Dezember 2004 - Homepage

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Dezember 2004 - Homepage
Hochschulautonomie
nur eine Leerformel?
Aus dem Inhalt
Universität kämpft um Gestaltungsfreiheit
Themen-Überblick
Um die Uni verdient gemacht . 5
Preise für gute Lehre . . . . . . . . 8
Nachruf . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Einladung zum Schmökern . . . . 12
Studentenwerk aktuell . . . . . . 20
Menschen an der Universität . 24
(ul) "Jede niedersächsische Hochschule braucht ihr spezifisches Profil, will sie im Wettbewerb bestehen", verdeutlichte
Wissenschaftsminister Lutz Stratmann jüngst den Kuratoren
der Universitätsgesellschaft und forderte von den Hochschulen eine "Konzentration auf Stärken und Kernkompetenzen". Dafür brauchen die Hochschulen Handlungsspielraum. Das hat auch der Staat erkannt und vergrößert die
Autonomie der Hochschulen. Globale Haushaltszuweisung, flexible Professorenbesoldung, Festlegung der Hochschulentwicklung durch Zielvereinbarungen sind Beispiele dieses Wandels.
Doch schon bald wird deutlich: Mit der gewährten Autonomie werden gleichzeitig immer
neue Erlasse und Verordnungen
entwickelt, die die Hochschulen
als Landesbetriebe wieder an die
Leine nehmen.
Manfred Blome, Dezernent
für Gebäudemanagement, ist ein
umtriebiger Mensch. Doch er
wird immer wieder in seinem Engagement gebremst. Bei allen baulichen Maßnahmen, welche künstlerischen oder technischen Sachverstand verlangen, ist das
Staatliche Baumanagement einzuschalten, so die Order aus Hannover. Will heißen: "Uns bleibt
eigentlich nur das Abschmieren
von Türen und Schlössern und das
Streichen von Kellerräumen in
Einweihen
Ausgabe 2004/5
Jahrgang 12
Dezember 2004
Eigenverantwortung." Selbst das
Wechseln einer zerschlagenen
Thermopanescheibe muss angezeigt werden. "Von Autonomie
sehe ich da keine Spur", so Blome.
Beim derzeitigen Umbau der Reithalle am Westerberg in einen
Hörsaal kann die Universität zwar
der staatlichen Baubehörde Wünsche vortragen, letztlich aber nur
den Plänen zustimmen oder sie
ablehnen. "So entstehen Bauten
mit enormen Folgekosten für die
Universität", ärgert sich Blome.
Der Eingangsbereich des neuen
Hörsaalzentrums am Westerberg
sei so eine Fehlplanung. Die offene
Konstruktion bis zum Dach
schlucke mehr Energie als zwei
Fortsetzung auf der Seite 2
Es sind gleich drei Jubiläen, die es am
Dienstag, 14. Dezember, zu feiern gibt:
Zum einen zehn Jahre Institut für Umweltsystemforschung (USF).
Zum anderen 15 Jahre Angewandte Systemwissenschaft in Osnabrück. Und darüber hinaus wird der Gründungsdirektor des Instituts, Prof. Dr. Michael Matthies (Bild), 60 Jahre alt. Allesamt würdige
Anlässe, um mit einem Festkolloqium das neue Hörsaalgebäude am
Westerberg sowie die neuen Räume des USF einzuweihen. Die
Veranstaltung beginnt um 14 Uhr im neuen Hörsaalgebäude.
(os)/Foto: Elena Scholz
Der AStA der Universität Osnabrück: Was ist das denn? Ein
Gremium, das ziemlich viel auf
die Beine stellt und die Interessenwahrnehmung der hiesigen
Studierenden ganz groß auf seine
Fahnen geschrieben hat. Wissenswertes über den Allgemeinen Studierendenausschuss und
seine Arbeit auf der Seite 6
Hanns Johst gilt als Paradebeispiel eines nationalsozialistischen
Schriftstellers und Kulturfunktionärs. Eine umfassende soeben
erschienene Biographie zeigt
nun die verschiedenen Facetten
seines Wirkens. Seite 7
Sie kamen, sahen und tanzten:
Mehr als 3.000 Gäste besuchten
in diesem Jahr den Ball der Universität in der Osnabrücker
Stadthalle. Ein abwechslungsreiches Musikprogramm und viele
Attraktionen sorgten erneut für
eine hervoragende Stimmung bis
zum frühen Morgen. Seite 19
Hochschulpolitik
2
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Hochschulautonomie nur eine Leerformel?
Fortsetzung von der Seite 1
Hörsäle zusammen. "Das hätten
wir angesichts der enormen Betriebskosten anders gebaut."
Stichwort Bewirtschaftungskosten: Die sind für die zahlreichen
Universitätsbauten kaum noch aufzubringen. "Seit 1995 haben wir
einen Flächenzuwachs von 15
Prozent bei gleichem Mittelansatz
vom Land. Im kommenden Jahr
fehlen uns 200.000 Euro für die
Bewirtschaftung der etwa 70.000
Quadratmeter Gebäudeflächen",
rechnet Blome vor. In der Schublade liegen bereits Pläne, die Institute entsprechend der Flächennutzung künftig an den Kosten zu
beteiligen. "Dabei haben wir
durchaus noch Einsparpotentiale",
gibt der Gebäudemanager zu erkennen. "Bei der Energielieferung
sind wir zum Beispiel an Rahmenverträge des Landes gebunden.
Würden wir die Stromlieferung
selbst ausschreiben, könnten wir
wesentlich günstigere Konditionen
erzielen." Etwa 120.000 Euro
ließen sich jährlich einsparen. "Da
spart der Finanzminister durch
Rahmenverträge und wir zahlen
drauf", empört sich Blome über
das "kleinteilige Hineinregieren aus
Hannover".
Das Grollen über die Ministerialbürokratie der Landeshauptstadt ist auch auf anderen
Fluren der Universität lautstark zu
vernehmen. So regeln Erlasse des
Finanzministers, dass alle Neueinstellungen und Übernahmen in
den Landesdienst im Verwaltungsbereich zu unterlassen sind. Das
gesparte Geld geht an den Finanzminister. Hinzu kommt die so
genannte Jobbörse, die unter
anderem aus der Auflösung der
Bezirksregierungen
resultiert.
Dort nicht mehr benötigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen
in einem anderen Landesbetrieb –
zum Beispiel einer Hochschule –
eine neue Beschäftigung finden.
Ausnahmen sind möglich.
Doch die Bearbeitungszeit eines
Ausnahmeantrages, dem bereits
ein Negativbescheid der Jobbörse
beigefügt werden muss, beträgt
zwischen sechs und acht Monaten,
erläutert Personaldezernent Horst
Hollenberg. Drei Ministerien sind in
den Fall involviert: das Wissenschaftsministerium, der Finanzminister und der Innenminister.
Dieser bürokratische Weg
durch die Instanzen ist verbunden
mit einer Unzahl von Nachfragen bildung aussieht, entpuppt sich als
aller Betroffenen und Beteiligten. bildungsökonomischer Schachzug
Selbst bei einer Verlängerung ei- des Kultusministeriums. Denn
ner gering dotierten Stelle um nur gleichzeitig wird der Vorbereisechs Monate wird dieser Auf- tungsdienst zum Lehramt von 24
wand betrieben. "Das ist die teu- auf 18 Monate gekürzt. Dr. Yoerste Art zu sparen, die mir bis- shiro Nakamura vom Zentrum für
lang begegnet ist", machte Präsi- Lehrerbildung: "Da spart der Kuldent Prof. Dr.-Ing. Claus Rollinger tusminister, baut den Berg an Revor den versammelten Ehren- ferendaren ab und bürdet den
gästen zur Verabschiedung des Lehrenden der Universität noch
Altpräsidenten Künzel seinem Är- zusätzlich die Anerkennung der
ger Luft. "Herr Ministerpräsident, Praktika und umfangreiche Bebitte befreien Sie uns aus dem ratungsleistungen auf."
Würgegriff der Bürokratie und
Auch die neue W-Besoldung
dem Ihres Finanzministers!" Rol- der Professoren wirft ihre Schatten
linger fordert das
voraus. Künftig
Umkehrprinzip:
muss die Uni"Sagen Sie uns,
versität die Bewelches Personal Gestaltungsspielraum züge mit den
mit welchen QuaProfessoren
für die Uni wird
lifikationen
es
verhanzunehmend enger selbst
gibt, dann findet
deln. Ein Verfahdie
Universität
ren, das auf Anvielleicht
noch
trag jedes einzelMöglichkeiten, die sie bislang noch nen Dozenten alle drei Jahre stattgar nicht gesehen hat."
findet. "Die enorme Belastung für
Nicht minder hart trifft die das Präsidium, die Fachbereiche
Universität die "Änderung der und
Besoldungskommissionen
Verordnung über die Ersten wird bislang völlig unterschätzt",
Staatsprüfungen für Lehrämter im befürchtet
Personaldezernent
Land Niedersachsen". Datiert vom Horst Hollenberg.
17. Oktober 2002 schreibt sie
Seinem Kollegen Wolfgang
Lehramtsstudierenden "die Ab- Meschke, Dezernent für Studenleistung eines weiteren schulischen tische Angelegenheiten, steht die
oder anderweitig förderlichen Änderung des Niedersächsischen
Praktikums von vier Wochen Hochschulzulassungsgesetzes ins
Dauer" vor. Was zunächst nach Haus. Wenn künftig die Hocheiner praxisnahen Berufsaus- schulen ihre Studierenden selber
aussuchen – was für alle Studiengänge wünschenswert wäre –
hätte die Universität Osnabrück
bis zu 7.000 Zulassungsanträge zu
bearbeiten, an denen sich die
Fächer mit einer Vielzahl von
Auswahlgesprächen
beteiligen
müssten. Für den zusätzlichen
personellen Mehraufwand hat der
Gesetzgeber gleich eine Lösung
parat: "Es wird erwartet, dass die
hierfür erforderlichen Kosten dadurch kompensiert werden, dass
sich infolge der Zulassung der am
besten geeigneten Studienbewerberinnen und Studienbewerber
mittelfristig der Aufwand für die
studienbegleitenden Betreuungsund Beratungsleistungen verringert." Nachzulesen in der Landtagsdrucksache 15/1101.
Die Einführung des Globalhaushaltes im Jahre 2000 sollte
der Universität die langerhoffte
Finanzautonomie bringen. "Doch
der Gestaltungsspielraum ist
äußerst gering", resümiert Finanzdezernent Jens Meinen. 70 Prozent des Jahresbudgets von 76,7
Millionen Euro sind durch Personalkosten gebunden. Und dann
sind da immer wieder neue Sparauflagen, die das Land der finanzschwachen Universität aufbürdet.
"Allein in diesem Jahr müssen wir
im Rahmen des Hochschuloptimierungskonzeptes 675.000 Euro
einsparen." Dabei sind zurückliegende Sparauflagen aus der Innovationsoffensive I und dem Innovationspakt II noch nicht einmal
abgearbeitet. Hinzu kommen "einzelfallbezogene Entscheidungen"
mit hohem Verwaltungsaufwand.
Jüngstes Beispiel aus dem Finanzministerium: Die Universität soll
zehn Prozent ihrer Dienstfahrzeuge einsparen. "Das sind kleinkarierte Eingriffe, die nicht ins Bild
der Hochschulautonomie passen",
beschwert sich der Finanzexperte.
Ein weiteres Instrument im
Netzwerk der Verbindlichkeiten
sind die Zielvereinbarungen. Die
Universität verhandelt in regelmäßigen Abständen mit dem Wissenschaftsministerium, was anzustrebende Ziele der universitären
Entwicklung sein könnten. Die
Verhandlungen für die Zielvereinbarung 2005/2008 stehen gerade
bevor. Die Mittelzuweisung soll
zunächst in beschränktem, später
Fortsetzung auf der Seite 3
3
Autonomie ...
Fortsetzung von Seite 2
jedoch in zunehmendem Maße
davon abhängig sein, ob Ziele
erreicht werden. Parameter sind
zum Beispiel die Kapazitätsauslastung, die Zahl der Absolventen, die Zahl der ins Ausland
gehenden Studierenden, das
Drittmittelaufkommen und die
Zahl der Promotionen. Um
Ziele durchzusetzen wird es die
Aufgabe des Präsidenten sein,
mit Dekanen genauso Zielvereinbarungen abzuschließen
wie die Dekane ihrerseits mit
den Institutsdirektoren. "Da
müssen alle mitziehen, um das
Ganze zu bewegen", so Planungsdezernentin Dr. Ute Langenbeck.
Doch wer kann Ziele definieren, die gleichzeitig so abstrakt und konkret sind, dass
sie für die Universität als Ganzes aber auch bis in die einzelnen Institute Bestand haben
können? Präsident Rollinger
wünscht sich einen Hochschulentwicklungsplan, aus dem
sich die Zielvereinbarungen
künftig ableiten lassen. Stein
des Anstoßes während der
jüngsten Senatssitzung: in den
Zielvereinbarungen sollen nur
Forschungsschwerpunkte mit
jährlichen Drittmitteleinwerbungen von über 500.000 Euro
aufgeführt werden. "Das geht
an den Fächerkulturen vorbei",
war unter anderem vom Fachbereich Sozialwissenschaften
zu hören, wo hervorragende
Forschung auch ohne eingeworbene Drittmittel geleistet
werde.
In der bundesweiten Diskussion befürchten die Universitäten mit den Zielvereinbarungen überdies neue Abhängigkeiten, wenn der Staat
nur Ziele anerkennt, die die
Parteien im Rahmen ihrer politischen Konzepte für förderungswürdig erachten. Denn
eines machte Wissenschaftsminister Stratmann vor den
versammelten Kuratoren der
Universitätsgesellschaft unmissverständlich deutlich: Solange
der Staat einen Großteil der
Kosten für die Hochschulen
trage, möchte er die Ziele der
Hochschulen auch mitbestimmen.
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Hochschulpolitik
(os) Die nachstehend abgedruckte Eingabe an den niedersächsischen Landtag wurde der
Redaktion von dem Leiter des Studierendensekretariats, Wolfgang Meschke, mit der Bitte um
Veröffentlichung zugesandt. Meschke führt darin aus, dass er sich aufgrund der Personalpolitik des
Landes nicht mehr in der Lage sieht, die ihm anvertraute Fürsorgeverpflichtung für seine
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrzunehmen. „Da gegen diese Art von Sparpolitik nicht
anders wohl nicht beizukommen ist, müssen politische Wege beschritten werden“, so
Meschke.
An den
Niedersächsischen La
Wolfgang Meschke
ndtag
Heinrich-Wilhelm-Kopfc/o Universität Osnabrü
Platz 1
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Petitionsausschuss
Dezernat Studentisch
e Angelegenheiten
Postfach 4469
30159 Hannover
49069 Osnabrück
15.10.2004
Einstellungsstopp: Rd
. Erlass des MF vom 19
.12.2003-12.2-0022.10
/2204
Sehr geehrte Damen un
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zlichen Angelegenheit
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dortigen Bemühungen
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Mit freundlichen Grüss
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Wolfgang Meschke
Forschung - Lehre - Studium
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
4
Würdigung einer jahrelangen Spitzenleistung
Sonderforschungsbereich 431 in der Biologie wird verlängert – DFG gibt rund 3 Millionen Euro
(os) Die Biologie an der Universität Osnabrück hält seit langem einen Spitzenplatz in der deutschen biologischen Wissenschaftslandschaft. So hat sie beim Forschungsranking des
Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im vergangenen
Jahr hervorragend abgeschnitten. Gemessen an wichtigen
Kriterien nimmt sie den ersten Platz unter 44 evaluierten biologischen Fachbereichen Deutschlands ein. Dieser große
Erfolg wird nun auch dadurch untermauert, dass der von der
Deutschen Forschungsmeinschaft (DFG) seit 1999 finanzierte
Sonderforschungsbereich (SFB) 431 „Membranproteine:
Funktionelle Dynamik und Kopplung an Reaktionsketten“ für
weitere drei Jahre mit mehr als 3 Millionen Euro gefördert
wird. In seiner Sitzung im November empfahl der Bewilligungsausschuss der DFG einstimmig die Weiterfinanzierung
für die Jahre 2005 bis 2007.
Der Schwerpunkt des derzeit
einzigen Osnabrücker SFBs liegt
auf der Erforschung von Membranproteinen und ihrer Ankopplung an intrazelluläre Regulationsnetzwerke. Wie die Gutachter
schon bei der Begehung des SFBs
im September betonten, sind Membranproteine ein extrem wichtiger,
schwer zu bearbeitender Forschungsbereich, in dem Deutschland traditionell eine führende
Rolle spielt. Es sei daher sehr zu
begrüßen, dass der SFB diese
Tradition aufrecht erhält. Insgesamt sei der SFB ein Leuchtturm für Osnabrück, die dort geleistete Forschungsarbeit sei sehr
zukunftsträchtig.
Zum Hintergrund: Sonderforschungsbereiche sind auf die
Dauer von bis zu zwölf Jahren
angelegte Forschungseinrichtungen einer Hochschule. Wissenschaftler arbeiten dort im Rahmen
fächerübergreifender Forschungsprogramme zusammen. Essentiell
für die Förderung ist dabei die
wissenschaftliche Qualität und
Originalität eines anspruchsvollen,
aufwendigen und langfristig konzipierten Forschungsvorhabens auf
internationalem Niveau. Die Mittel erhält die DFG vom Bund und
allen Ländern gemeinsam. Die
antragstellende Hochschule und
die beteiligten Forschungseinrichtungen stellen die personelle
und materielle Grundausstattung
zur Verfügung.
