Gastvortrag Ulf Hashagen

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Gastvortrag Ulf Hashagen
Fachbereich Physik, Mathematik und Informatik
Institut für Mathematik
AG Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften
Prof. David E. Rowe Ph.D, Dr. Martina Schneider
„Mathematische Instrumente und
Mathematische Maschinen in der NS-Zeit“
PD Dr. Ulf Hashagen
(Deutsches Museum, München)
Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich die Erfindung und Herstellung von "mathematischen Instrumenten" zu einer Stärke des deutschen Innovationssystems, und die deutsche
feinmechanische Industrie hatte über Jahrzehnte eine weltweite Spitzenstellung in der
Herstellung derartiger Apparate. Die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges einsetzende
Finanzkrise in Deutschland verhinderte im Zusammenspiel mit der Ideologie der "reinen
Wissenschaft", dass in der Weimarer Republik größere "mathematische Maschinen" gebaut wurden, so dass andere nationale Innovationssysteme die internationale Führungsrolle in diesem Bereich übernahmen. Während der vom Elektroingenieur Vannevar Bush am
MIT in den USA gebaute epochemachende Analogrechner "Differential Analyzer" in den
1930er Jahren z.B. in Großbritannien mehrfach "kopiert" wurde, begann die deutsche Entwicklung erst nach den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. So wurde 1939/40 mit dem
Bau von zwei unterschiedlichen und technisch sehr ambitionierten Analogrechnern für das
Heereswaffenamt bzw. für das Raketenprojekt von Werner von Braun begonnen. Dabei
zeigt sich, wie der NS-Staat die wissenschaftliche Kompetenz der Mathematiker als Ressource für die Entwicklung von Waffen nutzte und wie umgekehrt die Mathematiker die
finanziellen, personellen und industriellen Ressourcen des NS-Staates für Projekte zum
Bau großer mathematischerMaschinen zu Nutze machten. Der Vortrag versucht dabei,
grundlegende Aspekte der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung in der
"angewandten Mathematik" sowie die Dynamik und Struktur des militärisch-industriellakademischen Komplexes im "Dritten Reich" zu analysieren.
Alle Interessenten sind herzlich eingeladen.
Zeit: Dienstag, 22. Januar 2013, 16:00-18.00
Ort: Raum 05 522, Institut für Mathematik, Staudinger Weg 9, 55099 Mainz

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