Polizeiliche Kriminalstatistik 2012 für den Lahn-Dill

Transcrição

Polizeiliche Kriminalstatistik 2012 für den Lahn-Dill
Polizeipräsidium Mittelhessen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
21.03.2013
Polizeiliche Kriminalstatistik 2012 für den Lahn-Dill-Kreis
Anzahl der Straftaten weiterhin auf niedrigem Niveau
Im achten Jahr in Folge Aufklärungsquote über 60 Prozent
„Trotz eines minimalen Anstieges der Straftaten in unserem Zuständigkeitsbereich
um ein knappes Prozent, haben wir abermals eine Aufklärungsquote von über 60%
erreicht“, resümiert Polizeidirektor Rolf Krämer, Chef der Polizistinnen und Polizisten
im Lahn-Dill-Kreis. „Die guten Aufklärungsergebnisse sind der guten Teamleistung
meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschuldet", erklärt Krämer.
Im Jahr 2012 zählten die Ermittler 9.745 Straftaten an Lahn und Dill. Im Vergleich zu
2011 (9.624) stieg die Zahl der registrierten Straftaten minimal um 1,1 Prozent (=
121 Fälle). Somit blieb auch 2012 die Zahl der registrierten Straftaten unter der
10.000 – Marke. Die Kommissarinnen und Kommissare der Polizeidirektion Lahn-Dill
klärten im vergangenen Jahr 5.904 Fälle auf. Das entspricht einer
Aufklärungsquote von 60,6 % (Hessen: 58,8%).
Als messbarer Parameter für die Sicherheit kann die sogenannte Häufigkeitszahl
herangezogen werden. Darunter versteht man die Anzahl der registrierten Straftaten
pro 100.000 Einwohner. Im Lahn-Dill-Kreis liegt diese bei 3.860 und damit deutlich
unter dem Landeswert von 6.495. Im Polizeipräsidium Mittelhessen liegt der Wert der
durchschnittlichen Kriminalitätsbelastung bei 4.711 Delikten.
Pressesprecher: Guido Rehr
D-35683 Dillenburg, Hindenburgstraße 21
Tel.: 02771/907-120
Fax: 02771/907-129
E-Mail: [email protected]
2
Im zurückliegenden Jahr wurden 21 „Straftaten gegen das Leben“ registriert, zwei
Fälle mehr als im Jahr 2011. Darunter fallen unter anderem Kapitaldelikte wie Mord,
Totschlag sowie fahrlässige Tötung. 2012 klärten die Ermittler 19 Taten auf.
- Nach dem gewaltsamen Tod einer jungen Herbornerin im Februar, nahm die
Kripo in Dillenburg einen 40-Jährigen fest. Nachbarn hatten sich um die junge
Frau gesorgt, da sie längere Zeit nichts von ihr gehört hatten. Sie schalteten den
Hausmeister ein, der die Polizei informierte. Eine Streife fand die 24-Jährige tot
in ihrer Wohnung. Umfangreiche Ermittlungen führten zu dem 40-jährigen
Haigerer, der ein Bekannter des Opfers war.
- Ende Oktober fand ein Familienangehöriger eine 81-Jährige im Wetzlarer Ortsteil
Blasbach tot in ihrer Wohnung. Die Rentnerin war gewaltsam zu Tode
gekommen. Der Tatverdacht richtete sich gegen den 31-jährigen Enkel, der
gemeinsam mit dem Opfer im Haus lebte. Der Täter hatte sich mit einem Pkw
abgesetzt. Noch in derselben Nacht nahmen Polizisten aus Rheinland-Pfalz den
Mann in Neuwied fest.
Die Raubdelikte haben 2012 in der Summe um 7 auf insgesamt 54 Fälle
abgenommen. Im selben Zeitraum stieg die Aufklärungsquote von 65,6% auf
70,4%.
- Etwa eine halbe Stunde nach einem Überfall auf einen Juwelier am 14.03.2012
in der Wetzlarer Altstadt, nahmen Polizisten die vier Räuber fest. Die Männer
betraten das Geschäft und bedrohten vier Angestellte sowie eine Kundin. Eine
Mitarbeiterin erhielt zwei Schläge in den Nacken und erlitt leichte Verletzungen.
