unSere Spuren im Klima

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unSere Spuren im Klima
papergram
1 › 2008
G R A P H I C PA P E R
Felix Brunner – Standards
für Druckereien
Unsere Spuren
im Klima
Foto – so weit das Auge reicht
Sticken Sie mehr!
sca papergram no 1 › 2008
18
16
Papergram. Das internationale Magazin für die Medienbranche und grafische Industrie. Herausgegeben von
SCA Forest Products AB, Box 846, 851 23 Sundsvall.
Telefon: +46-60-19 40 00. Telefax: +46-60-19 40 90.
Chefredakteurin und Herausgeberin
(nach schwedischem Recht für den Inhalt verantwortlich):
Anne-Sofie Cadeskog
Projekt- und Redaktionsleitung:
Luise Steinberger ([email protected])
Grafikdesign: Mellerstedt Design
Repro und Druck: Tryckeribolaget AB, Sundsvall
Titelfoto: Bildmontage Pauliina Friberg
Papergram wird auf GraphoCote
80 g gedruckt, der Umschlag
auf Reprint 150 g. Das Papier
ist FSC-zertifiziert.
Inhalt › 1/2008
24
4 Norrlands große Lungen
Aktivität hinterlässt Spuren. Die „Kohlendioxid-Fußspur“ von Industrien, Transporten und anderen menschlichen Tätigkeiten ist derzeit ein großes Thema. Papergram untersucht
die Rolle, die SCA Forest Products für das Klima spielt
11 Trends
12 Der Vater der Standardisierung
Felix Brunner wollte Wissenschaftler werden und landete in der Druckereibranche.
Er kombinierte sein Wissen aus verschiedenen Bereichen und entwickelte Standards
zur Steuerung des Druckergebnisses
14 Kreuze sticken
Pyramiden und Stars in trauter Eintracht finden sich in der britischen Kreuzstichzeitschrift CrossStitcher. 100 000 Leser mit flinken Fingern warten jeden Monat auf neue Stickvorlagen
16 Bildanalyse für bessere Qualität
Im SCA R&D Centre haben Forscher eine Methode zur Vergrößerung und Untersuchung von Papierquerschnitten entwickelt. Ein wichtiges Ziel ist die Analyse von Stärke
und Qualität des Strichs
18 Neue Bilder
Bilder sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil von Zeitungen und Zeitschriften. Der
Einzug der Digitaltechnik hat die Fotografie in den letzten Jahren revolutioniert.
Fachzeitschriften folgen dem Trend, und das Berufsbild des Fotografen hat sich verändert
23 Kolumne:
Christopher Brown Humes preist die Zeitung
24Weit weg und doch ganz nah
Die Geschäftsidee, Lokalzeitungen am anderen Ende der Welt zur drucken, wurde vor
rund zehn Jahren lanciert. Papergram über die Entwicklung seither
26 Dichte Fenster und viel mehr
Das Airlaid-Produkt Luna aus der Zellstofffabrik Östrand bei Sundsvall erweitert den Anwendungsbereich von SCAs Zellstoffprodukten. Außer für Hygiene eignet sich Luna
auch für Lebensmittel und – für die Bauindustrie
28Prickelnder Frühling
Schaumwein aus Birkensaft – eine neue Spezialität für Genießer
sca papergram no 1 › 2008
Das Material in dieser Zeitschrift ist von der Redaktion
bestellt, durchgesehen und abgenommen. Das bedeutet
jedoch nicht, dass die Redaktion oder SCA die Meinungen der Autoren in jedem Fall teilen. Zitieren Sie uns
gerne, aber geben Sie bitte die Quelle an.
Möchten Sie ein eigenes Gratisexemplar von Papergram,
oder möchten Sie die Zeitschrift für einen Kollegen
bestellen? Schicken oder faxen Sie Namen, Adresse
und eventuell den Namen Ihres Unternehmens an:
Caroline Johansson, SCA Graphic Sundsvall AB,
Box 846, 851 23 Sundsvall.
Telefon: +46-60-19 43 92.
Telefax: +46-60-15 24 50.
E-post: [email protected]
SCA Forest Products produziert Druckpapier für
Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge sowie Zellstoff,
Schnittholzwaren und Biobrennstoffe aus der Forstwirtschaft. SCA Forest Products verwaltet auch den
großen Waldbesitz der SCA, versorgt die schwedischen
Industriebetriebe des Konzerns mit Holzrohstoffen und
bietet den Geschäftseinheiten der SCA wirtschaftliche
Transportlösungen an.
Der Umsatz des Unternehmens beläuft sich
auf etwa zwei Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl
auf 4 500. Die Forstwirtschaft der SCA ist gemäß
FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert.
SCA › info
Starkes Jahr für SCA
Jan Johansson blickt zuversichtlich in die Zukunft. Infolge der
weltweiten Bevölkerungsalterung wird die Nachfrage nach Inkontinenzprodukten steigen, zugleich verbinden sich mit steigenden
Durchschnittseinkommen unter anderem in Indien und Südamerika gute Aussichten: „Das eröffnet für viele Produkte von SCA
neue Möglichkeiten“, so Jan Johansson.
S
2007 war für SCA ein starkes Jahr – das belegt die Ende Januar
veröffentlichte Jahresbilanz. Der Umsatz stieg um fünf Prozent
und die Ebidta (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und
Amortisationen) um drei Prozent. Das vierte Quartal markierte
mit einer 47-prozentigen Gewinnsteigerung gar einen historischen
Meilenstein: „Es war ein gutes Jahr und ein viertes Quartal mit
dem besten Unternehmensergebnis in der Geschichte von SCA“,
erklärte Vorstandschef Jan Johansson.
SCA Forest Products verzeichnete einen markanten Umsatzanstieg und verbesserte sein Ergebnis bei Sägeholzprodukten wie
auch bei grafischen Papieren. Zu den Verbesserungen trugen ein
starker Zellstoffmarkt, ein rekordstarker Markt für Sägeholz sowie
die Tatsache bei, dass es gelang, die Energiekosten zu senken.
Im Dezember konnte SCA zudem sein Eigenkapital neu festlegen, da der Wert des 2,6 Millionen Hektar umfassenden nordschwedischen Waldbesitzes dank steigender Holzpreise um 5,2
Milliarden SEK (etwa 265 Millionen Euro) gestiegen war.
Auch in den Bereichen Verpackungen, Tissue- und Persönliche
Hygieneprodukte stiegen Umsatz und Ergebnis, obgleich höhere
Energiekosten die positive Entwicklung vielerorts hemmten. Der
Bereich AFH (Away from home) innerhalb des Geschäftsbereiches
Tissue verzeichnete einen Umsatzrekord, zugleich konnte der
Produktmix in mehreren Arbeitsbereichen von SCA verbessert
werden.
Bester Nachhaltigkeitsbericht laut WWF
Stets sind weitere Verbesserungen möglich,
so Patrik Isaksson – der Nachhaltigkeitsbericht
ist ein wichtiges Hilfsmittel, um dieses Potenzial
kontinuierlich sichtbar zu machen. Isaksson
betont auch die Bedeutung fortlaufender Untersuchungen durch unabhängige Organisationen
wie den WWF. Die Umweltorganisation hat
ein Bewertungssystem für Umweltparameter
entwickelt, um Informationen vergleichbar und
zugänglich zu machen. Innerhalb von SCA
Forest Products wird das vom WWF entwickelte System im Bereich Papierprodukte angewendet, die Ergebnisse werden den Kunden
zugänglich gemacht.
www.sca.com/investors/reports
S
Die Umweltorganisation WWF führt seit
2004 Untersuchungen über die Nachhaltigkeitsarbeit von Unternehmen der Papierbranche
durch. Beim aktuellen Vergleich der Nachhaltigkeitsberichte europäischer Papierunternehmen
schnitt SCA am besten ab. „Wir arbeiten seit
langem mit diesen Fragen, sie genießen bei
SCA Priorität“, sagt SCA-Umweltchef Patrik
Isaksson. „Der Bericht spiegelt unsere Arbeit
in Sachen Umwelt und soziale Verantwortung
wider und belegt, dass wir uns in diesem Bereich um Klarheit und Deutlichkeit bemühen.“
Im Vergleich zu den Mitbewerbern beeindruckte SCA besonders mit einer detaillierten
umweltbezogenen Berichterstattung für die
verschiedenen Produktionseinheiten. Mehr
als 100 SCA-Produktionseinheiten in über 40
Ländern lieferten Umweltdaten zu.
Wussten Sie schon, dass...
Zeitungspapier etwa 35 Prozent des europäischen Druckpapiermarktes
ausmacht. Der Rest verteilt sich auf andere ungestrichene und
gestrichene Qualitäten. Der Magazinpapiermarkt wächst jährlich
um drei bis vier Prozent, der Zeitungspapiermarkt langsamer,
um ein bis zwei Prozent im Jahr.
sca papergram no 1 › 2008
Unser
Kohlenstoff-Fußabdruck
Die größte Umweltfrage unserer Zeit ist der Klimawandel.
Die Art und Weise, wie wir Menschen leben und Rohstoffe
nutzen, beeinflusst das Klima – vor allem durch den Ausstoß
von Klimagasen. Das wichtigste davon ist Kohlendioxid.
Lesen Sie hier, wie SCA Forest Products zur Kohlenstoffbilanz beiträgt
VON Björn Lyngfelt Foto Olle Melkerhed, Per-Anders Sjöquist ILLUSTRATIONs Per Matsson, Tomas Holmström
sca papergram no 1 › 2008
Der Wald bindet Kohlenstoff
Der Rohstoff der Forstindustrie, die Holzfaser, ist in sich eine CO2 -Senke. Zum
Wachsen nutzen Bäume als wichtigsten
Baustein Kohlendioxid aus der Luft und
Sonnenlicht als Energiequelle. Ein Waldzuwachs um einen Kubikmeter Holz
bindet 1,4 Tonnen CO2. Ein Kubikmeter
Holz wiegt etwa eine halbe Tonne. Dass
der Wald mehr als sein Eigengewicht an
Kohlendioxid bindet, liegt daran, dass der
Baum lediglich den Kohlenstoff nutzt, den
Sauerstoff im Kohlendioxid aber an die
Atmosphäre abgibt.
SCA ist mit 2,5 Millionen Hektar Waldfläche in Nordschweden Europas größter
privater Waldeigentümer. Der Jahreszuwachs in diesen Wäldern beträgt knapp
7,5 Millionen Kubikmeter, wovon etwa 5,5
Millionen Kubikmeter geerntet werden.
Das Volumen an lebenden, wachsenden
Bäumen steigt demnach in SCAs Wäldern
jährlich um knapp zwei Millionen Kubikmeter. Diese Wälder binden jährlich also
2,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid.
Etwa 60 Prozent des von SCA Forest
Products verarbeiteten Holzrohstoffs stammen aus eigenen Wäldern. Der Rest wird
vor allem von privaten Waldbesitzern in
Nordschweden sowie in Österreich und dessen Nachbarländern hinzugekauft. Sowohl
in Schweden als auch in Österreich regelt
eine ausführliche Gesetzgebung die Wiederaufforstung nach der Ernte. In beiden
Ländern steigt die Wald-Gesamtmenge.
Auch der Bezug von Holz durch andere
Holzeigentümer führt also nicht zu einer
Minderung der Waldmenge und bewirkt
somit keine Nettosteigerung der Kohlendioxidemissionen in die Atmosphäre.
Auch Altpapier bindet Kohlenstoff
Im österreichischen Laakirchen und im britischen Aylesford nutzt SCA als Rohstoff in
umfangreichem Maß Altpapier. Auch Altpapier besteht ja aus Holzfasern, die durch
die Rückgewinnung neuerlich Nutzen erbringen. Das einst vom Baum gebundene
Kohlendioxid wird noch etwas länger von
der Atmosphäre ferngehalten.
Die Rohstoffbeschaffung für die Fabriken verursacht CO2-Emissionen. Forstmaschinen und Lkw für Holz oder Altpapier werden mit Dieselkraftstoff angetrieben. Für Ernte und Transport eines
Kubikmeters Holz in die Fabrik sind etwa
zwei Liter Diesel nötig . Auch für Produk-
Ökobilanz der Faser
CO2
Ökostrom
Beim Wachsen binden
Bäume Kohlendioxid, das
während des gesamten
Lebenszyklus des Produktes
von der Atmosphäre
ferngehalten wird
tion und Transport neuer Waldpflanzen
und für den Transport der Pflanzarbeiter in
den aufzuforstenden Wald wird Treibstoff
verbraucht, wenn auch in sehr geringen
Mengen.
