grenzenlos 1/2008

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grenzenlos 1/2008
Heft 2/2002
www.kindermissionswerk.de
grenzenlos
Eine Welt in Schule & Gemeinde
Lasst uns
nach Ghana
gehen
Thema im Unterricht
Stoffe und
Symbole
Materialien
Das Lied
der bunten
Vögel
Märchen aus Ghana
Vorwort, Inhalt, Editorial
Eine Überraschung aus Ghana
hat mich schon vor zwanzig Jahren fasziniert. Beim Katholikentag ‘82 hatte ich in der Düsseldorfer Philipshalle ein Offenes
Singen mit einigen tausend Jugendlichen zu moderieren: „Lieder
der Völker“. Ganz unprogrammgemäß bevölkerte auf einmal der
Kumasi-Chor aus Ghana die Bühne. (Es gibt ihn noch heute,
wenn auch manche seiner Mitglieder - wie ich - inzwischen „in
die Jahre“ gekommen sind!) Mit einem unglaublichen urmusikalischen Temperament überstrahlten die Singenden und
Swingenden schlagartig alle anderen beteiligten Gruppen. Die
Begeisterung in der Halle schlug hohe Wellen.
Seitdem bin ich mehrfach nach Ghana eingeladen worden,
sei es von einer „Weißen Schwester“, die schon lange dort arbeitet, sei es von engagierten Menschen in unserem Land, sei es
von ghanesischen Besuchern im KINDERMISSIONSWERK.
„Lasst uns nach Ghana gehen?“ Leider hat es bis jetzt noch
nicht geklappt. Immerhin habe ich damals in Düsseldorf auf
offener Bühne von dem Bischof, der „seine“ Gruppe begleitete,
gelernt, was in seiner Sprache „selig“ heißt: SHIRAMI“
Damit grüße ich Sie und wünsche Ihnen aus diesem Heft
viele gute Impulse.
Inhalt
Thema im Unterricht
Zukunftsperspektiven und Armut
in Ghana
Wulf Schmidt-Wulffen . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Länderübersicht Ghana . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Erzählen in Afrika
Das Lied der bunten Vögel
Ein Märchen aus Ghana . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Vorschläge zur Umsetzung . . . . . . . . . . . . . 14
Die Bedeutung der Erzählkunst
in Afrika (mit Impulsen). . . . . . . . . . . . . . . 16
Sprichwörter bei uns und in Afrika
Marlies Gahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Anregungen und Materialien
Symbole und Stoffe in Ghana . . . . . . . . . . 20
Rezept und Spiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Thematischer Zugang
Kakao: Die Kinder in den Anbauländern
kennen die Süße der Schokolade nicht
Bernhard Salomon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Impulse zu Kakao und Schokolade . . . . . . . 32
Fairer Handel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Unterrichtsskizze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Projektbeschreibung
Bei Regen fällt die Schule aus
Eine Einladung zum Mithelfen
Barbara Osterwinter . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
Stundenentwurf zum Schulwechsel
In Gottes Händen - in Gottes Segen
Friedrich Fiederlein / Carola Steinhilber. . . 40
Winfried Pilz
Präsident
Berichte
Sankt Martins-Aktion 2001 . . . . . . . . . . . . . 51
Auf der DIDACTA in Köln . . . . . . . . . . . . . . 52
Hinweise und Materialien . . . . . . . . . . . 53
Liebe Leserinnen und Leser!
mit der ,Aufforderung’, „Lasst uns nach Ghana gehen“, möchten wir Sie einladen, dieses afrikanische Land mit vielen unterschiedlichen Facetten, ein Stück weit kennen zu lernen. Afrika ist ja nicht gleich Afrika und darum versuchen wir mit den Themen dieses Heftes ein etwas differenzierteres Afrikabild zu vermitteln.
Auch wenn es den Anschein erweckt, dass einige Themen das eher Negative und Problembeladene zeigen, werden
doch auch Perspektiven aufgezeigt, die Hoffnung andeuten.
Mit den hier vorliegenden Beiträgen zu Armut, Erzählkunst in Afrika, Sprichwörtern, Stoffen und Symbolen,
Rezept und Spiel, Kakao und Schokolade, haben wir eine Fülle von Material zur individuellen Gestaltung in der
Schule erarbeitet.
So eignen sich Themen wie Armut, Sprichwörter, Stoffe und Symbole eher für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, während das Thema Kakao/Schokolade sicher für jedes Kind in der Grundschule von Interesse ist.
Das hier vorgestellte Material zu „Schokolade/Kakao“ kann ergänzt werden durch Themen und Fakten im beiliegenden Heft „Sternsinger Mission“ 2/2002,das im Klassensatz kostenlos bestellt werden kann.Die Unterrichtsskizze
zum Thema verweist an entsprechender Stelle auf die jeweils im Heft „Sternsinger Mission“ zu findenden Texte.
Viele der Beiträge sind handlungsorientiert und vermitteln Erfahrungen, die Schülerinnen und Schüler zu einem
positiven Bild von Afrikas, insbesondere von Ghanas hinführen können.
Mit dem Beitrag „In Gottes Händen – in Gottes Segen“, hat Dr. Fiederlein passend zum kommenden Schuljahresende einen Stundenentwurf konzipiert. Er ist für Schülerinnen und Schüler an der Schwelle zum Übergang in weiterführende Schulen gedacht
Dass auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, „in Gottes Händen - in Gottes Segen“ bleiben mögen, das wünscht Ihnen
Ihre Redaktion
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Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
Thema im Unterricht
Zukunftsperspektiven und
Armut in Ghana
„ ... Armut herrscht für mich in Afrika: Kein Geld,
keine Arbeit, kein Dach über dem Kopf. Ich verstehe
nicht, wie die mit ihrem Leben zurecht kommen.
... Viele Kinder schauen dich mit großen Augen an, sie
wissen nicht, warum sie arm sind. ... Wir haben es afrikanischen Kindern gegenüber gut, wir kriegen alles,
was wir haben wollen. – Armut, das ist für mich Afrika
und die Dritte Welt, obwohl es bei uns auch Armut
gibt.“
D
Afrikaner schildern Armut demgegenüber als eigenes Erleben.
Sie beziehen sie ganz überwiegend auf sich selbst. Meine Umfragen in Ghana 1999 und 2001,
in denen ich versuchte, die In-
nisses: Ohne Einkommen keine Zukunft, keine Selbstachtung, ja manchmal sogar der
Verlust der eigenen Moral.
■ Für ältere Menschen, die schon
auf ihr Leben zurückschauen,
verbindet sich Armut bzw.
Nichtarmut eher mit dem sozialen Status, den sie in ihrer
Umgebung einnehmen: Erleben sie auch die Achtung der
Jüngeren?
■ Für die Selbsteinschätzung der
Frauen ist ausschlaggebend, ob
sie die Ernährung ihrer Familie, vor allem ihrer Kinder zu
gewährleisten vermögen, wobei ihr Verständnis von
Ernährung sich auch auf Gesundheit und Schulbildung erstreckt.
nensicht dortiger Armut für unsere Schüler aufzuhellen, zeigt „unter dem Strich“, dass es Altersund Geschlechterperspektiven
von Armut gibt und die gehen jeweils über den bloßen Mangel an
Geld hinaus. Geldmangel ist nur
die „objektive“ Seite der Armut.
Zu ihr gesellen sich zahllose
„subjektive“ Aspekte, die Einblick
in den Alltag der Menschen gestatten.
Armut wird auf eine einfache
Formel gebracht: Arm ist, wer
nichts zu essen hat und keine Familie, die für ihn sorgt. Hat er eine Familie, hat er auch zu essen.
Armut wird nicht allein als individuelles Schicksal gesehen. Sie
wird oft mit dem Potenzial der
Region und der Sozialgruppe, der
man angehört, in Zusammenhang
gebracht. Im vernachlässigten
Norden wird die Umweltsituation und damit auch die Armut
krasser erlebt als im „reichen“
Süden: „Unser Dorf hat Landmangel, unsere Böden sind ausgelaugt, wir ernten nur noch einen Bruchteil von dem vor zehn
Jahren“. Und: „Wir hören manchmal im Radio, welche Hilfe die
Regierung vom Ausland erhält.
Aber die Regierung kennt uns Arme nicht“, so ein namenloser
Bauer.
■ Bei Jugendlichen steht die
Frage nach einem Job, nach
guter, dauerhafter Arbeit im
Zentrum ihres Armutsverständ-
Die Befragten
Foto:W. Schmidt-Wulffen
ie obige Umfrage aus einer
8. Realschulklasse macht
deutlich:Armut verbindet
sich bei unseren Schülern in erster Linie mit Afrika, obwohl ihnen bewusst ist, dass es sie auch
in Deutschland und anderswo
gibt. Armut ist ein Phänomen, das
sie aus der Distanz, aus der Anschauung wahrnehmen, das andere Menschen betrifft, nicht sie
selbst. Armut spricht sie in erster
Linie auf der Gefühlsebene an;
sie ist weniger präsent im Sinne
sozio-ökonomischer Kriterien.
Wulf Schmidt-Wulffen
Armut in Afrika – am Beispiel
Ghanas. Fragen dazu habe ich im
wesentlichen Jugendlichen gestellt, allen voran Gymnasiasten,
Privilegierten also (AchunotaSchool in Accra,Vitting-SS-Technical-School in Tamale). Daneben
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Mission
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aber auch einigen „normalen“
Jugendlichen: Schulabbrechern,
Chancenlosen, Gescheiterten –
den augenscheinlich wirklich Armen. Daneben antworteten auch
einige Erwachsene unterschiedlicher Schichtzugehörigkeit.Warum dann die Bevorzugung Jugendlicher?
1. Afrikaner sind für unsere Schülerinnen und Schüler nicht in
erster Linie Erwachsene, Bauern, Arbeiter und Stadtbewohner, sondern Gleichaltrige,
Jugendliche (vgl. Schmidt-Wulffen 1999).
2. Kinder und Jugendliche sind in
Ghana die am stärksten von Armut betroffene Gruppe. 72 %
aller 5 – 18-Jährigen gehören
offiziell der Gruppe der Armen
an (Dueda 2001). Dabei muss
zwischen Schülern im vernachlässigten Norden und denen im
„goldenen“ Süden unterschieden werden.
Da bei der Armutswahrnehmung
nicht nur von Geschlechter-, sondern auch von Altersklassenunterschieden ausgegangen werden
sollte (Narayan 2000), wurden
auch einige ältere (über 40 Jahre)
wie jüngere Erwachsene (20 – 30
Jahre) befragt. Dabei handelte es
sich z.T. um langjährige, z.T. um
zufällige Bekanntschaften.
Ermittlung des Armutsverständnisses:
Vorgehensweise
Leitfragen waren die folgenden:
■ Wir Europäer halten Afrikaner
stets für arm. Zählst du dich
auch zu den Armen?
■ Was hast du für Gefühle, wenn
du an Armut denkst?
■ Was vermisst du im alltäglichen Leben besonders?
■ Kannst du dir die Armut bei
euch erklären?
■ Siehst du einen Weg für dich,
aus der Armut herauszukommen?
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Schule
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Mission
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Das Thema im Unterricht
Thema im Unterricht
1. Wie ihr das Thema bearbeiten könnt
Teilt die fünf Befragtengruppen (siehe unten) nach euren Neigungen so auf, dass ihr sie in Tischgruppen bearbeiten könnt.
Analysiert dabei die Charakteristika von Armut sowie die Zukunftsperspektiven, so wie ihr sie in den Stellungnahmen der
Ghanaer (M) findet und notiert diese als Stichworte auf breiten Papierstreifen.Viele der Statements sind mit einem Hinweis auf Zusatzinformationen (Z) versehen. Lest die entsprechenden Informationen. Ihr solltet bei eurer Präsentation
berichten können, was ihr darin an Erklärungen gefunden
habt. Ähneln die Ghanaer uns in ihrem Empfinden, Denken
und Handeln oder sind sie eher anders als wir?
2.
Schülerinnen im
Süden Ghanas
1.
Schüler im
Süden Ghanas
Armut
in Ghana
3.
Schüler im
Norden Ghanas
4.
Schülerinnen im
Norden Ghanas
5.
Erwachsene
Männer u. Frauen
2. Präsentation:
Übertragt mit Hilfe einer Folie den Grundriss Ghanas auf ein
großes Plakat.Tragt dort die Städte ein, in denen Befragungen
vorgenommen wurden. Haltet eure Erkenntnisse in Stichworten auf Papierstreifen fest, die ihr dann lagegerecht - der jeweiligen Stadt/Region zugeordnet - auf das Plakat klebt. Die
Wortstreifen sollen die verschiedenen Aspekte von Armut charakterisieren, z. B.: "keine Familie - keine Zukunftsperspektive". Benutzt dabei unterschiedliche Farben für die verschiedenen Armutsgruppen, z. B. „Schülerinnen" blau, "Erwachsene"
schwarz.Vergesst nicht eine entsprechende Farblegende am
Fuß des Plakats.
Materialien
Befragungsergebnisse
M 1 Schüler im Süden Ghanas
(Achimoto SSS Accra, 38 Schüler)
Von 38 Schülern zählten
sich nur zwei persönlich
zu den Armen. Zwei antworteten mit „teils-teils“.
Viele Antworten zeigten
eine sehr emotionale Ablehnung der Frage:
„Nein, auf gar keinen
Fall“ – „Nooo“ – No!!!“
Infolgedessen wurden
die Fragen „Wie fühlst
du dich, wenn du an Armut denkst“ und „Was
vermisst du im Alltag besonders?“ nicht beantwortet oder mit der Aussage abgewiesen: „Ich
kann nichts fühlen/vermissen, weil ich nicht
arm bin.“ Auch für die
beiden Folgefragen fühlten sich diese Schüler
mangels Betroffenheit
nicht zuständig. Die Ausnahmen:
Foto:W. Schmidt-Wulffen
Mensah-Joseph, 17:
„Ja, ich bin arm, ich fühle
mich unglücklich, arm
zu sein und mit den anderen nicht mithalten zu
können.Was ich am meisten vermisse, ist das
Geld für Schulbücher, anständige Sandalen usw.
Es ist immer wieder eine
Zitterpartie, ob meine Eltern das Schulgeld aufbringen können! (Z 10)
Ich schäme mich. Ein Weg aus
der Armut? Mein Ziel ist es, Arzt
zu werden. Das bedeutet unglaublich harte Lernarbeit.“
Yaw-Kye, 16: „Ich bin nicht
arm, fühle mich aber unglücklich, dass wir so viele arme Menschen in unserer Gesellschaft haben. Mich tröstet, dass das ein
weltweites Problem ist. Ich habe
dank meiner Eltern alles, was ich
zum Leben brauche.“
Joseph Owusu-Boateng, 16:
„Ich bin nicht arm. Das verdanke
ich meinen Eltern. Sie versorgen
mich mit allem, was ich brauche.
