Händel

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Händel
Händel
und die Musikgeschichte des
Hauses Hannover
Internationale
Wissenschaftliche
Konferenz zu den
Händel-Festspielen 2014
10. und 11. Juni 2014
Händel-Haus Halle
ZUR EINFÜHRUNG
Im Jahr 2014 jährt sich zum dreihundertsten Mal die Thronbesteigung des Hannoveraner
Kurfürsten Georg Ludwig als englischer König George I. Das Institut für Musik der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft und die
Stiftung Händel-Haus nehmen dies zum Anlass, eine wissenschaftliche Konferenz zum
Thema „Händel und die Musikgeschichte des Hauses Hannover“ zu veranstalten. Die Tagung
ist Teil des Programms der Händel-Festspiele 2014 und auch thematisch mit deren Motto
„Georg und Georg / George and George“ verknüpft.
Inhaltlich wird es zunächst um die Beziehungen Händels zum Haus Hannover vor und nach
der Thronbesteigung und um die für das englische Königshaus geschaffenen Kompositionen
Händels sowie um deren historische Kontexte und Rahmenbedingungen gehen. Darüber
hinaus soll die Konferenz Raum bieten für die Beschäftigung mit Komponisten im Dienste
des Hauses Hannover vor, während und nach Händel: Der Blick wird also sowohl ins
17. Jahrhundert und damit auf die Geschichte des Hauses Hannover auf dem Kontinent
gerichtet wie auch ins spätere 18. und frühe 19. Jahrhundert, also auf die Geschichte des
Hauses bis zum Tod Georges III. (1820). Ebenso gilt das Interesse den Zeitgenossen Händels.
Ziel der zweitägigen Konferenz ist es, Einblicke zu gewinnen in Kontinuitäten und
Wandlungen des Verhältnisses von höfischer Kultur und musikalischer Praxis im Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nation und im Königreich Großbritannien zwischen dem späten
17. und frühen 19. Jahrhundert.
Wolfgang Hirschmann
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PROGRAMM
Samstag, 7. Juni 2014
Stadthaus am Markt
Festvortrag 10 Uhr
Prof. Dr. Colin Timms (Birmingham):
Händel und Steffani als Komponisten für Hannover und England
Dienstag, 10. Juni 2014
Händel-Haus, Kammermusiksaal
Eröffnung der Konferenz 9 Uhr
mit Verleihung des Internationalen Händel-Forschungspreises 2014
Georg Friedrich Händel (1685–1759)
„Blessed are all they that fear the Lord“,
Arie aus dem Wedding Anthem „Sing unto God“ HWV 263
Begrüßung und Einführung:
Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann (Halle)
Grußworte:
Marco Tullner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des
Landes Sachsen-Anhalt
Prof. Dr. Birgit Dräger, Prorektorin für Struktur und Finanzen der Martin-LutherUniversität Halle-Wittenberg
Dr. Judith Marquardt, Beigeordnete der Stadt Halle (Saale) für Kultur und Sport
„Watchful angels“, Arioso der Esther aus dem gleichnamigen Oratorium HWV 50
Laudatio auf den Preisträger:
Prof. Dr. Silke Leopold (Heidelberg)
Verleihung des Internationalen Händel-Forschungspreises 2014
„Come alla tortorella“, Arie der Irene aus der Oper Atalanta HWV 35
Musikalische Gestaltung:
Studierende des Instituts für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:
Leonie Nowak, Mezzosopran
Johannes Dehning, Cembalo
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Sektion 1
9.50–11.20 Uhr
Leitung:
Wolfgang Hirschmann (Halle)
Seite 8
Heide N. Rohloff (Hannover):
Das Haus Hannover auf dem Thron des Vereinigten Königreichs:
Verfassungsrechtliche Voraussetzungen, Zustandekommen und Funktionieren
der Personalunion Großbritannien–Hannover (1714–1837)
Arnd Reitemeier (Göttingen):
Die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien:
Ein Kommunikations- und Handlungsraum in Europa
Sektion 2
11.40–13 Uhr
Leitung:
Colin Timms (Birmingham)
Seite 10
Sabine Ehrmann-Herfort (Rom):
Musik als Instrument politischer Interessen. Kulturkontakte des Hauses Hannover
mit Venedig und Rom in der zweiten Hälfte des Seicento
Vassilis Vavoulis (Nottingham/Athen):
The opera theatres of Girolamo Sartorio: An unsung hero of the Baroque
Sektion 3
14–15.20 Uhr
Leitung:
Reinmar Emans (Göttingen)
Seite 11
Nicole Strohmann (Hannover):
Von Grenzen und deren Überschreitung:
Agostino Steffanis hannoveraner Opern im Kontext der europäischen Hofkultur
Margret Scharrer (Saarbrücken):
„Hier on dansa un balet“ – Tanz an welfischen Höfen
Sektion 4
Leitung:
15.40–17 Uhr
Seite 12
Terence Best (Brentwood)
Helen Coffey (Milton Keynes):
Music in early eighteenth-century Hanover
Reinmar Emans (Göttingen):
Strukturen des Opernbetriebs in Wolfenbüttel/Braunschweig und Hannover.
