Leipziger Lerche

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Leipziger Lerche
34 35 :: :: Frühling
Herbst 2011
Studentenzeitschrift des Studienganges Buchhandel|Verlagswirtschaft der HTWK Leipzig
Leipziger Lerche
Der junge Blick auf die Branche
Spot an, Buch auf!
Inhalt :: 3
Inhaltsverzeichnis
Editorial .................................................................................................... 4
Themen die uns bewegen
Nachgefragt: Lesegewohnheiten ................................................................ 7
Aktuell
Von Singvogel bis Leckerei ............................................................................... 10
Mit allen Sinnen ................................................................................................ 13
Frauen im Chefsessel ........................................................................................ 16
Tauschbörsen .................................................................................................... 18
Das gute Gewissen beim Lesen ........................................................................ 28
Der Bücherwurm .............................................................................................. 32
Branche
Le Bleuet ........................................................................................................... 6
Was macht eigentlich ...? .................................................................................. 9
Literaturagenturen ............................................................................................ 30
Buchmarktforschung
My Slovenia ....................................................................................................... 8
Spezial „Spot an, Buch auf!“
Vom Olymp bis in die Hölle ............................................................................. 20
15. Literarischer Herbst ..................................................................................... 22
Der Leipziger Hörspielsommer ........................................................................ 24
Schaurig schöne Unterhaltung ......................................................................... 26
HTWK
In a City Fast and Big ....................................................................................... 12
Ein „HTWK-Urgestein“ geht ............................................................................ 35
Rezensionen – Aufgeschlagen
Erinnerungen einer Muse ................................................................................
Necropolis .........................................................................................................
Im Jenseits ist die Hölle los ..............................................................................
Sag es mir .........................................................................................................
36
36
37
37
Quiz ............................................................................................................. 38
Impressum ................................................................................................... 38
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
4 ::
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
:: 5
Editorial
Leipziger Lerche Herbst 2011
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
pünktlich zur Frankfurter Buchmesse halten Sie die neue, acht Seiten stärkere Ausgabe der
Leipziger Lerche in den Händen. Wie immer warten spannende Themen rund um die Buchund Verlagsbranche auf Sie.
Haben Sie schon mal auf einer Bühne gestanden? Nein? Müssen Sie auch nicht. Aber zu
einer hingehen sollten Sie. Neben Theatern und Konzerten haben sich in den letzten Jahren
diverse „Randgruppen“ herausgebildet, die für jede künstlerische Neigung etwas bereithalten. Auch auf literarischer Ebene finden solche Veranstaltungen statt. Sofort denkt der ein
oder andere an den Poetry Slam. Es gibt aber auch eine andere Form des Vortragens, welche
sich immer größerer Beliebtheit erfreut – die Lesebühnen. Ursprünglich aus Berlin kommend, haben sie jetzt auch in anderen Städten Einzug gehalten. Wir haben uns in Leipzig
umgeschaut und ein paar Lesebühnen besucht. Die Erfahrungsberichte dazu finden Sie in
unserem Spezial.
Sollten Sie dann Lust bekommen selbst zum Stift zu greifen und einen Text zu schreiben,
der auch verlegt werden soll, hilft Ihnen der Artikel über Literaturagenturen weiter. Diese unterstützen unbekannte Autoren dabei, in der riesigen Welt der Verlage Fuß zu fassen. Welche
Vor- und Nachteile das Einschalten einer solchen Agentur mit sich bringt, haben wir für Sie
herausgefiltert und analysiert.
Unser Bericht über das Kimifestival in München soll speziell den Lesern Lust auf mehr
machen, die den Kriminalromanen verfallen sind. Das Team von der Buchmarktforschung
war wieder für Sie unterwegs und traf diesmal eine Mitarbeiterin der Slovenian Book Agency, um mit ihr über die Entwicklung des Buchmarktes in Slowenien zu reden.
Braille, die Schrift der Blinden, ist vielen mittlerweile ein geläufiger Begriff. Doch wie
sieht es mit der Zukunft des Buchmarktes für Blinde aus? Die Lerche sprach mit Dr. Thomas
Kahlisch unter anderem darüber, warum von 100.000 Neuerscheinungen lediglich 1.700 bis
2.000 Bücher in einer blindengerechten Ausgabe veröffentlicht werden können.
Diese und noch viel mehr Themen erwarten Sie in dieser Ausgabe. Im Namen der Redaktion wünsche ich allen treuen und neuen Lesern eine genüssliche Lektüre.
Ihre Marianne Jende
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
6 :: Branche
Le Bleuet
Bücherparadies im französischen Nirgendwo
© Wiebke Weber
Auf einem kleinen Hügel, umgeben von
Lavendelfeldern, liegt Banon, ein mittelalterliches Dorf in der Region Alpes-deHaute-Provence in Frankreich. Der abgelegene Ort zählt knapp 1.000 Einwohner
und wenn man so durch die leicht urigen
Gassen spaziert, fällt die Vorstellung schwer,
dass sich nur wenige Ecken weiter eine der
größten Buchhandlungen ganz Frankreichs
befindet.
Die Erfolgsgeschichte
„Die Bewohner fragten sich, wer dieser Verrückte sei und die Verlage musterten mich
mit seltsamen Blicken.“ Als Joël Gattefossé
im Jahr 1990 nach Banon kam und seinen
Laden eröffnete, hatte er neben Papeterieund Geschenkartikeln nur 77 Titel auf Lager.
Doch die Idee war da: er wollte Buchhändler sein. Und so überstand er die harten
Anfangsjahre, in denen er sich nebenher als
Schreiner über Wasser hielt.
„Le Bleuet“ – die Kornblume – zieht heute viele Leser an, nicht nur aus der Region,
sondern aus ganz Frankreich und sogar dem
Ausland. Wahrscheinlich hat dazu vor allem
der besondere Charme des Geschäfts beigetragen. Vom Keller bis zur dritten Etage –
jeder freie Zentimeter ist hier mit Büchern
gefüllt.
Und da Joël Gattefossé aus Prinzip jedem
Buch seine Zeit lässt und es nicht wie andere Buchhändler schon nach wenigen Monaten an den Verlag zurückschickt, findet man
hier auch Bücher, die anderswo schon längst
nicht mehr erhältlich sind. Ein wahrer Platz
für Entdecker also.
Große Zukunftspläne
Heute sind in dem ehemals kleinen Geschäft bereits über 107.000 Titel verfügbar.
Doch dabei soll es nicht bleiben. Ein riesiges
Lagerhaus im Gewerbegebiet von Banon
befindet sich bereits im Bau. Aus Holz, mit
begrüntem Dach und durch Solarenergie
versorgt – so sieht das Traumprojekt von
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Gattefossé aus, der damit auch in den Versand- und Internetbuchhandel einsteigen
möchte. Wenn es nach ihm geht, ist „Le
Bleuet“ im Jahr 2015 die Buchhandlung mit
der größten Titelanzahl in ganz Frankreich.
Mindestens 300.000 Titel sollen dann in
Banon verfügbar sein.
Für die Besucher vor Ort soll sich allerdings nicht viel ändern, denn die Buchhandlung selbst zieht nicht um. Falls jedoch zukünftig ein Kunde nach einem Buch sucht,
das nicht im Laden, dafür aber im Lager
vorrätig ist, kann er sich vergnügt auf eines
der extra bereitgestellten Elektrofahrräder
schwingen und auf dem Weg zum Lager die
ruhige, ländliche Atmosphäre der Provence
genießen.
Wiebke Weber
Themen die uns bewegen :: 7
Nachgefragt
„Mein leidiges Problem ist es immer,
dass ich dummerweise anfange mehrere Bücher auf einmal zu lesen. Das
artet dann immer in einer absoluten
Katastrophe aus.
Meistens entdecke ich ein tolles
und dann noch ein tolleres. Ja dann
dauert’s immer ein paar Monate bis
ich die drei, vier durchhabe. “
Matthias, Museologie
„Suchtartig! Also ich kann eigentlich nicht
ohne etwas zu Lesen aus dem Haus gehen,
dann fühle ich mich nicht wohl.“
Antje, Museologie
Was habt ihr für
Lesegewohnheiten?
„Ich lese immer mehrere Bücher zur selben
Zeit. Mindestens zwei: ein schweres, das ich zu
Hause lese und ein leichtes, das ich unterwegs
dabei habe.“
Lydia, Soziale Arbeit
„Ich lese eigentlich jeden Tag. Überall. Im Bett, auf
der Couch, am Schreibtisch, in der Bahn. Überall.
Also mehrmals täglich. Verschiedene Tageszeitungen, Zeitschriften, dann natürlich Bücher über
den Studiengang, Sach-, Wissensbücher und Literatur.“
Claudia, Betriebswirtschaftslehre
„Im Bett, in der Badewanne, auf dem
Sofa, im Park, in der Bahn … überall.
Also außer auf dem Klo.“
Gesa, Buchhandel / Verlagswirtschaft
„Ich lese vorzugsweise im Zug
und da meistens Nachrichten
auf dem Handy oder Zeitungen.
Bücher immer mal, wenn ich
was Interessantes in die Hände
kriege, aber sonst eher weniger.“
Konrad, Architektur
„Ich lese gern in der Badewanne, aber im Moment
nicht so oft, weil ich keine habe. Nicht so gut ist,
dass ich beim Fernsehen lese. Also wenn irgendetwas
Langweiliges kommt, lass ich das so laufen und lese,
damit ich nicht dabei einschlafe. Manchmal lese ich
das Ende schon vorher.“
Anja, Bibliothekswissenschaften
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
8 :: Buchmarktforschung
My SLOVEnia
Mit Vlasta Vičič im Gespräch über den slowenischen Buchmarkt
© Helena Putsch
Die Slovenian Book Agency wurde 2008
durch das slowenische Kulturministerium
ins Leben gerufen, um Autoren und Bücher
aus Slowenien bekannter zu machen und
zu unterstützen. Die Agentur organisiert
die Übersetzung von Titeln ins Slowenische
sowie Messeauftritte in Leipzig, Frankfurt,
Bologna und im nächsten Jahr auch Prag
und Paris.
Sprache: Slowenisch,
Italienisch, Ungarisch
Am Messestand auf der Leipziger Buchmesse kam das Buchmarktforschungsteam
der Leipziger Lerche, das in jedem Semester den Buchmarkt eines anderen Landes
untersucht, mit Vlasta Vicic, einer Mitarbeiterin der Agentur, ins Gespräch.
Hauptstadt: Ljubljana
Ein kurzer Einblick:
Einwohnerzahl: 2.019.614
Der Slowenische Markt ist klein, für zwei
Millionen Einwohner in Slowenien werden
jährlich rund 4.000 Bücher veröffentlicht.
Dennoch sind Slowenen Buchliebhaber – es
gibt viele Autoren und Lyriker. Eine Buch-
Vlasta Vicic, Mitarbeiterin
der Slovenian Book Agency
Unabhängigkeit von
Jugoslawien am 25. Juni
1991
preisbindung existiert derzeit noch nicht, trotz
Bemühungen vieler Verlage, Einzelhändler
und Kultureinrichtungen. Wichtigster Partner im Lizenzgeschäft ist Deutschland, gefolgt von Italien. Mit Kroatien und Serbien
bestehen eine kulturelle Verbundenheit und
gute Handelsbeziehungen.
Leipziger Lerche:
Wie entwickelt sich der Buchmarkt?
Frau Vicic: Derzeit leider negativ. Bücher
werden bei uns sehr hochwertig hergestellt
und haben einen entsprechenden Preis. Ein
Hardcover kostet im Schnitt 25 bis 30 Euro.
Bei besonders niedrigen Auflagen, wie sie in
einem Land mit so wenigen Einwohnern wie
in Slowenien sehr häufig vorkommen, liegen
die Kosten teilweise noch höher. Zudem hat
Slowenien ein sehr gutes Bibliothekssystem.
Jedes noch so kleine Dorf hat eine eigene.
Deswegen werden Bücher zumeist geliehen
und selten gekauft. Was fehlt, sind leistungsstarke Einzelhändler.
Wie gelangen die Bücher zum Kunden?
Die Verlagshäuser beliefern die Einzelhändler
direkt – ein immenser logistischer Aufwand,
den sich kleine Verlage kaum leisten können.
Das ist ein großes Problem. Es bräuchte einen zwischengeschalteten Großhändler. Zur
Finanzierung eines solchen Großprojektes
fehlt es aber an den nötigen Geldern. In diesem Bereich gibt es derzeit keine staatlichen
Subventionen.
Welche Ziele verfolgt die Slovenian Book
Agency in den nächsten Jahren?
Wir wollen slowenische Autoren im Ausland
bekannter machen. Es soll zudem mehr
Übersetzungen in andere Sprachen geben.
Helena Putsch und Lydia Kraske
Das vollständige Interview finden Sie auf
www.buchmarktforschung.wordpress.com.
Bitte beachten Sie auch die Buchrezension auf
Seite 36.
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Branche :: 9
Was macht eigentlich ...?
Uwe Kalkowski – Absolventenjahrgang 2001
Leipziger Lerche:
Warum haben Sie sich nach Ihrer Ausbildung zum Buchhändler für das Studium
Buchhandel/Verlagswirtschaft entschieden?
Uwe Kalkowski: 1995 hatte ich meine Ausbildung beendet und war danach mit Leib und
Seele als Buchhändler tätig. Nach einiger
Zeit wollte ich einen Schritt weitergehen,
ohne dabei die Buchbranche zu verlassen.
Was lag da näher als das Studium in Leipzig?
Zwei Jahre später bin ich dann nach Leipzig
gezogen. Während des Studiums habe ich
dann wieder nebenbei als Buchhändler gearbeitet – erst in der Spezialbuchhandlung
Reisefibel, dann bei Hugendubel.