In der Zwischenzeit räumten zwei Räuber Vitrinen mit hochwertigen
Armbanduhren leer. Anschließend flüchtete die Bande. In der Oberstadt stiegen
sie in einen Wagen und fuhren davon. Im Rahmen der sofort eingeleiteten
Fahndung erkannten Wetzlarer Polizisten das Fluchtauto und hielten es in
Hüttenberg-Rechtenbach an. Zwei Täter konnten sofort festgenommen werden,
die beiden anderen entkamen zu Fuß. Die Flüchtigen konnten wenig später in
der Feldgemarkung bei Hüttenberg gestellt werden. Im Fluchtfahrzeug fanden die
Ermittler die Beute und die Bewaffnung des aus Litauen stammenden Quartetts.
- Im Zeitraum vom 03. August 2012 bis zum 16. Oktober 2012 raubten drei
Männer im Alter von 23 bis 33 Jahren insgesamt sieben Banken und eine
Tankstelle aus. In unterschiedlicher Besetzung schlugen die Männer im LahnDill-Kreis, im Kreis Olpe und Paderborn sowie im Landkreis Bergisch-Gladbach
zu. Neben dem Überfall auf die Sparkasse in Haiger-Allendorf am 28.08.2012,
wird ihnen der Raub auf die Bank in Hüttenberg am 20. August 2012
zugeschrieben. Den entscheidenden Hinweis zur Ermittlung der Täter gab eine
aufmerksame Zeugin. Die hatte die Räuber nach der Tat beobachtet und
Pressesprecher: Guido Rehr
D-35683 Dillenburg, Hindenburgstraße 21
Tel.: 02771/907-120
Fax: 02771/907-129
E-Mail: [email protected]
3
beschrieb der Polizei den Fluchtwagen. Die komplette Zulassung konnte sie nicht
ablesen, allerdings fiel ihr das Firmenlogo einer Autovermietung auf. Parallel
ermittelten Kollegen aus Olpe einen der Räuber und nahmen in fest. Die
Kriminalisten aus dem Lahn-Dill-Kreis und Nordrhein-Westfalen führten ihre
Ermittlungsergebnisse zusammen und klärten so weitere Taten des Trios auf.
Im Bereich der Körperverletzungsdelikte verzeichnet die Statistik einen Rückgang
von 3%. Waren im Jahr 2011 noch 990 Gewaltdelikte angezeigt worden, zählte die
Polizei letztes Jahr 961 Taten (-29). Hiervon klärten die Polizistinnen und Polizisten
894 auf, das entspricht einer Aufklärungsquote von 93,0 Prozent.
Die Sachbeschädigungen haben um 13,5% (+190 Fälle) auf 1215 Fälle deutlich
zugenommen. 27,5% der Taten wurden aufgeklärt. Die Aufklärungsquote stieg im
Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozentpunkte (2011: 21,3%). Damit setzen die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizeidirektion Lahn-Dill die sehr guten
Ergebnisse der Vorjahre fort.
- Anfang August verärgerte eine Gruppe Jugendlicher mit ihrer offensichtlich
sinnlosen Zerstörungswut Anwohner in Wetzlar-Dutenhofen. Nach einer Party
zogen die Rowdies durch den Ort und beschädigten Scheiben, Autos und
Lampen. Die Höhe der Schäden lag bei mehreren tausend Euro. Ein Zeuge gab
den entscheidenden Hinweis auf die Feier. Die Wetzlarer Polizei ermittelte drei
Täter, die das Amtsgericht Wetzlar zu jeweils 70 Sozialstunden verurteilte.
- Ist das Kunst oder kann das weg? Graffitikünstler legen oft Hand an Wände
fremder Menschen, die darin alles andere als Kunst sehen. Allein in einer Nacht
des vergangenen Jahres verewigten sich drei junge Männer gleich an 35
Wänden im Stadtgebiet Wetzlar. Die zwischen 21 und 23 Jahre alten ermittelten
Täter besprühten rund 89 qm Fläche und ließen einen Schaden von mindestens
10.000 Euro zurück. Die Ermittler in Wetzlar gehen davon aus, dass die Gruppe
für weitere Taten in Fragen kommt.
