SCHÜLER- RALLYE - museenkoeln.de

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SCHÜLER- RALLYE - museenkoeln.de
SCHÜLER
RALLYE -
Herzlich willkommen
im Kölnischen tadtmuseum
Diese Schülerrallye begleitet dich durch
unsere Sonderausstellung
ACHTUNG PREUSSEN!
Beziehungsstatus: Kompliziert
Köln 1815–2015
Die Preußen in Köln? Ja genau! Sie waren ab 1815 diejenigen, die in Köln für lange Zeit das Sagen hatten. Doch
welche Interessen hatten die Preußen? Wofür standen
sie? Was ist von den Preußen übrig geblieben? Das findest du mithilfe dieser Rallye heraus.
Wir wünschen dir einen spannenden Rundgang!
Zeichenerklärung
Aufgabenfeld
Hier darfst du schreiben.
Zusatzinfo
Wegweiser
Wie die kölner „Preussen“ wurden
1813: Der französische Kaiser Napoleon I.
kämpft mit seinen Soldaten bei Leipzig
gegen Österreich, Preußen, Russland
und Schweden – und wird vernichtend
geschlagen!
Diese Niederlage beendet den Eroberungsfeldzug der französischen Armee
quer durch Europa. Auf dem Wiener
Kongress 1814/1815 kommen zahlreiche
Könige und Regierungschefs zusammen,
um über das Schicksal der von Frankreich eroberten Länder zu entscheiden.
Sie ziehen die Grenzen neu! Beschlossen
wurde: Frankreich muss die zuvor eroberten Gebiete abgeben. Diese werden
aber nicht selbstständig, sondern unter
den Siegermächten aufgeteilt!
Köln – seit 1794 unter französischer Kontrolle – kommt zu Preußen, einem Königreich mit der Hauptstadt Berlin, das für
seine Vorliebe für alles Militärische bekannt ist. Eine völlig neue Situation für
die Kölner und Kölnerinnen!
Die Preußen bauen Köln zur militärischen Festung aus. Überall sind plötzlich
preußische Soldaten zu sehen. Sie marschieren unter Trommelwirbel zackig
über die Straßen oder stehen auf dem
Neumarkt stramm.
Mit Ärger und Unmut beobachten viele
Kölner und Kölnerinnen die neuen Herren. Man mag die Preußen nicht, sie gelten als streng, diszipliniert, sparsam,
„soldatisch“ und vor allem: humorlos.
Außerdem: Die meisten Kölner und Kölnerinnen sind Katholiken, die Preußen
dagegen Protestanten. 1815 war das, anders als für die meisten Menschen heute, ein wichtiger Unterschied! Mit vielen
Gesetzen versuchen die Preußen, gegen
den Einfluss der katholischen Kirche vorzugehen. Was die katholischen Bischöfe
und Pastoren davon hielten, könnt ihr
euch ja vorstellen …
Aber: Nicht alle Kölner und Kölnerinnen
stehen den Preußen feindlich gegenüber.
Spätestens in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts freundet sich der Großteil der Stadtbevölkerung schließlich
mit der preußischen Herrschaft an. Eine
wichtige Rolle bei der Aussöhnung spielt
der Dombau: Dank der finanziellen Hilfe
des preußischen Königshauses wird der
Dom – nach über 600 Jahren Bauzeit (!)
– 1880 endlich fertig. Auch der Krieg mit
Frankreich 1870/71 schweißt die Kölner
und Kölnerinnen mit den Preußen enger
zusammen.
PS: Neue Rechte und Gesetze. Die Preußen
führten das Dreiklassenwahlrecht ein, bei dem
das Wahlrecht vom Einkommen abhing. Frauen
war das Wählen ohnehin verboten. Es kamen
aber auch neue Gesetze zum Schutz der Kinder,
beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit 1853
oder das Kinderschutzgesetz 1904.
Alles klar? Jetzt schau dir die Vitrine an,
die gleich hier am Anfang der Ausstellung neben der Treppe steht.
TYPISCH PREUSSISCH: DIE PICKELHAUBE
Hier siehst du die Kopfbedeckung, die für das preußische Militär typisch war:
die Pickelhaube. Zunächst
wurde dieser Helm nur
von den Soldaten getragen, später auch von Polizisten und Feuerwehrmännern.
