1. Einleitung

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1. Einleitung
1. Einleitung
“Yo lo escriviré, con el ayuda de Dios”
Bernal Díaz del Castillo, aus dem Prolog der Historia Verdadera de la Conquista
de la Nueva España
Guatemala, Mitte des 16. Jahrhunderts
Mitte des 16. Jahrhunderts beschließt in der Neuen Welt ein Mann, der das
Schreiben historiographischer Werke bisher anderen überlassen hatte, auf die
Hilfe Gottes zu vertrauen und selbst zu Feder und Papier zu greifen. Dieser
Mann, mit Namen Bernal Díaz del Castillo, war Soldat und hatte als Mitglied der
von Hernán Cortés angeführten Truppe Neuspanien erobert. Unruhige Zeiten
lagen hinter ihm, in denen Tenochtitlán zu Fall gebracht wurde und die spanischen Eroberer bis nach Honduras vorgedrungen waren. Unruhige und zugleich
einmalige Zeiten, die Bernal Díaz als Historia Verdadera de la Conquista de la
Nueva España, als wahrhafte Geschichte über die Eroberung von Neuspanien,
der Nachwelt zu erhalten gedachte. So kam es, dass der einstige Soldat das Terrain der professionellen Historiographie betrat und sich vor die Aufgabe gestellt
sah, all das, was er am eigenen Leibe erfahren und erlebt hatte, auf angemessene
und ansprechende Weise niederzuschreiben, damit seine Historia Verdadera
zwischen all jenen Werken der offiziellen Historiographen bestehen konnte. Da
ihm eine Gelehrtenausbildung jedoch verwehrt geblieben war, beschritt er, “con el
ayuda de Dios”, andere textgestalterische Wege, um diesem Ziel näher zu kommen.
Eine überzeugende Selbstdarstellung als ernst zunehmender und legitimer Autor
war ihm dabei stets ein besonderes Anliegen. Auch zögerte er nicht auf Textvorbilder zurückzugreifen, die ihm als Soldat bildungsbedingt näher standen und somit
zur textgestalterischen Orientierung dienen konnten. Bernal Díaz kann somit als
exemplarisch für einen unerfahrenen Autor gelten, der sich ungeachtet seiner Bildungsdefizite der Niederschrift eines historiographischen Werkes annahm. Dies
offenbart sich in besonderer Manier innerhalb jener Textstellen, die über die indigene Dolmetscherin Doña Marina, jene Frau die den Spaniern während der Eroberung wertvolle Dienste erwiesen hatte, berichten. Somit ist Bernal Díaz nicht nur
der einzige unter den Augenzeugen der Eroberung von Neuspanien, der über die
Dolmetscherin auf derart ausführliche Weise informierte, er bereitete seinen Text
gleichzeitig auf außergewöhnliche Weise und entgegen vorherrschender Traditionen auf. Als Leser im 21. Jahrhundert mögen wir dabei gerade die Ausführlichkeit
der Berichterstattung über Doña Marina als absolut berechtigt empfinden, im Hinblick auf gesellschaftliche Rollenbilder des 16. Jahrhunderts liegt hier dennoch
eine Besonderheit vor.
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Gerade in Anbetracht des Letztgenannten zeigt sich also deutlich der Gehalt
eines solchen historischen Textes, der auf den ersten Blick aus dem Hier und
Jetzt heraus oft nicht in seiner Komplexität zu erfassen ist. Wie nähert man sich
nun aber einem fast fünfhundert Jahre alten Text, wie gelingt es, ein solches
Schriftstück aus seiner Entstehungszeit heraus zu verstehen? Mit dieser Frage
beschäftigt sich Jens Lüdtke im Zusammenhang mit der Ermittlung einer hispanoamerikanischen Sprachgeschichte und kommt zu einer überzeugenden Lösung:
“¿cómo podemos saber lo que expresaban los textos para los coetáneos? El tema se emprende en esta contribución desde los entornos. La finalidad de las observaciones que siguen es
sencilla y compleja a la vez: contribuir a la interpretación de los textos en los que se realiza
la lengua española durante la Colonia, fundamentalmente en la fase expansiva y fundacional
de los siglos XVI y XVII, con la intención de recrear la actividad y los saberes de sus autores y lectores” (Lüdtke 2011:865).
