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Krebspatient und Sexualität
Informationen für Männer und ihre Partnerinnen
Diese Informationen richten sich an Krebspatienten und ihre Partnerinnen. Wenn beide mehr über die
Krebserkrankung, deren Behandlung und die möglichen Folgen für die Sexualität erfahren, kann ihnen dies helfen, ihre persönliche Situation zu bewältigen. Ein informierter Patient versteht die Art der
Behandlung besser und weiß mit Folgen besser umzugehen. Der nachfolgende Text soll wesentliche
Fakten zum Thema Sexualität während und nach einer Krebserkrankung vermitteln. Die Informationen können Gespräche keinesfalls ersetzen. Sie wurde vielmehr in der Hoffnung geschrieben, falsche
Vorstellungen über die Erkrankung und die Therapiefolgen ausräumen zu können und Mut zu einem
Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin oder anderen sachkundigen Ansprechpartnern und der Partnerin
über das Thema Sexualität zu machen.
Sexuelle Gefühle während und nach der Krebsbehandlung Nach der Diagnose „Krebs“ konzentrieren sich zunächst alle Gedanken und Gefühle auf das Überleben. Die Behandlungsdauer ist von der Art der Erkrankung
und ihrer Ausbreitung abhängig und die einzelnen Behandlungsphasen können unterschiedlich intensiv sein.
Während der Therapie tauchen neue Fragen auf: Wie wird mein Leben zukünftig sein? Werde ich wieder so
sein wie vorher? Und auch: Wie wird sich die Krankheit auf meine Sexualität auswirken? Sexuelle Gefühle,
Gedanken und Wünsche, die während und nach der Behandlung auftauchen, müssen nicht unterdrückt werden. Sie sind Zeichen wacher oder wieder erwachender Lebensgeister. Es ist aber auch normal, wenn die
Lust auf Sex in dieser Zeit abnimmt oder völlig schwindet. Meist hat der Betroffene vornehmlich ein starkes
Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit, ist aber oft gehemmt, dies der Partnerin gegenüber zu äußern, z. B.
weil er befürchtet, dadurch an „Männlichkeit“ zu verlieren.
Trotz freizügiger Darstellungen in den Medien ist es nicht üblich, über die eigene Sexualität zu sprechen. Eine
Krebstherapie kann Anlass sein, dieses Tabu zu brechen.
In diesem Text wird zur Vereinfachung immer von „Partnerin“ die Rede sein, die Ausführungen gelten aber
auch für den Partner innerhalb einer gleichgeschlechtlichen Beziehung.
Partnerschaft
Hat sich die sexuelle Situation durch die Erkrankung verändert, ist es wichtig, mit der Partnerin darüber zu
reden. Ein Anfang kann sein, „nur“ darüber zu sprechen, wie sie es erlebt, dass Sie im Moment keine oder
andere sexuellen Bedürfnisse haben. Oft haben jedoch beide bisher nie richtig über ihr Sexualleben gesprochen. Mitunter war es schon vor der Erkrankung nicht ganz befriedigend. Wie soll ein Paar dann plötzlich
offen über die eigene Sexualität reden können?
War die Partnerschaft vor der Behandlung nicht gut, wird sie danach nur durch gemeinsames Bemühen
besser. Eine gute Partnerschaft kann aber dazu führen, daß das Paar nach der Behandlung noch enger zusammenwächst. Paaren, die sich gut verstehen, wird es nach Überwindung der anfänglichen Scheu sicher
gelingen, angemessen über notwendige Veränderungen im Sexualleben zu sprechen.
Manchmal hat der Erkrankte das Gefühl, seine Partnerin wolle nicht auf ihn eingehen und nichts mit seinen Problemen zu tun haben. Oft steckt nur ein Verständigungsproblem dahinter: Die Partnerin weiß nicht,
wie sie sich verhalten soll, also wartet sie erst einmal ab. Der Mann wertet das als Desinteresse, reagiert
vielleicht sogar mit Wut und zieht sich von ihr zurück. So ziehen sich beide voneinander zurück, obwohl sie
eigentlich das Gegenteil wollen: einander schonen und nicht belasten.
Was ist, wenn die Partnerin sexuellen Kontakt wünscht, Sie selbst aber keine Lust verspüren? Für viele
Männer ist das äußerst beunruhigend, denn oft wird angenommen, daß das Glied eine Art Eigenleben mit
ständiger Bereitschaft zur Sexualität habe – unabhängig von der Seele (Psyche) und dem Befinden. Dieser
Eindruck kann in jungen Jahren entstehen, wenn sexuelle Bedürfnisse sehr mächtig wirken und bisweilen
auch in unpassenden Momenten auftreten. Sexualität funktioniert aber nie ohne die Seele. Wie wichtig das
persönliche Befinden ist, wird mit zunehmendem Lebensalter, wenn der Wunsch nach Sexualität meist etwas nachläßt, deutlicher. Manche Männer möchten trotz fehlenden Verlangens dem Wunsch der Partnerin
nachkommen, sie glauben, „ihren Mann stehen zu müssen“, und nehmen sogar in Kauf, daß sie dabei kaum
Freude empfinden. Dieses Verhalten tut weder Ihnen gut, noch wird Ihre Partnerin dies wollen. Versuchen
Sie, offen mit ihr darüber zu sprechen, weshalb Sie im Moment keinen Intimverkehr wünschen.
Wenn Sie sich in Ihrer Beziehung unglücklich und allein gelassen fühlen, ein Gespräch darüber nicht weiterhilft oder nicht zustande kommt, ist der erste und wichtigste Schritt, sich einzugestehen, daß die Beziehung
schwierig und unbefriedigend ist. Aus dieser schmerzlichen Einsicht können Ideen erwachsen, wie Sie die
Situation besser gestalten können.
Natürlich spielt bei der Sexualität auch das Alter eine Rolle. Mit zunehmendem Alter und den damit einhergehenden körperlichen Veränderungen können sexuelle Bedürfnisse abnehmen. Andere Faktoren, wie z. B.
die psychische Situation, die Tatsache, ob man eine Partnerin hat oder nicht und wie das sexuelle Interesse
in jungen Jahren war, haben gleichfalls großen Einfluß. Ein in der Jugend sexuell aktiver Mensch wird dies
wahrscheinlich auch im Alter bleiben. Für Sexualität gibt es keine Altersgrenze. Aber mit dem Alter erhält sie
oft eine andere Bedeutung: Sie verliert etwas an Leidenschaftlichkeit, ist dann häufiger Ausdruck partnerschaftlicher Nähe.
Auch für die Partnerin stellt der Umgang mit der Erkrankung ein Problem dar. Sie ist durch die Krankheit beunruhigt, hat Angst um ihren Partner und ist verunsichert. Woher kann sie wissen, was der Betroffene jetzt am
meisten braucht, wenn er es nicht sagt? Auch bei ihr schwindet oft in der Zeit der Krebstherapie und danach
die Lust auf intime Kontakte. Das ist völlig normal.
Egal, ob Sie in einer Partnerschaft oder allein leben, nutzen Sie die Möglichkeiten, sich zu informieren. Wenn
Sie merken, dass Sie die Situation nicht bewältigen können, bemühen Sie sich um fachliche Hilfe.
Was ist überhaupt Sexualität? Selbst die Wissenschaftler sind sich über eine Definition der Sexualität nicht
ganz einig. Allgemein formuliert, läßt sich folgendes sagen: Sexualität hat mit Lust und Sich-erregen-lassen
zu tun, mit der Anziehung zwischen zwei Menschen, die nicht immer verschiedenen Geschlechts sein müssen. Beim Menschen hat Sexualität eine weit über die Fortpflanzung hinausreichende und auch davon unabhängige Bedeutung. Die meisten Menschen sind in ihrem Leben sexuell aktiv. Das Interesse an der Sexualität im Sinne lustvoll erlebter Phantasien und Aktivitäten wächst und reift in der Pubertät. Man verliebt sich,
interessiert sich auf eine neue Art für andere Menschen und fühlt sich körperlich von ihnen angezogen.
Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Sexualität, geschweige denn eine Norm, an der sich Menschen allgemeinverbindlich ausrichten können oder sollen. Für den einen ist es normal, einmal im Monat sexuellen
Kontakt zu haben, für einen anderen viermal pro Woche. „Richtig“ ist weder das eine noch das andere.
Jeder Mensch hat sein eigenes Maß. Paare, die länger zusammen sind, finden idealerweise zu einer Form
der Intimität, die beide zufriedenstellt. Es ist nicht einfach, die verschiedenen Seiten der eigenen Sexualität
herauszufinden. Wir alle sind geprägt durch übliche und erwartete Verhaltensmuster, nach denen wir glauben
uns richten zu müssen.
Heute werden Vorstellungen von der Sexualität vor allem durch die Medien geprägt, deren Darstellungen oft
als Vorbild gelten. Der Umgang mit Sexualität in der Öffentlichkeit ist offener geworden. Viele Darstellungen
sind aber unrealistisch und verfälscht. Das ist oft kaum zu durchschauen, insbesondere wenn statistische
Zahlen, z. B. über die Häufigkeit sexueller Kontakte, mitgeliefert werden. Die Sexualforscher wissen, dass
die Befragten sehr zur Übertreibung neigen. Doch genauere Untersuchungen, die den Einfluss solcher Übertreibungen zu verringern versuchen, z. B. indem beide Partner zum gleichen Thema befragt werden, sind sehr
aufwendig und bisher selten. Ihre Ergebnisse zeigen ein ganz anderes Bild. So gaben von den in den USA
Befragten mehr als die Hälfte an, weniger als einmal pro Woche Geschlechtsverkehr zu haben. Ein für alle
gültiges Verhaltensrezept gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben.
Sexualität trotz Krebsbehandlung?
Sexualität ist oftmals bereits vor einer Krebserkrankung problematisch – nach einer Hamburger Untersuchung aus dem Jahr 1984 leidet ungefähr jeder vierte Patient, der seinen Hausarzt aufsucht, unter einer
längerfristigen sexuellen Beeinträchtigung. Die Krebserkrankung und deren Behandlung bringen zusätzliche
Belastungen, die sich auch auf das Sexualleben auswirken können. Einige Behandlungen, zum Beispiel eine
Hormontherapie, können zeitweilig den Hormonhaushalt stören. Möglicherweise fühlen Sie sich durch diese
Aussagen etwas entmutigt. Wie Sexualität dennoch möglich sein kann, wird in den nachfogenden Abschnitten beschrieben.
Mögliche Ursprungsorte eines Tumors
Im Beckenbereich des Mannes befinden sich die Geschlechtsorgane, die Blase und der Mastdarm (Rektum).
Jedes dieser Organe kann Entstehungsort einer Krebserkrankung sein. Die Therapie richtet sich vor allem
nach Ursprungsort und Ausdehnung eines Tumors.
Penisoperation
Krebserkrankungen des Penis sind selten. Sie treten häufig am Übergang zwischen Eichel und Schaft auf.