Noch heute steht die Pickelhaube oft als Symbol
für alles Deutsche! Wenn
man beispielsweise in
der Gebärdensprache das
Wort „deutsch“ benutzt,
dann bildet man mit den
Händen eine Pickelhaube
nach und streckt über der
Stirn einen Zeigefinger
aus. Die Gebärdensprache ist eine Sprache für
schlecht hörende Menschen, die mithilfe von
Körperbewegungen und
Gesichtsausdrücken funktioniert.
Preußische Pickelhaube mit Kölner
Stadtwappen. Zeichnung: Sarah Kemper
Aufgabe 1
Das Wort „deutsch“ in der Gebärdensprache. Zeichnung: Sarah Kemper
Auf der Pickelhaube, die du hier siehst, ist etwas
Besonderes zu sehen: das Wappen der Stadt Köln.
Was ist auf dem Stadtwappen abgebildet?
Die preußische Pickelhaube: Heute noch in
Kinderbüchern präsent!
PS: Die Metallspitze (der „Pickel“) sollte Schläge auf den
Kopf – beispielsweise mit einem Gewehrkolben oder einem
Säbel – seitlich ablenken. Spätestens im Ersten Weltkrieg endete
allerdings die Zeit der Pickelhauben. Durch die herausragenden
Spitzen waren die Soldaten im Schützengraben ein leichtes Ziel
für die Gegner. Und zum Schutz gegen Granatsplitter waren die
Pickelhauben ohnehin nicht zu gebrauchen.
Jetzt geh weiter nach
rechts. Hier siehst du eine
Vitrine mit einer Uniform
und einem Helm mit
einem grauen Puschel
obendrauf.
TYPISCH PREUSSISCH: UNIFORMEN
Im preußischen Staat
spielte das Militär eine
wichtige Rolle. Die Armee
hatte aber nicht nur die
Aufgabe, den Staat gegen
äußere Feinde zu verteidigen. Der Militärdienst
diente auch dazu, jungen
Männern Disziplin, Ordnung und Gehorsam zu
lehren.
Hier in der Vitrine siehst
du eine typisch preußische
Uniform. Der Puschel
obendrauf ist übrigens
ein sogenannter „Paradebusch“, der zu besonderen Anlässen am Helm
befestigt wurde.
Preußische Soldaten in Köln, H.A. Eckert, Lithographie C. Weiß, um 1840 (Kölnisches
Stadtmuseum)
Aufgabe 2
Preußische Soldaten waren nach 1815 überall auf den Kölner Straßen zu sehen – und
damit auch eine Farbe, die bis heute nach den Preußen benannt ist.
Welche Farbe ist das? Kreuze an!
Preußischblau
Preußischrot
Preußischgelb
Hinter dir siehst du übrigens eine Uniform aus dem Kölner
Karneval. Fällt dir die Ähnlichkeit auf?
Jetzt geh einige Meter weiter geradeaus, vorbei an der Bronzebüste von Königin Luise von
PreuSSen, bis du vor der Abteilung „Köln und Berlin: Wissenswert!“ stehst.
„EINEN BERLINER BITTE“
Wenn man in Köln Hunger auf einen Berliner hat, dann geht man zum Bäcker und
bestellt ihn mit den Worten „Einen Berliner bitte“.
Aber …
Blick in die Sonderausstellung. Foto: RBA
Aufgabe 3
Was sagt der Berliner, wenn er einen „Berliner“ will?
Klapp die Holztür auf und finde es heraus!
Jetzt schau mal nach links.
DAS KÖLNER UND BERLINER „GRUNDGESETZ“
Siehst du die Infotafel mit den „Grundgesetzen“? Die hier abgedruckten „Gesetze“ sind keine offiziellen Bestimmungen.
Man bekommt auch kein „Knöllchen“,
wenn man gegen sie verstößt. Es sind
Redewendungen und Sprüche, die ein
bestimmtes Lebensgefühl und den Um-
gang der Menschen miteinander beschreiben. Bei den Kölnern gibt es elf
„Grundgesetze“, die Berliner haben sogar noch eines mehr! Die Sprache der
„Grundgesetze“ ist Kölsch und Berlinerisch. So heißen die Dialekte, die in Köln
und Berlin gesprochen werden.
Aufgabe 4
Welche zwei „Grundgesetze“ haben sich im Wortgitter versteckt? Finde die beiden
und übersetze sie aus dem Kölschen und Berlinerischen ins Hochdeutsche, also
ins „normale“ Deutsch!