Ich bin traurig, dass es bei uns so
viel Armut gibt.Wer arm ist, hat
keine Chance, seine Lebensziele
zu erreichen. Um nicht arm zu
werden, arbeite ich hart in der
Schule, bin patriotisch und beachte alle christlichen Gebote.“
(Z 3)
Ohne Namen, 17: „Ich bin
nicht arm, aber das Leben ist erbärmlich, wenn du zu den Armen
gehörst. Du hast keinen sozialen
Status, du zählst nichts. Du hast
keine Freunde und jede Krankheit wird zum Problem. Aus der
Armut führten nur Bildung und
Ausbildung des ganzen Volkes,
um unsere Ressourcen zum eigenen Nutzen auszubeuten und
nicht für die ausländischen Konzerne.“ (Z 2)
M 2 Schülerinnen im Süden Ghanas
(Achimoto SSS Accra, 60 Schülerinnen)
Bei den Schülerinnen ergab sich
ein anderes Bild: Zehn von ihnen
bekannten sich zu persönlicher
Armut, 28 lieferten differenzierte
Antworten („teils-teils“).Aber
selbst die verneinenden Stellungnahmen wiesen die Berechtigung
der Frage nicht zurück. Dafür
zwei Beispiele:
Cynthia Awuse, 17: „Armut ist
ein Leben im Elend. Das ist eine
Katastrophe. Du bist von allem
ausgeschlossen, ein Nichts, niemand beachtet dich! Wenn ich
etwas vermisse, dann, dass die
Ausbildung nicht gut genug ist.“
Gracee Newman, 16: „Ich bin
gewiss nicht arm. Ich vermisse
auch nichts, weil meine Eltern
mir stets zur Seite stehen. Arm
sein bedeutet, auf Lebensnotwendigkeiten verzichten zu müssen,
auf ausreichend Essen, Kleidung,
Geld und sich bei allem, was man
vom Leben erwartet, vor sehr engen Grenzen zu sehen. Raus kommen wir da nur durch große gemeinsame Anstrengungen, harte
Arbeit und viel Lernen, gemäß
dem Sprichwort that many little
drops of water can make a mighty ocean.“
Mädchen, die sich als arm
bezeichnen:
Emma Assiedu, 17: „Meine
Armut ist nicht eine Frage des
Geldes.Wenn ich sehe, wie die
Menschen in Europa leben, dann
fühle ich mich einfach hoffnungslos unterlegen. Dabei arbeite ich sehr hart an mir und sitze
nicht nur die Schulzeit ab. Ich
setze mir Ziele, aber dennoch habe ich Zweifel, dass ich über die
Universität aus der Armut herauskommen. Dabei möchte ich mit
meinem Wissen auch meinem
Land bei der Entwicklung helfen.“ (Z 10)
Delight Agbotta, 17: „Ich bin
arm. Ich fühle mich schlecht. Aus
der Armut heraus kommt man
nur durch persönliches positives
Verhalten gegenüber der Arbeit
und durch Bildungsanstrengungen.“
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Mission
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Thema im Unterricht
„Gespaltene“ Stellungnahmen:
M 3 Schülerinnen im Norden Ghanas
Yvonne Folivi, 16: „Persönlich
besitze ich nicht viel, aber arm
bin ich nicht. Denn ich habe liebe Eltern, die für mich aufkommen. Sie geben mir Schutz und
Unterkunft, Essen und bringen
das Schulgeld auf. Denke ich an
die vielen bedürftigen Leute, die
Obdachlosen und Straßenkinder
in der Stadt, hab ich ein schlechtes Gewissen. In meinem Alltag
vermisse ich nichts außer wenn
ich sehe, dass es da Leute gibt,
die nur so mit Geld um sich werfen, während ihre Kinder in der
Schule versagen. Ich bin dankbar,
dass ich noch nie zu Hause bleiben musste, weil meine Eltern
das Schulgeld nicht zusammen
kriegten.“ (Z 9)
(Vitting SS-Technical School Tamale,
22 Schülerinnen)
Ratine fürchtet, von der Schule
zu fliegen. Ihre Eltern haben so
wenig Geld, dass sie das Schulgeld ständig verspätet zahlen
(Z 10). Außerdem ist sie schlecht
in der Schule:Wenn sie nach
zehn Stunden nach Haus kommt,
muss sie noch helfen. Lernen
kann sie erst abends. Aber im
Dorf gibt es keine Elektrizität.
Eine Zukunft kann sie sich nur
vorstellen, „wenn Gott uns all die
Dinge beschert, die uns fehlen“
(Z 3).
Foto:W. Schmidt-Wulffen
Nama vermisst den Respekt
durch ihre Freunde. „Ich werde
immer an dem gemessen, was ich
habe.“ Sie hat Zweifel, ob sie jemals eine Familie ernähren kann.
Dazu müsste die Regierung
Fabriken und Jobs in den Norden
bringen.
Ssah fühlt sich von denen ausgegrenzt, die sich reicher fühlen.
Armut ist für sie Erniedrigung,
so dass man keine Chance mehr
sieht, seine Ziele zu erreichen.
Von der Zukunft erwartet sie
nichts: „Wenn du arm bist, hilft
dir keiner. Denn die anderen sind
auch arm und wer mehr hat, gibt
auch nichts – wenigstens hier im
Norden.“
Hanna schämt sich ihrer zerschlissenen Kleider und ihrer
ganzen erbärmlichen Lebensumstände. Dennoch sieht sie der
Zukunft optimistisch entgegen:
Wenn du auch nach der Schule
keine Arbeit bekommst, brauchst
du nur Ideen, dir selbst eine Arbeit zu schaffen (Z 5).
M 4 Schüler im Norden Ghanas
Gwendoly Aryee, 16: „Ich kenne die Kriterien nicht, nach denen man urteilt – ihr urteilt – ob
man arm ist oder nicht. Sind Europa und die USA der Maßstab,
sind wir alle arm (Z 1). Aber
wenn ich mich nur in Ghana sehe, bin ich nicht arm. Natürlich
gibt es Dinge, die ich gern hätte.
Aber wenn du dir das nicht leisten kannst, lebst du halt im Rahmen dessen, was dir möglich ist.
Ich denke, wir kommen aus der
Armut heraus, wenn die Landwirtschaft mehr gefördert
würde, wenn die Bauern vorankommen statt in die Stadt abzuwandern und wenn die ausländischen Investoren mehr in Jobs
für die vielen jungen Menschen
investieren statt in Maschinen. So
aber geben immer mehr Junge
auf und verlassen ihr Land.“
6
Mit einer Ausnahme zählen sich
alle Mädchen zu den Armen. Sie
fühlten sich „traurig“ oder „unglücklich“.
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Mission
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(Vitting-Sen.-Sec.-Technical School Tamale,
50 Schüler)
Von den 50 Schülern bezeichneten sich 46 als arm. Sie fühlten
sich „traurig“, „ganz klein“, „unwohl“, „unglücklich“ oder
schämten sich.
Yamaya sieht sich wie in einem
fensterlosen Zimmer eingeschlossen. Er vermisst eine Ausbildung,
die eine Aussicht auf Arbeit eröffnet. Er fühlt sich von vielen Dingen ausgeschlossen, für die man
Geld braucht. Das fängt schon
mit dem Schulgeld an. Armut ist
für ihn, wenn man sein Leben
nicht in den Griff bekommt. Ursache der Armut im Norden ist
die kurze Regenzeit, während die
Kakaobauern im Süden zwei Ernten im Jahr haben (Z 11). Die
Landwirtschaft muss vorange-
bracht werden.Wenn die Eltern
mehr verdienten, wäre auch die
schulische Ausbildung weniger
gefährdet. Dafür benötigen sie
Maschinen, Dünger, eine sichere
Cash-Crop und eine Beratung, die
ihnen neue landwirtschaftliche
Methoden nahe bringt (Z 6)
Abdullah scheint die Schule
sinnlos, da es danach sowieso
keine Arbeit gibt. Er vermisst alles: Schulbücher, ausreichend Essen, Medizin, Schuhe, Kleidung.
Armut? Das ist ,wenn auf alles,
was eigentlich zum Leben
gehört, verzichtet werden muss.
Armut kommt von der Dummheit und Ignoranz der Regierung,
der Eltern und der Jugendlichen
selbst. Alle sind unfähig, etwas zu
Materialien
verändern (Z 11). Für die Zukunft gibt es seiner Meinung
nach keine andere Möglichkeit
als in den Süden zu migrieren.
tig Jobs für die Arbeitslosen
schafft, dass sie die Unternehmer
ermutigt, im Norden zu investieren (Z 4).
Mustafa leidet unter der Aussichtslosigkeit seines Daseins:
Die Eltern ohne Geld, keine
Schulbücher, die Ausbildung ist
schlecht und er muss als Bauer
leben – wie seine Eltern. Er hat
nur 1 – 2 Mahlzeiten am Tag und
seine Freunde gucken von oben
auf ihn herab. Auch Mustafa erwartet, dass die Regierung künf-
Yussif hat schon verzweifelt zu
Drogen gegriffen. Er leidet darunter, als 20-jähriger noch nicht auf
eigenen Füßen zu stehen. Immer
noch muss er bei seinen Eltern
leben und ist von ihnen abhängig. Er sieht weder für den Norden noch für sich einen Weg aus
der Armut.
M 5 Erwachsene: Männer und Frauen
Sammy, 29, Taxifahrer in Kumasi: „1995 wurde mein Vater aus
dem Staatsdienst entlassen – als
Folge der vom IWF verordneten
Sanierungspolitik (Z 9). Ich hatte
gerade mein Jura-Examen an der
Universität gemacht und hoffte,
die Familie nun ernähren zu können. Aber es lief nichts.Während
meine Eltern aufs Land zurückkehrten, weil dort das Leben billiger ist, wollte ich in Kumasi bleiben, denn nur hier kannst du auf
Arbeit hoffen. Ich fand aber
nichts als Taxifahren. Mit dem
geringen Einkommen, das ich
dabei habe, konnte ich das Haus,
das meine Eltern zu bauen angefangen hatten, nicht weiter bauen. Zuerst habe ich mich aus
Scham versteckt. Aber vom Taxi
aus entdecke ich immer wieder
Studienkameraden, die als fliegende Händler Rasierklingen
oder Erdnüsse verkaufen, um zu
überleben. Denen geht es noch
schlechter.“
Sunday-Kwesi, 27 Jahre,
Accra, Bettler: „Meine Eltern sind
tot. Sie waren arm und haben mir
nichts hinterlassen. Das ist so in
Ghana. Bist du arm geboren,
bleibst du auch arm und stirbst
arm.Wie und wovon ich lebe?
Ich lebe durch die Hilfe Gottes.
Nachts gehe ich in ein Obdachlosenasyl. Da schläft man auf dem
Fußboden und in der Regenzeit
tropft das Wasser durch das Dach.
Ich habe einen Job als Hilfsgärtner hier an der Universität. Da
verdiene ich 13 DM (= 7 €) im
Danielle, 19 Jahre, Accra:
„Armut für eine Frau? Wenn sie
nichts zu tun hätte, womit sie der
Familie oder ihren Kindern helfen könnte. Aber das gibt es
nicht. Man kann als Frau so vieles
machen! Ich fühle mich nicht
arm, weil ich arbeiten kann und
weil meine Familie keinen Hunger leidet.Was ich vermisse? So
lange ich Arbeit finde, vermisse
ich nichts. Denn das bringt mich
meinen Zielen näher. Ich arbeite
in den Ferien, um die BusinessSchool bezahlen zu können.Wie
viel ich dabei verdiene, ist nicht
so wichtig.Woher die Armut
kommt? Das weiß ich nicht
(Z 11).Wie man aus der Armut
heraus kommt? Durch Bildung
Foto:W. Schmidt-Wulffen
Interview mit Agyemang Badu,
48 Jahre, Leiter der Twene
Amanfo SSS in Sunyani: „Ein
Gymnasialdirektor verdient – je
nach (Dienst-)Alter 160 - 220 DM
(= 82 - 113 €) im Monat. Sie haben mir vorberechnet, wofür ihr
Gehalt drauf geht. Damit kommen Sie also zwei Wochen über
die Runden. Gehören Sie damit
zu den Armen?“ „Nein, so etwas
ist hier völlig normal.“ – „Dann
müssen Sie aber doch eigentlich
verhungern?“ – „This, my friend,
is the mystery of Africa“. (Z 5)
Monat. Natürlich kann ich davon
nicht leben, darum spreche ich
Leute wie dich an und bettele.
Die meisten sagen aber nur „verpiss dich“.Was ich machen würde, wenn mir jemand ein Fahrrad
oder ein Radio schenken würde?
Das würde ich sofort weggeben,
wenn mir jemand dafür einen
Job gibt, vielleicht in einem Laden. Da frage ich jetzt auch ständig nach, aber es gibt zu viele ohne Arbeit. Die Zukunft? Damit
beschäftige ich mich auch. Aber
meist denke ich nur an den nächsten Tag. Meine Zukunft ist Gott.
Vielleicht bist du ja mein Gott!“
(Z 3)
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
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Thema im Unterricht
Zusatzinformationen
Elizabeth, 50 Jahre, PC-Lehrerin an der Opoku-Ware-SSS in Kumasi: „Ich habe drei Kinder, eines
studiert an der Universität, zwei
sind noch im Gymnasium. Mein
Mann kommt für Schulgeld und
Studiengebühren auf (und für
sein Guinness), ich zahle den
Rest. Eigentlich bin ich arm. Obgleich ich die einzige PC-Lehrerin bin, bekomme ich nur 136
DM (= 70 €) monatlich. Aber ich
betreibe in der Stadt nachmittags
ein Internet-Café mit vier Computern und Druckern. Damit
gehöre ich dann zur Mittelklasse.
Schule
Gifty Yeboah, 32 Jahre, Kleinhändlerin in Wenchi, allein erziehende Mutter: „Ja, ich bin arm.
Ich muss jeden Tag erst das Geld
für meine Tochter und für mich
verdienen, ehe ich essen kann.
Und hier in der Stadt habe ich
kein land. Jeder Tag ist ein Kampf
ums Nötigste. Ich verdiene unterschiedlich. 1,50 – 5 DM (= 0,80 2,60€) amTag.Besonders schlimm
ist es, wenn ich mal gar nichts habe. Dann muss ich mir etwas leihen, und das lässt man mich spüren – egal, ob das eine Frau oder
ein Mann ist. Einen Ausweg? Den
sehe ich nicht. Eine Heirat? Männer, die wissen, dass ich arm bin
und eine uneheliche Tochter habe, denken, ich wollte mich von
ihnen aushalten lassen. Nein, ich
erwarte vom Leben nichts mehr.
Z 1 Armut
Z 2 Entwicklung
Nach unserer Definition
gelten Menschen in den
Entwicklungsländern als
„absolut arm“, die von
weniger als 1$/Tag leben
müssen. Für Ghana wird
der Anteil der Armen auf
36 % geschätzt – allerdings in unterschiedlicher regionaler Verteilung. So gelten 60% der
Menschen in ländlichen
Regionen, besonders im
Norden, als arm. Der Anteil der Armen in den
Großstädten – vor allem
des Südens – wird mit
25% angegeben.