Folglich führt der Weg zum Ziel über jene entornos, zu Deutsch Umfelder, welche
unter dieser Bezeichnung in der Sprachtheorie Eugenio Coserius beheimatet und
außerhalb dieser bisweilen auch als Kontexte bekannt sind.1 Lüdtke beruft sich
dabei auf das damit einhergehende Modell, welches er selbst weiterentwickelte
und das in jener überarbeiteten Form auch dieser Arbeit als Ausgangspunkt
dient. Eine Umfeld- oder auch Kontextanalyse ermöglicht demnach, Aktivität
und Wissen der Autoren und damaligen Leser wiederherzustellen und den Text
aus seiner Entstehungszeit heraus zu analysieren. Die Umfelder können daher als
überaus dienliche Werkzeuge für die Analyse historischer Texte im Allgemeinen
betrachtet werden, wie in dieser Arbeit gleichermaßen zu bestätigen sein wird.
Eine konkrete Ermittlung jener Umfelder, auf die ein Autor bei der Niederschrift und Gestaltung seines Textes zurückgriff oder die ihn dabei beeinflussten,
erfordert vom Interpreten jedoch einen bewussten Prozess der Rückversetzung in
die jeweilige Zeit und somit auch in den entsprechenden Textverfasser. Die damit einhergehende Schwierigkeit liegt vor allem in der zeitlichen Distanz zwischen der Niederschrift und der Analyse des Textes begründet, die bei Nichtberücksichtigung schnell dazu verleiten kann, die eigenen Umfelder in die Analyse
mit hineinfließen zu lassen. Hiervor ist natürlich kein Interpret gefeit, allerdings
stellt ein Rückversetzungsprozess über einen derart großen Zeitraum auch kein
unmögliches Unterfangen dar. Hilfestellung bieten konkrete Textstellen und Textthemen, im Folgenden auch verbale und thematische Kontexte genannt, anhand
derer die einzelnen, beispielsweise gesellschaftlichen Umfelder, also Kontexte,
die auf gesellschaftlichen Ansichten oder Auffassungen beruhen, rekonstruiert
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Auf die Terminologie und die Abgrenzung der Begriffe Umfeld, Kontext und Wissen wird im
theoretischen Teil noch zurückzukommen sein.
werden können. Dieser Methode mag man zunächst entgegensetzen, dass insbesondere die Rückkopplung an verbale Kontexte die Vielfalt der potentiell zu
berücksichtigenden Umfelder einschränken würde. So werden beispielsweise nur
jene literarischen Umfelder, also Kontexte, die sich aus Kenntnissen literarischer
Quellen ergeben, rekonstruiert, für die es konkrete Hinweise im Text gibt. Allerdings bewahrt uns eben diese Vorhergehensweise davor, die eigenen Umfelder
mit denen des Autors zu vermischen und möglicherweise mehr in den niedergeschriebenen Zeilen zu sehen als dort eigentlich angelegt ist. Durch eine offensichtliche Rückkopplung an den Text können wir jedoch sicher sein, dass der
Autor die jeweiligen Quellen gelesen hat oder dass sie ihm zumindest bekannt waren, was das Gelingen des Rückversetzungsprozesses garantiert. Am wichtigsten
bleibt letzten Endes jedoch, sich stets vor Augen zu halten, dass man den Text
durch die berühmte Brille des Autors betrachten will und dabei sämtlichen Assoziationen aus dem Hier und Jetzt zunächst mit Vorsicht gegenübertreten sollte.
