Drachenpost 2012 / 2013 - Tabaluga Kinderstiftung

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Drachenpost 2012 / 2013 - Tabaluga Kinderstiftung
Ausgabe 2012/2013
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Unsere Drachenpost
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Liebe Freunde und Unterstützer der Tabaluga Kinderstiftung,
wie nun schon seit vielen Jahren möchte ich mich allem voran
bei Ihnen auf das Herzlichste für die Unterstützung unserer
Tabaluga Kinderstiftung bedanken. Ohne Ihr aktives Zutun
sähe das Leben in unseren Projekten tatsächlich anders aus.
Erst Ihre Spenden versetzen uns in die Lage, den uns anvertrauten Kindern das Umfeld zu ermöglichen, welches ihnen die
Basis für ein erfülltes und geglücktes Erwachsenenleben sein
kann – so schlecht die Ausgangsbedingungen in den einzelnen
Lebenssituationen auch sein mögen.
Allerdings sind auch diese Angebote auf der Erwachsenenebene ohne die Hilfe von externen Kooperationspartnern und
Unterstützern wie Sie nicht denkbar.
Ich kann Ihnen daher nur noch einmal
Danke sagen und Ihnen auch weiterhin
alles Gute für Ihr persönliches Wohlergehen wünschen.
Mit herzlichen Grüßen,
Mit unserer neuen Drachenpost möchten wir Sie daher gern
wieder über unsere verschiedenen Kinderhäuser sowie über das
neue Orange House und unser Familienzentrum Sternstundenhaus informieren. Dabei möchte ich in diesem Jahr Ihr Augenmerk besonders auf unsere Mitarbeiter in den Kindergruppen
lenken. Sie werden in dem Beitrag über die Traumapädagogik
einen Eindruck davon gewinnen, welchen Herausforderungen
sich meine Kolleginnen und Kollegen tagtäglich gegenüber
sehen.
Seit Jahren liegt es mir daher besonders am Herzen, die Bedingungen auch für unsere Teams immer weiter zu verbessern
und ihnen das notwendige Rüstzeug für ihre Arbeit, die mehr
Berufung als Beruf ist, an die Seite zu stellen.
Ihr
Dr. Jürgen Haerlin,
Vorstand der Tabaluga
Kinderstiftung und
Leiter der Tabaluga
Projekte
Wir danken allen
unseren Spenderinnen
und Spendern!
Unsere Drachenpost
Tabaluga-Kalender
April 2012
04.04.
Juli 2012
28.07.
-
So werden wir z.B. mit guter Hausmannskost
bestens verpflegt – was wir bei der Rückkehr auch
auf der Waage spüren! Zudem planen sie immer
sehr abwechslungsreiche und schöne Ausflüge:
Von Städtebesichtigungen wie Annaberg-Buchholz mit Bergbaumuseum über Besuche in der
Kunst- und Kulturstadt Dresden bis
hin zur Wanderung
mit der „Kräuterkönigin“ Uta.
Außerdem haben wir
sogar schon eimal
den berühmten
Skispringer Jens
Weißflog besucht.
Jedes Jahr gibt es ein tolles Programm für Groß
und Klein und dabei werden keine Hindernisse
gescheut! So fuhr Uta im Freizeitpark Plohn tapfer
alle wilden Fahrgeschäfte mit unseren Kindern
mit. In der Schmiede von Peter wurden Flammkuchen und Langos (herzhafte Ausgezogene) für alle
zubereitet. An diesem Tag konnten wir unter ihrer
Anleitung unsere eigene Kräuterbutter aber auch
Seife und Creme herstellen.
Wir können uns im Namen aller Kinder
und Jugendlichen gar nicht genug bedanken für die schöne Zeit, die bleibenden
Erinnerungen und das außergewöhnliche
Engagement.
Urlaub im Erzgebirge
14.-25.08.
Oberwiesenthal ist bekannt
für den Skisport, das wunderschöne Fichtelgebirge, Räucherwerke und die
kunstvoll aus Holz geschnitzten „Schwibbogen“.
Seit 2009 haben wir das große Glück und
verbringen unseren jährlichen Kinderurlaub
in Oberwiesenthal im Erzgebirge.
sUrlaub
en
notiz
Unsere Kinder sind immer gern zu Gast in der
wunderschönen Pension von Uta und Peter Riedel,
in der wir uns alle sehr wohl fühlen.
Tabaluga-Kalender
Mai 20
12
22.05.
Freitag
Schönheitstag
mit J.7
August 2012
Wir haben die Riedels in unser Herz geschlossen
und jedes Mal ist die Zeit bei Ihnen nicht nur
für unsere Kinder sondern auch für die Betreuer
einfach wunderbar.
August 2012
JuKi – da will ich hin!
Kinder- und Jugendfest in
der Kultfabrik in München
JuKi – da will ich hin, so lautete der Aufruf zur
Teilnahme am neuen Kinder- und Jugendfest,
kurz JuKi, in der Kultfabrik am Ostbahnhof.
Mittwoch
ngs
Frühli
fest
Wie immer gab es den großen Umzug der
geschmückten Kinder durch´s ganze Haus und
durch den Garten. Zusammen wurde gesungen,
lecker gegessen und um das
Frühlingsfeuer getanzt.
Die Frühlingsprinzessin und
ihre „Gefolgschaft” verteilten
den obligatorischen Zucker,
der mit vielen guten Wünschen
für ein glückliches Jahr von
allen ins Feuer geworfen
wurde. Es ist schön für alle
unsere Kinder und Mitarbeiter, dieses Ritual jedes
Jahr aufs Neue zusammen zu begehen.
Sandra Richter
Assistentin von Dr. Haerlin
Samstag
l
da wil
JuKi - in!
ich h
Alle Jahre wieder...
...kommt im April nicht noch
einmal das Christuskind
sondern wird traditionell unser Frühlingsfest gefeiert. Auch in diesem Jahr versammelten
sich zu diesem Zweck wieder alle im Tutzinger
Kinderhaus, um gemeinsam den Winter zu vertreiben und die ersten Sonnenstrahlen zu begrüßen. Die meinten es diesmal auch wirklich gut
mit uns, denn bei fast schon frühsommerlichen
Temperaturen wurde es unser erstes Fest des
Jahres unter freiem Himmel.
3
2
Florentina Manaila Caranfilide
Gruppenleiterin
Tabalugahaus Schongau
Neben dem großen Freizeitspaß für Kinder und
Jugendliche bis ca. 16 Jahre diente das Fest auch
als Informationsbörse für das mannigfaltige
Angebot, welches die vielen Organisationen in
München und Umgebung für die junge Zielgruppe bereithalten. Zugleich ist es eine geeignete
Plattform zur Vernetzung für die zahlreichen
Vereine, Initiativen und Stiftungen, die sich mit
den unterschiedlichsten Aspekten rund um junge
Menschen auseinandersetzen und Unterstützung, Anregung und Hilfe für die heranwachsende Generation und ihre Familien anbieten.
Natürlich durfte die Tabaluga Kinderstiftung bei
einem solchen Anlass nicht fehlen! So präsentierten wir uns bei strahlendem Sommerwetter
mit einem Kunstprojekt zum Mitmachen für kleine und, wie sich heraus stellte, durchaus auch
große Besucher. Unser Thema lautete „Wax on
Wood“ bzw. „Wax on Box“: Mit Wachskreiden
konnten die Teilnehmer Holzboxen und in der
Natur gesammelte Hölzer bunt bemalen.
Kinder aus verschiedenen Tabaluga-Gruppen fingen an zu malen, zu ihnen gesellten sich immer
mehr Kinder der Besucher und arbeiteten ganz
unbefangen und voller Eifer mit. Der Andrang
wurde riesig, so
dass fast alle der
mitgebrachten
Boxen und Hölzer
bald verarbeitet
waren und nun,
bunt bemalt, so
manches Münchner (Kinder-) Zimmer schmücken.
Die Begegnung der Kinder aus unterschiedlichem Umfeld erschien durch den
gemeinsamen und kreativen Schaffensprozess ganz selbstverständlich, und das
war – neben den gelungenen Kunstwerken – ein wunderschönes Ergebnis dieses
Projektes!
Barbara Schütz-Hildebrand
Kunsttherapeutin
08.08.
