„Wanderer, kommst Du nach Sparta …“

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„Wanderer, kommst Du nach Sparta …“
„Wanderer, kommst Du nach Sparta …“
Das Tagebuch der Griechenlandfahrt 2014 – von Dorothea Leiter
6. Juli 2014
Kalimera aus Griechenland!
Ein komisches Gefühl jetzt wirklich hier zu sein. Wir haben uns so lange auf diese Reise vorbereitet und
gefreut und jetzt geht es endlich los!
Wir sind auf dem Weg zu den Meteora-Klöstern und trotz vielen Stunden im Bus und auf der Fähre ist
unsere Laune super.
*später*
Die Meteora-Klöster lassen sich eigentlich kaum mit Worten beschreiben. In einem Tal erheben sich einfach
so riesige Felskomplexe, glatt und steil. Auf ihren Spitzen scheinen die Klöster aus dem Fels heraus zu
wachsen. Die Mönche und Nonnen sind früher mit Strickleitern und Flaschenzügen hinaufgekommen. So
abgeschnitten von der Zivilisation lebten sie in unglaublicher Idylle und Ruhe. Wenn es einen Platz gibt, an
dem man Gott nahe kommen kann, dann hier! Einen Eindruck davon bekamen wir im größten und heute
noch bewohnten Kloster Megalon Meteora.
Unseren ersten Abend in Griechenland verbringen wir in Kalambaka, einem Örtchen direkt unterhalb der
Klöster.
7. Juli
Gerade fahren wir mit unserem Bus durch das Parnas-Gebirge, unser nächstes Ziel ist Delphi.
Wir kommen von den Thermopylen, dort haben wir Leonidas bewundert und das Grab der 300 Spartaner
besucht. In der Schlacht bei den Thermopylen widerstanden 300 tapfere Spartaner dem riesigen Heer der
Perser, starben jedoch schließlich für ihr Vaterland und für die Freiheit. Für uns heute eine romantische
Vorstellung von grenzenloser Tapferkeit und unbesiegbarem Mut. Hat keiner der 300 Angst gehabt und
gezögert, diesen aussichtslosen Kampf bis zum Ende zu kämpfen?
Am Grab dieser 300 setzten wir uns in den Schatten und lauschten Herrn Manchen, der mit seiner Gitarre
für uns und für die 300 ein selbstkomponiertes und getextetes griechisches Lied über die Schlacht und die
unbeugsamen Spartaner vortrug. Wir waren beeindruckt!
*später*
Hinter uns liegt die bis jetzt anstrengendste Station: Delphi. Delphi liegt am Rand des Parnas-Gebirges an
einem Berghang und allein die Aussicht ist göttlich!
Faszinierend an Delphi ist die Vorstellung, dass der Ort vor so vielen Jahren ein Heiligtum für die Menschen
der Antike war. Wir hecheln heute durch die Ruinen, fotografieren jede Ecke und lächeln überheblich, wenn
wir von dem Vertrauen und Glauben der Menschen an die Orakelsprüche erfahren. Man muss versuchen zu
vergessen, dass wir in einer ganz anderen Welt wohnen und nicht an Zeus und seine Götterkollegen glauben.
Die Menschen damals hielten die Existenz ihrer Götter für wahr, sie orientierten sich an ihnen und bauten
auf sie. Daher kamen sie nach Delphi nicht wie wir als Touristen, sondern mit dem tiefen Bedürfnis nach
übernatürlicher Hilfe und Unterstützung.
9. Juli
Auf Wiedersehen Athen!
Ich bin dir gegenüber fast ein wenig sprachlos. Man weiß bei dir gar nicht, wo man anfangen soll! Zwei
Tage lang hast du uns fest gepackt und kaum losgelassen.
Montagabend wurden wir ganz plötzlich aus unserem Bus heraus in die Großstadt Athen gestoßen. Den
Abend durften wir alleine gestalten, ein Teil von uns verbrachte ihn mit Spielen im Hotel. Die anderen
stürzten sich mutig ins abendliche Athen und bestaunten die beleuchtete Akropolis im Zentrum der Stadt.