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ZUFGJEHHHSHSWPGK VHFHDICEDUQWOXNCBDHSWUSIZOS
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I Q U A J D K ennemernitbruchemernitfottdomet D O N J E I P Y X L P
A JD E W D O E D K E K D W O O D K L E L D W P D P W P D Q W UD JIK JI JLV G V S E
ORDORKFOPDE JPFQWERZUIOSOGHJA SDPOCVBXCVDGSJWECU
JD JF L G HF S C K F S Y C A F INNE N JE HHH S H S W P G K V HF HD I C E D U Q W OX N
I Z S A E R T N D K ennickweessickwarickschon D K D Q W A Y X N
FQWERTZUIOSOGHJA SDPOCVBXCVDGSJWECUSJDJFLGHFFDH
Spruch aus dem Kölner Grundgesetz
Spruch aus dem Berliner Grundgesetz
Neben den Kölner und Berliner „Grundgesetzen“ findest du eine Vitrine mit einem Brettspiel.
TYPISCH PREUSSISCH: DAS MILITÄR IM SPIEL
Da das Militär in Preußen eine große Rolle spielte – nicht zuletzt in der Erziehung –,
findet sich „Soldatisches“ auch in vielen Kinder- und Erwachsenenspielen.
Aufgabe 5
Schau dir das Brettspiel hier einmal genau an. Welche typisch preußische Sache
tragen die Spielfiguren?
„Der Räuber-Hauptmann von Köpenick. Ein Gesellschafts-Spiel für
Jung und Alt“, Berlin, um 1920, Museum Treptow-Köpenick, Berlin
Jetzt dreh dich einmal um. In der Vitrine hinter dir siehst du ein altes
Heinzelmännchen-Spiel, entstanden um 1900.
BEQUEME KÖLNER: DIE HEINZELMÄNNCHEN
Die Kölner Heinzelmännchen. Zeichnung: Sarah Kemper
„Wie war zu Köln es doch
vordem mit Heinzelmännchen so bequem!“ So beginnt die Geschichte von
den Kölner Heinzelmänn-
chen, kleinen Männchen,
die den Kölner Bürgern
und Bürgerinnen die tägliche Arbeit erleichterten. So hatten die Kölner
ein angenehmes Leben.
Heimlich, nachts, wenn
alles schlief, verrichteten die Heinzelmännchen
die ganze Arbeit. Jedoch:
Sie wollten dabei unerkannt bleiben! Die Frau
eines Schneiders aber
war so neugierig auf die
kleinen Wesen, dass sie
ihnen eine Falle stellte. Sie streute Erbsen
auf die Treppe, und die
Heinzelmännchen fielen
nacheinander die Treppe
herunter. Enttäuscht und
traurig machten sie sich
in die dunkle Nacht davon
– und verschwanden für
immer.
Aufgabe 4
Schau dir einmal das HeinzelmännchenSpiel genauer an. Wessen Arbeit übernehmen die Heinzelmännchen gerade?
Sch
ä
Jetzt geh weiter nach links, bis du in der FuSSball-Ecke „Sportskanonen“ stehst.
Was von PreuSSen übrig blieb: Im Sport
Aufgabe 7
Viele Fußball-Mannschaften tragen
heute den Zusatz „Borussia“ in ihrem
Namen. Aber was heißt „Borussia“
eigentlich?
Borussia Mönchengladbach. Foto: Borussia Mönchengladbach
Zeichnung: Sarah Kemper
Aufgabe 8 und 9
In welcher Zeit wurden die meisten der an der Wand gezeigten Vereine gegründet?
um 1800
um 1900
um 2000
Wie viele „Borussia“-Mannschaften spielen heute in der Fußball-Bundesliga?
Kreuze an.
2
3
4
Jetzt dreh dich um und schau dir die Fotos an, die im nächsten Raumabschnitt rechts und
links an den Wänden hängen.
„SPUREN“ IM STADTBILD
Die Fotos zeigen Gebäude und Denkmäler, die während der Preußenzeit in Köln
entstanden sind.
Aufgabe 10
Schau dir die Fotos an.
Welche Gebäude erkennst du wieder?
Aufgabe 11
Die Fotos helfen dir auch bei der folgenden Frage.
Wer oder was ist die Kölner Flora?