Die dritte Förderperiode des
SFB 431 ist geprägt durch insgesamt 14 Teilprojekte. Für den
Sprecher des SFBs, Prof. Dr. Helmut Wieczorek, ist die Weiterführung eine erfreuliche Bestätigung der Arbeit des Fachbereichs:
„Bei uns forschen viele Teildiszi-
plinen an ganz unterschiedlichen
Membranaspekten. Das macht die
Forschung sehr farbig und auch
für Studierende interessant.“
Durch die Hinzunahme neuer
Teilprojekte kam es im Laufe der
Jahre zu einer gewissen Verlagerung des Schwerpunktes im
SFB, bei der eine sichtbare
Entwicklung in die Richtung membranbezogener zellulärer Fragen
festzustellen ist. Die Fokussierung
auf die Struktur, Funktion und
Regulation von Membranproteinen, eine der bisherigen auch
international anerkannten Stärken,
bleibt dabei allerdings unverändert.
Die Teilprojekte beschäftigen
sich mit primär aktiven Ionen-
Freude: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SFBs zeigten sich
stolz über ihren Erfolg.
Foto: Elena Scholz
Drei weitere neue Teilprojektleiter kommen aus dem wissenschaftlichen Nachwuchs. In
einem Projekt der neugeschaffenen DFG-Nachwuchsgruppe werden nährstoffbedingte Signaltransduktionswege bei der Spalthefe
untersucht, die beiden anderen
Projekte beschäftigen sich mit
einem bakteriellen Kaliumionen
transportierenden Proteinkomplex bzw. der Chitinsynthese bei
Insekten. Die Stelle für die
Nachwuchsförderung wird im SFB besonders
groß geschrieben
transportproteinen, Transportern
für Kaliumionen, dem Transport
und der Biosynthese von Biopolymeren sowie mit verschiedenen Aspekten membranabhängiger
Signaltransduktionssysteme. Drei
der neuen Teilprojekte werden von
Professoren geleitet, die erst kürzlich berufen worden waren, zwei
Biologen und einem Physiker. Das
in der Physik beheimatete Projekt
beschäftigt sich mit einem bakteriellen sensorischen Rhodopsin und
dem daran gekoppelten Transducer, die beiden neuen Projekte in
der Biologie bearbeiten stressbedingte Signaltransduktionswege bei
der Bäckerhefe sowie Signaltransduktionswege, die an der Herzentwicklung der Taufliege Drosophila beteiligt sind.
Nachwuchsgruppe ist zunächst auf
fünf Jahre befristet. Bei erfolgreicher
wissenschaftlicher
Tätigkeit ist anschließend die
Übernahme auf eine Professur
möglich, so Wieczorek.
Insgesamt dominiert im SFB
die Grundlagenforschung. Darüber hinaus vergessen die beteiligten Wissenschaftler nicht die
Praxisbezogenheit ihrer Projekte,
wie sich an drei Beispielen skizzieren lässt. So können die in einem
der Teilprojekte gewonnen Ergebnisse zur Regulation des Kohlenhydratstoffwechsels in Bakterien unmittelbar für die Erstellung eines komplexen Simulationsmodells der Stoffwechselvorgänge verwendet werden.
Ein solches Modell, das in Ko-
operation mit Wissenschaftlern
des
Max-Planck-Instituts
in
Magdeburg erstellt wird, soll in
Zukunft die Verbesserung von
biotechnischen Produktionsabläufen erleichtern. In einem anderen Teilprojekt, in dem die Synthese von Chitin, dem neben der
Cellulose wichtigsten Biopolymer
auf der Erde, analysiert wird, geht
es um das für die Synthese essentielle Enzym Chitinsynthase. Aufgrund ihrer Schlüsselrolle im Chitin-Stoffwechsel und der Tatsache,
dass Wirbeltiere kein Chitin produzieren, stellt dieses Enzym ein
ideales Ziel für die Entwicklung
neuartiger, umweltschonender
Fungizide und Insektizide dar.
Ebenso für die Entwicklung solcher Fungizide, aber darüber hinaus auch für die kostengünstige
Gewinnung von pharmazeutisch
relevanten Proteinen (wie etwa
Insulin oder Interferon), können
die Forschungen auf dem Gebiet
der Signaltransduktion und Zellwandsynthese in Hefe eingesetzt
werden.
Wert legen die Osnabrücker
Wissenschaftler auf eine solide
Nachwuchsförderung, wie Wieczorek betont: "Allein 19 Doktorarbeiten wurden in der letzten
Förderperiode abgeschlossen und
24 laufen noch. Und nicht zuletzt
eine vor kurzem erfolgte sowie
eine anstehende Habilitation belegen, dass wir die Förderung unseres Nachwuchses mit Nachdruck
betreiben."
5
Zeitung Universität Osnabrück
2004/5
Forschung - Lehre - Studium
Um Universität und Land verdient gemacht
Festakt zur Verabschiedung des ehemaligen Universitätspräsidenten Prof. Dr. Rainer Künzel
(ul) Mit einem Festakt im
Osnabrücker Schloss wurde
Prof. Dr. Rainer Künzel am
30. September 2004 nach 14jähriger Amtszeit als Präsident der Universität Osnabrück verabschiedet. Zu den
400 Gästen gehörten neben
den Hochschulmitgliedern
zahlreiche Persönlichkeiten
aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.
Ministerpräsident Christian
Wulff würdigte Künzel als
"Architekten und Baumeister" des
Universitätsstandortes Osnabrück.
Zwischen Stadt und Universität
habe sich ein "befruchtendes Miteinander" entwickelt. Dies sei ein
wesentlicher Standortvorteil. Die
Studierenden sähen in Osnabrück
eine Stadt, die ihnen neben den
Studienmöglichkeiten ein "großes
Stück Lebensqualität" biete. Trotz
bescheidener Ausstattung habe
sich die Universität in den 30
Jahren seit ihrer Gründung zu
einer etablierten Hochschule entwickelt. Wulff weiter: "Von Anfang an und mit großem Erfolg in
der Zeit Ihrer Präsidentschaft hat
sich die Universität den Herausforderungen gestellt und ihre
innovativen Kräfte für die kulturelle, wirtschaftliche und technologische Entwicklung der Region
Osnabrück eingesetzt." Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip hob
besonders Künzels Engagement
bei der Initiierung der Osnabrücker Friedensgespräche und
als Juryvorsitzender des ErichMaria-Remarque-Friedenspreises
hervor.
"Will man das Ziel Ihrer
Amtsführung auf eine Kurzformel
bringen, so die, dass für die Wissenschaft nur Qualität zählt und
zählen darf", betonte Dekanesprecher Prof. Dr. Jörn Ipsen in
seiner Begrüßungsansprache. Mit
dem Ende der Planwirtschaft hinsichtlich der Studienplätze seien
die Hochschulen in die Freiheit
des Wettbewerbs entlassen worden und müssten sich ihm stellen.
"Sie haben die gewandelten Bedingungen, unter denen die Hochschulen nunmehr antreten, frühzeitig erkannt und ihr Bemühen
darauf gerichtet, die Universität
Osnabrück wettbewerbsfähig zu
machen", bedankte er sich beim
scheidenden Präsidenten.
Zu Gast bei der Verabschiedung des langjährigen Universitätspräsidenten (v. l.): Staatssekrektär Dr. Josef Lange, Oberbürgermeister
Hans-Jürgen Fip, Prof. Dr. Helene Harth, Universitätspräsident Prof.
Dr.-Ing. Claus Rollinger, Prof. Dr. Rainer Künzel sowie der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff.
Fotos: Elena Scholz
"Gibt es ein Leben nach Künzel?", fragte der Präsident der
Hochschulrektorenkonferenz, Prof.
Dr. Peter Gaehtgens und zeigte die
Meilensteine auf, die Künzel als
HRK-Vizepräsident von 1994 bis
2000 hinterlassen hat. Ob zuständig für Organisation und Finanzierung der Hochschulen oder
später nach seiner Wiederwahl
1997 für internationale Angelegenheiten, Künzel sei "immer
eine feste Größe in den Gremien
der HRK" gewesen. Als "ausgeprägt praktischer Mensch" habe
sein Wort Gewicht gehabt. Er sei
bereit gewesen, Verantwortung zu
übernehmen und habe als "ehemaliger Leistungssportler" nicht nur
sich selbst, sondern auch anderen
viel abverlangt.
Und Prof. Dr. Ludwig Schätzl,
Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz bekannte mit
bayerischem Humor, dass er nach
achtstündigen Sitzungen auch
schon mal "Halluzinationen von
blauem Himmel und Weißbier"
bekommen habe, wenn Künzel
weiter fachliche Fragen erörtern
wollte. Der Osnabrücker Universitätspräsident war nicht nur
HRK-Vizepräsident, sondern von
1993 bis 1998 auch Vorsitzender
der Landeshochschulkonferenz
Niedersachsen. Seine zeitweise
Abwesenheit sei aber "der Hochschule sehr zu Gute gekommen",
betonte die Vorsitzende des
Hochschulrates, Prof. Dr. Helene
Harth, mit Blick auf Künzels hervorragende Kontakte zu Wirt-
schaft, Wissenschaftsorganisationen und Politik.
Der scheidende Präsident fasste sich kurz. Er verzichtete angesichts der fortgeschrittenen Zeit
auf seinen Festvortrag "Univer-
sei jedoch überzeugt, dass es dem
neuen Präsidenten im Verein mit
den weiteren Präsidiumsmitgliedern gelingen werde, "die
Rahmenbedingungen weiter zu
verbessern, unter denen die
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Forschung und
Lehre erfolgreich sein können."
Präsident Rollinger erklärte in
seinem mit "Perspektiven" überschriebenen Beitrag, dass sein Ziel
für die Universität zwar bescheiden klingen mag, aber hochgesteckt sei. "Ich möchte, dass unsere Universität das bleibt, was sie
ist: engagiert, flexibel und erfolgreich." Dies bedeute aber nicht
notwendigerweise, dass sie auch
so bleibe, wie sie ist. "Ich denke,
dass die Universität dann eine
Perspektive hat, wenn sie in finanzieller Hinsicht Planungssicherheit
bekommt, wenn sie über Ressourcen (also Geld, Nutzungsfläche und Personal) autonom entscheiden kann und wenn die
Reform der Universität nicht um
der Reform willen, sondern syste-
Bewährtes Team: Prof. Dr. Rainer Künzel bedankte sich für die
Zusammenarbeit besonders herzlich bei seiner langjährigen Sekretärin
Elke Albrecht.
sitäten im Umbruch" (nachzulesen
auf den Seiten 16 und 17 dieser
Ausgabe) wies aber in seiner
Dankadresse darauf hin, dass er
ein großes Projekt, die Fusion der
Universitäten Osnabrück und
Twente, leider nicht habe realisieren können. An seinen Nachfolger, Prof. Dr.-Ing. Claus Rollinger
gewandt, bedauerte er, dass es
ihm trotz großer Kraftanstrengungen nicht gelungen sei,
"eine Universität zu übergeben, in
der alle Probleme gelöst sind." Er
matisch und erkenntnisorientiert
vorangetrieben wird."
Künzel verabschiedete sich als
Präsident, nicht aber von der
Universität. Er widmet sich nunmehr auf einer Professur im
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der "Ökonomie und
Politik des tertiären Bildungssystems" und bleibt darüberhinaus
Wissenschaftlicher Leiter der
Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover
(ZEvA).
Forschung - Lehre - Studium
Sehr engagiert statt nur enerviert
Keine dogmatischen Ideologen: Der AStA mischt sich gerne ein
(os) Der Begriff ist ein bürokratisch anmutendes Wortungetüm: Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA).
Paradoxerweise verbirgt sich
hinter der Bezeichnung alles
andere als verstaubte Büromentalität mit dem obligatorischen trocken gelegten Usambaraveilchen-Skelett auf der
Fensterbank. Der AStA stellt
sich vor.
Der Auftrag ist klar gestellt:
Der AStA vertritt studentische
Interessen sowohl gegenüber der
Hochschulleitung als auch gegenüber der Landes- und Bundesregierung. Gewählt wird das Gremium jeweils im Frühsommer
vom Studierendenparlament, die
Amtszeit geht über zwei Semester. Soviel zum Verfahren.
An der Universität Osnabrück
hat der Ausschuss seine Räume in
der Alten Münze 12, direkt neben
der Universitätsbibliothek. Hinter
einer dicken Stahltür, die Treppe
hoch im ersten Stock, tut sich
einiges: Zehn Referenten, unter
anderem für Hochschulpolitik,
Kultur, Soziales, Fachschaftskoordination und Internationales, arbeiten dort. Zwei davon sind Sonja Kolb und Tobias Nehren, zuständig für Hochschulpolitik, einen
Bereich, in dem sich gerade in jüngerer Zeit einiges getan hat:
Kürzungen und Einschnitte in den
Hochschulhaushalten und das
"Hochschuloptimierungskonzept"
halten die zuständigen Referentinnen und Referenten ebenso auf
Trab wie die aktuelle Diskussion
zur Einführung von allgemeinen
Studiengebühren.
Gerade dieses Thema brennt
der Studierendenvertretung auf
den Nägeln: "Im Moment werden
allgemeine Studiengebühren häufig
als Patentrezept zur finanziellen
Sanierung der Hochschulen beworben. Die möglichen sozialen
Folgen solcher Gebühren werden
dabei von den verantwortlichen
Politikern gerne verharmlost. Und
die Meinung der Studierenden, die
ja eigentlich die Hauptbetroffenen
sind, wird in der Diskussion ausgeklammert.", erklärt Nehren. Um
so ärgerlicher ist diese Nichtbeachtung, weil die Referenten auf
den Dialog mit den zuständigen
Stellen setzen. Und dieses Konzept gilt nicht zuletzt auch für den
6
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Umgang mit der Hochschulleitung:
"Natürlich gibt es zwischen AStA
und Hochschulleitung in manchen
Dingen Meinungsverschiedenheiten", erklärt Öffentlichkeitsreferent Stefan Berendes und fügt
schmunzelnd hinzu: "Es wäre ja
auch verwunderlich, wenn das
anders wäre. Aber verschiedene
Meinungen müssen nicht zwangsläufig dazu führen, dass man sich
Wissenswert
Osnabrücker Forscher
in ZALF-Beirat gewählt
Dogmatische Ideologen, so
hat es den Anschein, sind die
Referenten nicht. Vielmehr geht
es ihnen darum, als Ansprechpartner wahr- und ernstgenommen zu werden – von den Studierenden wie auch von allen
anderen Angehörigen der Universität.
Die Hochschulpolitik ist längst
nicht alles. Weitere Aufgaben sind
Prof. Dr. Michael Matthies
Foto: Elena Scholz
Frei heraus: Die Referentinnen und Referenten des Allgemeinen
Studierenden Ausschusses kennen keine Berührungsängste. Foto: privat
nicht mehr konstruktiv austauschen kann. Immerhin geht es momentan um Bildungspolitik, die in
Hannover gemacht wird – und
nicht nur in Osnabrück."
Wissenswert
Sprechzeiten des AStA
Referat für Finanzen:
Bastian Mönkediek,
Mo, 10-13 Uhr, Di, 13-15 Uhr
Referat für Soziales:
Simone North,
Di und Do, 10-13 Uhr,
Referat für Fachschaften:
David Fliegel,
Mi, 10-13 Uhr
Referat für Öffentlichkeit:
Stefan Berendes,
Di, 13-15 Uhr, Fr, 10-13 Uhr
Referat für Internationales:
Lotta Jegodtka, Do, 10-13 Uhr
Ulf Meier, Mi, 10-13 Uhr
die Unterstützung der Studierenden bei rechtlichen und sozialen
Fragen, die Information über hochschulpolitische Dinge und natürlich
nicht zuletzt die Zusammenstellung
eines abwechslungsreichen Kulturprogramms "von Studierenden für
Studierende", wie die Kulturreferenten Volker Arnke und Malvin
Schwarz erklären. Auch da sind die
Referentinnen und Referenten
offen für alles. So planen sie für ihre
Amtszeit unter anderem einen
Musiksampler mit Stücken von
zahlreichen Unibands, verschiedene Konzerte und Lesungen und
setzen auf kontinuierliche Qualität: Erfolgreiche Projekte wie der
diesjährige AStA Band Contest
und das traditionelle Schlossinnenhof Open Air sollen mit neuer
Energie und frischen Ideen auch
2005 in die nächste Runde gehen.
Eine Frage bleibt: Wie sieht es
mit der Wahlbeteiligung aus?
"Verbesserungswürdig", meint
Hochschulpolitikreferentin Sonja
Kolb zu der Wahlbeteiligung, die
in der Regel etwa bei 16 Prozent
liegt. Im Vergleich zu anderen
(os) Prof. Dr. Michael Matthies,
Leiter des Instituts für Umweltsystemforschung der Universität
Osnabrück, wurde in den
Wissenschaftlichen Beirat des
Zentrums für Agrarlandschaftsund
Landnutzungsforschung
(ZALF) in Müncheberg (Brandenburg) berufen. Forschungsaufgabe des ZALF ist die
Analyse, Beurteilung und Prognose von Prozessen und ihrer
Wechselwirkung in vorwiegend
agrarisch genutzten Landschaften. Das ZALF wurde 1992
gegründet und gehört der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) an.
