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MATERIALMAPPE
ZUR INSZENIERUNG
ARTUS
Kontakt:
Susanne Schmitt,
Schmitt Dramaturgin
Tel.: 07071.1592-50 // e-Mail: [email protected]
Tobias Ballnus,
Ballnus Theaterpädagoge
Tel.: 07071.1592-52 // e-Mail: [email protected]
KJT. Kinder und Jugendtheater Tübingen am LTT
Eberhardstraße 6 // 72072 Tübingen // Fax: 07071.1592-78
Internet: www.landestheater-tuebingen.de/kjt
INHALT
I. GRUNDSÄTZLICHE INFORMATIONEN ZUR INSZENIERUNG
1. Besetzung ..............................................................................................
2. Der Autor...............................................................................................
3. Das Inszenierungsteam ..........................................................................
4. Worum geht’s im Stück? .........................................................................
5. Interview mit dem Regisseur ...................................................................
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II. DIE ARTUS-SAGE
1. Inhalt .................................................................................................... 8
2. Entstehungsgeschichte ............................................................................ 9
3. Rezeption .............................................................................................. 10
III. HANDELNDE PERSONEN
1. Druiden und Feen – „die alte Welt“ ......................................................... 11
2. Ritter und Burgfräulein – „die neue Welt“ ................................................. 12
3. Grenzgänger ......................................................................................... 14
IV. UNTERRICHTSANREGUNGEN
1. Textbeispiele .......................................................................................... 15
2. Tipps für Lehrer ...................................................................................... 21
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// BESETZUNG
Franziska Steiof
ARTUS
// Open Air //
// für Zuschauer ab 11 Jahren //
// Aufführungsdauer: ca. 90 Minuten //
// Rechte: Verlag Autorenagentur, Berlin //
Merlin
Artus
Ginevra / Viviane
Lancelot / Sir Ector
Morgaine / Igraine
Kay / Mordred / König Uther
Ritter
Rupert Hausner
Henry Braun
Magdalena Flade
Samuel Zehendner
Stefanie Klimkait
Sebastian Schmid
Felix Schmidt
Regie
Ausstattung
Kampfchoreographie
Dramaturgie
Regieassistenz
Ausstattungsassistenz
Inspizienz
Theaterpädagogik
Produktionsleitung
Regiehospitanz
Michael Miensopust
Cornelia Brey
Annette Bauer
Susanne Schmitt
Felix Schmidt
Bettina Vögele
Matze Hupel
Tobias Ballnus / Uschi Berberich
Annika Frey
Federica Pallín-Leist
Premiere
Freitag, 15. Juli 2011, 18 Uhr,
am Landratsamt Tübingen
Weitere Vorstellungen: 17.07. / 18.07. / 19.07. / 20.07. / 22.07. / 23.07. / 25.07. /
26.07. / 29.07. / 30.07. / 02.08. / 03.08. / 04.08. – an verschiedenen Orten
Wir danken unserem Partner, der Kreissparkasse Tübingen, und unserem Sponsor Ritter Sport
für die freundliche Unterstützung des Projekts. Unser Dank gilt auch dem Landratsamt
Tübingen, insbesondere Herrn Landrat Joachim Walter und Herrn Dr. Wolfgang Sannwald. Des
Weiteren danken wir Herrn Reinhard Schneider für die kostenlose Bereitstellung der Wiese am
Landratsamt Tübingen.
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// DIE AUTORIN
Franziska
Franziska Steiof wurde 1962 geboren und war nach ihrem Studium von 1989-92 als
Regieassistentin am Kieler Schauspielhaus und am Theater im Werftpark engagiert. Sie hat
bisher als Regisseurin und Autorin unter anderem für das Schauspiel Hannover,
Schauspielhaus Düsseldorf, Grips Theater Berlin, Landestheater Schleswig, Theater im
Zentrum Wien, die Städtischen Bühnen Kiel, sowie mit der freien Gruppe DeichArt
gearbeitet. 2010 wurde sie mit ihrem Stück UNDINE, DIE KLEINE MEERJUNGFRAU
sowohl für den Mühlheimer KinderStückepreis als auch für den Kindertheaterpreis
nominiert.
ARTUS wurde 2004 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt, unsere Inszenierung ist
die erste Freiluft-Aufführung dieses Stückes.
// DAS INSZENIERUNGSTEAM
Michael Miensopust ist Regisseur, Schauspieler und Autor. 1962 in Kiel geboren und
aufgewachsen, kam er in der Schule zum ersten Mal mit Theater in Berührung (Gründung
und Leitung einer Kabarettgruppe) und besuchte anschließend die Schauspielschule in
Kiel. Es folgten Engagements als Schauspieler u.a. 1986-1989 am Kleinen Theater
Salzburg, 1989-1996 am Theater im Marienbad Freiburg und 1998-2000 am LTT, wo er
sowohl im Kinder- und Jugendtheater als auch im Abendspielplan spielte. Seit dieser Zeit
arbeitet er regelmäßig als Regisseur und Autor am KJT, dem Kinder- und Jugendtheater
am LTT. 2000-2003 leitete er das "junge theater" am Theater Heilbronn. Danach war er
wieder freiberuflich tätig u.a. als Hausregisseur am KJT, dessen Künstlerische Leitung er
mit Beginn der Spielzeit 2009/10 übernommen hat.
Cornelia Brey,
Brey geboren in Hamburg, absolvierte ihr Bühnen- und Kostümbildstudium an
der Hochschule der Künste in Berlin. Als freie Ausstatterin ist sie seitdem unter anderem am
Volkstheater Wien, Staatstheater Wiesbaden, Stadttheater Klagenfurt, Düsseldorfer
Schauspielhaus, am Theater Vorpommern in Greifswald und am Theater der Stadt Koblenz
tätig. Am KJT hat sie in den vergangenen Jahren zahlreiche Produktionen betreut, zuletzt
TÜRKISCH GOLD und FRITZ – A GERMAN HERO.
Annette Bauer fand über das Sportfechten und die Faszination für das Theater zum
Bühnenfechten und zum Bühnenkampf. Seit 1998 unterrichtet sie an den Hochschulen für
Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und Frankfurt/M., außerdem entwickelt sie
Fecht- und Kampfchoreographien für Theater, Oper und Film. Am LTT hat sie unter
anderem die Fecht- und Kampfszenen bei CYRANO, FRITZ – A GERMAN HERO, ROMEO
UND JULIA und EINER FÜR ALLE einstudiert.
Susanne Schmitt studierte Theaterwissenschaft und hospitierte und assistierte
währenddessen an verschiedenen Theatern sowie bei Theaterverlagen und
Kulturredaktionen. 2005 arbeitete sie beim Opernfestival „Rossini in Wildbad“, 20062009 war sie als Mitarbeiterin der Direktion am Berliner Ensemble engagiert, wo sie u.a.
als Dramaturgieassistentin und Abendspielleiterin mehrere Inszenierungen betreute. Seit
2009 gehört sie als Dramaturgin fest zum Team des KJT, das sie auch als Jurymitglied
beim Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis vertritt.