Sie sind derzeit beim RWS Verlag als Marketingleiter tätig. Inwiefern beeinflusst der
Trend zu neuen Medien Ihre Arbeit im Fachverlag?
Der RWS Verlag ist ein juristischer Fachverlag, der sich auf wirtschaftsrechtliche
Themen, insbesondere das Insolvenz-, Gesellschafts- und Bankrecht spezialisiert hat.
Einige marktführende Titel dazu erscheinen
bei uns, unter anderem unsere Zeitschrift
für Wirtschaftsrecht (ZIP). Gerade im (Fach-)
Zeitschriftenbereich ist die Arbeit ohne neue
Medien undenkbar. Alle unsere Zeitschriften
sind online verfügbar, die Abonnenten haben freien Zugriff auf die Inhalte. Wer kein
Abonnent ist, kann die Beiträge einzeln auch
per Click&Buy erwerben. Hier kommt dann
auch Social Media ins Spiel: Wir sind beim
RWS Verlag ein Team begeisterter Twitterer
– die Redaktionen twittern Zeitschrifteninhalte, Gerichtsentscheidungen, weisen auf
aktuelle Aufsätze hin, das Marketing würzt
die Twitter-Meldungen mit Buchtipps oder
Empfehlungen zu unseren Seminarveranstaltungen. Der Click&Buy-Umsatz unserer
Zeitschrifteninhalte ist seitdem deutlich
gestiegen. Auch bei Facebook sind wir aktiv
und nutzen die dortigen Möglichkeiten – sei
es eine Fotostrecke vom letzten Buchhändlertag, den wir jedes Jahr veranstalten, Rezensionen, Hinweise zu Neuerscheinungen,
interessanten BGH-Urteilen und ähnliches.
Auch hier steigen unsere Zugriffszahlen
kontinuierlich.
Natürlich bin ich nicht den ganzen Tag
wie wild am Twittern. Im gesamten Marketing- bzw. Kommunikations-Mix machen
die Social Media-Aktivitäten nur einen kleinen Teil meiner Tätigkeiten aus, die – neben
konzeptioneller Arbeit – vom Erstellen klassischer Anzeigenwerbung, Vermarkten unserer Seminarangebote per Direktwerbung
bis hin zur Pressearbeit reichen.
Sie nehmen regelmäßig an den Alumnitreffen der HTWK Leipzig teil. Warum ist der
Austausch mit den Branchenkollegen für Sie
wichtig?
Das Schöne an unserer Branche ist, dass sie
so überschaubar ist. Man verliert sich nicht
aus den Augen. Daher sind die beiden Buchmessen für mich feste Termine im Kalender.
Klatsch und Tratsch, Nachrichten über berufliche Veränderungen im Bekanntenkreis,
fachlicher Austausch – darauf will ich nicht
verzichten.
Sie haben jetzt schon einige Jahre Berufserfahrung in der Verlagsbranche. Was können
Sie den jetzigen bzw. künftigen Buchhandel/
Verlagswirtschaft-Studenten mit auf den
Weg geben?
Mir haben die Praktika während des Studiums sehr viel gebracht, um herauszufinden,
was ich danach machen möchte. So kam ich
durch sie zu der Entscheidung, den Weg in
Richtung Werbung/Unternehmenskommunikation einzuschlagen. Auch die Kontakte,
die dort geknüpft werden, sind unbezahlbar.
Das Interview führte Julia Seitz
© Uwe Kalkowski
Die neuen Medien machen es vielen Verlagen, insbesondere Fachverlagen, nicht leicht,
auf dem Markt erfolgreich zu bestehen.
Die LEIPZIGER LERCHE sprach mit Uwe
Kalkowski, Marketingleiter beim RWS Verlag in Köln, unter anderem darüber, welche
Möglichkeiten der Verlag nutzt, um mit der
Zeit zu gehen und erfolgreich zu bleiben.
Uwe Kalkowski
1969 geboren in
Radolfzell am Bodensee
1993–1995 Buchhändlerlehre in Freiburg
1995–1997 Buchhändlertätigkeit in Freiburg
1997–2001 Studium
Buchhandel/Verlagswirtschaft an der HTWK
Leipzig
2001–2006 Marketingassistent beim Carl
Heymanns Verlag in Köln
2006–2009 Marketingmanager bei Wolters
Kluwer Deutschland in
Köln
Seit April 2009
Marketingleiter des
RWS Verlags in Köln
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
10 :: Aktuelles
Von Singvogel bis Leckerei
Die Vielfalt der Leipziger Lerche
Quelle für das Rezept
„Leipziger Lerchen“:
BF 08 der SusannaEger-Schule, Berufliches
Schulzentrum der Stadt
Leipzig,
zusammengestellt im
Rahmen einer Umfrage
zum Thema „Gose,
Lerchen, Allerlei – wie
begehrt sind die Leipziger
Spezialitäten?“ unter
1.000 Leipzigern und
einer Präsentation auf
dem 148. Tourismusfrühstück der LTM GmbH
am 30.09.2009
Sie kämpft ums Überleben, landet im Kochtopf und in Backstuben, wird zur Muse von
Studenten und endet schließlich als Preis
in einem Messingbehälter. Was haben all
diese Dinge gemeinsam? Die Bezeichnung
Leipziger Lerche.
Vögel
Die kleinen bis mittelgroßen Singvögel besitzen eine unscheinbare bräunliche Gefiederfärbung und ernähren sich von Insekten,
grünen Blattteilen und Sämereien. Weltweit
existieren etwa 85 Lerchenarten in 15 Gattungen. In Leipzig und Umgebung leben
Feldlerchen (Alauda arvensis), Haubenlerchen (Galerida cristata) und Heidelerchen
(Lullula arborea).
Genau diese Arten sind bereits auf der
Roten Liste der gefährdeten Brutvögel
Deutschlands vertreten. Besorgniserregend
ist der immer noch aktiv betriebene europäische Vogelfang, davon sind vor allem in
Frankreich heimische Lerchen betroffen.
Laut dem „Komitee gegen den Vogelmord“ werden dort jährlich rund 1,8 Millionen Feldlerchen durch Artgenossen angelockt, mit Netzen gefangen und verzehrt.
Gericht
Verfolgt, erschossen, gebraten und gegessen. Da Lerchen einst zu den Leipziger
Spezialitäten zählten, konnte ihr Leben ein
schnelles Ende nehmen. Wobei Vogelfänger die einzelnen Arten kaum voneinander
unterscheiden konnten, da Feldlerchen mit
aufgestellter Haube sehr den Haubenlerchen ähneln.
Der sächsische König Albert I. verbot jedoch nach Bürgerunruhen 1876 die Lerchenjagd. Damit landete kein Singvogel mehr
in der Pfanne und der Bestand konnte sich
vorerst erholen. Für Liebhaber dieser Delikatesse war das ein herber Schlag.
Zeitschrift
Die Zeitschrift des Leipziger Studienganges
Buchhandel/Verlagswirtschaft erscheint seit
1994 zweimal jährlich und richtet sich an die
gesamte Medienbranche. Die buchaffinen
Studenten planen Themen und erstellen die
Zeitschrift vom Entwurf bis zur Herstellung
eigenständig.
Das Lerche-Abo
Informativ, regelmäßig, kostenlos
Ja, hiermit abonniere ich die Leipziger Lerche. Ich erhalte zwei Hefte pro Jahr pünktlich zu den
Buchmessen kostenlos zugeschickt. Ich kann das Abonnement jederzeit kündigen.
Einrichtung/Firma: _____________________________________________________________
Name: ____________________________________________________________________________
Straße: ____________________________________________________________________________
PLZ, Ort: __________________________________________________________________________
Telefon: ________________ Fax:_______________________________________________________
E-Mail: ____________________________________________________________________________
Ort, Datum: ______________________ Unterschrift: ______________________________________
Karl-Liebknecht-Straße 145, 04277 Leipzig:: Fax 0341 / 3076-5455
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Preis
Ehrenwerte Persönlichkeiten wie „Die Prinzen“, Bernd-Lutz Lange und
Wolfgang Tiefensee erhielten diese Auszeichnung für ihre Leistungen.
Der Preis wird an Menschen verliehen, durch die das Ansehen von Leipzig
national und international wächst. Die vom Bildhauer Hartmut Klopsch
entworfene Messingskulptur besteht aus einem geflügelten Hut, der sich
auf einer Kugel befindet. Als besonderes Highlight enthält die Kugel das
Leipziger Lerche Gebäck.
Gebäck
Das Mürbeteiggebäck entstand als Ersatz für das Lerchengericht. In einigen Leipziger Konditoreien und Bäckereien können Feinschmecker in
den Genuss des süßen Gebäcks kommen. Wer neugierig auf die Marzipan-Lerche geworden ist, findet das Rezept zum Nachbacken auf dieser
Seite.
Tina Kutzschebauch
Leipziger Lerchen (Gebäck)
Mürbeteig:
© Tina Kutzschebauch
Rezept
• nach Grundrezept
Füllung:
• 100 g Mehl
• 125 g Zucker
• 80 g Margarine
• 2 Eier
• Erdbeerkonfitüre
• 5 geriebene bittere Mandeln
• 4 Esslöffel Milch
• 3 Esslöffel Rum oder Cognac
• Salz
• 125 g gehackte Mandeln, Nüsse oder Kokosraspeln
Leicht gefettete Förmchen mit dünn ausgerolltem Mürbeteig auslegen und jeweils
einen Klecks Konfitüre darauf geben. Die schaumig gerührte Margarine mit allen
Zutaten (1 Eigelb zurückbehalten) vermengen.
Die Masse in die Förmchen füllen, obendrauf kreuzweise zwei schmale, abgerädelte
Teigstreifen legen und mit dem verquirlten Eigelb bepinseln. Bei mittlerer Hitze etwa
25 Minuten backen. Als Gipfel der Verfeinerung gilt eine in die Marzipan-MandelFüllung eingebettete Maraschino-Kirsche.
12 :: HTWK
In a City Fast and Big
Impressions of the 2011 London Book Fair (LBF)
Itinerary point:
Reisepunkt
Ornate staircase:
verziertes Treppenhaus
Haunted:
heimgesucht
Chosen in advance:
im Voraus ausgewählt
Anticipate:
erwarten
Overwhelming:
überwältigend
© Katja Rohde
Sophisticated:
hochentwickelt
London – a five-day journey of nine HTWK
Publishing Management students with their
tutor Regina Bruch proved to be interesting,
funny and highly informative.
We arrived on a Friday in sunshine. So London was obviously very happy to have us
here. Our hostel “The Green Man‘‘ was very
London-like. If it was their plan to bring
people closer together it worked. After all,
their motto was “Everyone‘s welcome who
wel-comes everyone!“
The second day in town was also sunny.
So much for “rainy Britain“. We used the day
to walk through the city to discover various
museums and experience the British way of
life and a cup of tea. The first itinerary point
of the weekend was London‘s oldest bookshop, Hatchard‘s. The ancient furniture and
ornate staircase were particularly charming.
It‘s no surprise that Hatchard‘s is one of the
most beautiful bookshops in the world. We
hardly wanted to leave the place.
On Sunday we went on a little guided
tour which had been excellently prepared by some of our students. At the end of
the tour came the highlight of the day; the
visit to the BBC Broadcasting house. We were
informed about the history and the current
activities of the BBC and we learned that the
studios are still haunted by John Reith, the
founder and very first general manager of the
British Broadcasting Company. Two students of our group even had the chance to
participate in an amusing audio play.
Two days full of
London Book Fair
experiences
Our first impression
was that the exhibition area was much
smaller than Frankfurt
and even smaller than
the Leipzig Book Fair.
The atmosphere was
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
brilliant
though.
At the London
Book Fair you really meet the British
book world as most
publishing houses,
bookshops, literary
agencies and professional organisations
send their representatives to London.
We had all chosen in advance which presentations we were going to listen to, so that after
our visit to London we could exchange what
we learned with each other and our fellowstudents. At LBF you can get to know how
the British book world anticipates the future
of their line of business. Topics from “Why
publishers need a reading revolution“ to “The
great debate: Will publishers soon be
irrelevant“ as well as “Cloud publishing” or
“Transmedia and enhanced publications”
were included in the range of the LBF
specialist programme.On LBF day two we
met with students from Oxford Brookes University, one of the HTWK Leipzig‘s partner
universities. We talked about what studying
abroad would be like, discussed the advantages and got helpful advice.
On the last day we went to the British
Library, one of the largest libraries worldwide
holding about 150 million items from every
country in the world. Not only the exterior
and interior architecture was overwhelming
but also the mix of computer workplaces
right in front of ancient books, a highly
sophisticated book delivery system, the
patent library’s exhibition and of course
famous users like Johnny Depp and Stephen
Fry, who both like to do research for their
roles there, grabbed our attention.
After five days we got back safely having
survived our cabin fever and knowing that at
least one of us is going to return very soon
to do a five-month internship that she got
confirmed at LBF.
© Katja Rohde
Vocabulary
Katja Rohde
Branche :: 13
Mit allen Sinnen
Gegenwart und Zukunft des Buchmarkts für blinde Menschen
Ein Verlag, eine Druckerei und Buchbinderei,
ein Tonstudio, eine Begegnungsstätte: Die
DZB Leipzig ist mehr als nur eine Bibliothek
für blinde und sehbehinderte Menschen.
Seit über einhundert Jahren widmet sich die
Leipziger Einrichtung der Her- und Bereitstellung von Literatur und Informationen
für blinde und sehbehinderte Menschen. Im
Gebäude im Leipziger Waldstraßenviertel,
das ehemals die „Höhere Israelitische Schule
Leipzig“ beherbergte, arbeiten heute knapp
80 Mitarbeiter, die sich bemühen, dem explodierenden deutschen Buchmarkt gerecht
zu werden.
