Verbraucherschutz

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Verbraucherschutz
2. Juni 2005
Verbraucherschutz
2. Stakeholder-Workshop
des Kommunikationsforums Mobilfunk
Ziel:
„Verbesserung der
Kommunikation
über Mobilfunk“
Die Verbesserung der öffentlichen
Kommunikation und Information über
das Thema Mobilfunk ist das Ziel des
Kommunikationsforums Mobilfunk.
Bereits zum zweiten Mal trafen sich auf
Einladung des Informationszentrums
Mobilfunk (IZMF) Netzbetreiber,
Behörden und weitere Stakeholder wie
zum Beispiel Verbraucherschützer in
Berlin am 2. Juni 2005 zu einem
eintägigen Workshop.
Verbraucherschutz
Woher bekommen Mobilfunknutzer
gesundheitsrelevante Informationen?
Im Mittelpunkt des diesjährigen Forums standen
gesundheitsrelevante Informationen für Verbraucher.
Die Teilnehmer diskutierten
vor allem die Frage, wie
gesundheitsrelevante Informationen zum Mobilfunk
vermittelt werden können.
Als Ergebnis des Workshops will das Informationszentrum Mobilfunk
(IZMF) mit Unterstützung der Verbraucherzentrale NRW (und eventuell
auch des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)) eine Lern-CD zur Schulung von
Handyverkäufern und sonstigen Beratern entwickeln, um die Vermittlung von
gesundheitsrelevanten Informationen in Verkaufsgesprächen zu verbessern.
Intensive Diskussionen über typische Verkaufsgespräche in der Praxis innerhalb
der Mobilfunkfilialen brachten Herrn Menzel von e-plus dazu, seinen jährlichen
Filialeinsatz als Experiment zu nutzen. Er wird die Kunden aktiv auf gesundheitsrelevante Belange ansprechen, die Reaktionen beobachten und dies als
Erfahrungsbericht an das Forum weitergeben.
Zudem wird geprüft, ob eine Kurzinformation entwickelt werden kann, die dem
Kunden beim Kauf ungefragt und kommentarlos mitgegeben wird. Hierzu wollen
sich IZMF, das Bundesumweltministerium (BMU), das Bundesministerium für
Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) sowie das BfS austauschen.
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Das große Interesse der Teilnehmer an einer Fortsetzung der jährlichen Treffen
des Kommunikationsforums Mobilfunk bestätigt den Erfolg der Veranstaltung.
In einem Ausblick auf anstehende Themen im Bereich Mobilfunk und Kommunikation ging Frau Wiebusch (IZMF) darauf ein, dass im nächsten Jahr eine Vielzahl
von Forschungsergebnissen erwartet wird. In diesem Zusammenhang könne die
Frage beim nächsten Forum lauten „Wie kommuniziert man (die) Forschungsergebnisse?“.
Risikokommunikation
Welche Botschaften werden kommuniziert?
In der Plenumsdiskussion widmeten
sich die Teilnehmer zunächst Grundfragen der Risikokommunikation.
Welches Risiko will man kommunizieren? Vermittelt man den Handynutzern, dass das Risiko vernachlässigbar ist oder dass das Risiko nicht
genau einschätzbar ist?
Frau Dr. Dehos vom Bundesamt für
Strahlenschutz berichtete, dass das BfS
sehr genau differenziere. „Wir sagen
nicht, dass alles fein ist, sondern
sagen, dass nach allem, was wir
derzeit wissen, Mobilfunk unbedenklich ist. Wir sagen aber auch, dass wir
nicht alles wissen.“
Auch die Position der Verbraucherzentrale ist, so Herr Dr. Buschmann, vielschichtig. Die Verbraucherzentrale
vermittle nicht, dass „Mobilfunk böse
ist“. Nach jetzigem Erkenntnisstand sei
er „sehr sicher”. Die Verbraucherzentrale vermittelt ihren meist zur Gruppe
der besorgten Personen gehörenden
Kunden aber auch, dass sie Verständnis hat für diejenigen, die sich Sorgen
machen.
