Nodes_Personalentwicklung SozialarbeiterV2 - DG-SAS

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Nodes_Personalentwicklung SozialarbeiterV2 - DG-SAS
1
Beschäftigungssituation Sozialarbeiter
Geringe Bezahlung, hohe Belastung und Stellenwachstum
Wilfried Nodes
Mit 2,2 und 2.5 Mill. Mitarbeiter/innen im Sozial- und Pflegebereich sind ca. 8 % aller
Beschäftigten in diesem Bereich tätig. Entstanden ist ein Arbeitsfeld mit erheblicher
beschäftigungspolitischer Bedeutung. Im Folgenden möchte ich insbesondere die
Situation der Sozialarbeiter/innen1 in den Blick nehmen. Im Oktober 2011 wurden die
Daten des Mikrozensus 2010 veröffentlicht, so dass ich Ihnen hier auch die neuesten
Zahlen vorstellen kann.
Der vergangene Anstieg der Beschäftigtenzahl und die erhöhte Nachfrage bezieht sich
überwiegend auf den Pflege-, Behinderten-, Kindergarten- und Kinderschutzbereich,
während in anderen Bereichen auch Beschäftigungsrückgänge zu verzeichnen sind.
Die Profession Soziale Arbeit ist in allen durch das Sozialgesetzbuch vorgegebenen
Handlungsfeldern beschäftigt. Hinzu kommen selbständig tätige SozialarbeiterInnen, solche
die als Berufsbetreuer und Bewährungshelfer in der Zuordnung „Justiz“ tätig sind, Schuldnerberater und SozialarbeiterInnen, die in der freien Wirtschaft etwa als betriebliche
Sozialarbeiter oder in der Weiterbildung tätig sind.
Als neuer „Beschäftigungsmarkt“ haben sich die Jobcenter etabliert, die dortige Praxis kann
zwar nicht als „Sozialarbeit“ beschrieben werden, gleichwohl wurden insbesondere in den
Jahren 2007 bis 2009 und insbesondere in den sogenannten Optionskommunen verstärkt
Sozialarbeiter in diesem Feld eingesetzt.
1.
Anzahl SozialarbeiterInnen/-pädagogInnen
1.1
Bundesagentur für Arbeit: kontinuierlicher Stellenanstieg
Wie bereits in der vorhergegangenen Ausgabe dargestellt sind die Zahlen der Bundesagentur mit Ausnahme der Angaben zur Erwerbslosigkeit nur bedingt aussagekräftig. Das
Jahrzehnte alte Berufskennziffernsystem fasst auch einige nichtakademische Berufe unter
„Sozialarbeit“ zusammen, während in anderen Tätigkeitsbereichen eine Schlüsselung der
beruflichen Erstausbildung nicht erfolgt2. Auch werden Selbständige und Beamte nicht in den
Statistiken der Bundesagentur erfasst.
Berufsbeschreibung/
Berufskennziffer
jeweils mit Hochschulabschluss
1
2
Anzahl
Juni 2000
Anzahl
Juni 2005
Anzahl
Juni 2008
Anzahl
Juni 2010
Anstieg
zu 2000
in%
Sozialarbeiter, Sozialpfleger
(incl. Altenpfleger)/861
46.492
50.461
56.718
63.869
37,35
Heimleiter, Sozialpädagogen/862
60.060
68.036
75.453
83.577
39,06
Gesamt ohne frühkindlichen
Bereich
106.552
118.497
132.171
147.446
38,45
KindergärtnerInnen, Kinderpfle-
15.962
17.110
20.689
24.815
55,09
. Hier aus statistischen Gründen verstanden als MitarbeiterInnen mit akademischer Ausbildung, also auch
Diplom-Pädagogen und andere Professionsangehörige.
Im Jahr 2011 wurde eine neue Klassifizierung der Berufe eingeführt. Diese wird in Zukunft zu einer besseren
Grundlage zur Bestimmung der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten führen, es bleibt
jedoch bei einer Ungenauigkeit von mind. 20%, da ganze Tätigkeitsfelder außerhalb der Sozialen Arbeit ohne
Angabe der entsprechenden Beruflichkeit zugeordnet werden. Es darf auch davon ausgegangen werden, dass
die entsprechenden Meldungen der Anstellungsträger fehlerhaft sein werden.
2
gerInnen/864
Gesamt
229.066
254.104
285.031
319.707
Teilzeitbeschäftigte in%
30,79
37,96
42,25
43,17
Frauen in%
69,22
71,16
72,59
73,97
40,62
Quelle: Berechnungen der BA für den DBSH
Betrachtet man die Tabelle im Verlauf der vergangenen acht Jahre so fällt zunächst das seit
2007 steiler steigende Stellenwachstum auf, in den Jahren 2009 und 2010 gab es jeweils ca.
10 Tsd. Stellen mehr. Überproportional sind die Stellen für Akademikerinnen im Bereich der
frühkindlichen Bildung gestiegen.