Am nächsten Morgen begannen wir zeitig mit einer Stadtführung. Zusammen mit der super sympathischen
Stadtführerin Maria durchquerten wir mit unserem Bus Athen und erfuhren viel vor allem über die moderne
Geschichte Athens, über den rasanten Wachstum und die Entwicklung zur Großstadt im 19. Jahrhundert.
Aber die wahren Ausmaße wurden uns erst bewusst, als wir endlich auf der Akropolis standen und sich ein
Häusermeer in alle Richtungen ergoss, als hätte ein Riese seine weißen Bauklötze im Tal ausgekippt.
Dort auf der Akropolis tauchten wir dann aber auch wieder tief in die Antike ein. Auf der Akropolis von
Athen stehen drei Tempel, alle Athene gewidmet, der Schutzgöttin der Stadt. Die Tempel waren damals, wie
auch viele andere antike Gebäude, nicht so schlicht majestätisch, sondern bunt bemalt - fast schon ein wenig
kitschig. Heute schwer vorzustellen!
Nach dem Besuch des Akropolis-Museums waren wir dann alle kaputt und vollgestopft mit athenischer
Geschichte. So viel Bildung!
Den restlichen Tag hatten wir dann komplett Freizeit und haben in kleinen Gruppen Athen erkundet. Nach
dem Abendessen haben alle gemeinsam einen Spaziergang durch das nächtliche Athen unterhalb der
Akropolis unternommen, ein Glas Wein getrunken, um dann schließlich zum Hotel zurückzusprinten und
dort das Deutschlandspiel zu gucken! Und zum ersten Mal war es ein wenig schade, fernab vom deutschen
Alltag zu sein, denn die Stimmung in Deutschland muss super gewesen sein!
Heute Morgen begaben wir uns dann auf die Agora. Auf der Agora ist heute nicht mehr sehr viel erhalten,
nur Grundrisse und einzelne Mauern, Säulen und Steine. Doch wir schafften es, die antike Agora, den
Marktplatz Athens, mit seinen Geschäften, Tempeln, Altären, Verwaltungs- und Ratsgebäuden wieder
auferstehen zu lassen.
Die Agora war zum Beispiel die Bühne von Sokrates! Wie würden wir heute reagieren, wenn uns ein alter
Mann auf der Straße mit einer Frage wie „was verstehst du unter Gerechtigkeit?“ ansprechen würde? Die
Begegnung wäre für uns bestimmt ähnlich unangenehm gewesen wie für die Menschen der Antike. Dort auf
der Agora ist Sokrates also spazieren gegangen, bis er eines Tages angeklagt wurde. Der Prozess fand
vermutlich auch auf der Agora statt und das Gefängnis, in dem er den Schierlingsbecher lehrte, befand sich
ebenfalls direkt neben der Agora.
Neben Sokrates sind natürlich auch viele andere Philosophen, z.B. die Stoiker, durch die Säulengänge
geschlendert und haben ihre Lehren verbreitet.
Und heute sitzen wir Trierer hier, reden zunächst über die stoische Philosophie und halten dann unser
eigenes Scherbengericht ab, mit dem wir abstimmen, den Athener Regierungschef Perikles nicht zu
verbannen.
Wir verlassen die Agora und laufen hinauf zu dem Hügel auf dem der Areopag, das Gericht, tagte.
Athen hat uns gezeigt, wie modern, intelligent und organisiert die Menschen vor mehr als 2000 Jahren
waren. Dabei ist das für uns so unvorstellbar lange her!
Danach freuen wir uns alle auf eine Ruhepause im Bus, mit dem wir uns mittags nach Tolo aufmachen.
*später*
Bevor wir Tolo erreichten, machten wir Halt in Korinth. Neben dem Kanal von Korinth besichtigten wir
kurz die antike Stadt Korinth, in der früher bis zu 80 000 Menschen gewohnt haben!