Herr Dr. Kouros vom Sozialministerium des Landes Baden Württemberg
bemerkte, dass die Menschen eigentlich immer hören wollen: „Es gibt kein
Risiko“. Da es aber in keinem Bereich
des Lebens kein Risiko gebe, müsse
die Kommunikation insgesamt so
gestaltet werden, dass die Menschen
keine hundertprozentige Sicherheit
einfordern.
Herr Dr. Wiedemann vom Forschungszentrum Jülich sieht in diesen Überlegungen eine Abkehr von einer
beschützenden Vorsorge nach dem
Motto „Wir bieten dir Rundumschutz“
hin zu einem aufgeklärten „Du musst
dich selber um zusätzliche Vorsorge
kümmern“.
Herr Dobmeier, Umweltbeauftragter
der deutschen Bischofskonferenz,
sieht wegen dieser offenen Fragen um
ein mögliches Risiko des Mobilfunks
die Betreiber und andere Stakeholder
in der gesellschaftlichen Verantwortung, diese offenen Fragen den
Mobilfunknutzern mit auf den Weg
zu geben. Die besondere Verantwortung liege darin, dies auch dann zu
tun, wenn die Nutzer selber nicht
nachfragten.
Die Menschen wollen immer
hören: „Es gibt kein Risiko!“
Doch leider steckt in allen
Bereichen des Lebens immer
irgendwo ein Risiko.
„Die Stakeholder
des Mobilfunks
tragen eine hohe
gesellschaftliche
Verantwortung.“
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Mobilfunk –
Keine Kommunikation
ohne Nebenwirkungen
Sollen gesundheitsrelevante Informationen ungefragt oder nur auf Nachfrage gegeben werden? Diese Frage
zog sich als roter Faden durch den
Workshop. Im Mittelpunkt der
Plenumsdiskussion stand vor allem
das Verkaufsgespräch.
Frau Wiebusch betonte die Bedeutung des Verkaufsgesprächs als einem
der wenigen Orte, an dem man alle
für den Mobilfunkbereich als interessant identifizierten Zielgruppen
(Z1-Z5, siehe Seite 10) direkt erreicht.
Sie fragte, was dagegen spreche, den
Kunden dort ungefragt sachlich und
neutral formulierte Gesundheitsinformationen an die Hand zu geben.
„Das Verkaufsgespräch ist eine
Möglichkeit,
Gesundheitsinformationen zu
vermitteln.“
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Herr Dr. Wiedemann wies darauf hin,
dass man damit im Verkaufsgespräch
einen Erwartungsbruch produziere,
weil man über die Risiken des erwünschten Produkts informiert. Er
verglich die Situation mit einem Besuch im Restaurant, bei dem der Kellner das Essen mit den folgenden Worten serviert: „Ich muss sie darauf hinweisen, dass die Gefahr einer BSEInfizierung bei diesem Steak nicht
hundertprozentig ausgeschlossen werden kann. Guten Appetit!“
Dennoch bot Herr Menzel von e-plus
an, seinen jährlichen Filialeinsatz zu
nutzen, um Kunden aktiv auf gesundheitsrelevante Belange anzusprechen.
Er wird die Reaktionen beobachten
und darüber einen Erfahrungsbericht
für die Teilnehmer des Forums erstellen.
Zudem wird das IZMF mit Unterstützung der Verbraucherzentrale NRW
und eventuell auch des Bundesamts
für Strahlenschutz (BfS) eine interaktive Lernsoftware zur Schulung von Verkaufspersonal entwickeln. Damit steht
ein hochwertiges Instrument zur Verfügung, mit dem die Vermittlung von
gesundheitsrelevanten Informationen
in Verkaufsgesprächen verbessert werden kann.