Distanzierungen und Annäherungen
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Mittwoch, 11. Juni 2014
Händel-Haus, Kammermusiksaal
Sektion 5
9–10.40 Uhr
Leitung:
Hans Dieter Clausen (Hamburg)
Seite 13
Arno Paduch (Leipzig):
„The King shall rejoyce“ – Liturgie, Zeremoniell und Musik zur Krönung Georges I.,
dargestellt nach zeitgenössischen deutschen und englischen Quellen
Matthew Gardner (Heidelberg):
The Preference of the Hanoverians for Handel, 1727–1821
Sektion 6
11–12.20 Uhr
Leitung:
Graydon Beeks (Claremont, CA)
Seite 14
Donald Burrows (Milton Keynes):
The British royal family, the London opera companies and Handel’s performances,
1732–1743
Philipp Kreisig (Marburg):
Hochzeitsopern zwischen Staatsakt und Konkurrenzsituation: Händels Atalanta und
Porporas La festa d’Imeneo von 1736 für den Prince of Wales und Kurprinzen von Hannover
Sektion 7
14–15.20 Uhr
Leitung:
John H. Roberts (San Francisco, CA)
Seite 15
Lawrence Zazzo (Belfast):
“J’aurai des maitresses”: George II and language in the bilingual 1735 Esther
Peter Holman (Leeds):
Handel’s Lutenist, the Baroque Mandolino in England, and John Francis Weber
Sektion 8
15.40–17 Uhr
Leitung:
Donald Burrows (Milton Keynes)
John H. Roberts (San Francisco, CA):
Steffani Duets as Handel Sources
Graydon Beeks (Claremont, CA):
Non-authorial changes in Handel’s sacred music for Cannons
Schlussdiskussion
Schlusswort: Wolfgang Hirschmann (Halle)
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Seite 16
ABSTRACTS
Sektion 1
Leitung: Wolfgang Hirschmann (Halle)
Heide N. Rohloff (Hannover):
Das Haus Hannover auf dem Thron des Vereinigten Königreichs:
Verfassungsrechtliche Voraussetzungen, Zustandekommen und Funktionieren der
Personalunion Großbritannien–Hannover (1714–1837)
Politisch betrachtet, ist das Zustandekommen der Personalunion zwischen dem United
Kingdom of Great Britain und dem Kurfürstentum und späteren Königreich Hannover ein
Resultat der verfassungspolitischen und religiösen Konflikte, die England im 17. Jahrhundert
spalteten und 1642 zum Ausbruch des Bürgerkriegs führten. Dem Sieg der parlamentarischen Armee unter Oliver Cromwell (1649) folgten die Hinrichtung des Königs und das
Experiment der Republik, bis 1660 in der Restauration die monarchische Ordnung wiederhergestellt wurde. Die katholikenfreundliche Politik James’ II (1685–1688) wurde zum
Auslöser der sogenannten „Glorreichen Revolution“. Nachdem das Parlament 1689 in der
Bill of Rights alle Katholiken von der Thronfolge ausgeschlossen hatte, wurde in der Act of
Settlement (1701) Kurfürstin Sophie von Hannover als nächstberechtigtes protestantisches
Mitglied der Dynastie namentlich zur Erbin des Thrones erklärt. Durch ihren Tod ging ihr
Thronanspruch auf ihren Sohn Kurfürst Georg Ludwig über, der 1714 als George I den
Thron des Vereinigten Königreichs bestieg. Rechtlich betrachtet, verdankt das Haus
Hannover die britische Krone der höchst fragwürdigen Hypothese, mit der in der Bill of
Rights der Umsturz von 1688 legalisiert wurde, um den Fortbestand Englands als protestantischer Nation zu sichern.
Die Verbindung von Großbritannien und Hannover war eine reine Personalunion, d. h. beide
Staaten behielten ihre politischen Institutionen bei und hatten lediglich denselben Herrscher.
Da der Regierungssitz Georg I und seiner Nachfolger in London lag, musste dort eine eigene
Behörde, die Deutsche Kanzlei, zwischen dem König und den hannoverschen Instanzen
vermitteln. Die Umstände, unter denen die Herrscher zwei Länder zu regieren hatten, trugen
in beiden Staaten zu durchaus unterschiedlichen Veränderungen bei, zu denen für Großbritannien die Herausbildung des modernen parlamentarischen Systems und für Hannover
1814 die Erhebung zum Königreich bei gleichzeitiger Abhängigkeit von den britischen Weltmachtinteressen gehören. Besonders fruchtbar waren die Wechselwirkungen auf kulturellem,
künstlerischem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiet.
Wegen des unterschiedlichen Thronfolgerechts endete die Personalunion 1837 mit dem Tod
Williams IV. In Hannover wurde sein jüngerer Bruder Ernst August König, im Vereinigten
Königreich kam seine Nichte als Queen Victoria auf den Thron.
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Arnd Reitemeier (Göttingen):
Die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien:
Ein Kommunikations- und Handlungsraum in Europa
Die Krönung von Georg I., Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg (Hannover), führte zu
Machtverschiebungen in der transatlantischen Welt wie auf dem Kontinent. Die Verbindung
des kontinentalen Kurfürstentums zum Königreich von Großbritannien umfasste im Kern
eine politische Kooperation, die einen wechselseitigen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Austausch nach sich ziehen konnte. Damit lässt sich die Verbindung zwischen dem
Kurfürstentum Hannover und dem Königreich Großbritannien als ein Raum der Kommunikation und Interaktion begreifen und damit als ein Konstrukt betrachten, das über die
Krönung des Monarchen in den öffentlichen Raum hineingriff, das aber zugleich auf der
Internationalität von Kultur, Gesellschaft, Politik und Verwaltung basierte. Die wechselseitigen Wahrnehmungen in privaten Briefen, Zeitungen und wissenschaftlichen Zeitschriften
waren konstitutiv für einen Transfer, der auch einen Technologietransfer vor der Industrialisierung umfasste. Doch in Großbritannien wurde Kurhannover mehrheitlich als arm und öde
wahrgenommen, auch wenn sich diese Rezeption im Verlauf des 18. Jahrhunderts wandelte,
als die vermeintlich barbarischen und rohen Elemente als geheimnisvoll und frei von negativen Einflüssen der Zivilisation umgedeutet wurden. Zugleich assoziierten in Deutschland
viele Großbritannien mit Waren britischer Handelsunternehmen wie Tee, Kaffee und Tabak.
Englische Literatur wurde mehr und mehr populär und ins Deutsche übersetzt rezipiert. In
beiden Ländern diskutierten Intellektuelle die Frage der Freiheit, der Beziehung zwischen
dem Leben in der Natur und in der Stadt frei von wirtschaftlichen und politischen Zwängen,
bis diesem Diskurs die Napoleonischen Kriege und die Kontinentalsperre ein Ende bereiteten.
Dieser kulturelle Austausch war stets ein individueller, der nicht institutionenbasiert war. Er
wurde durch die Tatsache, dass die Bourgeoisie in Großbritannien im 18. Jahrhundert eine
völlig andere Stellung einnehmen konnte als im Kurfürstentum Hannover noch verstärkt.
Zugleich entwickelte sich London zum größten Kunstmarkt in Europa, was die Attraktivität
Großbritanniens in den Bereichen Kunst und Musik für Kontinentaleuropa noch intensivierte.
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Sektion 2
Leitung: Colin Timms (Birmingham)
Sabine Ehrmann-Herfort (Rom):
Musik als Instrument politischer Interessen. Kulturkontakte des Hauses Hannover mit
Venedig und Rom in der zweiten Hälfte des Seicento
Wie viele andere Fürsten seiner Zeit hat Herzog Johann Friedrich von BraunschweigLüneburg (1625–1679) zahlreiche italienische Musiker an seinen Hof geholt. Selbstverständlich wurden nur hervorragende Kräfte angeworben. Der venezianische Komponist
Antonio Sartorio (1630–1680) gehörte ebenso dazu wie der in Rom wirkende Komponist
Vincenzo De Grandis (1631–1708), Sartorios Nachfolger im Amt des Hannoveraner Hofkapellmeisters. Im Wettstreit mit anderen Hofhaltungen wurde in Hannover die Musik ganz
gezielt als ein kulturelles Instrument eingesetzt, das auch zu machtpolitischer Profilierung
genutzt werden sollte und konnte. Für die Vokalmusik orientierte man sich vorrangig an
einschlägigen Zentren italienischer Musik: an Venedig und an Rom.