SCA testet synthetisches Diesel. Dieser
Treibstoff wird heute aus Naturgas hergestellt, was einen positiven, jedoch begrenzten Effekt auf den CO2-Ausstoß hat.
Derzeit wird daran gearbeitet, Biomasse als
Rohstoff für synthetisches Diesel brauchbar zu machen, was die CO2-Emissionen
drastisch senken würde. Die Lkw-Fahrer
von SCA sind zudem in „Ecodriving“
ausgebildet worden, einem Fahrstil, der
den Kraftstoffverbrauch um mindestens
15 Prozent reduziert.
SCA Forest Products versucht, zur Vermeidung langer Transporte Rohstoffe aus
nächster Nähe zu verwenden. In Schweden
kommen für die Herstellung von Papier
und Zellstoff ausschließlich Frischfasern
zum Einsatz, größtenteils aus den nahe
gelegenen eigenen Wäldern. In Laakirchen
werden Frischfasern aus nahe gelegenen
Wäldern mit Altpapier aus mitteleuropäischen Großstädten kombiniert. Aylesford
Newsprint vor den Toren Londons verwendet ausschließlich Altpapier.
Schlüsselfrage Energie
Das Zellstoffwerk Östrand stellt chlorfrei
gebleichten Sulfatzellstoff sowie eine vergleichsweise relativ kleine Menge CTMP
(Chemi-Thermomecanical Pulp) her. Im
Sulfatprozess werden die Zellulosefasern,
etwa die Hälfte des Rohstoffs, von den
übrigen Stoffen getrennt. Die Faserreste
werden dann im Sodakessel verbrannt,
wobei sehr heißer Dampf mit hohem Druck
entsteht, während die Prozesschemikalien
zurück gewonnen werden. Der Dampf
erzeugt zunächst in einer Turbine Strom
und wird dann im Prozess zum Trocknen
des fertigen Zellstoffs eingesetzt. Ist die
maximale Menge Energie aus dem Dampf
gewonnen, wird der Rest als Heißwasser
ins Fernwärmenetz eingespeist.
Das Zellstoffwerk Östrand ist ein großer
Energieproduzent. Die Fabrik versorgt sich
selbst mit Strom und Wärme, liefert Überschusselektrizität ans Stromnetz ab und
versorgt die Gemeinde Timrå mit dem gesamten Bedarf an Fernwärme. Östrand verwendet heute sehr geringe Mengen fossiler
Brennstoffe, vor allem bei der Aufbereitung
eines Teils der Prozesschemikalien.
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S
Die Herstellung und Verwendung von
Forstindustrieprodukten verursacht Kohlendioxidemissionen. Zugleich trägt die
Forstwirtschaft zur Begrenzung der CO2Menge in der Atmosphäre bei. Wachsende
Wälder binden CO2, und Forstindustrieprodukte lagern während ihrer Anwendung
CO2. Forstindustrieprodukte können Produkte mit höherem Kohlendioxidausstoß
ersetzen. Biotreibstoffe erzeugen Energie
ohne CO2-Nettoemissionen und können
fossile Treibstoffe ersetzen.
Die Kette von der Rohstoffquelle, dem
Wald, bis zur Verbrennung der Produkte in
einem Heizkessel oder dem Verrotten auf
einer Deponie ist lang und komplex, und
sie enthält eine Reihe Vor- und Nachteile.
Die Papierfabrik Ortviken stellt Zeitungspapier und gestrichene Druckpapiere,
LWC, her. Der wichtigste Ausgangsstoff
ist vor Ort produzierter Holzstoff. Frische
Kiefernfasern werden im Raffineur, einer
Art großer Mühle, fein gemahlen. Raffineure verbrauchen große Mengen an Strom
– Ortviken ist der zweitgrößte Stromverbraucher in Schweden –, aber der Prozess
hält mit dem Faserrohstoff sehr gut haus.
Auch im Werk Ortviken sind große
Mengen Dampf zum Trocknen des Papiers
nötig. Der Dampf wird vor allem durch die
Verbrennung von Holzresten wie Rinde
und ähnlichem hergestellt. Außerdem wird
die Abwärme des Raffineurs genutzt. Auch
in Ortviken wird der Dampf zur Elektrizitätsherstellung verwendet, bevor er in
den Prozess eingeleitet wird, allerdings
bezieht Ortviken dennoch große Mengen
Elektrizität aus dem Netz, rund 1,9 TWh
jährlich.
Fossile Brennstoffe kommen in Ortviken
in sehr begrenztem Maß zum Einsatz, daher
ist der CO2-Ausstoß der Fabrik sehr gering.
In Schweden wird Elektrizität fast vollends
aus Wasser- und Kernkraft erzeugt, die
keine CO2-Emissionen verursachen.
Dampf und Elektrizität aus Naturgas
In Laakirchen wird SC-Papier, ein ungestrichenes Druckpapier für Zeitschriften und
Kataloge, gefertigt. Als Rohstoff kommt
einerseits Holz zum Einsatz, das genau wie
in Ortviken zu Holzstoff gemahlen wird,
und andererseits Altpapier, das gereinigt
wird, bevor es in die Produktion geht.
Laakirchen benötigt zur Energieversorgung
sowohl Elektrizität für die Herstellung von
Holzstoff als auch Dampf zum Trocknen
des Papiers. Strom und Dampf werden
unter Verwendung von Naturgas in einer
Gemeinschaftsanlage vor Ort erzeugt.
Naturgas ist zwar ein fossiler Brennstoff,
verursacht jedoch bedeutend geringere
Kohlendioxidemissionen als Öl oder Kohle.
Laakirchen betreibt auch ein Wasserkraftwerk im Fluss Traun, das einen kleinen Teil
des Elektrizitätsbedarfs deckt.
In Aylesford wird Zeitungspapier zu 100
Prozent aus Altpapier hergestellt. Genau
wie in Laakirchen sorgt eine mit Naturgas
betriebene Anlage für die Produktion des
nötigen Stroms und Dampfes.
Die acht Sägewerke von SCA Forest
Products benötigen wesentlich weniger
Energie als die Papierfabriken. Doch auch
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Der Fußabdruck von SCA Forest Products:
Gebundenes Kohlendioxid oder vermiedene CO2-Emissionen (Tonnen/Jahr) -1 000 000 -900 000 -800 000 -700 000 -600 000 -500 000 -400 000 -300 000 -200 000 -100 000
Waldzuwachs – 10,5 Millionen
(davon Contorta – 2,0 Millionen)
davon Netto-Bindung
– 2,6 Millionen
Netto-Bindung 2,6 Millionen
CO2 gebunden in Papier und Zellstoff
(< 1 Jahr) – 7,6 Millionen
CO2 gebunden in Schnittholzwaren,
(> 10 Jahre) – 2,5 Millionen
Brennstoffe aus dem Wald
ersetzen Öl – 900 000
Windkraft, 2,8 TWh − 1 Million
ersetzt Importe von Elektrizität
aus fossilen Brennstoffen
Zuwachs der SCA-Wälder
Papier und Zellstoff
Brennstoffe aus dem Wald
Windkraft
Schnittholzwaren
Das Bild zeigt die unterschiedlichen Art und Weisen, wie die Tätigkeit von SCA Forest Products
das Gleichgewicht im Kohlendioxidhaushalt beeinflusst. Die Parameter sind nicht immer direkt
vergleichbar. Papier und Zellstoff binden Kohlendioxid einige Monate, Schnittholzwaren auf Jahre
Emissionen fossiles CO2 (Tonnen/Jahr)
100 000 200 000 300 000 400 000 500 000 600 000 700 000 800 000 900 000 1 000 000
Forstwirtschaft 36 000
Rohstofftransporte 78 000
Östrand 61 000
Ortviken 143 000
Laakirchen 295 000
Aylesford 228 000
Sägewerke 19 000
Transport von Produkten 214 000
Summe Emissionen 1 074 000
Forstwirtschaft
Östrand
TransportE
Ortviken
Laakirchen
Aylesford
SÄGEWERKE
hinaus. Aber das netto im Wald gebundene CO2 bleibt gebunden, solange wir unsere Wälder
nachhaltig bewirtschaften. Und allein diese Menge ist doppelt so groß, wie unser Ausstoß an
fossilem CO2.
Transporte – eine Kohlendioxidquelle
Die fertigen Produkte – Schnittholz, Zellstoff und Druckpapiere – werden an Kunden in ganz Europa und weltweit verkauft.
68 Prozent der von SCA Forest Products
veranlassten Transporte finden per Schiff
statt, 24 Prozent per Lkw und 8 Prozent
per Bahn.
Schiffe können große Produktmengen
transportieren, und obwohl sie mit Öl betrieben werden, sind die Emissionen pro
Tonne und Kilometer gering. Der Großteil Zellstoff und Papier aus Östrand und
Ortviken wird mit SCA-eigenen RoRoSchiffen nach Großbritannien und zum
europäischen Kontinent verschifft. Diese
mit niederschwefligem Öl angetriebenen
und mit katalytischer Abgasreinigung ausgestatteten Schiffe zählen zu den saubersten
Schiffen Nordeuropas. 2004 wurde SCA
Transforest von der EU mit dem Clean Marine Award für erfolgreiche Umweltarbeit
ausgezeichnet. Auf dem Rückweg nehmen
SCAs Systemschiffe Rohstoffe und Industriewaren für Nordschweden an Bord.
Der Bahntransport ist eine energieeffiziente Transportart, die sowohl für Holz
als auch für fertige Produkte genutzt wird.
Leider reichen die Gleise nicht bis in den
Wald und auch nicht bis zur Haustür der
Kunden – daher müssen Bahntransporte
in der Regel mit Lkw-Transporten kombiniert werden.
Der CO2-Ausstoß der Eisenbahn hängt
von der Art der Erzeugung der Antriebsenergie ab. In Schweden handelt es sich
dabei fast ausschließlich um kohlendioxidfreie Wasser- oder Kernkraft, während das
Stromnetz etwa in Deutschland größtenteils aus Kohlekraftwerken gespeist wird.
Zumindest auf dem letzten Teilstück
müssen die Transporte in der Regel per
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S
Wald, Holzfasern und Faserprodukte
bieten gute Möglichkeiten, den Ausstoß
von CO2 zu vermeiden und Verursacher
hoher Emissionen zu ersetzen
zum Betrieb der Sägen und Förderanlagen
ist Elektrizität notwendig und zum Trocknen des Holzes Wärme. Die Art der Stromund Wärmeerzeugung ist unterschiedlich:
Manche Sägewerke erzeugen Strom aus
Rinde und Holzresten, andere verwenden
die Abwärme nahe gelegener Industrien.
In den Sägewerken anfallende Sägespäne
werden in großem Umfang zu Pellets verarbeitet, die in Haushalten und Energieerzeugungsanlagen als Ölersatz dienen. Die
Produktion von Pellets entspricht über 800
GWh Elektrizität pro Jahr, ausreichend zur
Beheizung von 30 000 Einfamilienhäusern.
Lkw geschehen. Lkw werden mit Dieselkraftstoff angetrieben und verursachen
Emissionen von fossilem CO2. SCA ist
bestrebt, seine Transporte so weit wie möglich zu rationalisieren, die Strecken zu begrenzen und halbvolle Lkw zu vermeiden.
Die Wahl der Transportart ist letztendlich
ein Kompromiss aus Service, Kosten und
Umwelteffekt.
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Vielseitiger positiver Klimaeffekt
Wald, Holzfasern und Faserprodukte bieten gute Möglichkeiten, den Ausstoß von
CO2 zu vermeiden und Verursacher hoher
Emissionen zu ersetzen. Jeder Baum, der
maximal zu Produkten veredelt wird, wird
dennoch zur Hälfte als Brennstoff für die
Energieerzeugung eingesetzt – nicht eingerechnet ist dabei die Endverwertung der
fertigen Produkte, die letztlich ebenfalls
verbrannt werden. Äste und Baumspitzen
werden als Biotreibstoff verwertet, Rinde
und andere Restprodukte als Industrie­
brennstoff. In einer Sulfatzellstofffabrik
geht die Hälfte des Holzrohstoffes in die
Energieproduktion. Aus Sägespänen wer-
den Pellets. Würde man den gesamten
Baum als Brennstoff verwenden, würde
sich die Biotreibstoffmenge trotzdem nur
um 50 Prozent vergrößern; zugleich ginge
man des Nutzens verlustig, den Holzprodukte, Zellstoff und Papier bieten.