Beachtlich ist auch der Umstand, dass sich Soziale Arbeit trotz aller Diversitätsdiskussion
ungebrochen als Frauenberuf entwickelt: 2000 betrug der Frauenanteil noch 69,2% und liegt
mittlerweile bei knapp 74%.
Bedenklich muss der fortlaufend steigende Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit zuletzt
43,17% stimmen, im Jahr 2000 lag dieser noch bei 30,79%.
1.2
Mikrozensus: 344.000 Beschäftigte mit Hochschulabschluss
Einen weiteren Hinweis zur Zahl der Beschäftigten in der Sozialen Arbeit bieten die Angaben
des Mikrozensus 2010 mit seinen Angaben über die Ausbildung der Beschäftigten. Von den
1.784.000 in sozialen Berufen Beschäftigten hatten 212.000 einen Fachhochschul- und
132.000 einen Hochschulabschluss. Dies entspricht einem Akademikeranteil von 19,28%
(insgesamt 344.000).
In der Gruppe 861 (Sozialarbeiter/innen, pädagogen/innen, usw.) nennt der Mikrozensuns
316.000 Erwerbstätige (davon weiblich 226.000, entsprechend 71,5%).
Von diesen verfügen 224.000 über einen Hochschulabschluss (w: 159.000), 2009 waren es
lediglich 213.000 (w: 150.000).
Damit nennt der Mikrozensus eine Gesamtzahl von 249.000 Erwerbstätigen SozialarbeiterInnen mit akademischem Abschluss3, dies entspricht einem Anteil von knapp
79% in der Berufsgruppe 861.
Hinzu kommen in 2010 37.000 Beschäftigte mit akademischem Abschluss in der
Berufsgruppe 863 (Erzieher), 2009 waren es noch 40.000. Das zeigt, trotz allen Versprechen zur Akademisierung des Erzieherberufes vollzieht sich eher das Gegenteil: Denn
obwohl zwischen 2009 und 2010 der ErzieherInnen von 519.000 auf 547.000 gestiegen ist,
sank die Zahl der Akademiker um 3.000. Der Akademikeranteil bei den ErzieherInnen
beträgt nunmehr nur noch 6,76%, 2009 betrug er noch 7,71%.
Weitere 20.000 Beschäftigte mit akademischem Abschluss sind in der Berufsgruppe
864 (Altenpflege) tätig (2009 noch 18.000), die ebenfalls zu einem großen Teil der
Sozialarbeit zuzuordnen sind.
Damit ergeben sich in diesen drei Berufsgruppen 281.000 Beschäftigte, für die
Gesamtgruppe der „Sozialen Berufe“, die dann auch Abschlüsse wie Heilpädagogen,
Berufsberater, Heilerziehungspfleger, usw. enthält, nennt der Mikrozensus 344.000
Erwerbstätige mit Hochschulabschluss.4
3
Mikrozensus 2010, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit - Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der
Erwerbstätigen in Deutschland, Wiesbaden, Fachserie 1, Reihe 4.1.2 vom 4.10.2011, Tabelle 3.1.2, S. 41/42
4
Die Klassifizierung der Berufe stammt aus dem Jahr 1992 und nennt für den Berufsabschnitt „Soziale Berufe“
folgende Berufsgruppen/Berufsordnungen:
86 Soziale Berufe
861 Sozialarbeiter/-innen, Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen
3
2.
Beschäftigungsbedingungen
2.1
Teilzeitstellen: ca. 250.000 Vollzeitstellen
Natürlich ist die absolute Zahl der Beschäftigten in seiner Entwicklung nur dann aussagekräftig, wenn diese in Vollzeitstellen umgerechnet wird.
Wie bereits mit in den Daten der Bundesagentur für Arbeit deutlich wird, wächst der Anteil
der Teilzeitstellen zusehends und beträgt bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
in der entsprechenden Berufsklasse 43,17%.
Kinder und Jugendarbeit hat höchste Teilzeitquote
Der Mikrozensus 2009 (Der Mikrozensus 2010 weist hierzu keine Angaben aus) macht
hierzu unterschiedliche Angaben. Bezogen auf die Kinder- und Jugendarbeit arbeiten von
110.000 Beschäftigten (mit beruflichem Ausbildungs-/Hochschulabschluss 56.000 in Teilzeit
(unter 32 Stunden) und 54.000 in Vollzeit. Damit hat die Kinder- und Jugendarbeit mit 51%
die höchste Teilzeitquote.5
Bezogen auf die 316.000 der Berufsgruppe Sozialarbeit (861) zugeordneten Erwerbstätigen
ergibt sich aus dem Mikrozensus 2010 das folgende Bild: 201.000 arbeiten wöchentlich
zwischen 32 und 45 Stunden, 59.000 (18,67%) zwischen 21 und 31 und 56.000 (17,72%)
unter 21 Stunden wöchentlich. Damit beträgt der Teilzeitanteil für das Jahr 2010 36,4%
(2009 noch 35,5%).