Während seiner Zeit als Kapellmeister in Hannover (1666–1675) war Sartorio zugleich auch
regelmäßig in Venedig beim Karneval, wo er neue Musiker für den Hof anwarb und zugleich
für die Aufführung seiner eigenen Opern sorgte. Auch Vincenzo De Grandis war zunächst an
bedeutenden römischen Kirchen als maestro di cappella tätig, ehe er in die Dienste Johann
Friedrichs trat. Der Herzog hat über ihn exzellente römische Sänger für seine Hofkapelle
rekrutieren lassen, während aus Venedig eher die Opernstars „importiert“ wurden.
Sowohl für den venezianischen wie auch für den römischen Markt standen die Hannoveraner
in engem und stetigem Kontakt mit fachkundigen Kennern der Szene vor Ort: So hatten sie
sowohl in Venedig wie auch in Rom Agenten damit beauftragt, die Musikszene zu beobachten und geeignete Kandidaten zu benennen. Die solchermaßen ausgewählten Spitzenkräfte waren beständig zwischen Italien und Hannover unterwegs und stehen für eine enge
kulturelle Verflechtungsgeschichte zwischen den italienischen Musikzentren und dem
Welfenhof, die vorrangig transnationale Perspektiven in den Blick rückt.
Vassilis Vavoulis (Nottingham/Athen):
The opera theatres of Girolamo Sartorio: An unsung hero of the Baroque
The younger brother of opera composer Antonio Sartorio is a yet unsung pioneer of the
origins of baroque opera in Northern Germany and Europe. Trained in Venice as an architect
and stage designer, Sartorio followed his brother Antonio to Hanover in the 1670s where he
established himself as the chief architect of the court.
Responsible for all the major expansions of the Leineschloss and the Herrenhausen complexes,
Sartorio also found himself on a new career path when Hanover and Hamburg decided to
open new opera houses within a few months of each other. This led to a whirlwind of
commissions for Sartorio who was single handedly responsible for almost all the new opera
ventures in northern Europe: Hanover 1678, Hamburg 1678, Amsterdam 1680, Brussels
1681, Braunschweig(?) 1688, Leipzig 1692, and even Prague in 1703 (in collaboration with
his son). The magnitude of his contribution to opera history has never been fully understood
and acknowledged. Sartorio’s trajectory more broadly attests to the importance of the
historical circumstances of Hanover under the reign of Johann Friedrich. Many of the
processes and initiatives undertaken then, had important repercussions for the cultural and
intellectual history of Europe and were important echoes of the culture that Handel later
witnessed and absorbed himself during his stays in these cities.
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Sektion 3
Leitung: Reinmar Emans (Göttingen)
Nicole Strohmann (Hannover):
Von Grenzen und deren Überschreitung:
Agostino Steffanis hannoveraner Opern im Kontext der europäischen Hofkultur
Während der Regierungszeit von Herzog Ernst August und Sophie von der Pfalz pflegte der
hannoversche Hof eine ausgeprägte europäische Hofkultur. Jene Internationalität durchdrang
sämtliche Bereiche des Hofes und soll paradigmatisch am Vorbild Italiens und Frankreichs
exemplifiziert werden. Venedig mit seiner ausgeprägten Theater- und Festkultur gereichte dem
hannoverschen Hof schon seit langem als Vorbild. Herzog Ernst August führte diese Tradition fort
und reiste 1681 und 1684 bis 1686 zur Karnevalssaison mit seiner Hofgesellschaft stets nach
Venedig. Parallel zur Italienmode orientierte sich der Welfenhof hinsichtlich des Zeremoniells, der
Mode und der Sprache – wie zahlreiche andere Residenzen in der Barockzeit auch – am Vorbild
Frankreichs. Interessant ist nun, jene Internationalität an der musikalischen Praxis aufzuzeigen,
denn diese gewollt europäische Dimension spiegelt sich zugleich auf verschiedenen
musikbezogenen Ebenen: angefangen bei dem angestellten künstlerischen Personal – die Musiker
waren größtenteils französisch, während die Sänger indes überwiegend italienischer Herkunft
waren – bis hin zu den Opern Agostino Steffanis, die sich durch eine Stilsynthese französischer und
italienischer Gattungsmerkmale auszeichnen. Der aus Italien stammende, doch in jeder Hinsicht
kosmopolitische Hofkapellmeister vereinte bereits in persona ein Kaleidoskop verschiedener
Kulturen, und so stehen seine Opern zugleich für jene Internationalität, die Herzog Ernst August
auf dem Weg zur Kurwürde und nach Erhalt derselben im Dienst von Zeremoniell, höfischer
Macht und Repräsentation zu konstruieren suchte. Der Vortrag nimmt diesen frühneuzeitlichen
Kulturaustausch hinsichtlich künstlerisch-zeremonieller Korrelationen in den Blick.
Margret Scharrer (Saarbrücken):
„Hier on dansa un balet“ – Tanz an welfischen Höfen
Die Tanzkunst, wie sie Ludwig XIV. (1638–1715) und seine Vorgänger an ihrem Hof etabliert
hatten, galt an deutschen Residenzen als vorbildlich. Dies führte dazu, dass jedes noch so kleine
Fürstentum des Alten Reiches spätestens im ausgehenden 17. Jahrhundert über einen französischen Maître de danse verfügte, der die Hofgesellschaft von Kindesbeinen an in der Tanzkunst
zu unterweisen hatte. Um auf der höfischen Bühne bestehen zu können, war diese Fähigkeit ein
Muss. Diese Tendenz lässt sich eindeutig an den Welfenhöfen von Hannover, Wolfenbüttel und
Celle bestätigen. Bereits in jungen Jahren erlernten die herzoglichen Kinder das Tanzen. Allen
voran glänzte der Wolfenbütteler Herzogssohn Anton Ulrich (1633–1714) mit der Kreation
eigener Ballette nach französischem Vorbild, die er gemeinsam mit seiner Stiefmutter Sophie
Elisabeth (1613–1676) und dem Kapellmeister des Hofes ins Werk setzte. Wie aus dem Briefwechsel zwischen Sophie von Hannover (1630–1714) und ihrem Bruder Karl Ludwig von der
Pfalz (1617–1680) hervorgeht, verfügte bereits der Hof in Osnabrück über einen Tanzmeister
aus Frankreich. Insbesondere während der 1680er und 1690er Jahre blühte an den drei Welfenhöfen die Tanzkultur. Dies offenbaren nicht nur die zahlreichen Aufführungen von Maskeraden,
Prologen, Balletten, Komödien und Opern, an denen sich die Herzöge und ihre Entourage zuweilen tänzerisch beteiligten, sondern auch die Organisation der Hofkapellen nach französischem
Vorbild. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen vor allem die tänzerischen Darbietungen des
ausgehenden 17. Jahrhunderts und ihre Organisation im innerhöfischen Kontext. Zudem werden
die künstlerischen Netzwerke aufgezeigt, die zwischen den drei Welfenhöfen bestanden.