Auch anderweitig kann der Wald positiv
auf das Klima einwirken. Gemeinsam mit
dem norwegischen Energieunternehmen
Statkraft baut SCA in Nordschweden
Windkraftparks. Insgesamt 400 Windkraftwerke mit einem Gesamteffekt in
Höhe von 2,8 TWh pro Jahr sind geplant,
eine Investition von knapp 1,7 Milliarden Euro. Das entspricht dreimal soviel
Windkraft wie heute in Schweden erzeugt
wird und mehr als dem gesamten Elektrizitätsverbrauch von SCA Forest Products
2006.
SCA hat die schnell wachsende Drehkiefer (Pinus contorta) in seinen Wäldern eingeführt. Diese Baumart wächst auf 280 000
Hektar Waldgebiet, etwa 14 Prozent des
Waldlandes der SCA. Sie wächst um etwa
40 Prozent schneller als vergleichbare
einheimische Arten. Durch ihr schnelles
Wachstum bindet die Drehkiefer etwa zwei
Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr,
doppelt so viel wie SCA Forest Products
in seinen Fabriken und durch Transporte
ausstößt.
Wald und Forstindustrieprodukte sind ein
wichtiger Teil der Lösung für die Herausforderungen durch den Klimawandel.
S
Produkte in Gebrauch
Wenn die Produkte geliefert sind, hat SCA
keine Kontrolle mehr über sie. Doch auch
die Weiterverwendung – der Druck von
Zeitungen und Magazinen, Transporte zu
Abonnenten oder in Zeitungskioske und
die Autofahrt des Kunden zum Laden, in
dem er seine Zeitung kauft – verursacht
CO2-Emissionen. Gelesene Zeitungen
landen im Altpapiercontainer, sie werden
verbrannt, unter Verwertung ihres Energiegehaltes oder auch nicht, oder sie landen
auf der Deponie, wo sie langsam verrotten.
Das Ergebnis ist in jedem Fall letztlich, dass
der Kohlenstoff, den der Baum einst zum
Wachsen nutzte, wieder als Kohlendioxid
an die Atmosphäre abgegeben wird. Dieses
Kohlendioxid erhöht jedoch die Menge der
Treibhausgase nicht, denn ganz zu Anfang
war es ja von den Bäumen aus der Atmosphäre aufgenommen worden.
Aber obgleich also Forstindustrieprodukte keine Steigerung der Kohlendioxidmenge herbeiführen, kann ihr Klimaeinfluss sehr variieren. Eine Zeitung, die aus
Papier hergestellt wird, das aus einer Fabrik
kommt, in der viel fossile Brennstoffe
verwendet werden, das weit transportiert
wird und zuletzt auf der Müllhalde landet,
bringt nicht denselben positiven Effekt
wie eine Zeitung, deren Papier aus einer
Fabrik mit kleinem fossilem CO2-Ausstoß
stammt, das effektiv transportiert wird,
mehrmals zurück gewonnen und schließlich in einer effizienten Energieanlage
verbrannt wird.
Holzprodukte können Materialien wie
Stahl, Beton und Kunststoff ersetzen, die
alle wesentlich mehr CO2 ausstoßen. Holz
ist leicht, isoliert gut, lagert CO2 lange
– mehr als ein Jahrhundert – und kann
schließlich effizient zur Energieerzeugung
verwendet werden.
Lässt sich der Fußabdruck berechnen?
Der „Kohlendioxid-Fußabdruck“ (carbon footprint) ist in aller Munde. Kunden
möchten wissen, wie Produkte das Klima beeinflussen. Umweltanalysten
versuchen zu berechnen, welchen Effekt einzelne Unternehmen auf das Klima
haben. Für Branchen, Unternehmen und Produkte wird CO2-Neutralität
versprochen. Aber die Berechnungen sind oft schwierig
Einfache Lösungen sind Mangelware
Oft wird versucht, mit Hilfe von Öko­
bilanzen derartige Vergleiche anzustellen
– doch das ergibt wenig Sinn, wenn es nicht
gelingt, die Grenzen des Systems genau
und einheitlich zu definieren. Für ein Produkt in zwei verschiedenen Prozessen kann
man in der Regel eine solche Definition
finden; für eine lange Veredelungskette mit
verschiedenen Endprodukten und einer
Reihe Restprodukten, die ihrerseits Ausgangsprodukt für andere Produkte werden,
ist das im Prinzip unmöglich. Seien Sie
also skeptisch, sollte Ihnen jemand eine
einfache Ziffer zur Beschreibung des Klimaeffekts eines Produktes anbieten. Oder
wenn jemand behauptet, sein Produkt sei
klimaneutral. Die Karten müssen auf den
Tisch. Fragen Sie nach den Fakten hinter
dieser Behauptung. Die Wirklichkeit ist
kompliziert, und viele bieten allzu einfache Lösungen an.
Der nebenstehende Artikel über die
Klimaauswirkungen von SCA Forest
Products ist lang – und dennoch ist er
lediglich der Versuch einer Zusammenfassung. Aber just so kompliziert ist die
Wirklichkeit. Unsere großen, wachsenden Wälder sind für uns ein fantastischer
Aktivposten. Verglichen mit anderen
verursachen unsere Fabriken sehr niedrige
CO2-Emissionen. Unsere Transporte sind
effizient. Viele unserer Projekte erbringen
eine Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Wir meinen, wir haben guten
Grund, stolz zu sein auf das, was wir für
das Klima tun.
Aber Ihnen mit Ehrenwort eine exakte
Zahl für die Klimaauswirkungen von
einem Kilo Papier geben – das können wir
nicht. Genauso wenig wie alle anderen.
S
Komplizierte Zusammenhänge
Elektrizität wird in verschiedenen Ländern zu jeweils unterschiedlichen Teilen
aus Kohle, Gas, Kern- oder Wasserkraft
erzeugt. Ein und dasselbe Produkt, das in
einem Land vorrangig mit Kohle erzeugt
wird, verursacht größere CO2-Emissionen
als bei der Herstellung mit Kernkraft in
einem anderen Land. Hat man als Kunde
einen langen Weg zum Zeitungskiosk,
stößt man mehr CO2 aus, als wenn der
Kiosk nahe liegt. Wenn man mit dem
Auto fährt. Fährt man Fahrrad, sieht die
Rechnung anders aus.
Eine Zeitung zu recyclen ist gut für das
Klima − sofern die Zeitung dazu nicht
per Lkw weit transportiert werden muss.
Dann ist es möglicherweise besser, sie in
einem effizienten Wärmekraftwerk in
der Nähe zu verbrennen. Aus Waldrohstoff Ethanol als Kraftstoff für Fahrzeuge
herzustellen, muss doch wohl gut für das
Klima sein? Jein. Aus dem Rohstoff Holzprodukte und Papier herzustellen bringt
einen vielfach höheren Veredelungswert und setzt Ressourcen für wichtige
Entwicklungsmaßnahmen auf anderen
Gebieten frei. Zugleich wird die Hälfte
des Rohstoffes dennoch in effizienten
Anlagen in Energie umgewandelt. Die
Herstellung von Ethanol aus Zellulose ist
außerdem teuer und hat einen geringen
Wirkungsgrad, sie kann lediglich durch
massive Subventionen überleben. Da ist
es besser, das Ethanol in Brasilien einzukaufen. Wenn da nicht die Sache mit den
Transporten wäre, und mit den Arbeitsbedingungen…
Björn Lyngfelt
Leiter Kommunikation SCA Forest Products AB
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S
Die Frage nach Klima­
auswirkungen ist leicht
und schwierig zugleich.
Kunden, Behörden und
Lieferanten versuchen
Berechnungsmodelle für
einfache und leicht kommunizierbare Schlüsselzahlen zu finden,
die zeigen, ob ein Produkt dem Klima
nutzt oder schadet – bevorzugt solche, die
das eigene Unternehmen in vorteilhaftes
Licht rückt.
Ob eine Maßnahme den Ausstoß fossilen
Kohlendioxids erhöht oder mindert, lässt
sich einfach feststellen. Das Ersetzen von
Öl durch Biobrennstoffe mindert den Ausstoß ebenso wie die Einsparung eines LkwTransports. Das Wachsen eines Baumes
bindet Kohlendioxid. Ein Windkraftwerk
kann Elektrizität auf Kohlebasis ersetzen.
Schwierig, wenn nicht gar unmöglich
ist es hingegen, die Klimaauswirkungen
verschiedener Produkte auf einheitliche
Weise zu berechnen und zu vergleichen.
Projekte für ein besseres Klima
SCA Forest Products engagiert sich in mehreren Projekten, die zur Minderung von Kohlendioxid-Emissionen
beitragen
Sodakessel Das Zellstoffwerk Östrand hat in einen neuen Sodakessel investiert,
der Dampf mit dem höchsten Druck und der höchsten Temperatur, die je in einer ent­
sprechenden Anlage erreicht wurden, erzeugt. Der Kessel versorgt die Fabrik mit Energie
und hat die Erzeugung von „grünem Strom“ auf 500 GWh pro Jahr verdoppelt
Baumstümpfe SCA zerkleinert in Tests
Baumstümpfe, um sie als Brennstoff verwertbar
zu machen
Drehkiefern Anfang der 1970er-Jahre begann SCA in seinen Wäldern mit
der Ansiedlung der kanadischen Drehkiefer, die um 40 Prozent schneller wächst als
einheimische Baumarten. Die Drehkiefer in SCA-Wäldern bindet jährlich etwa zwei
Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich
Äste und Baumspitzen Äste und Baumspitzen nehmen viel Platz ein und lassen sich schlecht
für den Transport bündeln. Durch Zusammenpressen werden Äste, Spitzen und andere Erntereste
für den Transport vorbereitet
Ethanol aus Ernteresten Gemeinsam mit der Gemeinde Vilhelmina und
dem Energieerzeuger E.on untersucht SCA Möglichkeiten, aus Ernteresten Ethanol
herzustellen. Da bisher aber eine geeignete Technologie fehlt, wurde das Projekt
vorerst auf Eis gelegt
Synthetisches Diesel SCA testet in seinen Lkw synthetisches Diesel, das
heute aus Naturgas hergestellt wird. Die Kohlendioxid-Emissionen sind daher gering.
Könnte synthetisches Diesel aus Biomasse hergestellt werden, wäre der Spareffekt
noch wesentlich größer
Biogas Gemeinsam mit der Gemeinde Sundsvall untersucht SCA Möglichkeiten, Biogas aus
den Reinigungsanlagen sowie aus dem kommunalen Klärwerk zu gewinnen
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Bahnanschluss nach Östrand Die Investition in ein Bahngleis hat direkte
Bahnanlieferungen von Holzrohstoff in die Fabrik ermöglicht. Damit werden etwa 50
Lkw-Transporte vermieden – täglich
Rauchgaskondensierung in Ortviken
Durch die Investition in eine Rauchgaskondensierungs­
anlage in der Papierfabrik Ortviken wird Abwärme
aufgefangen und ins Fernwärmenetz eingespeist.
Die Menge reicht aus, um 3 000 Einfamilienhäuser
zu beheizen
Grüne Wärme für das Sägewerk Tunadal
Der Dampf für die Holztrockenanlage im Sägewerk
Tunadal stammt aus dem Wärmewerk Korsta, das mit
Hausmüll betrieben wird
Windkraft Gemeinsam mit dem norwegischen Energieunternehmen Statkraft plant SCA den Bau von sieben
Windkraftparks in nordschwedischen Wäldern. Infolge der
Investition in Höhe von knapp 1,7 Milliarden Euro werden 400
Windkraftwerke 2,8 TWh Elektrizität jährlich erzeugen
VON Luise Steinberger
tRENDS
China bald größter Papierhersteller
Japanishe Effizienz
Professor Tetsu Uesaka beim Fibre Science and Communication
S
Network (FSCN) an der Mittuniversität in Sundsvall erhält etwa 350 000
Euro Forschungsgelder von der Stiftung für Kompetenzentwicklung (KKstiftelsen). Die Gelder sind für ein Projekt zur Verbesserung der Effizienz
schwedischer Papierwerke bestimmt. Das Projekt „Papierherstellung
extrem – den Effekt von Papierproduktion maximieren“ hat zum Ziel, die Betriebsunterbrechungen in
Papiermaschinen um 90 Prozent
zu mindern und die schwedischen Fabriken somit auf das
gleiche Effizienzniveau zu bringen wie japanische.
