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Frauen
EI N T H EM A
5 FRAGEN
PRAKTISCHE TIPPS
Worauf Frauen
achten sollten, um
sich gut abzusichern
BESTSELLERAUTORIN
ILDIKÓ VON KÜRTHY
„Altersvorsorge ist
wie Zähneputzen
auch eine Frage des
Respekts gegenüber
mir selbst“
FINANZIELLE UNABHÄNGIGKEIT
Wie eigenständig sind
Frauen in Deutschland
heute eigentlich?
„ Das Allerwichtigste
ist aber, in sich selbst
zu investieren. Und
damit meine ich nicht
in ein Facelifting oder
Brustimplantate.“
Schriftstellerin Ildikó von Kürthy
Seite 13
Fünf Fragen
Fünf Antworten
Titelillustration: Stina Persson / CWC International Editorialfoto: Sammy Hart
E
igentlich dürfte es dieses Heft gar nicht geben.
Eine Frau – noch dazu eine Naturwissenschaftlerin – regiert seit Jahren unser Land, und langsam
rücken auch mehr Frauen in Führungspositionen
in der Wirtschaft auf. Heute ist es selbstverständlich, dass Frauen ihr Ding machen. Dies ist den vorigen Generationen zu verdanken, die sich aus der Deckung gewagt
und für ihr Recht gekämpft haben. Es reicht der Vergleich
mit der Situation vor 50 Jahren, um beeindruckt festzustellen, wie nahe die Gesellschaft einer Gleichberechtigung
gerückt ist. Oder gerückt zu sein scheint?
Denn tatsächlich sieht das Bild ein bisschen anders
aus: Frauen verdienen längst nicht so viel wie Männer, sie
kümmern sich nach wie vor mehr um die Familie als Männer, machen Babypausen, arbeiten Teilzeit und pflegen
Angehörige. All dies sind Umstände, die sich in einer
schlechteren Absicherung fürs Alter, den Pflegefall oder
eine etwaige Berufsunfähigkeit bemerkbar machen. Hinzu
kommt: Frauen leben im Durchschnitt länger und werden
häufiger pflegebedürftig als Männer. Das heißt, sie brauchen im Alter mehr Geld.
Kein Wunder, dass finanzielle Eigenständigkeit nicht
das Lieblingsthema der Frauen ist, wie im Interview auf
Seite 4 auch Bettina Wündrich sagt, Soziologin und langjährige Chefredakteurin von Frauenzeitschriften wie
„emotion“ und „Glamour“. Dass Frauen zwar insgesamt
freier, im Einzelnen aber nicht unbedingt unabhängiger
geworden sind, zeigen auch die drei Generationen Frauen
einer Familie, die wir Ihnen auf Seite 8 vorstellen. Denn
mit der Freiheit, das eigene Leben zu gestalten, stellen sich
neue Probleme. Weshalb auch Bestsellerautorin Ildikó von
Kürthy bisweilen in Verzweiflung gerät, wie sie in ihrer Kolumne auf Seite 13 gesteht.
Dieses Themenheft berührt große gesellschaftliche
Herausforderungen. Bis diese gemeistert sind, sollten Frauen dieses Magazin in die Hand nehmen und die Möglichkeiten privater Absicherung besser ausschöpfen. Wie das
geht, lesen Sie in diesem Heft.
Impressum
Herausgeber
Allianz Deutschland AG
Marktmanagement
Stand
Juli 2014
Papier
Das Papier entspricht den Anforderungen des Blauen Engels und ist
hergestellt aus 100 % Recyclingpapier
sowie zertifiziert zu 100 % als FSCRecyclingpapier.
Quellen
Die Quellen der Infografiken und
Illustrationen wurden von der Redaktion recherchiert und separat zusammengefasst, um den Lesefluss zu
erleichtern. Bei Bedarf sind sie bei der
KircherBurkhardt GmbH einsehbar.
Illustrationen
Die Illustrationen für dieses Themenheft hat Stina Persson gestaltet. Die Schwedin hat in Tokio,
New York, Florenz und Lund studiert und gearbeitet. Zu sehen
sind ihre Arbeiten unter anderem
in „Harper’s Bazaar“, „Elle“ und
„Marie Claire“. Für die Allianz hat
sie das Thema Frauen interpretiert.
1 Wie eigenständig sind
Frauen heute eigentlich?
Wieso viele Frauen im Zweifel lieber schön als klug wären und
hohe Scheidungsraten nicht abschrecken. Ein Interview mit
der langjährigen Chefredakteurin Bettina Wündrich. Seite 4
2 Was liegt gesellschaftlich
im Argen?
Frauen verdienen weniger, machen Babypausen, arbeiten
Teilzeit – und schmälern damit ihren Rentenanspruch.
Eine Bestandsaufnahme per Infografik. Seite 6
3 Was hat sich über die
Generationen getan?
Drei Generationen Frauen – und die Frage, welche von ihnen
die unabhängigste ist. Seite 8
4 Was ist wichtig, um mich
gut abzusichern?
Zu finanzieller Eigenständigkeit gehört auch eine gute Vorsorge.
Leicht umzusetzende Ratschläge, wie sich eine Versorgungslücke
im Alter schließen lässt. Seite 14
5 Welche Lösung passt zu mir?
Sieben Beispiele für optimalen Versicherungsschutz –
eng ausgerichtet an der Lebenssituation. Seite 18
Unsere neuen Themenhefte
befassen sich mit Themen
wie Pflege, Altersvorsorge,
Versicherung, Gesundheit
und Vermögen.
Jedes Heft beantwortet auf
unterhaltsame Weise fünf
wichtige Fragen zum Thema.
Hinweis
Dieses Themenheft beruht auf
echten Geschichten. In Einzelfällen wurden sie leicht abgewandelt, auch um die Privatsphäre der
Beteiligten zu wahren. Aus dem
gleichen Grund hat die Redaktion
teils Bilder oder persönliche Angaben geändert.
3
1. Wie eigenständig sind
Frauen heute eigentlich?
Bettina Wündrich war 20 Jahre lang in Führungspositionen bei Frauenzeitschriften wie „Elle“ und „emotion“. Kaum eine weiß besser als
die Journalistin und diplomierte Soziologin, wie Frauen ticken.
Was ihnen gefällt, was ihnen wichtig ist, wo sie lieber wegschauen.
Und dass sie bisweilen besser für andere als für sich selbst sorgen.
Ein Gespräch über Rollenbilder, Geld und Selbstwertschätzung.
Arbeit ist auch ein
Zufriedenheitsfaktor,
wie die 53-jährige
Wündrich in ihrem
Buch „Einsame Spitze“
betont.
E
in Café in der Münchener Innenstadt.
Bettina Wündrich bestellt einen Cappuccino, zieht ein dickes Notizbuch aus
ihrer Handtasche, legt Blätter mit
Zahlenmaterial bereit, die
sie zum Interview mitgebracht
hat. Wündrich ist schmal,
kaum geschminkt. Mit ihren kurzen Haaren und
den Turnschuhen sieht
sie jungenhaft aus –
eine Chefredakteurin
von Hochglanzmagazinen stellt man sich
jedenfalls eitler vor.
Frau Wündrich, in Frauenzeitschriften geht es
nach wie vor hauptsächlich
um Kosmetik und Mode. Jobund Finanzthemen werden auf ein,
zwei Seiten abgehandelt. Sind schöne Schuhe
uns wichtiger als finanzielle Eigenständigkeit?
Bettina Wündrich: Das kann man so nicht sagen. Aber tatsächlich sind Mode und Kosmetik
für Frauen ja bereits eine Investition – eine Investition in ihr Äußeres. Es gibt eine Studie, die
besagt, dass zwei Drittel der Frauen in Deutschland zehn Punkte ihres IQ dafür geben würden,
einen Schönheitsmakel auszugleichen. Das
zeigt, welchen hohen Wert das Aussehen für
Frauen hat. Zudem bewegen sich Frauen gern in
„warmen“ sozialen Beziehungen, wollen geliebt
werden. Dieses Harmoniebedürfnis ist bei Frauen größer als bei Männern. Ich glaube übrigens
nicht, dass das so stark genetisch verankert ist,
das hat viel mit Erziehung zu tun. Indem Frauen
in ihr Aussehen investieren, investieren sie in
Beziehungen. Unbewusst oft in die Beziehung
zu einem Mann, der für sie sorgen soll.
Vor dem Hintergrund, dass mehr als jede dritte
Ehe geschieden wird, ist es aber nicht sehr klug,
sich darauf zu verlassen.
Scheidungsstatistiken schrecken aus zwei
Gründen nicht ab. Zum einen denkt man ja, dass
man zu den 60 Prozent gehört, die es „schaffen“,
wenn man frisch verliebt ist. Zum anderen leben
wir in der Zeit der „seriellen Monogamie“: Wenn
der Eine geht, kommt der Nächste. Emotionale
Geschichten, Partnerschaftsthemen, Liebe, Psychologie, das ist der andere ganz große Bereich
in Frauenzeitschriften.
Weil die Leserinnen danach verlangen oder weil
es bestimmten Gewohnheiten entspricht?
Beides. Ich habe ja noch vor wenigen Jahren bei
einer Psychologie-Zeitschrift gearbeitet, die
ich mit aufgebaut habe, bei „emotion“, und wir
hatten anfangs keine Mode im Heft. Ausdrücklich haben unsere Leserinnen dann gesagt:
’Wir wollen Mode, und wir wollen Kosmetik‘.
4
Wie gesagt, das hat alles viel mit Erziehung zu tun.
Aber auch mit Gewohnheiten, mit Bildern, die wir
im Kopf haben. Auch mit den medialen Frauenbildern, die wir im Fernsehen, in Zeitschriften,
in der Werbung sehen. Sendungen
wie „Germany’s Next Topmodel“
spielen für junge Mädchen eine
starke Rolle.
Und verstärken das alte
Rollenbild, in dem gutes
Aussehen wichtiger ist
als Unabhängigkeit?
Unser Geschlechterbild
ist noch ziemlich konservativ. Aber dieses Bild
ändert sich. Wir sehen
immer mehr Frauen in Führungspositionen. Nehmen Sie
Mary Barra bei General Motors,
die erste Frau an der Spitze eines USAutobauers. Oder hierzulande Julia Jäkel als Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr – als sie den
Posten angenommen hat, hatte sie gerade Zwillinge zur Welt gebracht. Ganz abgesehen davon,
dass Angela Merkel eine der mächtigsten Frauen
der Welt ist. Da ist schon eine Veränderung in der
Gesellschaft zu spüren. Und es werden damit auch
neue Bilder geschaffen, die ins Bewusstsein gelangen. Frauenbilder, die eine Stärke ausstrahlen.
Dabei steht die Gleichberechtigung von Frauen und
Männern schon seit 1949 im Grundgesetz ...
Das stimmt, aber tatsächlich ist die Selbstständigkeit, von der wir hier reden, kulturgeschichtlich
noch ziemlich neu. Bis 1962 – da war ich sogar
schon geboren – durfte die Frau ohne Erlaubnis
ihres Ehemannes kein eigenes Bankkonto eröffnen. Erst in den 70er-Jahren wurde das Eherecht
dahin gehend geändert, dass eine Frau arbeiten
gehen durfte, ohne ihren Mann fragen zu müssen.
Das heißt, wir „lernen“ unsere Eigenständigkeit
gerade seit ein paar Jahrzehnten, während Männer
traditionell schon immer in der Rolle des Versorgers waren.
„
Haben Männer deshalb ein anderes
Verhältnis zu Geld?
Ganz bestimmt. Der Psychologe Rolf Haubl von
der Goethe-Universität Frankfurt hat sich ausführlich mit der Psychodynamik von Geld und
Besitz beschäftigt und ist zu einem interessanten Schluss gekommen. Das Entscheidende
für den Umgang mit Finanzen, sagt Haubl, sei
nicht das Wissen, das man darüber hat oder
das man sich aneignen kann. Das Entscheidende sei vielmehr die eigene Beziehung zum Geld.
Die unbewusste, emotionale Beziehung, die wir
als Kinder von zu Hause mitbekommen und die
bestimmt, wie wir später mit Geld umgehen.
Wussten Sie, dass schon in der Grundschule Jungen mehr Taschengeld bekommen als Mädchen? Das
ist auch deshalb interessant, weil ich zum
Beispiel in meinem
Freundeskreis beobachte, dass Mädchen sehr gut mit
Geld umgehen:
Die Jungs geben
ihr Taschengeld
für Dinos aus. Die
Mädchen sparen.
Trotzdem ist es bis
heute so, dass Frauen weniger als Männer
verdienen und weniger
fürs Alter vorsorgen. Woran
liegt das ihrer Meinung nach?
Frauen verdienen unter genau gleichen Bedingungen etwa 8 Prozent weniger als Männer. Das ist ungerecht, keine Frage.
Richtig beunruhigend wird es dadurch, dass
viele Frauen – sogar die meisten – ihre Arbeit
im Laufe der Zeit unterbrechen beziehungsweise nur noch halbtags arbeiten. Weil sie
Kinder haben, weil sie für ihre Familie da sein
möchten, weil sie Angehörige pflegen. Durch
diese Teilzeitarbeit, die ja meist auch mit
weniger Verantwortung einhergeht, vergrößert
sich das Gehaltsgefälle zwischen Männern und
Frauen auf durchschnittlich 22 Prozent. Ich
selbst habe es als Chefin, als Kollegin, auch als
Freundin, immer wieder erlebt, dass Frauen
mit einer tollen Ausbildung einen guten Job
aufgegeben haben, um eine Babypause zu machen – und nicht wiedergekommen sind. Das
kann alle möglichen Gründe haben, vielleicht
gibt es keine ausreichenden Betreuungsmöglichkeiten, vielleicht ist es der Frau wichtig,
in den ersten Jahren ganz bei ihrem Kind
zu sein, das brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Fakt ist: Wer drei Jahre oder länger
„draußen“ ist, findet keine Arbeit mehr, die
seiner Qualifikation entspricht.