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Sektion 4
Leitung: Terence Best (Brentwood)
Helen Coffey (Milton Keynes):
Music in early eighteenth-century Hanover
The accession of Georg Ludwig as Elector of Hanover in 1698 brought significant changes to
the musical establishment of the electoral court. Unable to subsidise the Italian opera
introduced by his father Ernst August, Georg Ludwig’s musical patronage focused on his
group of instrumentalists, which increased in number during his reign. These musicians
continued to be employed there following the elector’s departure for London in 1714 when he
became King George I of Great Britain. Records in the Hauptstaatsarchiv Hannover provide
a clear picture of the musical personnel of the Hanover court during the reign of Georg
Ludwig and his successors, as well as the movement of musicians between their posts there
and in other establishments. Yet despite the valuable details presented in archival sources,
these records are not as informative about the works performed by Hanover musicians during
this period. This paper will build on previous scholarship by considering the range of
repertoire available to musicians in Hanover during the first half of the eighteenth century
and will demonstrate the continuing popularity of Handel’s music there.
Reinmar Emans (Göttingen):
Strukturen des Opernbetriebs in Wolfenbüttel/Braunschweig und Hannover.
Distanzierungen und Annäherungen
Dass die beiden Welfenlinien in Wolfenbüttel/Braunschweig und in Hannover trotz zahlreicher Spannungen in regem kulturellen Austausch miteinander standen, zeigt beispielhaft
der Musikbetrieb beider Höfe. Dabei orientierte sich der kleinere Hof Wolfenbüttel/Braunschweig zunächst stark, wenngleich mit einigen Modifikationen, an dem größeren in
Hannover. Die in Braunschweig zu Messezeiten stattfindenden Opernaufführungen folgen
freilich aufgrund ihrer größeren Öffentlichkeit zugleich Regeln, die an die der venezianischen
Oper angelehnt sind. Eine Angleichung an die Strukturen der Hannoveraner Oper, die im
Weiteren auch mit geänderten Schwerpunkten im Repertoire einherging, erfolgte erst mit der
Eröffnung des Hoftheaters in Salzdahlum.
Die wechselseitigen Beeinflussungen sollen überwiegend anhand der vorliegenden und bisher
nur teilweise aufgearbeiteten Archivmaterialien dargestellt werden.
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Sektion 5
Leitung: Hans Dieter Clausen (Hamburg)
Arno Paduch (Leipzig):
„The King shall rejoyce“ – Liturgie, Zeremoniell und Musik zur Krönung Georges I.,
dargestellt nach zeitgenössischen deutschen und englischen Quellen
Die Krönung des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover zum König George I. von
Großbritannien am 20. Oktober 1714 in der Westminster Abbey zu London hat in der
wissenschaftlichen Literatur bisher relativ wenig Beachtung gefunden, da sie musikalisch im
Schatten der Krönungen von 1685, 1689 und selbstverständlich von 1727 stehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die wichtigsten Quellen zur Krönung Georges I. in deutschen
Archiven aufbewahrt werden und somit in der Forschung bisher kaum Beachtung fanden.
Diese Quellen werden im Referat vorgestellt, in einen Zusammenhang zur politischen Lage
in Großbritannien gestellt, auf ihren musikalischen Inhalt überprüft, sowie auf ihre
zeremoniellen, liturgischen und politischen Aussagen hin untersucht.
Matthew Gardner (Heidelberg):
The Preference of the Hanoverians for Handel, 1727–1821
When in 1727 Handel provided four anthems for the coronation of George II, he was
responding to an order given by the soon to be crowned king that he should compose the
music and not Maurice Greene, who as principal Composer and Organist of the Chapel Royal
should have been given the task. In the years that followed, it was Handel who provided
music for important royal occasions – for example, the weddings of Princess Anne and
Frederick Prince of Wales in 1734 and 1736, and the funeral of Queen Caroline in 1737. Not
until after the deaths of Handel and George II was a different composer permitted to write
for important royal events. The anthems at the funeral of George II in 1760, and the
wedding and coronation of George III in 1761 were mostly provided by Greene’s pupil,
William Boyce. Following Boyce’s death in 1779 and the success of the 1784
Commemoration of Handel, George III and the royal family apparently again showed a
strong preference for Handel’s music at royal occasions, rather than employing the services of
living British composers. In 1795, for example, Handel’s 1736 Wedding Anthem, Sing unto
God, was revived for the marriage of Prince George (the future King George IV) and Princess
Caroline, and at the 1821 coronation of George IV an entire scene from Handel’s oratorio
Saul was performed.
This paper explores the preference of the Hanoverians for Handel’s music at ceremonial royal
occasions between 1727 and 1821 covering the reigns of George II and III, whilst also
considering how this affected the careers of Greene and Boyce, as well as the reasons for the
revived use of Handel’s music in the late eighteenth and early nineteenth centuries.
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Sektion 6
Leitung: Graydon Beeks (Claremont, CA)
Donald Burrows (Milton Keynes):
The British royal family, the London opera companies and Handel’s performances,
1732–1743
Although the London theatre companies were not court institutions, their performances were
public functions. The operations of the theatres were regulated by patents and licenses, and censorship was introduced by Parliamentary intervention in 1737. Royal attendance was an asset to
the reputation of the theatres, and the royal family were particularly regular in their attendance
at operas, as a public function that had been continuous since King George I’s accession in 1714.
The 1730s present a complex situation with regard to royal patronage because for four seasons
there were two rival opera companies in London, while at the same time there were personal
tensions and disputes within the royal family. It was also the period when the routine of the
family was altered and disrupted by a succession of events – the break-up of the relationship
between the King and the Prince of Wales, the marriages of the royal children, and the death of
Queen Caroline. The story has sometimes been over-simplified through direct identification of
the Prince of Wales with the Opera of the Nobility, but the situation changed from season to
season and some aspects have to be inferred from events, such as the pattern of reported theatre
attendances. This paper will present a chronological survey of the course of events, and the effects
on Handel’s theatre performances.