Führende Entwicklungstheoretiker sagen, dass nicht die ökonomischen Bedingungen wie Ressourcenreichtum oder
vorhandene Industrie die Grundvoraussetzungen von Entwicklung darstellen, sondern die
Fähigkeit einer Gesellschaft die
blockierten geistigen Fähigkeiten
freizusetzen. Erst Lernbereitschaft und Lernfähigkeit (über
Bildung) schaffe die Voraussetzungen, die vorhandenen Ressourcen zum eigenen Nutzen zu
entwickeln.Wo dies nicht der
Fall sei, geschehe dies von außen
- dann vor allem zum Nutzen der
ausländischen Investoren. Solche
Anstrengungen setzen natürlich
auch die politische Mitbestimmung der Bürger voraus. Die ist
in Afrika meist nicht gegeben.
aus: HDI-Report 1999
8
Als Frau ist man arm in Ghana,
wenn man erstens keine Ausbildung hat, zweitens allein erziehend ist, drittens kein Farmland
hat und viertens gezwungen ist,
mit den Eltern zu leben.“
&
Mission
Heft 2 - 2002
Foto:W. Schmidt-Wulffen
für einen guten Beruf. Ich habe
acht Jahre die Schule besucht,
das reicht aber nicht. Deswegen
gehe ich jetzt auf die BusinessSchool, um später Mode-Designerin zu werden. Ob ich Unterstützung erhalte? Von meinen Eltern
nicht. Mein Vater ist tot und meine Mutter hat kein Geld. Außerdem sind da noch zwei ältere
Brüder (Z 7).Aber mein Onkel
hilft mir (Z 8).“
Z 3 Glauben
In einer Umwelt, in der die Menschen stets von unbekannten
Mächten (Krankheiten, Dürren,
Seuchen, Hunger) bedroht waren,
waren traditionell alle afrikanischen Religionen diesseits gewandt. Sie wurden daran gemessen, inwieweit sie den Menschen
in Notlagen helfen und ihnen
diesseits Vorteile bringen konnten. Da die von Missionaren vermittelte christliche Lehre aber
jenseitsgewandt ist, wandten sich
viele Afrikaner in der nachkolonialen Zeit neuen (christlichen)
Kirchen zu, die von „Propheten“
gegründet wurden, die die christliche Lehre im afrikanischen Sinne umdeuteten. Da sich nun Gott
auch der Afrikaner annahm, war
damit die Möglichkeit verbunden,
an den gottgesandten Reichtumsund Machtquellen der Weißen
teilzuhaben und das Christentum
mit dem sozialen und ökonomischen Aufstiegsstreben zu verbinden.
aus: Bleyler 1981
Materialien
Z 4 Industrie
Seit der Unabhängigkeit konzentriert sich die Industrie Ghanas
unverändert im sogenannten
„Goldenen Dreieck“ zwischen
Accra/Tema, Kumasi und Sekondi-Takoradi. Da auch die Infrastrukturen in diesem Bereich bevorzugt ausgebaut wurden, ist
dieses Dreieck zum Hindernis einer Entwicklung der nördlichen
Regionen geworden, denn die
Industriellen ... bevorzugen nach
wie vor Gebiete, in denen hohe
Umsätze bzw. Renditen erzielt
werden können. Und dies sind
die bereits existierenden Industriestandorte.“
Goldenes Armer
Dreieck
Norden
Ant. an
der Bev.
50 %
20 %
Ant. an
der Ind.
60 %
5%
Beschäftigte
in der Ind.
85 %
1%
Industrielle
Wertschöpf.
92 %
0,3 %
Z 5 Informeller
Sektor
Für Ghana wie für die übrige
„Dritte Welt“ gilt, Menschen, die
sich selbst helfen müssen, um zu
überleben, weil der Staat nicht
über entsprechende Mittel verfügt und soziale Sicherungssysteme wie bei uns nicht existieren
oder nicht bezahlbar sind, stützen sich auf die Kombination verschiedener Einkommensquellen.
Diese haben sie sich in der Regel
selbst geschaffen. Am verbreitetsten sind die eigene kleine Landwirtschaft außerhalb der Stadt
oder neben dem Haus, um die
Kosten für Grundnahrungsmittel
und Gemüse einzusparen. Jeder
Lehrer und Schulleiter, Angestellte und Beamte bis hinauf zu den
Landesministern betreiben über
ihre Frauen „backyard-garde-
ning“. Frauen verarbeiten und
verkaufen die Überschüsse, etwa
indem sie Garküchen am
Straßenrand aufmachen und
Selbstgebackenes anbieten. Kleine Mädchen bieten an Bushaltestellen Eiswasser an, junge Männer reparieren Autoreifen am
Straßenrand, fliegende Händler
laufen mit Bauchläden durch die
Straßen. Sie verkaufen irgend etwas billiger als in den „offiziellen“ Geschäften. Es sind jeweils
Gewerbe, die nicht bei den
Behörden angemeldet sind, die
oft als illegal gelten, weil keine
Steuern bezahlt werden. Dieser
ganze Bereich des – wie man in
Ghana sagt – „Self-employment“
wird als „informeller Sektor“
bezeichnet.Viele Jugendliche
verdienen sich hier ihren Lebensunterhalt, erarbeiten sich das
Schulgeld oder unterstützen ihre
Familie.
Z 6 Landwirtschaft
Wurden Teile des Landes, insbesondere im Norden, bereits
durch die Natur benachteiligt, da
sie mit vergleichsweise weniger
natürlichen Ressourcen - etwa
ausreichenden Niederschlägen bedacht sind,so wurden sie durch
die bisherigen Regierungen
Ghanas zusätzlich vernachlässigt.
Für diese spielt der Norden lediglich eine untergeordnete Rolle:
Dort leben nur 19 % der Bevölkerung, die dazu politisch inaktiv
ist. Politische Entscheidungen begünstigten stets den Süden.
nach: Appiah-Kubi 1995
Z 7 Mädchen/
Jungen
Wenn man hört oder liest, dass in
vielen Entwicklungsländern Jungen mehr „gelten“ und gegenüber Mädchen bevorzugt werden,
heißt das nicht, dass Eltern ihre
Töchter weniger lieben. Aber für
die Eltern sind Söhne tatsächlich
„wertvoller“, da sie auch nach
der Hochzeit bei der Familie bleiben und ihre Eltern im Alter unterstützen (es gibt keine staatliche Altersversicherung). Die
Tochter verlässt hingegen bei
Heirat ihre Familie, die dann keinen Anspruch mehr auf Hilfe der
Tochter hat. Also ist sie nun für
diese weniger „wert“.
Z 8 Matrilinearität
Die meisten Ethnien (Volksgruppen) Ghanas sind matrilinear organisiert. Das bedeutet: Im Todesfall des Mannes/Vaters sind
grundsätzlich die männlichen Angehörigen seiner Schwester erbberechtigt. Zuständig im Sinne
eines Familienoberhauptes sind
dann der Schwager bzw. Onkel.
Matrilineare Organisation benachteiligt die Frau, weil sie als Hinzugezogene nicht wirklich in die
Familie ihres Mannes aufgenommen ist.Witwen ziehen deshalb
meist zu ihren Eltern zurück, die
stets ein Stück Land für sie bereit
halten.
Z 9 Sanierung
Es gehörte zum sozialen Selbstverständnis aller afrikanischen
Regierungen seit der Kolonialzeit, Schulbildung und Gesundheitsdienste kostenlos anzubieten - auch in Ghana. Zweck war,
den Analphabetismus zu beseitigen und gegenüber den Industrieländern rasch aufzuholen, um an
deren Entwicklung anzuschließen. Seit Ghana aber so
stark verschuldet ist, dass es den
Sanierungsprogrammen des Internationalen Währungsfonds zustimmen musste, hat sich einiges
geändert. Zur Senkung der Staatsausgaben kürzt der Staat die
Mittel für Schulen und Krankenhäuser. Dafür werden die Eltern
stärker mit Ausgaben für die
Schulen belastet. Nur die Grundschule ist kostenlos. Danach müssen die Eltern Schulgeld zahlen
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
9
Thema im Unterricht
und zusätzlich für die Unterrichtsmaterialien aufkommen.
Diese Ausgaben in Höhe von mindestens 7 DM (= 3,60 €) im Monat pro Kind stellen ein besonderes Problem für die Eltern dar.
Z10 Bildungssystem und Schulgeld
Es gibt zwar die allgemeine
Schulpflicht, jedoch werden weniger als 80% eines Jahrgangs eingeschult. Die meisten Ghanaer
besuchen nur die sechsjährige
Grundschule. Die sich anschließende Mittelschule (Junior Secondary School, drei weitere Jahre) wird nur noch von 40%
besucht (47% Jungen, 29%
Mädchen) und die gymnasiale
Oberstufe (Senior Secondary
School, drei Jahre) nur noch von
2 %. Schon in der Kolonialzeit gab
es für damals etwa eine halbe
Million Schulabgänger gar nicht
genug Arbeitsmöglichkeiten.
Besonders benachteiligt ist die
Landbevölkerung. In den Dörfern
gibt es nur die unteren Schulen
(Elementary und Junior Sec.
School), die mangels staatlicher
Gelder von der Dorfbevölkerung
meist in Eigeninitiative erbaut
und unterhalten werden. Dafür
fehlt in besonders armen Gebieten meist das Geld, so dass Kinder hier Analphabeten bleiben.
Die Grundschulen sind ärmlich
ausgestattet, da der Staat sich von
einer Förderung der Oberstufenschulen und Universitäten, die
ausnahmslos in den Städten liegen, mehr verspricht. In den
Grundschulen der Dörfer gibt es
in der Regel nur eine Wandtafel,
das Gestühl bringen die Schüler
von zu Hause mit. Jugendliche,
die eine weiterführende Schule
besuchen, müssen Schulgeld zahlen. Obgleich dieses für die Sekundarstufe I nicht mehr als 10
DM (= 5,12 €) pro Kind und
Halbjahr ausmacht, stellt es für
die meisten Familien eine erhebliche Belastung dar. Viele Kinder
10
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
werden solange vom Unterricht
ausgeschlossen, bis das Schulgeld
bezahlt ist.
Da die wenigen Prozent eines
Jahrganges, die die Sekundarstufe
II besuchen, meist aus sozial besser gestellten Familien stammen,
zieht sich der verschuldete Staat
hier besonders stark aus der Finanzierung zurück, sodass das
Schulgeld für ghanaische Verhältnisse in Schwindel erregende
Höhen steigt. Zusätzlich müssen
die Eltern Schulbücher und andere Lernmaterialien bezahlen. Dieses System schließt die ärmere
Stadtbevölkerung, die Menschen
in den Dörfern und im armen
Norden praktisch vom Besuch
der gymnasialen Oberstufe aus.
Die fünf Universitäten Ghanas.
sind hoffnungslos überfüllt obwohl sie nur 1,5% eines Jahrgangs (2,3% Männer, 0,6% Frauen) aufnehmen. Sie können
jährlich nur 8.000 neue Studierende verkraften. Das verschärft
den schulischen Notenwettbewerb, weil die Aufnahme an einer
Universität über den Notendurchschnitt gesteuert wird.
Z 11 Ursachenklärung
Die meisten Befragten erklärten
sich ihre Armut mit Lebensumständen, unter denen sie litten,
im Norden etwa mit der unzuverlässigen Regenzeit oder mit der
mangelhaften Regierungspolitik.
Wissenschaftler sehen die Ursache in der Kolonialzeit (etwa
1880-1957): Die Engländer, die
das Land besetzten, hatten nur
Interesse an der Ausbeutung und
der Entwicklung des Südens.
Dort wurde das klimatisch geeignete Land zur Gewinnung und
Export von Gold, Kakao, Kaffee
und Palmöl "in Wert gesetzt“, um
England zu versorgen. So wurden
Bergwerke, Plantagen, Häfen,
Straßen und Eisenbahnen angelegt, Ärzte ausgebildet sowie
Schulen und Krankenhäuser gebaut. Die günstige Infrastruktur
lud nach der Kolonisierung geradezu dazu ein, im rentableren Süden zu investieren. So wurde die
Politik der regional unterschiedlichen „Inwertsetzung" nach dem
zu erwartenden wirtschaftlichen
Nutzen nach der Dekolonisierung (1956) von den einheimischen Regierungen fortgesetzt.
Zur regionalen Ungleichheit kam
noch die soziale. die auch den
reichen Süden ergriff. Die staatliche Industrialisierung schaffte
nur wenig Arbeitsplätze. Korruption und fehlender Markt führten
schnell zur Unrentabilität.Wertvolle Ressourcen wurden so vergeudet, ohne Entwicklung zu
schaffen und die Arbeitslosigkeit
zu verringern.
Literatur
Appiah-Kubi, K.: Das sozio-ökonomische Gefälle zwischen Stadt und Land
in Afrika (Ghana).Lang,Frankfurt/Main)
1995.
Bleyler, K.: Religion und Gesellschaft in
Schwarzafrika, Stuttgart 1981, S. 48,
119, 137
Diaw, K.:Verstädterung und Umweltfolgen. Accra/Ghana. In: Bremer AfrikaStudien Bd. 1, Bremen 1992
Dueda, B.: Poverly-hits at children.The
Ghanaian Chronicle vom 27. 3. 2001,
S. 8
Kruk, G.: Frauen in Ghana. ASA-Studien
Bd. 3, Münster 2000
Narayan, D.:Voices of the Poor. Can
Anyone Hear Us? Oxford 2000
Nestvogel, R.: Zum Umgang mit Bildern
von „Fremden“, Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis, Nr. 42/1996,
S. 53-63
Schmidt-Wulffen,W.: Eine Welt und
Dritte Welt: Länder oder Menschen?
In: Schmidt-Wulffen,W u. Schramke,
W. (Hrsg): Zukunftsfähiger Erdkundeunterricht. Gotha 1999, S. 223-256
Schmidt-Wulffen,W.: "Good bye, lovely
Germany“ - Zum Deutschlandbild afrikanischer Schülerinnen und Schüler.
ZEP Nr. 2/1 999, S. 7-12
aus: Praxis Geographie 12/2001, S. 1419. Mit freundlicher Genehmigung des
Westermann Schulbuchverlags, Braunschweig.
Daten und Zahlen
Länderübersicht
„Ghana“
Grunddaten
● Fläche: 238.537 km2 (z.Vgl.:
Deutschland 357.022 km2)
● Einwohner: Ghanaer; 18.785.000
● Städtische Bevölkerung: 38 %
● Städte: Accra 949.100 Einw. (Hauptstadt), Kumasi 385.000,Tamale
151.000,Tema 110.000, SekondiTakoradi 104.000
Bildung
● Besuch der Grundschule: Jungen
75 %, Mädchen 74 %
● Analphabetenrate Gesamtbevölkerung: m 25 % / w 47 %
● Zahl der Empfangsgeräte pro 1000
Einwohner:Radio 236,Fernseher 93
Bevölkerung
Kinder
● Kwa-Gruppen: 52,4 % Aschanti und
Fanti der Akan-Gruppe (im S),
11,9 % Ewe (im SO), 7,8 % Ga und
Ga-Adangbe, 1,3 % Yoruba; GurGruppen: 15,8 % Mossi, 11,9 % Guan, u. a. (im N), 3,3 % Gurma; außerdem Mande, Haussa, Fulbe u. a.
● Sprachen: Englisch (Amtssprache);
Kwa-Sprachen (Twi, Fanti, Ga, Ewe,
Yoruba); Gur-Sprachen (Dagbani,
Mossi, Gurma); Ful, Nzima (insg. 75
Sprachen und Dialekte)
● Lebenserwartung: 61 J.