Doch die Kapazitäten sind begrenzt.
Lediglich 1.700–2.000 Bücher von jährlich 100.000 Neuerscheinungen auf dem
deutschsprachigen Buchmarkt können von
der DZB Leipzig und den weiteren Blindeneinrichtungen in Deutschland, Österreich
und der Schweiz in einer blindengerechten
Form zugänglich gemacht werden. Deswegen erscheint ein Großteil der Bücher entweder nur als Hörbuch im DAISY-Format
oder als Buch in Brailleschrift. Auflagen, die
im Verlagswesen der Schwarzschrift unter
Print on Demand laufen würden, sind bei
Punktschriftbüchern völlig normal. Nur acht
bis zehn Exemplare werden von den meisten
Titeln hergestellt. Verständlich, denn die Kosten für die Übertragung liegen je nach Umfang zwischen 1.000 und 10.000 Euro.
Vom Buch zur blindengerechten Ausgabe
In der DZB Leipzig kann jeder Schritt auf
dem Weg zu einer Braille-Ausgabe, von der
Auswahl über die technische Aufarbeitung
bis zur Herstellung, mitverfolgt werden.
Auch die Hörbuchproduktion findet im
Haus statt. Zudem werden in der Relieftechnik – mit viel Kreativität und Liebe zum
Detail – Grafiken, Kalender und Landkarten
reliefartig und kontrastreich für blinde und
sehbehinderte Menschen aufgearbeitet.
Gut ein Fünftel der Mitarbeiter der DZB
Leipzig ist blind oder sehbehindert, eine
Notwendigkeit für viele der täglichen Aufgaben. Zum Korrekturlesen der Braille-Bücher
beispielsweise arbeiten sehende und blinde
Menschen gemeinsam. Gegenseitig lesen
sie sich die Bücher passagenweise inklusive
aller Satzzeichen vor – abwechselnd aus dem
Originaltitel und der Braille-Version, die für
sehende Menschen nur sehr mühsam zu ertasten ist.
Die angeschlossene Bibliothek umfasst
mittlerweile mehr als 15.000 Braille-Bücher,
17.000 Hörbücher und 6.000 Noten, die
ausschließlich für blinde und sehbehinderte
Menschen ausleihbar sind.
Bücher mit sieben Siegeln – warum Braille?
Neuerungen wie das DAISY-Format gestalten das Hören von Büchern immer barrierefreier und angenehmer. Wer zum Frühstück
gern eine Zeitschrift hört, kann mit demselben Abspielgerät am Abend problemlos
an der Stelle im Krimi weiterhören, an der er
am Tag zuvor aufgehört hat.
Warum also noch Bücher in Brailleschrift?
Besonders für junge Menschen scheint diese Form des Lesens zunächst nicht mehr besonders relevant. Dr. Thomas Kahlisch betont
allerdings die Wichtigkeit der Punktschrift:
„Rechtschreibung kann man nur durch die
Aneignung von Schrift erlernen. Da reicht es
nicht, Bücher zu hören. Man tut gut daran,
Kinder zum Lesen zu animieren, weil sie in
der beruflichen Welt ohne das Lesen und
ohne die Kompetenz, sich mit Texten auseinanderzusetzen, nicht weiterkommen.“
Auch für das tägliche Leben – vom Ertasten von Wegweisern an öffentlichen Orten
bis zum Lesen der Packungsbeilagen von
Medikamenten – bleibt die Brailleschrift unerlässlich. Und auch Braille geht mit der »
© Dr. Thomas Kahlisch
Klein, anders, außergewöhnlich und wenig
präsent in der Öffentlichkeit – der Buchmarkt für Blinde. Ein Besuch in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig
(DZB) und ein Gespräch mit dem Direktor
Dr. Thomas Kahlisch gaben Antworten auf
Fragen, die es sich lohnt, zu stellen.
Dr. Thomas Kahlisch,
selbst blind, studierte
Informatik, promovierte
und arbeitete in einem
Forschungsteam der TU
Dresden an Möglichkeiten der Medienaufbereitung für blinde und
sehbehinderte Studierende.
Seit 1999 ist er Direktor
der DZB Leipzig und seit
kurzem Honorardozent
mit dem Schwerpunkt
barrierefreie Mediengestaltung an der Uni
und der Fachhochschule
Leipzig.
DAISY–FORMAT
„Digital Accessible
Information System“,
ein digital zugängliches
Hörbuchformat
SCHWARZSCHRIFT
Schrift für Sehende zur
Abgrenzung von der
Punktschrift für Blinde,
der Brailleschrift
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
14 :: Branche
BRAILLEZEILE
Ergänzung der Computertastatur für Blinde, die
Textzeilen in Dokumenten
in Brailleschrift darstellen
kann
LEIBNIZ
Projekt zur Entwicklung
von IT-Verfahren für individuelle Übertragungsdienstleistungen von
Sach- und Fachbüchern
für blinde und sehbehinderte Menschen. Ziel ist
eine Software, die in der
Lage ist, Text, Bilder,
Diagramme, Tabellen –
also auch graphische Details – automatisiert und
effektiv zu übertragen.
Zeit. Die Braillezeile beispielsweise stellt eine
praktische und auch mobile Möglichkeit dar,
Texte am Rechner für blinde Menschen lesbar zu machen.
Bedrohung eBook?
Wer an die Preise zur Produktion eines einzigen Buches in Brailleschrift denkt, könnte
schnell vermuten, dass das eBook eine
große Bedrohung für den Buchmarkt für
blinde und sehbehinderte Menschen darstellt, schließlich sind in absehbarer Zukunft
qualitativ hochwertige und kostengünstige
Vorlesefunktionen für Lesegeräte denkbar.
Dr. Thomas Kahlisch sieht Entwicklungen
auf diesem Gebiet sehr zuversichtlich entgegen: „eBooks sind keine Konkurrenz,
sondern eher eine Bereicherung für Blinde
und Sehbehinderte. Jedes Buch, das schon
barrierefrei und damit auch für blinde Menschen zugängig ist, müssen wir nicht mehr
übersetzen. Es gibt so viele andere Bücher,
die wir bereitstellen wollen, ohne derzeit die
Kapazitäten zu haben. Das ist eine große
Chance.“
Wen interessiert‘s?
© Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Der DZB Leipzig ist es ein großes Anliegen, das Thema Blindheit immer wieder in
die Öffentlichkeit zu tragen. Wenn es auch
sicher kein Tabuthema darstellt, so ist es
jedoch nicht präsent im täglichen Leben
der meisten sehenden Menschen. Deshalb
leistet die DZB Leipzig bei Messen oder mit
eigenen Veranstaltungen wie dem Weltkongress „Braille21 – Innovationen in Braille im
21. Jahrhundert“, der im September in Leipzig stattfand, wichtige Informations- und
Aufklärungsarbeit.
Die drei Ziele von Braille21 lauten größere
Verfügbarkeit, Sichtbarkeit und Bezahlbarkeit von Brailleschrift. „In der Gesellschaft
muss ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie wichtig Braille für die
Kommunikation blinder Menschen ist“, hält
Dr. Kahlisch fest, der weiter erläutert: „Das
fängt damit an, dass ich die Punktschrift im
Fahrstuhl oder an der Behördentür finde.
Es hört damit auf, dass ein älterer Mensch,
der mit zunehmendem Alter immer schlechter sehen kann, kostenlos einen Braille-Kurs
absolvieren kann, um mit seinen Enkeln
Karten zu spielen und seine Medikamente
zu erkennen.“
Auch im Buchmarkt für Blinde tut sich
viel, das zeigen Projekte wie Leibniz. An Entwicklungsprojekten der DZB wirken übrigens immer wieder Studenten der Fakultät
Medien der HTWK Leipzig mit. Viel muss
aber auch noch getan werden. Auf die
Frage nach Zielen, die die DZB Leipzig verfolgt, antwortet Dr. Kahlisch: „Wir würden
uns wünschen, dass die Verlagswelt die
Chancen des digitalen Wandels erkennt und
mit uns gemeinsam handelt. Ziel sollte es
sein, das Angebot in vielfältiger Form und
besonders auf mobilen Medien zugänglich zu machen. Das ist genau das, worüber
wir uns bereits seit ca. 20 Jahren Gedanken
machen. Auch für blinde und sehbehinderte Menschen sollte jedes Buch zu jeder Zeit
verfügbar sein.“
Nach einem Besuch vor Ort wünscht
man der DZB, dass die Verlagswelt den Mut
aufbringt, das Interesse am Neuen und die
Innovationsfreude, die hier jeden Tag gelebt
wird, zu teilen.
Lydia Kraske
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
16 :: Aktuell
Frauen im Chefsessel
© Margit Ketterle
Trotz guter Qualifikation eine Ausnahme
Margit Ketterle,
Verlagsleiterin Sachbuch bei
Droemer Knaur
Heutzutage machen mehr Frauen als
Männer Abitur. Es gibt mehr Hochschulabsolventinnen als -absolventen und die
weiblichen Studenten erzielen im Durchschnitt bessere Ergebnisse als ihre männlichen Kommilitonen. Viele Frauen verfügen
über ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeit, sind teamfähig und sehr motiviert.
Jedoch hat das selten Einfluss auf ihre
Karriere oder die Gehaltsstufe. Nach wie
vor sind Frauen in Führungsebenen deutlich weniger vertreten als Männer.
Margit Ketterle, Verlagsleiterin Sachbuch bei
Droemer Knaur.
Circa 28 Prozent der leitenden Positionen
in privaten Unternehmen sind von Frauen
besetzt. 1996 lag dieser Anteil noch bei
22 Prozent. Frauen schaffen es laut dem
statistischen Bundesamt aber eher in kleinen Betrieben in die Führungsebenen. Die
Vorstandsposten der 200 größten Unternehmen in Deutschland werden fast ausschließlich von Männern eingenommen. Der Frauenanteil liegt hier bei 3,2 Prozent.
Derzeit ist die Frage nach der Einführung
einer Frauenquote häufiges Gesprächsthema. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen
will bis 2013 eine gesetzlich festgelegte
Frauenquote auf den Weg bringen, steht
damit aber bisher noch allein da. Laut
Familienministerin Kristina Schröder sollen freiwillige Lösungen Veränderungen in
den Unternehmen herbeiführen. Wirft man
einen Blick auf unsere Branche, bietet sich
eine ähnliche Situation. Die Buch- und Verlagsbranche ist weiblich. Der Frauenanteil
beträgt 80 Prozent. Doch auch hier nehmen
häufiger Männer Führungspositionen ein als
Frauen. Zudem verdienen sie bei gleicher beruflicher Tätigkeit mehr als ihre Kolleginnen.
Trotzdem sind die meisten Mitarbeiterinnen
mit ihrer beruflichen Situation zufrieden und
arbeiten gerne in der Buchbranche.
Was hindert Frauen auf dem Weg nach
oben? Fehlt es an Ehrgeiz und Selbstbewusstsein? Wo sind die Stolpersteine, die
Frauen überwinden müssen, um in die Chefetagen zu gelangen? Über diese und andere Fragen sprach die Leipziger Lerche mit
Wie wichtig ist Karriereplanung für Frauen
– wie viel war bei Ihnen geplant, wie viel
Glück?
Wenig geplant, ja, auch Glück gehabt, das
gehört immer dazu, aber auch Engagement.
Ich bin Überzeugungstäterin.
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Frau Ketterle, wie sind Sie zu Ihrer ersten
Stelle gekommen, wie ging es dann weiter?
Klassischer Einstieg: Ich habe mich nach
dem Studium um ein Volontariat im Lektorat beworben, von dem ich gehört hatte.
Stabile Grundlage: über zehn Jahre im Lektorat bis zur Cheflektorin, und dann wird
man irgendwann auch in anderen Verlagen
wahrgenommen und abgeworben.
Müssen Frauen mehr arbeiten als Männer
um in Führungspositionen zu gelangen?
Ja, vermutlich schon. Der Aufstieg ist für
Männer einfach immer eine Selbstverständlichkeit, während man sich bei Frauen immer
noch wundert, wie „die“ das geschafft hat.
Was sind die Stolpersteine auf dem Weg
nach oben für Frauen in der Buchbranche?
Männer, was sonst? Nein, im Ernst, stolpern
kann man über alles Mögliche, auch über die
eigenen Füße.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sind wichtig, um es als Frau in der
Buchbranche ganz nach oben zu schaffen?
Leidenschaft und Ausdauer.
Bekommen Frauen die gleichen Chancen
wie Männer? Nutzen sie die gleichen Netzwerke?
Die gleichen Chancen bekommen alle, was
sie daraus machen, ist der Unterschied.
„Netzwerken“ ist keine weibliche Stärke.
Da haben wir schnell Angst uns zu verheddern in Abhängigkeiten. Wir wollen uns im
Zweifel lieber auf unsere eigenen Meriten
verlassen.
© Friederike Czermack, Susanne Kuba
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Arbeitnehmer in der
Buchbranche
Berufseinsteiger
Position in der Unter- Position in der Unternehmensleitung
nehmensleitung
Frauen
Ohne Leitungsfunktion
Arbeitnehmer mit
Kind
Männer
Anteil der Frauen und Männer in unterschiedlichen beruflichen Positionen
Viele Firmen beklagen zu wenig weibliche Bewerber um Führungspositionen. Glauben Sie, dass Frauen systematisch nicht eingestellt werden,
oder gibt es tatsächlich zu wenige Bewerberinnen?