Wird Peniskrebs früh festgestellt, reichen eventuell eine örtliche Bestrahlung oder Lasertherapie als Behandlung aus. Hierdurch wird das Sexualleben kaum beeinträchtigt. Bei Peniskrebs oder bei Krebs im Endbereich
der Harnröhre kann aber manchmal die Entfernung eines Teils des oder des ganzen Penis die wirksamste
Therapie sein. Dadurch werden das Selbstbild des Mannes und sein Sexualleben (zumindest vorübergehend)
stark beeinträchtigt.
Bei Penisteilentfernung wird oft nur die Spitze entfernt, der verbleibende Penisanteil ist so groß, dass der
Mann normal urinieren kann. Rein körperlich gesehen ist danach auch befriedigender Geschlechtsverkehr
möglich. Bei Erregung richtet sich der Penisschaft auf wie vorher. Meist ist er noch groß genug, um ein Eindringen in die Scheide der Frau zu ermöglichen. Obwohl die erregbarste Zone des Penis, die Eichel, entfernt
wurde, ist der Mann weiterhin zum Orgasmus und zu Samenergüssen fähig.
Bei einer radikalen Penisentfernung wird das gesamte Glied zusammen mit seiner etwas in das Becken hineinreichenden Wurzel entfernt. Der Chirurg bildet eine neue Öffnung für die Harnröhre zwischen Hodensack
und Anus. Der Mann behält die Kontrolle über das Urinieren, denn das Ventil der Harnröhre bleibt erhalten.
Einige Männer verzichten nach der Entfernung des gesamten Penis auf sexuelle Betätigung. Wenn allerdings
beide Partner bereit sind, etwas Mühe zu investieren, ist auch nach der Penisentfernung ein zufriedenstellendes Intimleben möglich. Er kann lernen, zum Orgasmus zu kommen, indem die Partnerin empfindliche
Stellen wie den Hodensack und die umgebende Haut, die Gegend um die Narbe herum sowie die Prostata
über den After stimuliert.
Prostataoperation
Bei Prostatakrebs kann die Entfernung der Prostata die angemessene Therapie sein. Dabei werden in der
Regel auch die Samenblasen herausgenommen. In der Nähe der Prostata verlaufen die für die Einleitung
der Erektion zuständigen Nerven. Nur selten bilden sich innerhalb einiger Monate wieder funktionstüchtige
Nervenverbindungen. Wenn die Tumorausdehnung es zulässt, kann der Arzt heute die Unversehrtheit der
Nerven anstreben. Ob dies möglich ist, entscheidet sich oft erst während der Operation. Leider kann auch die
sogenannte nervenschonende Technik zu einer oft vorübergehenden Beeinträchtigung oder zum Verlust der
Erektionsfähigkeit führen. Das Glied kann dann nur durch geeignete Hilfsmittel zufriedenstellend versteifen.
Die Empfindungsfähigkeit im Genitalbereich bleibt erhalten. Die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erlangen, ist
körperlich unbeeinträchtigt. Auch wenn das Glied nicht steif ist, kann durch Liebkosung der erogenen Zonen
ein Orgasmus ausgelöst werden. Da der Samenleiter unterbrochen ist, ist der Mann unfruchtbar. Die Entfernung der Samenblasen führt zu einem trockenen Orgasmus. Als Folge der Operation können bei wenigen
Patienten Probleme entstehen, das Wasser zu halten (Inkontinenz).
Hodenentfernung
Hodenkrebs kommt überwiegend bei jungen Männern vor. Meist ist nur ein Hoden erkrankt, der im Rahmen
der Therapie in der Regel entfernt wird. Die Hormonproduktion des belassenen Hodens ermöglicht normalerweise eine ausreichende Testosteronversorgung. Wenn zugehörige Lymphknoten im Becken- und Bauchraum entfernt werden (retroperitoneale Lymphadenektomie), liegen für die Ejakulation wichtige Nerven im
Operationsgebiet. Durch deren Schädigung kann der Samenerguss vermindert sein oder fehlen. Früher wurden oft auf beiden Körperseiten Lymphknoten entfernt. Heute werden sie üblicherweise nur auf einer Seite
entfernt, die Beschwerden treten dadurch seltener auf und sind sehr selten, wenn zusätzlich während der
Operation der Verlauf der Nerven durch moderne Techniken genau ermittelt wird.
Beim seltenen beidseitigen Hodenkrebs oder bei Tumoren, deren Wachstum durch Hormonentzug gestoppt
wird, kann die Entfernung beider Hoden erforderlich sein. Dadurch entfällt der Großteil der männlichen Hormone, es werden keine Samenzellen mehr gebildet. Manche Männer fühlen sich dann nicht mehr als „ganzer Mann“. Andere befürchten, dadurch zu verweiblichen. Körperliche männliche Merkmale können sich jedoch wieder etwas zurückbilden, wie z. B. der Bartwuchs. Die beidseitige Hodenentfernung führt aber nicht
zwangsläufig zum Verlust des Interesses an Sexualität. Bei einigen Männern bleibt die Lust auf Sex unverändert.
Vom kosmetischen Aspekt her es ist einfach, Abhilfe zu schaffen: Mit Silikongel gefüllte Prothesen, die den
Hoden in Größe und Form nachempfunden sind, können in den Hodensack eingesetzt werden. An die Operation erinnert nur eine Narbe, die meist von Schamhaar verdeckt wird. Leider sind Entzündungen oder eine
Abstoßungsreaktion des Körpers möglich.
Blasenentfernung
Wenn es wegen der Ausdehnung eines Harnblasenkrebses nicht ausreicht, nur den Tumor oder einen Teil
der Blase zu entfernen, ist die erweiterte Harnblasenentfernung (radikale Zystektomie) eine mögliche Therapie. Zusätzlich zur Blase werden die Prostata mit den Samenblasen sowie die der Blase nahegelegenen
Lymphknoten entnommen. Bei Befall der Harnröhre wird auch diese entfernt. Der Weg der Samenzellen ist
dann unterbrochen, die Fruchtbarkeit geht verloren. Auch bei nervenschonender Operationstechnik können
die für die Einleitung der Gliedversteifung zuständigen Nerven geschädigt werden.
Muss die Blase entfernt werden, kann heute oft eine Ersatzblase gebildet werden, die an den natürlichen
Ausgang, die Harnröhre, angeschlossen wird. Der Patient kann die Ersatzblase mit Hilfe der Becken- und
Bauchmuskulatur entleeren. Ist eine Ersatzblase nicht möglich, wird für die Ausleitung des Harns oft in der
Bauchdecke ein neuer Körperausgang gebildet, der Urostoma genannt wird. Es gibt trockene und nasse
Urostomata. Beim trockenen Urostoma wird im Bauchraum ein Urinsammelbeutel aus Darmschlingen gebildet. Er muss etwa alle drei Stunden vom Patienten mit Hilfe eines Röhrchens gelehrt werden. Beim nassen
Urostoma gibt es keinen Sammelbeutel, deshalb muss der Betroffene immer einen Urinbeutel tragen.
Operatinon von Mastdarmkrebs
Bei Krebs im Bereich des Mastdarms ist die Entfernung des erkrankten Darmabschnitts und der zugehörigen
Lymphabflusswege die wesentliche Therapiemaßnahme. Abhängig von der Operationstechnik und der Lage
des Tumors können dabei verschiedene Nerven geschädigt werden, was einen verminderten oder fehlenden
Samenerguss zur Folge haben kann.
Bei einem tiefsitzenden Tumor kann es bei der Operation ebenso zur Schädigung der für die Gliedversteifung
zuständigen Nerven kommen. Bei nervenschonender Operationstechnik kommt dies jedoch seltener vor. Die
Empfindungsfähigkeit im Genitalbereich bleibt in der Regel erhalten. Auch die Fähigkeit, einen Orgasmus zu
erlangen, bleibt erhalten.
Ist der Abstand des Krebses zum Darmausgang (After) nur gering, muss zur sicheren Entnahme des ganzen
Tumors unter Umständen auch der Schließmuskel am Darmausgang entfernt werden (abdominoperineale
Resektion). Der natürliche Weg der Stuhlausscheidung ist dann nicht mehr möglich. Für den Darm kann ein
neuer Körperausgang in der Bauchwand geschaffen werden. Dieser so genannte Anus Praeter mit Stoma
wird mit dichtschließenden Beuteln oder auch Kappen verschlossen.
Operation und Erektion
Vom Zentralnervensystem aus werden Impulse über das Rückenmark an die betreffenden Nerven gesendet,
die eine Erweiterung der Schwellkörperräume und den stärkeren Bluteinstrom in den Penis bewirken. Bei
der Entfernung der Prostata oder der Blase sowie bei der Mastdarmoperation können diese Nerven verletzt
oder durchtrennt werden, so dass die Anweisungen unvollständig oder nicht weitergeleitet werden und die
Erektion erschwert oder nicht möglich ist. Heute gibt es nervenschonende Operationsmethoden, die erreichen sollen, dass diese Nerven unversehrt bleiben. Oft können auf diese Weise Erektionsprobleme vermieden werden. Die Berührungsempfindlichkeit des Penis und die Fähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen,
werden über Nerven außerhalb des Operationsgebiets vermittelt. Sie bleiben in der Regel unverletzt. Die
Fähigkeit, einen Orgasmus zu erlangen, wird somit körperlich nicht beeinträchtigt.
Für eine Erektion sind nicht nur Nerven, sondern auch die dem Penis blutzuführenden Gefäße, die Arterien,
nötig. Sie versorgen ihn ausreichend mit Blut, damit er steif werden kann. Bei einer Operation können kleinere versorgende Blutgefäße verschlossen werden. Der Blutzustrom ist dann vermindert, was zur Schwächung
der Erektion führt. Der Penis richtet sich zwar auf, bekommt aber nicht die für ein Eindringen notwendige
Härte.
Bei einigen Patienten verbessert sich die Erektionsfähigkeit im Laufe der Zeit wieder. Geschädigte Nerven
erholen sich, so dass sie nach etwa 6-18 Monaten wieder eine Versteifung auslösen können. Ebenso kann
die Bildung neuer Blutgefäße wieder einen starken Blutstrom ermöglichen und damit eine ausreichende
Härte des Gliedes. Es ist unklar, warum dies nur für einige Männer zutrifft. Allgemein gilt, je jünger ein Mann
ist, desto eher gewinnt er die volle Erektionsfähigkeit zurück. Bei Männern, die jünger sind als 60 Jahre, vor
allem bei den unter 50jährigen, ist dies leichter möglich. Je besser die Erektionsfähigkeit vor der Operation
war, desto größer sind die Chancen für eine ausreichende Erektion danach.