● Bevölkerungswachstum: Ø 2,7 %
jährl. (Geb.- und Sterbeziffer: 3,7 % /
0,9 %)
● Zugang zu sauberem Trinkwasser:
64 % (Stadt 87 %, Land 49 %)
● Zugang zu Sanitäreinrichtungen:
63 % (Stadt 62 %, Land 64 %)
● Jährliche Anzahl der Geburten:
724.000
● Weniger als 50 % aller Geburten
werden registriert. Diese Kinder
laufen Gefahr, dass ihnen der Zugang zu sozialen und Gesundheitsdiensten sowie zur Schulbildung
verwehrt wird.
● Säuglingssterblichkeit: 6,3 %
● Kindersterblichkeit (Kinder unter
5 Jahren): 10,1%
● Kinder unter 5 Jahren, die an
ernährungsbedingten Störungen
leiden: 30 % Untergewicht, 10 %
Auszehrung, 26 % Entwicklungsstillstand
Wirtschaft
● Währung: 1 Cedi (¢) = 100 Pesewas; 1US-$ = 7300 ¢; 1 € = 6500 ¢
● Bruttosozialprodukt je Einw. 1999.:
400 $; Gesamt: 7451 Mio. $ - Bruttoinlandsprodukt:7606 Mio. $; realer Zuwachs Ø 1990-99: 4,3 %; Anteil: Landwirtschaft 36 %, Industrie
25 %, Dienstleistungen 39 %
● Erwerbstätigkeit 1998: Landwirtschaft 57,4 %
● Arbeitslosigkeit: 30 %
● Inflation Ø 1990-99: 27,4 % (2000:
25,2%)
● Auslandsverschuldung 1999:
6928 Mio. $
● Außenhandel: Import: 3,47 Mrd. $;
Güter 1998: 38,8 % Maschinen und
Transportausrüstungen, 16,1% Nahrungsmittel und lebende Tiere,
4,8% mineralische Brennstoffe,
3,0 % Chemikalien
● Export: 2,04 Mrd. $; Güter: 35,0 %
Gold, 26,6 % Kakao, 8,6 % Holz
● Tourismus 1997: 325.000 Auslandsgäste, 266 Mio. $ Einnahmen
● Zufluss staatlicher Entwicklungshilfe 1998: 701 Mio. US-$, das sind
10 % des BSP
● Schuldendienst in % der Exporterlöse: 1998 20 % (1970 5 %)
Religion / Kirche
● 62 % Christen (ca. 13 % Katholiken;
20 % Protestanten; 29 % Unabhängige Kirchen, Freikirchen und
Sekten (bes. im S); 15 % Muslime;
23 % Trad. Religionen
● (1999) 2.381.000 Katholiken
● 18 Diözesen (davon 3 Erzdiözesen)
● 243 Pfarreien, 50 Ordenshäuser
● 2.221 Missionsstationen
● 719 Diözesanpriester, 176 Ordenspriester
● 154 Ordensbrüder
● 788 Ordensfrauen
● 25 Laien-Missionare
● 6.243 Katechistinnen und
Katechisten
Geschichte
● ca. 10.000 v. Chr. älteste Spuren
menschlicher Siedlungen in der
Nähe des Flusses Oti
● ca. 4.000 v. Chr. älteste Funde von
Töpferei in der Nähe von Accra
● ca. 1200 n. Chr. Die Guan beginnen
mit der Einwanderung in das VoltaBecken.
● ca. 1298 Das Akan-Königreich von
Bono (Brong) wird gegründet.
● ab 1471 Die ersten Europäer erreichen die Region und errichten Handelsniederlassungen
● 1500-1807 Zeit der Sklavenaufstände und -kriege
● 1697-1745 Aufstieg und Festigung
des Ashante-Reiches
● 1874 Großbritannien erklärt die
Küstenregion zur Kronkolonie
„Gold-Küste“.
● 1957 Die britische Kolonie der
Gold-Küste wird am 6. März zum
unabhängigen Staat Ghana.
● 1960 Ghana wird Republik unter
Präsident Nkrumah, einer sozialistisch ausgerichteten, diktatorischen Herrschaft.
● 1966 und 1972 Militärputsche
● 1969 freie Wahlen; nachfolgend
westlich orientierte Regierung
● 1977 Unruhen
● 1979 und 1981 weitere Militärputsche, durch die Jerry John Rawlings
an die Macht kommt
● 1992 freie Wahlen, die Rawlings als
Präsidenten bestätigen
● 1994 blutige Auseinandersetzungen
verschiedener Ethnien mit Tausenden Toten
● 2000 Präsidentschaftswahlen werden durch den Kandidaten der Opposition John Kufour gewonnen.
Zusammengestellt von M. Offner
Quellen: Der Fischer Weltalmanach 2002; UNICEF, Zur Situation der Kinder in der Welt 2001;Annuario statistico, Vatikan 1999;
GhanaHomePage; Brockhaus Enzyklopädie; www.netzwerk-afrika-deutschland.de
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Mission
Heft 2 - 2002
11
Erzählen in Afrika
Das Lied der bunten Vögel
Erzählt
von Kobna Anan
Ein Märchen aus Ghana
n meiner afrikanischen Heimat setzen sich die
Menschen in den Dörfern abends im Kreis um ein
Feuer. Der Mond scheint friedlich über den
Dächern. Der Märchenerzähler tritt aus seiner Hütte
und beginnt wundersame Geschichten zu erzählen.
Der weiße Vogel flötete:Tsche - tsche - Ku – le!
Der blaue Vogel sang.Tsche - tsche - kofi - nsa.
Der rote Vogel rief: Kofi - sa - langa.
Der gelbe Vogel piepste: Kate - tschi – langa.
Und der grüne Vogel schnarrte: Kum - adende!
Stellt euch vor: Hier sind die Hütten, der
Mond scheint über uns, und wir setzen uns im Kreis
um das Feuer. Ich bin der Erzähler und erzähle euch
eine Fabel aus Afrika. Sie heißt: Das Lied der bunten
Vögel.
Da nun alle nacheinander ihre Strophe trällerten
und gleichzeitig dazu tanzten, war es köstlich, diesem Treiben zuzusehen, und zuzuhören. Jeden Tag,
an dem die fünf Vögel tanzten und sangen, trat der
Bauer aus seinem Haus freute sich und rief: „Da seid
ihr ja wieder, meine lieben Vögel! So herrlich bunt
seht ihr aus, und ihr singt ja so wunderschön.“ Er
streute ihnen reichlich Futter hin. So hatten alle
fünf Vögel jeden Tag zu essen, und es ging ihnen
sehr gut.
I
In meiner Heimat gibt es riesengroße Wälder,
die Urwälder. Es regnet dort oft sehr stark, und dann
scheint plötzlich die Sonne wieder ganz heiß herab,
und alle Pflanzen wachsen kräftig durcheinander.
Da gibt es kleine Bäume, aber auch Bäume, die so
groß sind wie bei euch die höchsten Tannen und Eichen, und über diese hinaus ragen noch viel höhere
Bäume bis fast in den Himmel.
In einem solchen Urwald lebten einmal fünf
Vögel nahe beieinander. Der erste Vogel hatte weiße
Federn, der zweite war blau, der dritte rot, der vierte gelb und der fünfte hatte ein Gefieder so grün
wie die Blätter der Bäume. Jeder der fünf Vögel
konnte ein kurzes Lied singen:
Der weiße Vogel flötete:Tsche - tsche - Ku – le!
Der blaue Vogel sang:Tsche - tsche - kofi - nsa.
Der rote Vogel rief: Kofi - sa - langa.
Der gelbe Vogel piepste: Kate - tschi – langa.
Und der grüne Vogel schnarrte: Kum - adende!
Weil jeder der fünf Vögel nur eine Farbe hatte und
nur ein sehr kurzes Lied singen konnte, hatten sie
sich zusammen getan. Mittags, wenn die Sonne von
ganz oben zwischen den Blättern der Urwaldbäume
hernieder schien, flogen sie gemeinsam zu der
großen Lichtung der Menschen. Sie flogen dorthin,
wo ein Bauer seine Felder, Gärten und in der Mitte
seinen Bauernhof hatte. Jeden Mittag tanzten die
fünf Vögel vor dem Haus des Bauern.
Sie drehten sich lustig im Kreis und schlugen
mit den Flügeln auf und ab. Ihre Füßchen trippelten
auf dem Boden, hin und wieder sprangen sie in die
Luft. Der weiße, der blaue, der rote, der gelbe und
der grüne Vogel - alle tanzten sie im Kreise herum
und sahen so herrlich bunt aus.Während sie tanzten, sangen sie ihr Lied.
12
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
Eines morgens aber, die Sonne ging gerade
auf und die fünf Vögel erwachten in ihren fünf
Bäumen, da hatten sie alle, ohne es voneinander zu
wissen, den gleichen Gedanken. Jeder überlegte:
„Wenn ich alleine zu dem Bauern fliege, vor ihm
singe und tanze, so bekomme ich das ganze Futter
für mich und brauche es nicht mit den anderen zu
teilen ... .“
Der weiße Vogel dachte: „Ich mache mich auf
den Weg, wenn sich die große Baumschlange
im Geäst schaukelt.“
Der blaue Vogel überlegte: „Ich fliege zu dem
Bauern, wenn das Krokodil den Rachen aufsperrt, um seinen Schlund zu sonnen.“
Der rote Vogel sagte zu sich selbst: „Ich werde
aufbrechen, wenn der Elefant mit den riesengroßen Ohren schlägt, seinen Rüssel hebt und
trompetet!“
Der gelbe Vogel meinte: „Ich fliege los, wenn
sich die Affenherde lärmend von Baum zu
Baum schwingt!“
Und der grüne Vogel kicherte heimlich: „Ich
wähle die Stunde, wenn der Löwe laut gähnt,
seine gelben Augen schließt und vom Mond
träumt.“
Das Lied der bunten Vögel
Alle fünf Vögel waren habgierig und egoistisch geworden. Jeder freute sich bei dem Gedanken, von nun an jeden Tag zu dem Bauern zu fliegen
und das ganze Futter für sich alleine fressen zu
können.
Da gab es plötzlich ein Geräusch in jenem
Baum, in dem der weiße Vogel sein Nest hatte: Sch sch – sch. Die große Baumschlange schaukelte sich
im Geäst und zischte gefährlich. „Gleich werde ich
zum Platzen satt sein!“, dachte der weiße Vogel. Er
breitete seine schneeweißen Flügel aus und flog
zwischen den grünen Bäumen bis vor das Haus des
freundlichen Bauern. Da tanzte er herum und flötete sein „Tsche - tsche – Ku - le,Tsche - tsche - Ku - le“.
Der Bauer trat vor die Tür. Als er aber den
weißen Vogel so vor sich hin hüpfen und sein klägliches Lied singen sah, da rief er: „Was ist denn los?
Warum hüpfst du hier herum und machst ein albernes Gepiepse?“ Der Bauer streute nicht ein einziges
Korn; im Gegenteil, er scheuchte den weißen Vogel
in den Wald zurück.
Mittlerweile war es Abend geworden. Da
gähnte der Löwe laut und schloss seine gelben Augen, um vom Mond zu träumen. Nun flog der grüne
Vogel schnell los, um noch vor der Nachtruhe beim
Bauern anzukommen. Er hatte schon großen Hunger und freute sich, dass er nun für fünf essen konnte. Er tanzte vor der Haustür des Bauern und
schnarrte: „Kum - abende, Kum - abende!“
Der Bauer streckte nur seinen Kopf aus dem
Fenster und rief: „Verschwinde, du plärrendes
grünes Federvieh, ksch!“ So erhielt auch der grüne
Vogel an diesem Tag nichts zu fressen. Alle fünf
mussten sie hungrig einschlafen, und sie waren sehr
traurig.
Als das Krokodil seinen Rachen aufsperrte,
um den Schlund zu sonnen, da flog der blaue Vogel
vor das Haus des Bauern. Er freute sich schon auf
das viele Futter, das er für sich alleine essen würde.
Eifrig sprang er im Kreis herum und sang so laut er
nur konnte: „Tsche - tsche - kofi - nsa!“
Am nächsten Morgen, die Sonne war kaum
aufgegangen, erwachten die Vögel in ihren Bäumen.
Jeder blickte um sich, doch sie wagten es nicht, sich
in die Augen zu schauen. Da fasste der weiße Vogel
Mut und begann: „Gestern bin ich alleine zu dem
Bauern geflogen, denn ich wollte das ganze Futter
für mich haben. Aber der Bauer wurde wütend und
hat mich weggescheucht.“ Nun erzählten sie sich,
wie es ihnen ergangen war, und schließlich sagte
der grüne Vogel: „Ja, es ist nicht gut, nur an sich
selbst zu denken.Wenn wir zusammen hingehen
und unsere Lieder vortragen, wird sich der Bauer sicher wieder freuen und uns füttern.“
Der Bauer trat aus dem Haus und rief: „Was
soll das Geflatter? Dieses Geplärre tut mir in den
Ohren weh.Weg mit dir!“ Und er vertrieb den blauen Vogel, der hungrig heimkehren musste.
Als die Sonne wieder hoch oben am Himmel
stand, flogen die Vögel, wie früher, gemeinsam zur
großen Lichtung der Menschen.Vor dem Haus des
Bauern führten sie ihren lustigen Tanz auf.
Als der Elefant mit seinen riesengroßen Ohren schlug, den Rüssel hob und trompetete, da flog
der rote Vogel zum Gehöft des Bauern. Er drehte
sich wild im Kreis und rief:„Kofi - sa - langa,Kofi - sa langa!“ Oho, dachte er, jetzt kommt der Bauer, und
ich werde das ganze Futter alleine fressen.
Der weiße Vogel flötete:Tsche - tsche - Ku – le!
Der blaue Vogel sang:Tsche - tsche - kofi - nsa.
Der rote Vogel rief: Kofi - sa - langa.
Der gelbe Vogel piepste: Kate - tschi – langa.
Und der grüne Vogel schnarrte: Kum - adende
Da kam auch der Bauer, aber er jammerte:
„Was ist heute bloß los? Jetzt führt hier ein roter
Vogel seine Verrücktheiten vor. Mach, dass du wegkommst, ksch, ksch!“ Und er vertrieb ihn. Der rote
Vogel flatterte mit leerem Magen in sein Nest
zurück.
Der gelbe Vogel wartete schon ungeduldig
auf seinen Abflug.Als sich dann, wie jeden Tag, die
Affenhorde lärmend von Baum zu Baum schwang,
flatterte er eilig los. Er führte vor dem Haus des Bauern seinen Tanz auf und piepste sein „Kate - tschi langa!“
„Wie scheußlich!“, rief der Bauer und fuchtelte schon mit seinen Händen, als er aus der Tür trat.
Da flog der gelbe Vogel traurig und ohne Futter in
den Urwald zurück.