Es zählt heute rund 265 Mitarbeiter, die in sieben wissenschaftlichen Instituten arbeiten.
Hochschulen ist dies ein solides
Mittelmaß. Auch wenn ein breiteres Engagement der Studierenden
sicherlich nicht schaden könnte:
"Die Studierenden sollten sich
darüber im Klaren sein, dass nicht
zuletzt von ihrer Unterstützung
abhängt, wie kompetent studentische Interessen an der Uni und
darüber hinaus vertreten werden
können. Außerdem bietet der
AStA für die Studierenden zahlreiche Leistungen und Beratungsangebote. Wir bemühen uns, dass
dies wahrgenommen wird und
sich das künftig in einer höheren
Wahlbeteiligung niederschlägt.",
so Kolb.
Sicher ist jedenfalls: Der AStA
ist offen für Fragen und Anregungen. Berührungsängste kennen die Referenten nicht, denn:
"Wir freuen uns über jeden Besucher während der Sprechzeiten
– gebissen wird hier keiner!"
7
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Forschung - Lehre - Studium
Minder begabt, aber dafür umso regimetreuer
„Exzellent“: Osnabrücker Literaturwissenschaftler schreibt die erste Biographie über Hanns Johst
Von Dr. Dr. Joachim Castan
Rolf Düsterberg: Hanns Johst –
Der Barde der SS. Karriere
eines deutschen Dichters.
Ferdinand Schöningh Verlag
2004, 462 Seiten, 39,90 Euro.
Das Thema "Kunst und
Kultur" im "Dritten Reich" gilt bis
heute überwiegend entweder als
Reiz-, Ignoranz- oder
Tabuthema.
Die
Namen Arno Breker
für die bildende Kunst
und Leni Riefenstahl
für den Film gehören
zu den wenigen, die
man spontan mit der
Kultur des "Dritten
Reichs" heute überhaupt noch verbindet.
Wie aber sah es mit
der damaligen Literatur aus? Der Osnabrücker Wissenschaftler Rolf Düsterberg
legte nun eine umfangreiche Arbeit über
einen Literaten des
Nationalsozialismus
vor. Der Name Hanns Johst
(1890-1978) tauchte bisher eher
in Überblicksdarstellungen oder
Literaturlexika über diese Zeit
auf. Im Dritten Reich gehörte
Johst zu den viel gelesenen
Autoren des Regimes. Gleichzeitig
zählt er zum innersten Kreis
um den berüchtigten Reichsführer
SS Heinrich Himmler und galt als
der "Barde der SS". Durch sein
Bühnenwerk "Schlageter" hatte er
sich seinen festen Platz auf den
damaligen Bühnen erobert. Leo
Schlageter war während der
Besatzung des Ruhrgebiets an
Sprengstoffanschlägen auf die
Franzosen beteiligt und wurde
dafür 1923 hingerichtet. Die
NSDAP im Allgemeinen und Johst
im Speziellen machten Schlageter
zum frühen "Märtyrer" der Partei.
Sätze aus Johsts Drama wie: "Das
Volk muß nach Priestern schreien,
die den Mut haben, das Beste zu
opfern nach Priestern, die Blut,
Blut, Blut vergießen nach
Priestern, die schlachten!" waren
1933 ganz nach dem Geschmack
der neuen Machthaber. 1933 war
Johst maßgeblich an der "Gleichschaltung" der "Sektion Dichtkunst" in der Preußischen Aka-
demie der Wissenschaften beteiligt. Ebenfalls 1933 regte er bei
Himmler an, ob es sich nicht
anböte, Thomas Mann im KZ
Dachau "ein wenig zu inhaftieren".
1935 war Johst schließlich als
Präsident der Reichsschrifttumskammer, nach Goebbels der
oberste Herr über die veröffentlichte Literatur im NS-Staat.
Johst brachte es in seiner Karriere
im Umkreis von
Himmler bis zum
Rang eines "SSGruppenführers", der
dem eines Generals
der Wehrmacht entsprach. Im Tross von
Himmler hatte Johst
unmittelbare Einblicke
in die Umsiedlungs-,
Ghettoisierungs- und
Mordmaßnahmen der
SS in Polen. Johst
schrieb dazu "Die
Zeiten der Sentimentalität sind vorüber.
Wer weich wird, ist
schon vom Dolch des
Hasses durchstoßen."
Nach dem Kriege
wurde Johst zunächst als "Mitläufer", dann als „Hauptschul-
Spiel
In Treue zu Himmler: Der Schriftsteller Hanns Johst.
Fotos: Verlag Langen Müller, München
diger“ eingestuft, 1955 wurde das
Entnazifizierungsverfahren
schließlich eingestellt. Irgendein
Unrechtsbewusstsein zur Ideologie des Dritten Reichs beigetragen
zu haben, blieb ihm bis zu seinem
Tode 1978 fremd.
Er ist ein
Träumer,
und sie muss arbeiten. So beginnt die
Geschichte. Am Ende
sind beide ein erfolgreiches Paar auf der
Bühne. So endet es.
Die Rede ist von
einer Aufführung des
Stückes „ZweierCircus“. Die beiden Darsteller in dem pittoresken Schauspiel,
Pierino und Olga, begeistern bereits seit
vielen Jahren die Zuschauer. Vor kurzem
stellten sie ihre Kunst
in der Schlossaula
vor. Darüber hinaus
führten die beiden
international bekannten Künstler einen Workshop mit Studierenden des Fachgebietes
Spiel und Bühne an der Universität durch. Dabei bekamen die
Studentinnen und Studenten einen unmittelbaren Eindruck von der
künstlerischen Gestaltungskraft der beiden Künstler.
(os/Foto: Elena Scholz)
Biographie und Werk Johsts
zeigen, wie ein minder begabter
Autor, der regimetreu die "richtigen" Personen und Themen "besang" innerhalb eines totalitären
Regimes zu höchsten "Würden"
aufsteigen konnte. Sein Werk hatte keinen Bestand und wirkt auf
den heutigen Betrachter entweder
pathetisch oder abstoßend. Sich mit
der im damaligen Literaturbetrieb
zentralen Person Johst auseinanderzusetzen, erscheint jedoch
überfällig.
Rolf Düsterberg hat das Leben
und Werk Johst in seiner in Osnabrück vorgelegten Monographie
umfassend erforscht. Ohne den
moralischen Zeigefinger zu erheben
und dennoch genau und dezidiert
wertend wurde hier eine mustergültige Untersuchung vorgelegt, die
Vorbildcharakter für kommende
Arbeiten besitzt. Dem Vertreter
einer neuen Wissenschaftlergeneration gelingt es, ein schwieriges
Terrain sachlich zu erforschen und
präzise darzustellen. Düsterberg
arbeitet eng an den überlieferten
Quellen. Man glaubt eher die Arbeit eines Historikers als die eines
Literaturwissenschaftlers in Händen
zu halten. Eine akribische Untersuchung, die trotzdem spannend zu
lesen ist.
Der Autor ist Historiker und Literaturwissenschaftler in Osnabrück.
Forschung - Lehre - Studium
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
8
Ein schweres Gepäckstück names Dissertation
International Graduate School of Science bietet Kurse für Doktoranden an
(os) Auf Carolin Artz wirkt ihre Doktorarbeit mitunter wie
der Stein des Sisyphos. Der Kunsthistorikerin will es scheinen,
als ginge es mit schwerem Stein im Gepäck einen endlosen
Berg hinauf. Eine Erfahrung, die die 27-Jährige mit vielen
Promovenden teilt: Etwa 4,5 Jahre vergehen durchschnittlich
von der ersten Recherche bis zur Verteidigung der Doktorarbeit. Meistens ist das länger, als anfänglich geplant. Abhilfe
an der Universität Osnabrück sollen nun spezielle Seminare
für Doktoranden schaffen. Durchgeführt wurden bisher Seminare zu Kreativitätstechniken, die bei der Suche nach dem
richtigen Lösungsweg in der Forschungsarbeit helfen, oder
auch Seminare zu Zeit- und Projektmanagement. "Zeitmanagement hilft dabei, den einmal gesteckten Zeitrahmen
einzuhalten", meint die Seminarleiterin Dr. Marie-Luise
Braun. Die Kommunikationswissenschaftlerin kennt solche
Probleme aus der eigenen Promotionszeit.
Hervorgegangen sind die
Seminare aus der auf Initiative des
Fachbereichs Physik eingerichteten Initiative for an International
Graduate School of Science (IGS)
der Universität. Ein Aspekt der
Arbeit der IGS sind speziell auf die
Bedürfnisse von Doktoranden
zugeschnittene Angebote zur Vermittlung außerfachlicher Zusatzqualifikationen, die unter anderem
auch dazu beitragen, die Promotionsdauer zu verkürzen, wie die
Erfahrung mit den Doktorandenkollegs der Physik gezeigt hat.
"Der Versuch, einen Teil dieser
Kurse auch für Doktoranden
außerhalb der Naturwissenschaften zu öffnen, war überaus erfolgreich", erklärt der Koordinator
der Graduate School of Science
Dr. Wolfgang Mikosch. Denn
gerade der Austausch zwischen
Teilnehmern mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund trägt
wesentlich zum Erfolg dieser Art
von Seminaren bei.
Das Seminar zum Zeitmanagement behandelte die Ermittlung
individuellen Zeit- und Arbeitsverhaltens. Carolin Artz war eine
der jeweils elf Teilnehmer – und
sie schwärmt immer noch von der
Veranstaltung. Seit gerade mal sieben Monaten sitzt sie an ihrer
Doktorarbeit. Da kommen Seminarinhalte wie das Festlegen von
Zielen, Zeitplanhilfen und Selbstmotivation wie gerufen: "Auf alle
Fälle bin ich nach dem Seminar
motivierter und kann mein Arbeitspensum besser einteilen.
Allein das ist bereits eine große
Hilfe", erklärt die junge Nachwuchswissenschaftlerin.
In einem weiteren Seminar
ging es um die Übertragung von
Elementen des so genannten Projektmanagements aus der Wirtschaft auf Promotionsvorhaben.
Auch dem Politikwissenschaftler
Dirk Günther sollen Methoden
des Projektmanagements dabei
helfen, im Verlauf seiner Doktorarbeit im Fachbereich Mathematik/
Informatik den Überblick nicht zu
verlieren. Wurde ihm geholfen?
"Auf alle Fälle. Es hat mir schon
eine Menge gebracht, meine Promotion zu strukturieren." Und
auch Braun zeigt sich erfreut über
die Resonanz und das Engagement
der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler: "Die
Wissenswert
Weitere Kursangebote
für Doktoranden
(os) Die Kurse der International
Graduate School of Science
(IGS) sind zum Teil offen für
Doktoranden aller Fachbereiche
der Universität Osnabrück. IGSKoordinator Dr. Wolfgang
Mikosch nimmt Interessierte
gern in den E-Mail-Verteiler der
IGS auf. Bitte einfach eine E-Mail
senden an die Adresse: [email protected] Weitere Informationen über die aktuellen Seminar-Angebote und die weiteren Aktivitäten der IGS finden
Sie im Internet unter
www.igs.uni-osnabrueck.de
PreisGelehrt Die
trägerinnen
und Preisträger der „Preise für
gute akademische Lehre 2004“
wurden ermittelt. Unter
Vorsitz des Vizepräsidenten
Prof. Dr. Peter Hertel einigte
sich die studentische Jury ein-
stimmig auf die Professoren Dr.
Oliver Vornberger (Informatik;
rechts im Bild) und Dr. Joachim
Erdmann (Wirtschaftsrecht; links)
sowie auf die wissenschaftlichen
Mitarbeiter Dr. Annette Clamor
(Kulturwissenschaftliche Europastudien) und PD Dr. Martin
Teilnehmer waren voll bei der
Sache und haben sich durch die
ähnlich gelagerten Probleme auch
untereinander ausgetauscht und
unterstützt", so die Kommunikationstrainerin.
Mikosch hatte schon vor längerem die Idee für solche Seminare. Und er plant bereits weitere
Kurse. Zum Beispiel am Mittwoch,
26. Januar 2005, zum Thema
Rhetorik und Präsentation. Eines
scheint zum Abschluss allen klar:
Seminare allein können den
Brocken einer oftmals ziegelsteinschweren und ebenso voluminösen Dissertation nicht zum Kiesel
einschmelzen. Aber der Weg auf
den Berg, er scheint nun tatsächlich weniger steil und gewunden.
Papenheim (Kulturgeschichte).
Insbesondere wird Vornberger
für beispielhaften Medieneinsatz,
Erdmann für sehr gelungene
Theorie-/Praxisverknüpfungen
und das Doppel Clamor/
Papenheim für erfolgreiches
interdisziplinäres team-teaching
ausgezeichnet. Die Preise, gestiftet von den Vorstandsmitgliedern der Hans MühlenhoffStiftung, werden seit 2001 vergeben. Vier Studierende mit
Erfahrung als Tutoren bilden die
Jury. Kritierien für die Vergabe
sind unter anderem: Strukturierung und Aktualität der
Lehrinhalte, gelungene Darstellung komplizierter Sachverhalte, Einsatz moderner
Medien, Nachbesprechung von
Studienleistungen sowie Transparenz der Forschungsgebiete
für die Studierenden. Die
Auszeichnungen sind mit jeweils
1.000 Euro dotiert.
(os)/Foto:Elena Scholz)
9
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Engagiert für Lehre und Forschung
sität Göttingen. 1974 wurde er
Professor für Sprachwissenschaft
an der neu gegründeten Universität Osnabrück, deren geisteswissenschaftliche Fachstrukturen er
maßgeblich mitbestimmte (unter
anderem durch die zweifache
Übernahme des Dekanats im
Fachbereich).
Seit seiner Dissertation verfolgte
Kanngießer sein großes wissen-
schaftliches Projekt konsequent
weiter, das durch die Grundannahme bestimmt war, dass die
Dynamik sprachlicher Systeme
nicht durch sprachexterne Faktoren (allein) induziert wird, sondern gewissermaßen in ihrer
Architektur angelegt ist. Sprachsysteme lassen sich, wie er es sah,
nur in einen Raum von mit ihnen
gegebenen alternativen Systemen
explizieren.
In Osnabrück begründete er einen
eigenen Studiengang Computerlinguistik/Künstliche Intelligenz,
als dessen institutionelle Grundlage er die Einrichtung eines interdisziplinären Instituts für semantische Informationsverarbeitung betrieb (eingerichtet 1993, jetzt
umbenannt in Institut für Kognitionswissenschaft). In der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) war er maßgeblich an dem
Schwerpunktprogramm "Kognitive
Linguistik" beteiligt, wie er auch
1994 die Gesellschaft für Kognitionswissenschaft mitbegründete.
Überregional war er auch maßgeblich an den professionellen
Konsolidierungen der Allgemeinen
Sprachwissenschaft beteiligt: 1978
gehörte er zu den Gründern der
Deutschen Gesellschaft für
Sprachwissenschaft (DGfS), als
deren Vorsitzender er 1981 amtierte. Für das Fach wichtig waren auch seine Funktionen in zentralen Institutionen der Wissenschaftsförderung, bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft
ebenso wie beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft,
Forschung und Technologie.
Diesem Engagement entsprach
auch seine Forschungstätigkeit,
so in einem großen Verbundprojekt der DFG und der IBM.
Gestützt auf diese Forschungen,
hat er sein theoretisches Projekt
in einer Reihe von Veröffentlichungen weiter verfolgt. Eine
Gedenkveranstaltung für ihn ist
am Fachbereich Sprach- und
Literaturwissenschaft für den
Januar geplant. Dort soll auch der
Versuch einer vorläufigen Würdigung seines nachgelassenen
Werkes unternommen werden.
Jahrhundert, Bundeszentrale
für politische Bildung 2004 –
Die Publikation bietet einen reich
illustrierten Überblick zur deutschen Migrations- und Integrationsgeschichte seit dem späten 19. Jahrhundert.
*
Roland Czada, Reinhard Zintl
(Hg.): Politik und Markt.
Wiesbaden: VS Verlag 2004 –
Probleme der politisch-institutionellen Einbettung von Märkten,
der Marktschaffung und -regulierung sowie des Eindringens der
Wettbewerbslogik in vormals
marktferne Bereiche stehen im
Mittelpunkt des vorliegenden
Buches.
*
Roland Czada, Susanne Lütz,
Stefan Mette: Regulative Politik. Zähmungen von Markt
und Technik (Reihe Grundwissen Politik Bd. 28). Opladen: Leske+Budrich 2003 –
Neben Theorien, Institutionen
und Verfahren regulativer Ordnungspolitik werden Detailfragen
der technischen Sicherheitsregulierung, der internationalen Fi-
nanzmarktregulierung und der Telekommunikationsregulierung behandelt.
*
Peter Elflein, Ina Hunger, Renate Zimmer (Hg.): Innovativer Sportunterricht. Theorie
und Praxis. Schneider Hohengehren: Baltmannsweiler 2004
– Innovativer Sportunterricht wird
in dem Band als ein didaktisches
Konstrukt begriffen. Präsentiert
werden Vorstellungen, Projektionen, Pläne von 16 namhaften Autorinnen und Autoren aus Schule und
Hochschule, die in Richtung Theorie und Praxis des Innovativen
Sportunterrichts gehen.