In einer Partnerschaft muss
der Besserverdienende in die
Zukunftssicherung des weniger
Verdienenden investieren.
Bettina Wündrich (53 Jahre), München
“
Zum
Weiterlesen
Oft lohnt es sich für eine Frau gar nicht, wieder zu arbeiten, weil die Kinderbetreuung
ihren Verdienst „auffressen“ würde und ihr
Mann gut verdient.
Auch deshalb ist Kommunikation in der Partnerschaft so wichtig. Beide Elternteile müssen
sich vor der Geburt des ersten Kindes ganz
stark damit auseinandersetzen, wie sie die
Verantwortung aufteilen. Es reicht nicht, dass
der Mann für seine Kinder vorsorgt und für ihre
Ausbildung spart. Er muss auch
dafür sorgen, dass seine Frau im
Alter versorgt ist, wenn sie längere Zeit nicht arbeiten geht. Oder
sagen wir so: Der Besserverdienende muss in die Zukunftssicherung des weniger
Verdienenden investieren.
Nicht gönnerhaft, sondern systematisch, auf einer rechnerischen Basis, die
beide zusammen aushandeln. Und das
soll ruhig auch in einem rechtsgültigen
Vertrag fixiert werden. Das liegt wiederum
in der Verantwortung der Frau: ihr Harmoniebedürfnis zu überwinden und diese
Rechnung mit ihrem Mann aufzumachen, ihn
in die Pflicht zu nehmen.
Wobei es doch ein gutes Gefühl ist,
sein eigenes Geld zu verdienen.
Nicht nur das. Arbeiten zu gehen hat einen
viel größeren Wert als den, der sich
in der Bezahlung, im Materiellen
niederschlägt. Berufstätigkeit ist
eine Investition in die eigene Persönlichkeit. Sie ermöglicht es mir,
mich weiterzuentwickeln, mich
zu entfalten – und zwar natürlich
auch dadurch, dass sie bisweilen
mit Frust verbunden ist, mit Wettkampf, Ablehnung, Enttäuschungen. All diese Erfahrungen tragen
zu meiner Entwicklung bei, machen
eine facettenreichere Persönlichkeit
aus mir, von der ich im Alter etwas
haben werde.
Also sollten wir Berufstätigkeit auch
als Zufriedenheitsfaktor sehen?
Unbedingt. Und da komme ich zum Begriff Glück. „Geld macht nicht glücklich“,
heißt es immer, und tatsächlich belegen
sämtliche Glücksstudien, dass Geld im
Sinne von materiellem Besitz uns nicht
zufriedener macht. Ich glaube aber,
dass es das im Endeffekt doch tut. Eben
nicht, wenn ich mir eine teure Handtasche kaufe oder mal schnell in die Karibik
fliege. Wir setzen Geld immer so schnell
mit materiellen Gütern gleich, aber Geld ist so
viel mehr. Es ist vor allem ein Mittel, sich eine
gewisse Sorglosigkeit leisten zu können, eine
emotionale Stabilität. Die Gewissheit, keine
Angst haben zu müssen, weil ich mir eine gute
Versorgung leisten kann. Auf Kaschmirpullis
und teures Essen im Restaurant kann ich im Alter bestimmt verzichten. Aber zu wissen, dass
ich auch später noch eine gute Wohnung haben
werde, dass ich medizinisch gut versorgt sein
werde – das hat doch alles mit Glück zu tun.
TEXT Kerstin Löffler FOTO Sammy Hart ILLUSTRATION Stina Persson
Einsame Spitze?
von
Bettina Wündrich
Als ihre alten
Schulfreundinnen
beim Klassentreffen Fotos von
Mann und Kindern
herumzeigten, stand Bettina
Wündrich kurz im Abseits: Sie hat
keine Familie gegründet, dafür aber
Karriere gemacht. Damit es künftig
kein Entweder-oder gibt, muss sich
unsere Arbeitswelt grundlegend
verändern. Wündrich beschreibt,
wie das gehen könnte.
VERLAG Rowohlt ISBN 978-3-498-07380-0
Verschenkte
Potenziale?
von
Jutta Allmendinger
Die Präsidentin des
Wissenschaftszentrums Berlin für
Sozialforschung
ist sicher: Unsere
Gesellschaft vergibt eine große
Chance, wenn sie Frauen nicht
durch eine bessere Familienpolitik
fördert. Diesen „verschenkten
Potenzialen“ spürt Allmendinger in
ihrem Buch nach.
VERLAG Campus Verlag ISBN 978-3-593-39266-0
2. Atlas zur
Gleichstellung von
Frauen und Männern
in Deutschland
Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen
und Jugend
Zahlen, Daten
und Fakten: Auf
rund 80 Seiten
zeigt der Gleichstellungsatlas, wie
unterschiedlich der Alltag von
Frauen und Männern in vielen
Bereichen immer noch ist – und
auch, welche geografische Vielfalt
es dabei in Deutschland gibt.
http://bit.ly/1kBYuAC
UMFRAGE
Schön oder schlau?
Das Meinungsforschungsinstitut Gewis fragte 1.038 Frauen, ob sie zehn Punkte ihres IQ
abgeben würden, wenn sie dafür
einen Schönheitsmakel ausgleichen könnten. 65 % bejahten. Von
den Tauschbereiten hätten 32 %
gern eine Kleidergröße weniger,
29 % einen größeren Busen und
21 % längere Beine.
http://bit.ly/1gGJoqz
5
2. Was liegt gesellschaftlich im Argen?
Auf den ersten Blick hat sich für Frauen in den vergangenen Jahrzehnten
viel getan. Frauen leben heute deutlich selbstbestimmter und unabhängiger
als früher. Der zweite Blick zeigt: Nach wie vor sind es die Frauen, die weniger
verdienen. Die für die Familie zurückstecken. Die deshalb weniger für ihre
Vorsorge tun können – und das, obwohl sie länger leben als Männer. Am Ende
wirkt sich das auf die Rente aus. Viele Frauen packen dieses Problem bereits
an – doch aktuelle Zahlen und Fakten zeigen, dass weiterhin viel zu tun bleibt.
22 %
Zwar arbeiten rund
70 %
der erwerbsfähigen
Frauen in Deutschland.
Aber fast jede zweite
Berufstätige hat einen
Teilzeitjob.
42 %
Hartz IV
der alleinerziehenden Mütter mit
minderjährigen Kindern sind auf
Hartz-IV-Leistungen angewiesen.
34,5 %
leben in einem
Zweipersonenhaushalt.
Die klassische Familie ist auf
dem Rückzug: In über 40 % der
Haushalte leben Menschen
allein. Die Zahl der Singlehaushalte ist seit 1991 um knapp fünf
Millionen gestiegen.
weniger
25 %
leben in einem
Haushalt mit drei oder
mehr Personen.
40,5 %
leben in einem
Singlehaushalt.
als Männer verdienen Frauen – weil sie schlechter
bezahlte Berufe wählen, häufiger in Teilzeit arbeiten und
seltener Führungspositionen bekleiden.
Animierte
Infografik im
Netz
w w w.allianz.d
1
e/frauen
2
Weniger Einkommen
Dass Männer mehr verdienen als Frauen, fängt schon im Grundschulalter an:
Jungs bekommen in der vierten Klasse gut 16 EUR Taschengeld monatlich –
Mädchen dagegen nicht einmal 12 EUR. Eine Ungleichheit, die auch später
bestehen bleibt.
Frauen arbeiten häufiger als Männer in unterdurchschnittlich bezahlten Berufen, etwa als Friseurin
und Krankenschwester. Der Frauenanteil ist hier
etwa fünfmal so hoch wie der Männeranteil.
85%
der Väter sind
berufstätig.
61%
sind es bei
den Müttern.
In Büro- und Reinigungsberufen liegt der
Frauenanteil bei
88 %
beträgt der Frauenanteil im
Gesundheitsdienst.
13 % erreicht der
Frauenanteil unter
Ingenieuren und knapp
25 % bei Chemikern,
Physikern und
Mathematikern.
6
Der Mann als lebenslanger Versorger für Frau und
Familie – dieses Modell wird immer brüchiger und
ist auf dem Rückzug. Frauen müssen finanziell
eigenständig werden.
3.
Jede
Frau (36 %) im Alter von
28 bis 59 Jahren bestreitet
ihren Lebensunterhalt immer
noch nicht selbst, sondern aus
Einkünften des Ehemanns
bzw. sonstigen Einkünften.
72 %
Aber nur
Weniger Sicherheit
Von ihnen sind nur
6%
teilzeitbeschäftigt.
2%
Nur knapp
der Väter lassen sich nach
der Geburt ihres Kindes
unbezahlt von der Arbeit
freistellen.
Während rund
66 %
der Mütter
Teilzeit arbeiten.
37 %
aller heute
geschlossenen Ehen
werden den amtlichen
Statistiken zufolge im Laufe
der Zeit wieder geschieden.
Auf die Witwenrente sollte man sich
nicht verlassen: Über ein Fünftel der
Frauen, die Witwenrente beziehen,
bekommen gerade einmal
300 monatlich
oder noch
weniger.
63 %
sind es nur
noch, die verheiratet bleiben.
Mit dem Scheidungsrecht wurde 2009 auch der sogenannte Versorgungsausgleich neu geregelt – für Frauen bedeutet das, dass sie erst recht Verantwortung für sich selbst übernehmen müssen: In vielen Fällen muss der Ex-Mann nur
noch für die gemeinsamen Kinder Unterhalt zahlen.
29
41
Jahre lang, und damit 12 Jahre weniger als
Männer, zahlen Frauen durchschnittlich in
die staatliche Rentenversicherung ein.
Jahre lang zahlen Männer durchschnittlich ein.
544 Obendrein sparen die „riesternden“ Frauen
kleinere Summen als die Männer: Während
Frauen im Jahr durchschnittlich nur 530 bis
560 EUR – einschließlich der staatlichen
Zulage – in ihre Riester-Rente einzahlen, legen
Männer jährlich 710 bis 720 EUR dafür zurück.
¼
Nur
der Frauen zwischen 20 und 60 Jahren „riestert“,
obwohl es sich wegen der staatlichen Förderung
auch für sie lohnen würde.
57 %
weniger Geld als Männer
bekommen Rentnerinnen
aus ihrer privaten Vorsorge.
1.017 erhalten Frauen im Bundesdurchschnitt als Rente – etwa die
Hälfte dessen, was Männer im Schnitt beziehen.
Viele bedenken nicht, dass
man rund
Rentenlücke heute
80 %
Selbst wenn man bei einem durchschnittlichen Verdienst 45 Jahre ohne
Unterbrechung in die staatliche
Rentenversicherung einbezahlt hat,
entspricht der Rentenzahlbetrag
aktuell nur ca.
des letzten Nettoeinkommens
braucht, um im Ruhestand den
bisherigen Lebensstandard
beizubehalten. Viele Deutsche
bleiben davon weit entfernt:
Lediglich 30 % der Befragten
legen derzeit Geld fürs Alter
zurück. 41 % geben sogar an,
weder jetzt noch künftig privat
für später vorsorgen zu wollen.
48,7 %
des zuletzt erzielten monatlichen Bruttoeinkommens.
5
Jahre länger als Männer leben Frauen durchschnittlich. Das ist schön, heißt aber auch: Sie
müssen mit geringeren finanziellen Mitteln
fünf Jahre mehr bestreiten (Lebenserwartung*
derzeit: Männer 88,6 Jahre / Frauen 93,6 Jahre).
*Lebenserwartung für
eine/n 25-Jährige/n
(Geburtsjahrgang 1989).
Berechnungen beruhen
auf Daten der Deutschen
Aktuarvereinigung (DAV).
3
4
Weniger Vorsorge
Weil Frauen weniger verdienen und für die Familie zurückstecken,
können sie deutlich weniger Geld als Männer in private Vorsorgeprodukte investieren. Das betrifft sowohl ihre Alters- als auch ihre
Pflegevorsorge.
Weniger Rente
Die Auswirkungen sind verheerend: Oft steht Frauen im Alter
viel zu wenig Geld zur Verfügung. Und das, obwohl sie im
Schnitt länger leben als Männer und folglich länger versorgt
sein müssen.
6,9
Krankenhaustage
pro Jahr haben
Frauen im Alter
von 15 bis 49
Jahren.
Bei Männern
sind es nur
5,6 Tage.
FRAUEN HOLEN AUF
18 %
Nur
der berufstätigen
Frauen haben eine
Berufsunfähigkeitsversicherung, aber
32 %
der Männer
haben eine.
Die häufigsten Gründe für die Krankenhausaufenthalte
bei Frauen sind Geburten und Brustkrebs.
der privat Pflegeversicherten in
Deutschland sind Frauen. Das
steht im umgekehrten Verhältnis
zu ihrem höheren Bedarf für
Pflegeleistungen im Alter.
47 %
der 20- bis 29-jährigen
Frauen haben Abitur
oder Fachhochschulreife.
Weniger als
ein Drittel
Junge Frauen sind heute immer besser ausgebildet – und haben damit
bessere Möglichkeiten, finanziell für sich selbst zu sorgen.
70 %
aller als pflegebedürftig
gemeldeten Bürger ab
65 Jahren sind Frauen.
40 %
sind es bei den
Männern.