Nach dieser kurzen Darlegung der Voraussetzungen für die Analyse historischer Texte, können wir uns nun wieder Bernal Díaz, der Historia Verdadera
und Doña Marina zuwenden und das Ziel dieser Arbeit formulieren. Im Sinne
einer hermeneutisch orientierten Umfeldanalyse soll hier durch die Herausstellung
ausgewählter Kontexte ein Rückversetzungsprozess eingeleitet werden. Dabei
gilt es aufzuzeigen, wie sich der Soldat Bernal Díaz im 16. Jahrhundert auf dem
für ihn ungewohnten Terrain der Historiographie als Autor inszeniert und sich
bemüht, einen nach seinen Vorstellungen angemessenen Text über die Eroberung von Neuspanien mit dem Titel Historia Verdadera de la Conquista de la
Nueva España zu formulieren. Der Analysefokus liegt dabei vor allem auf jenen
Textstellen, die sich der indigenen Dolmetscherin Doña Marina widmen, da sich
in eben diesen besagte Bemühungen sehr gut nachvollziehen lassen. Die Aufbereitung des Textes steht jedoch gleichermaßen in direktem Zusammenhang mit
gesellschaftlichen Umfeldern, die hinsichtlich der Dolmetscherin eine kritische
Stimme evozieren. Unter der Fortführung der Umfeldtheorie Eugenio Coserius
werden dabei zunächst innerhalb von zwei Analyseteilen die verschiedenen Umfelder analysiert, bevor diese Ergebnisse dann zusammengeführt werden. In der
Historia Verdadera treffen folglich drei interessante Aspekte aufeinander: ein
ungeübter Autor, eine bedeutende Dolmetscherin und die hohe Kunst der Niederschrift eines historiographischen Textes. Einleitend sollen daher zunächst
Bernal Díaz, die Historia Verdadera und Doña Marina im Vordergrund stehen,
bevor abschließend ein kurzer Einblick in den Forschungsstand sowie eine Verortung und Vorstellung der verschiedenen Teile dieser Arbeit zu geben ist.
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1.1 Zum Autor Bernal Díaz del Castillo
Wir wollen uns also zunächst dem Autor der Historia Verdadera zuwenden und
damit, soweit es die vorliegenden Daten zulassen, das biographische Umfeld von
Bernal Díaz rekonstruieren, welches die folgende Textanalyse begleiten und
worauf an manchen Stellen zu verweisen sein wird.2 Bisweilen wird hier ebenfalls auf das im ersten Analyseteil zu rekonstruierende militärische Umfeld, das
auf den Ereignissen der Eroberung von Neuspanien basiert, vorzugreifen sein.
Dies wird jedoch nicht allzu ausführlich geschehen, da die relevanten Inhalte im
Laufe dieser Arbeit noch folgen werden.
Bernal Díaz del Castillo erblickte als Sohn von Stadtrat Francisco Díaz del
Castillo und María Diéz Rejón Ende des Jahres 1495 oder Anfang 1496 in Medina del Campo das Licht der Welt.3 Über seine Kindheit und Jugend in der heutigen Provinz Valladolid existieren keine Angaben. Sáenz de Santa María vermutet dennoch:
“Lo suponemos niño estudioso que llega a dominar el escribir, leer y contar cuando todavía
este conocimiento no era patrimonio común de los pequeños de su edad. Medina era famosa
por el arte caligráfico que había hecho célebres a sus escribanos, los cuales encontraban
campo abierto para su especialidad en la activa vida comercial de la villa” (Sáenz de Santa
María 1996:275).
Konkretes erfahren wir erst in der Historia Verdadera, als Bernal Díaz mit fast
zwanzig Jahren beschloss, nach dem Vorbild seiner den Katholischen Königen
treuen Familie, im Jahre 1514 in die Neue Welt aufzubrechen:
“Y como mis antepasados, y mi padre y u[n] mi hermano, sienpre fueron servidores de la
corona real, y de los Reyes Católicos d[on] Hernando y doña Isabel, de muy gloriosa memoria, quise pareçer en algo a ellos. Y en aquel tienpo que fue añ[o] de mill y quinientos y catorze como declarado tengo, vino por governador de Tierra Fir[me] un cavallero que se dezía Pedrarias Dávila, acordé de me venir con él a su govern[a]çión y conquista” (I, 07-35ff.).