Foto: Patrick Essex, Köln
Die preußischen „Überreste“ auf diesen Fotos
kannst du dir noch heute in und um Köln anschauen. Viele andere Gebäude, die während
der Preußenzeit gebaut wurden, sind allerdings
mittlerweile verschwunden. Sie wurden im Krieg
zerstört oder abgerissen.
die Schutzheilige Kölns der Botanische Garten Kölns
eine in Köln hergestellte Margarine
Jetzt geh weiter und schau dir die groSSe Karte am Ende des Raumes an. Sie zeigt Köln um 1880.
FESTUNGSSTADT KÖLN
Foto: Patrick Essex, Köln
Die Preußen bauten Köln zur größten Festungsstadt im Deutschen
Reich aus. Überall entstanden neue Kasernen und Festungsanlagen.
Aufgabe 12
Zähle die Forts auf dem großen Plan!
Wie viele Forts gab es in Köln?
Super,
hast du alle Fragen
beantwortet?
Gratulation!
Geh zum Abschluss doch noch die Treppe hoch
ins erste Obergeschoss: in unsere Schatzkammer! Hier findest du 22 spannende Objekte aus
der kölnisch-preußischen Vergangenheit, von
denen wir dir einige gerne vorstellen möchten.
Blick in unsere Schatzkammer. Foto: RBA
Schau mal, ob du die folgenden Vitrinen findest.
Vitrine 4: Ein Erzbischof im Knast
Büste von Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering, um 1825, StadtMuseum Bonn
Am 20. November 1837
riegeln Soldaten um 18
Uhr die Gereonsstraße ab
und umstellen das prunkvolle Haus des Kölner
Erzbischofs. Vier hohe
Würdenträger in Uniform
fahren in einer Kutsche
vor. Ihr Auftrag: den Erzbischof Clemens August
Droste zu Vischering im
Namen des preußischen
Königs zu verhaften! Noch
in derselben Nacht wird
der Erzbischof – begleitet
von Soldaten – zur Festung Minden gebracht.
Vor der Verhaftung hatte
es einen erbitterten Streit
zwischen Vischering und
den Preußen gegeben.
Grund des Streites: Was
passiert, wenn eine Kölner
Katholikin einen der vielen
neuansässigen
preußischen Beamten (Protestanten!) heiratet? In welchem Glauben sollen die
Kinder erzogen werden?
Der Erzbischof bestand
beharrlich darauf, dass
die Kinder Katholiken wie
ihre Mutter werden müssten. Die Preußen forderten
natürlich genau das Gegenteil. „Katholisch“ oder
„evangelisch“:
damals
eine hochpolitische Sache!
Seine Verhaftung macht
den Ex-Erzbischof über
Nacht zum Helden für die
Kölner. Wie bei heutigen
Popstars wird sein Bild auf
Tassen, Tellern, Tabakdosen und Leinentüchern
gedruckt. Auch Büsten
Vischerings – wie die hier
ausgestellte – verkaufen
sich gut.
Vitrine 7: Kaiserkult und Kamellen-Napoleon
Napoleon-Statuette von Johann Heinrich Pielen, 1847, Kölnisches Stadtmuseum
Trotz des anfänglichen Unmutes über die
französische Herrschaft: Nach dem Einmarsch der Preußen denken viele Kölner
und Kölnerinnen wehmütig an die französische Zeit zurück. „Lieber französisch
als preußisch“, so eine weitverbreitete
Meinung. Napoleon-Bildnisse und –Statuetten – wie die hier ausgestellte – sind
im preußischen Köln daher noch immer
in vielen Wohnhäusern und Gaststätten
zu finden.
Das französische Köln
Nur wenige Jahre vor dem Einmarsch der
preußischen Soldaten hatte sich das Leben in
Köln schon einmal einschneidend gewandelt.
Über Jahrhunderte war Köln eine freie
Reichsstadt gewesen. Doch am 6. Oktober
1794 kam die französische Armee auf ihrem
Eroberungszug quer durch Europa auch
nach Köln. Das war das Ende der kölnischen
Eigenständigkeit, jetzt übernahmen die Franzosen das Stadtkommando! Die französische
Gesetzgebung wurde eingeführt, die französische Sprache, französische Soldaten ließen
sich in Kölner Bürgerhäusern nieder. Trotz
des Murrens vieler Kölner und Kölnerinnen
über die Besatzer: So manches wurde besser
unter der französischen Herrschaft. Das
französische Recht nahm der Oberschicht
die alten – ziemlich unfairen – Vorrechte;
Protestanten und Juden konnten endlich
normale Bürger werden und ihre Religion frei
ausüben. Auch die seit dem Mittelalter bestehenden Vorgaben, wer welchen Beruf ausüben durfte, wurden abgeschafft. Die neuen
Stadtherren zwangen die Kölner und Kölnerinnen außerdem, die Straßen regelmäßig zu
säubern und den Müll abzutransportieren. Ihr
könnt euch kaum vorstellen, wie schmutzig
es in Köln bis zu diesem Zeitpunkt gewesen
war, vom Gestank ganz zu schweigen!