Hier begegnet uns auch Paulus wieder; er hatte schon versucht uns auf dem Areopag in Athen von dem
Glauben an den „unbekannten Gott“ zu überzeugen. Das ist ihm jedoch nicht gelungen, deswegen zieht er
weiter nach Korinth. Nun steht er hier auf der Rednertribüne und erzählt leidenschaftlich von Gott. Leicht
hat er es auch hier nicht, wir Korinther bekommen durch unseren Hafen neben weltlichen Gütern jederzeit
Gedanken, Mentalitäten und auch Religionen von der ganzen Welt geliefert. Aber irgendwie fesselt uns
Paulus doch und wir lassen uns in der neuen Gemeinde von Korinth taufen.
11. Juli
Kalimera! Es ist 9:20 und wir sitzen im Bus und durchqueren die Peleponnes Richtung Sparta. Die letzten
zwei Nächte haben wir in Tolo verbracht, direkt am Meer!
Als wir abends ankamen mussten wir nach dem Essen natürlich direkt ins Wasser. Eine Bucht wird links
und rechts von Bergen und Felsen begrenzt; das Wasser ist klar und schwappt fast bis an die Restaurants,
Bars und Terassen, die sich den ganzen Strand entlang erstrecken.
Am nächsten Tag (also gestern) haben wir uns nach Mykene und Epidauros aufgemacht.
Die Burg Mykene, die Heimat Agamemnons!
Zusammen mit seinem Bruder Menelaos zieht er los, um Troja zu zerstören. Als Gewinner kommt er viele
Jahre später zurück, schon von seinem Schiff aus kann er die Festung auf dem Berg erkennen. Mit seinen
Leuten zieht er den Berg hinauf und betritt seine Burg durch das Löwentor. Lange vor Agamemnon haben
die Zyklopen geholfen die Anlage zu bauen und stapelten die Mauern aus tonnenschweren Steinen.
Das Löwentor schließt sich nun hinter Agamemnon, endlich ist er zuhause! Leider wird er wenig später in
seinem eigenen Badezimmer von seiner Ehefrau Klytaimnestra und ihrem Liebhaber umgebracht.
Wir verlassen den historischen Ort dieser Familientragödie, der einst so mächtig war.
Unsere nächste Station ist der Kurort Epidauros. Wie einst die Pilger und Patienten gehen wir durch den
Bezirk mit seinen Tempeln, Sportanlagen und Brunnen. Mit Herr Manchens selbstgebrautem Heiltrank
(nach antikem Rezept) sind wir jetzt vor Schlangenbissen geschützt.
Die antiken Heilmethoden sehen den Menschen als Ganzes, bei einer Krankheit sind daher immer Körper
und Geist betroffen. Zur Heilung gehört deswegen auch das Theater, das unsere Pilgerreise durch Epidauros
beendet.
Den Nachmittag haben wir frei und verbringen ihn selbstverständlich im Meer! Und auch heute Morgen
bewundern ein paar von uns den Sonnenaufgang aus dem Wasser heraus.
*später*
Wieder im Bus schlafen die meisten, aber das ist schade denn sie verpassen eine tolle Aussicht auf die
Berge. Wir befinden uns auf der Peleponnes, irgendwo zwischen Sparta und Olympia. Vermutlich hat Sparta
schon dankbarere und respektvollere Besucher gesehen als uns. Aber es ist auch selber schuld, es stellt
unsere müde Fantasie auf eine harte Probe!
Von hier aus ist Leonidas mit seinen 300 tapferen Kriegern losgezogen. Hier war das Zentrum eines
mächtigen Staates – heute nur noch ein kleines Städtchen Neu-Sparta und ein paar Felsblöcke in der Sonne.