Mittwoch
ag
heitst
Schön J.7
mit
Montag
ag
itst
nhe
Schö it J.7
m
In unserer letzten Drachenpost haben wir ja bereits von den großartigen
Aktionen der J.7-Stylistinnen und Stylisten berichtet – aber wie angekündigt war dies nur der Anfang. Mittlerweile stand bereits der 3. Aktionstag dieser hochklassigen Friseurkette unter dem Zeichen der Unterstützung unserer Tabaluga Kinderprojekte und wir konnten darüber hinaus
die hochmotivierten und sehr engagierten
Mitarbeiter bereits zum 5. Mal in unserem
Orange House zum Schönheitstag für alle
unsere Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter
begrüßen. Es sind echte Freundschaften
entstanden, die uns tragen und sehr viel
bedeuten.
links: Mona Lesny, eine der Geschäftsführerinnen von J.7, beim Schminken
Gemeinsam erreichen wir viel – so der Gedanke der J.7 Mitarbeiter. Seit vielen Jahren übernimmt die J.7 group Verantwortung
für das gesellschaftliche und soziale Leben notleidender Kinder
und möchte »Gutes tun und Gutes geben«.
Erneut reisten fast 30 Mitarbeiter und Führungskräfte gemeinsam in einem
großen Bus an, um den Tag in einem der Tabaluga Kinderprojekte zu verbringen und den dort lebenden Kindern und Jugendlichen ihre Hairstyleund Make-up-Wünsche zu erfüllen. Nicht nur einen Scheck hatten sie im
Gepäck, sondern das gesamte Stylisten-Equipment, um den Saal des
Orange Houses in eine richtige Salon-Landschaft umzuwandeln. Mit 20
Frisiertischen und einer Make-up-Ecke standen die Stylisten den über 80
Kindern und Jugendlichen sowie ihren Betreuern bis spät in die Abendstunden für ein Hairstyling inkl. Schnitt zur Verfügung. Durch Sachspenden von
L’Oréal konnte das J.7 Team an alle Kinder und Jugendliche zusätzlich noch
tolle Geschenke verteilen. Die glücklichen Augen der Kinder und der Stolz
der Jugendlichen, so trendy gestylt zu sein, zeigt, wie erfolgreich soziales
Engagement sein kann.
Obwohl die J.7 Mitarbeiter
hierfür an ihrem freien Tag
zum Teil schon morgens
um 4 Uhr aufgestanden
sind, freuten sie sich, ihre
Zeit und ihre Arbeitskraft
einem wirklich guten Zweck
zu spenden. Und in einem
waren sich alle einig: »Wir
sind begeistert von der Idee,
die Kinder in den Tabaluga
Projekten zu unterstützen. Professionelle „Stylingberatung“
Die Aura und die Energie, die hier ausgestrahlt wird und die Arbeit mit den
Kindern sind einfach schön. Es ist wunderbar, dass es so eine Einrichtung
für Kinder gibt. Ein großes Lob an die hiesige Leitung für alles, was sie
leistet. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder hier in Geborgenheit
leben und einer Normalität nachgehen können. Wir stehen voll
und ganz hinter dieser Aktion. Dafür schenken wir ihnen gerne
unseren freien Tag und werden die Tabaluga Kinderstiftung auch
weiterhin unterstützen
unterstützen.«
Auszüge zur Kooperation
aus der Homepage von J.7
ber 20
Dezem
10.12.
J.7 – Schönheit kommt von innen!
12
Ausgabe 2012/2013
Nachrichten
Gemeinsam unabhängig
Erklärtes Ziel ist es, die Tabaluga Kinderprojekte am Hohen Peißenberg unabhängig von konventionellen Energieformen zu machen. In
einem Zusammenspiel von Erdwärme, Solarenergie und Photovoltaik
soll ein CO2-freies soziales Kinderdorf entstehen. Die Kosten hier für
sind natürlich immens, aber dank der Unterstützung durch innovativ
denkende und agierende Unternehmen wie z.B. die P&R AG in
München Grünwald wird es uns gelingen, dieses Vorhaben mittelfristig in die Tat umzusetzen.
Brandschutz bei Tabaluga
Im Zuge der für alle unsere Kinderhäuser natürlich höchsten Anforderungen in Sachen Brandschutz, musste unser Tabalugahof in den
letzten Monaten teilweise umgebaut werden, damit alle dort lebenden
Kinder und Erwachsenen zu jeder Zeit und auch im hoffentlich nicht
eintretenden Brandfall schnell und problemlos in Sicherheit gebracht
werden können.
Neben einer moderne Brandmeldeanlage, welche nun den Hof mit
dem Sternstundenhaus verbindet, wurden sogar neue Wände gezogen
und alle Türen ausgetauscht. Die Zeit des Umbaus war nicht immer
leicht für die Bewohner, führte ihnen aber auch vor Augen, wie wichtig
Brandschutz und die richtigen Sicherheitsvorkehrungen sind.
Eine gute Lektion!
Die Themen in dieser Ausgabe
Tabaluga-Kalender
Traumapädagogik in den Tabaluga Kinderprojekten
Geschwisterzusammenführung
Neues vom Qualitätsmanagement
Reittherapie – Pfeiler unserer therapeutischen Arbeit
Neues vom Orange House: Floßbau + Fotoprojekt
Orange House: Musical „Zu lange unter Palmen“
Orange House: Oper „Zauberflöte“ + Sommercamp
Vom Tabaluga Kind zum selbständigen Erwachsenen
Das Jahr 2012 im Sternstundenhaus
Ein paar Fragen an: Tabaluga Beirat Bodo Behnke
Alles Gute, Dr. Haerlin: Ein Kindergeburtstag zum 60.
Der Tabaluga Stifterservice: diverse Stifter im Interview
Impressum Tabaluga Kinderstiftung
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Unsere Drachenpost
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Traumapädagogik in den Tabaluga Kinderprojekten
Dies sind nur einige Fragen, die
uns in den pädagogischen Teams
der Tabaluga-Wohngruppen täglich
intensivst beschäftigen und auf die
wir die bestmögliche, individuelle
Antwort finden müssen.
Eine typische Geschichte aus dem
Gruppenalltag:
Die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen haben für ihre oft herausfordernden Verhaltensweisen immer einen
relevanten Grund, den wir herausfinden
und mit dem wir positiv umgehen müssen. Oft war genau dieses,
im Normalfall ungewöhnliche Verhalten für unsere
Kinder bevor sie zu uns
kamen sogar überlebensnotwendig.
In unseren Kinderhäusern leben überwiegend Kinder und
Jugendliche, die von früh an existenzbedrohende Erfahrungen von Gewalt, Vernachlässigung und Verwahrlosung erleiden mussten.
❚ Wie wirkt es sich auf die junge Seele aus, jahrelang existenziell bedroht, misshandelt, missbraucht und vernachlässigt zu
werden?
❚ Welche Verhaltensweisen werden in so einem Lebenskontext
„normal”, ergeben aber in jeder anderen, nicht von Gewalt
geprägten Beziehung, keinen Sinn bzw. erscheinen hier als
ungehörig und entwicklungshinderlich?
❚ Wie gestalten wir vertrauensvolle, professionelle Beziehungen
mit früh bindungsgestörten Kindern und Jugendlichen?
❚ Welche Haltung wird von uns als Bezugspersonen und Betreuern verlangt?
❚ Wie können wir diese einüben und uns kollegial darin unterstützen, uns immer wieder auf die Suche nach dem guten
Grund hinter einem auffälligen, nicht selten anstrengenden
Verhalten zu begeben?
❚ Welche Methoden bestärken uns in der dafür oft nötigen
Geduld und Wertschätzung?
❚ Auf welche Weise vermitteln wir jedem Kind,
dass es gut so ist, wie es ist?
❚ Wie schaffen wir für alle Wohngruppen
ein Klima von Zugehörigkeit, welche die
Basis für jeden positiven, psychischen
Entwicklungsprozess bildet?
❚ Wie unterstützen wir die Kinder darin, sich
selbst und ihr Verhalten besser zu verstehen
und an Lösungen zu arbeiten?
