagmar Zeunert
KOORDINATION ZUSPIELER
TITELMUSIK
Mareike Manecke
Loy Wesselburg, Bernhard Eichner
REGIE
EINSPIELUNG TITELMUSIK
Utz Weber
Berliner Philharmoniker u.d.L.v. Sir Simon Rattle
MUSIKALISCHE BEGLEITUNG GALA
Deutsches Filmorchester Babelsberg
Dirigent: Tobias Kremer
A.K.A. & The Demics
Ali N. Askin, Michael Beckmann,
Schmidt-Hambrock, Helmut Zerlett,
Christoph Zirngibl
MUSIKALISCHE KOORDINATION
Ali N. Askin
ARRANGEUR
Tilo M. Heinrich
SPRECHER
Michael Lott
PRODUKTIONSASSISTENZ
Josephine Bauer, Lisa Marie Wischer
REGIEASSISTENZ
Stefanie Herrmannsdörfer
REDAKTION
Annett Liebisch
Jochen
KOSTÜMBILD
Manja Beneke
DRUCKERZEUGNISSE/INTERNET
e27 Berlin, www.e27.com
MAKE UP UND HAARE
Franziska Dominick
MAC, Joico / Max Höhn
NOTAR
Hellmut Sieglerschmidt
DEKOBAU
Drei D Medien Service GmbH
Oliver Eitner
VIDEO- UND LICHTTECHNIK
Cape Cross Studio- und Filmlichtgesellschaft mbH
Thomas Brügge
GÄSTEMANAGEMENT
Doris Edwards, Reiki von Carlowitz
Entertainmentcom GmbH, Marc Winter
HOSTESSEN/HOSTESSENBETREUUNG
Hardenberg Concept GmbH
SENDEPARTNER
Das Erste, rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg
Programmbereichsleitung Neue Zeiten:
Heiner Heller
Abteilungsleitung Unterhaltung: Katrin Mandel
Herstellungsleitung: Torsten Klein
Produktionsleitung: Jörgen Radach
LOCATION
Tempodrom
Marko Schilp, Steve Thiede, Mike Gross
LOLA PARTY
FUTURECOM
Michael Ecker, Brita Frankenstein
AUF DEM WEG ZUR LOLA
PR
Deutsche Filmakademie e.V.
JUST PUBLICITY GmbH
Regine Baschny, Elena Heywood, Gerold Marks, Projektkoordination: Gisela Liesenfeld
(DFA Produktion GmbH)
Doreen Zimmermann
85
WIR DANKEN
ALLEN PARTNERN UND SPONSOREN DES DEUTSCHEN FILMPREISES 2014
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Cucina del Sole
Munich
87
Setzt Maßstäbe in technischer Planung und Realisierung
Film • TV • Show • Event • Sport
Produktionsservice
Framework
Kamera Grip
Postproduktionsservice
Planung • Licht • Rigging
Bühnentechnik • Branding
Kräne • Remote Heads • Dollys
Bild • Ton
Cape Cross Studio- und Filmlichtgesellschaft mbH • Schanzenstr. 1 • D-51063 Köln • +49 221 671159-0 • [email protected] • www.capecross.de

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