Im Bereich ErzieherInnen beträgt der Teilzeitanteil 39,5% und im Bereich der Altenhilfe
41,7%.
Zu berücksichtigen ist ferner, dass große Teile der Beschäftigten im Umfang von 32 – 35
Stunden arbeiten, so dass eine „normale“ 39/40-Stunden-Stelle bestenfalls noch 55% der
Beschäftigten haben.6
Viele Stellen – wenig Vollzeitstellen?
Geht man davon aus, dass der Mittelwert in der Kategorie „– 20 Stunden“ bei 15 Stunden
und in der Kategorie „21 – 31 Stunden“ bei 25 Stunden und der der „Vollzeitbeschäftigung“
bei 38 Stunden/wöchentlich liegt, und setzt man weiter voraus, dass sich in der Aufteilung in
Teilzeit- und Vollzeitstellen keine Unterschiede zwischen Erwerbstätigen mit und ohne akad.
Abschluss ergeben, so ergibt sich auf der Basis des Mikrozensus folgende Berechnung zur
Gesamtzahl der Stellen:
Berufsangehörige mit
akademischen
Abschluss
Stellenanzahl absolut
Berufsgruppe
Sozialarbeit (861)
(nur Akademiker)
249.000
Zusammen Berufsgruppen Sozialarbeit (861)
Erzieher (863) und
Altenpfleger (864) (nur
Akademiker)
281.000
Berufsbereich
„Soziale Berufe“
insgesamt
(nur Akademiker)
344.000
862 Heilpädagogen/Heilpädagoginnen
863 Erzieher/-innen
864 Altenpfleger/-innen
865 Familienpfleger/-innen, Dorfhelfer/-innen
866 Heilerziehungspfleger/-innen
867 Kinderpfleger/-innen
868 Arbeits-, Berufsberater und –beraterinnen
869 Sonstige soziale Berufe
5
Mikrozensus 2009, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2009, Wiesbaden, Fachserie 1, Reihe 4.1.2 vom 2. Sept.
2010, Tabelle 3.2.1, S. 51
6
Mirkozensus 2010, a.a.O., Tabelle 3.2, S. 51
4
davon Vollzeit
(63,6%) 158.364
(geschätzt 60%)
168.600
(geschätzt 20%)
36.026
(geschätzt 60%)
206.400
(geschätzt 20%)
44.103
Beschäftigung mit 25
Std./wöchentlich zu 39
Std. Vollzeit
Beschäftigung mit 15
Std./wöchentlich zu 39
Std. Vollzeit
Vollzeitstellen
(18,67%) 29.800
(17,72%) 16.970
(geschätzt 20%)
21.615
(geschätzt 20%)
26.462
205.134
226.241
276.965
Eigene Berechnungen auf der Basis des Mikrozensus 2010
In Vollzeitstellen umgerechnet dürfte die Zahl der Erwerbstätigen in der Sozialen
Arbeit mit akademischem Abschluss (zurückhaltend gewertet) bei 260.000 liegen.
2.2
Erwerbslosigkeit: niedriger qualifizierte Stellen besonders gefährdet
Hinweise, dass dieser Entwicklung angesichts ökonomischer Krisen und ausbleibenden
Steuereinnahmen und der besonderen Finanznot der Gemeinden zurzeit noch mit Vorsicht
zu begegnen ist, ergeben sich aus folgenden Überlegungen:
Zur Entwicklung der Erwerbslosigkeit in den der Sozialen Arbeit zugeordneten Berufen
lassen sich für Akademiker/innen aufgrund statistischer Probleme bei der Bundesagentur für
Arbeit sinnvoll nur für die Jahre 2002 bis 2005 und 2009 bis 2010 präzise Aussagen treffen7.
Berufsklasse 861 (Sozialarbeiter, Sozialpfleger): Die Zahl der Erwerbslosen stieg von
2002 von 44.309 bis 2006 auf 70.504, im Jahr 2009 gab es 56.884 und in 2010 61.738
Erwerbslose. Für 2010 ergibt das bei einer Gesamtzahl von 537.692 Stellen eine Quote von
11,48%.
Betrachtet man jedoch die Erwerbslosen mit akademischer Ausbildung, so stieg diese von
niedrigen 8.670 im Jahr 2002 auf 12.074 im Jahr 2005. In den Jahren 2009 hat sich die Zahl
7
Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit für den DBSH vom 1.3.2011
5
dann mit 6.587 und 6.857 im Jahr 2010 nahezu wieder halbiert. Für 2010 ergibt das bei einer
Gesamtzahl von 63.869 Stellen eine Quote von 10,03%.