Auch die Idee, gesundheitsrelevante
Informationen als „Beipackzettel“ für
Handys zu entwickeln, wurde ausgiebig diskutiert. Eine aktive Gesundheitsansprache dieser Art gibt es in
der BRD nur bei Medikamenten und
Zigaretten. Die Teilnehmer waren sich
einig, dass die nachgewiesenen Risiken dieser Produkte mit den vermuteten des Mobilfunks nicht vergleichbar
seien. Die Idee einer Kurzinformation
zum Thema Mobilfunk und Gesundheit will das IZMF im Austausch mit
dem BMU, BMVEL und BfS gleichwohl prüfen. Man muss aber genau
überlegen, welche Informationen
darin wie vermittelt werden. Von
einigen Teilnehmern wurde angemerkt, dass eine Vielzahl von Sicherheitshinweisen (zum Beispiel Telefonieren im Auto, Hinweise für Herzschrittmacherträger usw.) bereits in
den Bedienungsanleitungen der Geräte enthalten sind. Will man keine
doppelten Informationen verteilen,
und damit eine ungewollte Überbewertung des Themas erreichen, stellt
sich die Frage, was auf dem zusätzlichen Informationsblatt beschrieben
werden soll.
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Herr Dr. Böttger vom Bundesumweltministerium weist auf ein Monitoring-Programm der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und
Eisenbahnen – bis zum
13.7.2005 Regulierungsbehörde für
Telekommunikation
und Post (RegTP)
genannt – hin. Momentan sind mobile
Monitore zur Messung
von Mobilfunkfeldern in der
Entwicklung. Die neuen Geräte –
zehn bis zwölf Stück – werden voraussichtlich bis Ende Januar 2006 an
die Direktionen der Bundesnetzagentur geliefert und von dort aus an
interessierte Kommunen verliehen.
Die Messgeräte dienen der Erfassung
von Immissionswerten an öffentlichen Plätzen. Die Messergebnisse
sind jeweils aktuell im Internet
einsehbar.
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Frau Wiebusch berichtet von den
Fortbildungen für Ärzte, die das
IZMF anbietet. Seit 2004 lässt das
IZMF diese Fortbildungen bei den
Landesärztekammern zertifizieren und kann dafür Fortbildungspunkte vergeben.
Die Teilnehmerzahlen
der Fortbildungen sind
seitdem erheblich
gestiegen. Das IZMF ist
bemüht, dieses Fortbildungsangebot auszubauen
und in allen Bundesländern
anzubieten.
Spotlights
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Frau Dr. Dehos vom Bundesamt für
Stahlenschutz sieht bei der Ärztefortbildung Nachholbedarf. Gerade
unter Ärzten werde das Risiko von
Mobilfunk verschieden eingeschätzt
und es gebe viel Halb- und Unwissen.
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Das nächste größere Projekt der
Verbraucherzentrale NRW im Bereich Mobilfunk, so Herr Dr. Buschmann, ist eine Broschüre und eine
Informationskampagne zu SARWerten.
Herr Dobmeier von der deutschen
Bischhofskonferenz weist darauf hin,
dass die Kirche besonders für die
Zielgruppe der besorgten Personen
oft Ansprechpartner ist. Es ist
wichtig, diese Besorgnisse ernst zu
nehmen und dies so auch gegenüber
dem IZMF und den Mobilfunkbetreibern zu kommunizieren.“
„Es kursiert viel
Halb- und Unwissen zu den
Risiken des
Mobilfunks –
Aufklärungsarbeit
ist gefragt.“
Eine Informationskampagne
zu SAR-Werten ist das nächste
Projekt der Verbraucherzentrale NRW.
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Arbeitsgruppen
Was sollen Kinder und Jugendliche über
Mobilfunk und Gesundheit wissen?
Ergebnisse
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Es wird angeregt, Elternabende zu nutzen, um Eltern über Mobilfunk zu informieren.
Lehrerfortbildungen zum Thema
Mobilfunk, wie sie das IZMF in
Herbst 2005 zum ersten Mal durchführt, sollten ausgebaut werden.
Konkret empfiehlt Herr Dr. Buschmann
den Besuch der Website www.checked4you.de der VZ NRW, die speziell für
Jugendliche entworfen wurde. Anregungen zur Verbesserung sind willkommen.
Das IZMF hat Unterrichtsmaterialen
zum Mobilfunk erarbeitet. Die Nachfrage danach ist gut. Das IZMF erwägt
eine Kooperation mit dem FWU, um
dieses Material mit interaktiven Elementen zu bereichern.