Krebsbehandlung und Samenerguss
Eine Krebstherapie kann sich auch auf den Samenerguss auswirken. Wenn die Samenflüssigkeit nur teilweise oder nicht mehr den Samenzellen beigemischt wird, oder der Verschluss der Blase gestört ist, zeigt sich
dies an einem verminderten oder fehlenden Samenerguss. Die Ursachen liegen in der jeweiligen Therapie:
Die für die Ausschüttung der Sekrete aus Prostata und Samenblasen oder den Blasenverschluss zuständigen
Nerven können geschädigt worden sein. Oder aber Prostata und/oder Samenblasen wurden entfernt bzw.
haben infolge der Therapie ihre Funktionstüchtigkeit verloren.
Der Mann hat dann zwar immer noch die Lustempfindung des Orgasmus, aber der Samenerguss fehlt. Man
nennt das einen „trockenen Orgasmus“. Einige Männer sagen, ein trockener Orgasmus fühle sich an wie
ein normaler. Andere dagegen empfinden den Orgasmus als schwach und langweilig. Manche befürchten,
dass die Partnerin den Samenerguss vermisst. Die meisten Frauen spüren jedoch keinen Unterschied, ob
Samen fließt oder nicht. Es ist eher ein psychisches Problem, wenn der Mann oder die Frau meinen, ein Samenerguss liefere den tatsächlichen Beweis der Manneskraft. Für viele Männer ist es wichtig, das Ergebnis
ihres Orgasmus zu sehen. Wenn man sich klarmacht, dass es beim Geschlechtsverkehr nicht auf ein „Produkt“ ankommt, sondern auf gemeinsamen Spaß und gutes Verstehen, besteht eine gute Grundlage, diese Schwierigkeit zu überwinden. Die einzige tatsächliche Einschränkung des trockenen Orgasmus‘ besteht
darin, dass, abhängig von der Ursache, dabei auf natürlichem Wege nur sehr selten oder nie Kinder gezeugt
werden können.
Operation und Samenerguss
Bei der Blasen- und der erweiterten Prostataentfernung werden Prostata und Samenblasen entfernt. Dabei
wird die Verbindung zwischen Samenleiter und Harnröhre unterbrochen. In den Hoden reifen weiterhin Samenzellen heran, die dann vom Körper absorbiert werden. Dies geschieht ohne spürbare körperliche Auswirkung. Der Mann ist aber unfruchtbar, ähnlich wie nach einer Sterilisation zur Empfängnisverhütung.
Andere Operationen können den Nerv schädigen, der für den Verschluss der Blase sorgt, sobald das Glied
steif wird. Der Blasenausgang bleibt dann offen. Anstatt in der Harnröhre nach vorn getrieben zu werden,
wird der Samen rückwärts in die Harnblase gepresst (retrograde Ejakulation). Ein Mann mit retrogradem Samenerguss scheidet den Samen beim Urinieren aus. Die Zeugungsfähigkeit auf natürlichem Wege ist stark
vermindert. Besteht kein Kinderwunsch, sollte dennoch nicht auf Empfängnisverhütung verzichtet werden.
Da Samen gebildet wird, besteht keine prinzipielle Unfruchtbarkeit. Bei Kinderwunsch können oft Medikamente helfen, die zu einem Blasenverschluss führen. Möglicherweise kann die Frau auch mit Samen befruchtet werden, der dem Urin oder direkt aus dem Hoden entnommen wurde.
Bei der Entfernung eines Mastdarmkrebses oder von Lymphknoten im Bauchraum bei Hodenkrebs können
die für Prostata und Samenblasen zuständigen Nerven beschädigt werden. Dadurch wird kein Samen gebildet, denn Prostata und Samenblase können sich nicht mehr zusammenziehen, und ihre Sekrete werden nicht
mehr mit den Samenzellen vermischt, es kommt zu einem trockenen Orgasmus. In seltenen Fällen werden
die Nerven nach einiger Zeit wieder funktionsfähig, das kann auch nach ein bis drei Jahren noch geschehen.
Durch diese Nervenschädigung wird weder die Erektions- noch die Orgasmusfähigkeit eingeschränkt. Das
Lustgefühl beim Orgasmus kann jedoch vermindert sein.
Andere Krebstherapien und ihre Auswirkungen auf den Samenerguss
Sowohl nach Bestrahlung der Prostata als auch bei Hormontherapie kommt es mitunter zu einer starken
Reduzierung der ausgestoßenen Samenmenge.
Eine Chemotherapie hat auf den Samenerguss meist keine einschneidende Wirkung. Eine Ausnahme bilden
einige wenige Chemotherapeutika, z. B. Vincristin, die einen retrograden Samenerguss bewirken können,
weil sie Nerven, wie z. B. den, der den Blasenverschluß kontrolliert, schädigen können.
Die Menge des Samens lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit zu. Die Folgen einer Strahlen- oder Chemotherapie für die Fruchtbarkeit werden in den nachfolgenden Kapiteln „Bestrahlung im Beckenbereich“ und „Chemotherapie und Fruchtbarkeit“ besprochen.
Bestrahlung im Beckenbereich
Gegen Ende der Bestrahlungsphase spüren manche Männer einen scharfen Schmerz beim Samenerguss.
Die Ursache kann eine Harnleiterentzündung sein. Sie heilt meist innerhalb weniger Wochen nach dem Behandlungsende aus. Trotzdem sollten die Symptome mit den behandelnden Ärzten besprochen werden, um
eine andere Ursache auszuschließen oder eventuell eine Behandlung zu ermöglichen.
Eine Bestrahlung des Beckens, wie sie bei bestimmten Fällen von Prostata-, Blasen- oder Darmkrebs durchgeführt wird, kann die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Je höher die Bestrahlungsdosis und je größer die
bestrahlte Körperregion ist, desto eher treten Erektionsprobleme auf. Sie entstehen, wenn die Gefäße, die
dem Penis Blut zuführen, und das umliegende Gewebe auf die Bestrahlung zunächst mit einer Art Entzündung und dann mit der Bildung einer Art Narben reagieren. Die Gefäße können sich dann nicht mehr genügend dehnen, um den Blutstrom so schnell in den Penis zu befördern, dass eine harte Erektion entsteht.
Bei starker Reduzierung des Blutstroms kann eine Gefäßoperation , erwogen werden, durch die blockierte
Gefäße wieder durchgängig gemacht oder umgangen werden.
Schätzungsweise ein Drittel der Männer, die bestrahlt wurden, stellt innerhalb von ein bis zwei Jahren nach
der Therapie eine Verschlechterung der Erektionsfähigkeit fest. Manche haben weiterhin harte Erektionen,
können sie aber nicht bis zum Orgasmus halten. Andere erreichen keine harte Gliedversteifung mehr. Männer, die unter Bluthochdruck leiden oder starke Raucher sind, scheinen ein höheres Risiko für Erektionsprobleme zu haben, da ihre Blutgefäße möglicherweise schon vor der Krebsdiagnose geschädigt waren.
Die Hoden werden mit Bleikapseln vor direkter Strahleneinwirkung geschützt, können aber durch Streustrahlung trotzdem geschädigt werden. Es kann zu einer, meist vorübergehenden, Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit durch Schädigung von Samenzellen kommen. Da ständig neue Samenzellen gebildet werden, ist die
volle Fruchtbarkeit meistens nach wenigen Monaten wieder vorhanden. Während der Strahlentherapie sollte
eine Zeugung vermieden werden: Das Risiko von Missbildungen der Kinder scheint zwar sehr gering zu sein,
kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Bei Kinderwunsch gibt der Strahlentherapeut über den notwendigen zeitlichen Sicherheitsabstand zur letzten Bestrahlung Auskunft. Meist wird von sechs Wochen als
Mindestwartezeit ausgegangen.
Selten führt die Schädigung der Hoden durch Streustrahlung zum Absinken des Testosteronspiegels. Diese
Streustrahlung wird heute durch moderne Bestrahlungsplanung zwar immer geringer, lässt sich jedoch je
nach individueller Situation nicht völlig aussschliessen. Die hormonbildende Funktion der Hoden kann sich erholen. Auch starke psychische Anspannung, wie sie während der Krebstherapie fast normal ist, kann Auswirkungen auf den Hormonspiegel haben, wie jede andere Form von Stress auch. Mit zunehmender Erholung
normalisieren sich auch die Hormone.
Wenn durch die Therapie Unfruchtbarkeit zu erwarten ist
Besteht Kinderwunsch und wird die Therapie möglicherweise oder sicher zu Unfruchtbarkeit führen, kann
vorher Samen tiefgefroren (Kryokonservierung) werden. Falls es zum dauerhaften Verlust der Fruchtbarkeit
kommen sollte, kann der Samen zur künstlichen Befruchtung genutzt werden. Vor einer Samenspende sollte der Mann zwei bis vier Tage auf einen Erguss verzichtet haben, und für ein Depot werden zwei bis fünf
Samenspenden benötigt. Die Aufbewahrung erfolgt in speziell hierfür eingerichteten Praxen, Instituten oder
Klinikabteilungen. Adressen nennen die behandelnden Ärzte oder die unter Adressen und Anlaufstellen am
Ende des Textes aufgeführten Stellen. Die Kosten für die Aufbewahrung übernehmen die Krankenversicherungen nach derzeitigem Stand nicht, eine Anfrage bei der zuständigen Kasse lohnt sich aber auf jeden Fall.
Eine ausführliche Darstellung des Themas Krebs und Kinderwunsch lesen Sie hier.
Krebs im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich
Zur Behandlung von Krebs im Mund-Kiefer- und Gesichtsbereich müssen oft neben weichem Gewebe auch
erkrankte Anteile des Schädelknochens entfernt werden. Heute gibt es viele Möglichkeiten, diese Verluste
zu ersetzen oder zu überdecken. Knochenteile, z. B. des Kiefers, können durch Verpflanzung eigener oder
künstlicher Knochen ersetzt werden. Verluste von Weichgewebe können durch Verschieben oder Verpflanzen
körpereigenen Gewebes ausgeglichen werden. Die moderne Nervenchirurgie ist in der Lage, die Funktion
durchtrennter Nerven durch Nervenverpflanzung wiederherzustellen. Das ist für die Gesichtsnerven wichtig,
die für die Mimik verantwortlich sind, wie auch für die Gefühlsnerven der Zunge und der Lippen.
Größere Gesichtspartien können durch Prothesen (Fachausdruck: Epithesen) ersetzt werden. Nase, Ohr,
Lippe und Wange können zwar durch körpereigenes Gewebe nachgebildet werden, manchmal ist es aber
vorteilhafter, eine dem verlorenen Gesichtsteil täuschend ähnliche Prothese zu verwenden. Bei Gesichtsprothesen werden auch Hautfalten und -poren eingearbeitet, und die Farbgebung wird der Haut des Patienten
genau angeglichen. Meist ist das künstliche Teil so unauffällig, dass es als solches gar nicht zu erkennen ist.