In der Berufsklasse 862 (Heimleiter, Sozialpädagogen) sieht die Entwicklung noch
günstiger aus. Bezogen auf alle Erwerbslosen in diesem Bereich waren 2002 noch 7.019
Menschen zu verzeichnen, Im Krisenjahr 2005 gab es 8.249 Erwerbslose und halbierte sich
zu den Jahren 2009 mit 4.342 und 4.213 Erwerbslosen im Jahr 2010. Für 2010 ergibt das bei
einer Gesamtzahl von 291.084 Stellen eine Quote von 1,44%.
Betrachtet man auch hier die Erwerbslosen mit akademischer Ausbildung, so ist ein
ungebrochener Abwärtstrend zu beobachten: 2002 gab es im Jahresdurchschnitt 915
Erwerbslose, im Jahr 2010 waren es nur noch 416. Für 2010 ergibt das bei einer
Gesamtzahl von 83.577 Stellen eine Quote von 0,5%.
In der Berufsklasse 864 (KindergärtnerInnen, usw.) gab es 2002 42.208 Erwerbslose, die
Zahl stieg dann bis 2005 auf 44.018, um dann im Jahr 2010 einen Tiefstand von 19.989 zu
erreichen. Für 2010 ergibt das bei einer Gesamtzahl von 458.693 Stellen eine Quote von
4,36%.
In der gleichen Zeitreihe stellt sich die Situation von Erwerbslosen mit akademischer
Ausbildung in diesem Bereich wie folgt dar: 2002: 1.154, im Krisen-Jahr 2005 wuchs dann
die Zahl auf 1.463, um im Jahr 2010 nur noch 841 Erwerbslose zu verzeichnen. Für 2010
ergibt das bei einer Gesamtzahl von 24.815 Stellen eine Quote von 3,28%.8
Gemessen über alle Bereiche des Einsatzes von Sozialarbeitern entsprechend dem
Berufskennziffernsystem der Bundesagentur für Arbeit ergibt sich in den Kennziffern 861,
862 und 864 bei insgesamt 1.287.316 sozialversicherungspflicht Beschäftigten ein
jahresdurchschnittlicher Bestand an Arbeitslosen von 85.940, was einem prozentualen Anteil
von 6,67% entspricht. Bezogen auf Arbeitslose mit akademischer Ausbildung ergibt
sich bei insgesamt 172.261 Beschäftigten und im Jahresdurchschnitt 8.114 Arbeitslosen eine Quote von 4,71%.
Für Akademiker stellt sich der Arbeitsmarkt 2010 statistisch gesehen seit 2002 am
besten dar. Auf der „Gewinner-Seite“ waren insbesondere der Heimbereich incl.
Altenhilfe (Berufsklasse 862), Tätigkeiten in der Schulsozialarbeit und der Kindergartenbereich (Berufsklasse 864).
Im Bereich der übrigen Sozialarbeit (Berufsklasse 861) hat sich relativ gesehen die
Situation der AkademikerInnen zwar gegenüber 2005 dramatisch verbessert, aber
noch nicht das Niveau des Jahres 2000 erreicht. Die Quote lag im September 2010 bei
ca. 10%.
Ganz anders jedoch die Situation von MitarbeiterInnen ohne akademische Ausbildung:
Während sich auch hier die Situation in den Berufsklassen 862 und 894 in den vergangenen
acht Jahren kontinuierlich verbessert hat, bewegt sie sich in der größten Berufsklasse 861
noch immer auf fast doppelt so hohem Niveau wie im Jahr 2000 und steigt aktuell weiter an.
Damit zeigt sich das Bild eines sehr differenzierten Arbeitsmarktes: Im Heim- und
Kindergartenbereich und im Umfeld von Schule vollzieht sich eine ungebrochen
positive Entwicklung, in allen anderen Feldern der Sozialen Arbeit stabilisiert sich die
Erwerbslosenzahl von Nichtakademikern und Akademikern auf relativ hohem Niveau.
8
Die hier vorgestellte Berechnung ergibt sich aus dem Vergleich des Stellenbestandes im Juni 2010 (siehe
Tabelle) mit den jeweils angegebenen Zahlen im Bestand an Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2010 und
entspricht damit nicht den Kriterien der Bundesagentur für Arbeit, die ab 2010, anders als in den Vorjahren
entsprechende Zahlen nicht mehr vorlegt.
6
Dies deutet darauf hin, dass in den bisherigen „Stammbereichen“ der Sozialarbeit kaum ein
Stellenwachstum zu beobachten ist, und zum Anderen, dass (siehe hierzu auch die Angaben
zur Bezahlung) eine Verdrängung von MitarbeiterInnen mit niedrigerer Qualifikation durch
solche mit akademischer Qualifikation stattfindet.
Ein weitere Ursache für den Anstieg der Erwerbslosigkeit im niedrig qualifizierten Bereich
liegt in der Fortsetzung (und zum Teil Steigerung) von Ausbildungskapazitäten für SozialassistentInnen und KinderpflegerInnen, denen der Arbeitsmarkt im Bereich der frühkindlichen
Erziehung immer weniger offen steht.