Am 30. Juni kam er schließlich in Santa María de la Antigua de Darién an, worüber er jedoch nur spärlich in seiner Historia Verdadera berichtet. Von Panamá,
dem damaligen Castilla de Oro, aus setzte er daraufhin nach Kuba über, wo ihm
der Gouverneur Diego Velázquez,4 eine encomienda5 versprochen hatte. Dieser
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Die folgenden Informationen sind den weitgehend übereinstimmenden Angaben bei Barbón
Rodríguez 2005:3ff., Rivas Yanes 1999:28ff., Sáenz de Santa María 1984:47ff. und 87ff. sowie
Sáenz de Santa María 1996:275 und Alvar 1982:127f. entnommen.
Laut Sáenz de Santa María muss Bernal Díaz genau genommen zwischen Oktober 1495 und
März 1496 geboren worden sein (vgl. Sáenz de Santa María 1984:49).
Laut Rivas Yanes handelte es sich bei Velázquez um einen entfernten Verwandten von Bernal Díaz
(vgl. Rivas Yanes 1999:29; vgl. auch Sáenz de Santa María 1996:275), was Barbón Rodríguez
jedoch anzweifelt (vgl. Barbón Rodríguez 2005:14).
hielt sein Versprechen allerdings nicht und Bernal Díaz schloss sich schließlich
1517 der Expedition unter Francisco Hernández de Córdoba an, die ihn ins heutige Mexiko führen sollte. Nachdem sie Yucatán erreicht und dort mit Eingeborenen Kontakt aufgenommen hatte, kehrten die Expeditionsteilnehmer nach
Kuba zurück. 1518 leitete Juan de Grijalva daraufhin eine weitere Expedition
nach Neuspanien, bei der Bernal Díaz vorgab ebenfalls teilgenommen zu haben,
was lange Zeit angezweifelt und von Barbón Rodríguez letztlich ausführlich
widerlegt wurde (vgl. Barbón Rodríguez 2005:7ff.).6 1519 schloss er sich dann
definitiv der dritten Expedition nach Mexiko an, die unter dem Befehl von
Hernán Cortés stand und begleitete diesen ebenfalls 1524 nach Hibueras, heute
Honduras. Im Anschluss daran verlor Bernal Díaz jedoch seine encomiendas, die
er während dieser Jahre für seine militärischen Leistungen erhalten hatte und sah
sich im Jahre 1539 aufgefordert, eine probanza de méritos, also einen Nachweis
seiner Verdienste, anzufertigen, der ihm wirtschaftliche Stabilität und soziale
Anerkennung gewährleisten sollte.7 1540 reiste er schließlich, damals noch als
regidor, zu Deutsch Ratsmann, der Stadt Coatzacoalco, mit diesem Nachweis
nach Spanien, um persönlich für seine Rechte einzutreten. In diesem Zusammenhang legte er auch Briefe von Vizekönig Mendoza und Cortés vor, die jene
Ungerechtigkeit bestätigen sollten, welche man ihm mit dem Entzug der encomiendas angetan hatte. Im Heimatland sprach der Fiskal des Indienrats Villalobos ihm zwar zunächst seinen Status eines Eroberers ab, letzten Endes erkannte
der Indienrat die Klagen und Forderungen von Bernal Díaz jedoch an.8 Zurück in
der Neuen Welt, reiste er zu seinen alten encomiendas, um den Wert der neuen
zu kalkulieren und lebte mit einer Eingeborenen namens Doña Angelina zusammen. Aus dieser Beziehung ging ein Sohn hervor. Dies war jedoch nicht sein
erstes Kind, denn mit der Eingeborenen Doña Francisca, die ihm Montezuma
während der Eroberung anvertraut hatte, hatte er bereits zwei Töchter. 1544
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Bei einer sogenannten encomienda handelt es sich, in aller Kürze zusammengefasst, um eine
„Zuteilung von Indianern als Arbeitskräfte an die Spanier“ (Konetzke 182004:174), welche auch
unter der Bezeichnung repartimiento bekannt ist. Der jeweilige spanische encomendero hatte
dabei als Gegenleistung den Schutz und die Evangelisierung dieser Eingeborenen zu gewährleisten. Zur Vertiefung siehe ebd.:173ff.
Barbón Rodriguez geht dabei von einer Studie Henry Wagners mit dem Titel Bernal Díaz del
Castillo. Three studies on the same subject (1945) aus (vgl. Barbón Rodríguez 2005:7).