Fernziel ist, über die Kultusministerien
das Thema Medienkompetenz in den
Lehrplan zu verankern.
Die Arbeitsgruppe „Kinder und Jugendliche“ hat verschiedene
Handlungsfelder und Szenarien
aufgezeichnet.
Zum einen ging es um den Inhalt
der Informationen. Die Teilnehmer
unterschieden zwischen Sachinformationen über EMF – „Technikkompetenz“ – und Informationen
zum Umgang mit dem Handy –
„Handlungskompetenz“ und
„soziale und gesellschaftliche
Kompetenz“. Im Umgang mit dem
Handy wurden folgende Informationen als besonders relevant eingestuft:
Vorsorgemöglichkeiten zur
Expositionsminderung
Wirtschaftliche Aspekte der
Handynutzung
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„Handy-Knigge“ (z.B. Lärmbelästigung bei zu lauten Klingeltönen)
Förderung von Toleranz
z.B. gegenüber besorgten Nutzern
Einigkeit bestand in der Arbeitsgruppe
über die herausragende Bedeutung
von Multiplikatoren in diesem
Bereich. Da Kinder und Jugendliche
laut der Studie von wik Consult über
Medien kaum zu erreichen sind,
spielen hier vor allem Eltern, Lehrer
und die Peer Groups eine wesentliche
Rolle, wobei die Informationsvermittlung hauptsächlich Aufgabe von Eltern
und Lehrern ist.
Bei der Kooperation mit diesen beiden
Personengruppen sah die Arbeitsgruppe Handlungsbedarf.
Was gibt besonders besorgten Personen
Sicherheit im Umgang mit Mobilfunk?
Ergebnisse
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Das IZMF sollte seine Messreihen
(gemeinsam mit Landesministerien oder
anderen Institutionen) fortsetzen
Das IZMF baut seine Aktivitäten im
Bereich der Ärztefortbildung weiter aus.
Sinnvoll wäre eine Verständigung über
brauchbare Risikovergleiche (z.B. Mobilfunkantenne vs. Dect-Telefone)
Die Teilnehmer definierten ihre Zielgruppe als die in der Studie von wik
Consult beschriebene Zielgruppe 2
– „ängstliche informationsbedürftige
Nutzer“.
Die Arbeitsgruppe war sich einig,
dass eine Erweiterung der eigenen
Handlungsmöglichkeiten besorgten
Personen mehr Sicherheit geben
kann. Dazu dienen z.B. Tipps, wie
man die eigene Exposition mit einfachen technischen Mitteln (Headset, etc.) senken kann. Vor allem
eine persönliche Ansprache gibt
mehr Sicherheit. Broschüren und
sonstiges schriftliches Material sind
nur von begrenztem Nutzen. Es
empfiehlt sich, dies bei der Planung
von Veranstaltungen und Informationen zu berücksichtigen.
Auch die Art des Gesprächs und des
Umgangs müssen den Bedürfnissen
dieser Zielgruppe angepasst werden.
Wichtig sind:
Zeit für persönliche Gespräche
Zuhören
Einfühlungsvermögen und
Verständnis
glaubwürdiges Verhalten der
Berater
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Wünschenswert wäre es, wenn dies
auch bei Begegnungen in Shops und
Beratungsstellen berücksichtigt werden könnte. Informationen für
besonders besorgte Personen müs-
sen einfach und anschaulich gestaltet sein. Nach Einschätzung der
Arbeitsgruppen können Messungen
besorgten Personen Sicherheit vermitteln. Ob der Vergleich von Risiken und die Vermittlung von Wissen
wirksam sind, wurde kontrovers diskutiert. Ein weiterer wichtiger Faktor
bei der Information besorgter Perso-
„Die Risiken
werden unterschiedlich
eingeschätzt.“
nen ist die Kompetenz, die dem
Informanten einräumten wird. Sie
ist in erster Linie abhängig von der
Unabhängigkeit eines Informanten.