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// WORUM GEHT’S IM STÜCK?
Der Zauberer Merlin ist in dieser Version der Artus-Sage die treibende Kraft. Mit allen
Mitteln versucht er, seine Vision einer friedlichen Welt zu verwirklichen. Der junge König
Artus ist dabei sein Instrument und soll eine neue Welt der ritterlichen Gemeinschaft und
der religiösen Toleranz schaffen. Doch Merlins Vorgehensweise ruft bald Gegner auf den
Plan, Artus emanzipiert sich zunehmend von seinem Lehrmeister, Intrigen säen Misstrauen
unter den Freunden der Tafelrunde und eine unglückliche Liebesgeschichte führt
schließlich zur Katastrophe. Der Niedergang von Artus' Herrschaft ist unaufhaltsam – eine
neue Zeit bricht an...
// INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR MICHAEL MIENSOPUST
LEIDENSCHAFTEN UND LIEBE,
LIEBE, MACHT UND TOD
Premiere
e mit dem KJTDie Dramaturgin Susanne Schmitt sprach im Vorfeld der Premier
KJT-Leiter
Michael Miensopust, dem Regisseur der Inszenierung, über dieses außergewöhnliche
Theaterprojekt an ungewohnten Orten.
Susanne Schmitt: Die Geschichte von König Artus gilt als eines der schönsten und
spannendsten Abenteuer über den Zusammenhang der Welt. Was macht diese alte Sage
so zeitlos – oder anders gefragt, warum sollte man sie heute noch einem jungen Publikum
erzählen?
Michael Miensopust: Erstmal ist ARTUS eine Abenteuergeschichte, die Vieles in sich trägt,
was uns in unserem Leben bewegt. Das macht sie für junges und älteres Publikum
gleichermaßen interessant. Ich selbst habe die Artus-Sage als junger Mensch gerne
gelesen, weil es darin um Visionen geht, um den Wunsch nach einer besseren Welt. Und
es geht um Leidenschaften und Liebe, um Macht und Tod. Also eigentlich um alles, was
uns auch im wirklichen Leben – oder zumindest im Fernsehen – immer wieder begegnet.
Die große Frage, die sich hier stellt, ist: Können wir die Welt verändern oder scheitern wir
immer wieder an denselben Dingen? Das ist eine Frage, die die Menschen seit ewigen
Zeiten umtreibt, es ist eine Frage, die die Figuren im Stück bewegt, eine Frage, die mich
beschäftigt und von der ich annehme, dass sie auch unsere Zuschauer interessiert.
Susanne Schmitt: Das Stück heißt ARTUS, aber die zentrale Figur in dieser Fassung ist der
Zauberer Merlin. Er ist die treibende Kraft, der Spielmacher und der junge König Artus ist,
zumindest am Anfang, nur sein Instrument. Welche Visionen verfolgt Merlin, was will er
erreichen – und warum scheitert er?
Michael Miensopust: Merlin ist bemüht, alles unter einen Hut zu bringen. Er will die „alte“
und die „neue“ Welt vereinen, also eine Brücke bauen zwischen der heidnischen oder
magischen Welt der Druiden und Feen und der christlich-feudalen Welt der Ritter und
Burgfräulein. Artus ist für Merlin dabei ein Hoffnungsträger, ein Vermittler zwischen diesen
beiden Welten. Merlin will also die Welt ein Stückchen besser machen und scheitert an
den „Leidenschaften der Menschen“. Er kann zwar in die Zukunft vorhersagen, aber er
kann sie nur bedingt beeinflussen – gegen die Gefühle der Menschen ist er machtlos.
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Susanne Schmitt: Worin liegt der besondere Reiz oder die Herausforderung, ARTUS nicht
wie gewohnt im Theatersaal zu inszenieren, sondern unter freiem Himmel auf einer Wiese?
Michael Miensopust: Ich suche immer wieder nach neuen Wegen, unserem jungen
Publikum zu begegnen. So haben wir diese Spielzeit bereits mit einem „Turnhallenstück“
begonnen, JETZT MAL IM ERNST, und gehen nun im Sommer nach draußen. Wir spielen
auf einer Wiese am Landratsamt Tübingen und auf Schulhöfen z.B. in Reutlingen,
Metzingen oder Böblingen. Aber auch Rathausplätze, Festplätze und Parkplätze werden
bespielt – wie unter anderem in Dornstetten oder Münsingen. Das ist für ein Landestheater,
dessen Aufgabe ja darin besteht, an den verschiedensten Orten aufzutreten, eine schöne
Herausforderung. Wir erreichen dadurch vielleicht auch ein anderes Publikum als mit einer
konventionellen Aufführung im Theater. Und für uns Theatermacher liegt zudem ein großer
Reiz darin, dass wir den jeweiligen Ort in unser „Spektakel“ mit einbeziehen können und
dass gleichzeitig die örtlichen Gegebenheiten auch auf unser Stück einwirken. Der
Nachteil ist allerdings, dass wir immer vom Wetter abhängig sind… Aber ich freue mich
sehr auf dieses Abenteuer.
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// DIE ARTUS-SAGE
(Quellen: u.a. Wikipedia)
1. INHALT
(Es gibt zahlreiche Varianten der Artussage, ebenso gibt es viele verschiedene
Schreibweisen der Eigennamen. Wir verwenden hier die Schreibweise, die Franziska Steiof
für ihr Theaterstück ARTUS gewählt hat.)
In frühen Fassungen der Sage ist Artus der Sohn von Uther und Igraine und wird mit 15
König von England und Wales. Seine Ritter versammelt er an einem runden Tisch, um
Rangstreitigkeiten zu vermeiden. Er führt zahlreiche erfolgreiche Abwehrschlachten z.B.
gegen die Sachsen und siegt bei einigen Eroberungskriegen. Er heiratet Ginevra, eine
Tochter aus einer edlen römischen Familie. In der „Stadt der Legionen“ hält er einen
Hoftag für ganz Europa ab. Wegen seiner Angriffe auf das römische Imperium wird er von
Rom herausgefordert, erschlug auf dem Weg dorthin den Riesen vom Mont St. Michel und
gewinnt die entscheidende Schlacht gegen die Römer. Beim Zug nach Rom erhält er die
Nachricht, dass sein Neffe Mordred daheim die Herrschaft übernommen und die Königin
in seinen Besitz gebracht hat. Artus kehrt zurück und gewinnt zwei Schlachten gegen
Mordred, bei der dritten fällt Mordred. Artus wird lebensgefährlich verwundet und zur
Genesung auf die Insel Avalon gebracht. Das Ende bleibt offen.
Was die Familienverhältnisse und das sittliche Benehmen anbelangt, unterscheiden sich
die Fassungen. In einigen Varianten ist Artus das Kind Uthers und seiner Frau, Mordred
der Neffe Artus’ und Lancelot verehrt Ginevra einfach nur nach höfischer Sitte. In anderen
Versionen besucht Uther die Frau eines Herzogs in dessen Gestalt, Lancelot und Ginevra
begehen Ehebruch und Mordred (manchmal auch Lancelot) ist der Sohn von Artus und
seiner Schwester Morgaine.