Barbón Rodríguez beschäftigt sich ausführlicher mit den verlorenen encomiendas, die Bernal
Díaz von Cortés und den Gouverneuren von Neuspanien Marcos de Aguilar und danach Alonso
des Estrada erhalten hatte sowie daran anschließend mit dem Inhalt der probanza (vgl. Barbón
Rodríguez 2005:18ff.; siehe hierzu auch die übersichtliche Aufführung von Sáenz de Santa
María 1984:89ff.).
Laut Alvar und Sáenz de Santa María wurde Bernal Díaz hierbei von seinem Verwandten
Gutierre Velázquez de Lugo unterstützt, der Mitglied des Indienrats war (vgl. Alvar 1982:128;
Sáenz de Santa María 1984:88).
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heiratete er schließlich Teresa Becerra, eine spanische Witwe und Konquistadorentochter, mit der er weitere neun Kinder haben sollte.9 In diesem Jahr erhielt er
dann auch drei neue encomiendas in Guatemala. Nach Erlass der Leyes Nuevas,
die dem encomienda-System und der Sklaverei ein Ende bereiten sollten,10
machte sich Bernal Díaz 1550 erneut auf den Weg nach Spanien, um an den
Debatten über die Umsetzung jener Gesetze teilzunehmen. Obwohl es den Verteidigern der Rechte der encomenderos nicht gelungen war, die Verleihung einer
encomienda endgültig auf Lebenszeit durchzusetzen,11 konnte Bernal Díaz zumindest hinsichtlich seiner persönlichen Interessen Erfolge verbuchen: Es gelang
ihm unter anderem, dieselbe Anzahl an Eingeborenen in Guatemala zu erhalten,
die er zuvor in Mexiko verloren hatte.12 Zurück in Guatemala, hatte er nun durch
seine neuen encomiendas einen gewissen Wohlstand erreicht, der seinen anfänglichen Forderungen entsprochen haben musste.13 Aber auch soziale Anerkennung
erhielt Bernal Díaz, als er nach der Rückkehr seiner zweiten Reise aus Spanien
zum Mitglied des cabildo, des Rates der Stadt Santiago de Guatemala, gewählt
wurde.14 In diesen Jahren wird er sich schließlich dem Schreiben zugewandt
haben.15 Davon zeugen vier Briefe, einer an Karl V., einer an Bartolomé de las
Casas und zwei an Phillip II.,16 die aus dieser Zeit erhalten sind sowie natürlich
die Historia Verdadera, die sogleich im Vordergrund steht. Deren Veröffentlichung soll Bernal Díaz jedoch nicht mehr erleben, er verstarb schließlich Anfang
Februar 1584 im hohen Alter von 88 Jahren.
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Zur Familie von Bernal Díaz del Castillo siehe auch Sáenz de Santa María 1984:102f.
Auf das Wesentliche zusammengefasst, gehen die Leyes Nuevas auf die Initiative des Dominikaners Bartolomé de las Casas zurück, der sich für die Rechte der Eingeborenen und somit gegen
den Missbrauch des Amt des encomendero eingesetzt hatte (vgl. Konetzke 182004:189f., ebd.
auch zu den Folgen für das encomienda-System).
Über die Beantwortung der Frage, „ob man nicht die Encomiendas zu uneingeschränkt erblichem Besitz in der Form eines Erblehens verleihen sollte“ (Konetzke 181994:185) ist viele Jahre debattiert und gestritten worden (vgl. ebd.:185ff.).
Barbón Rodríguez führt sämtliche Erfolge dieser zweiten Reise genau auf (vgl. Barbón Rodríguez
2005:24f.). In diesem Zusammenhang sei auch auf Rivas Yanes verwiesen, der eine dritte Spanienreise 1567 für möglich erachtet, die Bernal Diaz antrat, um der Taufe seines Sohnes Pedro in Medina
del Campo beizuwohnen (vgl. Rivas Yanes 1999:31).