Weder das eine noch das andere; auch dass es zu wenig Bewerberinnen
gäbe, glaube ich nicht. Lieber wird den Firmen weisgemacht, dass wir
zu „feige“ seien und uns nicht nach „oben“ trauten – wie bedauernswerterweise eine frühere Chefredakteurin in ihrem Buch behauptet.
Laut einer Studie des Netzwerks Bücherfrauen haben 69 Prozent der
Frauen in der Buchbranche keine Kinder. Sind Beruf und Familie
schlecht zu vereinbaren?
Ich weiß nicht, ob das in anderen Branchen sehr viel anders ist. Im Prinzip scheint mir unser Beruf sehr gut mit Kindern vereinbar zu sein.
Sind Sie für die Einführung einer Frauenquote?
Ja.
Zum Abschluss ein paar Tipps für Frauen, die in der Buchbranche Karriere machen wollen!
Neugierig sein, auf Texte, auf Menschen, auf das Leben. Denn das
muss man in Büchern wiederfinden – sie müssen mit den Lesern
„sprechen“.
Das Team der Leipziger Lerche dankt für das Interview. Abschließend lässt sich sagen, dass Frauen mit Leidenschaft und Selbstbewusstsein gute Chancen zum Aufstieg haben. Manchmal
gehört ein bisschen Glück dazu, aber wer sein Ziel nicht aus den Augen verliert, wird es ganz nach oben schaffen. Also Frauen: Rein in die
Chefsessel!
Das Interview führten FRIEDERIKE CZERMACK und SUSANNE KUBA
18 :: Aktuell
Tauschbörsen
Die (Online-) Basare der Zukunft?!
Hilfreiche Weblinks:
www.tauschticket.de
www.hitflip.de
www.tauschzone.de
www.meinbuch-deinbuch.com
www.bookmooch.com
Das neue Semester hat begonnen, mit
jeder Vorlesung wird die Liste an benötigter
Literatur länger und das Portmonee fühlbar
leichter. Ein Blick in mein Bücherregal bringt
allerlei unnütze Lektüre hervor: Bücher, die
nicht mehr gebraucht werden, nicht gelesen werden oder nicht mehr meinem Alter
entsprechend sind. Eigentlich sind sie doch
zu schade, um in den Tiefen des Mülleimers
zu verschwinden.
Bei Ebay bekommt man leider auch nie den
Betrag, den man sich erhofft hat und der
An- und Verkauf ist zu nervenaufreibend.
Es muss doch auch eine gewinnbringende
Alternative geben?! Oder eine, die nicht mit
zu viel Verlust behaftet ist.
© Lydia Heise
Welche Tauschbörsen gibt es?
Bei meiner Suche im Internet bin ich auf sogenannte Tauschbörsen gestoßen. Die wohl
bekannteste und größte ist Tauschticket.de.
Etwa 100.000 Mitglieder kann die OnlineTauschbörse verzeichnen (Stand 2009). Damals noch unter dem Namen Buchticket.de,
startete im Jahr 2004 der Service durch die
Firma Internext GmbH. Bereits ein Jahr später wurde das Sortiment durch Filme, Musik,
Spiele und die Kategorie „Alles Mögliche“
(Kleidung, Elektronik, Foto etc.) erweitert.
Neben Tauschticket.de gibt es natürlich
noch unzählige andere Anbieter. Tauschbörsen wie meinbuch-deinbuch.de und BookMooch.de
beschränken sich dabei nur auf
Bücher, wohingegen bei
Hitflip.de und Tauschzone.de ausnahmslos
alles getauscht wird.
Auch die Mittel wie getauscht wird und die
Frage nach Gebühren
und wie hoch diese sind,
variieren. Das Prinzip
von Tauschticket.de ist
denkbar einfach. Zunächst registriert man
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
sich, dabei geht man keine Verpflichtungen
ein. Lediglich ein Mindestalter von 18 Jahren ist Voraussetzung. Ist man erstmal angemeldet, benötigt man die sogenannten
Tauschtickets. Sie gelten als Währung. Diese
bekommt man nur, wenn man auch selber
anbietet und können käuflich nicht erworben werden. Außerdem ist es notwendig,
sich ein Tauschkonto mit einem Mindestaufladebetrag von 5 Euro anzulegen, da pro
erhaltenem Artikel eine einheitliche Gebühr
von 0,49 Euro erhoben wird. Das heißt, nur
der Empfänger des Artikels bezahlt diese
Gebühren. Anbieten und Abgeben ist kostenlos. Das Tauschkonto wird online aufgeladen. Ähnlich wie bei Ebay entscheidet
man zwischen den Zahlungsmöglichkeiten
Banküberweisung, Kreditkarte, Sofortüberweisung, Lastschrift und Paypal. Dieses Guthaben verfällt nicht.
Ist ein passendes Objekt gefunden, das
zum Tausch angeboten werden soll, bestimmt man einen Wert zwischen einem
bis fünf Tickets. Üblicherweise wird nur bei
höherwertigen Artikeln (Konsolenspiele,
DVD-Boxen, ...) der Höchstwert verlangt.
Die angebotene Ware kann solange inseriert
bleiben wie gewünscht.
Artikel mit gleichem Wert tauschen
Es spielt keine Rolle, welcher Artikel gegen
einen anderen eingetauscht wird. So ist es
auch möglich, zum Beispiel ein Buch gegen eine CD zu tauschen. Empfehlenswert
ist es aber, immer Artikel mit gleichem Wert
zu tauschen. So hat jeder dieselben Kosten
und bekommt die gleiche Anzahl an Tickets
gutgeschrieben. Die Versandkosten zahlt bei
Tauschticket.de grundsätzlich der Anbieter
des Artikels. Der Tauschvorgang hat sicher
seine Vor- und Nachteile. Im Gegensatz zu
Ebay muss man sich hier aber nicht ärgern,
wenn der Artikel nicht dem Bild oder der Beschreibung entspricht. Immerhin hat man
nichts bezahlt, also einfach weiter tauschen.
LYDIA HEISE
SPEZIAL :: 19
Spezial
Spot an, Buch auf!
20 :: SPEZIAL
Vom Olymp bis in die Hölle
Die Vielfalt der Leipziger Lesebühnen
Kommt man als junger literaturbegeisterter
Student nach Leipzig, so wird man vom Angebot und der Vielfalt von Lesebühnen regelrecht überflutet. Um ein bisschen Ordnung in die Leseflut zu bringen, haben wir
uns für euch auf den Weg gemacht und ein
paar Leipziger Lesebühnen genauer unter
die Lupe genommen.
Kommt ein Pferdchen geflogen ...
Der durstige Pegasus
MORITZBASTEI
Universitätsstraße 9
04109 Leipzig
www.facebook.com/
Der-durstige-Pegasus
Lesebühne Schkeuditzer
Kreuz
Wärmehalle Süd
Eichendorffstraße 7
04277 Leipzig
www.schkeuditzerkreuz.de
Ihnen dürstet nach Literatur und Sie wollen
sich dieser im Rausch von Lesungen hingeben? Dann sind Sie beim durstigen Pegasus
genau richtig. Die Veranstaltung findet seit
1974 monatlich in der Moritzbastei statt, was
sie zur ältesten durchgehenden Literaturreihe Europas macht.
Anders als bei den offenen Lesebühnen
werden die Lesenden vom Moderator eingeladen und zu ihrer Person und den Texten
befragt. So standen auch schon Jan Lindner
und Die Radikale Literatur Fraktion, Jungautoren der Leipziger Literaturszene, den
Fragen der zwei Moderatoren Rede und Antwort.
Zunächst wurde sie von Jochen Wisotzki
moderiert, der später den Film „Flüstern und
Schreien‘‘ drehte. Von 1999 bis 2009 führte
Volly Tanner, der unter anderem als Schriftsteller, Journalist und Veranstalter tätig ist,
durch das Programm. Danach übernahmen
Elia van Scirouvsky und Norbert Marohn die
Zügel, und halten diese bis heute fest im
Griff.
Der Veranstaltungsort ist von Beginn
an die Moritzbastei, genauer gesagt das
Schwalbennest. Dieses bietet mit seinem altertümlichen Charme eine besondere Leseatmosphäre für die Auftretenden, aber auch
durch die Rundbögen eine gute Akustik für
das Publikum
Versorgt werden zudem alle mit Schmalzbroten und sauren Gurken, welche auch
nach der Veranstaltung dazu anregen, noch
zu verweilen und sich mit den Moderatoren
oder dem ein oder anderen Autoren zu unterhalten.
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
„Stuhl ist heute alle“ bei der Lesebühne
Schkeuditzer Kreuz
Es ist 20:00 Uhr am dritten Freitag im Monat.
Anstatt in die Clubs und Bars von Leipzig,
zieht es viele Studenten in eine Location zwischen der Südvorstadt und Connewitz: in die
Wärmehalle Süd. Hier findet sich ein buntgemischtes Publikum von Literaturfreunden
zur „Lesebühne Schkeuditzer Kreuz“ ein.
Bevor es losgeht, wird noch ein Bier an
der Bar geholt und schnell ein Platz gesucht.
Das Motto hier lautet nämlich: Wer zuerst
kommt, bekommt auch einen bequemen
Sitzplatz. Allerdings werden auch gern der
Fußboden oder die Fensternische besetzt,
um den Wortakrobaten und Textkünstlern
der Lesebühne zu lauschen.
Spätestens als das Lied vom „Schkeuditzer
Kreuz“ von einem als Plattenspieler umfunktionierten alten Küchenofen erklingt, warten
alle gespannt. Für zweieinhalb Stunden geben sich hier die Jungautorin Franziska Wilhelm, die Leipziger Lesergröße Hauke von
Grimm, die totalen Zerstörer Julius Fischer
und André Herrmann, der literarische Bäckermeister Michael Schweßinger und der
Bewusstseinsrevolutionär Kurt Mondaugen
sowie gelegentliche Gastautoren die Ehre.
In einer locker lustigen Atmosphäre präsentieren sie die Gedichte, Kurzgeschichten und
Anekdoten, die ihre Leben schreiben. Ironie,
Witz und auch Gesellschaftskritik sind dabei
keine Fremdwörter für die Künstler. Ab und
an singen sie sogar den Zuhörern ein Ständchen!
„Seit knapp drei Jahren gibt es bereits die
Lesebühne Schkeuditzer Kreuz.“, erzählt uns
anschließend Hauke von Grimm bei einem
gemeinsamen Bier. „Wir sind eine feste
Crew, die sich aus unterschiedlichen literarischen Szenen zusammengefunden hat.
Unsere Lyrix werden zu jeder Lesebühne neu
und exklusiv präsentiert.“
Für jeden Literaturbegeisterten, der einen
unterhaltsamen Abend genießen will, ist also
ein Besuch der „Lesebühne Schkeuditzer
Kreuz“ ein absolutes Muss.
:: 21
SPEZIAL::
Texte an die Theke, bitte!
Mehr als Metal
Immer wieder am ersten und dritten Sonntag im Monat verwandelt sich der Studentenkeller Leipzigs (Stuk), der sonst durch
Spiele- und Bierabende, Kellerpartys und
Cocktailnächte bekannt ist, in eine offene
Lesebühne. Neben dem Bartresen steht
dann ein Lesepult. Zwar werden wie immer
Bier und Longdrinks serviert, aber vor allem
heißt es: „Texte an der Theke!“
Für zehn Minuten bekommt jeder die
Möglichkeit, gehört zu werden. Das Besondere ist, dass man nie weiß, wer, was oder
wie vorgetragen wird. Egal ob Literaturstudent oder Hobbyschreiber, hier können
selbstgeschriebene Texte und Geschichten
das erste Mal vor Publikum präsentiert oder
einfach das Lieblingsbuch rezitiert werden.
So unterschiedlich wie die Autoren sind auch
die Texte. Die Bandbreite reicht dabei von
poetisch bis bizarr. Speziell für Jungautoren
und die, die es mal werden wollen, bietet die
Lesebühne die Chance, sich Tipps und Tricks
vom Profi zu ergattern.
„Wir sind eine kleine Lesebühne – generationsübergreifend, familiär und locker. So
brauchen sich auch Neuankömmlinge nicht
zu fürchten, an das Mikrofon zu treten.“ sagt
Henner Kotte, preisgekrönter Leipziger Krimiautor. Bereits seit fünf Jahren moderiert
er die Lesebühne. Eine Anthologie der Werke
seiner Lesebühnenschützlinge hat er bereits
mit dem Taschenbuch „Vorsicht, Autor! Texte
von der Theke“ herausgegeben.
Alle zukünftigen Bestseller-Autoren und
Literaten kommen bei dieser offenen Lesebühne definitiv auf ihre Kosten. Also ran an
den Stift und dann nichts wie ab ins Stuk.
Das Helheim, nach der Göttin wie auch der
Unterwelt selbst benannt (der altnordische
Name Hel wird im Deutschen mit dem
Wort Hölle übersetzt), ist Leipzigs einzige
Metalkneipe. Eher düster eingerichtet, ganz
dem Namen entsprechend, klingen härtere
Töne aus den Boxen und man hat das Bedürfnis sich an die Bar zu setzen und den
Tag bei dem einen oder anderen Bier ausklingen zu lassen.
Doch auch hier findet, anders als erwartet, Literatur statt. Einmal im Monat ruft
der Inhaber der Kneipe, Markus, der selbst
seit seinem 18. Lebensjahr schreibt, zur offenen Lesebühne. Jeder, der meint sich der
Welt mitteilen zu müssen, kann hier auftreten. Dabei ist es egal, ob der Mutige eigene
oder fremde Texte vorträgt. Lediglich an die
Vorgabe von zehn Minuten pro Auftritt muss
sich gehalten werden. Zudem gibt es eine
Belohnung. Jeder der liest erhält ein Freibier,
was die Aufregung ein bisschen eindämmen
und den Mut steigern soll sich auf die Bühne zu trauen.