Da ist zum Beispiel der
achtjährige Thomas, der
erst seit einem halben Jahr in
der Kindergruppe lebt und sich jeden Morgen vor dem Schulweg noch eine Buttersemmel macht, um
diese unter seinem Bett zu verstecken. Seine Betreuerin weiß,
dass er zuhause oft kein Essen bekommen hat und auf diese
Weise für sich vorsorgt, um das furchtbare Gefühl, Hunger zu
leiden, nie mehr erleben zu müssen. Beim Gute-Nacht-Sagen redet sie darüber mit ihm und lobt ihn dafür, dass er schon gelernt
hat, richtig gut für sich zu sorgen. Sie vereinbart mit ihm, dass
er sich ab sofort jeden Abend eine Semmel mit ans Bett nehmen
kann, die sie – wenn er sie nicht gebraucht hat – am Morgen
zusammen wieder in die Küche bringen. Außerdem versichert sie ihm,
dass er bei Tabaluga nie mehr hungern muss und immer ausreichend
zum Essen für ihn da sein wird. Sie
nimmt sich vor, ihm dies regelmäßig
und immer wieder ins Bewusstsein zu
heben, solange bis er sich dieser Tatsache wirklich sicher ist.
Cecilia Mingazzini
Alle unsere Pädagogen und
Therapeuten sind permanent
auf dem Weg, die neuesten traumapädagogischen
Standards in ihre täglichen
Abläufe
aufzunehmen,
um auf diese Weise langfristig tragfähige Konzepte zu entwickeln,
welche jedem einzelnen
Kind in bester Weise zu
Gute kommen.
Leiterin Kinderhaus Schongau
und Wohngruppe Tutzing
„ Alles, was ein
Im Gespräch mit Ines Krause
Mensch zeigt,
macht einen Sinn
in seiner
Geschichte
Bereits in der letzten Ausgabe
der Drachenpost haben wir daher
darüber berichtet, dass wir die
traumapädagogischen Inhalte und
Haltungen in unserer Einrichtung
konstant implementieren wollen.
Zu diesem Zweck konnten wir
im vergangenen Jahr Wilma Weiß, die Leiterin des Zentrums
für Traumapädagogik und Autorin des traumapädagogischen
Standardwerks „Philipp sucht sein ich“ gewinnen. Gemeinsam
mit ihrem Team haben wir eine interne Fortbildungsreihe mit
mehreren Modulen für alle unsere pädagogischen und therapeutischen Mitarbeiter konzipiert.
“
Um den Prozess zu begleiten und die Inhalte und Ziele der Traumapädagogik bei Tabaluga als Multiplikatoren weiter intensivieren zu können, absolvieren derzeit sieben unserer Mitarbeiter
die ausführliche dreijährige Zusatzausbildung zum Traumapädagogen. Diese Mitarbeiter initiieren mehrmals im Jahr Reflexionsrunden, in denen sich die Kollegen über die Umsetzung
der Fortbildungsinhalte, Veränderungen bei den Kindern und
Jugendlichen aber auch über noch ungelöste Probleme austauschen können. Dabei werden die traumapädagogischen Inhalte
und Übungen vertieft. Diese Reflexionsrunden haben sich als
äußerst sinnvoll erwiesen, um das Erlernte lebendig zu halten
und durch den kollegialen Austausch und das Erfahren positiver
Beispiele, immer wieder neuen Mut zu schöpfen, um sich sicher
auf dem herausforderungsvollen, traumapädagogischen Weg
bewegen zu können.
Unser gemeinsames Ziel ist es, jedes Kind in seiner Einzigartigkeit wahr-, ernst- und anzunehmen, seine individuellen Bedürfnisse zu erkennen und sich dafür genug Zeit
nehmen zu können. Wir wollen jedes Kind seinen Begabungen gemäß fördern und ihm
dadurch eine selbstbestimmte
Zukunft ermöglichen.
Katrin Woidich
Projektleiterin
Orange House
Immer wieder aber wird deutlich,
dass es nicht möglich ist, allein aus
den Mitteln der öffentlichen Finanzierung, den Anforderungen einer
nachhaltigen Traumapädagogik
gerecht zu werden. Nur mit Hilfe
privater Spender und Unterstützer
können wir diesen für unsere Kinder,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen so wichtigen Weg gehen.
Allen Menschen, die uns dabei
unterstützen, gilt unser herzlichster Dank.
Ulrike Fußgänger
Sozialpädagogin
Betreutes Wohnen
Wolfgang Brandstetter
Leiter Betreutes Wohnen
Ausgabe 2012/2013
Ines Krause (langjährige Gruppenleiterin im Tabalugahaus
Tutzing und derzeit in der Ausbildung zur Traumapädagogin – siehe links) erläutert die praktische Umsetzung der
Traumapädagogik in ihrer täglichen Arbeit anhand des
folgenden Beispiels:
Ein Mädchen schlägt im Bestreben
nach Aufmerksamkeit immer wieder
nach seiner Betreuerin, ungeachtet,
ob diese sich ihm gerade zuwendet
oder um ein anderes Kind kümmert.
Hier kommt es darauf an, zunächst
Ruhe zu bewahren und dafür zu sorgen, dass auch das Mädchen sich
wieder entspannen kann, denn solange es in innerer Aufruhr ist, macht
das Gespräch keinen Sinn. Wenn
der Stress sich abgebaut hat und ein
echter Kontakt wieder möglich ist,
spricht die Pädagogin in Ruhe mit
dem Kind und analysiert mit ihm gemeinsam die Situation.
Dabei sind Fragen wie „Hast Du gemerkt, dass Du wütend
warst und mich geschlagen und mir dabei sogar weh getan
hast?“ und die Frage nach dem WEIL von essentieller Bedeutung, denn diese implizieren in ganz besonderer Weise das Zugewandtsein sowie das echte Interesse der Betreuerin an dem
Mädchen. Darüber hinaus erlaubt diese Form der Fragestellung
auch kleineren Kindern etwas in sich tiefer zu beleuchten, regt
sie zum Nachdenken über die eigene Befindlichkeit an. Es geht
darum, heraus zu finden, warum das Kind so empfindet, auf
diese Weise reagiert und vor allem, wie es sich in Zukunft anders ausdrücken kann.
Um sich konstant aus dem Dilemma heraus zu bewegen, vereinbart die Pädagogin mit dem Kind ein Zeichen, welches sie
ihm geben wird, sobald sich die Situation wieder zu verschärfen
droht. Findet dieses Stopp-Zeichen im Zusammenspiel mit einer
alternativen Handlung anstelle des Schlagens immer wieder
konsequent in den Abläufen statt,
stellen sich bei den meisten Kindern
nach einer gewissen Zeit positive
Veränderungen ein.
Ines Krause
Leiterin Kindergruppe
Kichererbsen
Ziel ist es, das Erlernte immer
besser nach außen zu transportieren, um in herausfordernden
Situationen adäquat reagieren
zu können.
Auf diese Weise wird es möglich, dass in unseren Projekten Jugendliche und junge
Erwachsene heranreifen können, die den Herausforderungen der Erwachsenenwelt gewachsen sind und die
sich so stabil und gefestigt wie möglich darin bewegen
können.
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Unsere Drachenpost
Geschwisterzusammenführung
Neues vom
Qualitätsmanagement
Immer wieder sind die Jugendämter in der Situation,
Geschwisterkinder in stationären Einrichtungen unterbringen zu müssen, weil ihre Eltern aus vielen Gründen
nicht erziehungsfähig sind.
Im Rahmen unseres Qualitätsmanagements läuft seit September ein neues Programm, welches die Zusammenarbeit der
Pädagogen und Therapeuten noch enger und intensiver
gestalten soll: Innerhalb dieses Programmes wird jeder Kindergruppe ein Vertreter des therapeutischen Fachdienstes zugeordnet, der regelmäßig an den Besprechungen des pädagogischen
Teams teilnimmt. Die Pädagogen berichten in diesem Rahmen
dem Therapeuten über den aktuellen Entwicklungsstand jedes
Kindes bzw. Jugendlichen und der Therapeut unterrichtet das
Team im Gegenzug über die individuellen Therapieverläufe.
Dieser Austausch soll die zeitnahe Rückkopplung und die konstante Verbesserung der Kommunikation gewährleisten und die
individuellen therapeutischen und pädagogischen Konzepte für
unsere Tabalugakinder immer besser vernetzen.
Suchterkrankungen, psychische Erkrankung und massive Gewaltverhältnisse einhergehend mit schwerer Verwahrlosung
spielen dabei eine Rolle. Oft müssen alle Kinder gleichzeitig
aus der Familie genommen werden. Manchmal geschieht dies
auch zeitlich versetzt, da zum aktuellen Zeitpunkt nicht für
alle Kinder sofort die geeignete Einrichtung zur Verfügung
steht. Das bedeutet für diese Kinder nicht nur den Verlust ihres
Elternhaus, sondern zumindest zeitweise auch den Verlust der
Geschwister.
