Den Durchblick behalten

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Den Durchblick behalten
Märkte + Unternehmen Fahrzeuglampen
Den Durchblick behalten
D
er LKW fährt langsam über die
regennasse Straße. Es ist noch
nicht einmal 18 Uhr und dennoch
sieht der Fahrer kaum etwas. Erste Schneeflocken mischen sich in den Regen und es
beginnt langsam zu dämmern.
Der Trucker reibt sich die Augen, rutscht
in seinem Sitz nach vorne, beugt den Kopf
immer weiter in Richtung Vorderscheibe.
Dennoch erkennt er die Straße nur unmit-
telbar vor seinem Fahrzeug genau. Der
Rest verschwimmt zwischen diffusen
Lichtstrahlen, eisigen Regentropfen und
Dämmerlicht.
Gerade in den lichtschwachen Herbstund Wintermonaten brauchen LKW-Fahrer leistungsstarke Scheinwerfer, die die
Straßen gleichmäßig ausleuchten. Das hilft
zum einen dem Fahrer dabei, sich trotz
widriger Witterung auf der Straße zu oriVolvo
Vor allem im Herbst und im
Winter sind leistungsfähige
Fahrzeuglampen gefragt. Neue
Techniken versprechen
bessere Ausleuchtung und
hohe Lebensdauer, so dass die
Fahrer in jeder Situation alles
im Blick haben.
Einige LKW-Hersteller sorgen
dank neuer Technik im
gefährlichen Kurvenbereich
für mehr Licht
Fahrzeuglampen Märkte + Unternehmen
Eine neue Wendeltechnik bringt
bis zu 100 Prozent mehr Licht auf die Straße
entieren, zum anderen wird das Fahrzeug
als solches für andere Verkehrsteilnehmer
leichter erkennbar. Nach dem Motto:
Sehen und gesehen werden.
Standzeiten minimieren
Anbieter Hella setzt auf Xenon-Licht.
Noch in diesem Jahr sollen Nutzkraftwagen mit Bi-Xenon-Scheinwerfern auf den
Markt kommen. „Die Bi-Xenon-Technik
nutzt die Vorteile des Xenon-Lichts für
Abblend- und Fernlicht aus einem Projektionsmodul. Das Xenonlicht wird mit Hilfe
einer asphärischen (nicht kugelförmigen,
-Red.) Glaslinse präzise und blendfrei auf
die Straße projiziert“, heißt es aus dem Unternehmen. Eine bewegliche Blende sorge
für die Lichtverteilung. In angehobener
Position erzeuge sie die für das Abblendlicht vorgeschriebene Hell-Dunkel-Grenze, abgesenkt gebe sie den Weg für das
Fernlicht frei.
Xenon-Licht habe für den Fahrer mehrere
Vorteile, erklärt Hella. Zum einen verdop-
pele sich der Lichtstrom und zum anderen
reduziere sich die Leistungsaufnahme um
ein Drittel. „Durch die hoch präzise Projektionstechnik wird die Straße sehr breit
und hell ausgeleuchtet“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Außerdem würden
Xenon-Lampen länger halten als Halogenlampen – was wiederum die Wartungsund Standzeiten reduziert.
Auch die neuen Philips-Produkte würden
sich durch eine erhöhte Lebensdauer auszeichnen: Master Life und Master Duty
heißen die neuen 24-Volt-Lampen. „Einen
wichtigen Beitrag zur Lebensdauer der
Lampen leistet die Verwendung von besonders widerstandsfähigem Quarzglas“,
erklärt Philips-Produktmanager Jürgen
Melzer. Master Duty und Master Life sind
in den Typen H1, H3, H4, H7 und H11 im
Fachhandel erhältlich.
Speditionen sehen Neues skeptisch
Nicht alle Speditionen scheinen jedoch
von den Neuerungen in der Lichttechnik
überzeugt. „Wir benutzen in unserem
Fotos: Hella
Vergleich: LKW links ohne Licht, Mitte mit LEDTagfahrleuchte und rechts mit Abblendlicht
Die LED-Tagfahrleuchte von Hella ist als Nachrüst-Set auch für Nutzfahrzeuge erhältlich
Fuhrpark keine Xenonlampen. Unseres
Erachtens rechtfertigt der höhere Preis
noch nicht den Einsatz der relativ teuren
Lampentechnik“, erklärt Helmut Kirschner, Technischer Leiter bei der Münchner
Spedition Ascher & Co. „Für die längere
Haltbarkeit einer Lampe ist es außerdem
wichtig, beschädigte Scheinwerfer umgehend auszutauschen“, so sein Rat.
Ein weiterer Trend, der sich laut Hella
durchsetzen wird, sind spezielle Tagfahrleuchten in LED-Lichttechnik. Das Fahren
mit Licht am Tag werde zunehmend auf
Europas Straßen gesetzlich gefordert. Bei
Missachtung drohen Bußgelder. Fuhrunternehmen, die internationale Transporte
Volvo
Lichtausbeute wird verdoppelt
Um für mehr Durchblick in diesen Situationen zu sorgen arbeiten die Lampenhersteller kontinuierlich an der Verbesserung
ihrer Lichttechnik für Nutzfahrzeuge.
Osram beispielsweise bietet im 24-VoltSegment die so genannte Osram Truckstar
an. Aufgrund der neuen Wendeltechnologie namens Single-Coil bringt die Leuchte
laut Hersteller nun bis zu 100 Prozent
mehr Licht auf die Straße.
Das Geheimnis dabei ist, dass Osram eine
24-Volt-Wendel wie eine 12-Volt-Wendel
mit einer einfachen Wickelung aufbaut.
