Backpacking 101: Indien

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Backpacking 101: Indien
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Backpacking 101: Indien
Beigesteuert von Fabian Schober
11.12.2006
Indien: Nation, Kultur oder einfach nur Zustand? Reisetipps vom Guru Vielfältige Gerüche, berauschende Farben und
skurrile Klänge – Indien bietet dem Neuankömmling wahrlich eine Orgie für die Sinne. Die einstige „Mutter des
Backpacken“ zieht heute mehr denn je eine bunte Mischung aus Travelern, Volunteers und Hippies an.
Bei uns ist Indien ein Synonym für Call Centers, IT-Bastler und Chicken-Masala. Doch der Subkontinent ist gerade dabei
sich selbst neu zu erfinden. Die momentanen politischen Führer könnten unterschiedlicher nicht sein: der Präsident ist
Moslem, der Premier Sikh, in einem weitgehend hinduistischen Land. Sie appellieren an die Progressivität ihrer derzeit 1,1
Milliarden Bewohner – Indien soll zum „Global Player“ avancieren. Was das konkret heißt, habe ich
mir bei einem Lokalaugenschein im Sommer 2006 genauer angesehen.
Sehenswürdige Metropolen Unsere post-mitternächtliche Ankunft in Delhi gestaltete sich wie erwartet: Saunaähnliche
Verhältnisse gepaart mit Millionen von Mücken! Delhi unterscheidet sich essentiell von anderen indischen Metropolen, da
es während der britischen Kolonialherrschaft großzügig geplant und strukturiert angelegt wurde – was den Nachteil
hat, dass es praktisch unmöglich ist, die Stadt per Fuß zu erkunden. Hierbei schaffen die allgegenwärtigen Rikscha-Fahrer
Abhilfe, die hupend, fluchend und Kautabak-kauend schier unmögliche „Lücken“ im Verkehr nutzen. Im
Gegensatz zu vielen anderen Entwicklungs- und Industrieländern bieten die indischen Städte herausragende
Sehenswürdigkeiten. Ein Muss beim Schlendern durch Old Delhi sind das imposante Old Fort sowie die Jama Masjid, die
größte Moschee Indiens. Meine persönlichen Highlights in Neu-Delhi waren der Bahai-Tempel (aufgrund seiner Form auch
Lotustempel genannt), der ein Ort der Andacht für alle Religionen ist, und Lodi Gardens, ein riesiger Park im Herzen der
Stadt, der zum Entspannen einlädt.
Die (Exil)Heimat des Dalai Lama Nichtsdestotrotz verließen wir das hektische Treiben Delhis um einen Abstecher in den
Norden zu machen. Nach Leh gelangten wir über den Tanglang La, den zweithöchsten befahrbaren Pass der Welt
(5300m). Auf der Route bieten sich einige, zum Teil obligatorische, Zwischenstopps an, z. B. im supertouristischen
Manali, einer der Kifferhochburgen Indiens, wo sich abgerüstete Israelis, hängen gebliebene Hippies und
Wochenendtouristen gute Nacht sagen. Definitiv zu empfehlen ist auch ein Abstecher ins Spiti Valley. Die
Hochgebirgswüste im Regenschatten des Himalajas beheimatet das über 1000 Jahre alte tibetisch-buddhistische Kloster
Tabo und das die Landschaft überragende Ki Gompa, ein weiteres buddhistisches Kloster. Die stoische Ruhe dieser
Gegend wird nur hin und wieder durch einen Besuch des Dalai Lama unterbrochen, der diese Gegend laut
Einheimischen zur Wahlheimat im Alter auserkoren hat. Das „beste Thali Nordindiens“, die ansonsten von
mir wenig favorisierte Leibspeise der Inder, bestehend aus Reis, Dal, Gemüsecurry und Chapati, macht die Strapazen der
Busfahrten vergessen und hilft bei der Akklimatisierung auf 3.800m.