Nicht nur die Sekretär-Lampe, die mit
ihrem schummrigen Licht alles irgendwie
gemütlich und warm wirken lässt, ist eine
Besonderheit. Auch behält sich Markus vor,
immer den ersten Text zu lesen und damit
die Leserunde zu eröffnen. Dieser stammt
aus einem Buch, welches er als Leseempfehlung anpreist. Da lohnt doch ein Gang zur
Kneipe, die mehr verspricht als Metal und
Rock ’n’ Roll.
Studentenkeller Leipzig
(Stuk)
Nürnberger Straße 42
04103 Leipzig
www.stuk-leipzig.de
Helheim Metalkneipe
Weißenfelser Str. 32
04229 Leipzig-Plagwitz
www.helheim-leipzig.de
Marianne Jende und Mathias Giegling
Dankeschön.
Die Leipziger Lerche dankt allen Anzeigenkunden und Sponsoren.
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
22 :: SPEZIAL
15. Leipziger literarischer Herbst
Der 15. Leipziger literarische Herbst wird
unter dem Titel „Mittelpunkt Literatur –
Deutschland und seine Nachbarn“ vom
18. bis 22. Oktober 2011 stattfinden.
Organisiert wird das Literaturfestival vom
Verband deutscher Schriftsteller (VS) – Landesverband Sachsen und dem Kulturwerk
deutscher Schriftsteller in Sachsen e.V. mit
einer Finanzierung durch das Kulturamt der
Stadt Leipzig und der Kulturstiftung des
Freistaates Sachsen. Das Projekt leiten in
diesem Jahr die in Leipzig lebende Schriftstellerin und Vizepräsidentin des Deutschen
Kulturrates Regine Möbius und der ebenfalls in Leipzig lebende Schriftsteller Steffen
Birnbaum.
Deutschland und seine Nachbarn
Weitere Informationen:
Kulturwerk dt. Schriftsteller in Sachsen e.V.
Haus des Buches /
Literaturhaus Leipzig
Gerichtsweg 28
04103 Leipzig
Tel./Fax: 0341 9954511
[email protected]
Mischhaus Leipzig
Breslauer Str. 37
04299 Leipzig
Tel./Fax: 0341 8612203
[email protected]
www.leipziger-literarischerherbst.de
Ein Grundprinzip für die Organisation der
Veranstaltung war, die Literatur in Zusammenhang mit den anderen Kunstgenres,
also mit Musik, Bildender Kunst und Theater
darzubieten. Alle Leipziger literarischen Vereine wurden eingeladen, sich mit von ihnen
konzipierten Veranstaltungen an dem Festival zu beteiligen.
Entsprechend dem Thema wird die Literatur der Nachbarländer von Deutschland
vorgestellt. Die Projektleitung war bemüht
Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus den
Ländern Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg,
Belgien und den Niederlanden einzuladen.
Aber auch Leipziger und sächsische Autorinnen und Autoren werden ihre neuen Bücher dem Publikum vorstellen.
Die Eröffnungsveranstaltung des Festivals wird in Zusammenarbeit mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine
Festveranstaltung mit dem Preisträger des
„Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“
am 18. Oktober im Festsaal des Alten Rathaus sein.
Zur besseren Übersicht für die Besucher
wird der 15. Leipziger literarische Herbst innerhalb des Schwerpunktthemas in die drei
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
folgenden Reihen gegliedert: „Leipzig international“, „Novitäten nicht nur aus Leipzig“
und „Begegnung und Auseinandersetzung“.
Innerhalb des Festivals werden zwei
Schweizer Literaturtage in Leipzig stattfinden, bei denen unter anderen der bekannte
Schauspieler Michael Mendl Texte von Robert
Walser lesen wird. Aus Österreich werden in
einer Veranstaltung mit dem Titel „Linzer
Salon“ in der Buchhandlung am Thomaskirchhof die beiden Schriftsteller Walter Kohl
und Richard Wall aus ihren Büchern lesen.
Unter dem Titel „Kunst und Kommerz“ wird
die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik ihr
neues Poesiealbum mit Texten von deutschen und internationalen Autoren in der
Kunsthalle der Sparkasse präsentieren. Die
„Lekkeren Compagnie“ aus den Niederlanden werden ein wahnwitzig, tragikkomisches
Theaterstück mit dem Titel „Wo kein Wind
weht“ von Valeri Habicht-Geels und Raschid
D. Sidgi in der naTo zeigen.
Ein „3-Länder-Poetry-Slam“ wird mit den
Autoren Jan Jilek aus Tschechien, Gabriel
Vetter aus der Schweiz und Julius Fischer
aus Deutschland stattfinden. Aus Dänemark
wird die Bestsellerautorin Helle Helle zu
Gast sein und ihren Roman „Rødby – Puttgarden“ vorstellen.
Der „Arbeitskreis für vergleichende Mythologie“ hat Georg Schuppener eingeladen,
der Tschechische Elegien in der Originalsprache und in eigener Übersetzung präsentieren wird. Am 20. Oktober wird Volker
Braun im Haus des Buches aus seinem neuen, im Suhrkamp Verlag erschienenen Buch
lesen. Der Verlag „PaperONE“ hat die Autoren Klaus Märkert aus Bochum und Hannibal von Instetten aus Görlitz eingeladen.
Leipzig, deine Autoren
Wie schon erwähnt, sollen auch Leipziger
und Sächsische Autorinnen und Autoren zu
Wort kommen. Der „Leipziger BibliophilenAbend“ wird einen Text des in Dresden lebenden Schriftstellers Thomas Rosenlöcher in
einem grafisch sehr schön gestalteten Buch
:: 23
SPEZIAL::
herausbringen und hat Thomas Rosenlöcher
für eine Lesung eingeladen. Der Poetenladen wird den „poet nr. 11“ mit zahlreichen
Autorinnen und Autoren im „Telegraph“
präsentieren. Zu dieser Veranstaltung wird
eine Band für die musikalische Umrahmung
sorgen.
Die „Lesebühne Schkeuditzer Kreuz“ wird
mit Franziska Wilhelm, Julius Fischer, Hauke von Grimm, Michael Schweßinger, André
Herrmann und Kurt Mondaugen die Bühne
der „Wärmehalle Süd“ in Connewitz betreten und ihre neusten Texte ins Live-Mikrofon sprechen. Einige bekannte Leipziger
Schriftstellerinnen und Schriftsteller begehen in diesem Jahr ihre runden Geburtstage.
Aus diesem Anlass wird es eine Veranstaltung unter dem Titel „1989 – davor und danach“ geben mit Ingeborg Schröder, Günter
Gentsch, Werner Heiduzcek, Adel Karasholi,
Dieter Mucke und Andreas Reimann.
Der „Mitteldeutsche Verlag“ hat den Autor
Stefan Frank eingeladen, der in der „Kleinen
Träumerei“ in der Münzgasse aus seinem in
diesem Frühjahr erschienen Buch „Du musst
immer gleich wieder schreiben. Eine Liebe
in Briefen“ lesen wird. Der „fhl Verlag Leipzig“ wird im „Café Anton Hannes“ Frau Ursula Waage mit ihrem Buch „Kreuzwege am
Oderstrom. Zwei Frauenschicksale in Breslau im Schatten des Zweiten Weltkrieges“
präsentieren.
von Claude und Emma Debussy beschrieben wird. Es wird aus dem Buch von Gerhart
Pohl „Bin ich noch in meinem Haus? – Die
letzten Tage Gerhart Hauptmanns“ gelesen.
Clemens Meyer, der das Vorwort zu dem Essayband von Werner Heiduczek geschrieben
hat, befindet sich an diesem Abend in New
York und wird mit einem Beitrag in einer
Live-Übertragung per Internet zugeschaltet.
Einige weitere Überraschungen wird es zu
dieser Abschlussveranstaltung geben.
Bei Redaktionsschluss dieser Zeitschrift
waren einige Veranstaltungen noch in der
Vorbereitung. Über das genaue Programm,
die Veranstaltungsorte und die Daten zu den
Veranstaltungen informieren Sie sich bitte in
unserem Programmheft, welches im Format
DIN 6 in den Ständern von „culturtraeger“
für Sie bereit gestellt wurde. Wir laden Sie
herzlich zu allen Veranstaltungen ein und
freuen uns auf Sie.
Ihr Organisationsteam
Der krönende Abschluss
Die Abschlussveranstaltung am 22. Oktober
wird wieder, und somit schließt sich ein örtlicher Rahmen um das Festival, im Festsaal
des Alten Rathaus stattfinden. Zusammen
mit dem „Plöttner Verlag“ wird ein „Fest der
Literatur“ stattfinden. An diesem Abend wird
der Leipziger Ehrenbürger Erich Loest zu
Gast sein. Weiterhin wird Werner Heiduczek
aus seinem zweiten Essayband „Vom Glanz
und Elend des Schreibens“ lesen. Andrea
Jennert wird ihren Debütroman „La Mer.
Die Liebe der Emma Debussy“ vorstellen,
in dem die bewegende Lebensgeschichte
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
24 :: SPEZIAL
Der Leipziger Hörspielsommer
Eine Wiese lädt zum Lauschen ein
© Hörspielsommer e.V.
dieses wird zelebriert, wie man es sonst vom
Bücherlesen kennt.
Die Bedrohung aus dem Radio
In diesem Jahr genoss Leipzig das 9. Hörspielsommer-Festival, das als das größte
seiner Art in Deutschland gilt.
Bereits im Frühjahr sitzen die Mitarbeiter
des Hörspielsommers e.V. brav mit ihren
aufgesetzten Kopfhörern und lauschen sich
durch dutzende Hörspiele. „Am Anfang des
Jahres gehen wir die Verlagsprogramme
durch und gucken was die Sender neues
produziert haben“, erzählt Tina, eine Hörspielsommer-Mitarbeiterin. „Im März gehen
die Bestellungen raus und dann wird fleißig
durchgehört.“
Die letzte Auswahl wird zu einem Programm von ungefähr 80 Stücken zusammengestellt. Dieses wird für zehn (hoffentlich sonnige) Tage im Juli auf der Wiese des
Richard-Wagner-Hains in Leipzig vorgestellt. Jährlich kommen tausende Besucher
aus Leipzig und Umgebung, um mit ihren
Familien und Freunden die langen Abende
und eine außergewöhnliche Unterhaltung
zu genießen.
Was dieses Festival so spannend macht, ist
unter anderem die Rückkehr zum Ursprung
des Hörspiels; das gemeinsame Anhören.
Im iPod-Zeitalter werden Hörspiele, ob auf
CD, als mp3 oder im Radio häufig alleine genossen; ob im Auto, am Strand oder zuhause
an einem regnerischen Tag: Das Zuhören ist
zu einem privaten Erlebnis geworden. Und
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Der Grundstein für eine deutsche Hörkultur wurde Anfang des letzten Jahrhunderts
durch die Firma Telefunken gelegt, die Theaterstücke vertonte und für die Ausstrahlung
per Funk aufbereitete. Die ersten Hörspiele,
die man im Radio verfolgen konnte, waren
„Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch
(1924 in Frankfurt/Main) und „Spuk“ von Rolf
Gunold (1925 Breslauer).
Im Oktober 1938 sorgte die Erstübertragung von „Krieg der Welten“ (nach H. G.
Wells) für Panik in New York. Viele beunruhigte Bürger meldeten sich bei der Polizei
in Sorge um einen Marsangriff. Eine solche Reaktion auf ausgestrahlte Erzählungen
wäre heute mehr als unwahrscheinlich, nicht
nur weil das Publikum deutlich abgeklärter
geworden ist, sondern auch, weil sich die
Massenunterhaltung mittlerweile auf das
Fernsehen verschoben hat.
Das Medium Hörspiel regt die Fantasie
auf eine ganz andere Art und Weise an, als
das Visuelle es kann. Durch bloßes Hören
von Stimmen und Geräuschen im Kontext
der Geschichte wird im Kopf eine eigene
Welt erzeugt. Zudem ist das Erlebnis hier
mehr als das einer reinen Lesung; mit geteilten Sprecherrollen, Geräuschen und Musik
ist das Hörspiel ein eigenständiges literarisches Genre.
Leipzig steht für gesellige Ohren
Der Leipziger Hörspielsommer ist nicht der
einzige seiner Art in Deutschland. Das Berliner Hörspielfestival bedient ein ähnliches
Publikum über drei Tage im Winter. Auch die
ARD-Hörfunktage bieten im November ein
vielfältiges fünftägiges Programm in Karlsruhe. Hier werden Hörspielwettbewerbe,
Konzerte, Workshops, Klanginstallationen
und Vorträge vorgeführt – und das alles live
im Radio. Der Hörspielsommer möchte das
SPEZIAL :: 25
zusammensitzen, picknicken und
zuhören. Gewiss wird nicht jedem
Satz des laufenden Hörspiels gefolgt. Aber spätestens dann, wenn
schallendes Lachen vom ganzen
Publikum ertönt, ist der Reiz des
gemeinsamen Lauschens deutlich
erkennbar. Dieses Vergnügen dürfen auch die anwesenden Autoren
genießen, vor allem weil sie die Reaktionen
ihrer Zuhörer ansonsten nie sehen können.
Helena Putsch
»Pf lichtlektüre«
Stephan Grabmeier, personalmagazin 3/11
Social Media Handbuch
Theorien, Methoden, Modelle
Herausgegeben von Prof. Dr. Daniel Michelis und Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer
2010, 327 S., brosch., 29,– €, ISBN 978-3-8329-5470-3
Das Handbuch liefert die derzeit umfassendste Sammlung aktueller Theorien, Modelle und Methoden
im Bereich Social Media. Der erste Teil fasst die Werke international erfolgreicher Autoren zusammen
und gibt so einen kompakten Überblick über die inhaltliche Entwicklung des Themenfelds. Im zweiten
Teil werden die theoretischen und methodischen Grundlagen aus Teil 1 anhand von aktuellen Praxisfällen exemplarisch angewandt.