S
Eine Batterie in einem Bogen Papier – daran arbeitet
derzeit das Forschungsinstitut Rensselaer Polytechnic Institute im amerikanischen Bundesstaat New York. Eine normale
Lithiumbatterie wird aus Kohlenstoff-Nanoröhren hergestellt,
sehr starken Röhren, die 100 000 Mal dünner sind als ein
menschliches Haar. Diese Röhren werden in isolierender Zellulose eingeschlossen. Es wurde ein 2,5-Volt-Prototyp entwickelt,
mit dem sich ein kleiner Ventilator betreiben lässt. Durch das
Stapeln der „Batteriepapiere“ soll dann die Kraft gesteigert
werden, zugleich ist die Weiterverarbeitung mit allen Techniken der Papierverarbeitung möglich. So sollen die Batterien
in einer Art Druckpresse massenproduziert werden können,
etwa wie Zeitungen. Anwendungsbereiche bieten sich überall
dort, wo Energie benötigt wird und Platz knapp ist.
S
Papierbatterie
Die Papierherstellung in China steigt. In einigen Jahren wird China
die größte Papierhersteller-Nation der Erde sein. Dies prognostizierte
Henrik Essén vom Beraterunternehmen Pöyry Forest Industry Consulting
im Dezember vergangenen Jahres auf einer Konferenz in Stockholm. Vom
Papierimporteur werde sich China zum Papierexporteur entwickeln: „Die
Produktionssteigerung wird größer sein als die Verbrauchssteigerung,
daher wird chinesisches Papier auf die Weltmärkte kommen“, so Henrik
Essén.
Zwischen 1997 und 2006 stieg die Herstellung von Papier und Karton
in China von 28 Millionen Tonnen auf 65 Millionen Tonnen jährlich.
Quelle: TT
Papierkeramik
Schwach aufwärts für Anzeigen
S
S
„Es sieht nicht gut aus, aber andererseits auch nicht so schlecht, wie Sie vielleicht
glauben. Und es wird besser.“ So fasst Robert J. Coen die Aussichten für den Anzeigenmarkt
2008 und die nähere Zukunft zusammen. Auf einer Konferenz in New York prognostizierte
der amerikanische Werbeguru Ende vergangenen Jahres für 2008 eine Steigerung des
Anzeigenvolumens in den USA um 3,8 Prozent – vor allem dank bevorstehender Großereignisse wie den Olympischen Spielen und den amerikanischen Präsidentschaftswahlen.
Auf dem europäischen Markt kommt die Fußball-EM hinzu.
Ähnlich denkt Coens Kollege Steve King, Vorstand von Zenith Optimedia. King glaubt
nicht an eine Werberezession in diesem Jahr, sondern an eine Steigerung des GesamtWerbeaufkommens um 6,7 Prozent, davon nahezu ein Drittel dank der drei Großereignisse.
Beide merken an, dass die allgemeinen Konjunkturaussichten nicht besonders positiv seien;
dadurch werde längerfristig auch die Werbekonjunktur zurückgehen. Steve King glaubt
jedoch, dass ein Teil des Rückgangs durch eine stärkere Nachfrage der Schwellenländer
nach Werbedienstleistungen aufgehalten werden kann.
Vier deutschen Forschern ist die Entwicklung
eines Papiers mit keramischen Eigenschaften gelungen. Das neue Material kann daher unter anderem
für die Herstellung von Formen und Gesenken für
Metall verwendet werden.
Das Material wurde durch die Erhöhung der
Menge von Kaolin- und anderen Füllstoffen erzeugt,
die traditionell in der Papierherstellung zur Erlangung
spezieller optischer Eigenschaften verwendet werden. Das Papier nimmt so viel Füllstoffe auf, dass es
schließlich keramische Eigenschaften annimmt. Die
Herstellung erfolgt jedoch weiterhin in Papiermaschinen, was wesentlich billiger ist als die traditionelle
Keramikherstellung.
Die Erfinder Dr. Andreas Hofenauer, Renate
Kirmeier (Papiertechnische Stiftung, PTS, München)
sowie Dr. Nahum Travitzky, Hans Windsheimer
(Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
erhielten den Otto von Guericke-Preis der AiF 2006
für interdisziplinäre Forschungsprojekte.
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Der Vater der Standardisierung
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Wer etwas von außen betrachtet, sieht oft Dinge, die andere nicht
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sehen. Der Chemiker Felix Brunner kam als Quereinsteiger in die
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Druckbranche und entwickelte eines ihrer wichtigsten Instrumente:
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den so genannten „Zebrastreifen“
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VON Luise Steinberger Foto System Brunner AG
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Jeder, der einmal in die Nähe ei-
ner modernen Offset-Druckmaschine
gekommen ist, kennt die bunten Viereckfelder am Rand der Bögen. Mithilfe
dieser Messskalen beurteilt der Drucker
die Qualität der Farbwiedergabe. Entwickelt wurde dieses Messverfahren von
dem Schweizer Chemiker Felix Brunner.
Und wie so oft im Leben spielte dabei der
Zufall eine Rolle. Denn eigentlich hatte
Brunner Wissenschaftler werden wollen.
Nach dem Abitur nahm er an der Universität Zürich ein Chemiestudium auf,
erzählt der vitale 79-Jährige, der seinem
Unternehmen System Brunner AG noch
immer vorsteht. „Um mein Studium zu
finanzieren, druckte ich Dissertationen
auf einer Kleinoffset-Druckmaschine.
Dadurch kam ich mit der Drucktechnik
in Berührung – und sie ließ mich nicht
mehr los.“ Er schlug vor, eine Dissertation aus dem Bereich der Drucktechnik
in Angriff zu nehmen, fand aber keinen
Professor, der eine solche Arbeit begleiten wollte: „In jener Zeit galt Drucken
als Gewerbe, war also kein Thema für
eine wissenschaftliche Arbeit.“ Felix
Brunner verzichtete auf den Abschluss
und wurde Unternehmer in der Druckbranche.
Gewerbe, war also kein Thema für
eine wissenschaftliche Arbeit“
optische Rasterpunktverbreiterungen
unvermeidlich sind, welches ist dann
die „richtige“ Punktverbreiterung? „Das
war die Geburtsstunde des ,Standard
Offset‘“, sagt Felix Brunner, der die
Herausforderung annahm und daran
ging, den Standard zu entwickeln. „Ich
definierte zwei Versionen, eine für gestrichene und eine für ungestrichene
Papiere.“ Die Definition lautet wie
folgt: „Die Rasterpunktverbreiterung
gemessen als Dichtedifferenz zwischen
einem Grobrasterfeld (10er Raster) und
einem Feinrasterfeld (60er Raster) von
je 50 Prozent Flächendeckung soll auf
gestrichenen Papieren ein Zehntel einer
typischen Volltondichte (beispielsweise
1.20 bis 1.40) – also 0.12 bis 0.14– betragen. Für ungestrichene Papiere gilt
ein Siebtel.“
Neue Parameter
Als Brunner mit der Arbeit an dem Standard begann, definierte er acht verschiedene Leitwerte – vier Volltondichten
für Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb,
sowie die zugeordneten Punktverbreiterungen an der 50-Prozent-Stufe. Seither
hat er den Standard verfeinert und erweitert, und auch die Drucktechnik hat
sich verändert. So liegen Probedrucke
heutzutage in der Regel als Digitalproofs
vor. Um eine sehr hohe Übereinstimmung zwischen Digitalproof und Druck
zu gewährleisten, sind 50 verschiedene
Parameter nötig, erläutert Brunner. „Die
hohe Zahl von 50 Parametern ist auch
deshalb notwendig geworden, weil heute
bei einem Digitalproof auf Inkjet-Basis
völlig andere Technologien und Farbpigmente zum Einsatz kommen als bei
einem Offsetdruck.“ Die von Brunner
erarbeiteten Messsysteme erhielten die
Markennamen Eurostandard, Global-
standard und Nipponstandard System
Brunner.
Die Vermarktung organisierte er vor
allem im Rahmen von Kooperationen.
Das „System Brunner“ wird zwar wie
ein Produkt vermarktet, hat aber einen
anderen Charakter, betont sein Schöpfer: „System Brunner ist eine Lehre.
Unsere verschiedenen Messelemente
und Instrumente dienen dazu, die Anwendung dieser Lehre zu erleichtern.
Es ist mir wichtig, die Unabhängigkeit
dieser Lehre immer wieder zu betonen“,
sagt Felix Brunner.
Poof Checker: Innovationspreis
Um die Unabhängigkeit zu wahren, sind
sämtliche Produkte gut durch Patente
und andere Schutzrechte abgesichert,
deren Überwachung einen Großteil von
Felix Brunners Zeit in Anspruch nimmt.
Allerdings hindert ihn das nicht, auch
weiterhin im Bereich der Entwicklung
aktiv zu sein. Kürzlich auf den Markt
gebracht wurde der neue Proof Checker,
ein Qualitätsbewertungssystem für Digitalproof und Druck, bei dem ein exklusiv
entwickeltes Rating mit fünf Sternen
dem Drucker die Bewertung seiner Probedrucke erleichtert. Der Proof Checker
wurde mit dem Innovationspreis der
deutschen Druckindustrie 2007 ausgezeichnet.
Doch nun, findet Brunner, ist der Offsetdruck hinlänglich standardisiert. Sein
Hauptinteresse gilt jetzt dem Tiefdruck:
„Für große Auflagen ist der Tiefdruck
unersetzlich, weil er auf ungestrichenen
Papieren geringerer Qualität einen größeren Konstrastumfang erreicht. Ziel ist
es, eine Version des prämierten Proof
Checkers für den Tiefdruck zu entwickeln.“ Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.
S
Provokative Gedanken
Doch der Wissenschaftler in ihm ließ
nicht locker. Rasch wurde Brunner klar,
dass die Beherrschung des Bilddruckes
von der Beherrschung der Rasterpunkte
abhängt. Dass sich viele Farb- und Tonwertänderungen auf Änderungen in den
Rasterpunkten zurückführen lassen, gehört heute zum Allgemeinwissen. Doch
Ende der 1960er-Jahre war das anders.
Als Felix Brunner damals den Slogan
prägte: „Andruck und Auflagendruck
sind nur gleich, wenn auch die Rasterpunktverbreitung gleich ist“, kamen
daher postwendend Reaktionen: „Der
Satz wurde von Druckfachleuten als
Provokation empfunden – und machte
mich rasch bekannt.“ Brunner begann,
Seminare zu organisieren, auf denen
Druckfachleute das Thema diskutieren konnten. Und bald stellte sich die
Folgefrage: Wenn mechanische und
„In jener Zeit galt Drucken als
sca papergram no 1 › 2008
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Kreuz und quer
für geschickte Finger
Es juckt in den Fingern! Nähen, Sticken,
Malen, Schneiden, Kleben – viele
lieben die Arbeit mit den Händen.
Handarbeit bringt Ablenkung und
eine nahezu therapeutische Ruhe,
erklärt Cathy Lewis, Chefredakteurin
der britischen Kreuzstich-Zeitschrift
CrossStitcher
VON Henrik Emilson Foto Ulf Huett Nilsson Illustration Annika Huett
14
sca papergram no 1 › 2008
licht, die Gondeln in Venedig, ebenfalls
im Gegenlicht, eine Pferdedroschke im
Schnee und ein Porträt von Simon Cowell,
dem garstigen Jurymitglied in der amerikanischen Version von „Deutschland
sucht den Superstar“. Welch eine Themenauswahl – ist der Redakteur verrückt
geworden? Keineswegs. CrossStitcher ist
eine Kreuzstich-Zeitschrift, daher der breit
gefächerte Inhalt. Sie ist die größte ihrer
Art in Großbritannien: 13 Mal jährlich
beliefert sie mehr als 100 000 fingerfertige
Leser mit Bildern und Mustern.
Völlige Hingabe
Viele Leser sind ihrer Zeitschrift mit Haut
und Haar ergeben. Manch einer widme
einer einzigen Ausgabe mehrere Monate,
berichtet Chefredakteurin Cathy Lewis.