Auch wenn die Beziehung der Geschwister untereinander
oft sehr belastet erscheint, ist sie doch häufig ein halt- und
orientierunggebendes
Element. Die Belastung
der Kinder kann entstehen, wenn die älteren
Geschwister zuhause die
Erwachsenenrolle übernehmen mussten, um die
Jüngeren im gesamten
Alltag zu versorgen und
so eine nicht altersgemäße Verantwortung auf
ihnen lastete.
Im August konnte nach intensiver Vorarbeit zudem der wichtige Baustein ‚Sexualpädagogik – Aufklärung, Prävention,
Intervention‘ implementiert werden. Dieses Konzept ist genau
auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kinder und Jugendlichen zugeschnitten: Es hat neben Informationen zur Sexualaufklärung vor allem die behutsame Begleitung vom Kindesalter an
bei der Identitätsfindung als Frau bzw. als Mann im Blick.
Von April bis Mai wurde unter Beteiligung aller Gruppen und
vieler Mitarbeiter das zweite interne Audit durchgeführt. Die
Auswertung der Auditberichte ergab, dass unsere QM-Module
im pädagogischen Alltag große Akzeptanz finden und nahezu
optimal umgesetzt wurden und werden. Die Ergebnisse zeigen,
dass Qualitätsmanagement sich als Führungsinstrument weitgehend etablieren konnte. Dadurch konnte neben der qualitativen
Steigerung auch die bereichsübergreifende Vergleichbarkeit
erreicht werden.
Gisela Michel mit Saskia
Das erlebte Trauma, der Beziehungsabbruch und die
Trennung haben gravierende
Folgen für die betroffenenKinder und wirken sich entwicklungshemmend aus. Geschwister
zusammenzuführen bedeutet den Erhalt der Restfamilie und
eine Minderung der Auswirkung des Trennungserlebnisses.
Die Sicherheit, in Zukunft zusammen aufwachsen zu können
und der Austausch von gemeinsam Erlebtem geben unseren
Kindern die reelle Chance auf eine wachsende positive Geschwisterbeziehung. Denn diese bleibt für die uns anvertrauten
Kinder die längste gelebte Beziehung in ihrem Leben.
Es ist uns daher besonders wichtig, diese Chance
so vielen Geschwisterpaaren wie möglich in unseren
Kindergruppen zu ermöglichen.
Gisela Michel
von der Familienstelle Michel
Optimierungsvorschläge der Kollegen wurden im Rahmen des
Revisionsverfahrens in die bestehenden Module eingearbeitet.
Besonders hilfreich ist es, dass unser QM-Handbuch nun auch
im neu eingerichteten Intranet einzusehen ist.
Im Rahmen der bereits laufenden Implementierung von Traumapädagogik ist ebenfalls geplant, das QM-Handbuch mit
traumapädagogischen Standards zu erweitern. Bei der weiteren
Revisionstätigkeit wird darauf zu achten sein, dass auch alle anderen Module traumapädagogische Prinzipien berücksichtigen
(siehe auch den Bericht „Traumpädagogik“, Seite 4und 5).
Wolfgang Brandstetter
Leiter Betreutes Wohnen
und QM-Beauftragter
Ausgabe 2012/2013
Neben dieser gezielten Förderung stehen Stallübernachtungen
und -arbeit oder der Ausritt in die freie Natur ganz hoch im
Kurs der Kinder und Jugendlichen – sie schöpfen Kraft, dürfen
sie selbst sein und sich selbst erleben.
Susanne Tarabochia
Reitpädagogin
Reittherapie Lehrgang
Seit 1993 findet auf dem Greinwaldhof in Tutzing für
unsere Kinder und Jugendlichen der Tabaluga Kinderund Jugendhilfe die Heilpädagogische Förderung mit
dem Pferd (HFP) statt.
Reittherapie – ein Pfeiler
unserer therapeutischen
Arbeit
Eines unserer Kinder formulierte in seiner Therapiestunde
den Satz
„Weißt du, die Menschen, die verstehen mich
so von außen, aber die Pferde, die verstehen mich
eher so von innen!”
Mit diesem Empfinden des Kindes ist schon viel über unsere
Arbeit in der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd gesagt. Diese Förderung bietet vielfältige Möglichkeiten mit den
uns anvertrauten, zumeist traumatisierten Kindern und Jugendlichen an ihren Ressourcen zu arbeiten und sie zu stabilisieren.
Auf dem Pferderücken erleben die Kinder ganz neue
Bewegungserfahrungen:
❚ Im Schritt: Ruhe und Getragenwerden
❚ Im Trab:
Schwung und Anregung
❚ Im Galopp: Dynamik und Harmonie
In diesem besonderen Setting spüren die Kinder, dass sie selbstwirksam sein können – sie erleben heilsame Beziehungserfahrungen und bekommen eine neue Idee von Handlungskompetenz. Dabei arbeitet jedes Kind und jeder Jugendliche ganz
individuell mit „seinem“ Pferd oder Pony. Ob in der Gruppenstunde mit mehreren Kindern und Pferden, in der unter anderem auch an den sozialen Kompetenzen gearbeitet wird, oder
in der Einzelförderung, in der viel Zeit und Raum zur Verfügung
steht, sich neu zu entdecken.
In dieser langen Zeit konnte sich diese Therapieform als
wichtige Säule im Therapieangebot der Einrichtung etablieren. Woche für Woche kommen die Kinder und Jugendlichen aus dem Tabalugahaus, der Wohngruppe, dem Betreuten Wohnen und der Familienstelle zu „ihren“ Ponies und
Pferden. Hier können sie ganz individuell an ihren persönlichen Themen arbeiten.
Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten
(DKThR) ist im deutschsprachigen Raum das größte Ausbildungsinstitut für die verschiedenen Fachbereiche des
Therapeutisches Reitens. Neben den vier Lehrgangsorten für
die HFP in Köln, Dortmund, Kürten und Bielefeld suchte das
DKThR seit längerem einen geeigneten Standort im süddeutschen Raum. Schon seit mehreren Jahren gab es eine
enge Zusammenarbeit
zwischen dem DKThR
und unseren Reitpädagoginnen Simone
Schaberl und Susanne
Tarabochia, die Seminare und Informationsveranstaltungen
auf dem Greinwaldhof
organisierten.
Nach 2-jähriger Vorbereitungs- und Anerkennungsphase
konnte 2011 der erste Lehrgang für angehende Reitpädagogen in Tutzing starten, der nun im Oktober 2012 erfolgreich
seinen Abschluss fand.
Wir gratulieren den 15 Absolventen und hoffen, dass
auch Ihnen die Arbeit mit „Kind und Pferd“ soviel
Freude bereitet wie uns!
Simone Schaberl
Reitpädagogin
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Unsere Drachenpost
Ausgabe 2012/2013
Ich
schaff
was!
Neues aus dem
Orange House
Seit zwei Jahren läuft die Arbeit in unserem neuen
Kreativ- und Therapiezentrum Orange House und
natürlich gibt es wieder viel zu berichten.
Das für alle unsere Kinder und Mitarbeiter so entscheidende
„Ich-schaff-was“-Konzept konnte weiter erprobt und ausge­
baut werden. Das Orange House wurde mittlerweile von mehr
als 1.500 Kindern aus den
verschiedensten Kontexten
unserer Kinderprojekte
aber auch aus der Region
genutzt.
Dr. Haerlin (re.) und
Bert Bleicher, Gründer
und Geschäftsführer
der Hoffmann Group
Foundation
So standen neben
den vielfältigen Angeboten für unsere T­ abaluga
Kinder, welche die Nachmittage, die Ferienzeiten
aber auch wieder interessante und faszinierende Veranstaltungen – über Oper für
Kinder bis hin zu den verschiedensten gemeinsamen Aktionen
– umfassten, vor allem die Kooperationen mit den ortsansässigen Grund- und Mittelschulen und mit den Familien aus dem
Sternstundenhaus im Fokus.
Hier ein paar Beispiele aus unserem Angebot:
Wir bauen uns ein Floß
Im Rahmen der Ferienangebote für unsere Tabaluga Kinder
machten sich Anfang September die Gruppen auf den Weg ins
Orange House. Zum Glück war es ein wunderschöner Spätsommertag, denn die Orange House Mitarbeiter hatten vor, mit
den Kindern ein Floß zu bauen. Bretter, Spanngurte, Gummireifen und Seile standen bereit und die Gruppe sollte daraus ein
möglichst stabiles Floß gestalten.