»Wissenschaft und Social Media wirken auf den ersten Blick wie Phänomene aus sehr weit entfernten
Galaxien. Michelis und Schildhauer führen sie klug zusammen. Und legen einen Sammelband vor,
der jeden Leser binnen weniger Stunden auf Ballhöhe der Social-Media-Diskussion bringt. Das Social
Media Handbuch ist ein wunderbar collaboratives, kollektiv gefiltertes, leicht navigierbares Produkt
aus gutem alten Papier.«
Thomas Ramge, brand eins
Bitte bestellen Sie im Buchhandel oder versandkostenfrei unter
www.nomos-shop.de/12386
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
© Helena Putsch
Medium Hörspiel nicht nur unterstützen,
sondern auch in Leipzig „verankern“. Durch
einen internationalen Wettbewerb, der unter
anderem eine Ausstrahlung des Stückes im
MDR Figaro verspricht, soll der Nachwuchs
der Hörspieltalente gefördert werden. Ein
weiteres Ziel ist es, ein vielfältiges Programm
sowohl für die neue Generation von Hörern
als auch für die alljährlich wiederkehrenden
Hörspielkenner anzubieten.
Bei der Ankunft auf der Hörspielwiese fällt
auf, dass es vor allem Gruppen von Familien
und Freunden sind, die im Sonnenuntergang
26 :: SPEZIAL
Schaurig schöne Unterhaltung
© textfactory / Hoh
Das Krimifestival München
Im März 2012 feiert eines der größten internationalen Festivals für Kriminalliteratur
sein zehnjähriges Jubiläum: das Krimifestival München. Interessierte und sensationshungrige Krimifans können sich auf ein
Ereignis der Extraklasse freuen.
Seinen Ursprung hat das Festival in der Criminale, welche 2002 in München stattfand.
Ein Jahr später gründeten Andreas Hoh und
die Krimi-Autorin Sabine Thomas das Krimifestival München. Seitdem begeben sich
jährlich über 10.000 Besucher zur Spurensuche an die Isar. Dieses Jahr konnte sich
das Festival über einen Besucherrekord von
12.000 Schaulustigen freuen.
Täter, Tatorte und Komplizen
© Fischer Verlag
Fischer e-books
Der Tod wartet im Netz
7,49 €
ISBN 978-3-10-401335-0
Weitere Informationen:
www.facebook.com/
Krimifestival
www.krimifestival-muenchen.de
www.fischerverlage.de/
seite/agatha_christie_krimipreis
Über 500 hochkarätige Autoren aus aller
Welt verwandelten die bayerische Hauptstadt bereits in die Hauptstadt des Grauens.
Jährlich versetzen über 100 Stars der Kriminalliteratur die Zuschauer in Angst und
Schrecken. Dabei ist ihnen kein Schauplatz
zu schaurig, ob Polizeipräsidium, Justizpalast oder das Institut für Rechtsmedizin. Die
Quote der „Wiederholungstäter“ liegt bei ca.
20 bis 30 Prozent. Frank Schätzing, Henning
Mankell und John Grisham sind nur einige
der bekanntesten Namen. Das Festival war
schon für viele Autoren ein Sprungbrett, beispielsweise für Jörg Maurer, der mit seinen
Krimis sogar ein neues Genre mitbegründet
hat: den Alpenkrimi. Die Allgäuer Krimistars
Klüpfel & Kobr stellten zum Festivalfinale
am 1. Juni 2010 ihren neuen Krimi „Schutzpatron“ vor und nur zehn Tage später landete dieser auf Platz 1 der Spiegel-HardcoverBestsellerliste.
Das Festival steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Christian
Ude. Weiterhin steht es in Kooperation mit
vielen Organisationen, Vereinen, Verlagen
und Rundfunkanstalten, beispielsweise
dem Bayerischen Rundfunk, dem Fischer
Verlag und dem Förderverein für Kriminalliteratur. Auch die „ARD-Tagesthemen“ und
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
der „Spiegel“ berichteten bereits über das
Festival.
Der Agatha-Christie-Krimipreis
Bei so viel Spitzenliteratur darf auch eine
Preisverleihung nicht fehlen. Das Krimifeststival vergibt zusammen mit dem Fischer
Taschenbuch Verlag, der Buchhandlung Hugendubel und FOCUS Online den AgathaChristie-Krimipreis für unveröffentlichte
Kriminal-Kurzgeschichten. Zu jährlich vorgegebenen, wechselnden Themen dürfen
Autoren maximal zehn Manuskriptseiten einreichen. Auch Krimifans, die eigene Werke in
ihren verstaubten Schubladen liegen haben,
dürfen an dem Wettbewerb teilnehmen. Die
25 besten Kurzgeschichten werden in einer
Anthologie vom Fischer Taschenbuchverlag
veröffentlicht, dieses Jahr erstmals nur als
eBook („Der Tod wartet im Netz“). Die besten
drei Storys werden mit wertvollen Sachpreisen geehrt. Dieses Jahr gewann u.a. Marcus
Winter („Einmal ein Held sein“). 2012 werden Geschichten zum Thema „Ein Gefühl für
Mord“ gesucht. Der erste Platz gewinnt ein
Notebook.
Wir jedenfalls dürfen auf das nächste
Krimifestival und die Stars gespannt sein.
Schon jetzt wird nach neuen Tatorten und
nervenaufreibenden Krimis gefahndet. Wer
nicht bis März 2012 warten will, kann sich
auf den Krimi-Herbst des Festivals im September und Oktober freuen. Aufgrund der
hohen Nachfrage werden Krimistars live in
München auftreten, beispielsweise Jussi Adler Olsen, Kathy Reichs und Sebastian Fitzek.
Auf dass uns schaurige Geschichten wieder
vom Hocker reißen.
Ilke Seiler
28 :: Aktuell
Das gute Gewissen beim Lesen
Versuch einer CO2-Bilanz von gedrucktem und digitalem Buch
© Remi Mathis
Sie sind klein, (fast) unsichtbar und der Albtraum
der meisten Buchliebhaber: Die Rede ist von
eBooks. Auch wenn die
Verkaufspreise nur knapp
unter denen für gedruckte Bücher liegen oder
teilweise sogar mit ihnen
übereinstimmen: Seit der
Markteinführung der ersten massentauglichen
eReader im Jahr 2010 erfreuen sich eBooks auch
in Deutschland immer
größerer Beliebtheit.
Einige Berechnungen im
Überblick:
CO2-Emissionen des
Kindle 2 pro Betriebsstunde:
1,53 Ah x 3,7 V = 5,661 Wh
= 0,005661 kWh
0,005661 kWh x 563 g/kWh
= 3,19 g
168 kg / 7,5 kg = 22,4
Entstehung von CO2 bei
der Produktion eines
Kindle 2 / eines Buches:
23 Bücher produzieren
etwa denselben CO2-Ausstoß wie der Kindle 2.
Dafür sorgt neben der verbesserten Leistung der Lesegeräte auch die zunehmende Auswahl an
digitalen Büchern. Der Vorteil liegt für die
Nutzer auf der Hand: viel Buch auf wenig
Raum. 3.500 Bücher passen zum Beispiel
laut Angaben des Herstellers Amazon auf
den Kindle.
Und auch ein weiteres Argument wird in diesem Zusammenhang immer öfter genannt.
Durch den Verzicht auf Papier sollen eBooks
auch umweltfreundlicher sein. Immerhin
werden allein in Deutschland pro Kopf rund
226 kg Papier im Jahr verbraucht. Zum Vergleich: in den USA sind es 335 kg; in Afrika
durchschnittlich 6 kg. Dazu kommt der Einsatz von Chemikalien für die Druckfarben
sowie diverser Hilfsstoffe.
Doch ist das eBook tatsächlich umweltverträglicher? Wiegt die Einsparung von Ressourcen für Papierherstellung, Druck und
Vertrieb den Energieverbrauch und die CO2Emissionen der eBooks auf? Durch einen
Vergleich der CO2-Bilanz von gedrucktem
und digitalem Buch soll versucht werden,
diese Fragen zu beantworten.
Das eBook als umweltfreundliche Alternative?
Mit einem eBook alleine lässt sich noch nicht
viel anfangen. Erst mit dem passenden Lese-
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
gerät wird aus der kryptischen Datenmenge
die gewünschte Lektüre.
Obwohl sich eBooks, je nach Format, auch
auf dem Computer, dem Smartphone und
dem iPad lesen lassen, sind die sogenannten
eReader auf die Wiedergabe der digitalen
Bücher spezialisiert.
Neben Amazon, Sony und Thalia haben
inzwischen auch andere Elektronikhersteller den Markt für sich entdeckt und bieten
Lesegeräte mit unterschiedlichen Features.
Für die Betrachtung der CO2-Bilanz ist daher auch der benötigte eReader (in unserem
Fall soll der Kindle 2 als Beispiel dienen) mit
einzubeziehen.
Ein eReader besteht hauptsächlich aus
verschiedenen Kunststoffen für Gehäuse
und ePaper sowie Metallen für die Elektronik. Da es kaum Angaben über die genaue
Materialzusammensetzung gibt, lässt sich
auf die Bestandteile nur über allgemeine
Erkenntnisse schließen. Neben Gold und
Kupfer finden in der Mikroelektronik auch
seltene Metalle wie Tantal Verwendung.
Zusätzlich werden für die Herstellung
eines einzigen eReaders laut New York Times
300 Liter Wasser und rund 100 kWh Energie
verbraucht. Das ergibt für den CO2-Emissionsfaktor des Jahres 2010 (563 g/kWh), eine
Menge von 56,3 kg CO2. Das Umweltbundesamt geht dabei von einem Strommix aus
fossilen, nuklearen und erneuerbaren Energieträgern aus.
Hinzu kommen Emissionen, die beim
Transport der Bauteile und des Endprodukts
zur Verkaufsstelle und letztlich zum Kunden
entstehen. Da diese Mengen schwer zu ermitteln sind und auch Amazon keine Daten
diesbezüglich veröffentlicht, soll an dieser
Stelle auf eine Studie der Cleantech Group
vom August 2009 verwiesen werden: 168 kg
CO2 würden demnach für einen Kindle im
Laufe seines „Lebens“ anfallen. Darin sind
allerdings noch nicht die Emissionen für die
Nutzung enthalten. Hierfür ergeben sich ca.
3 g CO2 pro Betriebsstunde.
Da allerdings nur beim Umblättern, also
lediglich für ein bis zwei Sekunden pro Vor-
gang Strom verbraucht wird, erweist sich der Akku mit bis zu einem
Monat Laufzeit als sehr langlebig.
Wenn der eReader nach circa drei Jahren Nutzungsdauer allerdings
durch ein aktuelleres Modell ersetzt wird, fallen wiederum Kosten für
die (bei technischen Geräten besonders aufwendige) Entsorgung an.
Doch auch ein Buch besteht aus mehr als nur dem Inhalt. Während ein eBook nicht im eigentlichen Sinne Material verbraucht, da
verschiedene Inhalte auf dem gleichen ePaper dargestellt werden,
muss für gedruckte Inhalte immer neues Papier verwendet werden.
Obwohl laut Umweltbundesamt der Altpapiereinsatz zunimmt (1989:
49%, 2009: 71 %), ist der Einsatz von Frischfasern immernoch unverzichtbar.
Hinzu kommt der enorme Wasserverbrauch bei der Herstellung
aber auch beim Recycling. Pro Kilogramm werden für Recyclingpapier zwischen 10 und 20 Liter Wasser, für Primärfaserpapier 30 bis
100 Liter Wasser benötigt. Inklusive Weiterverarbeitung und Transport
ergibt sich ein Betrag von bis zu 7,5 kg CO2 für ein Buch, das aus
recyceltem Papier hergestellt wurde; also 22,4 Mal weniger, als durch den
eReader.
23 Bücher
Durch das Lesen von circa 23 gedruckten Büchern fällt demnach genauso viel CO2 an, wie ein eReader während seiner Nutzungszeit produziert. Bei den angesetzten drei Jahren entspricht das um die acht
eBooks im Jahr. Ab dieser Menge ist es also theoretisch ökologisch
besser, die digitalen Bücher den gedruckten vorzuziehen.
Ein wichtiger Aspekt sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden:
Während eBooks durch Digital Rights Management gerätegebunden
(und damit meist auch nutzergebunden) sind, lassen sich gedruckte
Bücher leicht an andere Leser weitergeben. Man kann also durchaus
davon ausgehen, dass ein- und dasselbe Buch von mehreren Lesern
genutzt wird und zum Teil mehrere Jahre im Umlauf ist.
Dafür kann der Inhalt von eBooks relativ unkompliziert erweitert
oder bei Bedarf geändert werden, wohingegen bei erweiterten Auflagen von gedruckten Büchern oft nur ein geringer Teil neue Informationen enthält.
Wer viel liest, kann mit einem eReader also durchaus Papier und
CO2-Emissionen sparen. Sicherlich wird diese Tatsache den überzeugten Bücherwurm nicht vom gemütlichen Schmökern abhalten
können. Aber gerade zum Lesen von ansonsten meist unhandlichen
und umfangreichen Fachbüchern sind eBooks geeignet. Und in Zeiten
des drohenden Klimawandels kann es kein allzu schlechter Gedanke
sein, an manchen Stellen Papier und damit letztlich CO2 zu sparen.