*
Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft: Aussenpolitik zwischen Krieg und
Frieden, Bd. 11/2004 V&R
unipress/Universitätsverlag
Osnabrück, Göttingen 2004 –
Der Band enthält die Osnabrücker Friedensgespräche des
Jahres 2003 sowie weitere Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Darunter befinden
sich unter anderem Aufsätze zum
Verhältnis der Vereinigten Staaten
zur Europäischen Union sowie zur
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
*
Susanne Lütz, Roland Czada
(Hg.): Wohlfahrtsstaat – Transformation und Perspektiven.
Wiesbaden: VS Verlag 2004 –
Der Band behandelt Theorien,
Zukunftskonzepte und Reformansätze des Wohlfahrtsstaates aus
einer nationalen, international
vergleichenden und europäischen
Perspektive.
*
Annika Wagner: Mensch und
Macht. Marx, Durkheim, Simmel, Weber, Gehlen, Tectum
Verlag 2004 – Das 166-seitige
Werk fragt „Wer macht eigentlich
Geschichte?“ Zu diesem Zweck
befragt Annika Wagner ausgewiesene Klassiker der Soziologie wie
Marx, Durkheim oder Weber. Die
abschließende Konfrontation der
Ergebnisse dieser Befragung mit
neueren Überlegungen zu aktuellen
gesellschaftlichen Entwicklungen
und Handlungsmöglichkeiten rundet das Buch ab.
In memoriam Prof. Dr. Siegfried Kanngießer
Von Utz Maas
Am 20. November ist der Osnabrücker Sprachwissenschaftler
Siegfried Kanngießer nach einer
langen und schweren Krankheit
verstorben. Kanngießer wurde
1940 in Kassel geboren. Er studierte von 1962 bis 1969 in
Marburg, Hamburg und Göttingen mit dem Schwerpunkt in
der Sprachwissenschaft und der
Philosophie. Dabei formierte sich
sein lebenslanges Projekt einer
wissenschaftstheoretischen Begründung
der
erklärenden
Sprachwissenschaft. Einen ersten
Niederschlag fand es in seiner
Göttinger Dissertation, die im
Schnittfeld von Philosophie und
Allgemeiner Sprachwissenschaft
1969 zur Promotion führte. Die
Dissertation wurde 1972 unter
dem Titel "Aspekte der synchronen und diachronen Linguistik" in Tübingen veröffentlicht.
Von 1969 bis 1974 war Kanngießer Assistent an der Univer-
Forschung - Lehre - Studium
Prof. Dr. Siegfried Kanngießer
Foto: privat
Der Autor ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der
Universität.
Eingetroffen ...
Klaus J. Bade, Michael Bommes, Rainer Münz (Hg.):
Migrationsreport 2004. Fakten
– Analysen – Perspektiven,
Campus Verlag 2004 – Der im
Auftrag des Rates für Migration
herausgegebene Band enhält Beiträge zu vielen Bereichen der
Migration. Dabei liefert der alle
zwei Jahre erscheinende Report
wichtige Fakten und Informationen zur Diskussion um Migration,
Integration und Minderheiten.
*
Klaus J. Bade, Michael Bommes, Rainer Münz (Hg.):
Migrationsreport 2004. Fakten
– Analysen – Perspektiven. Begleitband: Migration – Integration – Bildung (IMIS-Beiträge
Bd. 23), 2004 – Da in dem diesjährigen „Migrationsreport“ nicht
alle Beiträge aufgenommen werden konnten, ist dieser Begleitband erschienen. Darin werden
weitere Aspekte von Migration und
Integration behandelt.
*
Klaus J. Bade, Jochen Oltmer:
Normalfall Migration: Deutschland im 20. und frühen 21.
Forschung - Lehre - Studium
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
10
Nachhaltig ausbilden
Neue Stiftungsprofessur „International Accounting“
(os) Regionale Unternehmen
haben ein großes Interesse an
einer umfassenden Ausbildung
von Wirtschaftswissenschaftlern an der Universität. Dazu
gehört auch die Beschäftigung
mit internationalen Rechnungslegungsstandards. Um
diesen Bereich nachhaltig zu
stärken, finanzieren die Felix
Schoeller GmbH, KM Europa
Metal, Karmann GmbH, ZF
Lemförder Fahrwerktechnik
AG & Co. KG, PriceWaterhouseCoopers und die Sievert
AG am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften eine Stiftungsprofessur "International
Accounting". Insgesamt stellen
die Stifter 860.000 Euro zur
Verfügung. Besetzt wurde der
Lehrstuhl mit Privatdozent
Dr. Jochen Bigus, der am 1.
Dezember seine Antrittsvorlesung hielt.
Möglich wurde die Professur
durch das Engagement des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften und der Universitätsgesellschaft. Mit der Berufung des
renommierten Wirtschaftswissenschaftlers soll unter anderem die
Wissenswert
Wissenschaftlicher
Beirat für den
Universitätsverlag
(os) Der Universitätsverlag
Osnabrück hat einen neuen
Wissenschaftlichen Beirat. Gewählt wurden die Professoren
Dr. Andrea Grewe, Dr. Sigrid
Knust, Dr. Claudia Solzbacher,
Dr. Dr. h.c. Christian von Bar,
Dr. Wolfgang Junge, Dr. Ralf
Kleinfeld sowie Dr. Thomas
Vogtherr. Beratend tätig sind
die Direktorin der Universitätsbibliothek, Felicitas Hundhausen, Susanne Franzkeit von
der V&R unipress GmbH, der
Pressesprecher der Universität,
Dr. Utz Lederbogen (als Vertreter einer für das Hochschulmarketing zuständigen Person),
sowie der Osnabrücker Buchhändler Manfred Jonscher. Der
Beirat wurde für vier Jahre
gewählt.
Konzertiert
PD Dr. Jochen Bigus.
Foto: privat
Ausbildung von Experten im Bereich "International Accounting"
(IA) sichergestellt werden. Diese
werden auch in der Region dringend benötigt. Schwerpunkte in
der Lehre sind internationale
Rechnungslegungsstandards, Unternehmensbewertung und Anreizstrukturen bei der Bilanzierung.
"Die neue Professur ist von
entscheidender Bedeutung für die
geplanten Bachelor- und Masterstudiengänge in diesem Bereich,
die momentan an unserem Fachbereich entwickelt werden", erklärt Prof. Dr. Michael Wosnitza,
Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Die Studiengänge haben insbesondere eine
fundierte Ausbildung in den Bereichen Internes Rechnungswesen
und Controlling, Steuern, Internationale Rechnungslegung und
Corporate Governance zum Ziel.
Bigus wurde 1966 in Neumünster geboren. Von 1989 bis
1994 studierte er an der Freien
Universität Berlin. 1998 promovierte er an der Fernuniversität
Hagen. Nach einem achtmonatigen Forschungsaufenthalt an der
University of California, Berkeley
folgte im Dezember 2002 die
Habilitation an der Universität
Hamburg zur Finanzierung junger
und innovativer Unternehmen. In
der Forschung beschäftigt er sich
zur Zeit mit Fragen zur Unabhängigkeit und zur Haftung der
Wirtschaftsprüfer, zur Bedeutung
der IAS für den Mittelstand und
zur Innovationsfinanzierung.
Gemeinsam griffen Mitarbeiter der
Bibliothek, des Fachbereichs Rechtswissenschaften und Studierende vor kurzem zu Pinsel und Farbe,
um den Eingangsbereich der Bereichsbibliothek Rechts- und
Wirtschaftswissenschaften des Universitätsgebäudes am Heger
Tor-Wall 14 zu renovieren. Nach der dreitägigen konzertierten
Aktion wurde eine hochmoderne Garderobenanlage montiert.
Besonders erfreulich, so die Leitende Bibliotheksdirektorin Felicitas
Hundhausen, war das freiwillige Engagement der Universitätsangehörigen bei den Arbeiten. Eine unter Federführung des
Zentrums zur Unterstützung virtueller Lehre an der Universität
Osnabrück (virtUOS) installierte Überwachungsanlage im Garderobenbereich soll künftig den in der Vergangenheit häufig vorgekommenen Diebstählen vorbeugen.
(os/Foto: privat)
11
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Forschung - Lehre - Studium
Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft
Ehemalige Studierende gesucht: Die Universität geht mit einer Alumni-Datenbank an den Start
Bereits 2001 entstand die Idee,
eine solche Ehemaligen-Datenbank
aufzubauen. "Unser Ziel war es
damals, zunächst einmal eine Übersicht über die Anzahl der
Ehemaligen zu gewinnen, die in der
Region zu Entscheidern und Gestaltern geworden sind", erklärt Dr.
Hans-Jürgen Unverferth von der
Stabsstelle Weiterbildung und Wissenstransfer. Erste Schritte folgten
in Form von brieflichen Ansprachen
Wissenswert
Neue Broschüre der
Hans MühlenhoffStiftung erschienen
(os) Die Hans MühlenhoffStiftung fördert seit 1996 Studierende und Nachwuchswissenschaftler der Universität.
Insgesamt wurden bislang 39
Stipendien bzw. Förderpreise
vergeben. Darüber hinaus hat
der Kaufmann Dr. h. c. Hans
Mühlenhoff eine nach ihm
benannte Professur für Biochemie gestiftet. Nun ist eine
Broschüre erschienen, in der
die Stipendiaten, sowie Zweck
und Ziele der Stiftung erläutert
werden. „Wir wollen mit dieser
Informationsbroschüre auch
zum Zustiften anregen“, erklärt
Dr. Hans-Jürgen Unverferth,
Koordinator der Stiftung an der
Universität. Das Heft ist kostenfrei über Dr. Hans-Jürgen Unverferth zu beziehen. Tel.
(0541) 969-4240, e-mail [email protected]
© Meissner
(os) Das Studium ist beendet,
die Kommilitonen verstreuen
sich in alle Richtungen. Einer
geht nach Hamburg, die nächste findet eine Anstellung in
München, und den besten
Freund verschlägt es gar ins
ferne Neuseeland. Wird man
sich wiedertreffen? Mit der neu
eingerichteten Alumni-Datenbank besteht jedenfalls die
Chance, ehemalige Studienfreunde von der Universität
Osnabrück wiederzufinden.
Doch das ist nur eine Möglichkeit, diese Einrichtung zu
nutzen.
und Befragungen. Später wurde die
technische Realisierung vom Informatiker Prof. Dr. Oliver Vornberger und zwei seiner Bachelorstudenten auf eine professionelle
Grundlage gestellt. Damit folgte die
Hochschule US-amerikanischen
Vorbildern, die bereits über Generationen ihre Ehemaligen eng an
die Alma mater zu binden versuchen.
Die Philosophie einer solchen
Praxis liegt auf der Hand: Friend
raising kommt vor fund raising, also
der Aufbau eines Netzwerkes muss
vor der Aufgabe, die Ehemaligen als
potentielle Förderer der Universität zu gewinnen, in Angriff genommen werden. Ein weiteres Stichwort ist die Qualitätssicherung.
Welche Erfahrungen haben die
Absolventen im Beruf gemacht?
Entspricht ihre Ausbildung den
Anforderungen im Unternehmen?
Wo sehen sie Verbesserungswünsche? Angesprochen dabei sind
nicht allein die ehemaligen Studierenden, sondern darüber hinaus
auch Nachwuchswissenschaftler,
die nun in Forschung und Lehre
an anderen Hochschulen tätig
sind. Auch von ihren Erfahrungen
hoffe man mit einer umfassenden
Alumni-Arbeit zu profitieren, erklärt Universitätspräsident Prof.
Dr.-Ing. Claus Rollinger.
Vornberger sieht dies ähnlich,
er betont vor allem zwei Aspekte
des Projekts: "Zum einen sind nun
erstmalig Absolventen der Universität Osnabrück in der Lage, gezielt nach ihren früheren Kommilitonen zu suchen. Und zum
anderen erhält die Hochschulleitung wertvolle Informationen
darüber, in welcher Weise sich
ihre Absolventen in den Arbeits-
markt integriert haben. Das sind
Informationen, die zum Nutzen
der folgenden Generationen in
das Lehrkonzept einfließen sollten."
Seit dem Frühjahr diesen
Jahres ist die Datenbank im Netz.
Ehemalige können sich einloggen,
ein eigenes Profil erstellen, andere
Alumni suchen und sich in geschützten Foren austauschen. Darüber hinaus wird die Möglichkeit
geboten, Statistiken zu erstellen.
Damit können nach Vorgaben des
Benutzers Tortengrafiken und Balkendiagramme erzeugt werden,
die zum Beispiel anschaulich Studienfächer oder Berufsbranchen
visualisieren.
Sogar eine Deutschlandkarte
mit der regionalen Verteilung der
Alumni-Arbeitgeber kann generiert werden. Einer der ersten, die
sich in die Alumni-Datenbank der
Universität Osnabrück eingetragen haben, war übrigens der niedersächsische Ministerpräsident
Christian Wulff.
Zusammengefasst also wird
ein Idealfall angestrebt: Das Studium ist abgeschlossen, doch die
Bindung der Absolventen an die
Universität bleibt bestehen –
wenn möglich ein Leben lang und
zu beiderseitigem Nutzen.
Die Adresse zur Datenbank:
www.alumni.uni-osnabrueck.de
kamen wieder Tausende zum
Der HIT als Hit EsHochschulinformationstag
(HIT)
der drei Osnabrücker Hochschulen. Dr. Gisela Danz, Leiterin der
Zentralen Studienberatung, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis.
Bereits im Vorfeld waren Schulen in der gesamten Region angeschrieben und eingeladen worden. Die Schülerinnen und Schüler konnten
nicht nur Labore besichtigen und an Veranstaltungen teilnehmen, sondern erhielten im persönlichen Gespräch auch wertvolle Informationen über ihre Studienwünsche.
(os/Foto: Elena Scholz)
Forschung- Lehre - Studium
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Einladung zum Schmökern
Osnabrücker Geographen geben Gesamtdarstellung der Region heraus
(os) Seit der Gebietsreform
1972 fehlte ein solches Buch:
Die Geographen Prof. Dr.
Norbert de Lange und HD
Dr. Diether Stonjek haben
zusammen mit dem Landschaftsverband Osnabrücker
Land eine Gesamtdarstellung
der Region herausgegeben.
Alle Städte und Gemeinden
des Landkreises, der Landkreis selbst sowie die Stadt
Osnabrück haben den Druck
des Buches finanziert.
Im Vordergrund des Bandes
steht die Beschreibung sämtlicher
Städte und Gemeinden sowie der
kreisfreien Stadt und des Landkreises Osnabrück. Dabei setzten
sich die 19 Autoren mit Lage und
Entwicklung, Gefüge und Ausstattung sowie mit Perspektiven
und Planungen der jeweiligen
Gebietskörperschaft auseinander.
Das Buch richtet sich bewusst
nicht ausschließlich an ein Fachpublikum, sondern eignet sich
auch zum Nachschlagen und
Schmökern für Jedermann. Reichhaltiges Fotomaterial trägt zu diesem Eindruck bei. So animiert beispielsweise das jedem Beitrag vorangestellte Schrägluftbild des beschriebenen Ortes sogleich zur
Suche nach dem eigenen Haus
oder dem Arbeitsplatz.
Besonders wertvoll wird dieses Handbuch über die Region
Osnabrücker Land darüber hinaus
durch die zahlreichen enthaltenen
Daten und Fakten: Ausführliches
Material in Form von Diagrammen
und Tabellen zu Einwohnerzahlen
und -dichte, Bevölkerungsverteilung sowie -entwicklung, Beschäftigungszahlen, Umsatzstatistiken oder Übernachtungszahlen
spricht nicht nur Geographen
oder Wirtschaftsplaner an. Insbesondere das Aufzeigen von
Perspektiven für jede Stadt, jede
Gemeinde, für das Oberzentrum
Osnabrück genauso wie für den
Landkreis insgesamt kann als
Gradmesser für künftige Entwicklungen genutzt werden.
Das vorgelegte Kartenmaterial
wurde eigens am Fachgebiet Geographie der Universität Osnabrück erarbeitet, wobei jeder
Kommune mindestens vier Kartenseiten zugeordnet sind.
Der Band „Osnabrück und das
Osnabrücker Land. Landkreis,
Städte und Gemeinden“, erschienen im Rasch Verlag Bramsche, ist
zum Preis von 24,80 Euro beim
Landschaftsverband und im Buchhandel erhältlich.
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Wissenswert
Semesterapparate:
Näheres dazu im Netz
(os) "Das Buch steht in meinem
Semesterapparat." – "Wo steht
denn der? Ist der überhaupt
schon aufgebaut?" Dieser Dialog
zwischen Lehrenden und Studierenden ist häufig zu hören.
Antworten auf die Fragen gibt
die Homepage der Bibliothek
(www.ub.uni-osnabrueck.de unter „Semesterapparate“). Dort
kann man sich informieren,
welche Bücher wo aufgestellt
sind. Durchschnittlich 350 Apparate pro Semester - in jedem
Semester rund 7000 Bücher werden aus dem Ausleihbestand
herausgenommen, umkatalogisiert, im Lesesaal präsent gestellt und nach Ende der Lehrveranstaltungen wieder in den
Ausleihbestand integriert. Da
viele Studierende auf die Auflösung "ihres" Apparates warten, um die Bücher endlich
ausleihen zu können, ist bei
jedem Apparat natürlich auch
die Laufzeit angegeben.
Besser, leichter und natürlich viel schneller
Umstellung: Die Universität nimmt im Januar 2005 neue Rechnungswesen-Software in Betrieb
(os) Am 1. Januar stellt die
Universität ihr kaufmännisches Rechnungswesen von
der Software Baan ERP+ auf
SAP R/3 um. Damit sind vor
allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Finanzdezernat weitreichende
Veränderungen verbunden.