So lange kann es dauern, bis eine große
und komplizierte Kreuzsticharbeit fertig
ist. „Das Schöne am Kreuzstich ist, dass
die Arbeit sehr entspannt und man völlig
in ihr aufgeht. Wir haben so viel zu tun,
unser Alltag ist so stark von Stress geprägt – mit einem Hobby wie Kreuzstich
nehmen wir uns Zeit für uns selbst, wir
können uns besinnen und kreativ sein.
Es hat sich sogar gezeigt, dass Kreuzstich
eine therapeutische Wirkung hat: Die bedachte, wiederholte Bewegung kann dazu
beitragen, dass man aufhört, sich aufzuregen oder an seine Wehwehchen zu denken.
Sogar der Heißhunger auf Süßigkeiten
kann vergehen. Kreuzstich kann also eine
gute Hilfe beim Abnehmen sein“, lacht
Cathy Lewis.
Die Technik ist sehr einfach zu erlernen.
Es geht, wie der Name schon andeutet,
darum, eine Reihe kleiner Kreuze auf ein
Stück Stoff zu sticken und dabei einem
Muster zu folgen, das die Farbe des Garns
und die Platzierung der Kreuzchen vorgibt.
Schon bald wächst das Bild heran. „Man
fühlt sich kreativ, wobei jedoch das schwierige Entwerfen des Musters schon erledigt
ist, und das Ergebnis wird garantiert gut“,
sagt Cathy Lewis. CrossStitcher bietet Vor-
lagen jeder Art: solche für Anfänger, die
in ein paar Stunden fertig gestickt sind,
schwierigere, die ein paar Tage Arbeit erfordern – und ganz anspruchsvolle, deren
Fertigstellung Monate braucht.
Modernes Layout
2007 erlebte CrossStitcher ein umfassendes
Re-Make. Leserumfragen hatten ergeben,
dass der Handarbeitsmarkt in Großbritannien zwar expandierte, der Kreuzstich
aber ins Abseits geraten war. „Kreuzstich
betrachtete man als hinterwäldlerisch, im
modernen Leben der Leute hatte er keinen
Platz“, sagt Cathy Lewis.
Die Redaktion nahm sich die Ergebnisse der Untersuchungen zu Herzen und
passte die Zeitschrift den aktuellen Anforderungen an. Das Layout wurde erneuert,
„Das Besondere an Hobby- und
Handwerkszeitschriften ist die
Tatsache, dass sie gesammelt und
wieder verwendet werden“
Cathy Lewis
der Inhalt leichter zugänglich gemacht. Es
wird viel Wert auf den Kontakt mit den
Lesern gelegt, was deren Loyalität fördert.
„Ein breites Angebot ist das A und O.
Wir sind immer bemüht, für jeden etwas
Ansprechendes zu finden – ganz gleich,
welchen Geschmack und welches Können
der einzelne Kreuzstich-Liebhaber hat.
Wir bieten alles, von moderner abstrakter
Kunst bis hin zu traditionelleren Bildern,
von kleinen bis zu riesengroßen Vorlagen.“
Inspiration und Ideen kommen von
überall her − aus der neuesten Mode, aus
der Natur, der Kunst und aus verschiedenen Kulturen. Die Redaktion sucht
ständig nach Motiven, die sich in Muster
umsetzen lassen, und man arbeitet mit
mehreren Experten zusammen, die jeweils
S
Die Pyramiden von Giza im Gegen-
sca papergram no 1 › 2008
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„Die meisten unserer Leser sind Frauen,
aber wir haben auch männliche Leser“
Kleine Details
Cathy Lewis
Vorschläge liefern. Cathy Lewis betont die
unbegrenzten Möglichkeiten. Eines Tages
ohne Ideen dazustehen, davor hat man
keine Angst.
Jedes Alter
S
Das Interesse für Handarbeit ist in Groß­
britannien weit verbreitet. Dass Kreuzstich nur etwas für alte Tanten sei, ist laut
Cathy Lewis ein Mythos. Aufgrund der
Untersuchungen weiß man, dass die Leser von CrossStitchers allen Generationen
angehören, sie sind zwischen 8 und 80
Jahren alt. „Die meisten von ihnen sind
Frauen, aber wir haben auch männliche
Leser“, betont sie.
Das Besondere an Hobby- und Handwerkszeitschriften ist die Tatsache, dass
sie gesammelt und wieder verwendet
werden und dass die Leser jeder einzelnen
Ausgabe viel Zeit widmen. Nicht selten
sind die Zeitschriften derart angefüllt mit
Tipps und Anregungen, dass es die Leser
gar nicht schaffen, sämtliche Ratschläge
zu befolgen. „Unsere Leser sagen oft:
Um alle Vorlagen zu sticken, die ihnen in
CrossStitcher gefallen, müssten sie 150 Jahre
alt werden!“
CrossStitcher
Land: Großbritannien
Gegründet: 1992
Auflage: 65 111 (2006)
Abonnenten: rund 20 000
Reichweite: Jede Ausgabe wird von 1,6 Personen gelesen
S
CrossStitcher wird von Future Publishing herausgegeben. Der Verlag publiziert 170 Titel
(print und online), davon 100 internationale Ausgaben. Der britische Markt für Hobby- und
Handwerkszeitschriften ist in den letzten Jahren gewachsen. Future Publishing hat zu diesem Wachstum mit den Titeln PaperCraft Inspirations, ScrapBook Inspirations und Simply
Knitting beigetragen. Diese drei Titel haben eine gemeinsame Auflage von 176 000 Exemplaren pro Monat. Zusammen mit CrossStitcher sind sie marktführend in ihrem jeweiligen
Handwerkssegment.
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sca papergram no 1 › 2008
Bei der tausendfachen Vergröße-
rung eines Papierquerschnitts eröffnen
sich neue Welten: Sichtbar werden winzige Details, die für eine hohe Papierqualität hilfreich wie auch hinderlich
sein können. Ein Basispapier muss mit
genau der richtigen Menge von Pigmenten, Bindemitteln und Hilfsstoffen
gestrichen werden, um eine perfekte
Oberflächenschicht und die dazugehörigen Druckeigenschaften beim fertigen
Papier zu erzielen. Bildvergrößerungen
zeigen dabei mit größter Deutlichkeit,
wie kleine Justierungen das Gesamtbild
verbessern können. Die Forscher nennen
diese Methode „Bildanalyse“.
Indem Papierschnipsel sorgfältig in
kleine runde und flache Plastikgefäße
gegossen werden, deren Oberfläche
dann geschliffen und poliert wird, ist es
möglich, von den Papierstücken in einem
Rasterelektronenmikroskop Bilder von
guter Qualität zu machen. Der Querschnitt des Papiers wird dabei tausendfach vergrößert; fünf Millimeter Papier
werden zu Ausdrucken von fünf Metern
Länge. Mit der so genannten Backscatter-Technologie, die mit der Rückstreuung von Strahlen arbeitet, wird das so
erworbene Material untersucht. Je höher
die Kernladungszahl, desto heller die
gezeigte Stelle. Plötzlich treten Fasern,
Unebenheiten und Poren im Strich sehr
deutlich hervor. „Beim LWC-Papier
Alla Timofeitchik und Boel Nilsson
beim SCA R&D Centre mit den
speziell angefertigten kleinen, runden und flachen Kunststoffformen
– grosse Wirkung
Angesichts steigender Ansprüche an die Qualität
von Druckerzeugnissen sind effektive Werkzeuge zur
Analyse und Verfeinerung der Qualität gefragt. Das
SCA R&D Centre in Sundsvall hat eine Methode zum
Studium von Querschnitten grafischer Papiere und
Verpackungen entwickelt. Ziel ist unter anderem die
genaue Betrachtung des Strichs von Papieren
VON Lena Sjödin Foto Olle Melkerhed
wird der Strich auf dem Basispapier angebracht“, erklärt Boel Nilsson, die als
Forschungsingenieurin an dem zweijährigen Bildanalyseprojekt beteiligt ist.
Als Faustregel gilt: Je gleichmäßiger der
Strich, desto besser fällt die Bedruckbarkeit in der Druckmaschine aus. „Damit
LWC-Papier die beste Qualität erlangt,
darf der Strich weder zur dick noch zu
dünn ein“, erklärt Nilsson.
Ziel: gleichmäßige Qualität
Die nächste Herausforderung für das
Team wird es sein, die Bildanalysemethode auch für SC-Papier zu justieren.
SC-Qualitäten werden nicht gestrichen, stattdessen werden Füllstoffe in
die Papiermasse gegeben. Die Forscher
wollen erkunden, wie gut die Füllstoffe
die Oberfläche decken, das heißt, den so
genannten Oberflächendeckungsgrad
ermitteln. „Wir sähen am liebsten, dass
dieser so gleichmäßig wie möglich ist
und sich beide Papierseiten so wenig
wie möglich unterscheiden“, erklärt
Boel Nilsson.
Das Ziel besteht darin, dass die Produktion ungeachtet des Papiertyps mit
so wenigen Variationen wie möglich
ablaufen kann. Weil aber Papier ein
organisches Material ist, gibt es auch
ständig Verbesserungsmöglichkeiten. „In
unserer Forschung und Entwicklung im
SCA R&D Centre versuchen wir stets,
das Beste aus den Fasern herauszuholen“,
sagt Boel Nilsson.
Die Bildanalyse ist ein wichtiger Schritt
auf diesem Weg.
S
Sorgfältige Vergleiche
Die im Rasterelektronenmikroskop erstellten Querschnittsbilder werden in
schwarz-weiße Bilder digitalisiert und
mit einer speziell angepassten Software analysiert. Die Ergebnisse werden
schließlich im Tabellen-Kalkulationsprogramm Excel statistisch aufbereitet, sodass man verschiedene Papierqualitäten
oder Papiere aus verschiedenen Maschinen miteinander vergleichen kann.
„Unter anderem kann man sich ein Bild
von der durchschnittlichen Dicke von
Basispapier und Strich sowie vom Variationskoeffizienten machen, das heißt
von der Spanne zwischen dem dünnsten
und dem dicksten Bereich“, erklärt Alla
Timofeitchik und zeigt Mikroskopbilder.
„Wir haben die Bilder zunächst manuell analysiert, daher wissen wir, dass die
digitalen Messungen korrekt sind“, fügt
Anna Andreasson, die Entwicklerin der
Software, an. „Außerdem haben wir
unser System mit dem eines externen
Analyseunternehmens verglichen – die
Messergebnisse waren die gleichen.“
Da sowohl die Strichtechnik als auch die
Zusammensetzung des Strichs unendlich
variiert werden können, liegt die Kunst
in der richtigen Mischung. Die Bildanalyse macht es möglich, verschiedene Mischungen und Methoden zu testen.
sca papergram no 1 › 2008
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Es lebe das Foto!
Bilder nehmen in Publikationen selten so viel Platz
ein wie der Text; aber ein Bild sagt bekanntlich mehr
als tausend Worte. Daher sind Bilder seit jeher starke
Ausdrucksmittel mit besonderem Stellenwert. Im
vergangenen Jahrzehnt hat sich die digitale Fotografie
als Standard etabliert, was auch das Angebot der
Fotozeitschriften und die Rolle des Fotografen
verändert hat. Die
Technik lässt nachträgliche Veränderungen
zu, was bisweilen
zu zweifelhaften
Resultaten führt
VON Henrik Emilson Foto Scanpix, Matton
Illustration Tomas Holmström
Profis gegen Amateure
Ist der Beruf des Fotografen vom Aussterben
bedroht? Was passiert, wenn fast jeder mit
einfacher Technik fotografieren kann und
Zeitungen Amateurbilder nachfragen?