In derselben Ebene wie Sparta, jedoch nicht im Tal sondern auf einem Berg, liegt Mistras. Wir springen ein
paar Jahrhunderte in der Zeit und verlassen die Antike, Sparta ist nur noch ein Haufen Ruinen, Neu-Sparta
und Neu-Mistras gibt es noch nicht und ganz alleine thront die Stadt Mistras über der Landschaft. Wir
befinden uns im byzantinischen Reich und unsere Stadt ist wirtschaftliches Zentrum des Reiches und
sozusagen Konstantinopels rechte Hand in Griechenland. Bis zu 40 000 Menschen haben in den malerischen
Häusern am Hang gewohnt, die ärmeren in der Unterstadt, die reicheren in der Oberstadt.
Noch etwas zeichnet unsere Stadt aus. Sie beherbergt viele Klöster und Kirchen und bei allen Machtwechseln, die
sie erlebt hat, ist sie immer orthodox geblieben.
Erst vor knapp 200 Jahren beschlossen die Menschen ihre von Eroberungen und Bürgerkriegen zerstörte Stadt zu
verlassen und sich im Tal anzusiedeln.
12. Juli
Die letzten Stunden auf griechischem Boden. Langsam kommt der Gedanke, dass es bald vorbei ist, aber wir lassen
ihn noch nicht richtig zu.
Die letzte Nacht in Griechenland haben wir in Olympia verbracht und heute dann das berühmte Sportgelände
besichtigt.
In der Antike waren Religion und Sport eng verknüpft, Sportspiele wie die olympischen waren immer den Göttern
gewidmet. Fairness spielte keine Rolle und es zählte nur der Sieger. Pech für unsere armen Jungs, die das Wettrennen
im olympischen Stadion gegen Matthias verloren.
Olympia zeigt uns mal wieder, wie modern die Menschen der Antike waren, teilweise folgenden Epochen vorraus.
Und damit ist unsere Besichtigungstour durch Griechenland auch schon zuende! Aber noch sind wir in Griechenland,
noch geben wir in den letzten zwei Stunden unser restliches Geld für Souveniers aus, bevor es mit dem Bus Richtung
Patras geht. Die Fahrt mit „unserem“ Bus durch Griechenlands Berge und Täler ist uns so vertraut geworden.
*später*
In der Antike strömten hunderte Menschen in die Stadien und Rennbahnen, jubelten und litten mit den Sportlern.
Heute sitzen wir auf einer schwankenden Fähre und beobachten 22 Männer auf einem grünen Rasen, wie tausende
Menschen auf der Welt. Noch immer lassen wir uns vom Sport begeistern.
13. Juli
Sitzt man auf dem Deck der Fähre bleibt die Zeit fast stehen.
Aber nur fast, denn sie rückt trotzdem unaufhörlich weiter, dem Montag und dem endgültigen Ende unserer Fahrt
entgegen. Olympia, Epidauros, Mykene, Mistras, Sparta, Korinth, Athen, Delphi und Meteora haben uns längst
wieder vergessen, sie bleiben in der Sonne Griechenlands und erzählen weiterhin jeden Tag den Menschen von dem
Leben der Vergangenheit.
*später*
Deutschland ist Weltmeister!
Aber eine Weltmeister-Party sieht in Deutschland wohl anders aus als bei uns im Bus, ich glaube wir sind grade
irgendwo in Italien, vielleicht auch schon in der Schweiz. Und nachdem unser Siegtor gefallen ist schlafen wir direkt
ein.
14. Juli
Wie kann das sein? Noch eine knappe Stunde trennt uns von Trier und unserem Schüleralltag. Warum ging die Zeit so
schnell vorbei?
An dieser Stelle fehlt eigentlich nur noch ein großes Dankeschön an unsere tollen Lehrer Herr Frisch, Frau
Duttenhöfer, Frau Röser und Herr Manchen, die diese Fahrt mit viel Leidenschaft für uns gestaltet haben. Vielen Dank
auch für Ihr Vertrauen in uns!
Wir haben 10 Tage Griechenland erlebt, haben Ruinen, Städte und Landschaften entdeckt, Hotels und Raststätten
unsicher gemacht und hatten dabei eine Menge Spaß.
Diese Reise war für uns alle ein wundervolles Erlebnis, das uns für immer in Erinnerung bleiben wird.