Nina Stark
30 :: Branche
Literaturagenturen
Bindeglied zwischen Autor und Verlag
Wer ein Manuskript verfasst hat, möchte
es gerne irgendwann als ein fertiges Buch
im Regal stehen sehen. Der Weg bis zum
fertigen Buch allerdings war und ist schon
immer ein schwieriger. Gerade dieser Umstand öffnete Ende der 1980er einen Markt
vollends. Es waren die Literaturagenturen,
die die Vermittlung von Manuskripten für
den Autor übernahmen und mit den Verlagen verhandelten.
Persönlichkeit unter den Autoren und Verlagen. Im selben Jahr listete „Die Feder“, ein
Autorenverband, insgesamt 24 seriöse Vermittlungen auf. In dieser Zeit wurden zum
Beispiel Karl May, Hans Hopfen, Bertha von
Suttner und einige andere namhafte Autoren
von Literaturagenturen, oder wie sie damals
hießen, „Litterarischen Bureaus“, vertreten.
Für Viele ist die Literaturagentur hierzulande
ein immer noch weitestgehend unbekannter
Begriff. Ganz anders sieht es in den USA und
England aus. Nahezu jeder Autor wird von
einer Literaturagentur vertreten. Die Agentur als Bindeglied zwischen Autor und Verlag
ist gar nicht mehr wegzudenken. Viele der
dort ansässigen Verlage prüfen keine unverlangt eingesandten Manuskripte mehr,
sondern nur jene, die sie über eine Agentur
erhalten. Ist die Literaturagentur somit ein
amerikanisches oder englisches Phänomen?
Ein Blick auf die geschichtliche Entwicklung
zeigt, dass auch in Deutschland frühzeitig
Literaturagenturen aktiv waren.
So hat sich im Laufe der Jahrzehnte das
Berufsbild des Literaturagenten nicht wesentlich verändert. Er ist immer noch der
Interessenvertreter des Künstlers, betreibt
die Vermittlung des Manuskriptes zum bestmöglichen Verlag, führt die juristischen Vertragsgestaltungen und bringt so Licht in die
Gegebenheiten des Buchmarktes, die gerade für neue Schriftsteller unergründlicher
denn je erscheinen. Darüber hinaus sind
gute Agenten darum bemüht, das Autorenumfeld, die Verlagsmarke, die Programme,
die Buchhandels- und Leserwerbung sowie
Leseexemplare zu beachten.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die erste offizielle Literaturagentur der Welt,
das Londoner Institut von A.P. Watt, wurde
im Jahr 1875 gegründet. Doch die Geschichte der Agenturen auf deutschem Boden begann schon erheblich früher, vor der offiziell ersten Literaturagentur der Welt. Es war
der Verleger Dr. Otto Loewenstein im Jahr
1868 in Berlin, der im Auftrag des Deutschen
Schriftsteller Vereins „Loewenstein’s Bureau
für Vermittelung litterarischer Geschaefte“
errichten sollte, um der Ausbeutung der
Schriftsteller entgegenzuwirken. Von Erfolg
gekrönt, gab es bereits zehn Jahre später sieben weitere Agenturen. Die Einrichtung Löwensteins war im Jahr 1902 noch aktiv und
wurde durch eine Frau vertreten. Bemerkenswert für diese Zeit. Ihr Name war Luise Koch und sie war, trotz der männlichen
Dominanz in diesem Beruf, eine anerkannte
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Literaturagenturen heute
Eine profitable Symbiose
Nicht nur der Autor, sondern auch die Verleger profitieren von dieser Dienstleistung.
Zwar sind einige Verleger der Meinung, dass
die Arbeit des Agenten die Literatur unbezahlbar macht, aber die Mehrzahl schätzt die
Arbeit. Neben einer ersten kritischen Prüfung, dem Einschätzen des Potenzials und
der Optimierung des Manuskriptes, weiß
der Literaturagent auch, welches Skript bei
welchem Verlag richtig ist. Für gewöhnlich
erhalten Verlage im Jahr unzählige unaufgeforderte Manuskripteinsendungen. Dies
bedeutet nicht nur einen enormen Zeit- und
Arbeitsaufwand, sondern auch damit verbundene, enorme Kosten.
Somit bildet sich in dem Dreieck Autor,
Literaturagent und Verlag eine profitable
Symbiose und könnte in Zukunft wohl ähnliche Ausmaße annehmen wie auf dem amerikanischen Buchmarkt.
Branche :: 31
Die richtige Literaturagentur finden
Katarina Wölfer
© Sebastian Fitzek, Fotografin: Lucia Fuster
Bei der Auswahl der Literaturagenturen
sollte genauestens sortiert werden. Nicht
jede Agentur widmet sich jeder Art von Literatur. Genaue Informationen findet man auf
den Onlineauftritten der Agenturen. Qualitätsmerkmale liefern der Blick auf die Autoren, die von der Literaturagentur vertreten
werden, die Dienstleistungen und Vergütungsmodalitäten.
Eine wichtige Momentaufnahme, denn
auch hier gibt es die sogenannten „schwarzen Schafe“, die vor allem durch Vorkasse
und überteuerte Lektorate gewaltige Summen aus den Taschen der Autoren ziehen
wollen. Ein genauer Blick schützt daher vor
Schaden, denn die übliche Vergütung eines
Literaturagenten beträgt zwischen fünfzehn
und zwanzig Prozent vom Autorenhonorar.
Dieses Honorar wird erst dann fällig, wenn
das Manuskript erfolgreich vermittelt wurde
und der Autor erste Einkommen erzielt.
Abschließend bleibt zu sagen, dass ein
Blick auf die Entwicklung der Literaturagenturen hierzulande sicher interessant bleiben
wird. Der Markt ist voll mit Interessenten.
Gesucht werden nur die besten Ideen und
wer solch eine Idee besitzt, kann durch die
Hilfe der Literaturagenturen auch den richtigen Verlag finden.
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
32 :: Aktuell
Der Bücherwurm
© Julia Grote
Einem Phänomen auf der Spur
Die
Buchbranche:
Ziehmutter und Behüterin
kultureller
Schätze voll bahnbrechender Gedanken und rührender
Poetik zwischen zwei
Leinenwänden. Eine
Branche errichtet aus
Intellekt und Fantasie
auf zartem Zellstoffgewebe. Welches Tier
könnte sie besser verkörpern, sie stattlicher
durch seine anmutige und weise Ausstrahlung zieren als – der Wurm?
Nächtelanges Kopfzerbrechen ist hier reine Zeitverschwendung. Es gibt keines. Selbst
die gemeine Leseratte, ihrerseits an Noblesse kaum zu übertreffen, erhangelt sich nur
mit Mühe und Not einen zweiten Rang neben dem Wirbellosen. Doch wie trug sie sich
einst zu, die Verschmelzung von Literat und
Gliedertier und aus welchen Verhältnissen
stammt der kleine Kerl eigentlich?
Die Liga der Rivalen
William Blades, ein inzwischen antiker Drucker und Buchkenner aus England, verfasste
im Jahre 1880 ein Werk namens „The Enemies of Books“, eine sauber recherchierte
Feindesanalyse, die den Liebhabern des gedruckten Wortes zur Schärfung der Obacht
dienen soll. Denn Bücher existieren gefährlich. Kaum ein anderer Gegenstand ist so
sensibel und so leicht von seinen Widersachern zu beuteln.
Neben den Naturgewalten wie Wasser,
Feuer und Staub, unangebrachten Verhaltensweisen wie Vernachlässigung, Ignoranz
und Fanatismus wartet eine ganze Brigade
von Gesindel darauf, dem Druckwerk den
Garaus zu machen. Dazu gehören Beamte,
Kinder, Buchbinder, Sammler und – unser falscher Freund der Bücherwurm. Unersättlich nagt er Gänge in den Buchblock
und schafft gähnende Leere wo sich einst
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
ein sorgfältig ausgewähltes Wort befand.
Wie kommt es also, dass der gleiche Unhold
nun grinsend und verniedlicht auf den Aushängeschildern von Kinderbuchhandlungen
prangt?
Lessing ist mal wieder schuld
Schon im Mittelalter wurde damit begonnen,
den Menschen wurmähnliche Tätigkeiten
zuzuschreiben, indem man sie mit der Bücherstrafe belegte und so zum Verspeisen
unschicklicher Schriften zwang. Letztendlich
war es aber unser guter Gotthold Ephraim,
der die Bedeutung des Tieres metaphorisch
verdrehte und den Grundstein für unser
heutiges Wurmverständnis legte.
In seinem im Jahre 1747 verfassten Werk
„Der junge Gelehrte“ wird ein viel belesener aber weitestgehend realitätsferner
feiner Herr von seinem Diener neckisch als
„Bücherwürmlein“ bezeichnet. Der Begriff
prägte sich nach und nach in den Sprachgebrauch ein und fand schließlich seinen
Platz als übliche Bezeichnung für Vielleser.
Lessing selbst bemühte sich übrigens auch
als einer der Ersten darum, es dem Wurm
gleich zu tun und ausschließlich von der
Schriftstellerei zu leben – was ihm mehr
schlecht als recht gelang, doch das ist eine
andere Geschichte.
Dennoch bleibt die Frage: Lebt der Bücherwurm wirklich nur von und in Schriftstücken?
Kinderbuchhandlung „Nagekäferlarve“
Bei all der Hassliebe, die wir dem seltsamen Wurm entgegenbringen, stellt sich
am Ende auch noch Schockierendes über
dessen Identität heraus: Es gibt ihn gar nicht.
Das bedeutet mitnichten, dass er erstunken
und erlogen ist, er wandelt sehr wohl auf
unserem schönen Planeten. Aber er ist nicht
imstande, eine eigene Gattung auszuzeichnen, vielmehr beschränkt sich seine Existenz
auf das Larvenstadium verschiedener Nagekäferarten.
Aktuell :: 33
Diese winzigen gepanzerten Tierchen platzieren ihre Brut auf ihrer Nahrungsquelle,
damit sie sich dort wie die Made im Speck
gemütlich sattessen und verpuppen können.
Die besagte Nahrungsquelle erschöpft sich
jedoch nicht nur in Kulturgütern, bei weiten
Teilen der Familie gehören auch plumpes
Totholz, trockenes Brot, Lumpen, Tabak und
sogar Drogen dazu.
Neben diesen (als klassische Bücherwürmer einzustufenden) Larven lässt sich aber
auch noch anderes Getier von Zeit zu Zeit
zwischen den Zeilen entdecken. Darunter
befinden sich zum Beispiel das wenig attraktive Silberfischchen und die bissige Bettwanze, wobei die Vermehrungsstrategie der
letzteren nicht nur schlichtweg sadistisch ist,
sondern auch in Quantität und Partnerwahl
jeglichen Anstand vermisst, weshalb der manierliche Leser an dieser Stelle mit weiteren
Details verschont bleiben soll.
Summa summarum gehört das Maskottchen unserer Branche also einer Bande von
unansehnlichen und gefräßigen Schädlingen an, die keine literarische Wertschätzung
empfinden, Kultur und Wissenschaft beeinträchtigen, fragliche Beziehungen eingehen
und sich nebenher auch noch gewissenlos
berauschen.
Vielleicht wäre doch eine Seekuh besser
geeignet.
Julia Grote
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
HTWK :: 35
Thomas Bez setzt einen Schlusspunkt
Er strahlt eine Gelassenheit aus, die ansteckend ist. Kein Wunder: als geschäftsführender Gesellschafter von G. Umbreit
GmbH & Co. KG weiß Thomas Bez (62) „wie
der Hase läuft“.
Während seiner Zeit im Börsenverein hat er viel
geleistet für die Aus- und Weiterbildung der
Buchbranche am Standort Leipzig. Vor allem
für die Universität und die HTWK Leipzig – den
Studiengang
Buchhandel/Verlagswirtschaft
der Hochschule begleitete er über Jahre hinweg im Beirat und Kuratorium. Zudem hält er
hier bereits seit 1992 Vorlesungen in Medienhandelsmanagement. Seine Leidenschaft für
Bücher und Presseerzeugnisse ist ihm deutlich
anzumerken. Das kommt gut an bei den Studenten – vor allem sein Bestreben, Theorie und
Praxis gleichberechtigt zu vermitteln. „Ich mache gerne solche Seminare im Austausch mit
den Studentinnen und Studenten. Das ist ganz
spannend. Denn was man gehört hat, hat man
erst wirklich verstanden, wenn man es anwenden kann. Deswegen endet mein Pressevertriebsseminar immer mit der Markteinführung
eines Titels.“
Nach fast 20 Jahren als Lehrender an der
HTWK Leipzig möchte Thomas Bez es nun
langsamer angehen lassen. Spätestens ab
2012 wird er daher einen Schlusspunkt setzen. „Es hat mir die letzten Jahre immer
Spaß gemacht mit den Studenten zu arbeiten – insbesondere mit denen, die gerne mitmachten. Ihre Eindrücke zu sehen,
ihre Sichtweisen zu erleben – für mich sind
all die Seminare, die ich an verschiedenen
Hochschulen halte, einfach eine Herausforderung, die eigene Branche mit der Außensicht zu betrachten und nicht immer nur mit
der Innensicht.“
„Einfach mehr Zeit haben“
Bei Umbreit ist die nächste Generation der
Familie gut gerüstet, um in Thomas Bez´
Fußstapfen zu treten. „In der Firma steigt
meine älteste Tochter Susanne ein, die gerade ihren European Master in Publishing
macht“, erklärt Thomas Bez. „Sie
wird sich ab September einarbeiten
und ab Januar nächsten Jahres in der
Geschäftsleitung sein.“ Der Stolz auf
seine drei Töchter steht ihm ins Gesicht geschrieben, denn die beiden
Jüngeren besitzen ebenfalls ein Faible
für Buch und Presse. So wird Daniela
Bez beim dtv in München zur Medienkauffrau ausgebildet, während Katharina Bez bei
Umbreit eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau absolviert.