Aber auch die Fachbereiche,
die zentralen Einrichtungen
und die allgemeine Verwaltung bekommen die Veränderungen zu spüren. "Wir
hoffen sehr, dass durch die
Umstellung mittelfristig nicht
nur im Finanzdezernat sondern insgesamt in den Abläufen der Hochschule einiges
im Alltagsgeschäft verbessert
wird", erklärt der Finanzdezernent an der Universität,
Jens Meinen.
Zum Hintergrund: Die Umstellung wurde Ende letzten Jahres
im Präsidium beschlossen, da sich
das bislang benutzte System zum
einen als nicht optimal für die
Finanzverwaltung einer Universität erwiesen hatte. Darüber hinaus war die Abstimmung mit den
anderen niedersächsischen Universitäten häufig nicht möglich, da
diese geschlossen SAP einsetzen.
Bevor jedoch die Software implementiert werden konnte, mussten
sich die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Finanzdezernats in
vielen Workshops in Hannover
und Osnabrück umfassend mit
den Funktionalitäten des neuen
Systems auseinandersetzen. "Bei
der Umsetzung wurden wir aber
vorbildlich vom Hochschulkompetenzzentrum für SAP
(CCC) aus Hannover unterstützt",
berichtet Meinen.
In den vergangenen Wochen
wurden wiederum Einführungsveranstaltungen für die Bediensteten der Universität angeboten. Rund 85 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter nutzten die
Chance, sich einen Einblick in das
neue System zu verschaffen. Der
Schwerpunkt wurde unter anderem auf die Veränderungen bei
Koordiniert die neue Softwareeinführung: Finanzdezernent Jens
Meinen.
Foto: Elena Scholz
der Kontierungslogik gelegt. Allein
in diesem Bereich ergeben sich
zahlreiche Erleichterungen, so
Meinen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Künftig werden neben
dem obligatorischen Sachkonto
nicht mehr vier weitere Kontierungsobjekte benötigt, sondern
nur noch eines. Entweder wird
eine Finanzstelle (Kostenstelle)
oder ein Fonds (Projekt) angesprochen – mehr wird nicht benötigt.
Darüber hinaus erhofft sich
Meinen auch Verbesserungen im
Berichtswesen. Doch hier wird bis
zu einer merklichen Verbesserung
noch einiges zu tun sein. Innerhalb
der Lenkungsgruppe ist bei diesem Thema auch Prof. Dr. Bodo
Rieger aus dem Fachbereich
Wirtschaftswissenschaften mit im
Boot.
In diesem Bereich sei das bislang genutzte System nicht optimal gewesen. Insgesamt, so hofft
Meinen, werde sich die Umstellung recht problemlos durchführen lassen: "Was bei anderen
Hochschulen funktioniert, sollte
sich auch hier umsetzen lassen.
Von den Erfahrungen anderer zu
profitieren, hat sich im Verlauf
dieses Projektes schon häufiger als
nützlich erwiesen. Das spart
Ressourcen, die an anderer Stelle
dringend benötigt werden".
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Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Forschung - Lehre - Studium
Bewegt im Studium
Das Zentrum für Hochschulsport stellt sich vor
(os) Sie schreiben Seminararbeiten krumm über die
Bücher gebeugt am Schreibtisch. Im Labor stehen sie
stundenlang auf der Stelle
und recherchieren im Internet ohne Pause und Bewegung. Es sind zweifellos nur
wenige Muskelpartien, die
bei diesen Arbeitsschritten
strapaziert werden. Ergo:
Die meisten Studienfächer
sind alles – nur nicht bewegungs- und konditionsfördernd. Das Zentrum für
Hochschulsport (ZfH), eine
gemeinsame Ein.-richtung von
Universität und Fachhochschule, hat für solche bewegungsarme Arbeitsabläufe einen Ausgleich parat.
"Das Angebot des Hochschulsports bietet allen Studierenden in
Osnabrück die Möglichkeiten,
während ihres Studiums an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen, die
auf sie zugeschnitten sind", erklärt
Jörg Bieberstein, Leiter des Zentrums. "Der Großteil unseres Angebots orientiert sich an den Inhalten und Zielen des Freizeit- und
Breitensports; der harte Wettkampfsport und die absolute
Leistungssteigerung im Hochschulsport sind weniger gefragt."
Dies sind aber längst nicht die
einzigen Ziele, die das Team vom
in den anonymen Massenbetrieb Hochschule kommt und über ihre Aktivitäten im Hochschulsport dieses
Manko ausgleichen können."
Besonders stark nachgefragt
werden in den letzten Jahren Kurse
im Fitness- und Gesundheitssport
mit so klangvollen Namen wie:
Aquapower; Aquajogging; Bodyshape und Step & Weight. Insgesamt spannt sich der Bogen vom
ganz normalen Aerobic, Basketballspiel, Fußball, Konditionsgymnastik,
über Tischtennis bis hin zum
Volleyballtraining. Einen besonderen Bereich stellen die asiatischen
Kampfsportarten und Entspannungskurse dar. Hier kann unter
anderem zwischen Akido, Bujinkan
Budo, Karate, Kinomici Noro,
Selbstverteidigungskursen für Frauen und Männer, Shaolin Kempo,
Thai Chi und Wudang Qui Gong
ausgewählt werden. Und bei den
Hochschulsport mit seinem Sportangebot verfolgt. Unter anderem
sollen soziale Kontakte geknüpft,
Kommunikationsstrukturen gefördert und viele gemeinsame Aktivitäten auch außerhalb des Sporttreibens gefördert werden. Bieberstein: "Dies ist deshalb ganz
wichtig, da ein Großteil der Studierenden ohne feste soziale Kontakte
Kursen können so exklusive Veranstaltungen wie Tango-, Salsa-,
Step- und Flamencotanzen, Fecht-,
Golf-, Reit-, Segel-, Ski-, Surf- und
Wasserskikurse belegt werden, die
der Hochschulsport in Eigenregie
oder mit Kooperationspartnern
durchführt.
Der Großteil der Kurse ist für
die Studierenden kostenfrei, da sie
von den Allgemeinen Studierenden
Ausschüssen (ASten) der Universität und Fachhochschule aus ihren
Etats mitfinanziert werden. Insgesamt rund 65 Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote, die sich auf ca.
300 Stunden pro Woche verteilen,
sind in dem zweimal jährlich zum
Semesterbeginn
erscheinenden
Programm des Zentrums enthalten.
Neben Jörg Bieberstein arbeiten Folker Mehliss und Hans Rolfes
als Teilzeitkräfte im ZfH. Zusätzlich
sind rund 65 Übungsleiter nebenberuflich für das Training in den
jeweiligen Sportarten zuständig.
"Wer wann wie lange in die Halle
darf, muss bei einem solch umfangreichen Programm sorgfältig geplant werden, eine logistische Aufgabe, die nicht immer leicht zu bewältigen ist", so Mehliss. Insgesamt
nutzen rund 3.800 Studierende pro
Woche das Angebot, wobei die
Beteiligung der Teilnehmerinnen
(ca. 2.100) die der Teilnehmer(ca.
1.700) erheblich übertrifft.
Auch partizipiert das Zentrum
nicht zuletzt vom Angebot der
Sportwissenschaften an der Universität. "Durch die Sportlehrerinnen
und Sportlehrerausbildung an der
Universität steht dem Hochschulsport eine Vielzahl von qualifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern zu Verfügung, die unser Angebot mit neuen Sportarten beleben", so Rolfes.
Für einen Teil der Studierenden ist es aber nicht damit getan,
nur an dem Freizeit- und Breitensportangebot des ZfH teilzunehmen. Sie wollen mehr, wie beispielsweise die 15 Spielerinnen des
Frauenfußballteams zeigen, die bei
den diesjährigen Deutschen Hochschulmeisterschaften den zweiten
Platz belegen
konnten. Oder der Osnabrücker
Lehramtsstudent Matthias Bergmann, der mit seinem Partner von
der Sporthochschule Köln bei der
Studentenweltmeisterschaft einen
überragenden 2. Platz erringen
konnte.
Nicht zu vergessen ist , dass die
Veranstaltungen des ZfH auch von
den Lehrenden und Bediensteten
der Osnabrücker Hochschulen genutzt werden. So nahmen im letzten Semester rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pro Woche
aus dem Kreis der Bediensteten
überwiegend am Gesundheitssportangebot des ZfH teil. "
Wie sieht die Zukunft des
Osnabrücker Hochschulsports aus?
Sport an den Hochschulen gehört
vordergründig sicherlich nicht zu
den Angeboten, die unverzichtbar
sind für die Ausbildung fähiger
Akademiker und Wissenschaftler.
Bieberstein kennt diesen Umstand,
doch er weist darauf hin, dass der
Sport an den meisten Hochschulen
in Deutschland zu einem festen Bestandteil der Studien- und Lebensbedingungen der Studierenden
geworden ist.
Das ZfH sieht der Zukunft
optimistisch entgegen: "Hätten wir
ausreichend Sportstätten und Personal, so könnten wir das Angebot
von einem auf das andere Semester
um die Hälfte steigern. Das Potenzial an Teilnehmern für solch eine
Steigerung und die Motivation bei
den Mitarbeitern im Hochschulsport für die Bewältigung der
anstehenden Zukunftsaufgaben ist
jedenfalls vorhanden.“
Forschung - Lehre - Studium
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
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Wie lebte es sich als ein Hochwohlgeborener?
Mehr als 3.000 Besucher: Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg ist ein wahrer Renner
(os) Wie lebte der niedersächsische Adel in der Frühen
Neuzeit? Wie sahen die Adeligen sich selber? Seit dem 29.
September gibt eine Ausstellung im Museumsdorf
Cloppenburg Antworten auf
diese Fragen. Dabei geht es
um den landsässigen Adel im
ehemaligen Fürstbistum Osnabrück, im Niederstift Münster sowie in der Grafschaft
Ostfriesland. Die Ausstellung
ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes an der Universität, das unter Leitung
von zunächst Prof. Dr. Ronald
G. Asch stand und von Prof.
Dr. Thomas Vogtherr weitergeführt wird. Künftig wird
Prof. Dr. Siegrid Westphal
das Projekt leiten. Bislang
haben rund 3.000 Besucher
die Ausstellung gesehen.
„Diese Resonanz zeigt uns,
dass die Geschichte des landsässigen Adels, der in einem engen
Beziehungsgeflecht mit den Men-
Zahlreiche Exponate werden in Cloppenburg präsentiert.
Foto: privat
schen in seiner Umgebung lebt,
auf großes Interesse stößt“,
erklärt die mit der Durchführung
des Projektes betraute Historikerin, Dr. Heike Düselder. „Auch
wenn es nicht um den Hochadel,
um Könige oder Fürsten geht –
adeliges Leben ist immer exklusiv,
unterscheidet sich in vielen Bereichen von der Lebensweise der
bäuerlichen Bevölkerung oder des
Bürgertums in den Städten.“
Das vom Niedersächsischen
Ministerium für Wissenschaft und
Kultur (MWK) geförderte Forschungsprojekt wurde mit dem
Freilichtmuseum
Museumsdorf
Cloppenburg durchgeführt. „Dabei
war es von Anfang an erklärtes Ziel
der beiden beteiligten Institutionen,
die Ergebnisse in Form einer Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, betont Vogtherr. Gezeigt werden
unter anderem Porträts und Wappen sowie der Kirchstuhl aus dem
Besitz einer adeligen Familie. Es
gibt nicht nur Kostbares zu sehen,
sondern auch die Dinge des täglichen Gebrauchs, Schreibkalender
und Liebesbriefe, das Album Amicorum eines niederländischen
Studenten, in das sich auch die
Söhne aus den bedeutenden ostfriesischen Adelsfamilien mit kostbaren Zeichnungen eingetragen
haben, sowie Gegenstände der
Jagd als Zeichen eines Privilegs,
das für das Selbstbild des Adels
von elementarer Bedeutung war.
Die Dokumentation ist als
Dauerausstellung konzipiert, in der
langfristig die Geschichte des Adels
in Nordwestdeutschland thematisiert werden soll. Unter dem Titel
„Adel auf dem Lande. Kultur und
Herrschaft des Adels zwischen
Weser und Ems im 16.-18.
Jahrhundert“ ist ein Begleitband
erschienen. Er ist für 15,50 Euro
über den Buchhandel oder das
Museumsdorf Cloppenburg unter
www.museumsdorf.de erhältlich.
15
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Tagungen und Termine
Ausstellung im Foyer
Literarisch Eine
der Universitätsbibliothek,
Ale Münze 16/Kamp, würdigt bis zum 15. Januar das
Wirken der Annette von Droste-HülshoffGesellschaft. In Deutschland ist die Vereinigung mit
ca. 300 Mitgliedern eine der kleineren
Gesellschaften, die erste aber, die einer Frau
gewidmet wurde. Gegründet wurde sie 1928, in
einer Zeit, als derlei literarische Vereinigungen in
Mode waren. Man begeisterte sich für die Ikone
Droste, die als Dichterin geliebt wurde und alsbald
im Zentrum eines wissenschaftlichen Interesses
stand. Die Förderung mehrerer Lese- und wissenschaftlicher Ausgaben, unter anderem einer historisch-kritischen Ausgabe in 27 Bänden, und die
Etablierung des größten europäischen
Lyrikertreffens gehört zu den Resultaten dieser
Aktivitäten.
Die Vorsitzenden der Droste-Gesellschaft haben
durch ihre wissenschaftlichen Leistungen, die im
Bereich der Werkimmanenz, der sozialgeschichtlichen Forschungen sowie der Methodik der zeitgenössischen Editionswissenschaften liegen, große
Wirkung gehabt. Hier sind vor allem die
Literaturwissenschaftler Benno von Wiese, Clemens Heselhaus sowie der Osnabrücker Germanist
Winfried Woesler, die jeweils Vorsitzende oder Geschäftsführer der Droste-Gesellschaft waren, zu nennen. Die Ausstellung arbeitet zwei zentrale Aspekte heraus: zum einen die Verbindung der Vereinigung mit
bedeutenden Leistungen der Geistes- und Forschungsgeschichte und darüber hinaus den forcierten
Anschluss an die nationalsozialistische Kulturpolitik, die das Bild der Droste über Jahre beeinträchtigte.
Die ausgestellten Dokumente waren zum großen Teil bisher unbekannt und zeigen die Gesellschaft in
einem differenzierten Licht.
(os)/Foto-Collage: privat
Vorschau
Mittwoch, 26. Januar, 19.30 Uhr,
Schlossaula/Neuer Graben:
Universitätsmusik:
„A Capella-Chormusik“
Mit dem Kammerchor der Universität unter
der Leistung von Johannes Rahe.
Donnerstag, 27. Januar, 20 Uhr,
Universitätsbibliothek, Zimeliensaal, Alte
Münze:
Vortrag: „Patriotismus und
Adelsreformdiskussion im späten
18. Jahrhundert am Beispiel Justus
Mösers“
Es referiert Prof. Dr. Robert von Friedeburg
von der Erasmus Universiteit Rotterdam.
Donnerstag, 3. Februar, 16.15 Uhr
Universitätsbibliothek, Zimeliensaal, Alte
Münze:
Vortrag: „Schwund des Wissens in der
Wissensgesellschaft?“
Vortrag von Prof. Dr. Dr. h. c. Jörg Ruhloff
von der Universität Wuppertal im Rahmen
der Ringvorlesung „Wissen - Können Handeln. Bildung in der Informationsgesellschaft.“
Weitere Veranstaltungen finden Sie im
Veranstaltungskalender der Universität
Osnabrück.
Unifilm
Initiative Unifilm im Allgemeinen Studierendenausschuss Eintritt: 2,50 Euro (Unkostenbeitrag).
Ort: Seminarstraße 20, Hörsaal 15/E10.
Montag, 10. Januar, 20 Uhr:
„Easy Rider“
Dienstag, 11. Januar, 20 Uhr:
„Das Zimmer meines Sohnes“
Montag, 17. Januar, 20 Uhr:
„Lost in Translation“
Dienstag, 18. Januar, 20 Uhr:
„Knockin’ on Heaven’s door
Montag, 24. Januar, 20 Uhr:
„Jalla! Jalla!“
Dienstag, 25. Januar, 20 Uhr:
„Die fabelhafte Welt der Amélie“
Montag, 31. Januar, 20 Uhr:
„Ed Wood“
Dienstag, 1. Februar, 20 Uhr:
„Tuvalu“
Montag, 7. Februar, 20 Uhr:
„Dogville“
Dienstag, 2. Februar, 20 Uhr:
Wunschfim (Ihr sagt, was laufen soll!)
Vorschau
Donnerstag, 16. Dezember, 18.15 Uhr
Universität Osnabrück, Seminarstr. 20,
Raum 15/130:
Vortrag: „Transnationalisierung und
Staatlichkeit“
Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wimmer,
University of California, Los Angeles/USA
Donnerstag, 13. Januar, 16.15 Uhr
Universität Osnabrück, Albrechtstr. 28
(AVZ), Raum 31/E05:
Vortrag: „Autonome intelligente
Systeme“
Es referiert Prof. Dr. Martin Riedmiller
vom Fachbereich Mathematik/ Informatik
der Universität Osnabrück.