Zudem tragen der Rückgriff auf
offizielle Quellen sowie die Bereitschaft, Positionen differenziert darzustellen, wesentlich zur Glaubwürdigkeit bei.
Welche gesundheitsrelevanten
Informationen sollen Verkäufer vermitteln?
Diese Arbeitsgruppe konzentrierte
sich auf das Verkaufsgespräch und
darin liegende Möglichkeiten zur
Vermittlung gesundheitsrelevanter
Informationen.
Die Teilnehmer waren sich einig,
dass im Verkaufsgespräch bei Interesse und auf Nachfrage des Kunden
alle wesentlichen Informationen zu
gesundheitlichen Aspekten geliefert
werden sollen. Das dafür notwendige Wissen sollte beim Verkaufspersonal auf jeden Fall vorhanden sein.
Intensiv diskutiert wurde die Frage,
ob Verkäufer auf gesundheitliche
Aspekte hinweisen sollen, wenn
Kunden dieses Thema nicht aktiv
ansprechen. Hier gab es die Auffassung, dass Kunden unangemessen beunruhigt werden könnten.
Die Teilnehmer stellten fest, dass die
aktive Ansprache von gesundheitsrelevanten Informationen verschieden gehandhabt werden kann. So
müssen und werden Informationen
zum Einfluss von Mobilfunk auf
medizinische Hilfsgeräte wie Herzschrittmacher und Hörgeräte gegeben. Darüber hinaus kann zum Beispiel über das technische Zusammenspiel zwischen Empfangsgerät
und Sendeantenne aufgeklärt werden. Mit diesen Kenntnissen können Mobilfunknutzer das eigene
Telefonverhalten steuern und so ihre
Exposition aktiv reduzieren. Hinweise über die Wirkung von Headsets sind eine weitere Möglichkeit,
gesundheitsrelevante Informationen
zu vermitteln.
Umstritten war die Herausstellung
des SAR-Wertes und die Umsetzung
in ein Label für strahlungsarme
Handys. Der SAR-Wert steht in
nahezu allen Bedienungsanleitungen. Aus Sicht von Herrn Dr. Buschmann von der Verbraucherzentrale
NRW wäre es wünschenswert, den
SAR Wert zu den übrigen technischen Angaben auf die Verkaufsschilder der Handys zu setzen. Dies
würde die Bekanntheit dieses Wertes erheblich steigern. Über eventuelle Nachfragen der Kunden zu
diesem Wert wäre ein Einstieg in
die Information zum gesundheitsbewussten Umgang mit dem Handy
möglich, ohne die Risiken unzulässig zu betonen. Die VZ könnte sich
auch Werbemaßnahmen zum
„strahlungsärmsten Handy des
Monats“ vorstellen.
Ergebnisse
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Die Schulung der Mitarbeiter in den
Handyshops über gesundheitsrelevante
Informationen und ihre Vermittlung wird
als wichtige Aufgabe identifiziert. IZMF
und VZ NRW (eventuell auch das BfS)
wollen für diesen Zweck eine Lern-CD
zusammenstellen.
Die Frage, ob man während des Verkaufs aktiv mögliche Risiken kommunizieren kann oder damit den Kunden
unnötig verunsichert, will Herr Menzel
von e-plus überprüfen. Während seines
jährlichen Einsatzes in einem Shop wird
er die Kunden aktiv informieren und
dem Forum Rückmeldung über die
dabei gesammelten Erfahrungen geben.
Das BMU will die Diskussion um ein
Label für strahlungsarme Handys mit
den Herstellern fortsetzen. Herr Dr.
Buschmann schlägt vor, für diesen Prozess einen Mediator in das Verfahren
einzubinden.
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Vorträge
Wie kann Verbraucherkommunikation
optimal falsch laufen?
Impulsreferat Meinfried Striegnitz
Meinfried Striegnitz vom Institut für
Umweltkommunikation (Universität
Lüneburg) illustrierte Beispiele für eine
optimal falsche Verbraucherkommunikation an der fiktiven Firma InnoInvent.