In der Straftatengruppe „Betrugsfälle“ erfolgte 2012 ein spürbarer Rückgang.
Zählten die Statistiker 2011 noch 1690 Taten, gingen im zurückliegenden Jahr 1576
Anzeigen bei der Polizei ein. Dies entspricht einem Minus von 6%. Die
Aufklärungsquote lag 2012 bei 83,2 Prozent.
- Einen hohen finanziellen Schaden durch einen sogenannten „Schockanruf“
konnten Herborner Polizisten Ende September 2012 verhindern. Die Rentnerin
war von einem Unbekannten angerufen und aufgefordert worden, Bargeld zu
Pressesprecher: Guido Rehr
D-35683 Dillenburg, Hindenburgstraße 21
Tel.: 02771/907-120
Fax: 02771/907-129
E-Mail: [email protected]
4
zahlen. Der Betrüger tischte der Dame eine Geschichte auf, in der ihr Enkel
einen Unfall verursacht und dabei ein anderes Kind schwer verletzt hatte. Dann
bat der Mann um finanzielle Hilfe, damit der Enkel nicht im Gefängnis landet. Die
Frau willigte ein und legte einen fünfstelligen Euro-Betrag bereit. Ein „Bote“
klingelte an der Tür und wollte das Geld abholen. Allerdings hatten die
mittlerweile alarmierten Herborner Polizisten Stellung bezogen und nahmen ihn
fest. Der 41-jährige Litauer musste in Untersuchungshaft.
2012 bearbeiteten die Ermittler des Rauschgiftkommissariats 526 Fälle (2011: 404).
Sie konnten 517 Rauschgiftdelikte aufklären, das entspricht einem Anteil von 98,3
Prozent.
Die Zahl der „Diebstähle unter erschwerten Umständen“ ist im Jahr 2012 um 20
Straftaten auf 1078 Fälle gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies entspricht einem
minimalen Zuwachs von 1,5%. Der Anteil der aufgeklärten Taten liegt bei 16,4
Prozent.
„Der Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen ist eine Herausforderung. Der
Albtraum eines jeden Bürgers ist es nach Hause zu kommen und seine Wohnung
von Einbrechern durchwühlt vorzufinden“, erklärt Kriminaloberrat Frank Göbel, Leiter
der Regionalen Kriminalinspektion Lahn-Dill und stellvertretender Leiter der
Polizeidirektion. „Wir hatten mit 289 Taten 65 Fälle mehr als im Vorjahr zu
verzeichnen. Die von 15,6% auf 23,2% gestiegene Aufklärungsquote im Lahn-DillKreis (Hessen: 20,7%) zeigt, dass wir viel Herzblut in die Bekämpfung dieses
Deliktes stecken. Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern den Einbruch - auch in
die Privatsphäre - mit seinen oftmals traumatisierenden Folgen ersparen bzw. wollen
die Täter nachträglich ermitteln ", so Göbel weiter.
- Am 01.03.2012 nahm die Dillenburger Polizei eine Diebesbande fest. Nach
einem Einbruch in Haiger-Allendorf waren die Täter zunächst geflüchtet, gingen
den Ordnungshütern jedoch bei der anschließenden Fahndung ins Netz. Die
Festgenommenen stammen aus Albanien. Bewohner eines Hauses in der Straße
„Im Seifenborn“ meldeten gegen 03.30 Uhr, dass Unbekannte kurz zuvor in das
Haus eingebrochen waren und anschließend das Weite gesucht hatten.