Im Laufe der Zeit wurde die Artus-Sage mit zahlreichen anderen Sagen und
mythologischen Motiven verknüpft und lautet nun meist wie folgt:
Artus wird als Säugling von Merlin von seinen Eltern weggeholt und von Merlins Freund
Ector zusammen mit dessen Sohn Kay erzogen. Artus hält sich für Ectors Sohn. Er erhält
den Thron, nachdem er berühmte Schwert Excalibur aus einem Stein oder einem Amboss
gezogen hatte. Diese Tat konnte nur durch den „wahren König“ vollzogen werden, was
bedeutete, dass Artus der vorausgesagte König und wahre Erbe von Uther Pendragon ist.
(In anderen Fassungen heißt es, dass Excalibur von einer Hand, die aus einem See kam,
entgegengenommen wurde und es Artus' Vater Uther von einer jungfräulichen Zauberin,
der Herrin vom See, kurz nach dessen Regierungsbeginn gegeben worden war. Als Uther
seinen Tod nahen sieht, stößt er das Schwert in einen Stein, so dass nur der nächste
rechtmäßige König das Schwert wieder aus dem Stein ziehen kann. In einigen Versionen
kann Excaliburs Klinge durch jedes Material schneiden und seine Scheide machte den
Träger unsichtbar, nach anderer Überlieferung unverwundbar.) Gegen den Rat Merlins,
der Unglück voraussieht, heiratet Artus Ginevra, die manchmal die Tochter des Königs
eines Nachbarreiches ist.
In den meisten Versionen der Sage ruft Artus die Ritter der Tafelrunde zusammen (u.a.
Iwein, Erec, Lancelot, Gawain, Galahad). An seinem Hof, der am häufigsten in Camelot
gehalten wird, können auch der Zauberer Merlin und Parzival gefunden werden. Die Ritter
beschäftigen sich mit fabelhaften Suchen, wie zum Beispiel der nach dem Heiligen Gral,
der Jagd auf das „Questentier“ Glatisant oder den Eber Twrch Trwyth. (Auch andere
Geschichten aus der keltischen Welt wurden mit Artus assoziiert, wie die z.B. die Sage von
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Tristan und Isolde.) Merlin beschützt Artus bei allen seinen Unternehmungen, bis der
Druide von seiner Geliebten zurückgehalten wird. Danach werden kaum noch Großtaten
von König Artus mehr berichtet.
Die Romanze zwischen dem Tafelritter Lancelot und der Königin Ginevra ist der zentrale
Grund für den Fall von Artus’ Welt: Ginevra soll wegen des Ehebruchs mit Lancelot (nach
anderen Angaben, weil sie einem der Ritter angeblich einen vergifteten Apfel geschenkt
hatte) auf dem Scheiterhaufen hingerichtet werden. Lancelot befreit sie und tötet dabei
zwei Brüder Gawains, der zuvor ein guter Freund Lancelots war. Gawain schwört Rache.
Und obwohl sich Artus später wieder mit Ginevra versöhnt, verfolgt sein Heer auf Gawains
Drängen hin den aus der Tafelrunde ausgestoßenen Lancelot. Gawain verzeiht Lancelot,
als dieser ihn im Zweikampf besiegt und nicht tötet. Trotzdem ist die Krise noch nicht zu
Ende, denn Artus erhält Nachricht, dass Mordred unter dem Vorwand, Artus sei tot,
Ginevra zur Frau genommen hat und sich „König Britanniens“ nennt. Artus kehrt nach
Hause zurück und tötet Mordred in der Schlacht von Camlann. Artus selbst wird dabei
lebensgefährlich verwundet. Er bittet einen der letzten Ritter, der noch am Leben ist, sein
Schwert der „Dame vom See“ zurückzugeben, was der Ritter schließlich auch tut. Dann
wird Artus von drei Priesterinnen der Insel Avalon abgeholt. Ob er dort stirbt oder überlebt,
bleibt in den meisten Sagen offen.
2. ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
Als älteste überlieferte Artusgeschichte gilt die „Historia Regum Britanniae“ („Geschichte
der Könige Britanniens“) des Geoffrey von Monmouth (um 1135). Das Werk hatte den
Charakter eines Bestsellers und lieferte anderen Schriftstellern die Vorlage, ihrerseits die
Geschichten um Artus zu erweitern. Ob allerdings die mittelalterliche Popularität der
Artusgeschichte wirklich auf Geoffrey zurückgeht, oder ob viele der Sagen um Artus
vielmehr aus bretonischen mündlichen Überlieferungen stammen, die über die königlichen
und adligen Höfe Nordfrankreichs und Britanniens durch professionelle
Geschichtenerzähler verbreitet worden seien, lässt sich nicht eindeutig feststellen. In der
Folgezeit wurde die Artusgeschichte Gegenstand zahlreicher französischsprachiger
höfischer Versepen und Prosaromane. Diese französisch-englische Artusepik befruchtete
vom 12. bis zum 14. Jahrhundert die volkssprachlichen Literaturen fast ganz Europas.
Zahlreiche Motive traten erst später hinzu, wie z.B. die berühmte Tafelrunde. Viele
mittelalterliche Vorstellungen von ritterlichen Tugenden wurden von dem französischen
Dichter Chrétien de Troyes um 1170 eingeführt.
Der Artusmythos breitete sich, zunächst mit den Normannen, weit über den europäischen
Kontinent aus, wie zahlreiche Malereien und Mosaike belegen. Erst am Ende des 12.
Jahrhunderts setzt eine spezifisch literarische Rezeption ein (u.a. Hartmann von Aue,
Wolfram von Eschenbach), Die spätmittelalterliche Hanse scheint eine Hochburg der ArtusVerehrung gewesen zu sein, so bauen Händler des 15. Jahrhunderts eigens einen Artushof
in Danzig. Spätestens in der Barockzeit scheint das „Wissen“ um König Artus dann zur
Allgemeinbildung gesellschaftlich Höherstehender gehört zu haben.
Die Mythen um König Artus wurden auch von anderen Herrschern verwendet, um sich
selbst populärer zu machen. Beispiele dafür sind der Orden vom Goldenen Vlies, der
Artus’ Tafelrunde nachgebildet sein soll, und König Richard Löwenherz, dem der Besitz
Excaliburs nachgesagt wurde.
Thomas Malory stellte im 15. Jahrhundert verschiedene französische und englische
Artuserzählungen in „Le Morte d'Arthur“ zusammen, das 1485 von William Caxton
publiziert wurde und als Vorlage für die meisten späteren Bearbeitungen des Stoffes diente.