Diese vertreibt den fiktiven Instantaneous Body Beamer (IBB). Per IBB
kann man sich in wenigen Sekunden
an jeden Flecken der Erde beamen
lassen. Die Firma ist unvorstellbar
erfolgreich. Sie hat mit ihrer Erfindung
die virtuelle Vernetzung der Welt
durch eine reale ersetzt. In letzter Zeit
mehren sich allerdings die Stimmen
besorgter Bürger zu den Folgen der
neuen Technik. Die Gefahren der
neuen Technik für Benutzer und
Anlieger der zum Beamen aufgerüsteten Telefonzellen seien nicht ausreichend geklärt. Die Firma beauftragt
daraufhin mehrere Unternehmen,
eine Kommunikationsstrategie für
InnoInvent zu entwickeln.
InnoInvent optimiert seine
Verbraucherkommunikation –
Ergebnisse der Agenturen liegen vor
„Szenarien
zeigen die
verschiedenen
Möglichkeiten
auf.“
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Hier das Presseecho:
Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Ausschreibungen für eine
neue Kommunikations-Strategie der
InnoInvent liegen vor. Vier Firmen sind
in die engere Auswahl gekommen.
Unseren Reportern ist es gelungen das
hochaktuelle und brisante Material in
die Finger zu bekommen.
Das Institut Prof. Photon, Quant &
Partner plädiert für eine naturwissenschaftlich, rationale Strategie. Die
Unbedenklichkeit und der Nutzen des
IBB muss über Studien und Untersuchungen nachgewiesen werden. Die
Ergebnisse beweist man erschöpfend
mit Zahlen, Daten und Fakten.
Dadurch können die Kritiker als irra-
„Strategien für
eine optimale
Verbraucherkommunikation“
tional entlarvt werden. Vor allem soll
sich InnoInvent auf die potenziellen
Kunden konzentrieren, denn Zeit und
Geld auf die Kritiker zu verwenden,
bringt nichts, um diese zu überzeugen.
Auf große Emotionen setzte die Firma
Circe & Cie. mit ihrer Strategie.
Umfangreiche Werbekampagnen stärken das positive Image des IBB. Der
IBB präsentiert sich als gleichbedeutend mit Freude, Freiheit und Spaß.
Highlight der Strategie ist die Förderung einer IBB Soap, um die emotionale Bindung des Kunden an das Produkt zu fördern. Eventuelle Kritiker
fertigt man bei dieser Strategie als
Spießer und Miesepeter ab und verhandelt, nur so weit unbedingt nötig,
hinter verschlossenen Türen mit
ihnen.
„Vernichte deine Gegner“ fasst die
Strategie der Firma Pit und Bull Consultants in einem Satz zusammen. Die
Kritiker des IBB sollten mit so vielen
Prozessen wie möglich überzogen und
geschädigt werden. Außerdem muss
das Image der Kritiker abgewertet werden, zum Beispiel in dem man ihnen
vorwirft, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes BRD gefährden.
Auch die Konkurrenten im eigenen
Geschäftsfeld der Mobilität dürfen
nicht von Angriffen verschont bleiben.
Mit eigenen Problemen geht man laut
Pit und Bull am besten nach der 5-V
Methode vor: verniedlichen, verharmlosen, verdrängen, verleugnen, verheimlichen.
Die Firma Krösus u. Koll. macht für
ihre Strategie den Geldtopf auf. Keine
intensive und offensive Werbekampagne kann zu teuer sein. Der Kauf von
Abgeordneten jeder Partei sei eine
Grundsatzpflicht erfolgreicher Lobbyarbeit. Auch Ärzte kann man besonders gut mit Gratisunterstützung und
-boni wie zum Beispiel Reisen gewinnen. Und sogar Journalisten sind mit
Geld oft von der Richtigkeit eines
Standpunktes zu überzeugen. Vor
allem zielen sie mit der geplanten
Intensivierung der Lobbyarbeit darauf,
dass die für InnoInvent günstigen Entscheidungen von den Leuten getroffen
werden, die sie bezahlen – ohne lästige Umwege über aufwendige demokratische Mitbestimmungsgremien.