Damit habe das Unternehmen die bisherigen Nachteile bei Lebensdauer und
Lichtverteilung behoben. „Für die Fahrer
bedeutet dies nicht nur ermüdungsfreieres
Sehen und ein entspannteres Fahren bei
Nacht, sondern auch einen bis zu 40 Meter
längeren Reaktionsweg – kurz: mehr
Sicherheit“, lautet die Osram-Botschaft.
Auch ökonomisch überzeuge die SingleCoil-Technologie: „Ihre Lebensdauer ist
doppelt so lang und ihre robuste Bauweise
reduziert zusätzlich die Gefahr von vibrationsbedingten Ausfällen.“ So müssten die
Lampen nicht so oft ausgetauscht werden
und die Trucks fallen seltener aus.
Mehr als ein optischer Gag: Das LED-Element als Tagfahrleuchte
VerkehrsRundschau 35/2008
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Märkte + Unternehmen Fahrzeuglampen
Tipp
Hersteller
So funktioniert Lichttechnik
auch im Herbst und Winter
■ Beim Wechsel Lampe nicht am Glaskolben
anfassen und niemals das Glas einer Halogenlampe mit bloßen Händen berühren
■ Beschädigte Scheinwerfer umgehend austauschen und Lampen stets paarweise
wechseln
■ Fahrer sollten Anfang Oktober Fahrzeuglampen und die Einstellung der Scheinwerfer
überprüfen
■ Osram empfiehlt eine Lichtquelle, die hellweißes Licht ausstrahlt mit einer hohen Kelvin-Zahl, für eine besonders kontrastreiche
Fahrbahnausleuchtung
Im Frühherbst sollten die Fahrzeuglampen überprüft und die Scheinwerfer eingestellt werden
fahren, werden künftig an Tagfahrleuchten nicht vorbeikommen, so die Prognose
der Lichtprofis von Hella aus Lippstadt.
Auch die Energiebilanz spreche für die
LED-Tagfahrleuchten. „Während das
NKW-Abblendlicht etwa 150 Watt Leistung benötigt, begnügen sich zwei 24Volt-LED-Tagfahrleuchten zusammen mit
22 Watt“, rechnet ein Hella-Sprecher vor.
Erhältlich sind die Tagfahrleuchten im
Teilehandel. Ein Leuchtenset kostet inklusive Montagematerial rund 200 Euro.
„Ab dem Frühjahr 2012 sind diese speziellen Tagfahrleuchten vorn am Fahrzeug
für neu in den Verkehr kommende NKWFahrzeugmodelle gesetzlich vorgeschrieben“, teilt Hella mit und bietet jetzt schon
nachrüstbare LED-Tagfahrleuchten an.
Diese schalten sich automatisch ein, sobald der Fahrer den Motor startet. „Wenn
der Fahrer bei einbrechender Dunkelheit
die Fahrzeugbeleuchtung einschaltet,
erlischt das Tagfahrlicht, das speziell für
das Gesehenwerden und nicht für die Aus-
leuchtung der Fahrbahn ausgelegt ist.“ Mit
verschiedenen LED-Lösungen versuchen
heute schon einige LKW-Hersteller wie
Volvo oder MAN ihre Fahrzeugmodelle
ins rechte Licht zu rücken. Die hellen
Leuchten dienen dabei nicht nur als optisches Ausstattungs-Feature, sondern
sorgen in den lichtschwachen Monaten für
mehr Durchblick auf der Straße und erhöhen somit die Verkehrssicherheit. ❙❚■
Tanja Strauß, freie Journalistin
Drei Fragen an Jürgen Melzer
Die zwei 24-Volt-LEDTagfahrleuchten brauchen statt
150 lediglich 22 Watt
Der Unterschied zu Billiglampen ist enorm
Für den Philips-Produktmanager spricht die Lichtintensität und die
Lebensdauer für die Xenon-Technik. Gleichzeitig warnt er davor besonders im Nutzfahrzeugbereich Billiglampen einzusetzen.
Welche neue Lichttechnik bietet Philips im
Nutzfahrzeugbereich?
Jürgen Melzer: Master Life und Master Duty
sind die neuesten Philips-Produkte im Nutzfahrzeugbereich. Beides sind 24-Volt-Lampen, die sich durch hohe Vibrations- und
Schlagfestigkeit sowie eine deutlich erhöhte
Lebensdauer auszeichnen.
Sefrna
Welcher Lampentyp eignet sich besser für
den Nutzfahrzeugbereich: Xenon oder
Halogen?
Der Aufwand für den Lampentausch hängt vor
allem vom NFZ-Modell ab
28 35/2008 VerkehrsRundschau
Grundsätzlich liefert Xenon aufgrund seiner
Technologie ein besseres Licht und eine
höhere Lebensdauer als Halogenlampen.
Daher raten wir beim Kauf von Neufahrzeugen immer zur Xenon-Aus­rüstung. Da
nach wie vor der Großteil der Nutzfahrzeuge
mit Halogenbeleuchtung unterwegs ist,
entwickelt sich aber auch die Halogentechnik immer weiter.
Auf was sollten Fahrer und Fuhrparkleiter
insbesondere im Winter bei der Lampenauswahl achten?
Wer Billiglampen für seine Fahrzeuge kauft,
spart am falschen Ende. Der Unterschied
zwischen Lampen von Qualitätsanbietern
und Billigmarken ist enorm – wie Lampentests immer wieder zeigen. Besonders im
Nutzfahrzeugbereich, wo die Kosten für
Lampenausfälle stark zu Buche schlagen,
sollte auf die Verwendung von Qualitätslampen geachtet werden. ts