Gesagt, getan. Es wurde intensiv überlegt, alles besprochen
und fleißig konstruiert – am Ende sah das Produkt schon ziemlich tragfähig aus. Mit Kleinbus und Anhänger machten sich
alle auf den Weg zum Starnberger See. Nachdem die Badesachen angezogen und auch die Rettungswesten angelegt waren,
wurde das Floß zu Wasser gelassen, denn natürlich wollten alle
wissen, ob es auch wirklich funktioniert. Als das Wasser endlich
tief genug war, kletterte einer nach dem anderen darauf – und
tatsächlich: Es hielt! Voller Stolz auf ihre Konstruktion paddelten die Kinder über den See. Auch unser Therapiehund Puma
durfte mitfahren.
Nach getaner Arbeit konnte sogar an Deck eine Brotzeit
gemacht werden. Satt und glücklich ging es danach wieder
sicher ans Ufer und zurück ins Orange House. In der Abschlussrunde wurde stolz vom gelungenen Ausflug berichtet.
Ein richtig schöner Ferientag… und eine tolle Erinnerung
um auch später noch zu wissen, da habe ich aber was
geschafft!
Ein Fotoprojekt mit den Schulklassen
Der Münchner Fotograf Erol Gurian startete im Schuljahr
2011/12 ein Fotoprojekt mit Schülern der 5. und 7. Klasse.
Gemeinsam konnten sie sich in der Fotografie erproben
und vieles von dem erfahrenen Fotografen lernen. Das
Ergebnis ist im Jahreskalender 2013 der Hoffmann Group
Foundation zu bewundern.
Die Kinder und Jugendlichen stellten schnell fest, dass Fotografie mehr ist, als nur auf den Auslöser der Kamera zu drücken.
Der genaue Blick
wurde geschult, das
Bewusstsein für die
Schönheit der Natur
geweckt. Aus der
Perspektive der Pädagogik ist die Fotografie
ein Medium, welches
schnelle und sichtbare
Erfolge bringt und den
Kindern und Jugendlichen zeigt, dass ihre Sichtweise geschätzt
wird. Im Rahmen dieses Projektes wurde auch der Gruppenprozess unterstützt. Die Fotogruppe arbeitete auf ein gemeinsames Ziel hin, das durch den Kalender greifbar gemacht wird.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen und die Kinder und
Jugendlichen haben gelernt, sich auf ihre Fähigkeiten zu
verlassen.
„Zu lange unter Palmen”
Gastspiel von kids4kids
Das Musical „Zu lange unter Palmen“ handelt von
­Jugendlichen, die auf einer einsamen Insel gestrandet
sind. Als plötzlich ein Segelschiff am Horizont auf­taucht, sind endlich alle gerettet, oder?!
An einem strahlend schönen Samstagmorgen im Juni reisten
das Team und die 17 jungen Darsteller der kids4kids World
Foundation zum Hohen Peißenberg. Mit viel Energie und Professionalität fanden den ganzen Tag über die Proben im Saal
des Orange Houses statt. Die große Bühne und das eindrucksvolle Bühnenbild waren aufgebaut, so dass sich unser Saal tatsächlich in eine einsame Insel verwandelt zu haben schien. Am
Sonntag war es dann endlich soweit, die Mädchen und Jungen
wurden von Maskenbildnern in Inselbewohner, Fabelwesen und
Schiffsreisende verwandelt. Mit den aufwändigen Kostümen
und geschminkten Gesichtern waren die jungen Musicaldarsteller kaum wiederzuerkennen. Am frühen Nachmittag trafen
dann die Gäste ein, die sich zum größten Teil aus unseren Tabaluga Kindern und ihren Gästen aber auch aus Vertretern der
Hoffmann Group Foundation zusammensetzten. Als sie Platz
und das eindrucksvolle Bühnenbild in Augenschein nehmen
konnten, stieg die Spannung spürbar.
Die jungen Darsteller verzauberten das Publikum dann auch
nicht nur durch ihre Stimmen, sondern mit ihrem schauspielerischen und tänzerischen Talent. So verging die Zeit wie im Flug
und mit tobendem Applaus und Standing Ovations wurden sie
wie große Künstler gefeiert.
Im Anschluss daran wurden
von der Stiftungsvorsitzen­
den und Gründerin der
kids4kids Foundation, Prof.
Talia Refeld (links), wunderbare neue Instrumente für die
Musikthera­pie überreicht.
kids4kids in Aktion
Denn schon seit nunmehr acht Jahren fördert kids4kids dieses
wichtige Therapieangebot in den Tabaluga K
­ inderprojekten sowohl mit Spenden als auch mit Instrumenten, die wir uns ohne
diese Unterstützung nicht leisten könnten.
Zum Abschluss wurde mit allen Gästen gemeinsam der
kids4kids Song gesungen und alle freuten sich über eine
wunderschöne Vorstellung und ein gelungenes Wochenende.
Verena Schwarz
Praktikantin im Orange House
Großer Applaus vom Publikum
Unsere Drachenpost
„Die Zauberflöte” im Orange House
aus der Reihe „Oper im Taschenbuchformat“
An einem schönen Freitagnachmittag Ende April trafen festlich
gekleidete Kinder und Jugendliche aus unseren Tabaluga Projekten voller Vorfreude im Orange House
zu einem ganz besonderen musikalischen
Ereignis ein: „Die Zauberflöte“ von W.A.
Mozart sollte aufgeführt werden.
Vier professionelle Opernsängerinnen und -sänger aus renommierten
Münchner Theatern sangen mit viel
Schwung und Spaß die berühmten
Arien des Vogelfängers, der Königin
der Nacht und des Sarastro.
Sie wurden begleitet von einem Streichquartett, das für jede Produktion
der „Oper im Taschenbuchformat“ aus Münchner Orchestermusikern zusammengestellt
wird.
Die hervorragende musikalische Darbietung der Sänger
und Instrumentalisten zog das Publikum schnell in seinen Bann, zumal selbst spontane Zwischenfragen der jungen Zuschauer vom Moderator Herrn Erkes
gern und humorvoll beantwortet wurden. Unsere Kinder waren
fasziniert von der Musik, der Handlung und der Atmosphäre,
11
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sie hörten und sahen sehr aufmerksam zu und applaudierten
voller Begeisterung. Die meisten
unserer Kinder kamen an diesem
Nachmittag zum ersten Mal mit
klassischer Musik in Berührung.
Die Vorstellung bot den behutsamen Zugang zu der wohl
berühmtesten Oper der Welt,
präsentierte hervorragende Sänger und Musiker zum Anfassen.
Für viele ein unvergessliches Erlebnis und für manchen vielleicht
sogar der Beginn einer großen Zuneigung.
Die musikalischen Projekte im Orange House ergänzen und erweitern unsere musiktherapeutischen Angebote. Musikhören
fördert die körperliche und seelische Gesundheit, weckt positive
Erinnerungen, stärkt die Konzentrationsfähigkeit, schult die
Gedächtnisleistung und nimmt positiven Einfluss auf die Beziehungs- und Kontaktfähigkeit der uns anvertrauten Kinder und
Jugendlichen. Die Vielfalt der Musik in Klassik, Musical, Jazz, Pop
und Rock live zu erleben stärkt das Selbstvertrauen der Kinder
und schafft durch direktes Erleben der Künstler positive Vorbilder.
Vom Tabaluga Kind zum
selbständigen Erwachsenen
Auszüge aus Interviews mit Jugendlichen und jungen
Erwachsenen im Alter von 16 bis 21 Jahren (die Namen
wurden geändert).
„
… also ich hab denn auch,
manchmal, meine Tiefphase
gehabt, wo natürlich die Betreuer immer da waren…
(Chantal)
“
Wie erleben die jungen
Erwachsenen unser
Betreutes Wohnen? Wie
gehen sie mit der „neuen
Freiheit“ um? Mit den
Anforderungen im Alltag,
in der Ausbildung? Was
brauchen Sie?