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sca papergram no 1 › 2008
Die digitale Revolution hat nicht
nur das Verhältnis der Tageszeitungen
zu Bildern verändert. Auch Fotografen
mussten ihre Arbeitsweise ändern. Leif
Jansson ist Umweltanalyst beim Beraterunternehmen Docere. Er beschreibt den
Pressefotografen als eine vom Aussterben
bedrohte Art. Mehrere Faktoren spielten
bei den Tageszeitungen zusammen, sagt
er: „Zunächst ist da die gesamte Digitalisierung der Produktion und eine billigere
Das Tempo steigt
Terence Bunch, Pressefotograf im Südosten von England, bestätigt dieses Szenario. Nach Anstellungen bei verschiedenen Redaktionen arbeitet er seit 2004
als freier Fotograf. Die digitale Technik
habe die Prozesszeiten erheblich verkürzt,
erklärt er: „Fast sofort nachdem das Bild
gemacht ist, ruft heute der Bildredakteur an und will es haben.“ Während
die Arbeit einerseits schneller machbar
ist, sind die Redaktionen umorganisiert
worden, und viele halten die Anstellung
von Fotografen heute nicht mehr für
wirtschaftlich. „Freie Fotografen müssen vielseitig sein und den Trends in der
Branche folgen. Viele Tageszeitungen
rüsten beispielsweise die noch verbliebenen fest angestellten Fotografen mit
„Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine
Digitalkamera oder ein Fotohandy dabei hat,
wenn etwas passiert, steigt ständig, und manche
Tageszeitungen fordern ihre Leser auf, Bilder
einzuschicken“
Leif Jansson
Videokameras aus, um Material für die
Internetauftritte heranzuschaffen. Freie
Journalisten müssen sich anpassen und
ebenfalls bewegte Bilder anbieten können“, sagt Terence Bunch.
Leif Jansson betont, dass fast jeder mit
einer digitalen Kamera anständige Bilder machen kann, die publiziert werden
können. „Die Wahrscheinlichkeit, dass
jemand eine Digitalkamera oder ein Fotohandy dabei hat, wenn etwas passiert,
steigt ständig, und manche Tageszeitungen fordern ihre Leser auf, Bilder einzuschicken. Das senkt Kosten und dient
gleichzeitig dem Ziel, dass die Redaktion
das Material zuerst zeigen kann.“
Autor wird Fotograf
Auch Journalisten werden mit Kameras
ausgerüstet. Terence Bunch berichtet
von der Bestürzung, als Verhandlungen
des britischen Journalistenverbandes mit
einer irischen Zeitung ruchbar wurden,
wonach Journalisten auch Fotos machen
sollten. „Wir freien Fotografen waren erzürnt, und der Journalistenverband wurde
harsch kritisiert“, sagt Bunch.
Leif Jansson hebt einen weiteren Gesichtspunkt hervor, der die Rolle des Berufsfotografen beeinflusst, jedoch nicht in
den Arbeitsbereich der Tageszeitung fällt. In
Internetforen wie dpreview, flickr und youtube
kann jedermann mehr oder weniger umgehend Bilder veröffentlichen. Als die Polizei
in Birma Mönche attackierte, erfuhr das die
Welt übers Internet. „Solange das Internet
in Birma nicht gesperrt war, konnte man
Informationen erhalten. Das war die einzige
Möglichkeit, denn Pressefotografen wurden
nicht ins Land gelassen.“
sca papergram no 1 › 2008
19
S
technische Ausrüstung. Zudem hat der
Kostendruck in der Zeitungsbranche zu
Rationalisierungen geführt. Heute wird
möglicherweise kein Fotograf losgeschickt, sondern man erwartet vom Journalisten, dass er mit einer Digitalkamera
gleich ein Bild seines Interviewpartners
macht. Viel Material wird auch im Internet publiziert, wo nicht dieselbe Bildqualität nötig ist. Wichtiger ist ein ständiger
und rascher Zufluss neuer Bilder.“
„Bedroht ist in erster Linie
die Mittelschicht“
Leif Jansson
auch manipuliert sein. Das kann niemand
kontrollieren.“
Qualität braucht Profis
Der technische Fortschritt verwischt die
Grenze zwischen Profi und Amateur.
Leif Jansson glaubt, dass Tageszeitungen
künftig mehr Amateurmaterial publizieren werden. Wenn Zeitungen im Internet
und in Mobiltelefonen erscheinen, wird
zudem der physische Platz für Bilder geringer. „Doch es folgt gewiss eine Gegenreaktion, etwa so wie bei Füllfederhaltern
S
Der Zweck heiligt die Mittel; aber von
dem Phänomen, das Leif Jansson „Little
Brother“ nennt – wenn also nicht „Big
Brother“, sondern Otto Normalverbraucher dich sieht – kann auch eine gewisse
Gefahr ausgehen. „Es ist ein enormer
Unterschied, ob ein blutiges Opfer von
einem Amateur abgelichtet wird oder
von einem Pressefotografen, der ethische
Regeln befolgt, was man zeigen und was
man nicht zeigen kann. In den Foto-Foren
sind die Bilder oft von schlechterer Qualität, sie sind nicht bewertet und können
und feinen Papieren, die sich heute besser
verkaufen denn je. Die Berufsfotografen
werden dabei sein, wenn Publikationen
von hoher Qualität gemacht werden;
bei Kampagnen, komplizierten Arrangements oder bei tiefgehenden Interviews,
bei denen keine Amateure zugelassen
sind.“
Es geht um den Zugang zum Material,
den beispielsweise eine Presseakkreditierung oder ein herkömmliches Atelier
geben kann. Den besten Fotografen steht
daher vielleicht gar eine erfolgreichere
Zukunft bevor, weil insgesamt mehr Bilder nachgefragt werden. „Bedroht ist in
erster Linie die Mittelschicht“, sagt Leif
Jansson.
Vor allem glaubwürdig
zusammengefügten Negativen Bilder fabriziert. In
den 1920er-Jahren ließ Stalin seinen Rivalen Trotzki
von einem Foto entfernen. In moderner Zeit wurde
die angesehene Zeitschrift National Geographic
scharf kritisiert, als man 1982 die Pyramiden von
Giza etwas näher zusammenrückte, sodass beide
auf dem Cover Platz hatten.
Es heißt, die Kamera lügt nicht.
Aber können wir angesichts von
digitaler Fototechnik und Bildbearbeitungsprogrammen Bildern
noch trauen?
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sca papergram no 1 › 2008
Paris Match begründete die Retusche damit,
dass Sarkozys Sitzhaltung im Kanu ihn optisch
übertrieben dick gemacht und man daher die
Schatten um den Speck aufgehellt habe. Ein Effekt,
der im Druck verstärkt wurde, was die Extra-Kilos
gänzlich verschwinden ließ.
Manipulation als Tradition
Ein Sturm im Wasserglas, könnte man meinen;
aber die Manipulation von Bildern ist schon seit
der Geburt der Fotografie ein Diskussionsthema.
Verändert wurde aus reiner Lust am Experimentieren im neuen Medium, bisweilen aber auch,
um von dem Mythos „Die Kamera lügt nie“ zu
profitieren. Schon während des amerikanischen
Bürgerkrieges in den 1860er-Jahren wurden aus
Der Schein trügt
Die Digitalfotografie und die einfache Bildbearbeitung im Computer haben es leicht gemacht,
auch das geschulteste Auge zu betrügen. Vor
einigen Jahren legte ein Fotograf der LA Times
zwei kurz hintereinander im Irak aufgenommene
Bilder übereinander, um ein zweifellos besseres,
dramatischeres Bildergebnis zu erzielen. Als
Bildredakteur Colin Crawford jedoch klar wurde,
dass das Bild manipuliert war, handelte er prompt:
Zunächst publizierte man zusammen mit den drei
Bildern eine Entschuldigung und Erklärung. Danach
entließ man den Fotografen mit sofortiger Wirkung.
Eine Maßnahme, die als absolut notwendig zur
Rettung der Glaubwürdigkeit angesehen wurde.
„Wenn der Leser nicht mehr damit rechnen kann,
dass wir ehrlich sind, dann weiß ich nicht, was wir
noch zu bieten haben“, so der Redakteur.
S
Auf Französisch heißt das Speckröllchen
um die Mitte eines Mannes charmant „poignées
d’amour“, also etwa: Haltegriff für den Liebesakt.
Genau solch ein Speckröllchen – oder besser
gesagt seine Nicht-Existenz – führte 2007 in
Frankreich zu einer presseethischen Debatte. Es
ging um die Speckfalte von niemand Geringerem
als Präsident Nicolas Sarkozy.
Anlässlich seines USA-Urlaubs paddelte der
damals 52-Jährige mit seinem Sohn – ohne Pullover. Ein Reuters-Fotograf lichtete die Kanufahrer ab,
und Paris Match publizierte das an sich harmlose
Bild. Aber, so enthüllte das Nachrichtenmagazin
L’Express: Das Bild war retuschiert worden, und
im Zuge dessen waren die Liebeshalterungen
des Präsidenten verschwunden. L’Express zeigte
das Original neben der bearbeiteten Version und
verwies zugleich auf die Freundschaft zwischen
Arnaud Lagardère, dem Eigentümer von Paris
Match, und dem Präsidenten.
Markt der fotografischen
Eitelkeiten
Nur wenige Magazine beschäftigen so renommierte
Fotografen. Wenige Magazine wühlen so auf,
provozieren so viele Diskussionen wie Vanity Fair
dies tut – besonders mit dem Cover
S
und Vanity Fairs legendärer Oscar-Party
publiziert wird. Ihr Cover ist ein Triptychon über drei Seiten mit verschiedenen
Sammlungen von Schauspielern oder
Regisseuren.
Das Cover ist oft etwas Besonderes, so
etwa 2007, als Bono von der Rockband
U2 als Gastredakteur einsprang und für
seine Spezialausgabe über Afrika nicht
weniger als 20 Titelbilder entwarf. Oder
als Vanity Fair als allererste Zeitschrift
ein Bild der Tom Cruise-Tochter Suri
brachte. Manchmal provozieren die Bilder.
Als David LaChapelle den Schauspieler
Mike Myers als Hindugott fotografierte,
erregte das Aufsehen. Der Annie-Leibovitz-Titel vom vergangenen Jahr mit den
Schauspielerinnen Scarlett Johansson und
Keira Knightley – jeweils nackt – und dem
Designer Tom Ford – bekleidet – wurde
wegen eines veralteten Frauenbildes kritisiert. Meist ist es eine Ehre, porträtiert
zu werden. Filmstar Brad Pitt protestierte
jedoch im Dezember 2006, als ein Bild
von ihm in Boxershorts das Cover zierte.
Er hatte nicht damit gerechnet, dass das
Bild auf dem Titel erscheinen würde. Doch
gerade das Gefühl für Bilder und die Aufmerksamkeit, die sie erregen, ist offenbar
die Spezialität von Vanity Fair.
Die Ausstellung von Bildern aus der
Geschichte des amerikanischen Magazins
Vanity Fair Anfang 2008 in der National
Portrait Gallery in London zeigt eine
imposante Sammlung von Porträts, veröffentlicht zwischen 1913 und 2007. Von
Anfang an galt die Zeitschrift als Garant
für gute Fotografie, vor allem im Bereich
Porträt. Von Anfang an auch war es erklärtes Ziel des Magazins, über das zu schreiben, worüber man spricht – Feste, Kunst,
Sport, Theater, Humor –, bei deutlicher
Betonung des Glamour-Faktors.
Frühe Porträts zeigen D. H. Lawrence,
Virginia Woolf oder Gertrude Stein, letztere fotografiert von dem Künstler Man
Ray. Auch die Illustrationen – unter anderem von Man Ray, Picasso und Matisse
– waren von höchster Qualität.
Comeback mit Paukenschlag
Ab 1936 ruhte die Herausgabe von Vanity
Fair fast 50 Jahre lang. Die Depression, die
allgemeine Weltpolitik und neue Zeiten
beim Zeitschriften- und Fotojournalismus
– nicht zuletzt repräsentiert durch die
neue Zeitschrift Life mit ihren Fotoreportagen – trugen dazu bei, dass Glamour
à la Vanity Fair unpassend erschien. Doch
dann erstand Vanity Fair wieder auf, in
einem Jahrzehnt, das Äußerlichkeit und
Konsum anbetete: in den 1980er-Jahren.
Genau wie einst hatte die Redaktion einige
der bekanntesten und ausdrucksstärksten
Fotografen an sich gebunden: Irving Penn,
Helmut Newton und Nan Goldin. Auf das
Konto von Chefredakteurin Tina Brown
geht eins der umstrittensten Titelfotos der
Zeitschriftenwelt: die schwangere Schauspielerin Demi Moore, die ihren großen
Bauch umfasst.
Bilder als Provokation
Seit 1992 ist Graydon Carter Chefredakteur, und zu seinem Stall zählen einige
Meist ist es eine Ehre, porträtiert zu werden. Filmstar
Brad Pitt protestierte jedoch im Dezember 2006, als ein
Bild von ihm in Boxershorts das Cover zierte
der angesehensten Fotografen von heute.