Philipp Kreisig (Marburg):
Hochzeitsopern zwischen Staatsakt und Konkurrenzsituation:
Händels Atalanta und Porporas La festa d’Imeneo von 1736 für den Prince of Wales und
Kurprinzen von Hannover
Für die Vermählung des Prince of Wales und Kurprinzen von Hannover mit Prinzessin
Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg 1736 komponierte Händel sein Dramma per musica
Atalanta, während die Opera of the Nobility mit Porporas La festa d’Imeneo eine Festa teatrale zu
den Feierlichkeiten beisteuerte. Da eine Hochzeit den Beginn der Verbindung zweier Häuser
markiert, stellt dieser Anlass wohl das wichtigste dynastische Ereignis dar. Dem gegenüber
steht die kulturelle Ästhetik Londons im 18. Jahrhundert, die zwar vom aristokratischen Milieu
gefördert wurde, sich jedoch weniger am Fürsten als vielmehr an der Öffentlichkeit als
Konsumgesellschaft orientierte. Aufgrund dieser widersprüchlich erscheinenden Aufführungssituation zwischen zwei Adressatenkreisen, dem königlichen Hof als repräsentativer Zielgruppe
einerseits und der das Gros der Unternehmenskosten tragenden Londoner Öffentlichkeit andererseits, sollen zwei Aspekte ins Zentrum gerückt werden: Erstens wird der Frage
nachgegangen, von welchem dieser Adressatenkreise sich Händel und Porpora mit Blick auf die
Konzeption ihrer Opern leiten ließen. Zweitens wird angesichts der nicht „klassisch“ ausgerichteten Hofmusikkultur in London von Interesse sein, ob und worin sich Händels Atalanta und
Porporas La festa d’Imeneo von den im Heiligen Römischen Reich dargebotenen Hochzeitsopern
unterscheiden. Es ist beabsichtigt, als Vergleichsbeispiele hierfür Antonio Caldaras Achille in
Sciro (Wien 1736) sowie Johann Adolf Hasses Alfonso (Dresden 1738) heranzuziehen.
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Sektion 7
Leitung: John H. Roberts (San Francisco, CA)
Lawrence Zazzo (Belfast):
“J’aurai des maitresses”: George II and language in the bilingual 1735 Esther
During the Lent season of 1735 at Covent Garden, Handel gave a series of performances of
Esther, Deborah, and Athalia, with his primo uomo Giovanni Carestini singing his roles, including that of the Persian king Ahasuerus in Esther, almost entirely in Italian. Parallels between the story of Handel’s Esther and the relationship between Queen Caroline, George II,
and his minister Robert Walpole were already recognized by contemporaries, especially in the
context of a run of ‘evil minister’ plays critical of the Walpole administration at London
theatres in the 1730s. This paper will examine how the use of Italian in the 1735 revival
strengthened Esther’s already rich contemporary applications by resonating with contemporary portrayals and anecdotes in poetry, print and portraiture of George II as a polygamist
Old Testament monarch and an awkward speaker of English, reflecting the rather mixed
public regard for the House of Hanover in mid-1730s England.
Peter Holman (Leeds):
Handel’s Lutenist, the Baroque Mandolino in England, and John Francis Weber
Handel seems to have used a lutenist as a regular member of the continuo group of his opera
orchestra in the 1720s and 30s. In this paper I will argue that this individual was not Carlo
Arrigoni, as has been supposed, since he was only in London between c.1731 and 1736 and
seems to have worked for the Opera of the Nobility, the rival to Handel’s company. A more
likely candidate is the lutenist and mandolin player John Francis Weber, a Genoese of
German extraction who worked in London from 1721 or earlier until his death in 1751. I will
also use information about his life and career to throw new light on the three versions of
Philip Mercier’s celebrated painting Frederick, Prince of Wales and his Sisters (1733). This has
conventionally been said to portray Frederick playing a ‘bass viol’ solo accompanied by
Princess Caroline (‘mandora’) and Princess Anne (harpsichord); Princess Amelia is said to be
the person in the picture reading a book. In fact, Frederick plays a violoncello rather than a
bass viol, the plucked instrument is a Baroque mandolino, not a mandora, and it is apparently
Amelia playing it, not Caroline; Weber was Amelia’s music master from 1733. I will argue
that the picture represents the performance of one of Weber’s twelve sonatas for mandolino
and continuo, surviving in a manuscript in the Royal Music Library, now at the British
Library.
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Sektion 8
Leitung: Donald Burrows (Milton Keynes)
John H. Roberts (San Francisco, CA):
Steffani Duets as Handel Sources
In the early eighteenth century the chamber duets of Agostino Steffani were recognized as the
chief classics of this popular genre. Handel was well acquainted with Steffani’s duets from at
least 1706 when he acquired a manuscript collection in Rome, and while in the service at the
court of Hanover between 1710 and 1712 he produced five duets clearly influenced by those
of his predecessor. The present paper deals with three particular topics involving duets by
these two composers: (1) Handel’s use of a Steffani duet as a compositional model in his duet
“Langue, geme” (ca. 1722) and elsewhere; (2) his transformative imitation of several duets
from his Roman collection during the 1740s; and (3) his more transparent borrowing from a
duet sometimes mistakenly attributed to Steffani. It is also argued that two of Handel’s
Steffanian chamber duets were conceived in response to the Jacobite rebellion against
Hanoverian rule in 1745.
Graydon Beeks (Claremont, CA):
Non-authorial changes in Handel’s sacred music for Cannons
The sacred music that Handel wrote for Cannons between 1717 and 1719 displays a
transmission history different from that of many of his other compositions. Neither the
Cannons Anthems nor the Cannons Te Deum were published in his lifetime, which meant
that anyone who wanted copies – and this included collectors of church music as well as
collectors of Handel’s music – needed to acquire them in manuscript form. Since the
composer’s intentions are generally clear in his autograph manuscripts, copies taken directly
from them by scribes under the supervision of John Christopher Smith generally display a
high degree of accuracy.
By contrast, copies deriving from less reliable early copies tend, not surprisingly, to contain
numerous faulty readings. Using the surviving copies of the Cannons Te Deum as a guide,
this paper will trace three types of these readings. The first type consists of faulty text
underlay caused by the failure of the copy text to transmit Handel’s instructions clearly. The
second type consists of attempts to correct what was evidently seen as faulty text underlay by
the composer. The third type consists of the rewriting of Handel’s musical lines for reasons
that are often not clear. The paper will conclude with a discussion of the successes and failures
of Friedrich Chrysander to deal with these faulty readings in his Händel-Gesellschaft edition
of the work.