2.3
Stellenabbau Jugendhilfe:
In der Jugendhilfe, dem wesentlichen Stellenmarkt für die Soziale Arbeit, hat sich der
Beschäftigungsumfang in den Jahren 2002 bis 2006 um mehr als 2% reduziert, dies trifft
insbesondere für das Personal in der Kinder- und Jugendarbeit zu, so hat sich hier die Zahl
der Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) von 1998 bis 2006 um rund 40% reduziert9.
2.4
Zeitarbeit
Eine systematische Untersuchung, inwieweit Sozialarbeiter von Zeitarbeit betroffen sind, liegt
nicht vor. Einen Hinweis dazu liefern jedoch die Daten in der Zuordnung der Berufskennziffern zu den „Wirtschaftsabteilungen“, Bereich 78 (Vermittlung und Überlassung von
Arbeitskräften) der Arbeitsagentur (siehe Seite 6). Diese Statistik bleibt jedoch lückenhaft, da
insbesondere die Leiharbeitsunternehmen in Hand der freien Wohlfahrtsverbände „ihre“
Leiharbeitnehmer dem Bereich der Wohlfahrtspflege und nicht dem Bereich 78 zuordnen. So
finden sich auch in der Statistik der freien Wohlfahrtspflege und im Mikrozensus keine
Angaben zur Zahl Sozialarbeiter in der Arbeitnehmerüberlassung.
2.5
Prekäre Selbständigkeit: 15.000 „Solo-Selbständige“
Die „Solo-Selbständigkeit“, der oftmals unter prekären Bedingungen nachgegangen werden
muss, hat sich erheblich ausgeweitet, aus eigenen Berechnungen geht der DBSH davon
aus, dass 5% aller SozialarbeiterInnen unter diesen Bedingungen tätig sind.
Das statistische Bundesamt zählte für 2008 im Bereich der "sonstigen Sozialen Berufe"
(PflegerInnen, SozialarbeiterInnen) 24.900 sog. „Solo-Selbständige“. 10 Jahre zuvor waren
es nur 6.700.10
Folgt man dem Mikrozensus 2010 so hat sich das Bild der Selbständigkeit in der Sozialen
Arbeit noch einmal verschoben: Danach waren 2010 im Bereich soziale Berufe bereits
75.000 Erwerbstätige (davon 63.000 Frauen = 84%!) selbständig, davon 14.000 als
Sozialarbeiter/innen, 5.000 als ErzieherInnen und 7.000 als AltenpflegerInnen. Im Jahr zuvor
gab es 1.000 selbständige AltenpflegerInnen und 1.000 SozialarbeiterInnen mehr, andererseits gab es keine selbständigen ErzieherInnen.11
9
Personalrückgänge jenseits der Kindertageseinrichtungen, Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik an
der TU Dortmund im Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, S. 3f
http://www.akjstat.uni-dortmund.de/akj/tabellen/kommentierungen/Jugendhilfe%20insgesamt.pdf
10
Kai Kelleter, Selbständige in Deutschland, Ergebnisse des Mikrozensus 2008, aus: Wirtschaft und Statistik,
Statistisches Bundesamt,12/2009, S. 1208 f-
11
Mikrozensus 2009, a.a.O., Tabelle 3.7, S. 102, Mikrozensus 2010, a.a.O., Tabelle 3.4, S. 75 Interessant ist,
dass die Zahl der BeamtInnen in der Sozialen Arbeit abnimmt: 2009 waren es noch 18.000, ein Jahr später
17.000.
7
2.6
Zunahme von Teilzeitstellen: neue Stellen zur Hälfte nur Teilzeit
Besorgniserregend ist die außerordentliche Zunahme von Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen. Ihr Anteil ist bei Sozialarbeitern und –pädagogen von den ohnehin schon hohen 30,8%
im Jahr 2000 auf 43,17% im Jahr 2010 gestiegen. Damit bestimmen Teilzeitverträge das
Regelarbeitsverhältnis in der Sozialen Arbeit. Teilzeitarbeitsverhältnisse gehen mit 83%
überwiegend Frauen12 ein, geändert hat sich daran in den letzten acht Jahren nichts.13 Dies
bestätigt eine Sozialarbeit, die sich in der Schnittstelle zwischen (Frauen-) Beruf und Familie
bewegt.
Eine Bestätigung und Vertiefung hat dieser Befund der Bundesagentur für Arbeit durch eine
bisher noch unveröffentlichte Untersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Praxisämter
und der HIS Hochschul-Informations-System GmbH in Hannover erfahren14. Befragt wurden
in 2009 1.023 ehemalige Studierende der Abschlussjahrgänge 2004 - 2007 und 854 Träger
der Sozialen Arbeit.
51% aller Träger geben an, neue MitarbeiterInnen überwiegend in Teilzeit zu beschäftigten.