Dreizehn von ihnen, darunter Annie Leibovitz, Bruce Weber, Mark Seliger, David
LaChapelle und Timothy Greenfield-Sanders, sind vertraglich an das Blatt gebunden. Mit einer Auflage von 1,2 Millionen
Exemplaren ist die Finanzlage gut, was
die aufwändigen Bilder bezeugen. Ein
jährlich wiederkehrendes Thema ist die
so genannte Hollywood-Nummer, die
im Zusammenhang mit der Oscargala
sca papergram no 1 › 2008
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Magazinfakten
PHOTO
Land: Frankreich
Gründungsjahr: 1967
Erscheint: 12 Mal pro Jahr
Auflage: 29 607 Exemplare
PHOTO wird von Hachette Filipacchi herausgegeben und schreibt über alle Aspekte
der Fotografie − Bildreportagen, Fotojournalismus, Kunstfoto und technische Aspekte
Foto Magazin
Land: Deutschland
Gründungsjahr: 1949
Erscheint: 12 Mal pro Jahr
Reichweite: 480 000 Leser
pro Ausgabe
Foto Magazin ist Deutschlands führende
Zeitschrift über traditionelle und digitale
Fotografie. Wird sowohl von Profis als auch
von Amateuren gelesen
Digital Photo
Land: Großbritannien
Gründungsjahr: 1997
Erscheint: 12 Mal pro Jahr
Auflage: 61 752
Digital Photo widmet sich der digitalen
Fotografie und ihrer Technik. Inspiriert und
bildet. Hieß zunächst Digital Photo FX (von
„special effect“)
Fotozeitschriften der
neuen
Art Mit der digitalen
Technik erhielten Fotoamateure völlig
neue Mittel und Möglichkeiten. In vielen
Fällen gilt das Interesse mehr der Technik
als der Kunst
Den Augen, die durch den Spalt des
Advanced Photoshop
Land: Großbritannien
Gründungsjahr: 2005
Erscheint: 12 Mal pro Jahr
Reichweite: keine Angabe
Die Zeitschrift befasst sich ausschließlich mit
der Nachbearbeitung von Fotos im AdobeProgramm Photoshop. Wendet sich an
Personen mit Grundkenntnissen und bietet
Tipps und Schritt-für-Schritt-Anweisungen.
Im selben Verlag erscheint auch Photoshop
Creative.
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sca papergram no 1 › 2008
schwarzen Schleiers schauen, ist sie
mit ihrer Kamera so nahe gekommen,
dass eine blutige Vene sichtbar wird.
Auf einem anderen Bild ist sie selbst in
den Reflexen der Brille einer anderen
verschleierten Frau zu sehen. Alexandra Boulat wurde fünf Jahre vor der
Gründung der französischen Zeitschrift
PHOTO 1967 geboren. Die Fotojournalistin hat Kriege und Unruhen in
Pakistan, Serbien und im Irak fotografiert. Im Oktober vergangenen Jahres
starb sie im Alter von 45 Jahren, und die
Zeitschrift widmete ihr mehrere Doppelseiten. Die großen Bilder, die langen
Reportagen und Modebilder sind typisch
für PHOTO.
Redakteur Frédéric Mahler erzählt
von hektischen Tagen in der Redaktion,
da eine minimale Anzahl von Mitarbeitern jeden Monat eine Zeitschrift produzieren und zugleich den Internetauftritt
am Laufen halten muss. Statt auf Technik
fokussiert PHOTO auf das Künstlerische,
auf die erzählenden Aspekte der Fotogra-
KOLUMNE
Ich liebe Zugfahren
S
Christopher Brown-Humes
Christopher Brown-Humes ist Wirtschafts­
redakteur bei der Financial Times und ehemaliger
Skandinavienkorrespondent der Zeitung. Die britische
Tageszeitung wird in zahlreichen Auflagen, darunter
mehrere internationale Ausgaben, auf rosa Papier
gedruckt. Die Financial Times und das Wall Street
Journal sind die größten und angesehensten Finanzund Wirtschaftszeitungen der Welt.
S
fie. Das mag der Grund dafür sein, dass
die Auflage in Zeiten der Digitaltechnik
und seit dem Remake 2001 gesunken
ist – von etwa 42 000 auf heute 29 000
Exemplare.
In den Regalen der Zeitschriftenläden
herrscht beinharte Konkurrenz. Neue
Fotozeitschriften sind in den letzten Jahren aufgetaucht, oft mit dem Wort „digital“ im Titel – als Lockruf. Jon Adams ist
Redakteur der englischen Digital Photo,
die seit dem Markteinzug der Digitalkamera 1997 besteht. Damals schrieben die
meisten anderen Fotozeitschriften über
„klassische“ Fotografie mit Film und auf
Papier. Digital Photo ist der Bestseller in
Großbritannien. „Ich glaube, die Leute
machen heute mehr Bilder als je zuvor,
ganz einfach, weil es nichts kostet“, sagt
Adams. „Ich weiß nicht, ob das Interesse
für Fotografie an sich heute größer ist.
Aber Enthusiasten haben die Möglichkeit, in kürzerer Zeit bessere Fotografen
zu werden, weil sie das Ergebnis sofort
auf dem Kameradisplay sehen.“
Schweden verbracht habe. Mich
interessiert immer noch, was dort
passiert.
Gegen 19 Uhr ist mein Arbeitstag
zu Ende. Auf der Heimreise lese ich
wieder Zeitung, diesmal aber Dinge,
die mich persönlich interessieren:
über die Fußballmannschaft Arsenal
und über die neuesten Bücher und
Theateraufführungen. Ich versuche
mich auch am Rätsel auf der letzten
Seite der Times. Es sind nur fünf Fragen, aber es ist mir noch nie gelungen, alle richtig zu beantworten.
Am Wochenende mache ich Pause.
Aber ich lese die Samstagsausgabe der
Financial Times und den Economist.
Die Sonntagszeitungen lese ich im
Internet. Sonntags lese ich etwas
breit gefächerter und schaue mir alles
Mögliche an. Das Risiko in meinem
Beruf ist, dass man nur Zeitungen
und Magazine liest und für Bücher
überhaupt keine Zeit hat.
FOTO Financial Times
Die preisgekrönte und mittlerweile verstorbene
Fotografin Alexandra Boulat lichtet Flüchtlinge
aus Afghanistan ab
Lange Eisenbahnfahrten zur
Arbeit haben nicht viele Vorteile
– einer davon ist immerhin, Zeitung
lesen zu können. Daher steige ich täglich um 7:42 Uhr in Tunbridge Wells
in Kent in den Zug, wo ich dann den
ganzen Weg bis nach London eifrig die
Financial Times lese. Während dieser 50
Minuten beginnt mein Lesetag – die
Zeit reicht gerade für ein gründliches
Durchlesen.
Ich beginne stets mit den Wirtschaftsseiten am Ende des zweiten
Teils. Ich bin der Redakteur dieser
Seiten. Sind Fehler darin, die ich am
Vortag hätte sehen müssen? Ist in der
Spätauflage etwas verändert worden?
Vom Ende der Zeitung arbeite ich
mich dann langsam nach vorn. Die
Seite eins lese ich als allerletzte!
Im Büro überfliege ich die Wirtschaftsseiten anderer britischer Zeitungen. Und selbstverständlich schaue
ich ins Wall Street Journal. Aus gutem
Grund: Um 10:15 Uhr beginnt die Redaktionskonferenz der Financial Times,
wo die Ereignisse auf den Märkten
rund um die Welt diskutiert werden.
Das letzte, was ich mir wünsche, ist
eine Frage des Redaktionschefs bezüglich eines Artikels, den er in einer
anderen Zeitung gesehen hat und den
ich nicht gelesen habe.
Im Tagesverlauf lese ich die Nachrichten im Internet – die OnlineAusgaben von Wall Street Journal,
The Times und The Daily Telegraph,
aber auch Material von Agenturen
wie Reuters. Ich will sicher gehen,
dass ich nichts übersehe, worüber wir
schreiben sollten.
Manchmal lese ich auch die Internet-Ausgaben schwedischer Zeitungen wie Aftonbladet oder Dagens
Nyheter. Das ist eine Angewohnheit
aus der langen Zeit, die ich als Korrespondent der Financial Times in
sca papergram no 1 › 2008
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Zeitung auf Knopfdruck
Wenn der Leser selbst
druckt
In der mobilen Welt konkurrieren Medienunternehmen
heute damit, täglich frische Nachrichten zu liefern, genau dort, wo
der Leser sich gerade befindet. Eine Tageszeitung im Mobiltelefon zu
lesen ist nichts Besonderes. Oder warum nicht gar die Lokalzeitung
vom Heimatort ausdrucken, wenn man auf Weltreise ist?
VON Alexander Farnsworth Foto Torbjörn Bergkvist, Alamy
Das Geschäftsmodell, Tageszei-
tungen auf Anfrage, „on demand“, zu
drucken, wann und wo immer auf der
Welt dies jemand wünscht, wurde 1999
entwickelt. Seither haben Hunderte von
Hotels, Kreuzfahrtschiffen, Bibliotheken,
Kiosken und Flughäfen Verkaufsautomaten für Tageszeitungen aufgestellt.
Wer seine Kreditkarte durch das Lesegerät
zieht, hält bald einen Ausdruck seiner heimatlichen Morgenzeitung im A3-Format
in den Händen.
Für dieses Geschäftsmodell gibt es
geglückte wie auch weniger geglückte
Beispiele. Unternehmen wie Presspoint
und Satellite newspapers entstanden im
Kielwasser des Internet-Booms, gingen
dann aber in Konkurs. Andere, wie News-
24
sca papergram no 1 › 2008
paperDirect in Kanada, Newsstand in den
USA und DigiNewsPress in den Niederlanden, haben überlebt und sich zu beliebten
Begleitern von Touristen und heimwehgeplagten Geschäftleuten entwickelt.
Spezialisierung notwendig
Das Internet hat sich weiterentwickelt.
Heute gibt es beispielsweise die RSSTechnik (Real Simple Syndication), die es
Lesern ermöglicht, ihre Zeitung gratis im
Internet als PDF-File zu lesen und hierhin
oder dorthin zu versenden. Für die Unternehmen der Branche ist daher Spezialisierung zu einer Notwendigkeit geworden.
„Wir sind der Akteur mit dem größten
Angebot an Tageszeitungsinhalt auf dem
Markt“, sagt David Owen, stellvertre-
tender Geschäftsführer von NewspaperDirect Europa und verantwortlich für die
Pressearbeit des Unternehmens. Er erklärt, was an NewspaperDirect und dessen
Kooperationspartnern das Besondere ist:
„Wir können die komplette Tageszeitung
– im Mikroficheformat – bereitstellen und
bieten täglich 600 Titel aus 70 Ländern.
Der Leser sieht die Seiten im Originalformat, und wir können sie übersetzen oder
in ein Ton-File umwandeln.“
Neuer Vertriebsweg
Einer der Erzrivalen von NewspaperDirect
heißt Newsstand, mit Sitz im texanischen
Austin in den USA. Das Unternehmen
neuen und kosteneffizienten Vertriebsweg,
unabhängig von Papier, Druck und Portokosten
– gleichzeitig ist sie liefereffektiv“
Michele Chaboudy
vertreibt Digitalausgaben von mehr als
200 Tageszeitungen und Magazinen an
Kunden in aller Welt. Die elektronischen
Ausgaben werden per Internet herunter
geladen, um dann online oder offline gelesen oder auf eine tragbare Leseeinheit
überführt zu werden. „Unsere Lösung
bietet Herausgebern einen neuen und
kosteneffizienten Vertriebsweg, unabhängig von Papier, Druck und Portokosten
– gleichzeitig ist sie liefereffektiv“, sagt die
Marketingchefin und Geschäftsführerin
von Newsstand, Michele Chaboudy. 2006
führte Newsstand eine Untersuchung zur
Kundenzufriedenheit durch. Laut Chaboudy waren 79 Prozent der Leser überwiegend zufrieden. „Und der Werbeeffekt
ist besser geworden. Überraschend viele,
34 Prozent, sagten, sie hätten infolge der
Werbung in unserer elektronischen Ausgabe etwas gekauft“, sagt sie.