Langfristig wird das dazu führen, dass Frauen in Sachen Einkommen und
Rente aufholen und die Abstände zu den Männern kleiner werden. Gerade
die unter Vierzigjährigen werden es durch ihre gute Ausbildung und ihre
Berufstätigkeit einfacher haben, für ihre eigene Absicherung zu sorgen,
schätzt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA): „70 bis 80 % der Frauen
der nächsten Generation werden materiell im Wesentlichen genauso gut
gestellt sein wie Männer.“
7
3. Was hat sich über die
Generationen getan?
Frauen sind freier denn je, ihr Leben zu gestalten. Dafür haben viele
Generationen gekämpft. Aber kann man mit dem Ergebnis schon zufrieden sein? Klar ist, dass Frauen heute auch ihre Absicherung selbst in die
Hand nehmen müssen. Drei Generationen Frauen erzählen, was sie unter
Eigenständigkeit verstehen. Und Bestsellerautorin Ildikó von
Kürthy bekennt, eine Meisterin im Verdrängen zu sein.
TEXT Kerstin Löffler FOTOS Bernhard Huber
ZU DEN PERSONEN
S
ophia ist unglücklich. Katze Pippi hat sich
auf ihrem Malblock breitgemacht. „Komm
her zu uns“, sagt Bärbel M., die Oma von
Sophia, und breitet die Arme für ihre Enkelin aus. Die zwei Jahre alte Sophia klettert zu ihr auf den Schoß. Vier Generationen Frauen
einer Familie sitzen nun am Kaffeetisch: Hildegard
N., 88 Jahre. Ihre Tochter Bärbel, 62 Jahre. Deren
Tochter Nadine, 33 Jahre. Und die kleine Sophia.
Bärbel hat alle mit Cappuccino versorgt, Sophia
hat ein Glas Saft vor sich stehen und spielt mit Fotos, die vor ihr auf dem Tisch liegen. Ihre Uroma als
junge Friseurin mit weißer Schürze, als strahlende
Mittvierzigerin mit ihrem Mann bei der Silberhochzeit. Ihre Oma als Kleinkind in einem Kohlehaufen
in Wanne-Eickel, wo sie geboren ist. „Mama!“, kräht
Sophia. Tatsächlich sehen sich die vier auf Kinderfotos zum Verwechseln ähnlich. Ihre Lebensläufe
könnten dagegen unterschiedlicher kaum sein.
Uroma Hildegard hörte nach der Hochzeit auf zu
arbeiten und kümmerte sich als Hausfrau um ihre
beiden Töchter. „Das war früher so“, sagt sie. „Wenn
man geheiratet hat, hat man seine Stelle aufgege-
8
ben.“ Finanziell ist sie durch ihre Witwenrente heute so gut abgesichert, dass sie sich nicht einschränken muss und bisweilen ihren Kindern und Enkeln
etwas zustecken kann. Ihre Tochter Bärbel arbeitete
nach der Hochzeit zehn Jahre als medizinisch-technische Assistentin, bevor sie mit Nadine schwanger
wurde – und auch nach Nadines Geburt stieg sie
bald wieder in ihren Beruf ein, in dem sie bis heute
arbeitet. Nadine, die mittlerweile 33 ist, brachte vor
zwei Jahren ihre Tochter Sophia zur Welt. Sie ist seit
Kurzem alleinerziehend, weil die Beziehung zu ihrem Freund in Irland in die Brüche ging. „Vielleicht
war es gut, dass ich zur gleichen Zeit aus der Babypause in meinen alten Job zurückgekehrt bin, das
hat mich abgelenkt“, sagt die Betriebswirtin, die in
Langenbach nördlich von München lebt.
Drei Generationen, drei Lebenswege – wer ist
nun die Eigenständigste? „Bei aller Freiheit, die die
jungen Frauen heute haben: Ich glaube, die Unabhängigste von uns ist meine Mutter“, sagt Bärbel,
die 62-Jährige. „Sie hat den ganzen Stress hinter sich und kann das Leben mit dem, was sie zur
Verfügung hat, genießen. Ohne dass sie sich einschränken muss.“
NAMEN
Hildegard N., 88 Jahre,
ihre Tochter Bärbel M.,
62 Jahre, deren Tochter
Nadine M., 33 Jahre, und
die kleine Sophia, 2 Jahre
DER FALL
Eine Familie, vier Generationen Frauen: Beim sonntäglichen Kaffeetrinken vergleichen die vier Frauen ihren
Lebensweg. Und denken laut
darüber nach, wie eigenständig sie sind.
Mit der Heirat gab Hildegard N.
ihren Beruf auf. Sie blieb als Hausfrau
daheim und zog die Kinder groß.
„Das war früher so“, sagt die 88-Jährige.
A
ls ich mit der Schule fertig war, wollte
ich unbedingt Friseurin werden. Aber
wir mussten damals erst ein sogenanntes Pflichtjahr machen. So bin ich
mit 14 Jahren ganz von zu Hause weggekommen – als Schulkind entlassen und sofort zu
fremden Leuten, zum Putzen und Schrubben. Damals gab es noch Lebensmittelmarken, und Butter
bekamen nur Jugendliche. Weil ich ja erst 14 war,
stand mir Butter auf einen Schein zu. Die musste
ich zu Hause aber an die vier Kinder der Familie abgeben. „Die Butter wollen wir mal für unsere Kinder
lassen“, hieß es, wenn der Frühstückstisch gedeckt
wurde. Das Pflichtjahr musste man durchhalten,
egal wie schwer es war. Wenn man abbrach, musste man ein neues Jahr von vorne anfangen. Das
erste Mal nach Hause zu meinen Eltern durfte ich
nach sechs Monaten.
„
Es gab viele
schlechte Ehen früher,
aber es konnte ja
keine Frau von ihrem
Mann weggehen.
Hildegard N., Rentnerin, Eickel
“
Friseurlehre unter Fliegerbomben
Als ich dann zur Lehre ging, bei einem Friseur in
Eickel, habe ich bei drei Vierteln der Bombenangriffe – und das waren viele – auf der Straße gelegen.
Der Tiefbunker war da, wo ich gearbeitet habe. Der
nächste Stollen, in den wir rein konnten, war 30 Minuten zu laufen. Aber wenn es Alarm gab, kamen
gleich die Bomben, da ist man nicht mehr von einem Bunker zum anderen gekommen. Da sind wir
platt auf der Erde gelegen, auf der Straße, in den
Rinnen. Ich habe mit bloßem Auge die Bomben
oben ausklinken gesehen. Wenn die nicht gehört
wurden, dann haben die ganz unmittelbar in der
Nähe eingeschlagen. Wenn man sie hat pfeifen hören, dann waren sie ein bisschen weiter weg. Unser
Eickel ist besonders stark bombardiert worden, weil
da ein Treibstoffwerk war und die ganzen Zechen
rundherum. Meine Mutter hat immer gesagt, „du
kommst bestimmt mal nicht mehr bis nach Hause
zurück, dir passiert mal was“. Das war schlimm. Die
Zeit vergisst man nicht.
Im August 1950 haben wir geheiratet, Paul und
ich. Ich muss immer wieder sagen, ich habe einen
einmalig guten Mann gehabt. Es gab viele schlechte
Ehen früher, aber es konnte ja keine Frau von ihrem
Mann weggehen. Ich weiß noch, ich hatte eine Kollegin, die hatte einen brutalen Mann, und die sagte
oft: „Hilde, was du für nen Mann hast, das kannst
du gar nicht schätzen“. Die meisten von uns waren
ja nur in einem Haushalt zum Putzen, ehe sie geheiratet haben, wohin wollten die zurückgehen?
Als mein Mann in den 80er-Jahren krank wurde und wusste, dass er sterben muss, hat er nur
immer gesagt: „Ich bin froh, dass du genug Geld bekommst, dass dir genug zur Verfügung stehen wird.“
Das war sein Trost. Und ich muss sagen, ich bin auch
recht froh darüber, dass ich mich nicht einschränken muss. Das ist mir Gott sei Dank geblieben.
ZUR PERSON
NAME
Hildegard N., 88 Jahre
DER FALL
Seit ihr Mann tot ist, bezieht
Hildegard N. eine Witwenrente – von ihrer eigenen
Rente könnte die gelernte
Friseurin nicht leben.
Sie hat nur zehn Jahre in
ihrem Beruf gearbeitet,
bevor sie Kinder bekam
und sich als Hausfrau um
die Familie kümmerte.
100 Jahre Frauengeschichte
Fotos: CINETEXT (1), AKG images (1), Privat (3), Süddeutsche Photo (1) bpk images (1)
Als Hildegard N. 1944 ihre Lehre anfing, sah sie Kampfflugzeuge am Himmel
eine Bombe nach der anderen abwerfen. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen bestimmen jedes Leben mit – und haben auch dazu geführt, dass
Hildegard N.s Enkelin Nadine heute deutlich mehr Freiheiten hat als sie.
1909
1918
1925
1933 – 1945
1940
1949
1950
Erster Frauentag
Wahlrecht für Frauen
Als Kundgebung für das
Frauenwahlrecht findet
1909 in den USA der erste
Frauentag statt, für den sich
hierzulande die Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte
Duncker einsetzen. Heute
ist der Weltfrauentag am
8. März ein wichtiges
Datum für Frauen in aller
Welt.
Nationalsozialismus und
Zweiter Weltkrieg
Hildegard N. beginnt
zu arbeiten
„Männer und Frauen sind
gleichberechtigt“
Hildegard & Paul N. heiraten
Das Aufbegehren hat
sich gelohnt: In Deutschland dürfen Frauen seit
1918 wählen gehen – und
sich selbst wählen lassen.
Hildegard N. kommt zur
Welt
Ihr Bruder ist schon drei
Jahre alt. „Bis zum Krieg
hatten wir eine schöne
Kindheit“, erinnert sich Hildegard N. „Wir hatten ein
schönes, kleines Häuschen
mit Garten und konnten
draußen spielen.“ In dem
Haus bleiben die frisch verheiratete Hildegard N. und
ihr Mann später fünf Jahre
zusammen mit den Eltern
wohnen, bis sie in eine
eigene Wohnung ziehen.
Gerade erst haben sich
die Frauen eine Rolle im
öffentlichen Leben erkämpft, als sie schon wieder
zurückstecken müssen:
Im nationalsozialistischen
Deutschland gehören
zu den „natürlichen“ Aufgaben der Frau und Mutter
vor allem die Aufzucht
eines „rassereinen“ Nachwuchses. Mutterschaft ist
keine Privatsache mehr,
sondern wird zur Pflicht
gegenüber dem Volk beziehungsweise Staat.
Wer ab 1939 von der
Schule abgeht, muss vor
der Lehre ein „Pflichtjahr“
auf einem Bauernhof oder
in einer kinderreichen Familie leisten. Die 14-jährige
Hildegard arbeitet sechs
Tage die Woche für eine
Großfamilie – wenn sie
am Sonntagnachmittag
ein paar Stunden frei hat
und spazieren gehen will,
geben die Eltern ihr die vier
Kinder mit.
So lautet Artikel 3 Absatz
2 unseres Grundgesetzes,
das zur Gründung der
Bundesrepublik ausgearbeitet wird. Zu verdanken
haben wir ihn der Kasseler
Juristin Elisabeth Selbert,
die ihn gemeinsam mit
Frauenverbänden gegen
massiven Widerstand der
männlichen Abgeordneten
durchsetzt.
Abb. Clara Zetkin
im Jahr 1911
Abb. Plakat für den
Frauentag
„Wir waren Nachbarskinder“, erzählt Hildegard N.
„Deshalb habe ich Paul
lange Zeit gar nicht so
wahrgenommen.“ Der
sechs Jahre ältere Paul
sagte dagegen schon früh
zu seiner Mutter: „Die
Schwarzhaarige heirate
ich mal.“
9
Als Hausfrau daheim zu bleiben
wie ihre Mutter, das war nichts für
Bärbel M. „Ich wollte in den Beruf
zurück, als Nadine in den Kindergarten ging.“
M
ZUR PERSON
NAME
Bärbel M., 62 Jahre
DER FALL
Für die klassische Hausfrauenrolle war die medizinischtechnische Assistentin ein
zu unabhängiger Geist: Sie
wollte raus, unter Menschen,
ihr eigenes Geld verdienen.
Als ihre Ehe in den 80er-Jahren geschieden wurde, war
sie nicht auf den Unterhalt
ihres Mannes angewiesen.
1951
Fotos: Privat (5), ullstein Bild (1), ddpimages (1), Stern (1), corbis (1),
picture alliance (1), AKG Images (1), gettyimages (1), f1online (1), actionpress (1)
Bärbel N. wird geboren
Bald nach der Hochzeit
kommt die erste Tochter
von Hildegard und Paul zur
Welt. Bis Bärbel mit 19 von
zu Hause auszieht, sind
die Eltern ihre wichtigsten
Verbündeten. Manchmal
weckt sie sie nachts auf, um
ihnen die Erlebnisse des
Tages zu erzählen.
alles weiter. Als ich angefangen habe zu arbeiten,
wurde im Labor alles auf Karteikarten geführt. Später wurde ein Computer angeschafft, da musste ich
mich einarbeiten, und so habe ich mich auch damit
vertraut gemacht.
Ich habe immer darauf geachtet, dass Nadine
sieht, dass ich mir mein Geld selbst verdienen muss
und dass ich selbst für mich Sorge trage. Auch meine
Versicherungen – eine Lebens-, Unfall- und private
Krankenhauszusatzversicherung – habe ich schon
damals selbst abgeschlossen. Und selbst bezahlt, all
die Jahre über. Jetzt im Juli könnte ich in Rente gehen. Aber ich denke mir, solange die Gesundheit es
noch hergibt, arbeite ich weiter. So kommt ja auch
bei meiner Rente noch etwas dazu. Wenn ich Nadine und meine jungen Kolleginnen sehe, mache ich
mir schon manchmal Sorgen, wie es ihnen später
einmal ergehen wird. Klar haben sie mehr Freiheiten als wir. Aber wenn man sieht, wie die Welt sich
verändert hat, auch mehr Unsicherheiten.