Vitrine 8: „Musjö Ampmann“ und „Schnäuzerkowski“
Stabpuppe eines Gendarms aus dem Hänneschen-Theater, um 1870,
Theaterwissenschaftliche Sammlung Wahn
Kennst du das Hänneschen-Theater?
Das Puppentheater wird 1802 zur Zeit der
französischen Herrschaft gegründet. Um
die französische Obrigkeit zu verspotten,
entwickeln die Puppenspieler eine neue
Figur: „Musjö Ampmann“ („Monsieur
Amtmann“). Der französische Gesetzeshüter streitet sich auf der Bühne regelmäßig mit Hänneschen und Bärbelchen.
Klar, dass die beiden stets die Klügeren
sind – und Musjö Ampmann zum Schluss
dumm aus der Wäsche schaut.
Nach dem Einmarsch der Preußen in
Köln wird auf der Bühne aus dem französischen „Musjö Ampmann“ ein preußischer Polizeibeamter, Schnäuzerkowski
genannt. Der Name „Schnäuzerkowski“
kommt von „Schnauzbart“ und von „anschnauzen“ (also laut schimpfen).
PS: Mit Schnauzbart bezeichnet man den besonders großen Schnurrbart, der damals unter
preußischen Beamten sehr beliebt war. Damit
diese riesigen Schnurrbärte ihre Form behielten,
mussten die Männer nachts sogar eine Bartbinde
tragen, die an den Ohren befestigt wurde. Wer
„schön“ sein will, muss eben leiden!
Vitrine 9: Die „Rote Nummer“ der Roten
Die letzte Nummer der Neuen Rheinischen Zeitung, Faksimile, Köln, 19. Mai 1849
Eine wichtige Rolle bei den 1848er-Unruhen spielt die regierungskritische „Neue
Rheinische Zeitung“ aus Köln. Sie fordert unter anderem, dass alle Menschen
wählen dürfen. Ihr Chefredakteur ist Karl
Marx, Autor des weltberühmten „Kommunistischen Manifests“.
Die Preußen gehen entschieden gegen
die Zeitung vor. Im Mai 1849 wird Karl
Marx aus dem preußischen Staat ausgewiesen und die „Neue Rheinische Zeitung“ verboten. Ein Exemplar der letzten
Ausgabe vom 19. Mai 1849 siehst du hier.
1848
Im Februar 1848 erhebt sich die Bevölkerung
von Paris gegen den französischen König
Louis-Philippe und zwingt ihn zur Abdankung. Der revolutionäre Funke springt auf
viele andere Länder über. Nach dem Vorbild
der Pariserinnen und Pariser gehen plötzlich
überall Menschen auf die Straßen. Auch in
Köln demonstrieren die Menschen jetzt: gegen schlechte Arbeitsbedingungen, für mehr
Freiheiten, für kostenlose Schulen. Doch der
Aufstand bleibt ohne Erfolg. Die Preußen ziehen nach 1848 in vielen Bereichen die Zügel
sogar noch fester an!
Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstraße 1-3
50667 Köln
Tel.: 0221/221 22398
www.museenkoeln.de/ksm
[email protected]
www.facebook.com/koelnischesstadtmuseum
Öffnungszeiten:
Di. 10-20 Uhr • Mi.-So. 10-17 Uhr
Vitrine 15: „Steinerne Auflehnung“. die AthanasiusSkulptur am Nordportal des Kölner Domes
Gipsentwurf des heiligen Athanasius von Peter Fuchs, Köln,
1880, Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln
Trotz aller Dankbarkeit für die finanzielle Unterstützung des Dombaus: Viele
leitende Männer der katholischen Kirche
in Köln ärgern sich auch weiterhin über
die Anwesenheit der Preußen. Immer
wieder werden neue Gesetze eingeführt,
die den Einfluss der katholischen Kirche
einschränken. Zwei besonders aufmüpfige Kölner Erzbischöfe kommen sogar ins
Gefängnis.