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3. REZEPTION
Bis heute faszinieren die Sagen um König Artus und haben einige Autoren zu eigenen
Arbeiten angeregt. Während manche sich auf eine Nacherzählung der Sage beschränken,
gehen andere sehr frei damit um und bauen Motive aus Sagen in eigene Arbeiten ein. Zu
den wohl bekanntesten Umsetzungen gehören vermutlich „Die Nebel von Avalon“ von
Marion Zimmer Bradley, „König Artus und die Heldentaten der Ritter seiner Tafelrunde“
von John Steinbeck und „Ein Yankee aus Connecticut an König Artus' Hof“ von Mark
Twain.
Neben zahlreichen Verfilmungen und Fernsehadaptionen (z.B. John Boormans Film
„Excalibur“, Jerry Bruckheimers Film „King Arthur“ sowie die Persiflage „Die Ritter der
Kokosnuss“ der britischen Komikertruppe Monty Python) dient die Artussage auch als
Grundlage für Opern (u.a. „King Arthur“ von Henry Purcell, „Parzifal“ und „Tristan und
Isolde“ von Richard Wagner) und Theaterstücke (u.a. „Merlin oder Das wüste Land“ von
Tankred Dorst).
Auch in anderen Bereichen ist der Einfluss der Geschichte von König Artus zu finden, so
zum Beispiel in den bis heute fortgesetzten „Prinz Eisenherz“-Comics, in Animationsfilmen
wie „Shrek der Dritte“ oder „Die Hexe und der Zauberer“ von Walt Disney sowie in
diversen Computer- und Rollenspielen (z.B. „Tomb Rider“, „Pendragon“).
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// DIE HANDELNDEN PERSONEN
(Quellen: u.a. Wikipedia)
1. DRUIDEN UND FEEN – „DER ALTE GLAUBE“
Merlin
Es kommen zwei überlieferte Personen für die Sagengestalt des Merlins in Frage. Zum
einen Myrddin Embrys und zum anderen Myrddin Lailoken. Beide stammen angeblich aus
Carmarthen. Die Echtheit dieser Personen ist jedoch zweifelhaft. Der Name Merlin geht
wahrscheinlich auf Geoffrey von Monmouth zurück, der die latinisierte Form von Myrddin
(Merdinus) in Merlin(us) abgewandelt hat, weil Merdinus offenbar dem französischen Wort
„merde“ („Scheiße”) zu sehr ähnelt.
Literarisch erstmals erwähnt wird Merlin im 8. bis 9. Jahrhundert als ein „Kind ohne Vater”,
das vor den britischen König Vortigern gebracht wird, um als Menschenopfer den sicheren
Bau seiner Burg zu gewähren. Hierbei allerdings beeindruckt der Knabe die Anwesenden
durch eine Prophezeiung über einen bevorstehenden Krieg, so dass er nicht geopfert wird.
Mehrere mythische Gestalten verschmelzen später zu der immer weiter ausgestalteten Figur
des Zauberers Merlin, die schließlich an die Artussage angebunden wird. Merlin erscheint
jetzt als Zauberer und Artus' Ratgeber, der sich an seinem Lebensende aus der Welt
zurückzieht. In einigen Fassungen ist Merlin auch Artus’ Erzieher und initiiert sowohl die
Tafelrunde als auch die Suche nach dem Gral.
Im Rahmen der Artussage wird Merlin häufig ein weibliches Prinzip gegenüber gestellt.
Hierbei handelt es sich entweder um eine helfende Hand, welche als „Dame des Sees”, oft
als Viviane bezeichnet, auftritt und Merlin und seinen Schützling Artus unterstützt. Eine
etwas verstärkte Variante bildet die Figur der Nimuë, die häufiger als Geliebte Merlins
verstanden wird. Es wird auch erzählt, dass Merlin ihr verfalle und sie ihn töte oder auch
einsperre. Ein drittes Prinzip ist oftmals in Morgana oder Morgue abgebildet, welche als
Gegenspielerin und Feindin Merlins auftritt. Die Namen werden allerdings oft vertauscht
und die Charaktergrenzen sind nicht immer klar abgegrenzt.
Viviane
Sie taucht unter verschiedenen Namen auf, darunter Viviane, Elaine, Niniane, Nivian,
Nyneve, Nimueh oder auch Herrin vom See, Dame vom See, Hüterin der Quelle, Königin
des Wassers oder Dame vom Brunnen. Nimueh ist die Hüterin des Sees, aus welchem
Artus das Schwert Excalibur erhielt, sie gilt als Ziehmutter Lancelots und auch als Lehrerin
oder Geliebte des Zauberers Merlin.
Die Herrin vom See ist eine nicht eindeutig bestimmbare Gestalt, die in verschiedenen
Formen in der Artussage in Erscheinung tritt. Vermutlich entstammt diese Figur einer
Verschmelzungen von vorchristlichen Traditionen mit gallischen, griechischen, römischen
und insbesondere keltischen Mythologien. Das Motiv des Wassers, Sees oder der Quelle
wird häufig mit mythischen, weiblichen Urformen in Verbindung gebracht. Möglicherweise
wurde der Name „Viviane“ auch von der römischen Göttin des Waldes und des Wassers
übernommen. Weiterhin erscheint als möglich, dass die „Herrin vom See“ und Morgaine
derselben Quelle oder Tradition entspringen. Die erste Erwähnung von Avalon, einer
magischen Insel in besagtem See, die oft mit der Herrin vom See und Morgaine in
Verbindung gebracht wird, geschieht in Geoffrey von Monmouths „Historia Regum
Britanniae“, in der es heißt, dass auf Avalon das Schwert Excalibur geschmiedet und Artus
nach seinem Kampf mit Mordred dort geheilt wurde.
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Morgaine
Morgan le Fay, auch bekannt als Morgaine, Morgain oder Morgana und unter weiteren
Namen, wie zum Beispiel im Mittelhochdeutschen: Feimorgan oder Famurgan, ist eine
wichtige weibliche Figur in der Mythologie um König Artus – zeitweise sogar Antagonistin
von Artus und Gegnerin von Ginevra.
Im 12. Jahrhundert wird Morgaine zum ersten Mal erwähnt. Geoffrey von Monmouth
präsentiert sie dann sowohl als Heilerin als auch als jemand, der sich in unterschiedliche
Gestalten verwandeln konnte. Geoffrey folgend, haben spätere Schriftsteller das Thema
dahingehend erweitert, dass Morgaine Artus auf der Insel Avalon pflegt und heilt.
In den meisten Überliegerungen ist Morgaine die Tochter von Artus' Mutter Igraine und
ihrem legitimen Ehemann Gorlois; also Artus’ Halbschwester. Sie hat außerdem zwei
Schwestern, Morgause und Elaine, beide Töchter von Igraine und Gorlois. Moderne
Interpretationen der Artussage geben Morgaine oft die Rolle als Artus' Verführerin und
Mutter des bösen, aus dem Geschwisterinzest hervorgegangenen Mordred, obwohl dies
ursprünglich Morgause war. (Der Legende folgend, wuchs Mordred abseits von Artus' Hof,
nämlich bei seiner Halbschwester oder auch Tante Morgause heran, tötete seinen Vater
und gab der Artussage damit den Schluss).