Sonntag, 16. Januar, 18 Uhr
St. Karharinenkirche:
Gottesdienst zum Jahresanfang:
„Jesu Fürbitte und unser Glauben“
Donnerstag, 20. Januar, 16.15 Uhr
Universitätsbibliothek, Zimeliensaal,
Alte Münze:
Vortrag: „Es ist nicht genug zu wissen
... man muss auch tun“ – Förderung
von Lernkompetenz in der Schule
Es spricht die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Solzbacher
von der Universität Osnabrück.
ungeMarimba Ein
wöhnlicher
Ort und ein noch ungewöhnlicheres Instrument: Am Freitag,
28. Januar gibt es Marimba-Musik
im Regenwaldhaus des Botanischen Gartens. Gerhard
Stengert ist ein Meister dieses
Instruments; wegen seiner
beeindruckenden musikalischen
Ausdrucksstärke ist der Künstler
international bekannt. Stengert
gibt mit dem Konzert einen Einblick in sein umfangreiches
Repertoire. Einlass ist um 19.30
Uhr, Karten gibt es zum Preis
von 8 Euro (ermäßigt 7 Euro) im
Sekretariat des Botanischen
Gartens (Tel.: 0541/969-2739).
(os)/Foto: privat
Der besondere Tipp
(os)“Kurt Gerstein. Widerstand in
SS Uniform“ ist der Titel einer
Ausstellung, die ab Sonntag, 30.
Januar im Erich Maria RemarqueFriedenszentrum gezeigt wird.
Die Ausstellung dokumentiert das
Leben des SS-Offiziers Kurt Ger-
stein (1905-1945), der versuchte,
die Ermordung der Juden öffentlich bekannt zu machen.
Nähere Informationen unter der
Telefonnummer (0541) 969-2448.
Forschung - Lehre - Studium
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
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Universitäten im Umbruch
Von Prof. Dr. Rainer Künzel
Prof. Dr. Rainer Künzel war von 1990 bis 2004 Präsident
der Universität Osnabrück. Auf dem hier widergegebenen
Teil seiner Rede auf dem Festakt zu seiner Verabschiedung am 30. September 2004 hatte er aus Zeitgründen verzicht. Der Text ist auch unter der Adresse
www.uni-osnabrueck.de/praesident_ad/ abrufbar.
Meine Amtszeiten als Universitäts-Präsident fielen in einen
Zeitraum, in dem das Hochschulsystem in Deutschland dramatische Veränderungen durchgemacht hat.
In den Reformprozessen übernahm einerseits die Hochschulrektorenkonferenz, andererseits das Land Niedersachsen eine
Führungs- und Vorreiterrolle. Einige der Promotoren der
Reformen sind anwesend, ich nenne vor allen anderen Herrn
Professor Erichsen, HRK-Präsident und Inhaber vieler weiterer verantwortlicher Funktionen, sowie Herrn Dr. Lange, der
seit 1990 zehn Jahre lang als Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz und danach in politischer Verantwortung
den Reformprozess in Deutschland wesentlich mitgestaltet
hat; ich nenne Herrn Prof. Seidel, den Nestor der Qualitätssicherungsverfahren in Lehre und Studium und natürlich
Herrn Dr. Palandt, der während eines Gutteils meiner Präsidentenzeit als Abteilungsleiter Hochschulen der Reformmotor im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft
und Kultur war.
Im Zentrum der Bestrebungen der Hochschulvertreter stand
die Forderung nach mehr Autonomie, d. h. Aufgabe der
Detailsteuerung durch kameralistische Ausgabenplanung,
Erlasse und Verordnungen. An ihre Stelle sollten Globalhaushalte auf der Basis von Ziel- und Leistungsvereinbarungen sowie leistungsabhängige Zuwendungen treten,
wobei die Hochschulen eine entsprechend erweiterte Rechenschaftspflicht zu akzeptieren hätten.
Hauptgrund für die Autonomiebestrebungen war die zunehmende öffentliche Kritik an Funktionsschwächen des Systems, das zu einem Massenausbildungssystem geworden
war, ohne die dafür erforderlichen Steuerungsinstrumente und
finanziellen Ressourcenzuwächse erhalten zu haben. Geklagt
wurde über
hohe Abbrecherquoten,
überlange Studienzeiten
und die Starrheit des Ausbildungssystems, d.h. die unzureichende Anpassung der Lehr- und Studieninhalte an den
Bedarf auf den Arbeitsmärkten unterhalb der Forschungsund Führungsfunktionen, auf die die Universitätsausbildung
bisher ausgerichtet war.
Hinzu kam die Inkompatibilität der Studienstrukturen mit dem
international dominanten anglo-amerikanischen System gestufter Abschlüsse.
Autonomie wiederum setzte interne Steuerungskompetenz
voraus, und das implizierte eine Reform
der Organisations- und Leitungsstrukturen,
der Personalstruktur und des Dienstrechts,
des Tarifvertragsrechts und
der Einbettung der Hochschulen in ihr gesellschaftliches
Umfeld.
Ein durchaus wesentlicher Teil dieser Reformen ist in den letz-
ten zehn Jahren durch Veränderung der Hochschulgesetze auf
den Weg gebracht worden. Beispielgebend war hier Niedersachsen, das seine jüngste Gesetzesnovelle in Zusammenarbeit mit den Hochschulen entwickelt hat und einige
Regelungen gegenwärtig auf die gleiche kooperative Weise im
Detail fortentwickelt. Baden-Württemberg hat inzwischen
nachgezogen und ist teilweise erheblich weiter gegangen.
Aber der Reformprozess ist alles andere als abgeschlossen.
Er hat zwar den Hochschulen weitgehende Finanzautonomie
im Rahmen globaler Budgets gebracht. Und das hat vielfach
zur Implementierung von Modellen leistungsorientierter interner Finanzmittelverteilung geführt. Auch die Beamtenbesoldung ist in erheblichem Umfang leistungsabhängig
gestaltet worden – merkwürdigerweise gerade bei den
Professoren und Professorinnen, für deren berufliche Karriere
ohnehin eine ausgeprägte Leistungsorientierung Voraussetzung ist. Was aber fehlt, sind entsprechende Anreizmechanismen für das nichtprofessorale wissenschaftliche
Personal und insbesondere für das nichtwissenschaftliche
Personal – hier vor allem für die Tarifangestellten. Dringend
benötigt wird ein besonderer Wissenschaftstarifvertrag, denn
es gibt kaum eine inflexiblere, wissenschaftsfremdere und leistungsfeindlichere Regelung als den Bundesangestelltentarif.
Der Reformprozess hat die Hochschulen von der Bevormundung in Organisations- und Verfahrensfragen weitgehend
befreit. Das aber führt nur dann zu zweckmäßigen, d.h. leistungs- und effizienzsteigernden Innovationen, wenn die
Rahmenbedingungen die dafür erforderlichen Managemententscheidungen begünstigen und Erfolge honorieren.
Hier geht es in erster Linie darum, Bedingungen für funktionierenden Wettbewerb zu schaffen. Der Wettbewerb muss die
Chance eröffnen, dass höhere Leistungen, bessere Qualität,
überlegene Effizienz und Effektivität zu höheren finanziellen
Zuwendungen führen. Der Staat sollte also durch die
Grundfinanzierung seiner Hochschulen vergleichbare Funktionsbedingungen gewährleisten und zusätzliche Mittel für
besondere Leistungen im Wettbewerb vergeben.
Angesichts der Knappheit öffentlicher Mittel, vor allem aber
wegen des unzureichenden Einflusses der Nachfrageseite auf
die staatliche Alimentierung der Hochschulen, lässt sich so
jedoch die fehlende Marktsteuerung nicht ersetzen. Die
Hochschulen müssen deshalb nicht nur für ihre Forschungsaktivitäten und ihre Weiterbildungsangebote, sondern
auch für die Wahrnehmung ihrer Ausbildungsfunktion Markteinkommen erzielen können. Die Einführung von differenzierten, sozialverträglich finanzierbaren Studienbeiträgen ist deshalb eine unverzichtbare Erfolgsbedingung des Hochschulsystems – sowohl wegen ihrer Steuerungswirkung, als auch
wegen ihrer Bedeutung für die Finanzierung besserer Lehrund Lernbedingungen.
Die Einführung von Studienbeiträgen ist langfristig auch deshalb von entscheidender Bedeutung, weil durch sie eine bessere Verankerung der Hochschulen in der Gesellschaft
erreicht wird. Solange die Hochschulen fast ausschließlich
aus Steuermitteln alimentiert und Qualitätsunterschiede als
problematische Abweichungen von der Norm angesehen werden, gibt es für Privatpersonen kaum Veranlassung, sich zu
17
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Gunsten einer Hochschule finanziell zu engagieren. Jeder tut
ja bereits das Erwartbare in seiner Eigenschaft als
Steuerzahler. Absolventen haben ebenfalls keine Veranlassung, sich gegenüber der Alma Mater erkenntlich zu zeigen, weil es in ihren Augen nicht der gute Ruf der
Ausbildungsstätte und die Türöffnerfunktion des Abschlusszeugnisses ist, die die Karriere ermöglicht hat, sondern allein
die eigene Tüchtigkeit.
Die Folge ist, dass es den Hochschulen kaum gelingt, private
Stiftungsmittel, Erbschaften oder finanzielle Zuwendungen
gegen die Konkurrenz der bedrohten Umwelt, vernachlässigter Haustiere oder sozialer Problemfelder einzuwerben.
Zu den Voraussetzungen für die Steigerung von Leistung und
Qualität der Hochschulen durch Wettbewerb gehören jedoch
nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch rechtliche
Rahmenbedingungen für Leitungsentscheidungen, die nicht
auf die Reproduktion des Status quo, sondern auf die
Förderung von Innovation, Einsatzbereitschaft sowie Kostenund Qualitätsbewusstsein ausgerichtet sind. Modernen hochschulspezifischen Anforderungen widersprechen neben den
tarifvertraglichen Regelungen auch das Personalvertretungsrecht, das Arbeitsrecht und vor allem das Haushaltsrecht.
Trotz anzuerkennender Fortschritte bei der Zusammenführung
von Verantwortung des Amtes und Entscheidungskompetenz
ist darüber hinaus eine weitere Stärkung und Professionalisierung der Hochschulleitung Voraussetzung für die erfolgreiche Führung des Dienstleistungsunternehmens Hochschule
auf einem internationalen Wettbewerbsmarkt. Professionalisierung der Leitung setzt allerdings voraus, dass sie hauptberuflich wahrgenommen wird. Nur wenn das in Deutschland
generell der Fall ist, kann sich ein Markt für Hochschulleiter
entwickeln mit Karriereperspektiven, wie sie im Ausland seit
vielen Jahren bestehen.
Im Hinblick auf die Rolle der Hochschulleitungen muss sich
die Politik letztlich entscheiden, ob sie durch Gesetze und
Verordnungen definierte Standard-Dienstleistungen erwartet
oder institutionelle Innovationen und Erfolge im Wettbewerb
um die besten Köpfe des In- und Auslands.
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Systems wird
allerdings durch die finanzielle Unterausstattung und die mangelnde Planungssicherheit zunehmend gefährdet. Da nützen
befristete Finanzspritzen des Bundes nur wenig, so sehr sie
den Leistungswettbewerb fördern. Wenn kein Geld mobilisiert
werden kann, wie gegenwärtig in Niedersachsen, muss der
Leistungsumfang zurückgeführt werden, damit Qualität
gewährleistet werden kann. Dabei gewinnt die Rolle der niedersächsischen Systemzentrale, des Ministeriums, dramatisch an Bedeutung. Sie muss die Struktur der „Universität
Niedersachsen“ langfristig so verändern, dass sie den
Wettbewerb mit anderen Hochschulsystemen bestmöglich
bestehen kann. Die hierfür erforderliche Steuerungskompetenz ist noch nicht ganz ausreichend, aber doch beispielgebend entwickelt, etwa durch die Beratungstätigkeit der
Wissenschaftlichen Kommission und die Informationsbasis
der Evaluationsberichte.
Aus dem Optimierungsauftrag folgt, dass es eine Standortgarantie für Hochschulen oder einzelne ihrer Einrichtungen nicht geben sollte, wenn dadurch die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems dauerhaft eingeschränkt wird.
Die Forderung nach mehr Markt und Wettbewerb im tertiären
Bildungssektor steht nicht im Widerspruch zur Anerkennung
der Rechenschaftspflicht der Hochschulen gegenüber Staat
Forschung - Lehre - Studium
und Parlament, denn dort liegt wegen der weit überwiegend
staatlichen Finanzierung der Hochschulbildung die Letztverantwortung für die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems
und die Qualität seiner Produkte. Die Entwicklung funktionierender Wettbewerbsstrukturen sollte aber Einfluss haben auf
den Detaillierungsgrad, mit dem der Nachweis der Erfüllung
vorgegebener quantitativer und qualitativer Leistungskriterien
geführt werden muss. Ich will das zum Abschluss meiner
Ausführungen an der Qualitätssicherung in Lehre und Studium durch Evaluation und Akkreditierung zu erläutern versuchen.
In Niedersachsen werden in einem fünf- bis sechsjährigen
Zyklus alle Studiengänge einer internen Evaluation mit
anschließender externer Begutachtung durch eine
Expertengruppe unterzogen. Ziel ist die Aufdeckung und
nachfolgende Umsetzung von Verbesserungsmöglichkeiten,
die auf der Grundlage des Gutachtens in einem mit der
zuständigen Fakultät abgestimmten Maßnahmenkatalog festgehalten werden. Nach etwa zweieinhalb Jahren wird überprüft, ob die Maßnahmen umgesetzt wurden.
Für die neuen Bachelor- und Masterprogramme, die die bisherigen Studiengänge ablösen sollen, ist darüber hinaus ein
ähnlich aufwändiges Akkreditierungsverfahren vorgesehen.
Durch die Akkreditierung soll sichergestellt werden, dass die
Programme den durch Gesetz und Verordnungen festgelegten Kriterien genügen. Die Akkreditierung ist befristet, muss
also wiederholt werden, wenn die Genehmigung zur Durchführung des Programms nicht erlöschen soll. Hier steht nicht
Qualitätsverbesserung, sondern Gewährleistung einer Mindestqualität im Vordergrund – also „Konsumentenschutz“ –
wenn Sie so wollen.
Der Aufwand in diesen programm- oder studiengangsbezogenen Evaluations- und Akkreditierungsverfahren ist erheblich.
Er ist nur zu rechtfertigen, solange der Wettbewerb so
schwach ausgeprägt ist, dass die Abweichungen von der
durchschnittlichen Qualität sowie die Selektivität der
Zulassung von Studieninteressenten zu den Studienprogrammen gering sind und solange die Ausbildungsleistungen
kostenlos in Anspruch genommen werden können.
Entwickelt sich aber ein finanziell folgenreicher inter- und
intrainstitutioneller Qualitätswettbewerb, so implementieren
die Hochschulen und ihre organisatorischen Untereinheiten,
die Fakultäten oder Institute, eigene Verfahren zur systematischen Qualitätsentwicklung. Die externen Evaluationsverfahren können dann darauf ausgerichtet werden, das
Qualitätsmanagement der Hochschulen verbessern zu helfen.
Ist ein funktionierendes Qualitätsmanagement vorhanden, so
gilt die Qualitätsvermutung, bis Stichproben oder statistische
Indikatoren einen Problemfall signalisieren. Die Reakkreditierungsverfahren können dann auf diese Stichproben und auf
Problemfälle beschränkt werden.
Diese Argumentation unterstreicht, dass hoher bürokratischer
Kontrollaufwand das Korrelat fehlenden Wettbewerbs ist. Es
kommt jetzt darauf an, zu erreichen, dass der bürokratische
Kontrollaufwand in dem Maße abgebaut wird, in dem sich
angemessene Instrumente und Rahmenbedingungen für funktionierenden Wettbewerb im Hochschulwesen entwickeln. Der
Aufgabe, hierfür konkrete Vorschläge zu entwickeln, will ich
mich künftig im Rahmen meiner Professur und meiner
Aufgaben im deutschen und europäischen Qualitätssicherungssystem verstärkt widmen.
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Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
uni intern
Von Sängern, Tänzern und Präsidentensöhnen
Binsenwahrheit des Uniballs 2004: Wer nicht hereinkam, musste draußen bleiben – und verpasste viel
(os) Als die Letzten gehen, so
gegen 6 Uhr morgens, zeigt
sich im Osten bereits die
erste Morgenröte, verblasst
ein fingernagelbreiter Mond.
Die 200 waren der Rest von
3.500 Besuchern, die auf dem
Ball der Universität in der
Stadthalle die Nacht zum Tag
gemacht hatten.
Alles begann mit Olga und
Pierino. Clowns? Artisten? Zuzweit-Unterhalter? Irgendwie von
allem ein bisschen, was die beiden
Künstler ab 21 Uhr im Europasaal
zeigen. Pierino mit rotem Spitzhut
und riesigem Alpenhorn gibt eine
schräge musikalische Einstimmung
auf das Ballerlebnis der Saison.
Über viele Jahre haben die beiden
in der Manege des Zirkus Krone
gestanden, und nun präsentieren
sie ihr neues Programm. Unter
den Zuschauern am Rand auch
Dr. Hans-Jürgen Unverferth.
Immer wieder wirft er nervöse
Blicke, ob sich auch wirklich die
Säle füllen. Rund 3.100 Karten hat
der Ballorganisator der Univer-
Partygestimmt: Neben einem festlichen Kleid oder dem feinen Anzug
schmückt am meisten ein Lächeln die Besucher auf dem Ball der
Universität.