Eines der zentralen Themen der Pädagogik ist die Frage nach
dem Gelingen. Welche Handlungsansätze, welches individuelle,
professionelle Handeln begünstigt den Erfolg pädagogischer
Arbeit mit den Jugendlichen? Dass gekonnte professionelle
Beziehungen heilende Macht haben, bestätigen die Interviews
mit den jungen Erwachsenen. Für manche ist Tabaluga „im
Prinzip meine zweite Familie“ und wird das auch noch „lange
Zeit“ sein.
Herzlichen Dank an die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation (EBV), die dieses musikalische Ereignis ermöglicht und auch schon weitere schöne
Projekte für unsere Kinder in Aussicht gestellt hat.
„
Dr. Cornelia Beck-Kapphan
Musiktherapeutin
Also, ich möchte mich
natürlich bei allen Leuten
bedanken, die mir eine
Unterstützung gewesen waren,
damit ich meinen Schulabschluss, meine Ausbildung
und alles, was ich geschafft
hab … überhaupt erreichen
konnte. … Ich fand es
eine sehr schöne Zeit.
Unser Sommercamp 2012
„ICH bin ICH“ war das Motto des kidsTUMove Sommercamps 2012 für Kinder mit angeborenem Herzfehler
– organisiert und veranstaltet in Kooperation mit dem
Lehrstuhl Präventive Pädiatrie (TU München) und dem
Bundesverband Herzkranke Kinder (BVHK).
Viele der 21 zum Teil sehr schwer herzkranken und dadurch mit
Folgeproblemen wie Übergewicht belasteten Kinder konnten bereits zum 2. Mal eine erlebnis- und lehrreiche aber auch abenteuerlich bewegte Woche in unserem Orange House verbringen. Spaß an Bewegung,
gesunder Ernährung, Kreativität und Selbstwertstärkung sowie der Austausch mit Kindern, die ähnliche Probleme haben, standen
auch dieses Jahr wieder im Vordergrund.
Unser Orange House Team arbeitete hierbei
erneut eng mit Ärzten und den Sportwissenschaftlern der TU München zusammen.
Die ganze Woche über war ein erfahrenes Ernährungsteam an
der Seite der Kinder, welches sie regelrecht auf eine kulinarische Reise führte. Die alltagsnahe und sehr praktische Ernährungsschule führte die Kinder aktiv an eine ganz neue Form
von Kochen und Genießen heran.
Unser Angebot reichte vom lifenotes-Musikprojekt, bei dem die
Kinder ihre Gefühle und Gedanken in Text und Musik äußern
konnten, bis hin zu den unterschiedlichsten sportlichen Herausforderungen. Gemeinsam entstand so das Lied: „ICH bin
ICH“, welches jeden Tag mit Freude gesungen, nicht nur das
Selbstbewusstsein des Einzelnen, sondern auch das Wir-Gefühl
der Gruppe über die ganze Woche hin bestärkte. Die Kinder
konnten sich im Wave boarden, in Akrobatik, Bewegungskünsten, Tanzen, Reiten und natürlich auch in unserer Orange
House Werkstatt versuchen.
Am Ende des Camps stand ein beeindruckendes und vor allem sehr berührendes
Programm, welches den Eltern, die zur
Abholung der Kinder angereist waren, stolz
vorgeführt wurde.
Auch wenn der Abschied wieder
schwer fiel, blieb doch als Trost die Gewissheit sich wiederzusehen, denn in einem waren sich
alle einig: Nächstes Jahr wollen wir wiederkommen!
Nicola Reiner, Dipl. Sportwissenschaftlerin,
Agnes Feistl, Erzieherin im Orange House
Ausgabe 2012/2013
„
Da hat sich einiges geändert,
da ich dann plötzlich viel
selbstständiger sein musste,…
Aber das war eine von mir
gewollte Erfahrung.
(Adin)
“„
Wenn ich nicht dieses
Betreute Wohnen gehabt hätte,
mach‘ ich mir oft Gedanken,
was wäre denn dann? … Ich
denke mal, ich hätte keine
Ausbildung … und nicht in
dem Maße die Wohnung, die
ich jetzt habe. … Nicht den
Lebensstandard, auf keinen
Fall! Vielleicht wäre ich
alkoholabhängig oder
drogenabhängig …
Man weiß es nicht.
(Chantal)
“
Eine abgeschlossene Berufsausbildung und in
(Adin)
der Folge die Bewältigung von beruflichen
und Alltagsanforderungen ist für uns essentiell
wichtig und nicht zuletzt auch ein Gradmesser für
„Gelingen“.
“
Die meisten unserer jungen Erwachsenen haben inzwischen
ihre Ausbildungen beendet. Einige sind in ihren Berufen tätig,
manchen konnte durch die großzügige Unterstützung privater
Spender und Stiftungen sogar die von ihnen angestrebte
vertiefte Qualifizierung in ihren Berufen ermöglicht werden.
Viele unserer ehemaligen Tabaluga Kinder leben und
bestreiten ihren Lebensunterhalt selbstständig.
Susanne Kirchhoff
Dipl. Pädagogin, Betreutes Wohnen
Unsere Drachenpost
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auffälligkeiten und
anderen Problemen, wie
z.B. Einnässen zeigt. Ein
gemeinsamer Ausflug
mit Bergwanderung
wichtig, weil er sie
regelrecht zusammen
schweißte, und dies für
Menschen, die durch
ihre Geschichte im
Alltag oft auf sich allein
gestellt sind, stärkend
und entlastend wirkt.
Das Jahr 2012 im Sternstundenhaus
Im Jahr 2012 fanden erneut viele Menschen im Sternstundenhaus Entlastung, Ruhe und Entspannung. Die traumhafte Lage mit Blick über das Alpenvorland sowie die helle und lichtdurchflutete Architektur haben vor allem auch
die neuen Gäste beeindruckt. „So schön habe ich es mir
nicht vorgestellt!“ war der spontane Ausruf eines Vaters.
Neben den Therapieangeboten ist es oft der Austausch
mit Gleichbetroffenen, der Ressourcen weckt und Kontakte entstehen lässt, die manchmal sogar über den Aufenthalt im Sternstundenhaus hinaus Bestand haben.
Schläge und Bedrohungen durch ihre Männer
Das Jahr begann mit einem Aufenthalt unserer „Kleinen Helden“, und Väter waren für
die im Laufe der Jahre schon viele Male zu Gast in unserem
eine Gruppe von MütSternstundenhaus waren. Auch dieses Mal schöpften wieder
tern und ihre Kinder
schwer erkrankte oder behinderte Kinder mit ihren Familien
grausamer Alltag, bis sie
nach langen Krankenhausaufenthalten neue Kraft. Die Therasich entscheiden konnpieangebote des Sternstundenhauses, die kompetente Betreuten, diese Beziehungen
ung und nicht zuletzt die liebevolle Atmosphäre geben vor
zu beenden. Gerade
allem auch den Eltern wieder die Kraft für ihren herausfordefür sie war das Erfahren
rungsvollen Alltag. Die Mutter eines spastisch behinderten und
von anderen Visionen für
blinden Sohnes, deren Ehemann vor kurzem an Krebs verstorben ihre Zukunft und der rewar, beschrieb es mit
spektvolle Umgang mit
den Worten: „Das letzte ihrer Geschichte wichtig. Beim Reiten, in der Musiktherapie oder
Mal, dass sich jemand in der Werkstatt entdeckten viele ganz neue Fähigkeiten in sich,
so liebevoll um mich
die ein neues Selbstbewusstsein entstehen ließen.
gekümmert hat, war
meine Mutter, als ich
Mit vier Müttern und ihren Kindern kam im Sommer eine Grupein Kind war.“
pe ins Sternstundenhaus, die bisher keinerlei Unterstützung
durch andere Menschen erfahren
Auch in diesem Jahr
durften. Gemeinsam war ihnen nur
betreuten wir wieder
ihr schweres Schicksal. Eine Mutter
Familien, die in verüberlebte nur knapp einen Gewaltschiedenster Weise
ausbruch ihres Mannes, bei dem
Erfahrungen mit Gewalt
er sie und ihre drei Kinder teilweise
und Tod gemacht haben. In intensiven Gesprächen konnten
schwer verletzt hatte.
die Familien, die sich schon längere Zeit mit diesem Schicksal
auseinander setzen müssen, anderen Hilfe und Unterstützung
Eine andere Familie verlor den Vater
geben, die noch stark unter diesem schweren Schicksalsschlag
nach einem langen Krebsleiden, was
leiden. Hier wird ein weiterer wichtiger Bestandteil der Philosovor allem für die zwei Jungen sehr
phie des Sternstundenhauses deutlich.
belastend ist und sich in Verhaltens-
Unsere Betreuungsangebote für die Kinder ermöglichen den
Familien eine Auszeit, eine wohltuende Pause vom „Erledigungszwang“ des Alltags, wie es eine Mutter formuliert. Auch
die Kinder genießen die Angebote der individuellen Betreuung
sehr. Die friedliche Atmosphäre überrascht und erfreut die
Eltern. Oft stellen sie fest, dass man „hier viel weniger angespannt und nervös reagiert“ als zu Hause.