Kurze Babypause in den 80ern
Wir haben 1974 geheiratet, als wir Mitte zwanzig
waren. Nadine kam 1981 zur Welt, da hatten wir
beide schon zehn Jahre lang gearbeitet und ganz
gutes Geld verdient. Nur als Nadine ganz klein war,
habe ich drei Jahre lang pausiert.
Danach bin ich mit Urlaubsvertretungen in
meinen Beruf zurückgekehrt. Regelmäßig habe ich
wieder gearbeitet, als mein Mann und ich uns getrennt haben, Nadine war damals sechs Jahre alt.
Ich hätte nicht arbeiten müssen. Mein Ex-Mann hat
immer Unterhalt für uns gezahlt. Aber ich wollte
raus, unter Menschen kommen. Arbeit ist so wichtig, damit ich nicht versauere – und dass ich nicht
den Anschluss verliere. Es entwickelt sich ja dauernd
Ich habe immer
darauf geachtet, dass
Nadine sieht, dass
ich mir mein Geld selbst
verdienen muss und
dass ich für mich selbst
Sorge trage.
„
“
Bärbel M., MTA, Langenbach
1957
1961
1970
1971
1974
1977
Gleiches Geld für gleiche
Arbeit
Frauen bestimmen selbst
über Verhütung
Bärbel N. beginnt
zu arbeiten
„Wir haben abgetrieben“
Bärbel N. heiratet
Berufstätige Frauen
Bei der Gründung der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wird
festgeschrieben, dass Männer und Frauen für gleiche
Arbeit gleich bezahlt
werden müssen. Tatsächlich bekommen Frauen bis
heute deutlich weniger als
Männer bezahlt.
Der Pharmakonzern Schering bringt die erste Antibabypille auf den Markt.
Mit 19 Jahren schließt Bärbel N. ihre Ausbildung zur
medizinisch-technischen
Assistentin ab und beginnt,
in einem Labor zu arbeiten.
In diesem Beruf arbeitet
die 62-Jährige bis heute.
Abgesehen von einer
dreijährigen „Babypause“
hat sie nie ausgesetzt.
Auf Initiative der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer
bekennen sich 374 bekannte und weniger bekannte
Frauen dazu, rechtswidrig
abgetrieben zu haben –
eine öffentliche Aktion
gegen den „Abtreibungsparagraphen“ 218, die als
Meilenstein der Frauenbewegung gilt.
Ihren Mann Werner kennt
sie seit der Schule, sie sind
schon zusammen von zu
Hause fortgegangen, bevor
Bärbel volljährig war.
Mit einem neuen Eherecht
schafft die BRD die „Hausfrauenehe“ ab. Bis dahin
durften Frauen nur arbeiten
gehen, wenn ihr Ehemann
es erlaubte.
Abb. Unterzeichnung der
sog. „Römischen Verträge“
10
einen Beruf habe ich mir von zwei
Freundinnen meiner Mutter „abgeschaut“. Eine war Krankenschwester, die andere MTA, also medizinisch-technische Assistentin. Die
Krankenschwester hat mir dann auch meine erste
Arbeit verschafft: Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, mir ein Taschengeld dazuzuverdienen, indem ich das Essen auf die Zimmer im Krankenhaus
gebracht habe. Da habe ich gemerkt: Krankenhaus,
Labor, Medizin, das gefällt mir ganz gut. Ich war mit
fünf Jahren in Wanne-Eickel eingeschult worden
und hatte meine mittlere Reife, als ich noch keine
16 war. Mein Onkel hatte versucht, mich mit allen
möglichen Geschenken zu ködern, damit ich Abitur
mache, aber das hat mich nicht interessiert. Ich war
schon immer so, dass ich beharrlich ein Ziel verfolgt habe. Und mich durchgesetzt habe.
Mit 19 war ich mit meiner Ausbildung fertig und bin mit meinem Verlobten nach Hamburg
gezogen. Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig, deshalb musste ich mich mit meinen Eltern
einigen, dass sie mich gehen lassen. Ich stand früh
auf eigenen Füßen, und mir kam das immer selbstverständlich vor. Ich habe gar nicht so gemerkt,
dass das bei anderen vielleicht anders war.
Als erste Frau in der
Familie hat Nadine M.
studiert. „Die Scheidung meiner Eltern
hat mir gezeigt, wie
wichtig finanzielle
Eigenständigkeit ist.“
B
ei mir hat es ein bisschen gedauert, bis
ich beruflich so richtig auf den Weg gekommen bin. Das hat mit dem Verkehrsunfall zu tun, den ich mit 17 hatte. Ich
hätte um Haaresbreite ein Bein verloren,
saß monatelang im Rollstuhl und konnte dann nur
auf Krücken gehen. Es hat fast ein Jahr gedauert,
bis ich halbwegs wiederhergestellt war. In der Zeit
habe ich das Gymnasium geschmissen. Ich hatte
keine Nerven, mich aufs Abi vorzubereiten. Darum
habe ich erst mal eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau gemacht. Aber da habe ich mich bald
schon unterfordert gefühlt und deshalb beschlossen, das Abi nachzumachen. Anschließend habe
ich BWL mit Schwerpunkt Touristik studiert. Über
ein Praktikum bin ich zur Lufthansa gekommen,
wo ich ziemlich schnell zur Referentin aufgestiegen
bin. Die Stelle war perfekt für mich. Und dann habe
ich Eamonn kennengelernt, er ist DJ in Dublin. Als
unsere Tochter Sophia zur Welt kam, war das praktisch mit meiner Elternzeit. So konnten wir viel Zeit
zusammen in Irland sein.
„
Mir war vielleicht
früher als anderen klar,
dass man sich auf
eine Beziehung oder Ehe
nicht wirklich
verlassen kann.
“
Nadine M., Betriebswirtin, Langenbach
ZUR PERSON
Ich weiß, dass ich es gut habe. Auch deshalb,
weil meine Eltern mich immer unterstützt haben,
egal, was ich gemacht habe. Auch als sie schon geschieden waren. Sie haben mit mir überlegt, wenn
ich sie um Rat gefragt habe, aber sie haben mir nie
reingeredet. Ich konnte meinen eigenen Weg gehen.
Früh eigenständig geworden
Vielleicht hat die Scheidung meiner Eltern mich darin beeinflusst, dass ich so eigenständig geworden
bin. Mir war vielleicht früher als anderen klar, dass
man sich auf eine Beziehung oder Ehe nicht wirklich verlassen kann. Dass man am besten für sich
selbst sorgt, um unabhängig zu sein. Ich wollte immer schon mein eigenes Geld verdienen. Meine Klamotten, meine Urlaube, das habe ich immer selbst
gezahlt, schon während des Studiums. Von dem
Schmerzensgeld, das ich für den Unfall bekommen
habe, habe ich damals gleich eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Die hat in den beiden
vergangenen Jahren geruht, während meiner El-
ternzeit. Aber jetzt zahle ich wieder regelmäßig ein.
Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als von
jemandem abhängig zu sein und womöglich meinen Mann um 20 Euro anhauen zu müssen, damit
ich mir ein Buch oder eine CD kaufen kann.
Eamonn und ich haben uns vor kurzer Zeit
getrennt, aber wir sehen uns regelmäßig, damit
Sophia etwas von ihrem Papa hat. Ich arbeite wieder in meinem alten Job, erst mal 20 Stunden die
Woche. In ein paar Monaten will ich wieder Vollzeit arbeiten. Sophia geht im Nachbarort in die
Kita. Morgens bringe ich sie hin, nachmittags holen meine Mutter oder ich sie ab. Klar ist das alles
gerade etwas anstrengend. Aber wenn ich denke,
was meine Oma mitgemacht hat, habe ich es doch
wahnsinnig gut.
1981
1995
1995
2004
2004
2005
Geburt Nadine M.
Abtreibung wird straffrei
Weil die Großeltern weit
weg sind und sie keine
passende Kinderbetreuung
findet, pausiert Bärbel
M. nach Nadines Geburt
vorübergehend. Und ist
froh über ihre Arbeit, als
ihre Ehe sechs Jahre später
geschieden wird.
Ein knappes Vierteljahrhundert haben die Frauen dafür
gekämpft: Abtreibung
wird straffrei, sofern sie in
den ersten zwölf Wochen
der Schwangerschaft
stattfindet.
Vergewaltigung in der Ehe
wird strafbar
Erste Frau im Vorstand eines
DAX-Konzerns
Nadine M. macht
ihr Abitur nach
Angela Merkel wird erste
deutsche Regierungschefin
Nach mehr als zwanzigjähriger Debatte stimmt eine
Mehrheit im Bundestag
dafür, auch Vergewaltigungen in der Ehe unter Strafe
zu stellen. Bis dahin war
Vergewaltigung als „außerehelich“ definiert.
Als erste Frau zieht die
Niederländerin Karin Dorrepaal in den Vorstand eines
der 30 umsatzstärksten
deutschen Unternehmens
ein, beim Pharmariesen
Schering.
Und fängt im gleichen Jahr
ihr Studium an. Ihre Eltern
finden es toll, dass sie sich
trotz ihres Unfalls und
des Schulabbruchs dazu
entschließt.
Es ist eine dreifache Premiere, die der CDU-Politikerin
Angela Merkel im November 2005 gelingt: Die Abgeordneten des Bundestages
wählen sie – nach sieben
männlichen Amtsinhabern
– zur ersten Bundeskanzlerin. Zugleich ist Merkel die
erste Naturwissenschaftlerin, die das Amt bekleidet.
Und es ist das erste Mal,
dass ein Politiker aus den
neuen Bundesländern das
Amt übernimmt.
Abb. Die Vergewaltigung
der Lucretia, Gemälde von
Tizian, um 1568/71
Diese
n
10 Frauen habe
t
er
nd
rä
ve
t
die Wel
w w w.allianz.d
NAMEN
Nadine M., 33 Jahre, und
Tochter Sophia, 2 Jahre
DER FALL
Anders als ihre Oma konnte Nadine sich Zeit lassen
mit ihrer Ausbildung. Als sie
merkte, dass sie sich als Reiseverkehrskauffrau langweilte, studierte sie BWL mit
Schwerpunkt Touristik. Reisen mochte die Betriebswirtin schon immer. Als Nächstes soll es mit Sophia
nach Italien gehen.
2011
Geburt von Sophia
„Für meine Tochter würde
ich mir wünschen, dass
sie von uns Frauen in der
Familie den Unabhängigkeitswillen geerbt hat“, sagt
Nadine M. Es sieht ganz danach aus: Bevor Sophia bei
ihr Hilfe sucht, probiert sie
Dinge selber aus. „Insofern
bin ich zuversichtlich, dass
sie einmal gut zurechtkommen wird im Leben.“
e/frauen
11
ZUR PERSON
NAME
Ildikó von Kürthy, 46 Jahre
EXPERTE
„Man muss das Leben
vom Ende her denken“
ZUR PERSON
Gleich das erste Buch der
früheren Journalistin, „Mondscheintarif“, schoss vor gut
zehn Jahren auf Platz eins
der Bestsellerlisten und wurde fürs Kino verfilmt. Kürthys
Bücher verkaufen sich millio-
Vermögensforscher Thomas Druyen über die zunehmende Mitsprache von Frauen
bei Finanzthemen, Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen und
den Grund, warum er besonders einer 18-Jährigen zur Vorsorge rät.
Herr Professor Druyen, Sie arbeiten
derzeit an einer Studie über vermögende Frauen. Geht es dort also vor allem
um das Leben der Reichen und Superreichen?
Prof. Druyen: Nein, nicht ausschließlich. Wir versuchen herauszufinden,
wie die Rolle der Frauen insgesamt im
Bereich der Finanzen und Vermögensverwaltung aussieht. Dort stellen wir
eine Veränderung fest, die in den letzten
Jahren immer weiter greift.
Was verändert sich denn?
Die Entwicklung geht hin zu mehr
Mitsprache, mehr Gefragtwerden, mehr
Mitgestaltung. Frauen sind schon heute
viel mehr an Vermögensangelegenheiten beteiligt als früher.
Nur die vermögenden Frauen oder
überall in der Gesellschaft?
Überall in der Gesellschaft. Ich glaube,
dass wir beobachtbar einem fundamentalen Wandel beiwohnen. Das hat sehr
viel mit Ausbildung und einem dadurch
gewachsenen Selbstvertrauen zu tun.
Vor allem bei Akademikerinnen ist das
auffallend.
Häufig sagen Männer vor einer
finanziellen Entscheidung: Da muss
ich erst meine Frau fragen. Gehen
Mann und Frau unterschiedlich an
Finanzfragen heran?
Absolut. Frauen haben einen intuitiven
und dem gesunden Menschenverstand
folgenden Blick auf finanzielle Fragen,
was zu einer hohen Kompetenz führt.
Dass sie anders an diese Themen herangehen, hat auch – rustikal gesagt – mit
dem Gehirn zu tun.
Mit dem Gehirn? Wie das?
Es gibt dazu im Bereich der Hirnforschung interessante Studien. Bei Männern sind die Vernetzungen innerhalb
einer Gehirnhälfte offenbar besser, bei
Frauen dafür die Verbindungen zwischen den beiden Gehirnhälften. Das
hat zur Folge, dass die Herstellung eines
objektiven Standpunkts vernetzter
möglich wird. Weil Intuition und Ratio
besser zusammenwirken.
Trotzdem schließen Frauen seltener
Vorsorgeprodukte ab als Männer und
kümmern sich weniger um finanzielle
Angelegenheiten.