2.7
Beschäftigungsstruktur
Der Mikrozensus macht auch hier in seinen Daten für die Soziale Arbeit keinen Unterschied
zwischen Erwerbstätigen mit und ohne Hochschulabschluss. Für die Berufsgruppe 861
(Sozialarbeiter…) nennt er bei 316.000 Erwerbstätigen 14.000 Selbständige, 9.000 Beamte,
und 288.000 Angestellte15. An anderer Stelle weist der Mikrozensus 2010 die Zahl der
beschäftigten Sozialarbeiter mit 63.000 in der öffentlichen Verwaltung und 246.000 in
öffentlichen und privaten Dienstleistungseinrichtungen aus16.
2.9
Einkommensentwicklung
Auch hierzu gibt nur der Mikrozensus Auskünfte, wobei keine differenzierten Daten bezogen
auf den Ausbildungsabschluss und den Umfang der Beschäftigung vorliegen. Im Einzelnen
ergibt sich für die Berufsgruppe 861 (Sozialarbeiter, …) das folgende Bild17:
Berufsgruppe 861
monatliches NettoEinkommen in Euro
unter 300
300 – 500
500 – 700
700 – 900
900 – 1.100
Anzahl
Prozent Prozent
2010
2009
7.000
9.000
11.000
18.000
24.000
2,30
2,96
3,61
5,92
7,89
2,05
4,11
4,45
6,85
8,56
Anzahl
Frauen
2010
5.000
8.000
10.000
15.000
18.000
Anteil Frauen in%
2010 (insgesamt
71,5%
71,49
88,88
90,90
83,33
75,00
12
Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit für den DBSH aus dem Jahr 2008,
http://www.dbsh.de/html/aktuelles6.html, die Zahlen des Mikorzensus weichen von diesen Angaben geringfügig ab.
13
Vgl. auch Mikrozensus 2009, a.a.O., Tabelle 3.5, S. 78: Hier fällt auf, dass Frauen insbesondere im Segment
der Beschäftigung unterhalb von 20 Stunden vertreten sind (46.000 von insg. 53.000 = 86,8%)
14
unveröffentlichte Untersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Praxisämter und der HIS HochschulInformations-System GmbH in Hannover
Eine Zusammenfassung dieser Untersuchung wird veröffentlicht werden in Forum SOZIAL, Heft 2/2011
15
Mikrozensus 2010, a.a.O., Tabelle 3.4, S. 75
16
Ebd., Tabelle 3.5, S. 83 (Die hier deutlich werdenden Differenzen finden sich nicht erläutert
17
Ebd., Tabelle 3.3, S. 65, diese Angaben sind insofern nur mit Einschränkung zu bewerten, da das Nettoeinkommen abhängig vom Umfang der Beschäftigung, aber auch vom Einkommen des Ehepartners ist (Ehegattensplitting)
8
1.100 – 1.300
1.300 – 1.500
1.500 – 2.000
2.000 – 2.600
2.600 – 3.200
3.200 und mehr
Gesamt
Ohne Angabe
32.000
35.000
89.000
53.000
16.000
10.000
304.000
13.000
10,53
11,51
29,28
17,43
5,26
3,29
10,27
12,32
28,78
15,41
4,79
3,08
27.000
28.000
63.000
31.000
7.000
0
84,38
80,00
70,78
58,49
43,75
0
71,51
12.000
Tabelle: Einkommensverteilung in der Sozialen Arbeit
Auffallend ist, dass Frauen in den Segmenten mit niedrigen Einkommen stärker und in
den Segmenten mit höherem Einkommen schwächer vertreten sind.
Zwischen 2009 und 2010 hat sich die Einkommenssituation im Bereich Soziale Arbeit
geringfügig verbessert.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass in der Berufsgruppe der SozialarbeiterInnen nur 70%
(= 212.000) über einen akademischen Abschluss verfügen und 40% weniger als 32 Std.
wöchentlich beschäftigt sind, ergibt sich das Bild eines überaus schlecht bezahlten Berufes:
Nur 168.000 Erwerbstätige erreichen ein Nettoeinkommen von über 1.500 Euro und
69.000 Erwerbstätige müssen sich mit weniger als 1.100 Euro im Monat zufrieden
geben. Bei 45.000 Erwerbstätigen (entsprechend 14,79%) liegt das monatliche
Nettoeinkommen mit unter 900 Euro unterhalb des Schwellenwertes für eine Armutsgefährdung nach EU-Definition18, sofern die Person alleine lebt.