Fotos: Christoph Bertels
den aus. Ihm nicht mehr anzumerken sind die letzten Anstrengungen, als immer neue Pro-
Eingestimmt: Eine Profitanzgruppe brachte das Publikum mit Sambaund Rumbarhythmen auf Touren.
sität verkauft, hinzu kommen
Ehren- und Musikergäste. "Am
Schluss war die Nachfrage so
groß, da hätten wir noch mehr
Tickets brauchen können."
Gut eine Stunde später ist
kaum noch ein Durchkommen
möglich. Unverferth sieht zufrie-
bleme sich wie Berge vor das
Tanzvergnügen schoben. Zum Beispiel als im letzten Moment noch
immer nicht die Tonabmischung
im Europasaal funktioniert. Wie
gesagt, nun macht sich Entspannung breit. Auch bei Unverferth.
Wozu nicht zuletzt das Musikangebot beiträgt. Im Europasaal klingt es gegen 23 Uhr nach
internationaler Tanzmusik, und
nur wenige Schritte entfernt im
Niedersachsensaal lässt eine Band
gerade den Rock der Siebziger
wieder aufleben. Eingeklemmt
ungefähr in der Mitte zwischen
beiden Bühnen wird als Schnittmenge daraus etwas klanglich
Undefinierbares.
Seit 17 Jahren gibt es diesen
Ball, traditionell immer am zweiten Wochenende im November.
Aus kleinsten Anfängen mit 600
Gästen hat sich daraus etwas entwickelt, was eine durchaus nicht
unangenehme Eigendynamik bekommt, erinnert sich Unverferth,
der diese Nacht die meiste Zeit
vor den Bühnenbildschirmen verbringt, um zu schauen, ob auch
alles den rechten Gang geht. Was
nichts anderes heißt, als Spielzeiten zu überprüfen, Musiker in
ihren Garderoben zu motivieren
und den einen oder anderen Tipp
für eine moderate Programmänderung zu geben. Und so wie
jeder Ball ein Erlebnis ist, gehören
auch die Diskussionen beim Einlass dazu. So wie vor wenigen
Jahren, als kartenlose Kommilitonen mit Tricks Einlass begehrten. Und zwar mit Sprüche wie:
"Lassen Sie mich durch, ich bin
Arzt" oder der gerne genommene
Satz: "Ich bin der Sohn des
Präsidenten." Apropos, der damalige Präsident hat zwei Töchter.
Zurück in die Gegenwart.
Mittlerweile ist Mitternacht. Rolf
Stahlhofen, einer der "Söhne
Mannheims" gelingt es, die Menge
vor seiner Bühne zu versammeln.
Eine Stunde dauert sein Auftritt,
viele zieht es danach erst mal zu
einem kurzen Abstecher in den
Kongreßsaal. Bereits jetzt sind die
ersten Krawatten gelockert, ist so
manches Jackett verschwunden.
Die elf Bediensteten der Wachund Schließgesellschaft können
sich das allerdings nicht erlauben.
Gegen 2.30 Uhr in der Früh
gehen die ersten. Und zwar ins
Foyer, wo nun DJ Tom wie auch
in den vergangenen Jahren wieder
auflegt. Das dauert dann meist so
bis 5 Uhr und so auch in dieser
Nacht, Erfahrungswerte trügen
nicht.
Wohlgestimmt: Rolf Stahlhofen
Unverferth, der jetzt auch mal
seinen Beobachterplatz verlassen
hat, denkt nun schon über den
nächsten Ball nach. Vorlaufzeit: elf
Monate.
Als dann die Nacht zum Tag
wird, finden die Letzten den Weg
nach Hause. Am anderen Morgen,
wenn die Ballbesucher noch in
den Betten liegen, rückt bereits
das Reinigungskommando an.
Was bleibt? Neben den Erinnerungen einige Dinge, die sich
beim Getümmel von 3000 Menschen leicht mal verlieren lassen.
Worum ist es handelt? Nun, davon schweigt des Chronisten Höflichkeit.
Studentenwerk aktuell
Nachgekocht:
Mensa-Rezept
des Monats
Foto: Elena Scholz
Annelen Trost von den Wirtschaftsbetrieben des Studentenwerks lädt ein zum Jägertopf. Die Zutaten für 4 Personen sind:
500 g Hasenfilet
250 g Zwiebeln
50 g durchwachsenen Speck
500 g Pfifferlinge (frisch), bei
Dosenware ca. 100 g weniger
300 g Möhren
250 ml heiße Brühe
Petersilie, Margarine, Salz,
Pfeffer
Speck würfeln und in der
Margarine anbraten. Gewürfeltes Hasenfleisch dazugeben
und rundherum anbraten.
Dann Zwiebelwürfel zugeben
und 5 Minuten mitbraten.
Pfifferlinge putzen, waschen,
halbieren, Dosenware gut abtropfen lassen, Möhren putzen, in Scheiben schneiden. In
eine feuerfeste Form zuerst
eine Schicht Fleisch mit den
Speck- und Zwiebelwürfeln,
dann abwechselnd Pilze,
Möhren und wiederum Fleisch
einschichten. Jede Schicht
etwas salzen und pfeffern
(nicht zu kräftig). Heiße Brühe
angießen. Mit gehackter Petersilie bestreuen. Form mit
Deckel schließen und ca. 50
Min. bei 200 Grad im Backofen garen. Beilagen: Kopfsalat
in Joghurtdressing und Petersilienkartoffeln.
Guten Appetit!
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
20
Ungesund, aber dafür sehr billig
Jahnstraße: Wo heute Studenten wohnen, lebte früher Remarque
(os) Es war gängige und
zugleich gesundheitsschädliche Praxis: Familien ohne
finanzielle Absicherung zogen
in neu gebaute Häuser. Die
Mauern waren noch feucht,
die Bewohner wohnten sie
"trocken". Nach einer kurzen
Zeit zogen sie um, das Ganze
wiederholte sich von Neuem.
War die Miete auch gering,
bezahlten die Bewohner für
ihre Wohnung oftmals mit
schweren gesundheitlichen
Schäden wie Tuberkulose
oder Rheuma. Erich Maria
Remarques Eltern gehörten
zu den Familien, die auf das
"Trockenwohnen" angewiesen waren. In einem Wohnheim des Studentenwerks Osnabrück in der Jahnstraße 23
erinnert nun eine Gedenktafel an den weltberühmten
Osnabrücker Schriftsteller.
Er wohnte dort von 1910 bis
1913.
PD Dr. Thomas Schneider reichen nicht die Finger an zwei
Händen, um aufzuzählen, in wievielen Wohnungen Remarques
vor dem Ersten Weltkrieg zum
"Trockenwohnen" einzogen. Allein in der Jahnstraße seien es
mehrere gewesen, so der Leiter
des Erich Maria Remarque-Friedenszentrums. Doch an keinem
der Häuser befand sich bislang ein
Hinweis auf den berühmten
Eingeweiht: Studentenwerksgeschäftsführerin Birgit Bornemann, PD
Dr. Thomas Scheider vom Remarque Friedenszentrum und der städtische Kultusdezernent Reinhard Sliwka (r.) freuen sich über die Gedenktafel.
Foto: Elena Scholz
Schriftsteller, der 1898 in Osnabrück geboren wurde und mit seinem Antikriegsroman "Im Westen
nichts Neues" in ganz Europa erfolgreich war.
Mit der Gedenktafel an dem
Studentenwohnheim soll sich dies
nun ändern. So werde mit der
Tafel ein weiterer Baustein gelegt,
um den Besucher darauf aufmerksam zu machen, „dass die Stadt
Osnabrück eng mit dem Schriftsteller verbunden ist”, betont der
Osnabrücker Kultusdezernent
Reinhard Sliwka.
Angeregt hat die Würdigung
Birgt Bornemann, Geschäftsführerin des Studentenwerks. "Erich
Maria Remarque hat sich zeit seines
Lebens für Frieden, Toleranz und
Humanität eingesetzt. Es wäre in
seinem Sinne, dass hier ein Wohnhaus für junge Menschen geschaffen
wurde, die aus aller Welt nach
Osnabrück kommen, um hier zu
studieren”, so Bornemann.
war eine Aktion, die
Tischlein ... EsAufsehen
erregte: Mitten
in der Mensa wurden vor kurzem ausgewählte
Gäste auf vornehmste Weise verköstigt. Mit
Kellnern, feinem Porzellan und erlesenen Speisen
wollte der Allgemeine Studierendenauschuss (AStA)
damit auf die möglichen Folgen einer Einführung von
Studiengebühren aufmerksam machen. Was gelang:
Neugierige Blicke von allen Seiten auf die schlemmenden „Nobel-Studierenden“, die sich allem
Anschein nach mal was ganz Besonderes leisten
können. Mit solchen und ähnlichen Aktionen soll in
den kommenden Wochen das Thema Studiengebühren in kreativer Weise ins Bewusstsein gerufen werden. Sonja Kolb und Tobias Nehren, AStAReferenten für Hochschulpolitik: "Wir haben noch
einige Ideen, um den Studierenden die möglichen
Folgen allgemeiner Studiengebühren anschaulich vor
Augen zu führen!" Ermöglicht und tatkräftig unterstützt wurde die ungewöhnliche Speisung vom
Studentenwerk Osnabrück.
(os/Foto: Elena Scholz)
21
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Studentenwerk aktuell
König Tischfußball und seine treuen Knappen
Mensa am Schloßgarten: Kickermeisterschaften führten überragendes Team zum Sieg
(os) Nach einem erfolgreichen Hinspiel im Januar regierte vor kurzem in der
Mensa am Schloßgarten an
zwei Tagen wieder König
Tischfußball. 64 Teilnehmer,
darunter erstmals auch sechs
Teilnehmerinnen hatten sich
um die Tische versammelt,
um die Nachfolge des amtierenden Mensameisters "Granitabwehr" zu klären. Die für
die Ausrichtung dieses sportlichen Events eigens gegründete Initiative zur Förderung
des Tischfußballs namens FöTisch hatte sich zusammen
mit dem AStA und dem
Studentenwerk der Universität für diese Tage einiges
einfallen lassen.
Zunächst kämpften die Teams
um eine gute Ausgangsposition für
die darauf folgenden K.O.-Runden.
Wertvolle Preise, wie Fahrräder,
DVD-Player und Schlagbohrmaschinen waren dabei nicht der einzige
Ansporn. Vor allem die Aussicht
auf dem Wanderpokal beflügelte
die Ballkünstler.
Auf gewohnt hohem Niveau
spielte auch das Studentenwerk
mit und bot zum sportlichen
Spektakel Delikatessen wie die
"Gerd-Müller-Dampfkartoffeln"
und "des Kaisers Leibgericht". Im
Foyer der aufwendig dekorierten
Mensa wurde den Spielern und
ihren Fans kostenlos Kaffee und
Kuchen geboten. "Ich freue mich,
dass unsere Mensen auch als
Kommunikations- und Kultureinrichten sehr gut angenommen
werden," erklärt die Geschäftsführerin des Studentenwerks Birgit
Bornemann. Von der Idee des
MensaKickerCups begeistert greift
sie auch gerne selbst im Team mit
dem Leiter der Wirtschaftsbetriebe Gernot Tietze zu den
Kickerstangen.
Mit von der Partie waren erstmals die beiden Maskottchen des
Turniers. "Mit salzigen Heringen
und Eisbonbons haben der Fisch
und der Eisbär um die Gunst der
Studierenden gebuhlt und sich am
Kickertisch schnell in die Herzen
der Studierenden gespielt", so
Maik Möller und Bodo Geerds,
die Initiatoren des Turniers. Die
beiden Jurastudenten haben schon
im Vorfeld den MensaKickerCup
Sieger: Die Gewinner des Kickerturniers bekamen ihre Preise von der
Studentenwerks-Geschäftsführerin Birgit Bornemann überreicht.
Foto: Elena Scholz
mit sehr viel Engagement vorangetrieben und in der Öffentlichkeit
bekannt gemacht. Sogar der in der
Stadthalle gastierende Deutsche
Fußball Bund (DFB) machte dem
Turnier seine Aufwartung.
Als Hauptsponsor konnte der
Finanzdienstleister MLP gewonnen
werden, ein Glücksfall für das
Turnier, schließlich fühlt sich das
Unternehmen auch für die Zukunft dem Kickersport verpflichtet. Der Baumarkt Hornbach un-
Radio
terstützte den MensaKickerCup
darüber hinaus mit einigen Sachpreisen. Die Siegerehrung übernahm Birgit Bornemann. Bei den
Endrunden am Freitag war auch
DJ Thomas von "Qlisse" und
"Mondflug" gut aufgelegt, als er
zur Freude aller in der Mensa sein
Stelldichein gab.
Die Endspiele waren erstklassig besetzt. In der Hauptrunde
trafen Holzbein Osnabrück und
die Torschusspanik aufeinander.
Nach vergebenen Großchancen
auf beiden Seiten siegte schließlich
die "Torschusspanik", und Burkhard Schubert und Hans-Hermann
Hunfeld waren in der glücklichen
Lage, Ihren Heimweg auf den
gewonnenen Fahrrädern antreten
zu können. Die Unterlegenen
konnten mit ihren neuen DVDPlayern beim Betrachten des Films
"Das Wunder von Bern" die
Enttäuschung Ungarns wohl nur
allzu gut nachvollziehen. Den Preis
für das beste Frauenteam mussten
Annette Blind und Luise Marschall
zwar dem Team "HenJen" mit
Henrike Halbrodt und Jenny
Brandt überlassen, trotzdem
konnten sie stolz sein. "Unserem
Teamnamen Absolute Gewinner
sind wir leider nicht gerecht geworden. Es ist aber klasse, dass
sowohl Profis als auch Anfänger
gut mitspielen können! Beim nächsten Mal holen wir den Pott!",
scherzt Blind.
So viel ist sicher: Der MensaKickerCup ist bereits eine feste
Größe im Osnabrücker Veranstaltungsprogramm. Maik Möller
und Bodo Geerds sind sich sicher,
beim nächsten Mal noch einen
draufzusetzen und das erste Professorenteam an den Start zu bekommen.
Seit nunmehr acht
Jahren wird an der
Universität Radio gemacht. Der
Unifunk Osnabrück verfügt über
ein eigenes Studio in der Mensa
am Schloßgarten und produziert
jede Woche drei knapp einstündige Sendungen. Zu hören sind
die Musiksendung "Ufo - Slipped
Disc", das Uni-Magazin "UFO –
Das Magazin" und die
Kinosendung "UFO – 35mm" im
Programm von Osnabrücks
Lokalsender Osradio 104,8.
Möglich wird dieses Engagement
auch durch den Einsatz des
Studentenwerks, das die Räume
in der Cafeteria für den Unifunk
bereit stellt.
Der Unifunk Osnabrück sucht ständig neue Redakteure für Musik, Kinofilme, Nachrichten,
Veranstaltungstipps und Beiträge aller Art. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich! Hier lernt man Radio
von Grund auf! Für die Arbeit in der Redaktion stellt Osradio 104,8 eine Praktikumsbescheinigung aus.
Außerdem kauft der Sender zahlreiche Beiträge des Unifunks für sein eigenes Programm ein.
Die Redaktion trifft sich jeden Mittwoch um 20 Uhr im AStA-Gebäude an der Alten Münze, im zweiten
Stock. Der Unifunk ist per E-Mail erreichbar unter [email protected]ück.de. (os)/Foto: Oliver Schmidt
Namen und Nachrichten
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
22
Neu an der Universität
(os) Spätestens seit der PISA-Studie
ist bekannt: Andre Schulen braucht
das Land! Und auch die zweite PISAStudie hat das wieder bestätigt.
Was tun? "Wir müssen in den nächsten Jahren unbedingt Deutschlehrer ausbilden, die es schaffen, das
Schönen in der Literatur? Musan
verneint: "Nein, es gilt eher das
Gegenteil: Ein solcher Blick sensibilisiert für die Feinheiten des sprachlichen Ausdrucks."
Und dieser Blick führte Musan nach
der Promotion an die Berliner
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft: Prof. Dr. Renate Musan
Textverständnis – nicht ohne
Grund als Schlüsselqualifikation
bezeichnet – und die Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Schüler zu verbessern", erklärt Prof. Dr. Renate
Musan. "Außerdem müssen sie dazu
in der Lage sein, die besonderen
Sprachschwierigkeiten von Migrantenkindern zu erkennen und zu beheben. Das alles ist nicht einfach. Deswegen brauchen gerade unsere zukünftigen Deutschlehrer eine hervorragende Ausbildung." Seit Anfang
Oktober diesen Jahres hat Musan
eine Professur für die Sprachwissenschaft des Deutschen im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft inne.
Deutsche
Sprache,
schwere
Sprache? Für die gebürtige Schleswig-Holsteinerin stellt sich diese
Frage nicht. Bereits während der
Schulzeit interessierte sie sich für
den passenden Ausdruck, die richtige Zeitform, für Genitiv, Akkusativ
und Dativ. "Ich habe schon damals
sehr gerne gelesen und geschrieben." Im fernen Konstanz (fern von
Neumünster aus gesehen) begann
sie 1982 Theoretische Linguistik,
Neuere Deutsche Literatur und
Philosophie zu studieren.
Fünf Jahre später folgte der Magister, und zur Promotion ging es
dann ans Massachusetts Institute of
Technology, das berühmte MIT,
nach Cambridge bei Boston. 1995
reichte sie ihre Doktorarbeit ein,
darin ging es um die Zeitinterpretationen von Substantiven, und
apropos Zeit: Bereits damals stand
für die junge Doktorandin eines
unzweifelhaft fest: "Ich wollte Wissenschaftlerin bleiben."