Ja. Dabei muss jedem klar sein: Jede
Form von Geldanlage ist auch eine
Form von Zukunftsmanagement. Wie
kann ich mein Alter absichern, wie
kann ich meine Kinder absichern, wie
kann ich meine Familie absichern? Die
Tendenz, dass Frauen sich zu wenig um
sich selbst kümmern, ist wirklich ein
Problem. Auch wegen neuer Beziehungsgestaltungen im Leben dieser
Frauen, Stichwort wechselnde Partner
und Patchwork-Familien.
Wenn Sie einer 18-jährigen Frau etwas
für ihre Altersvorsorge raten müssten –
was wäre das?
Dass sie so früh wie möglich mit der
nenfach und wurden bislang
in 30 Sprachen übersetzt.
Ihr jüngster Roman, „Sternschanze“, erschien im
April 2014.
Vorsorge beginnt! Das einzig Vorhersehbare ist die Unvorhersehbarkeit. Was
eine 18-Jährige in zehn Jahren arbeitet,
kann man oft nicht prognostizieren.
Dass sie im Alter aber eine Versorgung
neben der Rente braucht, das ist sicher.
Man muss das Leben hier vom Ende her
denken.
Und warum ist frühes Anfangen
so wichtig?
Viele Menschen unterschätzen die Hebel- und Zinseszinseffekte bei so einer
Vorsorge. So kann über die Jahre auch
aus vergleichsweise kleinen Beträgen
ein beträchtliches Vermögen fürs Alter
heranwachsen. Diese Wirkung ist viel
zu wenigen Menschen klar.
STUDIE
80 %
aller Konsumentscheidungen
werden einer internationalen
Studie zufolge mittlerweile von
Frauen getroffen.
Quelle: Studie „The Nielsen Women of Tomorrow“
von The Nielsen Company, Juni 2011
„
ZUR PERSON
NAME
Thomas Druyen, 56 Jahre
“
Foto: Bernhard Huber
ZUR PERSON
Professor Thomas Druyen ist
Vermögensforscher. Er lehrt
an der Sigmund Freud Privat Universität in Wien und
ist Direktor des Institutes für
Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie inne – dem einzigen
dieser Art in Europa.
Frauen haben
einen intuitiven
Blick auf finanzielle
Fragen, was zu
hoher Kompetenz
führt.
12
„
Meine Güte, ich klinge wie ein sprechender
Pappaufsteller aus der
Sparkasse! Aber, um es
klar und schonungslos zu
sagen: Die Kohle, die man
später mal haben will,
kann man heute nicht
ausgeben.
“
Ildikó von Kürthy, Schriftstellerin, Hamburg
KOLUMNE
Und was, wenn es
später noch mal so
richtig lustig wird?
Altersvorsorge, machen wir uns nichts vor, ist so spießig wie ein Zierbrunnen im Vorgarten. Andererseits gehört es zum guten Umgang mit
sich selbst, auch finanziell in die eigene Zukunft zu investieren, meint
unsere Kolumnistin, die Schriftstellerin Ildikó von Kürthy. Sie rät deshalb nicht nur zum Zähneputzen, sondern auch zum Sparen.
E
s ist spät, und du hast keine
Lust mehr. Dein Mann hat gerade eine weitere Flasche Wein
aufgemacht, was du ihm wirklich übel nimmst, und obschon
du bereits mehrfach offensiv
gegähnt hast, macht keiner
der Gäste auch nur die leisesten Anstalten,
zu gehen. Das lässt sich leicht ändern. Mit
einem einzigen Satz. Mit einem einzigen
Wort genau genommen kann man jedes
fröhliche Beisammensein einem abrupten
Ende zuführen. Noch nie sah ich so vielen
Menschen gleichzeitig einfallen, dass sie
morgen früh rausmüssen, wie in den Sekunden, nachdem ich betont munter in die
Runde gefragt hatte: „Wie haltet Ihr es denn
eigentlich mit der Altersvorsorge?“
Keine dreizehn Minuten später lag ich
zufrieden im Bett, die angenehme Atmosphäre des Abends hatte ich effektiv und
nachhaltig versaut. In dem zuverlässigen
Stimmungstöter-Begriff „Altersvorsorge“
verbinden sich zwei widerliche Teile zu einem grauenvollen Ganzen: „Vorsorge“ ist
das, was ich im Zweifelsfall mal wieder vergessen habe, und „Alter“ ist das, woran ich
nicht erinnert werden möchte.
Wobei ich, nebenbei bemerkt, jetzt ja
schon viel älter bin, als ich jemals werden
wollte. Im Frühling meiner Existenz hielt
ich ein Leben jenseits der vierzig für nicht
lebenswert. Mittlerweile sind mir Frauen
bekannt, die mit über sechzig den besten
Sex ihres Lebens haben. Ich bin also vorsichtig geworden, was trübe Prognosen,
mein eigenes Alter betreffend, anbelangt.
Es könnte später noch mal unerwartet
so richtig lustig werden. Dann nämlich,
wenn du Abschied genommen hast von
lästigen Hoffnungen, hinderlichen Illusionen und übertriebenen Erwartungen.
Wenn du nicht mehr daran glaubst, dass
du im Schlaf schlank werden kannst, und
akzeptierst, dass dein Bindegewebe mit
dir in Rente geht. Und genau dann, wenn
man sich eigentlich gemütlich und Cognac
schwenkend zurücklehnen könnte, kommt
diese unfassbar uncoole, lästige Sache ins
Spiel: Altersvorsorge. Es stimmt zwar, dass
die besten Dinge im Leben umsonst sind.
Aber die zweitbesten Dinge – Cognac zum
Beispiel – kosten Geld. Und darum muss
man sich beizeiten kümmern.
Mist. Als hätte man in der Gegenwart
nicht schon genug an der Hacke: Kinder
und Ehemänner regelmäßig loben, Geld
verdienen und Fett verbrennen, aktuelle
Nachrichtenlage im Auge behalten und
jung und dynamisch bleiben. Da soll man
sich nebenbei auch noch freiwillig mit einer Zeit beschäftigen, in der man aussehen
wird wie ein Tabakbeutel, vermutlich das
Kleingedruckte nicht mehr lesen kann und
die, das hat Zukunft nun mal so an sich, total ungewiss ist?
Hässliche Pappaufsteller in Banken
und auf Postämtern erinnern uns mahnend daran, wie schwer die Zukunft werden kann, wenn man sie in der Gegenwart
zu leicht nimmt. Das sind Spaßverderber,
die uns auf Schritt und Tritt zuraunen: jetzt
sparen – später leben! Heute hungern – aber
dafür morgen die beste Magensonde! Kinder, denkt an eure Zukunft – auch wenn
ihr euch dadurch die Gegenwart komplett
vermiest! Wahr ist, dass sich nur alte Menschen fürs Altsein interessieren. So wie sich
nur Schwangere für Ultraschallbilder von
Embryonen und nur Teenager für Justin
Bieber interessieren.
Altersvorsorge, machen wir uns
nichts vor, das ist, als würde ich jetzt schon
in einem Sarg Probe liegen. Ein jüdisches
Sprichwort sagt: „Wenn du den lieben Gott
zum Lachen bringen willst, dann mach
Zukunftspläne!“ Mittlerweile denke ich
aber immer öfter: Es stört mich eigentlich nicht, wenn der liebe Gott über mich
lacht, er meint es ja sicher nicht böse. Was
mich mehr stört, ist eine Zukunft, für die
ich nicht die Verantwortung übernehme,
vor der ich kindisch die Augen verschließe
und von der ich hoffe, dass sie sich schon
irgendwie ohne mein Zutun zu meinen
Gunsten regeln wird. Altersvorsorge, da
kann es keine zwei Meinungen geben, ist
so vernünftig wie Sojaschnitzel, so spießig
wie ein Zierbrunnen im Vorgarten und so
unsexy wie Socken im Bett. Vernunft ist leider immer das Gegenteil von Leidenschaft,
Lust und Spaß. Jedoch: Mit Vernunft werden auch Weltkriege verhindert.
„Charakter entsteht durch kurzfristigen Triebverzicht zugunsten langfristiger
Ziele.“ Das ist leider nicht von mir. Aber
ich finde, ich bin langsam alt genug für ein
paar langfristige Ziele und wohldosierte
Vernunft in meinem Leben. Ich putze mir
ja auch die Zähne, damit ich in 20 Jahren
keine verfaulten, stinkenden Stummel im
Mund habe. Ich benutze mittlerweile einen
hohen Sonnenschutzfaktor und halte mich,
zumindest grob, an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Aus Achtsamkeit mir selbst
gegenüber. Sonnenbrand und Lichthupe
sind was für junge Leute.
Meine Güte, ich klinge wie ein sprechender Pappaufsteller aus der Sparkasse!
So weit ist es gekommen. Um es klar und
schonungslos zu sagen: Die Kohle, die man
später mal haben will, kann man heute
nicht ausgeben. Und je früher man anfängt,
einen Teil seines Geldes wie selbstverständlich zur Vorsorge abzuzweigen, desto gemütlicher wird das Polster sein, auf dem
man später das greise Haupt betten kann.
Ich bin zwar seit jeher eine Niete in Mathe
gewesen, aber das leuchtet selbst mir ein.
Das Allerwichtigste ist aber, in sich
selbst zu investieren. Und damit meine ich
nicht, in das Facelifting oder die Brustimplantate. Ich spreche vom Beruf, von Beziehungen, von Freunden, Familie, von
Herzenswärme, Offenheit, Gelassenheit
und Freude an Wesentlichem. Menschen,
die sich ihr Leben lang über ihr Aussehen
und ihre Außenwirkung definiert haben,
empfinden das Altwerden als Generalangriff auf ihren Selbstwert.
Zum Glück habe ich einen Beruf erlernt, bei dem es nicht aufs Aussehen ankommt. Eine gute Altersversicherung,
wenn man mich fragt. Irgendwie, und ich
sage das ungern, gehört es zum Erwachsenwerden, das eigene Schicksal nicht
gänzlich dem Schicksal zu überlassen. Und
einen guten Mittelweg zu finden zwischen
der Lust am Leben heute und dem liebevollen Umgang mit dem Menschen, der du einmal sein wirst. In diesem Sinne: Bring den
lieben Gott zum Lachen!
TEXT Ildikó von Kürthy FOTO Sammy Hart
13
Fo
to
:
Do
mi
nik
A sb a c
h
„
Ich gehe im
Beratungsgespräch aufmerksam auf die
Ängste ein, die
die Frauen
offenbaren: Was
ist, wenn meine
Ehe in die Brüche
geht? Wenn
mein Kind krank
wird? Wie gut
bin ich für den
schlimmsten Fall
abgesichert?
“
Nicole Irmer, Bankfachwirtin und Allianz
Vermittlerin, Wuppertal
Keine Sorge, im Grunde gar nicht so viel. Jede Frau kann ohne großen Aufwand für sich
vorsorgen. Egal, ob sie gerade zu arbeiten beginnt oder älter ist, verheiratet oder Single, ob sie
Kinder hat oder nicht. Auch mit kleinen Beträgen lässt sich etwas anstellen – und wenn das
Guthaben langsam wächst, beginnt das Ganze sogar Spaß zu machen. Hier einige Ratschläge.
Brauchen Frauen eine
besondere Absicherung?
U
nbestritten hat sich in den
vergangenen Jahrzehnten
viel für Frauen getan. Sie
sind selbstständiger geworden, gleichberechtigter. Sie
arbeiten als Floristin, Verkäuferin und
Stewardess, aber auch als Ärztin, Ingenieurin und Flugkapitän. Die Frauen heute
reisen, lassen sich Zeit mit dem Kinderkriegen, genießen ihre Freiheit. Kurz:
Sie nutzen alle Möglichkeiten. Trotzdem
sind es die Frauen, die sich um die Familie, den Haushalt, die Kinder kümmern.
Ältere Angehörige pflegen. Und dafür
Einbußen in Job und Verdienst hinnehmen, die sich später schlecht auf ihre
Rente auswirken.
„Viele Frauen sind sich dieser Problematik gar nicht bewusst“, sagt Nicole
Irmer, Allianz Vermittlerin in Wuppertal. „Und viele sorgen deshalb nicht ausreichend für später vor. Dabei ist eine
gute Altersvorsorge kein Hexenwerk.
Man muss sich nur erst mal darüber klar werden, dass auch das
zur Gleichberechtigung gehört:
nicht nur für andere, sondern
auch für sich selbst zu sorgen.“
Dazu gehört übrigens
auch ein regelmäßiger Check,
ob man richtig – richtig im
Sinn: der aktuellen Lebenslage
entsprechend – versichert ist.
„Wenn Ehepaare zu mir zur Beratung kommen, sagt der Mann
oft: ‚Eine Absicherung brauche
bloß ich, weil ich der Versorger
bin“, berichtet Irmer. „Aber das ist
ein Irrglaube. Wenn die Frau ausfällt,
fällt alles aus, was sie sozusagen im
Hintergrund am Laufen hält – sei es das
Einkaufen, Kochen, die Betreuung der
Kinder. Wenn die Frau ausfällt, muss der
Mann diese Arbeiten übernehmen. Oder
jemanden dafür suchen und teuer bezahlen.“
Illustrationen: Stina Persson (5)
Als Vermittlerin der Allianz
berät Nicole Irmer tagtäglich
die unterschiedlichsten Kunden.
Wir haben sie gebeten, ein paar
Ratschläge mit ihrer Erfahrung
zu kommentieren.
4. Was ist wichtig, um
mich gut abzusichern?
Frauen bekommen
weniger Rente
In Deutschland liegt die Lohnlücke
zwischen den Geschlechtern bei
22 Prozent.
Die meisten Mütter verzichten
zugunsten ihrer Familie auf
Karrierechancen.