Trotz moderner Wiederherstellungstechniken werden Narben oder Hautveränderungen manchmal als entstellend empfunden. Zu ihrer Abdeckung gibt es eine bestimmte Schminktechnik, die „Camouflage“. Mit speziell entwickelten hautfarbenen Pasten können diese Stellen abgedeckt werden. Diese Deckschminke hält
bis zu 48 Stunden und ist wasserfest. In dieser Technik schulen besonders ausgebildete Kosmetikerinnen.
Adressen nennen Hautärzte und Ärzte für plastische Chirurgie bzw. Wiederherstellungschirurgie.
Durch eine Operation an Kiefer, Gaumen oder Zunge kann die Stimme verändert sein. Hier helfen, eventuell
schon während des Aufenthaltes in einer Nachsorgeklinik, Logopäden weiter.
Kehlkopfkrebs
Bei Kehlkopfkrebs kann es nötig sein, den ganzen Kehlkopf zu entfernen. Das bedeutet auch den Verlust der
natürlichen Stimme. Durch das Erlernen einer Ersatzstimme wird Verständigung aber wieder möglich, dazu
gibt es verschiedene Techniken der Lautbildung. Nach der Kehlkopfentfernung atmen Sie durch eine Öffnung
im Hals, die ein direkter Zugang zur Luftröhre ist. Weil der Atem dann nicht mehr durch die Nase strömt,
können Sie nicht mehr riechen, niesen und schnäuzen, auch das Husten ist erschwert. Der Geschmackssinn
bleibt meist gut erhalten. Beim Küssen kann es Ihre Partnerin zunächst stören, dass sie Ihren Atem an der
„falschen Stelle“ spürt. Aber mit der Zeit wird sie sich daran gewöhnen. Gerüche aus der Luftröhre können
Sie vermeiden, indem Sie beim Essen auf Knoblauch oder scharfe Gewürze verzichten.
Die neue Stimme ist monotoner als die natürliche. Es wird Ihnen deshalb kaum möglich sein, die vielen
Nuancen zärtlicher Gefühle damit angemessen auszudrücken. Vielleicht vereinbaren Sie vor dem intimen
Zusammensein, nicht zu sprechen.
Auswirkungen auf das körperliche Befinden
In bestimmten Fällen wird eine Chemotherapie durchgeführt, also eine Therapie mit zellwachstumshemmenden Substanzen aus der Medikamentengruppe der Zytostatika. Diese Medikamente greifen nicht nur
die Krebszellen an, sondern auch alle gesunden Körperzellen, die sich gerade teilen. Die möglichen Nebenwirkungen sind von Art und Dosis der Medikamente abhängig. Sie lassen sich heute aber durch vorbeugende Maßnahmen weitgehend vermeiden oder wirkungsvoll lindern. Die Begleiterscheinungen sind bei den
Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie betreffen vor allem das Knochenmark, wo rote und weiße
Blutzellen entstehen, und die Schleimhäute im Verdauungstrakt. Diese Zellen teilen sich besonders häufig,
wie eben auch die Krebszellen. Vorübergehend fördern die Medikamente Schwäche, Übelkeit und Brechreiz,
bei manchen Menschen kann Haarausfall bis zum völligen Haarverlust eintreten. Die Haare wachsen nach
einiger Zeit wieder nach. Meist werden die Medikamente in eine Vene verabreicht und wirken dann im ganzen Körper. In einigen Fällen ist die örtlich begrenzte Verabreichung üblich, wie z. B. das kurzzeitige Füllen der
Blase mit einem Zytostatikum zur Vorbeugung von Blasenkrebsrückfällen. Dies kann zu einer Entzündung der
Blase und der Harnröhre führen, die Schmerzen beim Sex verursachen kann.
Da Abbauprodukte bzw. nicht vom Stoffwechsel verarbeitete Reste einiger Zellgifte in die Samenflüssigkeit
übergehen können, sollten Patienten während einer Chemotherapie ein Kondom benutzen, um ihre Partnerin vor Schleimhautreizungen zu schützen. Seitenanfang
Chemotherapie, sexuelle Lust und Erektion Obwohl viele Nebenwirkungen durch bestimmte Pflegetipps
verhindert und gelindert werden können, ist durch die Belastung während der Chemotherapie und danach
die sexuelle Lust oft gedämpft. Wenn die Patienten sich nach etwa ein bis zwei Wochen insgesamt wieder
besser fühlen, kehrt meistens auch die Lust zurück.
Die Chemotherapie führt nur selten zu einer deutlichen Abnahme der Testosteronproduktion. Einige Medikamente, die gegen das Erbrechen bei der Chemotherapie wirken, können den Hormonhaushalt vorübergehend
stören. Nur wenige Chemotherapeutika können Nerven schädigen und damit die Erektion beeinträchtigen.
Bei der Chemotherapie kann das Gefühl aufkommen, an körperlicher Attraktivität verloren zu haben: Gewichtsabnahme, manchmal Haarausfall, bisweilen Katheter, die vielleicht über Wochen oder Monate getragen werden müssen, setzen das Selbstbild oft herab.
Chemotherapie und Fruchtbarkeit
Chemotherapie kann vor allem dann zur Verminderung oder zum Verlust der Fruchtbarkeit führen, wenn
mehrere Zytostatika kombiniert werden und eines davon zur Medikamentengruppe der Alkylantien gehört.
Es werden dann weniger oder keine Samenzellen gebildet. Ob die Fruchtbarkeit nach Abschluss der Chemotherapie wieder zurückkehrt, hängt von Art und Dosis der Medikamente ab. Die Erholung der Spermien kann
einen Zeitraum von zwei Jahren beanspruchen. Da die Gefahr einer Schädigung der Samenzellen nicht ganz
auszuschließen ist, wodurch Missbildungen bei einer Schwangerschaft entstehen könnten, sollten während
der Chemotherapie und bis zu einem mit dem Arzt vereinbarten Termin empfängnisverhütende Maßnahmen
genutzt werden. Es gibt jedoch keinen Grund, einen Kinderwunsch nicht zu verwirklichen. Viele Krebspatienten haben gesunde Kinder bekommen, Missbildungen treten in dieser Gruppe nicht vermehrt auf.
Kinderwunsch und Empfängnisverhütung
Ein Kinderwunsch sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. In der Regel wird geraten, nach
Chemo- oder Strahlentherapie eine bestimmte Zeit lang eine Vaterschaft zu vermeiden. Bedarf, Art und Dauer der Empfängnisverhütung müssen dabei zur Sprache kommen, da nicht alle Methoden gleichermaßen zu
empfehlen sind. Der Mann kann Kondome benutzen. Für die Partnerin kommen die empfängnisverhütende
Hormonpille oder ein kupferhaltiges Intrauterinpessar (Spirale) in Frage, außerdem mechanische (Diaphragma) und chemische Verhütungsmittel (z. B. Schaumzäpfchen) und natürliche Methoden (z. B. die Kalendermethode oder Hormonmessgeräte für zu Hause). Zuverlässigkeit und Aufwand sind bei diesen Methoden
allerdings recht unterschiedlich. Werden keine Kinder mehr gewünscht, kann die eigene Sterilisation oder die
der Partnerin erwogen werden. Welche Methode jeweils die geeignete ist, sollte der Mann ausführlich mit
Arzt und Partnerin besprechen.
Wann eine Hormontherapie angewendet wird
Eine Hormontherapie, genauer gesagt, eine auf die Geschlechtshormone einwirkende Therapie, wird bei
Tumoren, deren Wachstum durch diese Hormone gefördert wird, durchgeführt. Bei Männern ist das der
vom Testosteron abhängige Prostatakrebs. Testosteron wird vor allem in den Hoden produziert, nur etwa ein
Zehntel stammt aus den Nebennieren. Ziel der Therapie ist, den hormonabhängigen Tumorzellen Testosteron
zu entziehen und so ihr Wachstum zu stoppen.
Formen der Hormontherapie und Auswirkungen auf die Sexualität
Eine Hormontherapie ist in verschiedenen Formen möglich: Die operative Entfernung beider Hoden (bilaterale Orchiektomie) lässt den Testosterongehalt im Blut rapide absinken. Die Gabe von Medikamenten aus der
Gruppe der LH-RH Analoga bewirkt, dass in den Hoden keine männlichen Hormone mehr gebildet werden.
Die Gabe von weiblichen Hormonen, Östrogenen, kann den Testosterongehalt im Blut gleichfalls auf ein
Minimum reduzieren. Wegen der dabei möglichen Nebenwirkungen, insbesondere für das Herz-KreislaufSystem, wird diese Therapieform nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Antihormone, genauer gesagt Antiandrogene, haben einen anderen Wirkmechanismus. Sie verdrängen Testosteron von den Stellen, an denen es
normalerweise seine Wirkung entfaltet.
Die Hormontherapie führt meistens zur Verminderung der sexuellen Lust. Viele Männer haben dann Erektionsprobleme, das heißt, Erektionen sind seltener, kommen langsamer zustande und/oder sind weniger
stabil (erektile Dysfunktion), und es kann schwierig sein, zum Orgasmus zu gelangen.
Die Fruchtbarkeit nimmt während der Behandlung oft ab. Es können Hitzewallungen und Schweißausbrüche
auftreten. Die genannten Nebenwirkungen verschwinden zwar nach Abschluss der medikamentösen Therapie. Allerdings muss die Behandlung beim Prostatakarzinom häufig über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Körperliche männliche Merkmale können sich etwas zurückbilden. Bei einer Therapie mit
Östrogenen kommt es häufig und bei einer mit einem Antiandrogen des öfteren zu einer schmerzhaften
Anschwellung der Brustdrüsen (Gynäkomastie). Dies kann verhindert werden, wenn die Brustdrüsen vor der
Therapie bestrahlt werden.
Hat die Hormontherapie Auswirkungen auf die Psyche?
Während der Hormontherapie erleben Männer sich vielleicht so, als sei ihnen ein Teil der Männlichkeit genommen. Es kann sogar die Angst auftreten, im Wesen zu verweiblichen. Der Verlust männlicher Hormone
in späteren Lebensjahren hat darauf jedoch keinen Einfluss.
Wie das Gefühl des Mann- oder Frau-Seins entsteht, ist noch nicht genau bekannt. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass es durch das Zusammenspiel von Körper und Umwelt entsteht. Dabei
wirken zwar auch die Hormone mit. Einig ist man sich aber darin, dass sich das Gefühl des Junge- oder
Mädchen-Seins in der frühen Kindheit, spätestens bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr, entwickelt und
danach sehr stabil bleibt.
Manche Männer befürchten, durch eine Hormontherapie homosexuell zu werden. Homosexualität ist aber
keine Angelegenheit der Hormone, sondern eine psychische Ausrichtung auf das gleiche Geschlecht, die
durch eine Krebstherapie nicht beeinflusst wird. Wer vor der Therapie homosexuell war, wird es auch bleiben.
Genauso ist es mit der Heterosexualität. Wer sich von Frauen sexuell angezogen fühlt, wird nach der Therapie
genauso fühlen.