Es ranken sich zahlreiche Legenden um das Verhältnis zwischen Morgaine, Artus, Ginevra
und Lancelot. Meist gerät Morgaine mit ihnen in Streit und kämpft mit magischen Tricks
und Mitteln, um entweder Ginevra oder Artus zu vernichten.
Igraine
Igraine oder Ygraine ist die Mutter von König Artus. Sie heiratete in erster Ehe Gorlois, den
Herzog von Cornwall, und nach seinem Tod in zweiter Ehe dessen ehemaligen
Verbündeten Uther Pendragon, den Großkönig von Britannien. Sie war Mutter von fünf
Kindern aus ihren zwei Ehen, von denen viele in der Artussage eine wichtige Rolle spielen:
Gormant, Elaine, (Anna-)Morgause (wird je nach Quelle auch als Igraines Schwester
angesehen), Morgaine und – aus der Verbindung mit Uther Pendragon – Artus.
In einigen neueren Versionen der Sage wird erzählt, Igraine habe selbst Feenblut in sich.
2. RITTER UND BURGFRÄULEIN – „DER NEUE GLAUBE“
König Uther
Uther Pendragon („Kopf des Drachen“) ist der Vater von König Artus. In einigen Versionen
der Sage schwängert er die verheiratete Igraine, während er ihr durch einen Zauber als ihr
Gatte erscheint. Dieses Thema der illegitimen Geburt wird später bei der Zeugung von
Mordred durch Artus wiederholt.
Die legendäre Figur des Uther könnte teilweise auf dem britisch-römischen Kriegsherrn
Ambrosius Aurelianus basieren.
Lancelot
Die Sagenfigur Lancelot (oder Launcelot, Lancelot du Lac, Lancelot of the Lake, Lanzelot
vom See oder Lancelot von der Quelle) wird, je nach Erzähler, sehr unterschiedlich
beschrieben. Die Geschichten um ihn haben sich so stark auseinanderentwickelt, dass es
verschiedene Grundmuster gibt. Eine Version ist die folgende: Lancelot ist der Sohn von
König Ban von Benwick (oder Ban von Bonewig), der nach seiner Bezwingung durch König
Claudus mit seiner Gemahlin Elaine aus seinem Königreich fliehen muss. Als Kind wird
Lancelot während dieser Flucht von seiner Mutter an einem See zurückgelassen und dort
von der Fee Viviane, der Dame vom See und Hüterin des mythischen Ortes Avalon,
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geraubt. Er wächst in ihrem Wasserreich auf, der Schmiede des magischen Schwertes
Excalibur.
Der herangewachsene Lancelot ist – neben Gawain – der berühmteste der zwölf Ritter der
Tafelrunde von König Artus. Seine bedingungslose, unverbrüchliche Liebe richtet sich auf
Ginevra, die Gemahlin des Königs. Durch diese schicksalhafte, ehebrecherische Liebe wird
er unwürdig, nach dem Heiligen Gral zu suchen.
Ginevra
Guinevere (englisch), Gwenhwyvar (walisisch), Ginebra (spanisch), Ginevra (italienisch),
Guenièvre (französisch) ist in der walisischen Mythologie und in der sich daran
anschließenden Artus-Sage die Frau des Königs Artus und die Geliebte des Ritters Lancelot
(der in den walisischen Überlieferungen allerdings nicht vorkommt). Der walisische Name
Gwenhwyfar bedeutet „die weiße Fee“ oder „der weiße Geist“, kann aber auch „Gwen die
Große“ bedeuten, im Unterschied zu ihrer Schwester Gwenhwyfach („Gwen die Kleine“).
Ginevra ist nach einer Version die Tochter des Königs Leodegrance, in einer anderen
Version soll Gwythyr ihr Vater sein. Manchmal wird erzählt, dass der König von Somerset
sie als Siegespreis im Zweikampf gegen Sir Kay erobert, entführt und auf seiner Festung
gefangen hält. Artus belagert daraufhin ein Jahr lang mit seiner Armee die Festung, bis
Ginevra an Artus zurückgegeben wird. In einer anderen Erzählung dieser Entführung wird
sie von Gawain und Lancelot befreit, der sie liebt, aber an Artus zurückgibt.
In einigen Fassungen lässt Artus Ginevra in der Obhut seines Neffen Mordred, während er
in Europa gegen die Römer in den Krieg zieht. Während seiner Abwesenheit verführt
Mordred Ginevra und macht sich selbst zum König, mit ihr als seiner Königin. Dies bringt
Artus dazu, zurückzukehren und gegen Mordred zu kämpfen. Nachdem Mordred im
Zweikampf stirbt und Artus ebenfalls tödlich verwundet ist, geht Ginevra zuletzt ins Kloster.
In allen Erzählungen bleibt sie kinderlos, obwohl in der walisischen Überlieferung Söhne
von Artus erwähnt werden.
Kay
Cei fab Cynyr, auch Keie oder Kay, ist eine Sagenfigur der walisischen und britannischen
Keltischen Mythologie. In einigen traditionellen walisischen Erzählungen der Artussage ist
Kay der bedeutendste unter den Gefährten von König Artus. Seine Beinamen sind „der
Schöne“ und „der Lange“. Meist kämpft er an der Seite des Königs und hat zum Teil eine
ganze Reihe wunderbarer Eigenschaften, die ihm zugeschrieben werden. Er ist ein
geachteter Ritter der Tafelrunde, manchmal auch Artus’ Hofmeister oder der Truchsess des
Königs.
Sir Ector
Hektor oder Ector, ein Freund Merlins, gilt als treuer und rechtschaffener Ritter mit
stattlichen Besitztümern. Ihm wird der neugeborene Artus auf Merlins Weisung hin
übergeben. Alleine oder gemeinsam mit seiner Frau zieht er Artus zusammen mit seinem
eigenen Sohn Kay groß. Artus hält sich zunächst für seinen Sohn.
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3. GRENZGÄNGER
Artus
Der historische Kern der Artus-Geschichte dürfte in der Völkerwanderungszeit zu suchen
sein, als nach dem Abzug der römischen Legionen die britische Restbevölkerung sich
gegen eindringende Angelsachsen zur Wehr setzen musste. Allerdings ist keine direkte
Quelle aus so früher Zeit bekannt, die einen König Artus belegen würde. Sollte Artus
tatsächlich auf eine historische Person zurückgehen, müsste er im 5. oder 6. Jahrhundert
gelebt haben. Allerdings findet sich in den überlieferten Quellen aus dieser Zeit kein König
Artus. Die früheste Quelle zu Artus ist die „Historia Brittonum“, die um das Jahr 830
entstanden ist. Darin wird Artus als „Anführer von Schlachten“ bezeichnet, also als
Heerführer, nicht als König, der in 12 Schlachten gekämpft haben soll. Erst aus dem
Hochmittelalter sind ausführlichere Darstellungen bekannt. So erzählt im 12. Jahrhundert
William von Malmesbury, der als recht zuverlässiger Historiker gilt, in seiner „Gesta Regum
Anglorum“, dass Artus den Krieger Ambrosius Aurelianus im Kampf gegen die Angeln
unterstützt habe. Auch in der frühen walisischen Literatur wird Artus mehrfach erwähnt.