Polizisten aus dem Lahn-Dill-Kreis sowie dem angrenzenden NordrheinWestfalen beteiligten sich an der Fahndung. Im Ortsbereich Allendorf nahmen sie
zwei Täter fest, die dort zu Fuß unterwegs waren. Kurz darauf klickten bei zwei
weiteren Männern die Handschellen. In einer Wohnung in Herborn-Burg, die
offensichtlich von der Bande genutzt wurde, stellten die Ermittler bei einer
Durchsuchung eine große Menge Diebesgut sicher. Einige dieser
Pressesprecher: Guido Rehr
D-35683 Dillenburg, Hindenburgstraße 21
Tel.: 02771/907-120
Fax: 02771/907-129
E-Mail: [email protected]
5
-
Wertgegenstände stammen aus Wohnungseinbrüchen in Dillenburg, Gießen,
Wiesbaden, Düsseldorf und Marburg.
In Wetzlar erwischten Polizisten am 18.11.2012 einen Wohnungseinbrecher auf
frischer Tat. Ein Zeuge beobachtete wie der Mann mit einer Leiter in eine
Wohnung im ersten Stock eines Hauses in der Straße „Dillufer“ einstieg und
alarmierte die Polizei. Sofort machten sich mehrere Streifenwagen auf den Weg.
Noch während der Täter in der Wohnung nach Beute suchte, umstellten die
Polizisten das Haus. Als die Beamten die Wohnung betraten, sprang der
Wohnsitzlose aus einem in etwa 3 Meter Höhe gelegenen Fenster in den Hof und
wollte mit seinem Fahrrad fliehen. Einer der Ordnungshüter griff sofort zu und
überwältigte den Mann. Der ließ sich widerstandslos festnehmen. Der 30-Jährige
finanzierte mit Diebstählen seine Drogensucht.
Wohnungseinbruch geht jeden an
Ein nicht genau bestimmbarer Anteil von Wohnungseinbrüchen wird von örtlichen
Tätern begangen, die damit ihre Sucht oder ihren Lebensunterhalt finanzieren. Der
andere Teil der Taten wird von überregional agierenden, oft ausländischen
Tätergruppen verübt, die über die Autobahnen oder Bundesstraßen anreisen und
nach Tatausführung wieder schnell verschwunden sind. Häufig hinterlassen sie keine
oder wenige Spuren, so dass sie wegen ihres professionellen Vorgehens
nachträglich nur schwer ermittelt werden können. Durch Sicherung des eigenen
Wohnraums kann es gelingen, ein Eindringen der Diebe zu verhindern. Vermehrt
stellen die Ordnungshüter im Lahn-Dill-Kreis fest, dass Einbrüche im
Versuchsstadium stecken bleiben. Wohnungseinbruch geht jeden an, weil er jeden
treffen kann. Wichtig ist es deshalb, zunächst seine eigenen vier Wände gut zu
sichern. Eine beschädigte Tür oder ein kaputtes Fenster sind leichter zu ersetzen als
der gestohlene Familieschmuck.
Kostenlose kriminalpolizeiliche Beratung
„Immer noch sind einige Bürgerinnen und Bürger – gerade in den ländlichen
Gebieten – zum Teil sehr sorglos, was die Sicherung ihrer eigenen vier Wände
angeht. Nutzen Sie daher das kostenfreie Angebot der Polizei unter Tel.: 02771/907122 für eine technische Beratung zur Sicherung ihrer Wohnung oder Ihres Hauses“,
rät der Kriminaloberrat.
Pressesprecher: Guido Rehr
D-35683 Dillenburg, Hindenburgstraße 21
Tel.: 02771/907-120
Fax: 02771/907-129
E-Mail: [email protected]
6
Schnelle Hilfe über 110
Jedermann sollte sich nicht nur für seine eigene Sicherheit verantwortlich fühlen.
„Zögern Sie nicht, wenn Mitmenschen Ihre Hilfe benötigen“, appellieren
Polizeidirektor Rolf Krämer und Kriminaloberrat Frank Göbel. Wer Übergriffe auf
andere, Einbrüche, Diebstähle oder Sachbeschädigungen beobachtet, sollte so
schnell wie möglich zum Telefon greifen und den Notruf (110) wählen. Gerade bei
diesen Delikten sind Zeugenhinweise oft entscheidend.
Guido Rehr, Pressesprecher
Pressesprecher: Guido Rehr
D-35683 Dillenburg, Hindenburgstraße 21
Tel.: 02771/907-120
Fax: 02771/907-129
E-Mail: [email protected]