Der Unterschied der Löhne von
Mann und Frau rührt vor allem
daher, dass typische „Frauenberufe“ wie Friseurin und Krankenschwester schlecht bezahlt sind,
Frauen seltener Führungspositionen bekleiden und oft in Teilzeit
arbeiten. Teilzeitarbeit ist wiederum ein Grund dafür, dass sie für
besser bezahlte Jobs gar nicht in
Betracht gezogen werden. Und
der schlechtere Verdienst hat
Auswirkungen auf die Rente.
Zwei von drei berufstätigen
Müttern in Deutschland
steigen nach der Elternzeit
nur stunden- oder tageweise
wieder ins Arbeitsleben ein.
Das hat zur Folge, dass sie
heute weniger verdienen und
morgen deutlich weniger
staatliche Rente beziehen als
Männer. Die durchschnittliche
Rentnerin in Deutschland
muss mit 544 EUR monatlich
auskommen.
14
Frauen müssen
länger mit ihrem
Geld auskommen
der Frauen über 65 leben
unterhalb der Armutsgrenze.
BEDARF IM ALTER
So viel brauchen
Sie mindestens
Unabhängige Fachleute etwa von der
Stiftung Warentest
raten, rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens im Alter als Bedarf für den Ruhestand einzuplanen. Weil die durchschnittliche staatliche Rente meist niedriger ist,
müssen Sie privat vorsorgen, damit keine
„Versorgungslücke“ entsteht.
Die vier Problemzonen der Frau
Frauen verdienen
weniger als Männer
11 %
Frauen werden
eher pflegebedürftig
Die höhere Lebenserwartung
ist schön – aber das Leben muss
finanziert werden.
Weil Frauen älter werden
als Männer, ist eine private
Pflegeversicherung für sie
besonders wichtig.
Junge Frauen von heute
müssen später fast 30 Jahre
lang mit ihrem Geld durchkommen, wenn sie nach der
statistischen Wahrscheinlichkeit 93,6 Jahre alt werden
und mit 67 in Rente gehen.
Damit sie ihr Leben dann noch
genießen können, müssen sie
finanziell gut versorgt sein. Die
staatliche Rente reicht dafür in
den meisten Fällen nicht.
Bei Frauen ist das Pflegerisiko
höher als bei Männern. Von
den 80- bis 85-jährigen
Frauen sind aktuell 22,9
Prozent pflegebedürftig. Bei
Männern gleichen Alters
sind es nur 16,6 Prozent. Um
die finanziellen Belastungen
einer Pflegebedürftigkeit
zu mindern, ist eine private
Pflegeversicherung wichtig.
PRIVATE RENTE
Wer ab Mitte zwanzig …
40 EUR
monatlich zum Beispiel in eine Allianz RiesterRente Perspektive investiert, kann seine
gesetzliche Rente später jeden Monat um circa
290 EUR * aufstocken, und das lebenslang.
* Gesamtrente, das Gesamtkapital wird zum Rentenbeginn mit
den dann gültigen Rechnungsgrundlagen verrentet; die in der
Gesamtrente enthaltene Beteiligung an den Überschüssen und
Bewertungsreserven kann nicht garantiert werden.
Überblick verschaffen
Z
ugegeben: Etwas Energie und Zeit müssen Sie
aufwenden, wenn Sie
Ihre Altersvorsorge angehen. Denn bevor Sie
planlos den nächstbesten Sparvertrag abschließen, um Ihr Gewissen
zu beruhigen, sollten Sie sich und
Ihre Verhältnisse ordnen. Sammeln
und sortieren Sie alle Unterlagen, die
wichtig sein könnten: Gehaltszettel, Grundbucheinträge, Depot- und
Kontoauszüge, Mietverträge, Schriftstücke vom Notar, Versicherungsverträge und Ähnliches. „Gerade ältere
verheiratete Frauen wissen oft gar
nicht, ob und wie sie abgesichert
Sparen lohnt sich in jeder Lebensphase
sind“, sagt Nicole Irmer. „Sie verlassen sich drauf, dass ihr Mann das
macht. Aber was ist, wenn der Mann
sich in erster Linie um seine eigene
Absicherung kümmert? Oder einen
Unfall hat? Gibt es ein Testament?
Wie ist für die Frau gesorgt? Das sind
Fragen, die jede Frau unbedingt mit
ihrem Partner klären sollte. Manchmal bietet es sich an, dass sie alleine
zur Beratung kommt und sich zunächst einen Überblick verschafft,
was sie mit ihrem Mann besprechen
muss.“ Die Checkliste unten hilft
Ihnen, sich zu orientieren. Was Sie
wirklich brauchen, klären Sie im Beratungsgespräch.
CHECKLISTE
Berufliche Situation
Alter
Eine selbstständige Unternehmerin,
die nicht in die staatliche Rentenkasse
einzahlt, muss sich privat besser absichern als eine Beamtin, die einmal
Pension bekommt. Für beide Fälle gilt
eine jahrzehntealte Faustformel:
Die Berufsanfängerin verdient nach
ihrem Gefühl noch nicht genug, um
etwas beiseitezulegen, die 35-Jährige
genießt lieber das Leben, als sich für
eine ungewisse Zukunft einzuschränken. Die Mittvierzigerin hat das Gefühl,
jetzt noch anzufangen, lohne sich
sowieso nicht mehr. Irgendein Vorwand
findet sich immer, warum Sparen für
später gerade nicht geht. „Am besten
ist es natürlich, so früh wie möglich
anzufangen, weil dann die Beiträge für
eine private Rentenversicherung niedriger sind“, sagt Nicole Irmer. Selbst mit
fünfzig lohnt sich Sparen aber noch.
Etwa 80 Prozent Ihres letzten
Nettoeinkommens brauchen Sie, um
Ihren Lebensstandard im Ruhestand
halten zu können.
Auszubildende
Studentin
angestellt
„
selbstständig
Beamtin
Tatsächlich
geht in jedem Alter
etwas.
Hausfrau
ohne Arbeit
im Ruhestand
“
ledig
Familienstand
Sich darauf verlassen, dass einen der
Partner versorgt, sollte man bei der Scheidungsrate besser nicht: Gut jede dritte
Ehe geht zu Bruch. Verschärfend kommt
das neue Unterhaltsrecht von 2008 dazu:
Es soll dafür sorgen, dass Mütter schneller
wieder in den Beruf einsteigen und für
ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen.
eheähnliches Verhältnis
verheiratet / eingetragene
Lebenspartnerschaft
geschieden
verwitwet
Kinder
ja
nein
Einkommen
(z. B. Gehaltsabrechnung, Lohnzettel)
Angaben zu speziellen
Interessen/Hobbys
Renteninformation der
Deutschen Rentenversicherungen
Unterlagen über
Mieteinnahmen
bestehende Versicherungen
(einschl. betrieblicher Altersvorsorge)
Ausgaben für Pflege
der Eltern o. ä.
Besitz-/Vermögensunterlagen
durchschnittliche Ausgaben
Kostenlose Beratung zur staatlichen Rente
Rentenhöhe prüfen
Überprüfen Sie, ob
die Angaben darin
vollständig sind und
stimmen. Wenn
Sie sich nicht sicher
sind, lassen Sie sich
beraten.
Termin im Rathaus
Im Rathaus Ihrer Gemeinde können Sie sich kostenlos zu Fragen
der gesetzlichen Rentenversicherung beraten lassen. Nutzen Sie
diese Möglichkeit, denn nur, wenn
Sie wissen, wie viel Sie später vom
Staat bekommen, können Sie
errechnen, wie viel Sie zusätzlich
privat ansparen müssen, um über
die Runden zu kommen.
40 plus:
Viele Frauen kommen nicht
eher dazu, regelmäßig Geld
für später beiseitezulegen,
haben dann aber schon resigniert. „Dabei kann man auch
mit Mitte fünfzig noch eine
Altersvorsorge anfangen, die
sich lohnt“, sagt Nicole Irmer.
Ein Tipp für Rentner: Prüfen
Sie, ob Rentensplitting für Sie
in Frage kommt. Dabei können
Ehepartner oder eingetragene
Lebenspartner Rentenansprüche untereinander aufteilen.
RECHENBEISPIEL
Vollzeitmütter zahlen kräftig drauf
Kinder kosten viel Geld, das ist klar. Dass Frauen in der Elternzeit darüber hinaus ein Vermögen durch
den Lohnverlust entgeht, hat die Volkswirtin Christina Boll vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut vorgerechnet: Eine Frau mit mittlerem Bildungsstand, die mit 30 Jahren ein Kind bekommt,
drei Jahre Elternzeit nimmt und dann noch drei Jahre halbtags arbeitet, bevor sie wieder auf Vollzeit
aufstockt, verliert im Vergleich zu einer Vollzeitberufstätigen knapp 200.000 EUR, bis sie 45 ist.
Lohnverlust während
der Elternzeit
Drei Jahre Elternzeit und
drei Jahre Halbtagsarbeit
Ein Jahr Elternzeit und
fünf Jahre Halbtagsarbeit
Lohnverlust während
der Halbtagsarbeit
- 26.115 EUR
Lohnverlust nach der
Rückkehr zur Vollzeitarbeit (durch Folgen der
Teilzeitarbeit, wie Verzicht
auf Karriereschritte,
Mangel an Erfahrungen,
weniger Fortbildungen)
- 80.411 EUR
Weitere Berechnungen finden sich
in Christina Bolls Studie „Lohneinbußen von Frauen durch geburtsbedingte Erwerbsunterbrechungen“.
„
- 60.268 EUR
- 40.682 EUR
- 66.688 EUR
getrennt lebend
Legen Sie die Unterlagen zurecht, die Sie fürs
Beratungsgespräch brauchen
Gesetzliche Rente
Wie viel Rente Sie
später einmal vom
Staat beziehen
werden, steht in der
„Renteninformation“,
die Ihnen die gesetzliche Rentenversicherung einmal im
Jahr schickt.
Berufsanfängerinnen:
Wenn man gerade zu arbeiten
beginnt, ist die Rente weit
weg. Aber gerade für junge
Frauen lohnt es sich, mit der
privaten Altersvorsorge anzufangen – zumal sich schon mit
kleinen Beträgen ein solider
Grundstock ansparen lässt:
Wer etwa 100 EUR im Monat in
die betriebliche Altersvorsorge
steckt, muss in Wahrheit
nur auf etwa 50 EUR seines
Nettolohns verzichten.
Elternzeit:
Junge Eltern haben oft nicht
viel Geld übrig – zumal die
meisten berufstätigen Mütter
nur stunden- oder tageweise
arbeiten. Gerade deshalb ist
es aber wichtig, dass sie sich
für später absichern und die
Versorgungslücke zur staatlichen Rente schließen – zum
Beispiel, indem sie mit dem
besser verdienenden Partner
abmachen, dass er in eine
Riester-Rente für die Frau einzahlt. Auch wenn es nur kleine
Beträge sind.
- 72.807 EUR
Verlust:
- 153.071 EUR
- 193.900 EUR
WICHTIGSTES GUT
Ein großer Irrglaube
besteht darin, dass jeder
erst mal den Hausrat
absichern will. Gerade
jungen Leuten sage ich
immer, sichert zuallererst
Eure Arbeitskraft ab.
Denn platt gesagt: Wenn meine
Wohnung abbrennt, lebe ich zur Not
für ein paar Monate auf Apfelsinenkisten, aber ich kann mir durch meine Arbeitskraft irgendwann wieder
neue Möbel kaufen. Wenn ich dagegen meine Arbeitskraft nicht ausreichend abgesichert habe und mir
passiert etwas, dann bin ich irgendwann ein Fall für Hartz IV.
Verlust:
PFLEGE
Frauen zahlen doppelt
so viel für Pflege
83.987 EUR
beträgt der Mittelwert der Gesamtkosten von Pflegebedürftigkeit vom
Pflegeeintritt bis zum Tod bei Frauen.
Über die Hälfte davon müssen die
pflegebedürftigen Frauen oder deren
Familien selbst zahlen. Das ist doppelt
so viel wie bei Männern, deren
Pflegeleben insgesamt nur 42.221 EUR
kostet. Die Berechnungen stammen
von Professor Heinz Rothgang von der
Universität Bremen.
Das verdeutlicht, dass die gesetzliche
Pflegeversicherung als Teilkostenversicherung im Pflegefall nicht ausreicht
und private Vorsorge nötig ist. Und die
Zahlen zeigen auch: Gerade Frauen
sollten vorsorgen.
Nicole Irmer
15
Gute und schlechte
Beratung
1
Klare Berechtigung.
Selbstständige Vertreter, Makler
und Versicherungsberater müssen
dem Kunden ihren Vermittlerstatus
beim ersten Kontakt unaufgefordert und eindeutig offenlegen.
Unter Zeitdruck.
Ob Ihr Vermittler sich Zeit für Sie
nimmt, merken Sie daran, wie gut
er sich auf den Termin vorbereitet
hat, ob er eilig wirkt oder das Gespräch von außen stören lässt.
2
Schlechte Vorschläge.
Sie reisen nie ins Ausland, aber der
Vermittler schlägt eine Reisekrankenversicherung vor? Dann hat er
Ihren Bedarf zu wenig im Blick.
Den Bedarf im Blick.
Ein guter Berater stellt Fragen
und hört aufmerksam zu, um
dem Kunden eine passende
Lösung vorschlagen zu können.
Staatliche „Geschenke“ nutzen
Betriebliche Altersvorsorge
Als Arbeitnehmerin haben Sie ein Recht auf eine
Betriebsrente. Die lohnt sich, weil der Beitrag
direkt von Ihrem Bruttogehalt abgezogen wird.
Dadurch, dass Ihr Bruttogehalt niedriger wird,
zahlen Sie weniger Steuern und niedrigere
Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung.