Umweltvorteile
Auch bei NewspaperDirect legt man Wert
auf zufriedene Anzeigenkunden. Im Oktober 2007 führte das Unternehmen Adget
ein, eine integrierte digitale Werbemethode, die es beispielsweise Restaurants
oder Autohändlern ermöglicht, online
Buchungen für Tische beziehungsweise
Probefahrten entgegenzunehmen.
Aber auch das ursprüngliche Geschäftsmodell, auf Wunsch in fernen Ländern
die heimatliche Tageszeitung anzubieten,
wird erneuert.
Auf dem Weblog IdeasForOtherPeople.
blogspot.com empfiehlt ein Autor unter dem
Namen „Mefestus“, Großstädte wie New
York sollten verstärkt eigene Zeitungen
drucken. Der Vorteil, argumentiert er,
wäre eine Verminderung von Papierabfällen, Treibstoffverbrauch und Verkehr:
Die Zeitungsbündel müssten nicht mehr
allmorgendlich in Lieferwagen herumgefahren werden; stattdessen könnte sich
jeder Leser auf solarzellenbetriebenen
Druckern die eigene Zeitung selbst ausdrucken.
S
Globale Verbreitung
NewspaperDirect druckt auf Wunsch
überall auf der Welt den Inhalt von Zeitungen entweder als Papierausdruck oder
als E-Ausgabe aus. Im Juni 2005 wurden
250 000 Exemplare ausgedruckt und ver­
kauft. Seit 2002 verzeichnet das Unternehmen einen jährlichen Auflageanstieg
um etwa 50 000 Exemplare. Der am
stärksten wachsende Geschäftszweig ist
eine Dienstleistung namens PressDisplay.
com. Hier können die Anwender im Internet hunderte verschiedene Publikationen
aus 40 Ländern lesen.
Der Service umfasst Volltextsuche, Umwandlung in ein Tondokument, Übersetzung in bis zu zwölf Sprachen, Medienanalyse, Weiterschicken von Artikeln per EMail, Weblog oder Facebook sowie die Möglichkeit, Texte und/oder ganze Zeitungen
in einen Computer oder ein Mobiltelefon
herunter zu laden. Der Grundpreis für ein
Abonnement liegt bei zehn US-Dollar pro
Monat. Zusatzdienstleistungen werden separat abgerechnet. „Zurzeit verkaufen wir
über diesen Kanal mehr als durch Franchise
oder das Ausdrucken von Tageszeitungen“,
sagt David Owen.
„Unsere Lösung bietet Herausgebern einen
Globale Nachrichtenriesen
Die Liste der an einen Print-onDemand-Vertrieb angeschlossenen
Tageszeitungen ist lang und umfasst
die meisten wichtigen Regional- und
überregionalen Zeitungen der Welt:
Titel wie Financial Times, New York
Times, Daily Mail, Le Monde, Les Echos
und Okinawa Times sind an tausenden
Orten überall auf der Welt auf Wunsch
erhältlich.
WebTIPPS :
www.pressdisplay.com
www.newspaperdirect.com
www.newsstand.com
www.diginewspress.com
NEWSPAPER
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sca papergram no 1 › 2008
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Vielseitiger Zellstoff
Aus Holzschliff wird Papier gemacht, soviel ist sicher.
Vielen ist auch bekannt, dass sich Holzschliff für
sehr viel mehr eignet, so für Hygieneprodukte. Aber
wussten Sie, dass man ihn auch zum Abdichten von
Fenstern und Türen nutzen kann?
von Luise Steinberger fotos Per-Anders Sjöquist, Trelleborg AB
SCA arbeitet mit dem Unternehmen
FibreX zusammen, das die Weiterentwicklung und Marktanpassung des
Zellstoffproduktes Luna aus dem Werk
Östrand übernommen hat. In einer
– höchst umweltverträglichen – Anwendung dient Luna als Dichtungsschicht zur Abdichtung von Türen und
Fenstern. Die restlichen Komponenten
der Leiste stellt der Gummihersteller
Trelleborg her, der das fertige Produkt
auch vermarktet. Bengt Nordström,
Produktchef für Luna, erklärt: „Luna ist
eine Weiterentwicklung unseres CTMPHolzschliffes Star (CTMP = ChemiThermomechanical-Pulp). Es gehört zu
26
sca papergram no 1 › 2008
den so genannten Airlaid-Produkten.
Spezielle Maschinen erzeugen mittels
Luft ein exklusives Vliesmaterial, das
vor allem als Absorptionsmaterial in Hygieneprodukten wie Inkontinenz- und
Damenbinden verwendet wird.“
Startschuss: dünne Binden
Die Geschichte von Luna beginnt mit
der Damenbinde der Marke Libresse.
„Mitte der 1980er-Jahre gab es innerhalb der SCA ein Projekt mit dem
Ziel, uns in Sachen Absorption an die
Weltspitze zu bringen. Wir bauten in
Östrand einen speziellen Prozess mit einer Airlaid-Maschine auf, den wir Fosec
nannten“, erklärt Bengt Nordström.
Diese Maschine stellte ein patentiertes
Produkt mit einzigartigem Absorptionsvermögen her. Bald wurde SCA klar,
dass dieses Produkt besonders Blut sehr
gut absorbierte. Daher wurde 1995/1996
die Damenbinde Libresse invisible auf
den Markt gebracht. Seither werden die
Absorptionskerne für sämtliche in aller
Welt verkauften Libresse invisibleBinden in Östrand produziert.
Luna unterscheidet sich von anderen
Airlaid-Produkten, erklärt Bengt Nordström. Das hat mit dem speziellen Arbeitsprozess der Fosec-Maschine zu tun.
„Um die Airlaid-Bögen zu binden, werden in der Regel Chemikalien verwendet.
Wir hingegen verwenden nichts anderes
als einen Kalander. Das luftgeformte und
angefeuchtete Material wird unter Wärmeeinwirkung zusammengepresst. So
entsteht ein einzigartig umweltverträgliches Produkt, dessen Absorptionsvermögen sich mit dem von beispielsweise
Superabsorbenten messen kann – auf
jeden Fall was andere Flüssigkeiten als
Wasser oder destilliertes Wasser anbelangt“, sagt Nordström. Außerdem ver-
teilt sich in Luna die Feuchtigkeit besser,
mit einem besseren Trockenheitseffekt
als Folge. Kürzlich ist es SCA zudem
gelungen, eine Methode zu entwickeln,
die die Feuchtigkeit in eine bestimmte
Richtung im Absorptionskern leitet.
Dadurch wird die Anwendbarkeit von
Luna weiter optimiert.
Neue Anwendungen
Seit Anfang der 1990er-Jahre wurde das
Produktionsvolumen für Luna mehr als
verdoppelt; heute liegt die Kapazität bei
7 000 Tonnen pro Jahr. Daher sondierte
SCA Möglichkeiten, Luna auch für andere Produkte als Binden zu verwenden. „Wir starteten ein neues Projekt
unter dem Namen ,Luna Storm‘. Hier
schauen wir uns verschiedene mögliche
Anwendungsbereiche an. Neben Binden und Inkontinenzprodukten haben
wir den Bereich ,Spezialprodukte‘ definiert. Hierzu gehört unter anderem eine
Dichtungsleiste für Fenster und Türen“,
erklärt Bengt Nordström.
Heute werden beim Einbau zumeist
Mineralwolle und verschiedene chemische Schaumprodukte verwendet.
Bengt Nordström betont, dass Luna
zum einen die Arbeit erleichtert und
zum anderen entschieden umweltfreundlicher ist.
Umweltfreundlich
„Der Fensterhersteller kann die Leiste in
der Fabrik auf dem Fenster anbringen.
„Der Fensterhersteller kann die Leiste in der Fabrik auf dem
Fenster anbringen. Dann schwillt die Leiste aus Luna beim
Einbau kontrolliert an und dichtet das Fenster ab – fertig“
S
Dann schwillt die Leiste aus Luna beim
Einbau kontrolliert an und dichtet das
Fenster ab – fertig.“
Damit kann Luna verschiedene chemische Schaumstoffe ersetzen, die heute
zwischen Fenster und Rahmen gespritzt
werden und deren Verbot in mehreren
Ländern aus Umweltgründen diskutiert wird. Die Luna-Leiste, hergestellt
aus FSC-zertifiziertem Holz, kann eine
nachgefragte Alternative werden.
Ein dritter denkbarer Anwendungsbereich sind Absorbenten in der Lebensmittelindustrie, etwa für abgepacktes
Fleisch. Die Fleischstücke liegen in der
Regel in einer Schale auf einem Stück Absorptionsmaterial. „Hierfür kann Luna
verwendet werden“, so Bengt Nordström. „Wir arbeiten derzeit an einem
Marketing-Konzept und suchen Partner
für einen gemeinsamen Markteintritt.“
Drei Anwendungsbereiche sind identifiziert. Dass sich weitere finden lassen,
davon ist Nordström überzeugt: „Der
Schlüssel zum Erfolg sind mehrere
Standbeine.“
Bengt Nordström
Luna-Fakten
Luna ist eine Weiterveredelung des Holzstoffes Star Fluff und wird
in Rollenform angeboten. Das Halbfabrikat Luna Core mit deutlicher
Struktur ist für Hygieneprodukte gedacht. Eine Weiterentwicklung
daraus, Luna Wave, hat eine Struktur, die eine gerichtete Verbreitung
der Flüssigkeit im Material garantiert.
Das Produkt Luna Fluff wird Kunden angeboten, die mit eigenen
Maschinen defibrieren und den gewünschten Absorptionskern selbst
formen.
sca papergram no 1 › 2008
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Direkt aus dem Wald:
Birkensekt
Aus Birkensaft von der Insel
Frösön und mit einem Rezept von 1785 erzeugte Peter Mosten
ein prickelndes Schaumweingetränk
VON Mats Wigardt Foto Rasmus Norlander, Matton, Bo Mellerstedt
Branntwein meine Gesundheit“, dichtete
Schwedens National-Liederdichter Carl
Mikael Bellman im 18. Jahrhundert. Birkensaft soll außerdem auch noch gesund
sein. Er enthält Mineralien, verschiedene
Zuckerarten, Aminosäuren und Antioxidanten unter anderem die Heilung von
Pollenallergie wird ihm zugeschrieben.
Trial and Error
Peter Mostens erster Versucht mit dem
Birkensaft schmeckte allerdings scheußlich. Erst nach über zehn Jahren des Experimentierens entstand in der heimischen
Küche in der Nähe von Östersund etwas
Trinkbares. „Prickelt köstlich mit einem
frischen und fruchtigen Geschmack nach
Holunder und Birnen sowie einem bittersüßen Unterton der Birke“, so das Urteil
des Kellermeisters.
In der kurzen Zeitspanne zwischen
Schneeschmelze und Baumknospe wird
aus den Birken der Insel Frösön der
Birkensaft gezapft. Jeder Baum liefert
nopol „Systembolaget“ vertrieben. 2007 betrug die Produktion
20 000 Flaschen, deren Verkauf
im kommenden August beginnt.
„Hier handelt es sich um ein Produkt des Waldes, das sich deutlich
von Holzbrettern und Holzgeist
unterscheidet“, beteuert Peter
Mosten, der im vorigen Jahr mit
gutem Timing just zur Ski-WM in
Åre die Korken knallen ließ. Sav™
hatte das Tageslicht erblickt. Korrekt
„Hier handelt es sich um
ein Produkt des Waldes,
das sich deutlich von Holzbrettern und
Holzgeist unterscheidet“
Peter Mosten
Beim Katalogisieren alter Aufsätze
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etwa zehn Liter Rohstoff pro Tag. Der
Saft wird vergoren bis der fertige Sekt
in nummerierte Flaschen, eingehüllt in
Reispapier (Design: Björn Kusoffsky),
abgefüllt und gelagert wird.
Produktionszunahme
2006 wurden 5 000 Flaschen erzeugt
und über das schwedische Alkoholmo-
beschrieben handelt es sich um ein
Schaumweingetränkt mit 12 Prozent
Alkohol auf der Basis von Birkensaft.
Oder eben: Birkensekt.
S
und Berichte über die Auswirkungen
chemischer Substanzen auf Mensch und
Umwelt fiel dem Ökologie-Ingenieur
Peter Mosten ein altes Rezept in die
Hände: So macht man Birkenwein.
Seit über tausend Jahren trinken die
Menschen im Norden Birkensaftgetränke. „Birkensaft ist mein Leben und

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