In Kooperation mit der Peter Maffay Stiftung konnten wir erstmalig Kinder aus dem Dialysezentrum Köln begrüßen. Einige
von ihnen haben bereits eine Nierentransplantation hinter sich,
andere mussten noch jeden zweiten Tag den Weg zur nächstgelegenen Klinik auf sich nehmen, um 4 bis 5 Stunden an der
Ein paar Fragen an:
Tabaluga Beirat Bodo Behnke
Ausgabe 2012/2013
Dialyse zu sein. Die Angebote vom Reiten über Musizieren bis
zum Pizzabacken in selbstgebauten Lehmöfen gaben die unterschiedlichsten positive Impulse für die Kinder. Bei einer Wanderung am Hörnle hatte jeder, je nach körperlicher Verfassung,
sein eigenes Erfolgserlebnis, wobei einige wirklich über sich
hinaus wuchsen! Wir waren beeindruckt mit welcher bewundernswerten Energie und Lebensfreude die Kinder ihr Schicksal
annehmen.
Im nächsten Sommer
können wir dank der
Unterstützung durch
die Auerbach Stiftung
und die Aktion Sternstunden unseren neuen Anbau eröffnen
und auf diese Weise
noch mehr Menschen
in Not Entlastung und
Entspannung von ihrem schweren Lebensalltag ermöglichen.
Wir freuen uns schon jetzt auf die Familien, die uns im
kommenden Jahr besuchen werden.
Holger Ameis
Koordinator Sternstundenhaus
Alles Gute, Dr. Haerlin!
Ein Kindergeburtstag zum 60.
Biografie:
Ich bin seit 1998 als Beirat der Tabaluga Kinderstiftung engagiert. Im normalen Leben bin
ich seit mehr als 35 Jahren als Unternehmer in
der Immobilienbranche tätig, die Errichtung von
Grundschulen, Kindergärten, betreutes Wohnen
für geistig/körperlich behinderte Kinder und
Jugendliche waren und sind immer wieder besondere Projekte. Aktuell steht die Umsetzung
eines Kinderhospiz kurz vor dem Abschluss.
Was bewegt Sie zur Mitarbeit als Beirat?
In Zeiten von Überfluss und zunehmend steigender Ignoranz gegenüber den Mitmenschen sollte es allen ein Bedürfnis sein, den
Schwächsten dieser Gesellschaft – und in diesem Falle sind es
die Kinder – zumindest Aufmerksamkeit zu schenken. Für mich
ist es ein tiefes Bedürfnis, im Rahmen meiner Möglichkeiten der
Tabaluga Kinderstiftung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Die so wichtige Tabaluga Kinderstiftung begleitet mich seit
langer Zeit, über gemeinsame Freunde kam es dann zu einer
Begegnung mit Dr. Haerlin – kurz darauf durfte ich meine Hilfe
in dem Beirat der Tabaluga Kinderstiftung einbringen, seitdem
ist diese Mitarbeit für mich eine Herzensangelegenheit.
Anlässlich seines runden Geburtstages feierten wir mit
Dr. Haerlin ein wunderbares Geburtstagsfest, an dem neben
all unseren Kindern und Betreuern auch zahlreiche Wegbegleiter der Tabaluga
Stiftung teilnahmen,
um Danke zu sagen für
seinen außerordentlichen und jahrzehntelangen Einsatz für
Kinder in Not.
Unsere Drachenpost
Bert Bleicher, Hoffmann Group
Der Tabaluga Stifterservice
Unsere Hilfe für Ihr Engagement
Sie lernen in dieser Drachenpost einige unserer
engagierten Stifter kennen und bekommen so einen
Eindruck davon, mit welcher Freude und Begeisterung diese Menschen ihre Vorstellungen von Hilfe
für die Tabalgua Kinder in die Tat umsetzen.
Großspende, eigene Stiftung, ehrenamtliche Arbeit oder Testament – es gibt viele Möglichkeiten, seinem Engagement eine
wirksame Form zu verleihen. Der Tabaluga Stifterservice unterstützt Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Fördervereine
und Serviceclubs, die sich dauerhaft für unsere Tabaluga Projekte
einsetzen möchten dabei, ihre individuellen Vorstellungen vom
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Fördern, Stiften oder Vererben einfach und effektiv
umzusetzen. Die ungekürzten Interviews (alle geführt
von Julia Hof) können Sie im Internet auf der Homepage
des Tabalgua Stifterservice nachlesen.
Gerne schicken wir Ihnen Informationen oder beraten Sie
in einem persönlichen Gespräch. Bitte wenden Sie sich an:
Julia Hof, Tabaluga Stifterservice, Haus des Stiftens,
Landshuter Allee 11, 80637 München, Telefon 089 744 200 255,
[email protected] oder informieren Sie sich im Internet
unter www.tabaluga-stifterservice.de.
Foundation: „Es gibt mir Kraft
und macht Freude.“
Die Hoffmann Group Foundation hat gemeinsam mit der Tabaluga Kinderstiftung das Orange
House am Hohen Peißenberg ins Leben gerufen,
welches die Möglichkeiten im kreativen, pädagogischen und therapeutischen Bereich in
erheblichem Maße erweitert.
Warum engagieren Sie sich als Stifter?
B.B.: Der Grundstein wurde schon von meinen Eltern
in der Erziehung gelegt. Ich glaube, dass Geben ein
wichtiger Bestandteil der persönlichen Entwicklung
ist. Mein Engagement kostet mich weniger Energie oder Geld,
als dass es mein Leben in einer schönen Form bereichert. Ich
möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Welt von traumatisierten Kindern leichter zu gestalten und die Entwicklung
zu fördern. Mit der Hoffmann Group Foundation haben wir die
Möglichkeit, Ressourcen zielgerichtet zu bündeln, um effektiv
und nachhaltig zu helfen.
Ausgabe 2012/2013
Was hat Sie dazu bewogen, die Projekte der Tabaluga
Kinderstiftung zu unterstützen?
B.B.: Ich glaube an Köpfe und Menschen. Der Kontakt zu
Dr. Haerlin hat mir von Anfang an Freude gemacht und eine
Vertrauensbasis war schnell gebildet. Noch dazu hat mich
immer das Thema Kinder angetrieben und ich war mir sicher,
dass den Tabaluga Projekten eine gesunde, kraftvolle Organisation zugrunde liegt, die sehr professionell arbeitet. Es hat einfach gepasst.
Was bereitet Ihnen dabei besonders Freude?
B.B.: Viele Bereiche, in denen die Therapeuten im
Orange House täglich arbeiten, machen mir auch
privat große Freude – sei es Musik, Werken oder
Kunst. Außerdem bin ich ein Mensch, der liebend
gerne entwickelt, für den Stillstand Rückschritt bedeutet und
ich sehe bei Tabaluga vielfältige Möglichkeiten, einen persönlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Einrichtung zu leisten.
Aktuell möchten wir im Orange House die Küche, Terrasse
sowie auch die therapeutischen Angebote weiter ausbauen.
Michael Roll
Hannelore Auerbach, Vorstand der
Auerbach Stiftung: „Ich werde in eine große
Familie aufgenommen…“
Hannelore und Tjark Auerbach begleiten gemeinsam
die Auerbach Stiftung. Sie wollen Werte wie Vertrauen, Mut, Beständigkeit, Fleiß und Freude am Leben in
die Gesellschaft hineintragen.
Frau Auerbach, was wollen Sie mit der Stiftung
erreichen?
H.A.: Ich möchte Menschen in schwierigen Lebenssituationen
„Hilfe zur Selbsthilfe“ ermöglichen. Ein erster Anstoß von uns
soll Menschen befähigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und nachhaltig zu gestalten. Weiterentwicklung in Forschung, Wissenschaft und vor allem Unterstützung im sozialen
Bereich, ist der Stiftung ein großes Anliegen.