Später wurden die Sagen um König Artus mit anderen keltischen Sagen verknüpft und
entwickelten sich von einem Lebensbericht eines möglicherweise realen Mannes zu einer
Sammlung von Heldentaten und der Beschreibung eines idealen Königs, wie ihn sich viele
wünschten.
Mordred
Über die Abstammung von Mordred (walisisch: Medraut oder Medrod) gibt es drei
Versionen: Die erste berichtet, dass er ein Sohn von Lot Luwddoc, des Königs von
Gododdin (in späteren Fassungen der Orkney Inseln), und seiner Frau Morgause, einer
Halbschwester mütterlicherseits von Artus, gewesen sei (also sein Neffe). In der zweiten ist
Mordred ein Sohn von Artus und Morgause, der von Lot adoptiert und aufgezogen wurde.
In der dritten Variante sind Artus und seine zweite Halbschwester Morgaine die Eltern von
Mordred. Da Morgaine unverheiratet bleibt, adoptieren ihre Schwester Morgause und
deren Mann Lot das Kind und ziehen es als ihr eigenes auf.
Der Magier Merlin weissagt in einer Version, „dass Mordred eines Tages auf Artus' Thron
sitzen werde“. Zunächst wird Mordred ein Ritter der Tafelrunde und gerät in Konflikt mit
Lancelot – entweder, weil Lancelot, als bester Ritter und engster Freund von Artus, und
Mordred, als dessen Sohn oder Neffe, Konkurrenten um die Nachfolge des Königs sind
oder, weil Lancelot als (vermeintlicher) Geliebter der Königin Ginevra ein ideales Mittel ist,
um Artus und seine Ritter zu entzweien. In einer weniger bekannten Variante sind Lancelot
und Mordred Konkurrenten um die Gunst der Königin Ginevra.
Auch von Mordreds Verrat am König gibt es mehrere Varianten der Erzählungen: In einer
setzt Artus nach Gallien über, um dort Verbündete zu unterstützen oder um nach Rom zu
ziehen. In einer anderen führt er Krieg gegen Lancelot, um dessen (vermeintlichen)
Ehebruch mit Ginevra zu rächen. Mordred wird von Artus als Statthalter in Britannien
eingesetzt; er nutzt jedoch diese Position, um seine Macht auszubauen, erklärt Artus für tot
und besteigt selbst den Thron und vermählt sich zumeist anschließend mit Königin Ginevra.
Artus kehrt zurück und es kommt zur Schlacht, in deren Verlauf Artus von Mordred tödlich
verwundet und dieser von Artus getötet wird. Mordreds Söhne (Er soll zwei- oder dreimal
verheiratet gewesen sein und die Zwillingssöhne Melehan und Melou gezeugt haben.)
versuchen zwar, den Thron an sich zu reißen, werden aber von Lancelot und Bors
erschlagen.
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// UNTERRICHTSANREGUNGEN
1. TEXTBEISPIELE
5. Szene
Merlin mit Excalibur, dem Schwert der Macht, vor einem Stein. Er versucht, Excalibur dort
hinein zu stoßen. Es gelingt ihm nicht. Von fern hört man ein Frauenlachen.
Merlin
(zähneknirschend) Wo bist du? Zeig dich!
Viviane tritt aus dem irgendwo auf.
Viviane
Bist du ein Clown oder ein Zauberer?
Merlin
Die alte Hexe, die Fürstin, Oberpriesterin von Avalon!
Viviane
Sag meinen Namen! (lacht.)
Merlin
Mach mich nicht verrückt. Hier. Ich bekomme Excalibur nicht in den Stein
ohne deine Hilfe. (denkt nach) Ich weiß, Ihr auf Avalon habt dieses Schwert
gemacht. Ihr ward es. Und dafür bin ich euch dankbar. Bitte Viviane, die
Geschichte braucht dich. Ich brauche dich.
Viviane
Du brauchst mich schon lange nicht mehr für deine Pläne.
Merlin
(während Viviane spricht) Verdammter Dreck... (sieht das Schwert an)
Verzeihung. Dies ist der Stein, dies ist der Ort, dies ist das Schwert der
Macht, Excalibur. Warum gehst du nicht in diesen Stein rein?
Viviane
(plötzlich laut) Wie kannst du nur so sicher sein, dass Artus der große König
sein wird, der uns und unsere Welt neben der der Ritter und Kriegshelden
leben lässt! Wie kannst du unser Schicksal in seine Hände legen! In die
Hände eines Grünschnabels, der keinerlei Zugang zum alten Wissen hat
oder haben wird! Er hat nicht die Spur des dritten Auges – er wird nie in die
Zukunft sehen und er wird nie begreifen, dass ihn die Kräfte von Avalon und
einem Druiden zum König gemacht haben.
Merlin
Das braucht er auch nicht zu wissen. Er ist auserwählt, eben gerade weil er
nicht weiß und nicht begehrt.
Viviane
Merlin, dieser Kerl – Artus richtig? – wächst bei einem christlichen Ritter auf!
Er glaubt an einen Gott, dessen Sohn blutend und tot an einem Kreuz
herumhängt! So jemand kann nur verderben bringen, kein Leben.
Merlin
Woher willst du das wissen...
Viviane
Was ist mit seiner Schwester Morgaine? Warum nicht sie?
Merlin
Morgaine? Du kannst den Lauf der Dinge nicht aufhalten.
Viviane
Vielleicht nicht. Aber ich kann mich zurückziehen. (Will gehen.)
Merlin
Tu es nicht, meine Liebe! Bitte, bleib bei mir und unserem – nennen wir es
mal – Versuch. Segne Excalibur!
Viviane redet unverständliche Verse und stößt dabei das Schwert mühelos in den Stein.
Viviane
Aber herausziehen kann er es dann allein, oder?
Merlin
Ja. (sieht ihren zweifelnden Blick) Ich meine: ja! Übrigens: Jetzt hängst du
mit drin in der Geschichte!
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Sie geht. Merlin rüttelt prüfend an Excalibur in dem Stein. Es sitzt fest.
Merlin
Bombenfest.
9. Szene
Merlin, Sir Ector, Kay, Artus und zwei fremde Ritter auf einem Turnierplatz. Der zweite Ritter
ist die verkleidete Morgaine.
Ector
Männer! Ritter! Machen wir uns nichts vor: Die Zeiten sind furchtbar. Unser
Land wartet auf seinen neuen König. Deshalb schlage ich vor, dass wir –
bevor wir unsere Kraft im Turnier erproben – einer nach dem anderen
versuchen, Excalibur, das Schwert der Macht, aus dem Stein zu ziehen.
Merlin
Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, Hektor!
Ector
Mein Name ist immer noch: Sir Ector. Darf ich vorstellen: Merlin. Ein – äh –
Druide.
