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Aquarium 1'187 Wörter, 8'683 Zeichen
?Aquarium (lat., »Wasserbehälter«),
Vorrichtung, um Wassertiere und Wasserpflanzen längere Zeit am Leben zu erhalten und zu beobachten. Ein in einfachster
Form, zugleich das älteste uns bekannte, ist die Vase mit Goldfischen, welche bei den Chinesen seit langer Zeit beliebt ist und in
Europa vor etwa 150 Jahren eingeführt, indessen erst vor wenigen Jahrzehnten zur Aufnahme auch andrer Süßwasserbewohner
eingerichtet wurde. Die gegenwärtig üblichen Süßwasseraquarien in den Zimmern (Zimmeraquarien) bestehen aus einem Kasten mit
steinerner Grundplatte und wasserdicht darin eingefügten, meist gläsernen Seitenwänden.
In der Mitte ist gewöhnlich ein über das Wasser emporragendes Felsstück angebracht, welches, gleich dem sandigen Grund, mit
lebenden Pflanzen besetzt wird. Von Tieren sind Goldfische, Stichlinge, Salamander, kleine Süßwasserschildkröten, Frösche,
Teichschnecken, Wasserkäfer, Libellen, Phyrganeenlarven etc. geeignet; doch ist Überfüllung, namentlich bei Fischen, zu vermeiden.
Zur Fütterung benutzt man Oblaten, kleinere Insekten, Puppen von Ameisen (sogen. Ameiseneier) und sorgt von Zeit zu Zeit für
Erneuerung des Wassers; in ähnlicher Weise vorteilhaft wirken die neuerdings hergestellten sogen. Durchlüftungsapparate, welche
einen Strom feiner Luftblasen mit ziemlicher Kraft durch das Wasser treiben.
Aus dem Süßwasseraquarium haben sich ähnliche Veranstaltungen entwickelt so das Terrarium zur Zimmerzucht zarter
Pflanzen in Glaskasten und zur Pflege kleinerer Landtiere, und das Seewasseraquarium, welches die Fauna und Flora des Meers
auch weit entfernt von demselben in aller Bequemlichkeit zu studieren gestattet. Im kleinen zwar sind dergleichen Anlagen nur in der
Nähe der Küste zu ermöglichen, wo man Wasser, Tiere und Pflanzen öfter erneuern kann, und daher auch eigentlich nur in England
allgemein bekannt.
Größere derartige Aquarien sind jedoch auch im Binnenland, meist in Verbindung mit zoologischen Gärten, errichtet. Der erste
solche Bau war das sogen. Marineaquarium oder Zoophytenhaus des zoologischen Gartens zu London (von W. Alfr. Lloyd
ausgeführt); später kamen sie auch in Paris, Brüssel, Hamburg, Frankfurt etc. auf. Meist benutzt man für sie die Kellerräumlichkeiten
mit ihrer gleichmäßiger Temperatur und regelt die Beleuchtung derart, daß der Zuschauerraum sein sparsames Licht durch die
Glaswände der von oben erhellten Becken empfängt.
? Dies läßt jedoch manche Tiere, die Schatten oder gedämpftes Licht lieben, nicht zu vollem Wohlsein gelangen. Die Zirkulation
wird durch Pumpen, welche Wasser und die von ihm mitgerissene Luft bis auf den Grund der Becken treiben können, unterhalten.
Das beste Zeichen für die Güte einer solchen Einrichtung ist es, wenn sich an den Felswänden im Hintergrund und an den Seiten der
Bassins Pflanzen oder Tiere von selbst ansiedeln. Eins der bedeutendsten Aquarien ist das von Lüer erbaute und 1869 unter der
Direktion von Brehm eröffnete in Berlin. Es bedeckt einen Flächenraum von 1334 qm und enthält gegen 185 cbm Wasser, sollte aber
richtiger Vivarium heißen, da es auch an Schlangen und namentlich an Vögeln sehr reich ist, ja sogar Affen beherbergt. Das zur
Verwendung kommende Seewasser wird nach den Angaben des jetzigen Direktors Hermes
zusammengesetzt und bewährt sich recht gut. Die sehr großen Aquarien zu London, Brighton und New York sind mit
Konzerthallen und ähnlichen Instituten verbunden und daher in erster Linie auf Vergnügung berechnet. Streng wissenschaftlich
angeordnet ist von allen öffentlichen Aquarien nur dasjenige zu Neapel, welches zu Anfang der 70er Jahre von Anton Dohrn erbaut
wurde und noch geleitet wird. Es enthält ausschließlich Tiere aus dem Neapolitaner Golf und gewährt so ein anschauliches Bild des
reichen Tierlebens auf dem Grunde des Meers.
Seine Bassins fassen gegen 300 cbm Wasser. In engster Beziehung steht es zu der unter derselben Direktion befindlichen
sogen. Zoologischen Station (s. d.), in welcher Zoologen und andre Naturforscher Gelegenheit zu eingehenden Studien über die
Organismen der See erhalten.
Vgl. Gosse, Handbook to the marine Aquarium (2. Aufl., Lond. 1874);
»Leitfaden für das der zoologischen Station zu Neapel« (von Schmidtlein, 2. Aufl., Leipz. 1885);
Lloyd, Official handbook to the marine Aquarium of the Crystal-Palace Aquarium-Company (Lond. 1878);
Pizzetta, L'aquarium d'eau douce, d'eau de mer (Par. 1872);
Taylor, The Aquarium, inhabitants, structure and management (Lond. 1876);
Roßmäßler, Das Süßwasseraquarium (4. Aufl., Leipz. 1880);
Langer, Das Aquarium und seine Bewohner (Berl. 1877);
Gräffe, Das Süßwasseraquarium (2. Aufl., Hamb. 1881).
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Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte
Auflage, 1885-1892;1. Band, Seite 710 im Internet seit 2005; Text geprüft am 3.3.2008; publiziert von Peter Hug; Abruf am 20.1.2017
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