Der gemeinsame Tanz der fünf Vögel bot einen herrlichen, bunten Anblick, und ihr Gesang klang so melodiös und 1ieblich. Da trat der Bauer höchst erfreut
aus seinem Haus und rief: „Da seid ihr ja wieder,
meine lieben Vögel! So herrlich bunt seht ihr aus,
und ihr singt so schön.Wie habe ich euch gestern
vermisst.Wo seid ihr nur gewesen? Stellt euch vor:
Da kam morgens ein weißer Piepser, später ein
blauer Krachmacher, mittags kam ein roter Schreihals, am Nachmittag ein gelber Ruhestörer und am
Abend noch ein grüner Krächzer. Aber auf euch habe ich den ganzen Tag umsonst gewartet.Warum
habt ihr mich gestern nicht mit eurem Gesang und
eurem Tanz erfreut? - Oh, wie bin ich glücklich, dass
ihr wieder zu mir gekommen seid!“
Er streute ihnen viel gutes Futter hin. Alle
fünf Vögel wurden satt, und es ging ihnen wieder
sehr gut.
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Erzählen in Afrika
Tsche tsche Kule
Ein Singspiel zum
Märchen
Material
Liednoten (siehe unten)
Spieler
ganze Klasse
Spieldauer
ca. 15 Minuten
Spielanleitung Tsche tsche Kule ist ein Singspiel,
das alle Kinder in der Heimat von
Kobna Anan mit Begeisterung
spielen:
Die Spieler stehen im Kreis. Ein
Kind in der Mitte beginnt, mit erhobenen Armen zu singen:
Tsche tsche Kule. Alle singen nach.
Dann, mit den Händen auf dem
Kopf:
Tsche tsche Kofi-nsa. Mit den Händen auf den Schultern:
Kofi sa langa. Mit den Händen auf
den Knien:
Kate tschi langa. Und schließlich in
der Hocke: Kum adende.
Bedeutung
Die Worte des Liedes sind eine Mischung aus Haussa und Akan, zwei
Sprachen in Westafrika. Der Text
kann sinngemäß etwa so übersetzt
werden:
1. Zeile: Kommt alle her zum Mitspielen!
2. Zeile: Kofi (= der an einem Freitag geborene Junge) möchte auch mitspielen.
3. Zeile: Kofi wird bestimmt sehr gut mitspielen.
4. Zeile: Sogar der Dorfälteste möchte mitspielen.
5. Zeile: Aber er fällt bald um (denn er hat
keine Ausdauer).
Während der Aufführung des Rollenspiels singt jeweils einer der Vögel seinen Teil des Liedes vor, und alle singen nach. Dies sollte so
eingeübt werden, dass es ein
fließendes Lied ohne Unterbrechungen ergibt.
© Verlag an der Ruhr, Postfach 102251,
45422 Mülheim an der Ruhr
14
Schule
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Heft 2 - 2002
Impulse
Vorschläge zur Umsetzung des Märchens
„Das Lied der bunten Vögel“
Requisiten
Als „Vogelkleid“ eignen sich farbige
und Kulissen Seidentücher in der Farbe der einzelnen Vögel. Eine Vogelmaske kann
gebastelt werden.
Urwald
Der im Märchen beschriebene
Urwald kann mit viel Phantasie als
Kulisse hergestellt werden. Kinder
der Städtischen Katholischen
Grundschule Reumontstraße in
Aachen sind dabei folgendermaßen
vorgegangen: Sie stellten vor allem
Bäume,Tiermasken und Schmetterlinge für den Urwald her.
Bäume
Material:
■
■
■
■
■
■
Papprollen in verschiedenen Längen
Deckfarben zum Malen
alte Regenschirme
Zeitungen
grüner Tüll
Krepppapier in verschiedenen
Grüntönen
■ grün-silbrige Folie
Anleitung: Die Papierrollen in braunen und
grünen Tönen anmalen und trocknen lassen. Die alten Regenschirme
aufspannen und in Grüntönen bemalen. Nach dem Trocknen wird der
Stoff zwischen den Stangen eingeschnitten. Die „Krücken“ müssen
von den Regenschirmen entfernt
werden. Die Stöcke der Schirme
werden mit Zeitungspapier umwickelt und in die Papierrollen geklemmt. Nun werden die „Bäume“
mit grünem Tüll, der grün-silbrigen
Folie und den grünen Krepppapierstreifen geschmückt.
Schmetterlinge
Material:
■
■
■
■
■
■
Tapete oder Butterbrotpapier
Malfarben
Stöcke
bunte Krepppapierstreifen
Schere
Klebeband
Anleitung: Eine Schmetterlingsform auf Tapete
oder Butterbrotpapier übertragen
und ausschneiden. Die Schmetterlinge bunt bemalen. Die Stöcke werden mit Krepppapierstreifen umwickelt. Mit Klebeband werden die
Schmetterlinge an den oberen Rändern der Stöcke befestigt.
Tiere
Material:
■
■
■
■
buntes Tonpapier oder bunte Pappe
Malfarben
Schere
Hutgummi
Anleitung: Die Umrisse der Tiere vergrößern
und auf Tonpapier/Pappe übertragen, ausschneiden und von den Kindern bemalen lassen. Die Augen ausschneiden. Hutgummi befestigen,
damit die Kinder die Tiermaske vor
ihrem Gesicht tragen können.
Marlies Gahn
Foto: Pit Siebigs
Das Märchen kann als Rollenspiel
aufgeführt werden. Ein Erzähler liest
die Zwischentexte. Die Vögel und
der Bauer sprechen oder singen
ihren Teil.
Rollenspiel
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Erzählen in Afrika
Die Bedeutung der Erzählkunst in Afrika
In ländlichen Afrika ist (war) das Geschichtenerzählen ein Ereignis, das der Definition von Theater
entspricht.
Es erfordert wie dieses
■ einen Aufführungsort,
■ Schauspieler,
■ ein Publikum.
In traditionellen afrikanischen Gemeinschaften
dient das Geschichtenerzählen sowohl der Unterhaltung als auch der Unterweisung in moralischen
Verhaltensweisen. Es bietet die Möglichkeit, junge
Menschen zu erziehen, indem man ihnen die Kultur,
Sitten und Gebräuche sowie praktische Lebensweisheiten nahe bringt.
Es ist fester Bestandteil im afrikanischen Lebensrhythmus, eine Zeit, in der gemeinsame Erfahrungen
gemacht werden und Reaktionen und Anregungen
zwischen Erzähler und Publikum ausgetauscht werden.
Das Geschichtenerzählen umfasst
1. die Erzählung,
2. das Rollenspiel,
3. Trommeln und Gesang.
Abends (und nur abends) versammeln sich die
Dorfbewohner und bilden einen Kreis um das Feuer; die Trommler sitzen hinter dem Geschichtenerzähler, die Kinder zu beiden Seiten.
Das Geschichtenerzählen ist ein alltägliches Ereignis für die große Mehrheit der Afrikaner, die noch
relativ abgeschlossen, fern von den Städten und der
Industrialisierung leben und von den Massenmedien nicht erreicht werden. Sie pflegen noch eine Lebensweise, in der die Muße ihren gebührenden
Platz einnimmt und die traditionellen Volksmärchen
einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens
ausmachen.
Volksmärchen bleiben ein wesentliches Element in
der Erziehung wie auch in der Freizeit. Für den im
Dorf aufgewachsenen Afrikaner sind sie unvergesslich, sie sind Teil seiner Kindheit, genauso wie seine
Familie und Freunde und die Lektionen von Moral,
die er – um das Feuer geschart – von dem versierten Geschichtenerzähler, dem alten Mann aus dem
Dorf erhalten hat.
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Ausdruck und Aussage
Der afrikanische Stil des Geschichtenerzählens ist
eine Mischung aus verschiedenen Fertigkeiten des
Erzählers selbst. Er schafft die verschiedenen Charaktere neu, er stellt sie dar, er malt den Hintergrund
aus,beschreibt die Szene und baut die Handlung auf.
Mit Gesten, entsprechendem Gesichtsausdruck, unterschiedlichem Tonfall der Stimme kann er für seine Zuhörer ein Bild malen, das alle Spannungen und
Stimmungen der Erzählung widerspiegelt. Die Sprache ist nicht nur wichtig für die Inszenierung und
die Wiedergabe der Geschichte, sondern auch für
die Kommentierung.
Wenn ein Vogel schreit, lässt ihn der Erzähler in der
Geschichte richtig schreien.Wenn jemand stirbt
und die Menschen trauern, werden die Trauergesänge stimmlich wieder gegeben. Die Schreie der Vögel
und anderer Tiere, das Geräusch des tropfenden
Wassers, dahinplätschernder Flüsse oder tosender
Wassermassen, Donner oder fallende Bäume, werden ebenfalls so wiedergegeben wie die Worte der
Menschen oder Tiercharaktere.
Während alle Charaktere frei erfunden sind, bringt
die Moral der Erzählungen deutliche Richtlinien für
verantwortliches soziales Verhalten zum Ausdruck.
„Ehrlich währt am längsten“, „Hochmut kommt vor
dem Fall“, etc.
Entsprechende Aussagen findet man in allen ethnischen Gruppierungen Afrikas wieder. Selten verhält
sich das Publikum passiv: Handlungen und Zuhörer
sind in der Ungezwungenheit so ineinander verwoben, dass es oft schwierig ist, sie auseinander zu halten. Manchmal, wenn die Erzählung einem Höhepunkt zustrebt, tritt eine Gruppe spontan aus dem
Zuhörerkreis in die Theaterarena, singend, klatschend, begleitet von den Trommlern unter Mitwirkung der anderen Zuhörer als Chor. Dieses Zwischenspiel entspricht den Pausen, wie sie früher
z. B. mit Possenspiel in europäischen Theatern üblich waren und dient oft der notwendigen Entspannung durch eine lustige Einlage, bevor man zu einem ernsteren und moralischen Stück übergeht.
In westlicher Terminologie gesprochen, ist das Geschichtenerzählen „ganzes Theater“ wegen seiner
Komponenten des Erzählens, der Handlung, des
Trommelns und des Gesangs.
Obwohl diese Art des Theaters in der afrikanischen
Gesellschaft seit langem existiert, ist man erst
kürzlich dazu übergegangen, es als eine Kunstform
anzusehen.
Marlies Gahn
Impulse für ein Arbeitsblatt
Impulse
Märchen und Geschichten in Afrika
und bei uns
Durch Geschichtenerzählen lernen Kinder in Afrika oft, wie sie sich verhalten sollen.
So z. B. durch das Märchen „Das Lied der bunten Vögel“
Wie aber lernen und erfahren wir, wie wir uns verhalten sollen?
wir lernen/erfahren
durch/über
ethische/moralische Werte
(z. B. im Umgang mit anderen Menschen,
mit der Umwelt?)
________________________________________
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________________________________________
________________________________________
________________________________________
Informationen
Fertigkeiten
(z. B. Handwerk, Sprachen)
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Benimmregeln
(z. B. Regeln bei Tisch, Höflichkeitsformeln)
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Verhaltensregeln
(z. B. im Verkehr, bei Notfällen)
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Nach einer Idee aus: Literatur-Kartei: Der kleine Elefant, Verlag an der Ruhr)
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Erzählen in Afrika
Sprichwörter bei uns und
in Afrika
berall auf der Welt
drücken die Menschen
ihre Lebensweisheiten
gern in Sprichwörtern aus und
geben sie an ihre Kinder weiter.
Ü
Obwohl wir den Sinn vieler
Sprichwörter anzweifeln, sagen
sie dennoch Einiges über eine
Kultur aus und es ist erstaunlich,
wie viele Sprichwörter wir kennen. und wie viele uns durch den
Tag begleiten:
Marlies Gahn
■ Was du heute kannst besorgen, das verschiebe
nicht auf morgen.
■ Ein voller Bauch studiert nicht gern.
■ Gleich und gleich gesellt sich gern.
■ Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er
bricht.
■ Glück und Glas, wie leicht bricht das.
■ Scherben bringen Glück.
■ Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
■ Hunger ist der beste Koch.
■ Einem geschenkten Gaul schaut man nicht
ins Maul.
■ Viele Köche verderben den Brei.
■ Morgenstund hat Gold im Mund.
■ Jeder ist seines Glückes Schmied.
Afrikanisches Sprichwort
Die aufgelisteten Sprichwörter
aus Ghana sagen genau wie bei
uns etwas über das Leben der
Menschen dort aus. Sie sind wie
ein Spiegel, der reflektiert, wie
die Menschen über manche
Alltäglichkeiten und Vorfälle
denken.
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Was bedeutet es?
Hier kann nun anhand des obigen Schemas überlegt werden,
was die einzelnen Sprichwörter
meinen könnten.Welche Sprichwörter sich ähneln, welche gegensätzlich zu unseren deutschen Sprichwörtern sind.
Ähnliches Sprichwort
bei uns
Sind Sprichwörter von der Kultur
eines Landes geprägt? Deuten für
uns unverständliche Sprichwörter auf andere Lebensumstände
hin?
(Quelle: Guten Morgen, Afrika!
Katholische Jungschar Österreich,
Wien)
Sprichwörter und Lebensweisheiten aus Ghana
Impulse
■ Wer auf einen Baum klettern will, fängt unten an, nicht oben. (Tshi)
■ Das Salz wird nie von sich selbst sagen: „Ich habe einen angenehmen
Geschmack.“ (Oji)
■ Schmückt sich ein armer Mann mit Gold, sagen die Leute, es sei
Messing. (Ashanti)
■ Geht dir das Geld aus, wirst du weise. (Tshi)
■ Ist ein Tier drei Jahre lang angebunden, sagt es nicht am letzten Tag
seiner Gefangenschaft: „Heute ist der Strick zu eng.“ (Twi)
■ Willst du an einem Ort bleiben, so achte darauf, wie du dich
benimmst. (Tshi)
■ Sobald du etwas Kostbares erworben hat, verliert es seine Schönheit.
(Tshi)
■ Er fällte einen Baum und stolperte darüber. (Ga)
■ Der Kopf, der Träume hat, ist der überlegene Kopf. (Tshi)
■ Die Füße gehen dahin, wo der Kopf will. (Tshi)
■ Hast du die Glucke gefangen, kannst du die Küken leicht einsammeln.
(Ashanti)
■ Folgst du dem Elefanten, verirrst du dich im Wald niemals. (Twi)
■ Wenn zwei sich streitende Gazellen einen Löwen sehen, ergreifen sie
gemeinsam die Flucht. (Tshi)
■ Wenn alle helfen, den Himmel hoch zu
halten, wird keiner müde. (Tshi)
■ Ein Kopf allein kann keine Beratung
abhalten. (Tshi)
■ Viele kleine Flüsse machen den Ozean
groß. (Tshi)
■ Die Belohnung für Güte ist Dankbarkeit.
(Tshi)
■ Abwesenheit lässt ein Kind nicht
gedeihen. (Tshi)
■ Jeder Fluss, der ins Meer mündet, verliert
seinen Namen. (Tshi)
■ Man trägt nur die Last, die man tragen kann. (Tshi)
■ Mitleid heilt eine Wunde nicht. (Tshi)
Aus: Patrick Ibekwe (Hrsg.), In stillen Teichen lauern Krokodile, Afrikanische Sprichwörter, Peter Hammer Verlag, 2000
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Thema
Von Stoffen und Symbolen
toffe haben in Ghana vielfache Bedeutungen.
Ob sie gewebt oder bedruckt sind, stets
steckt dahinter eine Aussage und eine symbolische Deutung.
S
Die Ashantis zum Beispiel, drucken wertvolle Gewänder mit Adinkra-Mustern.