Abwertendes Gemurmel der Ritter.
Ector
Der frühere Berater von Uther Pendragon.
Merlin
Derjenige, der das Schwert aus dem Stein ziehen kann, sei der neue König,
so steht es in der Prophezeiung.
1. Ritter
Ich fange an.
Er zieht heftig am Schwert und scheitert. 2. Ritter (Morgaine) geht wortlos zum Stein und
versucht es. Wieder nichts.
Kay
Vater – darf ich es auch versuchen?
Ector
Frag nicht lang. Zieh.
Auch bei Kay bewegt sich das Schwert nicht.
Kay
Hat es sich nicht ein bisschen bewegt?
Merlin
Nein.
Artus
Was ist mit dir, Merlin?
Merlin
Ich bin kein Mann des Schwertes, Artus.
Ector
So lasst uns also mit dem Turnier beginnen!
Merlin
Artus soll es versuchen!
Kay
Zeitverschwendung.
Artus
Lasst uns kämpfen.
Merlin
Ich sagte, du sollst es versuchen!
Artus
Ich will nicht.
Merlin
Versuch es, verdammt noch mal!
Artus
Vater?
Ector
Tu, was Merlin dir sagt.
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Artus zieht am Schwert, es gleitet wie von selbst heraus. Klänge. Dann Stille.
Artus steckt Excalibur in den Stein und wieder heraus. Alle knien vor ihm nieder.
Artus
(verwundert) Es war ganz leicht.
1. Ritter
Mein König.
Merlin
Endlich.
Ector
Mein Junge. Mein armer Junge.
Kay
Mein Bruder. Und König. (er kniet)
Artus
Steh auf, Kay. Was soll denn das.
Kay
Du bist jetzt König.
Artus
Ich fühl mich aber nicht so.
Morgaine
Das kommt schon noch.
Artus
Meinst du? Sag mal – kennen wir uns?
Morgaine
Ich bin deine Schwester Morgaine.
Artus
Meine bitte was?
Morgaine
Und du mein Bruder. Ganz egal, was passiert!
Merlin schiebt Morgaine ab.
Merlin
So, das wär’s für heute. Das Turnier wird bis auf weiteres verschoben.
Artus
Vater – habe ich eine Schwester?
Ector
Keine Ahnung.
Kay
Du weißt nicht, ob wir eine Schwester haben?
Ector
Du hast keine Schwester, Kay. Aber ob Artus eine hat, weiß ich nicht.
Merlin
Sir Ector ist nicht dein wirklicher Vater, Artus. Du bist der Sohn von König
Uther Pendragon.
Ector
Hab ich’s mir doch gedacht.
Artus
(zu Ector) Du bist nicht mein Vater?
Ector
Nein, bin ich nicht.
Artus
Und Kay ist nicht mein Bruder?
Ector
Nein, nicht direkt.
Artus
(zu sich) Warum hast du mir das nie gesagt? (schreit) Hau ab! Haut alle ab!
Als sich keiner fortbewegt, stößt Artus einen wilden, verletzten Schrei aus und läuft davon.
13. Szene
Merlin
Camelot! Mehr als eine Burg, eine ganze Stadt, baut Artus sich und seinem
Land. Mit fünf Meter dicken Mauern und unzähligen Zugbrücken schützt er
sie vor Angreifern. Weit sieht man aufs Meer und ebenso weit ins Hügelland
auf der anderen Seite. Eine gepflasterte Straße führt durch Doppeltüren
eines quadratischen Turmhauses ins Innere.
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Camelot! In einer riesenhaften Halle steht nun der runde Tisch – die
Tafelrunde. Hier ist alles aus Holz und Stein gebaut, so stark, als solle es für
die Ewigkeit halten. Und doch – sieht man die Burg von weitem – scheint es,
als sei sie aus Glas. So hell und hoch und glänzend steht sie in der Sonne.
Camelot! Eine unzerstörbare Festung für einen unsterblichen König!
Artus
Ritter. Obwohl ich der König bin, diese Tafel macht uns alle gleich. Hier
wollen wir gemeinsam entscheiden, was zu tun und zu lassen ist. Unsere
Gesetze gelten für jeden. In guten wie in schlechten Tagen, in Krieg und
Frieden. Wir wollen füreinander einstehen und unser Leben für den anderen
geben, wenn er in Gefahr gerät! Wir wollen jeden beschützen, der schwach
ist und unserer Hilfe bedarf! Wir wollen im Krieg kämpfen wie Männer und
jedem Gnade gewähren, der sein Schwert verloren hat und sich ergibt! Wir
werden ein neues Land bauen, in dem es Wahrheit, Freundschaft und
Frieden gibt. Einer für alle! Alle für einen!
Ritter
Yes, we can.
Merlin, der am Rand gestanden hat, sieht Artus an.
Artus
Und wir werden den alten Glauben, die Druiden und Feen mit all ihren – ich
will mal sagen – Eigentümlichkeiten, neben unserem christlichen Gott achten
und in Freiheit leben lassen!
Die Ritter geben zögerlich ihre Zustimmung.
Artus
Solange ich euer König bin, werdet ihr mich auch in diesem Punkt
unterstützen. Schwört es!
Ritter
(außer Kay) Wir schwören.
Artus
Freibier für alle.
17. Szene
Merlin
Zwölf Schlachten muss Artus führen, um alle Feinde Britanniens zu
vernichten.
Nähert sich Artus.
Merlin
Du sollst die Kraft haben, in allen deinen Kämpfen zu siegen! Soweit der
Wind trocknet, der Regen nässt, die Sonne umgeht, das Meer flutet und die
Erde sich ausdehnt!
Artus geht in den Kampf, an seiner Seite: Lancelot und Kay.
Merlin
Zwölf Schlachten! Artus und seine Ritter kämpfen an Flussmündungen, in
den Bergen und im Wald. Im Norden und Süden. Aus dem König wird ein
Kriegsheld, der in Windeseile weite Strecken durchmisst und an einem
einzigen Tag neunhundertsechzig Mann tötet.
Viviane kommt dazu.
Viviane
Das ist ja eine großartige Leistung, die ihr da vollbracht habt, Merlin!
Neunhundertsechzig Tote an einem Tag! Bravo!
Merlin
Manchmal muss man töten, um die Welt wieder lebenswert zu machen!
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Viviane
Oh wirklich? Und wann fangen Artus’ Ritter an, die alte Welt zu vernichten?
Werden sie Feuer legen und den ganzen Wald ausräuchern? Werden sie
jeden, der nicht auf Artus schwört, aufhängen? Werden sie die Frauen mit
ihren Heilkräutern als Hexen verbrennen? Und jeden, der aus der Fremde
kommt, als Gefahr für ihr Land sehen?
Merlin
Blödsinn.
Viviane
Wann werden sie dich und mich vernichten, diese Männer, die nichts
anderes als kämpfen können, Merlin?
Merlin
Artus braucht mich. Er hört auf mich.