Genauere Angaben zu Wert und Umfang der encomiendas, die den Wohlstand begründeten,
finden sich bei Barbón Rodríguez (vgl. Barbón Rodríguez 2005:25f.). Sáenz de Santa María gibt
darüber hinaus Angaben zum Haus von Bernal Díaz in der heutigen Calle de la Universidad in
Antigua Guatemala (vgl. Sáenz de Santa María 1984:100ff.).
Zu seiner Präsenz in den actas del cabildo siehe Sáenz de Santa María 1984:111f.
Ebenfalls in diese Zeit fallen seine Erklärungen in verschiedenen probanzas von Gefährten aus
der Eroberungsphase und von seinen Nachkommen. Barbón Rodríguez betrachtet dabei jene,
die sich auf Pedro Alvarado und seine Familie beziehen, als die wichtigsten (vgl. Barbón
Rodríguez 2005:26).
Zu den Briefen und weiteren Urkunden siehe Barbón Rodríguez 2005:27ff.
1.2 Zu den Manuskripten der Historia Verdadera de la
Conquista de la Nueva España
Der ursprüngliche Text aus der Feder von Bernal Díaz ist heute nicht mehr erhalten.
Es existieren jedoch drei Abschriften des Originals, das sogenannte Manuscrito
Remón, das Manuscrito Guatemala und das Manuscrito Alegría. Im Falle des Manuscrito Remón und des Manuscrito Guatemala handelt es sich um Abschriften des
ursprünglichen, verloren gegangenen Textes, wohingegen das Manuscrito Alegría
durch eine Abschrift des Manuscrito Guatemala entstanden war. Diese ist Francisco Díaz del Castillo, dem ältesten Kind von Bernal Díaz, zuzuschreiben, der das
Manuskript zugleich inhaltlich überarbeitete (vgl. Barbón Rodríguez 2005:43).
Aus diesem Grund kann es für die Umfeldanalyse dieser Arbeit vernachlässigt
werden, relevant sind demnach lediglich jene beiden Abschriften, die direkt auf
Bernal Díaz zurückgeführt werden können.
In seiner ursprünglichen Form ist heute nur noch das Manuscrito Guatemala erhalten, welches lange Zeit im Besitz der Familie Díaz del Castillo gewesen war und
derzeit im Archivo General de Centroamérica in Guatemala aufbewahrt wird (vgl.
ebd.:51). Darüber hinaus wurden nur wenige Folien dieses Manuskripts von Bernal
Díaz selbst beschrieben. Der Großteil des Textes ist folglich nicht autographisch
und wurde stattdessen von verschiedenen Schreibkräften unter der Aufsicht von
Bernal Díaz zu Papier gebracht, auch wenn der Autor sich laut eigener Aussage bis
zu seinem 85. Lebensjahr selbst dieser Aufgabe gewidmet haben soll (vgl. ebd.:
50).17 Das Manuscrito Remón hingegen blieb nicht im Besitz der Familie, sondern
wurde noch zu Lebzeiten des Autors nach Spanien geschickt. Heute liegt es uns jedoch nicht mehr als Originalmanuskript sondern nur noch in Form der ersten Edition
aus dem Jahre 1623 vor.18 Da mit den beiden Manuskripten eine Diskussion um
einen alleinigen Authentizitätseinspruch einhergeht, deren Ausgang für diese Arbeit zwar nur von sekundärer Relevanz ist, jedoch ein wichtiges Charakteristikum
der Historia Verdadera darstellt, wollen wir uns der Geschichte der Manuskripte,
im Folgenden mit Ms. REM und Ms. GUA abgekürzt, und den damit einhergehenden Unterschieden zumindest kurz widmen.
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Sáenz de Santa María belegt in einer minuziösen Studie als erster die nicht autographische Redaktion des Manuskripts und liefert eine präzise Aufführung der verschiedenen kalligraphischen Gruppen (vgl. Saénz de Santa María 1984:15ff.). Auf diese Ergebnisse stützt sich gleichermaßen Barbón
Rodríguez, ohne sich jedoch in allen Punkten anzuschließen (vgl. Barbón Rodríguez 2005:51ff.).
Eigentlich handelt es sich hierbei um zwei Editionen, “una con portada impresa [I] y con fecha,
1623, y otra con portada grabada [G] pero sin fecha” (Barbón Rodríguez 2005:61), deren Beschreibungen ebenfalls bei Barbón Rodríguez zu finden sind (vgl. ebd.:62).