An der Elfenbeinküste lebte
einst ein König, der „Ade-nkra“
hieß. Er hatte für sich einen goldenen Schemel herstellen lassen.Auf
ihm sitzend wollte er von nun an
regieren.
Als der König der Ashanti davon hörte, wurde er zornig, denn
bisher waren nur die Könige der
Ashanti im Besitz eines goldenen
Schemels gewesen. Er galt ihnen
als göttliches Geschenk, das alle
Seelen der Ashanti verkörperte.
Kein König saß je darauf, nur
einmal im Jahr wurde er
während eines Festes dem Volke
gezeigt.
Kurzerhand erklärte der Ashanti-König den Dschaman und
„Ade-nkra“ den Krieg und tötete
ihn.Als man den Toten fand, trug
er ein Gewand, das mit vielen
rätselhaften Zeichen und Symbolen bedruckt war.
Noch bis zum heutigen Tagglauben einige Menschen, das
Adinkra-Gewand sei nach dem
Namen des ermordeten Königs
benannt.
Seither heißt das Gewand „Auf
Wiedersehen“ oder „Abschied“.
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Foto: Norddeutsche Mission, Bremen
Der Ursprung dieser Muster wird in einer Erzählung
überliefert:
Adinkramuster sind keine bloße Dekoration.Adinkra ist in Ghana zu einem feststehenden Begriff für
eine Symbolsprache geworden.
Sie drücken ganz bestimmte Lebensweisheiten aus;
einige von ihnen weisen auf Gott hin.
(Abbildung Symbole siehe Seite 22)
Die Vorlagen sind geschnitzte Druckstempel. Man
kann die Stempel aus Holz, Filz oder Kork und Bindfaden herstellen:
Anregungen
Anleitung für einen Stempel:
Ein Holzstück besorgen, das so groß ist, wie der
Stempel werden soll.Auf das Holzstückchen mit
Leim den Bindfaden in Form eines Musters aufkleben.
Wenn die Muster großflächiger werden sollen, kann
das Muster aus einer Korkplatte herausgeschnitten
werden oder aber in eine Linolplatte geritzt werden.
Das ausgeschnittene Muster oder die Linolplatte
wird auf ein Holzstück geklebt.
Von den Stempeln erst Probedrucke auf Papier machen.
Als Stempelfarbe eignet sich auch Wasserfarbe, die
mit dem Pinsel an den Stempel gemalt werden.
Besonders eignet sich Stoffmalfarbe. Der Stoff, der
zum Bedrucken benutzt wird, sollte aus Baumwolle
sein.
In Ghana werden Baumwolltücher mit den Zeichen
der Adinkra mit schwarzer Farbe, die aus Baumrinde
und Eisenspänen besteht und gekocht wird, bedruckt.
Anregungen:
Foto: Norddeutsche Mission, Bremen
1. Tücher mit den Symbolen bedrucken und zu
einem afrikanischen Fest tragen.Wie die Tücher
getragen werden, zeigen Abbildungen in „Sternsinger Mission“ 2/2002, auf Seite 10.
2. Mit den Symbolen Karten gestalten und bei einer besonderen Gelegenheit zur Unterstützung
des Projektes auf Seite 38 f. verkaufen.
3. Flache, mittelgroße Steine sammeln . Die Steine
mit einem bunten Adinkra-Symbol bemalen und
mit Klarlack versehen.
Eine schöne, kleine Aufmerksamkeit!
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Anregungen
Der Nachlass einer Ghanaerin
Stirbt in Ghana eine respektable Händlerin, eine reiche Marktfrau, in einem Wort eine „Mammy“, dann
wird zu einem bestimmten Zeitpunkt ihr Schatz
geöffnet und in Augenschein genommen; das sind
alle ihre Stoffe, die sie im Laufe ihres Lebens gekauft
und vermutlich auch getragen hatte.
breiteten Fülle wird ihr ganzes Leben wieder farbig
und lebendig. Dabei kommt es nicht in erster Linie
darauf an, ob es nun teure, wertvolle Stoffe sind,
auch wenn das selbstverständlich von Bedeutung
ist, sondern auf die Auswahl, die sie getroffen hat.
Bestimmte Farben sind gehäuft vorhanden, die Vorliebe zu geometrischen oder zoomorphen Mustern
lässt sich feststellen. Ganz bestimmte Erinnerungsstoffe sind darunter, und auch viele Stoffe, die nur
zu ganz bestimmten Anlässen getragen wurden, wie
z.B. zum Jubiläum der lokalen Frauenvereinigung.
Mit dem schönsten Stoff oder mit dem, den sie am
meisten geliebt hat, soll sie begraben werden. So
sollen die Stoffe die Verstorbene auch noch über
das Leben hinaus weiterbegleiten.
In Blechkisten geschützt vor Ungeziefer und Feuchtigkeit haben sie alle die Jahre überdauert und jetzt
werden sie ausgebreitet.An den Motiven der Muster, an den Farben der Stoffe, die sie ausgewählt
hat, lässt sich viel über die Verstorbene erfahren.
Was für eine Persönlichkeit war sie, wo lagen ihre
Vorlieben im Leben, worauf legte sie besonderen
Wert?
Die Stoffe gaben sicherlich auch schon zu Lebzeiten
Auskünfte über ihre Trägerin, jetzt aber in der ausge-
aus:Wolfgang Bender, „OMO LASO“: Katoendruk, Nederlands
Textilmuseum, Tilburg, Nederland 1989, in: Kente-Stoffe v. Inge
Ehrlicher, herausgegeben von: Norddeutsche Mission, Bremen
Wissenswertes über Kente-Stoffe
Foto: Norddeutsche Mission, Bremen
wolle und Seide gearbeitet wurde.Wunderschöne
farbige, in ihrer geometrischen Vielfalt einmalig ausgeführte feinseidene Tücher sind in dieser Region in
mehreren Jahrhunderten entstanden.
Ghana ist nicht nur die Heimat der Adinkra Gewänder und Symbole, sondern ist auch Zentrum einer
besonderen Art von Schmalbandstreifen-Gewebe,
das zuerst im späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert für den Ashanehene-Hof (Königshof des Ashanti-Stammes) hergestellt worden ist.
Hier entwickelte sich das erste Weberzentrum in
Bonwire, in der Nähe der Ashanti-Hauptstadt Kumasi. Die Stoffe, die dort hergestellt wurden, nennt
man Kente-Stoffe. Sie sind berühmt geworden wegen ihres besonders kostbaren Gewebes, das aus
reiner Seide oder einem Mischgewebe aus Baum-
Nachdem die Ashanehene entmachtet worden waren, blieben die kostbaren Webaufträge aus. Seit den
70er Jahren verarmten die Weber
In Ghana gab es allerdings schon immer ein zweites
Zentrum für Schmalbandweberei. Die Ewes führten
ebenfalls diese Webtechniken aus, allerdings in einer viel volkstümlicheren Art. Sie verwebten ausschließlich Baumwolle und auch gegenständliche Motive in ihre Streifen.
Der größte Umschlagplatz für Tuche aus West-Afrika
ist der Markt von Akbozume bei Keta im Ewe-Gebiet. Die Ewes sollen nämlich heute den Ashantis in
der Webkunst überlegen sein.
Die Farbgebung der Garne spielt bei der Herstellung der Tücher eine große Rolle. Mit Indigoblau
konnten die Westafrikaner schon im Mittelalter färben und die berühmten Seidenstoffe sind gerade
wegen ihrer besonderen Farbe in Asien oder Europa
eingekauft worden, um dann aufgetrennt und neu
verarbeitet zu werden. Später hat man vor allem die
Baumwolle mit einheimischen natürlichen Pflanzenstoffen behandelt. Aus der Kassawa-Wurzel
gewann man z.B. einen roten, aus der Kokosnuss
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Stoffe und Symbole
einen braunen und aus der Rinde des Mangobaumes einen beigen Farbton. Heute werden jedoch
chemische Farben eingesetzt.
Die traditionellen Kentestoffe waren nie die normale Alltagskleidung. Sie wurden als Prestigeobjekt
von reichen Leuten geteragen und waren auch
Tauschobjekte, z.B. als Geldanlage, aber hauptsächlich dienten sie zeremoniellen Zwecken, wie zur Ehre des Königs oder als Schmuck in Hütten oder als
Kissen und Tücher im Totenkult. Bei Zwillingsgeburten wurden die Neugeborenen in die kostbaren
Kente-Tücher eingehüllt. Heute werden auch die
christlichen Kirchen bei besonderen Feiertagen mit
diesen bunten, leuchtfarben gewebten Tüchern ausgeschmückt.
Kente-Tücher gibt es in den verschiedensten Mustern, die fast alle eine besondere Bedeutung und einen eigenen Namen haben. Die über 300 verschiedenen Muster und ihre Bezeichnungen sind heute
noch den Webern und wenigen Alten bekannt.
Sie sind nie aufgezeichnet worden, aber durch ihre
Namengebung weiß der Fachmann, um welches
Muster es sich handelt.
Fotos: Norddeutsche Mission, Bremen
Ein repräsentatives Kente-Tuch benötigt für einen
Mann 24 Streifen von 2,70 m Länge, für eine Frau
14-18 Streifen von 1,80 bis 2m Länge.
tum stärkt die Familienbande“.
Es gibt aber auch Namen
für einfache Muster oder
für Stoffe, die sich jeder
leisten kann, z.B. „Kleiner
Pfeffer“ oder „Sechs
Schlüssel“.
Die Namengebung beruht oft auf einer Assoziation
zwischen Farbe, Muster und einem besonderen Ereignis. So trägt der Ashanti-König nur Kente-Stoffe
aus reiner Seide, deren Buntheit und Glanz die Würde und Bedeutung seiner Person hervorheben. Ein
Muster heißt z.B. „Goldstaub“, ein anderes „Reich-
24
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Generell hat die Namengebung bei Stoffen in
West-Afrika eine lange Tradition und weist darauf
hin, dass bei der Kleidung
nie einfach nur der Schutz
vor Nässe, Kälte oder Sonne im Vordergrund stand,
sondern immer auch ein Anlass, eine Bedeutung
dahinterstand, meistens, um auch eine Aussage über
den Träger des Kleidungsstückes zu machen.
Anregungen
Praktische Arbeit mit Mustern,
Ornamenten und Garnen
Das Erstellen einer Webdecke ist in Ghana ein Symbol für den Wert der Gemeinschaft. Einzelne weben ein
Stück und tragen damit zu einem farbenprächtigen Ganzen bei.
Ein Lied des Dumedefo-Chors aus Ho unterstreicht diesen Gemeinschaftsgedanken:
as Volk aus Ghana ist wie
ein großes Kente-Tuch:
bestehend aus vielen Streifen,
gewebt aus vielen tausend Fäden,
gefärbt mit verschiedensten Farben.
Ghana ist eine Nation,
die einen ruhmreichen Namen trägt.
Und das Ziel des modernen Ghana
ist die nationale Einigkeit,
Ein Kopf allein
macht noch keine Ratsversammlung,
und: Wer glaubt, dass er alles weiß,
weiß gar nichts.
Nur aus der Einigkeit kommt Kraft.
Lasst also jeden seinen und ihren
Beitrag leisten:
Lasst uns ein geeintes Ghana bauen!
Diesen Aspekt der Gemeinschaft kann
man mit Kindern anschaulich nachvollziehen, indem jedes Kind einen Streifen in
den traditionellen Farben der Kente-Stoffe
webt. Dazu müssen Garne in leuchtenden
Farben besorgt werden, damit die Farbenpracht der verschiedenen Stoffstücke
auch gesehen werden kann.
Im Anschluss an das Weben werden die
Streifen zu einer Decke zusammengenäht,
die sicher einen guten Platz im Klassenzimmer findet.
Damit die Schülerinnen und Schüler sich
in die Leuchtkraft der Kente-Muster hineinversetzen können, sollen sie mit dem
folgenden Arbeitsblatt zunächst versuchen, die vorgegebenen Kente-Muster
auszumalen.Filzstifte oder Wachsmalkreide eignen sich dazu.
Foto: Norddeutsche Mission, Bremen
D
so wie im Kente-Tuch:
Eine Nation, ein Volk, eine Bestimmung.
Auf einem Arbeitsblatt „Ornamente“
können dann auch analog zu den vorgegebenen Ornamenten eigene Muster entworfen werden.
Quelle: Kente-Stoffe, Alte und neue Webkunst in Ghana von Inge Ehrlicher. Hrsg.: Norddeutsche Mission,
Bremen.
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Stoffe und Symbole
Arbeitsblatt Kente-Muster
26
Quelle: Kente-Stoffe, Norddeutsche Mission, Bremen.
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Anregungen
Arbeitsblatt „Ornamente“
Quelle: Kente-Stoffe, Norddeutsche Mission, Bremen.
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Rezept aus Ghana
Koose Bohnenküchlein
Zutaten
für 6 Personen
250 g Black eyes / schwarze Bohnen
(evtl. andere Bohnen
oder Kirchererbsen)
1 Ei
2 mittlere Zwiebeln
3 Esslöffel Mehl (evtl. mehr)
Pfeffer, Salz,Wasser
Öl zum Braten
D
ie Bohnen mehrere Stunden einweichen, dann waschen. Zusammen mit den
Zwiebeln und etwas Wasser im Mixer zu
einer Paste mixen.
Mit Salz und Pfeffer würzen, geschlagenes Ei
dazu geben und Mehl, bis eine dickliche
Masse entsteht. Einige Minuten stehen lassen.
Falls sich etwas Flüssigkeit ausgesondert hat,
diese abgießen.
Teig portionsweise als flache Küchlein im
heißen Öl in der Bratpfanne beidseitig goldbraun backen.
Heiß oder kalt servieren.
Nach Belieben kann Pfeffersauce zum Eintauchen dazu serviert werden, z. B. Sambal
Oelek.
Die schwarzen Bohnen sind im Supermarkt
oder in asiatischen Spezialgeschäften
erhältlich.
Aus: Der Welt begegnen, Rezepte aus Afrika,Asien,
Lateinamerika, hrsg.: kem, Basel
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Spiel aus Ghana
Oware
So spielen wir in Ghana
D
as Spiel kann leicht selbst hergestellt werden.
Dazu werden jeweils 14 Streichholzschachteln (innerer Teil) benötigt . Ebenfalls Klebstoff, und zum Spielen Glaskugeln oder irgend eine andere Sorte
Kugeln, oder aber Bohnen.
Oware ist ein strategisches Spiel für
zwei Personen. Es ist bei Kindern sehr
beliebt und wird mit Begeisterung gespielt. Es gibt verschiedene Varianten,
Oware zu spielen. Hier ist eine Möglichkeit aufgeführt.
Gewöhnlich spielt man Oware auf einem Brett mit
zwei Längsreihen. In jeder Längsreihe befinden
sich sechs Mulden. Dazu kommen zwei weitere
Mulden, die sich am linken und rechten Ende befinden. Diese Art Spielbretter kann in Dritte Welt – Läden gekauft werden.
Bastelanleitung für ein Spiel
Es werden 14 Streichholzschachteln (Inneres) zusammengeklebt wie auf der Abbildung zu sehen ist.
Im Sommer kann man Oware auch im Freien spielen und ganz einfach Mulden in die Erde machen.