Für welche der am Wettbewerb beteiligten Agenturen sich InnoInvent entschieden hat, konnte unser Reporter
leider auch aus gut informierten Kreisen nicht ermitteln.
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Zielgruppenanalyse
zur differenzierten Information über EMVU
Dr. Franz Büllingen
„Mit gezielten
Informationsmaßnahmen
den Kunden
erreichen.“
Die Studie der wik Consult, die Dr.
Franz Büllingen im Workshop vorstellte, wurde im Auftrag des BfS
durchgeführt und dient der Verbesserung der Risikokommunikation durch
genaueres Wissen über die verschiedenen Zielgruppen. Zur Identifizierung der Zielgruppen wurde eine für
Gesamtdeutschland repräsentative
telefonische Bevölkerungsbefragung
an n=1000 Personen ab 14 Jahre
durchgeführt. Die Zielgruppen wurden aufgrund von soziodemographischen, psychographischen und
verhaltensorientierten Kriterien differenziert. Abgefragt wurden Koordinaten zum Vertrauen in den Staat, zu
Persönlichkeit, Handynutzung, Informationsbedürfnis und Risikoeinstellung. Daraus wurden Zielgruppen hinsichtlich ihrer charakteristischen und
differenzierenden Merkmale beschrieben. Dies dient als Basis für zukünftige
Informationsmaßnahmen.
Im Ergebnis können 5 Zielgruppen
beschrieben werden:
Z1: Sorglose interessierte Vielnutzer
Z2: Ängstliche informationsbedürftige Nutzer
Z3: Sorglose desinteressierte
Wenignutzer
Z4: Sorglose desinteressierte Vielnutzer
Z5: Mäßig besorgte Wenignutzer
Wir haben typische Vertreter jeder
Zielgruppe zu ihren Einstellungen und
Interessen befragt:
Z1: Herr Dipl-Ing. Martin Meyer,
Teilhaber eines Architekturbüros: „Ich
sehe beim Mobilfunk kein besonderes
Risikopotenzial. Ich habe mich schon
bisher über alle Aspekte dieser Technik informiert und das werde ich auch
in Zukunft tun. Meine Geräte sind
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immer auf dem neuesten Stand, und
nach allem was ich so gehört habe,
gibt es kein relevantes Problem.“
Z2: Herr Franz Meier, Lehrer,
verheiratet, 2 Kinder:
„Also, ich benutze mein Handy nur,
wenn es unbedingt sein muss. Wer
weiß, wie gefährlich das ist! Die
Betreiber sagen zwar immer, es gebe
kein bekanntes Risiko, aber denen
kann man doch nicht glauben! Ich
halte aufgrund der hohen Risiken Vorsorgemaßnahmen für unbedingt notwendig. Also, meiner Meinung nach
wird nicht genug informiert, ich lese
zwar alles, aber das reicht nicht und
an die wirklich brisanten Informationen kommt man doch sowieso nicht!“
Z3: Frau Sieglinde Maier, Rentnerin:
„Handy? Ja das liegt zuhause, das
haben mir die Kinder geschenkt, aber
ich brauche es eigentlich nicht. Ist mir
zu teuer und diese neumodische
Technik, nein, wirklich nicht. Ich weiß
doch gar nicht, wie das funktioniert.
Und all diese Sachen dazu, ich verstehe das nicht und es interessiert mich
auch nicht. Fragen Sie meinen Enkel!“
Z4: Marc Mayer, 15, Schüler:
„Ey, mein neues Handy ist voll cool!
Soll ich euch mal meinen neuen Klingelton zeigen? Heute habe ich schon
20 sms bekommen! Handys gefährlich? Nee, wieso? Das interessiert mich
auch nicht wirklich. Viel wichtiger ist
doch, wo ich den nächsten Klingelton
herbekomme.“
Z5: Frau Meike Mayar, 40, Single:
„Die ganze Technik interessiert mich
eigentlich nicht, ich benutze doch
kaum ein Handy. Die EMVU Diskussion finde ich schon gut, die
Information müsste aber viel besser
sein. Risiken sehe ich da schon.