Offen gegen die Preußen zu protestieren,
ist zu gefährlich. Einige Kirchenherren
nutzen daher die Domfassade für ihre
Kritik. Am Nordeingang des Doms wird
eine Figur angebracht, die den heiligen
Athanasius zeigt. Der Hintergrund: Der
heilige Athanasius war ein Vorkämpfer
für die Kirchenfreiheit aus dem 4. Jahrhundert! Sein Name verweist außerdem
auf ein kurz zuvor veröffentlichtes Buch
mit dem Titel „Athanasius“, das den 1837
verhafteten Erzbischof Droste zu Vischering zum Helden erklärt.
Vitrine 17: Gestern pfui – Heute hui!
Kaiserpokal für das Kölner Ratssilber von Gabriel Hermeling, Köln, 1890, Kölnisches Stadtmuseum
Diesen wertvollen Pokal fertigt der bekannte Kölner Goldschmied Gabriel Hermeling für den preußischen Kaiser Wilhelm II. Gabriel Hermeling ist zu dieser
Zeit DER Star unter den Goldschmieden.
Als ihn das preußische Herrscherhaus
1871 das erste Mal fragt, ob er Hoflieferant werden möchte, weigert sich Hermeling allerdings strikt. Dass er 1890
dann doch einen Pokal für den Kaiser
fertigt, zeigt die allmähliche Aussöhnung
zwischen den Kölnern und den Preußen.
Vitrine 18: Kaiserin Kopflos
Kopf des Kaiserin-Augusta-Denkmals von Franz Dorrenbach und Heinrich Stockmann, Köln, 1903,
Kölnisches Stadtmuseum
Auch ein Zeichen für die Aussöhnung
zwischen den Kölnern und Preußen: Ab
den 1870er-Jahren entstehen in Köln
zahlreiche Denkmäler für preußische
Herrscher und preußische Politiker. Bald
gibt es in Köln mehr Preußen-Denkmäler
als in fast allen anderen deutschen Städten. Ein Beispiel für diesen „Denkmal-
Boom“: die Statue der preußischen Kaiserin Augusta am Kaiser-Wilhelm-Ring,
von der heute allerdings nur der hier
ausgestellte Kopf übrig ist.
Kronprinz Friedrich Wilhelm bei der feierlichen Einweihung des Kaiserin-Augusta-Denkmals am 1. Oktober 1903, Foto: RBA
Vitrine 19: „Das Herz ist nicht dabei …“
Der Tafelaufsatz „Die Industrie“
Tafelaufsatz „Die Industrie“ von Joseph Kleefisch,
Entwurf Johann B. Schreiner, Köln, 1904, Kölnisches Stadtmuseum
Unter den Preußen boomt die Kölner
Wirtschaft. Zahlreiche große neue Fabriken entstehen. Dieser wertvolle Tafelaufsatz mit dem Titel „Die Industrie“
zeigt wichtige Kölner Wirtschaftszweige
und Bauwerke. Schaut ihn dir einmal genau an: Was kannst du erkennen?
Während die Kölner Fabrikbesitzer gut
verdienen, ist das Leben vieler Fabrikarbeiter und -arbeiterinnen bitter. Zehn
bis dreizehnstündige Arbeitstage, sechs
Tage die Woche, lange Fußmärsche von
und zur Arbeitsstätte sind die Regel. Es
gibt keinen Arbeitsschutz (d.h., man kann
von einer Minute auf die andere gekündigt werden!). Der Arbeitslohn reicht
kaum zum Überleben. Erst 1853 wird es
verboten, dass die Fabrikbesitzer auch
Kinder unter zwölf Jahren einstellen
können, die dann wie die Erwachsenen
stundenlang in den lauten und stickigen
Fabriken schuften müssen.
Text und Idee: André Grosser, Mieke Jansen,
Helen Reuber, Wibke Becker
PS: Ein Tafelaufsatz wurde früher bei feierlichen
Anlässen als Teil des festlichen Geschirrs auf
den Tisch gestellt. Er ist also ein Tischschmuck,
trinken und essen kann man aus ihm nicht.
Kronprinz Friedrich Wilhelm bei der feierlichen Einweihung des
Kaiserin-Augusta-Denkmals am 1. Oktober 1903, Foto: RBA
Notizen