Spielanleitung
Jeder Spieler erhält pro Mulde 3 Spielsteine (Bohnen, Murmeln etc.)
Die Zählschachtel rechts bleibt leer. Ziel des Spieles ist es, möglichst viele Kugeln in die eigene
Zählschachtel zu bekommen. Abwechselnd nimmt ein Spieler alle Kugeln aus einer seiner/ihrer
Schachteln und legt je eine Kugel - entgegen dem Uhrzeigersinn - in die folgenden Felder. Dabei
werden auch die Zählschachtel und die Schachteln des Gegenspielers nicht ausgelassen.Wenn
die letzte Kugel in die eigene Zählschachtel fällt, darf man noch einen Umlauf machen. Landet
die letzte Kugel jedoch in einer eigenen, bereits leeren Spielschachtel, so nimmt man diese Kugel und alle Kugeln der gegenüberliegenden Schachtel des Gegners und legt sie als Sonderbeute
in die eigene Zählschachtel. Das Spiel ist beendet, wenn alle sechs Schachteln eines Spielers leer
sind und der Partner mit seinem nächsten Zug keine Kugeln mehr in die gegnerischen Spielschalen bringen kann.
Quelle: ÖIE-Spielemappe
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Thematischer Zugang
Kakao: Die Kinder in den Anbauländern
kennen die Süße der Schokolade nicht
Der Kakao aus Westafrika gilt als einer
der besten der Welt. In der AshantiRegion, dem Hauptanbaugebiet in
Ghana, stehen aber Lebenskraft und
Armut in einem irritierenden Verhältnis.
wohl auch, weil das westafrikanische Land an der
Atlantikküste rund 60 Prozent seiner Deviseneinnahmen mit Kakao erwirtschaftet. Ghana nimmt
hinter Brasilien den zweiten Platz in der Liste der
Kakao-produzierenden Länder ein. Kein Wunder,
dass die Vorderseite der 1.000-Cedi-Banknote das
Bild eines Kakaobauern bei der Ernte ziert.
ie Bauerndörfer in der Ashanti-Region im Herzen Ghanas liegen mit ihren niedrigen Häusern und den offenen Plätzen da wie mit
nachlässiger Hand in die Landschaft gestreut. Die Erde hat die Farbe von Abendsonne und die Luft die
Temperatur des Körperinneren. Schmale Pfade
führen mitten hinein in das umliegende Grün, das
aus der Ferne wie dichter Urwald aussieht und sich
immer erst aus der Nähe als die gezähmte Flora einer Kakaopflanzung entpuppt.
Reich werden die Bauern indes nicht mit den
Früchten ihrer Arbeit. Ihre Aufgabe ist hart und bedarf eines gerüttelten Maßes an Ausdauer und Sachkenntnis. Die Kakaofrüchte reifen nicht gleichzeitig
und es kann vorkommen, dass an einem Kakaobaum gleichzeitig Blüten sowie grüne und gelbe
Früchte zu finden sind. Die Haupterntezeit erstreckt
sich von Oktober bis März. Die Früchte werden
dann mit langen Stangen aus dem Geäst gerissen
und fallen mit dumpfem Aufschlag auf den Waldboden. In Körben werden sie zu großen, gelben Haufen zusammengetragen.
D
Kakao gedeiht in einem schmalen Streifen entlang
des Äquators überall dort, wo das Klima heiß und
feucht ist, aber jener aus Ghana gilt als einer der besten der Welt. Grund dafür ist vor allem die landwirtschaftliche Struktur. In Ghana gibt es kaum
Plantagen. Der Kakao kommt von Familienbetrieben, von denen viele in sorgfältiger Kleinarbeit
kaum einen Hektar Land bewirtschaften. Für teure
Pestizide würde das Geld fehlen, weshalb man sich
schon deshalb lieber auf überlieferte biologisch-organische Anbaumethoden verlässt.
In Ghana ist viel von Gold
die Rede. Das Wahrzeichen
ist der goldene Stuhl des Ashanti Königs, der jeweils 25
Jahre lang unter Verschluss
gehalten wird, um dann einen einzigen Tag lang in einer gewaltigen Prozession
dem Volk gezeigt zu werden. Golden ist auch der Kakaobaum, zumindest in der
Poesie des Landes. Zum einen wahrscheinlich, weil
die gelben Schalen der Rugbyball-förmigen Kakaofrüchte im Schatten der
Baumriesen, unter denen sie
gedeihen, manchmal golden
aussehen. Zum anderen
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Foto: Info-Zentrum Schokolade, Leverkusen
Unter Verschluss
Noch an Ort und Stelle beginnt die Verarbeitung.
Die Kakaofrüchte werden mit der Machete aufgeschlagen. Das Fruchtfleisch ist süß und so weiß,
dass es scheint, als könne es durch einen bloßen
Blick verunreinigt werden. Die Schalen werden an
Ort und Stelle als Dünger dem Kreislauf der Natur
überlassen oder an rauchenden Feuern zu Seife verarbeitet, die am Markt ein paar Cedis bringt. Zuletzt
werden die Kerne, in großen, weißen Haufen mit
Bananenblättern abgedeckt, für die
Fermentierung vorbereitet.Was danach bleibt, sind die feuchten, braunen Kakaobohnen, die in Jutesäcken
zu den Häusern getragen werden, um
dort auf langen hölzernen Gestellen
in der Sonne zu trocknen. Dabei nehmen sie ein von Land zu Land und
von Region zu Region variierendes
Aroma an, dem selbst in seiner Essenz noch aphrodisierende Wirkung
nachgesagt wird. Schon weiland Casanova soll gerne auf eine Tasse
heiße Schokolade zurückgegriffen
haben.
Kwado Appiah Kubi kennt alle Mulden und Lichtungen, die in den Pflanzungen als Sammelstellen dienen. Er
kennt die Steine im Boden, an denen
die Macheten geschliffen werden,
und er weiß, welche Familie welches
Thematischer Zugang
Armut hat aber nirgendwo weniger mit Ärmlichkeit
zu tun als in Ghana.Wenn Appiah Kubi von der
„Kuapa Kocoo“ eine Kakaofrucht vom Boden aufhebt und aufschlägt, dann scheint das nicht weniger
als das Angebot zu sein, vom Lebensquell einer
ganzen Region zu kosten.Von Hunger würde er niemals sprechen, und wenn, dann nur wegwerfend,
beinahe entschuldigend. Als handle es sich um einen Fauxpas, der eben vorkommen kann.
Stück Land bewirtschaftet.Wenn er sich nicht gerade als Reiseführer durch die Welt des Kakaos
betätigt, ist er Vorsitzender der „Kuapa Kocoo“,
einer Art kleinbäuerlicher Genossenschaft, die sich
seit zwei Jahren mit Fragen des Anbaus und der Vermarktung auseinandersetzt. Bis 1966 bestimmten
ausländische Exporteure den Kakaomarkt Ghanas,
danach übernahm der staatliche „Cacao Board“ das
Ruder. Im Zuge einer allmählich Platz greifenden Liberalisierung bekommen nun auch Organisationen
wie die „Kuapa Kocoo“, in denen die Bauern sich
selbst organisieren, eine Chance.
Foto: Info-Zentrum Schokolade, Leverkusen
Auch der Dorfoberste ist von einer natürlichen Würde, die keines Prunks, sondern bestenfalls einiger
Accessoires und Gesten bedarf, um wahrhaft königlich zu sein. Besucher aus Europa empfängt er,
wenn überhaupt, flankiert von zwei Stellvertretern
und eingehüllt in traditionelle Tücher. Ein Junge beschattet ihn mit einem Schirm, während er auf einem etwas wackeligen Sessel thront und sich den
Begrüßungstrunk vorkosten lässt. Der offizielle Teil
wird mit diversen Höflichkeiten absolviert. Danach
fällt ihm kein Stein aus der Krone, wenn er in aller
Eile Jeans und ein buntes Polohemd überstreift. Er
zeigt seinen Gästen seinen eigenen Kakao, der hinter dem Haus trocknet. Zufrieden lässt er die Bohnen wie Nuggets durch seine Hände gleiten. Ein
hartes Stück Arbeit, in dem Zeit,Wissen und Liebe
stecken, macht stolz und ist weit mehr wert als
Gold, sagen seine Augen.
Frucht der Lebenskraft
Die „Kuapa Kocoo“ arbeitet seit ihrer Gründung mit
internationalen Entwicklungshilfe- und Fair-Trade
Organisationen wie Max-Havelaar in der Schweiz
und Holland und TransFair in Österreich und
Deutschland zusammen.Trotzdem ist Appiah Kubi
einer von jenen Gesprächspartnern, bei denen einem das Wort „Entwicklungshilfe“ in der Kehle
stecken bleibt. Denn betrachtet durch das Fenster
im Zentralbüro der „Kuapa Kocoo“ in Kumasi, der
Hauptstadt der Region, geraten die Vorzeichen des
Hoffnungen
In Domeabro etwa, einem Dorf mit rund 50 Familien, stehen allenthalben die Trockentische vor den
Häusern. Die ganze Region hat auch eine lange Tradition in der Weberei, aber weder diese Nebeneinnahmen noch jene aus dem Verkauf von Yams, Kochbananen oder Tomaten auf den regionalen Märkten
können das Einkommen wesentlich aufbessern.
Strom gibt es nur in Form einer Autobatterie, die vor
dem Haus des Dorfobersten ein altes Kofferradio
speist. Und Schokolade, wie sie aus ihrem Kakao gemacht wird, haben viele Kinder des Dorfs noch nie
gekostet.
Foto: Info-Zentrum Schokolade, Leverkusen
Die Familien erhoffen sich davon vor allem eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Eine Familie füllt im Laufe eines Jahres nur wenige
der 80 Kilo fassenden Jutesäcke, die mittels Schablone und schwarzer Farbe mit dem Wort "Cacao" beschriftet werden, ehe sie ihren Weg in die Vermahlungs- und Schokolade-Industrie des Nordens
antreten. Am Weltmarkt erzielt das Kilogramm Kakao derzeit (1997) rund 18 Schilling (ca. 1,30 €) ,
nachdem der Preis zwischen 1993 und 1997 von 47
auf nur noch 14 Schilling (ca. 1,- €) gefallen ist.
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Kakako und Schokolade
Gebens und Nehmens zwischen Norden und Süden
auf seltsame Art durcheinander. Die Bauern Ghanas
geben die Kakaofrucht, ein veritables Symbol für
natürlichen Reichtum, für Üppigkeit, Lebenskraft
und Lebensfreude, dessen Produkte aus keinem einzigen Lebensmittelgeschäft oder Supermarkt der gesamten westlichen Welt wegzudenken sind. Und
was eigentlich bekommen sie dafür?
Lustige Pantomime
Natürlich beherrscht Appah Kubi auch die durchorganisierten Sprachregelungen des in Europa gemachten Stils der Nord-Süd-Kommunikation. Fragt
man ihn etwa, während draußen in den Straßen die-
Man braucht:
2) Die Blüten wachsen am Stamm
■ Darsteller als Kakaobaum
■ Darsteller als Mücken
Die Kakaobauern kommen diesmal mit Bonbons
und Sicherheitsnadeln.Vorsichtig befestigen sie die
Bonbons als Blüten an den Hosen (als Stämme) der
Kakaobaumdarsteller.
■ Darsteller als Erntearbeiter
3) Die Mücken bestäuben die Blüten
■ leckere Schoko-Bonbons als Blüten
Alle Mücken kommen angeflogen und versuchen
schnell und vorsichtig die Bonbons von den Hosen
abzunehmen. Die Bonbons werden an die Kakaobauern weiter gegeben. Die Sicherheitsnadeln bleiben in der Hose.
■ Darsteller als Kakaobauern
■ Luftballons als Kakaofrüchte
■ Sicherheitsnadeln
Die Spielleitung erzählt zu den Spielphasen frei eine Geschichte zum Wachstum
und zur Ernte von Kakao.
Spielphasen
1) Der Kakaobaum wächst
Alle Kakaobäume hocken sich auf den
Boden und machen sich ganz klein. Bei
Beginn der Musik kommen die Kakaobauern und klopfen leicht mit den
Fingerkuppen auf die Rücken der Kakaobäume. Das ist der Regen. Die Kakaobäume beginnen zu wachsen, indem erst
die Finger, dann die Arme nach oben
gestreckt werden und allmählich der
ganz Körper folgt.
Schule
&
Bernhard Salomon, Journalist, Wien
aus: Der Standard, Wien 1997; Rechte beim Autor
„Vom Kakaoanbau zur Produktion“
■ Musik aus Afrika, z. B. von der CD
Traumtänze 2 (Best.-Nr. 303, € 12,78,
Kindermissionswerk) Lied „African
Dream“
32
ser wohl wichtigsten westafrikanischen Handelsstadt das Leben kocht, was er sich als Vertreter der
Kakaoproduzenten von den Kakaokonsumenten erwartet, dann antwortet er: Den Kindern in unseren
Schulen fehlt das Dach über dem Kopf und wir haben keine Bücher für den Unterricht. Etwas Wegwerfendes, als würde er über einen Fauxpas sprechen, klingt wieder mit. Und nur, wer diesem Klang
eine Weile nachlauscht, beginnt sich zu fragen, wer
diesen Fauxpas eigentlich begangen hat.
Mission
Heft 2 - 2002
4) Die Kakaofrüchte wachsen
Die Kakaobauern stecken erst ein paar Bonbons in
einen Ballon, pusten ihn als Kakaofrucht auf, verknoten ihn und befestigen ihn vorsichtig am Knotenende mit der Sicherheitsnadel am Baum.
5) Die Kakaobäume wiegen sich in
einem tropischen Gewitterregen
Mit Musik und dem Klatschen, Stampfen und Zischen der anderen Darsteller (Gewitterregen) bewegen sich die Kakaobäume auf der Stelle, so dass
die Ballons auf und ab wippen.
6) Die Früchte werden geerntet
Alle Erntearbeiter nehmen die Früchte vorsichtig
ab. Danach dürfen sich alle einen Ballon schnappen,
ihn zum Platzen bringen und die Bonbons als
Kakaobohnen genießen.
Impulse
Kakaobohnen-Sackhüpfen
D
ie Maya und Azteken verwendeten Kakaobohnen nicht nur zur Getränkezubereitung, sondern
auch als „Geld, das auf Bäumen wächst“, und bezahlten mit Kakaobohnen andere Lebensmittel. Dieses Spiel greift den sozialgeschichtlichen Hintergrund auf. Die Kinder werden in Gruppen aufgeteilt
und sollen in einem Wettbewerb papierne Geldmünzen aus Ghana gegen Kakaobohnen tauschen.
Die Kinder können sich aktiv an der Vorbereitung
des Spiels beteiligen, denn sie können mit Hilfe der
Kopiervorlagen das Spielzubehör basteln.
Material
■ Selbstklebendes Klettband, von der flauschigen
Seite wird doppelt so viel benötigt.
■ Kakaoblatt (Kopiervorlage, auf DIN A 3 vergrößern), jede Spielgruppe braucht ein Blatt.
■ Münzen aus Ghana (Kopiervorlage, etwas vergrößern), jeder Mitspieler benötigt eine Münze.