Der Mikrozensus 2009 führte für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit noch niedrigere
Werte aus. So waren es im Beschäftigungsbereich „Kinder- und Jugendarbeit“ bei 110.000
Erwerbstätigen nur 10.000, die 2009 ein Nettoeinkommen von über 1.500 Euro erreichten.19
Der Vergleich mit Grund-, Real-, Haupt-, Sonderschullehrer (Gruppe 873) bei einem
ebenfalls hohen Frauenanteil von 77,3% zeigt, dass sich niedrige Verdienste im Bereich
Soziale Arbeit nicht allein aus einer Herabsetzung als Frauenberuf erklären lassen. Die
Lehrerinnen verfügten zu 78,3% über ein Nettoeinkommen von über 1.500 Euro, Sozialarbeiter/innen dagegen nur zu 55,26%. 20
18
Eine Person ist nach EU-Definition armutsgefährdet, wenn sie nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 60% des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung des Landes, in
dem sie lebt, zur Verfügung hat. In Deutschland belief sich der Schwellenwert für Armutsgefährdung im Jahr
2008 für eine alleinlebende Person auf 11 151 Euro im Jahr. Vgl. Pressemitteilung Nr. 31 vom 25.1.2011 des
statischen Bundesamtes.
19
Mikrozensus 2009, a.a.O., Tabelle 3.3.1, S. 58, leider weist der Mikrozensus 2010 diese Detaillierung nicht
mehr auf.
20
Mikrozensus 2010, a.a.O., S. 65/66
9
Tabelle: Nettoeinkommen Sozialarbeiter/Lehrer
Allerdings ist bei dieser Darstellung zu beachten, dass in der Gruppe der Sozialarbeiter der
Anteil der Nichtakademiker 21,2% beträgt und der Anteil der Teilzeitstellen bei ca. 40 %
(Lehrer ca. 34%) liegt.
Einen Vergleich zwischen den Einstellungsträgern erlaubt eine gerade veröffentlichte Studie
der GEW – befragt wurden 600 SozialarbeiterInnen in Berlin und Brandenburg: So verdienen
Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst im Durchschnitt 1.874 Euro netto, Fachkräfte in freier
Trägerschaft dagegen nur 1.471 Euro. Noch dramatischer ist der Vergleich mit Beschäftigten
mit gleicher Ausbildung in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Sie verdienen 2.030
Euro.21
2.10
Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen
Keine Angaben gab es bisher zu der Frage, in welchem Ausmaß SozialarbeiterInnen nur
noch zeitlich befristet eingestellt werden. Für alle Berufe gilt, dass 2009 der Anteil befristeter
Arbeitsverhältnisse bei Neuanstellungen auf 47% gestiegen ist (IAB Aktuell 23.3.2010), folgt
man nunmehr der o.g. AbsolventInnenbefragung, so arbeiteten bereits im Jahr 2009 46%
aller seit 2004 eingestellten SozialarbeiterInnen in zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen.
Interessant ist auch die Beantwortung der Frage, wer von solcherart prekären Beschäftigungsbedingungen besonders betroffen ist: Es sind weniger junge KollegInnen, als solche
über 50 und die zwischen 35 und 45-Jährigen.
2.11
Gesundheitliche Belastung
Wie die Einkommenssituation, so ist auch die gesundheitliche Belastung im sozialen Bereich
insgesamt (siehe letzte Ausgabe) und besonders für Sozialarbeiter belastend. Zunächst
einmal ist festzustellen, dass Sozialarbeiter nicht häufiger arbeitsunfähig krank sind, als
andere Berufsgruppen, im Jahr 2007 waren sie im Durchschnitt 14,7 Tage krank (Durch21
Abschlussbericht: Befragung zur sozialen und beruflichen Lage von Fachkräften der Sozialen Dienste in Berlin
und Brandenburg, im Auftrag der GEW und der Max-Traeger-Stiftung, bearbeitet von Dr. Herwig Grote,
herausgegeben von „Soziale Dienste Berlin-Brandenburg e.V. (SDB), Berlin 2011
Allerdings wurde hier eine überaus kleine Stichprobe gewählt und es gab weniger Teilzeitbeschäftigte, als im
bundesweiten Gesamtdurchschnitt, so dass es die in der Studie getroffenen Aussagen eher eine Tendenz
wiedergeben.
10
schnitt 12,4 Tage). Mit einer im April 2011 veröffentlichten Studie der AOK wurden jedoch
erstmals die beruflichen Belastungen auch der Sozialarbeiter analysiert. Im Mittelpunkt
stehen burn-out-Erkrankungen. Am häufigsten tritt die Krankheit der Analyse zufolge bei
Berufen auf, in denen ständig eine helfende Haltung gegenüber Menschen gefordert ist. So
führt die Berufsgruppe der Sozialpädagogen und Heimmitarbeiter mit 233 Fehltagen je 1000
Versicherte die Statistik an. Das entspricht fast 24 Ausfalltagen pro Fall. Der Durchschnitt
über alle Krankheiten hinweg beträgt dagegen nur 11,6 Tage. An zweiter Stelle der AOKStatistik stehen mit 227 Fehltagen die Telefonisten, also zumeist Mitarbeiter in Call-Centern.
Es folgen Sozialarbeiter und Sozialpfleger, Helfer in der Krankenpflege, Krankenschwestern
sowie Kindergärtnerinnen.22
2.12
Personalentwicklung – Berufsanhänger früh enttäuscht
Die oben genannten Schwierigkeiten wirken bereits auf die Haltungen der Berufsanfänger.