Aber mal ehrlich: Thomas Manns
"Zauberberg" mit den kunstvoll aufeinandergetürmten Sätzen. Oder
Günter Grass‘ barocke Ausdrucksweise. Und dann die Zeitinterpretationen von Substantiven. Tötet
sprachwissenschaftliche Forschung
nicht die ungetrübte Freude am
Prof. Dr. Renate Musan
Foto: Elena Scholz
Humboldt-Universität. "Ein Kulturschock", so bezeichnet sie heute
den Wechsel von den Vereinigten
Staaten zurück nach Deutschland.
"An eine Großstadt vom Schlage
Berlins musste ich mich erst gewöhnen, die Menschen sind ganz anders
als in den USA."
(os) Seit Anfang November hat
Prof. Dr. Siegrid Westphal die
Professur für Geschichte der
Frühen Neuzeit inne. Um es gleich
vorweg zu sagen: Damit kommt
zusammen, was zusammen gehört.
Denn einer von Westphals wissenschaftlichen Schwerpunkten liegt in
der Reformationsgeschichte und
deren Auswirkungen. Wo lassen
ne Dr. phil. hoffte sie, dass ihr
Weg in die Wissenschaft führen
werde. Bereits von 1986 bis 1989
war sie als studentische Hilfskraft
an der Universität der Bundeswehr in München tätig, eine
Aufgabe, die sie bis 1994 am
Institut für Internationale Politik in
Hamburg weiterführte. Dabei bildete sich ein weiterer Schwer-
Und jetzt Osnabrück. Hier fühlt sich
die Mutter einer sechsjährigen Tochter wohl. Die Stadt, die Menschen:
nett, voller Charme. Und hinzu
kommt, dass der Lebensgefährte in
den Niederlanden arbeitet, da sind
die Entfernungen auch leichter zu
überwinden als von der Hauptstadt
aus. Für Lehre und Forschung hat
Musan feste Vorstellungen. Großen
Raum nimmt die Lehramtsausbildung
ein. Veranstaltungen zu Grammatik,
Orthographie und Textlinguistik stehen weit oben auf der Agenda. Und
darüber hinaus möchte die Wissenschaftlerin die Verbindung zu regionalen Schulen ausbauen – ein Bereich,
der ihr besonders am Herzen liegt,
wie sie erklärt.
Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften: Prof. Dr. Siegrid Westphal
sich diese besser erforschen als in
der Stadt des Westfälischen Friedens von 1648?
Westphal, geboren 1963 in Celle,
begann 1982 ein Studium der
Evangelischen Theologie an der
Johannes-Gutenberg-Universität in
Mainz. Was sie dabei besonders
interessierte, war die Reformationsgeschichte. Vier Semester
später wechselte sie zur Geschichte und Kunstgeschichte,
behielt aber die inhaltlichen
Schwerpunkte bei. Bis heute
kommt ihr die theologische
Grundausbildung zugute: "Gerade
bei der Reformationsgeschichte ist
es wichtig, die theologischen
Fragen zu kennen, die letztendlich
zur Reformation geführt haben",
erklärt die Wissenschaftlerin.
1989 schrieb sie ihre Magisterarbeit und begann die Vorarbeiten
zu ihrer Promotion. In der 1992
eingereichten Untersuchung ging
es um die Stellung der Frau in der
lutherischen Konfessionalisierung.
Und spätestens als frisch gebacke-
punkt heraus, die Beschäftigung
mit der Außenpolitik: "Etwas, was
mich heute noch sehr interessiert." Ergebnis dieser Tätigkeit
waren Aufsätze zu den deutschamerikanischen Beziehungen oder
sicherheitspolitischen Fragen.
Doch die Frühe Neuzeit erwies
sich als ihr eigentliches Interessengebiet: 1994 wurde sie Wissenschaftliche Assistentin an der
Friedrich-Schiller-Universität in
Jena, wo sie sich mit einer Arbeit
zur Reichsgerichtsbarkeit habilitierte. Nach drei weiteren Jahren
als Leiterin von Nachwuchsgruppen ging es nun nach Osnabrück. Wobei zunächst die Unterschiede in den Blick geraten:
Auf der einen Seite Jena, die Alma
mater, an der Schiller als Historiker wirkte, und auf der anderen
Seite Osnabrück, eine Gründung
der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Fiel er schwer,
der Wechsel? "Natürlich prägen
die zehn Jahre in Jena, gerade weil
man gemeinsam etwas aufgebaut
Prof. Dr. Siegrid Westphal
Foto: privat
hat. In Osnabrück herrschen völlig
andere Rahmenbedingungen, aber
auch hier gibt es viele Chancen,
Neues zu gestalten", so Westphal.
Allein der Westfälische Friede
sowie die hiesige Friedensstiftung
sind Anreiz für Forschungsschwerpunkte. Und in der Lehre will
Westphal neben den bestehenden
Gebieten Neuland erschließen. Darunter fallen Themen wie Geschlechtergeschichte oder Rechtskultur. Bei so verschiedenen Ansatzpunkten muss man gut vernetzt
sein. So hat Westphal bereits Kontakt zum Staatsarchiv aufgenommen. Darüber hinaus bestehen
enge Beziehungen zum Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
Ein Punkt, auf den die Historikerin
Wert legt, ist die Nachwuchsförderung. Auch eine Aufgabe, die
sich hier hervorragend verwirklichen lässt, wie die verheiratete
Wissenschaftlerin sich sicher ist.
23
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Namen und Nachrichten
Neu an der Universität
(os) Mal angenommen, wir befehlen einem Roboter: Fahre den Flur
entlang und in dieses bestimmte
Zimmer hinein. Da hat man nun
zwei Möglichkeiten: "Entweder
man programmiert haarklein
jeden Zentimeter Fahrt und jede
Kurve oder man stellt ihm die
der Informatik an der Technischen
Universität Braunschweig. Später
wechselte er an die Universität
Bonn, wo er auch sein Diplom
machte. In der 1986 abgeschlossenen Promotion beschäftigte sich
der gebürtige Kieler mit der
Verwendung von mathematischer
Fachbereich Mathematik/Informatik:
Prof. Dr. Joachim Hertzberg
Lösung der Aufgabe frei", erklärt
Prof. Dr. Joachim Hertzberg.
Wird die zweite Methode gewählt, kann der Roboter auch
unvorhergesehene Hindernisse
bewältigen, wie beispielsweise jemandem, der sich ihm in den Weg
stellt, auszuweichen. Eine solche
Art der Programmierung ist aber
anspruchsvoller. Der Informatiker
Logik in der Handlungsplanung.
Und wie auch bei der Programmierung der Roboter, zeigten sich
zwei Möglichkeiten für den jungen
Forscher: entweder ein Arbeitsplatz in der Wirtschaft oder die
Forschung. Hertzberg entschied
sich für das zweite, wohl wissend,
dass sein damaliger Arbeitsschwerpunkt Expertensysteme ihm auch
einen sicheren Job in einem Unternehmen gesichert hätte.
Dienstjubiläum
Renate Koch, Fachbereich Biologie/Chemie, ist seit 25 Jahren im
Öffentlichen Dienst tätig (1. Oktober).
Prof. Dr. Joachim Hertzberg
Foto: privat
Hertzberg nennt so etwas seine
"Lebensforschungsaufgabe", die da
lautet: Wie kommt zielgerichtetes
Verhalten zustande?
Ja, wie? Hertzberg, seit September
2004 an der Universität Osnabrück als Professor für Wissensbasierte Systeme in der Informatik
beschäftigt sich genau mit der
Antwort auf diese Frage.
Bereits in der Schule interessierte
sich der heute 46-Jährige für alles,
was mit Transistoren und Elektronik zu tun hat. "Computer kamen ja
damals gerade erst auf, das war
Neuland." Hertzberg las in dieser
Zeit ein Buch über Informatik –
und verstand zunächst einmal gar
nichts. "Dann wollte ich wissen,
warum nicht und setzte mich so
lange daran, bis ich es kapiert
hatte."
Und damit war das Forschungsinteresse geboren. Nach dem Abitur begann Hertzberg ein Studium
Gitta Moehrke, Fachbereich
Biologie/Chemie, ist seit 25 Jahren
im Öffentlichen Dienst beschäftigt
(1. Oktober).
Die Entscheidung für die Wissenschaft brachte Hertzberg für
runde 18 Jahre an die GMD, die
Gesellschaft für Mathematik und
Datenverarbeitung nach Sankt
Augustin. Vor fünf Jahren ging die
Großforschungseinrichtung in einem entsprechenden FraunhoferInstitut auf. Hertzberg fand dort
ideale Voraussetzungen, um sich
seiner Forschungsfrage zu widmen. Und dort lernte er auch die
ersten mobilen Roboter kennen.
"Schuhkästen auf Rädern", nennt
er sie etwas despektierlich. Wobei ihn die Frage, wie man ihnen
zielgerichtetes Verhalten beibringen kann, immer noch umtreibt.
1995 folgte die Habilitation, wiederum ging es um Algorithmen
und die Darstellung von Wissen
für Handlungsplanung
18 Jahre reine Wissenschaft: Was
Hertzberg fehlte, war die Lehre.
Deshalb sei er immer mal wieder
"ausgebüchst", es ging nach Ber-
Ruf erhalten
keley, nach Neuseeland, zu einer
Professurvertretung an die Universität Dortmund auf eine Privatdozentur an der Universität
Bonn, und dann kam der Ruf nach
Osnabrück.
Hier findet der Wissenschaftler
Lehre und Forschung in einem
ausgewogenen Verhältnis. In seinen Veranstaltungen möchte er
vor allem Algorithmen und Anwendungen der flexiblen Verarbeitung von Wissen mit seinen
Studierenden behandeln. Seit 19
Jahren verheiratet, fühlt sich der
Forscher auch in seiner Freizeit
nicht alleine. Und was das Berufliche angeht, bekommt er Anfang
nächsten Jahres Gesellschaft.
Denn dann treffen die bereits
bestellten Roboter am Institut für
Informatik ein. Sie werden von
einer kleinen Spezialfirma geliefert, den Weg nach Osnabrück
müssen sie sich also nicht selber
suchen – jedenfalls vorerst nicht.
Wissenswert
Nach Osnabrück
Unizeitung 2005
Prof. Dr. Hildegard Keller
Burkard, Universität Zürich, an
den Fachbereich Sprach- und
Literaturwissenschaft – Professur
für Mediävistik/Deutsche Sprache
und Literatur des Mittelalters.
(os) Die nächste Ausgabe der
Universitätszeitung erscheint
im April. Redaktionsschluss ist
der 9. März. Wer interessante
Themenvorschläge hat, kann
sich an die Redaktion wenden.
Die e-mail-Adresse lautet:
[email protected]
Gerda Strobach, Fachbereich
Erziehungs- und Kulturwissenschaften, ist seit 25 Jahren im
Öffentlichen Dienst tätig (1. November).
PD Dr. Christoph König,
Deutsche Schillergesellschaft, an
den Fachbereich Sprach- und
Literaturwissenschaft – Professur
für Neuere und Neueste deutsche
Literatur an der Universität
Frankfurt a. M.
Ruf angenommen
Ruf angenommen
Impressum
ISSN 1613-6047
Herausgeber:
Der Präsident der Universität Osnabrück
Redaktion:
Oliver Schmidt (os)
Mitarbeit:
Aus Osnabrück
Nach Osnabrück
Prof. Dr. Rainer Hüttemann,
Fachbereich Rechtswissenschaften
– Professur für Bürgerliches Recht,
Handels-, Bilanz- und Steuerrecht
an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
PD Dr. Renate Musan, Humboldt-Universität Berlin, an den
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft – Professur für
Sprachwissenschaft des Deutschen.
Prof. Dr. Robert Pütz, Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften – Professur für Sozialgeographie mit dem Schwerpunkt:
Bevölkerungs- und Migrationsforschung an der Universität Frankfurt a. M.
PD Dr. Siegrid Westphal, Universität Jena, an den Fachbereich
Kultur- und Geowissenschaften –
Professur für Geschichte der
Frühen Neuzeit.
Dr. Utz Lederbogen (ul)
Elena Scholz (es)
Redaktionsanschrift:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Neuer Graben/Schloss, 49069 Osnabrück
Tel. (0541) 969-4516, Fax (0541) 969-4570
[email protected]
Titelseite/Bildbearbeitung:
Bruno Rothe, Georgsmarienhütte
Druck: Druckerei Grote, Bad Iburg
Auflage: 5.000 Exemplare
Nächste Ausgabe: April 2005
Redaktionsschluss: 9. März 2005
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die
Meinung des Verfassers wieder, nicht unbedingt die
des Herausgebers oder die der Redaktion.
Uni-Spiegel
24
Zeitung Universität Osnabrück 2004/5
Menschen an der Universität: Anja Westermeyer
(os) Ein Feuerwerk. Farbige Lichter vor nachtschwarzem Himmel.
Es entsteht das Bild einer Palme.
Die Menge hält den Kopf in den
Nacken. Raunen und Staunen:
"Aaaaah, Ohooooooh." Zehn Minuten, höchstens eine Viertelstunde, dann ist alles vorbei. Was
bleibt, ist Aufräumarbeit. Die
Gestelle für die Bomben müssen
demontiert, alles wieder sicher
verpackt und verstaut werden.
Und mittendrin Anja Westermeyer. Die zierliche junge Frau
mit den blonden Haaren muss sich
mühen, aber sie macht es gerne,
es ist ihr Hobby: "Da ist man in
der freien Natur und kann auch
mal richtig mit anpacken, das
gefällt mir."
Gefallen daran findet sie vor allem
als Ausgleich zu ihrer Arbeit im
Studierendensekretariat. Seit Dezember 2000 ist die 28-Jährige
dort als Verwaltungsfachangestellte beschäftigt, zunächst mit befristeten Verträgen, seit kurzem aber
in unbefristeter Stellung. Zu ihren
Aufgaben gehört alles, was mit der
Zulassung und der Immatrikulation der Studierenden zusammen hängt. Darüber hinaus
betreut sie noch die Verwaltung
des Gasthörerprogramms sowie
die Ergänzungsstudiengänge. Also
eine Menge Publikumsverkehr,
Kontakte zu allen möglichen Menschen. Gerade das ist es, was die
gebürtige Delmenhorsterin mag.
Dabei hätte eigentlich alles ganz
anders kommen sollen. Nach der
Schule wollte Anja Westermeyer
in einer Spedition ihre Ausbildung
machen. Um zu erproben, wie es
um ihre Bewerbung bestellt ist,
Bombig vorbereitet: Anja Westermeyer kennt sich aus mit brenzligen
Situationen.
Foto: privat
bewarb sie sich zunächst bei der
Bundeswehrverwaltung. Sie bekam den Platz und war fortan für
drei Jahre in der Standortverwaltung in Delmenhorst tätig.
Dann folgten zwei Jahre direkt in
der Kaserne in Ostfriesland. Eine
schöne Zeit, nicht zuletzt, weil die
Soldaten zwar mitunter rauh im
Ton sein konnten, aber dafür
nicht nachtragend. Und – Anja
Westermeyer betont es lachend –
am Standort habe sie viel "für das
Leben gelernt". Zum Beispiel wie
man in einer Werkstatt arbeitet,
Reifen wechselt und so weiter.
Und privat ging es auch weiter.
Westermeyer lernte ihren damaligen Freund kennen und der
brachte sie nach Osnabrück.
Zunächst arbeitete sie im Staatsarchiv, aber: "Das war auf Dauer
doch zu wenig aufregend." Die
einzigen Feuerwerke, die dort
gezündet wurden, waren rein geistige und die meisten Besucher
Stammkunden. Stapelweise alte
Akten – da kam die Bewerbung an
der Universität gerade recht. Und
auch wenn die Arbeit hier immer
mehr anwächst, bei abnehmenden
Personalbestand, versteht sich, hat
die junge Frau alles gefunden, was
sie gesucht hat. Vor allem viele
Menschen um sie herum.
Was die Feuerwerkerei angeht, ist
aus dem Hobby mehr geworden.
Auch wenn der damalige Freund
nun nicht mehr "der" Freund ist,
versteht man sich gut und arbeitet
in der Freizeit zusammen an der
kurzzeitigen Illumination des
Nachthimmels. Und das nicht nur
in der Region. Höhepunkt, sozusagen besondere Lichteffekte waren
unter anderem das Feuerwerk zur
Bambi-Verleihung in Hamburg und
die chaotische Bühnenpyrotechnik
zur "Modern Talking"-Tour. Ihr
vorerst letztes Event: das Friedensleuchten vor dem Osnabrücker
Rathaus. Dazu mussten etliche
Meter Kabel verlegt und das
Feuerwerk sekundengenau nach
dem Takt der Musik gezündet werden. Dass ein solch ungewöhnliches
Hobby auch die Kolleginnen und
Kollegen spannend finden, versteht
sich von selbst. Gerne sind sie
bereit, soweit es die dienstlichen
Verpflichtungen zulassen, Anja
Westermeyer den nötigen Freiraum zu schaffen. Und später dann
erzählt die junge Frau ihren Mitarbeitern davon, was sie erlebt hat.
Zum Beispiel vom Leuchten vor
tintendunklem Himmel, der Natur
ringsrum, die dann minutenlang in
allen Farben schillert. Und von
diesem Raunen und Staunen, das
mal wieder durch die Menge ging.

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