Vorstellungen über Männlichkeit und Sexualität
So wie es in den einzelnen Kulturen sehr verschiedene Vorstellungen von dem gibt, was männlich oder
weiblich ist, unterscheiden sich auch die Vorstellungen darüber, wie Sexualität ablaufen sollte, wer z. B. den
aktiveren Part übernehmen sollte. Männer lernen beispielsweise, dass sie nach ihren Leistungen beurteilt
werden. Diese Leistungsorientierung mag möglicherweise die Chance bieten, im Beruf eine gute Position zu
erlangen – das Problem ist nur, dass sich dieses Denken auch auf andere Lebensbereiche übertragen kann.
Dann verstärkt sich womöglich die (irrige) Vorstellung, beim Sex käme es ebenfalls darauf an, eine Leistung
zu erbringen, um ein Ziel zu erreichen.
Da es ebenfalls zur Vorstellung von Männlichkeit zu gehören scheint, immer eine aktive und führende Rolle
innehaben zu müssen, wird Sex oft so erlebt, als liege die Verantwortung für das Gelingen allein beim Mann.
Und da ein „richtiger Mann“ weiß, wie es gemacht wird, traut er sich nicht, die Partnerin zu fragen. Es ist
aber kein Eingeständnis der Schwäche, mit der Partnerin darüber zu reden.
Viele Männer glauben überdies auch, sie selbst müssten immer ohne weiteres Zutun der Partnerin „funktionieren“. Eine Stimulation durch die Partnerin ist ein eher befremdlicher Gedanke, kann aber andererseits
oft sehr hilfreich sein, wenn es z. B. therapiebedingt schwerer fällt, eine Erektion zu bekommen. Mehr
Passivität ermöglicht eine stärkere Konzentration auf die eigenen Gefühle und damit auch ein intensiveres
Empfinden.
Dass eine Frau manchmal keine Lust auf Sex hat und nein sagt, wird heute von den meisten Männern als
selbstverständlich akzeptiert. Männern dagegen haftet das Bild an, sie müssten immer in der Lage sein,
sexuell zu reagieren, ohne Rücksicht auf die eigenen Gefühle. Realität dagegen ist, dass die Bereitschaft zur
Sexualität von unzähligen Faktoren positiv oder negativ beeinflusst wird.
Gerade wenn die Belastung sehr groß ist, wie bei einer Krebserkrankung, kann das Bedürfnis nach körperlicher Nähe sehr ausgeprägt sein, ohne dass dabei der Wunsch nach Sex entsteht.
Dies ist vollkommen normal!
Wer Mann-Sein bislang nur über Leistungsorientierung definiert hat, könnte darüber nachdenken, ob diese
Betrachtungsweise nicht sehr einseitig und hemmend ist. Wenn Sie etwas ändern möchten, seien Sie geduldig und nachsichtig mit sich selbst und mit Ihrer Partnerin.
Angst vor dem „ersten Mal‘‘ nach der Behandlung
Wenn Sie nach der Behandlung wieder Geschlechtsverkehr haben möchten, befürchten Sie vielleicht, dass
es nicht mehr so gelingen wird wie vorher. Vielleicht haben Sie auch Angst vor Schmerzen beim Sex oder
davor, nie mehr einen Orgasmus zu erreichen. Wenn Sie durch die Therapie noch geschwächt sind oder bei
manchen Körperhaltungen Schmerzen empfinden, suchen Sie vielleicht nach neuen, jetzt angenehmeren
Liebespositionen als die bisher von Ihnen praktizierten. Es gibt keine „ideale“ Position für die neue Situation.
Seien Sie einfach bereit, Neues auszuprobieren! Oft setzt man sich beim „ersten Mal“ unter Druck oder hat
Angst, die Partnerin zu enttäuschen. Für manche Männer ist es deshalb hilfreich, zunächst einmal alleine herauszufinden, wie es um die sexuelle Empfindungsfähigkeit steht. Dadurch ist es oft leichter, mit der Partnerin
wieder zu einem befriedigenden sexuellen Erlebnis zu kommen. Seitenanfang
Vorübergehende oder langfristige Störungen? Viele sexuelle Probleme nach einer Krebstherapie sind vorübergehender Natur. Manche Krebsbehandlungen führen jedoch zu bleibenden Veränderungen der körperlichen sexuellen Funktionsfähigkeit. Bei einem Eingriff ist kaum vorhersehbar, in welchem Ausmaß der Mann
betroffen sein wird. Ist die Ursache einer länger andauernden Störung herausgefunden, können technische
Hilfsmittel eingesetzt werden, aber selbst wenn es keine für Sie geeigneten geben sollte oder aber Sie keine nutzen möchten, gibt es Wege des veränderten Umgangs miteinander, um wieder Freude und Lust zu
empfinden.
Körperliche oder seelische Ursachen?
Hinweise darauf, ob ein Problem eher auf körperliche Veränderungen oder auf psychische Belastung zurückzuführen ist, ergeben sich aus der Kenntnis der Umstände des Auftretens. Wenn es z. B. nicht mehr so leicht
fällt, eine Erektion zu bekommen oder die Gliedsteife nicht ausreichend anhält, ist zu fragen, ob das Problem
situationsabhängig ist. Tritt es nur mit der Partnerin auf oder auch, wenn Sie alleine Ihren Penis stimulieren?
Ist die Erektion in einer entspannten Situation besser? Tritt das Problem in allen Situationen gleichermaßen
auf, wird dies als deutlicher Hinweis auf eine körperliche Hauptursache gesehen. Ist keine organische Ursache feststellbar, ist zu vermuten, dass die Störung überwiegend seelisch bedingt ist. Es könnten z. B.
Versagensängste dahinter stecken – unter angespannten Bedingungen ist der sexuelle Reaktionsablauf sehr
störanfällig.
Diagnostik bei langandauernden Problemen
Wenn Sie einige Monate nach Beendigung der eigentlichen Krebstherapie noch Probleme haben, die sich
nicht allmählich bessern, sollten Sie Hilfe suchen. Als Ansprechpartner kommt z. B. Ihr behandelnder Arzt
in Frage, denn er kennt Ihre Krankengeschichte. Wichtig für die Wahl ist aber auch, dass Sie den Eindruck
haben, Offenheit und Verständnis zu finden. Idealerweise wird sich der Arzt viel Zeit für das Gespräch nehmen. Es werden dabei auch sehr intime Dinge angesprochen, z. B. wie der Sex vor der Krebstherapie war
und wie die Partnerschaft derzeit ist, sonst entsteht nur ein wenig aussagekräftiges Bild der Situation. Auch
muss berücksichtigt werden, ob noch andere Erkrankungen wie Diabetes bzw. Blutzuckerkrankheit oder
Bluthochdruck, die sich auch negativ auf die Sexualität auswirken können, vorhanden sind. Manchmal ist
die offene Aussprache bereits eine wirkungsvolle Therapie. Gemeinsam können weitere Schritte überdacht
werden, vor allem, ob weitergehende Untersuchungen und/oder helfende Gespräche bei einer der Stellen,
die sich der Diagnostik und Behandlung sexueller Störungen widmen, sinnvoll sind. Zur Abklärung sexueller
Probleme gibt es eine Reihe körperlicher Untersuchungsmethoden. Diese Tests führt der behandelnde Arzt
durch, oder er überweist zu einem Facharzt für Urologie oder Innere Medizin, der sich auf diese Untersuchungen spezialisiert hat. Im Blut kann beispielsweise der Testosterongehalt bestimmt werden. Auch andere
Blutwerte geben über den Stoffwechsel und die Körperfunktionen Aufschluss.
Früher war als Möglichkeit der Unterscheidung zwischen körperlichen und seelischen Ursachen für Probleme die Messung von Häufigkeit und Ausmaß der Erektionen im Schlaf sehr verbreitet. Ein gesunder Mann
hat im Schlaf durchschnittlich vier bis fünf Erektionen. Fehlen die Erektionen im Schlaf, so deutet das zwar
auf organische Veränderungen hin, jedoch kommt dies auch bei Schlafstörungen vor. Treten nächtliche und
morgendliche Erektionen ein, mit der Partnerin aber kommt es zu Problemen, sind die Ursachen meist seelischer Natur. Trotzdem können einige bestimmte Nervenschädigungen noch nicht ausgeschlossen werden.
Die genaue Durchführung der Untersuchung ist sehr aufwendig, und hat deshalb nur grob orientierenden
Charakter. Da es heute aussagekräftigere Untersuchungsmethoden gibt, wird sie nur noch in speziellen Fällen angewendet.
Verschiedene Tests können klären, ob die Ursachen der Erektionsprobleme mangelnde Blutversorgung oder
unzureichend blockierter Blutabtransport aus dem Penis sind.
Bei der Schwellkörpertestung (SKAT-Testung oder Pharmakotest) wird eine gefäßerweiternde Substanz, in
der Regel das Medikament Prostaglandin E1, mit einer dünnen Nadel in den Penisschwellkörper gespritzt.
Das tut weniger weh als eine Blutentnahme am Arm. Durch das Medikament kommt es mit dem Vergrößern
der Schwellkörperräume zu stärkerem Bluteinstrom und schließlich zur Gliedversteifung. Tritt sie nicht ein,
liegt der Verdacht sowohl auf eine drastische Einschränkung der Blutzufuhr als auch auf einen ungenügend
gebremsten Blutabfluss aus dem Penis nahe.
Durch moderne Ultraschallgeräte (Duplex- und farbkodierte Duplexultraschalluntersuchung) können sowohl
der Blutfluß beurteilt als auch der Zustand der Gefäße und der anderen Strukturen des Penis sichtbar gemacht werden. Nach einer gefäßerweiternden Injektion können Verengungen des Gefäßsystems und Veränderungen im Penisschwellkörper gut erkannt werden.
Ist eine mangelnde Drosselung des Blutabflusses aus den Penisschwellkörpern die wahrscheinliche Ursache, fließt das ins Glied gepumpte Blut zu schnell wieder ab, um eine Erektion aufrechtzuerhalten. Einige
Medikamente beeinflussen diese Fehlfunktion. Manchmal muss aber auch eine operative Behebung des
Problems erwogen werden. Dann ist eine genauere Messung der Blutabflussverhältnisse (Kavernosometrie)
und eine Röntgendarstellung der körperlichen Gegebenheiten (Kavernosographie) angebracht. Zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit können gegebenenfalls blutabführende Gefäße entfernt werden.
Auch der Zustand der Nerven sollte geprüft werden. Die Funktion des Nervus pudendus, der für die Aufrechterhaltung der Gliedsteife zuständig ist, kann durch Nutzung eines Reflexes getestet werden. Hierzu
wird der Penis elektrisch gereizt und dann gemessen, nach welcher Zeit sich die Beckenbodenmuskulatur
zusammenzieht (Bulbocavernosusreflex-Latenzzeitmessung).