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KURZBIOGRAPHIEN
Prof. Dr. Graydon Beeks (Claremont, CA)
He is Director of Music Programming & Facilities and Professor of Music at Pomona College in
California, where he also serves as Director of the Pomona College Band. He received his
bachelor’s degree from Pomona College and his master’s and doctorate in music history and
literature from the University of California at Berkeley. He has published extensively on the
music of George Frideric Handel and his contemporaries, and especially on the music of Handel’s
Cannons period. He currently serves as President of The American Handel Society and is a
member of the Editorial Board of the Hallische Händel-Ausgabe and the Vorstand of the GeorgFriedrich-Händel-Gesellschaft.
Dr.Terence Best (Brentwood)
He was born in 1929, and studied Modern Languages (French and Italian) at Oxford University
from 1948 to 1951; he was also devoted to music, having studied the piano from the age of
seven: he took a diploma (LRAM) at the Royal Academy of Music in 1948. After military
service he had a career in teaching languages, and retired in 1990. During this time he
pursued his musical activities vigorously, and his love for the music of Handel led him to an
interest in musicology. Encouraged by the distinguished British Baroque specialist Professor
Thurston Dart at King’s College, London, he was invited to contribute a volume for the
HHA in 1966 (published as HHA IV/6, Klavierwerke III, in 1970). Many other volumes
followed, and he became a member of the Editorial Board of the HHA as are presentative of
the Handel Institute of London. In 1998 he was elected joint Editionsleiter of the HHA, and
in 2003 he was awarded an Honorary Doctorate by the Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg. His edition of Silla in 2014 is his twentieth volume for the HHA. In 2010 he
was made an Ehrenmitglied of the Georg-Friedrich-Händel- Gesellschaft.
Prof. Dr. Donald Burrows (Milton Keynes)
He is Professor of Music at The Open University, Milton Keynes (GB), also Chairman of the
Handel Institute and a Vice-President of the Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft. The year
2005 saw the publication of his edition of Handel’s Samson (in the Novello Handel Edition), and
his book Handel and the English Chapel Royal; his edition of Ariodante was published in 2008 in the
HHA. In 2005 he conducted a concert of Handel’s Chapel Royal music at the time of the
American Handel Society’s Conference in Albuquerque, New Mexico, and in 2007 he conducted
the 50th anniversary concert for the Deal and Walmer Handelian Society. He has just published
volume 1 of George Frideric Handel: Collected Documents.
Dr. Hans Dieter Clausen (Hamburg)
Geboren 1937 in Hannover, studierte er Schulmusik in Berlin und Musikwissenschaft, deutsche
und nordische Philologie in Göttingen und Hamburg. 1962 Staatsexamen Berlin, 1969 Dr. phil.
Hamburg (Händels Direktionspartituren („Handexemplare“), Hamburg 1972). 1966–2001 im
Hamburger Schuldienst (Direktor an einer Gesamtschule). Bandherausgeber (Floridante, Samson)
und Mitglied des Editorial Board der Hallischen Händel-Ausgabe. Veröffentlichungen über
Händels Admeto und Samson.
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Dr. Helen Coffey (Milton Keynes)
She is Lecturer in Music at the Open University. Her research interests primarily concern musical
patronage in German, Austrian and British cities and courts from the fifteenth to the eighteenth
century. She has published on various aspects of the employment of musicians in civic and court
rituals as a reflection of social and political developments. Helen is co-editor of the five-volume
work George Frideric Handel: Collected Documents and is a council member of the Handel Institute,
London. She was awarded a British Academy Small Research Grant in 2012 to carry out research
in Hanover on musical patronage at the electoral court of King George I and received a Handel
Institute Award in 2014 to develop aspects of this research further.
Dr. Sabine Ehrmann-Herfort (Rom)
Studium der Musikwissenschaft, der Klassischen Philologie und der Philosophie an den Universitäten Tübingen und Freiburg i. Br., Promotion im Fach Musikwissenschaft bei Hans Heinrich
Eggebrecht, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Musikwissenschaftlichen Seminar der AlbertLudwigs-Universität Freiburg und am Akademieprojekt Handwörterbuch der musikalischen
Terminologie in Freiburg. Derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin der
Musikgeschichtlichen Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom.
Forschungsschwerpunkte: Oper und Musiktheater, musikalische Terminologie, italienische
Musikgeschichte und Musiktheorie, Migrationsforschung, Kulturgeschichte der Musik.
Dr. Reinmar Emans (Göttingen)
Er studierte in Bonn die Fächer Musikwissenschaft, Germanistik und Italianistik und wurde
1982 mit einer Arbeit über die Kantaten und Canzonetten von Giovanni Legrenzi promoviert.
Von 1983 bis 2006 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Johann-Sebastian-Bach-Institut
Göttingen tätig, bis 1996 als Stellvertreter des geschäftsführenden Direktors. 2000 konzipierte
und organisierte er in Erfurt als wissenschaftlicher Direktor die 1. Thüringer Landesausstellung
„Der junge Bach: weil er nicht aufzuhalten…“. 2010/11 Lehrkraft für besondere Aufgaben an
der Universität des Saarlandes; seit Oktober 2011 Mitarbeiter an einem Projekt zur Musikorganisation an den Welfenhöfen. Herausgeber eines siebenbändigen Bach-Handbuchs (Laaber).
Forschungsschwerpunkte: Oper und Kantate in Italien (17. Jahrhundert); Stilentwicklung bei
Johann Sebastian Bach; Editionsphilologie; Deutsche Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts.
Dr. Matthew Gardner (Heidelberg)
2003 Abschluss des Bachelorstudiums an der Universität Newcastle, England, mit Schwerpunkt
Cembalo, Orgel und Musikwissenschaft; promovierte von 2004 bis 2007 an der Ruprecht-KarlsUniversität Heidelberg als Stipendiat des DAAD mit einer Dissertation über Handel and Maurice
Greene’s Circle at the Apollo Academy: the Music and Intellectual Contexts of Oratorios, Odes and Masques
(veröffentlich mit V&R Unipress, 2008). Nach einer Tätigkeit als Lehrbeauftragter am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg im Wintersemester 2007/08 war er dort
von 2008 bis 2011 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent beschäftigt. Derzeit vertieft
er seine Forschung über Musik in England und arbeitet seit September 2011 an einer Monographie über The Business of Singing in England 1660–1760, gefördert von der DFG.
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Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann (Halle)
Geboren 1960; Studium der Musikwissenschaft, Neueren deutschen Literaturgeschichte und
Theaterwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Promotion 1985 mit Studien zum
Konzertschaffen von Georg Philipp Telemann. Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(Postdoktoranden- und Habilitanden-Stipendien) und Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen
Institut der Universität Erlangen. 1999 Habilitation mit der Schrift Auctoritas und Imitatio.