Unterm Strich machen sich 100 EUR Vorsorgebeitrag auf dem Gehaltszettel netto nur mit
etwa 50 EUR weniger bemerkbar.
Vermögenswirksame Leistungen bekommen Sie als Auszubildende, Beamtin
und Angestellte: Ihr Arbeitgeber schießt
monatlich bis zu 40 EUR zu Ihrem Sparplan dazu, ob private oder betriebliche
Altersvorsorge, Bank- oder Bausparplan.
3
Regelmäßiger Kontakt.
Ihr Vermittler sollte sich mindestens einmal im Jahr bei Ihnen
melden, um zu prüfen, ob Ihr
Bedarf und Versicherungsschutz
noch übereinstimmen.
Nachteile verschweigen.
Jedes Produkt muss der Vermittler
Ihnen vollständig und verständlich erklären – auch mögliche
Einschränkungen.
Unfallversicherung
Bei Unfallversicherungen für Arbeitnehmer, die auch berufliche Risiken
mitdecken, kann die Hälfte des
Beitrags als Werbungskosten von der
Steuer abgesetzt werden.
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weggezogen.
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Maren H. (40 Jahre), Kommunikationsdesignerin, Wuppertal
ass gute Beratung manchmal die Rettung ist, zeigt der
Film jetzt
Fall von Maren H.: Nach einem Auffahrunfall übersaonline sehen
hen die Ärzte im Krankenhaus eine Verletzung, weshalb die Kommunikationsdesignerin ein paar Monate später
w w w.allianz.d
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nur knapp dem Tod entging – und mit 34 Jahren berufsunfähig wurde. „Mein Glück war, dass ich alle Versicherungen bei
der Allianz hatte: Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Krankenhauszusatzversicherung. Mein Vertreter hat alles in die Hand
genommen und dafür gesorgt, dass ich mich um nichts kümmern
musste“, sagt Maren H. „Sonst hätte ich das alles überhaupt nicht geschafft.“
Für schöne Dinge fehlt
im Alter oft das Geld
Luxus
- 75%
- 50 %
Luxus
Lebensart
Grundbedürfnisse
- 40%
Grundbedürfnisse
Einkommen heute
Einkommen im Rentenalter
2.000 1.000 ei Ihren Grundbedürfnissen können Sie am wenigsten sparen, denn essen und wohnen müssen Sie nun mal. Aber schon an „Lebensart“ lässt
sich die Hälfte einsparen, wie das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) in einer Studie vorrechnet: bei Kleidung etwa, Kosmetik, Fortbewegungsmitteln und Freizeitaktivitäten. Die meisten Abstriche machen
ältere Frauen demnach bei „Luxus“-Ausgaben – wie für Möbel, Reisen und
weitere Annehmlichkeiten.
16
Kosten für Kinderbetreuung
Wenn beide Elternteile arbeiten, können
sie zwei Drittel der Betreuungskosten für
die Kinder von der Steuer absetzen. Bei
Betreuungskosten von 6.000 EUR jährlich
sind also 4.000 EUR absetzbar.
„
Lebensart
B
Steuerersparnis bei Riester- und Rürup-Rente
Welche Form für Sie in Frage kommt, hängt davon
ab, ob Sie angestellt oder selbstständig sind – auf
jeden Fall fördert der Staat diese beiden privaten
Rentenformen durch Steuervorteile. Das sind schnell
mehrere Hundert EUR im Jahr.
Ich werde oft
gefragt, wie viel
man monatlich in
die Altersvorsorge
stecken soll. Ich
rate dazu, mindestens 15 Prozent
des Nettoeinkommens für später
zu sparen, um die
längere Lebenszeit
und das geringere
Einkommen auszugleichen.
Nicole Irmer
“
Pflegegeld
Wer zu Hause einen Angehörigen
pflegt, kann Pflegegeld beantragen.
Je nach Pflegestufe können dies bis
zu 700 EUR monatlich sein.
Schließen Sie die
Versorgungslücke
Bedarf im Alter
80 %
Versorgungslücke
Monatlich
verfügbarer
Betrag vor dem
Ruhestand
W
Gesetzliche
Rente
enn Sie in den Ruhestand gehen, wird die gesetzliche Rente deutlich geringer sein als Ihr letztes
Einkommen. Die Differenz zwischen diesen beiden Beträgen bezeichnet man als Versorgungslücke. Um sie zu schließen, müssen Sie in der
Zeit, in der Sie arbeiten, privat vorsorgen. Eine allgemeingültige
Lösung gibt es dabei nicht – für manche ist die betriebliche Altersvorsorge genau das Richtige, für andere eine Riester-Rente. Auch
Anlageformen wie Immobilien, Aktien und Edelmetalle können Teil
Ihres Vorsorgemixes sein. Zur ersten Orientierung finden Sie rechts
einen Überblick über die gängigsten Formen der Altersvorsorge.
Illustration: Stina Persson (1)
8
TIPPS
Das Wichtigste auf einen Blick
Meist reichen kleine Schritte, um sich eine gute Versorgung im Alter zu sichern.
Die wichtigsten Punkte haben wir hier für Sie zusammengefasst.
1
5
Überblick verschaffen
Zinseszins im Blick haben
Sammeln und sortieren Sie
Ihre Unterlagen.
Die meisten unterschätzen diesen Effekt,
der enorm viel bringt.
Bevor Sie Ihre Absicherung angehen, suchen
Sie alle wichtigen Unterlagen zusammen.
Dazu zählen in erster Linie Gehaltszettel der
vergangenen Monate, Grundbucheinträge,
Depot- und Kontoauszüge, Mietverträge,
Schriftstücke vom Notar und Versicherungsverträge sowie Informationen zur gesetzlichen Rentenversicherung.
Und zwar vom ersten Euro an, den Sie sparen.
Denn mit den Zinsen, die Sie für das Ersparte
kassieren, wächst das Vermögen, auf das
Sie Zinsen bekommen. Im Grunde sparen Sie
also doppelt: Mit dem eigentlichen Betrag und
mit dem Zinseszins.
2
6
Arbeitskraft absichern
Alle Vorteile nutzen
Wichtiger als materielle Güter ist Ihre
Arbeitskraft – die Grundlage für ein
regelmäßiges Einkommen.
Einige Vorsorgemaßnahmen können
Sie steuerlich geltend machen.
Viele Menschen vergessen, dass ihre Arbeitskraft
ihr wichtigstes Gut ist. Und deshalb gut versichert
sein sollte. Auch unabhängige Verbraucherschützer raten dringend dazu, sich gegen eine
mögliche Berufsunfähigkeit zu versichern.
Der Staat fördert private Vorsorge häufig
durch Steuervorteile. Informieren Sie sich,
auf welche Vorsorgeprodukte das zutrifft
und welches für Sie in Frage kommt. Auch
der Arbeitgeber beteiligt sich an Ihrer Altersvorsorge, etwa mit Vermögenswirksamen
Leistungen („VL“) oder einer Betriebsrente.
3
1 Betriebliche
Altersvorsorge:
Als Angestellte lohnt sich
für die Altersvorsorge oft
eine betriebliche Altersvorsorge (bAV), weil Sie in der
Ansparphase Steuern und
Sozialversicherungsbeiträge sparen. Auf eine bAV
haben Sie in Deutschland
gesetzlichen Anspruch.
2
Riester-Rente:
Attraktiv bei der
Riester-Rente ist vor allem
die staatliche Förderung.
Zum Beispiel die Kinderzulage: Für jedes Kind, das
ab 2008 geboren wurde,
besteht ein Anspruch auf
eine Zulage von 300 EUR
jährlich. Für junge Leute
unter 25 Jahren gibt es den
Berufseinsteiger-Bonus.
3
Basis-Rente
(Rürup-Rente):
Die Basis-Rente richtet sich
in erster Linie an Selbstständige, die nicht über die
Deutsche Rentenversicherung oder Versorgungs-
werke abgesichert sind.
Mit Vorsorgebausteinen
lässt sich die Basis-Rente
mit einer Berufsunfähigkeits- und einer Hinterbliebenenvorsorge erweitern.
4
Private
Rentenversicherung:
Das Prinzip ist einfach: Sie
zahlen über mehrere Jahre
Beiträge ein und erhalten
im Gegenzug im Alter
eine monatliche Rente.
Wer sich stattdessen im
Alter noch einen großen
Wunsch erfüllen möchte, kann sich das Kapital
alternativ auf einen Schlag
auszahlen lassen.
5
Sparplan in
Investmentfonds:
Bei einem Sparplan in Investmentfonds zahlen Sie
in regelmäßigen Abständen einen Betrag ein, der
in Fonds investiert wird.
Gerade in Zeiten, in denen
Anlagen wie Tagesgeld
kaum Zinsen bringen,
kann sich das lohnen.
Festen Betrag fürs
Alter sparen
Ganz gleich, wie viel Sie monatlich
beiseitelegen können – wichtig ist, dass
Sie regelmäßig sparen.
Meist heißt es, man solle 10 Prozent seines
monatlichen Nettoeinkommens für später
sparen. Wenn Sie sich aber einmal durchrechnen, wie viel Sie im Alter zum Leben brauchen werden, kommen Sie vermutlich eher
auf einen Sparbetrag von 15 bis 20 Prozent.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Sie regelmäßig
einen festen Betrag beiseitelegen. Nur so
wächst mit der Zeit das Vermögen an, das Sie
im Ruhestand brauchen.
7
Regelmäßig anpassen
Bei jeder Gehaltserhöhung sollten
Sie Ihren Sparplan anpassen.
Auch sonst lohnt es sich, regelmäßig
etwas aufzustocken, etwa um im Lauf der
Jahre die Inflation auszugleichen.
Auch bei der Hausrat- und der Krankentagegeldversicherung ist es ratsam, die
Versicherungssumme mit Ihrem tatsächlichen Bedarf in Einklang zu bringen.
4
8
Für Pflegefall vorsorgen
Schichten Sie um
Frauen werden statistisch gesehen im Durchschnitt fünf Jahre älter als Männer.
Je nach Lebenslage kann es sich
lohnen, bestehende Versicherungen
„umzuschichten“.
Und in vielen Fällen ein Pflegefall. Mit der gesetzlichen Pflegeversicherung ist nur die Mindestversorgung abgedeckt – für einen Platz in einem schönen
Pflegeheim etwa reicht es auf keinen Fall. Damit Sie
keine Angst haben müssen, später jemandem zur
Last zu fallen oder nicht gut versorgt zu sein, sollten
Sie in eine private Pflegeversicherung investieren.
Wenn Sie zum Beispiel mit Ihrem Partner
zusammenziehen, reicht eine Hausratund eine Haftpflichtversicherung für beide.
Das gesparte Geld ist besser in Ihrer Altersvorsorge angelegt.
17
5. Welche Lösung passt zu mir?
Frauen denken an alles – ihre eigene Absicherung stellen sie jedoch häufig hintenan. Dabei ist gerade für sie dieses Thema
besonders wichtig, da sie zum Beispiel länger leben, häufiger pflegebedürftig werden und öfter die Berufstätigkeit unterbrechen.
Wir beschränken uns in den Beispielen bewusst auf die Absicherung, die speziell für die Frau wichtig ist.
FÜR ALLE WICHTIG
Berufsstarterin
Vollzeit berufstätig,
ledig
Vollzeit berufstätig,
verheiratet
Julia P. hat eine Ausbildung zur Bauzeichnerin abgeschlossen und arbeitet seit einem
halben Jahr in einem Architekturbüro. In
ihrer Freizeit geht sie so oft wie möglich zum
Mountainbiken und im Winter Ski fahren.
Olivia G. ist durch ihre Arbeit als Pressereferentin viel unterwegs. Sie verdient sehr
gut und liebt die Abwechslung in ihrem
Beruf. Trotzdem freut sie sich, nach langen
Geschäftsreisen zurück in ihre gemütliche
Wohnung zu kommen.
Anja V. und ihr Mann arbeiten beide Vollzeit, sie als Angestellte in einem mittelständischen Unternehmen, er im öffentlichen
Dienst. Das Paar hat keine Kinder. Beide
verdienen gut und haben gerade den Kaufvertrag für ihr Traumhaus – einen Bauernhof –
unterschrieben.
Grundabsicherung
Bei Pflichtversicherungen, die gesetzlich
vorgeschrieben sind, haben Sie keine
Wahl: Diese müssen Sie haben. Das trifft
zum Beispiel auf die gesetzliche Kranken- und soziale Pflegeversicherung
oder die Kfz-Haftpflichtversicherung für
Fahrzeughalter zu. Darüber hinaus gibt
es Versicherungen, die jeder haben sollte,
weil sie zur Grundabsicherung gehören.
!
Im Überblick
die Grundabsicherungen, wie
sie von unabhängigen Stellen
empfohlen werden:
Privat-Haftpflichtversicherung
→ Schützt vor den finanziellen Folgen von
Personen-, Sach- und Vermögensschäden,
die Sie anderen in Ihrem privaten Alltag und
in Ihrer Freizeit zufügen. Ein Beispiel: Wenn
Sie als Fußgängerin im Straßenverkehr einen
Fehler machen, kann das enorme Schäden
und damit Kosten verursachen.
Berufsunfähigkeitsversicherung
→ Berufsunfähigkeit ist eines der größten
existenziellen Lebensrisiken: Wenn das
Einkommen wegfällt, kann eine gravierende
Versorgungslücke die Folge sein. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann sie schließen.