Der Übergang in den endgültigen Ruhestand wird sich voraussichtlich noch ein
wenig hinziehen. Konkrete Pläne für „danach“ hat Thomas Bez jedenfalls nicht. Es
sind eher die einfachen Dinge des Lebens,
die bisher durch die enorme Arbeitslast zu
kurz kamen: ungestört mit seiner Frau verreisen und Freizeit genießen oder in Ruhe
ein gutes Buch lesen. „Einfach mehr Zeit
haben“, möchte er künftig, „auch um das zu
tun, was einem gerade gefällt und sich nicht
immer wieder freistrampeln zu müssen vom
Tagesgeschäft.“
Im Auge behalten will Thomas Bez die
HTWK Leipzig nach seinem Abschied trotzdem. „Ich habe immer Spaß gehabt mit den
Studenten und mich gut mit den Professoren verstanden. Und ich werde bestimmt
nicht das letzte Mal an der HTWK sein, weil
die Wiederbesetzung der Professur (für Pressewirtschaft) noch ansteht.“ Er schmunzelt:
„Möglicherweise höre ich mir auch die Einführungsvorlesung an, damit ich weiß, ob
wir den oder die Richtige ausgewählt haben.“ Nach 20 Jahren ganz los zu lassen, fällt
eben doch nicht so leicht ...
Katrin Kutsche
Bez/Keiderling: Der Zwischenbuchhandel
Begriffe, Strukturen, Entwicklungslinien in Geschichte und Gegenwart
• KT , 525 S., mit zahlreichen Abbildungen, 3.8 x 21.5 x 15 cm , 806 Gramm
• Auflage/Ersch.-Datum: 1. Auflage 2010, Ersterscheinungsdatum: 08.2010
• Hauswedell, Dr. Ernst Verlag, ISBN-10 3-7762-0510-5, ISBN-13 9783776205107
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
© G. Umbreit GmbH & Co. KG, 2010
Ein HTWK-„Urgestein“ geht
36 :: Rezensionen
Aufgeschlagen
Rezensionen
© Berlin Verlag
„Erinnerungen einer Muse“ von Lara Vapnyar
Berlin Verlag
22,00 €
256 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-8270-0552-6
„Willst du dein Schicksal hören, Tatjana? Du
wirst die Gefährtin eines großen Mannes
sein – und du wirst ihn zu großen Taten
inspirieren.“ Was als plumper Flirtversuch
eines nach sexueller Aktivität lechzenden
Geschichtslehrers in den Wäldern vor Moskau beginnt, nistet sich in Tatjanas Kopf ein
wie ein Parasit. Jahrelange Zweifel über die
eigene Tauglichkeit und Ausstrahlung münden für das junge Mädchen in einem einzigen Lebensziel: Muse werden. Während
sie sich stets mithilfe historischer Bücher
und ihrer eigenen Fantasie träumerisch an
der Beziehung zwischen dem großen russischen Schriftsteller Dostojewski und dessen Geliebter Polina entlang hangelt, arbeitet sie fieberhaft an der Verwirklichung ihres
Traumes. Als sie in die USA auswandert und
dort prompt einen aufstrebenden Autor mit
Bart in ihren Bann zieht, scheinen sich ihre
Visionen zu bewahrheiten – wenn sich die
Tätigkeiten einer Muse in Nicken, Lächeln
und Kaffeekochen erschöpfen.
Die selbst- und fremdironischen Darstellungen der charmanten Ich-Erzählerin eignen sich bestens als griffbereite Zweitgedankenwelt für den (weiblichen) Nachttisch.
Julia Grote
© Dalkey Archive
„Necropolis“ by Boris Pahor
Dalkey Archive
$13.95
182 Pages
ISBN: 978-1-56478-611-1
Vocabulary
Denoting:anzeigend
Atrocities:Gräueltaten
Sisphean: Sisyphus
arbeit
Eaciated: abgemagert
Deftly:
geschickt
Twenty years after being a prisoner and medic in the Nazi camps in Belsen and Dachau, Boris Pahor visits a camp in the Vosges
Mountains. He wonders through the camp,
now a historical monument, with other tourists and begins to think back on the last and
most gruesome months of the war.
Necropolis, a fantastical name denoting a
“death city” is an apt name for the amount of
death the author has faced. Many novels have
documented the atrocities of World War II,
so much so that the topic seems to have lost
its affect on modern audiences. This narrative managed to bring the bare horror of this
unimaginable period in humanity back to
me with fresh honesty.
The strain of having survived while so
many died daily right in front of him, lends
this book an incredible weight. Brutality is
indiscriminant and relief comes rarely, but
it is this combination that drives home the
reality of the events that Pahor relates from
his life. In his time in the camps he was responsible for providing medical care to the
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
other prisoners, a sisyphean task since the
majority ended up being shot or gassed and
their bodies burnt in the ovens. Pahor and
his fellow medics attempted though to bring
some relief to the emaciated bodies from the
hard labor they faced daily and thus to also
provide some small hope.
A now celebrated Slovenian author, Pahor
details the variety of European nationalities
encountered in the camps. The effects of nationality and sense of identity surrounding it
is also a fascinating dimension to this book.
The translation by Michael Biggins into
the English is commendable. It grasps the
authorial voice deftly and manages to relate
the idiomatic register of the original text. It
is a great introduction to Slovenian literature
for all who are interested.
Helena Putsch
Rezensionen :: 37
Wer hat sich nicht schon einmal Gedanken
über den Tod gemacht? Der Journalist, der
beim Überqueren einer Straße sehr damit
beschäftigt ist, die festen Waden einer jungen Frau zu bestaunen, jedenfalls nicht. Er
wird dabei von einem Auto erfasst und steht
im wahrsten Sinne des Wortes von einem
zum anderen Moment neben sich. Er blickt
auf seinen reglosen Körper, den er noch mit
ins Krankenhaus begleitet, wo lediglich sein
Tod festgestellt werden kann. Nachdem der
Protagonist dieser Post-Mortem-Geschichte
damit fertig ist, sich darüber zu echauffieren, dass es ein unmöglicher Zeitpunkt zum
Sterben war – schließlich ist er noch ziemlich
jung und hat sich gerade neue Schuhe gekauft – beginnt er die Vorzüge des Lebens
nach dem Tode kennen zu lernen. Er trifft
auf seiner Reise, neben berühmten Schriftstellern, dem Papst, der immer wieder versucht, ihm ein Gespräch aufzudrängen und
auch Jesus, auf eine Frau. Diese ist zwar noch
nicht gestorben aber sehr krank. Da er sich
auf den ersten Blick in sie verliebt, wünscht
er sich nichts mehr als ihren Tod. Doch noch
ist nicht sicher, ob sie den Weg zu ihm ins
Reich finden wird.
Arto Paasilinna verzichtet hier auf große
Gefühlsduselei und lässt seinen Titelhelden
die Höhen und Tiefen des Totseins genauso
„durchleben‘‘, wie dieser es schon zu Lebzeiten musste. Für Fans des skurilen, finnischen
Humors ein absolutes Muss!
Marianne Jende
© Bastei Lübbe
„Im Jenseits ist die Hölle los“ von Arto Paasilinna
Bastei Lübbe
7,95 €
224 Seiten
ISBN 978-3-404-92224-6
„Ich habe einen Platz für mich selbst in
seiner Geschichte gefunden – in seinen
Geschichten über das Leben und Tod,
Vergangenheit und Gegenwart – und ich
habe auch Fela gefunden und es ist ein Platz,
der konkreter und realer, zugleich imaginärer ist als jeder andere Platz und es ist
meiner und nur meiner!“
Fela ist eine junge Frau aus New York
mit jüdischem Hintergrund. Sie beschließt
mit ihrem Großvater „Mosha“ auf eine Reise nach Polen zu gehen, bei der sie nicht
nur die Lebensgeschichte ihres Großvaters
erfahren soll, sondern auch ihr eigenes
Leben Revue passieren lässt: ihre Babyjahre
in Deutschland, ihre Kindheit in Israel, ihre
Jugend und Gegenwart als Scheidungskind
in New York. Vor allem aber das Verhältnis
zu ihrem Freund aus Kindertagen in Israel.
Vanessa F. Fogel beweist mit ihrem
Erstlingsroman „Sag es mir“ großes Talent,
drei Generationen, vier Länder und Themen
wie Religion und Zugehörigkeit so geschickt
zu verknüpfen, dass der Leser in die Welt von
© weissbooks.w
„Sag es mir“ von Vanessa F. Fogel
Fela, der Ich-Erzählerin, mitgerissen wird.
Die Autorin verliert sich in ihrem Buch nicht
in langen Umgebungs- oder Hintergrundbeschreibungen, sie gibt nur wieder, was
unbedingt notwendig erscheint.
„Sag es mir“ ist ein sehr wortgewandtes
und bildreiches Buch, mit einer Thematik, die so grandios geschildert wird, dass
es dem Leser schwer fällt, das Buch wieder
aus der Hand zu legen ohne betroffen und
berührt zu sein.
Nadine Brandt
weissbooks.w
19,80 €
334 Seiten
ISBN 978-3-940888-58-7
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
38 :: Quiz
Quiz
Viel Spaß beim Rätseln!
2. Wie hoch ist der Anteil der Frauen, die
leitende Positionen in privaten Unternehmen besetzen?
a. 28 %
b. 32 %
c. 18 %
3. Welche Lerchenart lebt in Leipzig und
Umland?
a. Seelerchen
b. Baumlerchen
c. Feldlerchen
4. Seit wann gibt es die Studentenzeitschrift Leipziger Lerche?
a. 1990
b. 1994
c. 2004
5. Welches Ziel hat Joël Gattefossé mit seiner Buchhandlung Le Bleuet?
a. Größte Titelanzahl
b. Schrägste Buchhandlung
c. Buchhandlung auf Rädern
6. Welche ist die größte und bekannteste
Tauschbörse?
a. Meinbuch-deinbuch.de
b. BookMoch.de
c. Tauschticket.de
7. Was beinhaltete die Bücherstrafe im
Mittelalter?
a. Schläge mit einem Buch
b. Verspeisen eines Buches
c. Lesen eines Buches
8. Das wievielte Jubiläum feiert das Krimifestival Müchen im März 2012?
a. 10.
b. 15.
c. 20.
9. In welcher Schrift erscheinen Bücher für
Blinde?
a. Punktschrift
b. Weißschrift
c. Strichschrift
10. Der slowenische Buchmarkt ist relativ
klein und beschaulich. Wie viele Bücher
werden im Jahr veröffentlicht?
a. 15.000
b. 9.000
c. 4.000
Lösungen: 1b, 2a, 3c, 4b, 5a, 6c, 7b, 8a, 9a, 10c
1. Welcher Faktor ist bei den Verlagen von
besonderer Bedeutung, wenn sie mit
Agenturen zusammenarbeiten?
a. Hohe Qualität
b. Zeitersparnis
c. Extrem Kostenintensiv
Impressum
Leipziger Lerche
Anzeigen: Helena Becker, Friederike Czermack, Julia Grote, Marian-
ISSN: 1430-0737
ne Jende, Lydia Kraske, Susanne Kuba, Tina Kutzschebauch, Helena
Auflage: 3.000 Exemplare
Putsch, Julia Seitz, Nina Stark, Maren Taubert, Wiebke Weber
Herausgeber: Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leip-
Herstellung: Helena Becker, Lydia Heise, Katrin Kutsche,
zig, Fakultät Medien, Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft,
Tina Kutzschebauch
Karl-Liebknecht-Str. 145, 04277 Leipzig
Layout: Lydia Heise, Katrin Kutsche, Helena Putsch, Katja Rohde,
Internet: www.fbm.htwk-leipzig.de
Ilke Seiler, Maren Taubert, Katarina Wölfer
E-Mail: [email protected]
Titelfoto: © Katja Rohde
V.i.S.d.P.: Alexander Melzer
Titelfoto Cover Spezial: © Katja Rohde
Chefredakteurin: Marianne Jende
Reproduktion und Druck: Anke Schlegel, Roger Troks,
Redaktion: Helena Becker, Friederike Czermack, Mathias Giegling,
Hausdruckerei der HTWK, Gustav-Freytag-Str. 40, 04277 Leipzig
Julia Grote, Lydia Heise, Marianne Jende, Lydia Kraske, Susanne
Weiterverarbeitung: IGT Colordruck GmbH, Mommsenstraße 2,
Kuba, Katrin Kutsche, Tina Kutzschebauch, Helena Putsch, Katja
04329 Leipzig
Rohde, Ilke Seiler, Julia Seitz, Nina Stark, Maren Taubert, Wiebke
Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei der
Weber, Katarina Wölfer
Papierfabrik Schleipen.
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
40 ::
Studiengang Buchhandel / Verlagswirtschaft
Fakultät Medien
Regelstudienzeit:
6 Semester (inkl. Praxissemester)
Voraussetzungen:
allgemeine oder fachgebundene
Hochschulreife, Vorpraktikum
Studienabschluss:
Bachelor of Arts
» Buchhandel / Verlagswirtschaft «
HTWK Leipzig
Dezernat Studienangelegenheiten
Postfach 30 11 66
04251 Leipzig
www.htwk-leipzig.de
Leipziger Lerche 35 | Herbst 2011
Studium Rund ums Buch
Besuchen Sie den Gemeinschaftsstand der Hochschulen auf der
Frankfurter Buchmesse 2011, Halle 4.
12. Oktober 2011
17:00 –18:00 Uhr
14. Oktober 2011
15:00 –16:00 Uhr
Alumnitreffen
Das Who is Who der
Buchbranche –
Ein Quiz zum Berufe-Raten

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