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Bernal Díaz beendete das Ms. REM im Jahre 1568 und redigierte es die darauffolgenden Jahre,19 bis es von Pedro Villalobos, dem Präsidenten der audiencia
von Guatemala, im Jahre 1575 nach Spanien geschickt wurde. Dort wurde es zunächst allerdings nicht veröffentlicht und ging stattdessen in den Bestand von Don
Lorenzo Ramírez de Prado über, der unter anderem Mitglied des Indienrates und
darüber hinaus Besitzer einer der bedeutendsten Privatbibliotheken in Madrid Mitte
des 17. Jahrhunderts war. In eben dieser fand es schließlich Fray Alonso Remón
vom Orden der Mercedarier und begann, das Manuskript für seine so lange Zeit
ausgebliebene Veröffentlichung vorzubereiten, welches infolgedessen nach ihm
benannt wurde. Das Interesse von Fray Alonso Remón an jener Herausgabe war
dabei nicht unbegründet, denn in der Historia Verdadera wurde von einem gewissen Padre Fray Bartolomé de Olmedo berichtet, einem geistlichen Gefährten
von Cortés, der zugleich Mitglied des Mercedarier Ordens war (vgl. ebd.:61).
Fray Alonso selbst sollte die Veröffentlichung im Jahre 1623 jedoch nicht
mehr erleben. So kümmerte sich nach seinem Tod ein anderer Mercedarier, Padre Gabriel de Adarzo y Santander, um die Herausgabe des Manuskripts (vgl.
ebd.:82). Dieser musste jedoch die Darstellung seines Ordensbruders Olmedo in
der Historia Verdadera als unzureichend wahrgenommen haben, was zu nachträglichen Änderungen führte, die Gabriel de Adarzo y Santander als solche
allerdings nicht kenntlich gemacht hatte:
“Debió considerar que no eran suficientes los loores dedicados a Olmedo, y que entraba en
su carácter de cronista mercedario apoyarlos y, consiguientemente, ampliarlos. El conjunto
de estos apoyos, y eventuales implicaciones, ha recibido el nombre de ‘interpolación mercedaria’” (Sáenz de Santa María 1996:277).20
Diese Eingriffe, die sogenannte interpolación mercedaria, kennzeichnen sich dabei
durch den Ausschluss verschiedener Episoden oder Kapitel, durch das Hinzufügen
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Wann genau Bernal Díaz damit begann, seine Erlebnisse aufzuschreiben ist ungewiss: “En cuanto al
momento en que Bernal Díaz se decidió a escribir sus recuerdos no se cuenta con datos precisos. No
obstante se dispone de algunos que se ordenan tradicionalmente así: Alonso Zorita, oidor de la Audiencia de Guatemala entre 1553 y 1557 declaraba que ‘Bernal Díaz del Castillo escribía la historia
de aquella tierra’ y que le había mostrado ‘parte de lo que tenía escrito’. Y añadía no saber si la había
acabado o salido la luz. Con ocasión de sus declaraciones en las ‘Provanças de méritos y serviçios del
adelantado don Pedro de Albarado y de los de don Françisco de la Cueba’ afirma Bernal Díaz en
1563 que ‘tiene escritas en un memorial de las guerras’ muchas cosas ‘como persona que a todo ello
estubo presente’ [Doc. 991]. Y en 1569 que ‘tiene escrita una corónica y relazión, a la qual tanbién
se remite’ [Doc. 1001]. Estos datos nos ponen ante un proceso de elaboración de la Hist. Verd. ya sea
como ‘historia’ (Zorita), ‘memorial’ o ‘corónica’ (Probanzas) que va desde 1553, o más adelante,
hasta 1568, concretamente hasta el 26 de febrero, fecha precisada en el prólogo de REM” (Barbón
Rodríguez 2005:43f.).
Ausführlicher zur interpolación mercedaria siehe Barbón Rodriguez 2005:74ff. und Sáenz de
Santa María 1982:XXIIff. sowie Sáenz de Santa María 1984:30ff.

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