Aber für mich persönlich ist das
nicht so relevant.“
„Nur 40 Prozent
der Bevölkerung
sucht aktiv nach
Informationen.“
Verschiedene Informationen
für verschiedene Zielgruppen
Die Studie des wik Consult ist außerdem der Frage nachgegangen, über
welche Medien die unterschiedlichen
Zielgruppen jeweils am besten zu
erreichen sind. Insgesamt können nur
40 Prozent der Bevölkerung zu den
aktiv Informationen suchenden Menschen gezählt werden und sind über
verschiedene Medien gut erreichbar.
Dazu zählt die Gruppe der ängstlichen
informationsbedürftigen Nutzer, die
alle Medien für ihre Informationssuche
nutzt, sowie die Gruppe der sorglosen
interessierten Vielnutzer, die vor allem
über das Internet gut zu erreichen ist.
Die Gruppe der jugendlichen Vielnutzer bezieht ihre Informationen über
das Handy vor allem aus der eigenen
Peer Group. Printmedien und Informationsbroschüren finden in dieser
Gruppe kein Gehör.
Diskussion
In der anschließenden Diskussion zeigt
sich, dass die meisten Forumsteilnehmer ihre Erfahrungen in der Studie
widergespiegelt finden. Frau Wiebusch
sieht zwei sehr gegensätzlich interessierte Gruppen, deren Informations-
bedürfnis weit von einander abweichen. Neben den besorgten Bürgern
sind dies vor allem die technisch Interessierten. Bei der Verbraucherzentrale
meldet sich laut Herrn Buschmann
überwiegend die Zielgruppe zwei.
Das Ergebnis der Studie, wonach das
Interesse, sich aktive Informationen zu
besorgen, eher gering ist, deckt sich
mit den Erfahrungen des IZMF. Frau
Wiebusch fragt daher, ob nicht alle,
die zum Thema Mobilfunk kommunizieren, ihre Informationen noch stärker als bisher aktiv an die Bürger herantragen müssten. Herr Wiedemann
vom Forschungszentrum Jülich ergänzt
aus seinen Forschungsergebnissen die
Erkenntnis, dass neben denjenigen,
die denken, dass das Handy sicher ist
und denjenigen, die überzeugt sind,
dass es nicht sicher ist, eine dritte
Gruppe existiert. Diese ist unsicher,
ob Mobilfunk sicher ist oder nicht.
Während die ersten beiden Gruppen
in ihren Einstellungen festgelegt sind,
sei die letzte Gruppe als einzige wirklich für Informationen zugänglich.
In der Abschlussdiskussion
wird deutlich, dass die meisten Forumsteilnehmer ihre
Erfahrungen in der Studie von
wik Consult wiedergepiegelt
finden.
11
TeilnehmerInnen
Böttger, Axel
Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit
Schumacher, Friedhelm
Institut für Film und Bild in Wissenschaft
und Unterricht gemeinnützige GmbH
Buschmann, Rolf
Verbraucherzentrale NRW
Striegnitz, Meinfried
Universität Lüneburg, Institut für Umweltkommunikation
Büllingen, Franz
wik Consult
Dehos, Anne
Bundesamt für Strahlenschutz
Dobmeier, Gotthard
Deutsche Bischofskonferenz
Ehmann, Wiebke
Informationszentrum Mobilfunk – IZMF
Gabler, Harald
Landeshauptstadt München,
Referat für Gesundheit und Umwelt
Szyszkowitz, Cornelia
T-Mobile
Wedell, Michael
Vodafone D2
Wiebusch, Dagmar
Informationszentrum Mobilfunk – IZMF
Wiedemann, Peter
Forschungszentrum Jülich
Wilhelm, Franz
O2 Germany
Kouros, Bijan
Ministerium für Arbeit und Soziales
Moderation:
Menzel, Karsten
e-plus
Claus, Frank
Iku GmbH
Mundhenke, Ruth Christina
Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit
Kühr, Ann-Kathrin
Iku GmbH
Schmidt, Jörg
Bundesministerium für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft
Posse, Katrin
Iku GmbH
Impressum
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