■ Kakaobohnen (Kopiervorlage, etwas vergrößern),
pro Mitspieler eine Kakaobohne.
■ Eine Schnur mit Wäscheklammern.
■ Kartoffel-, Jutesäcke oder alte Bettbezüge, jede
Spielgruppe benötigt einen Sack.
Vorbereitung
Die Vorlagen werden in der benötigten Stückzahl
(siehe links) kopiert. Die Kinder kleben diese auf
Pappkarton, malen die abgebildeten Gegenstände
entsprechend an und schneiden sie aus.
Auf die Kakaoblätter werden nun so viele ca. 1,5 cm
lange Klettstreifen (hakige Seite) geklebt, wie die
Gruppe Mitspieler hat. Auf der Rückseite einer jeden Münze und Kakaobohne werden ebenfalls
Streifen des Klettbandes (flauschige Seite) befestigt.
Eine Schnur wird im Gymnastikraum oder im Freien
in Griffhöhe der Kinder gespannt. Mit Wäscheklammern befestigen die Kinder so viele Kakaoblätter an
der Leine, wie Spielgruppen teilnehmen. Geht man
von drei Gruppen à 6 Kindern aus, hängen drei Kakaoblätter auf der Leine, die mit je sechs Kakaobohnen bestückt werden.
Spielverlauf
Die Kinder werden in gleich starke Gruppen aufgeteilt. Jedes Kind erhält eine Spielmünze. An der
Startlinie stellen sich die Kinder auf. Jede Gruppe
erhält einen Hüpfsack, in den die ersten Spieler hineinsteigen. Auf ein Startzeichen geht es los. Die Kinder müssen zur Schnur hüpfen, eine Kakaobohne
vom Blatt lösen und im Gegenzug die Münze befestigen. Dann hüpfen sie zurück und übergeben den
Sack dem nächsten. Das Spiel folgt dem Staffellaufprinzip.Welche Gruppe als erstes alle Mitspieler
samt Kakaobohnen im Ziel hat, ist Sieger.
Hinweis: Die Gruppenstärke sollte nicht zu groß
sein, zu empfehlen sind maximal 6 Kinder pro
Gruppe.
Raphaela Kehren und Annette Lorke
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
33
Zähneputzen etc.), ggf. mit Gruppe spielerisch erlebbar machen.
Man braucht:
Vergleich mit Alltag von Kindern
in Ghana:Wie putzen die Kinder
dort die Zähne (Sternsinger-Mission, Heft 2/2002, S. 10).
■ 1 Tafel Schokolade am
Stück
■ Messer, Gabel,Teller
■ 1 Würfel
■ Verkleidungsstücke
Winter: Mütze, Schal,
Handschuhe oder:
■ Verkleidungsstücke
Sommer: Sonnenbrille,
Hut,Taucherflosse oder
-brille o. ä.
Anleitung:
Kinder sitzen um Tisch;
Schokolade liegt auf Teller
in der Mitte; reihum würfeln; wer
eine 6 würfelt, zieht schnell die
Verkleidungsstücke an und darf
dann mit Messer und Gabel von
der Schokolade essen; sobald der
nächste eine 6 würfelt: Kleidungsstücke übernehmen und
los bis die Schokolade aufgegessen ist. Das Schöne dabei: es gibt
eigentlich keine Verlierer oder
Gewinner, sondern nur richtig
viel Spaß!
Inhaltliche
Weiterführung
zum Gesundheitsaspekt:
(darf nicht aufgesetzt wirken)
Festgemacht an der anschaulichen Frage:Wie viele Kakaobohnen verzehren die Kinder pro
Jahr?
In einer 100 g Tafel stecken ca.
30 Kakakobohnen.
Dazu den wöchentlichen, monatlichen, jährlichen Konsum durch
die Kinder ermitteln lassen und
entsprechend berechnen.
Sicherlich fällt das Ergebnis von
Kind zu Kind sehr unterschiedlich aus. Danach Impuls:Was ist
schädlich an Schokolade?
(Zucker, nicht Kakao), warum?
„Ausgleichsmaßnahmen“ (Obst,
34
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
für bis zu 24 Kinder
Dauer: ca. 20 min.
(ohne Weiterführung)
Man braucht:
■ 5 Tafeln Schokolade der
gleichen Geschmacksrichtung (z. B. Nuss)
verschiedener Marken
(darunter auch Gepa
und preiswerte „no
name“-Schokolade)
■ 5 Teller
■ Zettel beschriftet mit
je einer Zahl von 1-5
(für jedes Kind)
■ Becher (nach Anzahl
der Kinder)
■ Milch
Vorbereitung:
Schokoladen in (meist 24)
Stückchen aufteilen und nach
Marken getrennt auf Teller verteilen (Marke merken! Oder ggf.
Verpackung unter den Teller kleben.)
■ Sammeln und Gegenüberstellung von Schokoladenverpackungen
■ Auflistung gängiger Markenartikel
Fragen: Warum mögt ihr am liebsten Milka Schokolade oder
Überraschungs-Eier? Was kostet
wohl die Verpackung? Warum
macht die Gepa keine Reklame
im Fernsehen?
Stichworte: Werbeslogans, Kinder
als Zielgruppe von Werbung,
Preisvergleich, fair gehandelte
Schokolade, wem kommt Gewinn zugute?
für jede Alterstufe
und Gruppengröße
Schokolade für alle
für 5 bis 6 Kinder
Dauer: ca. 15 min.
Schokoladen-Geschmackstest
Schokoladen-Wettessen
Kakao und Schokolade
Man benötigt:
(bei 18 Kindern)
■ 18 Schokoladenstückchen (verteilt auf
2 Teller, ein Teller mit 15
Stückchen, einer mit 3
Stückchen)
■ Lose für die Zugehörigkeit zu einem Kontinent: 2 für Afrika, 2 für
Europa, 1 für Lateinamerika, 1 für Nordamerika,
12 für Asien
Anleitung:
Anleitung:
Kinder auffordern von jedem
Teller ein Stück zu probieren; zur
„Geschmacksneutralisierung“
Milch trinken; dann Wertungszettel von 5 (super lecker) bis 1 (na,
ja) den Tellern zuordnen lassen;
Wertungen begründen lassen;
Ergebnis berechnen und „Siegerehrung“
Kinder ziehen je ein Los; dann
werden sie auf die Teller aufgeteilt (z. B. durch Enthüllung der
Kontinente-Namen):
Weiterführung:
Anschließen kann sich eine Vertiefung der „Schoko-Splitter“ in
Sternsinger-Mission, Heft 2/2002,
S. 4 zu „Werbung“ und „Fairer
Handel“. Elemente dafür könnten
sein:
Afrika,Asien, Lateinamerika:
Teller mit 3 Stückchen
Europa, Nordamerika:Teller mit
15 Stückchen
Das entspricht der Verteilung des
weltweiten Schokoladenkonsums von knapp 90% in den Industrieländern und gut 10% für
alle anderen.
Markus Offner
Impulse
Fairer Handel
„Fairen Handel“ mit in eine Unterrichtseinheit zum
Thema Kakao ein zu beziehen, sollte ein besonderes
Anliegen jeder Lehrperson sein.
Durch Lehrervortrag und Unterrichtsgespräch können Ursachen für die Abhängigkeit von Kakaobauern verdeutlicht werden. (Siehe auch Abbildung einer Tafel Schokolade, deren Stückchen angeben, wie
viel die einzelnen Beteiligten an diesem Produkt
verdienen, auf S. 36)
■ Die Preise auf dem Weltmarkt werden von den
Staaten, die die Rohstoffe kaufen (Industrieländer) festgelegt.
■ Kakaobauern müssen jeden Preis akzeptieren,
da sie auf das einzige Produkt Kakao festgelegt sind.
■ Kakaopreise auf dem Weltmarkt verfallen, weil
das Angebot immer größer wird.
Foto: Info-Zentrum Schokolade, Leverkusen
Fakten
GEPA = fairer Handel
Foto: gepa
„Fair“ gehandelte Produkte mit gerechten Preisen
für die Erzeuger in der „Dritten Welt“ werden von
Verbrauchern zunehmend akzeptiert.
So hat sich der Umsatz der größten alternativen
Handelsorganisation GEPA in den letzten Jahren zunehmend erhöht und sogar verdoppelt. Die positive
Entwicklung ist auf die hervorragende Arbeit vieler
Aktionsgruppen und Dritte-Welt-Läden zurückzuführen.
Mascao - Schokolade des fairen Handels
Mascao ist eine Mischung feinsten Kakaos aus Bolivien mit aromatischem Vollrohrzucker aus den Philippinen. Es ist ein reines Naturprodukt ohne künstliche Zusatz oder Aromastoffe.
Vor allem aber garantiert Mascao den Kleinbauern einen Mindestpreis, der ihre Existenz sichert sowie
langjährige Abnahmeverträge und die Vorfinanzierung der Ernte.
Der Schweizer Chocolatier Bernrain veredelt die Kakaobohnen und –Butter sowie den Vollrohrzucker Mascobado nach einem speziell entwickelten Verfahren schonend und umweltfreundlich. Bernrain sichert beste Qualität innerhalb der aufgedruckten Haltbarkeit zu.
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
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Kakao und Schokolade
Die Kuapa Kokoo Union in Ghana
Kakaohandel stand in Ghana bis 1993 unter der
Kontrolle der Regierung. Produzenten lieferten ihre
Ernte an staatliche Aufkaufstellen, die den Kakao
der ebenfalls staatlichen Vermarktungsagentur zuführten. Zwar erhielten die Bäuerinnen und Bauern
eine Abnahme- und Preisgarantie, waren aber der
staatlichen Bürokratie ausgeliefert. „Keiner der Bauern besaß eine Waage, um zu kontrollieren, wie viel
Kakao er wirklich ablieferte. Die von den Regierungsbeamten ermittelten Gewichte waren oft zu
niedrig, aber sie mussten akzeptiert werden, genauso wie weitere, nicht immer gerechtfertigte Abzüge.
Sein Geld erhielt der Bauer nicht auf die Hand ausbezahlt, sondern als Scheck. Um ihn einzulösen
musste er zur Bank gehen und stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen. Hier wurden ihm Spesen abgezogen, der effektive Erlös verringerte sich
nochmals. Die Unzufriedenheit wuchs.
Durch die vom internationalen Währungsfonds erzwungene Liberalisierung in Ghana können seit
1993 auch private Organisationen die Lizenz erhalten, auf Inlandsebene Kakao aufzukaufen. Die internationale Vermarktung geht bislang noch über die
staatliche Cocoa Marketing Company.
Die Kuapa Kokoo Union ist eine von der bislang
fünf privaten Organisationen, die die Aufkauflizenz
besitzen. Gegründet 1993 von 40 Dorfgemeinschaften in der Ashanti-, Brong-ahafo- und Westernregion,
wurde zunächst die Hilfe internationaler nichtstaatlicher Entwicklungsorganisationen benötigt, um
Gerätschaften, Kapital und know-how für das Aufkaufgeschäft zu erwerben. Inzwischen fallen die
ersten Gewinne an, die den 36 Basiskooperativen
zugute kommen, die Mitglieder von KKU sind.
Weitere Informationen:
gepa, Talstraße 20, 58332 Schwelm
?
Wer bekommt wie viel
Im Gegensatz zu den Kakakobauern im fairen Handel kommen Kakaobauern auf dem Weltmarkt viel
schlechter weg.
Anhand einer Schokolade die meistens 18 Stückchen hat, kann dargestellt werden, wer wie viel bekommt.
● Handel 5,5 Stückchen ● Schokoladenfirma 7 Stückchen - (Produktionsprozess)
● Verpackung und Rohstoff 5,5 Stückchen (davon entfallen auf den Einkauf 4,0 Stückchen
der Kakakobauer erhält 1 Stückchen)
Handel
Schokoladenfirma
Verpackung und Rohstoff
Kakaobauer
Quelle: Reliprax Spezial, Kakao mehr als schwarz/weiß, September 1994
Die Thematik „Fairer Handel“ ist auch im beigelegten Heft „Sternsinger Mission 2/2002 auf Seite 4 zu finden,.
36
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
Impulse
Unterrichtsskizze zum Thema
Kakao / Schokolade
Ein „künstlicher“ Kakaobaum
wird von den Schülerinnen
und Schülern gestaltet .
Dazu benötigt man Kartonpappe, Pappröhren, Zeitungspapier, Kleister, weißes Papier,
Draht und Baumwollgarn.Auf
einer festen Wellpappe wird
ein Papprohr mit Zeitungspapier fixiert . Zwei Äste werden innen durch Draht und
dann zusätzlich mit Fäden mit
dem Mittelteil verbunden.
Aus Zeitungspapier und Kleister werden Kakaoschoten
hergestellt. Für grüne Blätter
benötigt man entsprechendes
Tonpapier. Nach dem Trocknungsprozess werden Bäume
und Schoten mit Wasserfarben
angemalt.
(Idee aus: „Wo die Schokolade wächst“ von Lydia Binnewitt, in: Projekt „Eine Welt in
der Schule“, Klasse 1 –10)
5. Verarbeitung zu
Schokolade
■ siehe dazu das beigelegte Heft
„Sternsinger Mission 2/2002“,
Seite 3.
■ siehe „Sternsinger Mission“
2/2002, Eine lange Reise, S. 5
3. Kakaoanbau-Land
Ghana
■ Dazu Lehrervortrag aus dem
Beitrag: „Die Kinder in den
Anbauländern kennen die
Süße der Schokolade nicht.
(siehe Seite 30)
■ Ebenfalls die weiteren Bausteine wie Armut, Erzählkunst,
Sprichwörter, Stoffe und Symbole, Rezept und Spiel in diesem Heft.
4. Anbau und Ernte
■ siehe Heft „Sternsinger
Mission“ 2/2002 darin
Doppelseite 8-9.
Foto: gepa
■ Die Schülerinnen und Schüler
bringen Schoko-Artikel mit.
2. Kulturgeschichte
des Kakakoanbaus
■ Pantomime zu Anbau und Ernte (siehe Seite 32)
6. Handel
■ Wie gerecht ist der Handel
mit Kakao?
■ Dazu der Beitrag GEPA = fairer Handel: „Wer bekommt
wie viel“? (siehe Seite 35)
■ ergänzend siehe Heft „Sternsinger Mission“ 2/2002,
Seite 4, Fairer Handel und
Supermarkt Ralley.
Foto: Info-Zentrum Schokolade, Leverkusen
1. Einstiegsphase
7. Präsentation auf einem
Schulfest oder als Abschluss
einer Projektwoche
■ Dazu eignen sich auch die
Themen „Sackhüpfen (siehe
Seite 33)
■ und Schoko Wettessen
(siehe Seite 34)
Schule
&
Mission
Heft 2 - 2002
37
Das Lied der bunten Vögel
A
m nächsten Tag tanzten und sangen
sie alle wieder gemeinsam vor dem Bauern
und erhielten viel mehr Futter als erwartet.
Es ist nicht gut,
nur an sich selbst zu denken.
Das Lied der bunten Vögel - ein Märchen aus Ghana
erzählt von Kobna Anan und illustriert von Omri Amonde
in der gebundenen Ausgabe erschienen im Fischer-Verlag, Münsingen
ISBN 3-8568-1219-9, € 16,-

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