Die Beurteilung der für die Einleitung der Erektion zuständigen Nerven (Nervi cavernosi oder Nervi erigentes)
steckt bislang noch in den Anfängen. Zwei Untersuchungsmethoden kommen hier zum Einsatz:
Zur Beurteilung der Nervenversorgung und/oder der Funktionstüchtigkeit der Penisschwellkörper wird, ähnlich dem EKG am Herzen, die elektrische Aktivität der Schwellkörpermuskeln gemessen (Corpus-Cavernosus-EMG). Durch An- oder Entspannung bestimmen die Muskeln über die Größe der Penisschwellkörperräume, die sich mit Blut füllen, sind also wesentlich für die Gliedversteifung verantwortlich. Ist die elektrische
Aktivität messbar verändert, haben die Muskeln selbst Schaden erlitten oder die für die Erektion zuständigen
Nerven sind beeinträchtigt.
Die zweite Methode (Penile sympathische Hautantwort) nutzt einen Reflex. Eine leichte Reizung am Arm löst
die Schweißbildung der Haut aus, gemessen an der Penishaut. Die Zeit zwischen Reizung und Schweißbildung ist ein wesentliches Beurteilungskriterium für die Funktionstüchtigkeit eines Teils der Nervi cavernosi.
Psyche und Erektion
Die Erektionsfähigkeit wird – auch bei gesunden Männern – durch Ängste beeinträchtigt. Selbstbeobachtung
und Versagensängste bewirken genau das Befürchtete: es entsteht wenig Lust und das Glied wird nicht oder
bleibt nicht steif. Anstatt die Erregung zuzulassen, kontrolliert man aufmerksam das Geschehen. Wenn die
Erektion einmal nicht richtig zustande kommt, kann die Angst entstehen, dass es beim nächsten Mal wieder
nur zu einer ungenügenden Gliedversteifung kommen wird. Die Annahme, dass sich die Erkrankung oder
Therapie zwangsläufig nachteilig auf die Sexualität auswirken, verstärkt dies. Selbst wenn körperlich einer
guten Erektion prinzipiell nichts im Wege steht, kann die Angst vor dem Versagen beim nächsten intimen
Zusammensein eine so große innere Anspannung bewirken, dass eine Erektion nicht eintreten kann.
Bleibt man dieser Denkweise verhaftet, wird die Angst von Mal zu Mal größer und die Wahrscheinlichkeit,
eine Erektion zu bekommen, immer kleiner. Es ist wichtig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Die offene
Aussprache mit der Partnerin, das Schaffen einer angenehmen Atmosphäre beim Liebesspiel, ein Überdenken, ob die bislang geübten Sexpraktiken so verändert werden können, dass der Mann stärker stimuliert wird
– oft hilft das bereits, um wieder zu einem erfüllten Sexualleben zu gelangen. Wenn so keine zufriedenstellende Lösung gefunden wird, kann bei überwiegend seelisch bedingten Erektionsproblemen oft schon ein
einziges Gespräch mit einem sexualmedizinisch kundigem Berater einen Umschwung bewirken. Wenn die
Probleme komplizierter sind, gibt es viele verschiedene psychologische Therapieverfahren. Sie konzentrieren
sich entweder mehr auf die sexuellen Probleme (Sexualtherapie) oder haben die gesamte Persönlichkeit im
Blickfeld (Psychotherapie).
Therapie bei körperlich bedingten Erektionsschwierigkeiten
Die diagnostischen Methoden ermöglichen es, die Ursachen von Erektionsstörungen genauer zu benennen
und damit angemessene Therapieformen einzusetzen.
Testosteronbehandlung
Wenn nach einer Krebsbehandlung Erektionsprobleme oder ein Nachlassen der sexuellen Lust auftreten
und der Bluttest einen sehr niedrigen Testosterongehalt ergeben hat, kann eine Testosterongabe hilfreich
sein. Die üblichen Darreichungswege sind die Spritze in die Muskulatur oder ein Pflaster. Letzteres gibt das
Hormon in zeitlich ähnlicher Weise an den Körper ab wie die natürlichen Produktionsstätten des Körpers. Bei
Prostatakrebs darf Testosteron nicht gegeben werden, da es das Tumorwachstum fördern kann.
Sildenafil (Viagra®) und Tadalafil (Cialis®)
Zur Einleitung einer Erektion auf natürliche Weise werden über Nerven Anweisungen an den Penis gegeben.
Dadurch wird in den Penisschwellkörpern verstärkt ein Stoff, das zyklische Gynosylmonophosphat (cGMP),
gebildet, der für die Erweiterung der Schwellkörperräume und der Blutgefäße verantwortlich ist. Durch vermehrten Bluteinstrom in den Penis entsteht die Gliedsteife, die auch durch cGMP aufrecht erhalten wird.
Damit das Glied wieder erschlaffen kann, gibt es im Körper Stoffe, die cGMP abbauen. Ist cGMP in geringer
Menge in den Schwellkörpern vorhanden, kommt es nur zu einer schwachen Versteifung. Hier setzen der
Wirkstoff Sildenafil, Handelsname Viagra, und der neuere Wirkstoff Tadalafil, Handelsname Cialis, an: Sie
machen die abbauenden Stoffe unwirksam. Als Folge sammelt sich cGMP in den Penisschwellkörpern an,
die Erektion gelingt wieder besser. Die Medikamente können bei Erektionsproblemen mit unterschiedlichen
körperlichen Ursachen helfen, wie verminderter Blutzufuhr oder beeinträchtigter Nervenversorgung. Sildenafil ist zum Beispiel bei Patienten nach Prostatabestrahlung getestet worden, für Tadalafil gibt es noch keine
Untersuchungen, die ausdrücklich an Krebspatienten durchgeführt wurden.
Da beide Medikamente die Wirkung der erektionseinleitenden Nerven nur verstärken kann, kann bei deren
gänzlicher Durchtrennung keine Wirkung erreicht werden. Auch wenn die psychisch-emotionale Erregung
fehlt, ist kaum eine Wirkung zu erwarten.
Als vorübergehende Nebenwirkungen können schwache Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Magen-Darm-Störungen, Anschwellen der Nasenschleimhaut („laufende Nase“) sowie Sehstörungen („Blausehen“) auftreten. Inwieweit eine über Jahre andauernde Einnahme Schäden verursachen kann, ist derzeit noch unklar, die
Hersteller raten von einer regelmäßigen Einnahme ab. Männer, die nitrathaltige Medikamente oder Stickoxidspender wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung einnehmen, dürfen die Präparate auf keinen Fall einnehmen. Vorsicht ist vor allem auch geboten, wenn bei erhöhter körperlicher Belastung ein Herzinfarkt droht,
bereits Herzanfälle, Schlaganfälle oder Herzinfarkte aufgetreten sind, Bluthochdruck oder niederer Blutdruck
und Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche bestehen.
Vakuumpumpen
Ein transparenter Kunststoffzylinder wird über den Penis gestülpt, dann wird dem Zylinder mit einer handbetriebenen oder elektrischen Saugpumpe Luft entzogen und ein Unterdruck erzeugt. Hierdurch werden
die Penisschwellkörperräume vergrößert, Blut strömt hinein, das Glied wird allmählich steif. Ist die maximal
mögliche Steife erreicht, wird die Blutfülle mit Hilfe eines Gummibandes um die Peniswurzel aufrechterhalten. Die Dauer des Blutstaus sollte 30 Minuten nicht überschreiten. Die Therapie kann sowohl bei geschädigten Nerven als auch bei vermindertem Blutzustrom wirken. Bisweilen auftretende Schmerzen im Penis
sowie Spannungsschmerzen durch den Gummiring sind meist durch veränderte Handhabung zu vermeiden.
Kleinere Hauteinblutungen bilden sich von selbst zurück. Bei der Mehrzahl der Anwender kommt es zu einem
tröpfelnden oder fehlenden Samenerguss. Die Nebenwirkungen bei dieser Methode sind insgesamt gering.
Es sind vor allem psychologische Bedenken, die Scheu vor einer Anwendung erzeugen. Mit etwas Phantasie
kann jedoch der etwas technisch anmutende Vorgang wie selbstverständlich in das Liebesspiel eingebaut
werden.
SKAT-Therapie (Selbstinjektionstherapie)
Hierfür lernt der Patient, sich selbst ein gefäßerweiterndes Mittel, meist Prostaglandin E1, mit einer sehr dünnen Nadel in den Penis zu spritzen. Wegen der dünnen Nadel schmerzt der Einstich kaum. Die Dosis muss
speziell auf den Patienten abgestimmt werden, was einige Versuche erfordern kann. Durch die Vergrößerung
der Schwellkörperräume und den vermehrten Bluteinstrom entsteht nach etwa 10-20 Minuten, bei schlechter Durchblutung später, eine Gliedsteife, die je nach Dosis und individueller Verträglichkeit 20-60 Minuten
anhält. Die Therapie kann sowohl bei geschädigten Nerven als auch bei vermindertem Blutzustrom wirken.
Bei ca. 70-90% der Männer spricht sie an. Nachteile der Therapie sind des öfteren auftretende Schmerzen im
Penis, bei unzureichender Desinfektion die Gefahr von Infektionen und sehr selten eine über mehr als zwei
Stunden anhaltende Gliedsteife (Fachausdruck Priapismus), die durch Gegenmaßnahmen schnellstmöglich
behandelt werden muss. Lassen Sie sich vom Arzt genau erklären, was in einem solchen Notfall zu tun ist.
Über unerwünschte Effekte bei langfristiger Anwendung ist noch wenig bekannt. Bei wenigen Männern
kommt es bei mehrjähriger Anwendung zu Gewebsveränderungen im Penis. Wenn regelmäßig der Arzt zur
Kontrolle aufgesucht wird, kann dies im Anfangsstadium erkannt werden. Als Vorbeugung wird von Ärzten
empfohlen, die SKAT-Technik nicht häufiger als zweimal pro Woche anzuwenden.
Penisimplantate
Die künstlichen Erektionshilfen werden in die Penisschwellkörper operativ eingesetzt, deshalb heißen sie Implantate. Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Penisimplantaten: biegsame Stäbe und auffüllbare Zylinder (hydraulische Systeme). Die biegsamen Stäbe sind durch eine relativ einfache Operationstechnik
zu platzieren. Der Penis bleibt permanent bis zu 80% angeschwollen. Er kann nach unten abgebogen werden, so dass er in einem Winkel von ca. 45 Grad vom Körper absteht. Der Penis befindet sich also in einem
bei Sport oder Sauna mehr oder weniger erkennbar versteiften Zustand. Oft hilft speziell für Sportler angefertigte, vorne versteifte Unterwäsche.