Viviane
Du hältst dich für wichtig? Du denkst, du hältst die Fäden noch in deiner
Hand? Sie sind dir längst entglitten... Avalon entfernt sich jeden Tag mehr
von Eurer Küste und unser Glauben wird schwächer und schwächer... So wie
du, Merlin. (verschwindet)
Merlin
Ich bin nicht schwach! Hörst du? Ich werde alles unter einen Hut bringen!
Den alten UND den neuen Glauben! Durch diesen König – meinen König!
Man hört Viviane von fern lachen. Dann Stille. Der erschöpfte Atem der Krieger.
Merlin
Endlich beginnt eine neue Zeit zu atmen. Eine Zeit des Friedens.
24. Szene
Ginevra und Lancelot beim Liebesspiel. Musik. Artus sieht lange fassungslos zu. Kay steht
zunächst unbemerkt hinter ihm.
Artus
(tonlos) Ich bin hier. Hier bin ich. (laut) Warum tut ihr das?
Die beiden nehmen ihn wahr.
Lancelot/Ginevra
Weil wir uns lieben.
Ginevra
Es ist meine Schuld. Ganz allein meine!
Lancelot
Sag das nie wieder, Liebste! Ich bin der Schuldige.
Ginevra
Nein, das bist du nicht.
Kay
Ihr tragt beide die Schuld.
Lancelot/Ginevra
Wir konnten einfach nichts dagegen tun, Artus.
Artus
Geht weg. Nein, verlass mich nicht! Was soll ich denn ohne dich machen?
Kay
Sie haben Hochverrat begangen.
Artus
Sei still, Kay! Ich will wissen, warum sie das getan haben!
Lancelot/Ginevra
Ich kann es dir nicht sagen. Es ist einfach passiert. Schon als wir uns
das erste Mal gesehen haben.
Artus
Warum um alles in dieser Welt hast du mich dann geheiratet, Ginevra?
Ginevra
Ihr seid der König. Ich wollte Euch glücklich machen.
Artus
Aber du hast mir das Herz gebrochen.
Stille.
19
Artus
An was soll ich jetzt noch glauben?
Ky
Du musst etwas Neues finden, an das du glauben kannst.
Artus
Ach ja? So läuft das? Das Wichtigste auf der Welt wird kaputt gemacht und
dann geht man los und sucht etwas Neues, was einen am Leben hält? Bis
das auch wieder in Schutt und Asche liegt und so weiter und so fort? So
stellst du dir das vor?
Kay
Ich bin noch hier, mein Bruder und König.
Artus
Ja. Kay.
Kay
Wir werden jetzt beide einsperren, bis zu ihrer Verurteilung durch die
Tafelrunde. Sie werden beide verstoßen oder getötet.
Artus
Sterben...
Kay
Das steht auf Hochverrat. Kommt!
Kay führt Lancelot und Ginevra ab. Artus allein. Zerbrochen.
Auszüge aus: Franziska Steiof, ARTUS, Berlin, 2004. // Spielfassung des KJT, 2011.
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2. TIPPS FÜR LEHRER:
Theaterpädagogische Übungen zur Nachbereitung
-
Rollenstandbilder
• Legen Sie Zettel mit den wichtigsten Rollennamen aus. Jede Rollen sollte vier bis
fünfmal vorkommen.
• Die SchülerInnen entscheiden sich für eine Rolle und überlegen alleine, welche
Tätigkeit und welche körperliche Haltung sie charakterisiert.
• Auf ein Zeichen gehen alle in ein Standbild, in der diese Tätigkeit oder die Haltung
deutlich wird.
o Variante: In Paaren werden die Haltungen verstärkt. Dabei sollten die
gleichen Rollen nicht zusammenarbeiten.
• In der abschließenden Präsentation stellen sich immer die gleichen Rollen
zueinander (alle Artuse, alle Merlins, etc.). Das Publikum beschreibt die
unterschiedlichen, oder gleichen Aspekte. Welche Aspekte der Figur wurden von
den Standbildern betont? Welche Aspekte der Figur fehlen.
-
Liebesbriefe
• Alle Jungs sind Lancelot und schreiben einen Brief an Ginevra. Alle Mädchen sind
Ginevra und schreiben einen Brief an Lancelot.
• In den Briefen beschreibt jedes seine Gefühle, Wünsche, Hoffnungen und Ängste in
der verzwickten Situation, dass ein Junge die Freundin seines besten Freundes liebt,
bzw. die eines Mädchens, das in den besten Freund ihres Freundes verliebt ist.
Die Briefe werden anonym ausgehängt. Eine Auswahl wird vorgelesen. Allerdings nicht
von den Autoren selbst.
Mögliche Fragestellung / Themenkomplexe
-
Inhaltliche Analyse des Stücks:
Was versteht Merlin unter der „alten Welt“, die er mit der „neuen Welt“ vereinen will?
Welche Figuren verkörpern diese beiden Welten?
Was erhofft sich Merlin von Artus’ Herrschaft?
Welchen Sinn hat die Gründung der Tafelrunde?
Woran scheitern Merlin und Artus?
Aus welchen Motiven heraus handeln Morgaine und Viviane?
In welchen Konflikt geraten Lancelot und Ginevra?
Wäre Mordred der richtige Nachfolger als König gewesen?
-
Heutige Bezüge zur Thematik herstellen:
Inwiefern lassen sich die Idee der Tafelrunde auch in späteren
Demokratiebewegungen wiederfinden? (Stichwort: „Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit“ / „Alle Menschen sind gleich.“)
Was treibt die Menschen heute z.B. in Tunesien, Ägypten, Syrien oder Libyen auf die
Straße, für welche Rechte und Ideale kämpfen sie?
Verkörpern heutige Herrscher bzw. Politiker noch Ideale oder Utopien?
Welche Rolle spielen die Berater und Lobbyisten?
Welche Situationen gibt es in der eigenen Lebenserfahrung, in denen man sich
zwischen Gefühl und Verstand unterscheiden muss?
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-
Unterschiedliche Fassungen vergleichen:
Zur Vor- oder Nachbereitung des Theaterbesuchs Ausschnitte aus verschiedenen
Versionen der Artussage lesen (z.B. John Steinbeck, „König Artus und die
Heldentaten der Ritter seiner Tafelrunde“ oder Sir Thomas Malory, „König Arthur und
die Ritter der Tafelrunde“) und/oder als Film (z.B. „Excalibur“) ansehen. Anschließend
darüber diskutieren, ob und wenn ja, wie sich die unterschiedlichen Fassungen
inhaltlich unterscheiden und ob sich auch die Charaktere der handelnden Figuren
dadurch verändern. Welche Intention bzw. Interpretation steckt dahinter? Was soll
durch diese Schwerpunktlegung oder Zuspitzung erzählt/vermittelt werden?
Beispiele:
1. Auszug aus John Steinbeck, „König Artus und die Heldentaten der Ritter seiner
Tafelrunde“
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2. Auszug aus: Sir Thomas Malory, „König Arthur und die Ritter der Tafelrunde“
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