Studien zur Rezeption von Guidos „Micrologus“ in der Musiktheorie des Hoch- und Spätmittelalters;
Privatdozent, seit 2002 akademischer Rat, seit 2005 außerplanmäßiger Professor am
Musikwissenschaftlichen Institut Erlangen. Seit 2007 Professor für Historische Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Zusammen mit Dr. Terence Best Editionsleiter der Hallischen Händel-Ausgabe und seit Dezember 2007 Präsident der Mitteldeutschen Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e. V. Seit Juni 2009 Präsident der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V., Internationale
Vereinigung.
2003 bis 2010 Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung des deutschen Kirchenlieds e. V.;
seit 2006 Mitherausgeber der Gesamtausgabe der Vokalwerke Johann Pachelbels. 2007 bis 2010
Schriftleitung der Zeitschrift Die Musikforschung (Berichte und Rezensionen) und Durchführung
des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojektes „Johann
Mattheson als Vermittler und Initiator. Wissenstransfer und die Etablierung neuer Diskurse in
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (zusammen mit Prof. Dr. Bernhard Jahn, Hamburg).
Seit 2011 Editionsleiter der Telemann-Auswahl-Ausgabe (zusammen mit Dr. Lutz Buchmann).
Prof. Dr. Peter Holman (Leeds)
He is Emeritus Professor in Historical Musicology at the University of Leeds and the author of
books on the violin at the English court, Henry Purcell and John Dowland. His Life after Death:
the Viola da Gamba in Britain from Purcell to Dolmetsch was published in 2010. At present he is
working on a study of conducting and musical direction in Georgian Britain. He is also active as
a performer, directing The Parley of Instruments, the Suffolk Villages Festival and Leeds
Baroque, among other groups.
Philipp Kreisig (Marburg)
Er studierte von 2005 bis 2008 Musikwissenschaft (Bachelor) und von 2008 bis 2009 Erschließung älterer Musik (Master) an der Technischen Universität Dresden und promoviert als
Graduiertenstipendiat am Musikwissenschaftlichen Institut der Philipps-Universität Marburg
über Giovanni Alberto Ristori und die höfische Oper in Dresden, Wien und München in der ersten Hälfte
des 18. Jahrhunderts. Sein Projekt widmet sich der Erschließung des musikdramatischen Œuvres
Ristoris und der Hofoper als Präsentationsmedium für dynastische Beziehungen. Zur Zeit ist er
als Herausgeber für die Denkmäler der Tonkunst in Dresden sowie für das schwedische Verlagshaus
Gran Tonante tätig.
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Arno Paduch (Leipzig)
Er studierte Musikwissenschaft in Frankfurt am Main sowie Zink und Historische Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basiliensis und arbeitet regelmäßig mit den wichtigsten
Ensembles für Alte Musik in Deutschland zusammen, konzertiert in Deutschland und dem
europäischen Ausland, wirkt bei Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mit und hat mittlerweile an
über 80 CD-Produktionen teilgenommen.1992 wurde er zum Dozenten für Zink und Ensemblemusik an die Abteilung für Alte Musik der Musikhochschule in Leipzig berufen. Dort gründete
er 1995 das Johann-Rosenmüller-Ensemble, das mittlerweile den Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit bildet. Neben seiner musikalischen Tätigkeit hat er mehrere Aufsätze zur Musik des
16. und 17. Jahrhunderts veröffentlicht und war als einer der Intendanten maßgeblich an der
Realisierung des 43. Internationalen Heinrich-Schütz-Festes Hannover 2011 beteiligt. Im Jahr
2015 übernimmt er die Intendanz des Festivals „Dalheimer Sommer“ im ehemaligen Kloster
Dalheim bei Paderborn.
Prof. Dr. Arnd Reitemeier (Göttingen)
Er studierte 1986 bis 1992 Geschichte und Anglistik, Politikwissenschaft und Pädagogik an den
Universitäten Göttingen und St. Andrews. 1993/94 war er freier Mitarbeiter am Deutschen
Historischen Museum Berlin, absolvierte 1994 einen Forschungsaufenthalt in England (Stipendien des Deutschen Historischen Instituts London und des DAAD) und promovierte 1996
bei Prof. Dr. H. Boockmann (Göttingen) mit einer Arbeit über Außenpolitik im Spätmittelalter: Die
diplomatischen Beziehungen zwischen dem Reich und England 1377–1422; 1997–2002 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für die Geschichte des Mittelalters, Historisches Seminar der
Universität Kiel, an der dortigen Philosophischen Fakultät 2002 Habilitation (Titel der
Habilitationsschrift: Pfarrkirchen in der Stadt des späten Mittelalters: Politik, Wirtschaft und
Verwaltung); 2002–2004 Geschäftsführer des Organisationsbüros 45. Deutscher Historikertag;
2004–2008 Oberassistent am Lehrstuhl für die Geschichte des Mittelalters an der Universität
Kiel. Seit Oktober 2008 Inhaber der Professur für niedersächsische Landesgeschichte an der
Universität Göttingen, zugleich Leiter des Instituts für Historische Landesforschung; seit 2011
Sprecher des Promotionskollegs „Die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover
1714–1837 als Kommunikations- und Handlungsraum“.
Prof. Dr. John H. Roberts (San Francisco, CA)
He is Professor of Music Emeritus at the University of California, Berkeley, where for twenty
years he was also head of the Jean Gray Hargrove Music Library. He received his Ph.D. from
Berkeley with a dissertation on Meyerbeer. He has written extensively on Handel, particularly
his borrowings from other composers, and edited the nine-volume facsimile series Handel Sources
(1986). His reconstruction of Handel’s pasticcio opera Giove in Argo was recently recorded on
Virgin Classics and will be published in the Hallische Händel-Ausgabe. He has served as
President of the International Association of Music Libraries, Archives and Documentation
Centres and the American Handel Society and is currently a member of the editorial boards of
the Hallische Händel-Ausgabe, RISM, and Grove Music Online.
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Prof. Dr. Heide Norika Rohloff (Hannover)
Geboren 1936, nach Tätigkeit im sozialen Bereich Studium der Pädagogik auf dem zweiten
Bildungsweg, Schuldienst, Assistentin im Fach Schulpädagogik. Zweitstudium der Anglistik,
Philosophie und Pädagogik. Promotion mit einer Arbeit über Klassizismus und Beginnende
Romantik. 1983–2001 Professorin für englische Kultur- und Literaturwissenschaft an der Universität Hannover. Arbeitsschwerpunkte: Englische Sozial-, Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte, Monarchie, Politische Theorien, Personalunion Großbritannien–Hannover, Bau- und
Gartenkunst, Romantik. Neuübersetzung sämtlicher Shakespeare-Sonette. Zahlreiche Universitätsämter, u. a. Dekanin, Vertrauensdozentin des Cusanuswerks 1985–2001, Zentrale
Frauenbeauftragte 1993–1997, Mediatorin. Organisation zahlreicher Projekte auf dem Gebiet
der deutsch-englischen Kulturbeziehungen, mehrere Ausstellungen mit Herausgabe der Begleitbände/Kataloge. 30 Jahre Organisation und Leitung von wissenschaftlichen Studienreisen. Seit
2006 im Gasthörendenstudium tätig.