Unfallversicherung
→ Eine Unfallversicherung sieht Kapital- und
Rentenzahlungen vor, wenn nach einem
Unfall Dauerfolgen (Invalidität) bleiben. Außerdem kann ein Bündel weiterer Leistungen
vereinbart werden, vom Krankenhaustagegeld bis zu Hilfsleistungen für die Versicherte
im Haushalt. Die gesetzliche Unfallversicherung leistet nur bei Berufs- und Wegeunfällen. Die Unfallversicherung ist auch mit
garantierter Beitragsrückzahlung möglich.
Hausratversicherung
→ Ersetzt den Neuwert Ihres Inventars wie
Möbel, Kleidung und Laptop bei Schäden
durch Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Sturm oder Hagel. Im Laufe des Lebens
sammeln sich zunehmend mehr Dinge an,
die Sie schützen möchten.
Wichtig für alle Hausbesitzer:
Wohngebäudeversicherung
→ Eine Wohngebäudeversicherung schützt
Sie bei Schäden an Ihrem Haus z. B. durch
Brand, Blitzschlag, Leitungswasser, Rohrbruch und Sturm, Hagel sowie weiteren
Elementargefahren wie Überschwemmung
oder Rückstau.
Wichtig, wenn jemand finanziell
von Ihnen abhängig ist:
Fotos: f1online (7)
Risikolebensversicherung
→ Eine Risikolebensversicherung schützt Ihre
Angehörigen im Falle Ihres Todes mit einer
Kapitalauszahlung vor finanziellen Nöten.
18
MEINE BASIS
Berufsunfähigkeitsversicherung
→ Das Wichtigste für Julia P. ist die Absicherung ihrer Arbeitskraft. Als Berufsanfängerin
verdient sie noch nicht so viel. Wenn ihr jetzt
etwas passieren würde und sie nicht mehr
arbeiten könnte, wäre die gesetzliche
Erwerbsminderungsrente extrem gering,
so dass sie kaum davon leben könnte. Wenn
Julia P. sich bereits in jungen Jahren absichert,
sind die Beiträge vergleichsweise gering.
Sie kann den Vertrag um Leistungen bei
Pflegebedürftigkeit ergänzen. Dadurch erhält
sie im Leistungsfall die doppelte Leistung,
wenn sie berufsunfähig und pflegebedürftig
ist. Außerdem hat sie die Möglichkeit, den
Pflegebaustein später ohne Risikoprüfung
in eine selbstständige Pflegeversicherung
umzuwandeln.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Statistisch gesehen wird Julia ein hohes
Alter erreichen, in dem sie auch noch gut
leben möchte. Wenn sie jetzt schon mit der
Altersvorsorge beginnt, kann sie bereits mit
kleinen Beträgen ihre Rente später deutlich
aufbessern. Schon mit 40 EUR im Monat
könnte sie durch den Zinseszinseffekt später
mit einer zusätzlichen lebenslangen Rente
von rund 290 EUR (siehe Beispiel Seite 14)
rechnen. Besonders interessant ist es, wenn
sie auch Angebote ihres Arbeitsgebers, z. B.
vermögenswirksame Leistungen, dafür in
Anspruch nimmt.
Unfallversicherung
→ Julia P. übt Sportarten aus, bei denen es
leicht zu schweren Verletzungen kommen
kann. Mit einer Unfallversicherung kann sie
sich gegen die finanziellen Folgen eines Unfalls absichern. Versicherungsschutz besteht
dabei rund um die Uhr und weltweit.
MEINE BASIS
Berufsunfähigkeitsversicherung
→ Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung
sichert Olivia G. ihr wichtigstes Gut:
das Einkommen aus ihrer eigenen Arbeitskraft. Denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (maximal 29 Prozent des letzten
Bruttoeinkommens bei voller Erwerbsminderung) reicht nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Außerdem ist sie mit
ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung auch
nicht gezwungen, einer anderen, eventuell
deutlich schlechter bezahlten Tätigkeit nachgehen zu müssen.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Als Pressereferentin ist für Olivia G. eine
betriebliche Altersvorsorge über das Presseversorgungswerk interessant. Durch Rahmenverträge dieser Versorgungswerke z. B. mit
der Allianz können diese besonders günstige
Tarife anbieten. Für Olivia G. bietet sich eine
Direktversicherung an, da sie mit Steuerklasse I steuerliche Vorteile nutzen kann.
Krankenversicherung
→ Mit einer privaten Krankenversicherung
sichert sie sich eine Behandlung auf hohem
Niveau, sei es die Chefarztbehandlung und
das Einbett-Zimmer oder hochwertigen
Zahnersatz. Sollte sie allerdings Kinder haben
wollen, muss sie bedenken, dass diese nicht
automatisch mitversichert sein werden. Eine
Alternative wären private Krankenzusatzversicherungen ergänzend zur gesetzlichen
Krankenversicherung, z. B. eine Krankenhauszusatzversicherung, wenn sie auf den hohen
Standard nicht verzichten möchte.
MEINE BASIS
Berufsunfähigkeitsversicherung
→ Beim Hauskauf wird Anja V. die Raten
zur Hälfte mittragen. Fiele ihr Einkommen
weg, könnte das Ehepaar sich das Eigenheim
nicht mehr leisten. Deshalb sichert sie ihr
Einkommen idealerweise mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ab.
Risikolebensversicherung
→ Eine Risikolebensversicherung für
beide Partner kostet nicht viel und sichert
im Todesfall den anderen finanziell ab.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Da Anja V. gut verdient, ist eine betriebliche Altersvorsorge für sie besonders interessant. Denn die Beiträge werden ihr direkt
vom Lohn abgezogen und sind innerhalb
gesetzlicher Höchstgrenzen steuer- und
sozialabgabefrei.
Pflegeversicherung
→ Anja V. ist es wichtig, sich ihre finanzielle
Unabhängigkeit im Pflegefall mit einer
privaten Pflegevorsorge zu sichern. So ist sie
gut versorgt, auch wenn sie später allein sein
sollte, z. B. falls ihr Mann vor ihr stirbt.
Krankenversicherung
→ Anja V. legt Wert auf eine gute medizinische Behandlung. Mit einer privaten
Krankenversicherung sichert sie sich eine
Behandlung auf hohem Niveau, sei es die
Chefarztbehandlung, ein Einbett-Zimmer im
Krankenhaus oder hochwertigen Zahnersatz.
MEINE FINANZEN
Vermögensanlage
→ Anja V. erwägt, gemeinsam mit ihrem
Mann in eine zusätzliche Altersvorsorge zu
investieren. Dafür bietet sich ein Schatzbrief
an, da er zusätzlich die Möglichkeit bietet,
flexibel Kapital zuzuzahlen oder später bei
Bedarf Kapital zu entnehmen.
Welche Lösun
g
zu Ihrer Lebens
lage und
Ihren Zielen pa
sst, finden
Sie am besten
in einem
Gespräch mit Ih
rem Allianz
Vermittler hera
us.
Mutter,
verheiratet
Mutter, berufstätig,
verheiratet
Mutter, Vollzeit berufstätig,
alleinerziehend
Selbstständige,
verheiratet
Stefanie W. ist seit acht Jahren verheiratet.
Ihr Mann arbeitet als IT-Fachmann, sie ist
zurzeit Vollzeitmutter. Die beiden haben
drei Kinder. Seit einigen Jahren wohnt die
Familie in einem Haus ihrer Eltern, das sie
Stück für Stück renovieren. In der wenigen
Freizeit, die der Familie bleibt, ist sie viel mit
dem Fahrrad unterwegs.
Katrin K. ist Arzthelferin in Teilzeit und
verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.
In ihrer Vierzimmerwohnung in einer
Kleinstadt fühlt sich die Familie sehr wohl.
So oft es geht, besucht Katrin K. ihre
pflegebedürftige Mutter.
Andrea H. lebt mit ihrer Tochter Anna in
einer Mietwohnung. Seit der Scheidung
ist sie alleinerziehend und arbeitet wieder
als Bodenstewardess. Anna besucht den
Kindergarten. Das Familieneinkommen
setzt sich aus dem Einkommen von Andrea
H. und Unterhaltszahlungen des Vaters
zusammen.
Katja B. ist seit 28 Jahren verheiratet. Sie
hat eine Reiseagentur, er arbeitet bei einer
Druckerei im Vertrieb. Das Paar wohnt im
eigenen Haus, ihre Kinder sind ausgezogen.
Die beiden reisen auch privat gerne und
kümmern sich oft um ihre vier Enkelkinder.
MEINE BASIS
Risikolebensversicherung
→ Um sich gegenseitig für den Todesfall abzusichern, ist eine Risikolebensversicherung
für beide Partner für einen relativ geringen
Betrag geeignet.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Wegen der staatlichen Förderung lohnt
sich für Stefanie W. als Mutter ein RiesterVertrag als private Altersvorsorge.
Unfallversicherung
→ Als Vollzeitmutter hat Stefanie W. keinen
gesetzlichen Versicherungsschutz. Fällt sie
aus, kann es zur Folge haben, dass die Familie
mit drei Kindern Hilfe für den Haushalt in
Anspruch nehmen muss. Eine Unfallversicherung würde die vereinbarten Hilfsleistungen übernehmen.
MEINE FINANZEN
Vermögensanlage
→ Gerade für Paare, die gemeinsam
Wohneigentum aufbauen, ist es gut, nicht
alle freien Mittel in die Immobilie zu stecken,
sondern unabhängig davon einen kleinen
Kapitalstock aufzubauen. Der gibt ihnen
Handlungsspielraum, wenn sich die Lebensumstände verändern (z. B. Umzug in eine
andere Stadt, Trennung). So müssen sie dann
z. B. nicht das Haus sofort und unter Wert
verkaufen.
MEINE BASIS
Berufsunfähigkeitsversicherung
→ Katrin K. verdient zwar weniger als ihr
Partner, doch ihr Einkommen gibt der Familie
mehr finanziellen Spielraum. Um diesen im
Fall einer Berufsunfähigkeit nicht zu verlieren, sorgt sie vor.
Risikolebensversicherung
→ Um sich gegenseitig für den Todesfall abzusichern, ist eine Risikolebensversicherung
für beide Partner für einen relativ geringen
Betrag geeignet.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Der Mann von Katrin K. hat bereits einen
Riester-Vertrag mit jährlichem Höchstbetrag
von 2.100 EUR abgeschlossen, um die volle
staatliche Förderung samt Kinderzulage zu
erhalten. Sinnvoll wäre für Katrin K. zusätzlich ein eigener Vertrag, der ebenfalls voll
förderfähig ist.
Pflegeversicherung
→ Aufgrund der Erfahrung mit ihrer Mutter
ist es Katrin K. wichtig, sich ihre finanzielle
Unabhängigkeit im Pflegefall mit einer
privaten Pflegevorsorge zu sichern. So ist sie
gut versorgt, auch wenn sie später allein sein
sollte, z. B. falls ihr Mann vor ihr stirbt.
MEINE BASIS
Berufsunfähigkeitsversicherung
→ Jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer
wird im Laufe seines Lebens berufsunfähig.
Würde Andrea H. berufsunfähig, wären die
finanziellen Folgen für sie als alleinerziehende Mutter drastisch. Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann Andrea H.
ihre Tochter und sich absichern. Falls sie
berufsunfähig wird, ist sie von den Beiträgen
befreit.
Risikolebensversicherung
→ Andrea H. sollte als alleinerziehende
Mutter besondere Vorsorge für den Ernstfall
treffen. Mit einer Risikolebensversicherung
müsste sich ihre Tochter erst mal keine
großen finanziellen Sorgen machen.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Für Andrea H. bietet es sich an, ihre
gesetzliche Rente durch eine kleine private
Absicherung aufzustocken. Da sie eine Tochter hat, kann sie die staatliche Förderung
inkl. der Kinderzulage mit einem RiesterVertrag nutzen.
Unfallversicherung
→ Da Andrea H. alleine für sich und ihre
Tochter sorgt, ist es sinnvoll, neben Geldleistungen (z. B. im Fall einer Invalidität) auch
Hilfsleistungen mitzuversichern. Damit ist
sichergestellt, dass nach einem Unfall sowohl
für sie selbst als auch für ihre Tochter gesorgt
wird, vom Menü- und Wäscheservice bis zur
Kinderbetreuung.
MEINE VORSORGE
Altersvorsorge
→ Da Katja B. selbstständig ist, ist sie weder
durch die Deutsche Rentenversicherung
noch durch ein Versorgungswerk abgesichert. Deshalb ist z. B. die Basisrente für
sie attraktiv, denn die Beiträge sind bis zur
steuerlichen Höchstgrenze (20.000 EUR
für Ledige, 40.000 EUR für Verheiratete)
von der Steuer absetzbar.
Unfallversicherung
→ Katja B. reist viel und ist oft auch im Ausland unterwegs. Mit einer Unfallversicherung
kann sie sich gegen die finanziellen Folgen
eines Unfalls absichern. Versicherungsschutz
besteht dabei rund um die Uhr und weltweit.
Vermögensanlage mit
kombinierter Pflegevorsorge
→ Katja B. will im Alter nicht von der Pflege
durch ihre Kinder abhängig sein und möchte
auch, dass das Haus im Pflegefall vor einer
Veräußerung geschützt ist. Sie sucht eine
Geldanlageform, die sicher ist und eine
überschaubare Laufzeit hat. Die einmalige,
jährliche oder monatliche Einzahlung wird
verzinst angelegt, und im Falle einer schweren Pflegebedürftigkeit kann sie mit einer
lebenslangen monatlichen Rente rechnen.
Sollte sie diese nicht benötigen, erhält sie
am Ende der Vertragslaufzeit das Kapital
garantiert zurück.
MEINE FINANZEN
Vermögensanlage
→ Für Katja B. ist zusätzlich eine Anlage
am Kapitalmarkt mit konservativer Struktur
sinnvoll. Je näher das Rentenalter rückt,
desto niedriger sollte die Aktienquote in
ihrem Depot sein.
19
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