Entsprechend der Untersuchung von Praxisämtern und HIS23 waren 32% aller Befragten
nicht zufrieden mit dem zeitlichen Umfang der Beschäftigung, 42% mit der Arbeitsplatzsicherheit, 59% mit dem Einkommen und 72% mit den Aufstiegsmöglichkeiten.
Die Notwendigkeit der Personalentwicklung im Bereich der Profession der Sozialen Arbeit
ergibt sich auch aus dem Mikrozensus 2009:
Nur bezogen auf die Berufsgruppe 861 (Sozialarbeiter…) waren 43.000 Personen zwischen
55 und 65, 99.000 zwischen 45 und 55, 79.000 zwischen 35 und 45, aber nur 62.000
zwischen 25 und 35 Jahre alt. Dies lässt darauf schließen, dass spätestens in 10 Jahren ein
22
„Burnout auf dem Vormarsch“, Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK vom 19.4.2011,
Quelle: http://www.wido.de/meldungakt+M5f77dd480f8.html
23
unveröffentlichte Untersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Praxisämter und der HIS HochschulInformations-System GmbH in Hannover
11
erheblicher Stellenbedarf eintreten wird und der Beruf für einen dauerhaften Berufsverbleib
nicht sehr attraktiv zu sein scheint.24
In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Frage an Bedeutung, was den Berufseinstieg
ermöglicht bzw. erleichtert. Neben dem persönlichen Auftreten geben sowohl Beschäftigte
wie auch Träger der staatlichen Anerkennung die größte Bedeutung. Der Umfang des
Praktikums sollte 200 – 300 Tage dauern, entsprechend stehen die Praxiserfahrungen an
dritter Stelle bei der Einstellung.
3. Beschäftigungsperspektiven
Verfolgt man die aktuellen Diskussionen, so werden verschiedene Tendenzen deutlich:
Sozialarbeiter werden in Zukunft verstärkt nachgefragt. Diese verstärkte Nachfrage wird sich
jedoch weniger in den traditionellen Feldern vollziehen (allerdings wird aktuell in der
Jugendhilfe – insbesondere im ASD – „nachgeholt“), als in den Bereichen
- frühkindliche Bildung und Erziehung
- Schulsozialarbeit
- Migration
- Behindertenhilfe und
- Altenhilfe
Grund für dieses zu erwartende Stellenwachstum ist einerseits der demographische Wandel,
andererseits folgt die Prognose aktueller politischer Diskussionen und Entscheidungen, wie
z.B. Aufwertung der Bildungsförderung (aktuell diskutiert im Kontext des SGB II) oder der
Umsetzung des Anspruchs der Inklusion als Folge der Unterzeichnung der UNBehindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik Deutschland.
Darüber hinaus ist von einem wachsenden Bedarf an Stellen im mittleren und höheren
Management sozialer Dienste auszugehen, womit sich besondere Probleme ergeben:
Zwar haben die neuen S-Gruppen weitgehend die Minderbezahlung des TVöD im Vergleich
zum früheren BAT aufgehoben. Wie bereits dargestellt blieb es jedoch bei der Orientierung
auf arbeitgeberbezogene Erfahrungsstufen, so dass berufliche Mobilität erschwert wird.
Darüber hinaus wird die Förderung von Leitung im TVöD in seiner Bezugnahme auf
Einrichtungsgrößen nicht der Wirklichkeit sozialer Dienste gerecht, die außerhalb der
Kommunen oft als eigenständige (kleinere) Betriebe agieren.
Mit der Ökonomisierung und dem Wettbewerb sozialer Dienste untereinander ist einerseits
ein Wachstum von Stellen im Bereich des Sozialmanagement festzustellen, andererseits
aber ist der latente Versuch zu beobachten, Stellen im pädagogischen Maßnahmebereich
durch MitarbeiterInnen mit niedrigerer Qualifikationsstufe zu besetzen, resp. Stellen mit
geringerer Qualifikation auszuschreiben. Dies betrifft insbesondere die Jugendhilfe mit der
ihrer wachsenden Bereitschaft FachschulabsolventInnen (Erzieher) einzustellen, die
niedrigere Tarifansprüche haben.
Insgesamt also kann von einer positiven, und zugleich widersprüchlichen, Entwicklung
ausgegangen werden (z.B. höher Präkarisierungsgrad in Berlin, Stellenmangel in Frankfurt).
Angesichts der großen Unzufriedenheit mit Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten wird die
Berufsdauer in der Sozialarbeit, wie bereits in der Vergangenheit in der Altenhilfe, eher
abnehmen. Von einem attraktiven Beruf, bezogen auf Einkommen und Arbeitsbedingungen,
kann nicht gesprochen werden.
24
Mikrozensus 2009, a.a.O., Tabelle 3.9, S. 118