Dr. Margret Scharrer (Saarbrücken)
Geboren 1975; studierte Geschichte, Musikwissenschaft und historische Hilfswissenschaften an
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Universität Charles de Gaulle in Lille (III)
und der Sorbonne in Paris (IV). Zwischen 2002 und 2007 war sie Stipendiatin der Landesgraduiertenförderung Sachsen-Anhalt und der Rolf und Ursula Schneider Stiftung an der
Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. 2011 verteidigte sie ihre Promotion mit dem
Thema Zur Rezeption des französischen Musiktheaters an deutschen Residenzen im ausgehenden 17. und
frühen 18. Jahrhundert und wurde Mitglied der Association Lully und des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur. Sie beteiligt sich an dem interdisziplinären Projekt „Les oiseaux
chanteurs: Sciences, pratiques sociales et représentations en Europe du Moyen Âge à nos jours“,
das an den Universitäten von Burgund und Valenciennes angesiedelt ist. Seit April 2012 Mitarbeiterin am Institut für Musikwissenschaft der Universität des Saarlandes. Forschungsschwerpunkte bilden das französische Musiktheater im 17. und frühen 18. Jahrhundert, deren
Rezeption, Reisen und Musik im 17. und 18. Jahrhundert sowie die Wechselwirkungen zwischen
Natur und Musik in der Chanson des 15. und 16. Jahrhunderts.
Dr. Nicole Strohmann (Hannover)
1996–2002 Lehramtstudium Musik (Schwerpunkt Gesang), Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Erziehungswissenschaft an der Folkwang Universität der Künste Essen und
Deutsch an der Universität Duisburg-Essen, anschließend dort Studium der Betriebswirtschaftslehre; 2005–2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Musik & Theater
Hamburg; Forschungsaufenthalt an der Harvard University, Cambridge MA, USA; 2010
Promotion im Fach Musikwissenschaft (Dr. phil.) an der Folkwang Universität der Künste Essen;
seit März 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Historische Musikwissenschaft /
Gender Studies im Forschungszentrum Musik und Gender an der Hochschule für Musik,
Theater und Medien Hannover; Forschungsschwerpunkte: Musikgeschichte im deutschsprachigen Raum des 17. und 18. Jahrhunderts, Musik am Hof Hannover, Agostino Steffani.
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Prof. Dr. Colin Timms (Birmingham)
He is Professor Emeritus at the University of Birmingham. He was educated at the University of
Cambridge and at the King’s College London, where his doctorate on Steffani’s chamber duets
was supervised by Thurston Dart and Brian Trowell.
After two years at Queen’s University, Belfast, he moved in 1973 to the University of
Birmingham, where he was elected Peyton and Barber Professor of Music in 1992. He has edited
two volumes of cantatas and duets by Steffani, written a prize-winning book on the composer
(Polymath of the Baroque: Oxford University Press, 2003) and, with Lowell Lindgren, edited
Steffani’s correspondence with Giuseppe Riva (RMARC, vol. 36, 2003). He also has edited
cantatas by Stradella and contributed forty articles to the latest edition of Grove’s Dictionary,
including the bulk of the article on the Italian Cantata. His current projects include editions of
Stradella’s oratorio San Giovanni Crisostomo and Vivaldi’s op. 11, and a study of the patronage of
Violante Beatrice, grand-princess of Tuscany in the late seventeenth and early eighteenth
centuries.
Colin Timms is secretary to The Handel Institute London, editor of its Newsletter and editor of
Theodora for the Hallische Händel-Ausgabe.
Dr. Vassilis Vavoulis (Nottingham/Athen)
He (Diploma, BA, MMUs, DPhil) is a musicologist and harpsichordist with studies in Athens,
London, Liverpool, Rome, and Oxford. He is currently responsible for the UK branch of RILM
(British Library/University of Nottingham), and also professor of harpsichord at Atheneon
Conservatory (Athens). He has recently published the book Nel theatro di tutta l’Europa:
Venetian-Hanoverian Patronage in 17th-Century Europe (Lucca: Libreria Musicale Italiana, 2010).
Apart from music, he also holds a degree in Italian Language and Literature.
Lawrence Zazzo (Belfast)
Born in Philadelphia, American countertenor Lawrence Zazzo studied English literature at Yale
University, music at King’s College, Cambridge, and voice at the Royal College of Music. As an
opera singer, he has performed in major opera houses throughout the world, including the
Metropolitan Opera, Opera de Paris, Royal Opera Covent Garden, Berliner Staatsoper, Bayerische Staatsoper Munich, La Monnaie Brussels, Vienna, Lyon, Hamburg, Frankfurt, Glyndebourne, and Santa Fé. He has worked with leading conductors in both early and contemporary
music including René Jacobs, William Christie, Nikolaus Harnoncourt, Trevor Pinnock,
Christopher Hogwood, James Conlon, Peter Eötvos, and Thomas Adés, and regularly appears in
concerts and recitals at the Wigmore Hall, Versailles, the Edinburgh Festival, Lincoln Center,
Leipzig Bach Festival, Theatre des Champs-Elysées, and the Wiener Konzerthaus. His CD and
DVD recordings include Giulio Cesare, Rinaldo, Serse, Partenope, Riccardo Primo, Griselda, Saul,
Deborah, Messiah, Byrdland, Lunarcy, Lotario, Fernando Ré di Castiglia, Chichester Psalms, Stabat
Mater, Apollo et Hyacinthus, and Mitridate. He is currently a PhD candidate at Queen’s
University, Belfast, researching Handel’s bilingual oratorio revivals in the 1730s.
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INFORMATIONEN
www.haendel.de
www.haendelhaus.de
KONTAKT
Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
[email protected]
Dr. des. Annette Landgraf, Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V., [email protected]
Dr. Konstanze Musketa, Stiftung Händel-Haus Halle, [email protected]
VERANSTALTUNGSORTE
Stadthaus am Markt
Händel-Haus
Große Nikolaistraße 5
06108 Halle
Tel. 0345–500900
Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei und steht allen Interessierten offen. Eine
Voranmeldung ist nicht erforderlich.
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