Haus-boot-arrest Um wieder zurück nach Delhi zu gelangen, reisten wir gen Westen nach Kaschmir. Nach der 15stündigen Fahrt, eingepfercht im Kofferraum eines Jeeps mit einigen ebenfalls nicht ganz Serpentinen-resistenten Indern,
erreichten wir erschöpft Srinagar. Dort wurden wir gleich mal von der Armee zu 2 Tagen Hausarrest auf einem Hausboot
verdonnert. Anlass dafür: Präsidentenbesuch. Da es in Srinagar und Bombay am 11. Juli zeitgleich Anschläge gegeben
hatte, herrschte Alarmstufe rot. Zugegeben: Wir hätten es schlechter erwischen können. In dem handgeschnitzten
Hausboot am Dal-Lake ließ es sich hervorragend aushalten.
Alternative Einnahmequellen in Agra Wieder „auf freiem Fuß“ ging’s weiter nach Agra, zum
bekanntesten Liebesdenkmal der Welt: dem Taj Mahal. So faszinierend das Taj Mahal und Agra Fort auch sein mögen,
länger als einen Tag hielt es uns nicht in Agra. Durch den ständigen Touristenansturm entwickeln gewiefte Inder dort ständig
neue Gaunereien: So variieren je nach Art der Touristen die Preise der Speisekarten, oder man wird permanent mit
„Freundschaftsdiensten“ (= Gib-mir-Dollar) genervt.
Varanasi – Brennpunkt des Hinduismus Als eine der ältesten Städte der Erde (mindestens 3000 Jahre) ist Varanasi
das heiligste Zentrum des Hinduismus. Direkt am Ganges gelegen, reinigt ein Bad im Fluss die Gläubigen von Sünden
– zudem soll die Verbrennung an diesem Ort den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt durchbrechen. Das bunte
Geschehen in Varanasi lässt sich am besten von oben beobachten, in einem der kleinen Guesthouses. Hier erschließt sich
ein phänomenaler Blick über die Ghats, die Zugänge zum Ganges, an denen gebadet, zelebriert und Ganges-Wasser
getrunken (!) wird. Tipp: Alle Rikscha-Fahrer in Varanasi ignorieren, da diese mit Abstand die kriminellsten in ganz
Indien sind! Sie quatschen dich voll, dein Hostel sei abgebrannt, überschwemmt oder einfach dreckig (wobei das meistens
stimmt!) und bringen dich in der Folge nie ans gewünschte Ziel, sondern zu einem „besseren Geheimtipp“.
Die engen, verwinkelten Gassen sind mit unzähligen Menschen, Affen, Kühen gefüllt – neben dieser visuellen
Herausforderung weht einem eine nasenbetäubende Brise aus Überresten von Exkrementen, Gewürzen und Räucherstäbchen
entgegen. Die Affenbanden haben die Stadt fest in der Hand. Passt du kurz nicht auf, klauen sie dir dein Coca Cola
vom Tisch. Auf ihren Raubzügen nach Ess- und Trinkbarem halten sie auch keine Zimmertüren auf. Die dreisten Tiere sind
schon so sehr an Menschen gewöhnt, dass sie oft nicht einmal mit Stöcken verjagt werden können. Wenn die Affen zum
Gegenangriff ansetzen, kann das auch böse Verletzungen zur Folge haben.
Inselidylle von ihrer anderen Seite Seit kurzem wird der indische Flugsektor durch Billiganbieter wie Air Deccan belebt.
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Daher konnten wir kurzerhand das Monsungeplagte Festland verlassen und auf den Andamanen, einer Inselgruppe im
Osten Indiens, vorbeischauen. Noch leicht angeschlagen von Kolkatas überraschend kosmopolitischem und stylischem
Nachtleben und vom indischen glyzerinhaltigen Bier (Kopfschmerzen garantiert) nahm uns eine typische sonnengetränkte
Insellandschaft in Empfang. Da wir schon ziemlich viel Regen abbekommen hatten, hofften wir auf eine erholsame
Woche im zukünftigen Urlaubsparadies der Schickeria. Anfang 2007 haben sich Johnny Depp, Russell Crowe und
Konsorten aus Hollywood angesagt, um am Radha Nagar, oder einfach Beach No. 7, „Shantaram“ zu
drehen, die Geschichte des australischen Ex-Sträflings Gregory D. Roberts, der nach Indien flüchtete. Was so ein Film
auslösen kann, haben wir ja schon bei „The Beach“ auf Koh Phi Phi in Thailand gesehen. Leider begann
am zweiten Tag der stärkste Zyklon seit 28 Jahren, der die Insel in ihre Einzelteile zerlegte und die Versorgung mit Benzin
und Waren stilllegte. Wir mussten uns, zusammengerottet in einem Bambus-Hut, die Tage um die Ohren schlagen
– um nicht von einer Kokosnuss getroffen zu werden. Nach einer Woche waren alle „Wölkchen“ vom
Himmel verschwunden, jetzt hieß es endlich: Rauf aufs Motorrad und Insel erkunden – aber erst nachdem wir den
letzten vorhandenen Liter Sprit im Souvenirshop ergattert haben.