Was hat Sie dazu bewogen, die Projekte der Tabaluga
Kinderstiftung zu unterstützen?
H.A.: Ich bin durch die Biographie von Peter Maffay auf das
Sternstundenhaus aufmerksam geworden. Aus einem
ersten Gefühl wurde immer mehr Gewissheit, dass
ich mit der Tabaluga Kinderstiftung einen sehr guten
Partner gefunden habe. Vor allem die Offenheit im
Umgang miteinander, das Achten auf Qualität, die
gute Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, die Herzlichkeit und das Gefühl, das jeder Mensch wertvoll ist,
hat uns zur Zusammenarbeit bewogen. Ich habe das tiefe Vertrauen, dass Familien in ihren besonderen Lebenslagen hier die
richtige Unterstützung bekommen und Kinder und Jugendliche
einen guten Start ins Leben erhalten.
Was bereitet Ihnen dabei besonders Freude?
H.A.: Ich freue mich wenn „Etwas“ entsteht und weiterentwickelt wird, was Menschen zusammenbringt und ihnen auf
ihrem Lebensweg Hilfe und Unterstützung gibt. Persönlich habe
ich jedes Mal, wenn ich bei Tabaluga bin das Gefühl, ich werde
in eine große, warmherzige Familie aufgenommen.
Was haben Sie sich in Zukunft vorgenommen?
H.A.: Die Auerbach Stiftung will sich gemeinsam mit der Tabaluga Kinderstiftung weiterhin für traumatisierte und erkrankte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien engagieren.
Die Ressourcen sollen gebündelt werden, um die Arbeit der
Tabaluga Kinderstiftung nachhaltig zu sichern. Zukunftsweisende Projekte werden angegangen und das Netzwerk um die
Kooperation herum ausgebaut. Zusätzlich zur finanziellen Förderung, ist es uns durch die langfristig angelegte Kooperation
von zehn Jahren auch möglich, Tabaluga z.B. beim Planen und
Initiieren neuer Projekte und mit gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen.
Die
Stiftung hat sich mit Ihrem
Engagement auch in diesem Jahr wieder der
Reittherapie verschrieben: Anfang September
stellte Michael Roll zum 19. Mal den Tabaluga
Golf Cup 2012 auf die Beine.
Ein erfolgreiches Turnier bei bestem Wetter wurde durch die
gelungene Abendveranstaltung in der Tabaluga Reithalle im
Tutzinger Greinwaldhof abgerundet. Unser Beirat Michael
Roll wurde wie jedes Jahr von einem großen Kreis engagierter Menschen mit Freude und Tatkraft unterstützt. Mit dem
Erlös des Turnieres möchte er im kommenden Jahr weiterhin
den Reittherapiebetrieb für die Tabaluga Kinder auf hohem
Niveau sicherstellen und ausbauen. Dazu hat er mit einem Teil
der Spenden in diesem Herbst bereits das neue Therapiepferd
Knut (siehe Bild
links) angeschafft,
welches schnell in
die Herzen unserer
Kinder galoppiert ist.
Michael Roll über seine Stiftungsarbeit: „Es ist erfüllend,
das Leuchten in den Augen der Therapeuten zu sehen,
während man am Abend nach einer Veranstaltung einen
fünfstelligen Scheck überreichen darf und damit deren
wertvolle Arbeit ein Stück weit absichert. Die Kinder
selbst sollen gar nicht damit belastet werden, wie schwer
es ist, so ein Projekt auf die Beine zu stellen und am
Laufen zu halten. Sie sollen einfach nur bestmöglich
unterstützt werden.“
Jörg Held (Leiter Tabalugahof
und therapeutischer Fachdienst),
Susanne Tarabochia (Reitpädagogin)
mit Michael Roll bei der feierlichen
Abendveranstaltung
Unsere Drachenpost
16
Der Tabaluga Stifterservice
Uschi und Fritz Holzhey
, Holzhey Kinderstiftung: „Es macht einfach Freude!“
Die Familie Holzhey stellte das Haus ihrer Eltern der
Tabaluga Kinderstiftung zur Verfügung und es entstand das
heutige Tabalugahaus Schongau.
Was möchten Sie mit
Ihrer Stiftung erreichen?
Nach der beruflichen Tätigkeit und dem Verkauf unserer Familienfirma mussten wir unser Leben neu
sortieren und kamen unter
anderem zur Gründung
einer eigenen Stiftung. Wir
wollten uns auf sozialem
Gebiet engagieren und
sahen in dem Projekt Tabalugahaus Schongau einen idealen
Ansatz, traumatisierten Kindern zu helfen.
Was hat Sie dazu bewogen, die Projekte der Tabaluga
Kinderstiftung zu unterstützen?
Nach dem Tod unserer Eltern stellte sich im größeren Familienkreis die Frage nach der Verwendung des Hauses. Wir kamen
in Kontakt mit Dr. Haerlin und konnten uns davon überzeugen,
dass in den Tabaluga Projekten mit viel Kompetenz und Wissen,
aber vor allem mit persönlichem Engagement und Herzblut
gearbeitet wird. Wir waren uns schnell in der ganzen Familie
einig, in Schongau das Tabalugahaus entstehen zu lassen und
sicherten mit dem entsprechenden Kapital sowohl Umbau als
auch den weiteren Bestand.
Entspricht die
Stiftungsarbeit
Ihren Vorstellungen?
Wir sind uns sicher,
dass die Alltagsarbeit mit den Kindern in allerbesten
Händen ist. Durch
die direkte Nachbarschaft und persönliche Einladungen haben wir regelmäßig
Kontakt zu den Kindern und Mitarbeitern und können uns
immer wieder davon überzeugen, dass die Kinder einen guten
Weg gehen können. Das macht uns einfach sehr viel Freude!
Was haben Sie sich in Zukunft vorgenommen?
Wir möchten die Arbeit im Tabalugahaus Schongau weiterhin
durch Zustiftungen und eine feste Kapitaldecke absichern und
von äußeren Einflüssen unabhängig machen. Das Haus soll
langfristig so gut und professionell wie heute weitergeführt werden – immer im Sinne der Kinder.
mimi macht`s möglich!
Die mimi Kinder- und Seniorenstiftung wurde vor
8 Jahren von Ingrid Michalke gegründet. Sie hilft unter
anderem bedürftigen Kindern und Jugendlichen, insbesondere Waisen, aus zerrütteten Familienverhältnissen
und möchte deren Situation langfristig verbessern.
Vor allem durch kreative und künstlerische Therapieinhalte soll den Kindern ein
neuer Weg geöffnet werden. Aufgrund
dieser gemeinsamen Zielsetzung stehen
Frau Michalke und Stiftungsvorstand
Robert Perchtold schon seit einigen
Jahren in enger Zusammenarbeit mit
unserer Tabaluga Kinderstiftung und
finanzieren eine Therapeutenstelle im
Sternstundenhaus zur professionellen
Begleitung der Menschen dort. Kinder und Erwachsene können
Meditation- und Entspannungsmomente erleben. Kreativangebote helfen bei der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen
und Ängsten. Meditativ begleitete Ausflüge in die Natur der
näheren Umgebung fördern das Abschalten vom Alltag. In
Elterngesprächen können Sorgen und Ängste ausgesprochen
und verarbeitet werden.
Für die Unterstützung bedanken wir uns auf das Herzlichste.
Unser großes Dankeschön an
Sabine und Guntram Vogelsgesang
für sieben Jahre Münchner Rosenball zugunsten der
Tabaluga Kinderstiftung!
Impressum
Herausgeber und weitere Informationen:
Tabaluga Kinderstiftung, Seestraße 1, 82327 Tutzing
Telefon: 08158 / 92 77 77, Telefax 08158 / 92 77 78
www.tabalugastiftung.de oder [email protected]
Konzept, Redaktion & Gestaltung:
Cathrin Diez und Manuela Zumbansen;
Die Fotos aller abgebildeten Personen sind nur für die Drachenpost
freigegeben. Im Sinne der besseren Lesbarkeit beziehen sich alle
Formulierungen auf die männliche und weibliche Form.
Spendenkonto: Tabaluga Kinderstiftung,
Bank für Sozialwirtschaft,
Kto.-Nr. 888 2000, BLZ 700 205 00
Cathrin Diez
Leiterin Stiftungsbüro
Tabaluga Kinderstiftung

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