Von den hydraulischen Systemen werden häufig die dreiteiligen verwendet. Zum gewünschten Zeitpunkt
wird Flüssigkeit mit einer Pumpe in die Zylinder gepumpt, so dass sich eine Gliedsteife entwickelt. Die Pumpe befindet sich im Hodensack, das Flüssigkeitsreservoir unter der Bauchdecke. Die Erektion kann durch
Druck auf ein Ventil an der Pumpe wieder rückgängig gemacht werden. Bei hydraulischen Systemen ist die
Operation technisch aufwendiger, Komplikationen sind etwas häufiger als bei biegsamen Stäben. Das hydraulische Implantat ist äußerlich nicht erkennbar. Frühestens sechs Wochen nach dem Einfügen des Implantats kann man den Geschlechtsverkehr wieder aufnehmen. Mitunter muss ein Implantat ausgetauscht oder
entfernt werden, z. B. wegen einer Infektion oder Unverträglichkeit des Materials.
Durch die Implantate werden die Schwellkörper unumkehrbar und nahezu vollständig zerstört. Diese Methoden werden erst dann erwogen, wenn alle anderen Verfahren versagt haben oder nicht gewünscht sind.
Vor der Entscheidung sollte auf jeden Fall eine intensive sexualmedizinische Beratung (z.B. beim Urologen)
stattfinden.
Was tun bei vorrangig seelisch bedingten Erektionsschwierigkeiten?
Die seelische Verarbeitung der Erkrankung ist ein langfristiger Prozess mit verschiedenen Phasen des Befindens. Dabei spielen die Art des Umgangs mit sich und der Umwelt, die Erkrankungssituation, die Therapie
und deren Begleiterscheinungen ebenso eine Rolle wie die Beziehung zu anderen Menschen, also z. B. zur
Familie oder zu Freunden. Es können Phasen, in denen Rückzug, Kontaktvermeidung und Passivität im Vordergrund stehen, gleichermaßen auftreten wie solche, in denen ein starkes Bedürfnis nach Aktivität, Zuwendung und Sexualität besteht. Gerade für Männer ist es oft schwer zu akzeptieren, dass ihr Bedürfnis nach
Sexualität von vielen Einflüssen abhängt. Sie wollen jederzeit gut „funktionieren“ und setzen sich dadurch
selbst unter Druck. Auch wenn es Überwindung kostet, ist es wichtig, mit der Partnerin darüber zu reden,
wie es einem gerade geht, auch um Missverständnisse und ungewollte Kränkungen zu vermeiden.
Wenn Lustlosigkeit in schwierigen Phasen der Krankheitsbewältigung auftritt, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Lassen Sie sich Zeit, Ihre Erkrankung zu verarbeiten, und setzen Sie sich nicht unter Druck, wenn
es mit der Sexualität deshalb nicht klappt. Falls Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit über längere
Zeit andauern, ist es sinnvoll, kompetente Hilfe für die Seele in Anspruch zu nehmen. Auch wenn das Leben
wieder seinen normalen Verlauf nimmt, kann die Lust fehlen. Mit den oben beschriebenen Untersuchungen
können die Ursachen näher bestimmt und, sofern körperliche Veränderungen mit eine Rolle spielen, geeignete Hilfsmöglichkeiten ausgesucht werden. Das offene Gespräch mit dem Arzt oder einem Sexualberater
kann oft schon „Wunder wirken“. Manchmal fehlen nur wichtige Informationen, z. B. welche sexuell anregenden Praktiken sich in der Situation besonders gut eignen, oder dass bestimmte Praktiken weder medizinisch
schädlich noch moralisch verwerflich sind.
Was kann man aber tun, wenn Gespräche nicht ausreichen, um den seelischen Schaden zu lindern? Hier
kann grundsätzlich eine Sexual- oder Psychotherapie erwogen werden. Die unter Adressen und Anlaufstellen am Ende des Textes genannten Institutionen bieten teilweise selbst verschiedene Formen von Therapien
an oder können bei der Suche nach Therapeuten behilflich sein.
Bei der Sexualtherapie liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung der sexuellen Problematik. Vom Sexualtherapeuten werden konkrete Anleitungen gegeben, damit allein oder mit der Partnerin zu Hause gezielt
Sexualübungen praktiziert werden können. In den Sitzungen mit dem Therapeuten werden die gewonnenen
Erfahrungen und Empfindungen besprochen. Die Lebensgeschichte, aktuelle Lebenssituation sowie Partnerschaft werden nur soweit berücksichtigt, wie es zur Bewältigung des sexuellen Problems notwendig
erscheint.
Bei einer Psychotherapie wird dagegen vor allem das Seelenleben mit seinen Konflikten und Ängsten, die
sich auch auf die Sexualität auswirken können, berücksichtigt. Für den Laien ist es heute nahezu unmöglich,
sich bei der Vielzahl der angebotenen Richtungen in der Psychotherapie zurechtzufinden. Unabhängig von
der Art des Verfahrens wird eine von Einfühlung, Respekt, Akzeptanz und Wärme geprägte therapeutische
Beziehung als wichtig für den Therapieerfolg angesehen.
Vorzeitiger Samenerguss
Vorzeitiger Samenerguss kann nach einer Krebsbehandlung vorkommen, ist aber auch bei nicht krebskranken
Männern ein häufigeres Problem. Bei einem kurz dauernden Geschlechtsverkehr, der von beiden Partnern so
gewünscht wird, spricht man natürlich nicht von einem vorzeitigen Samenerguss. Eindeutig ist die Situation,
wenn der Erguss häufig vor dem Einführen in die Scheide erfolgt. Oft klagen Männer aber darüber, dass es
regelmäßig kurz nach dem Einführen des Gliedes in die Scheide zum Erguss kommt. Wesentliches Merkmal
eines vorzeitigen Samenergusses ist aber nicht die Zeitdauer bis zum Orgasmus, sondern dass der Mann
den Zeitpunkt der Ejakulation kaum oder nicht steuern kann.
Männer mit Erektionsproblemen nach der Krebstherapie verlieren oft die Fähigkeit, den Zeitpunkt des Orgasmus zu steuern. Man kann das Problem häufig lösen, indem man lernt, die Erregung willkürlich herabzusetzen.
Wasser nicht halten können (Harninkontinenz)
Viele Männern können nach einer Prostataoperation das Wasser nicht mehr halten, ungewollt geht Urin
ab. Man nennt das Inkontinenz. Zwei Muskeln sind für den Blasenverschluss zuständig: der innere und der
äußere Schließmuskel. Häufig kommt es durch die Operation zu einer vorübergehenden Schwächung der
Verschlussmuskulatur der Blase. Wurde bei der Operation der innere Muskel entfernt, muss sich der äußere
erst an die stärkere Belastung gewöhnen. Dies dauert im Schnitt sechs bis zwölf Wochen, kann aber auch
trotz Trainings des geschwächten Muskels bis zu einem Jahr dauern. Wenn nur unter körperlicher Belastung
wie Husten und Tragen von schweren Lasten Harn austritt, wird dies als Belastungs- oder Stressinkontinenz
mit leichter Ausprägung (Schweregrad I) bezeichnet.
Sehr selten, z. B. bei einem sehr großen Tumor, wird bei der Operation auch der äußere Schließmuskel dauerhaft geschädigt oder entfernt. Ist kein Blasenverschluss mehr vorhanden, liegt totale Inkontinenz vor, es
geht ständig Urin ab.
Für die verschieden stark ausgeprägten Urinverluste gibt es unterschiedliche Vorlagen, die Flüssigkeit aufnehmen können, ohne äußerlich feucht zu werden. Häufig ist durch Beckenbodengymnastik auf relativ einfach
Weise Hilfe möglich. Es wird dabei der äußere Schließmuskel trainiert. Dadurch kann die Stressinkontinenz
gebessert oder sogar behoben werden. Bei der Elektrotherapie wird die Beckenbodenmuskulatur durch
Ströme aktiviert.
Falls diese Methoden keinen Erfolg haben oder wenn totale Inkontinenz vorliegt, kann operativ eine Manschette um die Harnröhre, also ein künstlicher Schließmuskel, eingesetzt werden. Bis zur Operation oder
wenn eine Operation nicht möglich ist, wird ein Kondom-Urinal getragen. Das ist ein Kondom mit Klebefläche
für den Halt am Penis und einem Schlauch, durch den der Harn in einen am Bein befestigten Beutel fließt.
Auf jeden Fall sollten Sie Inkontinenz nicht verschweigen, sondern mit dem Arzt besprechen. Informationen
und Hilfe für inkontinente Patienten bietet auch die Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. (GIH; www.gih.de)
an.
Schmerzen im Rücken, Kopf und Bauchraum
Schmerzen im Bauchraum nach einer Tumorentfernung können verschiedene Ursachen haben. Sie können
von noch nicht verheilten inneren Wunden, manchmal auch durch „Verklebungen“ im Bauchinnenraum als
Folge des Heilungsprozesses ausgelöst werden.
Oft treten Schmerzen infolge einer längerfristigen unnatürlichen Körperhaltung auf, die eigentlich dazu dienen soll, einen möglichen Schmerz zu vermeiden. Durch diese Schonhaltung kommt es zu Verspannungen im
ganzen Körper, die zu Kopfschmerzen, Unwohlsein und noch mehr Schmerzen führen können. Es ist wichtig,
regelmäßig Körperübungen zu machen, die der Verspannung und Fehlhaltung entgegenwirken (Gymnastik,
Krankengymnastik). Überhaupt ist mäßige sportliche Betätigung zu empfehlen – sie stärkt sowohl die körperliche Fitness als auch das seelische Gleichgewicht.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können im Genitalbereich wie auch an anderen Stellen des Körpers
auftreten. Es kann z. B. nach einer Öffnung des knöchernen Oberkörpers wegen eines Lungenkrebses zu
wiederkehrenden Schmerzen in diesem Bereich kommen. Nach einer Chemotherapie kommt es manchmal
zu Kribbeln in Händen und Füßen. Sie sind dem Schmerz aber nicht hilflos ausgeliefert. Wenn die vielfältigen
Behandlungsmöglichkeiten genutzt werden, kann bei allen Patienten der Schmerz gemindert oder sogar
Schmerzfreiheit erreicht werden. Sollten Sie trotz Schmerzbehandlung nicht dauerhaft schmerzfrei sein, sind
die folgenden Hinweise vielleicht hilfreich:
Planen Sie den Geschlechtsverkehr für die Zeit, wenn die Schmerzintensität am geringsten ist.
Erzählen Sie Ihrer Partnerin von Ihren „wunden Punkten“, damit Sie gemeinsam für Schonung dieser Stellen
sorgen können. Wenn Schmerzen auftauchen, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die schönen Gefühle. Oft
treten Schmerzen in den Hintergrund, wenn man sie nicht beachtet.
Schmerzen im Genitalbereich beim Geschlechtsverkehr können viele Gründe haben: Eine Reizung der Prostata oder des Harnleiters, zum Beispiel nach einer Strahlentherapie, kann zu einem schmerzhaften Samenerguss führen. Schmerzen im Penis während der Ejakulation sind seltener. Jede Art von Schmerz im Genitalbereich sollte sofort mit dem Arzt besprochen werden.