Vom Shoppen hin zu Indiens Zukunft Mumbai, die größte und kosmopolitischste Stadt Indiens, eignet sich ideal als letzte
Station eines Indientrips. Neben grandiosen Shoppingmöglichkeiten wird man langsam wieder an westliche
Annehmlichkeiten herangeführt, obgleich hier die Kluft zwischen unglaublich arm und extrem reich so deutlich zu sehen ist
wie sonst nirgendwo. Unklar bleibt, wie die bald bevölkerungsreichste Nation der Erde mit ihren innenpolitischen
Reizthemen in Zukunft umgehen wird. Hierzu zählen vor allem das Kastensystem, das durch kürzliche Reformen wieder
gestärkt wurde, das Bildungswesen, das für die meisten finanziell nicht leistbar ist und auf immensem Leistungsdruck
aufbaut, und die weiterhin bestehende Kluft zwischen Hindus und Moslems. Um Indien genießen und verstehen zu können
ist also ein wenig an Vorab-Lektüre zu empfehlen, ebenso eine entspannte Einstellung zu für uns ungewohnten persönlichen
Angewohnheiten der Einheimischen. Es gibt immens viel zu entdecken an religiösen Gebräuchen und Riten, an
historischen Bauwerken und beeindruckenden Landschaften, jedoch fällt einem das meiste davon nicht von alleine in den
Schoß. Also: Auf nach Indien und selbst erkunden! Ihr braucht euch jedoch keinen Stress zu machen, denn ich bin mir
sicher den „Zustand Indien“ gibt’s noch lange! Nächstes Mal geht’s nach Zentralamerika, wo
Impressionen von Maya-Stätten und Latino-Fiestas warten.
Checkbox Indien: Vorbereitung:
·
Gängige Impfungen/Malaria-Stand-by beachten. Hüttenschlafsack mitnehmen.
Reis als
·
Tagesbudget ab € 8 (alles bereits
inklusive!)
·
Indiens Städte nicht vernachlässigen – dort finden sich unzählige Sehenswürdigkeiten
Lieblingsspeise aneignen.
Lesetipps:
Suketu Mehta: Maximum City (Suhrkamp 2006) Suketu Mehta kehrt in die Stadt seiner Jugend zurück und beschreibt
eindrucksvoll das heutige Mumbai.
William Sutcliffe: Are you experienced? (Petersen 1998) Eine Backpacker-Satire,
die die einzelnen „Phasen“ einer Indienreise lustig und akkurat wiedergibt.
Sudhir und Katharina Kakar:
Die Inder (Beck 2006) Dieses Buch bietet Einsichten in die indische Identität. Religiöse wie kulturelle Aspekte, die die
indische Gesellschaft prägen, werden aufgezeigt und so ein kohärentes Bild der Inder generiert.
Gregory D. Roberts:
Shantaram Basierend auf seiner Lebensgeschichte schildert der australische Ex-Sträfling Roberts seine Erlebnisse in
den Slums von Bombay, wo er u. a. eine medizinische Klinik aufbaut, als Schmuggler für die Mafia arbeitet und auf der
Seite der Mujaheddin in Afghanistan kämpft. Harald Müller: Weltmacht Indien (Fischer 2006) Harald Müller, Professor für
Internationale Beziehungen, schildert in verständlicher Art und Weise das wirtschaftliche Erwachen Indiens und liefert
grundlegende Erkenntnisse über den Subkontinent.
Lust auf Indien? Wir verlosen 2x Maximum City und 3xWeltmacht
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