Umgang mit einem künstlichen Ausgang (Stoma)
Der Begriff Stoma bedeutet in der Medizin künstliche Körperöffnung. Nach einer Blasenentfernung ist eine
der Möglichkeiten, den Urin nach außen zu führen, die, ihn über eine Öffnung im Bauch auszuleiten. Diese
künstliche Öffnung für den Harn heißt Urostoma. Sickert dabei ständig etwas Flüssigkeit in den Urinbeutel, handelt es sich um ein nasses Stoma. Wenn der Urinbeutel beim nassen Stoma richtig sitzt, gibt es in
praktischer Hinsicht kein Hindernis beim Geschlechtsverkehr. Prüfen Sie vorher, ob der Beutel dicht ist und
entleeren Sie ihn. Dadurch wird sichergestellt, dass es zu keinem Leck kommen kann. Hilfreich können auch
Schutzbezüge aus Baumwolle, die das Stoma bedecken, oder das Tragen eines Unterhemds beim Intimverkehr sein. Eine entsprechende Vorbereitung schafft gute Voraussetzungen dafür, dass das Intimleben nicht
behindert wird. Es sind eher falsche Vorstellungen und emotionale Gründe wie Scham, wenn man meint, mit
einem Urostoma sei kein Geschlechtsverkehr mehr möglich.
Ähnlich gestaltet sich die Handhabung eines künstlichen Ausgangs für den Darm (Anus Praeter, Ileostoma,
Colostoma). Damit der Stomabeutel beim Intimverkehr nicht stört, kann man ihn kurzzeitig durch einen Minibeutel ersetzen oder eine Stomakappe anlegen. Mit einer Leibbinde oder einem Hemd kann der Minibeutel
am Körper gehalten werden. Wenn der Mann den Stuhl alle 24-48 Stunden durch Einspülen von Flüssigkeit
(Irrigation) entleert, kann er den Geschlechtsverkehr in eine Zeit legen, in der er üblicherweise stuhlfrei ist.
Zwischen zwei Stuhlentleerungen wird lediglich die Stomaöffnung verschlossen. Beim Geschlechtsverkehr
sollte nach Möglichkeit stärkerer Druck auf den Bauch vermieden werden, da sich dabei Gerüche und Geräusche entwickeln können.
Die Vorstellung von Sexualität im Zusammenhang mit einem künstlichen Darmausgang kann große Bedenken
wecken. Der Verlust der Kontrolle über den Stuhlgang ist für fast alle Menschen ein großes Problem, denn in
der Kindheit wurde die Fähigkeit, den Stuhlgang willentlich zurückzuhalten und zu entleeren, als bedeutender
Erfolg in der Erziehung zur Sauberkeit gefeiert, daher kann die Anlage eines Stomas das Selbstwertgefühl
tief verletzen. Für Erwachsene ist das Thema Urin und Stuhlgang in der Regel ein Tabu – damit muss sich ein
Stomaträger, ob er will oder nicht, auseinandersetzen. Ekel, Ablehnung und Verdrängung sind oft die ersten
Reaktionen, möglicherweise auch bei der Partnerin. Es ist deshalb oft wichtig, dass das Tabu gebrochen wird
und die Partner darüber reden. Sie können mit Ihrem Stomatherapeuten darüber sprechen oder auch Hilfe
bei einer psychosozialen Beratungsstelle suchen.
Hilfe, Unterstützung und viele praktische Tipps hält auch die Selbsthilfegruppe der Vereinigung der Stomaträger (ILCO, www.ilco.ch) bereit.
Löst Geschlechtsverkehr einen neuen Krankheitsschub aus?
Manche Patienten glauben, dass sie nach einer Krebserkrankung ganz auf Sexualität verzichten sollten. Vielleicht haben sie Angst davor, durch Intimverkehr eine Wiederkehr der Erkrankung zu fördern. Diese Annahme
ist vom medizinischen Standpunkt aus ohne Grundlage. Positiv erlebte Sexualität erhöht das psychisch-körperliche Wohlbefinden und hat sogar einen stimulierenden Einfluss auf die Funktion des Immunsystems.
Ist eine Krebserkrankung durch Geschlechtsverkehr übertragbar?
Manche Menschen befürchten, dass Krebs ansteckend sei. Verunsichert werden sie durch Berichte über Viren
und Krebs. Zwei getrennte Sachverhalte können fälschlicherweise vermischt werden. Richtig ist, dass viele
Viren von Mensch zu Mensch übertragen werden können, einige durch Körperkontakt. Manche dieser Viren
können an der Entstehung einer Krebserkrankung beteiligt sein, so z. B. bestimmte Typen von Papillomviren,
die sich in die Erbsubstanz einschleusen. Mit solchen Viren kommen sehr viele Menschen im Laufe ihres
Lebens in Kontakt oder werden zu Trägern der Viren. Die wenigsten wissen davon oder haben Beschwerden,
und nur ganz selten entsteht nach Jahren oder Jahrzehnten ein Tumor.
Eine Krebserkrankung selbst, das heißt, die bösartigen Zellen, können nicht von einer Person auf eine andere
übertragen werden, weder durch Berührung, noch durch Geschlechtsverkehr.
Wird man durch die Bestrahlung radioaktiv?
Bei der Strahlentherapie nutzt man die Energie elektromagnetischer Wellen oder kleinster Teilchen, um bösartige Zellen abzutöten. Meist befindet sich die Quelle der Strahlung außerhalb des Körpers, bisweilen wird
sie kurzfristig, z. B. über Schläuche, in den Körper eingebracht. Die natürlichen Körperbestandteile selbst
werden durch die Bestrahlung nicht zu Strahlern. Auch wenn Strahlenquellen über Schläuche in den Körper
eingeführt werden, kommt nach Entnahme der strahlenden Substanzen keine Strahlung mehr aus dem Körperinnern. Manchmal werden im Rahmen der Diagnostik oder der Therapie radioaktive Substanzen gespritzt,
die über den Blutkreislauf zum Wirkort transportiert werden. Dann zerfallen sie innerhalb kürzester Zeit bis
zur Wirkungslosigkeit oder werden über den Urin ausgeschieden. Bis zum Verschwinden der Strahlung müssen Schutzmaßnahmen für die Umgebung eingehalten werden, oft geschieht diese Art von Bestrahlung von
vornherein bei einem stationären Klinikaufenthalt. Danach besteht aber keine Strahlengefahr mehr, weder
beim intimen Kontakt noch bei sonstigen Situationen. Seitenanfang
Gehen Zellgifte auf die Partnerin über? Einige Substanzen, die bei der Chemotherapie verwendet werden,
gehen auch in die Samenflüssigkeit über. Zum Schutz der Partnerin direkt während der Behandlung sollte ein
Kondom verwendet werden. Ein bis zwei Wochen nach Beendigung - den genauen Zeitpunkt nennt der behandelnde Arzt - sind jedoch auch die letzten Reste der Zellgifte vom Körper abgebaut und ausgeschieden.
Allgemeine Ratschläge
Veränderungen des Körpers erfordern eine große seelische Anpassungsleistung. Da unser Körperbild einen wesentlichen Teil der Vorstellung von der eigenen Person ausmacht, kann der Verlust einer körperlichen
Funktion oder eine äußerliche Veränderung einen tiefen Einschnitt in das Selbstbild bedeuten. Es geht häufig
darum, von Vertrautem Abschied zu nehmen. Dies ist mit „Trauerarbeit“ verbunden, sie ist ein notwendiger
Bestandteil der Bewältigung. Durch Beschwichtigung den Betroffenen trösten zu wollen ist zwar gut gemeint, erschwert diesen Prozess aber eher. Auch die Partnerin muss von Vertrautem Abschied nehmen, von
ihr hängt es mit ab, wie gut das Abschiednehmen und Akzeptieren eines veränderten Zustands gelingen.
Insbesondere wenn Jugendlichkeit, Leistungsfähigkeit und körperliche Attraktivität Ideale darstellen, mag
dieser Prozess nicht einfach sein. Seitenanfang
Wenn man keine Partnerin hat?
Wenn Sie keine Partnerin haben, kann dies eine zusätzliche Belastung sein – vor allem, wenn Sie keine Familienangehörigen oder Freunde haben, die Ihnen in dieser schweren Zeit beistehen. Vielleicht befürchten Sie
auch, nicht mehr attraktiv genug zu sein, um zukünftig eine Partnerin zu finden, oder dass sich eine mögliche
Partnerin sofort wieder abwenden könnte, wenn sie von Ihrer Erkrankung erfährt.
Manche Krebserkrankungen lassen sichtbare Narben oder körperliche Beeinträchtigungen zurück, wie z. B.
eine Kehlkopfentfernung. Dann ist die Angst, nicht angenommen zu werden, verständlicherweise groß.
Manche für Sie interessante Menschen werden Sie vielleicht sogar zurückweisen – doch das passiert auch
gesunden Menschen. Sie behindern sich selbst, wenn Sie sich einreden, dass niemand Sie der Krankheit
wegen wird lieben können. Trotz der Erkrankung oder bleibender Folgen haben Krebserkrankte Partnerinnen
gefunden. Lassen Sie sich nicht durch Rückschläge entmutigen.
Wenn Sie eine mögliche Partnerin gefunden haben, fragen Sie sich wahrscheinlich, wann und wie Sie mit
ihr über Ihre Erkrankung sprechen können. Bei sichtbaren Folgen der Erkrankung kann sich schon beim
Kennenlernen ergeben, dass diese zum Gesprächsthema werden. Ansonsten wird eher dazu geraten, nicht
gleich darüber zu sprechen. Warten Sie, bis sich ein vertrautes Verhältnis zwischen Ihnen aufgebaut hat, und
schlagen Sie dann die Brücke, um das Thema anzusprechen. Warten Sie aber nicht so lange, bis die Umstände Sie dazu zwingen. Suchen Sie einen Zeitpunkt aus, wo Sie in Ruhe und in angenehmer Atmosphäre mit
ihr darüber sprechen können (also nicht erst, wenn Sie das erste Mal miteinander intim werden möchten).
Sie können z. B. sagen: „Ich habe lange gezögert, darüber zu sprechen, dass ich Krebs hatte. Ich habe Angst
davor, dass du dich deshalb zurückziehen könntest...“ oder „Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen. Es ist
aber wichtig, dass du weißt, dass ich vor vielen Jahren Leukämie hatte. Glaubst du, dass das unsere Beziehung beeinträchtigen könnte?“
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Ängste alleine nicht überwinden zu können, scheuen Sie sich nicht, Hilfe
von Fachleuten in Anspruch zu nehmen. Das Schlimmste in diesem Falle wäre, wenn Sie sich aus Angst vor
Zurückweisung in Ihr eigenes „Schneckenhaus“ zurückzögen.
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